@Nimue
Αμαραντος Θρονος - Der Unverwelkliche Thron
Unruhe bestimmte die sonst so beherrschte Stille von Cair Gwyn. Die gewohnte Ordnung und das geregelte Treiben des Hofes waren einer fieberhaften Aktivität gewichen, als die Ankunft der Prinzessin bevorstand. Überall in den massiven Hallen der Festung eilten Diener und Bedienstete umher, jeder mit einer anderen Aufgabe vor Augen. Die silbernen Rüstungen der Wachen glänzten im kalten, schneidenden Licht des frühen Morgens, während sie ihre Positionen für die bevorstehende Zeremonie einnahmen. Selbst die schweren, eisernen Tore, die normalerweise so fest und unerschütterlich schienen, standen offen, als wollten sie die frischen Winde hereinlassen. In der großen Halle, dem Herzen der weißen Festung, wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Lange Tafeln wurden aufgestellt und mit feinstem Leinen bedeckt, die Gläser und das Besteck poliert, bis sie so funkelten wie die Schneekristalle auf den Zinnen. Floristen schmückten die Säulen und Fensterbänke mit den seltenen Blüten der Frostfeuerblumen, deren leuchtend rote Farben einen warmen Kontrast zum üblichen Grau der Wände bildeten. Die hohen Decken wurden von gewaltigen Balken gestützt, die aus dem dunklen Holz des Waldes geschnitzt waren. An den Wänden hingen kunstvolle Wandbehänge, die die Geschichte von Albathos darstellten. Ein gigantischer Kamin, groß genug, dass ein Mann darin stehen konnte, dominierte eine Wand des Saals. Das Feuer darin brannte niemals ab, seine Flammen erleuchteten den Raum und warfen tanzende Schatten auf die marmornen Wände. Jeder Winkel der Festung, von den hoch aufragenden Türmen bis zu den versteckten Gärten hinter den Mauern, schien auf das Ereignis hinzufiebern. Es war ein Tag von großer Bedeutung. In der Luft lag ein Gefühl von Erwartung, das fast so dicht war wie der Nebel, der in den frühen Morgenstunden über den gefrorenen Boden kroch.
Unberührt von all der Hektik legte sich eine Totenstille über die privaten Gemächer der Festung. Die luxuriösen Teppiche, die den Boden bedeckten, zeigten keine Spuren von Leben und auch die weichen Polster der Holz gefertigten Möbel wirkten fabrikneu. Kristallleuchter, gefüllt mit hell leuchtenden Kerzen, hingen von den Decken und tauchten die Räume in ein warmes, goldenes Licht. Sie schienen die einzigen tanzenden Schatten auf den Fluren zu sein. Menschenleere an solch einem Tage? Conall hatte erwartet, die übliche Eleganz des Hofes vorzufinden, stattdessen aber schien jeder Winkel von einer unerklärlichen Hast erfasst zu sein. Die Menschen, die er kannte – stets beherrscht und berechenbar – gestikulierten wild und sprachen mit erhobenen Stimmen, als hätten sie vergessen, wo sie waren. Prinz Conall stand am Fenster und blickte hinaus auf die unter ihm liegenden Höfe, wo die letzten Vorbereitungen für die Ankunft der Prinzessin in vollem Gange waren. Das ständige Kommen und Gehen der Bediensteten hatten ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben. Mit einer abrupten Geste hatte er schließlich befohlen, dass man ihn allein lassen solle. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Er hatte dem Ganzen ein schnelles Ende bereitet. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Lediglich seine Schwester Ciara wagte den Trakt zu betreten. Unter der schweren Eichentür, verziert mit Schnitzereien alter Schlachten, hindurch, öffnete sich ein Raum, der mehr dem Studierzimmer eines Gelehrten glich als dem Schlafgemach eines Prinzen. Schmale Fenster ließen das spärliche Licht der nördlichen Sonne herein und warfen lange Schatten über die reich bestückten Bücherregale, die entlang der Wände aufgereiht waren. Jedes Regal quoll über von alten, Leder gebundenen Büchern und Schriftrollen, Zeugnisse von Conalls unstillbarem Durst nach Wissen. In der Mitte des Raumes stand ein großes Bett aus dunklem Holz, dessen Kopfende fein mit silbernen Relikten verziert war, die das Wappen von Albathos darstellten. Gegenüber dem Bett befand sich ein massiver Schreibtisch aus dem gleichen dunklen Holz, auf dem verschiedene offene Literaturen verstreut lagen, so als wären sie gerade erst benutzt worden. Ein kleiner Kamin in der Ecke des Raumes war oft in den kalten Nächten entfacht, sein sanftes Knistern und die wärmenden Flammen boten eine seltene Geborgenheit in dem sonst so kühlen Schloss. Ein tief roter Teppich mit weißen Silberfäden - den Farben des Königshauses - bedeckte den kalten Steinboden. Die Wände waren bestückt mit sorgfältig ausgewählten Kunstwerken, darunter Porträts vergangener Könige, die den Thronerben an seine Pflichten erinnerten. Nur das leise Knarren der Tür unterbrach seine Gedanken, als die erstgeborene Prinzessin den Raum betrat. Sie trug ein leichtes Lächeln auf den Lippen, das im Gegensatz zu der Anspannung in Conalls Gesichtsausdruck stand. Mit einer anmutigen Bewegung, die ihre königliche Erziehung verriet, ließ sie sich in einem der hohen Lehnstühle nieder. „Du scheinst ja in bester Laune zu sein, Bruder“, begann sie, ihre Stimme ein ruhiger, sicherer Hafen zur tobenden Unruhe draußen. Conall drehte sich zu ihr um, seine Miene, ein Bild der Selbstbeherrschung. „Das ganze Schloss ist in Aufruhr, als ob die Ankunft einer Prinzessin das Rad der Zeit neu erfinden würde.“ Sein Ton war scharf, gar bitter. Ciara betrachtete ihn einen Moment lang nachdenklich. „Es ist nicht die Prinzessin, die sie nervös macht, Conall. Es ist das, was sie mitbringt. Diese Verbindung... sie bedeutet Veränderung.“ „Eine Veränderung, die ich weder gewählt habe noch für klug halte“, erwiderte Conall, während er sich seinem Ankleidespiegel zuwandte. Mit geübten Händen begann er, die silbernen Verschlüsse seines hellen, eleganten Wamses zu schließen, seine Bewegungen sichtlich angespannt. Ohne ein weiteres Wort erhob sich Ciara und trat hinter ihn. Ihre Hände legten sich sanft auf seine Schultern, während sie half, die Falten des feinen Stoffes zu glätten. „Vielleicht ist es nicht die klügste Wahl, aber es ist die, mit der du leben musst.” Conall traf ihren Blick im Spiegel, und für einen Moment erweichte die Strenge in seinen Augen. „Welch Pflichtbewusstsein aus deinem Munde, Ciara. Hoffen wir, dass der König weiß, welches Garn er sich strickt.” Conall's Stimme trug einen Hauch von Spott, als er seinen Vater beim Titel nannte, und nicht als den Vater, den er sich gewünscht hätte. Ciara seufzte leise, während sie noch einmal seine Kleidung glättete und dann von ihm abließ. „Der König mag seine Fehler haben, Conall, aber er ist nicht blind für die Machenschaften der Welt. Und du solltest vorsichtig sein, wie du sprichst, selbst wenn nur die Wände zuhören.“ „Ich bedarf keiner Ermahnung. Nicht von dir.” Des Prinzen Augen, die sonst abweisend waren, blitzten kurz auf, bevor er sich ebenfalls abwandte. Seine Stimme schwang mit einer Spur von Spott, die seinen tiefsitzenden Groll gegenüber dem Mann verriet, der ihm eher ein Befehlshaber als ein Vater war. Und obwohl Ciara oft die Rolle der behütenden Schwester einnahm, die Conall zu schützen versuchte, war sie weit mehr als das. Sie hatte in Kriegen gekämpft und Schlachten geführt, die vielen ihrer männlichen Gegenstücke unbekannt waren. Ihre Taten hatten ihr am Hof mehr Respekt eingebracht als manchen Prinzen, und dies war Conall sich durchaus bewusst. Der Weißhaarige lächelte dünn, ein flüchtiger Ausdruck, der schnell verschwand. „Du solltest aufbrechen.“ Er drehte sich zu ihr um, seine Miene ernst. „Hast du mit Nuala gesprochen?“ erwiderte Ciara fragend, den Schritt schon durch den Torbogen gesetzt. “Ihre Zeit dürfte genug mit der Ankunft unserer Gäste beansprucht sein…”
_________
Als die ersten Strahlen der Morgensonne die Dächer von Cair Gwyn vergoldeten, war Nuala schon auf den Beinen. Die Beraterin des Königs machte sich bereit, die Eskorte anzuführen, die Prinzessin Ariadne sicher nach Cair Gwyn bringen sollte. Die kühle Luft des frühen Morgens erfüllte ihre Lungen, als sie die letzten Anweisungen für die bevorstehende Reise überprüfte. Auch der Hof der weißen Festung glich einem Wirbelwind der Aufruhr. Knechte beluden die schweren Wagen, während die Mitglieder der königlichen Garde ihre Pferde sattelten und prüften. In ihrem dunkelgrauen Reisemantel, der ihre Stellung am Hof subtil unterstrich, traf Nuala letzte Vorbereitungen mit dem Hauptverantwortlichen der Eskorte, einem erfahrenen Kapitän der Garde namens Sir Gareth. „Vergewissert Euch, dass wir für alle Eventualitäten gerüstet sind, Sir Gareth. Die Straßen sind zwar sicher, doch die Unwägbarkeiten sollten nie unterschätzt werden," instruierte sie mit ruhiger, bestimmter Stimme. Sir Gareth nickte anerkennend. „Alles ist bereit, Lady Ó Ceallaigh.“ Umringt von einer kleinen Schar ausgewählter Berater und Diener, machte sich Nuala auf den Weg zum Haupttor. Jeder Schritt auf den alten Steinplatten des Hofes hallte, während die Pferde ungeduldig stampften, während die Kutscher die letzten Riemen festzurrten. Als die Tore sich öffneten und die ersten Wagen der Eskorte in Bewegung setzten, blickte Nuala zurück auf die imposanten Mauern. Trotz ihrer Erfahrung und ihrer vielen Jahre am Hof konnte sie eine leichte Nervosität nicht verbergen. Die Verantwortung, die König Taranis ihr übertragen hatte, war gewaltig und noch dazu schmerzhaft. Die Aussicht auf die bevorstehende Begegnung mit der Prinzessin ließ Nuala nachdenklich verstummen. Wie würde die Prinzessin sein und was würde der Prinz von ihr halten? Mit einem letzten prüfenden Blick auf die Reihen ihrer Begleiter setzte Nuala sich an die Spitze der Kolonne. Die Räder der Wagen drehten sich langsam auf dem groben Pflaster des Weges in Richtung Zukunft.
Am Ufer des breiten Aelwyn-Flusses, der die natürliche Grenze zwischen Albathos und Chloranthia, hatte sich eine kleine Delegation versammelt, um Prinzessin Ariadne in Empfang zu nehmen. Der Fluss, dessen strömendes Gewässer im Licht glitzerte, spiegelte die Sonne grell wieder. Die königliche Beraterin stand an der Spitze der Gruppe. Sie beobachtete, wie das Schiff, das die Prinzessin trug, langsam näher kam und schließlich mit geschickten Manövern am Ufer anlegte. Mit einer Würde erfüllten Haltung, trat Nuala vor, als Prinzessin Ariadne den Steg hinunterging, begleitet von ihrer eigenen kleinen Entourage. „Prinzessin Ariadne, im Namen von König Taranis und allen Bürgern von Albathos heiße ich Sie herzlich willkommen“, begann sie, ihre Stimme trug über das leise Plätschern des Wassers. Neben Nuala trat Sir Gareth, der Kapitän der Garde, hervor, um seinen Respekt zu übermitteln. „Es ist mir eine Ehre, für Ihre Sicherheit während Ihres Aufenthalts in unserem Land zu sorgen, Prinzessin.“ Prinzessin Ciara konnte ihren Blick nicht vom neuen Ankömmling abwenden. Die rothaarige Prinzessin, deren leuchtendes Haar unter den Strahlen der Sonne fast wie Flammen wirkte, bot einen auffälligen Kontrast zur nüchternen Eleganz des albathischen Weiß. Mit einem leichten Schmunzeln beobachtete Ciara, wie die junge Frau tapfer versuchte, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden – barfuß und in Gewänder gekleidet, die mehr für einen milden Frühling als für die kühlen Winde von Albathos geeignet waren. Es war ein amüsanter Anblick. Sie war es gewohnt, die steifen Protokolle und die ernsten Gesichter ihrer Landsleute zu sehen, die selten ihre Emotionen zeigten. Ariadnes offensichtliche Unvorbereitetheit war erfrischend. „Es scheint, als hätte jemand unsere kleine Prinzessin nicht ganz auf das albathische Wetter vorbereitet“, flüsterte sie Sir Gareth zu, der neben ihr stand. Ihr Kommentar entlockte dem sonst so ernsten Kapitän der Garde ein unterdrücktes Grinsen. Als sie näher kamen, streckte die Prinzessin von Albathos eine helfende Hand aus. „Keine Sorge, Prinzessin, man gewöhnt sich an das Klima hier.”
Αμαραντος Θρονος - Der Unverwelkliche Thron
Unruhe bestimmte die sonst so beherrschte Stille von Cair Gwyn. Die gewohnte Ordnung und das geregelte Treiben des Hofes waren einer fieberhaften Aktivität gewichen, als die Ankunft der Prinzessin bevorstand. Überall in den massiven Hallen der Festung eilten Diener und Bedienstete umher, jeder mit einer anderen Aufgabe vor Augen. Die silbernen Rüstungen der Wachen glänzten im kalten, schneidenden Licht des frühen Morgens, während sie ihre Positionen für die bevorstehende Zeremonie einnahmen. Selbst die schweren, eisernen Tore, die normalerweise so fest und unerschütterlich schienen, standen offen, als wollten sie die frischen Winde hereinlassen. In der großen Halle, dem Herzen der weißen Festung, wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Lange Tafeln wurden aufgestellt und mit feinstem Leinen bedeckt, die Gläser und das Besteck poliert, bis sie so funkelten wie die Schneekristalle auf den Zinnen. Floristen schmückten die Säulen und Fensterbänke mit den seltenen Blüten der Frostfeuerblumen, deren leuchtend rote Farben einen warmen Kontrast zum üblichen Grau der Wände bildeten. Die hohen Decken wurden von gewaltigen Balken gestützt, die aus dem dunklen Holz des Waldes geschnitzt waren. An den Wänden hingen kunstvolle Wandbehänge, die die Geschichte von Albathos darstellten. Ein gigantischer Kamin, groß genug, dass ein Mann darin stehen konnte, dominierte eine Wand des Saals. Das Feuer darin brannte niemals ab, seine Flammen erleuchteten den Raum und warfen tanzende Schatten auf die marmornen Wände. Jeder Winkel der Festung, von den hoch aufragenden Türmen bis zu den versteckten Gärten hinter den Mauern, schien auf das Ereignis hinzufiebern. Es war ein Tag von großer Bedeutung. In der Luft lag ein Gefühl von Erwartung, das fast so dicht war wie der Nebel, der in den frühen Morgenstunden über den gefrorenen Boden kroch.
Unberührt von all der Hektik legte sich eine Totenstille über die privaten Gemächer der Festung. Die luxuriösen Teppiche, die den Boden bedeckten, zeigten keine Spuren von Leben und auch die weichen Polster der Holz gefertigten Möbel wirkten fabrikneu. Kristallleuchter, gefüllt mit hell leuchtenden Kerzen, hingen von den Decken und tauchten die Räume in ein warmes, goldenes Licht. Sie schienen die einzigen tanzenden Schatten auf den Fluren zu sein. Menschenleere an solch einem Tage? Conall hatte erwartet, die übliche Eleganz des Hofes vorzufinden, stattdessen aber schien jeder Winkel von einer unerklärlichen Hast erfasst zu sein. Die Menschen, die er kannte – stets beherrscht und berechenbar – gestikulierten wild und sprachen mit erhobenen Stimmen, als hätten sie vergessen, wo sie waren. Prinz Conall stand am Fenster und blickte hinaus auf die unter ihm liegenden Höfe, wo die letzten Vorbereitungen für die Ankunft der Prinzessin in vollem Gange waren. Das ständige Kommen und Gehen der Bediensteten hatten ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben. Mit einer abrupten Geste hatte er schließlich befohlen, dass man ihn allein lassen solle. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Er hatte dem Ganzen ein schnelles Ende bereitet. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Lediglich seine Schwester Ciara wagte den Trakt zu betreten. Unter der schweren Eichentür, verziert mit Schnitzereien alter Schlachten, hindurch, öffnete sich ein Raum, der mehr dem Studierzimmer eines Gelehrten glich als dem Schlafgemach eines Prinzen. Schmale Fenster ließen das spärliche Licht der nördlichen Sonne herein und warfen lange Schatten über die reich bestückten Bücherregale, die entlang der Wände aufgereiht waren. Jedes Regal quoll über von alten, Leder gebundenen Büchern und Schriftrollen, Zeugnisse von Conalls unstillbarem Durst nach Wissen. In der Mitte des Raumes stand ein großes Bett aus dunklem Holz, dessen Kopfende fein mit silbernen Relikten verziert war, die das Wappen von Albathos darstellten. Gegenüber dem Bett befand sich ein massiver Schreibtisch aus dem gleichen dunklen Holz, auf dem verschiedene offene Literaturen verstreut lagen, so als wären sie gerade erst benutzt worden. Ein kleiner Kamin in der Ecke des Raumes war oft in den kalten Nächten entfacht, sein sanftes Knistern und die wärmenden Flammen boten eine seltene Geborgenheit in dem sonst so kühlen Schloss. Ein tief roter Teppich mit weißen Silberfäden - den Farben des Königshauses - bedeckte den kalten Steinboden. Die Wände waren bestückt mit sorgfältig ausgewählten Kunstwerken, darunter Porträts vergangener Könige, die den Thronerben an seine Pflichten erinnerten. Nur das leise Knarren der Tür unterbrach seine Gedanken, als die erstgeborene Prinzessin den Raum betrat. Sie trug ein leichtes Lächeln auf den Lippen, das im Gegensatz zu der Anspannung in Conalls Gesichtsausdruck stand. Mit einer anmutigen Bewegung, die ihre königliche Erziehung verriet, ließ sie sich in einem der hohen Lehnstühle nieder. „Du scheinst ja in bester Laune zu sein, Bruder“, begann sie, ihre Stimme ein ruhiger, sicherer Hafen zur tobenden Unruhe draußen. Conall drehte sich zu ihr um, seine Miene, ein Bild der Selbstbeherrschung. „Das ganze Schloss ist in Aufruhr, als ob die Ankunft einer Prinzessin das Rad der Zeit neu erfinden würde.“ Sein Ton war scharf, gar bitter. Ciara betrachtete ihn einen Moment lang nachdenklich. „Es ist nicht die Prinzessin, die sie nervös macht, Conall. Es ist das, was sie mitbringt. Diese Verbindung... sie bedeutet Veränderung.“ „Eine Veränderung, die ich weder gewählt habe noch für klug halte“, erwiderte Conall, während er sich seinem Ankleidespiegel zuwandte. Mit geübten Händen begann er, die silbernen Verschlüsse seines hellen, eleganten Wamses zu schließen, seine Bewegungen sichtlich angespannt. Ohne ein weiteres Wort erhob sich Ciara und trat hinter ihn. Ihre Hände legten sich sanft auf seine Schultern, während sie half, die Falten des feinen Stoffes zu glätten. „Vielleicht ist es nicht die klügste Wahl, aber es ist die, mit der du leben musst.” Conall traf ihren Blick im Spiegel, und für einen Moment erweichte die Strenge in seinen Augen. „Welch Pflichtbewusstsein aus deinem Munde, Ciara. Hoffen wir, dass der König weiß, welches Garn er sich strickt.” Conall's Stimme trug einen Hauch von Spott, als er seinen Vater beim Titel nannte, und nicht als den Vater, den er sich gewünscht hätte. Ciara seufzte leise, während sie noch einmal seine Kleidung glättete und dann von ihm abließ. „Der König mag seine Fehler haben, Conall, aber er ist nicht blind für die Machenschaften der Welt. Und du solltest vorsichtig sein, wie du sprichst, selbst wenn nur die Wände zuhören.“ „Ich bedarf keiner Ermahnung. Nicht von dir.” Des Prinzen Augen, die sonst abweisend waren, blitzten kurz auf, bevor er sich ebenfalls abwandte. Seine Stimme schwang mit einer Spur von Spott, die seinen tiefsitzenden Groll gegenüber dem Mann verriet, der ihm eher ein Befehlshaber als ein Vater war. Und obwohl Ciara oft die Rolle der behütenden Schwester einnahm, die Conall zu schützen versuchte, war sie weit mehr als das. Sie hatte in Kriegen gekämpft und Schlachten geführt, die vielen ihrer männlichen Gegenstücke unbekannt waren. Ihre Taten hatten ihr am Hof mehr Respekt eingebracht als manchen Prinzen, und dies war Conall sich durchaus bewusst. Der Weißhaarige lächelte dünn, ein flüchtiger Ausdruck, der schnell verschwand. „Du solltest aufbrechen.“ Er drehte sich zu ihr um, seine Miene ernst. „Hast du mit Nuala gesprochen?“ erwiderte Ciara fragend, den Schritt schon durch den Torbogen gesetzt. “Ihre Zeit dürfte genug mit der Ankunft unserer Gäste beansprucht sein…”
_________
Als die ersten Strahlen der Morgensonne die Dächer von Cair Gwyn vergoldeten, war Nuala schon auf den Beinen. Die Beraterin des Königs machte sich bereit, die Eskorte anzuführen, die Prinzessin Ariadne sicher nach Cair Gwyn bringen sollte. Die kühle Luft des frühen Morgens erfüllte ihre Lungen, als sie die letzten Anweisungen für die bevorstehende Reise überprüfte. Auch der Hof der weißen Festung glich einem Wirbelwind der Aufruhr. Knechte beluden die schweren Wagen, während die Mitglieder der königlichen Garde ihre Pferde sattelten und prüften. In ihrem dunkelgrauen Reisemantel, der ihre Stellung am Hof subtil unterstrich, traf Nuala letzte Vorbereitungen mit dem Hauptverantwortlichen der Eskorte, einem erfahrenen Kapitän der Garde namens Sir Gareth. „Vergewissert Euch, dass wir für alle Eventualitäten gerüstet sind, Sir Gareth. Die Straßen sind zwar sicher, doch die Unwägbarkeiten sollten nie unterschätzt werden," instruierte sie mit ruhiger, bestimmter Stimme. Sir Gareth nickte anerkennend. „Alles ist bereit, Lady Ó Ceallaigh.“ Umringt von einer kleinen Schar ausgewählter Berater und Diener, machte sich Nuala auf den Weg zum Haupttor. Jeder Schritt auf den alten Steinplatten des Hofes hallte, während die Pferde ungeduldig stampften, während die Kutscher die letzten Riemen festzurrten. Als die Tore sich öffneten und die ersten Wagen der Eskorte in Bewegung setzten, blickte Nuala zurück auf die imposanten Mauern. Trotz ihrer Erfahrung und ihrer vielen Jahre am Hof konnte sie eine leichte Nervosität nicht verbergen. Die Verantwortung, die König Taranis ihr übertragen hatte, war gewaltig und noch dazu schmerzhaft. Die Aussicht auf die bevorstehende Begegnung mit der Prinzessin ließ Nuala nachdenklich verstummen. Wie würde die Prinzessin sein und was würde der Prinz von ihr halten? Mit einem letzten prüfenden Blick auf die Reihen ihrer Begleiter setzte Nuala sich an die Spitze der Kolonne. Die Räder der Wagen drehten sich langsam auf dem groben Pflaster des Weges in Richtung Zukunft.
Am Ufer des breiten Aelwyn-Flusses, der die natürliche Grenze zwischen Albathos und Chloranthia, hatte sich eine kleine Delegation versammelt, um Prinzessin Ariadne in Empfang zu nehmen. Der Fluss, dessen strömendes Gewässer im Licht glitzerte, spiegelte die Sonne grell wieder. Die königliche Beraterin stand an der Spitze der Gruppe. Sie beobachtete, wie das Schiff, das die Prinzessin trug, langsam näher kam und schließlich mit geschickten Manövern am Ufer anlegte. Mit einer Würde erfüllten Haltung, trat Nuala vor, als Prinzessin Ariadne den Steg hinunterging, begleitet von ihrer eigenen kleinen Entourage. „Prinzessin Ariadne, im Namen von König Taranis und allen Bürgern von Albathos heiße ich Sie herzlich willkommen“, begann sie, ihre Stimme trug über das leise Plätschern des Wassers. Neben Nuala trat Sir Gareth, der Kapitän der Garde, hervor, um seinen Respekt zu übermitteln. „Es ist mir eine Ehre, für Ihre Sicherheit während Ihres Aufenthalts in unserem Land zu sorgen, Prinzessin.“ Prinzessin Ciara konnte ihren Blick nicht vom neuen Ankömmling abwenden. Die rothaarige Prinzessin, deren leuchtendes Haar unter den Strahlen der Sonne fast wie Flammen wirkte, bot einen auffälligen Kontrast zur nüchternen Eleganz des albathischen Weiß. Mit einem leichten Schmunzeln beobachtete Ciara, wie die junge Frau tapfer versuchte, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden – barfuß und in Gewänder gekleidet, die mehr für einen milden Frühling als für die kühlen Winde von Albathos geeignet waren. Es war ein amüsanter Anblick. Sie war es gewohnt, die steifen Protokolle und die ernsten Gesichter ihrer Landsleute zu sehen, die selten ihre Emotionen zeigten. Ariadnes offensichtliche Unvorbereitetheit war erfrischend. „Es scheint, als hätte jemand unsere kleine Prinzessin nicht ganz auf das albathische Wetter vorbereitet“, flüsterte sie Sir Gareth zu, der neben ihr stand. Ihr Kommentar entlockte dem sonst so ernsten Kapitän der Garde ein unterdrücktes Grinsen. Als sie näher kamen, streckte die Prinzessin von Albathos eine helfende Hand aus. „Keine Sorge, Prinzessin, man gewöhnt sich an das Klima hier.”
A heart's a heavy burden.


