Fortune's Calling [Pumi feat. Codren]

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    • Santi unterbrach seine Streicheleinheiten nur so lange, wie Lewis nach seinem Telefon suchte. Sobald es sich der Streuner auf ihm wieder richtig bequem gemacht hatte, setzte Santi seine Behandlung ungebremst fort. Er wickelte sich hier und da eine der wilden Strähnen um den Finger, zog leicht daran. Er mochte Lewis Haare viel zu sehr.
      "Kann ich Kleider von dir haben, wenn meine ausgehen?"
      Santi grinste.
      "Wenn ich Nein sage, bleibst du dann trotzdem und rennst nackt durch das Apartment?"
      Aber er nickte. Natürlich konnte sich Lewis seine Klamotten ausborgen - er sah viel zu gut darin aus, um ihm das zu verweigern. Es lag nicht daran, dass er sie besonders gut trug, oder einen Sinn für Stil hatte. Lewis hatte viel eher das Gegenteil. Er griff einfach nach irgendwas, was einigermaßen bequem aussah und warf es sich über. Nichts passte zusammen, alles war viel zu groß für ihn. Aber Lewis in seinen Klamotten zu sehen... das machte einfach was mit Santi.
      In einem spontanen Anfall von Frechheit, drückte Santi sein Gesicht in Lewis' wilde Haarmähne und küsste ihn auf den Scheitel. Die Hand, die er bislang über den Rücken des Streuners hatte kreisen lassen, schob er weiter nach unten, bis er Lewis' Hintern packen konnte. Er blieb mehr oder weniger brav dabei (er hatte kurz mit dem Gedanken gespielt, seine Hand unter Lewis' Hosenbund zu schieben), aber den kleinen Scherz konnte er sich nicht verkneifen.
      Als Lewis auflegte, nahm er ihm das Smartphone ab und warf es neben ihnen auf das Sofa.
      "Ärger im Paradies? Oder ist alles klar?" fragte er.


    • "Alles klar. Jay fürchtet nur um seine Karriere und ich wurde zu Überstunden verdonnert."
      Lewis war kein besonderer Fan von Dauereinsatz. Der Grund dafür lag auf der Hand: Er fühlte sich danach immer so schlapprig und zu nichts zu gebrauchen, wie mit einem besonders schlimmen Kater. Aber Jay hatte es ihm aufgetragen und Lewis wusste, dass sein Bruder genug Grips besaß, um ihn nicht leichtfertig zu sowas zu verdonnern.
      "Das heißt, ich muss mir die Tage eine Menge Nachrichten reinziehen. Normalerweise mach ich das in der Firma, aber ich hab auch hier genug Gras und jemanden, der auf mich aufpasst, richtig?"
      Er grinste ein wenig, ohne es näher zu spezifizieren, und rutschte auf Santiagos Schoß herum, bis er wieder rittlings saß. Die Hand von seinem Rücken war durch irgendeinen Zufall zu seinem Hintern gerutscht und von dort schien sie einfach nicht verschwinden zu wollen. Böse Hand.
      "Der sich um mich kümmert - der mir zum Beispiel gutes Essen kocht. Und mir die Joints dreht. Der dafür sorgt, dass es mir", er beugte sich ein wenig zu Santiago herab, schnurrte regelrecht, "rundum gut geht. Nicht wahr? Würde dir dazu vielleicht jemand einfallen?"
    • Santi schmunzelte.
      "Ja, ich glaube, ich kenn da wen. Ich weiß aber nicht, ob der Zeit hat. Ist ziemlich spontan alles, weißt du? Vielleicht kann man ihn ja aber davon überzeugen, dir ein bisschen auszuhelfen? Fällt dir da was ein?"
      Er konnte sich nicht vorstellen, dass es besonders angenehm war, sich den ganzen Tag die Nachrichten reinzuziehen und sich mit allen möglichen Optionen herumzuschlagen. Santi konnte nicht behaupten, dass er Lewis beneidete. Er wusste aber auch nicht, wie er dem Streuner helfen konnte. Auch wenn die DEA berühmterweise leicht zu kaufen waren, wenn man es richtig anstellte, er kannte da niemanden. Die normalen Cops würden bloß die Straßensperren stellen, wenn überhaupt. Verfolgungsjagd und Explosion... das könnte gegebenenfalls das FBI auf den Plan rufen - und die waren unkäuflich, wenn es um richtige Verbrechen ging. Lewis musste da also selbst durch. Und Santi würde dafür sorgen, dass er was in den Magen bekam und seine Kopfschmerzen ihn nicht zu sehr terrorisierten. Das bekam er gerade noch so hin.


      Evan hockte in einer Gasse irgendwo mitten in New York und betrachtete den ausgebrannten Reifen eines gewöhnlichen Kleintransporters von Ford. Die Marke des Autos war so generisch, damit konnten sie nichts anfangen. Evan war sich sicher, das Gleiche galt auch für die Reifen, sollten sie die überhaupt noch identifizieren können.
      Sein Partner schlug sich gerade mit dem NYPD für Straßensperren und Verkehrsumleitung herum. Und mit einem Repräsentanten von Homeland Security, die zuerst hier gewesen waren - den Job jetzt aber nicht haben wollten, weil es kein Terrorismus gewesen war. Evan konnte sich vorstellen wie unangenehm es war, sich mit den Sesselfurzern herumzuschlagen, und war seinem Partner ziemlich dankbar dafür, dass er tatsächlich Gebrauch von Evans Magie machte.
      Der Fall war eigentlich keiner, der bei ihnen auf den Schreibtischen hätte landen sollen. Das hier war Homeland Security oder DEA, vielleicht auch Organisiertes Verbrechen beim FBI, aber doch nicht White Collar. Aber niemand sonst hatte jemanden, der sich mit kinetischer Energie und deren Verteilung auskannte. Zumindest nicht so wie Evan und vor allem nicht so schnell. Da sich in seinem Bankfall nichts bewegte (außer ein Haufen Gold quer durch die Welt, was ein logistischer Alptraum war, wenn es um Behördenzusammenarbeit ging), und auch der seltsame Museumsfall von letzter Woche im Sand zu verlaufen schien, hatte man sofort Evan und seinen Partner losgeschickt, als ein Truck mitten in New York auf's Gaspedal gedrückt hatte, nur um dann in die Luft zu fliegen.
      Evan stand auf und ging zu der Gebäudeecke, die am meisten abbekommen hatte. Die sah aus wie Schweizer Käse. Evan warf seine Magie ein und konnte praktisch sehen, was passiert war. Sein Blick wanderte an der Fassade nach oben - die Integrität des Gebäudes war noch okay, der Schaden sah schlimmer aus als er war.
      Mit einem Kugelschreiber pulte Evan ein Fragment des Trucks aus der Wand in seine in Latex verpackte Hand. Blaues Porzellan, abgerundet. Er grinste. Noch ein Puzzleteil. Er packte es in den kleinen Plastikbeutel, den er mit sich herumtrug und in dem noch mehr solcher Teile herumlagen. Mittlerweile konnte er sagen, was er das bastelte: Eine ungefähr dreißig Zentimeter große Porzellanfigur der heiligen Mutter Maria.
      Seine Magie verriet ihm, wo noch mehr Teile von der exakt gleichen Statue lagen und mit ein bisschen Suchen fand er sie auch alle. Er markierte seinen Beutel ordentlich und händigte ihn der Spurensicherung aus mit der Notiz, vielleicht die Innenseite der Statue auf Drogen zu testen. Er hatte auf seiner Suche nach den Puzzleteilen der einen Statue noch Teile von dutzenden anderen gefunden. Sie waren winzig - die Explosion hatte ganze Arbeit geleistet. Hätten die nur die Spurensicherung geschickt, wäre das wahrscheinlich nie aufgefallen. Es fühlte sich gut an, endlich mal einen Schritt nach vorne in einem Fall machen zu können. Auch wenn ihm dieser hier wahrscheinlich in genau der Sekunde abgenommen wurde, in der man tatsächlich irgendwelche Drogen fand. Es war unwahrscheinlich, dass dieser Transporter tatsächlich nur mit Statuen einer Heiligen gefüllt gewesen war. Aber immerhin half er, immerhin bewegte er etwas in einem Fall. Das war so viel besser, als sich das Überwachungsvideo einer Bank zum hundertsten Mal ansehen zu müssen.


    • Lewis kicherte und legte die Arme um Santiagos Nacken.
      "Da fällt mir sicher was ein. Ich kann ziemlich überzeugend sein, hab ich mir sagen lassen. Ich hab", er grinste noch breiter, "handfeste Argumente. Heheh."
      Er beugte sich zu ihm hinab und küsste Santiago, küsste seinen Freund. Er spielte mit seinen Lippen, schmiegte sich an ihn und genoss seinen Körper. Ja, er hatte ein paar Argumente parat, die sehr überzeugend waren und daher konnte Santiago auch diesen gewissen Jemand auftreiben, der Lewis in den nächsten Stunden wirklich sehr gut gehen ließ.

      Am Tag darauf zog er sich bequem an, was im Klartext heißen sollte, dass er eine von Santiagos Boxer anzog, die mehr auf seiner Hüfte lag als richtig saß, und eins seiner kleiner ausgefallenen Hemden. Er verputzte seine Eier zum Frühstück und überlegte sich dann, wie er Santiago in seine Arbeit einweihen sollte - oder eher in die Risiken davon. Das hatte er bisher nämlich noch nie tun müssen; wenn er arbeitete, dann nur mit Jay und der hatte schon alle Katastrophen mit Lewis mitgemacht, der konnte wahrscheinlich durch ein falsches Augenzwinkern schon erkennen, dass etwas nicht richtig war. Aber Santiago wusste nur, wie Lewis' Magie funktionierte und welche Auswirkungen sie hatte, nicht wie er sie bezwingen musste. Und das kam Lewis in dem Moment, wo er es jetzt in Worte zu fassen versuchte, irgendwie intim vor. Er hatte das einfach noch nie mit jemand anderem getan und das Vertrauen, das er dabei in ihn steckte, war sehr verletzlich.
      Aber wer eignete sich schon besser dafür als Santiago?
      "Also, ich mach das so." Er saß an der Kücheninsel und drehte seinen ersten Joint des Tages. "Ich schaue in Schichten: Eine Stunde schauen, drei Stunden Pause, eine Stunde schauen und so weiter. Das haut nicht so rein wie auf der Straße und ist auch nicht so aufwendig wie in der Bank, deswegen halte ich immer ein bisschen länger durch. Äh, es kann passieren, dass ich... "
      Er rutschte auf dem Hocker ein wenig herum, weil es ihm mit einem Mal unangenehm war, es auszusprechen.
      "Also - ich hab's unter Kontrolle, ist alles cool, aber es kann sein, dass die Bäume ein bisschen, äh, groß werden? Ein bisschen sehr groß, das passiert schon manchmal und das ist gut für mich, weil ich davon viel ablesen kann, aber dann krieg ich manchmal sonst nichts... mit. Weißt du?"
      Er kniff die Augen zusammen beim Überlegen.
      "Mit Jay hab ich das anfangs so gemacht: Ich hab ausgesprochen, was ich gesehen hab, und solang er mich reden gehört hat, war auch alles in Ordnung. Wenn ich dann... sollte ich aufhören zu reden, dann musst du mich anhauen. Verprügel mich nicht, aber beweg meinen Körper, das reicht meistens. Jay meint, das... das sieht man, wenn die Bäume zu groß werden, aber ich kann dir nicht erklären, wie man das sehen sollte. Diese Variante ist eigentlich idiotensicher."
      Er lächelte ein wenig unsicher.
      "Sorry, ich hab das noch nie bei jemand anderem gemacht, das ist irgendwie neu für mich. Lass mich nur nicht verschwinden, ja?"
      Er spezifizierte nicht weiter, rutschte vom Hocker, kam um die Insel herum, küsste Santiago auf den Mund und auf die Wange und tigerte dann zur Couch weiter. Dort machte er es sich bequem, denn wenn er schon arbeiten musste, dann wenigstens mit bequemen Untersatz. Er steckte den Joint ein und schaltete den Fernseher an auf einem Channel, der den ganzen Tag nur Nachrichten brachte, aber mit ausreichend Videomaterial und Bildern. Das war es schließlich, hinter dem Lewis her war.
      Und dann begann er, sich seine eigenen Knoten zu erzählen, laut genug, damit man ihn auch hören konnte, leise genug, damit er seine Stimme mit einer Stunde Reden nicht strapazierte. Es war eine ganz simple Sache und nichts, was unnötig kompliziert wäre. Lewis war geübt darin und fand sich in seinen Bäumen mit einer Leichtigkeit zurecht, die keiner weiteren Aufmerksamkeit bedurfte. Er konnte filtern, was wichtig und unwichtig war und was er an Jay weiterleiten musste. Er hatte bereits ein Gespür dafür, welche scheins unbedeutenden Knoten später noch wichtig sein würden und tat sie deswegen nicht einfach so ab. Lewis arbeitete eben.
      So fand er heraus, als wieder das Thema des explodierten Trucks aufkam, dass die Polizei zwar noch keine Hinweise hatte, aber die Suche noch längst nicht aufgegeben hatte. Er fand heraus, dass man die Modelle sämtlicher Einzelteile, die den Schaden irgendwie überlebt hatten, zurückverfolgen würde und herauszufinden versuchte, ob es irgendwelche Spezialanfertigungen gewesen seien, die nicht auf dem gängigen Markt üblich waren. Er fand heraus, dass diese Suche in ein paar Tagen im Nichts endete, aber dass man ein Auge darauf halten würde.
      Er fand heraus, dass die DEA eingeschaltet werden würde, weil man Reste von Koks aufspüren würde. Das konnte man nicht verhindern und es lag wohl am Hersteller, seine Drogen so clean herzustellen, dass sie kein Markenzeichen von ihm hinterließen - auch nichts, was Lewis ändern konnte. Aber er konnte Jay darüber informieren, dass man die Statuen zu ihrem Hersteller zurückverfolgen würde und da lag es an Jay, dass er den Handel sauber abgewickelt hatte. Weil sie es aber schon im Voraus erfuhren, konnte Lewis, wenn nötig, persönlich vor Ort hinfahren und die Ermittlung der Polizei beobachten, um ihre Resultate zu sehen, bevor sie die selbst hatten. In jedem Fall würden sie die nächsten Tage noch nicht ins Visier geraten und das gab ihnen genug Puffer, um unauffällig Spuren zu verwischen.
      Dabei konnte man tatsächlich sehen, wenn Lewis' Bäume groß wurden. Wenn er seine Bäume betrachtete, dann hatte er stets riesige, geweitete Augen und zuckende Pupillen, die niemals stillstanden und zu jeder erdenklichen Ecke der Wohnung zu huschen schienen. Er saß auch nie ganz still; meistens schaukelte er mit dem Bein - manchmal auch mit beiden -, rutschte auf dem Platz herum und knetete seine Lippe oder knabberte an seinen Fingern herum. Nicht selten knackte er mit den Fingerknöcheln oder tippte auf seinem Bein in einem unregelmäßigen Rhythmus. Doch wenn seine Bäume groß und immer größer wurden, da traten sporadische Pausen in seinen Allüren auf: Dann erstarrte sein Bein plötzlich mitten in der Bewegung und setzte sich nur sehr langsam wieder in Bewegung, dann hing seine Hand in der Luft, als hätte er vergessen, dass sie Teil seines Körpers war. Und wenn sie zu groß wurden, wenn das eintrat, was Lewis zu umgehen versuchte, dann war er stets ganz erstarrt, dann schien sich sein Körper von seinem Unterbewusstsein abzukoppeln und er starrte nur noch, die Augen weit aufgerissen und die Pupillen nur noch leicht zuckend, als würde er sie zu fokussieren versuchen. Wenn Lewis zu reden aufhörte, dann schien sein ganzer Körper bereits in der Zeit erstarrt.
    • Santi lag lange in seinem Bett und starrte an die Decke. Lewis hatte sich schon vor einer halben Ewigkeit an ihn gekuschelt und schnarchte jetzt leise vor sich hin. Die ganze Aufregung des Tages und der doch nicht unerhebliche Blutverlust, den Santi erlitten hatte, trugen zu seiner Müdigkeit bei. Weswegen er überhaupt noch im Bett lag. Er debattierte mit sich selbst, ob er den Alptraum einfach hinter sich bringen sollte, oder ob er das erst nächste Nacht tun sollte. Er war wirklich müde... Aber Lewis brauchte den Schlaf mehr, wenn er verstanden hatte, was der Streuner morgen würde anstellen müssen.
      Nachdem Santi zu seinem Entschluss gefunden hatte, stand er vorsichtig auf. Liegen bleiben war keine Option, er würde nur einschlafen. Stattdessen fand er seinen Weg in die Küche, wo er anfing, Essen für den nächsten Tag vorzubereiten. Kochen entspannte ihn auf eine Weise, die nur wenige andere Dinge im Leben taten. Santi machte einen Thunfischsalat, karamellisierte ein paar Äpfel, die er dann in den Joghurt warf, und zerteilte ein paar Hähnchenbrüste, die er dann in eine gut gewürzte Marinade warf. Er räumte brav hinter sich auf, dann machte er sich einen Proteinshake anstelle eines Kaffees (einerseits, weil seine teure Kaffeemaschine die Bohnen frisch mahlte und entsprechend laut war; andererseits weil selbst ihm irgendwann der Kaffee wieder zu den Ohren herauskam und eine ordentliche Dosis Protein ihn genauso wachhalten konnte). Er nahm Inventar von seiner Küche, um den nächsten Einkauf zu planen. Er sah sich im Internet nach Motorrädern um. Schließlich schrieb er seiner Mutter, dass er einen schlechten Tag auf der Arbeit gehabt hatte, es ihm aber gut ginge. Er hasste es, sie anlügen zu müssen, aber es war zu ihrem eigenen Wohl, als er ihr außerdem schrieb, dass er ein paar Tage die Stadt verlassen würde, um seinen Kopf zu klären, und deswegen das Essen am Ende der Woche absagen musste. Sie würde wollen, dass er morgen vorbeikam, das wusste er. Aber er hatte andere Verpflichtungen.
      Sein Blick glitt zurück zu Lewis, der es irgendwie schaffte, mit seinem dürren Körper das ganze Bett einzunehmen. Er schmunzelte. Er wusste nicht einmal, warum genau. Aber er mochte den Anblick des Streuners in seinem Bett. Er gehörte da irgendwie hin. Es passte einfach. Dass Santi jemals so über jemanden denken könnte, überraschte ihn. Aber auf eine gute Weise.

      Er weckte Lewis am nächsten Morgen nicht. Er wartete einfach, bis sich der Streuner regte. Mittlerweile konnte Santi genau sagen, wann er aufwachte, denn Lewis gehörte zu der Sorte Mensch, bei der sich das Hirn erst später einschaltete. Sobald sich der Streuner zu bewegen begann wusste Santi, dass er sich in einer viertel Stunde darüber beschweren würde, aufgewacht zu sein.
      Santi hatte sich irgendwann zu Lewis ins Bett gesetzt, bewaffnet mit einem neuen Buch. Der Streuner hatte sich beinahe sofort an seinen Oberschenkel geschmiegt. In dem Moment, in dem Lewis sich murrend wegrollte, wusste Santi, dass er gleich aufwachen würde. Daher stand er auf und begann, Frühstück zu machen. Ziemlich genau fünfzehn Minuten später hing Lewis müde über der Kücheninsel und Santi schob ihm einen Teller mit Eiern und Toast zu, dazu einen Kaffee - sich selbst hatte er auch einen gemacht.
      Er lauschte Lewis Erzählung und glich die Informationen mit dem ab, was er schon erlebt hatte. Für ihn machte das alles Sinn. Zumindest genug, um seine Aufgabe zu verstehen.
      "Keine Sorge. Ich hab deinen Arsch nicht durch ganz New York gefahren, um dich jetzt wegen NBC News zu verlieren," gab er schlicht zurück.
      Er legte Lewis locker einen Arm um die Hüfte, als dieser ihn küsste, dann ließ er ihn ziehen. Er musterte den Streuner einen langen Augenblick. Doch als Lewis anfing, vor sich hin zu murmeln, da wusste Santi, dass er nicht gebraucht wurde. Zumindest für den Moment nicht. Er beschäftigte sich damit, die Küche aufzuräumen und seiner Mutter zu antworten. Aus einer Textnachricht wurden zwei, wurden fünf, sie rief an.
      Santi sah zu Lewis rüber, der sich friedlich die Nachrichten ansah. Dann schnappte er sich seinen Kaffee und ging nach draußen auf die Dachterrasse. Seine professionelle Paranoia wusste, wie sicher dieses Apartment war, weswegen es ihn nur wenig juckte, dass er draußen im Freien war.
      Er ließ sich auf eines der Sofas sinken und nahm den Anruf entgegen. Von seiner Position aus hatte er Lewis genau im Blick, sollte der seine Hilfe brauchen.
      "Santi! ¿Que esta pasando?"
      "Hola mamá, me alegra saber de ti también. Du weißt, ich darf nicht drüber reden."
      "Claro que sí. Aber wem soll ich es denn schon erzählen, hm?"
      "Mamá..."
      Sie schnaubte. Santi wusste, dass sie nicht wütend war. Sie hatten diese Diskussion schon hundertmal geführt. Sie glaubte, Santi arbeite als Sicherheitsmann für wichtige Firmen, die ihre Firmengeheimnisse sehr ernst nahmen. Er hatte nie gefragt, aber er war sich ziemlich sicher, dass seine Eltern der Meinung waren, dass er für eine Technikfirma arbeitete. Sein Vater hatte mal auf Lebensmittel getippt, aber den Floh hatte seine Mutter ihm wieder ausgetrieben, warum auch immer.
      "Geht es dir wirklich gut, mi hijo?"
      "Ja. Ich bin nur müde, das ist alles."
      "Komm doch heute Abend zum Essen vorbei. Dann können wir ein bisschen reden."
      Santi seufzte.
      "Ich hab letzte Nacht nicht geschlafen, mamá. Ich will heute Nacht nicht fahren," erklärte er.
      "Dann fahr morgen früh und bleib heute Nacht bei uns."
      "Ich kann nicht, mamá."
      "¿Por qué no? Magst du mein Essen etwa nicht?"
      Er lachte leise. Sein Blick glitt zurück zu Lewis. Sie waren jetzt mehr oder weniger offiziell, oder? Und er hatte seiner Mutter schon gebeichtet, dass es da diesen Kerl gab...
      "Ich habe Besuch," gab er schließlich zu.
      "¡Oh! ¿Es ese joven apuesto del que hablabas?"
      "Sí."
      "Bring ihn doch einfach mit."
      "Mamá!"
      "Ich will doch nur sehen, wer da das Herz meines Jungen erobert!"
      Santi schüttelte lachend den Kopf.
      "Wir wissen noch gar nicht, was das eigentlich ist mit uns."
      "Geht er mit?"
      "Sí. Ich hab ihn eingeladen."
      "Hmm. Na gut. Dann hab einen schönen Urlaub, ja? Eingeladen seid ihr beiden trotzdem. Ich will ihn kennenlernen! Und dein papito auch."
      "Ich würd ihn gern mitbringen. Wenn das zwischen uns klarer ist, dann mach ich das vielleicht."
      "Dann machst du das auf jeden Fall, Santiago." Ihre Stimme ließ keine Widerrede zu. Dass sie seinen vollen Namen benutzte, machte das nur noch klarer.
      "Ja, mamá."
      Er sah aus dem Augenwinkel, wie Lewis einzufrieren schien. Das war einer dieser Momente, wie Santiago wusste. Lewis wurde von seiner Magie übermannt.
      "Mamá, ich muss los. Te amo."
      Er legte auf, ohne die Antwort seiner Mutter zu hören, und sprintete nach drinnen. Er ging vor Lewis in die Hocke, legte seine Hände an die Knie des Streuners.
      "Lewis? Lewis. Hey!"
      Er rüttelte ihn am Knie, aber das schien nicht viel zu bringen. "Sollte ich aufhören zu reden, dann musst du mich anhauen." Das war ein sehr dehnbarer Begriff für jemanden wie Santi. Er entschied sich für eine andere Taktik.
      Santi stand auf und blockierte Lewis' Blick auf den Fernseher. Er legte ihm zwei Finger unters Kinn und hob seinen Kopf an, sodass er ihn leichter küssen konnte, als er sich nun über ihn beugte. Der Kuss war sanft, der Biss in Lewis' Unterlippe war es weniger.
      "Klopf, klopf," grinste Santi in den Kuss hinein.


    • Lewis' Körper zuckte ganz knapp, als hätte er einen Stromschlag abbekommen, dann setzten seine Augen ihren wirren Gang wieder fort, nur dass sie diesmal immer wieder zu Santiagos Gesicht zurücksprangen, das direkt vor ihm lag. Es brauchte einen Moment, dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus und er erwiderte den Kuss, während er einen Arm um Santiagos Nacken schlang.
      "Mhhh."
      Ihre Lippen lösten sich mit einem Schmatzen.
      "Nochmal. 'S ist noch nicht vorbei, mach nochmal."
      Er fühlte Santiago an seinen Lippen lächeln, dann biss er ihn noch einmal in die Unterlippe. Der Schmerz war interessant genug, dass er Lewis' Körper geradewegs wieder in die Realität zurück beförderte. Nicht, dass er das gebraucht hätte; er ließ sich einfach gerne von Santiago beißen, wie er herausfand.
      Ein paar Sekunden später lösten sie sich und Lewis rieb sich die Augen. Seine Bäume waren fast allumfassend und er versuchte ständig, sich auf das zu konzentrieren, was dahinter lag. Die eigentliche Welt.
      "Man, ich hasse das. Das dauert sicher zehn Minuten, bis das wieder weg ist."
      Er schaltete den Fernseher aus, angelte sich den Joint und folgte Santiago dann hinaus auf die Dachterasse, weil er es sich dort wohl bequem gemacht hatte. Er war ein bisschen wackelig auf den Füßen, weil er noch immer reflexartig in seinen Bäumen herum suchte und nicht auf den Weg vor sich achtete, aber hinsetzen konnte er sich auch nicht, dafür hielt er nicht mehr still genug. Stattdessen lehnte er sich ans Geländer und knöpfte sich das Hemd auf, damit die Brise hier oben ihn treffen konnte. Jay bekam eine knappe Zusammenfassung dessen geschrieben, was für ihn wichtig war, dann kiffte Lewis. Er konnte Santiago noch nicht direkt ansehen, ohne dass sein Blick wieder abglitt, aber er sah schon dessen roten Haarschopf ziemlich deutlich hervorstechen. Auf sowas konnte er sich gut konzentrieren.
      "Was machst du, wenn du nichts zu tun hast, so wie heute? Passiert das überhaupt jemals?"
    • Santiago beschloss, dass er es nicht mochte, Lewis so zu sehen. So weggetreten, so entfernt von der Realität. So unfähig, seinen Weg allein zurückzufinden. Der Preis seiner Magie war genauso hoch wie der von Santi, nur eben anders. Magier hatten's gut... von wegen.
      Was Santi allerdings sehr mochte, war es, Lewis zu küssen. Er grinste, vertiefte ihren Kuss, dann biss er Lewis nochmal, genauso wie der es wollte. Wie konnte er dem Streuner auch einen Wunsch abschlagen, wenn dieser Wunsch so heiß war?
      Während Lewis sich sammelte und den Fernseher ausschaltete, eilte Santi in die Küche und schnappte sich zwei Gabeln und den Thunfischsalat, den er in der Nacht gemacht hatte. Dann folgte er Lewis nach draußen. Der Streuner war ganz schön wackelig auf den Füßen, aber er schien es im Griff zu haben. Im Gegensatz zu Lewis ließ sich Santi auf das Sofa zurücksinken.
      "Das passiert sogar ziemlich oft," antwortete er und öffnete die Schüssel.
      Als ihn der Geruch seiner Kreation erwischte, bemerkte Santiago, wie hungrig er eigentlich war. Er schob sich eine große Gabel voll in den Mund.
      "Ich schlafe nicht besonders viel, falls du dich erinnerst. Ich hab also generell mehr Zeit als andere zum Totschlagen. Und das hier ist auch nicht das erste Mal, dass ich unterm Radar bleiben und die Füße stillhalten muss."
      Er streckte den Arm nach Lewis aus, die unbenutzte Gabel in der Hand. Lewis musste etwas essen und er gab ihm die Option. Aber er würde den Streuner auch dazu zwingen, sollte er sich weigern. Er musste es nicht mögen, er brauchte nur was im Magen.
      "Wenn ich zu viel Zeit zur Verfügung habe, dann kümmere ich mich um meine Admin-Sachen, ich trainiere, ich koche."
      Er zuckte mit den Schultern - und wurde prompt daran erinnert, dass er gestern angeschossen worden war. Mit einem angestrengten Lächeln schüttelte er den Kopf über seine eigene Dummheit.
      "Vielleicht lass ich das mit dem Training ein paar Tage aus. Zumindest bis ich die Naht lösen kann. Wo wir's gerade davon haben: kannst du mir damit nachher wieder helfen? Ich krieg's auch allein hin, aber wenn ich dich schon da hab. Und jetzt setz dich endlich auf deinen hübschen Hintern und iss was, callejero!"


    • Schnell erfüllte Thunfischgeruch die Terrasse und Lewis merkte, wie ihm dabei wie auf Kommando das Wasser im Mund zusammenlief. Bisher waren Santiagos Kreationen ausnahmslos lecker gewesen und Lewis musste schon gar nicht mehr daran denken, dass sie hierher kein Essen bestellen konnten, wenn er sowas zu riechen bekam.
      Und natürlich, so wie immer, hatte Santiago genug für beide gemacht. Er fragte nicht einmal nach, er fütterte Lewis einfach durch und gut war's. Sie führten fast schon ein häusliches Leben miteinander.
      "Ich schlafe nicht besonders viel, falls du dich erinnerst. Ich hab also generell mehr Zeit als andere zum Totschlagen. Und das hier ist auch nicht das erste Mal, dass ich unterm Radar bleiben und die Füße stillhalten muss."
      "Wie praktisch, dass man da eine so sichere Wohnung hat", grinste Lewis und ließ den Rauch um seinen Kopf wabern. Wie oft musste der Mann eigentlich die Füße stillhalten? War das irgendwie eine wöchentliche Sache bei ihm?
      Da streckte Santiago ihm die zweite Gabel entgegen. Lewis kam, beugte sich zu ihm hinab, stützte sich auf seinen Knien ab und sperrte wortlos den Mund auf. Santiago verstand und schob ihm wirklich eine volle Gabel in den Mund. Lewis' Grinsen hätte nicht größer sein können, als er sich wieder aufrichtete und zurück zum Geländer zog.
      "Wenn ich zu viel Zeit zur Verfügung habe, dann kümmere ich mich um meine Admin-Sachen, ich trainiere, ich koche."
      "Oh ja, das merkt man. Besonders die Kochen-Sache. Man, das ist echt gut", gab er mit vollem Mund zurück. Es war wirklich gut. Santiago konnte zaubern und das nicht nur auf eine Weise.
      "Vielleicht lass ich das mit dem Training ein paar Tage aus. Zumindest bis ich die Naht lösen kann. Wo wir's gerade davon haben: kannst du mir damit nachher wieder helfen? Ich krieg's auch allein hin, aber wenn ich dich schon da hab."
      "Klar. Für dich doch alles, Santi-Baby."
      Wieder ein Grinsen.
      "Und jetzt setz dich endlich auf deinen hübschen Hintern und iss was, callejero!"
      "Zwing mich doch, Muskelpaket. Versuch's wenigstens; ich werde meilenweit vorhersehen, was du anstellen solltest."
    • Santi grinste.
      "Ach wirst du das?"
      Er wusste, dass er Lewis nicht einfach packen und zu ihm auf das Sofa zerren konnte. Naja, wahrscheinlich könnte er das schon, auch wenn Lewis es voraussah. Aber Santi wusste auch, dass nicht alle Probleme mit Gewalt zu lösen waren. Manchmal musste man sein Hirn ein bisschen anstrengen und taktisch denken.
      Also lehnte er sich zurück, legte einen Arm auf die Lehne, streckte die Beine aus und überkreuzte die Knöchel. Er begegnete Lewis' Blick, nahm die Herausforderung an. Er lächelte.
      Dann traf Santi die Entscheidung, Lewis Über die Armlehne des Sofas zu beugen, wenn er etwas aß. Er traf die Entscheidung, ihn mit nichts weiter als seiner Zunge in den Wahnsinn zu treiben, wenn Lewis mehr als drei Happen nahm. Er traf die Entscheidung, seine Hand auch noch zu benutzen, wenn Lewis ein Glas Wasser dazu trank. Er traf die Entscheidung, Lewis nicht sofort zu geben, was er wollte, wenn er auf ihn zukam und dabei mit dem linken Fuß den ersten Schritt setzte. Er entschied sich dazu, drei Finger zu benutzen, wenn er den rechten Fuß zuerst benutzte.
      Santiago traf Entscheidung um Entscheidung, ließ seinen Gedanken freien Lauf. Er plante bestimmt vier verschiedene Wege, Lewis den Verstand rauszuvögeln, alle basierend darauf, dass der Streuner sich zu ihm setzte und etwas aß. Es gab genug kleine Details, die Santi ändern konnte, um eine weitere Entscheidung seinerseits zu provozieren - und er traf sie alle. Er legte jeden einzelnen seiner Pläne offen vor Lewis und dessen Magie aus, ohne auch nur einen einzigen Muskel zu bewegen.
      "Du solltest wissen, dass ich zu meinem Wort stehe," meinte er schlicht, seine Stimme entspannt.
      Dass er sich gerade einige nicht-jugendfreie Fantasien zurechtgelegt hatte, merkte man ihm gar nicht an.
      "Soll ich weitermachen?"


    • Santiago lehnte sich mit einem Lächeln zurück, die Beine überkreuzt, die Arme auf die Lehne hinter sich gelegt. Er wirkte verdammt selbstzufrieden, so wie er Lewis betrachtete.
      Aber Lewis war selbst auch verdammt selbstzufrieden, denn er schätzte seine Chancen wirklich gut ein. Er schätzte sie vielleicht auch zu gut ein, aber er kannte Santiago eben und wenngleich er kräftemäßig niemals mithalten konnte, würde er doch genau wissen, wohin er sich bewegen müsste, wie schnell er sein müsste, wo er auszuweichen hatte, und dieses Wissen war unersetzlich. Es hatte ihm schon oft genug den Hintern gerettet und das würde es jetzt auch tun, keine Frage.
      Aber als sich der erste Knoten vor ihm auftat, war es nichts dergleichen, nichtmal ansatzweise. Santiago stand nicht auf, Santiago blieb einfach dort sitzen und Lewis sah eine Abwandlung von sich selbst auf ihn zukommen. Er sah sich selbst vier Happen nehmen und wie Santiago ihn wie das Fliegengewicht, das er nunmal für ihn war, über die Armlehne warf. Er sah, wie der Mann ihm die locker sitzende Boxer runterriss, seine Pobacken spreizte und seine Zunge zum Einsatz brachte.
      Sein Schwanz zuckte interessiert. Lewis grinste und nahm einen weiteren tiefen Zug. Wenn Santiago es so machen wollte, bitte. Was, wenn Lewis gar nicht erst zu ihm kam?
      Durch seine Magie konnte er den Baum, der ihn selbst betraf, auch selbst steuern. Lewis nahm sich einfach vor, einen anderen Weg zu nehmen und schlagartig veränderten sich die Knoten.
      Aber was er bis dahin gar nicht begriffen hatte und weswegen Santiago auch immernoch so still saß, dämmerte ihm erst so langsam, als er bereits drei Varianten davon gesehen hatte, wie Santiago ihn auf diverse Arten dafür belohnte, dass er zu ihm kam und etwas aß. Er sah, wie Santiago ihn auf der Couch nahm, auf dem Sessel, der hier draußen stand, selbst beim Geländer. Von hinten, von vorne, im Stehen, im Liegen, im Sitzen. Und er bemerkte, dass selbst eine winzige Veränderung, wie mit welchem Fuß er nach vorne schritt, alle Knoten abändern konnte.
      Da begriff er erst, was Santiago hier wirklich tat und... fuck, wie abgefuckt scharf das war. Lewis hatte sowas noch nie erlebt, noch nie hatte jemand auf eine solche Weise seine Magie beeinflusst - ganz, ohne etwas dabei zu tun. Santiago nutzte Lewis' eigenen Vorteil gegen ihn.
      "Oh, fuck..."
      Das turnte ihn mehr an, als es eigentlich sollte. Lewis vergaß sogar, seinen Joint zu rauchen, während er am Geländer stand und seine Augen über die Knoten sprangen, wie er sich einen verdammten Film von sich selbst ansah, wie Santiago ihm auf verschiedenste Weise ans Essen heran brachte. Dabei war ihm vollständig bewusst, dass er sich den ein oder anderen Knoten vielleicht noch einmal ansah, einfach nur, weil Santiago sich immernoch nicht rührte und ganz gelassen darauf wartete, dass Lewis sein eigenes Schicksal wählte, und er es nochmal sehen wollte. Fuck, das war wirklich unverschämt scharf. Und egal, in welche Richtung Lewis weiterzudenken versuchte, es lief alles nur darauf hinaus, dass dieser Mann ihm in gänzlicher Hinsicht den Verstand raubte.
      Lewis ließ so einige Zeit verstreichen, bis er sich wieder an den Joint erinnerte und ihn zurück zwischen die Lippen nahm. Santiago saß unverändert auf seinem Platz, dieses zufriedene Lächeln im Gesicht, ganz unverändert, so als hätte er Lewis nicht soeben mit seiner eigenen Magie überlistet. Lewis präsentierte dafür ein recht prominentes Zelt mit der zu großen Boxershorts. Er war voll darauf hereingefallen und musste wohl entsprechend damit büßen.
      Er kiffte zu Ende, und das schneller als gewöhnlich, und schnickte den Stummel übers Geländer.
      "Wenn ich's mir so überlege, bin ich doch echt am verhungern."
      Er setzte sich in Bewegung, langsam, pirschend. Es fühlte sich so an, als würde er sich geradewegs in die ihm gestellte Falle begeben, und das auch noch freiwillig. Aber gleichzeitig wusste er, dass Santiago ihn nur soweit verschlingen würde, wie er es selbst zuließ.
      Lewis trat mit dem linken Fuß zuerst auf. Er hatte seinen Pfad sehr sorgfältig ausgewählt.
      Er kam zu Santiago gepirscht, den Blick auf sein Gesicht geheftet, dann setzte er sich. Santiago rührte sich nicht, sie brachen aber auch nicht den Blickkontakt, als Lewis seine Gabel ergriff. Allerdings hatte er sich in diesem Spiel noch lange nicht geschlagen gegeben; es war immernoch Lewis, der all die Kleinheiten voraussehen konnte. Und als solche tauchte er die Gabel auch nur ein bisschen in den Thunfischsalat, führte sie zu den Lippen, streckte die Zunge raus und leckte sie mit geübten Bewegungen ab, anstatt sie sich in den Mund zu stecken, sehr sauber und vollständig. Er sah, wie Santiagos Blick herunter zu seinen Lippen sprang und das gab ihm zumindest ein kleines Triumphgefühl über den anderen. Ein merklich kleines bei dem Pfad, den er gewählt hatte.
    • Santi verfolgte jeden einzelnen Schritt, den Lewis machte, als er ihn endlich dazu brachte, zu ihm zu kommen. Er merkte sich brav jedes der Details, die er eben gegen den Streuner verwendet hatte, um auch ja alle richtig zu machen. Lewis aß etwas, er hatte den linken Fuß zuerst bewegt. Soweit so gut.
      Lewis setzte sich neben ihn und Santi wandte sich ihm ein bisschen zu, einfach nur weil er ihn eben gern ansah. Eine gute Entscheidung, wie sich sogleich herausstellte. Lewis konnte es nicht lassen, ihm eine Show zu geben. Santis Lächeln wurde breiter, der Raum in seiner Jogginghose enger. Er wusste ja mittlerweile, was der Streuner so mit seiner teuflischen Zunge anstellen konnte. So leicht würde sich Santi aber nicht geschlagen geben.
      "Einhalb," ließ Santi verlauten und nahm Lewis die Gabel ab, um sie ordentlich zu füllen. "Ich zähle die halben Portionen nicht. Wenn du also wirklich was haben willst, dann musst du auch ordentlich was essen."
      Lächelnd hielt er Lewis den Happen hin.
      "Zeig mir für welche Variante du dich entschieden hast, wenn du sie auch bekommen willst. Du weißt, was du kriegst und du weißt, was du dafür tun musst. Willst du was trinken?"


    • "Einhalb. Ich zähle die halben Portionen nicht. Wenn du also wirklich was haben willst, dann musst du auch ordentlich was essen."
      Lewis verzog quengelnd das Gesicht. Er hatte zwar nichts gegen essen einzuwenden, aber mit jeder verstreichenden Sekunde schwand seine Geduld nur so dahin und er wollte jetzt schon nicht mehr länger warten.
      Aber das hatte er sich selbst so eingebrockt, das wusste er ganz genau. Er hätte ja auch einfach anders wählen können. Manchmal traf er schon hirnrissige Entscheidungen.
      Er schnappte sich die Gabel und stopfte sie sich rein, schnell diesmal, damit er es hinter sich bringen konnte.
      "Zeig mir für welche Variante du dich entschieden hast, wenn du sie auch bekommen willst. Du weißt, was du kriegst und du weißt, was du dafür tun musst. Willst du was trinken?"
      "Hab' keinen Durst."
      Lewis hatte sich für die harte Variante entschieden - Lewis entschied sich immer für die harte Variante.
      Ohne weitere Spielchen schlang er drei weitere Gabeln herunter und nahm dann auch noch einen fünften Happen. Salatsoße blieb ihm an den Lippen hängen und er leckte sie sich mit der Zungenspitze ab.
      "Küss mich zuerst. Ich will vorher einen Kuss haben."
      Das war so eine Sache, die Lewis erst bei Santiago entdeckt hatte: Er mochte es zu küssen und er mochte es, vor dem Sex geküsst zu werden. Das war etwas anderes als unzeremoniell die Kleider abzuwerfen und direkt zur Sache zu springen. Das war etwas, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er es vermisst hatte, bevor er Santiago kennengelernt hatte.
      Er kletterte über die kräftigen Beine hinweg und küsste den Mann, ungeduldig aber sorgfältig. Lange hielt sein Kuss sowieso nicht an, dann brach er ihn schon und kletterte über Santiago hinweg, um sich mit dem Oberkörper voran über die Armlehne zu beugen, weit und ausgiebig. Es war ihm egal, ob irgendjemand diese Terrasse einsehen konnte; diesen Punkt hatte er schon längst überschritten. Er wollte nur noch Santiago haben.
      Er bog sich so weit nach unten, wie er es nur schaffte und bis nur noch sein Hintern aufragte. Dann wackelte er provokant damit herum.
      "Nimm mich."
    • Er lachte. Lewis sprang durch sämtliche, von ihm selbst gewählten, Ringe als hinge sein Leben davon ab. Santi konnte nicht sagen, dass er keinen Spaß dabei hatte, ihn so zu sehen. So willig für die bloße Idee von dem, was Santi ihm geben könnte. Ihm geben würde.
      Santi notierte sich im Geiste, dass Lewis nichts trinken wollte. Er notierte sich die Tatsache, dass Lewis fünf volle Gabeln von dem Salat gegessen hatte. Sowohl das, als auch die damit verbundenen Entscheidungen, gefielen Santi sehr.
      "Küss mich zuerst. Ich will vorher einen Kuss haben."
      Santi grinste.
      "Den Wunsch kriegst du für die halbe Gabel," meinte er, da kletterte Lewis ihm schon auf den Schoß und nahm sich, was er haben wollte.
      Santi ließ ihn gewähren. Er schob eine Hand in die Haare des Streuners, vertiefte ihren Kuss, als Lewis sich zurückziehen wollte. Erst beim zweiten Anlauf ließ er zu, dass sie sich lösten. Mit dem gleichen Schwung machte Lewis weiter, mehr als bereit, loszulegen.
      Santi lachte erneut und verpasste Lewis einen Klaps auf den Hintern, den der ach so reizend wackelte.
      "Da hat es aber jemand eilig," kicherte er. "So leicht kriegst du mich aber nicht."
      Santi stand auf, ging um Lewis herum, wobei er eine Hand über dessen Rücken gleiten ließ. Als er vor ihm stand, beugte er sich nach vorn, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein.
      "Du weißt doch, dass ich mich nicht gern hetzen lasse," schnurrte er mit einem selbstsicheren Lächeln.
      Er schob seine Hand wieder in Lewis Haare und richtete sich auf, zog Lewis mit sich, drängte sich an ihn. All das Po-Wackeln brachte Lewis nichts, wenn er es mit ihm zu tun hatte. Noch immer lächelnd zog er Lewis von dem Sofa an sich, drehte ihn um, und beugte ihn dann von außen über die Lehne. Er wollte, das Lewis für das, was nun folgte, stehen blieb. Er wollet sehen, wie sehr er diese Beine zum Beben bringen konnte.
      Santi ließ Lewis' Haare los, strich mit der Hand seine Wirbelsäule entlang nach unten. Er hatte seine Hüften gegen die des Streuners gepresst. Er hakte seine Zeigefinger unter den Bund der viel zu lockeren Boxershorts und machte einen Schritt zurück, entblößte Lewis' Hintern zur frischen Luft. Er sank hinter Lewis auf die Knie, zog ihm das Stück Stoff aus und warf es vor Lewis auf das Sofa. Es brauchte nicht viel, nur das sanfte Tippen mit der Hand gegen die Knöchel, damit Lewis die Beine für ihn spreizte und ihm Platz machte für das, was sich der Streuner verdient hatte.
      "Weißt du, worüber ich nie eine Entscheidung getroffen habe, callejero?" brummte Santi lächelnd gegen Lewis Hintern, während seine Hände über dessen Oberschenkel strichen. "Wie oft ich dich nicht kommen lasse."
      Und damit drückte er sein Gesicht gegen Lewis' Hintern und ließ seine Zunge tanzen.
      Lewis hatte ganz genaue Entscheidungen getroffen, basierend auf den Entscheidungen, die Santi getroffen hatte. Er sollte wissen, was jetzt kam. Aber Santi hatte mit voller Absicht genauso viele Details ausgelassen, wie er festgelegt hatte, sodass er jetzt viel Spielraum hatte. Er bearbeitete Lewis mit seiner Zunge und nur seiner Zunge, bis Lewis fluchte, mehr forderte, und seine Beine zu zittern begannen. Das war der Moment, in dem Santi den Kopf hob und Lewis in den Hintern biss, bevor er den Kopf entspannt auf dessen Rückseite ablegte.
      "Eins."
      Mit federleichten Berührungen strich Santi über Lewis' Beine, seinen Rücken, die Arme. Er wartete, bis Lewis' Körper ein wenig abgekühlt war, bevor er sich wieder diesem schmackhaften Mann widmete, wie er es eben getan hatte. Wieder nutzte er ausschließlich seine Zunge an Lewis' Hintern, um den Streuner in den Wahnsinn zu treiben.
      Als Lewis' Beine diesmal bebten, stand Santi hinter ihm auf und schlug ihm mit der flachen Hand gegen den Hintern.
      "Zwei."
      Er lehnte sich über Lewis, umhüllte ihn mit seinem eigenen Körper. Er schlang die Arme um den Streuner und richtete sie beiden wieder auf. Er schloss eine Hand locker um Lewis' Kehle. Er küsste Lewis' Schulter. Seine freie Hand strich sanft über Lewis' Oberkörper.
      "Ich weiß, dass du willst, dass ich dich hier und jetzt und sofort nehme," raunte er an Lewis' Ohr. "Aber du weißt auch, dass ich ein sehr geduldiger Mann bin, der sich gern um alles kümmert. Also darfst du jetzt eine Entscheidung treffen."
      Das lag nicht einmal außerhalb des kleinen Handels, den sie hier abgeschlossen hatten. Sie standen zwischen zwei dieser Knoten, wie Lewis sie immer nannte. Santi konnte tun und lassen, was er wollte.
      "Du hast fünf Happen gegessen, also würde ich gern bis auf fünf hochgehen. Schaffst du das, callejero?"
      Santi küsste Lewis' Schulter, biss sanft hinein. Er ließ seine freie Hand über Lewis' Oberkörper gleiten.
      "Hältst du noch drei aus? Für mich?"


    • Lewis mochte sich gerne vorstellen, dass er diesen geduldigen, selbstbeherrschten Mann doch in irgendeiner Weise stets dazu bringen konnte, ein kleines bisschen ungeduldig zu werden. Nur ein kleines bisschen. Damit er wusste, dass er ebenso eine Fassung beherrschte, die er auch verlieren konnte.
      Wenn es die aber gab, dann zeigte Santiago sie nicht, als er aufstand und um Lewis herum ging. Er war so gefasst wie immer und dieses Lächeln, das auf seinem Gesicht lag, kannte Lewis bereits gut genug um zu wissen, dass etwas schlimmes kommen würde. Etwas schlimmes gefolgt von etwas sehr sehr gutem.
      Höchst bereitwillig ließ er sich hochziehen, auf die andere Seite führen, über die Lehne beugen. Er bog seinen Rücken durch, legte den ganzen Oberkörper auf dem Sofa ab und präsentierte sich Santiago höchst bereitwillig. Er wusste, dass er eine gute Form machte, immerhin steckten da auch Jahre an Perfektion dahinter, und das zahlte sich auch aus. Von hinten drückte sich Santiago an seine Hüfte und zeigte ihm, wie hart er selbst schon war.
      Das war es dann aber auch wieder mit dem Gefühl, etwas die Oberhand zu haben. Santiago trieb ihm das mit seinen nächsten Worten sehr eindeutig wieder aus:
      "Weißt du, worüber ich nie eine Entscheidung getroffen habe, callejero? Wie oft ich dich nicht kommen lasse."
      "Nicht?"
      Lewis konnte den leicht panischen Unterton nicht verhindern. Oh, er kannte schon Santiago mit seiner Vorliebe ihn hinzuhalten und hinzuhalten und nur weiter hinzuhalten, bis Lewis das Gefühl hatte, jeden Augenblick platzen zu müssen, und an gar nichts anderes mehr denken zu können als Santiago und seinen Schwanz. Aber er wusste, dass Santiago sich nur für ihn zurückhielt, weil er es wirklich nicht gewöhnt war. Er wollte nicht herausfinden, wie oft Santiago ihn von sich aus hinhalten wollte.
      Ob Diego es öfter ausgehalten hatte als Lewis bisher? Sicherlich. In einem Anflug von Hartnäckigkeit presste er die Lippen aufeinander. Irgendwie würde er das auch schaffen.
      Dann zwängte sich Santiago zwischen seine Beine und Lewis' Gedanken fanden ein abruptes Ende, als diese findige, warme Zunge ihn erreichte. Mit allzu großer Wahrnehmung konnte er spüren, wie sie über seine Muskeln glitt, wie sie darüber tanzte, wie sie sich dazwischen zwängte. Mittlerweile war er hart genug, dass es ihn sofort nur weiter anturnte. Er seufzte zufrieden und schob sich nach hinten, Santiago entgegen.
      Aber es war nicht genug, das merkte er schnell, als er sich ziemlich sicher war, für mehr bereit zu sein, aber Santiago noch immer nur seine Zunge verwendete. Lewis hatte die Hand auch abgelehnt, sicher, aber... er würde ihn doch nicht nur mit seiner Zunge bearbeiten. Oder? Das konnte er doch gar nicht so lange durchziehen.
      ... Oder?
      Santiago hörte aber nicht auf, auch dann nicht, als Lewis sensibel genug war um zu wissen, dass selbst ein Finger mittlerweile genug gewesen wäre. Er hörte nicht auf, er gab Lewis gar nichts außer seiner verflucht beweglichen Zunge.
      "Santiago..."
      Er versuchte, sich weiter nach hinten zu drücken, um mehr von ihm zu erhalten, und er versuchte auch, nach vorne zu weichen, weil ihn dort irgendwann das Polster des Sofas erwarten würde. Aber natürlich kannte der Mann schon sämtliche von Lewis' Tricks und hielt ihn mit eisernem Griff an Ort und Stelle fest.
      Lewis presste die Stirn gegen das Polster. Er brauchte... mehr. Mehr als das. Irgendwas. Er brauchte irgendwas von Santiago, was er ihm einführen konnte.
      "Komm schon man, ich bin soweit. Wirklich."
      Er konnte seine Antwort fast schon hören: Ich lass mich nicht hetzen. Lewis wollte ihn gerade aber sehr, sehr stark hetzen.
      Weitere Minuten vergingen und während Lewis einerseits fassungslos darüber war, dass der Mann es echt durchzog, auf den Knien hinter ihm auf den Boden, was sicher unangenehm sein musste, verließ ihn doch nach und nach die Geduld. Er wandt sich, versuchte aus der Position herauszuholen, was auch immer ging, drückte sich gegen Santiago. Seine Muskeln waren schon völlig nachgiebig und trotzdem wollte Santiago nicht aufhören.
      Und dann, gerade als das bekannte Kribbeln in seinem Bauch anschlug und er schon dachte, er würde durch ein Wunder irgendwie doch durch diese Behandlung kommen können, löste Santiago sich mit einem "Eins" und Lewis stöhnte gleich gequält auf. Das war eins? Das würde er nicht aushalten. Nicht nochmal.
      "Lass uns weitermachen, komm schon", jammerte er in dem Versuch, den Mann irgendwie erweichen zu lassen. Aber wenn das möglich war, hatte Lewis den Schlüssel dazu noch nicht gefunden. Santiago gab ihm einige Minuten, in denen er ihn überall streichelte, nur nicht dort, wo Lewis es wirklich benötigt hätte, dann sank er tatsächlich wieder hinter ihm auf die Knie. Einen Moment später keuchte Lewis wieder von seiner Zunge auf.
      "Nein - ich kann das nicht nochmal. Komm schon Santiago, du willst es doch auch!"
      Diesmal versuchte er auch, sich zu befreien. Diesmal versuchte er, vor Santiago und seiner verteufelten Zunge wegzukriechen, aber der kräftige Mann war ihm hintenrum im Weg und die Lehne vornerum. Lewis konnte damit nur erwirken, dass ihm noch weniger Spielraum gelassen wurde und ihm kaum etwas anderes übrig blieb, als die Zunge zu ertragen.
      Und wieder umschmeichelte sie ihn, wieder drang sie in ihn ein, wieder war es nicht genug, nichtmal ansatzweise. Lewis klammerte sich ans Sofa, jammerte und versuchte, den Mann auf irgendeine Art zu überzeugen. Es gelang ihm nicht. Und wieder kam dieses Gefühl zurück, wieder bekam er den Gedanken, dass er es doch irgendwie zum Höhepunkt schaffen könnte, dass es doch irgendwie in die richtige Richtung ging, und gerade, als seine Beine anfingen zu beben und zu zittern, weil sein ganzer Körper sich darauf vorbereitete - da war die Zunge wieder verschwunden.
      "Zwei."
      "Nein!", jammerte er zurück. Er zuckte von dem Schlag auf seinen Hintern, dann hatte Santiago ihn hochgezogen, bevor er den Moment noch hatte nutzen können, um sich doch noch am Sofa zu reiben. Seine Unterhälfte fühlte sich an wie Gelee und er musste sich an Santiago festhalten, damit er nicht noch einging.
      Der Mann hielt ihn unnachgiebig fest. Seine Hand wanderte zu Lewis Kehle und der legte gehorsam den Kopf zurück, ließ der Hand allen Spielraum, den sie benötigte.
      "Ich weiß, dass du willst, dass ich dich hier und jetzt und sofort nehme. Aber du weißt auch, dass ich ein sehr geduldiger Mann bin, der sich gern um alles kümmert. Also darfst du jetzt eine Entscheidung treffen."
      "Ich will deinen Schwanz, das ist meine Entscheidung."
      Er versuchte sich nach hinten zu drücken, um seine Worte noch zu unterstreichen. Er konnte Santiago spüren, aber es war nicht genug, bei weitem nicht genug.
      "Du hast fünf Happen gegessen, also würde ich gern bis auf fünf hochgehen. Schaffst du das, callejero?"
      Nein. Nein, das schaffte er nicht, keineswegs. Das hielt er nicht aus. Er schaffte keine fünf.
      "Hältst du noch drei aus? Für mich?"
      Lewis biss sich auf die Lippe. Er schaffte keine fünf, er schaffte das nicht - aber fünf für Santiago, für den Mann, der ihm diese Worte fast schon zärtlich zuhauchte, als wären sie eine Liebeserklärung und nichts derart versautes. Fünf für den Mann, der ihn trotz dieser Position immernoch mit größer Rücksicht behandelte, der niemals etwas tun würde, was Lewis wirklich nicht gefiel. Fünf für ihn, der ihn hinterher auch dafür belohnen würde.
      Aber... fünf.
      Lewis kaute für ein paar Sekunden auf seiner Lippe herum, dann nickte er. Es waren nur noch drei, nur noch drei. Das würde er doch schaffen?
      "Fünf für dich", bestätigte er kleinlaut und griff mit der Hand nach hinten, bis er sie in Santiagos Haare schieben konnte.
      "Aber - warte. Küss mich zuerst. Nicht so - nicht von hinten. Das soll kein Trick sein."
      Santiago ließ ihm den Spielraum, dass Lewis sich umdrehen und ihn küssen konnte. Das tat er lange und eindringlich, nicht etwa zur Ablenkung, sondern weil er es wirklich so tun wollte. Am liebsten hätte er sich auch an ihn geschmiegt, aber das hätte nur für Reibung gesorgt, die er nicht haben durfte.
      "Fünf."
      Er dachte an Diego, der unsagbar heiß war, wenn er bettelte, und sicher auch fünf hinbekam.
      "Ich schaff das."
    • "Fünf für dich," antwortete Lewis, was Santi leise Brummen ließ.
      Er küsste Lewis' Schulter, als der eine Hand in seine Haare schob, küsste seinen Nacken. Und dann, als Lewis eine andere Form von Kuss wollte, erlaubte er es ihm. Lewis drehte sich in seinen Armen um und ihre Lippen trafen aufeinander. Lewis spielte mit seinen Haaren, während Santiago ihn an der Hüfte festhielt.
      "Fünf," wiederholte Lewis dann, als sie den Kuss lösten. "Ich schaff das."
      Santi lächelte stolz und legte Lewis eine Hand an die Wange, strich ihm mit dem Daumen über die Unterlippe.
      "Braver Streuner," lobte er.
      Er hielt Lewis seine Hand hin - speziell seinen Mittel- und Ringfinger - damit der Streuner beide gut anfeuchten konnte. Er zögerte nicht zu lange und schob erst den einen, kurz darauf den anderen Finger in Lewis hinein. Dabei presste er den Körper des Streuners fest an sich. Er dehnte Lewis, während er ihn mit seinen Fingern wieder zurück zur Klippe trieb. Und wie versprochen stoppte er genau dann, als Lewis bereit war, sich in die Schlucht zu stürzen. Aber er zog sich nicht aus Lewis zurück, sondern ließ seine Finger reglos, wo sie gerade waren.
      "Drei," flüsterte er an Lewis Lippen, bevor er ihn küsste.
      Mit der freien Hand strich er über Lewis' Flanke, seinen Oberschenkel, durch seine Haare. Er spürte wie Lewis' Herz gegen seine Brust hämmerte und wann es sich wieder einigermaßen beruhigt hatte.
      "Nur noch ein bisschen," raunte er Lewis zu, als er seine freie Hand zwischen sie beide schob und Lewis' Schwanz umfasste.
      Santi wusste, dass Lewis es hart und schnell mochte - also konfrontierte er ihn mit dem exakten Gegenteil. Mit seiner Hand übte er nur sanften Druck auf den Schaft aus, während er mit dem Daumen kleine Kreise über die Spitze drehte. Jedes Zucken trug zu Lewis' Verderben bei, da Santis Finger noch immer in ihm steckten. Und nach drei versagten Orgasmen war es ein leichtes, Lewis wieder in den Wahnsinn zu treiben. Aber sie waren noch nicht fertig, also entfernte Santi seine Finger und seine Hand von Lewis, als dieser wieder kurz davor stand, zu kommen.
      "Vier."
      Lewis' Beine zitterten so sehr, es war ein Leichtes, ihn auf der Armlehne des Sofas zu parken. Wie auch schon zuvor wanderten Santis Hände mit federleichten Berührungen über Lewis' erhitzte Haut, erdeten ihn während sie ihn gleichzeitig bei Laune hielten.
      "Du machst das sehr gut," lobte Santi. "Du weißt gar nicht, was du da mit mir anstellst."
      Er sank vor dem halb sitzenden Lewis auf die Knie, strich über seine Oberschenkel, drückte seine Beine an den Knien auseinander, um sich den nötigen Raum für Runde fünf zu verschaffen. Santi leckte der Länge nach über Lewis' Hoden und dann seinen Schwanz hinauf, brummte dabei leise.
      "Du schmeckst so gut. Ich kann gar nicht genug von dir bekommen," raunte er, dann senkte er seine Lippen auf Lewis und verschlang ihn bis zur Wurzel.
      Er ging langsam vor, nutzte seine Zunge mehr als die Bewegung seines Kopfes. Und während er Lewis einen Blowjob gab, ließ er seine Hände weiter wandern bis er Lewis' Brust fand, wo er mit den kleinen Nippeln des Streuners spielte.
      Dieses Mal trieb Santi es weiter, so weit, dass Lewis praktisch schon kam, bevor er seinen Kopf ob und sämtlichen Körperkontakt unterbrach. Mit einem zufriedenen Lächeln beobachtete er, wie sehr Lewis zitterte, wie sehr er die Kontrolle über seinen eigenen Körper verloren hatte.
      "Fünf," meinte Santi und stand auf.
      Er zog Lewis fest an sich, küsste seine Schulter, seinen Nacken, ihn. Seine Hände strichen über Lewis' Rücken, Hintern, Arme.
      "So gut," hauchte er gegen Lewis' Hals. "Mein braver, kleiner Streuner."
      Er wartete lange, ließ Lewis vollständig abkühlen, bevor er sich wieder ein bisschen von ihm löste.
      "Fünf Happen. Du willst, dass ich dich hart rannehme. Willst du's von vorne oder von hinten, callejero?"


    • Jemand anderem hätte sich Lewis niemals so hingegeben. Es war einfach nicht seine Art, er wollte es schnell, er wollte es hart, und am Ende des Tages wollte er keine schnulzigen Gefühle, die aus dem ganzen entstehen könnten. Sex war für die Ekstase da und nicht für irgendwelches Rumgesülze. Es war einfach nicht sein Ding.
      Aber wenn Santiago ihm so die Hand an die Wange legte, wenn er ihn mit diesen hübschen, warmen Augen betrachtete und ihn mit "Braver Streuner" lobte, da spürte Lewis doch einen Teil in sich aufgehen, der es fast besser machte als Sex. Jemand anderem hätte er sich nie so hingegeben - Santiago schon. Weil Santiago einfach Santiago war.
      Höchst bereitwillig öffnete er den Mund, saugte an den beiden Fingern, die Santiago hineinschob, ließ seine Zunge um sie herumrollen, brach dabei niemals den Augenkontakt. Santiagos Lippen glitzerten von dem Kuss, den sie gerade noch gehabt hatten, und seine Augen glitzerten von der Begierde, die sich schon eindeutig gegen seine Jogginghose abzeichnete. Obwohl Lewis das so sehr gefiel, war er aber doch ein ungeduldiger Typ und hätte alles getan, um schon zum eigentlichen Akt zu springen. Drei edges hielten ihn noch davon ab.
      Ohne weitere Umschweife führte Santiago den einen, dann auch gleich den zweiten Finger ein, nachdem Lewis kaum Widerstand brachte. Er war von der unermüdlichen Behandlung der Zunge bereits so weich geworden, dass er sie sofort in sich aufnahm. Und endlich, endlich hatte er etwas in sich, das sich bewegte und ihm genau das gab, was er von der Zunge bereits gebraucht hatte. Er schlang die Arme um Santiagos Nacken, legte den Kopf auf seine Schulter und seufzte und stöhnte, während der ihn weiter dehnte; zwar längst nicht so schnell oder weit, wie er es gern gehabt hätte, aber es war genug. Genug, damit Lewis für einen Augenblick vergessen konnte, dass er es auch jetzt nicht zum Höhepunkt schaffen würde.
      Dann kam er angerollt, schneller als zuvor, stärker als zuvor und Lewis' Beine zitterten, seine Atmung kam stoßweise, er bewegte sich im Rhythmus der Finger mit, soweit Santiagos Hand es zuließ, er klammerte sich an Santiago, er schloss die Augen, er nahm sich fest vor, einfach trotzdem zu kommen, er würde kommen, egal was geschah, ihm ganz egal, dass er dann keine fünf hintereinander geschafft hätte - und dann stoppte alles. Lewis schnappte nach Luft und bemühte sich nach Leibeskräften, einen winzigen Rest herauszuholen, stemmte sich gegen Santiago und versuchte, seine Hüfte in Bewegung zu setzen, aber der Mann hielt ihn eisern fest. Lewis wimmerte.
      "Nein, fuck, bitte."
      "Drei."
      Er hob seinen Kopf an und Lewis küsste ihn, ein schlampiger Kuss, weil er noch immer versuchte, doch irgendwie genug herauszuholen.
      "Ich hab mich anders entschieden, ich will nicht mehr."
      "Nur noch ein bisschen."
      Beruhigend streichelte er ihn und dann legte er doch noch die Hand auf Lewis' vernachlässigten Schwanz. Er spürte die Berührung zu stark - aber gleichzeitig war Santiagos Hand nicht stark genug. Sie streichelte ihn nur ein wenig und Lewis verfluchte ihn dafür, verfluchte ihn, dass er ihn trotzdem festhielt und es Lewis so leicht machte, mit seiner Hüfte mehr aus allem herauszuholen, wo er doch wusste, dass es trotzdem nicht genug war. Und doch rollte er auf seinen Orgasmus zu, doch krallte er sich in Santiagos Schulter und hoffte, betete, wünschte sich, dass der Mann einmal in seinem Leben nicht früh genug aufhörte, dass er doch kam, und wenn es auch nur ein kleiner Orgasmus wäre. Er würde alles nehmen. Er hängte sich an ihn und stöhnte und keuchte -
      und es war weg.
      "Nein! Nein, nein, bitte, Santiago, ich kann nicht mehr, bitte."
      Santiago setzte ihn auf der Armlehne ab, sonst wäre Lewis vermutlich gestürzt, wenn er ihn nicht festgehalten hätte. Seine Knie waren weich, sein Körper war von Nachbeben erfasst, die niemals ein echtes Beben erfahren hatten. Er war so, so nah gewesen; und doch kühlte sein Körper wieder ab, doch rückte es wieder in die Ferne. Lewis war den Tränen nahe, das passierte ihm manchmal bei Santiago.
      "Du machst das sehr gut. Du weißt gar nicht, was du da mit mir anstellst."
      Und doch schaffte diese dunkle, von Lust rauchige Stimme es immer wieder, sich in seinem Gehirn festzusetzen, wo Lewis sich daran klammerte, als würde sein ganzes Leben davon abhängen. Sie verschaffte ihm ein Kribbeln, das alles ein bisschen besser machte, ein bisschen leichter zu ertragen. Er nahm zittrig Luft und beruhigte sich wieder, Stück für Stück.
      Dann sank Santiago zwischen seinen Beinen auf die Knie und obwohl Lewis wusste, was jetzt kommen würde, hatte er doch darauf gehofft, dass der Mann doch einen anderen Weg einschlagen würde. Auch mit Santiago mochte er keine Blowjobs, auch nicht nach all den Monaten, die sie schon zusammen waren. Es fühlte sich einfach nicht... richtig an, wie der Mann vor ihm auf die Knie sank, wie er seinen Mund dafür benutzte, Lewis ganz ohne Schmerzen nach oben zu treiben. Es war ihm unangenehm, dass der andere es so bereitwillig tat. Und daher versuchte er auch jetzt, sich dagegen zu wehren, als Santiago sich zwischen seinen Knie niederließ.
      "Nein, komm schon, ich - ich will nicht."
      Ungeachtet seiner Einwürfe zog der Mann eine heiße, kribbelnde Spur von seinen Eiern bis zu seiner Spitze nach oben und Lewis konnte das Keuchen nicht unterdrücken, das ihm dabei entglitt.
      "Du schmeckst so gut. Ich kann gar nicht genug von dir bekommen."
      Fuck. Fuckfuckfuck. Lewis war sich ziemlich sicher, dass der andere nur für den Moment log, aber... fuck, war das heiß. Er stöhnte - und das Geräusch blieb ihm gleich im Hals stecken, als Santiago ihn ganz einverleibte. Wieder war er nicht so schnell, wie er sein könnte, oder so unnachgiebig, aber Lewis stöhnte trotzdem und wandt sich unter seiner Zunge und wusste nicht, ob er Santiago wegschieben oder noch näher heran pressen sollte. Das ganze ging für mehrere Sekunden, dann strich eine Hand seinen Oberkörper empor und als da endlich so etwas wie Schmerz war, der durch seinen Nippel zuckte, wäre Lewis beinahe auf der Stelle gekommen. Er erzitterte, vergrub die Hand in Santiagos Haaren, zerrte daran, fluchte...
      Und kam. Aber im selben Moment zog Santiago sich vollständig zurück und Lewis riss die Augen weit auf.
      "Nein! Fuck! Nein!"
      Sein Schwanz pulsierte. Es kam nicht viel heraus, aber er spürte es trotzdem kaum. Er zitterte und fluchte und wollte die eigene Hand anlegen, um zumindest noch etwas aus seinem ruinierten Orgasmus herauszuholen, aber Santiago war natürlich schneller. Er hielt ihn davon ab und Lewis bettelte und flehte, bis es doch schließlich vorüberging. Die wenige Flüssigkeit rann ihm das Bein herab, aber er war immernoch hart.
      Santiago zog ihn einen Augenblick darauf an sich und Lewis drückte das tränende Gesicht in seine Halsbeuge. Er hielt das nicht mehr aus. Er konnte nicht mehr.
      "So gut."
      Santiago küsste ihn überall, hielt ihn fest an sich.
      "Mein braver, kleiner Streuner."
      Lewis wimmerte nur verzweifelt zur Antwort. Er brauchte jetzt nicht mehr ganz so lang, um runterzukommen, aber trotzdem hielt er sich noch an Santiago fest. Der ließ ihn lange nicht los, bis er sich nur soweit löste, um ihn ansehen zu können.
      "Fünf Happen. Du willst, dass ich dich hart rannehme. Willst du's von vorne oder von hinten, callejero?"
      "Von hinten."
      Er wischte sich über die Augen.
      "Es soll wehtun."
      Santiago gewährte es ihm, immerhin hatte er es sich hart erarbeitet. Lewis schniefte nochmal, dann ließ er sich nach hinten aufs Sofa sinken und kam auf Hände und Knie hoch. Das war schon eine beachtliche Leistung, nachdem seine Beine selbst im Knien noch zitterten. Er glaubte zwar nicht, dass er sich lange aufrecht halten könnte, aber das war ihm ganz egal. Dann würde Santiago ihn eben in die Polster reinficken müssen. Er hatte vollstes Vertrauen daran, dass er wirklich zu seinem Wort stehen würde.
      "Mach fest."
    • "Hab ich dir erlaubt, dich von mir abzuwenden?" fragte Santi, seine Stimme ein lustvolles Knurren.
      Er packte Lewis an den Haaren und zerrte ihn von dem Sofa. Er kam ganz nahe an Lewis Gesicht heran, lächelte.
      "Als ob ich dir den Luxus von Sofapolstern gewähren würde," raunte er.
      Dann schubste er Lewis zu dem Tisch in der Mitte der Sitzecke und bedeutete ihm, dort auf alle Viere zu gehen, während er den Salat auf dem Sessel in Sicherheit brachte. Die Art, wie Lewis nun auf dem Präsentierteller kniete, war eine Aussicht, die Santi öfter haben wollte. Mit einem wohligen Brummen schlüpfte er aus seinen Jogginghosen.
      Er schritt um den Tisch herum, bis er vor Lewis stand. Er packte ihn erneut an den Haaren und zwang ihn dazu, ihm ins Gesicht zu sehen.
      "So willig," säuselte Santi. "So hungrig für mich."
      Er trat näher an den Tisch heran. Sein eigener Schritt war ziemlich genau auf der gleichen Höhe wie Lewis' Gesicht. Er fragte nicht, er orderte Lewis auch nicht, den Mund zu öffnen. Er nahm sich einfach, was er haben wollte und schob seinen Schwanz tief in Lewis Mund. Und er hielt ihn dort, für einige Sekunden, bevor er sich zurückzog. Er wiederholte das ein paarmal, bevor er Lewis losließ und vor ihm in die Hocke ging. Jetzt packte er ihn an Hals, damit der Streuner ihm ins Gesicht sah.
      "Nur, um das klar zu stellen: mir ist egal, wie oft du kommst. Wir sind erst fertig, wenn ich gekommen bin. Und danach benutzt du dieses hübsche Großmaul, das du da hast, um mich sauberzumachen."
      Er fragte nicht, ob Lewis einverstanden war. Er stellte überhaupt keine Frage. Er erklärte lediglich, was jetzt passieren würde.
      Santi ließ Lewis los und verpasste ihm eine leichte Backpfeife. Als er um Lewis herumschritt, ließ er seine Hand über die Schulter des Streuners gleiten. Mit jedem weiteren Schritt bohrte Santi seine Finger tiefer in Lewis' Rücken, zog seine Hand der Länge nach über die Haut, aber langsam. Er beendete seinen kleinen Rundgang mit einem kräftigen Schlag mit der flachen Hand auf Lewis' Hinterteil.
      Er war nicht nett, als er sich in Lewis hineinschob. Er packte seinen Hintern fest mit beiden Händen und versenkte sich in einer einzigen, schnellen Bewegung in dem Streuner. Er knurrte leise, als er Lewis um sich herum spürte, seine heiße Enge.
      Er hielt etwa dreißig Sekunden still, auch wenn er das nicht so genau sagen konnte, da er nicht mitzählte. Und dann erfüllte er Lewis den Wunsch, den er schon die ganze Zeit hegte.
      Er war gnadenlos sowohl mit der Geschwindigkeit, als auch mit der Kraft seiner Stöße, als er sich immer und immer und immer wieder tief in Lewis versenkte. Die einzige Pause gab es, als sich Santi über den Streuner beugte, um sich seine Handgelenke zu schnappen. Er zerrte Lewis' Arme hinter dessen Rücken und hielt ihn daran fest, als er seine Hüften schließlich wieder bewegte. Er ignorierte den Schmerz in seinem eigenen Arm dabei - was sehr einfach war, dank all der anderen Empfindungen, die gerade durch sein Nervensystem rauschten. Es gab eine weitere Pause, als Santiago eine brauchte, um nicht sofort zu kommen. Er zerrte Lewis an seinen Handgelenken noch weiter zurück, bis er eine Hand um den Hals des Streuners legen konnte. Er presste Lewis gegen seine Brust, übte Druck auf den Hals des Streuners aus.
      "So gut," knurrte er, dann biss er in Lewis' Schulter und machte weiter.
      Seine freie Hand legte er um Lewis' Schritt, der ähnlich viel Druck abbekam wie Lewis' Hals - nur, dass Lewis am Hals hin und wieder nachgab, damit der Streuner atmen konnte.
      "Soll ich schon kommen, hm?" fragte er keuchend. "Oder hältst du noch mehr aus, callejero? Fuck!"
      Mit einem Stöhnen versenkte Santi seine Zähne erneut in Lewis' Schulter. Viel länger würde er selbst gar nicht aushalten, stellte er fest. Lewis fühlte sich einfach zu gut an, um das alles noch länger hinauszuzögern. Scheiß drauf.
      Knurrend versenkte sich Santi noch einmal, zweimal, dreimal tief und härter als vorher in Lewis, bevor er sich mit einem Brüllen in Lewis ergoss.
      Er presste Lewis lange an sich, um sich selbst aufrecht halten zu können. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bevor die bunten Punkte aufhörten durch seine Sicht zu schwimmen, bevor seine Haut aufhörte, angenehm zu kribbeln.
      "Fuck..." zischte er, als er sich schließlich aus Lewis zurückzog.
      Er schwankte ein wenig, als er um den Tisch herumschritt. Er schob seine Hand in Lewis' Haare und hob den Kopf des Streuners, lächelte erschöpft zu ihm hinunter.
      "Saubermachen, callejero," raunte er.
      Da sie beide ziemlich fertig waren nach der Aktion, gab sich Santi mit dem Minimum zufrieden. Er hielt sich auch nicht damit zurück, Lewis wissen zu lassen, wie gut sich seine Zunge anfühlte, gleich nachdem er gekommen war. Seine Hüften zuckten mehr als einmal von ganz allein und ihm entkam in regelmäßigen Abständen ein Keuchen oder sogar ein Stöhnen.
      Er ließ Lewis los und sank vor ihm auf die Knie, legte ihm eine Hand an die Wange, schenkte ihm ein Lächeln.
      "So verdammt gut," raunte er und küsste Lewis.
      Als er sich selbst auf Lewis' Zunge schmeckte, stöhnte er.
      Nach dem Kuss half er Lewis auf und gemeinsam schwankten sie ins Badezimmer. Dort setzte er Lewis auf dem Klositz ab.
      "Warte kurz," orderte er und verschwand kurz in die Küche, wo er sich ein großes Stück Frischhaltefolie holte.
      Damit kehrte er ins Badezimmer zurück und ließ sich von Lewis helfen, die Folie um seinen Verband zu wickeln, damit die Naht beim duschen nicht nass wurde. Sobald sie gemeinsam unter dem warmen Wasserstrahl standen, ließ sich Santi gegen die Wand sinken und schloss die Augen.
      "Das war... verdammt gut", kommentierte er mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. "Verdammt gut..."


    • "Hab ich dir erlaubt, dich von mir abzuwenden?"
      Lewis erschauderte von dem Knurren, das direkt hinter ihm ertönte, bevor sich eine kräftige Hand in sein Haar schob und einmal gewaltsam daran zog. Der Schmerz wandelte sich gleich in Begierde um und er keuchte auf, bevor er vor Santiago zum Stehen kam.
      "Als ob ich dir den Luxus von Sofapolstern gewähren würde."
      Ohh er mochte diesen Santiago, den Santiago mit dem dunklen Blick, mit der knurrenden Stimme, mit den Muskeln, die er nicht zurückhielt. Lewis grinste bei der offensichtlichen Gefahr, die ihm von diesem Mann drohte und die ihn zu verschlingen gedachte. Und wie er ihn mochte; eine so einfache Bemerkung und sein ganzer Körper sprang darauf an, als hätte der Mann irgendeinen Hebel umgelegt. Das gefiel ihm schon eher, viel, viel eher. Das hier war genau so, wie Lewis es mochte.
      Er ließ sich auf den Tisch schubsen und nahm genau die gleiche Position wieder ein. Sein Schwanz hing ihm schwer zwischen den Beinen, aber diesmal wusste er, dass er gleich bekommen würde, was er wollte, diesmal hielt er aus. Diesmal lehnte er sich vor Ungeduld nach unten, spreizte die Beine weiter, ließ Santiago sehen, was er gleich bekommen würde. Er wusste, dass der Mann dem Anblick nur sehr schwer widerstehen konnte.
      Er hörte das Rascheln der Jogginghose, dann kam Santiago um den Tisch herum. Seine Erektion war genau auf passender Höhe und Lewis reckte sich bereits nach vorne, den Mund wässrig, vor Ungeduld kaum mehr stillsitzend. Da packte der andere ihn doch bei den Haaren und riss seinen Kopf nach hinten, bis er ihn ansehen konnte.
      "So willig. So hungrig für mich." Ein Schauer lief seinen Rücken herab. Lewis leckte sich die Lippen.
      "Ich will dich."
      In Santiagos Blick konnte er selbst sehen, was es mit dem Mann machte. Mit einem Schritt trat er zu ihm und Lewis blieb gerade noch genug Zeit den Mund aufzusperren, da schob er sich bereits hinein, eroberte und beschlagnahmte, was längst nicht mehr Lewis, sondern ihm gehörte. Ohne Rücksicht schob er sich bis zur Wurzel hinein und Lewis zuckte, würgte und rang dann nach Luft, ehe er es schaffte, nur durch die Nase zu atmen. Seine Augen tränten, sein Kiefer schmerzte, sein Rücken drückte sich durch und doch machte es ihn nur noch mehr an, doch war es so scharf, dass er auch dabei stöhnte. Unerbittlich hielt Santiago ihn an Ort und Stelle, dann zog er sich heraus und drückte sich wieder hinein. Lewis kam sich benutzt vor und liebte es, er liebte wie Santiago seinen Mund benutzte, ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Das war, was er vom Sex erwartete. Er schluckte den Mann und versuchte, seinen Körper unter Kontrolle zu halten.
      Dann zog er ihn wieder heraus und ging vor dem keuchenden Lewis in die Hocke. Er schluckte einmal, dann unterband Santiago eine weitere Bewegung mit der Hand an seinem Hals.
      "Nur, um das klar zu stellen: mir ist egal, wie oft du kommst. Wir sind erst fertig, wenn ich gekommen bin. Und danach benutzt du dieses hübsche Großmaul, das du da hast, um mich sauberzumachen."
      "Ja, Sir", krächzte er und grinste dann bei einer derartigen Aussicht; aber seinem Großmaul verschlug es sowieso schnell die Sprache, denn ohne weiteres verpasste Santiago ihm eine Backpfeife und trat hinter ihn, wo sein Hintern dasselbe abbekam. Lewis zuckte davon zurück, stöhnte aber trotzdem. Er liebte den Schmerz, er liebte ihn mehr als alles andere.
      Dann spürte er Hände an seiner Hüfte, die ihn festhielten, spürte Santiago ansetzen - und dann war er mit einem Stoß drinnen, präzise und trotz des dehnens ein wenig schmerzhaft. Er füllte ihn mit einem Schlag komplett aus und Lewis wäre sicher nach vorne geworfen worden, wenn die Hände ihn nicht zurückgehalten hätten.
      "Ohhh fuck!"
      Vage war er sich bewusst, dass er auf den Tisch tropfte. Es würde nicht lange dauern; wenn Santiago diese Spur fuhr, würde es gar nicht lange dauern.
      Wenn es nach Lewis gegangen wäre, hätte der Mann sich gleich in Bewegung setzen sollen und das so schnell und hart, wie es ihm nur möglich war. So schmerzhaft, wie es nur ging. Aber obwohl Lewis ihn gleich anzutreiben versuchte, harrte er viele Sekunden lang aus, die Lewis erst dann notwendig schienen, als er sich ein Stück herauszog, nur um mit voller Wucht wieder reinzustoßen. Es tat trotzdem weh, aber jetzt begriff Lewis, dass es ohne die paar Sekunden sehr viel schlimmer hätte werden können. Das hier war aber der gute Schmerz, der Schmerz, bei dem Lewis aufstöhnte und mehr forderte. Das war nicht der Schmerz, bei dem er an sein Safeword denken musste.
      Dafür bekam er jetzt wahrhaftig, was er die ganze Zeit schon gewollt hatte. Santiago fickte ihn, als gäbe es kein Morgen mehr, und drückte ihn mit jedem wahnwitzig schnellen Stoß in den Tisch hinein. Lewis' Knie schmerzten und er fiel nach vorne, als der Mann seine Arme nach hinten riss. Dadurch änderte sich aber der Winkel, plötzlich fühlte es sich nur umso besser an, Lewis war unfähig, sich zu bewegen, ihm blieb nichts mehr anderes übrig, als es zu nehmen und zu nehmen und -
      "Oh fuck, Santiago! Fuck, ja, fuck - Santiago!"
      Sein Orgasmus brandete in einer Explosion über ihn hinweg, riss ihm den Boden unter den Füßen weg und wütete in seinem ganzen Körper. Er zuckte und zuckte und zuckte, sein Körper von Welle um Welle davongespült, sein Verstand gerade noch anwesend genug, um die Hand zu spüren, die ihn am Hals nach hinten zog. Er wäre fast eingesackt, wenn die Arme ihn nicht hielten. Hinter ihm wurde Santiago langsamer, verharrte für einen Augenblick. Lewis' Atemzüge waren laut auf der Terrasse, er stöhnte noch immer leicht, während die letzte Welle langsam versickerte.
      "So gut", knurrte es in seinem Ohr, dann zog der Mann sich heraus und setzte unbeeindruckt seine erbarmungslose Geschwindigkeit fort. Er interessierte sich wahrlich nicht dafür, dass Lewis gerade gekommen war und dass seine Nervenenden in Flammen standen. Wieder und wieder stieß ihn hinein und ein Brennen breitete sich an seinem sensiblen Eingang aus.
      "Ahh - fu - Santi - mhhh."
      Lewis wusste es besser, als ihn zu bitten, langsamer zu werden. Damit würde er nur das Gegenteil erreichen und das war noch der glimpfliche Ausgang einer solchen Bitte. Stattdessen musste er es hinnehmen, an Santiagos Oberkörper gepresst, den Rücken durchgebogen, schnell und schmutzig benutzt. Der Zweck erfüllte seine Wirkung: Wieder stöhnte er, wieder spürte er, wie sich das Feuer zurück in seinen Unterleib ausbreitete.
      Allerdings war er noch lange nicht bereit für die Hand, die sich um seinen Schwanz legte.
      "Ohh fuck, fuck, warte, ich kann nicht, ich bin nicht -"
      Die Hand um seinen Hals drückte wieder zu und anstelle seiner Einwände, gab Lewis ein ungehemmtes Stöhnen von sich. Er versuchte halbherzig, Santiagos Hand von seinem Schwanz zu entfernen, aber das lag nicht in seiner Macht.
      "Soll ich schon kommen, hm? Oder hältst du noch mehr aus, callejero? Fuck!"
      "Scheiße ja, ich - ja."
      Es war unverschämt heiß, Santiago fluchen zu hören und das auch noch direkt in seinem Ohr. Lewis wusste gar nicht, was mit seinem Körper geschah; der andere Mann hatte ihn vollständig unter seiner Kontrolle. In einer Sekunde war er noch überempfindlich vom Orgasmus, in der nächsten rollten seine Augen vor Lust nach hinten. Ein weiter Biss folgte, dann rammte er Lewis mit einer Kraft, bei der er aufschrie. Sein Hintern brannte, sein Schwanz zuckte in Santiagos Hand bei noch einem Stoß und noch einem Stoß und er würde, er würde noch, Lewis stöhne laut und ungehemmt, als er, als er-
      Santiago versenkte sich ein letztes Mal brüllend in Lewis und es benötigte nur ein wenig mehr Druck auf seinem Schwanz, dann warf auch Lewis den Kopf zurück und zuckte und bebte beim zweiten Höhepunkt, der ihn überkam. Alles geschah irgendwie auf einmal, Santiagos dunkle Stimme in seinem Ohr, seine Muskeln, die sich an Lewis' Rücken anspannten, sein Schwanz, der sich tief in ihm vergraben hatte und zuckte. Lewis fluchte von dem Beben, das ihn erfasste, und sackte dann zusammen. Santiago hielt ihn noch eine ganze Weile fest, bevor er sich zischend aus ihm entfernte und um den Tisch gewankt kam. Er wankte wirklich selbst und obwohl Lewis völlig hinüber war, lächelte er doch ein bisschen. Es war eine ganz eigene Sache, diesen großen, kräftigen Mann wegen ihm schwanken zu sehen.
      Er ließ sich kraftlos auf dem versauten Tisch nieder, lehnte sich aber trotzdem noch nach vorne und leckte Santiago gehorsam sauber, leckte sämtliche Flüssigkeiten von seinem Glied und saugte sogar ein wenig an der Spitze, nur um ihn zucken zu sehen, nur um das lustvolle Glitzern in den bernsteinfarbenen Augen hervorzurufen. Sie waren aber beide vollkommen hinüber und so gab ihm der Mann nicht so viel Zeit wie sonst. Er hockte sich schon bald vor ihm hin und der Kuss, der dem folgte, konnte sehr gut mit den beiden Orgasmen mithalten, wie Lewis fand. Es war nicht dasselbe, aber es war gut, so gut. Er schloss die Augen und keuchte, als Santiagos Stöhnen an seinen Lippen vibrierte.
      Danach mühten sie sich beide irgendwie ins Bad, wo Lewis froh war, auf der Toilette erstmal zusammensacken zu können, während der andere seinen Verband wasserdicht machte. Er war noch nicht ganz auf die Erde zurückgekehrt; sein Hintern schmerzte auf perfekte Weise, sein Schwanz fühlte sich vollkommen leer an und er konnte noch immer das Phantom von Santiagos Hand an seinem Hals spüren. Verträumt lächelte er und schlurfte zu ihm in die Dusche, als er fertig war.
      "Das war... verdammt gut."
      "Das gehört zu den Top 3", pflichtete er ihm bei und ließ das Wasser auf seinen Kopf prasseln. Seine Beine zitterten noch immer und wenn er nur einen falschen Schritt machte, würde er sicher einknicken.
      Es war wirklich verdammt gut.
      Er beanspruchte das Wasser zuerst, um seinen Hintern sauber zu machen, was ihm Santiago gewährte, dann schäumte er sich grob ein. An einer Stelle gab sein rechtes Bein wirklich nach, wodurch er sich an dem Mann festhalten musste, bevor er wirklich noch zu Boden gegangen wäre. Er richtete sich wieder auf, kicherte und küsste Santiago, der immernoch fern nach ihm schmeckte. Ein warmes, behagliches Gefühl strömte durch seinen Körper, während er sich so an ihn lehnte.
      "Ich sollte öfter bei dir arbeiten. Das ist besser als zu kiffen."
      Und wirklich: Er verzichtete auf den Joint, als sie danach wieder nach draußen gingen, Santiago seinen Thunfischsalat rettete und Lewis den Tisch sauber wischte. Dafür zog er einmal an Santiagos Zigarette, als sie es sich auf der Terrasse bequem machten.
      "Mhh mir gefällt's hier", stellte er fest und streckte sich über Santiagos Beine hinweg aus. Es gefiel ihm wirklich dort, besser als Zuhause oder sonst einem Ort in New York. Bei Santiago fühlte er sich rundum wohl.
    • Mit halb geschlossenen Augen beobachtete Santi, wie sich Lewis von ihrem kleinen - großen - Tächtelmächtel reinigte. Er konnte sich ein triumphales Lächeln nicht verkneifen, als er sah, wie wackelig der Streuner auf den Beinen war. Als Lewis tatsächlich das Gleichgewicht verlor, fing Santi ihn auf und trat hinter ihn, um ihn aufrecht zu halten. Er ließ es sich nicht nehmen, ihm von da an beim duschen zu helfen. Er hatte Lewis ordentlich mitgenommen, da war es auch seine Aufgabe, seinen Körper wieder auf die Erde zurückzuholen. Santi nahm sich die Zeit, Lewis ordentlich in ein Handtuch zu wickeln, bevor er sich selbst schnell abwusch.
      "Besser als ein Joint... das ist ja mal ein Kompliment," scherzte er, als er seine eigenen Haare trockenrubbelte und sie dann im Spiegel ein wenig richtete.
      Seine erste Amtshandlung danach war es, den Thunfischsalat wieder reinzubringen und im Kühlschrank zu parken. Auf dem Weg nach draußen schnappte er sich dann die weiße Kiste mit dem Verbandsmaterial von der Kücheninsel. Draußen ließ er sich dann wieder auf das Sofa sinken und zündete sich eine Zigarette an, die er offenkundig mit Lewis zu teilen hatte.
      Er ließ zu, dass Lewis seine Beine über seinen Schoß legte. Seine freie Hand fand ihren Weg auf Lewis' Schienbein ganz von allein.
      "Besser als deine Bruchbude ist es allemal," gab Santi grinsend zurück.
      Gedankenverloren strich er über Lewis' Bein, während sie beide die Zigarette rauchten. Sein Blick glitt in weite Ferne. Es war so viel passiert in den letzten zwei Tagen... Es juckte ihn in den Fingern, die ganze Sache aufzuklären - und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Aber er wusste nicht einmal, wo er anfangen sollte. Immerhin hatte er gute Gesellschaft, während er im Verborgenen bleiben musste.
      Er drückte den Stummel der Zigarette im Aschenbecher aus, dann schob er Lewis' Beine von seinem Schoß. Mit einem Seufzen öffnete er die Kiste mit dem Verbandsmaterial und fischte raus, was er brauchte.
      "Ich werd heute Nacht schlafen müssen," meinte er, während er arbeitete. "Ich bin überrascht, dass ich noch kein Nickerchen gemacht habe, nach der ganzen Action gestern."
      Es war vielleicht seltsam, aber er wollte Lewis nicht mit seinem nächsten Alptraum überraschen. Er schien immer so verstört, wenn mit Santi mitten in der Nacht aufwachte. Santi wusste nicht, ob diese Warnung irgendetwas daran ändern würde, aber er hatte den Drang, es zumindest zu erwähnen.
      "Ich weiß nicht, was es wird," erklärte er weiter. "Hab mir einen Alptraum von einer Frau in der Notaufnahme geholt."
      Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Warum machte es ihn so nervös, darüber zu reden? Lewis wusste doch, wie es ablief. Er hatte das alles schon erklärt und er hatte es auch schon miterlebt.
      "Ich äh... ich kann auf der Couch schlafen, wenn dich das stört. Die ist ja groß genug."


    • Santiago machte sich daran, sich um seine Naht zu kümmern, und Lewis setzte sich ein wenig auf, bereit dazu, ihm zur Hand zu gehen. Der Mann war erstaunlich behände in seinem Werk, ein Resultat von zu vielen Wunden, die er wohl selbst behandelt hatte. Kurzzeitig schoss es Lewis durch den Kopf, ob er überhaupt jemals jemanden da hatte, der sowas für ihn übernehmen konnte.
      "Ich werd heute Nacht schlafen müssen. Ich bin überrascht, dass ich noch kein Nickerchen gemacht habe, nach der ganzen Action gestern."
      "Du warst ja auch ein sehr beschäftigter Mann", schnurrte Lewis grinsend zurück. Er hoffte, dass der Schmerz in seinem Körper bis zum morgigen Tag anhalten würde, das hatte er am liebsten.
      "Ich weiß nicht, was es wird. Hab mir einen Alptraum von einer Frau in der Notaufnahme geholt."
      Lewis machte ein zischendes Geräusch.
      "Das wird sicher hässlich werden. Weißt du, was sie hatte?"
      Santiago sah ihm nicht in die Augen. Er arbeitete weiter an seiner Naht und das war irgendwie untypisch für den Mann. Doch Lewis kam erst darauf, als er etwas dazu setzte.
      "Ich äh... ich kann auf der Couch schlafen, wenn dich das stört. Die ist ja groß genug."
      Da begriff er erst, dass Santiago es ihm nicht aus der Laune heraus erzählt hatte, sondern irgendwie aus Pflichtgefühl, als wollte er Lewis davor warnen. Das war ja ganz süß, wie er sich stets Sorgen zu machen schien, dass Lewis auch gut schlafen konnte, wenn ihn seine Albträume heimsuchten, aber Lewis verstand nicht so recht warum. Er musste schließlich nicht unter den Albträumen leiden. Das einzige, worunter er wirklich zu leiden hatte, war die Tatsache, dass er dem Mann bei seinem Problem nicht helfen konnte, sondern immer nur mit zusehen musste, wie Santiago sich im Bett herumwälzte und leise vor sich hin stöhnte. Aber das war nichts, womit Lewis nicht klarkommen würde.
      Er rutschte zu ihm und legte ihm den Arm um den Hals.
      "Mit sowas fangen wir gar nicht erst an. Es würde mich weitaus mehr stören, wenn du auf der Couch pennst, nur wegen deinen Albträumen. Wie soll ich da denn drauf aufpassen können, dass dein knackiger Arsch nicht aus dem Bett fällt?"
      Er grinste in dem Versuch, ihn ein wenig aufzumuntern bei einem Thema, bei dem der andere sich ganz eindeutig nicht sehr wohl zu fühlen schien.
      "Wusstest du eigentlich, dass ich noch nie so lange bei einem Typen gepennt hab? Eigentlich gar nicht, das ist nicht so mein Ding. Mit dir hab ich schon einen Rekord aufgestellt und das ganz sicher nicht, weil ich dein Bett für mich allein hab."
      Er fuhr ihm mit den Fingern durch die frisch gerichteten, noch leicht feuchten Haare.
      "Du bleibst also im Bett, du wirst schlafen und ich stell sicher, dass du nicht aus dem Bett fällst oder sich deine Albtraum-Gestalten in der Realität manifestieren. Und dafür bekomm ich meine harten Eier zum Frühstück. Deal?"