About gods and demons (Nimue & Kiba)

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    • Für einen Moment wusste ich nicht, ob ich erschrocken oder erleichtert sein sollte. Mein Herz stolperte, als er mich an sich zog, damit ich nicht fiel. Seine Brust war fest, sein Griff sicher und seine Stimme, obwohl er mich mit einem genervten Grummeln anfuhr, klang ungewohnt sanft. Zu sanft, um wirklich eine Beleidigung zu sein. Anders als früher, als jedes seiner Worte ein Stich war, scharf und abweisend. Jetzt schwang etwas anderes mit. Etwas, das mich innehalten ließ.
      Diese Erkenntnis traf mich unvorbereitet. Ich sollte mich darüber ärgern, dass er mich wie ein Kind behandelte doch stattdessen blieb mir nur dieses seltsame, warme Gefühl, das sich in meiner Brust ausbreitete. Für einen flüchtigen Moment fühlte sich alles ... Ich riss mich aus dem Gedanken, jetzt war nicht die Zeit für...sowas. "Ich bin mir sicher." sagte ich, vielleicht fester, als ich es fühlte. "Sonst kommen wir nie mit unserem Auftrag voran."
      Er zögerte, aber ich trat bereits auf die Stufen, spürte den kühlen Stein unter meinen Fingern, das leise Zittern der Luft, als das Portrait hinter uns zufiel. Seltsam am Vormittag war ich starr vor Angst, jetzt mit diesem Ayakashi an meiner Seite, war die Angst verschwunden. Ich spürte sie irgendwo, weit hinten, dumpf, aber sie war nicht mehr stärker als ich. Allerdings würde ich den Teufel tun, das laut auszusprechen. Vielleicht, weil ich mir nicht eingestehen wollte, was sich wirklich verändert hatte.

      Ich spürte plötzlich seine Hand wieder an meinen Handgelenk. Fester diesmal... Ich wollte etwas sagen, doch bevor ich Luft holen konnte, zog er mich mit sich in die Nische. Mein Rücken stieß sanft gegen die kalte Steinwand, und der Abstand zwischen uns schmolz auf kaum einen Atemzug. Kein Wunder immerhin war er beinah zwei Meter groß. Für so einen breitgebauten Lulatsch plus Göttheit war diese Ausbuchtung einfach nicht gedacht. Es war dunkel hier unten, nur das schwache Licht der Fackeln flackerte über seine Schultern. Ich wollte fragen, was los war, doch dann legte er mir abrupt die Hand über den Mund. Für einen Moment gefror alles in mir. Ich konnte nur seinen Herzschlag hören.... oder war es meiner?

      Dann hörte ich sie auch. Schritte. Gleichmäßige, schwere Schritte, die sich im Gang näherten. Ich wagte kaum zu atmen. Irgendetwas an dem Klang war unnatürlich… zu rhythmisch, zu leer. Kein normales Echo.
      Als der Mann ins Licht trat, erkannte ich ihn. Dieser gruselige Professor! Mein Magen verkrampfte sich. Was tat er hier unten, mitten unter der Schule, in diesem geheimen Gang? Ausgerechnet jetzt?! Mein Herz pochte bis zum Hals. Ich drückte mich unbewusst enger an Daiki. Erst als der Professor schließlich in der Dunkelheit verschwand, löste ich mich vorsichtig von Daikis Nähe. "Wir müssen ihm folgen." flüsterte ich kaum hörbar. Mein Mut überraschte mich selbst, doch die Neugier war stärker als die Angst. Etwas in mir sagte, dass die Antwort auf all das dort unten auf uns wartete hinter dieser Tür, in den Schatten, wo kein Licht der Schule mehr reichte.
      Der Gang schien endlos. Jeder Schritt hallte dumpf zwischen den steinernen Wänden wider, und der schwache Schein der Fackeln tanzte wie lebendig über den Boden. Die Luft war kühl und roch nach Staub, Metall und etwas Süßlichem, das ich nicht zuordnen konnte. Ich ging voraus, die Hand leicht an der Wand, um das Gleichgewicht zu halten. Hinter mir hörte ich Daikis Schritte ruhig, kontrolliert, wie immer. Irgendwie beruhigend. Ich sagte nichts, aber sein stilles Folgen reichte, um mich weitergehen zu lassen.
      Je tiefer wir kamen, desto stärker wurde dieses Summen in der Luft. Es vibrierte in meinen Knochen, als würde der Stein selbst atmen. Ich spürte, wie mir Gänsehaut über die Arme lief.
      Plötzlich blieb ich stehen. "Siehst du das?" flüsterte ich leise. Ich hatte es kaum bemerkt doch neben mir am unteren und modrigen Teil der Wand leuchteten schwache Linien im Mauerwerk... Symbole, fein eingraviert, schimmernd wie glühende Adern. Magische Schriftzeichen. Alte. Sehr alte. Ich kniete mich hin, berührte eines davon, und ein kurzer Lichtblitz fuhr über meine Finger. "Autsch!" Mit einen zischenden Geräusch zog ich wild fuchelnd meine Hand zurück. Der Schlag hatte mir meine Finger leicht verbrannt. "Das ist... eine magische Barriere." Wie ich am eigenen Leib spüren musste. Für einen Augenblick überlegte ich ob wir zurück gehen sollten....
    • Der Mann verschwand wieder. Plötzlich war er nicht mehr zu sehen. Ich hörte noch einmal hin, ob er wirklich nicht mehr da war. Auf unangenehme Überraschungen konnte ich wirklich verzichten. Ich war mir nicht sicher, ob meine Herrin so spontan handeln und sich wehren konnte, falls was war. Doch die Luft schien rein zu sein.
      Zügig folgte ich Phila, denn ich wollte ebenfalls gerne wissen, was da vor sich ging.
      Langsam gingen wir weiter und ich war eher bedacht, darauf zu achten, dass uns nichts angriff. Oder eben Phila nichts zustieß. Manchmal dachte man wirklich, man muss nochmal extra auf den Zwerg aufpassen. Die Decke war echt tief und ich mit meiner Größe hatte gerade so Platz. Trotzdem senkte ich leicht den Kopf, um mich nicht zu stoßen. Besser wars.
      Plötzlich blieb sie stehen und sah nach unten. Ich konnte das auch sehen. Als wenn da Strom oder ähnliches lang floß.
      "Halt, ich würds nicht anfas-", schon zu spät. Sie zuckte zurück und wedelte mit ihrer Hand.
      "Du fasst auch gleich alles an.", murmelte ich leise und sah es mir genauer an. Ohne es zu berühren.
      "Vergiss es. Hier kommen wir nicht weiter. Es sei denn du hast vor, unsere Körper zu Grillflleisch zu verarbeiten. Wir müssen uns einen Plan überlegen, wie wir hier am besten weiter kommen. Aber irgendwas stimmt hier allemal nicht. Der Typ hat mit Sicherheit was damit zu tun. Wir sollten also beobachten, was er macht.", beschrieb ich meinen Plan und sah zu ihr runter.
    • Es wäre auf jeden Fall vernünftig, wenn wir einfach gehen würden… aber das konnte ich doch einfach nicht auf mir sitzen lassen!?
      Der Lulatsch war der Mann fürs Grobe – die Barriere war magisch, und Magie war mein Steckenpferd. Ich stemmte die Hände in die Hüften, blähte leicht die Wangen auf und sah trotzig auf die schimmernden Runen.
      "Ich weiß, was ich tue." murmelte ich leise, mehr zu mir selbst als zu ihm. Sicher, ich hatte mir gerade beinahe die Finger gegrillt, aber das war reine Übungssache. Wenn ich mir die Struktur einprägte, konnte ich sie später rekonstruieren. Und vielleicht… konnte ich dann sogar eine Lösung finden.
      Trotzdem .... je länger ich die Zeichen betrachtete, desto mehr merkte ich, dass Daiki vermutlich recht hatte. Die Runen waren verdammt alt, ungheimlich komplex, und irgendetwas an ihrer Magie fühlte sich falsch an. Sie vibrierte nicht wie lebendige Energie, sondern wie etwas, das… feststeckte. Eingesperrt war. Ich seufzte leise. Ich musste mir wohl eingestehen, dass der Lulatsch nicht all zu falsch lag. Hier ging es erst einmal nicht weiter. "Na schön, Lulatsch." murmelte ich schließlich, etwas kleinlaut, während ich mir die wichtigsten Zeichen im Gedächtnis abspeicherte. "Du hast gewonnen. Für den Moment."
      Meine Finger kribbelten immer noch leicht, aber der Schmerz war auszuhalten. Ich drehte mich zu Daiki um und bemerkte erst jetzt, wie tief der Gang wirklich war. Der schwache Fackelschein legte sich über seine Schultern und ließ seine Konturen fast unnatürlich groß erscheinen. Selbst für seine Dimensionen. "Dann gehen wir eben zurück." sagte ich und trat einen Schritt näher, vielleicht einen Hauch zu dicht. Nur zur Sicherheit natürlich… Falls der Boden hier unten nachgab. "Immerhin... hast du gleich Training und ich.... Orchesterprobe." Fügte ich verwundert blinzelnd hinzu. Wow, auch wenn ich nicht wusste woher ich Das wieder wusste. Ich zögerte kurz, ehe ich den Stoff seines Ärmels zwischen die Finger nahm nicht fest, eher beiläufig. Aber genug, um den Abstand zu verringern, ohne dass ich es mir eingestehen musste. Wir gingen langsam zurück, Schritt für Schritt. Das Summen hinter uns wurde leiser, gedämpfter, und mit jedem Meter fühlte ich mich ein wenig sicherer. Auch wenn die Atmosphäre der Schule weiter fröhlich ihre Spielchen mit uns spielen würde. Das lustige Ratespiel: Was war Nebel? Was war echt? Und wir beide - irgendwo dazwischen.
    • Ich drehte mich, um wieder zurück zu gehen, als mich etwas am Ärmel festhielt. Ich sah, so gut es eben in diesem tiefen Kellergewölbe ging, über meine Schulter und sah Phila an. Hielt... Sie sich an mir fest, weil sie Angst hatte? Nein. Das konnte ich mir nicht vorstellem. Sie war doch so tapfer und mutig. Da würde sie doch keine Angst bekommen. Aber ich konnte mich auch nicht so viel bewegen. Was machte ich also bloß? Ich biss mir auf die Lippe und tat das, was mir als erstes in den Sinn kam. Ich windete mich aus ihrem Griff, nur um in einer flüssigen Bewegung ihre Hand mit meiner zu greifen und sie festzuhalten. So zog ich sie hinter mir her, bis wir wieder am Eingang angekommen waren. Ich ging die Leiter hoch, sah nach, ob uns jemand sah und ging dann raus, ehe ich erneut ihre Hand griff und sie mit einem Ruck nach oben zog.
      "Ich denke, uns hat niemand gesehen.", murmelte ich und machte alles wieder rückgängig, so wie es vor unserem Antreffen aussah.
      "Ich muss jetzt los. Wir sehen uns nachher.", sagte ich leise, doch rührte mich nicht. Mich ließ dieser eine Gedanke nicht los, was da unten passiert war.
    • Irgendetwas ließ mich nicht los. Ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht nur mein verletzter Stolz war. Da unten gab es etwas... was auch immer es war, was mich anzog. Ich konnte diese vertraute Präsenz noch immer wahrnehmen, wie das kribbeln in meinen Fingerspitzen. Doch ehe ich verstand was es war drehte sich Daiki um. Sein Blick traf meinen und mit einen Male konnte ich mich wieder fokusieren. Wie ein Schwerthieb der diese Fesseln verschnitt... beinah ironisch.
      Mit diesem Ayakashi an meiner Seite, selbst wenn er schweigend vor mir ging, hatte die Angst nicht mehr das letzte Wort. Oder diese magische Atmosphäre. Allerdings... Mein Herz schlug noch immer schneller, und meine Hände kribbelten, aber ich konnte wieder klar denken. A-aber... Für einen Moment stand ich einfach nur da und starrte auf unsere Hände. Seine Finger waren noch immer um meine geschlossen, fest, warm, fast schon zu lang, dafür das Nähe nicht gerade etwas angenehmes für den Lulatsch war. Dann ließ er los... so plötzlich, dass mir die Kühle der Luft auffiel, als wäre sie ein scharfer Schnitt durch das eben noch so seltsame Gefühl. Es war nur kurz aber ohne ihn fühlte sich alles hier unten so bedrückend an. Lange musste ich zum Glück nicht warten. Ich hatte die erste Sprosse der Leiter schon erklommen, da.... half er mir heraus. Ich hätte etwas sagen können. Vielleicht ein "Danke." vielleicht auch einen dieser spitzen Sprüche, mit denen wir sonst jede Unsicherheit kaschierten. Aber nichts kam über meine Lippen. Ich beobachtete nur, wie er sich umsah, die Umgebung prüfte, als wäre das hier alles ganz normal. Ich fuhr mir durchs Haar und zwang mich, die Gedanken zu ordnen. Runen. Barriere. Dieser Professor.
      Etwas war da unten - und es hatte gewartet. Ich konnte es spüren, wie ein Summen tief in meiner Brust, das einfach nicht verschwand. "Ja... na klar. Nachher." Ich zwang mich zu einen zustimmenden Lächeln. Aber es fühlte sich fehl am Platz an. Schlussendlich hob ich zum vorläufigen Abschied die Hand. Ich ging ein paar Schritte den Flur entlang, doch meine Beine fühlten sich schwer an. Mit jedem Schritt kroch das Bild der glühenden Zeichen wieder in meinen Kopf, zusammen mit dem Knistern, das über meine Finger gehuscht war. Und Daikis Stimme. Nicht die Worte, sondern der Ton... dieses merkwürdige, sanfte Gewicht, das darin lag, als er mich unten festgehalten hatte.
      Früher war er anders gewesen. Kälter, schärfer. Fast unnahbar. Und jetzt… klang er, als würde er sich wirklich sorgen. Um mich. Ich schüttelte heftig den Kopf. "Blödsinn." murmelte ich leise, als wollte ich damit jeden Gedanken an ihn aus mir vertreiben. Aber mein Herz klopfte noch immer in einen merkwürdigen Rhythmus. :Wir sind hier noch nicht fertig..." flüsterte ich leise, mehr zu mir selbst. Ich wusste nicht, ob ich Daiki meinte. Oder die Sache da unten.
      Aber beides würde mich so schnell nicht loslassen.
    • Schweigend sah ich ihr nach. Sie war, seitdem wir aus dem Keller raus waren, irgendwie merkwürdig. Ich legte den Kopf schief. Hatte ich etwas falsch gemacht? Ich war mir nicht sicher. Ich überlegte, ob ich irgendwas übersehen hatte. Wieso dachte ich überhaupt darüber nach? Ich war ein verdammter Ayakashi. Ich seufzte leise und drehte mich dann an der Nasenwurzel fassend um und bewegte mich zur Sporthalle.
      Training. Ehrlich gesagt freute ich mich darauf. Ich spielte gern Basketball. Man konnte sich auspowern und kam auf andere Gedanken. Das tat manchmal wirklich gut, vorallem wenn man bedachte, was zwischen uns gerade passierte. Ich war mir nicht bewusst, was. Aber irgendwas hatte sich verändert. Ich musste zugeben, dass ich anfing, den Zwerg zu mögen. Es kriselte nicht mehr zwischen uns. Ich wollte sie beschützen. Ich wollte, dass sie in Sicherheit war. Und ich musste auch zugeben, dass ich fast gar nicht mehr an Castor zurück dachte. Er war nun Vergangenheit.

      Ohne es zu merken, war ich in der Umkleide angekommen und zog mich dann auch schleunigst um. Alle anderen waren auch schon soweit.
      "Oi, Daiki. Du bist spät. Haste wieder mit deiner Schnalle abgehangen.", fragte mich einer der Teamkollegen, mit dem ich aber nicht in eine Klasse ging. Finster sah ich ihn an.
      "Sie ist nicht meine Schnalle. Halt die Klappe.", knurrte ich und fing an, mich aufzuwärmen. Nun kam doch wieder der alte Daiki zum Vorschein.
    • Ich blieb noch einen Moment am Fenster stehen, während die Sonne sich langsam über den Schulhof legte. Die Pausenglocke hatte längst geläutet, und der Klang hallte in mir nach wie ein Echo, das sich nicht vertreiben ließ.
      Unten sah ich eine Gruppe Schüler, lachend, laut, sorglos. Sie warfen sich gegenseitig Bälle zu, rempelten einander spielerisch an, alles voller Leichtigkeit. Für sie war die Welt so einfach ... Freundschaft, Spaß, Lachen. Dinge, die ich nur aus der Ferne kannte, als wäre ich Zuschauer in einem Stück, in dem ich nie mitspielen durfte.
      Ein Stück weiter, unter der alten Eiche, saßen zwei Schüler nebeneinander. Der Junge legte zögernd den Arm um das Mädchen, sie lachte leise, und er wurde rot bis in die Haarspitzen. Dieses unsichere, echte Lächeln zwischen ihnen ließ etwas in meiner Brust schmerzhaft zusammenziehen.

      Ich senkte den Blick. So oft hatte ich Menschen dabei beobachtet, wie sie lachten, sich fanden, verloren und jedes Mal blieb ich außen vor. Ich war die Göttin der Bande, die die Verbindungen anderer sah, verstand, stärkte. Aber ich selbst… Ich hatte nie eine eigene gehabt. Ich verstand Liebe, aber ich fühlte sie nicht. Oder zumindest hatte ich das immer geglaubt. Doch jetzt… schob sich ein anderes Bild vor mein inneres Auge.
      Warme Finger, die meine hielten. Ein Herzschlag, der viel zu nah war.
      Ein raues, aber sanftes Mahnen in der Dunkelheit. "Bist du des Wahnsinns?! Manchmal schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe." Mein Atem stockte.
      "Oh nein…" murmelte ich und spürte, wie mir augenblicklich die Hitze ins Gesicht schoss.
      Ich hob die Hände, presste sie an meine Wangen ...sie glühten. "Herje warum denk ich jetzt auf einmal...." N-naja... wobei... ich hatte außer meinen Zuhause und Daiki ja niemanden also... schätze ich... j-ja! Daran muss es liegen.

      "Philomena!" Ich zuckte zusammen. Zwei meiner Mitschüler aus dem Orchester kamen den Gang entlang. Marlne grinste breit. Komischer Weise hatte meine Nebelversion sehr viele Freunde. "Da bist du ja!" rief Simom, der andere Mitschüler aus den Orchester und wedelte mit einem Notenblatt. "Wenn du weiter verträumt aus dem Fenster starrst, kommst du noch zu spät zur Probe. Die Matthew killt uns, wenn du fehlst!" Ich schluckte. Irgendwie lief es mir kalt den Rücken runter. "Äh… ich war nur… ähm…" Ich suchte fieberhaft nach einer Ausrede. Marlene schob die Brille hoch und musterte mich misstrauisch. "Du hast so… komisch geguckt. Und bist rot wie eine Tomate. Alles okay?" Zumindest hatte ich nicht mehr das Gefühl von da unten fremdgrsteuert zu sein. "Was ich?! N-Nein, also ... Ja! Also natürlich." Ich richtete mich ruckartig auf, hielt nich an meinen Rucksaum, als könnte er mich retten. "Ich dachte nur… über die Stücke nach. Du weißt schon. Tempo, Taktgefühl, den Spendenball und so." Simon grinste jetzt auch. "Ja klar. Bestimmt nur über den Takt nachgedacht." Ich stieß ihn leicht in die Seite, konnte mir aber ein leises Lächeln nicht verkneifen. "Lass das, wir müssen uns jetzt wirklich beeilen." So ein Mist. Wie sollte ich mich nur auf eine Note konzentrieren?
    • Konzentriert lief ich über den Hallenboden. Den Ball dribbelnd in der Hand. Meine Augen fokussierten den Korb. Geschickt wich ich einem nach dem anderen aus und machte nun schon zum 5. Mal hintereinander einen Korb. Gekränkt stöhnten alle. Denn sie hatten gegen mich keine Chance. Sie waren vielleicht auch einfach zu schwach. Ich grinste triumphierend.
      "Gebt euch gefälligst mehr Mühe, dann gewinnt ihr auch.", gab ich zurück und dribbelte den Ball noch ein paar Mal, ehe ich ihn wieder an die anderen abgab.
      "Los. Euer Ziel ist es heute, Aomine auszuschalten! Sonst gewinnen wir die Meisterschaften nie! Habt ihr verstanden?", rief der Trainer und ich rollte leicht mit den Augen. Ein Trainingsziel wollte ich nicht werden. Was solls...
      Das Team sammelte sich kurz und trank etwas. Sie brauchten wohl eine Pause. Und sie tuschelten.
      "Sucht nur eure Taktik. Die wird euch auch nicht helfen.", rief ich und stellte mich auf Position. Auch die anderen kamen und grinsten nun ebenfalls. Dachten sie echt, sie gewinnen? Na das werden wir ja sehen.
      Das Spiel startete. Sie griffen an, doch ich schlängelt mich recht schnell zwischen ihnen durch und hatte den Ball wieder in Gewahrsam. Hah. Schon wieder verloren.
      "Hey, da ist ja Philomena!", rief dann einer der Jungs und sofort stockte ich und sah mich suchend nach ihr um. So weit kam ich allerdings nicht, denn einer der Jungs hatte mir den Ball entwendet und schon einen Korb geworfen. Hinter mir hörte ich Gelächter.
      Genervt verdrehte ich die Augen. Sie hatten mich verarscht.
      "Sehr witzig.", brummte ich.
      "Komm schon, Mann. Das war doch bloß ein kleiner Scherz. Du bist einfach zu stark. Anders hätten wir das doch nie hingekriegt. Und für sie gibst du alles.", erklärte derjenige, der sie gerufen hatte.

      Somit war das Training auch vorbei. Ich duschte mich und zog mich wieder an, ehe ich recht schnell die Gruppe verließ. Ich hatte zwar Lust auf Basketball spielen, aber nicht darauf, mit den Jungs abzuhängen. Das war einfach nicht meins.

      Die Schulklingel läutete und gähnend wartete ich am Schultor. Ich war als Klinge eben einfach nutzlos, wenn der Träger nicht da war. Also wartete ich auf die nächste Anweisung.
      Da kam sie. Sofort kam die Situation von eben in meinen Kopf und ich sah mich schämend zur Seite.
      So ein Mist. Warum denn ausgerechnet jetzt?
    • Ich konnte Lyra, Harfe, Piano und Geige spielen. Instrumente, die mehr Geduld als Begabung verlangten. Aber Geduld hatte ich genug… vielleicht zu viel davon.
      Serafin hatte irgendwann mal gesagt "Wenn du sie dadurch besser verstehst, kannst du sie besser beschützen." Also lernte ich zu spielen um den Menschen näher zu kommen, um zu begreifen, warum sie lachten, litten, liebten. Doch je länger ich unter ihnen lebte, desto deutlicher wurde mir: Verstehen war nicht dasselbe wie Fühlen. Bis gestern Abend. Und ... auch seit jenem Moment im dunklen Gang, als Daiki meine Hand festhielt, war alles anders. Dieses warme, unruhige Pochen in meiner Brust wollte nicht mehr weichen. Und jedes Mal, wenn mir seine Stimme in den Sinn kam rau, aber seltsam sanft ....
      Die letzten Töne der Probe spielte ich mechanisch, während mein Blick immer wieder zum Fenster glitt. Draußen lachten die Schüler. Eine Gruppe Freunde, sorglos und laut. Dann ein Paar: sie zog ihn kichernd fort, und ein leises Ziehen breitete sich in meiner Brust aus. Früher hatte mich so ein Anblick nur wehmütig gemacht. Heute war er… süß, auf schmerzhafte Weise. Wie mochte es sich anfühlen, so gesehen zu werden? So, wie er mich gestern angesehen hatte als wäre ich keine Göttin, sondern einfach nur… ich.
      Als die Probe endete, verstaute ich die Geige und trat hinaus. Es war schön, Freunde zu haben ...auch wenn sie nicht echt waren, nur Gestalten des Schleiernebels. Doch eine Verbindung fühlte sich anders an. Wahr. Rein. Heilig. Und diese führte zu ihm.
      Daiki stand am Schultor. Er lehnte an der Mauer, die Hände tief in den Taschen, das Haar leicht zerzaust. Die Abendsonne legte weiche Schatten über sein Gesicht und nahm ihm den üblichen Anflug von Spott. Nur dieser stille Blick blieb irgendwo zwischen Nachdenken und Unsicherheit.
      In seinen blauen Mandelaugen lag etwas, das mich den Atem anhalten ließ. Etwas Echtes, verborgen hinter seiner lässigen Fassade mit unverschämten Grinsen. Ich wusste nicht, ob ich es mir einbildete, aber mein Herz zog sich zusammen. Seit dem wir gemeinsam durch das Schultor gegangen waren....nein, seit gestern Abend, fühlte sich alles anders an. Der Weg nebeneinander, das Schweigen, das nicht unangenehm war ...ich verstand es nicht, und vielleicht wollte ich das auch gar nicht.
      Er hob den Kopf, sah mich und wandte sich rasch ab, als wäre es verboten, mich anzusehen. Ein kaum merkliches Zucken seiner Schultern verriet, dass er etwas verbarg. Ich blieb stehen, ganz nah am Tor. Nur der Wind bewegte sich zwischen uns. Ich wollte etwas sagen irgendetwas, um diese seltsame Spannung zu lösen doch einmal mehr kein Wort kam über meine Lippen. Also trat ich näher, so weit, dass sich unsere Schatten berührten, und wartete, bis er sich wieder in Bewegung setzte. Nur ein Atemzug, ein Schritt und dann gingen wir beide durch das Tor. Nicht als Göttin und Ayakashi. Nur als zwei, die denselben Weg teilten. Für diesen einen Moment. Wir gingen schweigend nebeneinander den Hügel hinab. Die Sonne stand tief, tauchte die Straße in goldene Schatten. Das Schweigen zwischen uns war seltsam ruhig nicht unangenehm, eher wie ein unausgesprochenes Einverständnis.

      Am Fuße des Weges bog ich in eine schmale Seitenstraße ein. Zwischen zwei alten Mauern schimmerte ein flüchtiges Leuchten kaum sichtbar für menschliche Augen. Ich hob die Hand, und das Portal öffnete sich mit einem leisen Flirren. Ein Schritt, ein Atemzug, und die Welt veränderte sich. Das Zwielicht der Stadt wich der sanften Wärme unseres Hauses. Der vertraute Duft von Holz und getrockneten Kräutern empfing uns, still und friedlich. Als wäre hier nichts geschehen.
      Ich atmete tief durch und wandte mich zu Daiki. Während ich überlegte wie und ob ich etwas sagen sollte, blieb mein Blick länger an ihm hängen, als beabsichtigt. Ich zwang mich, wegzusehen, und ging in die Küche.
      "Hast du Hunger?" fragte ich schließlich, bemüht, beiläufig zu klingen. "Ich kann uns was kochen ...wenn du magst. Worauf hast du Lust?" Immerhin hatten wir Beide zuletzt zum Frühstück etwas gegessen. Die Runen konnten noch etwas warten.
    • Ich konnte nichts sagen. Mir war es einfach super unangenehm, dass ich verloren hatte, nur weil ich von Phila abgelenkt war. Was war das bloß mit mir? Aaargh, es ist zum verrückt werden. Auch sie sagte nichts weiter. Ich stieß mich von der Wand ab und ging einfach los. Ich wollte der Situation entkommen. Zwar wusste ich, dass sie mir folgen würde, doch so hatten wir jetzt wenigstens etwas zu tun.
      Ich sah zur Straße, die wie eine heiße Glut leuchtete, weil sie von der gerade untergehenden Sonne angestrahlt wurde, was mich ein bisschen zum Träumen anregte. Unweigerlich kam ich zu dem Gedanken, was passieren würde, wenn Phila mich nicht mehr wollte. Der Vertrag war nicht fest besiegelt. Sie konnte also jederzeit sagen, dass ich einen anderen Gott finden musste, der mit mir kämpfen wollte. Ich dachte an die vielen Mitschüler, die nichts davon hielten, dass ich Zeit mit ihr vebrachte. An die, die wollten, dass ich mich von ihr fernhielt. Und das Schlimme war: Was, wenn sie das auch irgendwann wollte? Wenn sie feststellte, dass es ihr zu mühsam war, ein Breitschwert zu führen. Eine Lanze, ein Schwert oder sogar eine Pistole wäre viel viel leichter zu händeln.
      Ich starrte weiter gerade aus, folgte ihr aus dem Unterbewusstsein heraus, ohne zu merken, wo wir lang gingen. Ich wusste ja, dass wir nach Hause gingen. Nur würde ich nicht mal den Umweg bemerken, wenn sie denn einen gemacht hätte.
      Ich erwachte auch erst aus meinen Gedanken, als wir wieder vor dem Haus standen und sie mich nach meinem Hunger ausfragte.
      Hunger hatte ich schon. Aber ich war auch etwas erschöpft. So eine Schule war echt anstrengend und ich verstand nicht, warum die Menschen sich sowas antun.
      "Äh ja. Denke schon.", murmelte ich etwas abwesend. Allerdings wusste ich auch nicht, was wir denn Essen sollten. Ich war da echt unkreativ.
      "Mir reichen ein paar Nudeln. Oder ein Steak oder so.", ich kratzte mich mit dem Zeigefinger an der Wange und sah zur Seite. Shitte, ich war wirklich verdammt unkreativ.
    • Ich war noch dabei, das Fenster zu schließen was der Rabe heute Morgen offen gelassen hatte, als mir auffiel, dass Daikis Kragen etwas schief stand. Genauer gesagt ... - der Krawattenknoten. Ein Versuch war eindeutig da gewesen, aber das Ergebnis … nennen wir es 'kreativ'. Ein leises Lächeln stahl sich auf meine Lippen, ehe ich hastig den Blick abwandte. Wenn ich etwas sagte, würde er sich nur wieder rechtfertigen. Und das wollte ich gar nicht. Irgendwie fand ich es … charmant.

      Schlussendlich begann ich damit nacheinander alle Schränke in der Küche zu öffnen. Das Klappern von Geschirr und Gewürzdosen füllte die Stille, bis ich schließlich mit einer halbleeren Packung Mehl und einem Glas getrockneter Kräuter dastand. "Also gut.... dann gibt es heute Pasta." murmelte ich entschlossen. "Nichts geht über selbstgemachte Pasta." Gerade wollte ich die Ärmel hochkrempeln, als mein Blick auf die Schuluniform fiel und auf das Mehl, das schon meine Finger bedeckte. "Oh … vielleicht doch besser vorher umziehen." seufzte ich und verschwand kurz im Flur.

      Ein paar Minuten später stand ich wieder in der Küche barfuß, in den selben Kleid wie immer, das Haar zu einem unordentlichen Zopf gebunden, die Schürze umgebunden, die mir meine große Schwester einst geschenkt hatte. Sie war alt, an den Ecken ein wenig ausgefranst, aber sie roch nach Zuhause. Ich band sie fest, wischte mir eine Strähne aus dem Gesicht und sah kurz zu Daiki hinüber. "Wie war dein Training?" fragte ich, während ich das Mehl auf die Arbeitsfläche streute. "Hat es dir Spaß gemacht?" Er wirkte ein wenig abwesend, und als keine Antwort kam, hob ich leicht die Schultern. "Du musst nicht immer gleich nach Hause kommen, weißt du? Wenn du willst, kannst du ruhig mehr Zeit mit den Jungs aus dem Team verbringen. Es ...stört mich nicht." Ich tat, als wäre ich ganz auf den Teig konzentriert, doch meine Stimme klang weicher, als ich beabsichtigt hatte.
      Es sollte leicht klingen beiläufig, fast neckisch, doch in meiner Brust zog sich etwas zusammen.

      Denn in Wahrheit … mochte ich seine Nähe.
      Wenn er da war, schien das Haus heller zu werden, lebendiger. Und wenn er ging, blieb eine Stille zurück, die nicht friedlich war, sondern leer. Vielleicht war es nur Gewohnheit. Oder die seltsame Bindung zwischen Gottheit und Ayakashi. Aber dieses warme Ziehen, das ich spürte, wenn er in der Nähe war, ließ sich nicht so einfach fortschieben. Ich atmete leise aus und sah ihn wieder an nur kurz, über die Schulter hinweg. Er sah… ruhiger aus als sonst. Menschlicher. "Es ist… angenehmer, wenn du da bist." murmelte ich schließlich, halb in den Teig hinein. Dann, schnell, fast zu schnell "Ich meine ... zum Kochen. Zwei Hände mehr schaden ja nie." Ich hörte ein leises Schnauben hinter mir, das verdächtig nach einem unterdrückten Lachen klang, und musste selbst schmunzeln. "Na schön, Lulatsch dann kannst du ja schon mal das Wasser aufsetzen." Doch tief in mir wusste ich: Es ging nicht ums Kochen. Nicht wirklich.
    • Wir gingen in die Küche und setzte mich auf den Wtuhl, der am Tisch stand. Gelangweilt legte ich meine Kinn in die Handfläche, die meinen Kopf stützte. Ich schloss die Augen. Ein kleines Nickerchen im Gras wäre jetzt auch was feines. Einfach so nichts tun. Ja....
      Doch dann hörte ich das Tapsen nackter Füße auf dem Boden und blinzelnd öffnete ich die Augen wieder. Sie hatte sich umgezogen. Sie sah.... ganz anders aus. Dieser Stil gefiel mir bei ihr. Als wäre man.... Zuhause. Als würde sie nur mir diesen Style zeigen. Etwas was sonst niemand sah. Was ja auch logisch und meinerseits dumm war. Sie war ja auch hier Zuhause. Und ich war der Einzige, der hier mit ihr lebte. Sie konnte es also eh niemand anderem zeigen. Und wenn hier noch jemand wohnen würde, würde sie es auch demjenigen zeigen. Also sollte ich mir besser nichts darauf einbilden.
      Ich war so sehr in meinen Gedanken verhangen, dass ich gar nicht mitbekam, wie sie mit mir redete. Als als sie erzählte, dass sie auch mit den Jungs abhängen konnte, war ich wieder bei ihr. Doch spürte, dass sie mich anlog. Allerdings wusste ich nicht, wieso sie das tun sollte.
      "Phila, ich bin in der Hinsicht ein Einzelgänger. Ich spiele zwar gern Basketball, aber ich hänge nicht an diesen Typen. Ich habe keine Interesse an ihnen.", antwortete ich und sah zu ihr. Doch sie faselte etwas vom kochen. Ich hob skeptisch eine Augenbraue. Ich entschied mich, nicht weiter darauf einzugehen und schritt neben sie, um ihr letztendlich beim Kochen zu helfen. Auch wenn ich nicht besonders gut darin war. Es half zum Überleben, aber es war nicht unbedingt lecker. Aber vielleicht blieb es ja biäei den einfachen Dingen.
      "Du Zwerg.", murmelte ich leise, nahm einen Topf und füllte Wasser hinein. Anschließend stellte ich ihn auf den Herd und machte ihn dann an.
      "So. Bitte. Ich sollte dir nur sagen, dass ich beim Kochen echt keine Hilfe bin. Man kann es einigermaßen essen, aber es nicht sehr genießbar."
    • Ich redete aber eigentlich hörte ich viel mehr auf ihn als auf mich selbst. Jedes Mal, wenn Daiki sprach, bekam die Küche einen anderen Klang. Und natürlich merkte ich dabei nicht, wie ich den armen Teig langsam dazu brachte die Konsistenz von antiken Bauwerken anzunehmen. "Ich weiß…" murmelte ich schließlich, kaum hörbar. "Es ist nicht deine Art, dich an andere zu binden, oder?" Als er zu mir sah, wurde mein Bauch warm auf eine Weise, die ich absolut nicht genauer betrachten wollte. Also lächelte ich nur ...sanft, vorsichtig. Wie zu einem scheuen Reh. Oder eher zu einem störrischen Kater, der selbst entscheidet, wann Nähe okay ist. "Sterbliche sind für Ayakashi vergänglich." sagte ich leiser. "Ganz nett, schützenswert… aber eben nur kurz da." Ich zuckte mit den Schultern. "Für uns Götter ist es nicht anders. Abschiede werden irgendwann… mühsam." Er schwieg. Aber sein Schweigen war aufmerksam. Und das war fast schlimmer als alles, was er hätte sagen können. Mein Herz reagierte darauf- der Teig leider auch. "Für sie sind ein oder zwei Jahre viel." murmelte. "Für dich ist das… ein längeres Nickerchen." Ich biss mir auf die Lippe, damit ich nicht das sagte, was ich dachte: Dass er Angst hatte, etwas zu mögen, das vergeht, bevor es ihm bewusst wird. Natürlich hatte ich das bemerkt. Ich bin die Göttin der Bande - Gefühle zu erkennen ist praktisch mein Wesenskern. Aber ich schwieg darüber. "Es ist okay. Ich versteh das." sagte ich stattdessen. "Du musst niemandem gefallen. Und dich nicht an etwas binden, das sowieso vergeht. Zumal der Nebel da dort ja sein eigenes Chaos macht." Meine Stimme wurde weicher. "Aber Lu- Daiki… ich verschwinde nicht. Ich bleibe. Und deshalb tut es mir leid, dass ich dich damals nicht gefragt habe." Er bewegte sich hinter mir, und für einen Moment schien es, als würde die Luft selbst darauf reagieren. Ich blickte schnell wieder nach unten.

      Dann murmelte er wieder 'Zwerg'. Doch diesmal klang es nicht abschätzig sondern wie ein kleiner, warmer Kosename. Mein Herz machte ein peinlichen Hopser. Ich räusperte mich heftig. "Ähm… ja. Der Teig braucht jetzt jemanden mit mehr… Überzeugungskraft. Also dich." Ich schob ihm das Nudelholz zu, ohne ihn anzusehen. Wenn ich das tat, würden meine Gedanken garantiert wieder Purzelbäume schlagen. Ich konzentrierte mich extrem professionell zunächst auf die Karotten. So professionell, dass ich sie beinahe in Zahnstocher verwandelte. Währenddessen waren meine Gedanken furchtbar ehrlich: Ich hatte keine Angst vor dem, was in den Katakomben lauerte. Ich hatte Angst vor dem, was Daiki mir mittlerweile bedeutete. Deshalb hatte ich seinen Ärmel festgehalten. Deshalb hatte mein Herz einen Sprung gemacht, als er meine Hand genommen hatte. Deshalb dachte ich immer wieder an diesen Augenblick. Und deshalb wurden meine Wangen jetzt warm, ohne Rücksicht darauf, ob er es bemerkte. Vielleicht war es wirklich einfach: Ich konnte mich fürchten. Oder ich konnte jeden kleinen Moment mit diesem viel zu stolzen, viel zu reizbaren, viel zu faszinierenden Ayakashi genießen. So lange, wie er blieb.

      Der Duft von frischer Pasta füllte die Küche, und als ich zwei Teller holte, fühlte sich alles plötzlich vertraut an. Heimelig. Als hätte es immer so sein sollen. "Okay." murmelte ich und legte die Gabeln bereit. "Dann können wir eigentlich-" Ich sah zu Daiki und legte skeptisch meinen Kopf schräg.Ich bemerkte erst jetzt, dass er immer noch in seiner Schuluniform dastand. Hemd, halber Krawattenrest, alles. Mitten in unseren warmen, gemütlichen Zuhause. "Ähm… Daiki?" Ich stemmte die Hände in die Hüfte. "Nur ein Tipp fürs nächste Mal: Kochen in Uniform ist eine gefährliche Disziplin. Außerdem…" Ich zupfte leicht an seinem Ärmel. "Du solltest’s gemütlich haben. Schließlich bist du… Zuhause." Das Wort rutschte mir viel zu weich heraus. Also stellte ich hastig die nächste Gabel hin, als sei das gerade weltbewegend. "Also los." sagte ich und stupste ihn mit der Schulter. "Umziehen. Bevor die Pasta kalt wird."
    • Mit hochgezogener Augenbraue sah ich sie an. Ich versuchte herauszufinden, was sie da faselte und vorallem, was sie von mir wollte. Das die Menschen vergänglich waren, wusste ich selbst. Aber es war auch einfach nicht mein Ding, mit irgendwem aus Zeitvertreib abzuhängen. Ich hatte besseres zu tun. Zum Beispiel diese blöde Anomalie zu finden und zu besiegen. In welcher Form sie sich auch immer befand. Dazu mussten wir aber erst dieses merkwürdige Rätsel lösen, was sich da unten im Keller befand.
      Phila hatte den Teig schon fast tot geknetet, als sie mir dann das Nudelholz überreichte. Ähm... Sie hatte mir aber schon zugehört, oder? Ich war im Kochen eine Niete. Irgendwas stimmte heute nicht mit ihr.
      "Phila. Du solltest dich besser schnell hinlegen. Du scheinst so kaputt zu sein, dass du komisches Zeugs faselst. Ich bin Einzelgänger. Mich interessieren die Menschen nicht. Ich bin nur dafür zuständig, meinem Herrn zu dienen und Anomalien zu töten. Ich bin glücklich so, also hör auf drauf rum zureiten.", ich versuchte ihr zu erklären, dass sie mir gegenüber kein schlechtes Gewissen haben musste. Doch wusste ich nicht, ob das auch so ankam. Ich gab mein Bestes, den Teig auszurotten und letztenendes die Nudeln draußen zu machen. Leider waren sie verschiedend dick und überhaupt krumm und schief. Ich hatte ja gesagt, dass ich sowas nicht konnte. Aber naja.... war halt so.
      Als das Essen endlich fertig war, setzte ich mich und sah schon sehnsüchtig auf meinen Teller, als ich dann doch nochmal ermahnt wurde. Blinzelnd sah ich erst sie und dann an mir runter, als ich merkte, was sie an mir störte. Ich einem "Dein-Ernst-Jetzt?-Blick" sah ich sie an und stand stöhnend wieder auf.
      "Ja, Mutter.", murmelte ich und ging in mein Zimmer, wo ich mich rasch umzog. Die Klamotgen lag wild durcheinander auf dem Boden, doch das war mir egal. Ich hatte Hunger. Bevor sie noch mehr sagen konnte, wusch ich mir sogar nochmal extra die Hände und kam dann im dunkelblauen T-Shirt, sowie einer schwarzen Stoffhose wieder zurück in die Küche. Ich kam mir wirklich wie ein kleiner Junge vor. Einer, der aus dem Heim adoptiert wurde und seine neue Familie ihm nun weiß machen wollten, dass das hier nun sein neues Zuhause war. Das Ding war..... ich fühlte mich tatsächlich schon wie Zuhause. Man kümmerte sich um mich und machte sich über mein Leben Gedanken. Dabei musste sie das gar nicht.... Ich war doch der mit der Aufgabe, sie zu beschützen. Warum also tat sie das auch bei mir? Ich verstand das alles nicht.
      "Ich.... bin fertig.", murmelte ich noch, um zu zeigen, dass wir jetzt anfangen konnten.
      "Guten.... Appetit."
    • Natürlich hörte ich ihm zu aber es war schwer, ihn und gleichzeitig Teigphysik ernst zu nehmen. Vor allem, wenn beides gleichermaßen widerspenstig war. "Ich fasel kein komisches Zeugs…" murmelte ich, während ich den Teig übergab, als hätte ich ihm gerade die Verantwortung für ein explosives Artefakt aufgebunden. Dass er mich für übermüdet hielt, war irgendwie… süß. Frech war es schon mir das zu unterstellen. Aber ganz süß. Und natürlich musste er mit seiner "Ich bin Einzelgänger, ich brauche niemanden"-Rede kommen.
      Ich kannte diese Leier. Das war die göttliche Breitschwert-Version von "Lass mich in Ruhe, Gefühle sind anstrengend." Ich sagte nichts weiter. Manchmal war Schweigen die einzige Sprache, die man bei solchen Wesen verstand ...wie wenn man versucht, eine Katze zu überzeugen, dass Wasser nicht gefährlich ist. Bringt nichts. Man wartet einfach. Und trotzdem versuchte ich es immer wieder mal.
      Während er den Teig mit einer Art heroischem Ernst bearbeitete, der für jeden anderen ein Fall für die Mythologie gewesen wäre, bereitete ich den Rest zu. Und obwohl die Nudeln am Ende aussahen, als hätte ein gelangweilter Naturgeist 'moderne Kunst' ausprobiert… musste ich lächeln.
      Krumme Nudeln. Ungleich. Aber durchaus essbar. Als er sich setzte und hungrig auf seinen Teller starrte, fühlte ich mich kurz… stolz. Wie eine Göttin der Familie. Oder der Nudeln. Beides wäre in Ordnung.
      Ja ... vielleicht war es etwas Kleinlich mit dieser Uniform aber es machte einen großen Unterschied. Doch dr Blick, den er mir daraufhin zuwarf, hätte jedes andere Wesen vermutlich zur Salzsäule erstarren lassen. Ich nicht. Ich kannte ihn inzwischen. Seine Bemerkung lockerte die Stimmung allerdings gleich wieder auf. Gerne hätte ich etwas schnittiges geantwortet doch stattdessen war ich bemüht nicht all zu laut zu kichern. Wow... die Anweisung zeigte tatsächlich Wirkung. Der Lulatsch schien sich wirklich zu beeilen. "Setz dich." sagte ich leise als er wieder kam. Ich hin meine Schürze noch auf ehe ich mich ihm gegenüber setzte."Guten Appetit, Daiki." Die ersten Nudeln waren… interessant. Die Konsistenz irgendwo zwischen 'abenteuerlich' und 'Essensmagie, die man besser nicht hinterfragt'. Aber er hatte sich Mühe gegeben, und das machte sie besser als jedes Gericht von Serafins Festtafeln. "Die Nudeln sind doch gar nicht so schlecht. Für den Anfang... Wenn wir öfters zusammen kochen werden sie dann vielleicht auch mal gleichmäßiger." Ich sah zu ihm, ganz kurz, nur ein sanfter Augenblick. "Danke, dass du mir geholfen hast. Auch wenn du mich für verrückt hältst… es ist schöner, wenn wir zusammen kochen." Dann senkte ich den Blick schnell auf die Nudeln, als wären sie plötzlich das faszinierendste Mysterium des Universums. "Wie wäre es mit Curry für Morgen?" Es war irgendwie ganz angenehm neben all den göttlichen Verpflichtungen und Abenteuern auch etwas ganz ... und gar... gewöhnliches zu teilen. Und doch wusste ich das diese Pause vom Übernatürlichen nicht ewig hielt. Nach den Essen musste ich in der Bibliothek nach diesen Runen des Bannkreises suchen. Bei den Gedanken biss ich mir auf die Unterlippe. Meine Fingerspitzen kribbelten. Ja... im Nachhinein betrachtet war es wirklich unvorsichtig gewesen. "Ich werde dann..." begann ich leise und schluckte die Nudeln herunter. "....nach einer Lösung für den Bannkreis suchen. Wenn du möchtest kannst du dich dann für heute ausruhen." Magie war mein Gebiet. Selbst wenn Daiki wollte, konnte er mir nur helfen indem er mir die Bücher aus den oberen Regalen reichte. "Wenn ich einen Weg gefunden habe das Ding los zu werden... müssen wir überlegen wie wir vor gehen wollen." Dahinter konnte sonst was versteckt sein. Irgendwas.... was Sterbliche verschlingt. Oder zumindest damit zutun hatte. Irgendwas, was weder Sterbliche noch wir je erreichen sollten.
    • Nun endlich durften wir anfangen. Wurde aber auch Zeit. Ich piepst Gabel in die Nudeln, drehte sie ein wenig und nahm dann den ersten Bissen in den Mund. Ich stockte. Sie.... waren nicht unbedingt sehr schmackhaft. Zumindest von der Konsistenz. Da half auch kein Aufmuntern seitens Phila. Nicht schlecht für den Anfang.... Sie waren grauenhaft. Doch der Hunger trieb es rein. Also blieb mur auch nichts anderes übrig. Und ich bin schon immer damit aufgewachsen, dass das gegessen wird, was da ist. Oder eben auf den Tisch kommt, wie in diesem Fall.
      "Die Nudeln sind widerlich. Da kann eine Ratte besser kochen als ich", sagte ich kurz gebunden. Trotzdem aß ich weiter. Phila machte auch so gleich einen Essensvorschlag für morgen und wieder hatte ich das merkwürdige Familiengefühl im Bauch. Nur dass es sich jetzt eher wie ein altes Ehepaar anfühlte. Mir wurde warm im Gesicht. Ich sah interessiert zu den Nudeln und stocherte da etwas drin rum.
      "Dann gib mir was einfacheres zum Kochen. Ich kann Reis waschen oder Feuerholz holen. Damit kann ich besser umgehen.", gab ich als Antwort und nahm dann doch noch einen Bissen von der Gabel.
      Phila meinte, nach dem Essen würde sie in die Bibliothek gehen um eine Lösung für die Runen zu finden, die wir im Keller der Schule gesehen haben. Sie hatte Recht. Ich konnte ihr dabei nicht wirklich helfen. Und es ärgerte mich, dass ich nichts tun konnte. Es nervte tierisch.
      Als wir mit Essen fertig waren, machten wir alles sauber und Phila verschwand. Ich seufzte lautstark und kratzte mich im Nacken. Ich entschied mich dazu, mich auf die Veranda auf die oberste Stufe zu setzen und mich an den Balken anzulehnen, der den Eingang makierte und in Stand hielt. Ein Bein war angewinkelt und ich legte lässig einen Arm darauf, während ich in den Garten sah und die Sonne beim Untergehen beobachtete. Eigentlich war sie schon fast weg. Es wurde allmählich dunkel und die Sterne kamen auch langsam zum Vorschein. Ich träumte vor mich hin und langsam fielen meine Augen zu. Müdigkeit überkam mich und mein Arm fiel vom Knie.
    • Er hatte Unrecht. Natürlich waren die Nudeln nicht widerlich. Also… gut, in Teilen vielleicht schon. Aber das lag nicht nur an ihm. „Die Nudeln wären gut geworden,“ murmelte ich beim Abwasch. „Dir fehlt vielleicht Übung, aber ich hab den Teig vorher halb totgeknetet… Tut mir leid. Ich war viel zu sehr in Gedanken… bei den Runen.“

      In der Bibliothek, zwischen hohen Regalen, die nach altem Holz und älterer Magie rochen, musste ich mir eingestehen: Die Runen beschäftigten mich wirklich. Nur… nicht allein. Ich entrollte eine alte Lederrolle. Die Zeichen darauf erinnerten beunruhigend an die aus dem Keller. Ähnliche Linien. Gleiche Struktur. Eine magische Verschlüsselung aus Bann und Erinnerung. "Eine Mischung aus Anker und Schleife…" murmelte ich und strich über ein Symbol. "Jemand will etwas binden. Oder jemanden… Nein, das ist es nicht…" Das Runenmuster schimmerte im Kerzenlicht, als beobachtete es mich. Ich berührte ein Zeichen ...kaum mehr als ein Antippen. Und sofort zog sich mein Inneres zusammen. Mit jeder Linie, die ich verfolgte, spannte sich mein Körper weiter an. Ein kalter Schauer kroch meinen Rücken hinauf, hartnäckig wie eine Warnung. Diese Runen hielten nichts fest. Sie leiteten! Energie. Lebenskraft. Auf alte, rohe, rücksichtslose Weise. Genau daran hatte ich mir im Keller die Finger verbrannt. "Das ist kein Siegel…" flüsterte ich. "Das ist ein Leitknoten." Und dann sah ich es: Zwei Ströme. Zwei Quellen. Beide notwendig, damit das System funktionierte... oder gestoppt werden konnte. Eine göttliche. Eine ayakashische.
      Mir wurde schwindelig. Das bedeutete, dass die Runen nicht für gewöhnliche Anomalien gedacht waren. Dass das Ding im Keller nicht einfach eine Störung war. Dass es sich von etwas nährte ... Und es brauchte Wesen wie den Lulatsch und mich.... Mein Herz wurde bleischwer. Ein unsichtbarer Griff schnürrte sich um meine Kehle. Dieses vertraute Gefühl in den Katakomben… für einen Moment dachte ich an Serafin. An damals. An alles, was ich verloren hatte. Nein! Nicht jetzt. Nicht wieder. Ich schob die Erinnerung sofort weg. Serafin war Vergangenheit. Jetzt hatte ich Daiki. Mein Ayakashi. Mein göttliches Breitschwert - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ich atmete tief durch, rollte das Pergament zusammen und zwang meine Gedanken zur Ruhe. Genug Grübeln. Genug alte Wunden. So oder so ich musste Daiki finden.

      Im Haus war es still. Zu still. Ein warmes, sorgendes Ziehen in meiner Brust leitete mich hinaus auf die Veranda. Und dort saß er. An die Holzsäule gelehnt, ein Bein angewinkelt, Kopf leicht zur Seite gesunken. Eingeschlafen. Hier. Weil er sich sicher fühlte. Ich blieb stehen. Für einen Augenblick lang stand ich einfach nur da. Dann ging ich leise zu ihm hin. Ganz vorsichtig, damit die Stufe nicht knarrte. Ich kniete mich neben ihn. Nicht zu nah, nicht zu weit - und hob die Hand. Wie weckt man ein stolzes Breitschwert, welches mit Händen und Füßen alles von sich schieb was ihm zu nahe kommt? Behutsam. Sehr behutsam. Meine Fingerspitzen berührten nicht einmal seine Haut. Ich zupfte nur ganz leicht an den Stoff seines Ärmels. "Lulatsch…?" Meine Stimme war leise, fast vertraulich, als würde ich ihm ein Geheimnis anvertrauen. "Wenn du hier einschläfst, bekommst du später wieder Rückenschmerzen. Und dann muss ich mir wohlmöglich noch anhören, dass es meine Schuld ist." Bei dem Gedanken musste ich schmunzeln und die Schrecken aus der Bibliothek waren sofort wie weggeblasen. Er regte sich. Kaum wahrnehmbar. Ein Zucken der Finger, ein tiefer Atemzug.Ich beugte mich ein wenig näher; nur so weit, dass meine Haare sanft seine Schulter streiften. "Komm… du solltest reingehen. Es wird kalt." Mein Herz schlug schneller. Er war so nah. So friedlich. "Daiki?"
    • Ich träumte. Ich träumte gerade davon, wie wir erneut im Keller der Schule standen und den Weg entlang liefen. Es war dunkel, nur das schwache Licht der Kerzen an den Wänden spendeten Licht. Man konnte etwas rumoren hören. Ich spürte den Schauer, der den Rücken hochkroch. Was war das? Ich hatte keine Angst. Ich wusste, dass wir uns wehren konnten. Woher kam das also? Phila? War das unser Band, was ich spürte? Spürte sie gerade das Gleiche? Das Rumoren wurde kurzleitig lauter. Ein Schreien. Und dann sah ich nur noch, dass sich Phila an meinen Körper krallte. Sie rief nach mir.
      "Daiki?"
      Ich brummte leise. Dieser gottverdammte Traum. Ich seufzte und öffnete meine Augen. Ich musste auf der Treppe eingeschlafen sein. Ich spürte eine gewisse Wärme neben mir und wollte nach der Quelle sehen, also drehte ich meinen Kopf und sah Phila direkt in die Augen. Sie war so nah, dass ich sie riechen konnte. Ihren Atem spüren konnte. Urplötzlich wurde mir heiß, mein Atem stockte und ich weitete meine Augen. Was macht sie so nah an meinem Körper?
      Bevor ich was sagen konnte, reagierte mein Körper wie von selbst und entzog sich der Nähe. Ich wollte mich nach hinten abstützen, merkte jedoch zu spät, dass dort kein Boden, sondern die Treppenstufe nach war und fiel rücklings die Treppe runter. Unten angekommen hielt ich mir schmerzerfüllt den Kopf.
      "Ahh Scheiße.", fluchte ich und sah dann nach oben zu Phila. Ich war immernoch rot im Gesicht und das alles war mir mehr als unangenehm. Also versuchte ich das zu überspielen.
      "Hast du eine Lösung gefunden? Bist du deswegen zu mir gekommen?"
    • Sein Blick traf meinen, wach und völlig überrascht. Die Wärme zwischen uns war so real, dass mein Herz einen Purzelbaum schlug. Ich wollte gerade etwas sagen, vielleicht ein "Oh, du bist wach." da merkte ich, wie er stockte. Und dann-
      "Vorsicht... Daiki-!" Zu spät.
      Er wich zurück, sein Arm suchte Halt, fand keinen, und noch bevor ich Luft holen konnte, kippte er rücklings die Treppe hinunter wie ein sehr muskulöser, sehr verwirrter Baum. Ein dumpfer Aufprall. Ein heiseres Fluchen. Ich zuckte zusammen. "Autsch..." das war beim hinsehen bereits schlimm. Unten angekommen hielt er sich den Kopf, das Gesicht noch immer rot und ich schätze nicht nur vor Schmerz. Ich blieb einen Moment wie festgenagelt auf der Stufe hocken, meine Hände noch halb ausgestreckt, als hätte ich ihn in Gedanken festhalten wollen. Mein Herz schlug viel zu laut. Dann rappelte ich mich hoch und stieg vorsichtig die Stufen hinab. "Das war… äh… eine ziemlich eindrucksvolle Art, aufzuwachen." murmelte ich, bemüht nicht zu grinsen und es trotzdem halb tuend. "Willst du das… öfter üben? Oder war das eine einmalige Performance?" Ich kniete mich neben ihn. Nicht zu nah. Dieses Mal hielt ich sicherheitshalber bewusst Abstand. Jedoch nah genug, um zu sehen, wie sich sein Atem wieder etwas beruhigte. "Herje... Lulatsch ... Tbr's sehr weh?" fragte ich leise. Er wollte offensichtlich die Peinlichkeit überspielen, denn statt zu antworten, stellte er eine Frage. Ich räusperte mich, strich mir eine Strähne hinters Ohr und gab mir Mühe, nicht wieder daran zu denken, wie nah wir eben gewesen waren. Wie seine Wärme sich angefühlt hatte. Oder noch schlimmer ... dieses Gefühl aus der Bibliothek wieder kam. "Naja… ja. Also… teilweise." sagte ich und setzte mich auf die unterste Treppenstufe. "Ich wollte dir sagen, dass ich weitergekommen bin. Und…" Ich zögerte. Warum musste das alles so verdammt kompliziert sein?! "…und ich wollte nach dir sehen." Kurz. Schlicht. Aber wahr. "Ich hab gemerkt, dass… deine Präsenz verschwunden ist." fuhr ich fort. "Da dachte ich, du wärst vielleicht- naja. Nicht weg. Einfach… irgendwo. Nach all dem was wir heute erlebt haben, fand ich das beunruhigend und wollte nach dir sehen." Ich streckte eine Hand zu ihm aus. "Komm. Wenn du schon die Treppe als Schlafplatz nutzt, solltest du wenigstens nicht unten liegen bleiben." Ich lächelte beschwichtigend. Warm. Weicher, als ich es geplant hatte. "Komm schon." murmelte ich vorsichtig. "Ich helfe dir hoch. Und du kannst mir später erklären, warum du überhaupt hier eingeschlafen bist."
    • Anscheinend fand Phila meinen Auftritt ziemlich belustigend, denn ich konnte ihr ansehen, dass sie versuchte nicht zu lachen. Der Spruch dazu tat sein Übriges. Ich knurrte leise.
      "Kommt drauf an. Wenn du darauf stehst, deinem Partner Schmerzen zuzufügen, brauchst du nicht aufzuhören. Ja, am Besten, du haust ihm noch eine mit der Bratpfanne über den Kopf, dann gewöhnt er sich schneller dran.", sagte ich sarkastisch und rieb mir den Kopf. Tse.
      Phila erklärte, dass sie nicht wirklich an Ziel gekommen war und eigentlich nur nach mir sehen wollte, weils still geworden war. Ja. Bohr mit dem Finger nur weiter darein. Ich hatte das Gefühl, diese Hitze würde nie verschwinden. Eine kalte Dusche wär jetzt super. Warum machte sie sich solche Sorgen um mich? Wieso kam sie mir nicht nur körperlich, sondern scheinbar auch seelisch so nah? Das alles war etwas, womit ich nicht umgehen konnte. Ich war so etwas nicht gewohnt und hab es auch nie gelernt. Ich war immer nur auf Abwehr aus.
      Als ich nach oben sah, reichte sie mir ihre Hand zum Aufstehen. Ich zögerte zwar kurz, nahm sie dann aber doch und stand wieder auf. Ich klopfte mir den Dreck von meiner Kleidung und ging beschämt die Hände in den Hosentaschen vergraben hinter ihr her.
      "Ich.... konnte spüren, dass dir irgendwas Angst eingejagt hat. Was.... hast du herausgefunden?", fragte ich, um das Thema zu wechseln. Ich überlegte, ob ich ihr von meinem Traum erzählen sollte, doch letztendlich entschied ich mich dafür, es für mich zu behalten. Ich wollte das, was zwischen uns passiert ist, nicht noch peinlicher machen.