Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Santiago seufzte. Er konnte ja verstehen, dass er keinen kompletten Rundown bekam, aber Rätsel? Ihm fehlte der halbe Kontext! Aber ein Punkt war mehr als deutlich.
      "Also hast du das gestohlen, was Apollo aus dem Museum haben wollte."
      Er lachte bitter auf.
      "Was mich zu der Antwort auf deine Frage bringt: Wir können dir nicht sagen, wo Apollo steckt, weil wir nicht mehr mit ihm arbeiten. Tatsächlich geben wir uns sogar größte Mühe, uns vor ihm zu verstecken, weil er uns jagt wie räudige Köter. Und weißt du warum? Weil er der Meinung ist, wir hätten ihm was weggestohlen."
      Santiago mochte schwer verletzt sein, doch das hielt ihn nicht davon ab, aufzuspringen, einen großen Schritt nach vorne zu machen, und diesem Möchtegern-Göttervater seine eigene Faust ins Fressbrett zu zimmern. Er zielte dabei seitlich auf den Kiefer, hielt sich aber weit genug zurück, sodass er diesem Typen nicht aus Versehen den Kiefer brach. Mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der er aufgesprungen war, ließ er sich auch wieder zurück in den Stuhl sinken. Seine Schulter schrie auf - ihr gefiel es gar nicht, dass er sich so viel bewegt hatte. Aber das war es wert gewesen.
      "Jetzt, wo unsere Fronten geklärt sind," fuhr Santiago fort, als wäre nichts passiert, "würde ich gern wissen, wie du gedenkst, 'Apollos dumme Visage zu zerstören'. Ich kenne da nämlich zwei bis vier interessierte Parteien, die dir vielleicht helfen wollen."


    • Zeus' Augen wurden bei der offensichtlichen Neuigkeit groß und ungläubig. Anscheinend verstand er seinen Fehler oder auch seine Nachlässigkeit. Lewis konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen; das war ja schon ziemlich lustig. Ein paar Wochen früher und sie hätten tatsächlich noch für Apollo gearbeitet. Da hatte der Typ sich aber ordentlich Zeit gelassen.
      Bevor Zeus aber seine eigene Meinung dazu kundtun konnte, stand Santiago mit einer schnellen Bewegung auf und rammte ihm die Faust ins Gesicht. Wo bei Lewis vorhin der Stuhl nur gewackelt hatte, fiel er jetzt mitsamt Besitzer nach hinten um. Lewis kicherte, legte den Kühlakku beiseite und stellte den lieben Gott wieder auf. Dabei entging ihm nicht, dass Santiagos Knöchel nach diesem ordentlichen Schlag noch sehr normal aussahen. Unfair.
      Zeus ächzte und blinzelte trüb. Sein Kopf rollte ein bisschen herum, bis er sich soweit gefangen hatte, um Santiago mehr oder weniger wieder anzusehen.
      "Jetzt, wo unsere Fronten geklärt sind," sagte Santiago, "würde ich gern wissen, wie du gedenkst, 'Apollos dumme Visage zu zerstören'. Ich kenne da nämlich zwei bis vier interessierte Parteien, die dir vielleicht helfen wollen."
      "Wa... Warum s-sollte ich e... euch einen Sch-Scheiß erz-zählen? W-Wie k-kann es s-sein, d-dass i-ihr nicht mehr f-für A-Apollo arbeitet? I-Ihr seit i-immer d-dort, w-wo er s-seine H-H-Hunde a-aufgestellt h-hat."
      "Seine Hunde? Du kennst seine Leute?", fragte Lewis und Zeus sah ihn an, als wäre er ein Schwachkopf. Lewis sah zu Santiago; das könnte durchaus nützlich sein, denn bislang waren sie immer blind überall reingegangen. Wenn sie im Vorhinein wüssten, worauf sie achten mussten, könnten sie sich einen Haufen Ärger ersparen.
    • "Ich hab gesagt, wir verstecken uns vor Apollo, nicht, dass wir nicht versuchen herauszufinden, wie wir ihn loswerden können. Er ist der Meinung, dass wir haben, was er will - aber wir wissen nicht einmal, was das sein soll. Wir haben Recherche betrieben, um das herauszufinden, als ein gewisser jemand hereingeplatzt ist und mich angeschossen hat. Apollo hat uns für einen Job engagiert, um zu sehen, ob wir's drauf haben. Danach hat er uns für einen weiteren Job angeheuert, bei dem es um sein eigentliches Ziel ging. Dabei ist was schiefgegangen und seitdem stehen wir auf seiner Abschussliste. So kann es sein, dass wir nicht mehr für Apollo arbeiten."
      Santiago seufzte. Normalerweise war er geduldiger, aber eine Schusswunde konnte auch den besten Mann ein bisschen ungehalten machten. Und Santiago war kein guter Mann.
      "Ich hab keine Lust mehr auf Rätsel. Ich hatte einen ziemlich langen Tag und keine Nerven mehr für Bullshit übrig. Also redest du jetzt entweder Klartext, der uns weiterbringt, oder ich schick dich dahin zurück, wohin auch immer sich dein Hirn verzieht, wenn es Panik schiebt. Also: wie gedenkst du Apollo die Fresse zu polieren?"


    • Zeus machte ein Eh-Geräusch, dann spuckte er noch einmal aus. Schließlich nickte er langsam.
      "K-Klingt nach A-Apollo. W-Wundert m-mich, dass-s i-ihr noch am L-Leben seit. Er ist e-eigentlich se-sehr effiz-zient."
      "Also: wie gedenkst du Apollo die Fresse zu polieren?"
      Zeus schniefte einmal.
      "D-Das ist off-fensichtlich. M-Meine M-Magie erl-laubt es m-mir n-nicht, zu v-verfehlen. Ich kann n-nicht verfehlen, n-nicht b-beim G-greifen, n-nicht b-beim Sch-Schießen. W-Wie w-wäre es d-dann a-also, w-wenn e-es n-noch z-zehn a-andere wie m-mich gäbe?"
      Auf seinem Gesicht breitete sich wieder dieses hässliche Grinsen aus, als er sah, wie es in Santiago arbeitete. Nur Lewis hatte es noch nicht ganz verstanden; wie sollte es zehn andere von Zeus geben? Seine Magie funktionierte schließlich nicht so.
      "M-Mit dem T-Teil, dass i-ich hab-e, k-kann i-ich eine V-Verbind-dung aufb-auen. Z-Zwischen m-mir und a-allen, d-die mitm-machen wollen. S-Solange eine ph-physische V-Verbindung besteht, k-k-kann meine M-Magie geteilt w-werden. D-Denkt i-ihr, A-Apollo kann was m-machen, wenn z-zehn Leute a-aufmarschieren, a-auch w-wenn alle nur s-sechs Sch-Schuss haben? S-So viel L-Leute hat er nicht. W-Wenn jede K-Kugel tötet, h-hat er niemals s-so viel Leute."
    • "M-Meine M-Magie erl-laubt es m-mir n-nicht, zu v-verfehlen. Ich kann n-nicht verfehlen, n-nicht b-beim G-greifen, n-nicht b-beim Sch-Schießen. W-Wie w-wäre es d-dann a-also, w-wenn e-es n-noch z-zehn a-andere wie m-mich gäbe?"
      Interessante Form der Magie. Nie verfehlen? Konnte praktisch sein. Und wahrscheinlich stotterte der Mann deswegen auch so viel: das einzige was er nicht treffen konnte waren seine eigenen Worte.
      Viel interessanter aber war diese Vervielfältigung, von der Zeus da sprach. Hatte er jemanden, der spontan Kopien von sich erschaffen konnte? Santi hatte noch nie von solch mächtiger Magie gehört - und er wusste, dass er selbst und Lewis mit zu den stärkeren Magiern gehörten, auch wenn es keine wirklich einheitliche Klassifizierung magischer Fähigkeiten gab.
      "M-Mit dem T-Teil, dass i-ich hab-e, k-kann i-ich eine V-Verbind-dung aufb-auen. Z-Zwischen m-mir und a-allen, d-die mitm-machen wollen. S-Solange eine ph-physische V-Verbindung besteht, k-k-kann meine M-Magie geteilt w-werden."
      "Sekunde: du willst mir verklickern, dass ihr alle hinter irgendwelchen magischen Artefakten her seid?"
      Santi lachte. Sie hatten also doch richtig gelegen mit ihrer Theorie. Apollo suchte tatsächlich nach einem Artefakt und es war tatsächlich magischer Natur. Zu dumm, dass der Professor schon tot war; der würde sich doch glatt ein Loch in seine Tweed-Jacke freuen.
      "Dein Plan setzt voraus, dass du weißt, wo Apollo ist," dachte Santi laut nach. "Und er ist ein Mann mit genug Ressourcen, um sich unsichtbar und unantastbar zu machen."
      Apollo zu finden war praktisch unmöglich, das wusste Santi. Deswegen hatte er ja darauf abgezielt, das Artefakt zu finden. Er hatte es als Köder nutzen wollen.
      "Wie funktioniert das? Wie muss ich mir die Magie dieses Artefakts vorstellen?"
      Die Leute zu organisieren wäre weniger das Problem. Nicht mit so vielen Nullen, wie Santi und Lewis zur Verfügung hatten. Aber Santi musste über alles Bescheid wissen, wenn sie das hier ordentlich durchziehen wollten.


    • "Sekunde: du willst mir verklickern, dass ihr alle hinter irgendwelchen magischen Artefakten her seid?"
      "N-Natürlich. W-Was d-denkst du, w-was -"
      Weiter kam Zeus gar nicht, denn Santiago brach in lautes Gelächter aus. Lewis lächelte mit, obwohl er noch nicht wirklich wusste, was so lustig sein sollte. Die Artefakte waren doch genau das gewesen, hinter denen sie her waren und sie hatten sie dennoch nicht ausfindig gemacht. Und jetzt lief ihnen so ein Typ über den Weg und lieferte ihnen eigentlich genau das, wofür sie so viel gearbeitet hatten. War das so lustig?
      "Dein Plan setzt voraus, dass du weißt, wo Apollo ist," dachte Santi laut nach. "Und er ist ein Mann mit genug Ressourcen, um sich unsichtbar und unantastbar zu machen."
      Zeus nickte diesmal nur. Das war schneller als sein stottern.
      "Wie funktioniert das? Wie muss ich mir die Magie dieses Artefakts vorstellen?"
      "N-N-Nein. J-jetzt ist Sch-Schluss damit."
      Er zog zur Verdeutlichung an seinen Fesseln.
      "Ihr m-macht mich l-los und wir m-m-machen einen D-Deal. Ich l-lass mich n-nicht von e-euch z-zwei La-Lackaff-fen verpr-rügeln, nur d-damit ihr e-eure Ant-worten b-bekommt. W-Wir regeln das n-nicht auf A-Apollo-Art."
    • Santiago musterte Zeus. Er hatte eigentlich keinen Grund, ihm zu vertrauen.
      "Du bist der, der mich angeschossen hat. Da kannst du doch wohl ein paar Schläge einstecken," meinte er schlicht.
      Aber Zeus hatte Recht. Sie mussten keine Freunde sein, sie mussten einander ja nicht einmal mögen. Aber sie hatten das gleiche Ziel und das war Santiago - für den Moment - genug.
      Er seufzte.
      "Mach ihn los," meinte er an Lewis gerichtet. "Für den Moment stehen wir auf der gleichen Seite."
      Santi wusste, dass Lewis davon nicht begeistert war. Nicht alle Entscheidungen in ihrem Business waren angenehme und nicht jeder Geschäftspartner war so leicht zu überzeugen wie Diego. Manchmal musste man eben den Frosch essen.
      "Santiago," stellte er sich vor, sobald Zeus frei war. "Und die angepisste Bohnenstange da ist Lewis."
      Kein Grund ihrem neuen Freund gleich auf die Nase zu binden, wie eng sie beide miteinander waren. Das war sowieso schon viel zu deutlich zu erkennen. Santi würde es später wiedergutmachen. Das konnte er auch mit nur einem guten Arm.


    • "Du bist der, der mich angeschossen hat. Da kannst du doch wohl ein paar Schläge einstecken", stellte Santiago fest.
      "H-Hättest n-nicht d-dumm genug s-sein müssen, d-dich zu b-beweg-gen", gab Zeus zurück. Damit waren sie irgendwie in einer Pattsituation.
      Aber Santiago war derjenige, der stark genug war, nachzugeben. Er seufzte, dann richtete er sich an Lewis.
      "Mach ihn los. Für den Moment stehen wir auf der gleichen Seite."
      Jetzt schaute Lewis ihn finster an, denn er hätte sicherlich kein Problem damit gehabt, Zeus noch ein paar Stunden in dem Stuhl verrotten zu lassen. Das bisschen Prügel, das er ihm vorhin verabreicht hatte, war noch lange nicht genug, um den Schulterschuss zu rächen. Vielleicht hätte er ihn sogar selbst anschießen sollen und an ihm das Verarzten einer Schusswunde üben. Das wäre doch angemessen gewesen.
      Aber Santiago war hier der mit dem Plan unter ihnen und Lewis fügte sich grummelnd. Er schnappte sich eine Schere und befreite Zeus, der gleich aufstand und sich streckte. Seine Gelenke knackten und er rieb sich im Anschluss seine Handgelenke.
      "Santiago", stellte Santiago sich vor, als sicher war, dass Zeus sich nicht wieder auf sie stürzen würde. Lewis behielt ihn trotzdem genau im Auge. "Und die angepisste Bohnenstange da ist Lewis."
      "Selber Bohnenstange."
      "Z-Zeus. M-Meinen richtigen N-Namen erfahrt i-ihr nicht."
      Auch fein. Apollo hatte ihn genauso wenig rausrücken wollen und Lewis bezweifelte, dass sie über Zeus mehr herausfinden würden als über Apollo. Was auch immer diese drei am Laufen hatten, war bestimmt unter äußerster Geheimhaltung.
      Zeus ließ den Blick über die Regale schweifen, dann sah er wieder Santiago an.
      "M-Machen wir einen D-Deal. I-Ich w-w-will Stift u-und P-Papier haben. Ich r-red n-nicht gern."
      Zeus sah Lewis auffordernd an und Lewis sah zu Santiago. Dann ächzte er und ging Papier und Stift besorgen. Beides klatschte er vor Zeus auf den Tisch, der gleich nach dem Stift griff. Seine zitternde Hand verfehlte - und dann verfehlte sie doch nicht, denn der Stift sprang ihm von selbst in die Finger. Lewis konnte nicht heucheln, dass ihn das etwas interessierte. Zumindest erklärte das, was mit ihm im Auto passiert war.
      Zeus begann zu schreiben, schnell und krakelig.
      "I-Ich v-verfüge über d-das Ar-rtefakt. I-Ihr könnt euch a-an A-Apollo r-rächen. W-Wenn ihr das A-Artefakt b-benutzt, d-dann nur n-nach Ab-sprache. M-Macht i-ihr etwas an-deres damit, d-dann s-seit ihr r-raus. R-Raus b-bedeutet, dass-s i-ihr auf m-meiner L-Liste steht. W-Wenn i-ihr a-auf m-meiner L-Liste s-steht, d-dann sterbt ihr. I-Ich bin da n-nicht anders als A-Apollo."
      Lewis sah ihm beim Schreiben zu, weitaus ausführlichere Sätze, als er zusammenfasste. Auch vieles, woran er selbst nicht gedacht, hätte, aber es kam ihm vernünftig vor. Bis auf eine Sache.
      "Und was ist mit Bezahlung?"
      Zeus hörte auf und starrte ihn schweigend an. Lewis sah zu Santiago, wieder zurück und verschränkte die Arme.
      "Apollo hat uns bezahlt. Ich will jetzt auch was haben. Wie soll ich Miete bezahlen?"
      "M-Mit einem J-J-Job."
      "Leck mich."
      Zeus seufzte, wollte sich ins Gesicht fassen und tat es dann doch nicht.
      "Und w-was w-w-wollt ihr?"
    • Es war seltsam, Zeus' Magie in Aktion zu sehen. Als hätte er einen dreidimensionalen Schatten, der seinen Fehlgriff korrigierte. Santi wollet gar nicht zulange darüber nachdenken, sonst verlor er sich noch in irgendwelchen Quanten-Universen-Theorien oder sowas.
      "I-Ich v-verfüge über d-das Ar-rtefakt. I-Ihr könnt euch a-an A-Apollo r-rächen. W-Wenn ihr das A-Artefakt b-benutzt, d-dann nur n-nach Ab-sprache. M-Macht i-ihr etwas an-deres damit, d-dann s-seit ihr r-raus. R-Raus b-bedeutet, dass-s i-ihr auf m-meiner L-Liste steht. W-Wenn i-ihr a-auf m-meiner L-Liste s-steht, d-dann sterbt ihr. I-Ich bin da n-nicht anders als A-Apollo."
      "Ja, ja, schon klar."
      Wofür sollten sie dieses Artefakt denn noch benutzen? Was hatte dieses Ding denn so alles drauf? Kein Wunder, dass Apollo so scharf darauf war. Wenn das ein magisches Schweizer Taschenmesser war, dann war das doch ein gefundenes Fressen für jemanden wie Apollo, der gar keine... Sekunde.
      "Und was ist mit Bezahlung?" fragte Lewis. "Apollo hat uns bezahlt. Ich will jetzt auch was haben. Wie soll ich Miete bezahlen?"
      "M-Mit einem J-J-Job."
      "Leck mich."
      Zeus seufzte. "Und w-was w-w-wollt ihr?"
      Ja, was wollten sie? Santi wollte endlich ein paar ordentliche Informationen. Und sein entspanntes Leben zurück.
      "Apollo loszuwerden und deine Visage nie wiederzusehen, sobald wir damit fertig sind, ist mir genug," antwortete Santi.
      Er war diese ganze Sache einfach leid.


    • Zeus sah Santiago an, dann nickte er.
      "G-G-Gemacht."
      Lewis sah Santiago auch an, fassungslos, dass er nichtmal etwas verlangen würde, dann wandte er sich wieder Zeus zu.
      "Schön für ihn, aber ich will trotzdem was haben."
      "Und w-was?"
      Darüber musste Lewis nochmal nachdenken. Geld war für ihn eigentlich kein Problem; er könnte eine neue Wohnung verlangen, aber dann würde Zeus wissen, wo er wohnte. Lieber nicht. Und ansonsten?
      "... Ich will einen VIP-Pass fürs Crypt."
      Zeus blinzelte ihn an.
      "F-Fürs C-Crypt? Den C-Club?"
      "Ja."
      "Dafür g-gibt's k-keinen V-V-VIP-Pass."
      "Gibt's nicht?"
      "Nein."
      "Wie kommen dann die ganzen VIPs da rein?"
      "D-Die haben einen N-N-Namen. E-Einen Ruf. H-Hast du einen R-Ruf? E-Ein Business?"
      Lewis warf Santiago einen kurzen Blick zu.
      "Nein?"
      "D-Dann k-kein VIP."
      "Ugh. Okay. Dann einen normalen Eintritt? Einen Jahrespass?"
      "Das ist ein C-Club, n-nicht N-Netflix."
      "Und eine normale Einladung? Wenn ich reinwill?"
      Zeus starrte ihn sichtlich genervt an, dann seufzte er und fasste sich doch noch ins Gesicht. Er fuhr zusammen, als er seine Platzwunde berührte.
      "J-Ja. K-K-Krieg ich hin."
      Er schrieb es auf und Lewis grinste. Das war zwar keine Bezahlung im Herkömmlichen Sinn, aber genug für ihn.
      "Sch-Schön. D-Dann h-haben wir einen D-Deal."
      Zeus sah zu Santiago auf.
      "Du s-sagtest, es kö-könnten zwei b-bis vier in-interessiert sein. W-Wer sind die a-anderen beiden?"
    • Santi biss sich auf die Zunge, als er Zeuge von Lewis' furchtbaren Verhandlungskünsten wurde. Lewis war darin sogar noch schlechter als er im Lügen war. Ständiger Zugang zum Crypt? Lewis könnte sich das doch einfach erkaufen. Aber der Deal war schon geschrieben, so wie es aussah, und Santi würde dem Streuner nicht in die Parade fahren.
      Zeus wandte sich wieder ihm zu.
      "Du s-sagtest, es kö-könnten zwei b-bis vier in-interessiert sein. W-Wer sind die a-anderen beiden?"
      "Apollo hat uns und noch zwei Leute für den Job in der Federal angeheuert. Ich weiß nicht, ob er auch hinter ihnen her ist, aber sie haben genauso angewidert reagiert wie wir, als Apollo sich als reicher Sack geoutet hat."
      Santi nannte keine Namen. Er musste erst mit Jericho und Skye klären, ob sie überhaupt interessiert waren. Er würde sie nicht in die Sache mit reinziehen, wenn sie noch nicht drin waren.
      "Ich werd fragen, ob sie Interesse an deinem kleinen Stunt haben."
      Santi stand auf und suchte sein Jackett, dass er einfach irgendwo ausgezogen hatte. Er fischte sein Smartphone aus der Innentasche heraus und wählte die Nummer, die nicht vergeben war.
      "Erste Hilfe Kasten ist da drüben," meinte er zu Zeus, während er auf Jerichos Rückruf wartete.
      Es dauerte eine Minute, dann klingelte sein Handy. Unbekannte Nummer.
      "Big man! Was geht ab?"
      "Du hast dich nicht gemeldet."
      "... was normalerweise heißt, dass ich noch nicht gefunden habe, wonach ich suche. Was ist nur aus Hallo geworden?"
      "Darfst du das überhaupt schon sagen? Komm doch erstmal in die Pubertät, bevor du dich nach den guten alten Zeiten sehnst."
      "Oh. Mein. Gott. Hast du gerade einen Joke gemacht?!"
      Santi rollte mit den Augen.
      "Du hast sie also noch nicht gefunden?" fragte er.
      "Nope. Sie ist überraschend gut darin, ihre Spuren zu verwischen. Aber ich bin nah dran."
      "Gut. Noch was."
      "Ich bin ganz Öhrchen."
      "Apollo ist dir noch nicht auf die Pelle gerückt, oder?"
      "Nicht wirklich. Ich hab ein Auge auf alles Wichtige, aber bisher ist nichts passiert, das ich als Angriff werten würde. Warum?"
      "Weil ich einen Weg gefunden habe, ihm gehörig eins auszuwischen. Ich dachte mir, ich frag mal, ob du Lust hast."
      "Hm... weiß nicht. Ich bin nicht so der Hau-Drauf-Typ."
      "Ich weiß. Das ist für gewöhnlich mein Job."
      Santi konnte praktisch hören, wie die Rädchen in Jerichos Kopf drehten und klackerten. Er konnte nur hoffen, dass Jericho nicht komplett abspringen würde. Die Talente der kleinen Ratte könnten ihnen enorm dabei helfen, Apollo überhaupt erst aufzuspüren. Aber Santi konnte auch verstehen, wenn sich Jericho komplett raushalten wollte. Wäre in diesem Fall sogar besser.
      Jericho seufzte.
      "Ich kann einfach nicht Nein sagen," lamentierte dey. "Ich schmeiß euch den Tech Support. Mehr nicht! Und ich mach ausschließlich Home Office!"
      "Geht klar. Danke, Jer."
      "Naw! Jetzt benutzt du auch noch Spitznamen? Wie süß!"
      "Halt die Klappe."
      "Yessir!"
      Jericho kicherte.
      "Sag Bescheid, wenn du was hast," seufzte Santi und legte auf.
      Er legte sein Smartphone auf dem Tisch ab und ließ sich wieder auf einen Stuhl sinken. Seine Schulter tat weh.
      "Also. Wir haben Tech Support von Nummer drei. Nummer vier ist noch verschwunden, aber wir arbeiten daran, sie zu finden. Sobald ich weiß, wie wir sie kontaktieren können, finde ich raus, ob sie mitmacht, oder nicht. Viel mehr können wir erstmal nicht tun."
      Sein Blick fiel auf den Mietwagen, den sie immer noch in der Lagerhalle stehen hatten. Das Ding war voll mit seinem Blut, mit Lewis' Blut, mit Zeus' Sabber...
      "Ich brauch deine Hände, Lewis. Wir müssen den GPS Sender aus dem Auto holen."


    • Während Santiago telefonieren ging, entdeckte Zeus den Erste-Hilfe-Kasten und begann, sich mit den Überresten selbst zu verarzten. Lewis - der nicht im geringsten daran dachte, dem Mann seine Hilfe anzubieten - blieb an seinem Platz stehen. Er befummelte das Pflaster auf seiner Nase, als Santiago seinen Anruf beendete.
      "Also. Wir haben Tech Support von Nummer drei."
      "Super."
      "Nummer vier ist noch verschwunden, aber wir arbeiten daran, sie zu finden. Sobald ich weiß, wie wir sie kontaktieren können, finde ich raus, ob sie mitmacht, oder nicht. Viel mehr können wir erstmal nicht tun."
      Das war dennoch schon mehr, als sie die letzten Wochen erreicht hatten. Jetzt waren sie bald endlich soweit, Apollo aufzuspüren. Und dann würde Lewis ihn mal fragen, wie es ihm gefiel, ein Messer in der Hand stecken zu haben.
      "Ich brauch deine Hände, Lewis. Wir müssen den GPS Sender aus dem Auto holen."
      Lewis sah zu Santiago, dann zum Wagen und wieder zurück.
      "Man, ich bin kein Mechaniker. Ich bin sogar ziemlich weit davon entfernt."
      Santiago bestand aber drauf - seine professionelle Paranoia hatte wieder die Oberhand - und Lewis fügte sich seufzend. Es war immernoch besser einen meckernden Santiago zu haben als einen leblosen. Wenn er so darüber nachdachte, beschwerte er sich auch gleich viel weniger.
      Mit Santiagos Hilfe und Anweisung kletterte Lewis im Auto herum, hob irgendwelche Verdeckungen ab und schraubte an wahllosen Stellen herum. Zeus kam irgendwann wieder zurück zu ihnen, sein Gesicht mit einer Schicht verschieden großer Pflaster abgedeckt, und setzte sich zurück an den Tisch. Er sah zu, wie Lewis sich abmühte, und wandte sich dann demonstrativ seinem Schreiben zu. Lewis funkelte ihn an; der könnte das alles sicher doppelt so schnell mit seiner Magie. Arschloch.
      Er beschaffte den Peilsender aber erfolgreich aus dem Auto und überreichte ihn Santiago. Da sagte Zeus:
      "I-Ich verschwinde von h-hier. B-B-Beschafft das T-Team und wenn-n wir un-ns das nächste Mal s-sehen, b-bringe ich das Artefakt m-mit. Dann kann j-jeder mal damit r-r-rumspielen."
      Er nahm das Blatt Papier und steckte es ein.
      "Ich b-bestimme den n-nächsten T-Treffpunkt, ihr b-bestimmt Ort und Z-Zeit. So m-machen wir d-das von j-jetzt an. Irgendw-welche Fragen?"
    • "Man, ich bin kein Mechaniker. Ich bin sogar ziemlich weit davon entfernt."
      "Ich sag dir schon, wo du schon schrauben musst, jetzt komm her."
      Santi war schon beim Auto und ließ sich zurück auf den Fahrersitz sinken, den er erfolgreich vollgeblutet hatte. Heutzutage bekam man nur noch die Hightech-Fahrzeuge vermietet, entsprechend musste er sich erstmal orientieren, um den GPS-Sender ausfindig zu machen. Während er Lewis erklärte, was er wann zu tun hatte, um den Sender zu finden, löschte Santi die Festplatte des Navigationssystems - das ihre Route ebenfalls gespeichert hatte, auch wenn er es nicht benutzt hatte. Das machte er jedes Mal, bevor er einen Mietwagen zurückgab.
      Irgendwann kam Zeus zu ihnen rüber.
      "I-Ich verschwinde von h-hier. B-B-Beschafft das T-Team und wenn-n wir un-ns das nächste Mal s-sehen, b-bringe ich das Artefakt m-mit. Dann kann j-jeder mal damit r-r-rumspielen. Ich b-bestimme den n-nächsten T-Treffpunkt, ihr b-bestimmt Ort und Z-Zeit. So m-machen wir d-das von j-jetzt an. Irgendw-welche Fragen?"
      "Mehrere," meinte Santi.
      So einfach würde er Zeus nicht verschwinden lassen. Er mochte den Mann nicht und das hatte nichts mit dem Loch in seiner Schulter zu tun.
      "Erstens: was steht in deinem kleinen Aufsatz da? Zweitens: Kann ich mich darauf verlassen, dass du weißt, wie man zu verschwinden hat? Ich hab nämlich keine Lust, mich in einer Stunde mit den Cops rumzuschlagen. Drittens," Santi nahm Lewis den GPS-Sender ab und reichte ihn an Zeus weiter, "Jetzt wo wir Freunde sind: könntest du den Sender irgendwo hinbringen, bevor du ihn kaputt machst?"
      Er setzte ein zuckersüßes Lächeln auf. Zeus konnte sich ruhig mal nützlich machen, nachdem er ihm so den Tag - und die nächsten sechs Monate - versaut hatte.


    • "Erstens: was steht in deinem kleinen Aufsatz da?", fragte Santiago und Zeus sah sofort sehr unleidig drein. Er zog den Fetzen heraus, als wäre es eine Beleidigung, dass Santiago überhaupt gefragt hatte. Lewis hätte ihn in diesem Moment am liebsten nochmal geschlagen.
      "Es is-st uns-sere Ab-b-sprache. W-Willst du no-nochmal le-lesen? D-Deine Pa-Paranoia b-besänftigen?"
      "Hey, Klappe halten, Bohnenstange."
      "Zweitens: Kann ich mich darauf verlassen, dass du weißt, wie man zu verschwinden hat? Ich hab nämlich keine Lust, mich in einer Stunde mit den Cops rumzuschlagen.
      "I-Ich b-bin kein I-I-Idiot. V-V-V..." Kopfzucken. "V-erarsch m-mich nicht."
      "Drittens. Jetzt wo wir Freunde sind: könntest du den Sender irgendwo hinbringen, bevor du ihn kaputt machst?"
      Zeus starrte griesgrämig auf den Sender in Santiagos Hand hinab. In seinem Kopf rödelte es; der Typ mit Gottkomplexen hatte wohl keine Lust, einen Botengang zu machen. Aber schließlich schnappte er sich den Sender - er sprang ihm fast von selbst in die zittrigen Finger - und stopfte ihn sich in die Hosentasche.
      "Auf W-Wiedersehen."
      Lewis winkte ihn zu und Zeus ging auf das Tor zu. Lewis sah ihm nach, bis er ihn nicht mehr sehen konnte, dann öffnete er die Autotür.
      "Ich seh zu, dass er abhaut. Nur abhaut."
      Er schlüpfte hinter Zeus nach draußen und beobachtete ihn, bis er aus seinem Sichtfeld war, starrte ihn an, bis er sich wirklich sicher sein konnte, dass Zeus keine Dummheiten machte. Oder zumindest keine Reaktionen auf irgendwas hatte. Dann sah er sich noch einmal um, schloss das Tor wieder und ging zurück zu Santiago.
      "Was hältst du von dem Kerl? Der hat doch sicher einen Knacks im Hirn. Meinst du, Apollo läuft auch nicht ganz rund? Ob er auch Magier ist? Ich kann mir die beiden kaum zusammen vorstellen."
    • Zeus packte den Sender ein, was Santiago als gutes Zeichen deutete. Sie arbeiteten jetzt also wirklich zusammen. Gut. Ihm gefiel allerdings nicht, dass Zeus ihren kompletten Deal aufgeschrieben hatte. Das war Beweismaterial, das sie nicht gebrauchen konnten. Egal, ob es irgendwann bei den Cops landete oder nicht. Es war eine Spur zu viel.
      "Auf W-Wiedersehen."
      Santiago ließ den Mann ziehen. Er hatte keine Nerven mehr dafür, sich noch weiter mit ihm auseinander zu setzen. Die Schmerzmittel löschten das Brennen in seiner Schulter nicht komplett und außerdem machten sie ihn - genauso wie der Blutverlust - müde und träge. Dass er überhaupt noch auf den Beinen war, grenzte an ein Wunder.
      "Ich seh zu, dass er abhaut," beschloss Lewis.
      Santi wollte widersprechen, aber der Streuner kam ihm zuvor: "Nur abhaut."
      Mit einem Brummen ließ Santi ihn ziehen. Auch dafür hatte er keine Nerven.
      Während Lewis Zeus ein Stück folgte, schnappte sich Santi eine Tüte mit getrockneten Aprikosen und eine Flasche Wasser aus einem der Regale. Das eine war gut für seine Eisenwerte, das andere für den Blutdruck, den er gerade nicht hatte.
      "Was hältst du von dem Kerl?" fragte der Streuner, als er zurückkehrte. "Der hat doch sicher einen Knacks im Hirn. Meinst du, Apollo läuft auch nicht ganz rund? Ob er auch Magier ist? Ich kann mir die beiden kaum zusammen vorstellen."
      Mit einem Brummen ließ sich Santi auf einen Stuhl sinken. Jetzt, wo er nicht mehr der professionelle Brutalo sein musste, war irgendwie die Luft raus.
      "Glaub nicht, dass der 'nen Knack hat," meinte er um eine der Aprikosen herum. "Das ist einfach nur der Nachteil seiner Magie: er trifft alles, nur nicht seine Worte."
      Er kaute auf noch ein paar Aprikosen herum, während er über Apollo nachdachte. Da hatte es von Anfang an Ungereimtheiten gegeben, aber Santi hatte sie abgetan, weil er mit einem Team gearbeitet hatte und niemand sonst etwas gesagt hatte. Und es war ja auch nichts passiert - bis etwas passiert war.
      "Ich weiß nicht," sagte er schließlich, während er die Wasserflasche mit einer Hand aufmachte. "Apollo benimmt sich wie jemand, der Magie hat, aber irgendwie... Irgendwas ist seltsam an ihm. Ich kann Angst riechen, Nervosität, sowas eben und er... er war nicht ein bisschen aufgeregt während unseren Jobs. Selbst ich bin aufgeregt, wenn es ans Eingemachte geht. Jeder Mensch ist das - das ist ein natürlicher Instinkt. Navy Seals haben die gleichen Instinkte, ihnen wird nur beigebracht, sich davon nicht überrennen zu lassen. Aber Apollo... da war gar nichts. Kann mir aber keine Magie vorstellen, die sowas machen würde. Ist dir irgendwas aufgefallen?"


    • "Glaub nicht, dass der 'nen Knack hat", meinte Santiago. "Das ist einfach nur der Nachteil seiner Magie: er trifft alles, nur nicht seine Worte."
      "Wow." Lewis schnaubte trocken. "Das ist ja fast schon poetisch. Sag ihm das mal, ich will seine Meinung dazu hören."
      Die bestimmt lautete: F-F-F-F-Fick dich, oder so ähnlich. Lewis konnte sich aber auch nicht vorstellen, dass es an der Magie liegen sollte. Diente sie nicht dazu, nichts zu verfehlen? Sollte sich das nicht auch auf das Sprechen auswirken, oder jedenfalls so ähnlich? Er konnte sich jedenfalls nicht vorstellen, wie man so stottern konnte, wenn man doch nichts verfehlte. Aber Lewis war auch noch lange kein Experte.
      "Apollo benimmt sich wie jemand, der Magie hat, aber irgendwie... Irgendwas ist seltsam an ihm", sagte Santiago nach einem Moment. "Ich kann Angst riechen, Nervosität, sowas eben und er... er war nicht ein bisschen aufgeregt während unseren Jobs. Selbst ich bin aufgeregt, wenn es ans Eingemachte geht."
      Lewis zog die Augenbrauen hoch. Das war ja mal was neues.
      "Jeder Mensch ist das - das ist ein natürlicher Instinkt. Navy Seals haben die gleichen Instinkte, ihnen wird nur beigebracht, sich davon nicht überrennen zu lassen. Aber Apollo... da war gar nichts. Kann mir aber keine Magie vorstellen, die sowas machen würde. Ist dir irgendwas aufgefallen?"
      "Ne. Nur, dass er immer mitkommen wollte, wenn wir die Jobs erledigt haben. Bis runter zum Tresor. Das hat mich damals schon gestört; warum mitkommen, wenn er keinen Beitrag leistet? Er war doch nur eine zusätzliche Gefahr."
      Er setzte sich halb auf den Tisch neben Santiago.
      "Und - oh, gesehen habe ich ihn nicht, daran erinnere ich mich. Also, gesehen. Ich habe euch alle gesehen, weil ich euch alle durch die Gänge gelotst habe, aber ihn nicht. Oder habe ich ihn nur nicht auf den Kameras gesehen? Lag es daran?"
      Er kratzte sich an der Wange.
      "Vielleicht war er nicht auf den Kameras. Das macht aber genauso wenig Sinn, weil er sich nicht vor allen Kameras verstecken konnte. Was wäre das denn für eine Magie, nicht aufgenommen werden zu können? Wie Graf Dracula? Davon wird man doch nicht so überheblich wie Apollo. Sogar Zeus ist... anders abgedreht und seine Magie ist ja noch nützlich."
    • "Ne. Nur, dass er immer mitkommen wollte, wenn wir die Jobs erledigt haben. Bis runter zum Tresor. Das hat mich damals schon gestört; warum mitkommen, wenn er keinen Beitrag leistet? Er war doch nur eine zusätzliche Gefahr."
      Santi brummte zustimmend. Er hatte genau das mehrfach betont während sie den Job in der Federal geplant hatten, aber Apollo hatte darauf bestanden. Damals war Santi das einfach nur seltsam vorgekommen, aber Apollo hatte generell exzentrisch gewirkt und da der Rest so solide geplant gewesen war, hatte er sich schließlich überstimmen lassen. Gefallen hatte es ihm nicht. Und jetzt hatten sie den Salat.
      "Und - oh, gesehen habe ich ihn nicht, daran erinnere ich mich. Also, gesehen. Ich habe euch alle gesehen, weil ich euch alle durch die Gänge gelotst habe, aber ihn nicht. Oder habe ich ihn nur nicht auf den Kameras gesehen? Lag es daran? Vielleicht war er nicht auf den Kameras. Das macht aber genauso wenig Sinn, weil er sich nicht vor allen Kameras verstecken konnte."
      Santi sah auf, seine getrockneten Aprikosen vergessen. Lewis hatte ihn nicht gesehen?!
      "Es macht auch keinen Sinn. Wenn du ihn nicht siehst, siehst du seine Entscheidungen nicht, aber andere reagieren ja trotzdem auf ihn. Ich war da, die Leute haben auf ihn reagiert, und deren Entscheidungen hättest du doch eigentlich sehen sollen, oder?"
      Santis Magie hatte nicht gegriffen, Lewis' Magie hatte nicht gegriffen... hatten die Kameras gegriffen? Apollo war nicht unsichtbar gewesen, Santi hatte ihn mehrfach gesehen, sogar mit ihm geredet, während sie sich durch die Gänge geschlichen hatten.
      "Was wäre das denn für eine Magie, nicht aufgenommen werden zu können? Wie Graf Dracula? Davon wird man doch nicht so überheblich wie Apollo. Sogar Zeus ist... anders abgedreht und seine Magie ist ja noch nützlich."
      "Finde die Schwäche und du findest die Magie..." murmelte Santi leise.
      Jede Magie hatte eine Kehrseite. Diese Kehrseiten waren viel einfacher zu erkennen, als die Magie selbst. Santi hatte seine Alpträume und seine Paranoia - weil er Angst verteilen konnte. Lewis konnte keine Entscheidungen treffen - weil er alle Entscheidungen erkennen konnte. Zeus traf alles, nur nicht seine Worte. Aber was war Apollos Schwäche? Sein übergroßes Ego? Das könnte auch einfach nur ein Nebeneffekt von seinem Kontostand sein. Reiche Leute tendierten immer dazu, egozentrisch zu sein. Abgesehen davon hatte Apollo keine wirkliche Schwäche gezeigt, außer vielleicht schlechte Planung. Magie konnte ihn nicht finden, Kameras vielleicht auch nicht... Vielleicht eine Art Aura? So wie wenn Santi keinen Alptraum gefressen hatte und Leute um sich herum nervös machte? Aber gespürt hatte er um Apollo herum nichts.
      Zu viele Fragen, nicht genug Antworten. Gott, Santi was so müde.


    • Lewis rieb sich nachdenklich das Kinn. Das machte schon Sinn, wenn er weiter so darüber nachdachte. Selbst wenn Apollo sich vor den Kameras hätte verstecken können, er hätte Reaktionen nicht vermeiden können. Spätestens andere Leute hätte ihn aufgezeigt. Aber Lewis hatte ihn wirklich nicht gesehen, kein einziges Mal, denn er hatte nie über Apollos Route nachgedacht. Wenn er ihn gesehen hätte, wäre es ihm doch sicher in den Sinn gekommen.
      "Was soll das heißen? Dass er sich vor Magie verstecken kann?"
      "Finde die Schwäche und du findest die Magie..." murmelte Santiago leise. Lewis starrte ihn an in der Erwartung, dass da noch mehr kommen würde, aber Santiago verlor sich in seinen Gedanken. Lewis runzelte die Stirn, weil er dem Gedanken nicht ganz folgen konnte. Welche Schwäche sollte Apollo haben? Dass er viel Geld besaß, dass er viel Personal hatte? Dass er etwas exzentrisch war und Lewis hatte entführen lassen? Dass er unbedingt dieses Teil haben wollte, das Zeus besaß?
      Lewis bemerkte die Müdigkeit, während er Santiago weiter ansah. Sie stand dem Mann ins Gesicht geschrieben durch die bleiche Haut, die dunklen Augenringe. Der Verband an seiner Schulter war zumindest nicht wieder blutig.
      "Hey, wie wär's, wenn wir erstmal zu dir gehen, bevor wir weiter darüber nachdenken. Oder in ein Hotel. Ich kann zwar nicht fahren, aber mich um den Rest kümmern. Du brauchst ein bisschen mehr Schlaf, so wie du aussiehst."
      Lewis wollte ihm für einen Moment am Verband herum zupfen, zog die Hand dann aber doch wieder zurück. Das wäre ja noch komisch gewesen.
      "Bis wir Zeus nochmal treffen ist's noch ein bisschen. Du solltest dich bis dahin ausruhen."
    • "Hey, wie wär's, wenn wir erstmal zu dir gehen, bevor wir weiter darüber nachdenken. Oder in ein Hotel. Ich kann zwar nicht fahren, aber mich um den Rest kümmern. Du brauchst ein bisschen mehr Schlaf, so wie du aussiehst. Bis wir Zeus nochmal treffen ist's noch ein bisschen. Du solltest dich bis dahin ausruhen."
      Mit einem müden Seufzen fuhr sich Santi mit der guten Hand durch die Haare. Ein Hotelbett klang gerade ziemlich verlockend. Aber konnten sie das wirklich riskieren?
      "Das Ding, das aussieht, wie ein uraltes Radio," meinte er und deutete auf eine ebensolche Monstrosität in einem der Regale. "Schalt das mal ein und stell es auf..." In welchem Distrikt waren sie noch gleich? "... das Rädchen wo KHz steht, drehst du auf 20, drück den Knopf für FM, B stellst du auf... 4,1 müsste das gewesen sein. Und dann drehst du das erste Rädchen bis du bei 34,360 angekommen bist. Dann langsam weiter, bis du was hörst, aber nicht über 35,800."
      Klang erst einmal alles super kompliziert, aber alles auf der Maschine war entsprechend beschriftet und Lewis musste nichts weiter tun, als an ein paar Rädchen drehen und ein paar Zahlen lesen.
      "Ich will wissen, was die Cops gerade so quatschen. Die müssten mittlerweile eine ganze Ermittlung gestartet haben wegen einer Schießerei. Je nachdem, was die sagen, müssen wir vielleicht hier bleiben. Wenn die Luft rein ist können wir zu einem Motel die Straße gehen."
      In seinem aktuellen Zustand würde Santi es kaum viel weiter als bis dorthin schaffen. Aber er hatte schon dort geschlafen: es war sauber, nicht zu laut, und den Betreiber konnte man mit Cash besänftigen. Definitiv besser als die Pritsche hier. Santi hoffte inständig, dass die Cops keine Ahnung hatten und ihnen nicht folgen konnten.


    • Lewis folgte Santiagos Fingerzeig zu einem Relikt von einem Radio, das das Regal dominierte. Das funktionierte doch nicht wirklich noch, oder?
      "Schalt das mal ein und stell es auf... das Rädchen wo KHz steht, drehst du auf 20, drück den Knopf für FM, B stellst du auf... 4,1 müsste das gewesen sein. Und dann drehst du das erste Rädchen bis du bei 34,360 angekommen bist. Dann langsam weiter, bis du was hörst, aber nicht über 35,800."
      Es funktionierte wirklich noch, denn als Lewis die Rädchen so drehte wie angewiesen, begann es zu knistern und zu rauschen. Das ganze Teil hörte sich an wie aus einem schlechten Horrorfilm, aber er machte weiter, wie Santiago es haben wollte. Und siehe da, nach ein paar Sekunden und ein bisschen weiterdrehen kristallisierte sich langsam eine Stimme heraus. Ein Funkspruch, so wie es schien.
      "... bleiben in Bereitschaft. Ermittlungsgruppe übernimmt. Täterlage noch unklar."
      Weiteres Knistern.
      "Zentrale an alle Kräfte im Bereich Innenstadt: Negative Lageveränderung. Wir haben bislang weder Spuren noch Zeugen. Objekt wird videoausgewertet. Bitte Auffälligkeiten dokumentieren."
      "Man, du kannst echt den Polizeifunk abhören?", fragte Lewis mit Ehrfurcht. Das war schon ein ganzer Schritt weiter als einfache Kriminalität. Santiago war ein ganzes Kriminal-Genie.
      Er ließ den Funk auf einer Frequenz laufen, die das alte Ding noch mitmachte, und zog sein Handy für die Nachrichten heraus. Das Gebäude des Museums war in der Reportage, aber keine nützlichen Knoten für Lewis. Er sah sich das ganze Videomaterial an und dann dasselbe nochmal von zwei weiteren Nachrichtenteams, bis sie sich sicher sein konnten, dass niemand sie oder Zeus verfolgt hatte. Dann konnten sie ihre Sachen packen und gehen; das Auto blieb zurück, bis sie es entweder reinigen, oder gleich ganz entsorgen konnten. Lewis schwang sich eine Tasche mit Verbandsmaterial und Notfallzeugs um die Schulter und ging mit Santiago nach draußen. Er sah ihn an, während sie gingen, beobachtete sein ausgezehrtes Gesicht und sein schwermütiger Gang. Seine Magie sah nichts. Sie kamen an dem Motel an, ohne Polizeisirenen im Hintergrund zu hören, und Lewis ließ Santiago draußen stehen, um alleine das Zimmer zu mieten. Immerhin konnte man nicht vorsichtig genug sein. Dafür waren sie fünf Minuten später in einem Zimmer mit Doppelbett.
      Lewis' Handy vibrierte mit einer unbekannten Nachricht. Lewis öffnete sie.
      "Calvary Cemetery. Da will Zeus sich wohl treffen. Wie makaber."
      Er sah Santiago erwartungsvoll an.
      "Was schreib ich ihm, wann wir uns treffen? In ein paar Tagen, wenn wir Skye haben?"