Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Santi grinste, dann folgte er dem Wunsch des Streuners ohne zu zögern und küsste ihn noch einmal. Lewis biss ihm in die Unterlippe und Santi knurrte leise. Er vertiefte den Kuss so sehr, dass es eindeutig als dreckig galt, zog sich aber zurück, kaum dass Lewis sich wirklich darauf eingelassen hatte. Er versprach ihm mehr für später, dann trennten sie sich. Lewis fläzte sich auf die Couch, Santi bewaffnete sich mit einem neuen Kaffee und verzog sich zurück in sein Büro, um noch ein paar Arbeiten über was auch immer zu lesen.
      Er tauchte so tief in die Thematik ein, dass er jedes Zeitgefühl verlor. Seine Umgebung behielt er aber trotzdem instinktiv im Auge, was ihm verriet, dass Lewis die Treppe zu ihm hochgestapft kam. Wie viel später konnte er aber nicht sagen.
      "Schau mal, der eine Typ schreibt eine äh... Dissertation? Was soll das denn sein? Der schreibt über 'Die rituelle Semantik peripherer Artefakte im spätmythischen Grenzraum'. ... Was? Das hat sich doch jemand ausgedacht. Wie soll der Titel denn Sinn machen?"
      "Für eine Doktorarbeit klingt das gerade kompliziert genug," gab Santi leise zurück, während er die letzten paar Sätze der Arbeit vor sich las. Dass das überhaupt durchgewunken worden war...
      Mit einem Seufzen lehnte er sich zurück und schloss die Augen. Sie fühlten sich trockener an , als sonst. Na toll. Am Ende musste er früher ins Bett, weil er seine Augen mit irgendwelchen Abschlussarbeiten überarbeitete.
      "Ich werd's mir ansehen. Es klingt auf jeden Fall nach der richtigen Richtung."
      Er drehte sich in seinem Stuhl um wie ein schlechter Bond-Bösewicht, um eine Pause von dem Bildschirm zu bekommen, wenn auch nur eine kleine.
      "Was macht unser Mordfall?"


    • Lewis trat zwischen Santiagos Beine und lehnte sich gegen seinen Schreibtisch. Er zog an seinem Joint und pustete kleine Kringel in die Luft.
      "Es gibt einen Verdächtigen, aber keine Identifizierung. Ich hab gesehen, dass der zuständige Ermittler in so...", er schielte auf die Uhr, "zwanzig Minuten an seinem Schreibtisch sitzt und Akten blättert. Wenn ich also in einer Stunde nochmal reinschau, erfahr ich vielleicht etwas neues. Bis dahin gibt's nicht viel."
      Er zog wieder und ließ den Rauch aus der Nase austreten.
      "Sie glauben, dass es eine Gruppe war, aber sie haben keine Beweise dafür. Natürlich war das eine Gruppe, als ob Apollo irgendwas alleine machen würde. Als ob der nicht seine ganzen Söldner-Jungs vorschickt, um uns ein Bein zu stellen."
      Verärgert schnaubte er und streckte sich zur Seite nach dem Aschenbecher aus. Dann schüttelte er sich eine Haarsträhne aus dem Auge und sah Santiago einen Moment lang nur an, während er kiffte. Betrachtete ihn und seine dunklen Augenringe.
      "Wann hast du eigentlich das letzte Mal geschlafen?"
    • Eine Gruppe? Warum schickte Apollo einen ganze Trupp los, um sich um einen einfachen Uni-Professor zu kümmern. Das war doch totaler Overkill. Sie mussten wirklich auf der richtigen Spur sein, wenn Apollo so über reagierte. Vielleicht hatte der Professor mehr gewusst, als sie aus ihm rausbekommen hatten...
      "Wann hast du eigentlich das letzte Mal geschlafen?"
      "Hm?"
      Santi sah auf. Lewis betrachtete ihn mit... war das Sorge? Süß.
      "In der Nacht bevor wir zum Professor sind. Theoretisch. Hier und da eine Stunde, zwischen der Recherche über den Prof und dem Lauschen nach fiktiven Sondereinsatzkommandos, die mir die Tür eintreten wollen."
      Er zuckte mit den Schultern.
      "Ich hab noch eine Nacht in mir. Das ist vielleicht genug Zeit, um mich durch all diese Arbeiten zu lesen."
      Santi schnappte sich seine Zigaretten vom Schreibtisch und zündete sich auf eine an. Er schaffte es, einen seiner Ringe durch einen von Lewis zu schießen. Recherche gehörte leider zum Job, so langweilig sie auch war. Aber wenn man einen Job richtig ausführen wollte, dann musste man eben Vorarbeit leisten. Erst recht wenn das eigene Leben davon abhing.
      "Ich les die Arbeiten, du recherchierst die Namen und hast ein Auge auf die Ermittlungen. Damit sollten wir morgen fertig werden. Übermorgen fahren wir meine Eltern zum Flughafen und gehen ordentlich einkaufen. Ich will so wenig wie möglich auf der Straße sein, und das sage ich aus professioneller Paranoia heraus, nicht aus magischer."
      Er zog tief an seiner Zigarette und starrte für einen Augenblick die Decke an.
      "Diesen Wissenschaftler, den du da gefunden hast," meinte er schließlich. "Kannst du rausfinden, wo der momentan arbeitet? Wenn das nicht zu weit weg ist, können wir den zwischen Flughafen und Einkaufen vielleicht einplanen."
      Santi würde dafür keinen Termin machen. Apollo war ihnen zu nahe auf den Fersen, da konnte er es nicht riskieren, seinen nächsten Zug anzukündigen.


    • Lewis grummelte ein bisschen. Aus der Info zog er die Schlüsse schon selbst, aber bevor er die Frage stellen konnte, beantwortete Santiago sie bereits.
      "Ich hab noch eine Nacht in mir. Das ist vielleicht genug Zeit, um mich durch all diese Arbeiten zu lesen."
      Eine Nacht noch, in der alles normal war. Dann würde Lewis auf seine Albträume aufpassen und extra früher aufstehen, um ihm ein Frühstück zu machen. Diesmal hatte er schon Vorarbeit geleistet - er würde sich nicht auf die letzte Sekunde noch ein YouTube-Video reinziehen.
      "Ich les die Arbeiten, du recherchierst die Namen und hast ein Auge auf die Ermittlungen. Damit sollten wir morgen fertig werden."
      Lewis legte den Kopf in den Nacken und atmete gequält aus. Kochen war sehr viel einfacher als das hier, wenn man es daran maß, wie viel Gehirnschmalz aufgewandt werden musste.
      "Übermorgen fahren wir meine Eltern zum Flughafen und gehen ordentlich einkaufen. Ich will so wenig wie möglich auf der Straße sein, und das sage ich aus professioneller Paranoia heraus, nicht aus magischer."
      "Da bin ich sogar mal derselben Meinung."
      Sie schwiegen wieder und rauchten ihre Drogen. Lewis musste daran denken, was beim letzten Zusammentreffen mit Apollo passiert war, als Santiago sagte:
      "Diesen Wissenschaftler, den du da gefunden hast. Kannst du rausfinden, wo der momentan arbeitet? Wenn das nicht zu weit weg ist, können wir den zwischen Flughafen und Einkaufen vielleicht einplanen."
      Lewis beendete seinen Joint in einem letzten, langen Zug.
      "Meinst du, der weiß was? Weiß wirklich was? Fühlt sich so an, als müssten wir uns durch hundert Streber wühlen, nur um den einen, richtigen Nerd zu finden."
      Er seufzte gequält und stieß sich vom Schreibtisch ab. So hatte er sich die ganze Einbruchs-Sache nicht vorgestellt. In eine Bank eindringen, ja, klar, aber das hier? Bloß nicht. Wär nur der dumme Museumstransport nicht schief gelaufen.
      Er nahm Santiagos Kinn zwischen die Finger, küsste ihn knapp, dann verzog er sich wieder. Zurück zu seiner Couch, wo er die Nachrichten um seines Kopfes Willen ausließ und nur seine Recherche betrieb. Er brauchte zwar immernoch genügend Pausen, aber irgendwann hatte er die Liste durch, ein paar vielversprechende Kandidaten und den Arbeitsort dieses Typen mit... Lewis wusste immernoch nicht, was eine Dissertation war.
      "Dreimal darfst du raten, wo der Typ sitzt", sagte er später zu Santiago. "Nein, einmal darfst du raten. Nein, ich sag's selber: Im fucking Cloisters-Museum. Man, ich hasse Museen so langsam."
    • "Meinst du, der weiß was? Weiß wirklich was? Fühlt sich so an, als müssten wir uns durch hundert Streber wühlen, nur um den einen, richtigen Nerd zu finden."
      "Keine Ahnung, aber seine Forschung klingt zumindest nach etwas, was zielführend sein könnte."
      Santiago ließ sich küssen, dann setzte er sich wieder an seine Studien. Die nächsten zwei konnte er dankenderweise schnell aussortieren - sie behandelten Themen die komplett an dem vorbei waren, wonach er suchte. Er notierte sich die Namen zwar trotzdem, aber auf einem anderen Post-It. Er glaubte nicht, dass sie noch relevant werden würden, aber man konnte ja nie wissen. Santi schaffte noch drei Arbeiten, jeden Namen davon schrieb er auf ein kleines Blatt Papier, dass er dann in einen Papierflieger faltete, den er hinunter zu Lewis auf die Couch segeln ließ.
      Santi war gerade dabei, sich einen neuen Kaffee zu holen, als Lewis zu ihm rüber schlenderte. Er fischte dem Streuner einen Joint aus der Schublade und reichte ihn über die Kücheninsel.
      "Dreimal darfst du raten, wo der Typ sitzt. Nein, einmal darfst du raten. Nein, ich sag's selber: Im fucking Cloisters-Museum. Man, ich hasse Museen so langsam."
      "Ach was, Museen sind toll. Gerade solche wie das Cloisters, die eine enorme Rotation in Sachen Sicherheitspersonal haben."
      Woher Santi das wusste? Weil er da schon ein paar Mal gewesen war - immer aus beruflichen, nie aus persönlichen Gründen. Im Cloisters konnte man gut üben.
      Er reichte dem Streuner Feuer, bevor er an seinem Kaffee nippte. Er musterte Lewis.
      "Was hältst du davon, wenn wir aus dir den Sohn eines reichen Schnösels machen?"


    • "Ach was, Museen sind toll. Gerade solche wie das Cloisters, die eine enorme Rotation in Sachen Sicherheitspersonal haben."
      Lewis zog eine Augenbraue nach oben. Ahja. Das wusste er sicher nicht von bravem googlen und recherchieren. Lewis sollte sich mal erzählen lassen, was Santiago vor Apollo so getrieben hatte. Was genau.
      Er nahm das Feuer entgegen, entzündete seinen dritten Joints des Tages und ließ sich von dem Rausch benebeln. Santiago musterte ihn derweil, aber nicht auf eine "wieso kifft der schon wieder"-Weise. Leider auch nicht auf "ich will ihn auf der Couch nehmen"-Art.
      "Was hältst du davon, wenn wir aus dir den Sohn eines reichen Schnösels machen?"
      "Der einen Trip zum Museum macht, weil er sich so sehr für Kunst interessiert?" Lewis schnaubte. "Man, Santiago, schau mich doch mal an."
      Er breitete die Arme aus, um den Blick auf sich zu lenken: Seine verstrubbelten Haare, Santiagos Jogginghose von gestern, ein T-Shirt, das viel zu locker saß. Rote Augen, als hätte er sich völlig weggeschossen. Hatte er nicht, könnte er aber. Würde er gerne.
      "Es war ja schon grenzwertig, mich als Streber zu verpacken. Aber Studenten kiffen auch manchmal, das ist noch durchgegangen. Als irgendein reicher Spießer? Wie soll das gehen? Ich kenn mich ja noch nichtmal mit Kunst aus."
      Er hielt den Joint zwischen zwei Fingern und gestikulierte auf Santiago.
      "Und wer willst du dann sein? Mein Bodyguard, damit Papis Lieblingssohn nichts zustößt?"
    • "Exakt. Und dich als reichen Schnösel auszugeben ist auch perfekt. Wenn du mit genug Geld rumwedelst, dann will dir jeder in den Arsch kriechen, egal was sie von dir halten. Du musst nichts von Kunst verstehen, du musst ja nicht einmal da sein wollen. Tatsächlich wäre es sogar besser, wenn du dich als desinteressiert und gelangweilt gibst. Wenn sich alle besondere Mühe geben, dich zu beeindrucken, vergessen sie den Rest ihrer Aufgaben."
      Aber das war gar nicht, worauf sie hier aus waren, musste sich Santi selbst erinnern. Sie würden nicht in das Museum einbrechen. Mussten sie gar nicht. Trotzdem war der Ansatz mit dem reichen Sohn und seinem Bodyguard gut. Sie mussten nur anders an die Sache herangehen.
      Santi nippte nachdenklich an seinem Kaffee. Reicher Schnösel brachte sie in die Eingeweide des Museums, wo normalerweise keine Gäste erlaubt waren. Stellte sich nur die Frage, was ein reicher Schnösel mit der Forschungsabteilung wollte...
      "Steuererleichterungen," murmelte Santi schließlich.
      Das war ihr Weg in die Forschungsabteilung! Ha! Da sollte doch mal einer sagen, dass man nicht denken konnte, wenn man übermüdet war.


    • "Oh, das kann ich. Das kann ich wirklich."
      Sich vor ein Gemälde zu stellen und gelangweilt auszusehen lag Lewis ja quasi im Blut. Und reich war er auch - das ging ja schon fast von selbst. Nur einen Vater hatte er nicht mehr und erst recht keinen reichen. Außerdem war da noch die ganze Sache mit dem schnöselig-sein, das Lewis bestimmt nicht auf die Reihe bekam. Aber sollte Santiago sich doch darum kümmern. Als Bodyguard konnte er ihn ja durch das Museum leiten und Lewis konnte so tun, als müsse er sich eben seinem Schicksal ergeben.
      Gar nicht so schlecht, hätten sie nicht ein bestimmtes Ziel gehabt, das sie dort antreffen wollten.
      "Okay, von mir aus. Und wie kommen wir dann zu diesem Nerd? Der wird ja wohl kaum durch die Ausstellung laufen, sondern eher... irgendwo hinten sitzen. Kommen wir da auch rein? Wie soll das funktionieren?"
      Santiago nippte an seinem Kaffee und dachte nach. Lewis hatte gelernt, diesem Nachdenken zu vertrauen, denn wenn Santiago sein Hirn anschaltete, kam meistens auch etwas nützliches dabei raus. Und tatsächlich sagte er nach einem Moment:
      "Steuererleichterungen."
      "Steuererleichterungen?"
      Lewis verstand den Zusammenhang nicht und bezweifelte, dass er ihn auch jemals verstehen würde. Santiago hatte die Idee, wie sie reinkamen, und Lewis kaufte sie ihm ab. Santiago sollte das Gehirn der Unternehmung sein, Lewis trug seine Magie dazu bei und füllte damit alle notwendigen Lücken.

      Nur das Outfit wurde ein Problem und das erst recht, als Lewis sich damit eingekleidet hatte. Denn eigentlich hatte er mit einem Anzug gerechnet, bis Santiago ihn darüber belehrt hatte, dass nur Anwälte und Politiker wirklich Anzüge trugen - und wenn man im Fernsehen verdeutlichen wollte, dass jemand reich oder schnöselig war. Aber die Realität sah anders aus.
      Lewis musste einen dämlichen Rollkragen-Pullover tragen mit einer sündhaft teuren Kaschmir-Jacke, die er sich nichtmal anzog, sondern nur um die Schultern warf. Die Hose war wenigstens halbwegs normal, auch wenn Lewis sie für eine Anzughose hielt, und die Schuhe waren Lackschuhe. Auf Hochglanz poliert. Lewis sah aus wie ein Vollidiot.
      Er gelte sich die letzten Haarsträhnen nach hinten, setzte sich eine vergoldete Brille auf und verließ das Badezimmer. Geld genug hatten sie - wenn Geld doch nur alle Probleme lösen würde. Aber wenigstens hatte es Santiago einen Anzug verschafft.
      "Bist du soweit? Lass dich mal ansehen", rief Lewis, neugierig darauf, Bodyguard-Santiago zu sehen.
    • "Steuererleichterungen?"
      "Steuererleichterungen."
      Lächelnd nippte Santi an seinem Kaffee.

      Den Rest des Tages und auch den nächsten verbrachten sie wie Santi es bereits angekündigt hatte: Er fraß sich langsam aber sicher durch den Haufen wissenschaftlicher Arbeiten und Lewis googlete Name um Name, während er hin und wieder den Mordfall im Auge behielt. An der Front gab es nichts Neues und auch die meisten Namen waren keine Volltreffer mehr. Ein paar klangen noch interessant, aber am realistischsten klang tatsächlich dieser erste, den Lewis da ausgebuddelt hatte.

      "Bist du soweit? Lass dich mal ansehen."
      Lewis trat aus seinem Badezimmer und sah aus wie ein wildfremder Mensch. Wie letztes Mal schon hatte sich Santi unter der Dusche die Zeit genommen, die Mähne des Streuners ordentlich durchzukämmen und mit Pflegeprodukten zu behandeln - wenn sie noch ein paar solcher Jobs erledigten, könnte er Lewis' Haare tatsächlich noch auf Kurs bringen. Jetzt hatte Lewis sie noch ordentlich gestylt und dazu das Outfit, das Santi aus seinem Kleiderschrank hatte zusammenpuzzeln können... er sah wirklich aus wie der Sohn eines reichen Sacks, der nichts besseres zu tun hatte. Perfekt.
      Santi selbst war um einiges handzahmer gekleidet: ein schlichter, maßgeschneiderter schwarzer Anzug mit weißem Hemd und passender Krawatte. Ein universales Outfit für jemanden wie Santi, der sich hauptsächlich als Sicherheitsmensch einschleuste. In diesem Outfit fielen nicht einmal seine heißgeliebten Handschuhe - diesmal schwarz, nicht rot - oder seine Sonnenbrille auf. Besagte Sonnenbrille lag noch auf der Kücheninsel, während Santi in seine Handschuhe schlüpfte. Er streifte sich den zweiten noch schnell über, bevor er sich vollständig zu Lewis wandte.
      Santi wusste, wie er aussah. Er wusste, was dieser Anzug mit ihm anstellte. Er würde lügen, würde er behaupten, dass er damit noch nie jemanden aufgerissen hatte. Meistens nach einem Job, ein paar Mal auf irgendwelchen von Diegos Parties. Diego hatte ihn dankenderweise nie wirklich in solche Anzüge gezwungen, da Santi generell Hemden und Westen bevorzugte, wenn er sich selbst für die Arbeit anzog.
      Er breitete die Arme ein bisschen aus.
      "Heiß und gruselig genug für den Bodyguard eines reichen, verzogenen Bengel. Sofern ich alles richtig gemacht habe?"
      Er lächelte schief, weil er genau wusste, dass er alles richtig gemacht hatte. Sie sollten definitiv öfter solche Jobs erledigen - nicht nur wegen Lewis' Haaren, sondern auch wegen den Outfits, in die er den Streuner stecken konnte. Und die, die er selbst anziehen konnte. Die perfekte Ausrede.


    • Lewis erblickte Santiago an der Kücheninsel und -
      "Uh, wow."
      Ein dickes Grinsen breitete sich auf Lewis' Gesicht aus, denn:
      "Man, siehst du scharf aus. Warum trägst du sowas nicht öfter?"
      Santiago hätte geradewegs aus dem Playboy kommen können. Seine Muskeln waren jetzt von einem dunklen Stoff eingezäunt, der auf attraktive Weise die Fantasie anregte. Aus einem unbestimmten Grund wirkte er noch größer als sonst und sah unfassbar edel aus - wie ein besonders teures Kunststück, das man nicht anfassen durfte. Nur Lewis durfte es und das tat er auch direkt, als er zu ihm geschlendert kam und interessiert über den teuren Stoff strich. Den Stoff und Santiagos harte Muskeln darunter, die Lewis völlig anmachten. Was für ein Ausblick es wohl wäre, wenn Santiago ihn in diesem Outfit auf den Tisch warf und sich an ihm verging... Oh ja. Er hatte wohl ein Faible für Männer in Anzügen - oder für Santiago im Anzug. Eher letzteres.
      "Heiß und gruselig genug für den Bodyguard eines reichen, verzogenen Bengel. Sofern ich alles richtig gemacht habe?", sagte Santiago lockend und ließ sich von Lewis betatschen. Der grinste nur noch breiter.
      "Und wie du das richtig gemacht hast. Was hab ich nur für ein Glück, so einen heißen Bodyguard bekommen zu haben."
      Er ergriff Santiagos Krawatte, wickelte sie sich um die Hand und zog. Santiago beugte sich zu ihm herab und Lewis legte den Arm um seinen Nacken, hing sich schwer an ihn. Sein Blick zuckte begierig zwischen Santiagos Augen hin und her.
      "Wenn Sie Ihre Arbeit gut erledigen, di Natale, bekommen Sie nachher eine Gehaltserhöhung von mir. Wie gefällt Ihnen das? Dafür müssen Sie aber schon artig sein."
      Anzüglich zuckte er mit den Augenbrauen.
    • Santi ließ das Lächeln fallen und setzte eine professionelle Maske der Neutralität auf, auch wenn er Lewis auf der Stelle hätte entkleiden können. Der Streuner sah scharf aus und so wie er gerade auf den Anzug reagierte... Selbstbeherrschung!
      Sanft legte er Lewis die Hände an die Hüften, bewahrte aber auch dabei eine Art professionellen Abstand: Seine Hände waren weder zu tief, noch zu hoch, und er ergriff Lewis weniger, als dass er ihn ein Stück von sich drückte. Er richtete sich wieder auf, sobald Lewis ihn losließ und richtete seine Krawatte. Die Haltung, die Ausstrahlung, all das kam zu ihm zurück wie Fahrradfahren. Er hatte es lange genug für Diego gemacht, das hier war einfach.
      "Jawohl, Sir," entgegnete er knapp und simple.
      Einen Moment lang ließ er Lewis in seiner Überraschung sitzen, dann grinste Santi breit, legte dem Streuner eine Hand in den Nacken und zog ihn an sich für einen Kuss.
      "Erst bringen wir meine Eltern zum Flughafen. Was sie angeht bringe ich dich danach zu einem Meeting, bevor ich selbst zu einem neuen Job fahre. Und danach bist du ein reicher Bengel, der ein Forschungsprojekt sucht, dass er finanziell unterstützen kann. Natürlich komplett uneigennützig und die Steuerentlastungen dafür sind dir vollkommen unbekannt."
      Er küsste Lewis noch einmal schnell, bevor er sich von dem Streuner abwandte und seine Sonnenbrille einpackte.
      "Schwing deinen hübschen Arsch, Sir. Piloten waren nur ungern auf Passagiere."

      Santis Mutter fummelte an Lewis' hübschen Outfit rum, während Santi ihr Gepäck in den Kofferraum hievte. Sein papito wollte helfen, aber er ließ den Mann nicht viel mehr tun, als die Koffer zu schieben. Er hatte schon einen Bandscheibenvorfall gehabt, kein Grund, noch einen zu provozieren.
      "Mamá, wenn du noch weiter so an ihm rumzupfst, sieht er gleich nicht mehr so hübsch aus."
      "Ah, disculpe. Aber er sieht nun einmal gut aus! Sehr gut sogar!"
      Sie tätschelte Lewis die Wange.
      "So beeindruckst du bestimmt diese Kunden von dir und deinem Bruder, ja ja."
      Santis Vater rettete den Streuner, indem er seine Ehefrau daran erinnerte, ins Auto zu steigen. Santi entschuldigte sich mit einem Blick bei Lewis, bevor er sich hinter das Steuer klemmte.

      Während der Fahrt zu seinen Eltern und auch der Fahrt zum Flughafen behielt Santi seine Umgebung genauestens im Auge. Nicht, weil seine Magie ihn wieder in den Wahnsinn trieb, sondern weil er sichergehen wollte, dass sie nicht verfolgt werden. Er begleitete seine Eltern so weit er konnte im Flughafen und sie verließen den Flughafen erst, nachdem Santi wusste, dass das Flugzeug in der Luft war.
      Sobald sie wieder im Auto saßen, atmete er tief durch. Er wusste seine Eltern in Sicherheit und das nahm eine ganze Tonne Druck von seinen Schultern. Er nahm sich eine Minute, um das einfach mal zu fühlen, bevor er wieder in den Arbeitsmodus schaltete.
      "Als nächstes zum Museum, Sir?" fragte er mit einem schiefen Lächeln an Lewis gewandt.


    • Lewis lachte laut auf. Niemals hätte er sich erträumen lassen, Santiago so vor sich zu sehen. Der Mann war kaum wiederzuerkennen! Und wenn er dann auch noch in diesem Ton sprach... es regte irgendwie Lewis' Interesse an.
      "Man super! Du hast das echt drauf. Ha!"
      Santiago blieb noch etwa eine Sekunde lang so ernst, dann musste auch er grinsen und zog Lewis in die Umarmung, die er ihm zuvor verwehrt hatte. Der Kuss schmeckte gleich viel besser, wenn ein Anzug involviert war.
      "Erst bringen wir meine Eltern zum Flughafen. Was sie angeht bringe ich dich danach zu einem Meeting, bevor ich selbst zu einem neuen Job fahre. Und danach bist du ein reicher Bengel, der ein Forschungsprojekt sucht, dass er finanziell unterstützen kann. Natürlich komplett uneigennützig und die Steuerentlastungen dafür sind dir vollkommen unbekannt."
      "Yes Sir!"
      So viel musste Lewis gar nicht flunkern. Steuerentlastungen waren ihm wirklich unbekannt.
      "Schwing deinen hübschen Arsch, Sir. Piloten warten nur ungern auf Passagiere."
      "Du Angeber."
      Lewis grinste und folgte Santiago beschwingt nach draußen.

      Santiagos Eltern wiederzusehen war nett und Lewis freute sich ehrlich darüber, dass seine mamá ihn wieder so herzlich empfing. Doch dann himmelte sie sein Outfit förmlich an und zupfte hier und da, bis Lewis das Gefühl hatte, von dem kratzigen Stoff noch einen Ausschlag zu bekomme. Der Pullover war so schon unangenehm eng, da musste nicht noch extra daran gezogen werden. Nur weil Rosa immer so überschwänglich war, ließ Lewis das ganze kommentarlos über sich ergehen.
      "Mamá, wenn du noch weiter so an ihm rumzupfst, sieht er gleich nicht mehr so hübsch aus", sagte Santiago von der Seite.
      "Ah, disculpe. Aber er sieht nun einmal gut aus! Sehr gut sogar!"
      Sie tätschelte Lewis' Wange, was sich richtig komisch anfühlte. Machten das alle Mütter? Lewis konnte sich das nicht vorstellen.
      "So beeindruckst du bestimmt diese Kunden von dir und deinem Bruder, ja ja."
      "Danke, Lady. Ich geb mir Mühe."
      Er lächelte und dann ging es auch schon los. Aus Lewis' Sicht war damit ein wichtiger Schritt bereits getan: Wenn Rosa schon nichts merkte, dann sicher die Leute im Museum auch nicht. So groß konnte der Unterschied zwischen beiden Gesellschaftsklassen nämlich gar nicht sein.

      Sie warteten, bis das Flugzeug auch wirklich gestartet war, um Santiago von seiner Paranoia zu befreien. Lewis konnte beobachten, wie dem Mann förmlich die Schultern absackten, kaum war das Flugzeug in der Luft und gut sichtbar. Noch immer konnte er sich schwer vorstellen wie es war, jeden Tag mit so viel Paranoia auskommen zu müssen, aber er gönnte Santiago jede kleine Pause, die er bekommen konnte. Wenn Lewis die Macht dazu hätte, würde er den ganzen Tag seine Magie einsetzen, um Santiago von seiner zu befreien.
      Ihre Blicke trafen sich im Rückspiegel. Santiago schaltete sichtbar um.
      "Als nächstes zum Museum, Sir?"
      Lewis grinste zurück.
      "Oh ja. Und beeil dich, ich will nicht länger auf der Straße sein als notwendig."
      Er fläzte sich in den Sitz so wie er glaubte, dass ein reicher Schnösel sitzen würde - nämlich so, als würde ihm das ganze Auto und die Straße noch dazu gehören. Dann starrte er aber auf den Fußboden, denn obwohl er reich und verwöhnt sein sollte, konnte er sich doch nicht den Luxus leisten, während der Fahrt aus dem Fenster zu schauen.

      Dafür blieb er sehr brav sitzen, kaum hatten sie auf dem Parkplatz des Museums gehalten, und wartete auf Santiago, der ihm die Tür öffnete. Langsam stieg er aus und zupfte an seinen Klamotten, wie Rosa es getan hatte; zum Teil, weil die reichen Leute im Fernsehen das immer taten, zum Teil, weil der Pulli wirklich furchtbar kratzig war. Zuletzt sah er auf seine goldene Uhr und schnaufte. Immerhin wollte er gar nicht hier sein; er nicht und Schnösel-Lewis auch nicht.
      Santiago ging neben ihm, aber leicht versetzt, und als sie die Tür erreichten, war er plötzlich vor ihm, um sie aufzumachen. Lewis staunte nicht schlecht über die Geschwindigkeit, die Santiago zustande brachte, und fragte sich einmal mehr, für wen der Mann schon alles Bodyguard gespielt hatte. Von diesem Gedanken ließ er sich aber nichts anmerken, ging hinein und sah sich um. Links ging es zur Garderobe und den Schließfächern, rechts zum Souvenirshop und geradeaus zum Empfang. Ein "Zutritt nur für Mitarbeiter"-Schild, so wie es Büroräume haben könnten, sah er hier nicht, aber er war auch zum ersten Mal hier. Santiago wusste schon, was zu tun war, und so wandte er den Kopf zu ihm und machte eine husch-husch-Bewegung in Richtung Empfang. Man, das war schon irgendwie unterhaltsam. Er sollte dieses Rollenspiel so lange auskosten wie möglich.
      Während Lewis zurückblieb und seine Fingernägel studierte, ging Santiago zum Empfang nach vorne. Hinter dem Tresen saß eine junge Frau, vermutlich Studentin, und sah ihm mit einem freundlichen Ausdruck entgegen.
      "Einen wunderschönen Tag. Zweimal Erwachsen? Mit oder ohne Ermäßigung?"
    • "Einen wunderschönen Tag. Zweimal Erwachsen? Mit oder ohne Ermäßigung?"
      "Weder noch. Mein Arbeitgeber hier würde gern mit dem Direktor sprechen."
      Santiago lächelte ein winziges bisschen, um den Charm gerade genug spielen zu lassen. Er war auch nur ein Laufbursche für höhere Mächte, genau wie diese junge Frau hier. Sie lächelte nervös zurück, sichtlich überfordert mit der Frage und dem Mann, der da vor ihr stand. Santiago nickte leicht zu Lewis hinüber, der adäquat genervt wirkte - eindeutig die Schuld des Outfits.
      "Ich äh... weiß nicht genau, ob er da ist," stammelte die Frau.
      "Könnten Sie bitte nachsehen gehen?"
      "J-ja. Klar. Einen Moment bitte."
      Sie stand auf und verschwand durch eine Tür mit der Aufschrift STAFF. Santiago kehrte zu Lewis zurück und sah einschüchternd aus, während er ganz offensichtlich die Umgebung im Auge behielt. Dabei behielt er tatsächlich die Umgebung im Auge - und zählte die Kameras, wie jedes Mal, wenn er herkam. Die in der oberen linken Ecke, direkt über dem Stand mit den Flyern, war immer noch kaputt. Huh. Das war sie vor einem Jahr auch schon gewesen.
      Santiago lehnte sich näher zu Lewis und flüsterte ihm zu: "Du willst die aktuellen Forschungsprojekte sehen. Wenn der Direktor fragt warum, antwortest du, dass du für Millionen Dollar für die Wissenschaften zur Verfügung hast. Dein Name ist Bettencourt. Vorname kann bleiben, die sind Franzosen. Du bist schon in dritter Generation stinkreich."
      Er richtete sich just in dem Augenblick wieder auf, in dem der Direktor mit der Empfangsdame zurückkehrte.
      "Geh auf ihn zu, schüttle ihm die Hand, stell dich vor und sag was du willst, bevor er auch nur ein Wort sagen kann."
      Santiago wandte sich dem Direktor zu und hob die Hand, um ihn daran zu hindern, näher als zwei Meter an Lewis heranzukommen.


    • Lewis blickte der Frau nach, oder eher seiner Magie, die im selben Moment angesprungen war. Die Studentin fand den Direktor nämlich durchaus, denn Lewis konnte sehen, wie die beiden aufeinander trafen. Damit galt es nur zu warten.
      Santiago war wieder zu ihm zurückgekehrt und stand jetzt still - lungerte aber nicht, so wie Lewis es tat, sondern hatte eine ganz eigene Haltung an sich. Lewis musste sich beherrschen, ihn nicht anzusehen. Der Anzug saß einfach fantastisch.
      "Du willst die aktuellen Forschungsprojekte sehen", flüsterte Santiago ihm zu. Lewis schaute in die andere Richtung und sah desinteressiert drein. "Wenn der Direktor fragt warum, antwortest du, dass du für Millionen Dollar für die Wissenschaften zur Verfügung hast. Dein Name ist Bettencourt. Vorname kann bleiben, die sind Franzosen. Du bist schon in dritter Generation stinkreich."
      Gut zu wissen. Er ließ den Namen gedanklich über die Zunge rollen; Bettencourt. Das würde er niemals authentisch ausgesprochen bekommen. Er wollte es Santiago gerade zuflüstern, da ging die Tür aber auf und der Direktor, den Lewis in seiner Magie schon gesehen hatte, kam heraus.
      "Geh auf ihn zu, schüttle ihm die Hand, stell dich vor und sag was du willst, bevor er auch nur ein Wort sagen kann."
      Also keine Zeit mehr für irgendwelche Aussprachen. Lewis war jetzt Louis Bettencourt und wollte sein vieles Geld loswerden. Außerdem war Lewis kein Magier und ganz bestimmt kein Junkie, nur ein stinkreicher Typ.
      Er lächelte, ohne die Zähne zu zeigen, und trat auf den Mann zu. Santiago hatte ihn seinerseits abgehalten näherzukommen - was mit seiner jetzigen Ausstrahlung ziemlich beeindruckend gewesen war - aber er hielt Lewis nicht davon ab, zu ihm zu gehen. Lewis streckte dem Mann die Hand entgegen und sagte schnell, als der andere Luft holte:
      "Bettencourt der Name. Sie haben bestimmt von meinem Vater gehört. Freut mich."
      Bettencourt hörte sich aus seinem Mund zwar nicht französisch an, aber zumindest ausländisch. Der Direktor kniff die Augen zusammen, ergriff aber seine Hand.
      "Ich heiße Sie freundlichst willkommen. Wie war noch gleich der Name?"
      Lewis ließ nach einem kräftigen Schütteln sofort wieder los und fuhr sich mit derselben Hand über die gegelten Haare. Mist, er war nicht sehr gut im Improvisieren. Er bekam das Schauspielern auch nur hin, weil er zu viel Fernsehen schaute und ihm durch das Kiffen alles egal wurde. Im Moment war es ihm aber herzlich wenig egal, was der Mann von ihm denken könnte. Sein Herz pochte unangenehm.
      Immer ans Skript halten.
      "Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit. Ich möchte Ihre Forschungsprojekte ansehen, woran Sie gerade so arbeiten."
      Die Empfangsdame warf Santiago einen nervösen Blick zu. Der Direktor zögerte.
      "Und was verschafft mir die Ehre, Herr..."
      "Dass Ihr Museum auf dem Weg lag und ich mir dachte, ich schaue persönlich vorbei. Sehe mir selbst an, wohin mein Geld so geht. Sie können sich nicht vorstellen, was es für ein Aufwand war, den da zu überzeugen."
      Er deutete auf Santiago und grinste vielsagend. Der Direktor sah auch zu Santiago und empfand es dann wohl als besser, sich weiter Lewis zu widmen.
      "Ich verstehe leider nicht, wovon Sie sprechen."
      "Ich denke, das tun Sie."
      "Entschuldigen Sie, wenn Sie mir vielleicht noch einmal Ihren Namen -"
      Lewis stieß ein lautes Seufzen aus, das nichtmal vorgetäuscht war.
      "Ich habe keine Zeit für sowas. Und eigentlich auch keine Lust. Können wir nun reingehen oder nicht?"
      Er drehte sich halb zu Santiago um.
      "Wie hieß nochmal der andere Laden, an dem wir vorbei sind? Das Museum..." Er ließ sein Handgelenk in einer ungeduldigen Geste kreisen. "irgendwas? Dann gehen wir eben dorthin. Wenn die hier keine drei Millionen für ihre Forschung brauchen können, werd ich die auch woanders los."
      Die Empfangsdame wurde weiß im Gesicht. Die Augen des Direktors wurden ein bisschen größer, bevor er sich wieder gefangen hatte und schnell sagte:
      "Moment. Vielleicht wäre es besser, wenn wir im Privaten weitersprechen. Das ist kein Ort für eine solche Unterhaltung. Wenn Sie mir bitte folgen würden, Herr Bettencourt und, äh."
      Hilflos sah er Santiago an. Lewis grinste gewinnbringen. Gott sei Dank.
      "Der kommt schon von selbst. Nur zu, gehen Sie."
      Da führte er sie durch die Staff-Tür direkt in das Herz des Museums und dort auch noch weiter bis zu seinem Büro. Lewis merkte sich die Türen, an denen sie vorbeiliefen, verlor aber schnell das Interesse, weil hier keine Forschungen betrieben wurden. Die fanden oben und im Keller statt. Der Direktor brachte sie aber zu keiner Treppe, sondern in ein kleines Büro, wo Lewis sich noch einmal aus dem Finger ziehen durfte, was er hier wollte und wie schwerreich sein Name war. Erst als das erledigt war, erklärte sich der Mann bereit, sie ein paar Forschern vorzustellen und bat sie, einen Moment in seinem Büro zu warten. Kaum war er gegangen, rutschte Lewis tiefer in seinen Stuhl hinein.
      "Man ist das furchtbar."
      Er kratzte sofort seine Arme, seinen Bauch, seinen Rücken.
      "Alles juckt. Die Hose ist mir viel zu eng. Was, wenn die noch mehr wissen wollen? Was mein Vater so macht? Mir gehen hier echt schnell die Ideen aus, man."
      Hilfesuchend sah er zu Santiago.
    • Santiago war stumm, wie es sich für einen ordentlichen Bodyguard gehörte. Der Direktor war ein bisschen widerspenstiger, als er erwartet hatte, aber Lewis schlug sich gut. Genervt genug war er auf jeden Fall für diese Rolle.
      Schlussendlich landeten sie im kleinen Büro des Museumsdirektors, wo Lewis alles wiederkäuen musste, was er eben schon gesagt hatte, aber dieses Mal schien es auf fruchtbaren Boden zu fallen. Santiago konnte die Nervosität des Direktors selbst ohne seine Magie spüren. Perfekt.
      "Man ist das furchtbar. Alles juckt. Die Hose ist mir viel zu eng. Was, wenn die noch mehr wissen wollen? Was mein Vater so macht? Mir gehen hier echt schnell die Ideen aus, man."
      Santiago legte eine Hand auf Lewis' Schulter, bevor der zu weit in seine eigene Nervosität abdriften konnte.
      "Atmen, callejero. Es ist alles perfekt gelaufen. Der Direktor geht jetzt seinen Leuten sagen, dass sie schnell aufräumen und dann beschäftigt aussehen sollen. Dann holt er uns hier ab und führt uns direkt zu ihnen. Lass den Direktor reden, ignoriere Fragen, die er dir stellt und stell eigene, wenn er sich zu sehr auf dich konzentriert. Was ist das? Wozu dient das? Wo kommt das her? Wie viel ist das Wert? Sowas eben. Der Mann ist auch mal Forscher gewesen, die hören sich alle selbst gern reden. Je weniger du sagst, desto besser. Und nein, er wird keine Fragen über deine Eltern stellen - er weiß, wer deine Eltern sind und was die so machen. Und selbst wenn: in solchen Kreisen ist es äußerst unhöflich, solche Fragen zu stellen."
      Er betrachtete Lewis aus dem Augenwinkel. Der Streuner war immer noch nervös. Santiago drückte seine Schulter leicht.
      "Die Bettencourts sind die Erben von L'Oreal. Deine Großmutter war bis vor ein paar Jahren die reichste Frau der Welt, danach war das deine Mutter bis vor ein paar Monaten. Deine Familie hat einfach mal 226 Millionen aus dem Ärmel geschüttelt, um Notre-Dame zu reparieren. Das ist die Liga, in der du dich gerade bewegst. Benimm dich einfach, als ob dir alles gehört - tut es nämlich auch."
      Santiago entfernte seine Hand und trat einen Schritt zurück als der Direktor zurückkehrte. Seine Maske war die völligen Desinteresses. Bodyguards wurden dafür bezahlt, alles zu bemerken, sich aber an nichts zu erinnern. Und Emotionen brauchten sie auch nicht.


    • Lewis fielen die Augen fast aus den Höhlen. Er setzte sich so schnell im Stuhl auf, dass er kippelte.
      "Man, du hast", setzte er an und warf einen schnellen Blick zur Tür, bevor er leiser weitersprach. "mir L'Oreal aufgehalst? Seh ich etwa aus, als könnte ich einer von denen sein? Dafür hätte ich mich sicher... schminken sollen oder sowas! Fuck und er hat auch noch nachgefragt, der kennt die doch sicher! Und die sprechen Bettencourt sicher auch nicht Bit-ton-kurr aus. Ich mach mich hier zum Vollidiot!"
      "Atmen, callejero. Es ist alles perfekt gelaufen."
      Lewis schnappte nach Luft, konnte aber wirklich nicht derselben Meinung sein. Fucking L'Oreal - schlimmer wäre es nur gewesen, ihn aus dem englischen Prinzenhaus kommen zu lassen. Weiter weg konnte er nun wirklich nicht sein.
      Jetzt raste sein Herz aber gewaltig. In Gedanken ging er bereits sämtliche Szenarien durch, in denen der Direktor ihn entlarvte. Der Mann stellte zwar keine sonderliche Gefahr dar - nicht mit Santiago an Lewis' Seite - aber das würde sehr peinlich werden. Und außerdem müssten sie sich dann einfallen lassen, auf welchem Weg sie den Forscher sonst erreichen wollten.
      "Benimm dich einfach, als ob dir alles gehört - tut es nämlich auch."
      Santiago hatte gut reden, der musste in seinem schicken Anzug nur daneben stehen und böse schauen. Das nächste Mal würde Lewis den Bodyguard übernehmen, aber sowas von.
      Die Tür ging wieder auf und er zwang sich willentlich, sitzen zu bleiben. Seine Stirn war feucht, aber er unterdrückte den Drang, sie mit dem Ärmel abzuwischen. Jetzt war es sowieso zu spät.
      "Können wir dann endlich gehen?"
      Er wandte sich dem Direktor zu, nur, dass das gar nicht der Direktor war. In der Tür stand ein Typ in Straßenklamotten.


      Lewis blinzelte ihn an. Der Mann war nicht gerade groß, kaum größer als er selbst, und wirkte nicht so, als gehöre er hier hin. Er sah sie beide an, kam dann herein und schloss die Tür hinter sich. Lewis bemerkte, dass seine Hand dabei zitterte.
      Lewis hielt an seiner Rolle weiter fest. Vielleicht war das ja einer der Wissenschaftler - er wusste doch nicht, wie so Leute aussahen.
      "Und Sie sind?"
      Der Mann sah sie wieder an und steckte die Hand in die Innentasche seiner Jacke.
      "Ha-Ha-Ha..."
      Sein Kopf zuckte wie bei einem Anfall. Lewis verstand nicht, bis ihm aufging, dass der Kerl Wörter herauszupressen versuchte.
      "... Hab ich euch."
      Dann zog er eine Pistole hervor und richtete sie auf sie beide.
    • Santiagos Instinkte übernahmen in dem Augenblick als er erkannte, dass da eben nicht der Direktor vor ihm stand.
      "Hab ich euch."
      Santiago machte sofort einen Schritt zur Seite, sodass er nun vollständig zwischen Lewis und der Bedrohung stand. Er hob abwehrend die Hände, um deeskalierend zu wirken. Leider waren seine Hände behandschuht, also konnte er das Ganze hier nicht einfach mit seiner Magie lösen. Und bewaffnet war Santiago auch nicht - als Bodyguard hätte er zwar gekonnt, aber Pistolen waren immer so unelegant. Dann eben die nächstbeste Option: old-school mit roher Gewalt.
      "Wir können das klären," sagte Santiago, seine Stimme schwer, seine Aussprache langsam.
      Er hatte nicht viel Platz, also musste er sichergehen, dass er das hier schnell und direkt löste. Er hatte nicht vor, hier irgendwelche diplomatischen Gespräche zu führen, aber die Illusion, dass das sein Plan war, war genau die Ablenkung, die er brauchte.
      "Ich bin mir sicher," fuhr er fort und machte einen langsamen Schritt auf die Bedrohung zu, "dass das hier nur ein-"
      Ein lauter Knall hallte durch das Büro. Santiago kannte diese Art von Knall. Kleinkalibrige Revolver machten einen solchen Knall, wenn man sie abfeuerte. Santiagos Ohren klingelten von dem Knall, aber das war dem Rest seines Körpers egal. Er stürzte nach vorn, packte die Waffe mit einer Hand, um die Mündung von seinem Gesicht wegzubewegen, mit der anderen packte er den Mann am Handgelenk. Er riss beide Hände herum und verdrehte dem Angreifer den Arm auf eine äußerst schmerzhafte Weise. Er drehte noch ein bisschen weiter und schon lag der Angreifer auf dem Boden und Santi hielt den Revolver in der Hand. Er mochte Pistolen zwar nicht, aber das hielt ihn nicht davon ab, diese jetzt auf den Angreifer zu richten.
      "Hinter mich, Lewis," orderte Santiago, die Augen nicht von seinem Ziel nehmend.
      Warum zitterte seine Hand? Scheiße! Santiago konnte es nicht spüren - noch nicht - aber seine Hand war klamm und sein Arm zitterte, was ihm sagte, dass er angeschossen worden war. Und dieses Mal war es kein einfacher Streifschuss. Verdammt! Er fühlte sich noch sicher auf den Beinen und seine Sicht war klar, also konnte er darauf vertrauen, dass die Kugel keine Arterie verletzt hatte. Viel mehr konnte er aber nicht sagen. Er hatte keine Ahnung, wo genau ihn die Kugel getroffen hatte - spontan würde er sagen Schulter oder Oberarm, aber er konnte den Rest seines Oberkörpers nicht ausschließen - und er wusste auch nicht, ob es ein glatter Durchschuss war, oder die Kugel noch in ihm drin steckte. Verdammter Bockmist!
      Waffe und Blick auch weiterhin auf den Angreifer gerichtet, schob er Lewis und sich selbst langsam in Richtung der Tür. Er konnte nur hoffen, dass dieser Kerl hier allein agierte und da draußen nicht noch mehr Leute auf sie warteten. Sie mussten hier weg und das schnell, bevor Santiago die Kraft und das Adrenalin verließen.


    • Lewis wusste nicht, was vor sich ging. Vom einen auf den anderen Moment sah er in den Lauf einer Knarre - ein sehr seltsames Déja vu, das er in letzter Zeit viel zu oft erlebt hatte.
      Er konnte nur gaffen. Wo er vor Überraschung gelähmt war, trat Santiago sofort in Aktion und stellte sich vor ihn, ganz der Bodyguard, der er sein sollte. Nur war er das nicht wirklich und Lewis hatte plötzlich ein ganz großes Problem damit, seinen Freund vor der Waffe zu sehen. Er sprang auf.
      "Wir können das klären", sagte Santiago langsam, dunkel. In seinem Rücken merkte Lewis, wie es unheimlich um Santiago herum wurde, aber wenn er seine Magie einsetzen wollte, musste er den Kerl schon berühren. Zwischen ihm und dem anderen lagen gute zwei Meter - nicht viel für einen gezielten Sprung, aber eine ganze Welt entfernt, wenn der andere eine Knarre hatte. Und die nahm er auch nicht runter, wenngleich Lewis sehen konnte, dass seine Hand zitterte. Stark sogar. Der Gedanke kam ihm auf, dass Santiago es doch schaffen könnte, wenn der andere verfehlte, aber Lewis wusste nicht, wie er dabei helfen sollte. Wie er helfen konnte. Wie festgefroren stand er halb hinter Santiago und hatte die Augen weit aufgerissen. Seine verdammte, verfluchte, scheiß Magie zeigte ihm aber nichts. Sie hätte sowieso nichts geholfen.
      "Ich bin mir sicher dass das hier nur ein-"
      Santi machte eine Bewegung und Lewis' Magie sprang an. Er sah es. Die Hand des Typen zuckte, eigentlich in die andere Richtung, doch die Kugel... Lewis verstand nicht. Nur log seine Magie nicht. Einen einzigen Herzschlag lang beobachtete er, was sie ihm vorhersagte, dann sprang er nach vorne.
      "Nein!"
      Der Schuss knallte durch die Luft, ohrenbetäubend laut. Lewis' Magie sprang erneut an. Er sah beide kämpfen, noch während er auf Santiago fiel und Santiago mit ihm fiel - oder auch nach vorne hechtete, ganz genau konnte Lewis das nicht bestimmen. Seine Realitäten überlappten sich. In der einen kämpfte Santiago mit dem Mann, in der anderen hatte er ihn entwaffnet. Lewis selbst hatte kein Gespür dafür, welche die richtige war; er fühlte den Stoff von Santiagos Anzug unter seinen Fingern, spürte seine Bewegungen. Santiago kämpfte, beide Männer grunzten, der Mann schlug nach ihm, Santiago fing seine Hand ab, Santiago verdrehte seinen Arm, Santiago hielt ihm zeitgleich die Pistole gegen den Kopf. Zwei Santiagos, zwei Kerle, alle vier in Bewegung. Geistesabwesend sah Lewis zur Tür, aber sie öffnete sich nicht, in keiner der Realitäten.
      Dann verschwand die eine Realität und die andere blieb übrig. Santiago hielt dem Mann die Pistole an den Kopf. Der bleierne Geruch von Blut hing in der Luft.
      "Hinter mich, Lewis", knurrte Santiago. Lewis gehorchte, der Mann gab einen Schmerzenslaut von sich. Er zitterte auf dem Boden, wo Santiago ihn hielt, zuckte immer mal wieder. Es sah aus, als hätte er einen Anfall, würden die klaren Augen nicht darüber hinwegtäuschen.
      "T-Tu es", fauchte er. "D-Drück a-a-ab. S-Sieh, ob die Kugel m-m-mich trifft."
      Lewis hielt das für eine merkwürdige Aussage für jemanden, der die Pistole an den Kopf gedrückt bekam, aber er musste wieder an seine Magie denken. Irgendwie glaubte er ihm die Andeutung.
      Sein Blick ging wieder zur Tür.
      "Santiago", drängte er. Der Schuss war bestimmt nicht ungehört geblieben und selbst wenn - irgendwann kam dieser Direktor zurück. Und Lewis war sich sicher, für heute keinen Louis Bettencourt spielen zu können.
      Santiago folgte dem Drang seiner Stimme. Er ging auf Abstand, schob sie beide auf die Tür zu. Der Typ blieb auf dem Boden liegen.
      "Ich w-würde da n-n-nicht rausgehen. Nicht b... bevor ihr es m-m-mir nicht g-gesagt habt."
      Seine Augen blitzten auf.
      "W-Wo A-Apollo sich aufhält."
    • "T-Tu es. D-Drück a-a-ab. S-Sieh, ob die Kugel m-m-mich trifft."
      Seltsame Aussage. War der Typ Magier? Was war seine Magie? Ob die Kugel ihn treffen würde..? Santiago hatte ihn berührt und war schneller als er gewesen, also war der Typ nicht extra schnell und auch nicht durchlässiger als andere Menschen - vorausgesetzt seine Reaktionszeit war in Ordnung, was Santiago irgendwie bezweifelte.
      Und noch dazu war er nicht in der Stimmung, irgendwelche Befehle von Fremden auszuführen, also konzentrierte er sich lieber weiterhin darauf, Lewis aus dem Büro zu kriegen.
      "Ich w-würde da n-n-nicht rausgehen. Nicht b... bevor ihr es m-m-mir nicht g-gesagt habt. W-Wo A-Apollo sich aufhält."
      Santiago stockte.
      "Apollo? Er hat dich nicht geschickt?"
      Verdammt, Santi, du hast keine Zeit, hier Smalltalk zu machen! Aber auf der anderen Seite war das hier vielleicht die Chance, mehr über Apollo rauszufinden. Scheiße!
      Eins nach dem anderen.
      Santiago schwang den Revolver auf und schüttelte die Kugeln aus der Trommel. Die Kugeln steckte er ein, den Revolver warf er in den Mülleimer - da waren sowie so keine seiner Fingerabdrücke drauf.
      "Wirf einen Blick nach draußen, ich muss wissen, ob die Luft rein ist," meinte er an Lewis gewandt.
      Dann packte er den Fremden am Kragen und zerrte ihn auf die Füße.
      "Zwei Optionen," zischte er und ließ dabei seine Magie ein bisschen die Muskeln spielen. Seine Augen wurden merklich dunkler, aber noch nicht ganz schwarz. "Du bist jetzt super brav und kommst einfach mit, oder verwandle dich in einen wimmernden Haufen Dreck und nehme dich mit. Deine Entscheidung, culo."
      Seine ganze rechte Seite stand in Flammen, dank der Schusswunde, aber sein dummes Nervensystem war überlastet, also konnte Santiago immer noch nicht sagen, wo genau er eigentlich getroffen worden war. Er musste sich beeilen!


    • "N-Natürlich hat A-Apollo m-mich n-n-nicht geschickt", fauchte der Typ, aber sein Stottern zerstörte irgendwie die böse Stimme. Lewis konnte sich keinen Reim daraus machen, wer er sein sollte oder was hier los war. Bis vor einer Sekunde war er noch fest davon ausgegangen, dass der Kerl einer von Apollos Leuten war - und Santiago auch, wie er von seinem Gesichtsausdruck schloss.
      Aber es gab wichtigere Dinge zu erledigen, als sich über den Mann Gedanken zu machen, und so riss Lewis die Tür auf, als Santiago es ihm sagte. Zwei Leute starrten ihn vom anderen Ende des Flures aus an, jeweils aus eigenen Büroräumen kommend. Lewis sah die Reaktion voraus, die sie auf seinen Anblick hatten, und warf die Tür wieder zu. Keine gute Aussicht.
      "Zwei Optionen", zischte Santiago dem Mann zu und zerrte ihn auf die Füße. Der Mann verzog unwillig das Gesicht, dann fiel sein Blick auf Santiagos Gesicht und blieb dort hängen. Lewis merkte an dem fernen Schauer in seinem Rücken, dass Santiago seine Magie wieder locker ließ und trat unruhig vom einen Bein aufs andere. Das hier war kein guter Zeitpunkt für irgendwas davon.
      "Du bist jetzt super brav und kommst einfach mit, oder verwandle dich in einen wimmernden Haufen Dreck und nehme dich mit. Deine Entscheidung, culo."
      Der Mann starrte ihn finster an. In seinem Kiefer arbeiteten die Muskeln und sein Kopf zuckte ganz leicht. Dann riss er sich plötzlich von Santiago los, blieb aber wo er war und ließ seinen Nacken knacken.
      "D-Das wirst du n-n-noch bereuen, burro."
      "In zwei Minuten kommen die Cops", fühlte Lewis sich genötigt zu sagen. "Lass uns endlich hier verschwinden, man."
      Lewis schlüpfte nach draußen und Santiago scheuchte den Mann hinterher, er ging aber von selbst und machte keine Dummheiten. Im Gang bemühte Lewis sich so gut wie möglich an seine Louis-Rolle zu halten, wäre aber am Liebsten einfach losgerannt. Die Blicke der Mitarbeiter versuchte er zu ignorieren, das Gerede konnte er aber nicht ausblenden. Und auch nicht, was seine Magie ihm zu zeigen hatte.
      Die Treppe kam näher und mit ihr die Gefahr, dem Direktor zu begegnen. Beim Empfang konnten sie nicht nach draußen gehen, da saß bestimmt noch die Empfangsdame. Wo dann? Sollten sie aus einem Fenster steigen? Auffälliger ging es ja wohl nicht.
      "Es gibt einen Ne-Ne-Ne-Ne..." Der Typ zuckte wieder. Gott, ging der Lewis langsam auf die Nerven.
      "Klappe halten."
      "... Nebeneingang."
      Lewis warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
      "Wirklich oder verarschst du uns?"
      "Wirklich", knurrte er. Lewis sah zu Santiago und begegnete seinem Blick. Dann nickte er.
      "Dann sag. Aber wenn du uns verarschst, dreh ich dir persönlich den Hals um."
      Er verarschte sie aber nicht und es gab wirklich einen Nebeneingang. Nach ein paar Räumen standen sie nämlich auf dem Betriebsparkplatz, direkt gegenüber des Gebäudes. Zu ihrem Auto waren es knapp 200 Meter.
      Lewis wandte sich Santiago ungeduldig zu.
      "Beeil dich."