The Witch and the Hunter [Atomic x Yumia]

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    • Zelena blickte erneut zu Kalean hinüber und stellte zufrieden fest, dass er ihren Tee ausgetrunken hatte. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie schwer es für sie selbst gewesen war, diesen bitteren Aufguss herunterzubekommen. Zumindest nahm er alles an, was sie ihm gab, ohne Widerworte. Es hätte auch anders sein können – er hätte ihre Fähigkeiten in Frage stellen oder ihre Fürsorge ablehnen können. Ein solcher Widerstand hätte ihr nur zusätzliche Sorgen bereitet, besonders angesichts der ohnehin unvernünftigen Entscheidung, mit ihm in den Wald zu gehen.
      Sein aufrichtiger Dank entspannte ihren angespannten Körper. Zwar hatte sie Kalean nicht als jemanden eingeschätzt, der ihre Mühen nicht zu schätzen wusste oder sich überheblich über sie stellte, doch die Geschichten über Jäger hatten bei ihr einen vorsichtigen Eindruck hinterlassen. Sie hatte Schlimmes gehört. Dennoch zeigte sich ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen, als er begann, ihr Aufgaben aufzuzählen, bei denen er helfen könnte. Es war fast rührend, wie er sie überzeugen wollte, ihm etwas Arbeit zu geben, trotz seiner Erschöpfung. Das Häuten des Tieres jedoch würde seiner Genesung mehr schaden als nutzen, und obwohl sie ihn noch nicht lange kannte, war Zelena sicher, dass er sich mit einer Ablehnung nicht zufriedengeben würde.
      Nachdenklich ließ sie ihren Blick durch die kleine Hütte schweifen, während sie überlegte, welche Aufgaben sie ihm ohne Gefahr für seinen Körper geben konnte. „Du könntest stattdessen...“, begann sie langsam, während sie noch nachdachte, „das Gemüse schneiden“, fuhr sie fort und drehte sich zu ihm um. „Das wäre mir eine große Hilfe“, fügte sie mit einem bestätigenden Nicken hinzu. Auch wenn das Gemüseschneiden nicht viel Zeit in Anspruch nahm und sie es problemlos selbst erledigen könnte, war es die einzige Aufgabe, die ihr auf die Schnelle einfiel und die ihn nicht überanstrengen würde.
      Ohne auf seine Antwort zu warten, drehte sie sich zur Tür und verließ ein weiteres Mal die Hütte, um sich um andere Dinge zu kümmern. Zelena trat aus der Hütte hinaus und ging in den kleinen, sorgfältig gepflegten Garten, den sie selbst angelegt hatte. Die Erde war nach dem Regen der letzten Nacht noch weich, und der Duft der nassen Blätter erfüllte die kühle Luft. Sie holte einen Korb aus einem angrenzenden Raum, der sich nur von außen betreten ließ, und ging gemächlich durch den Garten, auf der Suche nach reifen Gemüsesorten. Ihre Finger gruben vorsichtig in die lockere Erde, um die zarten Wurzeln nicht zu beschädigen, und sie zog Karotten, Rüben und einige Zwiebeln heraus. Sie legte das frische Gemüse sorgfältig in den Korb, um die empfindlichen Schalen nicht zu verletzen. Mit einer leichten Zufriedenheit in ihrem Blick betrachtete sie die Ernte, bevor sie zurück in die Hütte ging.
      Drinnen stellte sie den Korb auf den hölzernen Tisch in der kleinen Küche ab und griff nach einem Holzschneidebrett und einem scharfen Messer. Mit bedachter Sorgfalt legte sie das Brett und das Messer in Kaleans Schoß, der immer noch auf dem Bett saß. „Schneide es in mundgerechte Stücke“, wies sie ihn sanft an, während sie das Gemüse noch schnell unter fließendem Wasser wusch. Ihre Worte klangen eher wie eine Bitte als ein Befehl, doch die Strenge in ihrer Stimme war unüberhörbar. Kalean nickte schweigend und begann, das Gemüse zu schneiden, auch wenn er dabei etwas langsamer vorging, als er es normalerweise getan hätte. Die Anstrengung schien ihm schwerer zu fallen, als er es sich eingestehen wollte.
      Zelena wandte sich der Küche zu und begann mit geübten Händen den Hasen zu häuten. Mit jeder Bewegung arbeitete sie präzise, fast mechanisch, während ihre Gedanken abschweiften. Das Fell des Hasen wurde von ihr sorgfältig gewaschen und aufgehängt, damit es später getrocknet und entweder für den eigenen Gebrauch oder zum Verkauf genutzt werden konnte. Das Fleisch schnitt sie danach in saubere, gleichmäßige Stücke, wobei sie auf jede Sehne und jeden Muskel achtete, um das Beste aus dem Tier herauszuholen.
      Als das Fleisch vorbereitet war, machte Zelena sich daran, den großen gusseisernen Kessel über dem Feuer aufzuhängen. Sie legte Holzscheite in den Ofen und entzündete es, das Knistern der Flammen erfüllte die kleine Hütte. Als das Feuer ausreichend brannte, gab sie das Fleisch in den Kessel und ließ es langsam anbraten, bevor sie schließlich das geschnittene Gemüse hinzufügte. Der Geruch von frisch gekochtem Essen begann allmählich die Luft zu füllen, während das köchelnde Wasser und die aufsteigenden Dämpfe von einer heimischen Wärme kündeten. „Eine bestimmte Geschmacksrichtung?", fragte sie ihn nach einer Weile und trat an das Kräuterregal.
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    • Der junge Jäger beobachtete, wie Zelena das Kräuterregal durchsuchte, das durch das weiche, flackernde Licht des Feuers einen geheimnisvollen Schimmer erhielt. Jedes Blatt, jede Wurzel und jede getrocknete Blüte schien seine eigene Geschichte zu haben, als hätten sie schon unzählige Male Leben gerettet – oder Gerichte verfeinert. Er versuchte, die Müdigkeit aus seinen Augen zu vertreiben, indem er leicht blinzelte, aber die Wärme des Raumes und der kräftige, beruhigende Duft des langsam köchelnden Eintopfs drückten sanft auf seine Wachsamkeit.
      Er bemerkte das Gewicht des Messers in seiner Hand und die sorgfältig geschnittenen Gemüsestücke vor sich, die er mit aller Ruhe und Konzentration bearbeitet hatte. Mundgerechte Stücke, hatte sie gesagt – und Kalean hatte sich bemüht, die perfekte Größe zu finden, was ein wenig länger gedauert hatte, als ihm lieb war zuzugeben. Das Messer hatte unter seinen Händen getanzt, aber langsamer und bedachter, als er es sonst gewohnt war.
      Als die mysteriöse Schönheit sich schließlich wieder zu ihm wandte und sich nach seiner Geschmacksrichtung erkundigte, lehnte er sich ein wenig zurück und musterte sie, als wäge er ab. „Etwas Herzhaftes,“ murmelte er schließlich.
      Es war schon lange her, dass jemand so viel Fürsorge in etwas investiert hatte, das für ihn bestimmt war. Er lachte leise, ein leises, raues Lachen, das beinahe in einem Husten endete, und runzelte dann die Stirn, als er sich leicht an die schmerzende Seite griff.
      „Etwas, das nicht allzu mild ist,“ fügte er hinzu, seine Stimme noch immer ein wenig rau. „Zu milde Speisen… das erinnert mich eher an Krankenlager. Das hab ich schon mehr als genug gehabt.“ Sein Blick glitt wieder zum Feuer, das munter im Kessel prasselte, als wolle es ihm ein wenig Mut machen.
      Ein Moment verging, in dem sie beide still arbeiteten, jeder vertieft in seine Aufgabe. Er begann, die Energie des Raumes wahrzunehmen, ein rhythmisches Zusammenspiel aus Hitze und Bewegung, aus Duft und leiser Musik von Feuer und Blubbern. Sein Magen meldete sich mit einem leichten Knurren – ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass er hungrig war.
      Der Jäger sah zu, wie sie die Kräuter in das köchelnde Wasser streute, ihre Hände bewegten sich präzise und mit einem Hauch von Magie, als wüsste sie genau, was jede einzelne Zutat bewirken würde. Er schüttelte leicht den Kopf, als ihm klar wurde, dass er sie vielleicht unterschätzt hatte.
      „Ich hätte nicht gedacht, dass ich irgendwann einmal dankbar dafür sein würde, in einem Bett zu liegen und jemand anderen kochen zu lassen.“ Durchbrach er irgendwann die Stille und ein amüsierten Funkeln trat in seine Augen, auch wenn er sich weiterhin Mühe gab, einen ernsten Ausdruck beizubehalten.
      Er hielt kurz inne, als die ersten intensiven Aromen ihn umgaben, das Gemisch aus Kräutern und Gewürzen, das ihn an Orte erinnerte, an denen er seit langem nicht mehr gewesen war – an Abende unter den Sternen, an Geschichten am Feuer, an die Unbeschwertheit des Augenblicks, die ihm in letzter Zeit oft entglitten war. Vielleicht tut das hier gerade mehr für mich, als ich je erwartet hätte, dachte er, während er seine Finger über die rauen, vernarbten Stellen an seiner Hand gleiten ließ. Die Narben erzählten seine Geschichte, aber hier, in der Wärme dieser Hütte, fühlten sie sich plötzlich weniger schwer an.
      Als sie sich wieder zu ihm umdrehte, hob er beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge, ich werde mich hüten, ein Rezept zu kritisieren, das mich wieder auf die Beine bringen soll.“ Er warf ihr ein ehrliches, warmes Lächeln zu und neigte leicht den Kopf. „Du hast eindeutig ein Talent – nicht nur für das Heilen, sondern auch fürs Kochen. Sag mir, woher hast du all das gelernt? War das schon immer dein Weg, oder… gab es eine Zeit, in der du noch nicht wusstest, dass deine Hände Leben retten könnten?“
      Er war sich bewusst, dass er gerade in eine ihrer Grenzen hineinfragte, doch seine Stimme blieb weich und respektvoll. Er wollte sie nicht bedrängen, doch das Interesse war ehrlich.
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    • Zelena nickte nachdenklich vor sich hin, während ihr Blick über die verschiedenen Gewürze schweifte. Etwas Herzhaftes, nichts Mildes – das war es, was sie vorbereiten wollte. Sie hatte bisher keine Erfahrung mit dem Essen in Krankenlagern und wusste daher nicht genau, was dort als „mild“ galt. Dennoch war sie sich sicher, dass ihre Zubereitung nicht fade ausfallen würde. Zelena hatte stets mit kräftigen Aromen gekocht, und da Kalean ausdrücklich den Wunsch nach mehr Geschmack geäußert hatte, sah sie keinen Grund, nicht auf seine Bitte einzugehen.
      Mit geübten Bewegungen griff sie nach verschiedenen Gewürzen und ließ sie in den Kessel rieseln. Das leise Zischen und der aufsteigende Duft verrieten, dass die Mischung langsam ihre Wirkung entfaltete. Da es keine anderen dringenden Aufgaben gab, richtete sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Zubereitung des Essens. Ein Satz, den Kalean zuvor mit einer gewissen Leichtigkeit und fast schon einem Hauch von Humor gesagt hatte, schlich sich in ihre Gedanken zurück. Für einen kurzen Moment zuckte der linke Mundwinkel Zelenas leicht nach oben – eine Geste, die sie selbst kaum bemerkte. Es war vermutlich etwas, was sich ein Jäger selten leisten konnte: diese Art von unbeschwerter Ruhe.
      Sie stellte sich vor, wie untypisch dieser Moment für Kalean sein musste. Jäger waren ständig unterwegs, Gefahren ausgesetzt, und oft genug von anderen gefürchtet. Zelena vermutete, dass eine Pause in einer ruhigen Hütte, bekocht zu werden, für ihn eine seltene Erfahrung sein musste. Vermutlich verbrachten Jäger den Großteil ihrer Zeit draußen in der Wildnis, schliefen unter freiem Himmel und sorgten selbst für ihre Mahlzeiten, oft mit dem, was sie erlegten.
      Bald war das Essen fertig, und sie begann, die dampfende Speise in zwei Schüsseln zu füllen. Der heiße Dampf stieg in die kühle Luft und kündigte das Herzhafte des Gerichts an. Kalean würde wohl etwas pusten müssen, um es abzukühlen. Als sie ihm die Schüssel reichte, gingen ihr seine Fragen durch den Kopf. Zelena war immer noch nicht daran gewöhnt, so viel gefragt zu werden. Würde sie diese Gespräche vermissen, wenn er wieder aufbrach? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Ihr Leben war immer von Ruhe geprägt gewesen, und auch der kurze Aufenthalt eines Jägers würde daran nichts ändern.
      Zelena setzte sich auf einen Hocker in der Nähe des Bettes und begann zu essen. Das Fleisch war zart, der Geschmack herzhaft und kräftig – genau so, wie Kalean es gewollt hatte. Während sie kaute, ließ sie ihren Blick auf ihm ruhen und überlegte, wie sie auf seine Frage antworten sollte. „Man hat es mir beigebracht, von klein auf", sagte sie schließlich und hielt ihre Stimme ruhig.
      Sie überlegte kurz und fügte dann hinzu: „Es reicht aus, um zu überleben." Für Zelena war das, was sie tat, nichts Besonderes. Es war das Wissen, das ihr einst ein alter Mann vermittelt hatte, um ihn unterstützen zu können. Talent? Das war in ihren Augen ein viel zu großes Wort. Ihre Fähigkeiten entsprachen denen jedes gewöhnlichen Dorfes – nichts, worauf sie stolz war, sondern etwas, das sie einfach tat, weil es nötig war.
      Nach einer kurzen Pause stellte sie ihm eine Gegenfrage: „Musstest du dir alles selbst beibringen?" Ihre Stimme klang beiläufig, doch die Frage war wohlüberlegt. Sie bezog sich auf seine Fähigkeiten als Jäger, auf das Wissen, das er über Bestien und die Wildnis hatte. Hatte er dieses Wissen allein erworben, oder gab es jemanden, der ihn in die Geheimnisse des Jägerlebens eingeführt hatte?
      Es war nicht nur Neugier, die sie diese Frage stellen ließ. Zelena wollte mehr über seine Welt erfahren – über die Gefahren, denen er täglich begegnete. Gleichzeitig erlaubte es ihr, selbst weniger zu reden. Die Stille war ihr noch immer vertrauter als Worte.
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    • Das Feuer knackte leise, und der aufsteigende Dampf des Eintopfs umhüllte die beiden mit einer vertrauten Wärme, die in merkwürdigem Kontrast zu Kaleans Gedanken stand. Ihre Antwort war schlicht gewesen, doch er hatte die Zurückhaltung darin gespürt, als würde sie die Wände ihrer Worte bewusst niedrig halten, um ja nicht zu viel von sich preiszugeben.
      Er ließ den Löffel in seiner Hand kreisen, während er die Frage erwog, die sie ihm gestellt hatte. Selbst beigebracht? Kalean schnaubte leise, ein Geräusch irgendwo zwischen Bitterkeit und Selbstironie. Sein Blick wanderte zu seiner Hand, die er vorsichtig streckte. Narben zogen sich wie feine Netze über seine Fingerknöchel, Überbleibsel von unzähligen Begegnungen, von scharfen Klauen und schneidenden Klingen. Jede dieser Spuren erzählte eine Geschichte – von Fehlern, von Kämpfen, die gewonnen wurden, aber immer einen Preis hatten.
      "Nein," sagte er schließlich, seine Stimme leise, aber nicht unsicher. Er setzte die Schüssel ab und lehnte sich leicht vor, die Unterarme auf seine Knie gestützt. "Es war… jemand da, der mir den Weg gezeigt hat." Sein Blick richtete sich ins Leere, als sähe er etwas, das weit entfernt und doch lebendig vor ihm lag. "Ein Jäger wie ich. Damals war ich noch ein Kind, und er…" Er hielt kurz inne, um die Worte zu finden, die dieser Erinnerung gerecht wurden. "Er hat mein Leben gerettet, als alles andere… verloren war."
      Kalean bemerkte, wie seine rechte Hand unbewusst nach der Narbe an seinem linken Oberarm griff, ein Reflex, der ihn zurückholte. Er lächelte, ein hartes, fast trauriges Lächeln, das ihn älter wirken ließ, als er war. "Er hat mich unter seine Fittiche genommen, mich gelehrt, zu kämpfen, zu überleben. Ich verdanke ihm alles." Seine Stimme hatte sich leicht gesenkt, und ein Schatten huschte über sein Gesicht, als er hinzufügte: "Am Ende hat er seinen eigenen Kampf nicht überlebt. Aber ich nehme an, das ist der Preis, den wir Jäger zahlen."
      Er griff wieder nach der Schüssel und nahm einen Löffel des dampfenden Eintopfs. Der Geschmack war vollmundig und schön kräftig - genau wie er es sich gewünscht hatte.
      Er ließ den Löffel sinken und sah Zelena wieder an während er das warme Mahl sorgfältig kaute. Ihre Frage war ebenso beiläufig wie bedächtig gewesen, doch Kalean spürte das Interesse dahinter, das vorsichtige Austarieren ihrer Distanz.
      "Manchmal", begann er langsam und ließ seinen Blick für einen Moment zu den Flammen wandern, "frage ich mich, ob ich ohne ihn derselbe wäre. Wahrscheinlich nicht. Vielleicht hätte ich einen anderen Weg gewählt – oder vielleicht hätte ich gar keinen mehr gehabt." Er hielt inne, ließ die Worte im Raum hängen. Sie fühlten sich schwer an, wie eine Bürde, die er nur selten teilte.
      "Und du?" Er sah sie an, ein Funkeln in seinen Augen, das ihn trotz der Müdigkeit lebendig wirken ließ. "Was auch immer man dir beigebracht hat – es ist mehr als genug, um zu überleben. Du bist nicht wie die meisten, Zelena. Das sehe ich. Aber ich frage mich…" Er legte den Kopf leicht schräg, als wäge er ab, wie viel er sagen sollte. Schließlich entschied er sich für einen weicheren Ansatz. "Hat dieser Jemand, der dich gelehrt hat, dir auch gezeigt, wie man die Einsamkeit erträgt?"
      Die Frage kam ihm fast beiläufig über die Lippen, doch in Wahrheit enthielt sie eine Schärfe, die er nicht hatte vermeiden können. Er wusste, dass er ein Risiko einging, dass sie sich wieder verschließen könnte, doch er konnte nicht leugnen, dass ihre Gegenwart etwas in ihm geweckt hatte. Nicht Mitleid, nicht einmal Verständnis, sondern ein merkwürdiges Bedürfnis, die Mauer aus Schweigen, die sie beide umgab, für einen kurzen Moment zu durchbrechen.
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    • Zelenas Blick wanderte zu Kalean, als er schnaubte. Hatte sie etwas gesagt, das offensichtlich absurd war, etwas, das nur sie nicht verstand? Sie überlegte kurz, ob sie nachfragen sollte, entschied sich jedoch dagegen. Stattdessen beobachtete sie geduldig seine nächste Reaktion. Als Kalean schließlich seine Hand ausstreckte, glitt ihr Blick fast wie von selbst darauf. Die vielen Narben, die sie darauf entdeckte, weckten sofort Erinnerungen an die Verletzungen, die sie an seinem Oberkörper gesehen hatte, als sie ihn verbunden hatte.
      Jede Narbe schien ihre eigene Geschichte zu erzählen – Geschichten von Kämpfen, von Gefahren und Überleben. Ob diese Spuren von Schlachten gegen Menschen oder Monster stammten, konnte Zelena nicht sagen, aber sie waren Zeugnisse eines Lebens, das dem ihren fremder nicht hätte sein können. Kaleans von Kämpfen gezeichnetes Dasein stand in starkem Kontrast zu ihrem eigenen eintönigen und ruhigen Leben. Sie konnte sich nicht vorstellen, solch ein tumultuöses Leben zu führen – immer auf der Hut, ständig bedroht, niemals wirklich zur Ruhe kommend.
      Als Kalean zu sprechen begann, wurde Zelenas Aufmerksamkeit wieder auf sein Gesicht gelenkt. Seine Stimme war tief, und in ihr lag eine Schwere, die sie beinahe körperlich spüren konnte. Es waren keine einfachen Worte, die er sprach, sondern solche, die von Erinnerungen durchtränkt waren – schmerzhaften Erinnerungen. Obwohl Zelena sich nicht als besonders bewandert im Verstehen von Menschen betrachtete, war ihr klar, dass derjenige, von dem er sprach, eine große Bedeutung in seinem Leben gehabt hatte. Doch so, wie Kalean darüber sprach, war diese Person nicht mehr an seiner Seite.
      Was war wohl geschehen? Hatte er ihn oder sie im Kampf verloren? War es eine der grausamen Realitäten, die das Leben eines Jägers bestimmten? Die Neugier regte sich in Zelena, doch sie unterdrückte sie. Es schien nicht der richtige Moment zu sein, und sie hatte genug Feingefühl, um zu wissen, dass es unangebracht wäre, nachzufragen. Jeder Mensch trug seine eigenen Verluste mit sich, und nicht jede Wunde sollte aufgerissen werden.
      Zelena konnte sich mit diesem Verlust jedoch auf eine Weise identifizieren, die sie überraschte. Auch sie hatte jemanden verloren – den alten Mann, der sie großgezogen hatte. Sein Tod war friedlich gewesen, ein natürlicher Tod im hohen Alter. Und doch war sein Fehlen ein tiefer Riss in ihrem Leben. Sie hatte den Schmerz tief in ihrem Inneren vergraben und den Alltag einfach weitergelebt, ohne wirklich darüber nachzudenken. Obwohl er nicht ihr leiblicher Vater gewesen war, war er alles für sie gewesen – ihr Anker, ihr Lehrer, derjenige, dem sie ihr Überleben verdankte.
      Kaleans nächste Worte trafen sie unerwartet. Als er den alten Mann ansprach, zuckte sie innerlich zusammen. Seine Frage – nach Einsamkeit – ließ sie innehalten. Grübelnd senkte sie ihren Blick und begann, mit dem Löffel in der Suppe zu rühren. Das leise Knistern des Feuers im Hintergrund schien plötzlich lauter, beinahe drängender zu werden. Ihr Griff um den Löffel wurde fester, fast unmerklich.
      War sie einsam? Zelena wusste es nicht. Die Frage hatte sie sich nie gestellt. Sie hatte den alten Mann gehabt, und nach seinem Tod waren es die Dorfbewohner gewesen, die gelegentlich in ihr Leben traten. Diese kurzen Begegnungen hatten ihr gereicht. Auch heute genügte es ihr, ab und zu ins Dorf zu gehen, um einige Vorräte zu besorgen oder einen kurzen Austausch zu pflegen.
      Doch war das wirklich genug? War es Einsamkeit, die sie in sich trug, ohne es zu bemerken? Zelena schob die Frage rasch beiseite. Solche Gedanken brachten nichts, und sie hatte nie das Bedürfnis verspürt, sich damit auseinanderzusetzen. „Es gab nur uns“, sagte sie schließlich, ihre Stimme ruhig und gefasst. „Die Stille ist mir nicht fremd, sondern lieber als vieles andere.“
      Einsam fühlte sie sich nur, wenn gar kein Kontakt zu anderen möglich war – aber das war selten der Fall. Sie war mit ihrem Leben zufrieden, zumindest sagte sie sich das. „Der Austausch mit den Dorfbewohnern ist ausreichend“, fügte sie hinzu und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihr Essen. Es gab keinen Grund, über Dinge nachzudenken, die keine praktische Relevanz für ihren Alltag hatten. Sie hatte gelernt, mit ihrer Situation zu leben, und sie war sich sicher, dass das genügte.
      Nach einem Moment der Stille hob sie den Blick wieder und fügte fast beiläufig hinzu: „Sobald es dir besser geht, können wir gemeinsam ins Dorf gehen. Wenn du möchtest.“
      Vielleicht würde Kalean Abwechslung brauchen, vielleicht würde er Vorräte oder Informationen suchen. Jäger wie er waren auch in diesem Dorf bekannt – manche betrachteten sie mit Respekt, andere mit Argwohn. Doch Kalean war ein Rätsel, und Zelena fragte sich, wie die Dorfbewohner wohl auf ihn reagieren würden. Er schien nicht wie ein typischer Jäger, zumindest nicht auf den ersten Blick. Falls nötig, könnte sie sich eine Ausrede zurechtlegen, um seinen Aufenthalt zu erklären. Ob man ihr glaubte, war eine andere Frage, doch das sollte sie dann herausfinden.
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    • Der Jäger musterte die Junge Frau für einen Moment, während ihre Worte zwischen ihnen nachhallten. Es war nicht viel, was sie preisgab, und doch… es war genug, um einen Schatten ihrer Welt zu erahnen. Ein Leben in der Stille, ein einfaches Dasein, und doch schwang in ihrer Stimme etwas mit, das er nicht ganz greifen konnte – etwas, das ihm seltsam vertraut vorkam.
      Er lehnte sich wieder zurück und ließ den Blick zum Feuer gleiten. Die Flammen tanzten in ständiger Bewegung, ein rastloses Spiel aus Licht und Schatten. Für einen Moment war er still, hörte nur das leise Knistern des Holzes, wie eine alte, vertraute Melodie.
      "Ins Dorf also," sagte er schließlich leise, als wolle er die Worte selbst abwägen, bevor er sie aussprach. Er nickte kaum merklich, das Feuer spiegelte sich in seinen Augen. "Das klingt gut. Ein bisschen Bewegung wird mir guttun – und wenn ich mir meine Ausrüstung nach der letzten Nacht ansehe, sollte ich wohl auch für ein paar neue Vorräte sorgen."
      Er lachte leise, ein raues, kaum fröhliches Geräusch, das von seiner eigenen Erschöpfung unterstrichen wurde. Er spürte, wie die Anstrengung des vergangenen Tages noch immer wie eine Last auf seinen Schultern lag, und die Wunde an seiner Seite zog bei jeder Bewegung dumpf. Kalean atmete tief durch, griff erneut nach der Schüssel und nahm noch einen Löffel des heißen Eintopfs. Es war eine willkommene Ablenkung, die Hitze, die den Schmerz für einen Moment verdrängte.
      "Aber…", fügte er nachdenklich hinzu, während er die Schüssel wieder absetzte und mit der freien Hand über seinen Nacken strich, "ich glaube, ich wäre heute keine große Hilfe. Deine Pflege hat mich auf die Beine gebracht, Zelena, aber ich wäre ein Narr, wenn ich so täte, als könnte ich gleich wieder durch die Wälder stolpern. Noch ein Tag Ruhe schadet nicht." Er zwang ein Lächeln auf seine Lippen, müde, aber ehrlich. "Die Monster laufen mir schon nicht weg."
      Die Schärfe seiner letzten Worte überraschte ihn selbst. Fast konnte er sehen, wie die Flammen höher schlugen, als wollten sie den verborgenen Groll darin verschlucken. Er biss die Zähne zusammen, senkte den Blick und musterte seine Hände – die Narben, die Spuren eines Lebens, das niemals stillstand. Vielleicht wäre ein Tag Ruhe nicht nur für den Körper notwendig, dachte er. Vielleicht… auch für den Kopf.
      Er schüttelte kaum merklich den Kopf, ehe er wieder zu Zelena hinüber sah. "Dein Angebot… ich danke dir." Die Worte klangen ungewohnt weich in seiner Kehle, und es fiel ihm schwer, sie auszusprechen. Er war es nicht gewohnt, dass jemand sich um ihn kümmerte – nicht mehr. Es erinnerte ihn an etwas, das er verloren hatte, etwas, das er zu lange verdrängt hatte.
      "Vielleicht erzählst du mir vorher noch, was für Leute in deinem Dorf leben", fuhr er fort und lehnte sich zurück gegen die Wand. "Wenn sie mir nicht gleich die Tür vor der Nase zuschlagen, weil ich nach Ärger aussehe, wird’s ein guter Tag." Ein schelmisches Funkeln stahl sich für einen kurzen Moment in seine Augen, doch es verschwand fast ebenso schnell wieder. Der Schatten, der in ihm wohnte, blieb – kaum zu übersehen.
      Sein Blick verlor sich im Schein des Feuers. Ein Dorf. Es war seltsam, wie allein das Wort Erinnerungen weckte, die er längst begraben geglaubt hatte. Jedes Dorf, das er je betreten hatte, war ihm fremd geblieben. Jäger wie er hielten sich selten lange an einem Ort auf, und selbst wenn – sie blieben immer Außenseiter. Kalean fragte sich, ob es hier anders sein würde. Ob Zelena anders war.
      Er schloss die Augen für einen Moment und lauschte der Stille, die zwischen ihnen lag. Es war keine unangenehme Stille, nicht so wie jene, die ihn sonst begleitete – die Stille der verlassenen Wälder, der vergessenen Ruinen, der Stätten, an denen nur noch die Geister der Vergangenheit zu leben schienen. Nein, diese Stille war wärmer, menschlicher. Fast konnte er vergessen, dass er sie irgendwann wieder würde verlassen müssen.
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    • Die sanfte, fast zögerliche Stimme des Jägers ließ Zelena von ihrem Essen aufblicken. Ihre Bewegungen waren heute langsamer als sonst, unterbrochen von den Worten und dem Blick auf den Mann, dessen helle Haare in der schummrigen Hütte beinahe leuchteten. Es war ein Bild, das sich in ihren Gedanken festsetzte – ungewöhnlich und doch faszinierend. Seine Zustimmung zu ihrer Idee bestätigte Zelenas Vermutung, dass seine Vorräte aufgestockt werden mussten. Was genau er suchte und ob es im Dorf zu finden war, blieb ungewiss, doch sie würden es gemeinsam herausfinden, wenn sie den Weg dorthin auf sich nahmen.
      Während ihr Blick weiterhin auf dem verletzten Mann ruhte, bemerkte Zelena die leichten Anspannungen in seinen Bewegungen. Sie verstärkten ihre Sorge, dass seine Wunden ihm noch immer zu schaffen machten. So sehr sie wünschte, er könnte bald vollständig genesen, wusste sie, dass solche Verletzungen Zeit benötigten. Zu früh eine Genesung anzukündigen, könnte ernste Konsequenzen nach sich ziehen – ein Risiko, das sie nicht eingehen wollte. Sie würde ihn nicht aus ihrer Obhut entlassen, bevor sie sich nicht vollkommen sicher war, dass sein Zustand stabil war.
      Zelena hatte eigentlich nicht vorgehabt, so schnell ins Dorf zu gehen. Doch ein Teil von ihr war erleichtert, dass der Jäger seine eigene Situation realistisch einschätzte. Es war nicht selbstverständlich – zu oft hatte sie erlebt, dass Menschen überstürzt handelten, ihre Wunden ignorierten und die Heilung dadurch hinauszögerten. Sie glaubte nicht, dass er zu dieser Sorte gehörte, doch die Erfahrung hatte sie vorsichtig gemacht.
      Als er nach Geschichten über die Dorfbewohner fragte, zögerte Zelena. Obwohl sie seit Jahren einmal die Woche ins Dorf ging, musste sie sich eingestehen, dass sie die Menschen dort nicht wirklich kannte. Nur ein paar Namen waren ihr vertraut, einige Anekdoten und viele beiläufige Beobachtungen. Zelena war still und zurückhaltend, eine Außenseiterin, deren Anwesenheit oft übersehen wurde.
      Vielleicht war es genau diese Unsichtbarkeit, die sie zur stillen Zuhörerin von Klatsch und Tratsch gemacht hatte. Die Menschen sprachen ungehemmt in ihrer Nähe, wohl im Glauben, dass ihre Worte bei ihr sicher waren – oder dass ihre Stimme ohnehin kein Gehör fand. Zelena selbst hatte sich nie für die Angelegenheiten anderer interessiert, doch ihre Ohren konnten nicht anders, als die Stimmen wahrzunehmen, die sie umgaben.
      Sie legte ihr Besteck beiseite und wischte sich die Hände an einem Tuch ab, bevor sie zu sprechen begann. Ihre Worte kamen zögerlich, fast widerwillig.
      „Es gibt nicht viel zu erzählen. Die meisten sind... gewöhnlich.“ Sie wusste, dass das nicht die Antwort war, die er hören wollte, und ein leiser Seufzer entwich ihr. „Der Metzger. Ein großer, stämmiger Mann. Er ist direkt und hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Aber er scheint ehrlich zu sein.“ Er war einer der wenigen, mit denen Zelena mehr als nur ein paar Worte wechselte – hauptsächlich, weil er gerne redete und ihre schweigsame Natur ihn nicht störte.
      Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. „Dann gibt es die Schneiderin. Eine ältere Dame, freundlich, aber ebenso wortkarg wie ich.“ Ihr Tonfall änderte sich leicht, als sie vom Enkel der Schneiderin sprach. „Er ist... frech.“ Mehr wollte sie nicht sagen, obwohl ihr genug Anekdoten einfielen, die ihre Abneigung gegen ihn begründeten. Als sie jünger waren, hatte er scheinbar Gefallen an ihr gefunden. Doch nachdem sie seine Annäherungen ignoriert und ihn abgewiesen hatte, hatte sich seine Haltung geändert. Er schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, sie zu ärgern – mit spitzen Bemerkungen, kleinen Streichen und bösen Zungen. Zelena verstand sein Verhalten nicht und bemühte sich, ihm aus dem Weg zu gehen.
      „Dann gibt es noch die Mütter im Dorf. Sie reden viel – zu viel, wenn du mich fragst.“ Ihre Stimme klang leicht belustigt, doch sie verlor sich nicht in weiteren Details. „Es gibt eine kleine Taverne. Die Frau, die die Getränke ausschenkt, ist... faul. Und ihr Mann? Ein ständiger Nörgler.“
      Zelena räusperte sich und nahm ihren letzten Bissen, froh, dass sie genug gesagt hatte, um seine Neugier zu stillen. Doch die nächste Frage, die unausgesprochen im Raum lag, konnte sie bereits erahnen: Wie würden sie seine Anwesenheit im Dorf erklären?
      Sie lehnte sich zurück und betrachtete ihn nachdenklich, bevor sie die Schultern zuckte. „Sollten sie nach dir fragen, können wir sagen, dass du ein entfernter Verwandter des alten Mannes bist.“ Ihre Stimme klang beinahe gleichgültig, als würde sie die Bedeutung der Lüge herunterspielen. „Es wird ohnehin auffallen, dass du bei mir bist. Jeder weiß, dass ich allein lebe. Und dass der alte Mann tot ist. Aber das ist besser, als ihnen zu sagen, dass du ein Jäger bist.“
      Die Worte hingen für einen Moment in der Luft, während Zelena sich fragte, wie die Dorfbewohner reagieren würden. Tratsch war unausweichlich, doch sie selbst war daran gewöhnt. Es war nicht ihre Sorge, sondern vielmehr, wie Kalean mit der Aufmerksamkeit umgehen würde. Doch das musste er selbst entscheiden.
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