Maledictio Draconis [CodAsuWin]

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    • Tava war bereit, als sie am Morgen kamen. Sie hob den Kopf an, sodass er weder zu weit oben, noch zu weit unten war, und folgte den Lacerta ohne zu zögern nach draußen.
      Der Platz war noch immer voll, als hätten sich die Leute nicht schlafen gelegt. Wie schon beim letzten Mal führte eine kleine Schneise Tava von der Hütte bis zum Ältesten, aber diesmal war alles anders. Die Stimmung war anders. Die Leute tuschelten nicht mehr miteinander, sie starrten nur noch. Das Feuer brannte noch, aber es war nicht mehr so groß wie am Vortag. Das Interesse an der ganzen Prüfung hatte sich... verschoben.
      Tava ballte die Hand zur Faust um das Tuch zu spüren, das sie darum gewickelt hatte. Das Tuch war fleckig, ihre Hörner glänzten leicht im Morgenlicht. Sie ging aufrecht und selbstbewusst, zeigte diesmal niemandem ihre Hörner. Diesmal musste sie nicht.
      Doch der Mut sank ihr herab und ihr schlagendes Herz raste noch mehr, als sie am Rand der Menge die beiden Männer entdeckte, die sie von allen hier am meisten interessierte. Malleus kniete auf dem Boden, fast schon unterwürfig, den Kopf gesenkt, die Haare in einem vom Wald zerrupften Chaos. War das Blut - Blut auf seiner Schulter? Und Devon, der daneben stand, die Kleider zerfetzt wie von einem Tier - einem Drachen vielleicht? Waren sie von einem Drachen angegriffen worden? Devon blutete - er blutete - und in seinem Blick lag etwas so dunkles, dass Tava davon eine Gänsehaut bekam. Was?, wollte sie ihn fragen und die ganze Zeremonie anhalten, um seine Antwort zu hören. Was ist passiert? Was hast du gesehen? Was habt ihr gemacht? Aber Devon rührte sich nicht und Malleus hatte sie gar nicht erst gesehen. Was ist mit Malleus?
      Die beiden Lacerta schoben sie an, nachdem Tava langsamer geworden war, und dann stand sie auf dem gleichen Fleck wie gestern vor dem Ältesten. Tava musste ihre Aufmerksamkeit willentlich auf den Mann vor ihr richten, um nicht weiter ihre beiden Männer anzustarren. Sie schluckte und legte die andere Hand um ihr Tuch. Ruhe bewahren, zusammenreißen. Alles würde gut werden. Sie würde sie alle retten und dann würden sie von hier verschwinden können. Tava würde das schaffen.
      "Nein", sagte sie laut und deutlich in der Sprache der Lacerta. Dabei sah sie dem Ältesten direkt in die Augen. "Ihr bekommt meine Hörner nicht."
      Es dauerte keine drei Sekunden, bis die Lacerta einschritten. Wie schon am Vortag war es ein unsichtbares Zeichen, auf das hin drei Lacerta sich aus der Menge schälten und auf Tava stürzten. Es war genau wie bei Malleus.
      Doch Tava war darauf vorbereitet. Auf so etwas hatte sie gezählt. Sie wirbelte herum und das Klicken ihres Ringes brachte den letzten Tropfen Öl in dem kleinen Gefäß zum Brennen. Die Flamme leckte sofort an dem öligen Tuch.
      Ihre Hand ging in Flammen auf. Die Lacerta erreichten sie und packten sie. Ihre Arme wurden auf den Rücken gezogen und für einen Moment bekam Tava es mit der Angst zu tun; sie schaffte es nicht. Sie war zu langsam. Sie konnte mit der Schnelligkeit der Lacerta nicht mithalten. Panisch riss sie sich herum und ihre brennende Hand bekam ein Stück Stoff zu fassen. Der betroffene Lacerta ließ einen Moment ab und der Moment reichte ihr, um ihre Hand zu befreien. Sie riss sie nach oben.
      Ihre Hörner gingen in Flammen auf. Das wenige Öl aus dem Ring war kaum genug für Hörner und Tuch gewesen, doch die dünne Schicht reichte aus, um beides für einen Moment am Brennen zu halten. Und solang es erst einmal brannte, brauchte das Feuer nur Brennstoff - von dem es hier genug gab. Tava musste ihm nur genug zum Fressen geben.
      Sie riss die brennenden Hörner herum und stieß sie dem zweiten Lacerta gegen die Brust. Sein Harnisch fing Feuer. Tava wirbelte gleich wieder herum, suchte nach dem brennenden Scheiterhaufen. Dorthin würde sie gehen, dort war sie sicher. Tava würde nicht ohne einen Kampf untergehen.

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    • Noch immer war Devon nicht wieder der, der das Dorf seiner Ahnen betreten hatte. Das überschwängliche Gefühl, seine Beute wieder aufzupäppeln, wohnte stark in ihm. Genau keimte aber ein Funken Irritation in ihm auf. Wieso senkte Malleus den Blick? Es war eine Festivität gewesen, er war Teil eines viel Größerem. Noch verstand der Jäger nicht, welchen Preis er wirklich eingefordert hatte. Also nickte er stumm und stand auf, während sich Nishilia neben Malleus auf den Boden sinken ließ und ihn mit den Augen einer Mutter betrachtete. Im Gegensatz zu Devon sah sie den Schaden, den der Jäger ausblendete. Allerdings sprach sie den Verletzten nicht an, sondern bellte anderen Lacerta Befehle zu, ihr Sachen zu bringen, die sie forderte.
      Das beschaffte Devon Zeit, sich nach Tava umzusehen, die gerade auf den Platz geführt wurde. Er rümpfte die Nase, als ihm ein modriger Geruch die Nasenwurzel zwickte und er nicht genau zuordnen konnte, was das war. Nur, dass ihre Hörner seltsam glänzten, als hätte sie sie extra gewachst, fiel ihm auf. Ein grober Fehler, wie ihm nur kurz darauf bewiesen wurde.
      Das Nein, welches Tava hoch erhobenen Hauptes über den Platz in seiner Sprache verkündete, hätte ihn unter anderen Umständen stolz gemacht. Doch hier, in dieser Situation, glich es dem Unterschreiben ihres Todesvertrages. Ihm waren die Hände gebunden, er hatte es mehrfach vorab angesagt. Und so konnte Devon nur die Zähne zusammenbeißen, als sich gleich drei Krieger auf die kleine Cervidia stürzten und ihr keinen Spielraum für weitere Erklärungen ließen. Tava antwortete, ganz typisch für sie, mit Flammen und Devon fragte sich eine Sekunde lang entsetzt, wie zur Hölle sie an ihren verdammten Ring zurückgekommen war. Die Menge um sie herum kreischte auf, als plötzlich Feuer im Spiel war. Wie eine Fackel brannte Tava lichterloh, was dafür sorgte, dass die noch so friedsame Stimmung auf den Platz plötzlich um hundertachtzig Grad gedreht wurde. Aus freudigem Johlen wurden anklagende Schreie, Lacerta bewegten sich chaotisch durcheinander, als einer der ihnen plötzlich in Brand geriet. Voll Entsetzen sah Devon das Chaos sich verbreiten und ein Trupp von Jägern auf Tava zuhalten, die dem Teufel ein Ende setzen würden. Die scharfen Spitzen von Speeren blitzten auf – eine Reichweite, in der sie vor Tavas Angriffen sicher waren. Während sich einige Lacerta um den brennenden Bruder kümmerten und ihn über den Boden rollten, um das Feuer zu löschen, gingen die nächsten auf Tava los. Blind getrieben flüchtete sie geradewegs auf den mittlerweile fast abgebrannten Scheiterhaufen zu – und direkt hinein.
      Wo andere Lacerta entweder überrascht oder triumphal aufstöhnten, verharrte Devon an Ort und Stelle, die Arme vor der Brust verschränkt. Von seiner Stelle aus sah er zu, wie sich die Cervidia auf dem Haufen ein Wehr errichtete, während die Jäger um den Haufen herum Stellung bezogen. Die Zeit war schließlich auf ihrer Seite, ein jeder von ihnen wusste, dass Feuer nicht ewig aushalten konnte. Spätestens, wenn gegen Mittag der Monsun einsetzte war es um die Opferziege geschehen.
      „Ein Wesen, das nicht brennt. Welch eine Schande“, sagte der Älteste, der sich an Devons Seite gestellt hatte und das Drama seinen Lauf nehmen ließ.
      „Fordere einen anderen Preis von ihr“, verlangte Devon ohne den Ältesten anzusehen.
      „Du weißt, dass das nicht geht. Es wurde gemeinschaftlich festgesetzt, was der Preis ist. Und sie hat abgelehnt. Sie hat ihr Recht verwirkt. Ich dachte, du hast sie darüber aufgeklärt.“
      „Habe ich.“ Devon knirschte mit den Zähnen und fragte sich, wie er überhaupt noch welche haben konnte, so oft wie er in der letzten Zeit schon knirschte. „Ich weiß, dass sie stur ist, aber nicht, dass sie so… so…“ Der Rest ging in einem frustrierten Laut unter. Jetzt hatte er sein Versprechen seinem einen Gefährten gegenüber halten können, während sich die andere freiwillig in den Tod stürzte.
    • Die Flammen umgaben sie und die Welt tauchte in Rot. Alles brannte, der ganze Himmel war von einem Meer aus Flammen erfüllt. Tava spürte das vertraute Adrenalin durch ihren Körper jagen, sie beleben. Aus ihrer Perspektive sah das Feuer so aus, als fülle es den ganzen Himmel.
      Die Flammen waren heiß, unfassbar heiß. Sie blendeten jegliches anderes Gefühl aus, ersetzten ihren Körper mit einer Flammenschicht, die sie völlig vereinnahmte. Ihre Kleider verbrannten und boten für einen Moment Brennmaterial, mit dem die Flammen etwas höher stoben. Es war schwierig zu atmen, aber diesmal nicht unmöglich; die Flammen hafteten ihr nicht im Gesicht, sie nährten sich nicht einmal von ihrem Körper, sondern brannten nur nach oben hinweg, an Tava vorbei. Sie hatte nicht gewusst, ob es funktionieren würde, und einfach vorsichtshalber die Luft angehalten. Dafür wusste sie jetzt, dass es machbar war.
      Die Lacerta waren in Chaos ausgebrochen, aber nicht so lange, wie Tava es sich erhofft hätte. So wie sie auf die drei Krieger vorbereitet gewesen war, waren die Lacerta stets auf einen Kampf vorbereitet und so schoben sich bereits mehr Lacerta heran, ausgerüstet mit Speeren. Tava sah ihnen wild entgegen, der Scheiterhaufen unter ihrem Gewicht knackend und brutzelnd. Noch blieben sie auf Abstand, das Feuer stark genug, um die hölzernen Stäbe ihrer Waffen zu verbrennen, aber ewig würde es nicht brennen. Durch Tavas Kleider hatte es noch einen weiteren Moment erhalten, aber es war über die Nacht bereits beachtlich heruntergebracht. Mit ihrem Wissen über Feuer schätzte Tava die verbliebene Zeit auf eine Stunde, vielleicht weniger. Vorausgesetzt, die Lacerta waren nicht schon losgezogen, um Wasser zu holen. Tava hatte sich mit dem Scheiterhaufen mehr Zeit erkauft, jetzt musste sie sich die Freiheit erkaufen.
      Sie beugte sich hinab und nahm einen brennenden Holzscheit hoch. Das Holz fühlte sich unter ihrer brennenden Hand merkwürdig an und war heiß. Wirklich heiß. Tava war sich unsicher, ob sich ihre Feuerfestigkeit auch auf heiße Gegenstände bezog.
      "Ihr bekommt meine Hörner nicht!", schrie sie über den Lärm hinweg. "Niemand bekommt meine Hörner! Lasst mich gehen und ich werde das Feuer nicht weiter ausbreiten!"
      Sie hielt den Holzscheit wie eine Waffe auf die umzingelnden Lacerta, dann machte sie eine Geste, wie um ihn zu werfen. Das sollte auch ohne Worte verstanden werden.
    • Wo genau hatte Devon versagt, damit die Situation dermaßen eskalierte? Jedes Mal, wenn er den Eindruck gewann, eine Partei sicher im Griff zu haben, stürzte sich die andere Kopf über in die nächste Katastrophe. Zu seiner Seite kauerte noch immer Malleus, von dessen Seite der Jäger eigentlich nicht weichen wollte. Aber vor ihm entfesselte sich gerade die nächste Katastrophe in Form seiner eigentlichen Gefährtin, die scheinbar komplett vergaß, wo sie sich eigentlich befand. Vor seinen Augen bückte sich Tava nach einem brennenden Scheit und hielt es hoch. Ihre Stimme schallte über den Platz, während sich immer mehr Lacerta dem brennenden Haufen feindselig gegenüberstellten. Nur die Krieger mit den Speeren hatten sich um das Feuer aufgestellt, aber alle von ihnen, hunderte Augen, richteten sich ausnahmslos auf Devon, als Tava andeutete, das Feuer auf die umliegenden Hütten ausbreiten zu wollen.
      Devon presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen, als er sich notgedrungen von Malleus‘ Seite lösen und dem Feuer zuwenden musste. Er hatte diese Gefahr in dieses Dorf gebracht. Er hatte jemanden eingeführt, der nicht willens war, seinen Teil zum Stamm und dessen Geheimhaltung beitragen zu wollen. Und jetzt lagen anklagende Augenpaare auf ihm, damit er dafür Sorge trug, dieses Chaos in den Griff zu kriegen.
      „Hey!“, rief Devon zu Tava auf, seine Stimme mindestens so angespannt wie die Haltungen der umgebenen Jäger. „Leg das Scheit wieder weg, Tava!“
      Aber angesichts der Bedrohung, die mit Speeren und der puren Anwesenheit der feindseligen Krieger geschaffen wurde, schien die Cervidia nicht dran zu denken, zu tun, wozu Devon sie aufforderte. Das war der Augenblick, in dem ihm die böse Vorahnung kam, dass sie von ihrer Drohung nicht zurückweichen würde und das Scheit wahrlich werfen könnte. Wenn sie das tat, steckte sie das Dorf in Brand und würde dadurch auch die Kinder in Gefahr bringen. Das war schließlich der Punkt, den er nicht tolerieren würde.
      Mit geballten Fäusten setzte Devon den entscheidenden Schritt nach vorn. Unter seinem Fuß brach das erste Stück verkohltes Holz, mit dem nächsten Schritt nach nächste. Die Hitze schlug ihm so stark entgegen, dass er die Augen zu Schlitzen verengen und dem Reflex widerstehen musste, abwehren die Arme vor das Gesicht zu heben. Beim dritten Schritt trat er auf das erste brennende Stück Holz und er zuckte zusammen, weigerte sich jedoch, zu weichen. Flammen leckten an seinem nackten Fuß, versengten Haut und ließen siedend heißen Schmerz auflodern.
      „Leg das… beschissene Holzstück weg und komm da runter!“, zischte Devon Tava an. Entweder tat sie nun, wie er wollte, oder sie würde ihn eigens in ihr Revier locken, das er nicht überstehen würde.
    • Die Lacerta hatten Respekt vor dem Feuer, aber nicht den, den Tava sich erhofft hatte. Selbst in Angesicht ihres brennenden Projektils wichen die Krieger nicht zurück, dabei war Tava sich ziemlich sicher, dass sie sie verstanden. War es ihnen nur egal? Das konnte nicht sein. Das ganze Dorf war aus Holz gebaut, Feuer musste der größte Feind sein, den die Lacerta haben konnten. Sogar größer noch als die Drachen.
      „Hey! Leg das Scheit wieder weg, Tava!“
      Devon war eine undeutliche Figur hinter der Wand aus Feuer. Tava sah und hörte ihn, aber seine Gestalt verschwand hinter der Reihe der Krieger, die sich um das Feuer aufgestellt hatten. Sah er nicht, dass das Feuer das einzige war, was sie gerade rettete? Sollte sie einfach so aufgeben?
      "Sie kriegen mein Horn nicht!"
      Tava hörte ihre eigene Stimme kaum. Das Feuer war erstaunlich laut, so wie es um sie herum knisterte und waberte. Sie hielt den Scheit in die eine und dann in die andere Richtung, immer zu den Lacerta, die näherzukommen versuchten. Wann sollte sie werfen? Jetzt oder noch warten? Wann würde es zu spät sein?
      Devon setzte sich in Bewegung. Zuerst ging er an den aufgestellten Lacerta vorbei, die ihm bereitwillig Platz machten, und dann ging er noch ein Stück weiter. Und noch weiter. Unter seinen Stiefeln zerbrach rußschwarzes Holz und Tava konnte beobachten, wie das Feuer begierig seine Zungen nach ihm ausstreckte. Ihre Augen weiteten sich und sie streckte eine brennende Hand nach ihm aus, um ihn aufzuhalten. Er würde doch nicht zu ihr kommen, oder?
      „Leg das… beschissene Holzstück weg und komm da runter!“, fuhr er sie an und zuckte vor dem Feuer zurück. Tava zögerte.
      "Ich will mein Horn nicht abgeben."
      Devon sah nicht glücklich aus. Er sah sogar ziemlich böse aus, aber nicht böse auf die Lacerta um ihn herum. Sein Blick war streng genug, um sogar die Flammen zu durchbrechen.
      Tava wurde unsicher. Und als Devon noch einen Schritt zu wagen versuchte, hinein in ein Feuer, das ihn ohne Rücksicht verbrannt hätte, bekam Tava es mit der Angst zu tun. Devon sollte sich ihretwegen nicht verletzen, aber genauso wenig wollte sie ihr Horn abgeben. Nur hatte einer der Gedanken Vorrang.
      "Okay! Okay."
      Sie ließ das Holzscheit fallen und kam an den Rand des Feuers. Die Lacerta bewegten sich, wie um Tava zu empfangen, und Devon machte ihr Platz. Schnell löste Tava sich aus dem Feuer und kam zu ihm, in der vagen Hoffnung, dass er auf ihrer Seite stehen würde. Sicherlich würde er nicht zulassen, dass man ihr das Horn abnahm. Sicher nicht.
      Die frische Morgenluft traf sie in einem eiskalten Kontrast zu dem heißen Feuer. Die verbleibende Wärme in ihrem Rücken war nicht ausreichend, um die vorherige Hitze zu ersetzen und Tava schlang die Arme um ihren Oberkörper. Gleichzeitig wurde sie sich gewahr, dass das Feuer ihre Klamotten gefressen hatte, und bedeckte ihre Brüste. Ohne das Feuer wurde sie wieder unsicher. Wie sollte sie sich jetzt noch verteidigen können? Sie duckte sich hinter Devons große Gestalt.
      "Sag ihnen das, Devon. Sag es ihnen."
    • In seinem Leben hatte Devon mittlerweile einiges an Qualen durchleben müssen. Die schlimmste seelische Pein war der Moment gewesen, in dem er all die kleinen Augen und schließlich Escholons Haut gefunden hatte. Die schlimmste körperliche Pein war da schon schwieriger einzuordnen und zu bestimmen, aber diese hier machte dem ersten Platz gerade gewaltig Konkurrenz. Das Feuer war heiß, so heiß, dass der Schmerz unerträglich wurde. Es stach nicht nur, es fühlte sich an, als würde man seinen Körper und insbesondere seine Füße mit stumpfen Beilen bearbeiten und abhacken wollen. Der sonst so von Instinkten getriebene Lacerta kämpfte mit jedem Fetzen seines Willens gegen genau diesen an, der ihn anschrie, sich aus der tödlichen Hitze zurückzuziehen. Aber das durfte er nicht. Er wusste, dass, sollte er nun weichen, Tava ganz offiziell dem Stamm überließ. Und das würde er mitnichten riskieren. Außerdem musste er sie von ihrer törichten Handlung retten. Also wich Devon nicht zurück, ging sogar noch einen Schritt weiter, ehe er Tavas Einlenkung vage durch das Fauchen der Flammen wahrnehmen konnte.
      Als er Tavas brennende Erscheinung ausmachen konnte, war es um seine Willenskraft geschehen. Rückwärts stolperte er hastig aus dem Feuer und schlug sich so schnell es ging den Körper ab. Die immense Hitze hatte Blasen auf seiner Haut geschlagen und die Stiefel samt dem Leder zerfressen. Hinter ihm versteckte sich Tava, doch das würde er ihr so nicht durchgehen lassen können. Noch dampfend von dem Feuer trat Devon einen Schritt zur Seite. Sein Blick streifte den Ältesten, dessen Blick für viele undeutbar war, so wie er sich gerade das Kinn rieb. Dabei strich er sich über einige seiner Geschichten, die ihm bis an das Kinn reichten. Und da verstand der Jäger den latenten Hinweis.
      Ungefragt streckte Devon seinen linken Arm aus, die Hand erwartungsvoll geöffnet. Dabei hielt er den Blick auf Tava gerichtet mit einer Gewissheit, dass dies wirklich die aller letzte Chance für die Cervidia war, hier lebendig wieder herauszugehen. Tumult machte sich unter den anwesenden Lacertas breit, als sich Getuschel erhob und einer der Soldaten Devon kurzerhand einen Dolch brachten. „Du hast deinen Zoll der Ehrerbietung verweigert. Eigentlich würden sie dich nun töten, weil du den Stamm nicht mehr verlassen wirst und als Fremde hier nicht geduldet wirst. Das hier ist deine letzte Chance.“
      Der Tumult um sie beide herum wurde lauter, als Devon die Faust mit der Klingenspitze gen Boden gerichtet in Tavas Richtung streckte.
      „Du wirst eine Geschichte erhalten. An einer Stelle, die sich nicht verdecken lässt. Wenn du auch das ausschlägst, dann kann ich wirklich nichts mehr für dich tun“, verkündete Devon mit zusammengebissenen Zähnen. Er hasste diese Art der Niederschrift am meisten. Wenn sie nicht aus einem Triumpf oder einer Prüfung, sondern aus etwas anderem hervorging. Nur würde Devon nicht mehr ewig aushalten können. Die Verbrennungen forderten ebenso ihren Tribut von ihm, machten seinen Kopf heiß und dicht, den Puls zu schnell und die Haut schweißnass. Nachdruck lag in seinem Blick, mit dem er Tava zu dirigieren suchte.
    • Die Lacerta waren nicht ruhiger, kaum als Tava das Feuer verlassen hatte. Im Gegenteil, sie schienen noch mehr darauf zu brennen, Tava in ihre Finger zu bekommen, und im Gegenzug versuchte Tava umso mehr, sich in Devons Rücken zu verstecken. Aber Devon ließ sie nicht; er trat einen Schritt beiseite und streckte die Hand nach einem Nebenmann aus. Zu Tavas größtem Entsetzen legte der ihm ein Messer hinein.
      „Du hast deinen Zoll der Ehrerbietung verweigert", sagte Devon zu ihr, die Stimme eiskalt. Es war unmöglich zu erkennen, was er von dem ganzen hier hielt. Ob er enttäuscht war, dass sie sich gewehrt hatte? Aber sie konnte ihnen ihr Horn nicht überlassen, das war unmöglich! Konnte er das nicht einsehen?
      "Eigentlich würden sie dich nun töten, weil du den Stamm nicht mehr verlassen wirst und als Fremde hier nicht geduldet wirst. Das hier ist deine letzte Chance.“
      Nervös rieb sich Tava die jetzt kalte Haut. Ihr Blick huschte über die Lacerta und blieb zum Schluss an Malleus hängen. In der ganzen Zeit hatte der Mann sich noch immer nicht gerührt. Verzweifelt wünschte sie sich, dass er sie anschauen möge, dass wenigstens einer hier zeigte, auf ihrer Seite zu sein.
      Devon hielt Tava das Messer entgegen, die Spitze gegen den Boden gerichtet. Sie sah ihm wieder in die Augen.
      „Du wirst eine Geschichte erhalten. An einer Stelle, die sich nicht verdecken lässt. Wenn du auch das ausschlägst, dann kann ich wirklich nichts mehr für dich tun."
      An einer Stelle, die sich nicht verdecken lässt. Was sollte das bedeuten? Tava war nackt - sollte es ein Trick sein? Wollten sie ihren ganzen Körper mit "Geschichten" überziehen? Aber das würde sie mit einem Umhang verdecken können. Was dann, auf der Hand? Im Gesicht?
      Sie wusste die Antwort nicht, konnte sie auch Devons Blick nicht entnehmen, aber eine Sache wusste sie sehr gut: Sie würde tausend Geschichten vorziehen, bevor sie auch nur ein Horn abgeben würde.
      "Okay, ja okay, ich mach's. Ich stimme zu."
      Sie war nicht weniger nervös als vorhin, aber wenigstens konnte sie mit Erleichterung feststellen, dass es nicht mehr um ihre Hörner ging. Das war schließlich alles, was sie hatte erreichen wollen.
    • Der Dorfplatz verwandelte sich in flammenes Inferno. Mit stolzerhobenen Hörnern und wilder Entschlossenheit suchte Tava ihr Heil in den Flammen. Mit vor Schreck geweiteten Augen, aber unfähig sich zu rühren, sah Malleus zu. Er hatte keinen Blick für die brüllenden Lacerta, die sich über den Boden rollten und gegenseitig versuchten das Feuer auf ihrer Kleidung zu ersticken. Die Ekstase einer erfolgreichen Jagd machte Platz für etwas Wildes, etwas Gefährliches.
      Männer und Frauen, bereit ihr Heim bis aufs Blut zu verteidigen, starrten zu Tava.
      Malleus sog scharf die Luft ein, denn Tava, die wie eine brennende Göttin im Feuer thronte, bedrohte das Dorf und damit alle seine Bewohner. Aufgewirbelte Funken stoben durch die Luft der frühen Morgenstunden, gelockerte Holzscheite lösten sich unter dem Gewicht von Devon, der sich todesmutig und ungeschützt mitten in die Flammen begab. Er wusste, dass der Anblick etwas in ihm auslösen sollte, aber die Taubheit, in Körper und Geist, hielt ihn festumschlungen.
      Die Hitze breitete sich aus und die Verzweiflung der Lage traf einen bereits verwundeten Nerv. Dennoch blieb Malleus nichts anderes übrig, als mit Nishilia zurückzuweichen. Weil ihm seine Beine nicht gehorchen wollte, zerrte die Lacerta ihn mit einem erstaunlich kräftigen Griff nach hinten. Malleus schlug hörbar die Zähne aufeinander, so heftig, dass ihm der Aufprall unangenehm scharf durch die Schläfen fuhr. Der gequälte Stöhnen schaffte es kaum durch die zusammen gepressten Lippen. Es konnte kaum ein Meter gewesen sein, doch sein Kopf sackte mit schweißnasser Stirn nach vorn auf seine Brust.
      Eine Hand drückte sich gegen sein Brustbein, stabilisierte den Mann, der hektisch blinzelte um bei Besinnung zu bleiben. Malleus' Finger zuckten im plattgetrampelten Sand des Dorfplatzes, aber er schaffte es nicht, sie zu heben um Nishilias Hand von seiner Brust zu schieben. Das musste er auch nicht. Nishila gab ihn frei, als die Gefahr gebannt war. Das unausgesprochene Verständnis zwang ihn dazu den Blick zu senken. Als die Welt aufhörte, vor seinen Augen zu tanzen, fand sein Blick den Weg zurück zu Tava und Devon. Durch die Unruhe verstand er kaum ein Wort, doch er fing den Ausdruck ins Tavas Augen auf.
      Und vermutlich ganz zum Horror der Cervidia schüttelte Malleus ganz sachte den Kopf.
      Er konnte ihr nicht beistehen, ihr nicht helfen.
      Dieses Mal nicht.
      "Okay, ja okay, ich mach's. Ich stimme zu.", drang es auch zu Nishilia und Malleus herüber.
      Letzterer stieß den angehaltenen Atem aus. Endlich wurde es ruhiger, wenn auch die aufgeheitzen Gemüter nicht ganz abkühlen wollten. Tava hatte das Dorf bedroht. Er glaubte nicht daran, dass die Lacerta von Tel'Aquera das schnell vergessen würden.
      Inzwischen hatten sich andere Lacerta vorsichtig heran gewagt. Sie legten Nishilia die mitgebrachten Gegenständen zu Füßen. Verbände, kleine Tigel, eine Schüssel mit Wasser und durchtränkten Tüchern. Stumm sah die Frau, die wie eine Mutter für Devon war, ihn an und...wartete. Malleus senkte den Blick zu Boden, ehe er den ersten Arm langsam anhob und ihn Nishilia hinhielt.
      Und während sich alle Augen auf Devon und Tava richtete, wusch Nishilia vorsichtig Dreck und Erde von seiner Haut, pickte kleine Steinchen aus den Schürfwunden an seinen Unterarmen, den Ellenbogen, den Handflächen. Wenn seine Atemzüge zu harsch und das Zucken sich in einen unnkontrollierten Tremor verwandelte, machte sie eine Pause. Nishilia ließ ihn atmen bis er ihr das Zeichen gab weiterzumachen. Sie versorgte die Wunde, die er der Raubkatze zu verdanken hatte und die ihn, ein paar Zentimeter weiter zur Seite, wohl das Leben gekostet hätte. Die Bisswunde von Devon hatte aufgehört zu bluten und doch färbte sich das Wasser in der Schüssel schnell mit dunklen, rosanen Schlieren.
      Malleus sah es in Nishilas Augen. Dieses Mal würde nicht verschwinden, es war zu tief und zeugte von einer Verbindung, die weder Devon noch Malleus freiwillig zugelassen hätten, aber der Dschungel und der Stamm hatten ihnen die Wahl genommen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

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