About gods and demons (Nimue & Kiba)

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    • Die ersten Strahlen des Morgens sickerten sanft durch den Vorhang und weckten mich aus dem Schlaf. Es dauerte einen Augenblick, bis meine Augen klar sahen und dann blieb mein Blick an ihm hängen. Er saß am Ende von meinem Bett, den Kopf leicht gesenkt, die Augen geschlossen. Seine Haltung wirkte unbequem, beinahe trotzig, als wollte er selbst im Schlaf nicht ganz loslassen.
      Ein leises Ziehen breitete sich in meiner Brust aus. Er hatte wirklich dort gewacht, an meiner Seite, so lange, bis ihn die Müdigkeit übermannt hatte. Vielleicht war es töricht, aber in diesem Moment fühlte ich mich geborgener, als ich es je erwartet hätte. So gut wie heute Nacht hatte ich schon lang nicht mehr geschlafen. Behutsam richtete ich mich auf, um ihn nicht zu wecken. Meine Decke rutschte dabei ein Stück hinunter, und ohne groß nachzudenken, legte ich sie ihm über die Schultern. Für einen Atemzug blieb ich stehen, betrachtete, wie sich sein Brustkorb gleichmäßig hob und senkte. Unter der Decke wirkte er weniger wie der unerschütterliche Krieger, den er so sehr verkörperte und mehr wie ein Mensch, der endlich einmal Ruhe gefunden hatte.

      Mit leisen Schritten schlüpfte ich aus dem Zimmer und ging ins Bad. Das kalte Wasser rann über meine Finger, dann über mein Gesicht. Ich schloss die Augen, doch die Bilder von gestern drängten sich sofort zurück: sein angespannter Blick, wie er seine Schmerzen herunterspielte, und die unerwartete Wärme, die mich erfüllt hatte, als ich ihn dabei durchschaute. Diese Nähe war neu, ungewohnt und doch so vertraut, als hätte sie schon immer zwischen uns existiert, nur unbemerkt. Ich stützte mich am Waschbecken ab und atmete tief durch. Vielleicht war es genau das, was mich so berührte... dass er, der sich sonst mit aller Kraft gegen jede Schwäche wehrte, mir unbewusst einen Einblick in seine Verletzlichkeit gewährt hatte. Und dass er, obwohl er müde und erschöpft war, bei mir geblieben war. Ein Teil von mir hatte sich lange davor gescheut, jemanden wieder so nah an sich heranzulassen. Es war einfacher gewesen, unsichtbar zu bleiben, keine Erwartungen zu wecken, keine Verletzungen zu riskieren. Aber gestern… gestern hatte ich gespürt, dass diese Mauern nicht unüberwindbar waren. Dass es vielleicht möglich war, wieder einen Schritt weiterzugehen. Nicht in die Vergangenheit zurück, sondern in etwas Neues.

      Als ich das Bad verließ, schlich ich mich in die Küche. Die Stille im Haus war beinahe heilig, und doch fühlte ich mich getragen von ihr. Ich griff nach Pfanne, Tellern und Tassen. Es sollte ein kräftiges Frühstück werden, eines, das ihm Energie gab, die er so nötig brauchte. Schon bald erfüllte der Duft von krossem Bacon und frischem Toast die Luft. In einer Pfanne brutzelten Bohnen, daneben stockten Eier zu goldgelben Spiegeln. Ich stapelte ein paar Pancakes auf einem Teller, legte Butter und Sirup dazu, während die Kaffeemaschine ihr tiefes, beruhigendes Grollen von sich gab. Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee mischte sich mit all den anderen Aromen und ließ die Küche lebendig wirken. Meine Hände bewegten sich fast automatisch, doch mein Kopf war ganz wo anders. Ich stellte mir vor, wie Daiki die Stirn runzelte, wenn er den Teller sah, vielleicht überrascht von der Fülle, vielleicht auch ein winziges Bisschen gerührt. Und ich fragte mich, ob er merken würde, dass es nicht nur ein Frühstück war - sondern eine Geste, die ihm zeigen sollte, dass er nicht allein war.
      Mit einem tiefen Atemzug stellte ich die Teller auf den Tisch und goss den Kaffee in zwei Tassen. Für einen Moment lehnte ich mich zurück, betrachtete die Szene und spürte, wie sich ein stilles Lächeln auf meine Lippen schlich. Das hier war nicht viel. Aber es war ehrlich. Und während der Duft von Kaffee und warmem Brot den Raum erfüllte, spürte ich, dass nicht nur er neue Kraft finden konnte – sondern auch ich. Vielleicht war es an der Zeit, wieder zu glauben, dass Nähe kein Risiko war, sondern ein Anfang.
    • Noch immer seelenruhig schlief ich sitzend auf Philas Bett, als mir ein gewisser Kaffeeduft in die Nase stieg. Blinzelnd und brummend öffnete ich meine Augen und spürte gleich noch mehr Schmerzen in meinen Rücken. Wie konnte mir einfallen, dass es eine gute Idee war, in dieser Position die Augen zu schließen? Ich hätte ins Bett gehen sollen. Ich wollte gerade meine Schulter massieren, als ich statt meines Shirts eine Decke spürte. Verdutzt über den anderen Stoff nahm ich eben genanntes hoch und sah sie mir genauer an. Zur Kontrolle sah ich nochmal auf den Platz, wo gestern Abend noch Phila geschlafen hatte. Dieser war nun leer und die Decke, die da gelegen hat, war nun auf meinen Schultern. Sie hat mich einfach in dieser Position weiterschlafen lassen?! Ich fuhr mir mit beiden Händen durch das Gesicht und rieb mir die Augen, als zum Kaffee jetzt auch noch anderer Duft hinzukam. Ich schloss die Aucen um mich besser konzentrieren zu können und 'schnüffelte' nochmal, um eventuell erraten zu können, was es noch gab. Es roch nach Bacon und Ei. Und... etwas süßlichem? Meine Neugier siegte und somit stand ich auf und folgte dem leckerem Duft in die Küche. Als ich die Tür vorsichtig öffnete, um zu vergewissern, dass ich richtig ankam, sah ich sie tatsächlich am Herd und kochte. Ausnahmsweise schien das Haus gnädig mit mir zu sein. Ich blieb in der Tür stehen und beobachtete sie, wie sie gut gelaunt alles vorbereitete. Auf dem Tisch standen tatsächlich Bacon, Spiegeleier mit Bohnen, Kaffee und ah. Pancakes. Der süßliche Duft waren Pancakes mit Sirup. Hungrig leckte ich mir über die Lippen.
      "Hey", begrüßte ich sie zaghaft und kratzte mich verlegen am Nacken.
      "Ich ähm.... warum hast du mich nicht geweckt? Ich hätte auch was tun können. Dann hättest du nicht so viel Arbeit gehabt."
    • Ich war gerade in mein Werk vertieft dennoch hörte ich Daikis Worte sofort, seine Stimme klang noch ziemlich rau vom Schlaf. Ich drehte mich halb um, und da stand er. Ein wenig verschlafen, leicht zerzaust, mit dieser Decke noch halb über den Schultern, die ich ihm vorhin umgelegt hatte. Für einen Moment musste ich lächeln. Irgendetwas an diesem Anblick rührte mich mehr, als ich erwartet hatte. "Guten Morgen." Entgegnete ich fast freudestrahlend. Sacht legte ich den Kochlöffel beiseite, damit er das Brutzeln der Pfanne übertönen konnte, und sah ihn an. Mein Blick kreuzte seinen und für einen Sekundenbruchteil war da nichts weiter als dieses stille, unausgesprochene Verständnis zwischen uns. Es war keine große Geste, keine lauten Worte, nur dieser flüchtige Moment, in dem sich unsere Blicke trafen. Und doch war er stärker als vieles, was ich in letzter Zeit erlebt hatte. Ich wandte mich wieder dem Herd zu, weil ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg. "Setz dich schon mal. Der Kaffee ist fertig, und wenn du dich beeilst, bekommst du den ersten Pancake, bevor ich ihn selbst esse." Während ich die letzten Pancakes auf den Teller legte, konnte ich nicht verhindern, dass meine Gedanken wieder abschweiften. Irgendetwas war anders an diesen Morgen. Zwischen uns, auch wenn ich.... diese zarte Nähe irgendwie mochte, aber vor allem mit mir. Sacht schüttelte ich den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben. Also stellte ich die Teller auf den Tisch und goss den Kaffee nach. Der Dampf stieg auf und mischte sich mit dem Duft von Butter und Sirup. "Hier, bitte sehr." sagte ich, mehr ein Flüstern als ein Wort. "Iss, solange es noch warm ist." Ich wollte diese ruhige Zeit noch genießen so lang es ging. Wenn ich es richtig mitbekommen hatte, wartete bald Arbeit auf uns.
    • Dezent überschwänglich begrüßte sie mich ebenfalls und überrascht runzelte ich die Stirn. Sie schien sehr gut geschlafen zu haben. Ich war mir nicht sicher, ob es daran lag, dass ich da war. Weil sie mich drum gebeten hat, bei ihr zu bleiben. Oder vielleicht lag es an etwas anderem. Ich war ratlos und wusste es nicht. Aber vielleicht sollte sich mein Kopf damit auch gar nicht mehr beschäftigen. Vielleicht sollte ich es einfach so stehen lassen.
      Sie sah mich eindringlich an und für einen Moment schien die Zeit still zustehen. Ich wusste nicht, was los war, aber es regte sich auch keiner von uns. Es war ein merkwürdiges Gefühl, so von ihr angesehen zu werden. Ich hörte mein Herz klopfen. Irgendwie.....hatte sie sich verändert. Nicht nur innerlich. Auch ihr Aussehen war anders. Ihr Haar war immer noch rosa und lang und ihre Augen sahen immernoch so aus, als würde ich in die Galaxie sehen. Aber trotzdem war irgendwas anders.
      Abrupt wendete sie sich dann doch von mir ab und kümmerte sich wieder um das Essen. Sie bat mich, mich zu setzen. Somit nahm ich die störende Decke von meinen Schultern und legte sie an die Seite, ehe ich mich an den Tisch setzte. Unsicher kratzte ich mich mal wieder am Haaransatz meines Nackens und sah zur Seite. Mir war noch nicht ganz klar, aus welchem Anlass sie das Frühstück machte. Es dauerte auch nicht lange, da war sie mit Kaffee und Pancakes am Tisch und ich sah wieder zu ihr.
      "Bist du... gewachsen?", fragte ich sie und legte nachdenklich den Kopf schief. Ich verstehe gar nichts mehr. Wie soll dieser Zwerg über Nacht plötzlich so viel gewachsen sein? Sie war gestern definitiv noch viel kleiner. Aber jetzt wusste ich, was an ihr diesen Morgen anders war.
    • Ich nahm gerade einen Schluck Kaffee, als mein Ayakashi mich mit dieser leicht schiefen Kopfhaltung ansah, die er immer hatte, wenn ihn etwas wirklich beschäftigte. Sein prüfender Blick ließ ein leises Unbehagen in meiner Brust aufsteigen. "Gewachsen?" wiederholte ich beinahe lachend, doch sein ernster Ausdruck ließ mich innehalten. Verwundert stellte ich die Tasse ab und sah an mir hinunter. Alles schien wie immer - die Kleidung passte, der Stuhl fühlte sich vertraut an und doch war etwas anders. Ich ließ den Blick durchs Zimmer schweifen. Die Möbel standen wie gewohnt, aber die Proportionen wirkten verändert, als hätte sich das Haus unmerklich angepasst. "Wenn ich gewachsen bin…" begann ich zögerlich und drehte mir nervös eine Strähne um den Finger, "… heißt das wohl, das Training hat funktioniert und meine Kräfte kommen zurück. Ich… ich habe es ehrlich noch nicht bemerkt." Verlegen schob ich mir die Strähne hinters Ohr. "Das Haus passt sich seinen Bewohnern ja immer an." Ich versuchte, gelassen zu klingen, doch meine Stimme verriet mich. Die Wahrheit war, ich hatte diesen Wandel wirklich nicht gespürt. Vielleicht, weil ich zu sehr mit allem anderen beschäftigt war… oder weil mir die Zeit mit Daiki.... j-jedenfalls hatte ich vielleicht meine ursprünglich Gestalt wiedererhalten.

      Ich stand schließlich auf, so ruhig wie möglich, und wischte mir die Hände an der Schürze ab. "Ich… schau kurz nach dem Wasser im Bad." sagte ich beiläufig, auch wenn es keinen Grund gab. Kaum hinter der Tür, atmete ich tief durch. Im Bad blieb ich vor dem Spiegel stehen ... - und erstarrte. Das Gesicht, das mich ansah, war meins… und doch nicht mehr dasselbe. Reifer, klarer, selbstbewusster. Eine junge Frau, nicht das unsichere Mädchen von früher. Ich hob zögernd die Hand, berührte den kalten Spiegel .....mein Spiegelbild blieb. Echt! Das Training... meine wiederkehrenden Kräfte. Und doch fühlte es sich nicht an wie ein Sieg, sondern wie etwas, das mich überforderte. Ich zwang mich, ruhig zu atmen, richtete die Kleidung und kehrte in die Küche zurück. Setzte mich, nahm mir einen Pancake und schnitt ihn in kleine Stücke, als hinge die Welt davon ab. Innerlich aber wirbelten Gedanken und Gefühle durcheinander. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder fürchten sollte. Dochs mein Blick für einen Moment erneut Daikis Blick striff, spürte ich, dass es vielleicht gar keine Antwort brauchte. Manchmal musste man Dinge einfach geschehen lassen. Und vielleicht ... ganz vielleicht ...war das hier einer dieser Momente.

      Ein plötzlicher Windstoß riss das Fenster auf und mich aus meinen Gedanken. Der Vorhang blähte sich, und zwischen den wirbelnden Blättern flatterte eine Krähe herein. Sie landete mit einem selbstzufriedenen Krächzen auf dem Tisch, direkt neben meiner leeren Kaffeetasse. An ihrem Bein hing eine versiegelte Schriftrolle. Das Wachs, tiefschwarz, uralt, ließ mich unwillkürlich den Atem anhalten. Ich löste das Siegel, und das Pergament entrollte sich fast von selbst.

      Im Zwielicht der alten Akademie Atramagica schweigen Stimmen, die einst Wissen trugen.
      Mehrere Menschenseelen sind in die Schatten entrissen, vom Flüstern der Götter verborgen.
      Nur wer im Mantel der Nacht wandelt, ungesehen von Sterblichen, kann die verborgene Wahrheit berühren.
      Geheime Schritte, unterdeckte Pfade – dies ist der Auftrag der Ewigen.
      Denn das Schicksal selbst verlangt, dass die Dunkelheit durchdrungen wird, ehe sie ewig währt.

      Ich starrte auf die Zeilen. Der Name der des Einrichtug hallte in mir nach "Atramagica" das uralte hoch angesehene Internat der Sterblichen, das sich so gern mit den Geheimnissen der Einflussreichen und Reichen schmückte. Ein offizieller Auftrag. Der erste seit Jahrhunderten!!! Ein leises Beben ging durch mich, wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Ich konnte fühlen, wie das Haus leise vibrierte, als würde es die Bedeutung dieser Zeilen ebenfalls erkennen. Die Krähe krächzte erneut ,diesmal fordernder und neigte den Kopf zur Seite, als würde sie auf etwas warten. Ich seufzte leise, griff nach einem Stück Bacon, das noch auf dem Teller lag, und hielt es ihr hin. "Schon gut. Botenlohn, hm?" Sie schnappte sich den Bissen, stolz wie eine Königin, und flatterte mit einem letzten Schrei aus dem Fenster davon. Nur eine schwarze Feder blieb auf dem Tisch zurück. Ich nahm sie in die Hand, drehte sie zwischen den Fingern. "Der erste Auftrag seit Ewigkeiten…" murmelte ich, fast ehrfürchtig. Etwas in mir regte sich.... die alte Wachsamkeit, das Knistern von Macht und Verantwortung. Der Frieden war vorbei.
      Und ich… war endlich wieder bereit....glaube ich.... war wir denn wirklich bereit?!
    • Phila sah auf einmal ziemlich erschrocken aus, weil ich was wegen ihrer Größe sagte. So ungläubig. Also ob ich einen Schwrz erlauben würde. Sie prüfte ihre Kleidung sowie die Möbel. Still beobachtete ich sie und passierte beim Essen. Erst dann flüchtete sie plötzlich.
      Ich hab noch nie erlebt, dass ein Gott wächst. Castor war schon immer groß und stark. Phila war immer sehr klein und schmächtig. Fast wie ein Kind. Doch nun.... sah sie anders aus. Erwachsener. Wie die Frauen, die jetzt überall in der Stadt rumlaufen. Verlegen strich sie sich ihr Haar hinter das Ohr. Plötzlich wirkte sie ganz anders als die letzten Tage. Das Selbstbewusstsein in ihrem Gesicht verschwand. Schnell stand sie auf und gi mng Richtung Bad. Ich spürte, wie es warm wurde. Verwirrt und nichtwissend, was ich nun tun sollte, kratzte ich mich am Nacken. Hätte ich nichts sagen sollen? Vielleicht schrumpft sie ja auch wieder.
      Ich hörte Schritte und schnell tat ich so, als ich hätte ich nichts weiter bemerkt und aß weiter. Ich wusste nicht wieso ich das tat. Ich hatte es ohne drüber nachzudenken getan. War vielleicht auch besser so. Immerhin schien es ihr unangenehm.

      Ein heftiger Windstoß riss das Fenster auf und eine Krähe kam rein mit... einem einem Brief? Wird ja wohl kein Liebesbrief sein. Der gewachsene Zwerg nahm uvm den Brief und las vor. Ich war zwar aufmerksam dabei, doch verstand ich wenig, was jetzt auf einmal los war.
      "Heißt das, irgendwas entführt Menschen? Wieso kommt der Vogel jetzt mit sowas?", fragte ich. Einen Auftrag. Dazu müsste sie mit mir kämpfen können. Kann sie das? Ich sah es schon kommen, dass ich sie mehr beschützen musste, als das wir vernünftig kämpfen konnten...
      Seufzend und ergebend verdrehte ich die Augen.
      "Wo müssen wir hin?"
    • Ich blieb noch einen Moment am Tisch sitzen, während meine Hand die letzten Reste des Frühstücks beiseiteschob. Die Krähe war längst verschwunden zurück blieb nur eine einzelne schwarze Feder, die nun reglos neben der leeren Kaffeetasse lag. Sie schimmerte, als würde sie das Licht schlucken. Noch immer sah ich den stolzen Voglel nach, auch wenn er schon längst wieder verschwunden war. Innerlich war ich noch immer zerrissen. Tief in mir wünschte sich ein Teil, das es nur ein Traum oder eine Illusion war. Aber die Schriftrolle in meiner Hand war der Gegenbeweis. Ich sah von der Schriftrolle auf, als Daiki seufzend die Augen verdrehte. Ein typisches Zeichen von ihm ...dieses halb genervte, halb besorgte Geräusch, das ich inzwischen fast schon… vertraut fand. Seine Worte klangen als traute er der Sache nicht. Vielleicht traute er auch mir nicht ganz. Noch nicht. Ich legte die Rolle sorgfältig zusammen, das Siegel hatte sich längst in feinen, dunklen Staub aufgelöst. "Die Academia Atramagica." antwortete ich leise, fast ehrfürchtig. Allein der Name schmeckte nach alten Zeiten. "Ein uraltes Internat der Sterblichen - angesehen, diszipliniert… und voller Geheimnisse." Ich konnte seinen Blick spüren, prüfend, abwartend. Und irgendwo darunter Sorge.
      Vielleicht hatte er recht. Ich war noch nicht so weit, um wirklich zu kämpfen wie früher. Aber dieser Auftrag... fühlte sich an, als wäre er genau für uns bestimmt.
      Ich drehte die Feder, die die Krähe zurückgelassen hatte, zwischen den Fingern. Der schwarze Glanz schien sich mit dem Licht des Morgens zu mischen, wie eine stille Erinnerung daran, was wir einmal waren. "Es ist der erste offizielle Auftrag seit Jahrhunderten." Flüsterte ich, eher zu mir selbst als zu ihm. Ich schluckte schwer in der Hoffnung auch meine Zweifel zu verbannen.
      Zuerst leise. Ein leises Summen, kaum hörbar, vibrierte in den Wänden.
      Dann öffnete sich ein Schrank von selbst, seine Türen knarrten, und ein vertrautes Flackern zog meine Aufmerksamkeit auf sich. "Wow... zumindest Einer hier ist voller Vorfreude." murmelte ich halb lächelnd.
      Ein alter Ledergürtel legte sich von selbst über die Lehne des Stuhls, und Daikis Jacke fiel vom Haken, als würde jemand unsichtbar darin nachhelfen. Sogar mein Nexum Costus das kleine, unscheinbare Amethyst-Amulett, das ich seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt hatte – schwebte kurz, bevor es sanft in meine Hand glitt. Es vibrierte leicht. Warm. Ich spürte mein eigenes Herz im gleichen Rhythmus schlagen. "Siehst du?" sagte ich leise, mehr zu mir selbst als zu Daiki. "Selbst das Haus glaubt wohl auch an unseren Erfolg." Ich legte das Amulett um und fühlte, wie sich ein feines Kribbeln in meinen Fingern sammelte.... ein leiser Strom alter Magie, der sich ausstreckte, vorsichtig, tastend, fast wie ein Wiedersehen. "Academia Atramagica also..." flüsterte ich. "Ein Elite-Internat für Sterbliche. Und doch ruft man uns." Ich drehte mich zu Daiki um. "Wir sollten bald aufbrechen, allerdings nicht unborbereitet. Wenn so viele Menschen verschwinden, bleibt nie viel Zeit."
    • Ich beobachtete sie, wie sie gedankenverloren die Feder zwischen ihren zierlichen Fingern drehte, während sie mir erzählte, wo wir eigentlich hin mussten. Es klang, als war sie schonmal da und hatte ihre Erfahrungen gemacht. Aber ich traute mich auch nicht, nachzufragen. Sie klang ehrfürchtig, während sie erzählte. Und auch das Haus hatte wohl seine Meinung dazu. Naja. Vielleicht kam ich dann auch endlich mal wieder dazu, einen richtigen Kampf auszutragen und nicht immer nur Gestrüpp zu bekämpfen.
      "Also gut. Besiegen wir das Monster, was den Menschen die Hölle heiß macht. Das werden wir ja wohl hinkriegen.", sagte ich ermutigend, ohne zu wissen, was da eigentlich auf mich zu kam.

      ...

      "Wir müssen Uniformen tragen?!! Ist das ein Witz?", rief ich empört, als ich erfuhr, dass wir undercover als Schüler in diese Schule gingen und dann dementsprechend Schuluniformen tragen mussten. Die Hose war ja noch okay. Aber ich war nicht der Typ, der ein Hemd und eine Krawatte anziehen würde.
      "Im Leben zieh ich das nicht an, Phila! Dann warte ich irgendwo hinter der Schulmauer und schau mich da um!", immernoch empört und eingeschnappt drückte ich die Sachen von mir fern. Ich wollte damit nichts zu tun haben. Sah ich aus wie King Julien oder was?

      ...

      Leider konnte ich mich nicht durchsetzen. Ich hab die Diskussion verloren und hab nun Hose und Hemd an. Gerade stand ich vor dem Spiegel und versuchte, die Krawatte zu binden, bei der ich kläglich scheiterte. Denn ich konnte es nicht. Ich musste wohl oder übel Farbe bekennen.
      "Hey Zwerg. Kannst.... kannst du Krawatten binden?"
    • Ich räumte gerade den Tisch ab, als die Haustüren immer wieder auf- und zuklappten. "Warum sollten wir-" begann ich aufgeregt unser Heim zu fragen und lief bereits zur Tür. Ein leises Rascheln ließ mich innehalten.Vor uns, ordentlich nebeneinander auf der Veranda, lagen zwei zusammengefaltete Kleidungsstücke. Dunkelrot, mit goldenen Knöpfen und gestickten Wappen. Ich blinzelte. "…Das sind Schuluniformen." Ich ging in die Hocke und strich über den Stoff. Die Wappen glitzerten schwach, als wäre Magie in die Fäden gewebt. Ich spürte, wie mein Herzschlag sich beschleunigte. Nach all den Jahrhunderten … ein richtiger Auftrag. Kein kleines Gleichgewichtsspiel zwischen Welten, kein Hüten alter Grenzen .... sondern etwas, das bedeutete, dass wir wieder gebraucht wurden. "Vielleicht wollte man sichergehen, dass wir uns anpassen können." Ich hob die Uniform hoch. Sie passte perfekt, als hätte das Haus sie nach Maß genäht. Natürlich hatte es das wohl auch.
      Ich konnte mir Daikis Blick schon vorstellen. Mein wirklich stolzer Ayakashi und menschliche Dresscodes - ...das würde wohl ein Schauspiel werden.
      Der Wind griff nach meinem Haar, ließ die Uniform flatternd aufleuchten, als wolle sie uns zur Eile drängen. "Dann wirst du auffallen." entgegnete ich trocken, aber ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen. "Und das dürfen wir diesmal nicht. Die Alternative wäre, den Auftrag des Rates der Götter auszuschlagen. Dann bekommen wir in ein paar Jahrtausenden vielleicht wieder einen.... und bis dahin… werden wir weiter die Botanik trimmen. Willst du das?" Natürlich nicht. Die Frage war rein rhetorisch gewesen. Aber sie machte unseren Standpunkt deutlich und ich konnte mir Daikis gequälten Gesichtsausdruck schon vorstellen, was mich unwillkürlich schmunzeln ließ.


      :・゚⋆。°⭒✩・:*:。

      Ich stand vor dem Spiegel und betrachtete mich selbst in dieser Schuluniform. Der Blazer saß enger, als ich es gewohnt war, die weiße Bluse darunter fühlte sich seltsam steif an, und der Rock … nun ja, der war kürzer, als mir lieb war. Ich zupfte nervös am Stoff, strich über die Strumpfhose und versuchte, mich an den Anblick zu gewöhnen. Für einen Moment fragte ich mich, ob ich mich jemals in so etwas würde wohlfühlen können. Hinter mir hörte ich Daiki murmeln und mit seiner Krawatte kämpfen. Ein unterdrücktes Fluchen, dann ein leises Stöhnen der Verzweiflung. Ich musste schmunzeln ,es war so typisch für ihn. Stolz bis in die Haarspitzen, aber völlig wehrlos gegen einen schlichten Stoffstreifen. Schließlich drehte ich mich zu ihm um. "Na gut, halt still." sagte ich, bevor er überhaupt fragen konnte. Meine Finger griffen nach der Krawatte, und plötzlich war er so nah, dass ich seinen Atem spüren konnte. Sein Blick folgte jeder meiner Bewegungen, und für einen Moment schien die Luft zwischen uns dichter zu werden.bIch begann, den Knoten zu formen. Erst vorsichtig, dann mit mehr Routine. Doch je näher ich kam, desto deutlicher nahm ich seine Wärme wahr. Eine feine Spannung lag in der Luft, als hätte selbst das Haus beschlossen, kurz den Atem anzuhalten. "Du… beweg dich nicht." murmelte ich, mehr zu mir selbst als zu ihm. Er stand still... vielleicht ein bisschen zu still. Als ich aufblickte, trafen sich unsere Blicke im Spiegel. Da war etwas in seinem Ausdruck, das mich innehalten ließ. Nichts Greifbares, nur ein Schimmer, ein Schatten von etwas Unausgesprochenem. Und plötzlich wurde mir viel zu warm. Ich wandte hastig den Blick ab, konzentrierte mich wieder auf den Stoff, der sich nun fast lebendig anfühlte. Als der Knoten schließlich saß, trat ich einen Schritt zurück und zwang meine Stimme, ruhig zu bleiben. "Da. Fertig." Für einen Sekundenbruchteil hob ich kurz den Blick, nur lang genug, um festzustellen, dass etwas an seinem Gesichtsausdruck mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich konnte nicht genau sagen, was. Vielleicht lag es an der Nähe, vielleicht an diesem Moment, der ein bisschen zu still geworden war. Ich räusperte mich leise und verschränkte die Arme, um meine Unsicherheit zu überspielen. "Und jetzt beschwer dich nicht mehr über Uniformen." sagte ich, und obwohl ich versucht hatte, streng zu klingen, war meine Stimme weicher, als ich wollte. Für einen Augenblick standen wir einfach nur da: Zwei ungleiche Partner in zu ordentlichen Schuluniformen. Zwischen uns hing etwas Unsichtbares, zart wie ein Hauch, warm wie ein Lächeln, das keiner von uns ganz auszusprechen wagte. Ich drehte mich schnell um, tat so, als müsste ich noch an meinem Blazer etwas richten. "Na los." sagte ich schließlich, um die Stille zu brechen. "Wenn wir schon wie Schüler aussehen, sollten wir uns auch so benehmen, Lulatsch. Zumindest fünf Minuten lang." Hinter mir hörte ich ein leises Geräusch, vielleicht ein Atemzug, vielleicht ein angedeutetes Schmunzeln. Ich wagte nicht, mich umzudrehen. Doch als ich mich selbst im Spiegel sah, bemerkte ich, dass sich meine Mundwinkel unwillkürlich zu einem kleinen Lächeln verzogen hatten. Nur kurz. Aber das reichte.

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    • Als sich der Zwerg dazu ergab, mir zu helfen, sah ich zu ihr runter und beobachtete, wie sie mir die Krawatte bindete. Einerseits sah sie konzentriert aus. Anderseits schien es ihr leicht zu fallen, so einen Knoten zu machen. Meine Augen folgten ihren Händen und eine gewisse Wärme stieg in mein Gesicht. Ich spürte, wie meine Ohren heiß wurden. Ich sah, wie ihre leuchtenden Augen auf mich fixiert waren. Die Farbe, die mich an einen Regenbogen erinnerten. Gleichzeitig konnte man sich auch in ihnen verlieren und sich vorkommen, als würde man auf einer Wiese liegen und in den Sternenhimmel sehen. Ihr rosanes Haar fiel locker an ihren Schultern vorbei. Es sah aus, wie ein Wasserfall, in den Bergen. Sie sahen weich aus. Und ich hatte den Drang sie zu berühren. Doch ich zwang mich, meine Hände da zu lassen, wo sie jetzt waren. Ich hatte nie die Zeit oder die Gelegenheit, Phila näher zu betrachten. Diesmal war es zwar ungewollt, aber irgendwie konnte ich grad auch nicht anders.
      "Ich bewege mich nicht.", murmelte ich leise, als sie mich plötzlich ansprach. Ich stand tatsächlich ganz still da. Sie kam jetzt viel besser an mich ran. Sie war also wirklich ein Stück gewachsen. Ich hatte es mir nicht eingebildet. Die Uniform, die wirklich gut zu ihr passte, schmiegte sich an ihren Körper. Sie sah nicht aus wie ein Grundschulmädchen, sondern wie eine heranwachsende junge Frau.
      Unsere Blicke trafen sich und ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Schnell sah ich zur Seite, um meine Verlegenheit zu verstecken, als sie mich dann auch schon losließ.
      "Fünf Minuten ist gut. Je nachdem, wann wir das verdammte Vieh finden, dauerts mehrere Tage.", ja ich sollte mich nicht beschweren. Aber wenn ich daran dachte, dass ich diese Uniform noch länger tragen musste, stellten sich mir die Nackenhaare auf. Ich war kein verdammter Schüler, sondern ein Krieger, ein Breitschwert, welches kämpfen sollte, statt die Schulbank zu drücken.
      "Also gut. Gehen wir in diese Schule. Wenn die uns so sehr brauchen, dass sie uns schon rufen, haben wir ja keine andere Wahl. Ich hab keine Lust auf noch mehr Gestrüpp.", meinte ich und wartete darauf, dass wir losgingen.

      Vor dem Schulgebäude blieb ich stehen und sah beeindruckend zum Dach. Das war ja ein halbes Schloss. Ich sah mich vorsichtshalber nochmal um, aber die Jungen, sowie Mädchen hatten alle die selbe Uniform an wie wir und gingen hinein. Das musste sie also sein.
      "Also los. Bringen wir es hinter uns."
    • Der Nebel hing wie flüssiges Mondlicht über dem Pfad, als wir das Tor zur Academia Atrum Arcanum durchschritten. Ein Schauer lief mir über den Rücken – nicht vor Kälte, sondern weil ich spürte, wie er uns erfasste. Dieser Nebel war keine gewöhnliche Erscheinung. Er roch nach alter Magie, nach Geschichten, die zu lange geschwiegen hatten. Ein kaum wahrnehmbares Flirren durchzog die Luft, und plötzlich schien jemand an meinen Gedanken zu ziehen. Fremde Erinnerungen drängten sich in mein Bewusstsein. Namen, Gesichter, Stimmen. Ein Bild formte sich… glasklar, selbstverständlich… als wäre es nie anders gewesen. Philomena Vasilieva, Tochter einer einflussreichen Familie aus einem fernen Land. Einser-Schülerin. Mitglied der Schülerzeitung. Beliebt, höflich, ehrgeizig.
      Ich nickte innerlich, als hätte ich diese Rolle selbst geschrieben. Der Nebel legte sie mir wie diese Uniform um und es passte erschreckend gut.

      "Philomena! Da bist du ja endlich!" Eine helle Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Ein braunhaariges Mädchen mit geflochtenen Zöpfen kam auf mich zugelaufen, eEine luxuriöse Tasche um den Arm. Ihre Augen blitzten vor Energie. "Wir müssen noch den Artikel über den Spendenball korrigieren, erinnerst du dich?" Ich lächelte automatisch. "Natürlich." hörte ich mich sagen, obwohl ich keine Ahnung hatte, wovon sie sprach. Aber der Nebel ließ keinen Zweifel: Sie glaubte mir, als hätte ich das schon seit Wochen geplant. Elise zog mich entschieden weg, und ich stolperte fast, als ich einen Moment auf Daikis fragenden Blick achtete. "Wenn du dich noch länger mit ihm zeigst, glauben die Leute am Ende, du hast den Verstand verloren!" Ich verstand nicht recht. "W-Was?" Ich versuchte krampfhaft Schritt zu halten. Wo nahm sie nur die verdammte Energie her? Elise warf mir einen spitzbübischen Blick über die Schulter zu. "Na, du weißt doch, was alle sagen! Wie du dich in letzter Zeit mit ihm abgibst. Philomena Vasilieva und Daiki Aomine ~ das wandelnde Rätsel dieser Schule. Die perfekte Schulhof-Prinzessin und der gefährliche Basketballgott. Als wäre das irgendein Romandrama!" Hitze stieg mir ins Gesicht. "Elise, bitte…" Sie grinste nur. "Ich sag ja nur, ich hätte dich für jemanden mit… na ja, bodenständigerem Geschmack gehalten. Nicht, dass ich's dir nicht gönne. Er hat ja… gewisse Qualitäten." Mein Herz machte einen Sprung. "Welche Qualitäten?" Ich hatte jetzt schon Angst vor der Antwort. "Na, die, über die man in der Mädchenumkleide nicht laut spricht!" Sie kicherte schadenfroh. "Schon gut, schon gut. Aber ehrlich, Philomena. Du weißt, er ist nicht gerade der Typ, den man seinen Eltern vorstellt. Selbst wenn du ihn hübsch findest." Ich öffnete den Mund, um zu protestieren, doch kein Ton kam heraus. Statt Wiederspruch folgte ich der Sterblichen durch das Labyrinth der Gänge. Überall hing der Geruch von Papier, Tinte und poliertem Holz. An den Wänden flackerten uralte Laternen, deren Licht goldene Schatten an die Decke warf. Während meine Schritte über die alten Fliesen hallten, spürte ich, dass dies kein gewöhnlicher Auftrag war. Etwas in diesen Mauern beobachtete mich – nicht feindselig, eher wachsam. Wie ein uralter Wächter, der abwartete, ob ich Bedrohung oder Verbündete war. Der Gedanke ließ mich nicht los. Ich war hier, um ein Verschwinden zu untersuchen. Doch im Moment fühlte ich mich selbst wie jemand, der in einer fremden Erinnerung verloren gegangen war. Und während das Leben der Akademie um mich tobte Stimmen, Glocken, Schritte, Gelächter - flüsterte tief in mir eine Ahnung, leise wie Atem im Nebel:
      Dies war kein gewöhnlicher Ort. Und das Spiel, in das wir hineingezogen wurden, hatte längst begonnen.
      Wir liefen weiter über die breiten Korridore, und stetig spürte ich die Blicke der anderen Schüler. Einige nickten mir freundlich zu, andere lächelten. Jemand rief: "Hey Philomena, tolle Präsentation gestern!" Niemand wunderte sich über zwei neue Gesichter. Der Schleier der Magie war vollkommen. Er hatte uns nicht einfach versteckt... er hatte uns eingeschrieben. Nicht nur in ihre altehrwürdige Schule sondern in ihre Erinnerungen. In ihre Welt.

      Schließlich blieb ich vor den großen Fenstern direkt vor der Aula stehen. Es war ungewohnt, nach der letzten Zeit plötzlich von meinen Ayakashi getrennt zu sein. Mein Blick blieb unwillkürlich an einer vertrauten Gestalt hängen. Daiki stand am Rand des Hofs, die Uniformjacke offen, die Krawatte halb gelöst, als gehörte ihm die Welt. Einer seiner Teamkollegen warf einen Korbball – und Daiki fing ihn mühelos. Ein kurzer Jubel, Schulterklopfen – selbst durch den Nebel wirkte es echt. Er schien hier hineinzupassen. Fast zu gut. Ich stand einen Moment zu lang, beobachtete, wie ihm eine Strähne ins Gesicht fiel, wie das Licht über seine Haut glitt, und fragte mich, wie viel davon noch Teil der Illusion war. "Philomena, nicht schon wieder!" Elises Stimme schnitt durch meine Gedanken, hell und leicht vorwurfsvoll. Ehe ich reagieren konnte, hatte sie meine Hand gepackt und zog mich entschieden weiter. "Du kannst ihn auch später anschmachten, wenn du willst, aber jetzt komm. Wir haben Redaktionssitzung!" Oh man, waren alle jungen Sterblichen so? Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte. "M-Moment mal… ich hab ihn nicht-" Ich brach meinen Satz ab. Es brachte nichts, einer Sterblichen das System hinter Gottheiten und Ayakashis zu erklären.
      "Schon klar, du hast nicht nach ihm geschaut." grinste Elise spitz, ohne sich umzudrehen. "Aber ehrlich, Philomena – du und er? Das wäre, als würde man Champagner mit To-Go-Kaffee mischen." Ich lachte nervös, wischte mir die Hitze aus dem Gesicht, doch Elise war unerbittlich. "Na komm schon, gib’s zu. Irgendwas an ihm findest du spannend. Diese Art von 'Ich-brech-die-Regeln-und-sehe-dabei-gut-aus' zieht bei braven Mädchen doch immer."
      Ich stöhnte leise. "Elise, bitte…" Sie lachte nur. "Ja, ja. Schon gut. Aber wenn du dich wirklich in sowas verrennst, will ich in der ersten Reihe sitzen, wenn du ihm mal die Leviten liest." Ich schüttelte den Kopf, konnte mir das Lächeln aber nicht verkneifen. Doch während sie mich weiterzog, fiel mein Blick noch einmal über die Schulter. Daiki stand noch immer auf dem Platz, die Hände in den Taschen, als hätte er genau gewusst, dass ich mich umdrehen würde. Für einen flüchtigen Moment begegneten sich unsere Blicke. Der Nebel zwischen uns flimmerte wie ein unausgesprochenes Geheimnis.

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    • Kaum hatten wir das Gelände betreten, umhüllte uns ganz kurz ein dichter Nebel, der sich irgendwie auch in meinen Kopf schlicht. Ich wusste nicht wieso, aber irgendwie wusste ich, was zu tun war. Ich wusste, was meine Aufgaben waren und wie ich mich verhalten sollte. Allerdings war es mir ein Rätsel, wieso ich das wusste. Vielleicht war es auch besser, wenn ich das nicht weiter hinterfragte. Ein Mädchen kam auf uns zu und schien Phila zu kennen. Redakteurin? Also hatte auch Phila ihre Aufgaben bekommen. Na hoffentlich waren unsere Aufgaben nicht zu unterschiedlich, so das wir uns dann auch noch sehen konnten. Alleine kämpfen konnte ich nicht und Phila konnte ohne mich gar nicht kämpfen.
      Ehe ich es mich versah, wurde besagte Göttin auch schon weggezerrt und ich hob ne Augenbraue. Natoll... einfach weg.
      Ich kratzte mich am Nacken und sah mich um, ehe ich nun selbst auf die Suche ging. Ich war der Basketballfreak. Na immerhin eine coole Rolle. Doch die Rolle des Kapitäns übernahm ein anderer. War ich eh nicht für geeignet. Ich hatte keine Lust, mich auch noch um andere zu kümmern. Mir reichte das, dass ich hier überhaupt als Schüler galt. Ich seufzte. Als Lehrer sah ich wohl einfach zu jung aus.
      "Oi, Daikiii!!", ich sah mich um und ein Teamkamerad rief mich zu sich rüber. Ich sah ihn an und schlenderte dann zu ihm rüber. Vielleicht bekam ich ein paar Informationen über die verschwundenen Menschen. Ein Basketball kam auf mich zu und ohne drüber nachzudenken fing ich ihn auf. Ich drehte ihn kurz zwischen meinen Handflächen. Ich war nicht mal auf dem Spielfeld. Trotzdem warf ich den Ball zurück und konnte ihn mit Leichtigkeit genau in den Korb treffen. Das wären jetzt definitiv 3 Punkte gewesen. Ich fühlte mich eingeengt in meinen Sachen, also lockerte ich den Krawattenknoten, sowie die Knöpfe meines Jackets. Viel Besser. ich sollte ihn wohl nur besser nicht lösen. Phila macht mir sicherlich nicht noch einen Knoten.
      "Oi, Daiki. Läuft da was zwischen dir und der Kleinen?", fragte einer der Kameraden und ich verschluckt mich fast an meinem eigenen Speichel. Wie war das?
      "Der Zwerg und ich? Spinnst du? Ich hab anderes zu tun.", widersprach ich, doch plötzlich spürte ich ihre Anwesenheit hinter mir. Ich drehte mich um und sah sie mit ihrer Freundin da langlaufen. Für einen Augenblick sahen wir uns an. Doch ihre, so wie meine Freunde störten den Moment.
      "Alter. Gib doch zu, dass du sie heiß findest. Warum sonst starrst du sie so an?"
      "Halt die Klappe.", murrte ich. Wie ich da wohl wieder rauskam. Andererseits war ja alles vergessen, sobald wir hier fertig waren. Also beenden wir das hier lieber schnell.
      "Wirf mir lieber den Ball zurück!", sagte ich noch und spielte eine Runde. Endlich wieder Basketball spielen. Ich musste sagen, ein bisschen hab ich das vermisst. Trotzdem musste ich zusehen, Informationen zu bekommen. Bis jetzt ist mir noch nichts Verdächtiges aufgefallen. Es schien wie eine ganz normale Schule mit den üblichen Problemen. Niemand redete über die Vermissten. Etwas eigenartig.
    • Na großartig, scheinbar kämpften wir gerade gezwungenermaßen an unterschiedlichen Fronten. Es passte mir nicht recht, doch wenn ich das riesige Gelände betrachtete war es wohl zunächst besser so.
      Während Elise in der Redaktionssitzung über Satzzeichen und Spendenbälle dozierte nickte ich nur beiläufig, denn meine Gedanken schweiften immerzu ab. Der Raum roch nach Papier, Tinte und einer Spur von magischem Staub zu perfekt, zu glatt. Alles an dieser Schule wirkte wie ein Bühnenbild, das jemand sorgfältig aus Erinnerungen gebaut hatte. Als Elise mir ein Blatt reichte, nutzte ich den Moment. "Sag mal…" begann ich vorsichtig "...habt ihr irgendwas über die Schüler gehört, die in letzter Zeit verschwunden sind?" Ein Rascheln. Dsnn fragende Blicke. Stille. Dann lachte jemand unsicher. "Verschwunden? Also bitte, Philomena, du liest zu viele Mysteryromane.“
      Ein anderer runzelte die Stirn. "Hier verschwindet niemand. Wir sind ein Elite-Internat." Selbst Elise sah mich seltsam an. "Alles in Ordnung mit dir? Du klingst… ein bisschen durcheinander." Ich zwang ein Lächeln und nickte. "Schon gut. Nur eine Idee für den nächsten Artikel." Doch innerlich zog sich etwas in mir zusammen. Wenn der Nebel ihre Erinnerungen verändern konnte ...dann konnten ganze Existenzen ausgelöscht werden, ohne dass jemand es bemerkte.
      Als die Sitzung endete, ließ ich die Gruppe, angeblich um noch etwas aus meine Schließfach zu holen, zurück. Meine Schritte hallten durch die stillen Gänge, während der Rest der Schüler zur nächsten Stunde eilte. Ich folgte keinem festen Ziel, nur diesem Gefühl, dass etwas nicht stimmte.
      Die Wände flüsterten, der Boden atmete leise. Ich war sicher, dass sich Dinge hier bewegten, wenn man nicht hinsah.
      Vor einem alten Porträt blieb ich stehen. Es zeigte einen Mann mit silbernem Haar und kalten Augen doch das Seltsame war: sein Blick schien vertraut .... und.... meinen zu folgen. Moment! Der Leuchter neben dem Bild… hing schief, als wäre er gerade erst berührt worden.
      Ich streckte die Hand aus da erklang hinter mir eine Stimme, tief und schneidend: "Fräulein Vasilieva." Ich zuckte zusammen. Ein hochgewachsener Professor stand im Halbdunkel des Flurs. Sein Gesicht war bleich, die Augen zu hell, zu still. Er trug den Geruch alter Bücher und… etwas Eisiges. Nicht... menschliches.... "Sollten Sie nicht längst im Unterricht sein?" fragte er ruhig, doch in seinem Ton lag etwas, das mich frösteln ließ. "Ich… war nur auf dem Weg dortdor." antwortete ich rasch "Ich dachte, ich hätte-" blitzschnell hob er die Hand um moch verstummen zu lassen. "Sie denken zu viel in letzter Zeit." Sein Blick blieb an mir haften, durchdringend, fast unnatürlich still. "Ich höre, Sie verbringen auffallend viel Zeit mit diesem… nennen wir ihn Emporkömmling." Das Wort kam ihm wie Gift über die Lippen. "Ein zweifelhafter Umgang. Kein Wunder, dass Sie verwirrt wirken." Mir blieb der Atem weg. "Ich-" Jede Phaser meines Körpers war angespannt. Jetzt hätte ich nur all zu gern Daiki bei mir gehabt. Mit ihm war ich deutlich mutiger. "Gehen Sie!" unterbrach er mich scharf. "Ihre Stunde beginnt in fünf Minuten. Und… meiden Sie schlechte Einflüsse. Die Academia Atrum Arcanum eine altehrwürdige Einrichtung. Wir dulden keine Unruhen." Er wandte sich ab. Ein Hauch von kalter Luft blieb zurück und ein flüchtiger Schatten, der über die Wand huschte, als wäre etwas Unsichtbares ihm gefolgt. Ich stand einen Moment lang da, die Finger noch immer leicht zitternd.
      Dann sah ich wieder zum Porträt. Diesmal blickte der Mann darauf nicht mehr zu mir - er lächelte. Kaum sichtbar, aber da. Ein Frösteln lief mir über den Rücken. Etwas stimmte hier wirklich nicht. Und wenn ich Daiki bald nicht fand, würde ich wohl die Nächste sein, die in diesem Nebel verschwand.

      Gerade noch pünktlich betrat ich den Klassenraum, das leise Murmeln der Schüler verklang für einen Moment, als ich die Tür hinter mir schloss. Mein Blick suchte sofort nach ihm und fand ihn, wie immer, am Fensterplatz. Daiki saß lässig auf seinem Stuhl, das Kinn in die Hand gestützt, umgeben von ein paar Jungs aus dem Basketballteam. Sie lachten laut über irgendetwas, das einer von ihnen gesagt hatte. Die anderen Schüler hielten Abstand nicht offen feindselig, aber mit dieser stillen, selbstgerechten Distanz, die wie ein unausgesprochener Konsens durch den Raum hing. Vielleicht war es Stolz. Vielleicht Angst. Vielleicht war der Nebel so tief in ihre Erinnerungen gekrochen, dass sie sich gar nicht mehr erinnerten, warum sie ihn mieden. Mein Blick blieb an ihm hängen. Er sah anders aus als die anderen zu echt, zu wach inmitten all dieser Masken. Für einen kurzen Moment hob er den Kopf, und unsere Blicke trafen sich. Etwas in mir zog sich zusammen. Am liebsten hätte ich alles stehen und liegen lassen, wäre einfach zu ihm gegangen, um ihm von dem Professor, dem Flur, dem seltsamen Bild zu erzählen doch das durfte ich nicht. Nicht hier, nicht vor allen.Der Unterricht zog an mir vorbei wie Nebel im Wind. Die Stimme der Lehrerin wurde zu einem dumpfen Rauschen, die Kreidebewegungen an der Tafel zu bedeutungslosen Linien. Ich saß da, den Stift in der Hand, und dachte nur an eines: wie ich ihn endlich sprechen konnte, ohne dass uns jemand beobachtete.
    • Meine Füße betraten nur wenige Minuten vor Phila den Klassenraum und irgendwie wusste ich, wo mein Platz war. Und er war perfekt. Direkt am Fenster. Ganz weit hinten. Denn die Schule interessierte mich nicht im geringsten. Wir hatten hier einen Auftrag zu erfüllen. Da interessierten mich keine Noten.
      ich war recht schnell von meinen Kameraden umgeben, die mir weiß machen wollten, dass ich definitiv ihrem Spiel beiwohnte. Gegen ein Spiel hätte ich nichts einzuwenden. Immerhin hatte ich endlich wieder die Gelegenheit dazu. Natürlich spielte ich. Vorausgesetzt, wir waren nich hier. Aber da hier keiner was wusste, was die merkwürdigen Vorkommnisse erklärte, könnte es tatsächlich noch länger dauern.
      Meine Herrin betrat den Klassenraum und ich sah kurz zu ihr. Ich hatte gehofft, dass sie auf mich zukommen würde, aber sie tat es nicht. Sie....ging einfach an mir vorbei und beachtete mich nicht weiter. Ich runzelte die Stirn und zog eine Augenbraue hoch. Echt jetzt? Wir sind nur in einer verflixten Schule. Nichts von uns ist hier echt. Ich versuchte, durch unsere Verbindung Kontakt mit ihr aufzunehmen, um ihr zu sagen, dass sie gefälligst mit mir sprechen sollte. Doch leider wurde ich unterbrochen.
      "Mister Aomine. Ich würde es begrüßen, wenn Sie mir im Unterricht folgen würden, statt den Mädchen hinterher zu schauen.", ermahnte die Lehrerin und ich brummte leise. Die Mädchen in der Klasse kicherten leise. Ich knurrte leise, jedoch ließ mich die Frau an der Tafel gar nicht zu Wort kommen. Leise grummelte ich und starrte aus dem Fenster. Ich hasste es hier die Zeit abzusitzen. Nachforschen war da grad eher mein Ziel.

      Es klingelte zur Pause und sofort stand ich auf. Wenn sie nicht mit mir sprechen wollte, tat ich es eben mit ihr. Ich stand auf und ging zu ihr nach vorne, nur um mich hinter ihren Stuhl zu stellen und mich hinunter zu ihrem Ohr zu beugen.
      "Komm in zwei Minuten zum Hinterausgang der Sporthalle.", flüsterte ich und ging. Die Sporthalle war nicht weit weg und Schüler waren da auch keine. So sollten wir Ruhe haben um zu reden und uns klar zu werden, wie wir weiter verhandeln wollten.
      Als ich ankam, lehnte ich mich lässig und mit den Händen in den Hosentaschen an die Wand und schloss die Augen. Ich atmete durch und hoffte einfach nur, dass uns keiner folgte.

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    • Der Unterricht zog sich endlos hin. Die Worte der Lehrerin glitten an mir vorbei wie Regen an einer Fensterscheibe. Ich starrte auf die Uhr über der Tafel, verfolgte, wie der Sekundenzeiger sich quälend langsam bewegte jeder Schlag ein Stück zu laut in meinen Ohren. Ich konnte mich kaum konzentrieren. Ich konnte die Verbindung zwischen uns wieder wahrnehmen. Diese leise, vibrierende Präsenz in meiner Brust, die nur Daiki sein konnte. Sie flackerte dort wie ein vertrautes Feuer, das nicht verlöschte, egal wie sehr ich versuchte, es zu ignorieren.
      Ich brauchte mich nicht umzudrehen. Ich wusste das er da war, ich wusste das er nähr kam ... aber.... seine Worte... das leise Timbre seiner Stimme vibrierte durch jede Faser meines Körpers. Sein Atem strich über meine Ohrmuschel, warm, rau, beinahe melodisch. Es war, als würde sein Klang in mir nachhallen, tiefer, als Worte reichen durften. Ich spürte, wie sich die feinen Härchen in meinem Nacken aufstellten, und ich verfluchte meinen Körper dafür, dass er so reagierte. Ich nickte kaum merklich, und als er sich entfernte, blieb etwas von seiner Wärme in der Luft zurück. In zwei Minuten also, vor der Sporthalle... Ich atmete ruhig aus ehe ich begann hochfokusiert meine Sachen zu packen. Elise drehte sich zu mir um. "Philomena? Du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen." Ich zwang mich zu ein Lächeln. "Ich… muss kurz was erledigen. In der Bibliothek, für den Artikel... und den Spendenball." Sie grinste spitz. "Auf einmal wieder motiviert? Oder geht’s eher um jemand anderen?" Ich winkte ab, murmelte etwas Unverständliches und war schon halb aus der Tür, ehe sie weiterfragen konnte. Die Flure waren leer. Nur meine Schritte hallten auf dem Marmor, begleitet vom gedämpften Summen alter Lampen. Der Nebel draußen drückte gegen die Fenster, silbrig und schwer, als wollte er mich zurückhalten. Dieses Mal ließ ich mich nicht aufhalten. Oder ablenken. Wir waren nicht zum Spaß hier. Wir hatten einen Auftrag.

      Und da war er. Daiki lehnte an der Wand, die Uniformjacke offen, das Licht zeichnete scharfe Linien über sein Profil. Ich blieb stehen, mein Herz zu schnell, die Luft zu dünn. "Da war… etwas." Begann ich direkt, und meine Stimme klang fremd in der Stille. "Im Flur. Da war so ein Gemälde, sein Blick ist mir gefolgt und da war auch noch so ein schiefer Leuchter. Ich wollte es untersuchen aber dann kam ein Professor. Sein Blick war…" Ich suchte nach Worten, doch es gab keine passenden. "Er war nicht menschlich, Daiki. Ich konnte mich nicht bewegen. Es war, als würde er mich durchschauen ...als wüsste er, was ich bin." Ich schlang die Arme um mich, als könnte ich die Kälte vertreiben, die sich in mir festgesetzt hatte. "Ich war so sicher, ich sei stark genug. Ich meine, ich bin eine Göttin ... ich sollte furchtlos, erhaben, unantastbar sein." Es folgte ein bitteres Lächeln. "Aber in diesem Moment… war ich nur ein Mädchen. Das hat mir Angst gemacht." Ich hob den Blick, suchte seinen Schatten, seine Nähe, die mich gleichzeitig beruhigte und beschämte. "Ich weiß, ich sollte das nicht sagen… aber ich habe mir gewünscht, du wärst dort gewesen. Dass du mir beistehst, dass du mich…" Meine Stimme brach. Ich spürte, wie Hitze in meine Wangen stieg, dieses verräterische Brennen, das mich jedes Mal überfiel, wenn ich die Kontrolle verlor.
      Ich trat einen halben Schritt näher, nicht zu nah, aber genug, um den Abstand zwischen Göttin und Ayakashi verschwinden zu lassen.
      Ich schämte mich dafür weil ich wusste, wie rot ich gerade wurde. Und trotzdem… ich musste es endlich mal aussprechen. Vor mir und... vor diesen viel zu stolzen göttlichen Breitschwert. Ich hob eine Hand, fand aber keinen Platz dafür also vergrub ich mein Gesicht in seinem Hemd. Es roch nach ihm, einer Mischung aus Leder, Metall und etwas eigenen, nach etwas das zu echt war für diese Illusion aus Magie und Nebel.
      "Ich brauche dich, Daiki" murmelte ich gegen den Stoff, die Stimme gedämpft und zu leise, um sie wirklich zu meinen und doch wahrer als jedes Gebet. "Ich brauche dich nicht nur als meine göttliche Waffe." sagte ich schließlich, leiser, aber fester. "Ich brauche dich, weil du mich dazu bringst, mehr zu sein, als ich war. Weil du mich dazu antreibst stärker zu werden." Als ich mich löste, war mein Herz zu laut. Ich sah, dass seine Jacke offenstand, und meine Finger bewegten sich, bevor mein Verstand es erlaubte. Eine Geste, beinahe lächerlich alltäglich. Knopf für Knopf schloss ich sie, langsamer, als nötig. Jeder Knopf war ein Versuch, meine Fassung zurückzugewinnen. Als ich fertig war, trat ich einen Schritt zurück, atmete tief durch und versuchte, die Göttin in mir wiederzufinden.
      Ich sah auf meine Hände, die noch zitterten, und dann wieder zu ihm. Vielleicht war das meine Prüfung. Nicht, die Sterblichen zu verstehen sondern zu fühlen, was sie fühlen. Ein Windstoß fuhr durch die Blätter. Irgendwo in der Ferne läutete eine Glocke.
      Ich spürte den Nebel an meinen Fingern, die Wärme auf meinen Wangen und in meinem Inneren etwas, das sich erschreckend lebendig anfühlte.

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    • Ich wartete nicht lange, aber lange genug, um kurze die Augen zu schließen und einmal Ruhe zu haben. Das Ganze drum herum stresste mich. Am liebsten würde ich mich aufs Dach verkriechen. Nach einer Runde Schlaf war bestimmt alles einfach.
      Ich spürte, wie Schritte auf mich zu kamen und sah auf. Phila kam auf mich zu und erzählte gleich von ihrem Erlebnis im Flur.
      "Ich hab dir doch gesagt, dass du mich rufen kannst, wenn was ist. Mein Job ist es, dich zu beschützen. Dann werde ich dich ab jetzt nicht mehr alleine irgendwo rumlaufen lassen. Hörst du? Bleib in meiner Nähe und hau nicht ab. Ich werde nicht zulassen, dass sie dir was antun.", versprach ich. Aber merkwürdig war das Ganze schon. Ein Bild, was einen verfolgte, der schiefe Leuchter und dann dieser Professor. Wenn ich nicht aufpasste, war Phila die nächste, die verschwinden würde. Ich durfte sie also definitiv nicht allein lassen.
      Ich wollte mich gerade von der Wand abstoßen, als Phila nun plötzlich auf mich zu kam. Sie vergrub ihr Gesicht in meinem Hemd. Eine Geste, die mich die Augen weiten ließ. Was tat sie da? Die Wörter, die an meine Ohren drangen, hielten meinen Atem an und ließen meine Ohren rot werden. Sowas..... hatte noch nie jemand zu mir gesagt. Was veranlasste sie plötzlich dazu. Nur die Situation aus dem Flur? Zögernd legte ich meine Arme um ihren zarten Körper, nicht wissend, ob es das Richtige war. Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich war ratlos. Ich wusste nichtmal, wie ich ihr grad helfen konnte, außer ihr nochmal zu sagen, dass ich sie nicht mehr allein lassen würde. Aber da reichte auch einmal.
      Langsam löste sie sich wieder von mir und schloss wie in Trance mein Jacket. Knopf für Knopf. Sie schien, als wäre sie betrunken. Eigentlich gefiel es mir immer ganz gut, wenn sie offen war. Doch ich ließ sie machen.
      "Versprich mir bitte, dass du mich rufst, wenn du allein irgendwo bist. Du brauchst es im Herzen nur zu tun. Mir ist diese Schule egal. Ich muss keine guten Noten nach Hause bringen.", sagte ich nochmal mit Nachdruck und beugte mich zu ihr runter, nur um ihr nochmal in die Augen zu sehen und ihr zu zeigen, dass ich es Ernst meine. Wie konnte sie das bloß vergessen?
      "Los gehen wir. Die Schulglocke klingelt. Das Bild und den Leuchter sehen wir uns später nochmal an. Ich versuche etwas über diesen Professor herauszufinden."
    • Ich hatte keine Ahnung, was mich geritten hatte .... mich Gesicht in sein Hemd zu vergraben, so nah, dass ich es selbst kaum begreifen konnte. Ich spürte die Wärme seiner Brust, den gleichmäßigen Herzschlag unter dem Stoff, und irgendwo zwischen Atemholen und Gedankenchaos wurde mir bewusst, was ich da eigentlich tat. Und natürlich setzte genau da mein Verstand aus.
      Es war einer jener Momente, in denen sich das Band zwischen Ayakashi und Gottheit festigte. Fast wie im Training... nur… anders.
      Daiki war niemand, der Nähe suchte. Er ließ kaum jemanden an sich heran, weder mit Worten noch mit Gesten. Vielleicht war es gerade deshalb so besonders, jetzt hier zu stehen, in seinen Armen, während er schwieg und einfach blieb. Sein Atem streifte mein Haar, ruhig und unaufgeregt. So fühlte sich Geborgenheit an. Ich hätte den Moment gern festgehalten, irgendwo tief in mir, für Tage, an denen die Welt zu laut war.
      Doch je länger ich ihn hielt, desto gefährlicher wurde er nicht wegen ihm, sondern wegen mir. Diese Nähe machte mich weich. Und Götter sollten nicht weich werden.

      Als ich den Kopf hob und ein Stück zurückwich, zog sich etwas in mir zusammen ein leiser Schmerz, kaum merklich, aber da.
      Ich suchte in seinem Blick, was unausgesprochen blieb. Vielleicht Dank. Vielleicht Verständnis. Vielleicht beides.
      Dann zwang ich mich zu einem kleinen, unbeholfenen Lächeln. "Ich… wollte nur sicher sein, dass du's verstanden hast." murmelte ich, obwohl wir beide wussten, dass es nicht nur um Worte ging. Die Stille zwischen uns war nicht leer, sondern gefüllt mit etwas Sanftem .... etwas, das kein Teil des Auftrags war, aber vielleicht das Wichtigste. Als ich schließlich einen Schritt zurückwich, kehrte ein Hauch von Normalität zurück. Zu viel Nähe, und wir würden uns verlieren. Zu wenig - und uns selbst vergessen.
      Ich lächelte schwach, halb verlegen, halb erleichtert. "Na schön." Entgegnete ich. "Zurück an die Arbeit." Doch tief in mir wünschte ich, dieser eine Augenblick würde noch ein wenig nachhallen.

      Die nächste Stunde begann, als wäre nichts gewesen. Zumindest tat ich so. Ich saß an meinem Platz, das Heft aufgeschlagen und den Stift in der Hand. Mrs. Cole redete über Literatur des 18. Jahrhunderts, über tragische Helden und göttliche Prüfungen. Ironisch, dass Sterbliche selbst über Götter schrieben, um sich ihre Prüfungen zu erklären. Da ich das meiste davon miterlebt hatte, störte es kaum, dass meine Gedanken abschweiften zurück zu diesem Professor im Gang, zu Daikis Blick, zu allem, was zwischen uns unausgesprochen blieb. "Miss Vasilieva? Teilen Sie bitte die Arbeitsblätter aus." Ich zuckte unwillkürlich zusammen. "Ähm... ja, natürlich, Mrs. Cole." Ich stand auf, nahm den Stapel, versuchte Haltung zu bewahren.

      Doch schon beim ersten Schritt spürte ich, dass etwas nicht stimmte.
      Einige Mitschüler wirkten normal. Vertraute Gesichter, vertraute Stimmen. Andere dagegen flirrten am Rand meines Blicks, als würden sie sich bald auflösen. Und dazwischen neue Gesichter, die ich kennen sollte - aber nicht kannte. Dennoch fielen mir ihre Namen ein.
      Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Ich reichte Blatt um Blatt weiter, murmelte Namen, die halb echt klangen. Bis ich zur letzten Reihe kam. Zu Daiki.
      Er saß wie immer halb gelassen, halb abwesend. Doch als ich näherkam, wurde die Luft dichter, echter.
      Ich reichte ihm das Blatt. Unsere Finger streiften sich. Ein kurzer Kontakt und die Welt hielt den Atem an. Ich beugte mich leicht vor. "Hast du's auch bemerkt?" flüsterte ich. Das was ich meinte war nicht für Sterbliche Augen bestimmt.

      Hinter uns begann das Kichern. "Aha, da! Schon wieder! Sag ich doch, die zwei planen was." Elise schnippte mit den Fingern. "Vielleicht üben sie schon für den Spendenball." raunte jemand aus der dritten Reihe. "Oder heimkiche Nachhilfe… in Chemie." kam es aus der dritten Reihe, von einen von Daikis Teamkollegen, gefolgt von gedämpften Lachen. Ich verdrehte die Augen und tat, als hörte ich nichts. "Ihr da hinten - Ruhe bitte! Das hier ist kein Theaterstück, verstanden?" Mrs. Cole drehte sich schlagartig um. "Ja, Mrs. Cole." kam es im Chor, halb belustigt, halb schuldbewusst.
      Ich ging lieber wieder nach vorn, legte das letzte Blatt auf den Lehrerpult und atmete tief durch.
    • Ich gähnte gelangweilt und sah aus dem Fenster, als Mrs Cole versuchte, uns etwas beizubringen. Ich hatte wirklich besseres zu tun, als hier festzuhängen. Und ehrlich gesagt, nervte es mich total.
      Plötzlich spürte ich eine merkwürdige Aura und irritiert blickte ich auf. Ich sah mich um, doch schien alles normal. Doch irgendwas stimmte hier nicht. Es fühlte sich merkwürdig an. Ich konnte es aber nicht wirklich beschreiben.
      Phila kam plötzlich auf mich zu und verteilte wohl Arbeitsblätter. Scheiße. Ich hab nicht mal mitbekommen, dass sie aufgestanden ist.
      Sie blieb vor mir stehen und fragte mich, ob ich es auch bemerkt hatte. Ich war wohl nicht der Einzige. Also hatte ich mir das auch nicht eingebildet. Doch dann fing das Gelächter an und ich sah an Phila vorbei.
      Spendenball?! Was für ein- Ich musste doch nicht etwa dahin, oder?
      "Haltet die Klappe!", rief ich und nahm genervt den Zettel.
      "Später in der Pause, Zwerg.", flüsterte ich und ignorierte den Rest der Klasse, die nun zum Glück wieder Ruhe gab.
      Nach dem Unterricht wartete ich um die Ecke auf Phila. Ich war mir nicht sicher, ob es besser war, Miteinander gesehen zu werden oder nicht. Also ließ ich es erst unbemerkt machen. Sobald Sie aus der Tür austrat, hielt ich sie an der Hand und schliff sie durch den Gang, bog ab in dem Nächsten und zog sie versteckt hinter mich. Lauernd sah ich nach, ob uns jemand gefolgt war, doch sie gingen alle Richtung Schulhof. Perfekt.
      "Ich glaub, uns hat niemand gesehen. Wir müssen schleunigst herausfinden, was hier passiert. Irgendwas stimmt doch hier mit den Schülern nicht. Und wenn wir nicht aufpassen, ist bald noch einer weg."
    • Ich merkte, wie Daiki plötzlich meine Hand packte, und erschrak ein wenig. Mein Herz schlug schneller, nicht nur wegen der Nähe, sondern weil etwas in der Luft seltsam war. Die anderen schienen wie abwesend, ihre Blicke leer, ihr Lachen schräg.
      Während mich der Lulatsch also durch die Flure zerrte fiel mir auf, wie ernst er seine Pflicht als Ayakashi nahm. Jede Abweichung von der Norm spürte er sofort, reagierte ohne zu zögern. Dieses Pflichtbewusstsein beeindruckte mich und machte mich zugleich nervös ...er handelte, selbst wenn es riskant war. Ich warf einen Blick über die Schulter. Die meisten Schüler waren auf dem Schulhof, doch ein paar standen reglos da, als hätte die Zeit für sie stillgestanden. Ein Kribbeln lief meinen Rücken hinunter. "Du hast recht. Irgendwas ist hier falsch." Ich drückte seine Hand fester, ein stilles Zeichen, dass wir zusammenhalten mussten. Ein letztes Mal blickte ich mich um. "Der Gang mit den Leuchter war da hinten." Murmelte ich ehe ich mich in Bewegung setzte, ohne seine Hand los zu lassen. Wir bewegten uns vorsichtig weiter, und ich blieb abrupt vor den alten Wandleuchtern stehen, die die Portraits der Schulgründer beleuchteten. "Da… sieh dir das an." flüsterte ich. Die Augen der abgebildeten Personen wirkten lebendig, als würden sie uns beobachten. Ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinunter. Allerdings waren es nicht die selben Augen die mich heute Morgen angesehen hatten.
      Langsam löste ich meine Hand aus seiner um vorsichtig näher an den Wandleuchter heran zu treten. Warum hing der Rechte niedriger als der Andere? Zögerlich berührten meine Finger das kalte Gold des Leuchters. Plötzlich gab er nach. Ein leises Klicken, dann ein Knarren - eine Falltür öffnete sich im Gang. Ich stolperte, Daikis Arme fingen mich auf, und wir standen über einem dunklen, geheimen Gang, offenbar seit Jahrzehnten unberührt. "Oh nein…" flüsterte ich. Aber trotz des Schocks spürte ich Neugier in mir wachsen. "Wir müssen da runter. Es hat bestimmt etwas damit zu tun, warum die Schüler sich so merkwürdig verhalten." Ich atmete tief durch, sah Daiki an. "Bereit, Lulatsch?" Dann trat ich vorsichtig auf die Stufen des geheimen Gangs, das Portrait über uns leicht wackelnd, als hätte es gerade erst seinen Schutzmechanismus aktiviert.
    • Als wir abseits der anderen Schüler standen und wir uns absprachen, drückte etwas zärtlich meine Hand und ich sah runter. Unsere Hände hielten sich noch immer aneinander fest und ich blinzelte. Wann war das denn passiert? Hatte ich so ihre Hand genommen? War sie es? Und warum ließ sie nicht los? Dann lief sie auch schon wieder los, doch ich konnte mich auf nichts weiter konzentrieren, als das sich unsere Hände immer noch berührten. War es schon immer so warm hier drin? Es wurde unerträglich. Ich wollte sie loslassen. Doch ich konnte nicht.
      Ohne das ich es merkte, waren wir an den Gemälden, sowie an den Leuchtern angekommen und wir sahen uns um. Das alles sah in der Tat etwas merkwürdig aus. Ich spürte einen Luftzug an meiner Hand, die bis eben noch warm war und merkte jetzt, das der Zwerg meine Hand losgelassen hatte. Ich betrachtete das Gemälde umd seine Augen, als sich unter Phila eine Falltür öffnete. Blitzschnell reagierte ich und Schlange nur noch meine Arme um sie, um ihren kleinen zarten Körper an mich zu drücken.
      "Bist du des wahnsinns? Du bist manchmal schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe.", motzte ich sorgevoll und zog sie an die Seite. So konnten wir vom sicheren Platz aus in das neue entstandene Loch hinein sehen, ohne selbst gleich reinzufallen.
      "Bist du dir da sicher?", fragte ich noch, doch da ging sie auch schon rein. Ich seufzte leise. Woher nahm sie plötzlich all den Mut, in sowas Unbekanntes reinzulaufen? So war sie doch sonst nicht.
      Ich verdrehte die Augen und folgte ihr die Treppe runter. Unten sah ich einen langen dunklen Gang, der nur schwach mit weiteren Leuchtern erhellt war.
      "Hey Phila. Hörst du das?", flüsterte ich. Da waren Schritte. Sofort zog ich Phila an mich und zusammen versteckten wir uns in einer kleinen Nische. Da sie nicht sehr groß war, war es etwas eng. Trotzdem konnten wir beide uns gut verstecken. Aus Angst, sie würde schreien, hielt ich ihren Mund zu. Ein Mann kam den Gang entlang. Und der würde auch noch perfekt zur Beschreibung von Phila passen. Das musste also der Professor sein. Was zum Henker wollte er hier?