Maledictio Draconis [CodAsuWin]

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    • Tava schrumpfte noch weiter in sich zusammen. Die ganze Situation sah nicht gut aus. Malleus lag erschöpft und gebrochen auf dem Bett und Devon war nicht mehr einzukriegen. Er schimpfte mit ihnen, was wohl verständlich war, doch trotzdem hatte Tava gehofft, dass ihr Wiedersehen anders ausgehen würde. Fröhlicher, glücklicher, und nicht von einer Gefahr zur nächsten rauschend. Sie waren auf ihrem Weg zwei Drachen begegnet, wollte das denn keiner zur Kenntnis nehmen?
      Schließlich gab Devon seinen unruhigen Marsch auf und kam zu ihr, hüllte sie in seine langen Arme ein. Tava spürte eine unendliche Erleichterung durch ihren Körper rauschen, als sie die Arme nach ihm ausstreckte und sich an ihn schmiegte, ihren Kopf unter sein Kinn zwang und ihre Stirn an seinen Hals drückte. Drei Tage hatten sie sich nicht gesehen und waren dann durch einen Urwald aus Drachen und Lacerta gefolgt, von denen ihnen die einen mehr Schaden zufügen wollten als die anderen. Wie schön es da war, Devon wieder bei sich zu haben, wieder vollständig zu sein, ganz egal, wie kurzfristig dieser Frieden auch sein mochte. Tava schloss die Augen und genoss den kurzen Moment der Wiedervereinigung.
      „Es werden Nachfragen wegen deiner Brandmale kommen, Malleus. Wenn du eine Chance darauf haben willst, zu gehen, dann spiel mit und bezahl den Preis, wenn sie einen fordern. Tava wird vermutlich auch einen gestellt bekommen, aber nur, wenn ich sie gegen alle anderen Interessierten verteidigen kann.“
      Devon redete, als gäbe es sonst keine Hoffnung auf ihre Flucht, als müssten sie mitspielen und darauf vertrauen, dass es ein gutes Ende nehmen würde. Tava wollte gar nicht daran denken. Wenn er ihr ihren Ring zurückgab - sicher könnte sie ihnen den Weg in die Freiheit erbrennen. Wäre das denn nicht auch eine Möglichkeit?
      "Wenn sie dich vor die Wahl stellen, auf irgendeine Weise, beschütz Tava. Das kannst du für mich tun, oder Devon?"
      Nein. Nein, es gab keine Wahl. Sie würden es hier herausschaffen, ohne Blutvergießen, ohne Opfer. Sie hatten es bisher doch auch geschafft, waren aus einem Kerker ausgebrochen, hatten Soldaten abgehängt und zwei Drachen getötet. Sie würden doch sicher auch mit einem Stamm Lacerta zurechtkommen, nicht?
      Devon schien da anderer Meinung zu sein. Er löste sich von Tava und kam mit langsamen, drohenden Schritten auf Malleus zu. Der Wärme und Sicherheit beraubt, schlang Tava die Arme wieder um sich.
      „Hast du sie gefragt? Einen Gedanken an sie verschwendet?“
      Musste er nicht, denn es würde keine Wahl geben - keine wie diese. Sie würden einen Ausweg finden, dessen war Tava überzeugt. Es musste einfach so sein.
      Doch Devon sah das anders und vielleicht war es seine Grobheit, mit der er Malleus behandelte, die Tava erstmals erschreckte. Konnte es sein... konnte es wirklich sein, dass sie doch vor eine solche Wahl gestellt würden? Dass sie in einer Sackgasse gelandet waren?
      „Du wirst dein Leben nicht verwirken. Du willst geliehene Zeit zurückgeben? Dann reiß ich sie eben an mich. Keiner von meinen Stammesleuten wird mir etwas nehmen, das mir gehört. Hast du das verstanden? Habt ihr das verstanden?“
      "Aber uns werden sie dich auch nicht wegnehmen, Devon", sagte Tava eingeschüchtert. Sie wünschte, dass sie alle drei einfach nur noch von hier verschwinden könnten. "Wir werden nicht zulassen, dass du hier... verurteilt wirst, oder was sie auch mit dir vorhaben. Du gehörst zu uns und entweder - entweder wir schaffen es alle drei, oder keiner von uns. So werden wir es machen. Wir werden uns nicht wieder aufteilen, damit muss endlich Schluss sein."
    • Devon näherte sich mit schweren, bedrohlichen Schritten. Die Hütte war Malleus bereits zuvor viel zu klein und beengt vorgekommen, doch die Präsenz des Lacerta zog den Kreis der lächerlich dünnen Wände stetig enger bis der Kultist glaubte, dass nicht mehr genug Luft für sie alle übrig war. Malleus hielt den Atem an während Devon an sein Gewissen appellierte, weil er über Tavas Kopf hinweg eine Entscheidung einforderte. Ein Blick auf die Cervidia genügte Malleus um zu erkennen, dass Tava seine Worte gänzlich anders aufgefasst hatte als der verärgerte Lacerta. Obwohl Tava ohne die starken Arme erneut so verloren wirkte, dass es Malleus kleines, schwarzes Herz zerriss, zeigte sich dieselbe dickköpfige Entschlossenheit auf ihrem bleichen Gesicht ab. Sein Blick glitt zurück zu Devon, dem er eine Antwort schuldig blieb. Er kannte die Antwort ohnehin.
      Ein Hand um seine Kehle riss Malleus von dem dunklen Ort zurück, an dem seine Gedanken gewanderte waren. Aus Reflex zuckte Malleus. Nicht bloß sein Kopf- Der heftige Ruck durchzuckte gewaltsam seinen ganzen Leib. Es gab nichts, dass der Kultist dagegen unternehmen konnte, nachdem eine Meute wilder Lacerta ihn beinahe unter sich begraben hatte.
      „Du wirst dein Leben nicht verwirken. Du willst geliehene Zeit zurückgeben?", begann Devon und der Druck um seinen Hals zwang Malleus den Blick zu heben.
      Rote Augen glühten im Schatten der Hütte und der Kultist war sich jedes Zentimeters an Haut überdeutlich bewusst, den Devon berührte. Der besitzergreifende Halt war nicht schmerzhaft, aber fest genug um Devons Worte zu unterstreichen.
      "Dann reiß ich sie eben an mich. Keiner von meinen Stammesleuten wird mir etwas nehmen, das mir gehört. Hast du das verstanden? Habt ihr das verstanden?““, grollte Devon und die feinen Härchen in Malleus' Nacken stellten sich auf.
      "Aber uns werden sie dich auch nicht wegnehmen, Devon", sagte Tava, die aussah, als würde sie sich nicht näher an die Männer herantrauen. Malleus' Augenlider flatterten hektisch. Es war einer dieser Momente, in denen er sich wünschte, es wäre für ihn ebenso leicht wie für Devon, die Frau in seine Arme zu schließen.
      "Wir werden nicht zulassen, dass du hier... verurteilt wirst, oder was sie auch mit dir vorhaben. Du gehörst zu uns und entweder - entweder wir schaffen es alle drei, oder keiner von uns. So werden wir es machen. Wir werden uns nicht wieder aufteilen, damit muss endlich Schluss sein."
      Nein, sie würden nicht zulassen, dass der Stamm ihnen Devon wegnahm, aber das war auch nicht das vorrangige Problem. Als Fremde stand vor allem ihr Schicksal auf Messers Schneide. Die Frage war eher: Wie lange konnte Devon, ein einzelner Lacerta, obwohl außerordentlich stark und zäh, den Anspruch auf sie beide gegenüber einem ganzen Stamm halten? Ein Moment der Schwäche und alles war vorbei.
      Malleus öffnete den Mund und entließ einen zittrigen, langsamen Atemzug über seine Lippen. Mit geweiteten Pupillen bohrten sich seine Augen in die des Lacertas. Mit versteiften Schulter lehnte sich Malleus träge nach vorn in die Hand, die seine Kehle umklammerte. Der Druck auf Hals und Kehlkopf wuchs. Er konzentrierte sich darauf, klammerte sich an das Gefühl der großen Hand und den Mann, der sein Leben beanspruchte.
      "Du willst mein Leben? Es gehört Dir", raunte Malleus und schmeckte Blut und Schweiß, als er sich mit der Zungenspitze über die Lippen fuhr. Er spürte, wie die Finger an seinem Hals zuckten, als sein Blick bereits zu Tava glitt. "Und dir."
      Erneut fixierten sich seine Augen in geschlitzte Pupillen, als Malleus eine bebende Hand hob und damit Devons' Oberarm umklammerte. Der Winkel wirkte etwas steif, die Neigung seines Handgelenkes zu hart. Nackte Finger bohrten sich in ein Areal schillernder, grüner Schuppen - groß genug um es mit seiner Hand vollständig zu bedecken ohne in Berührung mit Devons Haut zu kommen. Die Schuppen waren noch feucht von Blut.
      "Dann lass es deine Leute wissen, wenn du es behalten willst...", fuhr Malleus fort, und mit jeder Silbe sank der Klang seiner Stimme eine Nuance tiefer. "Das hier ist nicht Oratis, sondern ungezähmte, raue Wildnis. Diplomatie wird uns nicht helfen. Also...Lass es deinen Stamm sehen und wittern mit Blut und Schweiß, wem wir gehören."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Da war es wieder, dieses furchtbare Gefühl, dass Devon die Kontrolle über die Situation aus den Fingern glitt. Für sich allein konnte er den Verlauf seines Schicksals beeinflussen, vielleicht sogar voraussagen. Aber mit Tava und Malleus waren zwei Variablen hinzugekommen, die er nicht so leicht führen konnte. Wie seine Stammesleute auf die Beiden reagierten und mit ihnen verfahren wollten, konnte er lediglich erahnen. Keins der Szenarien, die durch seinen Verstand geisterten, fand auch nur im Entferntesten Anklang bei ihm.
      Aber uns werden sie dich auch nicht wegnehmen, Devon“, sagte Tava, in deren Stimme erstmals so etwas wie Zweifel lag. Devon schmeckte noch nichts aus der Luft, zu aufgeladen war die ganze Atmosphäre, aber die Veränderung in ihrer Tonlage war nicht zu überhören.
      „Das kannst du nicht bestimmen, Tava. Sie werden hier ihre Recht anwenden und durchführen, ihr habt da kein Mitspracherecht.“
      Wir werden nicht zulassen, dass du hier… verurteilt wirst, oder was sie auch mit dir vorhaben.“ Da schnaubte Devon, seine Finger lagen noch immer stocksteif um Malleus‘ Hals. „Du gehörst zu uns und entweder – entweder wir schaffen es alle drei, oder keiner von uns. So werden wir es machen. Wir werden uns nicht wieder aufteilen, damit muss endlich Schluss sein.
      Da festigte sich der Griff auf dunkler Haut plötzlich doch ein wenig stärker. Die Muskeln an Devons Kiefer spannten sich an und Sehnen traten an seinem Hals leicht hervor. Es kostete ihn Mühe, die Zähne auseinander zu bekommen, um anständig Worte formulieren zu können: „Ich will aber nicht sehen, wie sie Malleus köpfen und dich vergewaltigen. Ich muss nur einen Moment nicht da sein… Einen Augenblick nicht in Reichweite sein und dann passiert das mit euch. Was wäre gewesen, wenn ich euch auf dem Platz nicht gehört hätte?“
      Womöglich wäre dann genau dieses Szenario eingetreten. Das war einer der Gründe gewesen, wieso der Lacerta wie ein Tier auf seine Leute losgegangen war. Genau dorthin drifteten nun seine Gedanken wieder ab, schickten ihn in seine eigene, höchst persönliche Hölle, aus der er noch keinen Ausweg hatte finden können. Irgendwo musste es einen Weg geben, den er nur noch nicht gefunden hatte… Irgendwo…
      „Du willst mein Leben? Es gehört dir.“ Malleus‘ Stimme riss Devon wieder in die Gegenwart. Der großgewachsene Mann blinzelte einige Male und kam endgültig zurück, als der Kultist ihn am Oberarm packte. Er berührte nur die harten Schuppen, die dennoch die Wärme durchließen und schwach die Sensation der Berührung weiterleiteten. „Dann lass es deine Leute wissen, wenn du es behalten willst… Das hier ist nicht Oratis, sondern ungezähmte, raue Wildnis. Diplomatie wird uns nicht helfen. Also… Lass es deinen Stamm sehen und wittern mit Blut und Schweiß, wem wir gehören.“
      Die geschlitzten roten Augen weiteten sich, der Kiefer entspannte und die Sehnen verschwanden. Wortkarg wie Devon war fiel ihm keine adäquate Erwiderung darauf ein. Als hätte Malleus einen tief vergrabenen Teil von ihm angesprochen spürte er das Verlangen aufflammen. Siedend heiß kochte es in seinem Magen, in seiner Brust, in seinen Adern. Das war weder Kampfeslust noch fleischliches Verlangen. Das hier ging darüber hinaus, kitzelte Instinkte und Verhalten, die er so lange nicht mehr angesprochen hatte.
      „Das ist meine Welt“, stimmte Devon heiser zu, kurz bevor sich sein Blick mit Entschlossenheit füllte. Die Finger gaben den Hals frei, der dank der dunklen Haut keine Abdrücke zeigen würde, und wanderten zu dem leicht verfilzt aussehendem Haar. Beherzt packte der Jäger zu, zog Malleus‘ Kopf zur Seite und machte kurzen Prozess. Er wählte nicht den Hals mit seinen Sehnen, Nerven und Gefäßen. Er wählte die Schulter, in die er seine Zähne schlug und dieses Mal nicht testete, sich nicht zurückhielt. Unter ihm begehrte Malleus auf und das Stöhnen stoß Devon ungewollt direkt in die Lenden. Adrenalin flutete seine Sinne, der Geschmack von Eisen den Mund und dieses schmerzhafte Stöhnen die Ohren. Bevor er noch mehr Schaden anrichten konnte löste sich der Lacerta und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Er musste nicht hinabsehen um zu wissen, was er vorfinden würde. Sein Brustkorb hob und senkte sich rapide, um das Hoch zu verarbeiten. Knapp schüttelte er den Kopf, dann murmelte er: „…Wir brauchen noch neue Sachen für dich…“
      Ruckartig stand er auf und huschte durch die Hütte, wo er von einer Art Vorhang ein Stück abriss und es betreten an Malleus weiterreichte. Wahrscheinlich würde er mit Raschasis sprechen und sie anflehen müssen, den Beiden einen Besuch abzustatten. Malleus‘ Wunden waren offenkundig, bei Tava sah das hingegen anders aus.
      Nun deutlich weniger zerrissen fuhr sich Devon abermals durch das Gesicht. „Tava, komm her.“ Er öffnete die Arme ein wenig für die Cervidia, die noch immer ganz verschreckt ihren Standort nicht verlassen hatte. „Hat man dir was angetan? Was ist draußen passiert? Hier kommt nicht so schnell jemand rein.“
    • Malleus schloss die Augen, als die starke Hand des Lacerta sein Haar packte. Der Griff war kräftig, unnachgiebig und sandte einen ersten Schmerzimpuls durch seine Kopfhaut. Devon zog seinen Kopf zur Seite, führte Malleus wie es ihm beliebte und der Kultis zwang alle Anspannung aus seinem Leib. Ganz weich wurde er ihm festen Griff des Jägers während sich seine verwundbare Kehle auf dem Präsentierteller befand. Muskeln und Sehnen spannten sich unter der erzwungenen Biegung und Malleus spürte den eigenen Pulsschlag rasend und nah unter der Oberfläche. Für den Bruchteil einer Sekunde war Malleus felsenfest davon überzeugt, dass Devon dieses Mal die dünne, verletzliche Haut seines Halses auswählte. Dort, wo das Blut pulsierend dicht unter der Haut schlummerte. Den Punkt, den der Lacerta bereits mehr als einmal mit durchdringenden Blicken fixiert hatte. Bereits im nächsten Moment, stockte Malleus der Atem.
      Ein siedendheißer Schmerz ergoss sich in seiner Schulter und entlockte dem Kultisten ein gepeinigtes Stöhnen. Er fühlte jeden einzelnen Zahn, der Haut und Muskeln durchbohrte. Seine Fingernägel kratzten haltsuchend über die schillernden, grünen Schuppen am Arm des Jägers. Es vergingen lediglich wenige Sekunden, in denen sich Devon in seiner Schulter verbiss und doch bekam Malleus einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutete, von Devon verschlungen zu werden. Keuchend schluckte er einen Schrei herunter, biss sich auf die Unterlippe. Der Schnitt, der gerade aufgehört hatte zu bluten, öffnete sich wieder. Seine Sinne waren von der Allgegenwärtigkeit von Blut erfüllt.
      Der schwere Eisengeruch in der Luft und der metallische Geschmack auf seiner Zunge. Heißes Blut, das von seinem Kinn tropfte und über seine Schuler hinabperlte, als Devon die Zähne aus seinem Fleisch zog. Tiefrote, dünne Rinnsale schlängelten sich über sein Schlüsselbein, folgten dem Schwung des Knochens und sammelten sich in der Mulde unterhalb seines Halses nur um von dort über das Brustbein zu tröpfeln. Im schwummrigen Licht der kleinen Hütte glänzte es beinahe schwarz auf seiner dunklen Haut.
      Der kurze, aber intensive Schmerz hatte ausgereicht um ihm den Schweiß auf die Stirn und die Tränen in die Augen zu treiben. Sein Augen brannten, doch keine einzige Tränen fiel. Adrenalin und ein natürlicher Instinkt vor der Pein zu weichen, blieb nicht ohne Spuren. Dennoch pulsierte Verlangen durch Malleus' Adern. Tiefgreifend und erschütternder, als er für möglich gehalten hätte. Malleus ließ das Blut frei fließen, auch wenn Devon nicht gewillt war sein Werk genauer zu betrachten. Mittlerweile wusste Devon, dass er keine Panik und Ablehnung in den dunklen Augen finden würde.
      Als sein Blick zu Tava wanderte, die das Schauspiel aus sicherer Distanz bezeugt hatte, zauberte er ein blutverschmiertes Lächeln auf seine Lippen, das vermutlich nur halb so überzeugend aussah wie Malleus es wollte. Er neigte den Kopf zu einem kurzen Nicken. Es war alles in Ordnung. Tatsächlich fühlte sich der gebeutelte Kultist trotz der Schmerzes, der in seiner Schulter pochte, ruhiger als noch Minuten zuvor. Es war alles nicht die Lösung für ihr Problem, aber damit hatte Devon ein unmissverständliches Zeichen gesetzt. Malleus zog einen morbiden Stolz aus der Tatsache, dass der ganze Stamm mit seinen ausgeprägten Sinnen es vielleicht genau in diesem Augenblick schon wittern konnte: Der Mensch gehörte Devon.
      "...Wir brauchen noch neue Sachen für dich."
      Der Kultist schnalzte leise mit der Zunge und zog die Augenbrauen zusammen. Devons Mimik war wie so oft schwer zu lesen, selbst für ihn. Es fühlte sich an, als hätte sich etwas Unsichtbares, etwas Nichtgreifbares, zwischen ihnen verschoben. Aber seit die Lacerta-Krieger Tava und ihn nach Tel'Aquera verschleppt hatten, war auf seine überflutete Wahrnehmung nur wenig Verlass.
      Den Fetzen, den Devon ihm reichte, nahm er dankbar entgegen. Kurz verharrte Malleus' Hand in der Luft, den rauen Stoff zwischen seinen Fingern, die aufgehört hatten zu zittern. Er wischte sich das Blut von Mund und Kinn. Erst dann drückte er den Stofffetzen auf die Wunde um die Blutung zu stoppen. Er begrüßte den neu aufflammenden Schmerz, der durch den Druck auf die Wunde unter seinen Fingerspitzen pulsierte.
      „Hat man dir was angetan? Was ist draußen passiert? Hier kommt nicht so schnell jemand rein.“
      Malleus' Augen zuckten zu Devon und Tava.
      Es war nicht so, dass ihm der Gedanke nicht gekommen war. Natürlich hatte er daran gedacht, sich die schlimmsten Bilder ausgemalt, aber er konnte zu seiner eigenen Schande nicht abstreiten, dass er mehr mit seinem eigenen, von Panik überfluteten Geist beschäftigt gewesen war. Ein nagendes Loch tat sich unterhalb seiner Brust auf. Das unangenehme Gefühl eines schlechten Gewissens. Aber wie Tava, wie Devon, hatte auch Malleus noch viel zu lernen. Wissen, das er nicht aus Büchern und wissenschaftlichen Abhandlungen ziehen konnte.
      Er wäre aufgestanden, wenn seine Beine mitgespielt hätten. So blieb ihm nichts anderes übrig, als das Tuch weiter auf seine Wunde zu pressen und für den Moment Tava nicht mehr aus den Augen zu lassen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Tava stand wie festgewurzelt. Mit geweiteten Augen wurde sie Zeuge, wie Devon sich raubtierhaft über Malleus krümmte, eine Haltung, bei der es ihr kalt durch den Körper schoss. Von ihrem Standpunkt in Devons Rücken aus konnte sie nicht viel sehen, aber Malleus' Reaktion war aussagekräftig genug; sein Zucken, sein gequältes Stöhnen, die Art und Weise, wie er über Devons Schuppen kratzte. Es war ein Biss, ein kräftiger noch dazu, und Tavas gesamter Hals pulsierte in unangenehmen Mitleid. Nie und nimmer würde sie sich so beißen lassen. Auf keinen Fall, nicht für alle Liebe der Welt, würde sie zulassen, dass Devon ihren Hals so entblößte, um dann seine Zähne dort zu versinken. Es glich schon fast einer Schändung, was es Tava nur noch viel schwerer machte, weiter zuzusehen. Was, wenn eine Narbe bleiben würde? Oh Götter - bloß nicht darüber nachdenken. Es graute ihr schon allein bei der Vorstellung davon.
      Der Biss hielt nicht lange an - zum Glück. Als Devon sich löste, suchte Tava zu allererst Malleus' Blick, den er auch gleich erwiderte. Seine Augen tränten, aber er bemühte sich für sie um ein Lächeln und nickte kurz. Tava wollte ihm den Gefallen zurück erweisen, sah sich aber unfähig, ihren Kopf zu bewegen. Ihr Hals schien im Moment sogar gegen Luft zu empfindlich.
      Devon hatte sich dafür besser wieder gefangen als sie beide. Abrupt richtete er sich auf und riss ein Stück vom Vorhang ab, um Malleus damit zu verarzten. Oder eher gab er es ihm nur und Malleus verarztete sich selbst. Kaum schien Devon seine Instinkte hinter sich gelassen, war er wieder zurück zu seinem unbeteiligten, zurückhaltenden Selbst.
      In Tavas Richtung öffnete er allerdings die Arme, um sie zu sich zu locken.
      „Tava, komm her.“
      "Du wirst mich nicht beißen, oder?"
      Natürlich kannte sie die Antwort, aber hören musste sie es trotzdem noch einmal. Das Stück Vorhang war von Malleus ein bisschen blutig und das machte sie ganz nervös.
      Devon versprach es ihr aber und da kam sie doch heran, froh, sich zurück an ihn zu schmiegen und den Kopf vorsichtig zu seinem Hals zu heben. Ihr wurde davon gleich wieder wärmer.
      „Hat man dir was angetan? Was ist draußen passiert? Hier kommt nicht so schnell jemand rein.“
      "Es waren Drachen, Devon. Aber was für welche!" Sie sah aufgeregt zu ihm auf. "Der erste war... Der war riesig. Nicht wahr, Malleus? Der war fast so groß wie die Bäume, er ist dort durchmarschiert als wäre der ganze Dschungel gar nicht da. Und den zweiten haben wir erst gar nicht gesehen - es war eine Art Schlange, aber wirklich groß. Der erste hat uns gar nicht gesehen, aber der zweite, er hat uns aufgespürt. Wir sind vor ihm weggelaufen und haben uns getrennt; ich weiß gar nicht, was mit dir passiert ist", sagte sie zu Malleus, bevor sie wieder zu Devon sah. "aber ich bin gelaufen, bis ich irgendwo runtergefallen bin. Da habe ich ihn dann verloren. Der Lacerta hat mich da gefunden, aber er war nicht unfreundlich. Er hat nichts gesagt, aber... manchmal redest du auch wenig. Ich habe es für eure Eigenheit gehalten."
      Sie schlang den Arm um seine Taille und lehnte sich kurz an ihn.
      "Ich hätte sie abgebrannt, die Drachen. Aber es war nicht genug Zeit und jetzt bin ich zu müde. Wir sind so lange gelaufen. Ich habe Hunger, Devon; können wir hier bei dir etwas essen? Wenn es sicher ist?"
    • Dass Tava und Malleus von Drachen überrascht worden waren, wunderte den Jäger nicht im Geringsten. Schließlich hatte er sie genau vor diesen Szenarien gewarnt. Der Wald war voll von diesen Monstern und zu viele von ihnen hatte Devon nicht einmal gesehen. Das riesige Ungetüm, das friedsam durch die Bäume gebrochen war, war ihm ein Begriff. Dieser existierte schon seit Ewigkeiten im Wald, doch die Schlange war ihm neu. Drachen, die sich so gut tarnen konnten, stellten eine immense Gefahr dar und es war denkbar, dass der Stamm Jagd machen würde, wenn sie sich gewappnet fühlten. Jetzt allerdings war Devon erst einmal nur froh, dass sowohl Tava als auch Malleus heil aus dem Wald zurückgekommen waren. Egal wie.
      "Was soll er auch sagen? Er spricht eure Sprache nicht", erwiderte Devon trocken und drückte die kleine Cervidia an sich eher sie wieder freigab. "Ich schaue, was ich tun kann. Verlasst die Hütte nicht. Ds meine ich ernst. Ihr habt draußen meine Anweisungen schon missachtet, aber hier im Dorf kostet euch ein Fehler viel. Also wartet."
      Die großen Hände sanft auf Tavas zierlichen Schultern abgelegt schob er sie zu Malleus hinüber und vermittelte ihr, sich zu ihm zu setzen. Erst dann nickte er ihnen zu und tauchte unter dem schweren Vorhang hindurch, der die Tür nach draußen markierte. Natürlich besaßen die Lacertas keine richtige Tür. Wozu auch? Es gab praktisch nichts, was dem Stamm vorenthalten werden musste.
      Außer vielleicht ein paar seltsame Ansichtsweisen.
      Oder vielleicht der Anblick auf Schuppen.
      Oder sogar alles zusammen.

      Es dauerte beinahe eine geschlagene Stunde bis sich der Vorhang das nächste Mal bewegte. Unter dem Blick von großen, nervösen augen erschien Devon im Raum, unter den Armen hatte er geflochtene Körbe geklemmt. Sein Weg führte ihn geradewegs zu der Feuerstelle inmitten des Raumes, ie er sogleich mit Hölzern aus einem der Körbe bestückte. Aus dem anderen Korb ragte ein gehäutetes Bein von einem Tier sowie Grünabschnitte von irgendwelchen Pflanzen.
      Der orhang bewegte sich ein weiteres Mal, nur sah Devon nicht einmal dafür auf, als eine Frau in die Hütte kam. Ihre Haut war von der Sonne geküsst und von zahlreichen Geschichten gezeichnet. Sie wirkten alt und wesentlich eigentümlicher als jene, die Devon auf seiner Haut trug. Ihre Größe war beachtlich - sie befand sich auf Augenhöhe mit Devon - und wurde nur noch von den bunten Stoffstreifen, die sie als eine Art Rock um ihre Taille und Brust drapiert hatte, unterstrichen. Ebenso rot geschlitzte Augen musterten erst Tava, dann Malleus. Ihr Blick fiel auf seinen Hals, wo das verkrustete Stück Stoff die Blutung in Grenzen halten sollte. Die Frau zischte irgendwas in Devons Richtung, ihr Kopf ruckte dabei zu ihm und das haselnussbraune Haar, welches sie nur wenig länger trug als Devon, fiel ihr ins Gesicht. Ganz offensichtlich war auch diese Lacerta nicht der gemeinen Zunge mächtig.
      Devon zuckte unberührt mit den Schultern und konzentrierte sich darauf, seinen Scheiterhaufen in Brand zu setzen. "Das war alles, was auf die Schnelle ging."
      "Hast du dich jetzt erst entschieden, diesen Menschen zu beanspruchen? Du warst früher wesentlich entschlussfreudiger", zischte Raschasis, als sie auf Malleus und Tava zuging, um sich vor ihnen in die Hocke zu begeben. Sie legte den Kopf schief, wie Vögel es manchmal taten, wenn sie etwas beobachteten, und musterte Malleus.
      "Die sollten eigentlich gar nicht hier sein", knurrte Devon ungehalten und warf Raschasis einen schnellen, scharfen Blick zu. "Pass auf, wenn du ihn anfasst. Das mag er nicht. Er weiß nicht, dass du ihm nichts willst." Den letzten Satz hatte der Jäger in der gemeinen Zunge gesprochen, damit der Kultist zumindest ein wenig verstand.
      Raschasis rümpfte minder beeindruckt die Nase und griff nach Malleus' unverletzter Schulter. Ihre kräftigen Finger rückten den Mann etwas von sich, richteten ihn im spärlichen Licht anders aus. Schnell wurde klar, dass diese Lacerta den Menschen ebenfalls musterte und offensichtlich versuchte, seine Geschichten zu lesen. "Hast du das geschrieben? Was heißt das?"
      "Nichts. Das ist nicht von mir. Sehe ich so aus, als würde ich über und über dasselbe schreiben?" Das Feuer begann sich langsam durch das Holz zu fressen, sodass sich Devon mit den mitgebrachten Lebensmittel befassen konnte. Das Bein legte er beiseite und zog etwas, das wie Kartoffeln aussah, aus dem Korb. Die Knollen landeten direkt im Feuer.
      "Menschen haben das also getan?" Raschasis ließ ihren rauen Zeigefinger über eines der Brandmale gleiten und verzog das Gesicht. "Schlampige Arbeit."
      Devon schnaubte, wobei es sich eine Spur belustigt anhörte. "Es sollte sowas wie Folter sein. Denke ich. Keine Geschichte für andere, eher ein Mahnmal für ihn selbst. Ja, eine sehr schlampige Arbeit war das." Mit einem Messer, das eine schwarz glänzende Klinge aufwies, schnitt er Überbleibsel von Sehnen und Fell von dem Bein, um es zum Grillen zu präparieren.
      Unterdessen hatte Raschasis Malleus' Schulter losgelassen und ihm unwirsch das Stück Stoff von der anderen Schulter entrissen. Unter ihren Stoffstreifne hatte sie Taschen versteckt gehabt, aus denen sie nun Kräuter und eine Art Erde ans Licht beförderte. Unter Malleus skeptischem Blick zerdrückte sie die Kräuter über der Bisswunde, um sie danach mit der Erde zu bestäuben. "Du hast dich verändert. Nicht nur äußerlich. Ich hätte gedacht, du nimmst dir irgendwo eine Frau und das war es. Eine Menschin vielleicht, aber eine Ziege?"
      "Tava ist keine Ziege."
      "UND einen Mann? Wieso ein Mann? Ihr könnt keine Kinder zeugen, wo ist da der Sinn?"
      "Wo ist der Sinn darin, dass ich Herzkristalle fresse?"
      Schweigen breitete sich aus und die Luft wurde spürbar dicker. Die Mundpartie der Lacertafrau wurde hart, als sie wortlos noch mehr Kräuter aus den Taschen zog, sie in Malleus' Schoß fallen ließ und auf die zahlreichen Schrammen und Schnitte deutete. Dann ließ sie von ihm ab und richtete die Aufmerksamkeit auf Tava, die scheinbar mehr Augen für das Kräuterwerk als alles andere gehabt hatte. Auf allen Vieren näherte sie sich der Cervidia und schnüffelte dicht an ihrem Gesicht, ihrem Hals und ihrer Brust herum. "Klappt es nicht zwischen dir und ihr?"
      "Was?" Devon stellte seine Arbeit ein und warf Raschasis einen fragenden Blick zu.
      "Sie hat noch nicht empfangen. Sie riecht auch nicht fruchtbar. Was willst du mit einer Frau, die nicht empfangen kann?", fragte Raschasis skeptisch, während sie nach Spuren auf Tavas Haut von Devons Anspruch suchte. Vergeblich.
      "Sie kann es, nimmt aber etwas dagegen. Das ist doch... das spielt doch keine Rolle bei meiner Wahl. Wechsel das Thema. Zum Beispiel, ob man sie lieber selbst haben will oder sie doch lieber als Trophäe ausstellen will", schnitt Devon ein wesentlich interessanteres Thema für ihn an, doch seine ganze Haltug war stocksteif und verriet, dass ihn das gesamte Thema nicht ganz wohlgesonnen war.
      Die Lacerta rückte von Tava ab und versorgte auch sie mit einheimischen Kräutern. "Es gibt ein paar, die zumindest die Gelegenheit ergreifen wollen, mit einer Frau anderen Stammes zu schlafen. Kann ich ihnen nicht verübeln, wenn du mich fragst. Da sie ja nicht empfangen hat und sie aktuell nicht sonderlich stark nach dir riecht, solltest du das ändern."
      "Hm." Devon klang nicht unbedingt glücklich. Unter Druck funktionierte er in diesem Kontext nicht wirklich gut. Ganz davon zu schweigen, dass die ständige Alarmbereitschaft nicht unbedingt förderlich war. Seufzend spießte er das Bein auf einem mitgebrachten Ast auf und stellte es ans Feuer. "Malleus, du wirst dich nicht vor neugierigen Blicken retten können, aber hoffentlich kommt niemand auf die Idee, dich noch einmal anzufassen. Der Biss sollte eigentlich zeigen, dass du mir gehörst. Aber Tava... Hm..." Er sah sie nicht an. Schämte sich ein bisschen dafür, wie rückständig sein eigener Stamm agierte. "Wir können.... hm... riechen, ob du ein Kind erwartest und da du bei mir bist, gehen sie davon aus, dass du eines erwarten müsstest. Und weil das nicht der Fall ist... Was gut ist... Denken sie, mein Anspruch ist nicht gefestigt und sie können es selbst tun. Manche jedenfalls. Du riechst halt nicht so stark nach mir. Es ist schon... länger her und... Der Wald ist heiß, du hattest Todesangst und..."
      Devon kratzte sich beschämt am Kopf, was Raschasis einen Stöhnlaut entlockte.
      "Weiche einfach nicht von meiner Seite. Dann werde ich eben den ein oder anderen Kerl zusammenschlagen müssen, aber dann ist das so. Viel wichtiger ist, dass ich euch irgendwie wieder aus dem Dorf kriege. Gebt mir ein bisschen Zeit. Ich versuche es."
    • Malleus sah Devon mit ernster Miene nach. Der Appetit war ihm vergangen, doch er nahm es als gutes Zeichen, dass wenigstens Tava noch Gedanken für eine längst überfällige Mahlzeit übrig hatte. Kaum fiel der dürftige Fetzen, der als Vorhang diente, zurück, stieß der Kultist ein gedehntes Seufzen aus. Der Mann sackte ein Stückchen in sich zusammen und zog Trost aus Tavas Nähe, obwohl sie es kaum wagte, ihn zu berühren. Die Stille, die lediglich von den Geräuschen des Dorfes vor der Hütte unterbrochen wurde, war Fluch und Segen gleichermaßen. Eine herrliche Leere herrschte in Malleus' Kopf. An Schlaf war dennoch nicht zu denken, denn obwohl seine Gedanken schwiegen, schlief sein Unterbewusstsein nie und eine gewisse, innere Unruhe pulsierte allgegenwärtig unter seine Haut.
      Aus dem Augenwinkel schenkte er Tava einen Blick, der hoffentlich die gewünschte Zuversicht mit sich trug. Mehr Kraft hatte Malleus nicht, um der Frau neben sich nach allem, was geschehen war, eine Stütze zu ein.

      Jegliches Zeitgefühl war Malleus abhanden gekommen. Als Devon endlich zurückkehrte, schien eine Ewigkeit über Tel’Aquera hinweg gezogen zu sein. Der Lacerta kam nicht allein zurück. Hinter Devon trat eine Lacerta-Frau in die Hütte. Sie war groß. Größer als alle Frauen, denen Malleus in seinem Leben begegnet war. Unter anderen Umständen hätte er einen genaueren Blick auf die Narben, die Geschichten, auf ihrem Körper geworfen, obwohl er sie nicht verstand. Die Gier nach Wissen lag ihm im Blut, doch an diesem Tag war alles anders. Malleus richtete sich unter Schmerzen und protestierenden Muskeln auf, straffte die Schultern und ließ die Frau nicht aus den Augen wie ein in die Ecke getriebenes Tier. Augenscheinlich ruhig, vibrierte die Anspannung durch seinen Körper.
      Malleus' Augen schmälerten sich. Fremde Silben erfüllten die Hütte und er musste die Zischlaute nicht verstehen um zu begreifen, dass es um ihn ging. Der Blick der Frau war eindeutig gewesen. Er widerstand dem Drang eine Hand über den Biss zu legen. Es fühlte sich auf eigentümlich Weise falsch an, dass eine Fremde dieses höchstpersönliche Mal begutachtete. Als sich die Lacerta vor ihnen in die Hocke ging, neigte sich Malleus leicht zur Seite und schob sich dabei ein winziges beinahe lächerliches Stückchen vor Tava.
      "...Er weiß nicht, dass du ihm nichts willst."
      Sein Blick zuckte zu Devon, der sich am Feuer zu schaffen machte. Eine Bewegung im Augenwinkel versetzte den Mann trotz der Warnung in Alarmbereitschaft. Kräftige Finger drückten sich in seine unversehrte Schulter, die Malleus reflexartig zurückzog. Die Frau blieb davon unbeeindruckt, ebenso wie ihr Griff. Widerwillig ließ sich der Kultist begutachten.
      "Ja, eine sehr schlampige Arbeit war das", ergänzte Devon die fremdartigen Laute mit der gemeinen Sprache.
      Ah. Die Lacerta hatte sich nach seinen Narben erkundigt.
      Malleus' Finger zuckten unruhig, krümmten sich leicht, wo er sie neben sich auf den Boden presste. Er hatte sich so sehr, so schnell daran gewöhnt, dass Devon und Tava ihn ansahen, dass er vergessen hatte, wie sich fremde und unerwünschte Blicke auf seiner gezeichneten Haut anfühlten.
      Es war nicht das erste Mal, dass Malleus bereute, Devon nie darum gebeten zu haben, ihm ein wenig der Stammessprache beizubringen. Die Gelegenheit hatte sich nie ergeben. Vielleicht, wenn sie ein wenig länger auf dem verlassenen Hof geblieben wären...
      Schweigend ließ Malleus die Prozedur über sich ergehen, doch als die Lacerta-Frau, vielleicht eine Art von Heilerin, in die Nähe der Bisswunde kam, verspannte sich Malleus. Devon musste die Stammesfrau gewarnt haben. Denn abgesehen von dem Griff an seiner Schulter beschränkten sich ihre Berührungen auf ein Minimum. Der Geruch fremder Kräuter stieg ihm in die Nase und es war fraglich wie zerstäubter Dreck seine Wunde sauber halten sollte, aber Malleus hielt den Mund geschlossen. Unzeremoniell ließ sie den Rest ihrer Heilkräuter in seinen Schoß fallen.
      Er wollte gerade danach greifen, als sich die Lacerta vorlehnte und offensichtlich damit begann, an Tava zu schnuppern. Malleus' Kinn ruckte herum und ein warnender, aber gänzlich menschlicher Laut formte sich in seiner Kehle. Was immer diese Frau danach sagte, schien Devon eiskalt zu erwischen. Sofern er das schockierte und versehentlich in der gemeinen Zunge ausgesprochene Was? richtig deutete. Im Verlauf des Gespräches wurde es nicht besser und die Körperhaltung des Drachenjägers sprach Bände. Das Thema war Devon unangenehm. Malleus hätte geschmunzelte, wenn ihm denn danach gewesen wäre, weil es nur ein Thema gab, bei dem er Devon bisher verunsichert oder gar peinlich berührt erlebt hatte. Sie musste ihm intime Fragen stellen, wenn sich Devon derartig dabei wandte.
      "Malleus, du wirst dich nicht vor neugierigen Blicken retten können, aber hoffentlich kommt niemand auf die Idee, dich noch einmal anzufassen. Der Biss sollte eigentlich zeigen, dass du mir gehörst", sprach Devon und holte ihn aus seiner Grübelei zurück. Die kurzzeitig Ablenkung verpuffte und katapultierte ihn mitten in den Ernst ihrer Lage. Malleus nickte, wobei er die ganze Zeit immer wieder wachsame Blicke zu der Frau warf, die ihm viel zu interessiert an Tava war. Was Devon dann sagte, bestätigte seine Vermutung.
      Nun, das war ein Problem.
      Ein Weiteres, das sich zu den unzähligen anderen Problemen gesellte. Sex war sicherlich das letzte, an dass sie alle gerade dachten - zumindest in einem angenehmen Kontext und nicht als notgedrungene Lösung. Malleus war nicht nur der Appetit aufs Essen vergangen. Nach all den Händen, die Heute schon über seinen Körper gewandert waren, ertrug er die Vorstellung schon kaum.
      Malleus nahm endlich die Kräuter in die Hand und imitierte, wie die Lacerta den Biss versorgt hatte. Als er bei den Stellen ankam, die er selbst nicht mehr erreichen konnte, hielt er Tava wortlos die Kräuter hin und gewährte ihr Zugang zu den Schnitten auf seinem Rücken. Ihre sanften Berührungen brachten keinen Trost. Der Mann war steif wie ein Brett.
      "Devon? Wie spricht man seinen Dank in deiner Sprache aus?", brach Malleus sein eisernes Schweigen und begegnete irritierten Blicken. Er seufzte und fuhr mit träger Zunge fort um sich zu erklären. "Wenn wir eine Weile hier festsitzen, kann es nicht schaden ein paar Brocken zu beherrschen und ich...kann nicht einfach hier sitzen und nichts tun. Mein Kopf braucht Beschäftigung bevor ich den Verstand verliere."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Frau, die mit Devon zurück in die Hütte kam, war erstaunlich groß und mit unzähligen bunten Bildern auf der Haut. Sie hätte recht nett wirken können - zumindest fiel sie nicht über sie her wie die restliche Meute draußen - aber als sie ihre rot geschlitzten Augen auf Tava richtete, schien sie genauso schroff wie alle anderen auch. Tava senkte zum Gruß ihre Hörner.
      Es wurde auch dann nicht besser, als sie mit eindeutigem Ziel vor Malleus kniete. In ihrer aggressiven Sprache redete sie mit Devon, während sie mit unbarmherzigen Fingern Malleus betatschte. Tava sah natürlich, wie sehr es ihn störte und wie es ihn sogar schmerzte; er zuckte, und doch sah die Frau nicht davon ab, seine Wunden zu verarzten. Das machte sie in Tavas Augen noch unsympathischer, die schamlos ihre Hörner neben Malleus' Schulter verweilen ließ, eine handfeste Warnung, die kaum zu ignorieren war. Nur ignorierte die Frau sie tatsächlich und werkelte weiter herum, öffnete ihren Stoffstreifen und beförderte lose Kräuter zutage. Tava versuchte, sich nicht davon ablenken zu lassen, aber die Pflanzen hatten Farben, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte, und die Blüten sahen so merkwürdig aus, als wären sie gemalt und kein Produkt der Natur. Sie musste einfach ihre Neugier stillen und erhaschte einige gute Blicke darauf, was die Frau damit veranstaltete. Dennoch verblieb sie drohend an Malleus' Seite, ein Mahnung dafür, was der Frau bei einem Fehlgriff blühen könnte.
      Einzig die Tatsache, dass Devon mit ihnen im Raum war und nichts gegen die Behandlung unternahm, hielt Tavas Temperament im Zaum. Sie vertraute darauf, dass der Lacerta es nicht bei den unfreundlichen Zischlauten belassen hätte, sondern sofort handgreiflich geworden wäre, würde die Frau Malleus schaden. Momentan befasste er sich mit Essen und Feuer - zu dem Tava alle paar Sekunden hinüber sah - und machte einen ruhigen Eindruck. Tava orientierte sich daran, ließ ihre Hörner aber noch immer anstelle ihres Gesichtes sprechen.
      Zuletzt packte die Frau ihre Sachen weg und verharrte einen Moment, was Tava nicht zu deuten musste, bevor ihr Gesicht unmittelbar vor ihr auftauchte. Tava zuckte und hätte sie fast mit ihren Hörnern erwischt, hätte die Frau sich nicht mit blähenden Nasenlöchern wieder zurückgezogen. Ihr Blick war eindringlich und unangenehm, ganz und gar nicht so, wie Devon schauen konnte.
      Ein zischendes, erhitztes Gespräch folgte, das nun auch Devon nicht behagte, bei dem die Frau nun Tava verarztete. Zähneknirschend ließ sie es geschehen, dann sagte Devon unvermittelt:
      "Malleus, du wirst dich nicht vor neugierigen Blicken retten können, aber hoffentlich kommt niemand auf die Idee, dich noch einmal anzufassen. Der Biss sollte eigentlich zeigen, dass du mir gehörst. Aber Tava... Hm..."
      Sofort setzte sie sich auf, ihre Hörner nun auf Devon gerichtet.
      "Du wirst mich nicht beißen! Ganz sicher nicht!"
      Doch Devon hatte etwas anderes im Sinn.
      "Wir können.... hm... riechen, ob du ein Kind erwartest und da du bei mir bist, gehen sie davon aus, dass du eines erwarten müsstest."
      Tavas Augen wurden groß.
      "Und weil das nicht der Fall ist... Was gut ist... Denken sie, mein Anspruch ist nicht gefestigt und sie können es selbst tun. Manche jedenfalls. Du riechst halt nicht so stark nach mir. Es ist schon... länger her und... Der Wald ist heiß, du hattest Todesangst und..."
      Tava war vor Schock ganz still. Sie starrte schockiert auf Devons Stiefel, nachdem ihre Hörner den Rest verbargen.
      "Weiche einfach nicht von meiner Seite. Dann werde ich eben den ein oder anderen Kerl zusammenschlagen müssen, aber dann ist das so. Viel wichtiger ist, dass ich euch irgendwie wieder aus dem Dorf kriege. Gebt mir ein bisschen Zeit. Ich versuche es."
      "Willst du mir sagen, dass sie mich schwängern wollen?! Wie soll das denn gehen?! Ich meine -"
      Sie dachte an Devons Statur und wurde noch panischer.
      "Nie im Leben!"
      "Devon? Wie spricht man seinen Dank in deiner Sprache aus?"
      Alle sahen sie zurück zu Malleus, der bislang in Schweigen verharrt hatte. Tava gaffte.
      "Wenn wir eine Weile hier festsitzen, kann es nicht schaden ein paar Brocken zu beherrschen und ich...kann nicht einfach hier sitzen und nichts tun. Mein Kopf braucht Beschäftigung bevor ich den Verstand verliere."
      "Ja. Ja das brauche ich auch. Ich werde mich nicht schwängern lassen! Und niemand beißt mich!"
      Verzweifelt schlug sie die Hände vor dem Gesicht zusammen. Das war furchtbar. Wieso mussten Lacerta auch noch neben allem anderen mit einem Geruchssinn ausgestattet sein?!
    • „Willst du mir sagen, dass sie mich schwängern wollen?! Wie soll das denn gehen?! Ich meine –„
      Devon verstand Tavas Ausbruch nur allzu gut. Er wusste nicht einmal, ob rasseübergreifende Schwangerschaften generell möglich waren, aber das war ja nicht einmal der Punkt. Es ging einfach nur darum, dass sein Stamm zu urzeittypischen Verhaltensweisen zurückkehrte und Devon, nachdem er gesehen hatte, wie andere Kulturen funktionierten, davon regelrecht abgeschreckt war. Dazu kam der Punkt, dass er niemand sonst auch nur an ihr riechen wollte.
      „Ich werde das nicht zulassen.“
      „Nie im Leben!“
      „Devon?“ Der Kopf des Lacertas ruckte zum Menschen herum. „Wie spricht man seinen Dank in deiner Sprache aus?“
      Überrumpelt blinzelte der Jäger den Kultisten an. Der, der mit Abstand am schlechtesten von ihnen aussah, wenn man die zahlreichen Prellungen und Blutergüsse mal außer Acht ließ. Mit allem hatte er in diesem Umfeld gerechnet, nur nicht damit, dass Malleus plötzlich Teile seiner Sprache lernen wollte. „Wieso?“
      „Wenn wir eine Weile hier festsitzen, kann es nicht schaden, ein paar Brocken zu beherrschen und ich… kann nicht einfach hier sitzen und nichts tun. Mein Kopf braucht Beschäftigung bevor ich den Verstand verliere.“
      Oh. Daher rührte der Wind.
      „Ja. Ja, das brauche ich auch. Ich werde mich nicht schwängern lassen! Und niemand beißt mich!“, warf Tava dazwischen ehe sie das Gesicht hinter ihren Händen vergrub. Na toll. Es wurde immer besser.
      „Das will ich doch auch nicht. Ich tue ja schon, was ich kann.“ Devon knirschte dabei mit den Zähnen und stocherte im Feuer herum.
      Warum wirkt dein Mädchen so aufgelöst? Es stinkt bis hier.“ Raschasis hatte bislang nur beobachtet, meldete sich nun doch noch zu Worte.
      Kannst du dir vorstellen, dass es in der Tat Frauen gibt, deren Lebensinhalt nicht aus Nachwuchs und Stammeszugehörigkeit besteht?
      Sie will dein Kind nicht austragen? Dann hast du sie nicht unterworfen…
      Da draußen werden Frauen nicht einfach unterworfen!“ Devon hatte genug von diesem leidigen Thema und funkelte die am Boden sitzende Raschasis böse an. „Danke für rege Teilnahme, Raschasis. Danke für deine Hilfe. Danke. Das heißt Danke.“ Er wiederholte das Wort innerhalb von Sätzen, dann einzeln, damit Malleus und Tava das Wort unterscheiden konnten.
      Nachdenklich musterte die Lacertafrau Tava. Absichtlich hatte Devon nach ihr und niemand anderen gefragt, weil Raschasis zu den Wenigen seines Stammes zählten, die auch mal darüber nachdachten, was er als Verstoßener zu sagen hatte. Zwar hielt auch sie an den Überzeugungen des Stammes fest, allerdings tat sie es bei Weitem nicht so stark wie ein Großteil der Anderen. Folglich wog sie die Ansichten gegen ihre eigenen ab anstelle sie sofort zu verurteilen.
      Es raschelte am Eingang der Hütte und der Vorhang wurde ein winziges Stück bei Seite geschoben. Zum Vorschein kamen die großen, roten Augen eines Kindes, das sich nicht traute, einzutreten, aber scheinbar etwas zu sagen hatte. Von Devon bekam es nur ein schroffes „Was?“ zu hören.
      Der Älteste will dich sehen“, ergriff Raschasis für das Kind das Wort und sortierte unbehelligt weiter Kräuter, um sie vor Tava auf einen Stapel zu legen. „Wegen der neuen Entwicklungen gibt es Dinge zu besprechen.
      Verdammt. Das war schneller als gedacht. Missmutig musterte Devon das Kind, dann seine Begleiter, das Essen und schließlich Raschasis. „Wärst du so gut und bleibst hier? Du würdest mir einen großen Gefallen tun, indem du ihnen zumindest grundlegende Wörter wie Ja und Nein beibringen würdest.
      Du hast ihnen nicht mal das gelehrt?
      Nein, wieso aus? Denkst du, man kann draußen einfach umherspazieren und unsere Stammessprache sprechen? Was denkst du eigentlich, wie schnell einem dann der Kopf von den Schultern geschlagen wird? Ich erinnere dich an Escholons Haut und die Augen der Kinder.
      Schweigen. Dann senkte Raschasis den Kopf, nickte und scheuchte Devon mit einer Handbewegung davon.
      „Raschasis bringt euch ein paar Wörter bei, während ich beim Ältesten bin. Nehmt euch vom Essen. Haltet euch an sie und verlasst die Hütte nicht. Dann passiert schon nichts“, klärte er Tava und Malleus noch auf bevor er sich dem Kind anschloss, das scheinbar als Laufbursche geschickt worden war. „Na los. Geh voran.
    • Mit gespitzten Ohren lauschte Malleus dem hitzigen Gespräch. Es war durchaus möglich, dass er sich täuschte. In der Sprache der Lacerta, die auf Fremde harsch und aggressiv wirkte, hätte sich auch die Frage nach dem Wetter wie ein Streitgespräch anhören können. Devon verlor langsam die Geduld, so viel konnte Malleus aus den mahlenden Kiefern und den angespannten Gesichtszügen ablesen. Als der Lacerta seiner, wie er den verblüfften Blicken aller Beteiligten entnahm, ungewöhnlichen Bitte nachkam, konzentrierte sich Malleus ganz auf Devon. Stumm imitierte der Kultist die Lippenbewegungen, versuchte ein Gespür für die Höhen und Tiefen der Worte und gezischten Silben zu bekommen.
      Alarmiert zuckte sein Blick zum Eingang der Hütte als ein leises Rascheln erklang. Malleus hätte es überhört, wäre ihre Lage nicht dermaßen prekär. Alles an diesem menschenfeindlichen Ort schrie förmlich Gefahr. Er stützte als ein Kind den Kopf durch den Vorhang steckte. Das Alter ließ sich schwer einschätzen, aber das Kind war noch jung genug, dass er kaum sagen konnte, ob es sich um ein Mädchen oder Jungen handelte, wären nicht die kargen Bänder um Brust und Hüfte gewesen, die an die 'Kleidung' der Heilerin erinnerten. Die aschblonden Haare waren raspelkurz geschnitten, die Arme und Beine erschienen zu schlaksig und lang für den kleinen Körper, der noch im Wachstum war.
      Zuvor war keine Zeit dafür gewesen, doch nun fielen Malleus die dünnen Vernarbungen an den dürren Gliedmaßen des Mädchens auf. Der barbarische Brauch, den Devons als Geschichten bezeichnete, machte also auch vor den Jüngsten des Stammes nicht halt. Zur seinem Unverständnis machte das Mädchen weder einen traumatisierten und verschreckten Eindruck. Sie hielt das Kinn oben. Nur Devons barsche Reaktion ließ sie kurz Zucken, während sie unentschlossen mit den nackten Füßen am Boden scharrte. Es wirkte beinahe etwas trotzig, weil sie den Blick nicht senkte.
      „Raschasis bringt euch ein paar Wörter bei, während ich beim Ältesten bin. Nehmt euch vom Essen. Haltet euch an sie und verlasst die Hütte nicht. Dann passiert schon nichts“, erklärte Devon.
      "Sei vorsichtig", antwortete Malleus und sah den Lacerta, der sich bereits zum Gehen wandte, eindringlich an.
      Als der Vorhang sich wieder schloss, wandte sich der Kultist an Raschasis.
      "Danke, Raschasis", formte er zum ersten Mal ein Wort ins Devons Muttersprache.
      Es war bei Weitem nicht perfekt, aber so wie es aussah, würde er reichlich Zeit zum Üben haben...

      Schirasa ließ sich widerwillig aus der Hütte schieben. Sie verrenkte sich fast den Hals dabei, um noch einen letzten Blick auf die Fremden werfen zu können. Viel lieber wäre sie bei Raschasis geblieben, obwohl die grimmige Kräuterfrau ihr unheimlich war. Das würde sie natürlich niemals zugeben. Ein Kind aus Tel’Aquera hatte keine Angst.
      Außerdem hatte sie einen wichtigen Auftrag zu erfüllen, denn Schirasa sehr ernst war. Der Älteste hatte sie geschickt, um Devon zu holen. Nicht eines der anderen Kinder. Das machte sie stolz und deshalb hielt sie das Kinn ganz stolz erhoben, ohne dabei zu viel von ihrer Kehle zu präsentieren. So, wie sie es von ihrer großen Schwester gelernt hatte und ihre Schwester hatte immer Recht. Für Schirasa war sie die stärkste Kriegerin des Stammes und wenn sie alt genug war, um die Geschichten der Krieger zu tragen, würde sie genauso stark sein.
      Weil Devon ihr zu langsam ging, ließ sich Schirasa zurückfallen. Mit kindlicher Neugier und zusammengekniffenen, roten Augen starrte sie den Lacerta an, der selbst unter ihnen wie ein Riese wirkte. Er war groß und stark. Die Spuren seines heutigen Sieges waren noch frisch. Der Geruch von Blut kitzelte Schirasa in der Nase. Eine Chance gegen ihre Schwester hatte er trotzdem nicht, dachte sie.
      "Warum hat die Frau so komische Hörner? Haben das alle Frauen da draußen? Hörner wie eine Ziege?", plapperte Schirasa los. Das Grinsen entblößte eine breite Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen. "Isst sie auch Gras und meckert den ganzen Tag herum? Magst du Ziegen?"
      Der Blick, den Devon ihr zuwarf, bekümmerte Schirasa nicht. Stattdessen wurden ihre Augen größer.
      "Wirst du sie auffressen!?"
      Schirasa bog zwischen zwei Hütten ab und folgte einen Trampelpfad zu einer Hütte, die etwas weiter weg stand.
      "Der Mensch sieht aus, als hätte er sich im Schlamm gewälzt", kicherte das Mädchen, ehe sie die Nase rümpfte. "Oder in Asche. Nein, nein, dafür ist seine Haut nicht grau genug. Meine Schwester sagt, er riecht nach Dir. Das ist nicht richtig, meint sie. Hast du ihn mit einer Frau verwechselt, weil er so lange Haare hat? Die andere Krieger sagen, dass Menschenfrauen lange Haare haben. Wie deine Ziege! Aber seine sehen merkwürdig aus. Ich will keine langen Haare. Die kann man leicht packen und daran ziehen. Das ist blöd für den Kampf, obwohl ich sehr schnell bin. Große Schwester sagt ich bin die Schnellste von allen. Schnell wie der Wind in den Bäumen."
      Sie zeigte Devon ein breites Lächeln mit eindeutig zu viel Zähnen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Schalessa marschierte in der engen Hütte ruhelos auf und ab. Es war nicht viel Platz an diesem Ort, an dem nur Erwählte den Ältesten aufsuchen durften, doch sie machte mit ihren langen Beinen das beste daraus. Wo die Energie ihrer jüngeren Schwester aus dem Mund strömte, strömte sie Schalessa aus den Gliedmaßen. Es war ihr im Augenblick unmöglich, stillzuhalten.
      Nishilia war schon da, länger schon. Die alte Frau hatte das Vorrecht zugesagt bekommen, als Ishilin mit Escholons Haut aufgetaucht war, und nur die Drachen mochten wissen, was sie in aller Abwesenheit mit dem Ältesten besprochen hatte. Doch nun war auch Schalessa zugegen und sie würde sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Keinesfalls.
      Unter ihrer Haut brodelte es.
      Sie war in zwei langen Schritten an der Wand und dann wieder zurück, als von draußen bereits Schirasas aufgeregte Stimme ertönte. Das Mädchen hatte Ishilin in Windeseile erreicht und peinigte ihn nun mit ihrer unermüdlichen Zunge. Schalessa blieb stehen und lauschte, ihr Gesicht ein grimmiger Ausdruck. Frag nur, kleiner Drache; nutze die Gelegenheit, so wie ich sie nutze. Es liegt uns im Blut.
      Der Vorhang teilte sich und herein kam er: Ishilin, der Verräter, der Mörder, der Aussetzige. Sein Anblick beschwor eine Wut in Schalessa hervor, die sich nicht eindämmen ließ. Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, bis sie beide fast auf Augenhöhe miteinander waren.
      "Ishilin."
      Ohne auf die Leitung des Ältesten zu warten, zog sie ein Messer aus ihrem Gürtel hervor. Trotz der scharfen Klinge zeichneten die Runen und Verzierungen es nicht als Waffe, sondern Ritualklinge aus. Sogar Schalessa hätte niemals gewagt, dem Ältesten mit Waffen unter die Augen zu treten.
      Mit der Spitze zeigte sie auf Ishilin.
      "Ich fordere dich heraus."
      Ihr Blick glühte, ihre Stimme war ernst und fest. Ihrer Schwester warf sie nur einen kurzen Blick zu; Schirasa konnte schon sehr gut auf sich selbst aufpassen.
      "Du hast mir einen Mann und ein Kind genommen. Escholon versprach mir Nachwuchs, sobald er wieder im Lande ist. Ich verlange Buße."
      Sie ließ den Blick über seine Erscheinung gleiten, verzog das Gesicht abschätzig bei der vielen ungezeichneten Haut, die sie erkennen konnte. Schalessa hatte selbst in den letzten Jahren gut zugelegt; ihr größter Stolz ein Drache, der ihren Hals und die dortige Narbe in einem sehr dunklen Blauton zierte, der jeden freien Zentimeter vereinnahmte. Ishilin war im Gegensatz dazu lächerlich. Diese Herausforderung würde wohl kaum gerecht werden, doch Schalessa dürstete es nach Rache.
      "Dein Blut für meinen Verlust, auf dem Boden der Heimat."
    • Als Devon sich aus dem Dunkel seiner Hütte ins Licht nach draußen beförderte, wirkte das Kind, das ihn abholte, gleich noch mal viel kleiner. Und das, obwohl es für menschliche Maßstäbe sogar verdammt groß geraten war. Dem Kind gebührte jedenfalls keine Gram, weswegen Devon es nicht mit seiner üblichen griesgrämigen Miene bedachte, sondern ihm als Zeichen der Anerkennung kurz zu nickte. Sofort peste das Mädchen davon, während Devon sich alle Zeit der Welt ließ. Ihm war jeder Blick, der auf ihm lastete, und jedes Wort, das man über ihn sprach, mehr als nur gewahr. Viele der Blicke waren nicht unbedingt feindselig – immerhin war er ja noch immer ein Lacerta – doch sie waren mit Argwohn und einer typischen Distanz ausgestattet, mit der er selbst Fremde stets bedacht hatte.
      Das Mädchen kam zurück galoppiert und Devon kam nicht drum herum sich zu fragen, ob sie Escholon auch noch erlebt hatte oder nicht mehr. Den Fragenhagel, den sie dann plötzlich auf ihn niederließ, hatte er nicht erwartet. Eigentlich hatte er seinen Blick stillschweigen auf die große Hütte am Rande des Dorfes gerichtet, doch einige der Fragen waren… fragwürdiger Natur.
      Hat hier noch jemand Hörner auf dem Kopf? Nein. Also, nein, nicht alle Frauen haben das. Sie ist keine Ziege, weil sie nicht auf vier Beinen geht. Sie spricht und heißt Tava. Sie ist eine Cervidia“, erklärte Devon und sprach den Namen ihrer Rasse extra langsam aus, damit das Mädchen ihn auch verstand. Aufklärungsarbeit erledigt.
      „Wirst du sie auffressen!?“
      Devons Mundwinkel zuckten bei dem Gedanken. Das Kind würde nicht verstehen, wenn er zweideutig darüber sprach, wie er Tava gedachte, aufzufressen. „Isst du etwas, das auf zwei Beinen geht und fast aussieht wie du? Das wäre mir neu, dass wir Leute essen.“ Soweit war der Stamm nämlich noch nicht gesunken. Zumindest soweit er darüber informiert worden war.
      „Der Mensch sieht aus, als hätte er sich im Schlamm gewälzt.“
      „Schau an, du weißt also schon, wie Menschen aussehen?“
      „Meine Schwester sagt, er riecht nach dir.“
      „Er gehört auch mir.“
      „Das ist nicht richtig, meint sie. Hast du ihn mit einer Frau verwechselt, weil er so lange Haare hat?“
      Ob es richtig oder falsch war übersprang Devon geflissentlich. „Loscharp hat auch lange Haare. Das ist ja wohl kein Indiz dafür. Er hat sie nur nicht so kurz geflochten wie wir.“
      Die anderen Kriegen sagen, dass Menschenfrauen lange Haare haben. Wie deine Ziege!
      „Nochmal, sie ist eine Cervidia und heißt Tava.“ Geduld war eine Tugend.
      Als sie bei dem Hauptzelt ankamen, plapperte das Mädchen noch immer fröhlich weiter. Doch Devon war gedanklich schon woanders. Er stählte sich für das, was ihm gleich bevorstehen würde, denn da drinnen befand sich nicht nur der Älteste. Dort drinnen waren mehrere Leute, das hörte und spürte er. Diese Herzschläge, die er üblicherweise nur Tava und Malleus zugeordnet hatte, klangen hier im Dorf wie der Lärm auf Märkten in großen Städten. Wenn er sie nicht gezielt ausblendete, dann nahmen sie seine gesamte Aufmerksamkeit ein. Das war ihm bereits im Dschungel aufgefallen, als er auf sich allein gestellt gewesen war. Er hatte viel eher Drachen und Tiere orten können als je zuvor.
      Eine schwere Hand legte sich auf die kleine Schulter. Die erste körperliche Berührung, die er einem anderen Lacerta zuteilwerden ließ und die nicht von Gewalt dominiert war. Mit einem bestimmten Schub gedachte er, das Mädchen außen vor zu lassen, doch sie entwand sich seinem Griff und verschwand im Inneren des Zeltes. Tief atmete Devon durch, dann zog er den Kopf ein und betrat das Vorzelt des Ältesten.
      Ishilin.“
      Rote Augen richteten sich auf eine Lacertafrau mit beachtlicher Größe. Nur der Älteste hatte ihn bisweilen mit seinem echten Namen angesprochen und diesen hatte er vor Jahrzehnten abgelegt. Er musste die Luft nicht einmal schmecken, um den Hass zu bemerken, mit dem Schalessa ihn verurteilte. Unter seinem wachsamen Blick zückte sie eine Klinge, deren Zweck ihm durchaus bekannt war. Ein schneller Blick zeigte ihm, dass sie nicht allein waren. Noch drei weitere ältere Lacerta waren anwesend, zuzüglich des Ältesten, der sich aus dem hinteren Teil, der Hauptkammer, schälte.
      Ich fordere dich heraus“, verkündete Schalessa und Devon schnaubte nur, ignorierte die Spitze, die auf ihn gerichtet war, als er an ihr vorbei ging und auf den Ältesten zuhielt.
      Nette Begrüßung. War ja klar.
      Du hast mir einen Mann und ein Kind genommen.“ Das bescherte ihr dann doch einen interessierten Blick seinerseits. „Escholon versprach mir Nachwuchs, sobald er wieder im Lande ist. Ich verlange Buße.
      Das war zu viel. Zu wenig Worte, zu wenig Verständnis auf zu roher, überspannter Haut. Devon fuhr auf dem Absatz herum und stampfte mit wenigen Schritten auf die Frau zu. Die Klinge, die sie auf ihn gerichtet hatte, bohrte sich in seine stahlharte Brust, wo noch keine Schuppen prangten, und förderte rote Perlen zu Tage. Devon brachte beinahe ihre Nasenspitzen aneinander, als er sagte: „Ich habe dir nichts genommen, ich habe dir Gewissheit gebracht. Du hast einen Mann verloren, ich dafür meine Jagdbruder. Sei mir gefälligst dankbar, dass seine Überreste da sind, wo sie hingehören.“ Der Groll schwelte in seiner Stimme, so heiß wie sein Atem, den er Schalessa ins Gesicht blies.
      „Dein Blut für meinen Verlust, auf dem Boden der Heimat.“
      „Ich werde nicht das Blut der Geliebten meines Jagdbruders für nichts vergießen“, erwiderte Devon und spannte sich an, sein Argument notfalls auch mit Nachdruck klarzumachen.
      Auch das Vorzelt bleibt unbesudelt.“ Die Stimme des Ältesten Tarroshk war ruhig, gefestigt und wesentlich leiser als alle anderen Stimmen, die heute benutzt worden waren. Wie elektrisiert trat Devon einen Schritt von der Frau zurück, schüttelte den Kopf und ging vor Tarroshk auf nicht ein Knie, sondern beide. „Ich will von dir, dass du hier niemanden zu Boden bringst und auch von dir, Schalessa, keine Gewalttaten. Du wolltest anwesend sein, dann reiß dich zusammen.
      Die Rüge galt eher der Frau, die noch immer schäumte und scheinbar einige Dinge falsch verstanden hatte. Die anderen drei Lacertas – zwei Männer und eine Frau – wirkten etwas unschlüssig, so, wie sie mit verschränkten Armen dort standen.
      Ishilin, dein Verbleib ist noch nicht geklärt und der deiner… Begleiter auch nicht. Sie haben für Aufsehen gesorgt. Die meisten wollen den Menschen gehäutet sehen wie Escholon, andere wollen deine Cervidia betten. Was gibst du auf?“
      Nichts.“ Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen und er spürte schon den Phantomschmerz der Klingen, die Schalesse ihm gedanklich in den Rücken trieb. „Ich wünsche die Freilassung beider. Zur Not zahle ich für beide.
      „Dein Preis war damals, dass du nie wieder zurückkehrst, Ishilin. Ich schätze deine Tat, deinen Bruder zu seinem Stamm zurückzubringen, aber du hast die Absprache gebrochen.“ Der Älteste sah zu den anderen Lacertas, die zustimmend nickten. Sie alle kannten Devon sowie er auch sie. Alte Bekannte, die er eigentlich nicht hatte wiedersehen wollen.
      „Du wirst einen neuen Tribut entrichten müssen.“
      „Aber das kann er doch nicht für seine Begleiter tun. Jeder zahlt mit eigem Blute.“
      „Wenn er das auch tun wollte, bliebe ihm nur der Tod.“
      „Willst du verantworten, dass wir einen Lacerta töten, der nur seinen Bruder zurückgebracht hat?“
      „Einen Lacerta? Wir kennen ihn als Jungen, aber sieh ihn dir mal an! Wo ist das da noch ein Lacerta?“ Fast schon entrüstet zeigte einer der Männer auf die Schuppen, die Devons Arme und Rücken bedeckten. Angesprochener hob dabei nicht einmal den Kopf. Darüber entschied nicht er.
      Wir werden beratschlagen, Ishilin. Wie wir mit deinen Begleitern verfahren“, stellte Tarroshk fest und legte eine Hand auf Devons Kopf. „Die Sachen zwischen dir und Schalessa trägst du allein aus. Draußen. Du warst noch nicht bei Nishilia?
      „Nein. Keine Zeit.“
      „Dann tu das im Anschluss“, trug der Älteste dem Jäger auf, ehe er seine Hand von dessen Kopf zurückzog.
    • Die Luft verdickte sich um die beiden Lacerta, die drauf und dran schienen, sich hier und jetzt an die Gurgel zu gehen. Ishilin starrte auf Schalessa mit Hass in den Augen und Schalessa starrte zurück mit Verachtung, zwei Seiten einer Geschichte, die sich nicht lösen ließ. Wie konnte er es auch wagen, ihre Herausforderung grundlos abzulehnen? Doch die leise Stimme des Ältesten, kratzig in der alten Kehle, mahnte sie, an welchem Ort sie sich befanden.
      Auch das Vorzelt bleibt unbesudelt. Ich will von dir, dass du hier niemanden zu Boden bringst und auch von dir, Schalessa, keine Gewalttaten. Du wolltest anwesend sein, dann reiß dich zusammen.
      Ishilin folgte sofort und auch Schalessa zögerte nicht, ihr Ritualmesser zurück in den Gürtel zu stecken. Mit Groll, den sie gut verbergen konnte, senkte sie den Blick zu Boden und trat zurück, um den Ältesten den gebührenden Raum zu schaffen. Ihre Herausforderung hatte sie ausgesprochen, die Gelegenheit ergriffen; mehr hatte sie gar nicht gewollt. Mit einem Seitenblick und einer Kopfbewegung lockte sie Schirasa heran, damit sie neben ihr stehen und zuhören konnte. Schirasa war noch nie bei so etwas dabei gewesen, es würde ihren Wissensdurst gehörig anregen.
      Ishilin, dein Verbleib ist noch nicht geklärt und der deiner… Begleiter auch nicht", fuhr der Älteste fort. "Sie haben für Aufsehen gesorgt. Die meisten wollen den Menschen gehäutet sehen wie Escholon, andere wollen deine Cervidia betten. Was gibst du auf?“
      "Nichts."
      Schalessa machte ein verachtendes Klick-Geräusch. So eine Anmaßung - beide zu behalten! Mit was sollte er das bezahlen? Erst kam er als Escholons Mörder aus dem Exil zurück, dann beanspruchte er seine Beute auch noch für sich selbst? Die Außenwelt musste gehörig seinen kaputten Kopf verdreht haben.
      Ich wünsche die Freilassung beider. Zur Not zahle ich für beide.
      „Dein Preis war damals, dass du nie wieder zurückkehrst, Ishilin. Ich schätze deine Tat, deinen Bruder zu seinem Stamm zurückzubringen, aber du hast die Absprache gebrochen.
      Befriedigt verschränkte Schalessa die Arme vor der Brust. Wenigstens auf den Ältesten war immer verlass.
      „Du wirst einen neuen Tribut entrichten müssen.“
      „Aber das kann er doch nicht für seine Begleiter tun. Jeder zahlt mit eigem Blute.“
      "Kein Tribut kann hoch genug sein", murrte Schalessa dazwischen.
      „Wenn er das auch tun wollte, bliebe ihm nur der Tod.“
      „Willst du verantworten, dass wir einen Lacerta töten, der nur seinen Bruder zurückgebracht hat?“
      "Umgebracht hat er ihn!", fauchte sie zurück.
      „Einen Lacerta? Wir kennen ihn als Jungen, aber sieh ihn dir mal an! Wo ist das da noch ein Lacerta?
      Wir werden beratschlagen, Ishilin. Wie wir mit deinen Begleitern verfahren“, sagte Tarroshk entschlossen. Schalessa hätte das alles gerne jetzt erledigt, aber sie fügte sich zähneknirschend dem Willen des Ältesten.
      Die Sachen zwischen dir und Schalessa trägst du allein aus. Draußen. Du warst noch nicht bei Nishilia?
      „Nein. Keine Zeit.“
      „Dann tu das im Anschluss.
      Der Älteste erlöste Ishilin und mit ihm löste sich die Runde auf. Schalessa gab ihrer Schwester die Hand und zusammen gingen sie nach draußen, um auf Ishilin zu warten. Er kam, ohne jegliche Anstalten, sich auf die Herausforderung einzulassen.
      "Beleidige mich nicht", knurrte Schalessa ihn an. "Ich sollte nach deiner Haut verlangen, wenn sie es wert gewesen wäre. Alle anderen hast du vielleicht überzeugt, aber mir kannst du nichts vormachen. Escholon war ein großer und starker Jäger, nichts hätte ihn umbringen können, nichts außer einem Drachen, und der hätte ihn verschluckt bis nichts mehr von ihm übrig geblieben wäre. Du hast ihn umgebracht und ich werde Escholon Rache gewähren! Du magst vielleicht deinen Jagdbruder weggegeben haben, aber mir hast du ein Mann und ein Kind genommen und damit ist es mein gutes Recht!"
    • Schalessa und das Kind, vermutlich ihre Schwester, verließen das Vorzelt als Erste. Kaum hatte der Älteste seine Hand vom Kopf des Jägers zurückgezogen, erhob sich dieser zu seiner vollen Größe. Tarroshk, der gut anderthalb Köpfe kleiner war als Devon, betrachtete den so andersartigen Lacerta einen Augenblick lang.
      „Hätte ich gewusst, dass deine Worte nicht leer gewesen sind, hätte ich dich einfach ziehen lassen“, sagte der Älteste und schenkte Devon eines seiner seltenen Lächeln ehe sich der Alte wieder in die Hauptkammer zurückzog. Ihm auf den Fersen folgten die drei restlichen Lacerta, womit schließlich auch Devon das Zelt nach draußen hin verließ.
      Und geradewegs an Schalessa vorbei gen seiner eigenen Hütte marschierte.
      „Beleidige mich nicht“, knurrte sie ihn an, doch der Jäger würdigte die Frau nicht mal eines Blickes.
      Tu ich das nicht unlängst mit meiner puren Anwesenheit?“
      „Ich sollte nach deiner Haut verlangen, wenn sie es wert gewesen wäre. Alle anderen hast du vielleicht überzeugt, aber mir kannst du nichts vormachen.“
      „Ich habe sie überzeugt? Pfft.“ Schalessa musste ihm folgen, damit er sie nicht einfach stehen ließ. Er musste jetzt nach Tava und Malleus sehen. Vertrauen gab es hier nämlich in niemanden mehr. „Sehe ich so aus, als hätte ich die Leute überzeugt? Tarroshk ist der Einzige, der über Weitsicht verfügt.“
      DU hast ihn umgebracht und ich werde Escholon Rache gewähren!“ Die Wut triefte aus ihren Worten und vergiftete den Boden, auf dem sie beide gingen. So sehr, dass Devons Füße schwer wurden und er anhielt, ehe er es sich versah. „Du magst vielleicht deinen Jagdbruder weggegeben haben, aber mir hast du einen Mann und ein Kind genommen und damit ist es mein gutes Rech!“
      Da drehte Devon ihr seine breite Brust zu, schnaubte sie von oben herab an. „Wo sind die Beweise, hm? Wo ist der Beweis, dass ICH, sein BRUDER, ihn getötet haben soll und dazu das Dutzend Kinder seiner Schule?“
      Er sah sich schon dabei, wie er Schalessa am Hals packte und sie in den Dreck zu seinen Füßen presste. Dorthin, wo sie hingehörte. Die Frau war groß geraten und durchaus kräftig, eine der besseren Jägerinnen im Dorf, aber ihm noch lange nicht gewachsen. Alle hier waren für sich allein genommen keine Gefahr, die Gemeinschaft machte sie stark. Da draußen in dem Chaos der anderen Rassen und der wirklichen Welt hatte Devon die dreckigen Seiten des Kampfes erlernt. Davon konnten sich die Stammeslacerta eine Scheibe abschneiden. Seine Hände entspannten sich gewaltsam, damit er sie frei hatte, um ihren dürren Hals zu greifen.
      Manche Momente bedürfen ein wenig Fingerspitzengefühl. Überstürztes Handeln erzielt bei festgefahrenen Leuten keinen Erfolg. Denk nach.
      Devon blinzelte, als ihm Malleus‘ Stimme in den Sinn kam. Das hier war die Welt der Lacerta, deren Spielregeln er wie kein Zweiter kannte. Dennoch konnte er nicht alles nur mit dem stumpfen Einsatz von Gewalt lösen. Nicht, wenn ein so großer Irrtum vorlag wie in diesem Fall.
      Was erhoffst du dir von dem Duell, Schalessa? Willst du es jetzt forcieren, nachdem ich mit schon tagelang durch sämtliche andere Stammesmitglieder gewütet habe?“ Demonstrativ breitete er die Arme zu den Seiten aus, enthüllte all die Prellungen und Platzwunden, die sich zwischen den Schuppen hervorhoben und zwar getrocknet, aber noch nicht verheilt waren. „Du sprühst Gift, Schwester. Du willst es schnell loswerden, aber was ist das denn für ein Kampf, gegen einen Lacerta nicht auf Höhe seiner Kräfte? Was soll es also sein?“
      Nishilia würde alles aufklären können. Escholons Mutter wusste genau, was für eine Beziehung sie und sein Bruder gehabt haben und würde ihm niemals unterstellen, ihn getötet zu haben. Nur musste er noch soweit kommen.
    • Schirasa sah ihre große Schwester mit großen Augen voller Bewunderung an. So, wie es nur jüngere Geschwister konnten. Obwohl das Mädchen vor Aufregung kaum still stehen konnte, folgte sie der stummen Aufforderung und gesellte sich gehorsam an die Seite von Schalessa. Die Kinder hatten den Erwachsenen zu gehorchen. Das war sehr wichtig; Ihnen Respekt zu erweisen. Selbst ein Wirbelwind wie Schirasa hatte die Rangordnung von klein auf verinnerlicht. Sie würde sich den Platz als respektierte Jägerin an der Seite ihrer großen Schwester verdienen und dann würde Schalessa stolz auf sie sein. Sobald Schirasa alt genug war und sich der Geschichten der Jäger als würdig erwiesen hatte, würde sie Seite an Seite mit ihrer Schwester durch den Dschungel streifen und das Dorf vor Monstern beschützen.
      Mit gestrafften Schultern stand sie neben Schalessa.
      Die Wut ihrer großen Schwester machte dem Mädchen keine Angst. Ein erwartungsvolles Kribbeln ließ sie von einen Fuß auf den Anderen treten. Vorbei war es damit, brav und still neben Schalessa zu stehen. Ihre Schwester kämpfen und siegen zu sehen, war das Größte für Schirasa. Wann immer Schalessa außer Hörweite war, gab sie vor den anderen Kindern mit der Stärke ihrer großen Schwester an.
      Obwohl sie nicht alles verstand, was vor sich ging, begriff Schirasa doch, dass Escholons Verschwinden der Grund war. Mit kindlicher Neugier huschte ihr Blick zu dem Mann mit den Schuppen eines Drachen. Er hatte die Haut gebracht und das hatte Schalessa sehr wütend gemacht. Sie verstand, das Escholon nicht zurückkommen würde.
      Als der Älteste, der ehrwürdige Tarroshk, die Stimme erhob, neigte Schirasa das Haupt und verschwand ein wenig hinter ihrer Schwester. Sie durfte das erste Mal diese Hütte betreten und wollte auf keinen Fall den Unmut des Ältesten auf sich ziehen, weil sie zappelte oder im Weg stand. Auf gar keinen Fall wollte sie eine Schande für ihre große Schwester sein. Eigentlich, durften Kinder nämlich nicht in die Hütte kommen, weil hier nur Erwachsenengespräche geführt wurden. Schirasa sah erst auf, als Schalessa ihre Hand nahm.
      Enttäuscht plusterte das Mädchen die Backen auf, weil es wohl keinen Kampf geben würde. Vielleicht stimmte es doch und dieser Ishilin war ein Feigling, der sich hinter Tarroshk versteckte. Sie verstand nicht, warum der Älteste ihrer Schwester den Kampf verbot. Eigentlich war der für Schirasa fremde Mann ganz nett...Er hatte immerhin ein paar ihrer Fragen beantwortet und ihr nicht wie alle anderen gesagt, dass sie ihr Plappermaul halten sollten. Das sie zu laut war, zu hibbelig. Vehement schüttelte sie den Kopf.
      Vor der Hütte wurde sie geradezu hinter ihrer Schwester her geschleift. Mit den im Vergleich kurzen Beinchen konnte sie kaum Schritt halten.
      "Warte, große Schwester. Nicht so schnell", quengelte sie.
      DU hast ihn umgebracht und ich werde Escholon Rache gewähren!
      Schalessa hörte ihr gar nicht zu! Die aufgeplusterten Backen wurden jetzt auch noch rot.
      Da drehte sich Ishilin um.
      Alle Luft entwich aus ihren Wangen. Gleich war es soweit. Auch andere, neugierige Augen wagten sich nun näher heran.
      Du sprühst Gift, Schwester. Du willst es schnell loswerden, aber was ist das denn für ein Kampf, gegen einen Lacerta nicht auf Höhe seiner Kräfte? Was soll es also sein?“, sagte Ishilin.
      Schirasa verstand nicht.
      "Schwester?"
      Fragend zog sie an der großen Hand ihrer Schwester und als keine Reaktion bekam, zog sie noch kräftiger daran.
      "Was meint er damit, Schalessa? Warum sagt er das?", forderte sie ungeduldig.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Wer soll es sonst getan haben wenn nicht du?", sagte Schalessa aufgebracht und gestikulierte in Richtung Ishilins Hütte. "Willst du mir erzählen, dass einer wie dieser schmächtige Mensch ihn umgebracht haben soll? Willst du das? Oder eine Ziege? Willst du Escholon in seinen Tod hinein auch noch Schande bringen?"
      Sie packte Schirasas Hand in ihrer Wut so fest, dass es der kleinen Lacerta bestimmt wehtat, aber das Mädchen blieb tapfer und treu, so wie sie es immer war. Nicht so wie Ishilin, der seinem eigenen Jagdbruder in den Rücken fiel. Schalessas Augen füllten sich mit Wuttränen.
      Was erhoffst du dir von dem Duell, Schalessa?", kam die Rückfrage. Schalessa blinzelte ihr Gegenüber wütend an. "Willst du es jetzt forcieren, nachdem ich mit schon tagelang durch sämtliche andere Stammesmitglieder gewütet habe?"
      Um es ihr zu beweisen, breitete er die Arme aus, machte sich schutzlos. Sie sah sich schon dabei, wie sie den Ellbogen gegen seinen malträtierten Brustkorb rammte und ihn zu Boden stieß. Dorthin, wo er hingehörte. Ishilin hatte so lange dort draußen in der Welt abseits verbracht, dass sie ihn verweichlicht hatte, ihm den Zug aus seinen Muskeln genommen hatte. Hier in ihrem Dorf, im tiefsten Dschungel unter all den Drachen, nur hier blieben ihre Sinne scharf und ihre Reflexe schnell - davon konnte Ishilin sich eine Scheibe abschneiden.
      Du sprühst Gift, Schwester. Du willst es schnell loswerden, aber was ist das denn für ein Kampf, gegen einen Lacerta nicht auf Höhe seiner Kräfte? Was soll es also sein?“
      Schalessa machte ein abschätziges Geräusch, weil Ishilin nun auch wagte, seine Schwäche gegen sie zu nutzen. Er würde sowieso keine große Herausforderung bieten, was würde es ihr dann bringen, ihn mit Wunden zu bekämpfen? Sein Blut musste wohlverdient sein, nicht dargeboten durch reine Schwäche. Was für eine Rache sollte das schon bieten?
      "Schwester?"
      Schalessa ignorierte Schirasa, während sie Ishilin in die Augen blickte. Vielleicht war es auch nur eine List, ein Versuch seines schwach gewordenen Gehirns, sich aus den Konsequenzen zu winden. Sollte es ein Trick der Menschen sein? Hatte er sich etwa von ihnen so beeinflussen lassen, um ihre Bräuche und Traditionen mit den Füßen zu treten? Denkbar wäre es.
      Schirasa zog noch einmal an ihrer Hand, kräftiger diesmal und Schalessa riss endlich den Kopf zu ihr herum.
      "Was?"
      "Was meint er damit, Schalessa? Warum sagt er das?"
      Schalessa warf Ishilin einen kurzen Blick zu.
      "Er versteckt sich hinter seinen Wunden wie ein humpelnder Drache, der durch Mitleid auf seine Flucht hofft. Das sagt er und hofft, dass ich weich genug bin, ihn ziehen zu lassen. Aber was tun wir mit humpelnden Drachen, Schirasa?"
      Sie ließ ihre Schwester das beantworten, den Blick unentwegt auf Ishilin gerichtet.
      "Einen Tag bekommst du, um deine Wunden zu lecken, dann will ich meinen Kampf. Morgen um dieselbe Zeit - solltest du nicht mehr hier sein, Ishilin, dann werde ich dich jagen und dein Blut fordern. Bis ans Ende der Welt werde ich dir folgen, um Escholon seinen Frieden zu gewähren. Denke also bloß nicht, du könntest dich davonschleichen wie ein räudiger Wolf. Hörst du?"
    • Wer soll es sonst getan haben, wenn nicht du?
      Devon schnaubte abfällig. Wenn er eines mittlerweile gelernt hatte, dann war es die Medaille immer von beiden Seiten zu betrachten. Selten war die einfachste Lösung auch die richtige, weshalb er nur müde den Kopf schütteln konnte, dass Schalessa sich genau daran festhielt. Sie hatte nicht gesehen, in welcher schäbigen Kiste die Haut eingerollt war. Musste nicht die duzenden toten Blicke aus leeren Augen ertragen, als sie anklagend durch die Luft geflogen sind. Nichts davon hatte er sie erlebt und erdreistete sich dennoch, ihn weiterhin des Mordes anzuklagen. Dass gemordet wurde, war nicht das Problem, sondern wer durch wen.
      Das kleine Mädchen an ihrer Seite war vollkommen gebannt. Devon erinnerte sich daran, wie Kinder ihre Vorbilder anhimmelten. Er selbst war nie in den Genuss von Geschwistern gekommen – vergleichen konnte er es deshalb nicht. Jedoch war ihm längst aufgefallen, wie sie Schalessa beobachtete und scheinbar Zeugin sein wollte, wie ihre Schwester gegen den Fremdem Drachentypen antrat. Diesen Genuss würde er ihr wohl oder übel schneller servieren, als sie es ahnen konnte.
      Er versteckt sich hinter seinen Wunden wie ein humpelnder Drache, der durch Mitleid auf seine Flucht hofft. Das sagt er und hofft, dass ich weich genug bin, ihn ziehen zu lassen. Aber was tun wir mit humpelnden Drachen, Schirasa?“, kippte die Frau einfach nur noch mehr Öl ins Feuer, das ohnehin nie wirklich erloschen war. Was Schirasa darauf sagte, hörte Devon nur noch entfernt. Mit aller Macht versuchte er sich an das bisschen Selbstkontrolle zu halten, das ihm noch geblieben war. Das letzte Pflänzchen auf kargem Boden, das durch Malleus in ihm gesät worden war, und das er mit löchrigen Tüchern gegen einen Sturm schützen wollte. Dann ergriff Schalessa wieder das Wort und er zweifelte kurz daran, ob er denn richtig gehört hatte.
      „Denke also bloß nicht, du könntest dich davonschleichen wie ein räudiger Wolf. Hörst du?“
      Diese Beleidung traf ihn nicht so hart, wie manch andere. Er war es gewohnt, verstört angesehen zu werden. Als Monster behandelt zu werden, als Aussätziger selbst unter seinen eigenen Leuten. Seine Taten wurden nicht gutgeheißen, seine Motive mehr als hinterfragt. Aber selbst diese Stümperin sollte die Regeln des Dorfes so gut kennen, dass es keine Flucht hier gab. Niemand entkam dem Dorf, wenn der Älteste es so wollte. Eine Fahrlässigkeit, die sie einfach so beging.
      Es war einfach der Punkt von ALLEM. Dieser Hass in ihren Augen. Diese absolute Unwilligkeit, die Tatsachen zu hinterfragen. Dass sie ihrer Schwester ein falsches Vorbild war. Dass sie ihm unterstellte, die Regeln und Traditionen zu treten. Dass sie ihm unterstellte, sich zu entziehen, feige zu sein. Dass ER derjenige gewesen sein soll, seinen Bruder zu töten und die Dreistigkeit besaß, ihn herzubringen.
      Dass sie ihn mit einem Drachen verglich.
      Es fühlte sich an, als würde sich die Welt um Devon verlangsamen. Als schlüge sein Herz auf einmal nicht mehr und selbst die Töne verzerrten sich zu seltsam langgezogenem Geheul. Er sah, wie Schalessa ganz langsam blinzelte, wie er selbst in Zeitlupe schluckte. Er hinterfragte nicht, wieso das auf einmal passierte. Er sah nicht rot wie auf dem Markt, als er die Kinderaugen gesehen hatte. Doch es fühlte sich verdammt ähnlich an. So sehr, dass er dem Drängen seiner angestammten Natur, die hier näher an ihren Wurzeln als sonst irgendwo auf der Welt war, nachgab.
      Im nächsten Augenblick stand er schon vor Schalessa und donnerte ihr eine geballte Faust mitten ins Gesicht. Er spürte, wie ihre Nase unter der brachialen Wucht knackte und sie nach hinten wegtaumeln musste. Ein Blinzeln später setzte sein Herzschlag wieder ein, die Zeit lief wieder normal und er erinnerte sich nicht daran, wie er so schnell an die Frau herangekommen war. Seine Hand ruhte auf Schirasas Schulter, damit ihre ältere Schwester sie nicht einfach mitzog. Sofort nahm er die Hand von ihr. Es sollte Schalessa nicht weiter provozieren.
      Trotzdem war da nicht dieser ehrbare Stammesstolz in Devon zu erkennen. Er stand nicht aufrecht mit durchgedrücktem Rücken, präsentierte seine Gesamtheit seiner Gegnerin. Stattdessen stand er leicht gekrümmt, fast schon ein wenig in Lauerhaltung, so wie er es immer tat, wenn er gegen einen Drachen antrat. Bewusst atmete er tief durch, eine bedrohliche Gestalt, die sich mit knackendem Nacken einige Schritte von dem Mädchen entfernte.
      Es gab zu viele Worte, die gesprochen werden müssten. Keines davon würde jetzt die Lacertafrau erreichen. Sie würden in einem anderen Umfeld erfolgen müssen. „Jetzt sind wir beide angeschlagen. Kümmer dich um deine Nase, dann bekommst du morgen dein Duell. Nimm deine Schwester mit, ich nehme meine Begleiter dazu. Anscheinend muss ich dir erst Verstand einprügeln.
      Damit kehrte Devon Schalessa den Rücken und stapfte zurück zu seiner Hütte, wobei er sich die pochende Faust ausschüttelte. Die Frau hatte wirklich einen Dickschädel.

      In der Hütte angekommen fand Devon Raschasis unverändert mit Malleus und Tava vor. Immerhin hatten sie das Fleisch fertig gebraten und untereinander aufgeteilt. Während seine Begleiter ihn neugierig musterten, rümpfte die Lacerta nur die Nase. „Du stinkst, Ishilin. Wer hat dir ans Bein gepisst?
      Schalessa.“ Kurz angebunden setzte er sich an das Feuer und pflückte sich Fleisch von dem Bein. „Ihr könnt morgen einem Ritualkampf beiwohnen. Worte haben leider ihre Wirkung verfehlt.“
      Raschasis rollte mit den Augen. „Das Mädchen ist jung und ungestüm. Hat ein gewaltiges Ego so wie du.
      Mein Ego ist nicht gewaltig. Ich wollte es mit Verstand lösen, aber den muss ich ihr erst einprügeln.
      „Und wo ist das Problem?“
      Dass doch irgendjemand hier verdammt nochmal seinen Kopf nicht nur für Kopfstöße gebrauchen soll!“, entfuhr es Devon gereizt und spuckte kleine Fleischstücke dabei aus. Unangenehm berührt wischte er sich mit dem Handrücken über den Mund. „Entschuldigt. Die Stimmung war ein wenig aufgeladen. Anderes Thema. Wie kommt ihr mit dem Lernen zurecht?“
    • "...aber was tun wir mit humpelnden Drachen, Schirasa?"
      Oh, die Frage war leicht. Die Antwort lag Schirasa auf der Zunge, bevor Schalessa ihren Namen vollständig ausgesprochen hatte. Erwartungsvoll, aber brav, wartete das Mädchen auf die Lücke, die sie mit ihren eigenen Worten füllen konnte. Schirasa war begierig darauf, ihrer Schwester die richtige Antwort zu liefern. Es war selten genug, dass die Erwachsenen ihr Gehör schenkten.
      "Wir geben ihnen den Gnadenstoß. Eine Speerspitze direkt ins Genick!", platzte es Schirasa heraus, deren Zunge die Worte gar nicht schnell genug formen konnte, wie das Mädchen wollte. Sie zeigte Schalessa ein viel zu freudiges Lächeln, doch ihre große Schwester hatte nur Augen für Ishilin. Schirasa verzog das Gesicht zu einem trotzigen Schmollen, blieb aber still. Was Schalessa dann sagte, lenkte sie erfolgreich davon ab, dass sie schon wieder ignoriert wurde. Es würde doch noch einen Kampf geben! Begeisterung erhellte das Gesicht der kleinen Lacerta. Seit sie denken konnte, hatte sie keinen Kampf ihrer Schwester verpasst. Kein Wunder, sie folgte ihrer Schwester wie ein Schatten und wenn Ishilin ihren Zorn weckte, dann hatte er es sicherlich verdient.
      Schirasa sah den Mann an, der geduldig ihre Fragen beantwortet hatte und runzelte die Stirn. Wenn Schalessa ihn tötete, konnte sie ihm keine Fragen über die Welt außerhalb des Dschungels mehr stellen. Das war schon ein wenig schade, weil...Schirasa hüpfte mit einem Zischen zurück, als Ishilin plötzlich vor ihnen auftauchte. Er war so schnell gewesen. Schirasa umklammerte die Hand ihrer Schwester und bleckte die Zähne, weil selbst ein Kind die Bedrohung wittern konnte. Im nächsten Moment spürte sie eine große Hand auf ihrer Schulter, die sie zischelnd abzuschütteln versuchte, und ihre Schwester bekam einen Faustschlag mitten ins Gesicht. Sie wollte Ishilin in die Hand beißen. Wie konnte er es wagen ihre Schwester zu schlagen?!
      "Geh weg!", zischte sie, doch bevor sie ihm in die Hand beißen konnte, trat er bereits zurück. Schirasa eilte zurück an die Seite ihrer Schwester. Sie fragte nicht, ob alles in Ordnung war. Natürlich war es das. Schalessa war stark! Sie würde ihre Schwester nicht demütigen, in dem sie das in Frage stellte.

      Malleus' Kopf schnellte herum, als eine Gestalt die Hütte betrat. Gekrümmt überquerte sie die Türschwelle und die mahlenden Kiefer des Kultisten entspannten sich erst, als er zweifelfrei Devon ausmachen konnte. Der Jäger sah angespannt aus. Malleus ließ den Blick auf der Suche nach neuen Verletzungen unverhohlen über den spärlich bekleideten Leib des Lacerta wandern. Er registrierte den harten Zuge um die breiten Schultern und den Groll, der sich hinter roten Augen und geschlitzten Pupillen verbarg. Der Besuch beim Ältesten der Dorfes war, wie erwartet, nicht von erfreulicher Natur gewesen. Malleus tröstete sich damit, dass Devon in einem Stück zurückgekehrt war. Das bedeutete, dass ihre Schonfrist nicht vorzeitig abgelaufen war.
      „Entschuldigt. Die Stimmung war ein wenig aufgeladen. Anderes Thema. Wie kommt ihr mit dem Lernen zurecht?“, wechselte Devon das Thema, bevor Malleus überhaupt daran denken konnte, die rastlose Neugier zu befriedigen.
      "Willkommen zurück, Devon", mühte sich Malleus mit den befremdlichen Zischlauten ab und ignorierte geflissentlich den Blick, den Raschasis ihm zuwarf.
      Er musste nicht hinsehen um zu wissen, dass der Lacerta von seiner ungelenken Aussprache vermutlich schon die Ohren bluteten. Die gespaltene Zunge machte es sicherlich einfacher, aber soweit würde der Kultist um die Perfektion Willen nicht gehen.
      Es raschelte auf dem kargen Schlaflager, als Malleus die Hände in die Knie stemmte und sich ächzend zu voller Größe aufrichtete. Neben Raschasis fühlte er sich zu seinem Unmut trotzdem lächerlich klein. Von Devon war er den Umstand gewöhnt, aber von einer Frau...? Humpelnd näherte er sich der Feuerstelle, positionierte sich jedoch so, dass er auch noch Raschasis und Tava im Blick hatte. Die Schnitte an seinem Rücken spannten bei jeder Bewegung, doch die fremden Heilkräuter leisteten gute Arbeit. An das betäubende Kribbeln hatte er sich bereits gewöhnt.
      Malleus neigte den Kopf leicht zur Seite um den Blick des Mannes einzufangen, wobei sein Mundwinkel verräterisch zuckte weil die frische Bisswunde sich bemerkbar machte.
      "Ein weiterer Kampf? In der Geschwindigkeit rennt uns die Zeit davon, wenn sie dir keine Gelegenheit geben um deine Kräfte zu sammeln. Ich bekomme den Eindruck, dass deine Leute nicht mich sondern dich häuten wollen", sagte Malleus mit kratziger aber wieder fester Stimme.
      Über die Strapazen täuschte es dennoch kaum hinweg. Dafür war Malleus bereits nach den ersten Schritten in Richtung von Devon zu schnell in eine leicht gekrümmte Schonhaltung gefallen. Für einen Moment musterte er den Lacerta eingehend, fand aber offensichtlich nicht, wonach er suchte.
      "Schick sie weg, Devon", murmelte Malleus und schüttelte den Kopf bevor Devon den falschen Gedanken bekommen konnte. "Sie hat nichts getan. Sie war...freundlich, für Lacerta-Verhältnisse, aber du brauchst eine Pause. Wir brauchen eine Pause. Wenn deine Leute uns lassen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • „Willkommen zurück, Devon.“
      Für einen sehr langen Herzschlag vergaß Devon, wie man atmete. Für ihn war das Hören seiner Stammessprache, gerade hier im Dorf, absolut nichts Ungewöhnliches. Überall sprachen sie es fließend, aber nicht einer von ihnen hatte SEINEN Namen darin benutzt. Die so andersartige Sprache jetzt aus Malleus‘ Mund zu hören, ließ Devon einen kurzen Schauer erfahren. Wieso war ihm nicht ganz klar. Kaum dass ihm auffiel, dass er Malleus anstarrte, zuckte sein Blick zurück zum Feuer.
      Es raschelte, als sich Malleus aufrichtete, während alle anderen am Boden sitzen blieben. Erstmalig war der Mensch der Größte im Raum. Sobald er in Devons Blickfeld kam, heftete sich dessen Blick an den Kultisten und verfolgte jeden der unsteten Schritte. Von der einstigen Grazilität war kaum etwas übriggeblieben. Sie alle brauchten eine Pause, und zwar dringend. Bevor der Jäger dazu auch nur ein Wörtchen sagen konnte, fing Malleus seinen Blick ein und neigte den Kopf minimal. Wie von selbst fiel Devons Blick auf das Mal, das er seinem Begleiter verpasst hatte. Dass der Mann irgendetwas darüber dachte, war klar – immerhin zuckte seine Mundpartie wieder so seltsam.
      „Ihr habt keine Ahnung. Seit ich hier bin ich das Ganze ein ständig anhaltender Kampf. Hier wird alles darüber entschieden, ob du dich gegenüber anderen behaupten kannst. Als Kind oder Jugendlicher passiert es dir nicht so häufig, aber als Erwachsener wirst du öfter verwickelt. Gerade, wenn du jemand bist, der als verstoßen gilt“, murrte Devon und reichte Malleus über die Flammen hinweg ein Stück Fleisch.
      „Schick sie weg, Devon. Sie hat nichts getan. Sie war… freundlich, für Lacerta-Verhältnisse, aber du brauchst eine Pause. Wenn deine Leute uns lassen“, murmelte Malleus und Devon nickte, eher er sich Raschasis zuwandte.
      „Wir danken für deine Dienste und möchten deine Zeit nicht weiter beanspruchen.“
      Fast augenblicklich erhob sich die große Lacertafrau. „Meine Kräuter sind sowieso verbraucht.“
      „Richte Roschoss meine Grüße aus. Wenn er sie denn empfangen mag.“
      Ich versuche es.“ Damit nickte die Lacerta Tava und Malleus zu und verschwand durch den Vorhang nach draußen.
      Devon stieß einen längst überfälligen Atemzug aus. „Da es sicherlich die Runde gemacht hat, dass mich ein Duell erwartet, dürfte heute zumindest niemand mehr die Hütte stürmen. So viel Anstand haben meine Leute noch.“
      Wenigstens das war eine Sache, die er sicher bestimmen und sagen konnte.

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      Wie erhofft verlief die Nacht ohne Zwischenfälle, was Devon jedoch nicht davon abhielt sich buchstäblich vor den Eingang der Hütte schlafen zu legen. Die anderen beiden hatten es sich um das Feuer herum gemütlich gemacht, da die Temperaturen während der Nacht auch hier abfielen. Weswegen es dauerte, bis Devon wirklich in die Gänge kam und sich aus seinem seichten Schlaf erhob. Auch seine Wunden waren bei Weitem nicht verheilt, aber die Nacht und sein Umstand hatten dafür gesorgt, dass sie alle zumindest gut verschlossen waren. Ein Anfang, ein Vorteil, den er unausgesprochen lassen würde.
      Malleus trug noch immer die Wunden und ihre Spuren zur Schau. Ihn hatte glücklicherweise kein Fieber ereilt, aber die Genesung würde sich ziehen. Sein Gangbild war eindeutig geschunden, gänzlich gerade aufrichten konnte er sich nicht. Tava kam ihm irgendwann zur Hilfe, wenn er längere Strecken gehen musste, wie beispielsweise ihr kurzer Ausflug zum Waschen am Wasserfallbecken. Man ließ sie dort allein und unbeobachtet, weshalb sie sich Ruhe und Zeit nehmen konnten, wirklich die letzten Spuren des Waldes von sich zu waschen. Erst dann machten sie sich zusammen auf den Weg zu dem Ort, an dem Schalessa ihn erwarten würde. Allerdings nicht ohne einen kurzen Umweg beim Ältesten. Der besaß nämlich etwas, das er brauchen würde.
      Den Ort, den Devon mit Tava und Malleus im Schlepptau aufsuchte, war im Wald eingerichtet worden. Abgesteckt und gesichert, damit kein Drache hier einfallen konnte, hatte man Bäume gefällt und einen länglichen Platz erschaffen. Fackelständer zierten den Umkreis, während der Boden mit gemahlenem Kalkstein ausgestreut worden war. Der ehemals hellgelbe Sandstein war hier nicht mehr gelb – er war rostbraun und von der Sonne ausgeblichen. Duelle wurden seltener ausgesprochen und nur dann, wenn es um wirklich wichtige und große Dinge ging. Oder Personen. Vermutlich würde er hier auch ein Duell gegen jemanden bestreiten müssen, der Anspruch auf Tava erhob. Eine einfache Prügelei würde dafür nicht ausreichen.
      Schalessa und Schirasa warteten bereits am anderen Ende des Platzes. Die große Frau schnaubte abfällig, als sie Devon und seine Begleiter erblickte. Ihre gesamte Haltung war feindselig und selbstsicher, angesichts der Tatsache, dass Devon die gesamte Zeit über in leicht gekrümmter Haltung gegangen war. Ein Trick, eine Täuschung, die er sich von Malleus abgeguckt hatte.
      „Ihr könnt euch an den Rand hier stellen oder setzen, wie ihr mögt. Aber ihr dürft den Platz nicht betreten, egal, was passiert. Ihr bewegt euch erst hier fort, wenn ich euch das sage. Verstanden?“, fragte Devon und deutete auf die Stellen, wo die Beiden warten sollten. Dann nickte er ihnen zu und marschierte über den Platz, an seiner Hüfte schwang bei jedem Schritt die Scheide seiner Malachitklinge. Waffen waren eigentlich verpönt bei den Lacertas, Fäuste und Körperkraft entschieden darüber, wer sich behaupten durfte und wer nicht. Doch Schalessa forderte nicht nur sein Blut, so wie es andere zahlreiche Krieger vor ihm im Kalkstein vergossen hatten, sondern sein Leben. Das würde sie zu einer Mörderin eines Stammesgenossen machen, ohne es zu wissen. Nur, weil sie von Hass und Verlust geblendet war.
      Schalessa, ich sag’s dir gleich – ich werde dich entweder bewusstlos schlagen oder dich zur Kapitulation bringen. Dein Tod wäre nicht in seinem Ermessen“, rief Devon über den Platz hinweg. Sie weiterhin zu provozieren stand erst einmal nicht auf seinem Plan. „Wenn ich gewinne will ich, dass du mich zu Nishilia begleiten und dir die Geschichte anhören wirst. Anders verstehst du es ja nicht.“
    • Schalessa war früh genug am Platz, um die Gegend mit ihren Leuten zu füllen - lauter Zeugen, die beobachteten, wie sie Escholons Tod rächen würde. Schirasa war auch mit dabei und bebte geradezu vor angestauter Energie. Schalessa konnte es ihr nicht verdenken.
      Sie dampfte bereits vor Wut. Ihre Nase war überklebt, um sie schneller heilen zu lassen, und hatte sie mit dem Schmerz die ganze Nacht wach gehalten. Ishilins Schlag war persönlich gewesen und so persönlich nahm sie es auch jetzt. Das hier war nicht mehr nur Escholons Rache, das war auch ihre eigene Vergeltung, ein Durst nach Gerechtigkeit, die Ishilin heimsuchen würde. Finster stand sie am anderen Ende des abgetrennten Platzes und sah dabei zu, wie Ishilin mit seiner Bagage aufkreuzte.
      Tava setzte sich mit Malleus genau dorthin, wo Devon sie anwies, eng beieinander und mit aufmerksamen Blicken. Tava hielt ihre Hörner jedem hin, der sie beide auch nur einmal ansah, aber im Großen und Ganzen verhielten die Lacerta sich recht ruhig. Vermutlich waren sie von dem blühenden Kampf mehr angetan als von den Außenseitern.
      Schalessa rückte ihre Waffe in der Hand zurecht, ein langer Speer, an dessen Ende eine eiserne Spitze funkelte. Sie fixierte Ishilin böse und kam näher zur Mitte heran, als er auch herantrat.
      Schalessa, ich sag’s dir gleich – ich werde dich entweder bewusstlos schlagen oder dich zur Kapitulation bringen. Dein Tod wäre nicht in seinem Ermessen. Wenn ich gewinne, will ich, dass du mich zu Nishilia begleiten und dir die Geschichte anhören wirst. Anders verstehst du es ja nicht“, rief er ihr zu. Schalessa zischte empört.
      "Spar dir deine Luft. Das hier ist nur für Escholon."
      Damit hob sie ihren Speer an und sprang auf ihn zu, ein horizontaler Stoß, der auf Ishilins Mitte ausgerichtet war. Die Bewegung war schnell und höchst präzise, genauso wie Ishilins Antwort, bei der er sich aus dem Weg des Speeres wand. Tava zuckte auf ihrem Platz zusammen und griff nach Malleus' Hand. Kein Atemzug war vergangen, da war Schalessa auch schon in die nächste Bewegung übergegangen, entzog ihren Speer aus Ishilins Reichweite und hackte wieder auf ihn ein, zielte auf seine ungeschützten und ungeschuppten Körperteile und achtete gleichzeitig auf seine eigenen Hände, mit denen er seine Waffe führte und nach dem Speer griff. Es war ein schneller Kampf, erbarmungslos und voll roher Gewalt, keiner Strategie und keines Zögerns, ein Zuschaustellen von Kraft und Ausdauer, ein reines Messen daran, wer von ihnen beiden der körperlich überlegene sein würde. Dabei gab Schalessa ihr bestes, kämpfte mit zusammengebissenen Zähnen und unter Schirasas wilden Rufen, der Blick verschleiert von dem Zorn, den sie Ishilin entgegen brachte. Für Escholon und für sein Kind, das sie niemals austragen würde. Mit einem wilden Schrei ließ sie ihren Speer auf seine Lenden niederfahren.
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