The Witch and the Hunter [Atomic x Yumia]

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    • The Witch and the Hunter [Atomic x Yumia]

      The Witch and the Hunter

      “he’d set fire to the world around him but never let a flame touch her”― SenLinYu, Anthology



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      Gerne: Fantasie, Abenteuer, Romanze
      Rollen: X - @Yumia & Y - @Atomic
      Vorstellung

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      X lebt fast ihr Leben lang alleine in einer Hütte, etwas außerhalb eines kleines Dorfes, welches sich weiter weg von einer Stadt befindet. X wurde als Baby vor die Tür des alten Mannes gesetzt, der Vorbesitzer dieser Hütte. Seitdem kümmerte und zog er X auf, obwohl er wusste woher sie stammte. Aufgrund ihrer Haarfarbe war die Herkunft ihrer Mutter zu erahnen: eine Hexe. Doch mithilfe einer Halskette, die mit ins Korb gelegt worden ist, ist es X möglich die Haarfarbe zu ändern. Da der alte Herr jedoch selbst keine Kinder hatte und einsam lebte, konnte er es sich nicht über das Herz bringen das Kind umzubringen, denn Hexen, sowie jedes andere Monster, wurden gnadenlos eliminiert.
      So wurde X behütet aufgezogen, trotzdem ihrer eigenen Identität bewusst, während sie sich von den Dorfbewohner selbst fern hielt. Doch aufgrund des hohen Alters starb der alte Mann, so lebte X alleine ihre Tage nun.

      Y ist ein Jäger und gehört einer Gilde an, die sich zur Aufgabe gemacht haben Monster aller Arten zu eliminieren und die Menschen zu beschützen. Y streift alleine umher und nimmt Aufträge an, so ist er in der Welt viel umher gekommen. Doch trotz vielen Erfahrungen kam er eines Tages knapp mit seinem Leben von einem Kampf davon. Verletzt und kurz vorm Bewusstsein verlieren, bricht er zusammen und wird von X auf den Rückweg nach Hause entdeckt. Obwohl ihr bewusst war, um wen es sich handelte und welche Gefahr sie einging, brachte sie es sich nicht über das Herz den Mann sterben zu lassen. Doch nahm sie ihn mit zu sich nach Hause und verarzten ihn. Doch schnell verlief die Genesung nicht, so verblieb der Jäger für eine lange Zeit bei X und lernt sie näher kennen.
      Eines Tages jedoch, als beide unterwegs waren um zu jagen, kamen sie zu einem brennenden Dorf zurück. Weder der Jäger, noch X konnte den Dorfbewohnern helfen, auch Xs Hütte war nicht unversehrt. Y entschied sich X mit ihm reisen zu lassen.

      Wie wird es mit X weitergehen? Wird Y jemals erfahren, dass X eine Hex
      e ist? Und wenn ja, wie wird er reagieren?




      Zelena

      Die späte Nachmittagssonne tauchte den Wald in ein goldenes Licht, als Zelena ihren Weg entlang des schmalen Pfades durch die majestätischen Bäume bahnte. Das kleine Dorf, das sich sanft in das Grüne schmiegte, wirkte in diesem Augenblick fern und vergessen. Die Welt der Zivilisation verschwand allmählich hinter ihr und machte Platz für die geheimnisvolle Wildnis des Waldes.
      Ein sanfter Wind strich durch das Laubwerk der Bäume und ließ es leise rascheln. Die Luft roch nach feuchter Erde und harziger Kiefer, während die Vögel mit ihren melodischen Gesängen den Wald mit Leben erfüllten. Zelena atmete tief ein und spürte, wie diese natürliche Symphonie ihre Sinne umfing und sie mit jedem Schritt tiefer in die unberührte Pracht des Waldes eintauchte.
      Die Baumstämme ragten hoch in den Himmel und schienen fast miteinander zu verschmelzen, als ob sie ein verborgenes Geheimnis hüteten. Die dichten Blätterdächer bildeten ein schützendes Gewölbe über Zelena, das ihr ein Gefühl von Geborgenheit und Einssein mit der Natur verlieh. Der Boden war mit einem weichen Teppich aus moosbewachsenem Waldboden bedeckt, der ihre Schritte leise dämpfte.
      Immer wieder fingen ihre Augen das Spiel des Lichts ein, das zwischen den Blättern hindurchschimmerte und auf dem Waldboden tanzte. Strahlen schienen die Luft zu durchdringen und verwandelten den Wald in ein magisches Reich, in dem jeder Schritt eine neue Entdeckung bereithielt. Farne und Wildblumen säumten den Weg und füllten die Luft mit ihrem betörenden Duft.
      Zelena sah sich um und bemerkte, wie sich die Bäume allmählich lichteten und einer kleinen Lichtung Platz machten. Dort, inmitten des grünen Gewands, ragte ein alter Baum empor, dessen Äste sich wie Arme gen Himmel streckten. Er schien die Geschichten vergangener Generationen zu erzählen, während sein rauer Rinde Zeugnis von der Zeit ablegte.
      Die Geräusche des Waldes wurden leiser, als Zelena näherkam. Ein Gefühl der Ehrfurcht überkam sie, als sie unter dem mächtigen Baum stand. Die Ruhe, die von diesem Ort ausging, schien sie zu umarmen und ihre Gedanken zu beruhigen. Sie setzte sich auf einen umgestürzten Baumstamm und lauschte dem leisen Wispern des Windes und dem leisen Plätschern eines nahegelegenen Bachs.
      In diesem Moment fühlte Zelena eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Der Wald hatte sie mit offenen Armen empfangen und sie in seine zauberhafte Welt eingeladen. Sie spürte, wie die Energie des Waldes durch sie hindurchfloss und eine Wärme in ihr entfachte, die sie tief in ihrem Inneren berührte.

      Setzte sie ihren Weg durch den Wald fort, richtete Zelena ihren Blick gen Himmel. Die einst so warme und einladende Atmosphäre war einem bedrohlichen Schauspiel gewichen. Die Wolken türmten sich immer höher auf und verschluckten die letzten Lichtstrahlen des Tages. Der Himmel wurde von düsteren Grautönen überzogen, und ein kalter Wind begann zu heulen.
      Der Wald, der zuvor so ruhig und friedlich gewesen war, erwachte zum Leben. Das Rascheln der Blätter wurde zu einem wilden Flüstern, und die Bäume ächzten und knarrten im Sturm. Das zarte Zwitschern der Vögel war verstummt, und stattdessen erklang ein unheilvolles Knacken von Ästen, das die Spannung in der Luft verstärkte.
      Plötzlich öffneten sich die Himmelsschleusen, und Regentropfen fielen in immer dichterer Folge auf den Waldboden. Ein kräftiger Regenschauer begann, den Staub der Trockenheit fortzuspülen. Das prasselnde Geräusch des Regens mischte sich mit dem Toben des Windes und schuf eine bedrohliche Symphonie der Elemente.
      Zelena eilte voran, ihren Kragen hochgeschlagen, um sich vor dem kalten Regen zu schützen. Der Weg vor ihr verwandelte sich in eine schlammige Piste, und sie musste vorsichtig aufpassen, um nicht auszurutschen.
      Sie spürte die Kraft der Natur, wie sie ihre Adern durchströmte und ihren Puls beschleunigte. Der Sturm war ein Teil des Waldes, und sie fühlte sich in diesem Moment eins mit ihm. Die Anspannung und das Aufregende dieses wilden Wetterumschwungs brachten sie lebendig zum Erwachen.Immer wieder warf sie einen Blick zurück, um den Wald zu sehen, der nun von den tobenden Elementen verschlungen wurde. Die Bäume bogen sich unter der Wucht des Windes, und Äste wurden abgerissen und durch die Luft gewirbelt. Die gewohnte Schönheit des Waldes war einem rauen, ungezähmten Spektakel gewichen.

      Entschlossen und mit einem Kloß in der Kehle setzte Zelena ihren Weg fort, während der Regen weiter auf sie niederprasselte. Die Bäume spendeten nur noch begrenzten Schutz vor den Elementen, und die Dunkelheit des Waldes umhüllte sie allmählich. Mit jedem Schritt wurde ihre Entschlossenheit jedoch stärker, angetrieben von einem Gefühl der Verantwortung und Mitmenschlichkeit.
      Als sie tiefer in den Wald vordrang, wurde ihre Sicht durch den starken Regen und das dichte Unterholz zunehmend eingeschränkt. Doch dann entdeckte sie etwas, das ihr Herz beinahe zum Stillstand brachte. Auf dem Boden lag regungslos ein Mann, in Lumpen gehüllt und vom Regen durchnässt.
      Ihr erster Impuls war, weiterzugehen und Hilfe zu holen, doch ihr Gewissen und Mitgefühl ließen sie nicht einfach vorbeiziehen. Sie kniete sich neben den Mann und legte ihre Hand auf seine kalte Stirn. Sie spürte seinen schwachen Puls und erkannte, dass er dringend Hilfe benötigte. Die Entscheidung fiel schwer, denn sie war allein und der Weg zu ihrer Hütte würde noch einige Zeit dauern. Aber sie konnte es nicht übers Herz bringen, den Mann dem Schicksal zu überlassen. Mit aller Kraft und Entschlossenheit schulterte Zelena seine reglose Gestalt und begann, ihn vorsichtig durch den Wald zu tragen.
      Jeder Schritt war mühsam, der Regen machte den Boden rutschig und die Last des Mannes wurde immer schwerer. Doch Zelena ignorierte die Strapazen und konzentrierte sich auf ihr Ziel - ihre Hütte, die Zuflucht und Rettung in dieser stürmischen Nacht.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte Zelena endlich ihre abgelegene Hütte im Herzen des Waldes. Sie legte den Mann behutsam auf ihr Bett und eilte zu ihrem Vorratsschrank, um warme Decken und ein Feuer vorzubereiten. Ihr Herz pochte vor Aufregung und Sorge, während sie alles tat, was in ihrer Macht stand, um den Fremden zu retten.
      Mit geschickten Händen reinigte sie seine Wunden und versuchte, ihn aufzuwärmen. Sie wusste, dass sie dringend ärztliche Hilfe benötigten, doch die Dunkelheit und der Sturm hielten sie gefangen. Sie konnte nur hoffen, dass er stark genug war, um die Nacht zu überstehen. Die Stunden vergingen, und Zelena wachte wachsam über den Fremden. Sie beobachtete jeden Atemzug, jede Regung seines Körpers. Die Sorge und Unsicherheit ließen sie nicht zur Ruhe kommen, aber sie war entschlossen, bis zum Ende bei ihm zu bleiben.


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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Der Regen peitschte unbarmherzig gegen das angespannte Gesicht des Jägers, während er sich durch den dichten Wald kämpfte. Der Sturm war stärker geworden, seit er die Fährte des Monsters aufgenommen hatte. Ein Sturmvogel, ein Wesen, das in der Lage war, das Wetter zu manipulieren, und das Chaos über die Gegenden brachte, über die es hinweg zog.
      Kalean verfolgte das Biest bereits seit einigen Tagen.
      Vor geraumer Zeit hatte es zwischen diesem Exemplar und einem anderen Jäger Laniakeas bereits einen Kampf gegeben. Der Mann verlor dabei sein Leben, doch es war ihm noch gelungen, einen Flügel des Monsters zu verletzen, sodass es nicht mehr in der Lage war, durch die Lüfte zu segeln.
      Diese Chance, seinen gefallenen Kameraden zu rächen und dem Biest den Garaus zu machen, wollte der jüngere Jäger unter keinen Umständen ungenutzt verstreichen lassen.
      Er duckte sich unter tief hängende Äste und spürte, wie seine Stiefel in den weichen Waldboden einsanken. Die Spuren des Sturmvogels waren trotz des Regens deutlich sichtbar - tiefe Kratzspuren an den Bäumen und riesige Abdrücke im Matsch.
      Der Jäger spürte, wie das Adrenalin durch seine Adern pumpte, seine Sinne waren geschärft und sein Instinkt sagte ihm, dass die Bestie nicht weit entfernt war.
      Plötzlich hörte er ein tiefes Grollen, gefolgt von einem hellen Blitz, der den Wald für einen Moment taghell erleuchtete. Ohne zu zögern zog er sein eisernes Schwert und bewegte sich vorsichtig weiter. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, jede Faser seines Wesens bereit für den bevorstehenden Kampf.
      Dann sah er es. Das Monster stand auf einer kleinen Lichtung, seine gewaltigen Schwingen spannten sich gegen den Sturm, den es heraufbeschworen hatte. Einer der Flügel stand dabei in einem unnatürlichen Winkel ab - eindeutig das Werk seines Kameraden.
      Der gewaltige Vogel war ein furchterregendes Wesen, mit sturmgrauem, beinahe silbernem Federkleid, langen Klauen und leuchtenden Augen, die vor Zorn und Macht glühten. Der Kampf war unvermeidlich.
      Kalean ließ keinen Moment verstreichen. Mit einem Kampfschrei stürzte er sich auf das Monster, sein Schwert fest in der Hand. Der Sturmvogel reagierte sofort, schlug mit einer seiner mächtigen Klauen nach ihm. Kalean wich aus, rollte sich ab und schnitt mit einer schnellen Bewegung seines Schwertes eine tiefe Wunde in die Flanke der Bestie. Blut spritzte heraus und mischte sich mit dem Regen.
      Das schmerzerfüllte Brüllen des Monsters, das wie ein grollender Donnerschlag durch den Wald hallte, beschwor einen weiteren Blitz, der nur knapp an Kalean vorbeizischte. Der Jäger warf sich auf den Boden, um dem Schlag zu entgehen, und sprang dann wieder auf die Beine. Mit gezielten Hieben und Stichen versuchte er, die Bestie weiter zu verletzen, doch das Monster war schneller als erwartet. Ein kräftiger Hieb mit dem Schweif traf Kalean unerwartet an der Seite und schleuderte ihn gegen einen Baum.
      Er schnappte nach Luft, sein Körper schmerzte von dem Aufprall, aber er ließ sich nicht beirren. Schnell rappelte er sich wieder auf, ignorierte den stechenden Schmerz in seiner Seite und griff erneut an. Er musste das Monster besiegen, bevor es den gesamten Wald und das naheliegende Dorf zerstörte!
      Der Kampf tobte weiter, die Luft war erfüllt von dem Geräusch klirrenden Metalls, donnernden Blitzen und den brüllenden Schreien des Sturmvogels. Schließlich gelang es Kalean, eine Öffnung in der Verteidigung des Monsters zu entdecken.
      Mit einem letzten, verzweifelten Angriff ließ er sein Schwert tief in der Brust der Bestie versinken. Das Monster schrie auf, seine Augen weiteten sich vor Schmerz und Wut. Mit seinem letzten Atemzug entfesselte es einen noch gewaltsameren Sturm, der die Bäume um sie herum zum Beben brachte und den Regen zu einer unerbittlichen Flut anschwellen ließ.
      Seine Sicht vom Regen getrübt, entging ihm wie eine scharfe Klaue des sterbenden Biestes auf ihn zuraste, bis sie seine Seite durchbohrte. Blut sickerte aus der tiefen Wunde, und der Schmerz war überwältigend. Der Jäger taumelte, versuchte, sich aufrecht zu halten, doch seine Kräfte verließen ihn schnell und sein blutverschmiertes Schwert rutschte ihm aus der Hand. Polternd fiel es neben ihm zu Boden. Aber dies war soeben seine geringste Priorität. Er wusste, dass er auf schnellstem Wege aus dem Wald herauskommen und das Dorf erreichen musste, wenn er überleben wollte.
      Mit letzter Kraft kämpfte er sich durch den Sturm, jeder Schritt war eine Qual. Der Regen verschleierte seine Sicht, und der Wind riss an ihm, als wollte er ihn zu Boden zwingen. Schließlich, als seine Beine ihm endgültig den Dienst versagten, fiel er zu Boden. Das letzte, was er wahrnahm, war das Tosen des Sturms und die Dunkelheit, die über ihn hereinbrach.


      Als Kalean erwachte, konnte er den Sturm nicht mehr hören. Die Welt um ihn herum war friedlich still, und er lag in einem warmen, fremden Bett. Die Wunde an seiner Seite pochte vor Schmerz, und er spürte, wie die Schwäche seinen Körper durchzog.
      „Wo... bin ich?“ murmelte er und versuchte, sich aufzusetzen. Doch die Schmerzen waren zu groß, und seine Kräfte verließen ihn sofort wieder. Er sank zurück in die Matratze, sein Atem ging schwer.
      Sein Blick wanderte verschwommen und unfokussiert durch den unbekannten Raum. Jetzt erst bemerkte er die junge, dunkelhaarige Frau neben seinem Bett.
      “Wer…?” mehr kam nicht aus seiner trockenen, schmerzenden Kehle, eher ein Hustenanfall, seinen fieberigen Körper erschütterte.
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    • Im flackernden Schatten des Feuers saß die junge Dame auf einem kleinen Hocker neben dem Bett, das derzeit von dem verletzten Mann in Anspruch genommen wurde. Nun, nachdem sie ihn so gut wie möglich verarztet hatte, wurde ihr tatsächlich bewusst, was sie angerichtet hatte. Ein Blick auf die Ausrüstung und Kleidung des Mannes, die sie sorgsam auf einem Stuhl drapiert hatte, offenbarte ihr, wer der Mann war. Ein Jäger, der Monster verfolgte und sie aus der Welt bannte. Hexen, wie sie.
      Auch wenn sie nie wirklich geübt hatte, zu zaubern, aus Angst, sie könnte etwas anrichten, war allein die Tatsache ihrer Herkunft Grund genug, dass er ihr den Kopf von den Schultern trennen würde. Und sie hatte keine Chance, sich zu wehren. Dass sie nun das Risiko eingegangen war, den Jäger in ihre Hütte zu bringen und somit ihre wahre Identität zu gefährden, hätte der alte Mann, der sie großgezogen hatte, mit einem Kopfschütteln und einem mürrischen Kommentar quittiert. Bei dem Gedanken an sein faltiges, aber weises Gesicht schlich sich ein trauriges Lächeln auf ihre Lippen.
      Ein leiser Nieser riss sie aus ihrer Gedankenwelt. Sie stand auf und ging in das angrenzende Zimmer, um sich umzuziehen. Ihre durchnässten Kleider sowie die des Mannes hatte sie in der Nähe des Feuers aufgehängt, wo sie langsam trockneten. Sie wusste nicht, wie lange der Mann hier bleiben würde, doch im schlimmsten Fall müsste er die Kleidung des alten Mannes tragen. Die Tiefe der Wunde ließ vermuten, dass er morgen noch nicht in der Lage sein würde, weiterzureisen. Ihrer Einschätzung nach würde er einige Tage bei ihr bleiben müssen, bis er seinen Weg fortsetzen konnte.
      Natürlich war es Zelena möglich, den leichteren Weg zu wählen und ihn morgen vor die Tür zu setzen, doch so war sie nicht erzogen worden. Ihr Gewissen würde sie tagelang wach halten und in ihren Träumen verfolgen, sollte sie einen verletzten Mann einfach aus ihrer Hütte werfen. Auch würde sie die Sorge quälen, ob er sich aufgrund ihres Handelns vielleicht sogar das Leben verloren hätte. Nein, Zelena konnte nicht herzlos sein.
      Bevor Zelena ihre Arme auf das Bett legte und ihren Kopf darauf ausruhen ließ, füllte sie einen Becher mit Wasser. Das Knistern des Feuers erfüllte den Raum, ebenso wie die angenehme Wärme, die es ausstrahlte. Mit aufmerksamem Blick betrachtete sie den Mann. Seine längeren, weißen Haare umrahmten sein markantes Gesicht. Es juckte sie in den Fingerspitzen, diese anzufassen. Welche Augenfarbe er wohl besaß? Es war Jahre her, dass sie Besuch in ihrer Hütte gehabt hatte. Der alte Mann ließ sehr selten andere Menschen herein, und aufgrund seiner distanzierten Art zu den Dorfbewohnern hatte auch sie keine engen Beziehungen zu den anderen Menschen entwickelt. Bis heute hatte dies sie nie gestört oder ihr alltägliches Leben beeinträchtigt. Man kaufte ihre Beute ab, und sie verdiente ihr Geld durch ihre Kräuter und das Verarzten von Wunden. Sie hatte also nie die Notwendigkeit gehabt, Freundschaften zu schließen. Ehe Zelena in den Schlaf fiel, strich sie mit ihrem Zeigefinger eine Strähne aus dem Gesicht des Mannes zur Seite.
      Die Sonne strahlte durch das kleine Fenster der Hütte und fiel dabei auf ihre geschlossenen Augen. Zelena befand sich ohnehin in einem leichten Schlaf und wachte auf, als sie eine Bewegung wahrnahm. Schläfrig öffnete sie ihre Augen und rieb sie, hörte damit auf, als sie einen Hustenanfall des Mannes mitbekam. Wortlos nahm sie den Becher in die Hand und stellte ihn ihm hin. „Trinkt", sagte sie nur und stand auf. Kurz streckte sie sich und wandte sich dem Feuer zu, das sie abermals entfachte. Während es vor sich hin knisterte, suchte Zelena die nötigen Kräuter zusammen, ehe sie diese in einer kleinen Topf aufkochte und Wasser hinzugab. Auch holte sie einen frischen Verband, ehe sie sich wieder zu ihm setzte. „Der Tee ist gleich fertig. Setzt Euch hin", forderte sie ihn ruhig auf und nickte zu seinem Verband.
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    • Die vom Schlaf noch trägen Augen des Jägers erfassten den Becher, der ihm von der mysteriösen Fremden gereicht wurde, im gleichen Moment, als diese ihn auch schon zum Trinken aufforderte.
      Langsam setzte er sich auf und nahm den Becher mit einem kurzen, dankbaren Nicken entgegen. Das Wasser darin war kühl und beruhigte seine trockene, brennende Kehle. Er nahm einen tiefen Schluck und versuchte, seine Umgebung in den Fokus zu bringen.
      Die Hütte war klein, aber gemütlich. Ein Feuer prasselte im Kamin und spendete angenehme Wärme. Die Wände waren mit Regalen gesäumt, die vollgestopft waren mit Gläsern, Töpfen und getrockneten Kräutern. Der Duft von Heilpflanzen erfüllte die Luft, eine Mischung aus Lavendel, Salbei und anderen Aromen, die er nicht sofort identifizieren konnte.
      Er war ganz eindeutig in keinem Hospital oder Lazarett gelandet.
      Sein Blick fiel schließlich auf seine unbekannte Gastgeberin, die hier zu leben schien. Sie hatte dunkles, langes Haar, das in sanften Wellen über ihre Schultern fiel. Ihre Haut war blass, mit leichten Sommersprossen übersät, die ihr ein jugendliches Aussehen verliehen. Doch was ihn am meisten faszinierte, waren ihre Augen. Sie leuchteten in einem intensiven Grün, das ihn an die tiefsten Wälder erinnerte, die er je durchstreift hatte.
      Als würden zwei strahlende Smaragde ihr zierliches Gesicht schmücken.
      Neben diesen leuchtenden Juwelen schienen seine eigenen, Sturmblauen Augen geradezu zu verblassenm
      „Danke“, brachte er endlich hervor, seine Stimme rau von der Anstrengung und dem Schmerz. „Für das Wasser und... für eure Gastfreundschaft.“
      Kalean blickte an sich hinunter, auf den Verband an seiner Seite. Die Wunde schien gut versorgt worden zu sein. Doch der Schmerz war immer noch stark.
      Der junge Jäger versuchte, seine Gedanken zu sammeln und die Frau besser zu verstehen. Sie hatte ihn gepflegt, das war offensichtlich, aber wer war sie? Und warum half sie ihm?
      Die wenigsten Menschen würden so selbstlos handeln, wenn dabei kein Nutzen für sie hervorging.
      Seine Gedanken wurden unterbrochen, als er den Becher Tee entgegenahm, den sie ihm reichte, und er langsam daraus trank. Der Kräuteraufguss war bitter, aber er fühlte, wie die Wärme seinen Körper durchdrang und die Schmerzen ein wenig linderte.
      Er atmete tief durch, um sich zu sammeln, bevor er sprach.
      „Wo bin ich? Und wer seid ihr?“ Seine Stimme war ruhig, aber seine Augen blieben aufmerksam auf ihr Gesicht, insbesondere ihren giftgrünen Augen, gerichtet, suchend nach Antworten in ihrem Ausdruck. „Ich erinnere mich an den Wald und den Sturm… aber alles danach ist verschwommen. Habt ihr mich gefunden?“
      Während er sprach, bemerkte er die Details ihrer Hütte und ihrer Erscheinung noch intensiver. Ihre Kleidung war einfach, aber sauber und gepflegt. Ihre Bewegungen waren ruhig und kontrolliert, als hätte sie Übung mit der Handhabung von Kräutern.
      Jene Kräuter, mit denen sie den Tee gebrüht hatte, schienen bewusst ausgewählt worden zu sein. War sie eine Heilerin? In solch einem jungen Alter? Erforderte die Kunst der Herbalistik nicht Jahre der Übung und Lehre?
      Kalean lehnte sich zurück und wartete auf ihre Antwort, die Augen halb geschlossen.
      Der Tee begann zu wirken, die Kräuter darin lösten die Verspannungen in seinem Körper. Doch trotz der Linderung konnte er das drängende Gefühl der Ungewissheit nicht abschütteln. Wer war diese Frau, die ihn so geschickt versorgt hatte, und welche Geheimnisse verbarg sie hinter ihren grünen Augen?
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    • Aufmerksam betrachtete Zelena den fremden Mann und konnte nun endlich seine Augenfarbe erkennen. Blaue Augen, deren Ton sie nicht ganz beschreiben konnte, eine faszinierende Mischung, die sie bisher nicht gesehen hatte. Es war befremdlich genug, einen weiteren Menschen in ihrer Hütte zu haben, eine Gestalt, die seit Jahren die längste Zeit an ihrer Seite war. Es war nur eine Nacht gewesen. Da sie einen solch langen Austausch oder die Anwesenheit eines Menschen nicht gewohnt war, wusste sie nicht, wie sie sich verhalten sollte. Jede ihrer Bewegungen wurde ihr bewusst und ihr fehlten die Worte. Daher nickte sie nur auf sein Danke und wartete darauf, dass er fertig mit dem Trinken war.
      Noch bevor sie ihm den Becher gegeben hatte, war sie beim Vorbeigehen mit der Hand leicht über die Kleidung des Mannes gestrichen. Zu ihrer Erleichterung waren sie trocken, doch da draußen ohnehin die Sonne schien, hätte es kein Problem dargestellt, die feuchten Kleider im Garten aufzuhängen.
      Auch wenn sie es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihn bis zu seiner Genesung zu versorgen, behielt sie weiterhin im Hinterkopf, in seiner Anwesenheit vorsichtig zu sein. Es würde ihr das Leben kosten, wenn er auch nur eine Vermutung hätte, dass sie keine gewöhnlicher Mensch war. Jäger interessierten sich nicht dafür, ob jemand unschuldig war oder nicht. Besonders Hexen waren sehr gefürchtet, denn während Monster oft nicht den Intellekt eines Menschen besaßen und dadurch berechenbarer waren, galten Hexen als unvorhersehbar und gefährlich. In der Vergangenheit hatte es große Hexenverfolgungen gegeben, und seitdem hatte man keine Hexen mehr gesichtet. Man munkelte, dass sie nicht mehr existierten. Zelena war sich der Gräueltaten einiger Hexen bewusst, doch solche Aussagen stimmten sie oft traurig. Sie wollte ihre Herkunft besser verstehen, ihren Ursprung kennenlernen und ihre Kräfte willkommen heißen, nicht, um Böses zu tun, sondern um vielleicht etwas Gutes zu bewirken. Die Vorurteile gegenüber Hexen waren jedoch so groß, dass man ihr keine Chance geben würde, ihre guten Absichten zu beweisen.
      Zelena blickte den fremden Mann für einige Sekunden schweigend an und musste kurz ihre Augenbrauen bei den vielen Fragen zusammenziehen. Es waren zu viele Fragen auf einmal, und für einen Moment fragte sie sich, ob er generell viel sprach oder ob eine solche Reaktion in dieser Situation üblich war. „Ich habe Euch auf dem Rückweg gefunden und Euch in meine Hütte gebracht", beantwortete sie seine Fragen, wobei sie bewusst vermied, auf ihre Identität einzugehen. Zelena wusste nicht, wie sie darauf antworten sollte, und empfand dieses Detail als unbedeutend.
      Damit er sie nicht mit weiteren Fragen überfiel, lenkte sie seine Aufmerksamkeit auf seinen Verband. „Der Verband muss gewechselt werden", sagte sie und stand auf, um eine Schere zu holen, mit der sie den alten Verband durchschneiden konnte. Sie bereitete auch eine Schüssel mit Wasser und einem sauberen Tuch vor, ebenso eine kleine Holzschale mit einer Kräuterpaste, die sie in einem der Regale verstaut hatte. Das leise Plätschern des Wassers und das sanfte Knistern des Feuers schufen eine beruhigende Atmosphäre, während Zelena sich wieder zu ihm setzte, bereit, seine Wunde zu versorgen.

      „Haltet still“, sagte sie sanft und begann, den Verband zu lösen. Eine große und nicht unbedingt angenehm aussehende Wunde kam zum Vorschein. Ihre Hände arbeiteten schnell und geschickt, blieb dabei jedoch so vorsichtig wie es ihr möglich war, während sie den alten Verband entfernte und die Wunde erneut reinigte. Die Kräuterpaste verteilte sie behutsam auf der Verletzung, bevor sie einen frischen Verband anlegte. „Das sollte helfen“, meinte sie schließlich und lehnte sich ein wenig zurück, um ihr Werk zu begutachten.
      „Ihr werdet hier bleiben müssen, bis Ihr wieder auf den Beinen seid“, fügte sie hinzu und stand auf, um die Utensilien zurückzulegen. „Es ist nicht sicher, in Eurem Zustand weiterzureisen.“ Während sie sprach, beobachtete sie ihn aus den Augenwinkeln, stets wachsam und darauf bedacht, keine Anzeichen von Misstrauen oder Feindseligkeit zu übersehen.
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    • Als die junge Frau begann, den Verband von seiner Seite zu lösen, hielt Kelean die Luft an und biss die Zähne zusammen, um ein Zucken zu unterdrücken, während der frische Schmerz seiner Wunde sich bemerkbar machte.
      Im Kontrast zu dieser waren die Berührungen ihrer Hände sanft und vorsichtig, dennoch entkam ihm ein scharfes Einatmen, als sie die Kräuterpaste auftrug. Das anfängliche Stechen der Paste wich jedoch schnell einer angenehmen Kühle und nahm den Schmerz etwas. Er beobachtete die Mysteriöse Fremde aufmerksam, wie sie geschickt und konzentriert arbeitete. Sie wusste genau, was sie tat.
      „Ihr seid sehr geschickt“, bemerkte er, seine Stimme leise, um die Stille der Hütte nicht zu stören. „Es ist offensichtlich, dass Ihr das schon oft gemacht habt.“ Also war sie wirklich eine Heilerin?
      Während sie die Wunde versorgte, ließ er seine Gedanken schweifen. Warum war sie ihm so ausweichend gegenüber? Jede seiner Fragen beantwortete sie nur knapp oder gar nicht. Vielleicht war sie einfach nur vorsichtig, so wie er es wäre, wenn ein Fremder in sein Lager geraten wäre. Oder gab es mehr dahinter?
      Er richtete sich ein wenig auf, damit sie besser an die Wunde herankommen konnte und blickte zu seinen Kleidern, die unweit von seinem Bett aufgehangen waren. Sie hatte ihn also entkleidet und seine Sachen zum Trocknen aufgehängt?
      Dabei musste sie auch seinen gut gefüllten Beutel mit Münzen gefunden haben, den er in seiner Brusttasche mit sich führte.
      Die Tatsache, dass sie ihn hier versorgte und nicht einfach ausgeraubt und im Wald zurückgelassen hatte, sprach für ihre Ehrlichkeit, doch warum dann das Geheimnisvolle?
      Als sie den frischen Verband festzog, nutzte er den Moment, um sich ihr vorzustellen.
      „Mein Name ist Kalean,“ sagte er, seine Stimme war ruhiger jetzt, fast sanft. „IEin Jäger, wie Ihr vielleicht bemerkt habt. Es ist selten, dass ich in solch einer Situation auf jemanden stoße, der so selbstlos hilft.“ Er hoffte, dass sein Name vielleicht das Eis brechen würde und sie sich ihm ebenfalls vorstellen würde. Er suchte in ihren grasgrünen Augen nach einer Reaktion.
      Während sie aufstand, um die Utensilien zurückzulegen, nahm er noch einen weizeren Schluck Tee und fühlte die Wärme, die sich weiter in seinem Körper ausbreitete.
      „Ich weiß Eure Hilfe sehr zu schätzen,“ fuhr er fort, in der Hoffnung, sie zu einem Gespräch zu ermutigen. „Viele hätten sich nicht die Mühe gemacht, einen Fremden aus dem Wald zu retten. Ihr habt mir das Leben gerettet.“
      Er lehnte sich zurück und schloss kurz die Augen, genoss die wohlige Wärme des Feuers und den beruhigenden Effekt des Tees. Doch in seinem Inneren nagte weiterhin die Ungewissheit. Er öffnete die Augen wieder und sah ihr direkt ins Gesicht. „Falls Ihr Hilfe bei irgendetwas braucht, zögert nicht, mich zu fragen. Sobald ich auf den Beinen bin, werde ich mich erkenntlich zeigen.“ Seine Stimme war ehrlich, durchdrungen von Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein.
      Er konnte nicht leugnen, dass ihre Augen etwas Besonderes hatten, etwas, das ihn gleichzeitig beruhigte und neugierig machte. Warum hielt sie ihren Namen zurück? Warum diese Zurückhaltung?
      Er beschloss, fürs Erste keine weiteren Fragen zu stellen. Vielleicht würde sie sich öffnen, wenn er Geduld zeigte. „Ich werde hier bleiben und mich ausruhen, wie Ihr es gesagt habt,“ sagte er schließlich. „Es scheint, als hätte ich keine andere Wahl.“
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    • Dem Mann schien es deutlich besser zu gehen als in der vorherigen Nacht. Die Kräuter hatten ihre volle Wirkung entfaltet. Zelena war keine Wunderheilerin, daher war eine sofortige Genesung nicht möglich. Angesichts der Größe und Tiefe der Wunde konnte selbst die beste Heilerin des Landes nichts über Nacht bewirken. Zumindest war der Mann nicht in ein Fieber ausgebrochen, was die Situation gefährlicher gemacht hätte. Zelena hätte um sein Leben bangen müssen, doch der Mann schien Glück gehabt zu haben oder robust genug zu sein, nicht in eine kritische Lage zu geraten.
      Der weißhaarige Mann stellte sich schließlich mit seinem Namen vor: Kalean. Ein Name, den sie zuvor noch nie gehört hatte. Dennoch fand sie, dass der Name zu seinem Gesicht passte. Doch er blieb nicht dabei, nur seinen Namen auszusprechen, sondern begann, deutlich mehr zu sagen. Da Zelena es gewohnt war, in der Stille ihrer Hütte zu leben, fühlte es sich befremdlich an, eine weitere Stimme im Raum zu hören. Gewöhnungsbedürftig, musste sie gestehen, noch wusste sie nicht, wie sie darüber fühlen sollte. Doch Zelena erinnerte sich daran, dass der Mann nicht für immer bei ihr bleiben würde, nur für ein paar Tage, bis ihr gewöhnlicher Alltag zurückkehren würde. „Konzentriert Euch auf Eure Genesung", sagte sie abermals bekräftigt. Sie konnte es nicht gebrauchen, jemanden bei sich zu haben, der nicht auf ihren Rat hörte und aufgrund dessen monatelang zur Erholung bleiben müsste. Zelena konnte in dieser Hinsicht streng sein, auch wenn sie nicht unbedingt den Eindruck machte.
      Weil sie sich doch etwas schlecht fühlte und sich an die Worte des alten Mannes erinnerte, biss sie sich kurz auf die Unterlippe und holte tief Luft. „Zelena... Mein Name", sagte sie schließlich, mit einer kleinen Pause dazwischen. Da sie sich vorstellen konnte, dass er sich womöglich fragte, warum sie nicht redseliger war, sah sie ihn kurz von der Seite an. „Ich lebe alleine... Es ist ungewohnt, jemanden hier zu haben", versuchte sie ihm ruhig zu erklären. Dann stand sie plötzlich auf, weil es ihr auf einmal peinlich wurde. Mit kleinen Schritten ging sie zu der ausgelegten Kleidung. „Es wäre besser, wenn Ihr diese nicht anzieht... wegen der Wunde", erklärte sie ihm ihre Aussage. „Wenn es Euch zu kalt ist, gebt Bescheid."
      Zelena wusste nicht, wie sie jemanden angemessen hospitieren konnte, geschweige denn eine Unterhaltung führen. Auch als sie mit dem alten Mann zusammengelebt hatte, hatten sie nicht viel miteinander gesprochen. Doch durch Beobachtungen, jedes Mal, wenn sie im Dorf war, wusste sie, dass man im Regelfall mehr miteinander sprach. Ihre schweigsamen Unterhaltungen mit dem alten Mann hatten sie jedoch nie gestört.
      Während sie die Kleidung in der Nähe des Feuers zurechtrückte, beobachtete sie Kalean aus den Augenwinkeln. Er schien eine ruhige Stärke auszustrahlen, eine Gelassenheit, die sie gleichzeitig beruhigte und verunsicherte. Das Knistern des Feuers und der Duft der Kräuter, die in einem Topf köchelten, füllten den Raum und schufen eine Atmosphäre der Geborgenheit. Trotz ihrer Unsicherheit fühlte Zelena eine seltsame Vertrautheit, als ob die Gegenwart dieses Mannes, so unerwartet sie auch war, irgendwie passend war.
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    • "Zelena,“ wiederholte der Jäger ihren Namen und ließ ihn auf der Zunge zergehen, als ob er so versuchte, einen Hauch ihrer Persönlichkeit durch den Klang zu erfassen. "Ein schöner Name. Er passt zu Euch.“ Seine Augen folgten ihr, während sie sich um die Wäsche kümmerte. "Ich verstehe, dass es ungewohnt für euch sein muss, jemanden in eurer Hütte zu haben. Und ich werde euren Rat beherzigen und mich auf meine Genesung konzentrieren.“
      Er legte eine Hand auf den frischen Verband und spürte die feine Arbeit, die sie geleistet hatte, welche er nur ungerne ruinieren wollte. Seine Stimme war ruhig, fast beruhigend, als wollte er ihr vermitteln, dass er kein Bedrohung für sie darstellte.
      Er ließ seinen Blick durch die Hütte schweifen und nahm die Details, die er bereits zuvor wahrgenommen hatte, nun in einem ganz anderen Licht wahr.
      Sie lebte also alleine hier? In der Stille und dem Frieden des Waldes, fernab von all der Hektik der Welt.
      Er konnte sich gut vorstellen, wie wohltuend diese Ruhe sein musste, doch gleichzeitig stellte er sich auch furchtbar einsam vor.
      Im Stillen fragte er sich, wie lange sie wohl schon in dieser Einsamkeit lebte.
      "Es tut mir leid, falls ich Euch mit meinen Fragen in Verlegenheit gebracht habe,“ sagte er nach einer Weile. „Ich wollte euch nur meinen aufrichtigen Dank für eure Gastfreundschaft ausdrücken.“ Er nahm wieder einen Schluck Tee, ließ die Stille zwischen ihnen wirken und hoffte, dass sie ihm mehr von sich preisgeben würde, wenn er geduldig blieb.
      Auch wenn er ihren Rat, sich in seinem Zustand auszuruhen, beherzigte, konnte er nicht umhin, seine Gedanken zu dem Biest zurück schweifen zu lassen, welches er am Vortag erlegt hatte. Irgendwo dort im Wald hatte er sein Schwert verloren und es juckte ihm geradezu in den Fingern, dieses zu bergen, bevor es jemand anderes vor ihm tat.
      Zwar wüsste er nicht, wer Wahnsinns genug wäre sich so tief in den Wald zu begeben, dass er über Kaleans Schwert stolpern könnte, doch der Gedanke ließ ihn nicht los.
      Schwermütig seufzte er und ließ sich wieder in die Matratze sinken. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, brachte ihm ja nun nichts und würde seine Genesung auch nicht beschleunigen. Er musste einfach hoffen, dass es noch dort, beim Leichnam des Sturmvogels, verweilte, bis er wieder bei Kräften war, um es suchen zu gehen. Falls er überhaupt die Stelle wiederfinden würde.
      Sein Blick wanderte kurz wieder hinüber zu Zelena. Nein. Den Gedanken, sie vielleicht darum zu bitten, an seiner Stelle in den Wald zu gehen, um es zu bergen, schlug er sich ganz schnell wieder aus dem Kopf.
      Einer zierlichen Frau wie ihr würde er niemals eine solch ungallante Bitte auferlegen können. Vor allem nicht, nachdem sie sich so uneigennützig erklärt hatte, sich um seine Wunde zu kümmern.
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    • Zelena konnte nicht das Gefühl beschreiben, als sie den Mann ihren Namen sagen hörte, es wirkte beinahe befremdlich und doch fühlte sie sich angesprochen. Sie versuchte das Dorf nicht sonderlich oft und man nannte sie nicht oft bei ihrem Namen, so kam es nicht sonderlich häufig vor, dass man sie direkt mit ihrem Namen ansprach. Umso seltener kam es vor, dass man sagte, dass der Namen schön sei. War dies wahrhaftig seine Meinung gewesen, oder sagte er dies aus reiner Höflichkeit? Zelena konnte sich die Antwort nicht selbst herleiten.
      Als Kalean ihr bestätigte, dass er ihre Worte wahrgenommen und beherzigt hatte, nickte sie zufrieden. Zumindest schien er nicht auf den Kopf gefallen zu sein und wollte sich beweisen, indem er über seinen Schmerz hinweg sein Hab und Gut zusammen sammelte. Je bereiter Patienten waren die Anweisungen des Heiler zu verfolgen, desto näher rückte die Genesung an.
      Aufmerksam beobachtete Zelena den Mann weiter, nichts wissend, dass ihr direkter Blick in manch Situationen nicht unbedingt angebracht war und dieser unangenehm wirken konnte. Doch Zelena hatte es Mut gekostet eine fremde Gestalt in ihr Zuhause einzulassen, zumal sie ebenso sicher gehen wollte, dass er ihr nichts entwendete. Nicht, dass sie es ihm zutrauen würde, dafür kannte sie ihn zu wenig, doch eine Nummer sicher zu sein war sicherlich nicht verkehrt.
      Auch wenn sie in seiner Gegenwart auf der Hut und vorsichtig war, war ihr nicht entgangen, wie ruhig er sich verhielt. Weder aggressiv noch patzig. So vermittelte er ihr nicht das Gefühl, als müsse sie auf Eierschalen um ihn herum laufen. Eine angenehme Gestalt. Würde er weiterhin sich so verhalten, würde es Zelena nicht schwer fallen in für ein paar Minuten aus den Augen zu lassen. Am Ende des Tages war es ein Jäger, ein Mann, der deutlich stärker und größer als sie war. Sie hatte ihn, als sie ihn in die Hütte geschleift hatte, tragen müssen und wusste wie schwer er war. Da sie ebenso ihm den Verband angelegt hatte, wusste sie, dass sein Gewicht nichts mit seinem Fett zu tun hatte. Es waren harte Muskeln.
      Den Seufzer, den der Mann tief aus seinem Bauch hat entweichen lassen, entging Zelena nicht und sie fragte sich, was ihn dazu verleitet hatte dieses Geräusch von sich zu lassen. Sie überlegte, ob ihm etwas fehlte oder ob die Schmerzen sich verschlimmert haben. Doch wie sehr sie sich Gedanken machte, sie hatte keine Antwort auf ihre Fragen. So entschloss sie ihn direkt zu fragen: „Fehlt Euch etwas?", neigte sie ein wenig ihren Kopf zur Seite. Er würde wohl ohne Grund keinen beinahe wehleidigen Seufzer erklingen lassen. Wenn sie dazu in der Lage war ihn zu unterstützen, so sah sie es sich in ihrer Aufgabe ihm beizustehen. Schlussendlich wollte sie ihn so schnell wie möglich aus ihrer Hütte haben, denn je kürzer er bei ihr blieb, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass er ihre Herkunft herausfand.
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    • Der Jäger ließ die Worte der mysteriösen Schönheit in der Stille der Hütte nachklingen. Ihr direkter Blick, der zuvor vielleicht etwas unangenehm gewesen war, wirkte nun eher besorgt als misstrauisch. Seine Augen trafen die ihren, in denen ein Ausdruck lag, den er nicht zu deuten vermochte. Er nahm einen tiefen Atemzug und richtete sich leicht auf.
      "Nein, es fehlt mir an nichts, was Ihr mir nicht schon gegeben habt," antwortete Kalean leise, seine Stimme durchzogen von ruhigen Freundlichkeit, die er selten zeigte. "Eure Gastfreundschaft und Eure Fürsorge sind mehr, als ich erwarten konnte." Er hielt inne, ließ seine Augen über ihre Gesichtszüge gleiten, als wollte er sich jede Einzelheit einprägen. "Ich möchte Euch keine Umstände bereiten. Es ist nur etwas, was ich im Wald zurücklassen musste, was meine Gedanken quält. Ich wünschte, ich könnte es bergen, aber ich fürchte, ihr wärt darüber nicht allzu erfreut, wenn ich in dem Zustand durch den Wald laufe..."
      Seine Stimme verklang, und er sah den Ausdruck in Zelenas intensiven Augen. Er konnte nicht erwarten, dass sie ihm helfen würde, doch das Bedürfnis, sein Schwert wiederzuerlangen, nagte an ihm. "Es tut mir leid, ich wollte euch damit nicht belasten. Vergesst einfach, dass ich es erwähnt habe, ich werde mich schon darum kümmern, sobald ich wieder zu Kräften gekommen bin."
      Das Schwert hatte für Kelean zwar einen großen ideellen Wert und machte einen relevanten Teil seiner Identität als Jäger aus. Aber es war nicht wichtiger als sein Leben oder seine reibungslose Genesung.
      Letzten Endes war es eben nur ein Objekt, von dem er zur Not ein neues anfertigen lassen konnte, auch wenn ihm dies wertvolle Zeit und Ressourcen kosten würde.
      Er setzte sich wieder in die Matratze, sein Blick fiel auf das lodernde Feuer im Kamin. Die Flammen tanzten wie die Gedanken in seinem Kopf, wild und unberechenbar. Seine Finger strichen leicht über den Verband, und er erinnerte sich an die behutsame Berührung von Zelena, als sie seine Wunde versorgte. Er konnte nicht anders, als sich zu fragen, was sie bewegte, hier allein zu leben, fernab von allem.
      "Ihr habt mir geholfen, obwohl ich euch ein völliger Fremder bin." sagte er schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. "Es muss einen Grund geben, warum Ihr hier lebt, in dieser Abgeschiedenheit." Er hob den Kopf und sah sie wieder an, Neugierde in seinen Augen, dass sie ihm vielleicht ein wenig mehr über sich erzählen würde.
      Vielleicht versteckte sie sich hier? Fürchtete sie sich vor etwas oder jemanden? Möglicherweise konnte er sich ihr erkenntlich zeigen, indem er das Objekt ihrer Furch beseitigten, wenn sie willens war ihn darüber zu erzählen.
      Die Stille zwischen ihnen war zurück gekehrt, aber sie fühlte sich nicht mehr so schwer an wie zuvor. Sie war erfüllt von unausgesprochenen Worten.
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    • Geduldig hörte sie dem Mann zu und sah ihn direkt an, während er die Worte aus seinem Mund fließen ließ. Er schien viel höflicher und milder zu sein, als das was sie von den Geschichten gehört hatte. Brutal, keine Manieren und stürmisch. Das waren wohl meist Dinge, die man über diese Jäger erzählt hatte. Zelena hatte nur am und zu den Erzählungen ihre Aufmerksamkeit geschenkt, aus Neugier was man über ihre natürlichen Feinde erzählte, doch die Geschichten wiederholten sich immer, weswegen sie irgendwann aufgehört hatte zuzuhören. Doch eines wusste sie, sie waren bekannt für ihr Geschick und Kraft. Wesen, mit denen sie sich nicht anlegen konnte, wenn es darauf ankam. Wenn ein Jäger ihre Identität herausfanden, könnte sie sich nicht einmal so lange wehren, bis sie entkommen konnte. Dass sie nun jenes Wesen bei sich Zuhause herein gelassen hatte, hätte sie niemals gedacht.
      Womit sie ebenso weniger gerechnet hatte, war das lange Umherschweifen seines Gerede. Sie war vielmehr daran gewöhnt direkt zu hören zu bekommen, was bevorstand und was von ihr erwartet wurde. So zumindest hatte ihr Vater mit ihr geredet, weswegen Zelena unschlüssig war, was genau er von ihr erwartete und sie sich fragte, was er nun genau meinte. Dabei wirkte sie nicht genervt, sondern geduldig. Und er hatte recht, es würde Zelena nicht erfreuen, wenn der Mann vorhatte den Wald in seinem jetzigen Zustand aufzusuchen. Doch sie verstand nun, dass sie gestern wohl etwas übersehen hatte, als sie ihn hierher getragen hat. Es war gestern zu stürmisch und dunkel gewesen, und zu dringlich gewesen, als dass Zelena sie genaust drauf geachtet hatte, ob sie etwas hinterlassen hatte. Doch der Mann schien sie damit nicht belasten wollen und zog sich zurück, noch bevor sie sagen konnte, dass sie gern sein Hab und Gut zusammen suchen würde. Zelena entschied sich ebenso ihre Aussage zurückzuhalten und nickte nur verstehend.
      Zelena setzte sich für einen kurzen Moment hin, hob ihren Blick zu ihm, als er abermals anfing zu reden. Zelena begriff nicht wieso Kalean solch eine Interesse an sie zeigte, zumindest in den Umständen, in denen sie lebte. Wieso wollte er es wissen? Zelena konnte seine angedeutete Frage ignorieren, doch sie befürchtete, dass wenn sie zu oft seine Fragen auswich, würde er seine Nase in ihr
      privates Leben stecken, wo sie nicht hingehörte. Dennoch wollte sie nicht zu vieles preigeben, denn wer wusste schon, wie weit er seiner Neugier, die sie vertiefen konnte, nachgehen würde. Zumal es nicht vieles gab, was sein Verdacht könnte. So zuckte Zelena nur ihre Schultern und stand auf. „Ich bin hier aufgewachsen", meinte sie nur ruhig und warf ihm einen Blick zu. „Das ist mein Zuhause." So hoffte sie, dass er nicht nachhakte. Auch wenn es etwas her war, als der alte Mann gestorben ist, so war sein Tod dennoch ein trauriges Ereignis für sie bis heute. Um sicherzugehen, dass er siener Neugier nicht weiter nachging und sie mit Fragen bombadierte, auch wenn er diese höflich formulierte. Zelena ging in ein kleines Kämmerlein und holte eine dicke Krücke heraus. „Auch wenn ich es nicht für gut heiße Euch aus dem Bett zu lassen, doch wenn Ihr es mich nicht alleine holen lässt, könnte ich Euch zu Euer Hab und Gut begleiten." Und zeigte auf die Krücke, die der alte Mann zu seiner Lebzeit benutzt hatte. „Mit viel Pausen", fügte sie noch hinzu, ließ dabei einen ernsteren Ton fallen. Eigentlich wollte sie ihn nicht aus dem Bett lassen, doch sie wollte sein wehleidiges Seufzen nicht tagelang hören, noch zu wissen, wie er im Bett vor Sorge versauerte und durch diese seine Genesung verlangsamte.
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    • Voller vorsichtiger Neugierde beobachtete Kalean wie Zelena in ein kleines Kämmerlein verschwand und mit einer Holzkrücke in der Hand zurückkehrte.
      Warum besaß sie einen solchen Gehstock? Behandelte sie häufiger Verwundete wie ihn? Er konnte es nur vermuten.
      Doch nicht nur die Tatsache, dass sie im Besitz solcher Ausstattung war, sondern auch ihre Bereitwilligkeit, ihn in den Wald gehen zu lassen, überraschte ihn. Im Positivem Sinne.
      Prüfend beäugte er die Krücke, die sie ihm anbot, und nickte langsam. Der Stock schien bereits in die Jahre gekommen zu sein, doch das Material wirkte noch robust genug, um den Jäger mühelos stützen zu können. "Vielen Dank," sprach er "Ich werde Euren Vorschlag annehmen. Und ich entschuldige mich noch einmal für die Umstände, die ich euch bereite."
      Wenn es eine Möglichkeit gab, ihre Gastfreundschaft zu erwidern, würde er dies selbstverständlich tun, sobald er wieder genesen genug war. Sei es nun in Form einer finanziellen Entlastung, oder einer Dienstleistung die er erbringen konnte. Aber vorerst konzentrierte er sich auf seine Genesung. Und sein Schwert.
      Entschlossen aber dennoch vorsichtig richtete der junge Mann sich nun auf und griff nach der Krücke. Er spürte den abgenutzten, hölzernen Griff unter seinen Fingern. Ein völlig anderes Gefühl im vergleich zum schweren, kalten Stahl, den er sonst immer führte.
      Mit einem tiefen Atemzug setzte er den ersten Schritt und spürte, wie seine Muskeln sich anspannten, die Wunde unter der plötzlichen Belastung schmerzhaft pochte. Doch er ließ sich nichts anmerken. Sein stolz als Jäger wollte nicht zulassen, dass er seinen Schmerz nach außen hin zeigte. Sein Gesicht war eine Maske der Entschlossenheit, sein Blick fest auf Zelena gerichtet.
      "Nun gut, wir werden Pausen einlegen.," stimmte er zu, wobei er ein wenig widerwillig klang, obwohl er selber wusste, dass er den Weg ohne Pausen definitiv nicht bestehen können würde. Es zuzugeben war das schwere.
      Was zählte, war, dass er sein Schwert am Ende des Tages wiederfand.
      Es hatte ihm in vielen Schlachten gedient und vor Unheil bewahrt. Nun schuldete er diesem zumindest, dass es nicht in den Tiefen dieses Waldes verrottete.
      Die beiden traten aus der Hütte in die frische, kühle Luft des Waldes. Ein seichter Nebel hing schwer zwischen den Bäumen, die Geräusche der Natur klangen gedämpft und der Geruch des vergangenen Regens lag in der Luft. Der Jäger konnte die vereinzelten Rufe verschiedener Waldbewohner in der Ferne und das leise Rascheln der Blätter im Windes hören. Eine unheimliche, aber auch gleichzeitig beruhigende Melodie. Ein harmonisches Paradoxon.
      Er ließ sich von ihr den Weg zu der Stelle beschreiben, an der sie ihn gefunden hatte, und sie kamen nur langsam voran, da er immer wieder Pausen einlegen musste. Atemlos stützte er sich auf die Krücke und gab sich aller größte Mühe, seine Seite nicht zu sehr zu belasten und Zelenas sorgfältige Arbeit an seiner Wunde nicht zunichte zu machen.
      Während sie so durch den Wald schritten, ließ er seine Gedanken schweifen. Er erinnerte sich an die vielen Male, als er allein auf der Jagd gewesen war, die Herausforderungen und Gefahren, denen er sich gestellt hatte. Doch dieser Wald, mit seinen mystischen Geheimnissen, fühlte sich anders an. Es war, als ob die Natur selbst ein lebendiges Wesen war, das sie beobachtete und ihre Schritte lenkte.
      Vielleicht konnte sie deswegen ein so friedliches leben in diesem Wald führen? Abseits aller Zivilisation.
      "Ihr sagtet ihr seid hier aufgewachsen… wovon lebt ihr hier? Habt ihr einen Garten oder geht ihr im Wald jagen oder geht ihr jedes Mal den langen Weg bis ins Dorf?" fragte er schließlich, seine Neugierde ungebrochen. Die Frage war mehr ein Versuch, die Stille zu durchbrechen, als wirklich eine Antwort zu erwarten. Zwar war er die ungebrochene Stille von seinen zahllosen Jagten gewohnt, in denen er oftmals tagelang alleine durch die Wälder streifte um einem Monster nachzustellen, aber in ihrer Gesellschaft überkam ihm der Drang, diese Stille füllen zu wollen.
      Er wusste, dass Zelena ihm vermutlich nicht viel erzählen würde, doch jede kleine Information war für ihn wertvoll.
      Der Weg wurde zunehmend unwegsamer, und Kalean spürte, wie seine Kräfte mit der Zeit immer weiter schwanden. Doch er biss die Zähne zusammen und kämpfte weiter. Bloß keine Schwäche nach Außen zeigen! Das war die Devise der meisten Jäger.
      Der Gedanke an sein Schwert gab ihm die nötige Energie weiterzugehen.
      Schließlich erreichten Sie die Stelle, an der Zelena ihn im Regen gefunden hatte.
      Das gefallene Biest dürfte also gar nicht all zu weit weg sein. Und nach kurzem suchen, entdeckte er auch schon die Spuren des gestrigen Kampfes: um die Lichtung herum lagen überall zersplitterte Baumstümpfe, der Boden war noch deutlich Sichtbar aufgewühlt, und das Blut des Monsters, welches sich mit dem Regen vermischt hatte, sickerte noch in die Erde und verwandelte diese in einen roten Schlamm.
      Nun im Tageslicht wirkte der Sturmvogel noch massiver und noch bedrohlicher als am Vortag, obwohl er nun regungslos verharrte und keine Gefahr mehr darstellte. Die Sturmgrauen Federn nun zerzaust und seine ehemals von Macht erfüllten Augen glasig in die Leere starrend.
      “Keine Angst, er wird keinem mehr was zuleide tun können.” versicherte er seiner Begleiterin, als sie bei der gefallenen Kreatur ankamen, und seine Augen begannen bereits den matschigen Boden nach dem metallischen Glanz seiner Klinge abzusuchen.
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    • Die Entschuldigung, die er ihr nahe legte, war für sie von keiner Bedeutung. Viel lieber war es ihr, wenn er sie allein in den Wald ziehen lassen würde, denn die Umgebung um ihre Hütte herum kannte sie in und auswendig,schließlich lebte sie hier ihr ganzes Leben lang und war bereits im jungen Jahren auf Jagd gegangen. Auch hatte der alte Mann sie oft genug zum Sammeln und Erkundung in den Wald geschickt, jedoch auch manchmal aus eigenen Interessen denn spannend konnte sie die Zeit in der Hütte nicht immer nennen. Da war die frische Luft oftmals eine nette Abwechslung für sie gewesen.
      Mit sehr aufmerksamen Blick folgte Zelena den Bewegungen des verletzten Jägers. Sollte der Jäger sich zu sehr überschätzt haben, war es dann Zelena möglich in der letzten Sekunde Unterstützung anzubieten. Zwar würde sie sein ganzes Gewicht nur wenige Sekunde auf sich lasten lassen können, doch es würde reichen ihn dann zurück ins Bett zu legen. Zelena blieb bei der festen Überlegung dass die kurze Reise in den Wald, unabhängig wie viele Pausen sie wohl einlegen müssen, eine schlechte Idee war. Doch bevor er anfangen würde ihr den ganzen Tag zu seufzen, leidende Blicke aus dem Fenster warf oder ihr gar Vorwürfe machen wird.
      Zelena war zumindest erleichtert zu hören, dass der Mann selbst Einsicht erfuhr, als er kommentierte, dass sie Pausen einlegen müssten. Zelena hatte keine aufregende Tage, sie mochte die ruhige Gegend und den Frieden. Sie kannte es nicht anders. Es gab ihr die Sicherheit, die der alte Mann ihr hinterlassen hatte. Sie kannte die Wege, die Orte, an denen sie ihre Beute verkaufen konnte, und der Wald war ihre Heimat. Zelena hatte alles was sie brauchte und diese Sicherheit wollte sie nicht verlieren.
      Auch wenn der junge Mann nicht den Anschein erweckte, als habe er sich nicht gerade in dieser Nacht noch auf der Schwelle zwischen Leben und Tod befunden, wusste Zelena, dass er die Schmerzen spürte. Sie erinnerte sich an die anderen jungen Männern im Dorf, die ungern ihre Schmerzen zeigten. Ob dies wohl am Geschlecht lag? Zelena verstand bis heute nicht, wieso man versuchte seinen Schmerz zu überspielen.
      Zusammen traten sie aus der Hütte und die frische Luft des Waldes stieg ihr in die Nase, woraufhin sie Stilltief einatmete.
      Zelena trat aus der Hütte und sog die kühle, klare Luft ein. Der Morgen lag schwer und still über dem Wald, nur durch das sanfte Rauschen der Blätter und das ferne Zwitschern eines Vogels unterbrochen. Der Nebel, der sich wie ein silberner Schleier über die Landschaft gelegt hatte, zog langsam über den weichen, moosbedeckten Boden, als würde er die Geheimnisse der Nacht mit sich forttragen. Der Himmel war in blasses Blau getaucht, die ersten Sonnenstrahlen kämpften sich zögernd durch das dichte Blätterdach, das die beiden Reisenden wie ein schützendes Gewölbe umschloss.
      Zelena ließ ihren Blick durch den Wald schweifen, der wie eine endlose grüne Kathedrale vor ihr lag. Die Bäume standen dicht beieinander, ihre knorrigen Äste verschlungen, als hätten sie sich über die Jahre zu einem undurchdringlichen Netz verwebt. Das Licht, das es durch das dichte Blätterwerk schaffte, warf bewegte Schatten auf den Boden, wo alte, halbverrottete Blätter unter ihren Füßen knirschten.
      Mit jedem Schritt, den sie taten, schien die Welt um sie herum stiller und geheimnisvoller zu werden. Der Nebel lichtete sich langsam, gab den Blick frei auf den alten Pfad, der sich durch den Wald schlängelte, von Moos überwuchert und kaum mehr zu erkennen. Zelena folgte dem vertrauten Weg, ihre Sinne geschärft, jedes Knacken eines Zweiges, jedes Rascheln im Unterholz nahm sie wahr. Zelena führte Kalen zu der Stelle, an dem sie ihn gefunden hatte.
      Sie genoss die ruhige Atmosphäre und dennoch gleichzeitig die Lebendigkeit des Waldes. Diese wurde jedoch von Kaleans Stimme unterbrochen und Zelena musste sich zurückhalten nicht zu seufzen. Mittlerweile schätzte sie ihn als jemanden ein, der das Bedürfnis hatte die Stille zu füllen. Anders als sie, die eher die Ruhe bevorzugte. „Alles was Ihr gesagt habt", antwortete sie knapp. Eigentlich wollte sie es bei ihrem Satz belassen, doch es kam ihr der Gedanke, dass vielleicht das Reden ihn von seinen Schmerzen ablenken könnte. „Ich habe einen Garten und gehe gleichzeitig jagen, aber manchmal reicht das nicht aus. Also gehe ich ins Dorf, um was zu kaufen aber auch um meine Beute zu verkaufen", erklärte sie es ihm ausführlicher.
      Es verginge nicht viele Momente, bis Zelena an der Stelle ankam, an der sie ihn gefunden hatte. Da sie ihn in der Dunkelheit im starken regenfall gefunden hat, war es ihr nicht möglich gewesen die Umgebung mehr zu betrachten. Da nun kein Regen fällt und das Wetter klar war, konnte sie diesen Ort aufmerksamer mit ihrem Blick absuchen. Dieser fiel dann schlussendlich auf ein Wesen welches beim Anblick sie erschreckte und sie daraufhin zusammenzuckte. Nicht nur das, der Ort drumherum ließ auf einen Kampf vermuten. Auch wenn Kalean ihr versichere, dass die Bestie tot war, rührte Zelena sich nicht vom Fleck. Bislang in ihrem Leben hatte sie keine Bestien mit ihren eigenen Augen gesehen. Sie hatte immer wieder ihre Fantasie freien Lauf bei den Erzählungen gelassen, jedoch nie eines vor ihren Augen gehabt. Als Kalean dem Wesen näher kam und sich dieser nicht rührte, konnte Zelena sich aus ihrer Starre reißen und Schritt dann, vor Neugier, den leblosen Augen näher. Da Zelena nicht wusste wonach der Jäger suchte, konnte sie ihm nicht beim Suchen helfen. Auch wenn Zelena meist nicht diejenige war, die eine Konversation initiierte, war sie neugierig geworden. „Was macht Ihr mit dem Leichnam? Haben sie einen Wert?" Zelena ging in die Hocke und betrachtete die Feder. „Sind die essbar? Oder ist das von Wesen zu Wesen unterschiedlich?" Dass Zelena für ihre Verhältnisse mehr sprach, fiel ihr nicht sonderlich auf, viel zu sehr war sie auf das, was vor ihr war, fokussiert. Auch wenn sie wusste welch ein Unheil Monster mit sich brachten, fühlte sie sich mit ihnen auf eine eigenartige und kleine Weise verbunden. Sie war anders, genauso wie sie und man würde sie ebenso als Gefahr ansehen, auch wenn sie keine eigentlich darstellte. Würde der Jäger sie ebenso töten, auf diese Weise oder auf eine menschlichere Art? Würde sie noch in seinen Augen als ein Mensch gelten?
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    • Kalean wandte sich von dem toten Sturmvogel ab und ließ seine Augen über den matschigen Boden gleiten. Zelenas Frage hallte in seinem Kopf wider, während er vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzte. Jeder Schritt war eine Herausforderung, doch die Krücke half ihm, sein Gewicht zu verteilen, und die Aussicht, sein Schwert wiederzufinden, trieb ihn voran.
      "Der Leichnam?" murmelte er, während er mit der Krücke tiefer in den aufgewühlten Schlamm stieß, in der Hoffnung, einen metallischen Glanz zu entdecken. "Nun, Monster wie dieses... ihre Überreste sind wertvoll. Für die richtigen Leute."
      Er hielt inne und hob einen schwereren Ast zur Seite, unter dem nur zerdrückte Federn lagen, vom Regen durchnässt und mit Erde verklebt. Ein leichtes Zucken zog durch seinen verletzten Körper, doch er ignorierte den Schmerz, der seinen Brustkorb durchdrang.
      "Die Federn," begann er und hob eine auf, betrachtete sie flüchtig, bevor er sie wieder fallen ließ, "könnten für Rüstungen genutzt werden. Leicht, aber dennoch widerstandsfähig, und gut gegen magische Angriffe, falls man sich in einen weiteren Kampf gegen solche Wesen stürzt. Aber nur wenige Handwerker haben das Wissen oder die Fähigkeiten, diese Materialien richtig zu verarbeiten."
      Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte seine Suche fort, während er Zelenas unruhigen Atem in der Stille spürte. Ihre Neugierde war fast greifbar, doch er schenkte ihr nur einen kurzen Seitenblick. Sie schien fasziniert von dem Monster, vielleicht sogar mehr als er selbst es je gewesen war. Für ihn waren solche Kreaturen eine Gefahr, eine Bedrohung, die es zu beseitigen galt. Doch in ihren Augen lag etwas anderes, eine Art stiller Respekt, fast schon Ehrfurcht.
      "Das Blut," fuhr er fort, während er sich tiefer bückte, "wird manchmal von Hexen genutzt. Es hat magische Eigenschaften. Sie könnten Tränke daraus brauen oder Flüche wirken. Ich weiß nicht viel über die Details, aber... für die meisten Menschen außerhalb von Jägergilden ist es verboten, mit solchen Dingen zu handeln. Zu gefährlich. Und wer trotzdem damit handelt, nun... entweder ist er selbst eine Hexe oder arbeitet für eine."
      Er hielt inne, als sein Blick plötzlich auf etwas Vertrautes fiel. Ein metallischer Schimmer, kaum sichtbar unter einer Schicht von Federn und Schlamm. Ein Schauer durchlief ihn, als er den Griff seines Schwertes erkannte. Der Jäger kniete sich nieder, den Schmerz ignorierend, der durch seinen Körper zog, und zog es langsam aus dem matschigen Boden.
      Das Schwert war noch immer blutbefleckt, sowohl mit dem dunklen Rot seines eigenen Blutes als auch mit dem beinahe schwarzen der Bestie. Es fühlte sich schwer und vertraut an, wie ein verlorener Teil von ihm, der nun wiedergefunden war.
      Mit einem triumphierenden Lächeln hielt er es in die Höhe, das Licht der Sonne spiegelte sich schwach auf der schmutzigen Klinge wider. "Da ist es," sagte er leise, fast zu sich selbst, als würde er ein Wiedersehen mit einem alten Freund feiern. Die Erleichterung durchströmte ihn, und für einen Moment schienen die Schmerzen seiner Verletzung bedeutungslos.
      Er wandte sich zu seiner Begleiterin um, das Schwert noch immer fest in der Hand. "Es gibt also durchaus einen Markt für diese Kreaturen," erklärte er weiter, "aber meistens bleiben ihre Überreste in den Händen derer, die sie erlegen. Jäger wie ich handeln nur selten mit solchen Dingen, es sei denn, es gibt einen guten Grund dafür. Aber der Markt... ist gefährlich. Nicht viele wagen sich in diese Art von Geschäften."
      Er wischte das Schwert grob an einem trockenen Stück Stoff ab, das er bei sich trug, und blickte dann zu der leblosen Bestie. "Für die meisten Menschen sind solche Dinge einfach... zu mächtig, zu unberechenbar." Er zuckte mit den Schultern und ließ den Blick wieder auf Zelenas neugieriges Gesicht fallen.
      "Wir sollten jetzt zurückkehren," sagte er schließlich und blickte in den düsteren Wald, der sich um sie herum erstreckte. "Der Tag ist noch jung, aber ich denke, wir haben beide genug für heute gesehen."
      Bis zu seiner vollständigen Genesung lang noch ein Weiter weg vor ihm, doch immerhin hatte er nun sein Schwert zurück und somit eine Sorge weniger, die seine Gedanken plagte.
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    • Zelena hörte ihm gebahnt zu, während sie weiterhin in die leblosen Augen starrte. Für manche würde der Anblick abschrecken, doch nun hatte sie etwas vor sich, etwas was ihr eintöniges Leben einschnitt und ihr die Möglichkeit gab etwas zu lernen. Sie bezweifelte, dass sie das Wissen jemals in ihrem Leben anwenden wird, doch Bestien hatte sie immer interessiert. Der Alte hatte sie dafür immer ermahnt, immer wieder sieht daran erinnert, dass keiner über Ihre Interesse darüber wissen sollte. Man würde sie allzu schnell als eine Verräterin abstempeln.
      Zelenas Finger bewegten sich fast von allein, ein Zucken war wahrzunehmen, doch ehe sie sich versah und Feder einstecken konnte, fuhr Kalean mit seiner Erklärung fort. Aufmerksam lauschte sie seinen Worten, schenkte dem Redner kaum Beachtung und vergaß seine Verletzungen. Als er Hexen erwähnte, wurde sie hellwach. Wäre sie eine Katze, würden ihre Ohren kurz zucken. So wie sie seinen Worten entnehmen konnte, existierten noch Hexen. Oder war es nur eine Annahme und er sprach von der Vergangenheit? Würde es über die Stränge schlagen, wenn sie ihn über Hexen ausfragte? Zelenas war sich unsicher und man bot ihr keine Zeit an über diese Frage nachzudenken. Doch ihre Neugier endete nicht nur dort, sondern wurde erweitert, als Kalean von Schwarzmärkten sprach. Davon hatte sie bisher noch nie gehört und ihre Fantasie legte ihr Szenarien dar, wie diese aussehen könnten. Sie stellte es sich vor, wie alle mit Masken oder Roben an die verschiedenen Stände liefen und gefährliches Gut im Augenschein nahmen. Wie geheime Gespräche in in dunkle Zelte geführt werden und gefährlichsten und exotischen Bestien als Luxusgut oder Haustier verkauft werden. Ob der Jäger jemals auf einem Schwarzmarkt gewesen ist? Da sie ihn bei seiner Erzählung nicht unterbrechen wollte, behielt sie die Frage vorerst für sich. Sicherlich würde sich nachher Zeit dafür finden.
      Als ihr Begleiter sie über ihren Aufbruch informierte, sah Zelena zum ersten Mal seit sie hier sind, auf und blickte zu dem Mann, den sie gestern bei sich aufgenommen hatte. Ihr Blick fiel sofort auf das Schwert und verstehend nickte sie. Sie hätte sich es denken können, dass es sich um sein Schwert handelte, denn auch wenn sie Schwierigkeiten hatte den Jäger zu sich nach Hause zu tragen, war er doch für all seine Ausrüstung leicht gewesen. So nickte sie auf seiner Aufforderung und stand auf Punkt da sie für eine Zeit lang in Hocke geblieben ist, knickten ihre Knie ihr beinahe weg, doch sie konnte sich noch im letzten Moment fangen. Noch ehe sie vollkommen aufgestanden war, hatte sie ein paar Feder sich geschnappt und diese in ihrer Tasche verstaute. Auch wenn die nicht dazu in der Lage war, etwas aus den Federn herzustellen, war sie dennoch neugierig genug was sie entdecken könnte.
      „In Ordnung", nickte sie ihm zu und brach mit ihm auf. Und wie er Recht behielt, war der Tag noch jung, jedoch aufgrund seiner Verletzungen mussten sie den Weg so schonend beschreiten, wie es Ihnen möglich war. Dass sie nun am darauf folgen Morgen gleich solch einem Weg auf sich machten, taten sie seine Wunde keinen Gefallen. Vielmehr im Gegenteil. So liefen sie den Weg wieder zurück, doch noch bevor sie ankommen konnten, zeigte die junge Dame in eine andere Richtung. „Ich muss etwas abholen", erklärte sie ihm und bog leicht rechts ab. Sie steuerten auf Fallen zu, die sie Tage davor gelegt hatte. Gestern hatte sie nichts gefunden und hoffte, dass sie heute mehr Glück hatte. Nach wenigen Minuten kamen sie an einem Baum an, dessen dicker Ast schräg nach unten hing. Wenige Schritte davon entfernt konnte man leicht versteckt und halb verdeckt von einem Busch eine Falle finden. Mit geübten Griffen befreite sie den Hasen, den sie dort gefunden hatte und öffnete die Falle erneut für spätere Beute. „Ok, wir können ", nickte sie ihm zu und kehrte wieder den Heimweg an. Bevor sie ihre Hütte wieder erreichten , stellte sie ihm die Fragen, die sie ihm vorhin noch nicht stellen konnte. „ Hexen. Ich hatte gedacht, dass sie ausgestorben sind", fing sie an und schielte zu ihm herüber, während ihr Herz anfing zu rasen. Für einen kurzen Moment befürchtete sie, dass er ihren herzschlag hören könnte. Hexen waren immer ein heikles Thema gewesen, doch da er die Hexen vorhin angesprochen hatte, da sie keine Gefahr darin diese anzusprechen. Er würde sicherlich nicht auf die Idee kommen von dieser Aussage auszugehen, dass sie eine war, oder? „Wart Ihr jemals auf einen Schwarzmarkt?"
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    • „In Ordnung" Kalean nickte nur leicht, als Zelena ihm zustimmte und sie sich gemeinsam auf den Rückweg machten, doch jeder Schritt erinnerte ihn schmerzlich daran, wie schwer sein Körper sich anfühlte. Der Matsch unter seinen Stiefeln gab nach, als ob er ihn festhalten wollte, und das ständige Humpeln mit der Krücke zermürbte seine Konzentration. Der kalte Schweiß, der seinen Rücken hinunterlief, vermischte sich mit dem warmen Blut, das noch unter seinen Verbänden klebte.
      Der Wald um sie herum war still. Zu still. Der Jäger war es gewohnt, in solchen Momenten jeden Windhauch, jedes entfernte Rascheln der Blätter als Zeichen für potenzielle Gefahren zu deuten, doch jetzt? Jetzt hörte er nur das gedämpfte Atmen von Zelena und das stete Knirschen ihrer Schritte im feuchten Boden.
      Die Morgensonne stand noch immer tief am Himmel, ihre Strahlen durchbrachen kaum das dichte Blätterdach. Es war ein seltsam vertrauter Trost, die Natur zu spüren, auch wenn er kaum in der Lage war, sie vollständig wahrzunehmen.
      Dennoch hielt er kurz inne, um tief durchzuatmen. Der Geruch von nasser Erde und verrottendem Laub stieg ihm in die Nase, während das Pochen seiner Wunde immer wieder seine Gedanken durchdrang. Er war erschöpft, das spürte er nun deutlicher als zuvor, aber zumindest war es nicht mehr Regen wie am Tag zuvor.
      Zelena bog plötzlich ab und deutete in eine andere Richtung. Kalean zog die Stirn kraus, als sie erklärte, sie müsse etwas abholen. Er folgte ihr, allerdings etwas langsamer, sein Bein protestierte bei jedem Schritt. Als sie anhielt und sich über die versteckte Falle beugte, um den Hasen herauszunehmen, beobachtete er sie mit einem leicht gehobenen Augenbrauen. Sie war geschickt, das musste er ihr lassen.
      Sie hatte ja soetwas schon erwähnt, erinnerte er sich, während er ihr zusah, wie sie den Hasen schließlich in die Tasche steckte.
      Hungrig werden würde sie nicht so schnell.
      Als sie ihm zunickte und ihm bedeutete, dass sie weitermachen konnten, setzte er sich langsam wieder in Bewegung. Der Gedanke an das gestrige Geschehen, den Kampf den er nur knapp überlebte, lastete schwer auf seinen Schultern, doch der Fund seines Schwertes gab ihm zumindest ein Gefühl von Kontrolle zurück.
      Dann, während sie weiter durch den Wald schritten, sprach sie schließlich. Kalean hob den Kopf, als sie nach den Hexen fragte. Für einen Moment zögerte er. Ihre Stimme war ruhig, doch da war eine unsichtbare Anspannung, die er nicht ignorieren konnte.
      Er atmete langsam durch und dachte über ihre Frage nach. "Ausgestorben?" wiederholte er gedankenverloren, während er sich mühsam weiterbewegte.
      „Viele glauben, sie seien nur noch Legenden. Geschichten, die Eltern ihren Kindern erzählen, um ihnen das Fürchten zu lehren.“ Er blickte sie nicht direkt an, sondern hielt seine Augen auf den Pfad vor ihnen gerichtet, als würde er nach den richtigen Worten suchen. „Aber die Wahrheit ist, dass sie nie wirklich verschwunden sind.“
      Seine Stimme klang ruhig, doch ein Hauch von Bitterkeit schwang darin mit. "Es sind nicht nur alte Märchen, die man Kindern erzählt, um sie zu erschrecken. Hexen haben Macht, und viele von ihnen haben sich diese Macht auf grausame Weise angeeignet." Er stockte kurz, als ein Schmerz durch seinen Brustkorb schoss, doch er redete weiter, auch um sich von den Schmerzen abzulenken. "Ich bin einigen begegnet. Meistens aus der Ferne, als sie mit Kräutern oder Artefakten handelten. Sie meiden die Gesellschaft der Menschen... und das aus gutem Grund."
      Er hielt inne, hob die Krücke leicht an, um sie in den weichen Boden zu stoßen, und balancierte sein Gewicht. Seine Lippen pressten sich zusammen, als er den Gedanken daran zu Ende führte.
      “Ihre Macht mag schwinden, aber es gibt immer noch welche, die die alten Künste praktizieren. Manche tun es aus Überzeugung, andere aus purer Verzweiflung.“ Sein Blick wanderte kurz zu Zelena, als wollte er prüfen, wie sie auf seine Worte reagierte, bevor er fortfuhr. „Doch egal, warum sie es tun – für die meisten Menschen sind Hexen eine Gefahr. Und was als Legende begann, endet oft in Furcht und Misstrauen.“
      Er schwieg einen Moment und biss die Zähne zusammen, als ein besonders scharfer Schmerz durch seinen Oberkörper schoss. „Es gibt viele, die nach Wissen über Hexen suchen – aus Neugier oder...“ Er ließ den Satz unvollendet, als würden die Möglichkeiten in der Luft hängen bleiben. „Aber glaube mir, Wissen über Hexen zieht oft die falschen Leute an.“
      Er hob die Krücke ein wenig höher und drückte sich entschlossen vorwärts, als sie weiterliefen. Der Pfad vor ihnen war uneben, und er wollte sich auf den Weg konzentrieren, aber Zelenas nächste Frage ließ ihn innehalten.
      Der Schwarzmarkt. Kalean spürte, wie seine Schultern sich leicht anspannten. „Schwarzmärket,“ wiederholte er, fast spöttisch. „Man hört davon in den Geschichten. Orte, an denen alles zu haben ist, wenn du den Preis bezahlen kannst. Blut, Artefakte, sogar Leben – solange du die richtigen Leute kennst.“ Er hielt kurz inne, seine Augen verengten sich.
      "Und ja, ich war einmal auf einem. Nicht freiwillig, versteht sich. Beruflich."
      Seine Augen wurden dunkler, während die Erinnerungen in ihm aufstiegen. "Es ist gefährlich. Jeder, der dort handelt, ist entweder verzweifelt oder skrupellos. Und niemand traut dem anderen." Er machte eine kurze Pause, als ob er abwog, wie viel er preisgeben wollte.
      Er schnaubte leise und blickte über die Schulter zurück in den dichten Wald, als würde er dort die Erinnerungen suchen. „Ein Ort wie dieser zieht nur Ärger an. Wer mit solchen Dingen handelt, spielt mit Kräften, die er oft nicht versteht.“ Er sah wieder zu ihr, sein Blick ernst. „Und wenn du Pech hast, endest du schneller tot, als du gedacht hättest.“
      Er richtete sich auf, seine Hand ruhte schwer auf dem Schwert an seiner Seite. „Du stellst viele Fragen über gefährliche Dinge, Zelena. “ Er hielt inne, seine Augen fixierten sie fest, aber es war keine Feindseligkeit darin, nur eine ehrliche Neugier.
      “Gesunde Neugierde über die Welt in der wir leben kann zwar nie schaden, aber… warum ausgerechnet diese spezifischen Themen?”
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    • Zelena versuchte, sich dem Tempo des Jägers anzupassen. Der Weg zurück, besonders mit dem kleinen Umweg, war lang und beschwerlich. Für einen Mann wie ihn, gezeichnet von den Kämpfen, die er geführt hatte, war es sicherlich eine Herausforderung. Zwar wusste Zelena wenig über das Training der Jäger, doch die harten Muskeln, die sie beim Bandagieren gespürt hatte, erzählten ihre eigene Geschichte. Trotzdem konnte kein Training der Welt den Körper vor den Auswirkungen schwerer Wunden schützen. Selbst diese Männer, die für die Menschen wie unbesiegbare Hoffnungsträger wirkten, waren verletzlich. Und gerade diese Verletzlichkeit hatte Zelena nun vor Augen, auch wenn sie nie vergessen durfte, welche Gefahr von Jägern wie Kalean für sie ausgehen konnte.
      Die Gedanken an die monströsen Wesen, über die sie sprachen, flößten ihr dennoch eine leise Unruhe ein. In ihrem Dorf löste das Thema stets mahnende Blicke und nervöses Flüstern aus, daher wählte Zelena ihre Worte mit Bedacht. Doch wann würde sie jemals wieder die Gelegenheit haben, einem Jäger wie Kalean, einem zentralen Akteur in all diesen Geschehnissen, Fragen zu stellen? Er schien offener und unvoreingenommener als die Dorfbewohner. So nahm sie es zumindest wahr, obwohl Kalean der erste Jäger war, dem sie je begegnet war.
      Als er dann das Thema Hexen ansprach, setzte ihr Herz beinahe aus. Hexen existierten also wirklich. Sie hatte nicht damit gerechnet, die Wahrheit ausgerechnet hier zu erfahren. Unbewusst hielt sie den Atem an, und ein Schwindel legte sich auf ihre Sinne. Hexen – ein Wort, das so viel bedeutete. Es war die Antwort auf so viele Fragen, die sie sich ihr ganzes Leben lang gestellt hatte. Fragen nach ihrer Mutter, die sie ausgesetzt hatte. Fragen nach ihren eigenen Kräften, die tief in ihr schlummerten, ungenutzt, unentdeckt. Sie sehnte sich danach, diese Macht zu verstehen, sie zu entfalten, um endlich herauszufinden, wer sie wirklich war. Doch gleichzeitig wusste sie auch, dass Hexen in den Augen der Menschen gefährlich waren. Die Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden, lag wie ein unsichtbares Netz über allem.
      Zelena spürte, wie ihre Hände begannen zu zittern. Rasch wich sie Kalean ein Stück zur Seite aus, auch wenn er den Blick nach vorn gerichtet hatte und scheinbar nichts bemerkt hatte. Der Kloß, der sich in ihrem Hals geformt hatte, schluckte sie mühsam herunter. Kalean bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen: Hexen waren eine Gefahr für die Menschen. Nicht wegen dem, was sie waren, sondern wegen der Angst, die sie hervorriefen. Die Unwissenheit war es, die die Menschen fürchteten, das Unkontrollierbare.
      Zelena war neugierig, so sehr, dass es fast auf ihrer Zunge brannte, doch sie wusste, dass es gefährlich wäre, weiter nachzufragen. Der Jäger könnte Verdacht schöpfen, und das durfte sie um keinen Preis riskieren. Sie lenkte ihren Blick ab und versuchte, ihre Gedanken zu beruhigen. Doch die Worte des alten Mannes hallten in ihr nach.
      Kalean sprach dann über die Schwarzmärkte, und Zelena lauschte ihm, wenn auch weniger neugierig, als es bei dem Thema Hexen der Fall gewesen war. Die Vorstellung dieser finsteren Orte ließ jedoch ihre Fantasie aufblühen. Abenteuerlust entflammte in ihr, als sie sich selbst an einem dieser Orte vorstellte, wie sie inmitten von zwielichtigen Gestalten nach verbotenen Geheimnissen suchte. Es war eine absurde Vorstellung, das wusste sie, denn sie hatte nie vor, ihr Heimatdorf zu verlassen. Doch der Gedanke war eine angenehme Abwechslung zu dem tristen Alltag, der ihr sonst bevorstand.
      Abrupt riss sie sich aus ihren Tagträumen, als Kalean eine Bemerkung machte, die sie verunsicherte. Sie starrte auf den Weg vor ihnen, ihre Gedanken wirbelten wild umher. Was sollte sie ihm antworten, damit er nicht weiter nachhakte? Damit er keinen Verdacht schöpfte? Hatte er sie gerade geduzt? Sie konnte sich nicht erinnern, dass er das zuvor getan hatte, doch die Veränderung war spürbar. Zelenas Stimme zitterte leicht, als sie versuchte, eine Antwort zu finden. „Nun… du hattest diese Themen angesprochen“, sagte sie, um sich seinem Ton anzupassen. Es klang wenig überzeugend, und sie wusste, dass ihre Antwort schwach war.
      Sie seufzte leise und fügte hinzu: „Ich habe das Dorf nie verlassen, daher die Neugier.“ Ihre Worte fühlten sich wie eine halbe Wahrheit an, doch sie wusste nicht, wie sie es ihm sonst erklären sollte, ohne zu viel von ihren wahren Absichten preiszugeben. „Das Dorf ist abgelegen und klein, man bekommt nichts mit.“ Sie zuckte mit den Schultern und hoffte, dass er es dabei belassen würde. Jede weitere Erklärung würde nur mehr Fragen aufwerfen, und das konnte sie sich nicht leisten.
      Um ihre Nervosität zu verbergen, griff sie in ihre Tasche und umschloss die rauen Federn des Vogels, die sich in ihrer Hand seltsam beruhigend anfühlten. Auch wenn der Vogel keine Verbindung zu ihr hatte, gaben die Federn ihr Trost. Es war, als hätte sie ein Stück der Außenwelt bei sich, etwas, das sie daran erinnerte, dass sie nicht völlig allein war.
      Schließlich hob sie den Blick zu Kaleans Oberkörper und versuchte, das Thema zu wechseln. „Wir sollten die Bandagen neu anlegen“, bemerkte sie, wobei ihre Stimme wieder fester wurde. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie viel Blut die Wunden wieder durchtränkt hatte, doch sie wusste, dass es schlimm sein musste. Auch ohne es zu sehen, war sie sich sicher, dass die Bandagen durchweicht waren.
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    • Als würde sein Körper absichtlich auf das Stichwort warten, spürte Kalean den erneuten Schub an Schmerzen durch seinen Oberkörper schießen, als Zelena das Thema der Bandagen ansprach. Er kniff die Augen zusammen und atmete tief ein, versuchte, die Erschöpfung und den dumpfen Schmerz zu ignorieren. Aber es war nicht nur die körperliche Müdigkeit, die ihn aufwühlte. Es war das Gespräch, die Fragen, die Zelena gestellt hatte. Fragen, die ihn zurück in seine eigene Vergangenheit zogen.

      Für einen Moment war er wieder jung, ein verwirrter und wütender Junge, der alles verloren hatte.
      Die kühle Nachtluft, das Blut seiner Familie, das die Erde tränkte, und das kreischende Geräusch des Monsters, das ihnen alles genommen hatte, waren noch immer lebhaft in seinen Erinnerungen. Er erinnerte sich, wie er zitternd und voller Angst den Jäger anstarrte, der ihn gerettet hatte. Der Mann, dessen Namen Kalean erst viel später erfuhr, hatte das Monster mit einer Leichtigkeit getötet, die er sich nicht erklären konnte. Dieser Jäger war alles, was Kalean in dem Moment hätte brauchen können – ein Symbol der Stärke und der Rache, die er suchte.
      „Was war das?“, hatte er damals gefragt, seine Stimme heiser vom Weinen und Schreien.
      Der Jäger hatte nur kurz aufgesehen, während er seine Klinge abwischte. „Ein Nachtgreifer“, hatte er ruhig geantwortet, als wäre es nichts Besonderes.
      „Wird es noch mehr geben?“, hatte Kalean gefragt und sich trotz seiner Furcht dichter an den Jäger gedrängt. „Können sie alle besiegt werden?“
      Der Jäger hatte ihn mit geduldigen, aber ernsten Augen angesehen, bevor er tief seufzte und den verlorenen Jungen zu sich heranzog. „Es gibt immer mehr“, hatte er gesagt. „Monstren, wie der Greifer, kommen und gehen. Manche werden vom Land gerufen, andere sind schon seit Jahrhunderten hier. Doch das Wissen über sie ist gefährlich. Es reicht nicht, Fragen zu stellen, Junge. Du musst bereit sein, die Antworten zu tragen. Denn manchmal führt Wissen zu noch mehr Schrecken.“
      Damals hatte Kalean nicht verstanden, was der Jäger meinte. Für ihn war es nur ein Drang, mehr zu wissen, um stark genug zu werden. Doch im Laufe der Jahre wurde ihm klar, dass es nicht immer klug war, alles wissen zu wollen – besonders nicht über die dunklen Dinge dieser Welt.

      Zurück in der Gegenwart atmete der mittlerweileausgebi erfahrene Jäger langsam aus, während er Zelena kurz von der Seite musterte. Sie erinnerte ihn an sich selbst – jung, neugierig, vielleicht ein bisschen zu naiv für die Schrecken, die in der Welt lauerten. Aber er konnte es ihr nicht vorwerfen. Er war nicht anders gewesen.
      „Es tut mir leid“, begann er schließlich und hob die Hand, als wollte er seine Worte in die Luft streichen. „Ich wollte nicht so klingen, als würde ich dir Vorwürfe machen. Deine Fragen sind berechtigt. In einer Welt wie dieser…“ Er ließ die Worte kurz hängen und schüttelte den Kopf. „Es ist gut, neugierig zu sein. Besonders, wenn es um Dinge geht, die so viele fürchten.“
      Er spürte, wie der Schweiß wieder seinen Rücken hinunterlief, sein Hemd klebend vor Feuchtigkeit. „Du kannst mich jederzeit fragen, was auch immer dir auf der Seele brennt“, fügte er hinzu, und seine Stimme klang sanfter, fast versöhnlich. „Es gibt vieles, was ich selbst lange nicht verstanden habe. Und auch heute noch… gibt es vieles, was ich lieber nicht wüsste.“
      Ihre Schritte durch den Wald waren jetzt langsamer. Der Weg zog sich in die Länge, und das Gewicht seines Körpers wurde immer schwerer, als sie durch den dichten, moosbewachsenen Wald gingen. Die Sonne hatte sich inzwischen hinter die Wolken verzogen, und es wurde kühler, doch für Kalean fühlte sich alles an wie ein Nebel aus Müdigkeit und Schmerz.
      Dann, endlich, tauchte die Hütte am Rand einer Lichtung auf. Weder groß noch Luxuriös, aber es versprach Ruhe. Und Ruhe war alles, was Kalean in diesem Moment brauchte.
      Als sie endlich ihr Ziel erreichten, war der Druck in seinem Bein und in seinem Brustkorb so stark, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Kaum hatten sie die Schwelle überquert, sank Kalean schwer auf den ersten Stuhl, den er finden konnte. Die Sitzfläche knarrte unter seinem Gewicht, aber er ließ sich nicht davon abhalten, endlich einen Moment der Entspannung zu finden.
      Sein Kopf lehnte sich an die raue Wand, die Augen fielen ihm fast zu, während der Schmerz langsam abebbte. Doch auch in seiner Erschöpfung war da immer noch dieser gedämpfte Respekt für die junge Frau, die neben ihm stand. Sie hatte sich bisher gut gehalten – besser, als er es erwartet hatte.
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    • Zelena blickte Kalean prüfend an, die Sorge tief in ihrem Inneren verborgen, auch wenn sie versuchte, ihre Miene ruhig zu halten. Es mochte auf den ersten Blick so wirken, als gehe es ihm besser, doch sie hatte seine Wunden gesehen – offene, rohe Schnitte, die sich in die Haut des Jägers gegraben hatten. Noch hatte sie keine Gelegenheit gehabt, diese richtig zu behandeln, und in ihrem Inneren nagte der Gedanke, dass seine Verletzungen schwerer waren, als er zugab. Die Sorge, dass sich die Wunden verschlimmerten oder sich entzünden könnten, lag wie ein dunkler Schatten über ihren Gedanken. Ihre Augen huschten zu seinem Gesicht, um Anzeichen von Schmerz oder Erschöpfung zu erkennen. Kalean hielt jedoch den Blick starr nach vorn gerichtet, sein Gesichtsausdruck war wie in Stein gemeißelt, doch ein flüchtiger Moment ließ Zelena vermuten, dass er ebenfalls grübelte.
      Als er dann jedoch ihre Entschuldigung akzeptierte und ihr anbot, all ihre Fragen zu beantworten, verspürte sie eine kurze Erleichterung. Aber gleichzeitig wusste sie, wie gefährlich es war, sich zu sehr auf dieses Angebot einzulassen. Der Wissensdurst brannte in ihr, besonders was die Hexen anging, doch jede falsche Frage könnte zu Verdacht führen. Sie entschied sich, die Fragen zurückzuhalten, bis ein besserer Moment kam. Jetzt galt ihre Aufmerksamkeit seinem Zustand – sein Wohlbefinden war vorrangig. Das Risiko, ihn weiter durch den Wald zu führen, wog schwer auf ihr, und ein Teil von ihr verfluchte die Entscheidung, überhaupt hinauszugehen.
      Als sie schließlich die kleine Hütte erblickten, atmete Zelena erleichtert auf. Sie half Kalean, der erschöpft auf einen Stuhl sank, und beobachtete, wie der Tag seinen Tribut forderte. Ein Anflug von Mitleid huschte über ihr Gesicht, und obwohl sie ihm am liebsten Vorwürfe gemacht hätte, brachte sie es nicht übers Herz, ihn zu tadeln.
      Sanft trat sie an seine Seite, legte seinen Arm um ihre Schultern und sagte mit ruhiger, jedoch fester Stimme: „Komm, noch ein paar Schritte bis zum Bett.“ Sie stemmte sich gegen sein Gewicht und führte ihn mit vorsichtigen Schritten zum Bett, wo sie ihm half, sich hinzulegen. Ohne ein weiteres Wort zog sie ihm die Schuhe aus und hob seine Beine auf das Bett. „Jetzt wirklich nicht mehr bewegen“, fügte sie mit einer strengen Note hinzu, die keinen Widerspruch zuließ.
      Sie setzte sich neben ihn, ihre Augen wanderten zu seinen blutgetränkten Bandagen. „Die Bandagen müssen gewechselt werden“, sagte sie leise und nickte ihm zu. Vorsichtig half sie ihm, das Oberteil auszuziehen, und starrte auf die verfärbten Verbände. Die Wunden hatten sich wieder geöffnet, und obwohl sie sich größte Mühe gab, ihm nicht zu viel Schmerz zuzufügen, war es unvermeidlich. Sie ließ ihn kurz allein, um neue Bandagen zu holen, und kehrte mit einer Kräuterpaste zurück.
      „Das wird ein wenig brennen“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu ihm, während sie vorsichtig die alten Verbände abnahm. Die Wunden sahen schlimmer aus, als sie gehofft hatte. Mit einem Pinsel trug sie die Kräuterpaste auf die sauberen Stellen auf und bemühte sich, die Wunden so behutsam wie möglich zu reinigen. Die Kräuter sollten Entzündungen lindern und den Heilungsprozess unterstützen. Sobald die Paste getrocknet war, wickelte sie neue, saubere Bandagen um seine Brust.
      „Ich habe mein Bestes getan“, murmelte sie, fast widerwillig, und betrachtete ihr Werk. Ein wenig Erschöpfung machte sich in ihr breit. Sie war keine Heilerin, aber sie konnte nur hoffen, dass ihre Kräuterkunde ausreichte, um ihm zu helfen. „Ruh dich jetzt aus“, fügte sie hinzu, während sie aufstand.
      Zelena ging hinaus, um frisches Holz zu holen, das sie in den kleinen Kesselofen legte, und setzte Wasser auf. Das leise Knistern des Feuers und das Blubbern des Wassers wirkten beruhigend auf sie. In Gedanken versunken trat sie an das Regal, in dem ihre getrockneten Kräuter ordentlich aufgereiht waren. Ihre Finger glitten gedankenverloren über die verschiedenen Büschel und Blätter, bis sie eine Rezeptur fand, die der alte Mann ihr beigebracht hatte. Es war ein einfacher Heiltee, doch er hatte oft genug geholfen, um Schmerzen zu lindern und den Geist zu beruhigen.
      Während der Tee vor sich hinzog, blickte Zelena nachdenklich aus dem kleinen Fenster ihrer Hütte. Die Ruhe des Waldes war allgegenwärtig, und doch lag eine gewisse Spannung in der Luft. Sie hoffte, dass Kalean sich schnell erholen würde.
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    • Die Erschöpfung hatte längst Besitz von Kaleans Körper ergriffen, doch er hielt den Schmerz still aus. Jede Bewegung schickte ein dumpfes, pochendes Gefühl durch seine Brust, als ob die Wunden ihn beständig daran erinnerten, dass er keine Zeit zum Ruhen hatte. Aber Zelena würde das nicht zulassen.
      Sie hatte ihm geholfen, sich aufs Bett zu legen, ihn mit jener unverkennbaren Mischung aus Sorge und Strenge behandelt, die er schon von anderen, älteren Heilern kannte. Doch ihre Berührungen waren vorsichtiger, als er es von einer Frau ihres Alters erwartet hatte.
      Sie hatte ein ruhiges Händchen als sie die Bandagen behutsam abwickelte und die Kräuterpaste auf seine offenen Wunden strich.
      Er biss die Zähne zusammen, als die Paste die Haut berührte. Das Brennen war unvermeidlich, aber er gab keinen Laut von sich. Es war nicht das erste Mal, dass er solche Schmerzen ertrug. Aber es war besser als eine Entzündung, besser als Fieber. Und besser, als garnicht mehr auf die Beine zu kommen.
      Sein Hemd klebte feucht an seiner Brust, und der Schweiß von der Behandlung mischte sich mit der klebrigen Kräuterpaste. „Das wird bald vorübergehen“, sagte er sich leise, um den Schmerz zu verdrängen. Er beobachtete, wie ihre Hände präzise arbeiteten, wie sie die neuen Bandagen sorgfältig und eng anlegte. Ihre Sorgfältigkeit beeindruckte ihn, obwohl auch sie die Anspannung und Müdigkeit in ihren Bewegungen nicht ganz verbergen konnte.
      „Ich habe mein Bestes getan“, murmelte sie, als sie mit der Prozedur fertig war, worauf der Jäger ihr einen kurzen, dankbaren Blick zuwarf.
      Er erhob sich leicht auf seinen Ellenbogen, obwohl sein Körper gegen jede Bewegung protestierte. „Danke“, brachte er schließlich hervor. Seine Stimme klang rau, brüchig vor Erschöpfung. “Du hast eine ruhige Hand.“ Ein Kompliment, das aus seinem Mund ungewöhnlich klang, doch er meinte es ernst.
      Als sie zur Tür hinausging, um Holz zu holen, ließ er sich wieder zurücksinken und schloss die Augen. Das Knistern des Feuers und der Geruch von frischem Holz, das verbrannte, erfüllten bald den Raum. Es war beruhigend. Aber seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe.
      Der Geruch von Kräutern lag in der Luft, und die Regale waren ordentlich mit verschiedenen getrockneten Blättern gefüllt. Es war offensichtlich, dass Zelena sich auskannte – wahrscheinlich besser, als sie selbst zugab.
      Als sie wieder ins Zimmer trat, das heiße Wasser in der Kanne dampfend, und sie begann, einen Tee zuzubereiten, richtete sich Kalean mühsam etwas auf. Das Bett knarrte leise unter seinem Gewicht. Er nahm den Becher entgegen, den sie ihm reichte, und sah den dunklen, dampfenden Inhalt an. Der Geruch war bitter und stark, und Kalean ahnte, dass der Geschmack nicht viel besser sein würde. Aber er trank trotzdem. Langsam, Schluck für Schluck, ließ er die heiße Flüssigkeit durch seine Kehle gleiten. Sie war tatsächlich bitter, fast scharf, aber das machte ihm nichts aus. Die Wirkung des Tees war das, was zählte, nicht der Geschmack.
      Als er den Becher schließlich leer getrunken hatte, stellte er ihn mit einem gedämpften Seufzen auf den kleinen Tisch neben dem Bett. Er fühlte, wie die Wärme sich langsam in seinem Körper ausbreitete, ein leichter Schleier der Entspannung legte sich über die Muskeln, die bis eben noch vor Schmerz verkrampft gewesen waren. Er konnte spüren, dass der Tee begann, seine Wirkung zu entfalten – das Brennen in seinen Wunden wurde gedämpfter, und die Müdigkeit, die ihn schon den ganzen Tag über heimgesucht hatte, zog ihn nun tiefer in ihren Bann.
      Für einen Moment herrschte Stille in der Hütte, das einzige Geräusch kam vom knisternden Feuer und dem sanften Blubbern des Wassers im Kessel. Kalean nahm diese Ruhe wahr, genoss sie sogar. Doch in seinem Inneren regte sich ein anderes Gefühl. Ein Gefühl des Unbehagens. Er lag hier, während Zelena sich um alles kümmerte. Die Heilung, der Tee, das Feuer. Es fühlte sich… falsch an, so untätig zu sein.
      Er räusperte sich leise, seine Stimme klang rau und ein wenig heiser. „Zelena.“ Er sprach ihren Namen mit einer sanften Festigkeit aus, als wolle er sicherstellen, dass sie ihn wirklich hörte. „Danke für deine Hilfe. Es… es war nicht nötig, so viel zu tun. Aber du hast es trotzdem getan.“
      Er zögerte kurz, sah dann zu ihr hinüber, während er sich langsam aufrichtete, trotz des schmerzhaften Ziehens in seiner Brust. „Ich würde mich dafür sehr gerne auf irgendeine Art revanchieren.“
      Er ließ seinen Blick kurz durch den Raum schweifen, bevor sein Blick an dem Hasen, den sie zuvor aus der Falle geholt hatte, hängen blieb und er auf diesen deutete: “Vielleicht… könnte ich ihn vorbereiten? Ich könnte ihn häuten, ausnehmen, das Fleisch schneiden? Es ist das Mindeste, was ich tun kann.“
      Trotz seiner Verletzungen konnte er sich nicht einfach ausruhen, während sie weiter arbeitete.
      Außerdem war es kaum eine körperliche Anstrengung, den Hasen zu präparieren. Eine Arbeit, die er sogar im Sitzen verüben könnte.
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