Amarantos Thronos [NimChiyo]

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    • Amarantos Thronos [NimChiyo]

      @Nimue

      Αμαραντος Θρονος - Der Unverwelkliche Thron

      Unruhe bestimmte die sonst so beherrschte Stille von Cair Gwyn. Die gewohnte Ordnung und das geregelte Treiben des Hofes waren einer fieberhaften Aktivität gewichen, als die Ankunft der Prinzessin bevorstand. Überall in den massiven Hallen der Festung eilten Diener und Bedienstete umher, jeder mit einer anderen Aufgabe vor Augen. Die silbernen Rüstungen der Wachen glänzten im kalten, schneidenden Licht des frühen Morgens, während sie ihre Positionen für die bevorstehende Zeremonie einnahmen. Selbst die schweren, eisernen Tore, die normalerweise so fest und unerschütterlich schienen, standen offen, als wollten sie die frischen Winde hereinlassen. In der großen Halle, dem Herzen der weißen Festung, wurden die letzten Vorbereitungen getroffen. Lange Tafeln wurden aufgestellt und mit feinstem Leinen bedeckt, die Gläser und das Besteck poliert, bis sie so funkelten wie die Schneekristalle auf den Zinnen. Floristen schmückten die Säulen und Fensterbänke mit den seltenen Blüten der Frostfeuerblumen, deren leuchtend rote Farben einen warmen Kontrast zum üblichen Grau der Wände bildeten. Die hohen Decken wurden von gewaltigen Balken gestützt, die aus dem dunklen Holz des Waldes geschnitzt waren. An den Wänden hingen kunstvolle Wandbehänge, die die Geschichte von Albathos darstellten. Ein gigantischer Kamin, groß genug, dass ein Mann darin stehen konnte, dominierte eine Wand des Saals. Das Feuer darin brannte niemals ab, seine Flammen erleuchteten den Raum und warfen tanzende Schatten auf die marmornen Wände. Jeder Winkel der Festung, von den hoch aufragenden Türmen bis zu den versteckten Gärten hinter den Mauern, schien auf das Ereignis hinzufiebern. Es war ein Tag von großer Bedeutung. In der Luft lag ein Gefühl von Erwartung, das fast so dicht war wie der Nebel, der in den frühen Morgenstunden über den gefrorenen Boden kroch.

      Unberührt von all der Hektik legte sich eine Totenstille über die privaten Gemächer der Festung. Die luxuriösen Teppiche, die den Boden bedeckten, zeigten keine Spuren von Leben und auch die weichen Polster der Holz gefertigten Möbel wirkten fabrikneu. Kristallleuchter, gefüllt mit hell leuchtenden Kerzen, hingen von den Decken und tauchten die Räume in ein warmes, goldenes Licht. Sie schienen die einzigen tanzenden Schatten auf den Fluren zu sein. Menschenleere an solch einem Tage? Conall hatte erwartet, die übliche Eleganz des Hofes vorzufinden, stattdessen aber schien jeder Winkel von einer unerklärlichen Hast erfasst zu sein. Die Menschen, die er kannte – stets beherrscht und berechenbar – gestikulierten wild und sprachen mit erhobenen Stimmen, als hätten sie vergessen, wo sie waren. Prinz Conall stand am Fenster und blickte hinaus auf die unter ihm liegenden Höfe, wo die letzten Vorbereitungen für die Ankunft der Prinzessin in vollem Gange waren. Das ständige Kommen und Gehen der Bediensteten hatten ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben. Mit einer abrupten Geste hatte er schließlich befohlen, dass man ihn allein lassen solle. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Er hatte dem Ganzen ein schnelles Ende bereitet. Die Tür fiel mit einem dumpfen Knall ins Schloss, und endlich kehrte Ruhe ein. Lediglich seine Schwester Ciara wagte den Trakt zu betreten. Unter der schweren Eichentür, verziert mit Schnitzereien alter Schlachten, hindurch, öffnete sich ein Raum, der mehr dem Studierzimmer eines Gelehrten glich als dem Schlafgemach eines Prinzen. Schmale Fenster ließen das spärliche Licht der nördlichen Sonne herein und warfen lange Schatten über die reich bestückten Bücherregale, die entlang der Wände aufgereiht waren. Jedes Regal quoll über von alten, Leder gebundenen Büchern und Schriftrollen, Zeugnisse von Conalls unstillbarem Durst nach Wissen. In der Mitte des Raumes stand ein großes Bett aus dunklem Holz, dessen Kopfende fein mit silbernen Relikten verziert war, die das Wappen von Albathos darstellten. Gegenüber dem Bett befand sich ein massiver Schreibtisch aus dem gleichen dunklen Holz, auf dem verschiedene offene Literaturen verstreut lagen, so als wären sie gerade erst benutzt worden. Ein kleiner Kamin in der Ecke des Raumes war oft in den kalten Nächten entfacht, sein sanftes Knistern und die wärmenden Flammen boten eine seltene Geborgenheit in dem sonst so kühlen Schloss. Ein tief roter Teppich mit weißen Silberfäden - den Farben des Königshauses - bedeckte den kalten Steinboden. Die Wände waren bestückt mit sorgfältig ausgewählten Kunstwerken, darunter Porträts vergangener Könige, die den Thronerben an seine Pflichten erinnerten. Nur das leise Knarren der Tür unterbrach seine Gedanken, als die erstgeborene Prinzessin den Raum betrat. Sie trug ein leichtes Lächeln auf den Lippen, das im Gegensatz zu der Anspannung in Conalls Gesichtsausdruck stand. Mit einer anmutigen Bewegung, die ihre königliche Erziehung verriet, ließ sie sich in einem der hohen Lehnstühle nieder. „Du scheinst ja in bester Laune zu sein, Bruder“, begann sie, ihre Stimme ein ruhiger, sicherer Hafen zur tobenden Unruhe draußen. Conall drehte sich zu ihr um, seine Miene, ein Bild der Selbstbeherrschung. „Das ganze Schloss ist in Aufruhr, als ob die Ankunft einer Prinzessin das Rad der Zeit neu erfinden würde.“ Sein Ton war scharf, gar bitter. Ciara betrachtete ihn einen Moment lang nachdenklich. „Es ist nicht die Prinzessin, die sie nervös macht, Conall. Es ist das, was sie mitbringt. Diese Verbindung... sie bedeutet Veränderung.“ „Eine Veränderung, die ich weder gewählt habe noch für klug halte“, erwiderte Conall, während er sich seinem Ankleidespiegel zuwandte. Mit geübten Händen begann er, die silbernen Verschlüsse seines hellen, eleganten Wamses zu schließen, seine Bewegungen sichtlich angespannt. Ohne ein weiteres Wort erhob sich Ciara und trat hinter ihn. Ihre Hände legten sich sanft auf seine Schultern, während sie half, die Falten des feinen Stoffes zu glätten. „Vielleicht ist es nicht die klügste Wahl, aber es ist die, mit der du leben musst.” Conall traf ihren Blick im Spiegel, und für einen Moment erweichte die Strenge in seinen Augen. „Welch Pflichtbewusstsein aus deinem Munde, Ciara. Hoffen wir, dass der König weiß, welches Garn er sich strickt.” Conall's Stimme trug einen Hauch von Spott, als er seinen Vater beim Titel nannte, und nicht als den Vater, den er sich gewünscht hätte. Ciara seufzte leise, während sie noch einmal seine Kleidung glättete und dann von ihm abließ. „Der König mag seine Fehler haben, Conall, aber er ist nicht blind für die Machenschaften der Welt. Und du solltest vorsichtig sein, wie du sprichst, selbst wenn nur die Wände zuhören.“ „Ich bedarf keiner Ermahnung. Nicht von dir.” Des Prinzen Augen, die sonst abweisend waren, blitzten kurz auf, bevor er sich ebenfalls abwandte. Seine Stimme schwang mit einer Spur von Spott, die seinen tiefsitzenden Groll gegenüber dem Mann verriet, der ihm eher ein Befehlshaber als ein Vater war. Und obwohl Ciara oft die Rolle der behütenden Schwester einnahm, die Conall zu schützen versuchte, war sie weit mehr als das. Sie hatte in Kriegen gekämpft und Schlachten geführt, die vielen ihrer männlichen Gegenstücke unbekannt waren. Ihre Taten hatten ihr am Hof mehr Respekt eingebracht als manchen Prinzen, und dies war Conall sich durchaus bewusst. Der Weißhaarige lächelte dünn, ein flüchtiger Ausdruck, der schnell verschwand. „Du solltest aufbrechen.“ Er drehte sich zu ihr um, seine Miene ernst. „Hast du mit Nuala gesprochen?“ erwiderte Ciara fragend, den Schritt schon durch den Torbogen gesetzt. “Ihre Zeit dürfte genug mit der Ankunft unserer Gäste beansprucht sein…”

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      Als die ersten Strahlen der Morgensonne die Dächer von Cair Gwyn vergoldeten, war Nuala schon auf den Beinen. Die Beraterin des Königs machte sich bereit, die Eskorte anzuführen, die Prinzessin Ariadne sicher nach Cair Gwyn bringen sollte. Die kühle Luft des frühen Morgens erfüllte ihre Lungen, als sie die letzten Anweisungen für die bevorstehende Reise überprüfte. Auch der Hof der weißen Festung glich einem Wirbelwind der Aufruhr. Knechte beluden die schweren Wagen, während die Mitglieder der königlichen Garde ihre Pferde sattelten und prüften. In ihrem dunkelgrauen Reisemantel, der ihre Stellung am Hof subtil unterstrich, traf Nuala letzte Vorbereitungen mit dem Hauptverantwortlichen der Eskorte, einem erfahrenen Kapitän der Garde namens Sir Gareth. „Vergewissert Euch, dass wir für alle Eventualitäten gerüstet sind, Sir Gareth. Die Straßen sind zwar sicher, doch die Unwägbarkeiten sollten nie unterschätzt werden," instruierte sie mit ruhiger, bestimmter Stimme. Sir Gareth nickte anerkennend. „Alles ist bereit, Lady Ó Ceallaigh.“ Umringt von einer kleinen Schar ausgewählter Berater und Diener, machte sich Nuala auf den Weg zum Haupttor. Jeder Schritt auf den alten Steinplatten des Hofes hallte, während die Pferde ungeduldig stampften, während die Kutscher die letzten Riemen festzurrten. Als die Tore sich öffneten und die ersten Wagen der Eskorte in Bewegung setzten, blickte Nuala zurück auf die imposanten Mauern. Trotz ihrer Erfahrung und ihrer vielen Jahre am Hof konnte sie eine leichte Nervosität nicht verbergen. Die Verantwortung, die König Taranis ihr übertragen hatte, war gewaltig und noch dazu schmerzhaft. Die Aussicht auf die bevorstehende Begegnung mit der Prinzessin ließ Nuala nachdenklich verstummen. Wie würde die Prinzessin sein und was würde der Prinz von ihr halten? Mit einem letzten prüfenden Blick auf die Reihen ihrer Begleiter setzte Nuala sich an die Spitze der Kolonne. Die Räder der Wagen drehten sich langsam auf dem groben Pflaster des Weges in Richtung Zukunft.

      Am Ufer des breiten Aelwyn-Flusses, der die natürliche Grenze zwischen Albathos und Chloranthia, hatte sich eine kleine Delegation versammelt, um Prinzessin Ariadne in Empfang zu nehmen. Der Fluss, dessen strömendes Gewässer im Licht glitzerte, spiegelte die Sonne grell wieder. Die königliche Beraterin stand an der Spitze der Gruppe. Sie beobachtete, wie das Schiff, das die Prinzessin trug, langsam näher kam und schließlich mit geschickten Manövern am Ufer anlegte. Mit einer Würde erfüllten Haltung, trat Nuala vor, als Prinzessin Ariadne den Steg hinunterging, begleitet von ihrer eigenen kleinen Entourage. „Prinzessin Ariadne, im Namen von König Taranis und allen Bürgern von Albathos heiße ich Sie herzlich willkommen“, begann sie, ihre Stimme trug über das leise Plätschern des Wassers. Neben Nuala trat Sir Gareth, der Kapitän der Garde, hervor, um seinen Respekt zu übermitteln. „Es ist mir eine Ehre, für Ihre Sicherheit während Ihres Aufenthalts in unserem Land zu sorgen, Prinzessin.“ Prinzessin Ciara konnte ihren Blick nicht vom neuen Ankömmling abwenden. Die rothaarige Prinzessin, deren leuchtendes Haar unter den Strahlen der Sonne fast wie Flammen wirkte, bot einen auffälligen Kontrast zur nüchternen Eleganz des albathischen Weiß. Mit einem leichten Schmunzeln beobachtete Ciara, wie die junge Frau tapfer versuchte, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden – barfuß und in Gewänder gekleidet, die mehr für einen milden Frühling als für die kühlen Winde von Albathos geeignet waren. Es war ein amüsanter Anblick. Sie war es gewohnt, die steifen Protokolle und die ernsten Gesichter ihrer Landsleute zu sehen, die selten ihre Emotionen zeigten. Ariadnes offensichtliche Unvorbereitetheit war erfrischend. „Es scheint, als hätte jemand unsere kleine Prinzessin nicht ganz auf das albathische Wetter vorbereitet“, flüsterte sie Sir Gareth zu, der neben ihr stand. Ihr Kommentar entlockte dem sonst so ernsten Kapitän der Garde ein unterdrücktes Grinsen. Als sie näher kamen, streckte die Prinzessin von Albathos eine helfende Hand aus. „Keine Sorge, Prinzessin, man gewöhnt sich an das Klima hier.”
      A heart's a heavy burden.

    • Der ganze Wald schien zu verstummen, als die bloßen Füße der jungen Frau die erste Wurzel striff. Jeder kleine und große Ast, jeder Tropfen, jedes Tierchen und alle Kreaturen hielten Inne während die Lieder der Vögel verstummten. Langsam schritt sie voran ehe sie vor den kräftigen Stamm zu Boden sank. Von tiefer Wehmut erfüllt lehnte sie ihr von roten Wellen umschlungenes Haupt gegen den Stamm. Während sich glitzernde Tränen in ihren grünen Augen sammelten flachte der Wind auf. Sein sanftes Säuseln umschloss sie auf liebevolle Weise, es war der letzte Hauch von vertrauter Geborgenheit. Die vollen Lippen begannen zu zittern ehe sie schluzend ihren schönen Kopf verbag. Was folgte war ein tiefer, tiefer Atemzug ehe die zarten Finger ihre Tränen von den Wangen wischte. Der Abschied war schwer, schmerzte noch immer sehr in ihrer Brust. Mithin klang in ihr eine unglaubliche Mischung an Eindrücken, Gefühlen, Gedanken und Empfindungen so wie eine schrille Kakophonie. Die Luft welchen sie nahm war mit den leisen Hauch ihrer Stimme versehen als fehlten ihr die richtigen Worte dies es zu transportieren galt. Dabei gab es so viel zu sagen und so wenig Zeit. Jedoch kam mit jeden Atemzug auch ihre Fassung zurück. Erschöpft schloss sie ihre Augen. Nun konnte sie ganz mit dem Baum sein. Sie konnte seine glatte Rinde spüren die sonst so kühl erschien. Die großen und die feinen Rillen die ihm seine Strucktur gaben, das friedliche Racheln seiner Zweige und Blätter hören und diesen vertrauten Geruch riechen ... petrichor - der Geruch von Regen welcher von ihm ausging. Abermals füllten sich ihre Lungen bis sie nicht mehr konnten mit Luft. Ihre Brust hob sich dabei leicht an. "Lebt wohl." Trug all die eigeatmete Luft die rechten Worte aus ihr heraus.

      "Ariadne." Vorsichtig um sie nicht zu erschrecken legte die Besitzerin der Stimme ihre Hand auf die Schulter der Rothaarigen. Ariadne öffnete ihre Augem um verwundert zunächst die Hand und dann ihre Tante anzustarren. "Hast du dich verabschiedet?" Es bedurfte keine Antwort, doch nickte die Holde ehe sie sich widerwillig erhob. Sie konnte es nicht aussprechen. Ihre Sehnsucht war zu groß um sie in Worte fassen zu können, ihr tiefster Wunsch war nicht zu erfüllen. Außerdem war es viel zu egoistisch weiter darauf hoffen zu können ihn sich eines Tages zu erfüllen. Jetzt wo der Frieden von Albathos und Chloranthia wie eine süße Knospe erblühen könnte, musste sie alles daran setzen diesen zu hüten... auch wenn es bedeutete sich selbst ganz und gar dafür hingeben zu müssen. Die Erzherzogin neben ihr ballte ihre Hände frustiert zu zwei Fäusten. "Es ist nicht richtig dich von ihnen zu trennen." Stumm legte Ariadne ihren Kopf in den Nacken so dass ihre roten Strähnen wie sengende Glut über ihre Schltern glitten. Ihr Blick wanderte zu der majestätischen Baumkrone. Jetzt in diesen Moment wollte sie alles von diesen einen Moment in sich aufnehmen. Dieses Bild sollte nicht von Leid oder Wut getrübt sein.

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      Als sich das Schiff den vereinbarten Treffpunkt nährte wuchs die Anspannung. Auch wenn sich viele Menschen und Bewohner beider Völker der Frieden wünschten, waren die Fronten auf beiden Seiten verhärtet und von falschen Stolz sowie alteingesessener Vorurteile getrübt. "Wir sind da." Bemerkte der Fuchsjunge neben ihr während er prüfend, gar misstrauisch die leutenden Augen zusammen kniff. "Wollt Ihr aufbrechen?" fragte sie die Widderdame und reichte ihr die Hand um Ariadne auf zu helfen. Noch ein letzter Blick auf das, was sie zurück ließ - dann erhob sich die heillige Jungfer um ... sobad sie von diesen Schiff trat zur Prinzessin zu werden. Es war so ungewohnt ganz ohne ihren Schleier in fremde Gesichter zu schauen. Zuhause im Tempel hatte sie bei neuen Besuchern oder Unbefugten stehts einen Schleier tragen müssen. Nur Vertrauten war es vergönnt ihr Anlitz auf sich wirken zu lassen. Noch immer etwas zögerlich aber mit jeden Schritte entschlossener trat der schöne Rotschopf zur Reling. Vor ihr zeichnete sich ein Bild von perfekten Weiß ab. Erstaunt wie auch mit einer kindlichen Neugier sahen sich die smaragdgrünen Augen an einen Naturwunder satt, was sie bis heute nicht kennenlernen konnte. "Schnee ... das ist ... Schnee?" Natürlich wusste sie was Schnee war oder wie er entstand doch noch nie in ihren gesamten Leben war er ihr so nah gekommen. "Ja." Bestätigte die stolze Platinblonde neben ihr nickend. "Das ist Schnee. Und das... ist unsere Eskorte." Das Misstrauen und die Verachtung waren in ihren Worten unüberhörbar, jedoch galten sie nicht jeden der Menschen welche der Ehre zu Teil wurden sie in Empfang zu nehmen. Während der Zorn sie übermannte, bemerkte sie nicht wie ihre Nichte beherzt von den Schiff trat. Der Fuchsmensch neben ihr begann sich zu räuspern. "Sie ist nicht mehr hier euer Gnaden. Der Schnee..." Schwer seufzend nickte die Erzherzogin. "Ja der Schnee... wenigstens gibt es eine kleine Freude die man ihr vergönnt hat."

      Wie es unter ihren Füßen leise knirschte wenn sie in den zarten Schneel trat. Er schien so locker und rein, doch sobald er für einen längeren Augenblick ihre warmen Füße berührte wurde er zunächst hart und dann.... dann verging er. Ein leicht stechendes Kribbeln durchzog ihre Fußsohlen was ihr ein freudiges Kichern etlockte. Das war also Schnee. Diese Art kindlicher Freude wisch allerdings alsbald wieder. Das Widdermädchen konnte sich gerade noch warnend räuspern. Es war noch immer ungewohnt als Prinzessin angesprochen zu werden. So ungewohnt, das sie meist kaum darauf reagierte. Ariadne faltete ihre Hände, schloss für einen Bruchteil einer Sekunde ihre Augen und schickte ein Stoßgebet zum Himmel. In ihren Herzen ruhte aufrichtige Dankbarkeit, Dankbarkeit für diese Chance und die sichere Reise. Erst dann wand sie sich den Fremden zu, welchen sie mit einen freundlich gesinnten Nicken antwortete. Mit der Weile wurde das belebende Kribbeln zu einen schmerzenden Sich unter ihren Füßen und auch ihre Schultern waren von einer Kälte durchzogen welche die rothaarige Schönheit vorher nie gekannt hatte. Fürsorglich wie sie war legte ihr ihre Tante einen Mantel um. Ihre Freude über den Schnee wurde von den Bürgern Albathos offensichtlich ein klein Wenig fehlinterpretiert. Es verstiffen ein paar Sekunden in welchen die Holde die Hand begutachtete welche ihr entgegen gestreckt wurde. Sie war blass aber leicht angeraut, vielleicht sogar etwas trocken. An der bloßen Hand war nicht zu erkennen, dass es sich um die Erstgeborene handelte. Doch ein Blick zu ihren Gesicht schaffte Klarheit. Diese Frau war tatsächlich die erste Prinzessin dieses Reiches. "Euer Hoheit." Ariadne machte einen grazielen Knicks, so wie man es ihr beigebracht hatte. "Wollt Ihr... das ich euch segne?" Das war der einzig logische Schluss der sich ihr offenbarte. Es war eine Gewohnheit, die Sicherheit einer wohl vertrauten Rolle. Eine Rolle welche sie auszufüllen vermochte, die der Prinzessin ... der Braut des Prinzen wuchs ihr noch immer etwas über den Kopf. "Wir sind müde und erschöpft." Begann ihre Tante schließlich um der Situation Einhalt zu gebieten. "Nach Möglichkeit wünschen Wir als Bald weiter zu ziehen. Wir müssen uns von der langen und beschwerlichen Reise erholen."
    • Als der Tag dem Ende zuneigte und die letzten Strahlen der Sonne die schneebedeckten Dächer von Cair Gwyn in ein schimmerndes Licht tauchten, schien es, als würden die Winde unter den hohen Türmen der Festung für einen Moment innehalten. Conall stand auf einem der oberen Balkone und beobachtete die Ankunft der Eskorte am Haupttor. Die klirrende Kälte, die seine Wangen rötete, war ihm so vertraut wie die steinernen Mauern, die ihn umgaben und dennoch eine willkommene Abwechslung zum hitzigen Treiben und den geladenen Gemütern innerhalb des Palastes. Die Kutsche kam vor dem majestätischen Schlossportal zum Stehen und enthüllte die lang ersehnte Gestalt der Prinzessin. Selbst im gedämpften Licht der sinkenden Sonne leuchtete das Haar der Fremden wie die Glut eines lodernden Feuers. Ein flüchtiger Moment des Innehaltens erlaubte Conall, Ariadne in der Ferne zu erblicken, eine Person, die hoffentlich mehr als nur die Summe der flüsternden Gerüchte der Bediensteten war. Doch so schnell, wie ihre Silhouette am Horizont aufgetaucht war, verschwand sie auch wieder. Getrieben von seiner Neugier verließ Conall seinen Aussichtspunkt. Es war undenkbar, die Gäste vor der offiziellen Begrüßung zu treffen, doch das hielt ihn nicht in seinen Gemächern. Er suchte Zuflucht an dem einzigen Ort, der ihm in den weitläufigen Hallen von Cair Gwyn wie ein sicherer Hafen erschien. Tief in den Gewölben der weißen Festung, verborgen hinter einer unscheinbaren Tür am Ende eines selten begangenen Korridors, lag die Alchemie-Kammer des Prinzen. Dieser Raum, nur den Wenigsten bekannt und noch seltener betreten, war ein Reich, an dem der Weißhaarige mehr als sein Titel war. Hier herrschten weder die Sitten des Hofes, noch ein Erbe, das anzutreten war. In dieser Kammer, gesäumt von zahlreichen Regalen, beladen mit unzähligen Flaschen, Phiolen und Gefäßen, gab es nur einen jungen Mann, der seiner Leidenschaft nachgehen konnte. Die Kammer selbst war geräumig und gewölbt, die Wände grob behauen aus dem natürlichen Stein, der das Fundament von Cair Gwyn bildete. In den Gefäßen befanden sich allerlei Substanzen – von glitzernden Pulvern über ölige Flüssigkeiten bis hin zu merkwürdig leuchtenden Kristallen – die in der schummrigen Beleuchtung der Kammer ein Kaleidoskop an Farben boten. In der Mitte des Raumes stand ein massiver Arbeitstisch aus dunklem Holz. Dieser Tisch war übersät von Werkzeugen und Instrumenten: Mörser und Stößel, Waagen und Messgeräte, Retorten und Alembike, alles akribisch geordnet. Über dem Tisch hingen mehrere große Kerzenleuchter, deren flackerndes Licht Schatten auf die Wände warf. In einer Ecke der Kammer stand ein alter, eiserner Ofen, der permanent leise vor sich hin köchelte während neben dem Ofen sorgfältig sortierte Kisten mit Zutaten lagerten – seltene Kräuter, exotische Wurzeln und geheimnisvolle Mineralien. Besonders auffällig war eine große Tafel an einer Wand, auf der Formeln, Skizzen und Notizen kreuz und quer geschrieben standen. Dieser Ort war das Ebenbild seiner Gedanken, der tiefste Blick in seine Seele, den kaum einer zu Gesicht bekam. Gerade als die Welt um ihn herum zu verblassen schien und Conall glaubte, die Last seiner königlichen Pflichten für einen Moment vergessen zu können, schlug die Tür mit einem lauten Knall auf. Nuala trat ein, ihre Silhouette scharf gezeichnet gegen das flackernde Licht der Kerzen. Ihr Gesicht war undurchdringlich, ihre Augen jedoch funkelten mit Verlangen. „Conall“, begann sie mit einer Stimme, die sanft und doch fordernd war. „Ich dachte, du könntest etwas... Ablenkung gebrauchen.“ Ihre Worte waren wie Seide, doch hinter ihrer Süße verbarg sich Gift. Langsam, mit bedachter Grazie, näherte sie sich dem Tisch, an dem Conall stand, und ihre Hand glitt über die raue Oberfläche, bis sie seine fand. Der Prinz zog instinktiv seine Hand zurück, sein Blick fest auf Nuala gerichtet. „Wie kann ich dir helfen, Nuala?“ Seine Stimme war hart im Kontrast zu ihrer fordernden Sanftheit. Ohne seine Frage zu beantworten, trat die ältere Frau näher, ihre Hände geschickt an seinen Verschlüssen werkelnd. „Du trägst zu viel Last auf deinen Schultern, Prinz. Lass mich dir helfen, sie abzulegen.“ Ihre Finger waren flink und zielgerichtet, doch Conall fasste ihre Handgelenke. „Das ist nicht, was ich brauche.“ Er stieß sie zart, aber bestimmt von sich. „Ich muss mehr über meine Zukünftige erfahren. Das ist es, was mir auf der Seele lastet, nicht... dies.“ Die Beraterin des Königs lachte leise, ein Klang, der irgendwo zwischen Spott und Verzweiflung schwebte. „Eine Prinzessin, die du kaum kennst und die dir von einem Schachzug der Politik aufgezwungen wurde? Was ist sie schon im Vergleich zu dem, was wir haben?“ Conall fixierte sie, seine Augen hart wie der Stein, der die Wände seiner Kammer bildete. „Was wir haben, endet hier.“ Ein Funkeln des Zorns – oder war es Verletzung? – blitzte in Nualas Augen auf. Doch bevor sie weitergehen konnte, packte Conall sie sanft an den Schultern und drehte sie zur Tür. „Geh jetzt“, ein unmissverständlicher Rausschmiss, „Bevor du Dinge sagst, die du bereuen könntest.“ Nuala riss sich los, ihr Blick durchbohrend und kalt. „Sehr wohl, Eure Hoheit“, spottete sie mit eisigen Worten. Ohne weiteren Blick zurück verließ sie die Kammer, die Tür hinter sich zuschlagend, dass es durch die Gewölbe hallte.

      Conall atmete tief durch, seine Schultern gespannt von der Konfrontation. Ohne weiteres Zögern verließ er die Kammer und begab sich zu seinen privaten Gemächern, während das Gewicht seiner Verantwortung und die Kälte ihres letzten Blickes an ihm nagte. Als er sein Zimmer erreichte, fand er Ciara vor, die ungeduldig seine Rückkehr erwartete. Auch sie rief seinen Namen aus, als sie seinen erschöpften Zustand bemerkte. „Was ist passiert?“ Ihre Stimme war voller Sorge, ihre Augen suchend. Kopfschütteln und mit einem müden Lächeln auf den Lippen spielte er die Trennung herunter. „Nur die üblichen persönlichen Schlachten, die gewonnen oder verloren werden müssen.“ Er ließ sich auf einen Stuhl fallen, der neben seinem massiven Eichenbett stand. „Sag mir, Schwester, was weißt du über Ariadne?“ Die Müdigkeit legte sich auf das junge Antlitz, färbte die Haut unter den Augen in ein sanftes Blau, ehe der Prinz erschöpft mit der Hand über sein Gesicht fuhr. Ciara setzte sich auf die Lehne neben ihn, ihre Miene ernst. „Mehr als die Gerüchte verraten, weniger als du ersuchst.“ Ihre Hand fand die seine, im Versuch, Beistand zu leisten. Erneut rieb er sich die Stirn, sein Blick flackerte unruhig im Kerzenschein des Raumes. „Ciara, was, wenn sie... nicht dem entspricht, was das Königreich braucht? Was, wenn sie... deformiert ist, oder ihren Verstand nicht beisammen hat?“ Seine Stimme war leiser geworden, fast so, als fürchte er, dass die Wände selbst lauschen könnten. Mit gehobener Braue und einem zarten Lächeln, nicht aufgrund der Absurdität der Fragen, sondern weil sie die tiefe Unsicherheit ihres Bruders erkannte, sah sie zu ihm. „Conall, hast du Grund zu dieser Sorge, oder lässt du deine Fantasie mit dir durchgehen? Ariadne wurde von vielen als talentiert und durchaus hübsch beschrieben. Nicht wie eine Hexe, falls du das fürchtest.“„Aber was, wenn sie es ist? Was, wenn sie...“ Conall brach ab, schüttelte den Kopf und starrte ins Leere. Conalls Schultern sanken ein wenig unter der Nähe seiner Schwester. Als die Spannung nachließ, stand die Prinzessin auf, um den Raum zu verlassen. „Jetzt ruh dich aus. Morgen ist ein großer Tag.” Mit einem letzten nachdenklichen Blick auf die flackernden Kerzen stand Conall auf und löschte das Licht. Die Dunkelheit umhüllte ihn wie ein samtiges Tuch, und während er sich in die weichen Laken seines Bettes sinken ließ, fühlte er, wie der Schlaf seine Sorgen langsam wenn auch temporär forttrug.

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      Der nächste Morgen erwachte sanft über der weißen Festung, die Stille lediglich durch das leise Knistern des Windes in den Baumkronen und dem Gezwitscher der Vögel durchbrochen. Cair Gwyn, normalerweise ein Ort der strengen Ordnung, glich nun dem pulsierenden Herzen der Vorbereitung, die das ganze Königshaus betraf. Farbenprächtige Banner in den Farben Albatros und Chloranthias säumten den Palast, der leise in der geschäftigen Energie der Bediensteten summte. Conall war früh wach, noch bevor der erste Lichtstrahl den Morgen erklärte. Er stand am Fenster seines Schlafzimmers, den Blick über die frostigen Gärten schweifend, wo die ersten Sonnenstrahlen die eisigen Blumen und Bäume in ein glitzerndes Licht zu tauchen begannen. Die Luft war kalt und klar, hauchte eine Frische in die übermüdeten Augenlider. Nach einem kurzen Frühstück, das er kaum berührte, wurde Conall von seinem Kammerdiener in die feierliche Robe gekleidet, die für den heutigen Tag bestimmt war. Der Stoff war schwer und reich verziert, bestickt mit dem Wappen von Albathos, und jeder Faden schien mit der Würde seiner zukünftigen Verantwortung gewebt zu sein. Das Gewicht des Gewandes, so wie der an ihn gerichteten Erwartungen, lastete auf seinen Schultern. Die Zeremonie sollte im großen Hof stattfinden, der für diesen Anlass in ein Freilufttheater verwandelt worden war, umgeben von hohen Mauern und Türmen, die stolz in den Himmel ragten. Der Hof war bereits gefüllt mit Gästen - Adlige aus entfernten Ländern, wichtige Persönlichkeiten aus dem ganzen Königreich und natürlich die engsten Vertrauten des Königshauses. Die Luft vibrierte vor Gesprächen und leisen Lachen, doch als Conall erschien, verstummten die Stimmen, und alle Blicke richteten sich auf den zukünftigen König. Er nahm seinen Platz vor dem Altar ein, sein Herz drohte seiner Brust zu entfliehen, während er auf die Ankunft von Prinzessin Ariadne wartete. Die Musik begann leise, eine süße Melodie, die durch die Luft tanzte. Dann, am anderen Ende des Hofes, öffneten sich die großen Tore, und Ariadne trat ein. Sie war eine Vision in Weiß, ihr Kleid fließend und mit zarten Silberfäden durchwoben, die im Sonnenlicht funkelten. Ihr rotes Haar war kunstvoll hochgesteckt, geschmückt mit weißen Blüten, die die Reinheit und die neue Verbindung symbolisierten. Als sie langsam den Gang entlang schritt, schlug jedes Herz im Hof einen Takt schneller, oder war es nur das seine? Conall konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Ihre Erscheinung war die einer Fremden, die Strähnen ihrer Mähne in eine so sonderbare Farbe getaucht, als hätte man ihr einen Eimer Farbe übers abathische Weiß gekippt. Ein unverkennbares Zeichen ihrer fremden Herkunft, welche ein gedämpftes Raunen der Zuschauer auslöste. Kaum hörbares Gewirr von Stimmen begleitete jeden Schritt der Prinzessin. Conall hatte bereits Tage zuvor einige Diener darüber spekulieren hören, ob man ihr den Kopf kahl rasieren würde oder eine Kur aus Honig und Essig verpassen würde, um das Haar aufzuhellen. Der Prinz betrachtete seine zukünftige Gemahlin mit einem anderen Blick. Für ihn trug die Tönung ihres Haars nichts zur Sache - im Gegenteil, zierte sie nicht die bezaubernde wie seltene Schönheit der Frostfeuerblume Sioclas-Bláth, deren Blüte selten in voller Pracht erstrahlte? Ihre ungewöhnliche Erscheinung, die so fremd und unnatürlich für die albathischen Gene wirkte, erinnerte ihn an die einzig farbenfrohe heimische Knospe des Landes. Während die anderen vielleicht Irritation oder gar Missfallen empfanden, fand Conall etwas Faszinierendes in der Andersartigkeit der Prinzessin. Ihr Haar, das im Licht der Morgensonne wie flüssiges Kupfer glänzte, ihre feinen Gesichtszüge, die eher an eine zarte Skulptur aus einer anderen Welt erinnerten, ließen sein Herz schneller schlagen. In ihren Augen, diesem unergründlichen Grün, sah man nicht nur die Fremdheit, sondern vielleicht ein Funke der Freiheit? Im Unbekannten steckte möglicherweise das Wunderbare. Die Möglichkeit, die Welt durch ihre Augen zu sehen und vielleicht auch ein Stück weit durch ihre seltenen Farben verändert zu werden.

      Ein sanftes, aber bestimmtes Räuspern seiner Schwester Ciara riss ihn aus seinen Träumereien. „Conall“, flüsterte sie ihm zu, ihre Stimme kaum hörbar über den leisen Gesängen und dem Gemurmel der Versammlung. Die Zeremonie war bereits in vollem Gange, doch die ersten Worte des Zeremonienmeisters drangen nicht zum Prinzen hervor, er überhörte sie. Er blinzelte, leicht verwirrt, und wandte sich kurz zu ihr, bevor sein Blick wieder zum Amtsträger glitt, der geduldig auf seine Aufmerksamkeit wartete. Nickend entschuldigte sich Conall, eine leichte Röte überzog seine Wangen, als er sich der Peinlichkeit seines Moments der Unaufmerksamkeit bewusst wurde. Der Priester, ein älterer Mann mit einem langen, silbernen Bart und einem Gewand, das so weiß war wie der Schnee außerhalb der Festungsmauern, lächelte mild. Dann fuhr er fort, die alten und gewichtigen Worte zu sprechen, die die beiden für immer verbinden sollten. „Wir sind hier versammelt“, begann der Priester erneut, „um die Verbindung dieser beiden edlen Herzen zu besiegeln, die in wahrer Eintracht und gegenseitigem Respekt zueinander gefunden haben. Möge diese Union zwischen Albathos und Chloranthia ein Leuchtfeuer des Friedens und des Wohlstands sein.“ Während die Worte gesprochen wurden, fand Conall keinen klaren Gedanken. Freude, Unsicherheit, Hoffnung – alles vermischte sich in ihm. Sie waren hier, um eine Brücke zwischen zwei Königreichen zu bauen. Schließlich nahm er Ariadnes Hand und legte das Gelübde ab. „Ich, Conall, Prinz von Albathos, nehme dich, Ariadne, Prinzessin von Chloranthia, zu meiner Frau, mit all meinem Herzen und meiner Seele, von diesem Tag an, für alle Tage unseres Lebens.“ Einstudiert - Wort für Wort. Als Ariadne ihre Zustimmung gab, kehrte endlich etwas Ruhe in ihn ein. Mit dem Austausch der Ringe und dem abschließenden Segen wurde ihre Verbindung besiegelt, und der Applaus hallte durch den Hof.
      A heart's a heavy burden.

    • Der Hauch von Kindlicher Freude war lang von den lieblichen Anlitz verflogen. Mit jeder Umdrehung der mit Stolz gefertigten Räder der stattlichen Kutsche, wurde ihr zartes Herz schwerer. Jeder Moment führte sie weiter fort von der Heimat, hinein in eine Aufgabe die größer zu sein schien als Ariadne es jemals war. Dennoch konnte sie auch Trauer und Wehmut nicht davon abhalten es nicht wenigstens nach allen Kräften zu versuchen.Der Hauch von kindlicher Freude war lang von den lieblichen Anlitz verflogen. Mit jeder Umdrehung der mit Stolz gefertigten Räder der stattlichen Kutsche, wurde ihr zartes Herz schwerer. Jeder Moment führte sie weiter fort von der Heimat, hinein in eine Aufgabe die größer zu sein schien als Ariadne es jemals war. Dennoch konnte sie auch Trauer und Wehmut nicht davon abhalten es nicht wenigstens nach allen Kräften zu versuchen. Auch wenn der Zweifel ihr stetiger Begleiter war. Erst die Hand ihrer Tante und das liebevolle Lächeln holte die Rothaarige aus den tiefen ihrer Gedanken. "Es geht schon." Versicherten ihre Lippen leise aber bedächtig während Talia ihr einen Becher mit Wasser reichte, den Ariadne mit dankbaren Nicken empfing ehe ihr Blick aus den Fenster der Kutsche glitt. Die restlichen Fahrt schwieg sie, lauschte den Anweisungen ihrer Tante und folgte den Schneeflocken die unabhörlich vom Himmel riselten. Wie sie sich wohl dabei fühlten? Aus den Schutze der Wolken, getragen vom Wind, in eine fremde Welt....
      Die Sonne hing bereits am letzten Zipfel des Horizonts als die Escorttruppe endlich ihr Ziel erreichte. Cair Gwyn, welches sich schon seit einigen Stunden am Himmel abzeichnet und prächtig über all den Dörfern und Städten trohnte welche der Zug vorher durchquert hatte. Diese großen starren Mauern waren erdrückend. Erst recht für einen Menschen allein. Es spiegelte das Land mit erschreckender Genauigkeit wieder. Innen wie Außen. Diese Hallen und Mauern sollten nun also auf Ewig ihr Zuhause sein? Zumindest gab es selbst an diesen Ort einige kleine Ecken die sehr wohl so etwas wie wohlige Wärme und angenehme Gemütlichkeit versprühten welche zum verweilen einlud. Immer mal hier und da, wenn man in der Lage war genauer hin zu sehen. Es war ein anstrengender Tag gewesen doch der morgige Tag würde der frisch gekrönten Prinzessin weitaus mehr abverlangen. Die Erzherzogin machte abermals mit edler und doch sehr bestimmender Haltung klar, dass sie sich alle zurückziehen wollten. Und so fand sich Ariadne mit ihren Freunden bald schon in einen fremden Gemach wieder.
      Der kalte Mamorboden des Zimmers wurde von Fellen und einen langen Teppich ausgekleidet. Darauf waren Muster zu erkennen die niemand aus Chloranthia je gesehen hatte. Sie waren mit edlen Fäden und gekonnten Händen eingearbeitet wurden. In diesen Raum befand sich nur ein großes Bette welches von einen massiven und recht dunklen Holzramen umschlungen war. Für ihre Begleiter war wohl nur die Chaiselongue vor den Kamin angedacht. Ansonsten bot das Zimmer nichts als einen kleinen Tisch mit passenden Stuhl. Beide waren mit aufwendigen Schnitzereien verziert. Offensichtlich hatte man nicht viel wert drauf gelegt es für eine angenehme Ankunft vorzubereiten, es war wohl nicht für notwendig befunden wurden wenn sich die Prinzessin von Chloranthia ohnehin bald Gemach und Bett mit den Trohnfolger teilte. "Nun... zumindest sind sie unserer Bitte nachgekommen es in der Nähe der Kirche des Schlosses liegen zu lassen." Bemerkte das Widdermädchen als sie gerade dabei war die Vorhänge etwas zur Seite zu schieben, hinter denen ein kleiner Balkon hervor kam. "Wir sollten alsbald schlafen. Sofern das hier überhaupt möglich ist." Brachte sich nun auch Lux mit ein, der ebenfalls die gesamte Reise lieber still vor sich hin gebrummelt hatte. "Ohh duuu, mach dich lieber nützlich und leg Feuerholz nach!" Wies ihn Talia an. Bevor Ariadne etwas erwidern konnte schob sich ihre Tante zwischen sie und ihre Freunde. "Er hat recht." Behutsam fuhren ihre Hände durch die roten Wellen. "Am Besten trägst du dein Haar hier stehts hochgesteckt. Du könntest sie dir auch so binden lassen, das sie kürzer scheinen." Kopfschüttelnd wich die junge Prinzessin zurück. "Sie haben es nicht verdient." Unverständnis machte sich in den blassen Gesicht der sonst so feinen Dame breit. Mit ruhigen Schritte trat Ariadne in Richtung des Balkons. "Diese Menschen hier, ja... sogar der Prinz haben deinen Ärger nicht verdient." Marisol wollte gerade Luft holen um direkt zu widersprechen, wohl wissend wie wahr ihr Herz diese Worte befand, seufzte aber schlussendlich als sie den gütigen Blick ihrer Nichte sah.
      In dieser Nacht vermochte es Ariadne kaum einzuschlafen. Bei jeden Geräusch wurde sie wieder hell wach. Selbst wenn sich ihre Tante neben ihr im Bette herum drehte. Doch dann irgendwann driftete ihr Geist doch in eine Art traumlosen Schlaf. Von Dunkelheit umschlungen lag sie da, still, fromm, wartend ... bis .... bis sich vor ihren geistigen Auge verschwommene Bilder zeigten. Wie Nebelschwaden zogen sie langsam auf, liefen ineinander über und verpufften alsbald. Dieses Wabern ging immer weiter, bis aus den ungreifbaren klare Botschaften wurden. Die Rothaarige hatte Mühe sich darauf einzulassen. Gerade konnte sie etwas davon begreifen als sie mit einen argen Schmerzensschrei hochfuhr. Ein qualender Stich durchfuhr ihre Seite von welchen sich ein unnachgibiges Brennen durch ihren ganzen Körper zog. Panisch, unwissend ob Traum oder Wirklichkeit griffen die zarten Hände zu den schmerzenden Punkt. Blut... Blut... da war so viel Blut. Wo kam es her? Warum? Ihre Hände getränkt, ihr Umfeld überströmt, ihr Herz verstummt und ihr Körper wie gelähmt. Der Augenblick war kurz, doch quälend lang. Erst dann bemerkte Ariadne das sie gar nicht mehr in den Zimmer ruhte. Nein es war... ein Gang? Ein Flur? Eine Eingangshalle? Und sie... sie war auch nicht allein. Um sie herum sahen sie unbekannte Augenpaare entsetzt an. Nein nicht sie. Das Blut, ihre Hände. Blutige Hände, die nun nicht mehr leer waren da in ihrer rechten Hand eine Klinge ruhte. War das.... der Grund für diesen Schmerz? Aber wer? Wo kam sie her? "-dne!! Ariadne!!! Das kräftige Rütteln und die Rufe der Vetrauten stimmen ließen sie aus den Schrecken erwachen. Rasch drückte Marisol das zitternde Mädchen an ihre Brust. "Hattest du eine Vision? Was hast du gesehen?" Der Rotschopf schüttelte den Kopf. Sie wollte nichts sagen. Gerade jetzt war alles noch zu real und sie wusste auch nicht ob sie das Gesehene richtig verstand.
      Nach diesen viel zu lebendigen Albtraum war auch kein Schlaf mehr möglich. Grund genug das Haus der Götter aufzusuchen und still zu beten bis die Bediensteten nach ihr suchten um sie für die Zeremonie herzurichten.

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      Die Luft zitterte vor Spannung. Unsicher suchten die emeraldgrünen Augen nach den vertrauten Gesichter ihrer Weggefährten. Dabei wusste ihr Geist genau das sie während den offiziellen Feierlichkeiten als Tiermenschen nicht beiwohnen durften. Zumindest war es Marisol, die an der Stelle ihres Vaters den Gang zum Altar mit ihr entlang schritt. "Sieh niemanden direkt an außer den Priester oder ..... deinen Ehemann." Hallten die Worte der Erzherzogin in ihr wieder. Es war schwer genug in diesen hohen Schuhen und der langen Schleppe nicht zu stolpern. Auch ohne das sie so viele neugierige Blicke sie verfolgten. Dieses Kleid war wirklich wunderschön doch obwohl es fließend und sogar ohne ein Korsett geschneidert war, hatte Ariadne das Gefühl es würde ihr die Luft rauben. Wohlmöglich war es nicht das Kleid. Hoffend machte die schöne Braut einen tiefen Atemzug. Sanft richtete ihre Tante noch einmal den Schleier. "Ich habe wirklich dafür gebetet das die dieser Gang erspart bleibt." Ohne darauf etwas erwidern zu können erklang die Musik. Das war ihr Zeichen! Langsam aber stetig wurde das große Tor geöffnet. Zunächst mit zögerlichen Schritt dann jedoch immer bestimmter .... oder wohl ehr konzentrierter begann ihr Weg in eine neue Zukunft. Das Rauen und Flüstern drang nur äußerst dumpf in ihr Ohr. Dafür konnte die junge Prinzessin ihren Herzschlag umso lauter hören. Noch immer hatte die erzwungene Braut noch nicht erspüren können ob es in ihren Brustkorb zu zerspringen oder gar heraus springen wollte. Dafür drangen all die Blicke sehr wohl zu ihr durch. Wie dankbar war die Braut jetzt für das Bisschen an Sicherheit, den ihr der hauchdünne Schleier bot. Die zwei Frau des chloranthischen Königshauses hatten fast die Hälfte des Weges zurück gelegt das wagte es Ariadne tatsächlich aufzusehen. Doch als ihre Augen das Bild ihres Bräutigam sah weiteten sie sich vor Schreck etwas. D-Dieser Mann er... mit einen Male wurde in ihr das Bild der letzten Nach wieder wach. Ja, ganz sicher. Diesen Mann hatte sie dort auch schon gesehen. Seine stahlgrauen Seelenspiegel hatten sie mit einen kühlen, wenn doch geschockten Blicke bedacht. Bedeutete das er würde...? Oder trieb es sogar sie selbst zu dieser schrecklichen Tat? Nur mit viel Mühe konnte die rothaarige Prinzessin die Schrecken der Nacht zur Seite schieben. Ein letztes Mal nahm sie einen tiefen Atemzug und versuchte sich nun abermals ganz und gar auf die Situation... auf den Prinzen einzulassen.Zu ihren Glück schien der junge Mann von stattlichen Wuchs schien selbst etwas abwesend zu sein. Schließlich war der Moment gekommen, an dem selbst ihre Tante von ihrer Seite weichen musste. Halt gab ihr nun mehr nur noch der Zeremonienmeister, dem sie bereits heute Morgen schon bebegegnet war. Er schien ziemlich überrascht eine Adlige so treu ergeben beten zu sehen. Vor allem nicht in diesen Umfang. Dabei war es genau das was ihr Halt gab. Sie lauschte den Worten des Priesters ehrfüchrtig, auch wenn es eine Art Todesurteil für sie sein konnte. Und dann kam er - der Moment der nichts nur den Frieden sondern auch die Zukunft des gesamten Kontinents bestimmen würden. Das Gelübte. Ariadne hatte es bereits nach den Anforderungen der Familie vor ihrer Abreise gechrieben. Noch immer war ihr Wunsch stark, dass aus diesen noch immer leeren Worten bald Wahrheit wurde. "Ich, Prinzessin Ariadne Meyra Calinda, nehme Euch und Euer Reich an mit seiner Vergangenheit und seiner Zukunft. Ich will treu an Eurer Seite sein und gemeinsames Wachstum wagen. Geduld und Verständnis für Eure Einzigartigkeit haben, Kraft und Zeit in unsere Ehe investieren. Ich will das Schöne annehmen und das Gute genießen, stehts auf wie im Euch Vertrauen, Eure Zuwendung und Hilfe akzeptieren und mich auf Euch, deine Zuneigung und dein Wohlwollen verlassen. Ich will Euch, Prinz Conall von Albathos, als meinen Ehemann annehmen, an Eurer Seite stehen in guten und schwierigen Tagen und Euch Lieben, Ehren und Achten, solange ich lebe. Tragt diesen Ring als Zeichen meiner innigen Liebe und meines ewigen Schwurs." So mächtig wie bedeutsam der Augenblick auch war, so schnell war er auch wieder vorbei und nun brachen alle Eindrücke ungefiltert über sie herein.
    • Ariadnes Gelübde erfüllte die Luft mit einer Wärme, die den frostigen Mauern von Albathos fremd war. Ihre Worte, ausschweifend und voller Emotion, schienen fast zu lebendig für die distanzierte Natur der albathischen Kultur. Conall lauschte, sich schmerzlich bewusst, dass ihre Versprechen, dem Land zu dienen und Opfer zu bringen, zwar aufrichtig gemeint sein mochten, die emotional geladenen Zeilen jedoch kaum mehr als eine wohl inszenierte Darbietung sein konnten. Er hielt ihr dies jedoch nicht vor - auch seine eigenen Schwüre waren nicht mehr als leere Worte, gesponnen im Netz der politischen Verantwortung. Ein Kuss, das stille Symbol der Zuneigung, blieb aus. In den Zeiten und Traditionen der weißen Festung war es nicht unüblich, auf solch öffentliche Gesten der Intimität zu verzichten. Als ein Land, das konservativ und zurückhaltend in seinen emotionalen Ausdrucksformen war, fand Albathos die Darstellung solcher Verbundenheit unpassend, insbesondere bei einer Angelegenheit wie einer königlichen Hochzeit. Anstelle eines Kusses verließen Conall und Ariadne den Altar, die Arme ineinander gehakt. Sie schritten gemeinsam zur festlich geschmückten Tafel, um sich niederzulassen.

      Das Hochzeitsbankett entfaltete sich zu einer prunkvollen Show, als das neu gekrönte Paar an der langen, mit silbernen Leuchtern und blühenden Sioclas-Bláth dekorierten Tafel Platz nahm. Der Saal, der einst in seiner königlichen Etikette glänzte, verwandelte sich in ein Meer aus Farben, Klängen und Bewegungen. Jongleure in schillernden Kostümen ließen bunte Bälle und brennende Fackeln durch die Luft wirbeln, während ihre flinken Bewegungen die Gäste mit Staunen und Applaus erfüllten. Eine willkommenen Ablenkung von den strengen Blicken und halb geflüsterten Gerüchten, die zwischen den noblen Gestalten ausgetauscht wurden. Musiker, gekleidet in den traditionellen, silbernen Gewändern von Albathos, zogen ihre Bögen über die Saiten alter Fideln, entlockten ihren Instrumenten wehmütige Melodien, die von den hohen Gewölben des Saals hallten. Zwischen den Tischen schlängelten sich Flötenspieler durch die Menge, begleitet vom rhythmischen Klopfen der Trommeln, die den Takt des Abends vorgaben. In synchronen Bewegungen drehten sich die Tänzer, ihre Kostüme zarte Fäden im Wind, während ihre Füße schnelle Schritte auf den steinernen Fliesen des Saals schlugen. Ihre Körper bewegten sich in einer Anmut, als würden sie zu einer älteren, fast vergessenen Melodie tanzen, die tief im Blut von Albathos floss. In einer Ecke des Raumes stand ein Ensemble von Harfenspielerin. Auch ihre Finger glitten sanft über die Saiten. Der Duft von gebratenem Fleisch, frischem Brot und reichhaltigen Torten mischte sich mit dem süßen Aroma von Tine Síoda, dem alkoholischen Nationalgetränk, das eifrig zwischen den Gästen gereicht wurde. „Es muss überwältigend sein“, flüsterte Conall, während er die Menge beobachtete, die sich im lebhaften Strudel um sie herum bewegte. In seiner Stimme schwang ein Hauch von unerwartetem Mitgefühl mit. „Aber sieh näher hin“, fuhr er fort, den Blick immer noch auf die fröhlich tanzenden und lachenden Gäste gerichtet. „Es gibt uns die Möglichkeit, an einem erdrückenden Tag wie diesem einen Atemzug zu wagen.“ Ariadne, entrissen aus ihrer Heimat und in die starren Strukturen von Albathos verpflanzt, trug eine Last, die ihr keiner so recht ansah, der Prinz aber nur zu gut kannte. Er erahnte das stille Ringen in ihren Augen, ein Spiegelbild der Unsicherheit, die er selbst so oft in den dunkleren Nächten zu verbergen suchte. Conall, obgleich von Natur aus reserviert und durch die strenge Hand seines Vaters zur Zurückhaltung erzogen, konnte nicht anders, als die Schwere ihrer Situation zu erkennen. Er wusste, wie es war, unter den Erwartungen und dem Gewicht einer Krone zu stehen, die man nie gefragt hatte zu tragen. Sie war nicht allein in dieser ausweglosen Situation. Aber zumindest war es ein Abend, der die starren Grenzen der Hofetikette durchbrach und für einen flüchtigen, kostbaren Moment die ganze Pracht und Lebendigkeit von Albathos offen legte.

      Als der Abend sich weiter entfaltete, schritt Ciara mit einem entschlossenen Funkeln in ihren Augen auf ihren Bruder zu. „Conall, mir kam da eine herrliche Idee zur Feier des Tages“, sagte sie, ihre Stimme eine Mischung mit dem Unterton von spielerischem Spott. Bevor er Widerstand leisten konnte, hatte sie seine Hand ergriffen und zog ihn sanft, aber bestimmt zur Mitte des Saals. “Was hast du schon wieder vor?” wagte er mit einem misstrauischen Lächeln über seine Lippen kommen zu lassen, bevor die ersten Töne eines gewissen Musikstücks ihm die Antwort offenbarten. Die Musik schwoll dramatisch an, als die ersten Takte des kraftvollen und dynamischen traditionellen Albathos Tanzes - dem Rídansear - durch den Saal hallten. Die Melodie war stark und eindringlich, getragen von tiefen Trommelschlägen und dem scharfen Klang der Fideln. Die Musiker, als wären sie sich der Bedeutung des Moments bewusst, spielten mit einer Leidenschaft, die das gesamte Publikum in ihren Bann zog. Conall, der die Situation, in die seine Schwester ihn brachte, kaum fasste, positionierte sich unter den blendenden Kronleuchtern, gegenüber von Ciara. Ihre Blicke fest ineinander verankert, konnte der Prinz dem Bevorstehenden nur mit Kopfschütteln begegnen. In Albathos wurde der Tanz nicht nur als eine Form der Unterhaltung, sondern als eine grundlegende Fertigkeit betrachtet, die jedes Kind von hohem Rang von klein auf erlernte. Der Rídansear war ein Tanz, der sowohl die Geschichte als auch den Stolz der adeligen Linien verkörperte. Er war ein Bestandteil der Erziehung im königlichen und adligen Kreis. Dieser Tanz wurde von Generation zu Generation weitergegeben, wobei jede Familie darauf bedacht war, ihre Kinder in dieser Kunstform zu unterweisen. Für Conall und Ciara war es mehr als nur eine Darbietung; es war ein Stück ihrer Kindheit und ein symbolischer Ausdruck ihrer Bindung zueinander. Beide hatten diesen Tanz dutzende Male während ihrer Erziehung aufgeführt, zunächst in den privaten Hallen ihres Palastes unter den wachsamen Augen ihrer Lehrer, später bei verschiedenen höfischen Anlässen, die die sozialen Verpflichtungen prägten. Obwohl es Jahre her war, dass sie zusammen in der Öffentlichkeit getanzt hatten, waren die Schritte und Bewegungen tief in ihrem Muskelgedächtnis verankert. Je höher das Ansehen einer Familie war, desto fortgeschrittener und anspruchsvoller wurde der Unterricht. Beide in der Kunst hochqualifiziert, hatten eine fast telepathische Verbindung auf der Tanzfläche, die aus jahrelangem Training und einem tiefen Vertrauen resultierte. Als der Rhythmus einsetzte, begannen ihre Körper, sich in perfektem Einklang zu den kraftvollen Schlägen zu bewegen. Conall, in seiner Rolle als führender Tänzer, zeigte ein überraschendes Talent. Seine Bewegungen waren präzise sowie ein Ausdruck von Kontrolle und Selbstsicherheit. Er tanzte mit einer natürlichen Autorität, die seine königliche Herkunft zum Vorschein brachte - ganz wie man es ihm gelehrt hatte. Ciara, ebenso beherrscht und fokussiert, folgte seiner Führung mit Anmut. Ihr Kleid flatterte um ihre Beine, als sie sich drehte. Der Rock wie Flammen, die bei jedem Schritt zu lodern schienen. Zusammen bildeten sie ein atemberaubendes Duo, ihre Schritte erzählten eine Geschichte von Leidenschaft und Macht. Die Aufführung steigerte sich in ihrer Intensität. Sie bewegten sich fieberhaft, was die Luft um sie herum zu elektrisieren schien. Mit einer spektakulären Hebefigur hob Conall seine Schwester in die Höhe. Ihre Silhouette zeichnete sich gegen die beleuchteten Saaldecken ab. Sie glich einer seltenen Schönheit. Gemeinsam bewegten sie sich über die Tanzfläche, als ob sie die einzigen Menschen in der Welt wären. Schließlich, als der letzte Ton verklungen war, endete der Rídansear mit einem dramatischen Abschluss. Mit einer letzten Pose, in der er seine Schwester triumphierend in einer ausgestreckten Geste hielt, ernteten sie Applaus. Der Schwall, der ihnen entgegenschlug, war ohrenbetäubend. Ein stürmisches Meer aus Klatschen und Jubelrufen, das die Luft erfüllte. Die Geschwister standen einander atemlos gegenüber, ihre Hände noch verbunden, als die letzten Klänge der Anerkennung verhallten.

      Zurück an der königlichen Hochzeitstafel, atmete Conall schwer, während sich Schweißperlen der Anstrengung auf seiner Stirn absetzten. Die Energie der Tanzfläche wich allmählich dem geselligen Treiben der Feierlichkeit. Gerade als sie ihre Plätze erreichten, erhob sich ein enthusiastischer Ruf auf Albathisch aus der Menge: „Ár gceiliúradh!“ – „Unsere Feier!“. Es war ein traditioneller Toast, der die Freude der Anwesenden ausdrückte. Unweigerlich wurde ein Tablett voller Gläser mit dem rubinfarbenen Tine Síoda gebracht. Die Diener verteilten die Gläser an die Gäste, wobei sie sicherstellten, dass auch Conall, Ciara und Ariadne jeweils eines erhielten. Die Gläser funkelten im Licht der Kerzen, und der würzige Duft des Getränks vermischte sich mit der Luft im Saal. Während König Taranis sich erhob, um eine Rede zu halten, sprach er in fließendem Albathisch. Er betonte die Stärke und Zukunft von Albathos und pries die Verbindung der beiden Länder durch diese Hochzeit. „Láidreachtaíonn an nasc seo sinn go léir,“ – „Diese Verbindung stärkt uns alle,“ flüsterte Conall die Übersetzung Ariadne zu, ihr Ohr nur wenige Zentimeter von seinen Lippen entfernt. „Du musst das nicht trinken.“ fuhr er fort, doch kaum hatte er gesprochen, mischte sich Ciara mit einem schelmischen Lächeln auf ihren Lippen, neckend ein. „Kann deine Gattin das nicht selbst entscheiden, Conall?“ Ihre Worte waren spielerisch, doch unterstrichen die Selbständigkeit, die Ariadne mit Conall an ihrer Seite hatte. “Ja. Nein, so hab ich das nic-” noch bevor er den Satz beenden konnte, führte Ciara unter den erneuten Rufen der Gäste die Hand ihres Bruders, welche den roten Trank umfasste, an den Mund des Thronfolgers. Tine Síoda verfügte über ein reiches Aroma, eine Mischung aus Würze der heimischen Kräuter und der süßlichen Schärfe der Frostfeuerblumen. Beim ersten Schluck entfaltete sich ein kräftiger, fast bissiger Geschmack, der die Zunge prickeln ließ und sogleich Wärme in den Körper sandte. Die anfängliche Schärfe mündete anschließend in eine tiefe, honig gleiche Süße. Der Abgang war lang und wärmend, mit einem subtilen Hauch von Rauchigkeit, der an die kalten, langen Winterabende in Albathos erinnerte. “Du scheinst heute meinen Todestag zu planen.” gab der Prinz unter den verzogenen Gesichtszügen bekannt, da ihm das Getränk noch immer in der Kehle brannte.

      Die Hochzeitsgesellschaft begann sich allmählich zu zerstreuen. Die Kerzen brannten niedriger, und der Saal war erfüllt vom leisen Stimmengewirr und dem Klirren von Gläsern. Conall, nun sichtlich entspannter als zu Beginn der Feier, wurde im Laufe des Abends zu einigen weiteren Gläser Tine Síoda aufgefordert. Jedes Glas schien die anfängliche Anspannung ein wenig mehr zu vergessen und brachte ein wärmeren Ausdruck auf seine Gesichtszüge. Während die letzten Gäste ihre Verabschiedungen aussprachen, neigte sich der Abend dem Ende zu. Conall führte Ariadne in Begleitung seiner Kammerdiener aus dem zunehmend leeren Saal. Ihre Schritte hallten auf den steinernen Fluren des Palastes, begleitet von den leisen Murren der Diener, die hinter den Kulissen beschäftigt waren. Trotz des Alkohols war Conalls Verstand klar und das sich langsam abzeichnende Lächeln verschwand mit jedem weiteren Schritt aus seinen Mundwinkeln. Gemeinsam erreichten sie die königlichen Gemächer, eine private Zuflucht vor den Augen der Öffentlichkeit. Die schweren Türen schlossen sich hinter ihnen, und sie fanden sich in der Ruhe ihres neuen gemeinsamen Zimmers wieder. Die Gemächer waren großzügig und luxuriös eingerichtet, die Wände behangen mit feinsten Stoffen und die Möbel kunstvoll geschnitzt. Hier begann ein neues Kapitel. In den gedämpften Schatten ihres Rückzugsorts, wo das flackernde Licht der Kerzen die Wände in ein weiches, goldenes Leuchten tauchte, standen Conall und Ariadne vor einer der tiefsten Traditionen von Albathos – dem „weißen Zeugen“. Dieses helle Tuch, das auf dem massiven Holzbett ausgebreitet lag, sollte als Beweis für die Vollziehung ihrer Ehe und Ariadnes Jungfräulichkeit dienen. Unter dem nur schwach erleuchteten Kerzenlicht herrschte eine angespannte Erwartung. Der Prinz von Albathos, stand scheinbar gefasst da, seine Haltung straff und sein Blick durchdringend. Die Tradition verlangte den Vollzug der Ehe, doch in Conalls Geist wog ein Plan, den er niemandem anvertraut hatte. „Tritt näher“, befahl er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Ariadne trug noch immer ihr Hochzeitskleid, das in den Kerzen ein weiches Schimmern warf. Als sie ihm den Rücken kehrte, entwich Conall ein schwerer Atem, der die Haut der Prinzessin warm striff. Seine Finger erst zögerlich und dann bestimmt, griffen nach den feinen Schnüren ihres Kleides, lösten sie mit Geschick, was jeden ihrer Atemzüge spürbar machte. Sein Herz pochte in seinen Ohren und für einen flüchtigen Moment sehnte er sich die Gläser Tine Síoda zurück. Hätte er doch mehr davon getrunken. „Geh hinter den Paravent und leg dein Nachtkleid an“, sagte er, seine Worte kühl und distanziert, während er sich abwandte, um ihr Privatsphäre zu gewähren. Nachdem sie wieder hervortrat, war ihr Gesicht ein Spiegelbild seiner inneren Unruhe, die er zu verbergen suchte. „Leg dich auf das Bett“, kam sein nächster Befehl, der eher einer festgelegten Choreographie zu folgen schien als einem spontanen Verlangen. Mit zitternden Händen sah er dabei zu, wie sie tat, was von ihr verlangt wurde. Conall, dessen Gesichtsausdruck unleserlich blieb, trat näher, ehe er langsam ihr Kleid bis zu den Hüften hoch schob. Röte zeichnete sich auf seinen Wangen ab, während der Anblick sein Herz in einen hektischen Takt versetzte. Am liebsten hätte er sein Augenmerk von dieser verletzlich und erzwungenen intimen Situation abgewandt. Jeder seiner Bewegungen war sanft, nicht mehr als ein leiser Hauch auf ihrer Haut. “Es wird kurz schmerzen.” warnte der Prinz sie vor, ehe in seiner Hand das kalte Metall einer kleinen Klinge aufblitzte, die er aus seiner Westentasche gezogen hatte. Er setzte einen kleinen Schnitt an einer verborgenen Stelle an ihrem Oberschenkel. Das Blut, deutlich wahrnehmbar gegen ihre blasse Haut, tränkte das Tuch und zeichnete das Ende ihrer jungfräulichen Pflichten vor. In der Stille, die auf die Tat folgte, lag eine schwere, fast greifbare Spannung. Conall hatte nicht nur entschieden, Ariadnes Ehre zu wahren, sondern legte sein Leben in ihre zarten Hände. Was er tat, glich dem Hochverrat. Würde die Prinzessin ein Wort darüber verlieren oder gar dem Königshaus Pendragon einen Bericht erstatten, bedeutete es den Tod des Erben Albathos. Für einen Moment hatte er schwer zu schlucken. Die schwerwiegenden Folgen seiner Handlung wurden ihm plötzlich schwindelerregend bewusst. Ausatmend half Conall der Prinzessin, sich wieder respektvoll zu kleiden. Als sie fertig waren, legte Conall das Tuch sorgfältig zusammen. Kein Wort wurde von ihm gesprochen, doch die Stille sprach Bände.
      A heart's a heavy burden.

    • Es war schon sonderbar, ein Wiederspruch in sich der beinahe amüsieren konnte. So kühl und beherrscht dieses Land, ja sogar jeder Stein dieser Festung war, so kühl und beherrscht das Wesen des Prinzen zu sein schien, empfand die junge Braut die noch sehr flüchtigen Berührungen als lau. Wohlmöglich hatten sie trotz alldem etwas
      Warmes. Und so gab es Hoffnung das auch diese erzwungende Zweckehe von mehr Wärme erfüllt war, wie es zunächst den Anschein machte.

      Auch das Bankett versprach ein lebhaftes sowie ausgelassenes Spektakel zu sein. Dabei war der Saal von so viel Energie gefüllt wie das ganze Jahr nicht. Es war wahrlich mehr ein Fest der Selbstdarstellung und eigener Motive statt eine Feierlichkeit für das Brautpaar. Soviel stand fest. Zwischen der Freude verstummte das leise Gemurmel der fremden Meinungen niemals ganz. Dabei schien keinen der anwesenden Gäste wirklich klar zu sein, das die Prinzessin auf Grund der gemeinsamen Kirche sehr wohl ein paar Brocken ihrer Sprache verstand. Viele Gesichter erkannte die junge Braut nicht. Kaum verwunderlich wenn man bedachte, dass Albathos und sein Trohnerbe nicht mehr für sie war wie eine offizielle Verbannung in feindliches Exil. Nur um mit vollkommener Sicherheit davon ausgehen, Ariadne könne niemals ihr Erbe beanspruchen und den amtierenden König, ihren eigenen Onkel, den Trohn streitig machen. Ab und an streifte ihr sanfter wenn gleich bedächtiger Blick sehr wohl vertraute Gesichtszüge. Neben ihrer Tante erkannte sie einige Menschen welche sie gestern von der Grenze eskortiert hatten. Dabei entgang ihr auch nicht der scharfe Blick mit welchen sie eine Dame bedachte. Sie schien so erbost dabei hatte der Rotschopf kaum ein Wort mit ihr gewechselt. Kam daher ihr Zorn? Oder war es - abermals riss die hübsche Frau ihre tiefgrünen Augen auf. Dieses Mal mehr aus Erkenntnis als aus Schock. Diese nebligen Bilder, kurz bevor die schreckliche Vision klarer wurde, sie zeigen ein anderes Bild. Es war wie die eigentliche Vision eine Warnung gewesen. Ariadne schüttelte stumm ihren Kopf, an diesen Tage, den Tage ihrer Hochzeit, wollte sie den Gedanken keinen Glauben schenken der sich ihr aufdrängte. Ihre roten Spitzen glitten dabei sacht über die schmalen Schultern, verweilten auf der lieblichen Brust und umgarnten die zarten Gesichtszüge. Flüchtig, ohne ihren Kopf zu heben riskierte sie einen Blick zu ihren Bräutigam. War es das? Hatte sie gerade den Grund gefunden weshalb irgendwann eine Blut getränkte Klinge zwischen den frisch vermählten Eheleuten ruhte? Dabei war diese Dame nicht die Einzige, die nur zu gern und mit jeden Mittel den Platz mit der Prinzessin tauschte. Beinahe wär sie noch weiter in ihre Gedankenwelt eingetaucht als der Klang einer befremdlichen und doch vertrauten Stimme sie zurück in die Wirklichkeit holte.
      In den Worten des Prinzen schwang viel mehr Mitgefühl wie bei der Trauung. Was Ariadne ein mildes, wenn auch von Dankbarkeit gezeichnetes Lächeln entlockte. Außer ihren Gelübde war kein einziges Wort über die rosigen Lippen der Braut gekommen. Es wäre heute auch kaum angebracht. Von einer Prinzessin, vor allem von einer Braut und Ehefrau, wurde erwartet zauberhaft auszusehen und ansonsten sich möglichst ruhig zu verhalten. Lächeln und nur sprechen wenn man gefragt wurde. Ohne den Schutz des Tempels war dies für Ariadne am heimischen Hofe schon schwer genug gefallen. Dort wäre ein falsches Wort oder eine falsche Bewegung tödlich gewesen. Doch an den Hofe des kürzlichen Feindes war es eine ganz andere Herausforderung. Wäre es nicht ihre Hochzeit gewesen, die Feierlichkeit welche den nächsten entscheidenden Schritt für den Frieden machte, wäre Ariadne den Neuen noch Befremdlichen mit viel Freude und Neugier begegnet... doch so, so hielt sie sich lieber an die unausgesprochenen Regeln, welche sich so eng um sie schnürten wie ein Korsett welches ihr heute erspart blieb.

      So verging die Zeit nur unglaublich langsam. Doch es war auszuhalten. Noch dazu hatten die ruhelosen Augen der Braut endlich einen sicheren Hafen gefunden. Sehnsüchtig sahen sie dabei zu wie die Finger der Hafenspielerinnen mit einer anmutigen Leichtigkeit die Saiten des prachtvollen, gar himmlischen Instruments zum schwingen brauchten. Wie lang war es her, dass sie nicht mehr spielen durften? Drei... vielleicht vier Vollmonde? Wie gern wäre sie nähr an die Musikerinnen herangetreten oder hätte sich am liebsten gleich dazu gesetzt. Dabei ging es ihr tief in ihren Inneren nicht einmal um die Instrumente selbst sondern viel mehr um das, was sie aufgeben musste um hier her zu gelangen und was sie bis heute nicht betrauern durfte. Jedoch war der jungen Prinzessin wohl bewusst, das jetzt an diesen Abend gänzlich der falsche Zeitpunkt dafür war. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, während sich langsam ihre Nackenmuskukatur spannte und ihre Schultern sich leicht anhoben. Es war der stumme Aufschrei ihres inneren Wesen, wenn gleich eine eigene Ermahnung zur angemessenen Haltung. Wieder schob sie all die Gedanken und Sehnsüchte beiseite. Kaum hatte sie sich wieder zur Besinnung gezwungen, wechselte auch das Wesen der Musik. Takt und Rhythmus verhießen etwas kraftvolleres, einer Dramatik die strengen Regeln folgte. So wie so ziemlich alles in diesem Lande. Während der tänzerischen Zurschaustellung drängt sich in Ariadne die Frage auf ob diese Menschen wirklich nur um des Tanzes willen tanzten oder um ihre Macht zu demonstrieren. Doch wahrscheinlich war es eine merkwürdige Mischung aus beidem. Für den Bruchteil eines Augenblickes kam in ihr der Drang auf selbst aktiv zu werden. Jedoch entschied sich die Rothaarige für den taktisch besseren, wenn auch sehr passiven, Schritt. Still zu sitzen und weiter zu beobachten. Alles was sie hier wahrnahm würde irgendwann von Vorteil sein. Um diese Menschen, ihre Sitten und ihr Land besser einordnen zu können aber auch um genau abzuwegen wer ihr wahrlich Böses wollte. Selbst wenn es so scheinen mochte das sie ein sehr gehhorsames aber unmündiges Kind war. Schwach, zerbrechlich, schützenswert und unfähig etwas allein zu entscheiden. Dabei entsprach dieser Anschein in keinster Weise ihren Charakter.

      Umringt von so vielen Menschen und dennoch spürte ihr Herz die grausame Einsamkeit. Während alle Anderen sich amüsierten, ausgelassen feierten oder ihre Verbindungen stärken kam sich Ariadne so unglaublich verloren vor. Dabei machte es zunächst auch kein großen Unterschied ob ihr angetrauter Gatte neben ihr zu finden war oder nicht. Immerhin waren sie beide noch Fremde die sich heute morgen, vor den Traualtar das erste Mal gesehen hatten. Auch jetzt bot sich nicht so viel Spielraum um sich einander wahrhaftig kennenzulernen. Für alles gab es eine Zeit. Die passende Zeit war einfach nicht jetzt. In ihren Geist war die Bedeutung des Gatten längst vorgedrungen und Ariadne musste die letzten Monate auch genau lernen was von einer Ehefrau erwartet wurde. Für ihr Herz aber, blieb der Prinz ein fremder Mann. Aus ihrer Position im Tempel heraus war es ungewohnt fremden Menschen so nah zu kommen, noch dazu auf diese Weise. Jedoch versuchte die junge Frau all diese Unsicherheiten und die Verlegenheit so gut wie möglich hinter den zarten Schleier zu verbergen. Als man ihr auch noch eines der Getränke vor die Nase stellte wurde der Braut bewusst das es ebenso kaum einen Unterschied machte ob sie hier sahs oder nicht. Natürlich war jeden Gast bewusst für was sie stand doch als Menschen sah sie in diesen Moment tatsächlich niemand. Den Menschen war nicht einmal aufgefallen, dass sie heute weder einen Bissen getan oder einen Tropfen angerührt hatte. Zum einen aus Selbstschutz, zum anderen der Aufregung geschuldet. Dann handelte es sich bei den roten Gebräu auch noch um eine Form des Alkohols. Noch niemals in ihren Leben hatten die sanften Lippen einen einzigen Tropfen davon gekostet. Noch nie hatte sie den Wunsch verspürt es zu versuchen, sich die Sinne zu vernebeln und der Wirklichkeit zu entfliehen. Zudem war es der heiligen Maid aus religiösen Gründen immer verboten gewesen. Die Worte des Prinzen waren daher nur ein willkommener Segen, immerhin legitimierten diese die Ablehnung den sie den Alkohol gegenüber hatte. Sie hatte den Kelch gerade behutsam von sich geschoben, da gesellte sich auch wieder die Schwester des Prinzen zu ihnen. Natürlich mit einer Meinung die sie so gleich kund tat. Wie gern wäre Ariadne aufgesprungen und hätte der Prinzessin ihre Meinung unverblümt entgegengesetzt. Aber dieses Aufbegehren war heute ja gänzlich fehl am Platz. Also holte die Braut nur leise tief Luft und beließ es dabei. Genauso wie die nächsten Kelche die man ihr reichen wollte.

      Irgendwann, weit nach Sonnenuntergang, schien die Welt sich endlich wieder weiter zu drehen. Das sonderbare Treiben war verstummt, alle Köstlichkeiten war abgetafelt und auch die Menschen waren allmählich heimgekehrt. Der Gang und die Erwartungen die der jungen Braut nun bevor stand war wohl einer der schwerste ihres Lebens. Jeder Schritt verlangte ein größeres Maß an Kraft Willensstärke ab. Jeder Atemzug ließ ihr Innersten Erzittern. Das Herz der Rothaarigen wollte ihr beinahe zerspringen. Vorsichtig blickte sie zu ihren Bräutigam auf. Es war schön mit dieser Verpflichtung, dieser Last und dieser Bedeutung nicht allein zu sein. Auch wenn es verlauten ließ, das Ariadne ihn gerade keine wirkliche Stütze sein konnte. Am gestrigen Abend kurz bevor sie zu Bett gegangen waren hatte ihre Tante versucht die junge Dame so gut es ging mit all ihrer Erfahrungen auf die kommenden Stunde vorzubereiten. In der Wirklichkeit hatte die Prinzessin den Schritt von den Fräulein zur Frau allein durchzustehen. Immer wieder suchten ihre Augen nach ihren Vertrauten doch weder Talia noch Lux schien in der Nähe zu sein. Dafür ließen die Kammerdiner ihres Gatten kaum von ihnen ab. Es schien ein wahres Wunder, das sie tatsächlich den Anstand hatten vor den großen Türen zu verweilen und nicht gleich mit hinein zu kommen. Vorsichtig sah sich die Prinzessin in den riesigen Gemach um welches von nun an ihre kleine Oase sein sollte. Ihr persönlicher Rückzugsort und das Heim für ihren Manne und sich selbst. Ihre Augen blitzen freudig auf, als sie in den großen Zimmern eine kleine Truhe stehen sah. Die Verzierungen waren schlicht aber nicht weniger kompliziert. Sie gehörte offensichtlich nicht zu der Standardausstattung des Gemachs. Dafür war sie Ariadne nur all zu bekannt. Also waren Lux und Talia tatsächlich hier gewesen. Als die Gruppe in Chloranthia abgereist war, hatten die Zwei ein großes Geheimnis daraus gemacht was sie dort in aller Heimlichkeit verstaut hatten. Es war wahrscheinlich das einzige Geschenk zur Hochzeit was wirklich für sie bestimmt war. Von Menschen die sie wahrhaftig kannten und liebten. Freude und Neugier verflogen jedoch sehr schnell in Anbetracht der Situation, wiedereinmal war es die Stimme ihres Ehemannes welche sie an die Wirklichkeit erinnerte. Auch wenn seine Worte in diesen Moment viel harscher wirkten als in den Festsaal. Doch trotzdem hatte Ariadne das Gefühl in ihrer Not nicht allein zu sein. Also tat sie wie ihr geheißen wurden. Mit einer gewissen Zaghaftigkeit drehte sie ihn bereitwillig ihren Rücken zu. Es war ein stummer Vorschuss von Vertrauen. Nach der letzten Vision könnte bei so einer Tat schnell ein Messer in ihren Rücken stecken. Ruhig wenn auch nervös ließ Ariadne alles über sich ergehen. Während die Schnüre des Hochzeitskleides immer mehr nachgaben und der leichte Stoff sacht über ihren Körper glitt, legte sich ein rötlicher Hauch über ihre Wangen. Als sie das Kleid behutsam festhielt um nicht sofort entblößt vor ihren Mann zu stehen, bemerkte sie erst mit welcher Kraft ihr Herz gegen ihre Brust hämmerte. Es brauchte einen Augenblick bis ihre grünen Seelenspiegel einen flüchtigen Blick in seine Richtung zu riskieren. Nicht aus Verlangen oder Leidenschaft viel mehr um Sicherheit oder Orientierung zu finden. Was diese Nacht betraf war sie ein unbeschriebenes Blatt, es fehlte an Leitung und Erfahrung. Als die nächste Ansage aus seinen Munde zu vernehmen war, blickte Ariadne den Prinzen für die Zeit einiger Atemzüge an. Anschließend betrachtete sie den Paravent, blickte einige Sekunden wieder zu ihren Gatten und ging dann abermals den Auftrag nach den er ihr gegeben hatte. Sie streifte das Kleid ab und zog sich rasch einige der Blüten aus den Haaren. Gern hätte sie alle herausbekommen, mit solch zitternden Fingern gestaltete es sich ohne Hilfe schwierig. Eilig drehte sie die roten Wellen zu einen halboffenen Zog und striff sich das Kleid über welches dort für sie bereitgelegt wurde. Kaum hatte sie den Schutze des Paravent verlassen bekam sie auch schon die nächste Aufforderung. Alles war genau durchgeplant. Hier hatte nichts mit Liebe, Leidenschaft oder Romantik zu tun. Langsam legte sie ihre zierliche Gestalt auf den Bett mit den weißen Tuch nieder. Dabei entging ihr jedoch nicht, das die Finger des Prinzen genauso zittrig waren wie ihre einigen noch vor wenigen Sekunden. Als sich der Prinz nährte, verschloss sie ihre Augen. Aus den rosigen Hauch war mittlerweile ein rotes Glühen geworden. Ariadne war warm und kalt gleichzeitig, den Schlag ihres Herzens nahm sie kaum mehr wahr auch wenn das laute Dröhnen selbst die Stimme ihrer Gedanken verstummen ließ. Dennoch versuchte sie stumm zu beten. Genau jetzt war der Moment. Still ersuchte sie die Vergebung ihr so innig geliebten Götter. Nur am Rande ihres Bewusstseins war sie im Stande wahrzunehmen wie der Stoff ihres Kleides sacht nach oben geschoben wurde. Ariadne kniff ihre Augen zusammen und hielt die Luft an, bereit ihr Schicksal an zu nehmen. Zuletzt nickte sie zustimmend, während sie wie von ihrer Tante geraten auf einen Finger biss um den Schmerz zu ertragen. Aber der Schmerz den sie versprürte war ..... anders als erwartet. Es war kurz kalt, gefolgt von einen stechenden Brennen welches sie in intensiveren Form bereits gestern Nacht in der Vision vernommen hatte. Ungläubig öffnete die Rothaarige erst eines und dann auch das andere Auge. Flüchtig blickte sie an sich herunter. Doch dieses Bild, so kurz es auch vernommen war brannte sich in ihr Gedächtnis ein. Während Scharm und Verlegenheit ihr Innerstes erfüllten wand eie ihre emeraldgrünen Augen sofort von der falschen Szene ab. Zumindest so lang sie unbedeckt war. Während der Prinz sich den Tuch annahm setzte sich Ariadne nachdenklich auf. Still sah sie aus den Fenster. Schlussendlich stand sie auf und machte langsam einige Schritte zu der Truhe welche sie aus ihrer Heimat kannte. Als sie sich davor niederließ um zu sehen was sich darin befand, bemerkte sie ein Stechen von der gerade erst erhaltenen Wunde. Was ihr ein kurzes Zischen entlockte. Noch immer mit zitternden Händen hob sie den Deckel der Truhe an. Der liebevoll zusammen gestellte Inhalt trieb ihr Tränen der Rührung in die Augen. Darin waren ihre Lieblingsbücher, Samen verschiedenster Pflanzen aus der Heimat, getrocknete Blüten, ein wenig von ihren Lieblingstee, ja sogar ihre Lyra und die persönlichen Schriften. Hauptsächlich Gedichte, Rezepte oder Lieder die sie im Laufe ihres Lebens geschrieben hatte. Ein kleiner Teil Heimat in der Fremde. "....Wie schön." Flüsterte sie als ihre Hand sacht durch ihre Habgüter glitt. Doch auf einmal strich ihre Hand flüchtig etwas warmes, weiches. Ein rötliche Fellkugel welche friedlich träumend zwischen Nüssen und Blättere lag. Erschrocken wisch ihre Hand zurück. Das war wunderbar aber gerade wirklich ein unpassender Moment. "Oh- oh nein..." die Zwei hatten es doch tatsächlich gewagt?! Eilig jedoch so leise wie ihr möglich schloss die Prinzessin die Truhe und setzte sich darauf. Die Aufregung des Moments schlug sich in ihrer Atmung nieder, ein Umstand der sie einen Augenblick inne halten ließ. "Hm?" Jetzt erst fiel ihr auf das sie nun mehr nicht allein war weshalb sie den Prinzen bloß mit einen beschwichtigen Lächeln bedachte. Er war zwar eine ganze Weile mit den Verrat und den Tuch beschäftigt gewesen, dennoch sollte dieser Anblick wirklich befremdlich sein. Ariadne konnte einen Seufzer nicht unterdrücken als sie den Blick ihres Mannes traf. Es war einfach nicht fair sie nun so in einen moralische Zwickmühle zu bringen. Während sie nachdachte und abwog wie sie sich nun verhalten sollte legte sich ihre Stirn kraus. Der Ring an ihren Finger war Zeichen ihrer jetzigen Verbindung. Zeichen ihrer Schwurs. Nun musste sie sich wohl über einiges klar werden. Behutsam ließ sie von der Truhe ab. "Ich... Entschuldigt mich." Mit diesen Worten nahm sie zwei Gegenstände an der Truhe an sich und verließ immer bestimmt werdenden Schrittes das Schlafgemach.

      Sie nahm den direkten Wege zum Haus der Götter. Nicht nur um eine annehmbare Lösung für ihr Dilemma zu finden, auch um etwas klar zu stellen. "Talia, Lux. Ich weiß das ihr hier seid! Kommt raus!" Ihre Stimme war gedrungen. Immerhin wurde im Hause der Götter nicht geschrien. Nicht wenn es keiner rituellen Natur war. "Ich muss mit euch reden und zwar jetzt." Das stumpfe Rumpel im Innenraum verriet wie recht sie mit dieser Annahme hatte. "Ariadne!" Während ihre Freunde sich sichtlich darüber freuten ihr an diesen Tage noch einmal wahrhaftig zu begegnen, bedachte sie die Beiden zunächst mit strengen Blick. Allerdings konnte sie ihre Verärgerung nicht lang aufrecht erhalten. Dennoch fiel sie sofort mit der Tür ins Haus. "Was macht Dazzle hier?" In dem Gesicht des Widdermädchen war zunächst nur Verwirrung zu erkennen. Lux Reaktion auf diese Frage sprach dagegen Bände. "Lux?? Magst du mir da vielleicht etwas sagen?" Der Fuchsjunge schluckte. "Nun... vielleicht?" Was seiner Herrin zunächst eine Augenbraue anheben ließ ehe sie ihn erheblich nähr kam. "Vielleicht, was?" Mittlerweile war auch der Talias Blick verurteilend. "Hey! D-das ist Zwei gegen Einen. Das ist nicht fair." So langsam dämmerte ihn, das er kaum eine Wahl hatte. Das Widdermädchen hingegen fackelte nicht lange. "Rede!" Sie schnappte sich seine Wange und kniff fest hinein. "Er schad mir schein getan." Während Talia der Verständlichkeit halber locker ließ blieb ein roter Abdruck. "Stellt euch doch nur mal vor, dann kommt er dieses Jahr wieder zum Tempel und seine Ziehmutter ist weg. Wenn ihr einen zahmen Eichhorn das Herz brechen könnt bitte. Ich lade diese Schuld nicht auf mich!" Schmollend verschränkte er seine Arme und reckte die Nase in die Luft. "Und vor lauter Mitleid hast du den armen Kerl im heiligen Wald aufgespürt, aus seinen Nest geferscht und in unsrer Truhe für Ariadne eingesperrt, richtig? Das ist weniger grausam?" Talias Worte wahren scharf, zumal sie die Wahrheit waren. "Das... das tut doch gar nichts- ...Viel-Viel wichtiger ist doch, wie... wie wars? Habt ihr?" Der halbe Fuchs hatte seine Frage nicht einmal zuende gestammelt da wurde Ariadnes Gesicht in Sekunden scharlachrot. Was ihn eine Ohrfeige seiner Begleiterin einfing die sich gewaschen hatte. "Das fragt man doch nicht!! Schon gar nicht eine Lady." Hastig drang sich der Rotschopf an den Beiden vorbei. "Ich muss beten." Den roten Fellball legte sie vorsichtig in Lux Hände bevor sie zum Altar schritt um niederzuknien. "Passt auf ihn auf."

      Erst bei den ersten Anzeichen des Morgengrauens erhob sich die Prinzessin wieder. Ein letzter Seufzer, eine letzte Verbeugung. Erst dann wand sich Ariadne leise ab um wieder zurück in ihr Gemach zu schreiten. An diesen Morgen hatte sie Klarheit erhalten mit der sie einen Entschluss fassen konnte. Deshalb hatte sie den Segen der Götter überhaupt ersucht. Und trotzdem... es viel ihr unglaublich schwer dieses Zimmer zu betreten. "G-guten Morgen." Ruhig, mit kontrollierter Atmung begann die Prinzessin in dem Schränken nach ihren Kleidern zu suchen und sich ähnlich wie in der Nacht zuvor hinter den Paravent anzukleiden. Die meisten ihrer Sachen, mit Ausnahme des Hochzeitskleid und dessen Schuhe, waren noch aus der Zeit im Tempel. Für die Verhältnisse in diesen Fremden Land eigentlich gänzlich ungeeignet. Jedoch kam es der Prinzessin falsch vor ihr Hochzeitskleid erneut zu tragen oder gar mit nichts am Leibe herum zu laufen. Daher wühlte sie eine Weile bis sie ein Gewand fand was etwas länger als gewöhnlich und einen dickeren Stoff hatte. "Ich... ich werde nichts sagen." Gerade noch damit beschäftigt die roten Strähnen zu flechten und hoch zu stecken trat Ariadne wieder hervor. Ihre blanken Füße, glitten lautlos über den verzierten Mamorboden bis sie auf den Teppich zum stehen kamen. "Lügen ist auch eine Sünde aber ich... ich habe Euch gestern Loyalität und Treue geschworen. Das habe ich auch so gemeint. Mit jeder Faser meines Seins. Also braucht Ihr Euch nicht zu sorgen das ich jemand etwas verrate."

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    • Im halbdunklen Schein der königlichen Gemächer betrachtete Conall das ausgebreitete Tuch, welches vermeintlich das Symbol für die Vollendung ihrer Ehe stand. Weiß und makellos, bis auf die markante Röte, die nun seine Mitte zierte. Der Prinz stand einen Moment lang schweigend davor, seine Finger streiften fast ängstlich den Stoff, der mit Ariadnes Blut befleckt war. In seinem Inneren rasten die Gedanken wie ein aufgewühlter Sturm. Er wusste um die Schwere seiner Entscheidung, um die Tragweite seiner List, die nicht nur seine Ehre, sondern auch das Leben der Frau, die nun seine Gattin war, auf das Spiel setzte. Die Tat war vollbracht, das Blut auf dem Tuch sollte der sichtbare Beweis ihrer Jungfräulichkeit und somit der Legitimität ihrer Vereinigung sein. Doch während Conall das Stück Stoff betrachtete, kämpfte er mit den Worten, die er finden musste, um seine Handlungen, sollte er je dazu gezwungen sein, zu rechtfertigen. Wie konnte er erklären, dass seine Wahl, trotz der verheerenden möglichen Konsequenzen, eine Tat des Schutzes war, statt des Betrugs? Er war in Gedanken verloren, als er das Tuch sorgfältig faltete. Doch bevor er sich in den Fluten seiner Zweifel verlieren konnte, durchbrach ein plötzliches Geräusch die Stille des Raumes.

      Ariadne, scheinbar aufgewühlt durch den Inhalt der mitgebrachten Truhe, wühlte hektisch in den Gegenständen, die aus ihrer Heimat stammten. Ihr hastiges Umherwirbeln lenkte Conall von seinen Überlegungen ab und verdrängte die Absicht, seine Beweggründe zu erläutern. Während er sie beobachtete, wie sie ihre Hände durch die Andenken ihres früheres Leben wühlten, ließ seine eigene Anspannung einen Moment lang nach. Doch die Zeit für solche Gedanken war vorbei, denn Ariadne setzte sich in Bewegung. Ihre weit aufgerissenen Augen erinnerten ihn an ein verschrecktes Reh, welches zur Flucht ansetzte. „Prinzessin!“, rief er ihr mit Verzweiflung in der Stimme, die sein sonst so beherrschtes Auftreten durchbrach, nach. Er stand einen Moment lang regungslos da. Für einen flüchtigen Moment verlor sich das Dunkelblau seiner Augen im flackernden Schatten des niemals erlöschenden Kamins. Der hämmernde Takt seines Herzens übertönte nahezu die Stille, die erneut im Raum herrschte. Die Anspannung war greifbar, legte sich dicht wie Nebel in die Luft und verschlug dem Prinzen die Sprache. Angst, gespeist von den möglichen Folgen, wenn man sie erspähte, kroch wie ein kalter Schauer über sein Gemüt. Conall kämpfte gegen eine Flut von Emotionen. Mit einem tiefen Seufzen versuchte er, die Schwere von seinen Schultern zu atmen, so wie das Ausblasen einer Kerze. Hastig warf er seine Weste und das Sakko ab, öffnete die Knöpfe seines Hemdes und folgte ihr. Das Tuch in seiner Hand übergab er einem Diener mit der Anweisung, es zum König zu bringen. Conall hinterfragte das letzte Mal, bei dem er in so unsittlicher Aufmachung durch die Korridore des Palastes gehuscht war. Der gewöhnlich so beherrschte Stratege ließ sich nur ungern auf derartige Risiken ein, plante seine Schritte normalerweise mit Bedacht und vermied es, sich unüberlegt in prekäre Lagen zu begeben. Doch der rothaarige Wirbelwind, der nun seine Frau war, ließ ihm kaum eine Wahl. Was mochten die Bediensteten wohl denken, wenn Ariadne so plötzlich und vollständig bekleidet die gemeinsamen Gemächer verließ? Sicher nicht, dass sie die Erben des Thrones unter ihrem Herzen trug. Bei genauerem Nachdenken wäre ihr Kleid eigentlich kein Hindernis gewesen, aber wäre Conall ebenso angekleidet aus ihrem Nest geschlüpft, hätte die List wohl schnell ein Ende gefunden.

      In seiner Hast der Prinzessin zu folgen, erkannte er allmählich, wohin es sie verschlug. Der Schritt des Prinzen mäßigte sich mit der letzten Abzweigung, hinter der Ariadne durch die hölzerne Tür der Kapelle verschwand. Mit Bedacht linste Conall um den Rahmen, ehe er Lux und Talia, die mit gesenkten Köpfen in der Kirche warteten, erhaschte. Er nickte ihnen schweigend zu, bevor er Ariadne die Privatsphäre gab, die sie suchte. Die ganze Nacht hatte er kein Auge zugemacht. Die Sorge, ob sein letztes Stündlein geschlagen hatte, ließ ihn wach im Sessel verharren, während die Schatten der Nacht langsam dem Morgengrauen wichen. Als Ariadne schließlich zurückkehrte, war er bereits wieder auf den Beinen und hatte aus seiner Kammer alles Nötige für die Wundheilung besorgt.

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      Durch Ariadnes späte Rückkehr am Morgen benötigte sie noch einige Zeit mit ihren Kammerzofen, um sich für das Frühstück und die bevorstehende Überfahrt zum Landsitz fertigzumachen. Währenddessen nutzte Conall die wenigen Momente der Ruhe, um allein voranzugehen. In der kurzen Zeit, die sie ungestört waren, versorgte er sorgfältig die Wunde an Ariadnes Bein. Die intime Nähe und die sanften Berührungen, während er die Verletzung behandelte, luden die Luft zwischen ihnen mehr auf, als ihm lieb war. Conall war von Sorgen geplagt, während seine Finger behutsam über ihre Haut glitten. Was hatte Ariadne in der Nacht getrieben? Hatte sie ihren Vertrauten von ihrem Geheimnis erzählt?

      Das Frühstück mit der Familie war von unterdrücktem Tuscheln und gelegentlichen Seitenblicken geprägt. Ciara, immer bereit, ihren Bruder ein wenig zu necken, konnte es nicht lassen, ihn aufzuziehen. „Was hast du nur mit ihr angestellt, Conall? Die Bediensteten munkeln, die Prinzessin sei mitten in der Nacht ins Haus der Geistlichen gerannt.“ Ihr Ton war spielerisch, doch die Besorgnis in ihren Augen war unverkennbar. Conall rollte nur mit den Augen und versuchte, die Sticheleien seiner Schwester zu ignorieren. Sein Herz klopfte unruhig, als er sich fragte, ob Ariadne die Last ihres gemeinsamen Geheimnisses vielleicht doch überfordert hatte.

      Die Überfahrt zum Landsitz begann kurz darauf. Die Kutsche, die sie dorthin brachte, war begleitet von Conalls Kammerdienern und Ariadnes engsten Vertrauten. Die Fahrt über das verschneite Land, vorbei an gefrorenen Wäldern und über zugefrorene Flüsse, bot eine malerische Aussicht, die Conall dazu brachte, für einen Moment all seine Sorgen zu vergessen. Ariadne saß ihm gegenüber, ihre Augen häufig aus dem Fenster gerichtet, und jedes Mal, wenn ihre Blicke sich trafen, spürte Conall eine Mischung aus Schuld und einer seltsamen Form von Scham. „Es wird alles gut“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu ihr, während die Kutsche über das knirschende Eis des zugefrorenen Sees fuhr, der ihren Landsitz umgab. Der Anblick des Eises, das sich wie ein blanker Spiegel unter ihnen erstreckte, faszinierte den Mann noch nach all den Jahren. Der Landsitz, den der Prinz für die Flitterwochen mit Ariadne auserwählt hatte, lag abgeschieden, eingebettet in eine Landschaft, die selbst unter einer dicken Schneedecke ihre Schönheit nicht verlor. Es war das kleinste Anwesen der königlichen Familie, doch seine Bedeutung für Conall war unermesslich. Hier hatte er die letzten glücklichen Tage mit seiner Mutter verbracht, bevor sie starb, als er gerade vier Jahre alt war. Jede Ecke, jeder Winkel des Hauses war erfüllt von diesen kostbaren Erinnerungen, die ihm halfen, sich an sie zu erinnern, an ihr Lachen, das leise durch die Korridore hallte. Das Gebäude selbst war großzügig, aber überschaubar, perfekt für eine Familie von acht Personen, doch nun eine ruhige Zuflucht für zwei. Die Architektur war elegant, aber nicht prunkvoll, mit großen Fenstern, die den Blick auf die umliegenden, schneebedeckten Hügel freigaben. Der wahre Schatz des Anwesens jedoch war der See der es umgab. Eingesäumt von der Kälte trotzenden Vielfalt an roten Blüten auf den zahlreichen Sträuchern und Bäumen glich es einem Kunstwerk. Während der Wintermonate schien der See zu schlafen, seine Oberfläche gefroren und glitzernd unter der Wintersonne. Conall hatte gehofft, dass dieser Ort Ariadne ein Gefühl von Sicherheit geben könnte, weit entfernt von ihrer eigenen, vegetationsreichen Heimat. Die Gärten würden zu einem Meer aus Crimson erwachen, ein kleiner Trost, aber einer, der ihr das Gefühl geben sollte, nicht ganz so weit von allem Entfernten zu sein.

      Conall atmete tief durch. „Es war der letzte Ort, den ich mit meiner Mutter besuchte, bevor sie starb. Ich war damals noch sehr jung, aber die Erinnerungen an jene Tage sind mir geblieben. Es ist ein Ort, an dem ich mich ihr nah fühle, auch wenn viel Zeit vergangen ist.“ Das sanfte Geräusch knirschenden Schnees unter den Rädern füllte den Innenraum der Kutsche. Sie war in weichen, dunklen Stoffen ausgelegt. Eine kleine Öllampe hing von der Decke und tauchte das Innere in ein warmes Licht. Sein Blick fiel kurz aus dem Fenster, bevor er sich Ariadne zuwandte. Ihre Nähe war sowohl beunruhigend als auch unerwartet angenehm. Das Gespräch nahm, wenn auch zaghaft, seinen Lauf. Conall fragte nach ihrer Familie, ihren Bräuchen und was sie am meisten vermisste. Innerhalb der Kutschwände überkam ihn zum ersten Mal das Gefühl, fernab von den Erwartungen des Hofes zu sein.
      A heart's a heavy burden.

    • Was für ein hektischen Treiben, was für ein hastiges Gewusel. Beinah kopflos wirbelten mehrere Frauen um die völlig überrumpelte Rothaarige herum. Ariadne verstand diese Bemühungen nicht so recht, immerhin hatte sie sich bereits angezogen und zumindest für den Morgen hergerichtet. Nun waren die fremden Damen jedoch nur all zu bemüht diese andersartige Prinzessin so weit es ging an die vorherrschenden Standards anzupassen. Kein Detail wurde den Zufall überlassen. Die Stoffe der albathosischen Gewänder mussten wärmen, weshalb sie meist dicker und damit schwerer waren als die, ihrer Heimat. Schicht um Schicht wurde ihr auferlegt ehe man sie in mit einen festen Korsett verschnürrte und mit etlichen Schmuck behing. Sie fühlte sich erdrückt und eingezwängt. Dies fand in diesen Treiben jedoch keinerlei Beachtung. Die Zofen waren gerade dabei mit strengen Griff an ihren Haaren zu zerren, da kam in ihr der Gedanke auf etwas von dieser Last einfach wieder abzulegen nachdem all diese Damen glaubten ihr Werk vollendet zu haben. Die Haarnadeln welche das fließend rote Haar bändigen sollte bohrten sich gerade zu in ihren Kopf. Als versuchten sie auch jeden eigenen Gedanken zu unterbinden. Still und zunächst gefügig ließ sie alles über sich ergehen. Diese Frauen taten nur ihre Arbeit wie es ihnen von irgendjemanden aufgetragen wurde. Ariadne war sich dem durchaus bewusst, weshalb sie Nachsicht walten ließ und sich nicht beschwerte, egal wie sehr die Umwandlung schmerzte. Es fühlte sich an wie eine halbe Ewigkeit bis die Zofen endlich ruhiger wurden und schließlich ganz von ihr abließen. Jede Einzelne machte einen respektvollen Knicks ehe sie sich entfernten. Die großen grünen Seelenspiegel blickten ihnen noch einige Sekunden nach. Mit wachsender Sicherheit, dass sie wirklich weg waren zog Ariadne zunächst die fremden Schuhe aus. Als ihre Finger gerade an den goldenen Verschluss des Schmuckgürtels werkelten, welcher um ihrer Hüfte hing, bemerkte sie aus dem Augenwinkel das edle Bild ihrer Tante. Ohne dass die Rothaarige ein Wort über die vollen Lippen bringen konnte, schloss die Erzherzogin sie in ihre Arme. Nur langsam wand sich Ariadne aus ihren Griff. "Schon... schon gut." Sanft, doch immer bestimmender machte sie sich Freiraum. "Ich brauche dein Mitleid nicht." Es gab ja kaum etwas zu bemitleiden. "Ich habe mich aus freien Stücken dazu entschlossen den Prinzen zu heiraten und ich war mir wohl bewusst, dass sein Körper sein wird sobald er diesen Ring an meinen Finger steckt." Der Ring.... genau diesen Ring der Ariadne unwiderruflich an Prinz Conall band war die letzte Nacht ihr Fels in der Brandung gewesen. Die ganze Nacht hindurch beim beten und auch jetzt in diesem Augenblick drehte sie ihn liebevoll an ihren Finger hin und her. Weshalb das edle Metall und auch der atemberaubende Stein durchdrungen war mit der sanften Wärme der jungen Prinzessin. "Es ist also sein Recht." Marisol seufzte tief. "Das wollte ich doch gar nicht sagen. Doch es fällt mir schwer dich ziehen zu lassen." Ein sanftes Lächeln zierte das Gesicht des Rotschopfs, ehe ihre Augen aus den Fenster in die Ferne glitten. "Ich bin dir wirklich dankbar für deinen Schutz und alles, was du mich gelehrt hast. Aber ich kann jetzt allein gehen. Ich kann und ich muss." Es war beiden Frauen wohl bewusst, dass Marisol sich nicht ewig in den Hallen von Cair Gwyn verweilen konnte. "Nun... es würde den Abschied nur herauszögern doch ich könnte den Essen fern und bei dir bleiben bis wir aufbrechen müssen." Ein helles Lächeln durchbrach den kühlen Ernst der Platinblonden. "Das wird der Krone Albathos sicher nicht gefallen." Doch es ehrte sie sehr, das ihre Nichte dies für ihre gemeinsame Zeit riskierte. Sie brauchte es längst nicht absprechen doch hang ihr Herz an diesen Fräulein wie an einen eigenen Kind.

      In der Kutsche herrschte zunächst wieder diese befängliche Art von Stille. Eine Stille die sich wie ein roter Faden durch die gemeinsame Zeit der jungen Eheleute zog. Sie war geräumig aber Ariadne kam es vor, als würde sie die Beiden mit Beständigkeit zu umschließen. Auf ihren Schoß ruhte eines ihrer Bücher, welches sie mit nach Albathos nehmen durfte. Zuhause, im Tempel des Waldgottes hatte sie es erst bis zu einen Drittel lesen können. Nun umschlossen es ihre Hände sanft. Eine ganze Weile wartet die junge Dame, dass ihr Gegenüber sich gesprächsbereit zeigte oder gar eines beginnen würde. Als dies jedoch nicht Zustande kam, schlug sie ruhig das Buch auf und laß. Allerdings wandten sich die von Chlorophyll getränkten Augen nach einigen Zeilen immer wieder von den vergilbten Seiten ab und sahen zu dem Prinzen herüber. Noch nie in der Zeit am Hofe hatte der Rotschopf einen gemächlichen Blick auf ihn werfen können. Dieser junge Mann, Prinz Conall, ihr... Ehemann verkörperte ein Bild wie von einen kühnen Recken in den alten Sagen. Seine Gesichtspartien waren markant und doch hatten sie feine Züge. Wie von einen Pinselschwung gezeichnet. Scheinbar markellos und rein. Mit den breiten Kreuz und seinen stattlichen Wuchs ... beinah konnte man ihm als sterbliches Abbild eines Gottes hernehmen. Und dann ... waren da noch seine Augen. Zwei dunkelblaue Seelenspiegel mit der unendlichen Tiefe des Ozeans. Während die Prinzessin den Prinzen mit ihren Blick bedachte und abermals überlegte ob sie ein Wort an ihn wand, bemerkte sie kaum wie ihr Herz einen Schlag schneller raste. Sacht öffneten sich ihre rosigen Lippen, ein leichter Lufthauch striff aus ihren Inneren heraus der die Worte in die Welt tragen wollte, doch in diesem Augenblick durchdrang seine Stimme den stillen Schleier. "Was?" Verwundert und völlig perplex hob Ariadne ihre Augenbraue an. Sie verstand nicht ganze worauf der Prinz hinaus wollte. Erst als ihr fragender Blick seine tiefblauen Augen erfassten verstand sie. Sie spiegelten seine Emotionen. Immer einmal wieder wiederholte er diesen einen Satz. Als würde er hoffen, dass er mit jeden Male mehr an seine eigenen Worte glauben konnte, weshalb die Prinzessin diesen Satz fortan mit verständnisvollen Blick und warmen Lächeln begegnete. Der sonst so gefasste Mann wirkte mehr wie ein verunsicherter Junge. Damit kannte sich die heilige Maid jedoch sehr gut aus, immerhin... war eine jede Seele ein mehr oder minder verlorenes Kind der Götter. Die einstige heilige Jungfer war trotz ihren zarten Alter von 17 Jahren bereits unzähligen Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslage begegnet. Ohne dies zu beabsichtigen hatte ihr Gemahl ihr eine leise Unterweisung über die Fülle der Menschlichkeit gegeben. Der Prinz mochte ein Mann mit festen Prinzipien umd Haltung sein, kühl und kontrolliert alle Fäden in der Hand halten können und doch war er auch ein zurückhaltender und eingeschüchterter Junge. Was würde wohl die nächste Seite über ihn verraten?
      Mit besonderer Achtsamkeit legte sie ihr Buch neben sich auf die Sitzbank ehe sie sich vorsichtig erhob und sank seelenruhig in den Fußraum der Kutsche. Ihr rücksichtsvoller Blick stahl sich keine Sekunden aus seinen bangen Augen während ihre Hände fürsorglich einer seiner Eigenen umschlossen. "Jetzt ist alles gut." Antwortete Ariadne ihren Gatten schließlich mit besänftigender Stimme auf den immer gleichen Satz der längst mehr klang wie eine Frage als ein Feststellung. Ihre Hände lösten hingebungsvoll etwas Druck auf die fremde Hand zwischen ihnen aus, erfüllten sie mit ihrer Wärme und gaben ihm jeder Zeit die Möglichkeit sich aus ihnen zu lösen. Als sich das hübsche Fräulein sicher war, das die Anpassung aus der Hand des Prinzen schwand löste sie gemächlich ihren Griff.

      Für einen Augenblick überlegte sie sich aufzuraffen und wieder auf die Bank zu setzten, blieb aber schlussendlich dort und laß ihr Buch. Der Perspektivwechsel war eigentlich ganz interessant. Warum also sofort wieder zurück? Nur weil es eben alle so machen würden? Abermals blickte die Prinzessin immer einmal zu ihrer Begleiter herüber, in der Hoffnung dass alles gut war. Wenn es nötig gewesen wäre, hätte sie Prinz Conall weiter Trost spenden können. Jedoch schien mit vorran fahren der Kutsche auch die Anspannung und die eisige Mauer Stück für Stück weniger zu werden. Mit besselten Lächeln lauschte sie den Worten ihres Mannes, welcher langsam auch immer redseeliger wurde. Erst als er begann ihr jede Menge Fragen zu stellen ohne wirklich einen Atemzug dazwischen zu machen, legte sie das Buch beiseite. Während Ariadne überlegte auf welche Frage sie zuerst oder auf welche sie gar nicht eingehen wollte strich sie sich sorgsam ein paar rote Strähnen hinter ihre Ohren. "Das haben wir gemeinsam. Meine Eltern starben vor gut 15 Jahren bei einen.... Attentat. Deshalb habe ich keine wirkliche Familie, zumindest keine blutsverwandte." Suchend wandten sich die von Chlorophyll erfüllten Augen aus den Fenster. Doch sie fanden die erhofften Gestalten nicht. "All Diejenigen, die ich zu meiner Familie zähle sind entweder hier ganz in der Nähe, im Schloss geblieben oder musste ich bereits im Tempel schon zurück lassen." Langsam erhob sich die Prinzessin wieder und nahm auf der Sitzbank platz. "Wir... wir könnten weiter unverfänglich auf heißen Sohlen tanzen um die Zeit zu vertreiben oder wir nutzen den kurzen Moment der ungestörten Zweisamkeit um ohne fremde Ohren die Wahrheit frei herauszusprechen. Was meint Ihr?" Ariadne seufzte tief. "Also? Soll ich anfangen? Wenn ich alles ehrlich aussprechen könnte, ohne Konsequenzen würde ich euch sagen, dass ich Euch ansehen kann wie mit jeder Radumdrehung die uns weiter vom Schloss fort bringt eine große Last Stück für Stück von Euren Schultern zu rutschen scheint. Es muss wirklich hart sein wenn man immer bemüht ist stehts markellos und gehorsam alle Regel zu erfüllen. Jeden Tag einer Rolle gerecht werden zu müssen die größer ist als man selbst.... die Anstrengungen die es erfordert, das kenne ich nur all zu gut. Doch mein Leben hat so richtig erst begonnen als ich mir das Recht erkämpft habe diese Rolle, wie auch mein restliches Leben, nach meinen Maßstäben zu erfüllen." Diese Last hatte er die letzte Jahre scheinbar ganz allein getragen. Der Gedanke machte sie irgendwie traurig. "Die Menschen im Schloss scheinen alle ihre Probleme damit zu haben, so oft wie gestern lauthals in die Hallen gebrüllt werden musste wie stark man doch sei, in einer Häufigkeit die mich fragen lässt ob hier keine Menschenseele selbst daran glaubt wenn ihr diesen nicht alle paar Minuten verwendet? Oh, davon einmal abgesehen dass alle Gäste stets bemüht waren einer andere Person zu entsprechen indem sie dieser nach den Mund reden oder Honig um den Mund zu schmieren in der Hoffnung ihre eigene Stellung zu festigen oder irgendeinen persönlichen Vorteil draus zu schlagen. Ich glaube außer Eurer Schwester und Euch hat sich dort keiner wirklich amüsiert. Schon seltsam, wenn man bedenkt dass es eine Hochzeit war. Also wenn ich etwas über den albathosischen Adel sagen kann, dann dass ihr ein Maskenspiel wirklich beherrscht. Das scheint auch dringend erforderlich wenn man in diesen Reihen überleben will." Ariadne holte tief Luft und lachte hell. "Verzeiht, ich bin etwas ausgeufert. Aber ich schätze all diese Eindrücke mussten einfach ausgesprochen werden." Sie machte eine kurze Pause. "In Ordnung, wollt Ihr mir etwas sagen? Sprecht ruhig frei heraus, ich ertrage mehr als ich aussehe und... was mich betrifft habe ich schon so ziemlich alles gehört von Lobspreisungen bis Verfluchungen." Sanft lehnte sie ihre Kopf an das kühle Fenster während ihre Augen versuchten die Körpersprache und den Blick des Prinzen zu lesen. War sie da gerade zu weit gegangen?
    • Die Kutsche rollte weiter durch die verschneite Landschaft, während Conall den Worten Ariadnes lauschte. Wie ein unerwarteter Regenschauer prasselten sie auf ihn ein. Ihre Klarheit in der Darstellung ihrer Empfindungen und Gedanken – all das rüttelte an den festen Mauern, die er um sein Inneres errichtet hatte. Conalls Herz schlug einen Augenblick zu schnell, als er die Hand seiner Gemahlin spürte. Seine Muskeln spannten sich unwillkürlich an; so selten war die Berührung einer anderen Person, so ungewohnt, die direkte Nähe. Tief ausatmend unterdrückte er den instinktiven Impuls, sich aus ihrem Griff zu winden. Sie war seine Gattin, erinnerte er sich, und es war ihr gutes Recht, diese Art von Nähe zu suchen. Doch die Wärme ihrer Berührung unerwartet gewähren zu lassen, stand in starkem Kontrast zu dem, was er bisher kannte. Selbst Nuala, stets bedacht in Ihrer Zuneigung, behandelte ihn wie ein gefährliches Werkzeug - mit Vorsicht und dem nötigen Respekt vor einer möglichen Schärfe. Schließlich war er der Prinz - glich einer seltenen Statue, vor deren Fluch man sich fürchten musste. Zumindest trat ihm die Mehrheit so gegenüber. Je mehr sich Conall auf seine Atmung einließ, statt sich seinen Gedanken hinzugeben, umso mehr konnte er sich fallen lassen. Die Wärme ihrer zarten Hände war angenehm, ihre Finger so schmal, dass sie auf seinen rauen Handrücken die eines Kindes ähnlich sahen. Er drehte seinen Kopf, um sie anzusehen, sein Blick ernst, doch in seinen tiefblauen Augen lag ein ungewohnter Glanz. Sein Blick hielt den ihren gefangen. Solch ein strahlendes Grün, wie das ihrer Seelenspiegel, kannte Conall nur aus den Tränken, die er braute. Kein Laub des Sommers nahm je diese Farbe an, zumindest nicht im kalten Weiß von Albathos. Sie schien so unschuldig und rein, doch der Prinz wusste es besser. Der Charakter eines jeden Menschen konnte sich als Gift entpuppen. Er hatte es nur zu häufig beobachten können. Als sie über ihre Vergangenheit sprach, fühlte Conall, wie eine alte Wunde in ihm aufbrach. Das Geständnis der Prinzessin über ihre Vorfahren gewann flüchtig seine volle Aufmerksamkeit. Er kannte den Verlust, die Leere, die der Tod eines geliebten Menschen hinterließ. „Es tut mir leid, von Eurem Verlust zu hören“, sagte er leise, seine Stimme von ehrlichem Mitgefühl getragen. Jedoch verlor er sich wieder in den hell glitzernden Weiten der Natur. Ein Leben ohne Mutter und Vater. Für lange Zeit hielt Conall solch ein Leben für angenehmer, als die einzige liebevolle Figur seiner Kindheit zu verlieren. Die Götter wussten, wie oft Conall verzweifelt um einen Tausch gebeten hatte. Hätte man ihn und seine Geschwister aus den Klauen des Königs befreit, statt die Hoffnung auf ein friedvolles und glückliches Land zu rauben. Die Wege des Universums können grausam sein. Vielleicht hatte er sich deswegen der Wissenschaft zugeschrieben, um in ihr einen Sinn zu sehen. Muster zu erkennen, um sie durchbrechen zu können. Verhindern, was verhindert werden musste. Aber am Ende des Tages konnte keiner die Sterne zähmen, egal wie lange man sie auch am Himmelszelt betrachtete.

      Der Wechsel zu einem offeneren, ehrlichen Gesprächsthema überraschte ihn, riss ihn aus seinen Gedankenspielen. Ariadnes Vorschlag, die Wahrheit zu sprechen, war mutig, vielleicht sogar tollkühn. Für einen kurzen Moment entglitt dem Prinzen sogar die Kontrolle über seine Gesichtszüge. Die Stirn legte sich in Falten und die Brauen formten in ihrer Mitte eine Kerbe des Zorns. Die Wahrheit frei heraus sprechen. Worauf wollte sie hinaus? Würde sie ihm nun gestehen, dass sie ihre Begleiter in die kleine List eingeweiht hatte und deswegen der königlichen Audienz am Morgen fernblieb? Vor Verblüffung entwischte seinen Lippen ein Zischlaut, während die Mundwinkel zu einem verbitterten Lächeln ansetzten. „Die Wahrheit frei herauszusprechen, in einem Land, das von Geheimnissen und Masken lebt, ist riskant. Aber ich schätze Euren Mut“, erklärte er, sein Blick fest auf die vorbeiziehende Landschaft gerichtet. “Doch wenn euch der Hof eines lehren wird, dann dass man nicht allem trauen darf, was man glaubt. Ihr kennt mich nicht. Es ist nur verständlich, in mir etwas sehen zu wollen, mit dem Ihr euch verbunden fühlt. Menschlichkeit zu erhoffen, wo eventuell nur Dunkelheit lauert. Aber habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, wie Euer Leben aussehen mag, wenn Ihr euch irrt? Wenn man euch in die Kälte geschickt hat, um euch langsam beim Erfrieren anzusehen? Den Wölfen zum Fraß geworfen hat, nur um ein noch schwereres Übel zu vermeiden?” fuhr er fort, die Worte mit Bedacht wählend. Der Stratege bewunderte ihre Auffassungsgabe, es gefiel ihm sogar, dass sie ihre Beobachtungen unverblümt teilte. Ein Teil von ihm hasste es jedoch. Er wusste nicht wie, aber der Prinzessin gelang es bereits nach einem Tag, sein Spiel zu durchschauen. Ein Akt, der jahrelang einwandfrei gehegt und gepflegt wurde - ohne ans Licht zu gelangen. Es war beängstigend, wie gut sie ihn in den kleinen Momenten, die den meisten entgangen waren, lesen konnte. Dem musste man Einhalt gebieten. Die Prinzessin könnte sich zu einer größeren Gefahr entwickeln, als ihm lieb war. Wenn es nicht schon zu spät war, würde er den Versuch wagen, ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor sie ihn vollkommen entblößte. Mehr noch schien ihr Pulver noch nicht verschossen. Verdammt! Es war amüsant und schockierend zugleich. Sie fürchtete keine Konsequenzen, fürchtete nicht die Krone und ihren Prinzen. Obwohl Conall es bereute, ihr in der kurzen Zeit die Ehrfurcht - wenn sie denn je vorhanden war - genommen zu haben, konnte er nur lachen. “Fia,” nannte er sie und fuhr mit der Hand dabei kopfschüttelnd über sein Gesicht. “Ihr bewegt euch irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Erklärt eurem Gatten nach einer Nacht, dass das Land und sein Volk schwach sei und alles einer Maskerade entspricht. Ihr traut mir, obwohl ihr mich nicht kennt.” Der tiefe Atemzug, der folgte, spiegelte kaum die Anspannung des Mannes wider. “Ihr wünscht euch, dass ich frei spreche?” Conall beugte sich so weit vor, dass ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. “Verlier nie wieder solche Worte. Teile mit niemandem deine Gedanken, solange ich es dir nicht erlaubt habe. Die Wände haben Ohren, ihre Blicke sind überall und ja, wir maskieren was das Zeug hält, weil es unser Überleben sichert.” Seine Stimme hallte mit dem Unterton eines knurrenden Wolfes. Er pausierte, ließ die Worte im Raum schweben, bevor er hinzufügte: “Also tue mir ein gefallen und sei nicht töricht. Was glaubst du, was geschieht mit einer fremden Prinzessin, der solche Worte nachgesagt werden, in einem Land, in dem sich der Prinz in seinen eigenen Hallen fürchten muss?” Wieder an die Polsterung seiner Bank gelehnt, schien die vorherige Anspannung wie verflogen. “Ihr mögt einer Welt entstammen, in der Wahrheit und freier Wille regieren. Hier gelten andere Regeln. Wir leben einzig und allein, um der Krone zu dienen. Es wurden weitaus wichtigere Personen für durchaus weniger schlimme Worte des Hochverrats verurteilt und geköpft. Ich wünsche, dass Euer Haupt unversehrt bleibt.”

      Seine Worte verfolgten keine bösen Absichten. Conall war es lieber, dass sie ihn fürchtete und hasste, als sich in Gefahr zu bringen. Conall atmete tief durch, suchte nach den richtigen Worten, um das auszudrücken, was er fühlte. „Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der jeder Schritt, jedes Wort berechnet und überlegt sein muss. Das ist die Bürde, die ich trage, das Gewicht meines Namens, meines Blutes.” Die Landschaft draußen zog vorbei, die Schneefelder und gefrorenen Seen. Ein Terrain, so unbarmherzig und schön wie das Leben selbst.
      A heart's a heavy burden.

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    • Ah! Ja! Da war es. Jetzt war der Augenblick. Endlich erkannte Ariadne in ihren Gegenüber wieder lebendige Regungen. Nicht so eingefroren und zwischen der Last der Gegenwart und den Fängen der Vergangenheit versunken. Seelenruhig begann die junge Dame sich die Haarnadel aus ihren Haaren zu ziehen. Wie Wasser was aus einer Quelle entsprang glitten die roten Strähnen wie die Springflut über ihre Schultern, die lediglich Brust und den zarten Rücken, welche Ariadne bein Aufrichten durchdrückte, was ihr noch ein oder zwei Zentimeter Größe einbrachte. Flink wie auch geschickt suchten sich ihre Finger ihren Weg hindurch, legten es wie gewünscht zurecht und bändigten es indem sie geschwind vom Ansatz bis in die Spitzen geflochten wurden. "Mit Nichten. Ich versuche Nichts in Euch zu sehen. Ich ergründe lieber was längst da ist." Was ist durfte sein und was sein durfte, konnte sich wandeln. "Ich bin mir der Tragweite meiner Worte und des Risikos meines Handelns schmerzlich bewusst. Ganz grundlos habe ich nicht so lang mit meiner Meinung hintern den Berg gehalten." Ihre Worte waren bekräftigt von der Kraft ihrer Überzeugung und getrieben von der Stärke ihres Herzens welches in stetigen Einklang mit ihren fließenden Atem schlug. Unterbrochen wurde dies nur von ihren hellen Lachen, welches die Rothaarige an diesen Punkt kaum zurückhalten konnte. "Wieso sollte ich mich fürchten? Meine Feinde sind die Menschen, nicht die Natur. Ich habe keine Angst vor ihren Launen, ich habe keine Angst vor ihrer Schöpfung. Ich bin in ihren Schoß geboren, mit ihr aufgewachsen, habe von ihr gelernt und bin durch sie die Frau geworden die ich bin." Es war faszinierend, lag doch eine warnende Absicht in seinen Worten, wenn gleich es sein Ziel zu sein schien den hübschen Rotschopf zu ängstigen. "Wenn ich Euch so reden höre, scheint es als versucht Ihr einen kleinen Kind mit Schauermärchen das Fürchten zu lehren. Auch wenn ich die Warnung durchaus zu schätzen weiß. Doch ich brauche Euer Mitleid und Eure Sorge nicht." In ihren Blick spiegelte sich der Stolz ihrer Ahnen. Statt verängstigt zurück zu weichen baute sie sich standhaft auf. Wie die Sonne die jeden Tag aufs Neue aufging um über den Himmel zu ziehen. "Ich habe nicht viel was ich verlieren könnte, also kann ich das Risiko eingehen. Aus den Ort den ich liebe, wurde ich entrissen und dort darf ich niemals zurück kehren. Wenn es nach meinen Onkel, den aktuellen König ginge wäre ich im besten Falle bereits auf meiner Anreise hier her gestorben. Oder glaubt Ihr es war Zufall dass sie Prinzessin Chloranthias wenig bewacht und ohne angemessene Gadarobe in die Fremde geschickt wurde? Jetzt wo das Band der Ehe geschlossen wurde, wird von mir erwartet Euch und diesen Reich einen Thronfolger zu gebären und am besten Sterbe ich im Wochenbett. So oder so, wegen meiner bloßen Existenz bin ich eine Gefahr." Für einen Augenblick sammelte sich bittere Wehmut in ihren Augen. "Schade..." seufzte sie leise. "Ihr scheint mich ähnlich zu bemessen. Dabei... schon gut vergesst es." Eine Lektion aus dem Tempel war, das nicht jeder Mensch dem sie begegnete auch wirklich ihre Hilfe erhalten wollte. So schön es wäre die Bürden mit welche man die beiden Königskinder zu fesseln versuchte zu teilen. Die beste Wahl wahr es wohl einfach dafür offen zu bleiben, allerdings nichts der Gleichen zu tun was in diese Richtung belehrend oder drängend wäre.
      Gerade mal 17 Jahre und doch wurde Ariadne nur all zu oft mit den bitteren Ernst des Lebens konfrontiert. Sie konnte selbst auf sich achten und sie konnte für sich einstehen. Sicher sie war jünger als ihr Mann und mit Sicherheit auch emotionaler - jedoch war jeder Schritt wohl überlegt, jedes Wort bedacht und jeder Atemzug entschlossen.
      "Oh nein." Die grünen Augen blitzen im Schein der Öllampe auf, während die schöne Rothaarige ihren Zeigefinger hob um Einspruch zu erheben. "Ich habe mit keiner Silbe behauptet Euer Volk wäre schwach. Nur dass die Menschen im Schloss gut daran täten sich ein Rückrad zu zu legen auf das sie sich berufen können statt den Anderen, größeren Fischen nach dem Speichel zu lecken. Das Volk aber, die Menschen welches dieses Land aufgebaut haben, in den Dörfern leben und den rauen Launen der Natur oder ihres Herrschers ausgesetzt sind - oh ja, ich bin mir sicher sie sind stark. Stärker als so manch ein Schleimer im Schloss." Ihre Aufmerksamkeit war für einige Augenblicke auf die Landschaft jenseits des Fensters gewidmet, was sie erfüllt lächeln ließ. Ja dieses Land war rau, kühl und herausfordernd doch Ariadne sah auch die filigrane Schönheit der verschneiten Hügel und die wärmende Herzlichkeit der Menschen. Es war... fast wie ein Spiegel seines Prinzen. "Verzeiht, aber mein Gatte war so frei die Krone zu belügen und ich habe mich dazu hinreißen lassen zu seiner Komplizin zu werden. Auch wenn es nicht für mein vollstes Vertrauen reicht, ist das Wohl oder Übel genug für ein Pfand." Vielleicht hätte sie den Prinzen ihr vollstes Vertrauen geschenkt, doch da war dieses Vision. Eine stille Warnung der Götter. Sicher mussten sie nicht immer so eintreffen aber es wäre dumm sie einfach so in den Wind zu schlagen. Vor allem in diesen fremden Lande nicht.

      Als der Prinz sich nicht nur näherte sondern sein markelloses Antlitz nur wenige Zentimeter vor ihren Gesicht zum ruhen kam, weiteten sich die Augen der Prinzessin etwas, ganz natürlich zog sich ein rosiger Schleier über ihre Wangen, was Ariadne zu einen tiefen Atemzug zwang. Jedoch wich sie nicht zurück oder machte sonstige Anstalten. Mit neutralen Blick wartete sie ab was nun geschehen würde. Frei in der Position noch immer entscheiden zu können wie sie sich verhalten wollte. Bedacht atmete sie die kühle Luft ein welche seine Worte gerade noch zu ihr getragen hatten, nahm sie tief in sich auf so das sich ihr Brustkorb weit hob und dann gemächlich wieder sank. Ihre Haltung war standhaft, von Mutter Erde getragen und doch hatte sie etwas gütiges. Nicht verurteilend, nicht belerhrend und nicht herausfordernd. Einfach Gedulig, gnädig, gutmütig. Dennoch machte sich Erleichterung in den jungen Fräulein breit als sich ihr Ehegatte wieder entfernte. "Nur weil Ihr mich noch nicht einordnen könnt und eure übrigen Strategie bei mir kaum Wirkung zeigen müsst Ihr mich nicht fürchten. Ihr könntet zur Abwechslung auch einfach einmal mit euren Mustern spielen. Das kann Spaß machen und durchaus erleuchtend sein." Es gäbe so viele Möglichkeiten. Doch statt auch nur eine Einzige davon in Betracht zu ziehen... hatte er es mit den scheinbar vertrauten Spielchen versucht. Jedes seiner weiteren Wort ließ Ariadne ihre Fäuste ballen. Er redete so klug daher als würde er sie oder gar Chloranthia kennen. Jedoch verflog der Ärger schnell als sie sich in ihr Bewusstsein rief, dass dort nur der verletzte Junge sahs. Kopfschüttelnd entließ sie die Wut und suchte abermals den Blick ihres Mannes. "All diese Freiheit mir meine eigene Meinung zu bilden und sie zu teilen mit den Menschen ich für würdig erachte, die Schriften, Menschen und die Natur zu ergründen... all das habe ich mir erkämpft. Es ist ein Teil meines Seins was ich ganz sicher nicht ohne Weiteres ablegen werde. Aber... ich kann und werde eure Warnungen nicht einfach in den Wind schlagen. Wohlmöglich werde ich sie mir sogar zu Herzen nehmen." Die Rothaarige machte eine Pause in der sie ihre Hand auf ihre Brust legte. "Ich weiß für eure Verhältnisse werde ich als emotional gelten aber handle aus bewussten Entscheidungen. Auch ich wiege vorher ab und bin mir deren Konsequenzen durchaus gewahr." Etwas müde von den letzten Stunden machte es sich die Schöne abermals im Fußraum gemütlich. Seelenruhig zog sie ihre Schuhe aus und griff abermals nach ihren Buch. Nachdem sie die Seite angeschlagen hatte, auf der sie zuletzt gewesen war, blickte sie erneut auf. "Nun ... wir Beide, Ihr und ich, sind jetzt verheiratet, zwei Teile eines Ganzen. Meint ihr nicht auch, das wir daher auch ein Teil der Last gemeinsam tragen könnten? Es heißt doch nicht umsonst in guten wie in schlechten Tagen."
    • Ihre Haare, die nun frei über die Schultern fielen, fingen seine Augen. Conall erstarrte für einen Moment. Das Rot ihrer Locken glühte im Licht der hereinbrechenden Sonne und erinnerte ihn an das warme Feuer des heimischen Kamins. In Albathos galt das offene Tragen langer Haare bei Frauen als ein Akt der Rebellion, eine Missachtung der strengen gesellschaftlichen Normen. Sie galten als Symbol der Stärke und Unversehrtheit, reserviert für die Männer, die in den Krieg zogen. Frauen, die nicht kämpften, wurden kurze oder hochgesteckte Frisuren auferlegt, ein Zeichen dafür, dass sie nicht die gleichen Rechte oder den gleichen Status wie die stolzen Krieger besaßen. Er konnte nicht umhin, sich an seine Schwester Ciara und seine Mutter zu erinnern - beide Kriegerinnen, deren offenes Haar im Wind flatterte, während sie in die Schlacht ritten oder wichtigen Strategien nachkamen. Sie hatten das Recht, ihre Haare offen zu tragen und selbst bei ihnen duldete es der König nur mit gerümpfter Nase. Es gefiel ihm, wie die roten Wellen ihr Gesicht umrahmten, und es erinnerte ihn an das wilde, natürliche Schönheitsideal, das seine Mutter so sehr geschätzt hatte. Ein frischer Wind zu den sonst so strengen Gepflogenheiten von Albathos. Doch es unterstrich nur weiter Ariadnes fremde Abstammung. "Es steht Euch," murmelte er, mehr zu sich selbst als zu seinem Gegenüber, "Ihr müsst jedoch vorsichtig sein, Fia. Albathos ist kein Land, das Rebellion leicht nimmt.“ Seine Worte waren leise, fast zögerlich, als befürchtete er, dass sie den fragilen Frieden, der sich zwischen ihnen aufgebaut hatte, stören könnten. Doch es war wichtig, dass sie verstand, wie tief die Traditionen in seinem Land verwurzelt waren. Welche Risiken sie einging. Sein Tonfall war sanft, doch die Sorge war unverkennbar. Er war sich nicht sicher, ob Ariadne jemals bereit sein würde, sich den strengen Regeln von Albathos zu unterwerfen, oder ob sie die Ketten sprengen und ihre eigene Freiheit fordern würde.
      Der eisige Wind, der durch die Ritzen der Kutschen pfiff, spiegelte nur den schwachen Nachklang der frostigen Außenwelt wider. Im Inneren des Prinzen und seinem sonst so kühlen Gemüt, umspülte die Flut ihrer Worte und Taten seine Emotionen. Die Offenheit Ariadnes, ihre Art, ihn herauszufordern, ohne sich dabei ihrer königlichen Würde zu entledigen, ließ ihn unbeholfen zurück. Seine sorgfältig aufrechterhaltene Fassade bekam Risse. Ein Teil von ihm wollte den Schutz seiner Isolation wieder um sich legen, doch ein anderer, kaum erkundeter Teil war fasziniert von der Frische, die sie in sein bisweilen so taktisches Leben brachte. "Mitnichten versuche ich, Euch zu formen," griff er beabsichtigt ihre Formulierung auf, ehe eine kurze Stille zwischen sie fiel, in der die Spannung fast hörbar war, wie das leise Knacken von frischem Schnee unter einem Wanderers Stiefel.

      Während die Kutsche weiter über das knirschende Eis des zugefrorenen Sees fuhr, verlor sich Conall in einem Notizbuch, das er sorgsam zwischen seinem Gewand hervor holte. Das Buch war alt, seine Einbände aus dunklem Leder mit feinen, in Silber eingearbeiteten Verzierungen. Sie stellten mystische Symbole und alte Zeichen dar. Die Seiten waren aus dickem Papier, das die Zeit überdauert hatte. Jede Seite war gefüllt mit detaillierten Kohlezeichnungen – Skizzen von Pflanzen, Tieren und komplizierten Mechanismen. Zeugnisse seiner vielen Stunden in der Stille seines Studierzimmers. Dieses Buch war nicht nur ein Tagebuch seiner Eindrücke, sondern auch ein Versteck eines Mannes, der gelernt hatte, sich hinter einer Fassade der Unnahbarkeit zu verbergen. Die Seiten knisterten leise, als er sie umblätterte, die schwarzen Linien der Zeichnungen standen im starken Kontrast mit dem Weiß des Papiers. Doch heute fügte er etwas Neues hinzu - eine zarte Linie, die den Umriss von Ariadnes Profil nachzeichnete, wie sie aus dem Fenster der Kutsche blickte. Sein Griff um den Kohlestift verstärkte sich, als er ihre Silhouette weiter zeichnete, den sanften Bogen ihrer Nase, die Linie ihres Halses, die Weichheit ihrer Lippen. Eingefangen als ein strahlendes Licht, das zu hell für die dunklen Schatten von Albathos brannte.

      Die Landschaft draußen zog in einem schier endlosen Weiß dahin, während sich Conalls Gedanken in Widersprüchen befand. Ariadnes Worte hallten in ihm nach. „Ihr seid wahrlich ein Sturm. Ungestüm und mit einer Energie, die alles um sich herum verändern kann“, seine Stimme trug eine Ruhe, die das Rattern der Kutsche kaum zu stören vermochte. Unterbrochen nur von seinem Lachen, das, hell und erfrischend, für einen flüchtigen Moment die Last zu lindern schien. Seine Worte flossen nun freier. "Es ist amüsant, ja schockierend zugleich," fuhr er fort, seine Stimme nun weicher, als würde sie das Licht der brechenden Sonnenstrahlen einfangen, "dass Ihr keine Angst vor dem zeigt, was so viele zu fürchten gelernt haben. Ihr kennt den Hof noch nicht. Ihr kennt die scharfen Kanten nicht, an denen man sich allzu leicht schneiden kann." Sein Blick wurde schwerer, bevor er leicht auf seinem Sitz zurecht rückte. „Was die Lasten angeht, die wir als Eheleute teilen...“, begann er, eine Pause einlegend. „Ich bin es nicht gewohnt, meine Bürden zu teilen. Es wurde mir beigebracht, sie allein zu tragen, als Zeichen von Stärke und als Notwendigkeit zum Überleben.” Die Nähe ihrer grünen Augen, die im gedämpften Licht der Kutsche so lebendig wirkten, machte es ihm unerwartet schwer, den Faden seiner Gedanken zu halten. „Aber vielleicht…“ fügte er leiser hinzu. Sein Blick suchte den ihren, als wolle er in ihren Augen lesen, ob sie sein Angebot annehmen würde. „Ich bin nicht der Mann, der leicht vertraut oder leicht liebt. Ich kann euch jedoch ein Bündnis bieten, das auf Respekt beruht. Wenn Ihr bereit seid, mit mir zusammen die Fäden unserer Zukunft zu spinnen, dann sollten wir unsere Masken ablegen, um zu sehen, was darunter zum Vorschein kommt.“ Er streckte vorsichtig seine Hand aus - als Angebot, das sie annehmen konnte, wenn sie wollte. Sein Herz schlug dabei schneller. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte er Hoffnung in sich aufkeimen. Eine, die er fast vergessen hatte. Vielleicht würde ihm Ariadne von größerem Nutzen sein, als er im Vorfeld geglaubt hatte.
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    • Dafür dass Albatros und Chloranthia schon seit gefühlen Jahrhunderten mit einander stritten, schienen die Länder sich in einigen wesentlichen Dingen erschreckend ähnlich zu sein. Dieser neue geforderte und erzwungene Frieden war noch immer eine wahre Herausforderung. Sollte es da nicht wenig möglich sein, dass die beiden Königskinder mit guten Beispiel voran schritten? Immerhin entsprang und fußte er ja auf den Erfolg dieser arrangierten Ehe. Wenn sie bis jetzt keinen Druck auf ihren schmalen Schultern vernommen hatte - dann spürte sie ihn jetzt in diesem Augenblick. Sacht begann Ariadne ein paar der losen Strähnen auf ihren Finger zu rollen, die sonst wie sanfte Küsse ihre Wangen streichelten. Also die Stimme des Prinzen abermals ihre Aufmerksamkeit auf sich zog blickte sie fragend auf, beschloss jedoch seinen Worten keine weitere Bedeutung beizumessen, immerhin schienen sie ohnehin nicht direkt an sie gerichtet zu sein. Als bald jedoch bereits zum zweiten Male dieser merkwürdige Kosename fiel, kam das Rotköpfchen nicht drum rum mit für den Bruchteil einer Sekunde mit den großen Augen zu rollen. Ihr Gegenüber konnte es nicht wissen, doch Ariadne hasste es wenn irgendjemand es wagte ihr einfach die Ketten eines anderen Namen aufzuerlegen. Den Namen mit dem ihre Mutter sie geboren hatte, trug sie mit Stolz. Da es sicher nicht weiter böswillig gemeint war und die Stimmung ohnehin noch immer viel zu aufgeladen war sah sie von einer mündlichen Beschwerde aus vollem Halse ab. Sollte ihr Mann sie so rufen, hieß es ja nicht das ihm seine Frau auch gehör schenkten musste. Zumindest wenn es nach ihren Prinzipien ging. Ihr Leben hatte sie bereits schon vor einige Herausforderungen gestellt und sie viele Lehren ziehen lassen, die Rolle der Prinzessin war für die einstige heilige Jungfer jedoch ein Hauch von Mysterium. Trotz der etlichen Stunden indem man versuchte aus der Tempelmaid mit Eigenwillen einen hübschen wie auch eleganten und vor allem stillen Püppchen mit Krönchen zu machen. ".....Ihr vielleicht nicht. Doch genug Andere versuchten es. Schon seit meiner Geburt bis zu den heutigen Tage." Ein Los was sie wohlmöglich teilten.

      Es dauerte gar nicht mehr all zu lang, da war die junge Dame mit ihrer Lektüre fertig. Während sie im Stillen über das geschriebene Wort philosophierte, wanderte ihr wacher Blick aus dem Fenster wo er sich irgendwo dort fing wo die Bergspitzen in der Ferne den Horizont küssten. ".....Wind der aus den Bergen kommt, bring uns Klarheit...." hauchte sie leise gegen das Glas wo ihre warme Atemluft die Schneeblumen bettete. Tatsächlich schien wie von Zauberhand nach jeden Male eine leichte Windböhe aufzukommen die mit den frischen Schnee tanzte. So schnell wie das Schneegestöber entstand war es jedoch auch wieder verklungen. Als würde Mutter Natur nur tief ausatmen. Jedes Mal brachte dieser Anblick Ariadne zum Lächeln und ihre Augen leuchten mit einer Mischung aus kindlicher Freude und Neugier. So konnte die Prinzessin sich eine ganze Weile beschäftigen, dazwischen rutschte ihre Aufmerksamkeit jedoch immer wieder zu den Prinzen um zu sehen ob er noch immer mit sich uns seinen Notizbuch beschäftigt war. Irgendwann als der Rotschopf lange die Hoffnung aufgegeben und sich mit der Stille sowie der gleichbleibenden Schneelandschaft arrangiert hatte, gedachte ihr Gatte doch wahrhaftig aufs Neue das seine Stimme an sie richten.

      Zunächst lauschte sie geduldigen wie aufmerksam seinen Worten, beobachtete mit Herz, Augen und verstand wachsam seine Taten. Während Prinz Conall bis zum heutigen Tage die eiserne Mauer der Perfektion das Überleben gesichert hatte war es bei Ariadne genau dies. Ihre Ohren aber auch ihren jungen Herzen, mit denen sie gelernt hatte zu richtig hinzuhören. Mit den Augen genau, ja noch genauer hin zusehen ... dabei auch die kleinen Dinge im Blick zu behalten und sich erst dann mit Verstand und Intuition ein Urteil zu bilden, um final eine rechte Entscheidung treffen zu können. Eine Entscheidung zu der sie stand, standhaft wie der eine Baum der ihr so am Herzen lag. Eine Entscheidung deren Konsequenzen sie mit ebenso viel Stolz annahm und eine Entscheidung die sie nicht bereute. In Ylisse, den Tempel Pans und der Erdmutter hatte der Freigeist jahrelang Zeit diese Fähigkeit zu vervollkommen und in einen harmonischen Einklang zu bringen. Sein Lachen aber... was soll hell und klar war, vermochte das Herz der Prinzessin mehr zu berühren als all jedes seiner Worte zuvor. Ariadne lief ein wohliger Schauer, wie warmer Sommerregen über den Leib. Doch ehe es für sie wirklich greifbar wurde sprach er weiter. Für den Bruchteil einer Sekunde erwischte sie sich bei den Wunsch dieses Lachen noch etwas länger zu hören zu können. Bedächtig mit den Anflug einer unerfüllt Sehnsucht blickte da blattgrünen Augenpaar zu den Prinzen auf. Erst nachdem er fertig schien nahm sich die Prinzessin Zeit sich bedächtig auf die Sitzbank zurück zukehren. "Wisst Ihr, Ihr seid wahrlich begabt im Umgang mit Euren Worten. Dies weiß ich als Frau die dem Wort jeder Waffe vorzieht überaus zu schätzen. Allerdings ist mir überaus bewusst, das alle diese Bilder und Ausschmückungen von der wahrhaftigen Aussage ablenken können." Seelenruhig klopften ihre Hände den Rock ihres Kleides ab und zupften es glatt. Schlussendlich hatten die Beiden sich die ganze Kutschfahrt nur um diesen einen Punkt gedreht. Und nun endlich, kurz vor den Ziel schienen sie tatsächlich darüber überein kommen zu können. Abermals begegnet Ariadne den Prinzen mit verständnisvollen Blick und warmen Lächeln. Dann lehnte sich die Rothaarige etwas nach vorn um ihren Ehegatten die Hand entgehen zu strecken wenn gleich sich im nächsten Augenblick lediglich ihr kleiner Finger fest um seinen schlang. "Auf dieser Übereinkunft habe ich gehofft, ...Conall." Es war durchaus heikel, jedoch beschloss sie dass nichts dieses Moment besser besiegelte als sein bloßer Name. Ohne aufgewungene Anrede, abgrenzender Titel oder der Gleichen. Einfach der bloße Name. Nach einige Sekunden verklungen waren löste sie ihren Finger von der Fremden Hand.

      Kurz sah sie nach draußen und seufzte tief. "Scheint so, als müsste ich meine Füße wieder einzwängen." Schuhe waren eines der ersten Dinge welche man der Erhabenen aufgewungen hatte um sie zur Prinzessin machen zu können. Zeit ihres Lebens hatte Ariadne die Welt mit ihren blanken Füßen erkundet. So hatte sie die größten Berge und Bäume erklommen, war über die duftenden Wiesen gelaufen und in die dunkelsten Tiefen getaucht. Schuhe störten in Ariadnes Weltbild nur ihre Wahrnehmung und unterbrachen die Verbindung zur Erde. Schuhe waren die Fessel der Gesellschaft. Neben ihrer Ablehnung, war es schwer für sie vor allem in den Exemplaren mit höheren Absatz zu laufen. Gerade weil die Kleidersäume in Albathos der Witterung geschuldet ohnehin viel länger waren. So war es kaum verwunderlich, dass die junge Dame als sie endlich aus dieser Kutsche aussteigen konnte tatsächlich das Gleichgewicht verlor. Ins Taumeln gebracht versuchte sie rasch ihr Gleichgewicht wieder zu erlangen um sich nicht doch noch auf den Boden wiederzufinden. Unverhoffter Weise fingen sie gerade im rechten Moment zwei starke Arme auf. "Ähm..." in der Prinzessin begann ein Wirbeln der Gefühle als wäre es frischer Schnee der vom Wind erfasst wurde. Ihre Wangen tauchten in einen zart rosigen Ton während sie aufblickte und ihr Gedanke, nein... ihre Befürchtung Gewiss wurde. "...Habt Dank." verlegen huschte ein Lächeln über vollen Lippen Ariadnes. Als sie sich sogleich darauf aus den Armen des Prinzen stahl, blieb ein innerer Teil in ihr unzufrieden zurück. Es war schön aufgefangen... gehalten zu werden, das es jemanden gab auf dem sie wohlmöglich bauen konnte. Da dieser Gedanke jedoch töricht war, schob sie ihn in die hinterste Ecke ihres Bewusstseins zurück. Räuspernd wändete sich der Rotschopf den Empfangskomitee vor den Landsitz zu. Es lag so idyllisch und friedlich vor ihnen als wäre es gerade aus einen langen Schlaf erwacht. Die Sonne neigte sich bereits tief am Horizont als ob sie das Haus mit ihren sanften Strahlen wach zu streicheln versuchte. Ihre Augen suchten zunächst das Vertraute und ihr Herz was noch immer vor Aufregung schneller schlug kam langsam zur Ruhe als sie endlich wieder Talia und Lux in den Getümmel fand. Den Beiden war der kleine Vorfall von gerade offensichtlich nicht entgangen. Mehr noch, sie kannten Ariadne viel zu gut. Also wäre ihre Reaktion nicht spurlos an ihren wachen Augen vorbei gegangen. Ein Umstand der sie beinah mehr beschämte als der Fakt überhaupt ins Schleudern gekommen zu sein.

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    • Worte... Gestohlen aus einem uralten Buch trugen sie durchaus die Kunst der Sprache in sich. Seiten, in denen Welten lebten. Sätze, deren Süße einen trunken machten und nach mehr träumen ließen. Wie Tropfen eines leisen Regens konnten sie sanft fließen, sodass man kaum merkte, wie sie einen durchweichten. Und doch hielten sie mit der richtigen Stimme die Macht inne, Kriege zu führen oder Rebellionen zu entfachen. Wortgewandtheit konnte durchaus einer Waffe gleichen. Nicht jener, eines Kalibers, eher einer subtilen Einschlagskraft - die des Scheins, der Manipulation. Conall besaß durchaus ein Händchen für Wort und Schrift. Viele schenkten ihm Gehör, selbst wenn das Gesprochene in ein Labyrinth aus Wahrheit und Lüge lockte. Was er sagte, klang aufrichtig, auch wenn es das nicht immer war - oder gerade deshalb. Worte waren sein Schwert und sein Schutz zugleich. Eine mächtige Mauer, die mit jeder Silbe höher wurde. Sie schützte das Innere, die zerbrechlichsten Gedanken und Gefühle, die sonst keiner zu erblicken wagte, da niemand dahinter spähte. Etwas, das Banphrionsa Ariadne den anderen voraus hatte. Das Kompliment aus ihrem Munde schmeichelte dem Prinzen, auch wenn ihr Blick hinter den Vorhang Ärger bedeutete. Schon denkbar, dass die Chlorinther klar und unverschleiert wie der weite Himmel waren. Dennoch herrschten auf Albathos andere Gesetze. Schatten und Geheimniskrämerei bildeten das Maß. Es war ihre Unverblümtheit, die überraschte. Jene, die in den Augen der Regenten als Trotz gedeutet werden würden. Ebendiese, die den Mut oder die Frechheit besaßen, den Vornamen des Erbens zu sprechen. Ein Zucken durchfuhr seinen Körper, als er den vertrauten Klang hörte, der doch so fremd war. Die Finger nach wie vor ineinander verankert, wirkten Ariadnes Augen wie unermessliche Tiefen, in denen sein Blau nach Antworten suchte. Vergebens. Erst mit dem Lösen ihres Griffs lehnte Conall in gewohnter Position zurück, während er auf den schmalen Lippen ein sanftes Schmunzeln trug. Begleitet von Kopfschütteln zeigte es halbherzig die weißen Zähne, als wollte der Herr Protest einlegen. Dann, fast unbewusst, biss er sich mit einem hastigen Zug auf die Zunge. Er schwieg.

      Der Moment ihrer Ankunft ließ den Prinzen erschauern. Die vielen Jahre, die seit seinem letzten Aufenthalt verstrichen waren, konnte er nicht länger an einer Hand abzählen. Unendliche Erinnerungen lagen in den Hallen des steinernen Landguts verborgen. Ob er bereit war, diese Bilder erneut aufleben zu lassen? Gleich einem Gemälde stand es da, umrahmt von einem seidenen Teppich aus Weiß. Alte Bäume reckten ihre Äste wie dunkle Finger gen Himmel, jeder Zweig schwer beladen mit funkelnden Eiskristallen, die das Licht der untergehenden Sonne einfingen. Der Frost legte sich fast greifbar über seinen Atem, als hätte der Winter sie mit einem noch kälteren Mantel willkommen geheißen. Der Wind hauchte durch das Tal, brachte den Duft von Kiefern und die süßliche Schärfe der Frostfeuerblume mit sich, die die Haut prickeln ließ. Ariadnes Fußspuren durchbrachen die makellose Decke aus Schnee – klein, wie die eines Kindes, und doch tief genug, um zu verraten, dass es kein Kind war, das hier entlang schritt. Als hätte der Boden unerwartet an festem Halt verloren, kippte das Mädchen zur Seite, doch genau dann, als die Flocken sie umarmen wollten, fing Conall sie auf. Das kaum hörbare Keuchen, als sie nach Luft schnappte, entging ihm nicht. Auch der sanfte Schleier von Rosa, das sich auf ihre königlichen Wangen schlich, blieb nicht unbemerkt. Während die Wärme seiner Hand dem wackeligen Körper halt bot, musste der Prinz beim Aufeinandertreffen ihrer Seelenspiegel räuspern. Unter anderen Umständen hätte er dem Stolpern seines Herzens mehr Beachtung geschenkt. Wenn nicht ungeduldige Augenpaare auf ihnen geruht hätten und den kleinen Vorfall als Spektakel betrachtet hätten, dann… Aber eben nur dann. Zum Hinterfragen blieb ihm keine Zeit. Ein kleiner Schreck steckte dahinter. Nicht mehr, nicht weniger. Nickend grüßte Conall das Komitee, das das Thronpaar empfing. Immerhin eine willkommene Ablenkung, um die lebhaft gefärbten Wangen unter dem strahlenden Grün zu vergessen. Die Anstrengung war jedoch nicht von langer Dauer. Dafür hatte die unerwartete Anwesenheit einer Person gesorgt. Die vermutlich noble Geste des Königs, seine Beraterin den frisch Vermählten zur Wahrung ihrer Sicherheit auf den Flitterwochen zu überlassen, hinterließ einen bitteren Beigeschmack. Womöglich steckten andere Motive dahinter… Ärger, den Conall sich für einen späteren Zeitpunkt aufheben musste.

      Als zwei Bedienstete die schweren Türen aufstießen, umfing ihn die Wärme des Landsitzes. Die Räumlichkeiten unterschieden sich deutlich von denen des Palastes. Sein Inneres bildete einen wohltuenden Kontrast zur eisigen Winterlandschaft, die man bei verschlossenen Toren hinter sich ließ. Der weitläufige Eingangsbereich war von hohen, dunklen Holzbalken unterspannt, deren Schnitzereien nicht nur längst vergangener Tage zeugten, sondern auch von der Kindheit der Prinzen und Prinzessinnen erzählten. Über dem massiven Steinkamin, in dem bereits die Flammen knisterten, hing ein gewaltiges Ölgemälde, das einen grimmig dreinblickenden Ahnen zeigte. Dessen stechende Augen schienen einen selbst aus der Ferne zu durchbohren. Die Luft war erfüllt vom sanften Duft nach altem Pergament, Kaminrauch und einem Hauch von getrockneten Blüten, die in einer Vase aus Porzellan auf einem verzierten Konsolentisch standen. Das polierte Parkett reflektierte das tänzelnde Licht der schwarzen Wandleuchter. Auf der einen Seite führte eine geschwungene Treppe mit verspieltem Geländer in die oberen Gemächer, während rechterhand eine gewaltige Flügeltür in den Salon führte. Conall trat ein und ließ seinen Blick über das Mobiliar schweifen: samtbezogene Armsessel in tiefem Burgunderrot, eine raumhohe Bibliothek mit Büchern in ledergebundenen Einbänden und ein Kronleuchter aus Glas, dessen zahllose Kristalle das Feuerlicht in funkelnde Sterne verwandelten. Eine große Fensterfront, deren Sprossen von rankendem Efeu umwoben waren, offenbarte den Blick auf den verschneiten Garten, in dem die kargen, weiß gepuderten Äste der alten Eichen im Wind zitterten. Der Prinz spürte, wie ihn eine Gänsehaut überfiel. Hier lebten Erinnerungen – und mit ihnen die Unschuld eines Kinderherzens.

      Nach den kräftezehrenden Strapazen der Reise und einer ausschweifenden Führung durch ihr neues Heim bot der Prinz seiner Gemahlin an, sich in eines der Gemächer zurückzuziehen. Die vor Aufregung funkelnden Augen ihrer Begleiter waren ihm seit dem Sturz nicht entgangen – zweifellos hatten sie vieles, das es auszutauschen galt. Dass ihm dies ein Zeitfenster für eigene Dringlichkeiten verschaffte, kam ihm nur gelegen. Dem Eigennutz folgend verabschiedete sich Conall mit einer sarkastischen Verbeugung und einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Die Hallen wurden kurzzeitig von den einsamen Schritten seiner Stiefel erfüllt, doch bald gesellte sich das Klackern eines weiteren Paares hinzu. Wie er vermutet hatte, blieb Nuala nur flüchtig zurück.
      “Was hast du hier zu suchen?” Conalls Stimme glich einem tiefen Grummeln, mühsam im Zaum gehalten.
      “Der König schickt mich-”
      “Natürlich.” Er schnitt ihr das Wort ab, noch bevor sie ihre Erklärung beenden konnte.
      “Werde ich etwa der Lüge bezichtigt?” Der scharfe, protestierende Tonfall der Beraterin ließ ihn abrupt innehalten. Er drehte sich zu ihr um und begegnete ihrem Blick.
      “Ich verlange deine Abreise.”
      “Eure Majestät-”
      “Das ist ein Befehl, keine Bitte!” Seine Stimme wurde schneidend, und die Wut in seinen Augen war unübersehbar.
      „Welche Begründung soll ich dem König vortragen? Dass seine Großzügigkeit, auf die Dienste seiner obersten Beraterin zum Wohle der Zukunftsträger Albathos zu verzichten, von euch zurückgewiesen wird?“
      Conall stieß schwer die Luft aus und wandte sich ab. Es ärgerte ihn maßlos, doch wenn der König ihre Anwesenheit wünschte, brauchte er triftige Gründe, Nuala zurückzuschicken. Ohne eine stichhaltige Erklärung wäre es mehr als auffällig, die gestandene Frau abzulehnen.
      “Ihr seht so anmutig aus, wenn euch etwas widerstrebt.”
      “Zügle deine Zunge, Nuala. Dies ist nicht dein Palast.” Worte der Warnung, die er nicht nur der Beraterin ins Gedächtnis rief...
      A heart's a heavy burden.

    • Die Schritte des Prinzen verklangen, und mit ihnen der letzte Rest von Unruhe, der sich noch in ihrer Brust gehalten hatte. Die Wärme der Halle, das goldene Flackern der Flammen - all das schien sich langsam in ihr auszubreiten, als wäre sie selbst eine von jenen Schneeflocken, die draußen in der Kälte vergingen, kaum dass sie hier den Boden berührten. Das Haus atmete Geschichte. Jedes leise Knarren der Holzbalken klang wie das Murmeln alter Stimmen, jede Steinplatte unter ihren Füßen barg die Erinnerung eines vergangenen Lebens. Ariadne zog den Umhang enger um die Schultern. Noch immer haftete der Schnee an den Säumen ihres Kleides, als habe der Winter selbst beschlossen, sie nicht so leicht gehen zu lassen. Ihre Begleiter waren längst in Gespräche verstrickt, die sie nur am Rande vernahm. Lächelnd nickte sie den höflichen Worten zu, die man ihr darbrachte, und doch lag ihre Aufmerksamkeit längst woanders. Der Geruch von Harz und Feuer zog sie an, lockte sie wie ein leiser Ruf. Sie glitt lautlos durch den Raum, bis sie vor dem Kamin stand. Die Hitze prickelte auf ihrer Haut.
      Ein Windhauch, kaum spürbar, fuhr durch die offenen Flügel des Eingangs und ließ die Flammen tanzen. Sie lächelte bei dem Anblick, leise und in sich gekehrt, als würde sie eine uralte Sprache verstehen, die nur das Feuer sprach. Eine Annahme die mehr Wahrheit in sich trug, als die meisten Seelen dieses Anwesens vermuten konnten. Ihr aufmerksamer Blick hob sich zu dem Gemälde über der Feuerstelle. Die Menschen darauf, mit der starren Haltung und den kalten Augen, mochten wohl Herrscher gewesen sein, doch die Rothaarige fragte sich, ob diese jemals gelächelt hatten. "Wie schwer es sein muss ..." flüsterten ihre Lippen kaum hörbar "...so zu leben, dass selbst dein Antlitz zur Mahnung wird." Ein flüchtiger Gedanke, der sich sogleich wieder verlor, als abermals Schritte den stillen Raum füllten. Die Menschen setzten sich langsam in Bewegung und so leerte sich die ehrevolle Halle allmählich, Stimmen verklangen, und das Knistern des Kamins blieb als einziger Zeuge der Ankunft zurück. Die junge Frau atmete still, fast ehrfürchtig, und spürte, wie sich die Anspannung des Tages langsam von ihren Schultern löste. Doch die Ruhe war trügerisch - sie fühlte sich an, als stünde sie auf dünnem Eis, das jeden Moment zu brechen drohte.

      Man hatte ihr ein Gemach zugewiesen, und mit leisen Schritten folgte sie dem sanften Schimmer der Kerzen, die den Gang säumten. Der Duft von Bienenwachs und altem Holz mischte sich mit der kühlen Atemluft des Winters, die durch die Ritzen der Fenster drang. Die Schatten an den Wänden dehnten sich wie lange Finger, während sie sich ihren Weg durch die Flure bahnte.
      Als sie an einer unscheinbaren Tür vorbeikam, zog etwas sie an — ein kaum wahrnehmbarer Luftzug, als würde der Wind sie rufen. Ein Ruf den die ehemalige heilige Maid folgen musste. "Lux, Talia. Geht schon voraus. Ich brauche noch etwas.... frische Luft." Wieß sie ihre Getreuen an ehe sie jenen Ruf flogte. Der Seitengang war schmal, kaum beleuchtet, doch am Ende öffnete sich ein Bogen aus Stein. Dahinter lag der Innenhof, still und von Schnee überdeckt, in dessen Mitte ein alter Brunnen stand.
      Die Flügel der Nacht hatten sich über das Land gelegt, nur der Mond schimmerte auf der glatten Fläche des Eises. Ariadne trat hinaus. Ihr Atem bildete kleine Wolken, die rasch im Frost zerrannen. Etwas in der Luft flüsterte, eine Erinnerung, ein Mahnmal, ein Echo. Sie wusste nicht, ob sie träumte oder wachte, doch die Welt begann sich zu verändern.
      Die Kälte wurde schwerer, dichter. Die Schatten lösten sich von den Wänden, flossen ineinander wie schwarzer Rauch. Ihre Finger verkrampften sich im Stoff ihres Kleides, als Schwindel sie erfasste. Und dann sah sie es. Diese Bilder, die schemenhafte Mahnung der Götter welche sie ihr abermals in das Gedächtnis riefen. Zuerst verschwommen, wie Nebel, der Formen annahm. Ein Gang - so wie dieser Gang. Der Brunnen, das Licht, der Frost. Nur… anders.
      Dunkelheit kroch herauf, bis die Szenerie sich vor ihren Augen verdichtete. Geräusche. Schritte. Stimmen, die sie nicht kannte.
      Und sie selbst - am Boden.
      Ein gellender Schmerz durchzuckte ihre Seite, als hätte sie jemand wirklich getroffen. Der Atem stockte, der Schrei blieb ihr in der Kehle stecken. Blut - überall Blut, welches ihr warm über ihre zitternden Finger rann, sammelte sich in der Kälte zu kleinen rubinroten Pfützen, in denen sich das Mondlicht spiegelte. Sie starrte auf ihre Hände, die vom Blut durchtränkt waren - und erstarrte. Zwischen ihren Fingern stand eine Klinge. Eine Klinge, deren Griff sie nur allzu gut zu erkennen meinte. Diese markanten und schmuckvollen Verzierungen.... Panisch wich sie zurück, keuchend, suchend nach einem Halt, nach einer Erklärung. Doch alles verschwamm. Der Schmerz, das Bild, die Stimmen. Nur das Gefühl blieb - die lähmende Gewissheit, dass es königlicher Stahl gewesen war, der sie durchbohrt hatte.
      Ein letzter, schneidender Laut, dann Dunkelheit. Als sie aufblinzelte, stand sie wieder im Hof. Der Schnee lag unberührt, der Mond still. Kein Blut. Keine Klinge. Nur ihr rasender Herzschlag, der in ihren Ohren dröhnte wie Trommelschläge aus der Tiefe.
      Zitternd, sanft keuchend stützte sich der Rotschof am Brunnenrand ab. Ihre Finger waren blass, eiskalt, aber frei von jedem Makel. War es nur eine Vision gewesen? Oder eine Warnung? Für einen Augenblick verfing sich ihr trüber Blick aus tiefgrünen Weiten an den Ring an ihren Finger, Ariadnes Ehering.
      In ihrem Innern kämpften zwei Stimmen gegeneinander - die eine, die flüsterte, sie solle vertrauen, und die andere, die schrie, sie solle fliehen. Wie konnte sie jenem Mann die Hand reichen, dessen Schatten sie mit Blut sah? Und doch… in der Erinnerung an sein Lachen lag etwas, das sie nicht losließ. Etwas Sanftes, Echtes – wie ein Lichtschein im Nebel. Die Prinzessin umschloss den Ring fest und legte die Hand auf ihr Herz. Es schlug schnell, unruhig, aber lebendig.
      Vielleicht, dachte sie, war Vertrauen manchmal nichts anderes als Mut, die Wahrheit zu sehen ... und dennoch zu bleiben. Daran wollte sie glauben. Vielleicht war die Warnung auch nur eine Prüfung der Götter, welche sie bestehen musste. Um des Friedens Willen.

      Mit einem letzten Blick zum Himmel kehrte sie um, zurück in die stillen Gänge des Hauses, in dem sich das Schicksal bereits regte leise, wie das Knacken von Eis unter der ersten Morgensonne. Der Weg zurück ins Gemach kam ihr länger vor, als er war. Jeder Schritt hallte zu laut, zu nah, als trüge sie den Nachklang ihrer eigenen Angst mit sich. Noch ehe sie die Tür öffnete, zwang sie sich zu einem tiefen Atemzug. Ihre Finger umklammerten den Griff, als müsste sie erst sicher sein, dass er wirklich fest in der Wirklichkeit verankert war. Als die holde Maid eintrat, empfing sie die vertraute Wärme. Der Duft nach getrockneten Kräutern, Lavendel und dem süßen Rauch des Kamins legte sich beruhigend auf ihre Sinne. Talia hatte bereits das Feuer geschürt, Lux saß halb über den Sessel gelehnt, einen Apfel in der Hand, die Beine locker übergeschlagen.
      Beide hoben gleichzeitig die Köpfe, als die Prinzessin eintrat. "Da bist du ja endlich!" meinte Lux mit einem schelmischen Lächeln, doch in seinem Blick lag ein Funken Besorgnis, den er nicht zu verbergen wusste. "Man hätte meinen können, du wolltest schon den Garten erkunden, bevor der Schnee sich legt." Das Rotköpfchen zwang ein leises Lächeln hervor. "Wie ich schon sagte, ich habe nur... kurz frische Luft gebraucht. Diese Mauern atmen so schwer nach Stein." Ihre Stimme klang ruhig, vielleicht einen Hauch zu ruhig. Sie spürte, wie Talia sie prüfend ansah, diese Art von Blick, die tiefer ging, als ihr lieb war. "Der Tag war lang." sagte Talia schließlich, während sie ihr den Mantel abnahm und über die Lehne eines Stuhls hängte. "Du solltest dich ausruhen. Die Reise, die Ankunft, all die neuen Gesichter… das ist viel, selbst für dich." Ariadne seufzte leise ehe sie sich an das Fenster setzte. "Ihr braucht euch wirklich nicht zu sorgen, ich bin nur etwas erschöpft." Ihre Finger ruhten auf der kalten Glasscheibe. Draußen schneite es wieder, und der Wind trug die Flocken gegen das Fensterglas, als wollte er sie rufen. Ein Zittern durchlief sie, kaum merklich. Für einen Augenblick sah sie wieder Blut – sah die Klinge, fühlte die stechende Kälte in ihrer Seite. Doch sie zwang sich, die Lider zu senken, tief durchzuatmen. Nicht jetzt. Nicht vor den Beiden. Sie durfte sie nicht beunruhigen. Nicht Lux, der sie mit seiner ruhelosen Energie stets zum Lachen brachte. Nicht Talia, die wie eine Schwester über sie wachte und zu viel fühlte, wenn sie litt.
      Und schon gar nicht sich selbst. "Ich dachte, ich hätte dich lachen gehört." sagte Lux irgendwann, während er den Apfel beiseitelegte. "In der Kutsche.Mit ihm. Dem Prinzen.“ Ein kurzer, scheuer Blick traf sie. "War es denn so schlimm?" Ariadne sah ihn an und für einen Moment musste sie wirklich schmunzeln. "Nein. Schlimm nicht." Sie schüttelte den Kopf. "Er ist… anders, als ich dachte. Viel Angepasster. Doch seine Worte… sie haben Gewicht. Manchmal zu viel." Talia trat neben sie, legte eine Hand auf ihre Schulter. "Dann habt ihr vielleicht mehr gemeinsam, als du glaubst." Die Rothaarige senkte den Blick. Ihre Finger zeichneten unsichtbare Muster auf die Fensterscheibe. Ja, vielleicht. Und doch schob sich das Bild der Vision wie ein Schatten zwischen jeden Gedanken. Der Schmerz, das Blut, das erlauchte Schwert… War es eine Warnung der Götter? Oder nur die Angst eines Herzens, das sich nicht öffnen wollte?

      Ihr Atem ging ruhiger, gleichmäßiger. Sie spürte, wie die vertrauten Stimmen ihrer Freunde sie zurückholten – Talia mit ihrer stillen Stärke, Lux mit seinem trockenen Witz.
      Sie lachten kurz über etwas Belangloses, und für einen winzigen Moment schien die Welt wieder heil. Dann, als das Feuer in den Flammen ruhiger brannte, hob Ariadne das Kinn. "Ich habe doch gelernt, die Zeichen zu lesen, nicht sie zu fürchten." sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
      Talia wollte etwas erwidern, doch die junge Prinzessin lächelte nur. In ihr tobte noch immer das Ringen - Hoffnung gegen Angst, Vertrauen gegen Warnung - doch sie hatte beschlossen, es zu bändigen. Sie würde nicht im Schatten eines Bildes leben, das vielleicht nur aus Nebel bestand. Die Götter mochten ihr Zeichen senden, aber das Herz… das musste sie selbst lenken. Mit dieser Gewissheit stand die Rothaarige auf, löste den Schmuck aus ihren Haaren und legte ihn beiseite. Der Schein des Feuers glitt über ihr Gesicht, ließ die grüne Tiefe ihrer Augen für einen Moment leuchten.In der Stille blieb nur ihr Atem, ruhig und gleichmäßig, als habe sie den Frieden in sich selbst gefunden. Sie wusste, dass die Nacht Fragen bringen würde. Doch für diesen einen Herzschlag
      genügte ihr die Gewissheit, dass Hoffnung, so zart sie auch war, noch immer in ihr lebte. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft fühlte sie kein Frösteln mehr ...nur ein ruhiges Pochen in der Brust, das ihr sagte, dass der Weg vor ihr noch nicht geschrieben war.
      Und vielleicht, dachte Ariadne, war das genug: nicht zu wissen, was kommt –
      sondern zu entscheiden, wer sie darin sein wollte.