About gods and demons (Nimue & Kiba)

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    • Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich sah, wie Daiki sich bewegte. Lebendig? Ja. Natürlich war ihn meine Reaktion nicht völlig entgangen. Ein Umstand der meine Wangen nur noch mehr zum glühen brachte. "Ich… ich hab nur…" Großartig, Philomena. Sehr eloquent. "...nur nachsehen ob du noch lebst. I-Ich kann ja nicht noch einen Ayakashi in diesen Jahrtausend verheizen." Als er sich aufrichtete und vor Schmerz zusammenzuckte, war all die Verlegenheit für mich schlagartig vergessen. Mein Blick suchte sofort nach kritischen Verletzungen. Das die Chimäre ihn noch ein Andenken verpasst hatte gefiel mir ganz und gar nicht. Ich musste meine Befehlstrucktur wohl ernsthaft überdenken. Er sollte doch nichts Dummes anstellen verdammt! "....Idiot....." murmelte ich mehr zu mir selbst als zu ihm. Er hatte mich geschützt. Natürlich hatte er das. Als er dann auch noch meinte, wie aus dem Nichts, dass es schön sei, dass ich unversehrt war, entwich mir ein nervöses Kichern, das ich nicht unterdrücken konnte.
      "N-Naja…", murmelte ich verlegen und sah kurz zur Seite, "...zumindest noch… irgendwie… an einem flücht" Ich erlaubte mir nur einen flüchtigen Blick zu Daiki. Sicherheitshalber. "Dank dir." Ich wollte eigentlich noch etwas sagen, doch da richtete er sich schon auf und sprach von Duschen, von Wunden reinigen ...alles so beiläufig, als hätte er sich nicht gerade beinahe für mich zerlegen lassen. Typisch immerhin war er einfach ein idiotisches, großkotziges Breitschwert!
      Mein Blick wanderte zu den Sterblichen. Schüler sammelten sich, tuschelten, starrten auf den eingestürzten Parcours. Der Nebel tat seine Arbeit, aber ich wusste: gleich würden Fragen kommen. Viele Fragen.
      Trotzdem blieb ich sitzen. Mein Arm hob sich fast von allein, meine Hand streckte sich noch gerade so nach Daiki aus. "Warte." sagte ich schneller, als ich denken konnte. "Du kommst da hinten doch gar nicht richtig ran." Meine Stimme war fester, als ich mich fühlte. "Lass mich das machen. Bitte. Ich… ich kann das. Schnell, mit meiner Magie. Bevor sie näher kommen." Er bewegte sich schon Richtung Ausgang, torkelnd, stur wie eh und je. Ach verdammt! "Dai-...." , versuchte ich es noch einmal, kaum hörbar aber es war nutzlos. Die ersten Schüler kamen näher.
      Ich zwang mich aufzustehen, ignorierte das Ziehen in meinen eigenen Muskeln, klopfte mir Staub und Magiereste von der Kleidung. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Dann setzte ich mein schönstes, harmlosestes Lächeln auf. "Alles gut!" rief ich den anderen entgegen. "Der Parcours war… äh… wohl etwas instabil aufgebaut. Materialermüdung. Physik. Ihr wisst schon..." gefolgt von einen kurzen, überzeugenden Lachen. "Der Lehrer kümmert sich sicher darum. War spektakulär, oder?" Innerlich pochte mein Herz immer noch viel zu schnell. Nicht wegen der Explosion. Doch jetzt war mein Inneres Chaos wohl erst einmal zweitrangig. Hoffentlich ging es wenigstens Daiki bald besser oder er ließ mich mit meiner Magie helfen...
    • "Der Duschstrahl macht das schon!"
      Als ob sie vor allen jetzt mit ihrer Magie helfen könnte. Wir würden auffliegen. Unsere Rollen würden verschwinden. Sie kann sich später um meine Wunden kümmern. Wenn es überhaupt nötig war. Wahrscheinlich war es gar nicht so schlimm und sie brannte nur, weil Dreck dein war und mein Shirt dran klebte.
      Ich zog mir mit den Füßen die Schuhe aus und trat sie in die Ecke. Ebenso wie die Socken. Auch meine Sporthose fand den Weg zum Boden. Zum Schluss fehlte jetzt nur noch mein Shirt. Ich griff in den Nacken und zog mir den Fetzen Stoff über den Kopf. Natürlich brannte es wieder. Sobein Mist.
      "Nur noch mit Boxershorts bekleidet stellte ich mich unter einer der Duschen, stellte sie kalt und machte sie an. Das kalte Wasser dämpfte den Schmerz ein wenig. Kurz kniff ich die Augen zusammen, ehe ich leise seufzte. Ich konnte mich kaum halten. Meine Arme stützten meinen Körper an, der mit kleinen blauen Kacheln gefließten, Wand. Gedankenverloren sah ich zu Boden. Meine Haare klebten mir am Gesicht, das Wasser färbte sich ein wenig rot von meinem Blut. Das war passiert, als ich Phila vor der Pranke schützen wollte.... Ich hatte nicht drüber nach gedacht, sondern einfach getan, was mir in den Sinn gekommen war...... Ayakashis verheizen. Als ob ich von so einem kleinen Vieh sterben würde. Ich bin ein gottverdammtes Breitschwert. Das zerbricht nicht so schnell. In Gegensatz zur... Naja egal.
      Ich wurde müde. Doch das kalte Wasser hielt mich gerade davon ab, die Augen zu schließen.. Mir war nicht kalt, aber auch nicht warm. Ein Schläfchen jetzt auf dem Dach. Das wär gut. Ich musste nur aufpassen, das Phila mich nicht sah.
    • Ja ja. Der Duschstrahl macht das schon... das glaubte dieser Ayakashi doch selber nicht! Ich verdrehte innerlich die Augen, während ich mich von den Sterblichen löste und ihnen noch ein paar beruhigende Worte mit auf den Weg gab. Einfach lächeln, ihnen mit vielen Worten etwas erklären und immer schön in einen beschwichtigenden Ton sprechen. Die gewohnte Rolle, die saß wie eine zweite Haut. Der Nebel und meine göttliche Aura machten den Rest. Diese Sterblichen Lämmchen würden sich später erinnern, dass es spektakulär, aber erklärbar gewesen war. Instabile Geräte. Ein unglücklicher Aufbau. Rein gar Nichts Übernatürliches.
      Erst als sich der Raum leerte, ließ ich die Schultern sinken. Meine Schritte führten mich wie von selbst Richtung Umkleiden. Ich sollte warten. Daiki Zeit geben. Abstand halten.
      Warum hatte er sich überhaupt zurückverwandelt? Der Gedanke ließ mich nicht los. Es hatte keinen zwingenden Grund gegeben. Ich wäre ausgewichen. Ein Wort von ihm hätte gereicht. Aber nein - der Lulatsch hatte sich zwischen mich und die Pranke geworfen, als wäre das die selbstverständlichste Entscheidung der Welt.
      Idiot! So ein heroischer, störrischer Idiot.
      In der Umkleide zog ich mich um, mehr aus Notwendigkeit als irgendetwas sonst. Die kurze Sporthose war nicht nur dreckig, sie war an einer Seite eingerissen, und das Shirt… nun ja. Nicht mehr all zu exsisttent. Ich schlüpfte in die Schuluniform, obwohl sie sich anfühlte wie eine zweite Maske über der ersten. Zu eng. Zu ordentlich. Zu sterblich.
      Wohler fühlte ich mich darin nicht. Aber funktionaler. Und darum ging es gerade.
      Meine Gedanken drifteten immer wieder zu meiner göttlichen Waffe, selbst als ich die anderen nach draußen zur Mittagspause scheuchte. Beim Kampffeld sollte in der nöchsten Zeit lieber niemand sein. Ich zwang mich dazu an den richtigen Stellen zu lachen, hörte halb zu und schließlich meine Lunchbox hervor. Ich starrte hinein, ohne wirklich Hunger zu haben. Zwei Bissen. Vielleicht drei. Mehr brachte ich nicht herunter. Stattdessen spürte ich nach innen. Nach der Verbindung. Sie war noch da. Gedämpft. Aber lebendig. Diese Erkenntnis ließ mich aufatmen. Gut. Sehr gut.
      Wieder sah ich mich um, dann auf die zweite Lunchbox in meiner Tasche. Die, die ich morgens gepackt hatte. Daikis Protion. Natürlich hatte ich sie noch.
      Die Entscheidung fiel leichter, als sie sollte.

      Das Dach war still, nur der Wind strich über die Kanten. Und natürlich lag er dort. Als wäre es der selbstverständlichste Ort der Welt für ein Nickerchen. Wie die kleine Treppe auf unserer Veranda. Ich trat näher und schnaubte leise. "Du hast echt ein Talent dafür, an den ungewöhnlichsten Orten ein Nickerchen zu halten." Ich setzte mich neben ihn, vorsichtig, damit er nicht gleich vom Rand rollte. "Fall jetzt nicht vom Dach, wenn ich mich zu dir setze. Das würde den Tag unnötig kompliziert machen." Ich zog die Lunchbox hervor und hielt sie ihm hin. "Du hast vorhin heldenhaft auf Essen verzichtet..." murmelte ich und lächelte leicht schief. "Also dachte ich, ich rette dich wenigstens davor, an Unterzuckerung zu sterben. Wäre ja peinlich...nach einer Chimäre." Für einen Moment blieb ich einfach sitzen und schaute in den Blick auf den Himmel. Die Uniform kratzte, mein Körper schmerzte, mein Kopf war voll.
      Aber uns Beiden schien es fürs erste noch ganz gut zu gehen. Und das war fürs Erste genug.
    • Gesagt, getan. Nachdem ich mit duschen fertig war, trocknete ich mich vorsichtig ab und versuchte irgendwie meinen Oberkörper zu verbinden. Es saß mehr schlecht als recht. Aber so wurde wenigstens nicht dreckig und Phila nicht misstrauisch, wenn sie ein blutverschmiertes Hemd vorfand.
      Ich ging zurück in die Umkleide. Alle waren längst verschwunden. Ein Glück. Ich wollte niemandem sehen und schon gar keine Erklärungen geben müssen. Ich zog mir die Uniform wieder an. Das Hemd saß locker, das Jacket war offen und meine Krawatte hatte ich irgendwie zugeknotet. Ich konnte es einfach nicht leiden, wenn alles zu ordentlich saß, weil alles zwickte.
      Leise schlich ich mich aus der Halle und streifte durch die Gassen, ehe ich an den Treppen nach oben ankam. Niemand sah mich. Schnell huschte ich also hoch aufs Dach und legte mich dort hin. Auf dem Rücken ausgestreckt, die Arme dienend als Kopfkissen und ein Bein angewinkelt. Es war angenehm zu wissen, dass hier niemand herkommen und mich stören würde. Der Wind wehte sanft durch mein Haar und die Sonne wärmte meinen Körper. Perfekt für ein kleines Schläfchen.

      Sagte ich, es würde mich niemand stören? Tja, Phila sah das ganze wohl anders. Ich hörte sie die Treppe rauf kommen und die Tür öffnen. Ich spürte ihre Präsenz, doch auf einer merkwürdigen Art und Weise störte es mich nicht, dass sie zu mir kam. Ganz im Gegenteil. Ihre Anwesenheit war angenehm. Und ich wusste, sie würde mich jetzt nicht extra nerven kommen. Vorsichtig setzte sie sich neben mich. Meine Augen immer noch geschlossen, denn ich hatte grad keine Energie, sie zu öffnen.
      "Keine Sorge. Ich hab dich schon bemerkt, bevor du mich auf dem Dach überhaupt gesehen hast.", murmelte ich schläfrig.
      "Außerdem kommt mich hier niemand nerven, also ist das der perfekte Ort dafür. Die Sterblichen sind für solche Dinge viel zu dämlich."
      Etwas stellte sich in die Sonne und warf einen Schatten über meine Augen. Notgedrungen öffnete ich diese nun doch und sah die Dose mit Essen darin direkt vor mir. Ich setzte mich auf, unterdrückte das Ziehen an meinem Rücken und nahm die Lunchbox in meine Hände.
      "Ja, Mama.", murmelte ich leise und öffnete sie. Mir lief tatsächlich das Wasser im Mund zusammen. Ich fing an zu essen und kaute genüsslich.
      "Es.... Ist lecker."
    • Ein leises, beinahe erleichtertes Schnauben entwich mir, als ich hörte, wie er aß. Wirklich aß. Nicht nur aus Höflichkeit ein paar Bissen, sondern so, wie jemand isst, der es gebrauchte. "Freut mich." sagte ich und versuchte, den Tonfall beiläufig zu halten. "Ich hätte es persönlich genommen, wenn du es verschmäht hättest. Dann hätte ich ernsthaft an meinen kulinarischen Fähigkeiten gezweifelt."
      Ich zog die Beine an und legte die Arme locker darum, den Blick auf die Dächer vor uns gerichtet. Der Wind spielte mit dem Saum meiner Uniform, und für einen Moment fühlte sich alles… so merkwürdig leicht an. War ich...glücklich? Es war so verdammt normal als hätten wir schon immer so... Nun, wenn man ignorierte dass er verletzt war. Und dass ich jede seiner Bewegungen aus dem Augenwinkel verfolgte.
      Daikis Hemd sah irgendwie auf halb acht, das Jacket war offen und die Krawatte schiefe. Typisch. Und dann zu seiner Haltung. Sie war irgendwie angespannt und viel zu vorsichtig. "Du weißt....", begann ich leise, fast nebenbei, "...dass ‚mehr schlecht als recht nicht dein Markenzeichen sein sollte." Ein schmales Lächeln huschte über meine Lippen. "Schon gar nicht, wenn es um deinen Rücken geht."
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass er wusste worauf ich hinaus wollte. Nur waren jetzt keine Sterblichen da die mich davon abhielten.
      "Du hast dich zurückverwandelt, ohne nachzudenken..." fuhr ich fort, den Blick wieder nach vorn gerichtet. "Das war… unnötig." Eine kurze Pause. "Und mutig. Und ziemlich dumm." Ein leises Kichern schlich sich in meine Stimme. "In genau dieser Reihenfolge." Es war verwirrend, denn auf der einen Seite machte es mir tierische Angst und auf der anderen unglaublich glücklich. "Danke. Dass du mich beschützt hast." Ich lehnte mich ein Stück zurück, ließ den Kopf gegen die Wand sinken und schloss kurz die Augen. Die Sonne wärmte mein Gesicht, der Wind kühlte meine Gedanken. "Und nur damit das klar ist...", fügte ich hinzu, "...wenn du schon heldenhaft bist, dann bitte mit vollständiger Regeneration. Ich habe wirklich keine Lust, dir morgen wieder beim Humpeln zuzusehen." Mein Blick wanderte noch einmal zu ihm, doch wesentlich weicher diesmal.
      Ich wartete, bis er den letzten Bissen genommen hatte. Dann atmete ich einmal ruhig durch und drehte mich ganz zu ihm. "So."
      Ein einzelnes Wort, ruhig ausgesprochen. Herrin-Tonfall. Nicht streng, aber eindeutig.
      Mein Blick glitt demonstrativ zu seinem Rücken, zu der Art, wie er ihn unbewusst schonte. Ich hob eine Augenbraue.
      "Essen ist erledigt. Ausruhen hast du versucht. Jetzt kommt der Teil, den du übersprungen hast." Ich stand auf, trat einen Schritt näher und verschränkte die Arme. Der Wind zerrte an meiner Uniform, aber ich ließ mich davon nicht beirren. "Zieh das Jacket aus. Und das Hemd." Eine kurze Pause. " Aber langsam. Bevor du wieder so tust, als wärst du unzerstörbar." Ich schnaubte leise, mehr amüsiert als genervt. "Du bist vielleicht ein gottverdammtes Breitschwert." sagte ich trocken "Aber selbst göttliche Waffen brauchen Pflege." Mein Blick hob sich wieder zu seinem Gesicht. "Und als deine Herrin ist es nun mal meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass du nicht halb kaputt durch die Gegend läufst." Wie sieht denn das aus, als ob ich nicht für meinen Ayakashi sorgen konnte. "Außerdem wenn du heute noch einmal vor mir zusammenklappst, werde ich dich persönlich dafür verantwortlich machen. Und glaub mir ... das willst du nicht."
      Ich kniete mich vor ihn, ohne ihn zu berühren, nur nah genug, dass er die leise Veränderung der Luft spüren musste. "Also..." murmelte ich mit einem schiefen Lächeln. "Sei brav. Nur dieses eine Mal. Dann bist du in Windeseile wieder tipptopp einsatzbereit." Mein Blick flackerte kurz zu seinem Rücken, dann wieder hoch. "Und ich verspreche-", setzte ich hinzu, mit einem kaum merklichen Kichern, "-ich versuche, nicht weiter zu schimpfen."
    • Als sie anfing zu sprechen, sah ich beschämt zur Seite. Echt jetzt? Wurde das jetzt hier ne Predigt? Musste das jetzt beim Essen sein? Ich will hier weg. Ich verdrehte die Augen und verzog meine Lippen, ehe ich doch etwas genervt brummte.
      "Phila, ich habe die Aufgabe, dich zu beschützen. Ich habe die Krallen nur auf dich zukommen sehen und wollte es verhindern. Mir ist in diesen Momenten egal, was mit mir passiert. Es ist wichtig, dass dir nichts passiert. Also sorge ich auch dafür. Ich hatte schon so viele Wunden an meinem Körper, da macht der kleine Kratzer an meinen Rücken auch nichts mehr. Es brennt halt ein bisschen. Aber morgen ist es auch wieder weg und es heilt ab.", erklärte ich und aß weiter. Sie sagte nichts mehr, also dachte ich, es wäre damit alles erledigt. Ja. Die Rechnung hatte ich ohne Phila gemacht. Denn als ich die nun leere Box wegstellte, trat sie zum Kampf an.
      Sie stand auf und kam zu mir. Ein kleiner Windstoß ließ mich unweigerlich, und ich meinte wirklich unweigerlich, unter ihren Rock blicken. Ehrlich. Ich wollte das nicht! Ich wollte nicht das niedliche, rosa Höschen sehen, welches winzig kleine Herzchen drauf hatte. Knallrot sah ich von ihr weg.
      "Könntest du bitte wieder Abstand halten oder dich hinsetzen?! Das ist nur ein dämlicher Kratzer. Da muss man sich nicht drum kümmern.", rief ich aufgeregt und panisch und hielt mir vorsichtshalber noch die Hand vors Gesicht. Und nun wurde sie auch noch herrisch. Was war sie? Eine Domina?!
      "Ist ja gut, ist ja gut. Hier nimm das Jacket und bind es dir um.", sagte ich schnell und zog mir meine Jacke aus. Mit zugekniffenen Augen hielt ich es ihr hin. Doch sie wollte auch das Hemd haben. Und ließ nichts anderes zu. Ehrlich gesagt, machte sie mir doch ein bisschen Angst. Ein Grund mehr, gewisse Sachen besser zu verheimlichen.
      "Ich mach ja schon."
      Also zog ich mir die Krawatte aus und knöpfte mir auch das Hemd auf. Langsam... wie befohlen. Ich zog mir den Stoff über meine Schultern und hervor kam der lange Kratzer. Vereinzelt konnte man auch Narben sehen, denn Castor war nicht so drauf wie Phila. Ich habe meine Wunden immer ausgehalten, weshalb es auch nicht so schlimm war, mit Dieser zu leben. Doch eine Wahl hatte ich höchstwahrscheinlich nicht.
      "Es ist wirklich nicht schlimm..... Es brennt einfach nur ein bisschen."
    • Etwas begriffsstutzig blinzelte ich meinen Ayakashi an. Ich verstand im ersten Moment nicht, warum ich mir das Jacket-? Oh... Oh! Meine Augen weiteten sich schlagartig, als die Erkenntnis einsetzte, und mein Gesicht wechselte vermutlich in Rekordzeit die verschiedensten Rottöne. Normalerweise trug ich solche Röcke nicht. Wirklich nicht. Und entsprechend hatte ich absolut nicht damit gerechnet, dass ein unglücklicher Windstoß und eine ungünstige Perspektive...
      Ich schluckte schwer, band mir hastig das Jacket um die Hüften und hockte mich augenblicklich hin, als könnte ich mich so unsichtbar machen. "Das tut nichts zur Sache." presste ich hervor. "I-ich heil dich jetzt trotzdem. Dann hast du deinen heißersehnten Frieden. Versprochen! Es wäre eine schnelle Sache, wenn du dabei nicht immer so rumzetern würdest." Verkündete ich rasend schneller während ich versuchte mich wieder zu beruhigen.
      Dann zog der Sturkopf endlich das Hemd aus. Ich war nicht überrascht. Aber… erschüttert. Der lange, frische Kratzer am Rücken war nur das Offensichtliche. Was mich traf, waren die vielen kleineren Linien, die helleren, die dunkleren. Alte Wunden. Verheilte Brüche. Spuren von Kämpfen, die niemand wohl wirklich geehrt hatte. Mein Blick glitt darüber wie über ein vertrautes, schmerzhaftes Muster. Ein Breitschwert blieb nicht makellos. Die Obsidian-Klingen hatte auch einige Schrammen und Kratzer das hieß im Umkehrschluss also auch... Das wusste ich. Und doch tat es weh, es so deutlich vor Augen zu haben. Mir war ebenso bewusst, dass es Narben gab, die tiefer gingen. Solche, die man nicht sah. Solche, die man besser nicht ansprach. Ich kannte diese Art von Wunden nur zu gut. Einige davon trug ich selbst und für einen flüchtigen, beunruhigenden Moment erkannte ich Parallelen, die ich lieber schnell wieder ignorierte. Also machte ich mich lieber ans Werk. Ich trat hinter ihn. Meine Finger schwebten einen Augenblick über der verletzten Stelle, bevor ich sie sanft auflegte. Nicht drängend. Nicht fordernd. Warm. Sanft.
      Heiliges Licht glom zwischen meinen Fingern hervor, leise, ruhig, fast scheu. Kein dramatisches Leuchten, das wäre ja auch viel zu auffällig. Ich konzentrierte mich auf den Rhythmus seines Atems, auf die Verbindung zwischen uns, ließ die Magie dorthin fließen, wo sie gebraucht wurde. Die Haut schloss sich. Die Wunde erinnerte sich daran, wie unversehrt sich anfühlte. Als ich fertig war, zog ich meine Hand zurück. Ich zögerte.
      Ich wusste, was dieser Impuls auslösen konnte der gerade in mir auf kam. Ich wusste, warum ich ihn besser unterdrücken sollte.
      Und tat es trotzdem. Ich schlang die Arme von hinten um seinen Hals, drückte mich an ihn, fester als nötig, ehrlicher als klug. Das letzte Mal, dass ich ihn so hinterrücks gehalten hatte, war… anders gewesen. Vielleicht war es Zwang, vielleicht war es Schicksal. Jetzt war es eine Entscheidung.
      Ich hatte noch immer leise Schuldgefühle weil ich diesen Ayakashi einfach in eine Pakt mit mir gezwungen hatte. Das Zeichen an seinen Hals war der feste Beweis. Dennoch gab es da such noch diese eine simple, unbequeme Wahrheit, dass ich nicht zulassen konnte, dass er sich selbst so trotzig, so still sein Leben wegwarf, als wäre es nur ein Werkzeug. "Ich weiß, dass das schwer für dich ist. Oder zumindest segr ungewohnt." Sagte ich leise, direkt an seinem Ohr. "Und ich weiß auch, dass es anfangs nicht so aussah, als wärst du mir wichtig.“
      Ich atmete tief ein. "Aber du bist es. Und genau deshalb werde ich nachsichtig sein- ja. Aber in solchen Fällen nicht locker lassen." Ein schwaches, schiefes Lächeln schlich sich über meine Lippen. "Vor allem nicht, wenn es um deine Gesundheit geht." Meine Stirn lehnte sich einen Moment gegen seinen Nacken. War Daiki so verdammt warm...oder war das ich? "Weißt du Daiki... Meine Ewigkeit ist verdammt lang ...", murmelte ich. "Und… wenn ich sie schon verbringen muss-" Ein kaum hörbares Zögern. "...dann lieber mit dir." Ich schluckte schwer. "D-deshalb wollte ich dich fragen... ich- ... A-also-" verdammt warum war das so schwer? Vor damals war es so einfach gewesen. Aber jetzt... "Ich bitte dich- Daiki willst du für diesen Rest meiner Ewigkeit mein Partner sein? Und... über diese dämlichen Sterblichen wachen, auch wenn sie manchmal nerven? Als mein Ayakashi?"
    • Als ich mein Hend ausgezogen und neben mich fallen gelassen hatte, spürte ich dem intensiven Blick von Phila auf mir. Sie starrte mich an und ich fühlte mich unwohl. Mein Körper war keine Schönheit, das wusste ich. Und die nervigen Sterblichen würden alle vor mir weglaufen, wenn sie wüssten, wie es unter der Haube aussah. Und bis jetzt war es mir auch immer egal gewesen. Aber als Phila sich die einzelnen Narben ansah, wünschte ich mir, sie würde sie nicht sehen.
      "Hör auf, sie anzusehen. Ich weiß, dass das nicht schön ist, aber sie gehen nunmal auch nicht mehr weg.", brummte ich leise und wandte mein Gesicht von ihr ab.
      Im nächsten Schritt spürte ich ihre Hände an meiner Haut. Sie waren warm und zärtlich. Wie ein Feuer, dass mir den Rücken wärmte. Das Brennen verschwand langsam. Und mit ihm auch die Wärme. Es wurde kurz merklich kalt, als der Wind wieder über das Dach wehte. Ich wollte mir mein Hemd gerade wieder nehmen und überziehen, als die Wärme an meinen Rücken zurück kam. Mit ihr die zwei Arme, die sich um meinen Hals schlangen. Ich weitete überrascht die Augen und war schon kurz davor, mich aus ihrem Griff zu winden, als ich ihre Worte direkt an meinem Ohr wahrnahm. Philas Stimme klang weich und sanft. Ganz anders als sonst. Wenn man drüber nachdachte, habe ich in den letzten Minuten viel zu viele neue Seiten von ihr gesehen. Seiten, mit denen ich nicht umgehen konnte. Nicht wusste, was ich machen sollte. Die mir auf eine eigenartige Art und Weise Angst machten. Anderseits gab es ein Gefühl von Sicherheit. Trotzdem ließ ich es zu und hielt still. Trug ihren zarten dünnen Körper auf meinem. Ich schluckte. Mir gefiel nicht, wie sie anfing. Wie sie von meiner Gesundheit redete. Was sollte ich denn darauf antworten? Ein Schauer breitete sich auf meiner Haut aus. Ihr Gesicht vergrub sich in meinem Nacken und mir wurde warm. Selbst die kühle Luft konnte mir nicht helfen. Meine Iren bewegten sich in ihre Richtung, ohne meinen Kopf zu bewegen. Aus irgendeinen Grund wollte ich das alles mit einer Bewegung nicht zerstören. Und doch zuckte ich überrascht, als sie mich fragte, ob ich blieb.
      "Du willst, dass ich bei dir bleibe? Ich.... kann deine Lanze nicht ersetzen. Du weißt, dass ich das einfach nicht bin.", fing ich an. Ich wusste ja, dass ich nicht einfach war, meinen Dickschädel hatte und sie es nie leicht mit mir hatte. Ich immer meinen Weg ging und man manchmal sich an mir die Zähne aus biss. Trotzdem wollte sie, dass ich ihr Partner wurde.
      "Ich.... ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich... würde gern bleiben. Du.... willst mich für immer? Das ist eine verdammt lange Zeit.", sagte ich leise. Ohne Spott. Ernst gemeint. Meine Hände zitterten. War es richtig so? Es fühlte sich richtig an. Aber vielleicht war es auch aus Gewohnheit. Wir kannten uns nun schon ziemlich gut. Aber vielleicht sollte das auch so sein.
    • Für einen Moment sagte ich nichts.
      Seine Worte lagen zwischen uns wie etwas Zerbrechliches, etwas, das man nicht einfach aufheben konnte, ohne sich zu schneiden. Das war wohl typisch für ein göttliches Breitschwert. Doch... Ich würde gern blieben.... Du... willst mich für immer? Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er es so aussprechen würde. Nicht so ....ehrlich. Das passte ganz und gar nicht in das Bild was ich von Daiki kannte. Sein Rücken war warm unter meiner Haut. "Du bist wirklich unmöglich." murmelte ich leise und kam nicht drum herum zu schmunzeln. "Ich rede von Ewigkeit und du denkst sofort an Ersatzteile." Mir war bewusst wie unsicher Daiki gerade war, dafür brauchte ich nicht einmal in unserer Verbindung zu spüren. Und diese Unsicherheit rührte mich sogar mehr, als ich zugeben wollte. "Ich will doch keine Lanze." sagte ich ruhig. "Ich will dich." Mein Herz schlug mir mittlerweile bis zum Hals. Aber es war die Wahrheit. "Ja...", fuhr ich fort. "Ewigkeit ist verdammt lang. Unverschämt lang. Lang genug, um sich zu verlaufen, sich zu streiten, sich gegenseitig wahnsinnig zu machen." Genau das war ja im Prinzip unsere Kennlerngeschichte. "Und glaub mir, du bist hervorragend darin, letzteres zu beschleunigen." Ich sah zu seinen zitternden Händen, dann wieder in sein Gesicht.
      "Aber genau deshalb frage ich dich nicht, ob du perfekt bist. Oder ob du immer bleibst. Ich frage dich jetzt nur, ob du willst." Meine Stimme wurde leiser. "Nicht als Ersatz. Sondern als mein Partner." Ich wünschte es wäre anders, ich hätte Daiki so gern noch mehr gesagt doch... ich brauchte ihn nicht in die Augen zu sehen um zu wissen wie schwierig es gerade für ihn war. Wahrscheinlich war es schlimmer als jede Auseinandersetzung mit einer Chimäre. "Falls es dich beruhigt: Ich habe nicht vor, dich jeden Tag der Ewigkeit anzustarren oder zu umarmen. Manche Tage lasse ich dich bestimmt einfach in Ruhe auf Dächern oder Treppen herumliegen." Ich hob eine Augenbraue und zwinkerte. Villeicht war es so leichter. Ich wollte diesen sturen Lulatsch weder zwingen noch ihn von die eine auf die andere Sekunde verändern. "Aber verdammt nochmal - ja." sagte ich schließlich, offen wie klar. "Ich will, dass du bleibst. Nicht, weil ich dich brauche, um zu kämpfen ... sondern weil ich dich bei mir haben will." Dann lächelte ich, weich, ehrlich, mit einem Mut, der mich selbst überraschte. "Und da wie uns gerade so einig sind...." Allein dieser Satz kostete mich mehr Mut, als ich zugeben wollte. Langsam, fast zögerlich, hob ich den Blick. Seine Augen trafen meine ... warm, dunkel, viel zu aufmerksam. Mein Atem stockte. Bei allen Göttern, warum konnte er mich mit einem einzigen Blick aus seinen Mandelaugen so aus dem Gleichgewicht bringen? Ich schluckte und begann leise zu sprechen, mehr zu mir selbst als zur Welt um uns herum. Die Worte waren heillig und uralt. Älter als diese Schule, älter als die Stadt unter uns, ja sogar älter als ich selbst. Und doch fühlten sie sich erschreckend persönlich an.
      "In Chaos gefunden,
      Auf lang' Zeit gebunden.
      Im Guten und Schlechten zu Zweit,
      für eine ganze Ewigkeit.
      Zum Schützen geboren,
      verdammt und verschworen.
      Teilen dies' Los von nun an zu Zweit,
      für eine ganze Ewigkeit."

      Als die letzten Silben meine Lippen verließen, hielt die Welt inne. Der Wind verstummte, als hätte selbst er begriffen, dass er hier nichts zu suchen hatte. Die Luft wurde schwer, gespannt wie kurz vor einem Gewitter. Dann bebte der Boden unter meinen Füßen nicht bedrohlich, sondern antwortend. Aus der Tiefe stieg ein Leuchten auf, erst zaghaft, dann klar und kraftvoll. Blaue und rote Glutlinien zeichneten sich um uns, verschlangen sich, schlossen sich zu einem Kreis, der älter war als jede Sprache, die ich kannte. Runen flackerten auf, fremd und doch vertraut, als hätten sie nur auf diesen Moment gewartet. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Jetzt, dachte ich. Jetzt gibt es kein Zurück. Ich öffnete die Augen, sah ihn an ....und bevor mein Mut mich verlassen konnte, beugte ich mich vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Kein Besitz. Kein Zwang. Nur ein Versprechen.
      Es war nicht lang und doch schien der Moment fast endlos zu sein. Ruckartig, um den Bogen nicht noch mehr zu überspannen löste ich erst meine Lippen vom seiner Wange und dann mich ganz und gar von ihm. Viel zu hektisch und viel zu hastig band ich mir Daikis Jacket von der Hüfte. "H-hier.... damit du... Du dich wieder anziehen kannst." Ich vermied Blickkontakt als ich es ihn reichte. Nicht weil ich es wollte aber weil ich glaubte das es Daiki so lieber war. "Wenn.... wenn du fertig bist können wir ja... können wir ja wieder zurück gehen." Jetzt wo wir ganz und gar ein Team mit gültigen Pakt waren, hatten wir erst Recht einen Auftrag zu erledigen!
    • Da saß ich nun. Auf dem Dach. Phila immernoch an meinem Hals. Und sie redete davon, dass sie mich als ihren Partner wollte. Unweigerlich kamen Bilder in meinen Kopf. Bilder, die Götter beinhalteten, die mich auch unbedingt wollten und dann merkten, dass ich viel zu stark für sie war. Castor, der mich aufnahm, weil er stark war und wir ein ziemlich hartes Leben zusammen hatten. Phila, die über mich gestolpert war und mich aus Übermut wählte. Nun war es so, dass sie sich für mich entschied, weil sie es wollte. Sie wollte nicht meine Stärke. Sie wollte mich. Und ich brauchte noch, um das alles zu verarbeiten. Verschiedene Gefühle tobten gerade wie ein Hurrikan in mir.
      Ich drehte mein Gesicht zu ihr und sah sie an. Suchte nach Antworten in ihren Augen. Sie sah sehr sicher in dem aus, was sie wollte. Da waren keine Zweifel. Keine Unsicherheit. Ich schluckte. Dann sprach sie den Spruch. Mir wurde warm ums Herz. Mein Mal an meinem Hals leuchtete auf, es wurde still um uns herum. Lichter schwirrten um unsere Körper. Ich sah nach oben. Es sah irgendwie wunderschön aus. Gleichzeitig nahmen die Lichter einen total ein und man fühlte sich eingeengt. Als würde man nie wieder aus dem Wirbel herauskommen. Völlig fasziniert von dem ganzen starrte ich nach oben und beobachtete die Farbenspiele. Ich war so konzentriert, dass ich nicht mitbekam, wie Phila sich meinem Gesicht näherte und mir ihre Lippen auf die Wange drückte. Ich weitete meine Augen und erstarrte zur Salzsäule. Meine Haut veränderte ihren Farbton zu knallrot und ich blinzelte. Hatte sie grad-? Sie....Sie hatte mich doch..... Das hatte ich mir nicht eingebildet.
      Die ganze Atmosphäre verschwand allerdings ruckartig wieder, als sie sich von mir löste und mir stotternd die Jacke wieder gab. Achja... ich war obenrum immernoch nackt. Ich räusperte mich und zog mir meine Hemd, sowie meine Jacke wieder an. Auch diesmal machte ich mir nicht die Mühe, es in die Hose zu stecken, die Jacke blieb offen und die Krawatte schlakerte am meinem Hals. Dann sprach sie auch schon den Auftrag an.
      "Ja. Gehen wir wieder zurück. Erledigen wir unseren Auftrag.", sagte ich eher monoton und leicht abwesend. Ich brauchte noch etwas, bis ich das verarbeitet hatte.
    • Ich schob die Hände in die Taschen meines Rocks, atmete langsam aus und sammelte mich. Herrin. Göttin. Verantwortung. Also reiß dich zusammen! Dennoch fürchtete ich noch immer mit der Paktschließung, einen Schritt zu viel gemacht zu haben. "Mhm..." machte ich nur leise und trat neben ihn, den Blick auf die Stadt gerichtet. Von hier oben wirkte alles klein. Überschaubar. Fast harmlos. Als hätte es nie Ayakashi gegeben, keine Götter, keine uralten Pakte, die mit einem einzigen Satz ein ganzes Leben neu ordnen konnten. Ein Teil von mir wollte ihn anstupsen. Ein anderer ihm sagen, dass er nicht funktionieren musste. Dass Ewigkeit kein Befehl war, sondern ein Angebot. Stattdessen entschied ich mich für etwas Drittes. Mit Scherzen von meiner eigenen Unsicherheit ablenken, natürlich.
      "Du klingst, als hätte man dir gerade den Kopf neu verkabelt." sagte ich trocken, mit einem schiefen Grinsen, das er nicht sehen musste, um es zu hören. "Keine Sorge. Du hast es überstanden. Das passiert nicht so schnell nochmal." Ich warf meinen Ayakashi einen Seitenblick zu. Die Krawatte hing schief, das Jackett offen, das Hemd nur halbherzig geschlossen. Einsatzbereit, ja. Aber nicht ordnungsgemäß hergerichtet. Aber nicht geleckt und geschniegelt war ehrlich. Und genau so war er. Genau deshalb war ich froh ihn zu haben.
      "Aber nur, damit das klar ist, du gloreiches Breitschwert..." fügte ich ruhig hinzu, mit jener festen Wärme, die ich sonst nur trug, wenn ich es ernst meinte. "Partner oder nicht, ich werde trotzdem weiter nerven, auf dich aufpassen und deine Gesundheit maßlos überbewerten. Gewöhn dich besser dran." Ich konnte mir ein schelmisches Lachen nicht verkneifen und bemerkte erst wie in sich gekehrt Daiki noch immer wirkte.
      Natürlich brauchst du Zeit, dachte ich und seufzte kaum hörbar. Ewigkeit war kein kleines Wort. Nicht für Sterbliche. Nicht einmal für Götter, wenn man ehrlich war. Ayakashis hangen wohl auch irgendwo dazwischen. "Monoton steht dir nicht. Du klingst dann immer, als würdest du gleich einschlafen oder jemanden erschlagen. Beides ist im Dienst eher unpraktisch." murmelte ich mehr zu mir selbst als zu Daiki während wir endlich richtung Türr gingen. Ein kleinweinig Humor, bewusst nr ein winziges Bisschen. Druck führte bei seinen Dickschädel ja nur zu Gegendruck... das hatte ich längst gelernt.
      Unten, zurück im Trubel des Schulgeländes, zog ich meine Aura wieder enger an mich, schlüpfte mühelos in meine sterbliche Rolle zurück. Stimmen, Lachen, der Geruch von Essen. Alles so flüchtig. So kurzlebig. Merkwürdig eigentlich. Ich hatte gedacht unsere Literaturstunde hatte längst angefangen doch nun kamen die Schüler gerade erst aus der Pause. Als wäre die Zeit stehengeblieben oder zumindestens meine Wahrnehmung verzerrt.Der Gang war laut. Nicht chaotisch laut, eher dieses gleichmäßige, lebendige Rauschen aus Stimmen, Schließfächern und hastigen Schritten, das immer kurz vor Stundenbeginn entstand. Metall klapperte, irgendwo lachte jemand zu schrill, ein paar Meter weiter stritt man sich darüber, wer wessen Stift geklaut hatte. Alltag. Sterblichkeit in Reinform.
      Ich reihte mich ganz selbstverständlich ein, lehnte mich an mein Schließfach und tat, was ich hier eben tat. Bücher herausnehmen. Andere hineinlegen. Literaturordner, das abgegriffene Taschenbuch mit den Eselsohren, das ich natürlich schon gelesen hatte ,mehrfach immerhin hatte ich schon mehr als genug Lebenszeit gehabt. Ich ließ die Finger kurz über den Buchrücken gleiten, als müsste ich mich vergewissern, dass er wirklich da war.
      "Hast du die Hausaufgabe gemacht?"
      "Welche Hausaufgabe?"
      "Genau die."
      Ich lächelte flüchtig, ohne mich einzumischen und beobachtete das Treiben einfach still aus den Augenwinkl. Ich tat das gern. Die Art, wie Sterbliche sich vorbereiteten, war faszinierend. Panik, Improvisation, Optimismus ...alles gleichzeitig. Ein paar Spinde weiter versuchte jemand verzweifelt, einen zerknitterten Zettel glatt zu streichen, als ließe sich so der Inhalt retten. Zwei andere saßen auf dem Boden, Rücken an der Wand, und wiederholten laut Gedichtinterpretationen, die immer schlechter wurden, je länger sie redeten. Tja... die Literaturstunde. Natürlich.
      Ich schob mir eine Haarsträhne hinter das Ohr und atmete langsam aus. Die Uniform saß ordentlich, aber sie fühlte sich immer noch an wie eine Rolle. Eine, die ich inzwischen gut spielen konnte. Klassenkameradin. Mitschülerin. Nicht Göttin. Nicht Herrin. Einfach Philomena Vasilieva. Die Glocke war noch gnädig und ließ uns ein paar Sekunden. Sekunden die ich wirklich brauchte. Nachdem ich mit Daiki erst gekämpft und dann den Pakt geschlossen hatte war ich etwas angeschlagen. Schließlich schloss ich mein Schließfach, das metallische Klick überraschend endgültig, und nahm das Buch unter den Arm. Während wir uns langsam Richtung Klassenraum bewegte sah ich die teuschelnden Mädchen aus meiner Klasse wieder. Herje... von den Dramen der Sterblichen war meinen Pause jetzt wohl auch vorbei.
    • Phila versicherte mir, dass das alles so schnell nicht wieder passieren würde. Unbewusst legte ich meine Hand an die Stelle, die sie eben noch geküsst hatte. Es kam eben alles.... ein wenig überraschend. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet. Es war.... ich fand keine Worte. Doch ich hatte auch keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Sie redete einfach weiter und ließ keine Meinungsänderung zu. Ich rollte mit den Augen.
      "Du übertreibst. Ich bin kein kleiner Junge. Ich kann auf mich aufpassen.", murmelte ich leise und fuhr mir durch die Haare. Ich musste wieder runterkommen. Wieder ich selbst sein. Ja. Schluss mit der Duselei. Und so wie sie sich anhörte, war monoton ja auch nicht ihr Ding. Ich hatte meine Hände lässig in die Hosentaschen gesteckt, beugte mich aber zu ihr runter, um auf Augenhöhe mit ihr zu sein.
      "Vielleicht bin ich müde. Oder ich habe Lust, jemanden wirklich eine reinzuhauen.", sagte ich. Gosh, ich musste damit aufhören.
      "Gehen wir besser. Sonst passiert wirklich noch was."

      Wieder unten angekommen, liefen die ganzen Schüler durch den Flur und wuselten durch die Gegend. Wirklich. Warum musste das ausgerechnet eine Schule sein? Hätte das nicht irgendwas anderes sein können? Ich seufzte leise. Ich ging ans Schließfach und holte Bücher raus, dir wir brauchten und ging dann weiter. Es müsste gleich klingeln. Eigentlich könnte man doch schon zum Klassenraum gehen. Vielleicht hatte man schon ein wenig Ruhe. Jetzt noch irgendwo raus wäre wohl zu spät.
      "Hey Philomena. Endlich hab ich dich gefunden. Ähm. Der Ball. Gehst du mit mir hin? Ist wohl dein Glückstag heute, hm?"
      Ich hörte nur eine männlichen Stimme Philas Namen sprechen und ich hielt inne. Als ich mich umdrehte, sah ich wie ein Typ hinter mir stand und meine Herrin anmachte. Ich war mir nicht sicher, aber die Menschen hier würden ihn wohl als Schönling beschreiben. Zumindest kreischten hier ein paar hinter vorgehaltener Hand. Wieder verdrehte ich brummend die Augen. Ich bewegte mich auf dieses merkwürdige Paar zu und schob mich dazwischen.
      "Sieh zu, dass du hier wegkommst. Sie hat garantiert kein Interesse, mit dir zum Ball zu gehen.", knurrte ich und sah ihn sauer an. Was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Doch dieser war überhaupt nicht beeindruckt und grinste bloß.
      "Was denn? Hast du sie etwa schon gefragt? Als ob sie mit dir ausgehen würde.", konterte er. Wütend griff ich in seinen Kragen und zog ihn zu mir.
      "Verpiss dich. Bevor ich dich zu Kleinholz verarbeite.", knurrte ich bedrohlich und er hob ergebend die Hände. Ich ließ ihn grob wieder los und er lächelte wieder. Gott, wie ich ihn hasste.
      "Wie es aussieht, hast du noch nicht gefragt. Philomena. Lass uns nochmal treffen, wenn dein Macker nicht in der Nähe ist.", er zwinkerte ihr zu und ich fragte mich, was der sich überhaupt einbildete.
      "So ein Blödmann. Der braucht gar nicht wieder zu kommen."

      Chris:
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    • Meine Arme waren voll, viel zu voll.
      Ich hatte alle Bücher, die wir für Literatur brauchten und ein paar mehr, die ich vorsorglich mitgenommen hatte, fest an meine Brust gepresst. Die Kanten drückten unangenehm gegen meine Unterarme doch die Einbände rochen nach Staub und Druckerschwärze. Es war… vertraut wie auch angenehm. Und vor allem ein guter Vorwand, nicht darüber nachdenken zu müssen, was gerade eben auf dem Dach passiert war. Oder warum mein Herz immer noch ein kleines bisschen zu schnell schlug.
      Der Flur war ein Strom aus Bewegung. Sterbliche, die kamen und gingen, lachten, diskutierten, sich entschuldigten, wenn sie sich beinahe anrempelten. Manche flackerten in meiner Wahrnehmung wie schlecht eingestellte Lichter ihre Auren unstet, laut, widersprüchlich. Jetzt wo die Chimäre impoldiert war brauchte es wohl wieder Energie... Für mich war das wie ein permanentes Ziehen unter der Haut, ein leises Flimmern am Rand des Blickfelds. Ich ließ mich mitziehen, Schritt für Schritt Richtung Klassenraum, konzentrierte mich darauf, nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Kurz vor dem Türrahmen stoppte jemand direkt vor mir. Ich blieb stehen. Blinzelte irritiert und sah auf. Der Junge vor mir lächelte dieses mühelose, selbstverständliche Lächeln, das nicht wirklich die Augen erreichte und trotzdem alle anderen blendete. Für einen Moment hatte ich ddieses verwirrende Gefühl, ihn kennen zu müssen. Der Nebel zog sich unwillkürlich enger um mich, ich suchte nach Erinnerung, nach Einordnung ... als würde mein Geist nach einem Namen greifen, der ihm absichtlich entzogen worden war.
      Dann klickte es. Chris. Schulschwarm. Massenliebling. Einer von denen.
      Ich sagte nichts. Starrte ihn nur an und legte den Kopf leicht schief während ich meine Bücher fester an mich drückte. Ich brauchte einen Moment. Ehrlich. Nicht aus Ehrfurchht oder Verlogenheit, sondern weil ich im ersten Augenblick nicht verstand was er von mir wollte. Er fragt mich ob er mich ausführen konnte. Er meint das ernst. Er hält meine Zustimmung wohl für selbstverständlich. Noch bevor ich etwas sagen konnte, oder überhaupt wusste, was ich sagen wollte, schob sich Daiki zwischen uns. Die Eskalation war… beeindruckend schnell du die Atmosphäre spannte sich schlagartig wie ein gezogener Draht. Chris selbstgefälliges Lächeln kippte einen Sekundenbruchteil lang während seine Füße vom Marmorboden abhoben. Meine Bücher rutschten gefährlich, ich keuchte leise auf.
      "Daiki." sagte ich schnell, ruhig, aber mit Nachdruck. Göttin oder nicht das hier war ein Schulflur. "Bitte."
      Ich trat einen Schritt näher, verlagerte mein Gewicht, hielt die Bücher fester und zwang meine Stimme in diplomatische Bahnen. "Das ist nicht nötig." Zum Glück, wirklich zum Glück, ließ Daiki schließlich los. Der Junge trat einen Schritt zurück, murmelte etwas Unverständliches und verschwand im Stimmengewirr. Unversehrt. Lebendig. Ob die Lektion hängen blieb, war… fraglich. Ich atmete auf. Erst jetzt sah ich Daiki an. Seine Kieferlinie war noch angespannt, seine Haltung viel zu bereit für einen weiteren Kampf. "Wir schützen Sterbliche." sagte ich sanft, aber bestimmt. "Wir sollten sie im Normalfall nicht angehen." Ich wollte konsequent blieben, aber verräterischer Weise wurde meine Stimme doch sanfter. "Auch wenn… ich zugeben muss, dass ich das Engagement bemerkt habe."
      Ganz tief in mir fühlte ich mich ein winziges unangebrachtes geschmeichelt. Ich ignorierte es pflichtbewusst. "Ich habe einen Moment gebraucht, um zu verstehen, was er wollte..." fügte ich erklärend hinzu. "Und ehrlich? Ich finde es gleichermaßen amüsant wie tragisch, dass die halbe Schule sein verwöhntes Verhalten und dieses falsche Lächeln mit Persönlichkeit verwechselt."
      Ich grinste. "Ihm fehlen einfach die Ecken und Kanten. ....Oder Narben." Dann sagte ich nichts mehr. Ich drehte mich wortlos um, ging zu meinem Platz, legte die Bücher ordentlich ab und strich eine Seite glatt, als könnte ich damit auch meine Gedanken sortieren. schließlich setzte ich mich an meinen Platz und atmete ein letztes Mal tief durch.Die Lehrerin trat ein. Die Stunde begann.
    • "Schützen?! Phila, der Kerl hat dich eiskalt in meiner Anwesenheit angebaggert. Das lass ich doch nicht durchgehen. Ich würde ihn ja nicht umbringen, sondern.... nur einen Denkzettel verpassen.", ich war wütend. Jetzt sollte ich den Typen auch noch in Schutz nehmen, der sich vor meinen Augen an meine Herrin ranmacht. Was denkt die sich denn? Ich wollte grade auch noch weiter etwas erwidern, als sie mir mit einem einzigen Satz doch den Wind aus den Segeln nahm. Ecken und Kanten? Narben? Nachdem ich verstand, färbten sich meine Wangen in ein zartes Rosa und ich blickte ihr verdutzt hinterher. Eh? Meint sie.... findet sie meine Narben etwa gut? Niemand findet Narben gut. Deswegen hab ich sie ja versteckt. Naja.. so halbwegs. Ich biss mir auf die Lippe.
      "Phila, warte mal! Was soll das heißen? Phila!", rief ich und rannte hinter ihr her.
      "Was meinst du genau mit den Kanten und Narben? Also... ja ich weiß, dass ich welche habe. Und.... du findest sie doch nicht etwa gut? Das ist doch blödsinnig."
      Ich war überfordert. Doch als ich zu ihrem Platz ging, kam auch schon die Lehrerin und ich seufzte ergeben. Ich setzte mich auf meinen Platz und sah aus dem Fenster. Meinen Kopf in meiner Hand. Ich hörte nicht zu. Eher fesselte mich meine Gedanken. Ihm fehlten Ecken und Kanten. War er zu perfekt? Wieso redeten wir überhaupt darüber? Naja... ich redete darüber. Eine Antwort hatte ich ja nicht erhalten. Dann hörte ich zwei Mädchen hinterher mir tuscheln.
      "Wurdest du schon gefragt, mit wem du zum Ball gehst?" - "Nein. Ich möchte, dass Phil mich fragt."
      Hä? Wurden jetzt alle bekloppt? Wieso fragte man, ob man zum Ball ging? Musste....ich nun auch fragen? Aargh, das ist ja zum Verrückt werden. Ich raufte mir die Haare. So ein Schulleben ist einfach nichts für mich. Ich bin froh, wenn ich hier raus war.
      "Ich muss aufs Klo.", sagte ich geradeaus, stand auf und ging. Das war mir grad alles zu viel.
    • Ich drehte mich nicht um. Nicht, als er meinen Namen rief. Nicht, als seine Stimme lauter wurde, oder aufgebrachter klang.
      Ich ging weiter, Schritt für Schritt, die Bücher fest an mich gedrückt, als wären sie ein Schutzschild. Wenn ich mich jetzt umgedreht hätte, wäre es passiert. Ich hätte gelächelt. Oder schlimmer noch ...ich wäre rot geworden. Und das… das durfte nicht sein. Nicht hier. Nicht vor ihm. Nicht vor all diesen Sterblichen.
      Ich verstand nicht einmal alles, was er sagte.
      Anbaggern. Ein Wort, das ich irgendwo einordnen konnte, aber nicht ganz. Etwas Unangebrachtes, offenbar. Etwas, das ihn wütend machte. Sehr wütend. Auf eine Weise, die ich an ihm selten erlebt hatte.
      Und doch … es schmeichelte mir.
      Dieser Gedanke kam unerwartet, traf mich aber wie ein warmer Luftzug im Nacken. Mein Herz schlug schneller, ohne triftigen Grund. Ich hasste es ein wenig. Und gleichzeitig nicht.
      Grund genug mich um so mehr auf den Unterricht zu konzentrieren. Das war doch eine willkommene Abwechslung. Ich arbeitete mit. Meldete mich. Las vor. Interpretierte Textstellen, als wäre ich ganz hier, ganz sterblich, ganz unbewegt. Die Lehrerin nickte anerkennend. Ich war lang genug am Leben um all diese Dinge miterlebt oder zumindest 300 Mal gelesen zu haben. Natürlich war es einfach für mich. Dann bemerkte ich wie Daiki plötzlich aufstand. Nicht abrupt, eher...wie jemand, der zu lange stillgesessen hatte, während etwas in ihm tobte. Na klar... es arbeite in ihn. Gefühle waren überfodernd also zog er sich lieber zurück. Ich sah, wie er ging und wie angespannt seine Schultern waren. Es passte wie wenig er sich um Blicke oder Regeln scherte. Ein leises Raunen zog durch die Reihen. Unsere Mitschülerinnen schienen bedruckt oder amüsiert. Ich konnte es nicht genau sagen. Mein Blick folgte ihm unauffällig bis zur Tür. Schließlich sah ich auf und zählte in Gedanken. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Dann sah ich zur Uhr. Noch viel Zeit. Zu viel. Mein Blick wanderte zum Fenster. Der Himmel war blass, fast zu friedlich für das Chaos in meinem Inneren. Ich starrte hinaus, ließ die Stimmen im Klassenraum zu einem dumpfen Hintergrundrauschen werden.
      Was ist los mit mir? Warum war ausgerechnet er derjenige, der das konnte? Es war lächerlich. Ich war älter als diese Schule, älter als diese Stadt, älter als die meisten Geschichten, die hier gelesen wurden.
      Und doch fühlte ich mich… so... so.... kopfschüttelnd versuchte ich den Gedanken zu vertreiben, den ich nicht einmal zuende denken wollte. Mein Magen zog sich unangenehm zusammen. Schwindel. Oder etwas, das sich so anfühlte. Abrupt hob ich Hand. "Entschuldigung." sagte ich ruhig, fast zu ruhig. "Mir ist etwas unwohl. Darf ich kurz nach draußen?" Die Lehrerin musterte mich, nickte aber dann. "Ja, gut. Aber nicht zu lange." Ich bedankte mich nickend ehe ich auf stand.
      Der Flur war ruhig und still. Ich atmete einmal tief durch und ließ meinen Blick wandern...ich suchte nicht bewusst nsch etwas oder jemanden und doch war da so eine kleine Hoffnung als ich zur großen Eingangstür schlenderte.
    • Nein. Mich interessierten weder die Schüler noch die Lehrer. Ich musste keinen Abschluss absolvieren. Ich hatte einen Job. Und zwar die Waffe eines Gottes sein. Die Waffe von Phila. Da waren mir irgendwelche Buchstaben und Zahlen auf dem Papier völlig wumpe.
      Ich steckte meine Hände in die Hosentaschen und schlenderte langsam den Flur entlang. Ruhe lag um mich herum. Man hörte nicht mal die Vögel zwitschern. Wie auch? Die Fenster waren geschlossen. Wenn nicht sogar abgeschlossen, damit niemand raus fiel. Ich sah nach unten. Es tobte in mir. So viele Gedanken wirbelten in meinen Kopf herum. Doch ich konnte sie weder sortieren noch einordnen. Was sollte das mit dem Typen? Wieso hat Phila so reagiert und warum hat es mich so wütend gemacht? War es die Dreistigkeit? Und was meinte sie mit den Narben? Ich hatte gemerkt, dass sie mich angestarrt hatte, als sie den Kratzer heilen wollte. Ja, es gab schon mehrere Unfälle. Mein Körper litt nicht das erste Mal an einer Wunde. Aber andererseits erinnerte mich jede einzelne daran, was in meinem Leben schon alles passiert ist. Wen ich beschützt habe. Und warum. Es zeigt, dass ich wahrhaftig ein Breitschwert bin und kein einfaches Messer, so wie viele gehofft hatten. Ich seufzte leise.
      Ein leichter Windstoß fuhr durch meine Haare und erst jetzt hatte ich bemerkt, dass ich draußen war. Ich sah in den Himmel. Eine einzige Wolke hatte sich verirrt. Komischerweise konnte ich genau fühlen, was sie fühlen musste. Verirrt.
      So langsam beruhigte sich mein Herz und ich entspannte mich. Ich fühlte mich ein wenig gelösten und weniger eingeengt. Auf dem 'Klo' könnte ich länger meine Zeit verbringen.
    • Oh man. Wer hätte auch nur ahnen können, dass es keine Anomalien gab, welche mir bei meinem ersten Auftrag nach Jahrhunderten zusetzen würden, sondern die Bindung zu meinem Ayakashi selbst? Da hatte sich das Schicksal ...oder was auch immer sich dafür hielt, wirklich einen besonders feinen Scherz erlaubt.
      Ich ließ die Einganstüren hinter mir und folgte keinem Plan, sondern einem Gefühl. Raus aus den Gängen, raus aus dem Lärm, hin zu einem Ort, an dem selbst Sterblichkeit kurz innehielt. Der kleine Innenhof lag ruhig da, sonnenwarm, mit einer Bank, die aussah, als hätte sie schon Generationen von Schülern und Geheimnissen getragen. Ich setzte mich, schob den Rock glatt und atmete tief ein.
      Dann sah ich ihn.... Daiki...
      Er stand etwas abseits, den Blick in den Himmel gerichtet, so still, dass selbst der Wind vorsichtig an ihm vorbeistrich. Eine einzelne Wolke hatte sich verirrt. Natürlich. Ich hätte lachen können, wenn mein Herz nicht gleichzeitig dieses unruhig zu Pochen begann. Ich fragte mich, ob ich ihn stören sollte.
      Daiki brauchte Raum, das wusste ich mittlerweile. Breitschwert oder nicht... solche Dinge legt man nicht einfach ab, ohne dass sie nachhallen.
      Also stand ich wieder auf. Meine Schritte waren langsam, absichtlich leicht, als könnte ich ihn sonst verschrecken. Ich näherte mich nicht frontal, sondern seitlich, setzte mich schließlich neben ihn auf die Bank, mit genug Abstand, um Freiheit zu lassen, aber nah genug, um nicht fern zu wirken. Eine Weile hielt ich es aus ohne etwas zu sagen. Schlussendlich begann ich doch los zu plaudern. "Du siehst aus, als würdest ddulden Moment mit dem Himmel diskutieren" Ich folgte seinem Blick nach oben. "Die Wolke da oben wirkt auch nicht sonderlich entschlossen." Ein Moment Stille. Keine peinliche. Eine echte. Ich war schon wieder... glücklich? ....Zufrieden?
      Dann wandte ich den Kopf leicht zu ihm. "Wie geht es dir?" fragte ich sanft. "Und…" ich zögerte. "…kann ich dir irgendwie helfen?"
      Ich legte die Hände locker in meinen Schoß, Göttin hin oder her, und wartete. "Fragst du dich immernoch wie ich das gemeint habe?" Ich musste dabei so blöd schmunzeln. Irgendwie war es schon süß... irgendwie... "Ich hab es gemeint wie ich es gesagt habe. Ich mag dich, deine Narben sind ein Teil von dir ... also mag ich auch deine Narben. Völlig gleich welcher Art. Ist doch ganz einfach."
    • Ich war so sehr in meine Gedanken vertieft, dass ich erst gar nicht bemerkte, wie Phila auf mich zu kam. Erst, als sie fast bei mir war, nahm ich ihre Anwesenheit war. Doch ich sagte auch nichts. Ich fühlte ihren Blick auf mir und hörte dann ihre Worte.
      "Es geht wieder. Es ist beruhigend, wenn man nicht mit so vielen Menschen eingeengt im Raum sitzen muss. Es ist einfach angenehmer, wenn ich frische Luft um mich habe. Da kann mir niemand helfen. Du auch nicht.", antwortete ich und sah zu ihr. Sie beantwortete meine Frage, um die sich hauptsächlich meine Gesanken kreisten. Aber sie redete, als würden Narben einfach dazu gehören wie ein Arm oder ein Bein. Als wäre es das normalste auf der Welt.
      "Niemand findet Narben am Körper toll. Sie zerstören das reinliche Bild. Alle wollen es makellos und neu haben. Macken am Körper werden nicht geduldet. Und deshalb.... deshalb solltest du die gar nicht haben wollen. Aber wenn ich das Hemd oder was anderes an habe, siehst du sie ja nicht. Ich.... war nur sehr überrascht, was du auf dem Dach gemacht hast. Ich habe nicht damit gerechnet.", erklärte ich dann und wieder kam dieses Gefühl auf mich zu. Die weichen Lippen auf meiner Wange. Zart und vorsichtig. Liebkosend und warm.
      "Ich weiß, wie es gemeint war. Nur... tu das bitte nicht mehr. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Und dieser Typ..... ich will nicht, dass du mit dem auf diesen Ball gehst. Ich bin dein Partner. Ich bin deine Waffe. Da hat der Typ nichts zu suchen. Das hat mich geärgert."
    • Ich ließ den Blick einen Moment am Himmel ruhen. Diese eine Wolke war immer noch da. Hartnäckig. Als hätte sie beschlossen, uns zuzuhören. Dann atmete ich langsam aus.
      "Du irrst dich." sagte ich ruhig wenn auch mit bestimmten Unterton. "Nicht niemand." Ich drehte den Kopf zu ihm, musterte sein Profil. Die Spannung in seinem Kiefer. Die Art, wie er sich hielt, als müsse er selbst jetzt noch etwas abwehren. Ohhh.... ihr Götter... "Narben zerstören kein Bild." fuhr ich leise fort. "Sie machen es erst einzigartig und sie erzählen seine Geschichte." Ich zog ein Knie näher an mich heran, legte den Arm locker darauf. "Das ist nichts Unreines. Sie zeigt, dass gelebt wurde und.... dass etwas überlebt wurde." Für einen Moment wand ich meinen Blick ab. "Makellos ist langweilig." murmelte ich. "Das ist ein Wort, das Sterbliche erfunden haben, um sich nicht mit dem auseinanderzusetzen, was bleibt, wenn man lebt." Ich schwieg einen Augenblick der mit länger vor kam als er war. "Weißt du... Als ich dich geheilt habe," , sagte ich sanfter, "habe ich nicht gestarrt, weil ich Schäden gesehen habe." Ich richtete mich etwas auf. "Sondern deine Geschichte. Die Verantwortung welche du trägst und die Entscheidungen die du getroffen hast." Ich sah wieder zu ihm, diesmal direkter als zuvor. "Du bist kein Ausstellungsstück, Daiki. Du bist ein göttliches Breitschwert." ich musste sanft lächeln. "Und Breitschwerter haben Kerben. Sonst wären sie einfach nur bessere Küchenmesser." Heute war wirklich verdammt viel passiert... erst die Chimäre dann der Pakt auf den Dach und... dann dieser Sterbliche. "Was das Dach betrifft…"
      Sein Blick machte mich verlegen und ich senkte wieder einmal den Blick. "Du hast recht. Das war überraschend. Auch für mich."
      Meine Finger spielten gedankenverloren mit dem Stoff meines Rocks. "Ich wollte dich nicht überfordern." sagte ich. "Und ich wollte dich ganz sicher nicht verwirren." Ich machte eine Pause, nicht für die Dramatik sonder weil ich Eine brauchte. "Es war ein Impuls. Einer, den ich nicht geplant habe." Ich sah wieder auf. "Ich achte drauf das in Zukunft zu lassen. Versprochen." Manche Liebesgöttinen schlossen so Pakte. Ich war aber keine reine Liebesgöttin. In diesen Augenblick war ich... einfach ich gewesen. Stille machte sich zwischen uns breit. Irgendwann aber sprach Daiki weiter. Der Ball. Der Typ. Sein Ärger.
      Ich seufzte leise, fast amüsiert, fast gerührt. "Anbaggern oder Makker verstehe ich übrigens immer noch nicht vollständig...." gab ich zu "Aber ich habe sehr wohl verstanden, warum es dich geärgert hat." Ein warmer Ton schlich sich in meine Stimme, unaufdringlich, ehrlich.
      "Und nein.", sagte ich, jetzt wieder deutlich ruhiger. "Ich habe nicht vor, mit ihm zu gehen. Oder mit irgendwem, nur weil es erwartet wird." Ich lehnte mich leicht zurück, stützte mich mit den Händen hinter mir ab und sah wieder zum Himmel. "Der Ball...", fügte ich schließlich nekisch hinzu, "...ist eine sterbliche Tradition voller lauter Musik, unbequemer Kleidung und sozialer Fehlentscheidungen." Ich musste unterbewusst kaum merkliches Lächeln. "Ich hatte nicht vor, ihn zu einem göttlichen Ereignis zu machen." Auch wenn ich Feierlichkeiten mit Tanz, Freunde und Musik wirklich vermisste, wenn ich ganz ehrlich zu mir war.
    • Ich hörte mir an, was sie zu sagen hatte. Sie versuchte, mich aufzumuntern. Und zumindest schaffte sie es ein bisschen. Sie sah mich anders. Es tat gut von ihr zu hören, dass ich sonst nur ein Küchenmesser war. Ein Übergroßes. Ich war ein Breitschwert. Stark und mächtig. Ja. Aber ich kannte auch andere Seiten. Doch wusste ich nicht, ob ich drüber reden wollte. Es war anders drüber zu reden, wie Castor gestorben war. Aber es war beschämend zu erzählen, wie ich zu dieser Einstellung kam. Castor hatte selbst Narben. Er wusste also, was in mir vorging. Andere.... wollten eben ein scharfes Schwert ohne Kerben. Und ohne Narben, die ich als Kind schon bekam. Damals war ich schwach. Trug Verletzungen mit mir rum. Alle kannten mich nur als Breitschwert mit Potential. Sie sahen mich und waren angewidert. Wollten dann doch nicht mit mir arbeiten und wollten mich loswerden. Ein Straßenkind, welches dazu verdammt war, zu sterben.
      "Nein, du irrst dich. Du kannst das nicht verstehen. Du hattest deine Lanze, die wahrscheinlich rein und weiß war. Du warst behütet, er hat auf dich aufgepasst und warst glücklich. Und glaub mir. Nicht nur deine Sterblichen erfinden solche Wörter. Auch Götter können Abschaum sein.", knurrte ich mehr als ich wollte. Meine Augenbrauen zogen sich wütend zusammen. Mein Körper war angespannt. Ich wollte sie nicht dafür verantwortlich machen. Es war nicht ihre Schuld. Aber es kam einfach so aus mir heraus.
      Schließlich erzählte sie vom Dach und ich hatte das Gefühl, dass sie auch die Wahrheit sagte. Sie log nicht. Sie hatte mich noch nie angelogen. Das wusste ich.
      "Ich will nicht zu diesem Ball gehen. Ich....ich kann nicht tanzen. Aber die dämlichen Schülerinnen machen mich alle wahnsinnig."