Malleus verfolgte Devon aus dem Augenwinkel. Das Gras in seinem Rücken raschelte, Halme bogen sich unter nackten Füßen. Ein Augenblick verstrich, dann berührte von der Sonne gewärmte Haut und Schuppen seinen vernarbten Rücken. Ein tröstliches Gewicht, das Malleus mit zwar mit Schweigen aber unmissverständlichem Gegendruck quittierte. Er verspürte Dankbarkeit für diese Geste, die Unbeteiligten belanglos erscheinen musste.
"Ich wusste nicht, dass du nichts spürst, Malleus. An deinen Händen, meine ich."
Kaum merklich zuckte Malleus' Kinn nach oben. Die nachdenklich zusammengezogenen Augenbrauen sah niemand. Statt Devon zu korrigieren, und das wäre angebracht, konzentrierte er sich auf die Körper und Stimmen in seinem Rücken. Er konnte nicht sehen, womit sich der Lacerta beschäftigte, aber er fühlte die Bewegungen. Wie Haut über Haut glitt. Das prägnante Gefühl der Schuppen, die lediglich eine feine Nuance kühler waren, als der Rest von Devons Körper, und deren glatte Ränder über seine angespannten Muskeln kratzten.
"Ich hoffe sie wollen nicht deine Hörner. Dafür gefallen sie mir zu gut", sagte Devon und der tiefe Klang seiner Stimme streichelte über seine Wirbelsäule, vibrierte durch Muskeln und Knochen. Jemand zupfte an einer dicken Strähne seines Haars. Tava, zweifellos. Malleus legte den Kopf ein wenig für die Cervidia zurück."Ich wusste nicht, dass du nichts spürst, Malleus. An deinen Händen, meine ich."
Kaum merklich zuckte Malleus' Kinn nach oben. Die nachdenklich zusammengezogenen Augenbrauen sah niemand. Statt Devon zu korrigieren, und das wäre angebracht, konzentrierte er sich auf die Körper und Stimmen in seinem Rücken. Er konnte nicht sehen, womit sich der Lacerta beschäftigte, aber er fühlte die Bewegungen. Wie Haut über Haut glitt. Das prägnante Gefühl der Schuppen, die lediglich eine feine Nuance kühler waren, als der Rest von Devons Körper, und deren glatte Ränder über seine angespannten Muskeln kratzten.
"Sag doch sowas nicht. Nicht hier."
Malleus schmunzelte. Er stellte sich vor wie dieser hinreißende, rosige Ton auf Tavas Wangen glühte.
Vermutlich hätte er schweigen sollen. Den Moment genießen, so lange er währte. Aber wer war er, sich die eigene Stimme zu verwehren, wenn Worte das Einzige waren, das ihm blieb?
"Du warst ganz nah dran, Devon. Es ist kompliziert, aber...", raunte Malleus und ließ die Hand in das Gras am Ufer sinken. Mit einem leisen Rascheln glitten die Halme durch seine gespreizten Finger. "...das Gefühl in meinen Händen vollkommen in Ordnung. Ich weiß, dass das Wasser im Bach kalt und die Sonne auf der Haut warm ist. Dass sich das Gras unter den Fingerspitzen weich anfühlt und der frische Schnitt am Daumen brennt. Ich kann etwas spüren, aber diese Hände fühlen sich nicht an wie Meine. Die Muskeln und die Knochen darunter, die Nerven unter der Haut...Alles ist falsch miteinander und mit meinem Körper verbunden. Für mich sind es die Hände eines Fremden. Aber sobald ich Haut berühre..."
Langsam griff Malleus über seine Schulter und berührte Devon an der Stelle, an der er die Schuppen, die sich über die Schulter des Lacerta wanden, vermutete. Er erfühlte die ebenmäßige Struktur, die markanten Überlappungen der einzelnen Schuppen, bis seine Fingerspitzen die Grenze überschritten. Federleicht, kaum mehr als die Berührungen eines der Grashalme, die sich unter ihren Körpern bogen, strich er über die Haut. Ein Bruchteil einer Sekunde verging, nicht mehr als ein Blinzeln, da verkrampften sich seine Finger. Das Zittern wurde stärker, sein Körper steifer, die Atmung flacher und schneller. Ein glasiger Ausdruck trübte seine Augen.
Malleus war dankbar, dass weder Devon noch Tava imstande dazu waren, sein Gesicht zu sehen als die Maske bröckelte und fiel.
"...dann bin zurück. In der Hütte. Im Feuer. Ich erinnere mich an den Geschmack von Asche auf meiner Zunge, an den heißen Rauch in meinen Lungen und an glühendes, durch Drachenfeuer geschmolzene Fleisch unter meinen Händen. Ich werde nie vergessen, wie es sich anfühlte, als meine Hände darin versanken."
Seine Stimme war fest, der Ton klar und das Einzige, das sich seiner Kontrolle nicht entzog. Bedächtig und doch mit gewisser Eile zog Malleus die Hand zurück, doch senkte sie nicht. Er hob sie hoch genug und kehrte Devon und Tava den Handrücken zu. Wenn sie es wagten über seine Schulter zu sehen und den Blick zu heben, begrüßte sie das vertraute Bild der tiefschwarzen Linien, die mit Tinte unter seiner Haut verewigt waren. So fest seine Stimme anmutete, so unstet war seine Hand, deren Zittern er nicht bändigen konnte.
"In der Nacht, in der ich Amentia darum bat, musste ich mich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Keiner meiner glanzvollsten Momente, befürchte ich."
Ein tiefer, schwerer Atemzug löste sich aus seiner Kehle, als Malleus die Hand in den Schoß und seinen Hinterkopf gegen Devons Schulter sinken ließ.
"Der Grund, aus dem ich euch nicht berühre wie ich es möchte - und ich versichere euch, das will ich - ist, dass ich in keines eurer Gesichter sehen will und dabei nichts anderes sehe außer einer zur Unkenntlichkeit verbrannten Leiche."
Die Stille breitete sich aus, durchbrochen vom Plätschern der Baches und dem Rauschen des Windes in den Bäumen. Die Hand an seinen Haaren war erstarrt. Malleus hielt sich vor Augen, wie die Farbe schon längst aus Tavas Gesicht gewichen und die Wirkung von Devons Bewunderung für ihre Hörner längst verpufft war.
Ein tonloses Lachen rüttelte an den Schultern des Kultisten.
"Es neigt dazu, die Stimmung zu ruinieren."
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
