Das Biest in dir... [Shio & Nimue]

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      Ian

      Ich sah ihr nach, als sie urplötzlich aufstand und davon eilte, wie ein Blitz. Gefolgt von ihrem kleinen Wiesel. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Ich krümmte mich förmlich auf dem Boden zusammen. "Nicht doch…" Die Dunkelheit übermannte mich und ich konnte nicht verstehen warum das gerade passiert ist. Hab ich etwas falsches gesagt? Fühlt sie nicht das selbe wie ich.. oder habe ich sie einfach nur überfordert? Ich wusste es nicht, hatte keine richtige Antwort von ihr bekommen. Noch ein Stich in meinem Herzen gefolgt von plötzlich stechenden Kopfschmerzen. "Nicht jetzt", stöhnte ich auf.
      Meine Gedanken spielten verrückt, alles war durcheinander. Tränen liefen mir über die Wangen. Dann versuchte diese Stimme wieder in meinem Kopf zu dringen. Ich schlug mir mit der Hand gegen den Kopf. Versuchte die Tränen wegzuwischen. Doch es gelang mir nicht das alles zu unterbrechen.
      ´Ich hab es dir doch gesagt das das sie dich durchschauen wird. Da hast du es. Sie will dich nicht. Du hast sie nicht verdient´
      "Sei still!" Ich schrie so laut auf, sodass die Vögel sich erschreckten und von den Bäumen wegflogen. Ich hielt mir die Hand vor dem Mund. Ich muss mich zusammen reißen. Muss widerstehen. Er darf nicht gewinnen. Dieses Mal nicht.
      Ich erinnerte mich an die Worte von meiner Mum und atmete langsam ein und aus.
      Langsam konnte ich mich wieder aufrichten, strich mir das Moos von meiner Kleidung ab und wischte die restlichen Tränen weg. "Es wird eine einfache logische Erklärung dafür geben", flüsterte ich beruhigend zu mir.
      ´Denk was du willst. Früher oder später wird sie dich hassen. Für das was du bist. Ein Monster!´
      Ich hielt mit den Kopf mit meinen Händen, der Druck war immer noch präsent, aber mein Kopf hämmerte nicht mehr so stark. "Sie wird es nie erfahren. Niemals. Dann wird alles gut werden." Ich sprach mir Mut zu und dieser Mut beflügelte mich. Ich löste meine Hände von meinem Kopf, mein Blick wurde wieder klarer und ich suchte den Waldrand nach ihr ab. Noch war sie nicht zu sehen.
      Genügend Zeit um mich weiter zu beruhigen. Ich trank einen Schluck von meinem Wasser und versuchte meinen Atem und Herzschlag weiter zu beruhigen.
      Dann hörte ich etwas rascheln und hob meinen Kopf an und sah sie, wie sie auf mich zu lief. Mein Herzschlag wurde wieder schneller. Ich sprang förmlich auf und blickte ihr in ihre Ozean blauen Augen. Sie entschuldigte sich für ihren plötzlichen Aufbruch. Ich musste es dabei belassen, auch wenn ich ihr das nicht ganz abkaufte. Doch ich wollte sie nicht noch weiter verunsichern, nicht nachhaken. Ich zog sie daher in eine Umarmung und legte meinen Kopf auf ihren. "Bitte mach das nie wieder mit mir." Ich drückte sie so fest an mich um ihr zu zeigen das ich sie nie wieder los lassen wollte. Der Duft von Vanille stieg mir in die Nase. Wir blieben noch ein paar Minuten so stehen, dann löste ich mich wieder von ihr und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen der voller Sehnsucht, Liebe und ein Hauch von Verzweiflung war.
      Ich zog sie mit mir auf den Boden sodass sie auf meinem Schoß landete. Ich strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und sah sie liebevoll an. "Tut mir leid wenn ich etwas falsches gesagt habe… das wollte ich nicht."
      Alles was ich wollte ist das sie glücklich ist.
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      Annalena

      Ich spürte den festen Griff seiner Arme, die mich hielten, als wollten sie mich nie wieder loslassen. Sein Herzschlag dröhnte gegen mein Ohr, ein schneller, lebendiger Rhythmus, der mich langsam wieder in der Realität ankerte. In unserer Realität. "Ich denk dran und mach es nie wieder. Versprochen." Und wieder Kuss… Oh Gott!! Dieser Kuss… so war ich noch nie zuvor geküsst worden… Als er mich schließlich langsam los ließ und mich auf seinen Schoß zog, fühlte ich mich noch immer etwas benebelt und gleichzeitig so unendlich geborgen.
      Seine Entschuldigung versetzte mir einen kleinen Stich. Er dachte, er hätte etwas falsch gemacht, dabei war er das Einzige, was sich in diesem Moment absolut richtig anfühlte. Ich legte meine Hände an seine Wangen, suchte seine Augen und ließ die letzte Unsicherheit von mir abfallen. Ich wollte, dass er die nackte, unverfälschte Wahrheit hörte... ganz ohne Magie, einfach nur ich. "Du hast überhaupt nichts Falsches gesagt, Ian", begann ich leise, und mein Lächeln wurde trotz meiner Angst so ehrlich, wie es nur sein konnte. "Ganz im Gegenteil. Du hast meine Welt nicht komplett auf den Kopf gestellt... du hast sie einfach heller gemacht. Leichter. Als hätte jemand plötzlich das Licht angemacht und ich hätte vorher gar nicht gewusst, wie bunt die Welt um mich herum eigentlich ist." Ich hielt kurz inne, während meine Daumen sanft über seine Haut strichen. "Seit du hier in Forks bist, fühlt es sich an, als hätte ich ein Puzzleteil gefunden, von dem ich nicht einmal wusste, dass es mir fehlt. Oder vielleicht wusste ich es irgendwo tief drin doch, aber ich hätte nie gedacht, dass es sich so anfühlen würde, wenn es endlich da ist. Mein Leben lang wollte ich eigentlich nur aus Forks raus, aber jetzt... jetzt mag einfach da sein, wo du bist." Ich lehnte meine Stirn gegen seine und schloss für einen Moment die Augen, um seinen Atem auf meiner Haut zu spüren. "Ich schätze so sehr, wie einfühlsam und geduldig du mit mir und all dem Chaos um mich herum umgehst. Das ist nicht selbstverständlich. Du bist so viel mehr, als alle anderen denken, Ian. Du bist nicht nur der Typ, der die Schule aufmischt. Du siehst Dinge, die andere einfach übergehen... und ich liebe das. Am liebsten würde ich jede Sekunde in deinen Armen liegen oder dich küssen, weil sich dort alles so sicher genau richtig anfühlt." Genau wie gerade eben. Ich musste bei den bloßen Gedanken Lächeln wie ein Honigkuchenpferdchen. "Ich dachte früher schon mal, ich wüsste, wie es ist, verliebt zu sein. Aber das mit uns ist anders. Es ist tiefer. Es fühlt sich an, als hätte es schon immer genau so sein sollen, egal wie lang oder kurz wir uns kennen, als hätte mein Herz dich schon lange vor unserem ersten Treffen wiedererkannt. Du bedeutest mir unendlich viel, Ian, und ich will nirgendwo anders sein als genau hier." Ich legte meine Arme um seinen Nacken, vergrub meine Finger in seinem dunklen Haar und zog ihn sanft zu mir hinunter. Als sich meine Lippen auf seine legten, war es kein vorsichtiges Tasten mehr. Es war ein Kuss, in den ich alles legte, was ich gerade gestanden hatte: die Dankbarkeit dafür, dass er mein Licht war, die Sehnsucht nach dieser Sicherheit, die nur er mir gab, und das tiefe Versprechen, dass ich nirgendwo anders sein wollte. Es war ein Kuss, der meine Worte besiegelte und den letzten Rest meiner Angst vor der Magie und dem Schicksal für diesen Augenblick einfach auslöschte. In seinen Armen fühlte ich mich zum ersten Mal nicht wie eine Hexe, die vor ihrem Erbe floh, sondern einfach wie ein Mädchen, das endlich seinen Platz gefunden hatte.
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      Ian

      Ihre Worte brannten sich tief in mein Herz hinein und ich konnte nicht glauben was hier gerade passierte. Vor ein paar Minuten dachte ich, ich hätte einen Fehler gemacht und sie für immer verloren. Doch jetzt war es anders. Sie schüttete mir ihr Herz aus und ich fühlte mich plötzlich wie der glücklichste Mensch auf Erden. Ich strich sachte über ihren Rücken, nur um sicher zu gehen das ich nicht doch träume. Dass das hier real war. Ihr Kuss auf meinen Lippen versiegelte ihre gesagten Worte und ließ alles um uns herum für diesen Augenblick wieder still stehen.
      Als wir uns lösten sah ich ihr wieder in die Augen. Sie wirkte jetzt noch schöner als sonst. Ich biss mir auf die Lippe und drückte sie noch näher an mich. Freudentränen traten mir in die Augen. Ich ring nach den richtigen Worten, wollte dieses Glück nicht zerstören.
      Ich räusperte mich, weil ich das Gefühl hatte das meine Stimme versagen könnte.
      "Du machst mich gerade echt sprachlos.." Ein Lächeln breitete sich über meinem ganzes Gesicht aus. "Ich kann deine Worte genau so zurück geben. Weißt du ich hatte echt Angst hier nach Forks zu kommen. So ganz alleine ohne das ich jemanden kannte. Doch ich habe bei unserer ersten Begegnung schon gemerkt das du was besonderes bist. Deine Art und Weise wie du mich am ersten Tag schon an die Hand genommen hast und mich vor der Horde von Schülern gerettet hast, war beeindruckend. Und auch die Tage danach waren bis jetzt einfach schön. Zeit mit dir zu verbringen erfüllt mich und ganz egal welche Steine uns in den Weg gelegt werden, wir werden alles zusammen überstehen. Wir sind ein unschlagbares Team und ich wünsche mir nichts sehnlicher als das du glücklich bist." Ich strich ihr sachte über ihre Wange. "Ich bin es auf jeden Fall und ich würde sooo gerne die Zeit vor drehen, indem ich wieder mehr Zeit mit dir verbringen kann. Schließlich möchte ich dir meine Kochkünste zeigen und was ich sonst noch so auf Lager habe." Einen Augenblick sagte niemand etwas von uns. Dann lehnte ich meine Stirn wieder an ihre. "Seit ich dich kenne fühlt sich Forks auch wie ein zu Hause für mich an. Und ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen ohne dich an meiner Seite zu wissen." Ich zog sie noch einmal in eine Umarmung, weil ich wusste das sie bleiben würde. Irgendwo in der Ferne rauschte der Wind durch die Bäume. Doch hier zwischen uns fühlte sich alles so ruhig an.
      Nachdem wir uns wieder gelöst hatten betrachte ich Annalena für einen Moment und mir wurde bewusst das wir jetzt ein richtiges Paar sind. Mit allem was dazu gehörte. Dann schoss mir eine leichte Röte ins Gesicht. Das wir verliebt sind und zusammen sind bedeutete nun auch das es früher oder später dazu kommen wird das wir.. bei den Gedanken daran schluckte ich merklich. Ich lächelte diese Gedanken schnell weg. Ich sah ihren eindringlichen Blick auf mir. "Ähm.. wir sollten nichts überstürzen.. wir lassen uns Zeit okay? Ich will jeden einzelnen Moment mit dir genießen.. nichts überstürzen.." Mir wurde plötzlich warm.. Viel zu warm. Die Wärme die von ihr ausging machte die Sache nicht besser. Ich atmete gleichmäßig weiter und versuchte mich zu kontrollieren.
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      Annalena

      Ich spürte, wie Ians Wärme auf mich überging, und plötzlich fühlte ich mich in der Zeit zurückversetzt. Es war genau wie neulich auf seiner Couch, bei unseren zweiten Netflixabend, der eigentlich so gewöhnlich hätte sein sollen. Die gleichen intensiven Gefühle, seine unmittelbare Nähe und dieses seltsame Phänomen, dass die Zeit plötzlich endlos wirkte ... als wäre die Welt um uns herum eingefroren. Wie in einer Schneekugel oder ... den Bernstein in Ians Augen... M-Moment mal! Habe ich das etwa getan? Habe ich unwissentlich die Zeit angehalten? Ich checkte kurz etwas nervös ob ich nicht doch die Zeit beeinflusst hatte. Ich suchte nach dem typischen magischen Flimmern oder einer unnatürlichen Stille, doch als ich das ferne Rauschen der Blätter hörte, atmete ich erleichtert aus. Nein, das war kein Zauber. Das war einfach nur die Zweisamkeit mit Ian, in der ich gerade wieder hoffnungslos versank. "Genau das war der Plan... irgendwie. Weil ich dir das schuldig war", neckte ich ihn. Dann wurde mein Blick wieder etwas weicher.
      Ich deutete mit dem Finger unschuldig auf mich selbst und begann dann hell zu lachen. "Ähm... wenn ich mich zurückerinnere, habe ich an dem Tag eigentlich grottenschlechte Laune gehabt. Aber... du hast mir leid getan. So als Futter für die Meute. Das hat niemand verdient, nicht mal der Neue aus der Großstadt... schon gar nicht jemand wie du." Ich hielt inne und strich über den Stoff seiner Jacke, während ich ihm ein Geständnis machte, das ich bisher für mich behalten hatte. "Ich...ich weiß es seit dem Moment, als wir uns bei dem Stadtrundgang durch diese enge Gasse gezwängt haben. Seitdem bin ich einfach nicht mehr von dir losgekommen. Und ich... ich will es auch gar nicht." Es war fast eine Woche her und doch fühlte es sich an wie mein halbes Leben. Bei der Erwähnung seiner Talente zog ich eine Augenbraue hoch und grinse ihn breit an. "Moment mal. Kochkünste? Und was sonst noch? Oh Ian... Fußballstar, Hobby-Koch und unentdeckter Gitarrenmeister... was kannst du denn noch alles? Du hast mich doch schon rumgekriegt, als du mich letztens so verschlafen angeblinzelt hast. Du musst mich wirklich nicht weiter beeindrucken." Ich lehnte mich wieder fest an ihn und genoss die friedliche Ruhe, die nur durch das Pochen unter seinem Shirt unterbrochen wurde. Mein Ohr lag genau über seinem Herzen. Irgendwie hatte ich eine Art Deja Vu. "D-Du bist... wieder nervös?", fragte ich leise und sah zu ihm auf, wobei ich ihn verliebt anfunkelte. Dann fiel der Groschen. "Oh. Oh!" Seine Verlegenheit wegen des 'Überstürzens' war so entwaffnend, dass ich am liebsten wieder losgekichert hätte. "Wir lassen uns Zeit. Zumindest so lange, bis die Glocke klingelt. Unsere Pause ist nämlich fast wieder vorbei."
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      Ian

      Sie war einfach zuckersüß wie sie mich anschaute. Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen sie in meinem Leben zu haben und sie hatte vollkommen recht damit das wir die restliche Zeit genießen sollten, eh wir wieder zurück in die Schule mussten.
      Wir hielten diesen Moment noch für ein paar Minuten fest, genoßen unser kleines Picknick, bis uns das erste klingeln der Glocke wieder zurück in das hier und jetzt holte.

      Die restlichen Tage gingen relativ schnell vorbei. Wir verbrachten jede freie Minute, die wir hatten, zusammen und so langsam bekamen es auch der letzte Schüler mit das wir nun zusammen waren. Ein unzertrennliches Team. Wir liefen jeden Tag Hand und Hand in die Schule und nach Hause. Die Nachmittage verbrachte ich meistens mit den Jungs um die Zeit einfach zu überbrücken, bis ich Annalena wieder zu mir nach Hause einladen durfte. Wir küssten uns in den Pausen und zwischen den Stunden, bis unsere Lippen weh taten. Es fühlte sich unbeschreiblich gut an, sie an meiner Seite zu wissen und seit dem Tag von unseren Liebesgeständnissen war mein innerer Dämon plötzlich ruhig geworden. Fast als wäre ich ein ganz normaler Junge.
      Auch das Fußballtraining lief super und ich lief zur Höchstform auf.
      Trotzdem lag etwas an dem Tag in der Luft und die Blicke von Tristan sprachen Bände.
      Es war Freitag, das letzte Training für die Woche. Tristan hielt mich nach dem Training am Arm fest bevor ich in die Umkleide gehen konnte. Die Jungs blieben ebenso abrupt stehen. Max, Tommy und Kyle, sind mir die letzte Zeit sehr ans Herz gewachsen, doch ich wollte sie nicht mit in die Sache hineinziehen. Mit meinem Blick wies ich sie an, weiter zu gehen.
      Tristan ließ meinen Arm wieder los und ich verschränkte die Arme vor der Brust und drehte mich zu ihm um. "Was willst du?" Ein schelmisches Grinsen glitt über seine Lippen und er funkelte mich an. "Ich wollte dich nur daran erinnern das wir nächste Woche ein Spiel haben und ich werde dir zeigen wer hier der bessere Spieler von uns beiden ist. Dann wird deine kleine Liebelei mit dieser Annalena Hood ganz schnell zu Bruch gehen.. Sie wird sehen was du für ein Loser bist." Er hielt kurz inne und sprach dann weiter. "Und glaub mir ich werde dabei kein bisschen Rücksicht nehmen." Ich zog eine Augenbraue nach oben und musterte ihn. "Du überschätzt dich ganz schön, Tristan." Er lachte trocken und ging einen Schritt auf mich zu und beugte sich zu mir runter. Ja er war ein paar Zentimeter größer als ich und muskulöser gebaut, aber das schüchterte mich nicht ein. "Und du unterschätz mich, Ian Black." Das Funkeln in seinen Augen hätte mich früher verunsichert, doch heute nicht mehr. Ich hatte keine Angst vor ihm. Er machte sich größer als er eigentlich war und das ist irgendwie traurig. "Was das Spiel angeht, es ist nur ein Spiel mehr nicht."
      Sein Blick wurde wütender. "Für dich vielleicht. Für mich ist es mehr. Schließlich sind dort auch College Coaches die zuschauen. Und wer weiß vielleicht winkt dort das ein oder andere Stipendium für später." Darum ging es ihm also. "Wenn das so ist musst du dich halt ins Zeug legen. Sie wollen nur dein Talent sehen. Ob wir gewinnen oder verlieren ist ganz egal." Ich sprach ruhig zu ihm, damit er nicht noch mehr gereizt wird. Sein wütender Blick verrutschte für einen Moment. Doch er fing sich schnell wieder. Also steckte doch mehr dahinter als nur dieses kleine Machtspiel? "Wie dem auch sei ich werde herausstechen und dann kannst du einpacken."
      Ich stöhnte auf, das war mir echt zu viel des Guten. "Wie auch immer." Ich ging einen Schritt zur Seite und wollte zum Gehen ansetzen. Doch ich blickte nochmal über die Schulter. "Und was Annalena angeht. Lass sie daraus." Ich konnte hören wie er schnaubte. Wenn er ihr nur ein Haar krümmt dann kann er was erleben und wird dieses Spiel nächste Woche nicht antreten. Dafür würde ich sorgen.
      "Keine Sorge Sunnyboy sie wird von ganz alleine vor dir weglaufen."
      Seine Worte halten noch nach, als ich in Richtung Umkleide ging. Vor einigen Tagen hätte ich mir die Worte zu Herzen genommen, doch jetzt war es nur dummes Geschwätz von jemanden der einsam ist. So schätze ich ihn ein. Er versteckt sich hinter seiner Fassade und spielte eine Rolle. Doch innerlich zerbricht er. Mich sollte es nicht interessieren, aber ich war trotzdem neugierig. Vielleicht zeigt er mir eines Tages eine andere Seite von sich oder er schikaniert mich weiter. Es blieb abzuwarten was passiert.
      Mein Blick auf die Uhr verrät mir das ich schon längst Annalena hätte treffen sollen. Sie wartete sicherlich schon an der Brücke auf mich. Mit meiner Sportasche über der Schulter lief ich den Weg von der Schule zur Brücke. Fast schon außer Atmen kam ich auf sie zu gelaufen. Mein Herz machte einen Sprung. Wie schön sie wieder aussah. "Ann." Ich lächelte und winkte ihr zu. Ja sie hat mir vor ein paar Tagen angeboten sie doch auch Ann zu nennen und das mache ich seitdem auch nur noch.
      Ich blieb vor ihr stehen und zog sie in einen stürmischen Kuss. "Gott hast du mir gefehlt", murmelte ich gegen ihre Lippen. Sie schmeckte süß wie Honig und ihr Vanilleduft kitzelte mir in der Nase. "Wollen wir? Ich muss dringend unter die Dusche und dann koche ich uns etwas leckeres."
      Ihr Hausarrest war zum Glück vorbei und heute war der erste richtige Nachmittag, den wir wieder zusammen verbringen konnten. Es war schön und aufregend zu gleich. Endlich hatte ich das Mädchen meiner Träume wieder ganz für mich.
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      Annalena

      Die Tage meines Hausarrests waren eine bizarre Mischung aus hormonellem Höhenflug und magischem Drill. Während ich in der Schule jede Sekunde mit Ian aufsog, seine Hand in meiner, das Kribbeln seiner Küsse auf meinen Lippen spürte, sah mein Abendprogramm deutlich düsterer aus. Ich verbrachte Stunden damit, die Grundlagen der Magie zu büffeln. Mein Verhältnis zum Grimoire war... kompliziert. Ich hatte mehrfach versucht, das Ding loszuwerden: Ich schmiss es aus dem Fenster aber es lag fünf Minuten später auf meinem Kopfkissen, versuchte es in der Badewanne zu ertränken doch das Wasser perlte einfach ab, als wäre es aus Plastik, ch versuchte es zu zerschneiden aber dabei zerlegte ich lediglich die Scheren im Haus und hielt sogar ein Feuerzeug an die Ecken doch diese glitten einfach über den Ledereinband als wollten sie es streicheln. Das Buch hatte daraufhin nur ein gehässiges, rauchiges Lachen von sich gegeben und die Schrift auf den Seiten kurzzeitig in "Netter Versuch, kleines Hexlein" geändert.
      Doch so sehr es mich nervte, ich machte zumindest Fortschritte. Die alte, vergilbte Schrift las ich inzwischen fast fließend. Ich lernte, dass Magie vor allem Fokus und Wille war. Ich musste mir das Ergebnis vor meinem geistigen Auge glasklar vorstellen. Da ich aber noch eine Anfängerin war, brauchte ich oft noch holperige, sich reimende Sprüche, und meine Zauber waren ... gelinde gesagt... unpräzise. Einmal wollte ich eine Kerze anzünden und setzte stattdessen fast Logans Zimmerpflanze in Brand.
      Apropos Logan: Je kompetenter ich wurde, desto entspannter wurde er. Er sah mich nicht mehr nur als tickende Zeitbombe, sondern fast schon als... nun ja, ich als Kleinkind lernte, nicht ständig über meine eigenen Füße zu stolpern. Unterstützt von Grandma, Ink und Logan rückte das Ziel näher, auch wenn diese blöde magische Prüfung in drei Monaten über die Grundlagen der Magie wie ein dunkler Schatten über meinem Liebesglück hing.
      Dazu kam mein normales Leben: Als stellvertretende Schülersprecherin organisierte ich den Spendenlauf, was mich fast wahnsinnig machte. Auch mit Tessas Hilfe. Sogar mit Lake sprach ich jetzt mehr als fünf Wörter am Stück. Wir schrien uns zwar immer noch an, aber die Intervalle dazwischen wurden länger. Also war das wohl auch ein Fortschritt, würde ich mal sagen.

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      Endlich war die Klassensprechersitzung vorbei. Logan führe Tessa aus und Ian und ich hatten an meinen ersten Tag in Freiheit so ziemlich das Selbe vor. Im Old Oak hatte ich mit heute und Morgen vorsorglich auch frei genommen. Alles war perfekt bis auf der Kaffee-Fleck auf meiner Bluse aber das war kein Problem, wenn man plötzlich eine Nachwuchshexe war!
      Um diese Zeit war niemand mehr im Schulgebäude aber dennoch erzog ich mich lieber in eine der Mädchentoiletten. Sicher ist sicher! "Also gut, du blödes Buch, zeig, was du kannst", murmelte ich. Ink, mein Hermelin, hatte mir das Grimoire bereits aus der Tasche gezerrt und hielt es auf der Seite für Änderungszauber bereit.
      Ich fixierte mein Spiegelbild, hob den Finger und rezitierte meinen mühsam entworfenen Reim:"Der Spruch gereimt, mein Wunsch bestimmt, das Outfit wechselt und gewinnt!" ZACK. Blaues Licht flackerte. Ich starrte auf mein letztes Halloween-Kostüm. "Nein... zu auffällig und unpassend."Erneuter Fokus. ZACK. Pailletten-Jogginghose in Neongrün. "Oh Gott, nein! Zu viel 80er-Disco!" Das Grimoire lachte gehässig rund ich rollte genervt mir den Augen.
      Ein letzter Versuch. Ich visualisierte Stil, Eleganz und Funktionalität. ZACK. Ein heller Blitz hüllte mich ein.Als ich die Augen öffnete, lächelte mir eine junge Frau entgegen, die genau wusste, was sie wollte: Ein hochgeschlossenes weißes Top, perfekt kombiniert mit einem schwingenden, rot-braun karierten Faltenrock. Ein schmaler Ledergürtel betonte meine Taille, während die weiche, kamelbraune Strickjacke lässig über meine Schultern fiel. Schwarze blickdichte Strumpfhosen und derbe Lederstiefel mit süße Schnallen gaben dem Look den nötigen Kontrast. "Ja! Das ist es!", jubelte ich. Doch mein Gesicht und die Haare wirkten im Neonlicht noch zu blass. Ich blätterte hastig weiter. "Lass uns variieren, Ink." Ich deutete auf meine platten Strähnen:"Glanz und Schwung in jeder Strähne, wie ich sie mir im Geiste ersehne. Locken fallt nun weich und fein, so soll mein neues Styling sein!"
      Ein goldener Schimmer hüllte meinen Kopf ein, meine Kopfhaut kribbelte angenehm. Sofort schob ich den nächsten Vers hinterher, während ich mir auf die Wangen tippte:"Farbe auf die blassen Wangen, lass den Blick am Auge fangen. Ein Hauch von Rose, zart und rein – zieh den Zauber in mein Antlitz ein!" Ein glitzernder Nebel sank auf meine Haut. Als er sich lichtete, schnalzte Ink begeistert. Mein Haar fiel in glänzenden Wellen über die Strickjacke, mein Teint strahlte wie nach einem Waldspaziergang und meine blauen Augen leuchteten tief und klar. Ein Hauch von hellrosa Lippenstift rundete alles ab. Ich strich mir eine perfekte Locke aus der Stirn. "Na sieh mal einer an. Langsam gefällt mir das mit den Zaubern.", hauchte ich stolz. "Das ist perfekt." Ich drehte mich einmal im Kreis, genoss das Mitschwingen des schweren Stoffs und wusste: Mit diesem Look würde ich Ian definitiv den Atem rauben.

      Ich kontrollierte zum dritten Mal nervös die Uhrzeit auf meinem Handy. Eigentlich hätten wir uns längst hier treffen sollen. Der Wind, der unter der Brücke hindurchzog, ließ meinen karierten Rock leicht um meine Beine spielen. "Ob ich mich in der Zeit geirrt habe?", murmelte ich leise vor mich hin. Ich tippelte nervös auf meinen Füßen hin und her während mir ein verlockender Gedanke durch den Kopf schoss. Vielleicht sollte ich mich doch heimlich an Zeit-Zauber herantrauen? Nur ein klitzekleiner Spruch, um die Minuten vorzuspulen oder ihn direkt wieder zu sehen... Das war ohne die bestandene Prüfung für eine Anfängerin wie mich zwar verboten aber... hier ging es um Ian! Doch genau in dem Moment, sah ich ihn.
      Meine Augen weiteten sich und fingen augenblicklich an vor Freude zu funkeln. Mein Herz stolperte, als ich sah, wie er mit seiner Sporttasche über der Schulter auf mich zulief. Ich spürte, wie meine Wangen glühten, und ich fing an, aufgeregt mit beiden Armen zu winken. "Ian!", schrie ich seinen Namen über des gesamte Schulgelände, unfähig, mein breites Grinsen zu unterdrücken. Der wunderbarste Mensch in ganz Forks und Umgebung war endlich da. Und ich konnte es kaum erwarten wieder... ganz allein mit ihm zu sein. N-naja so allein wie es mit den Grimore und einen magischen Vertrauten nun mal ging aber die würde ich auch noch los werden!
      Ehe ich mich versah, landete ich in seinen Armen. "Woah! W- mhhm...", mein Satz brach augenblicklich ab, als seine Lippen meine trafen. Es war ein so stürmischer Kuss, der mir sofort alle Sinne vernebelte. Für eine Hexe war das eigentlich brandgefährlich, weil mein Fokus in alle Richtungen davonflatterte, aber Ian war nicht nur unglaublich süß, einfühlsam und geduldig, sondern auch ein verdammt guter Küsser. In diesem Moment vergaß ich alles das Grimoire, die blöde Prüfung und das Chaos der letzten Tage.
      Als wir uns keuchend lösten, lachte ich neckisch und strich mir eine Locke aus dem Gesicht. "N- Na toll. Jetzt muss ich auch gleich duschen", prustete ich, während ich den Duft von ihm einatmete. "Aber eigentlich rieche ich gerne nach dir. Das bedeutet schließlich, dass wir zwei zusammengehören." Ich griff nach seiner Hand, verschränkte meine Finger fest mit seinen und wir schlenderten beschwingt in Richtung seines Zuhauses. Ich genoss das Gefühl, seine Hand zu halten, ohne dass uns jemand dabei beobachtete oder Logan eine blöde Bemerkung machte. "Und übrigens", sagte ich und sah ihn von der Seite her mit blitzenden Augen an, "du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dabei zusehe, wie du Chaos in deiner Küche verbreitest? Nein, nein, mein Lieber. Nach meinem Zwangsarrest nutzen wir jede Minute aus. Und das bedeutet: Wir kochen zusammen, ist das klar?"