Als man Devon unter die Erde brachte hatte er sich bereits von der Sonne verabschiedet. Als man ihn über staubigen Boden schleifte spürte er die Erde kaum noch unter sich. Als man ihn in eine Zelle brachte und warnte, keine Dummheiten anzustellen, waren ihm Worte und Taten längst ausgegangen. Als man ihm schwere Eisenfesseln anlegte und seinen Kopf niederzwang hatte er mit seinem Schicksal bereits abgerechnet.
Er hing mehr als dass er stand. Das Metall brannte eiskalt auf seiner Haut und die kühle Temperatur lähmte seine ohnehin strapazierten Muskeln. Als man ihm die Speere aus dem Leib zog, war der Schmerz so groß, dass er zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren haben musste, denn als er wieder zu sich kam, standen zwei Blaumäntel mit ihm im Raum.
„Das ist total abartig. Meinst du, alle Lacerta sehen so aus wie er?“
„Keine Ahnung. Vielleicht will der Epsisimos ihn deswegen haben.“
„Wenn ich den hier so sehe bin ich mir auch sicher, dass die was mit diesen scheiß Drachen zu tun haben müssen. Vielleicht haben die Viecher ja mal Weiber gefickt und da sind diese Missgeburten draus entstanden.“
„…“
„Guck dir das mal an, man… Die wachsen ernsthaft aus seiner Haut.“
Devon spürte, wie der Kerl seinen Rücken befühlte. Behandschuhte Finger rieben über seine Schuppen und am liebsten hätte er sich geschüttelt. Aber er brachte die Kraft dafür nicht mehr auf. Sie hatten sowieso schon all das gesehen, was er zu verheimlichen versucht hatte. Sie würden tunlichst darauf achten, dass er nicht mehr zu Kräften käme, um sich ernsthaft wehren zu können.
Aber das war okay. Dann würde er eben dieses letzte Stück auch noch gehen und abschließen. Die wenigen Werte, die er gehabt hatte, waren verpufft. Er hatte mehr verloren als gewonnen und die Erkenntnis, dass er einiges davon sogar eigenhändig aufgegeben hatte, schlug den letzten Sargnagel ein.
Er bereute, Tava und Malleus abgewiesen zu haben.
Er bereute sogar so weit zurück, jemals das Dorf verlassen zu haben für eine lächerliche Fantasie.
Er bereute nicht, dass sein letztes Aufbegehren dem Tod seiner Leute, seines Freundes, gegolten hatte.
„Kein Wunder, dass man die hier Monster nennt.“
Und dann brach eine Unruhe aus, die Devon nicht einmal dazu brachte, den Kopf zu heben. Vielleicht bedeutete dies, dass sein Ende doch eher kam. Vielleicht bedeuteten das Gurgeln und das Scheppern, dass man mit ihm gleich verfahren würde. Doch so sehr er sich das einreden wollte – sein geschultes Gehör wusste es besser. Das hier war ein Angriff gegen diejenigen, die ihn gerade hier festhielten. Das Gurgeln stammte von jemanden, der gerade am eigenen Blut oder was auch immer erstickte. Ganz sachte hob Devon den Blick und sah am Rande, wie ein silberblauer Haufen auf dem Boden zusammengesackt war, eine rote Lache bildete sich unter ihm.
Ein drittes Schuhpaar tauchte auf. Devons Hals war mit Ketten am Boden gebunden, sodass er dem Ritter nicht einmal ins Gesicht hätte sehen können, sofern er es gewollt hätte. Alles, was er mitbekam, war ein roter Regen, den er in seinem Leben allzu oft gesehen und erlebt hatte. Der Geruch von Eisen füllte die Luft und ließ ihm sogar die Übelkeit aufsteigen. Wieder gurgelte es, dann schepperte es erneut und vor Devons Augen zuckte der zweite Ritter seine letzten Bewegungen aus.
Wer hatte noch gehört, dass ein Lacerta hier unten war? Wer war noch scharf darauf, ein Stück von ihm abzubekommen? Würde man ihn genauso häuten wie seinen Freund und die Augen rausschneiden?
Devon wollte denjenigen nicht sehen, nicht hören. Er starrte einfach weiterhin ins Nichts und bewegte sich nicht. Wie eine obszöne Statue.
Dann sank jemand auf die Knie. Sicherlich, um das Gesicht des Lacertas zu mustern. Auch darauf reagierte Devon nicht. Jedenfalls bis er wirklich erkannte, wer hinter der Stimme steckte.
„Wir holen dich hier raus.“
Devons Augenbrauen zuckten. Das war ein schlechter Witz. Jetzt halluzinierte er schon. Hatte wohl zu viel Blut verloren oder die Speere waren vergiftet. Es war einfach zu unerträglich, ausgerechnet ihn jetzt noch zu sehen. Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit ihm.
„Ich weiß, du traust mir nicht, aber lass mich dir helfen. Lass uns helfen.“
Devons Finger zuckten. Jetzt konnte er doch nicht anders. Er musste sich davon überzeugen, dass diese Halluzination perfekt war. Langsam drehte er den Kopf und sein Atem stockte, als er in Malleus‘ dunkles Gesicht blickte. Eines, das mit Blut gezeichnet war und ein Ausdruck im Gesicht, den er bei dem Mann noch nie zuvor gesehen hatte. Das erste Mal seit Stunden löste sich Devons angespannter Kiefer, doch sein Mund war ausgetrocknet und konnte keine Silben formen. Eine Hand legte sich an seinen Nacken und führte seine Stirn an eine viel zu angespannte Schulter.
Er halluzinierte. Er verwechselte hier jemanden.
Aber da war dieser einzigartige Geruch nach Kohle und Balsam. Es gab nur eine Person, die so gerochen hatte und Halluzinationen konnten das niemals kopieren.
Irgendetwas regte sich in Devon, aber er konnte es nicht greifen. Es war ein Gefühl, so grundlegend und doch so fremd, dass ihm der Name dafür fehlte. Es machte ihm das Atmen schwer und ließ ihn zeitgleich seltsam schwerelos fühlen. Vielleicht stand er ja kurz vor dem Tod?
„Devon!“
Der Lacerta blinzelte und sah große, runde Augen ihn anstarren. Er sah die Panik und hörte sie aus ihrer Stimme und dann roch er auch ihren unverkennbaren Geruch, gut verborgen unter irgendwelchen Tinkturen, die sie benutzt hatte. Jetzt regte sich sein Rücken ein kleines bisschen, aber die zahllosen Einstichstellen waren noch zu frisch. Er ließ sich wieder hängen und die Zeit geschehen. Er träumte. Ganz sicher.
Was in den nächsten Minuten passierte, entglitt Devon mehr oder weniger. Er roch eine Säure und realisierte, wie sich die Ketten lösten und auch die Halsschelle abfiel. Irgendwo zwischendrin nahm jemand auch seine Hand in eine kleine, warme Hand. Eine ohne Handschuhe. Wirklich viel mehr bekam er nicht wirklich mit.
„Fertig. Steh auf, steh auf.“
Devon regte sich nicht. Die Arme waren an seine Seite gefallen, aber seine Pose war fast noch die gleiche wie zuvor. Er hatte den Kopf weiterhin gesenkt und machte keine Anstalten, dies zu ändern. Eine weitere Aufforderung brachte ihn dazu, wenigstens seinen Rücken zu bewegen, aber die Beine bekam er nicht ordentlich unter seinen eigenen Körper. Am Ende stützte man ihn und bugsierte ihn heraus aus der Zelle und durch die unterirdischen Gänge hindurch. Wortlos ließ sich Devon mitschleifen – anders konnte man es nicht nennen. Seine Kraft war aufgebraucht und eigenständig laufen war ein Unding.
Alles weitere entzog sich Devons Erinnerung. Er sah nur noch Gänge und hörte so viel Krach, dass er nichts davon recht zuordnen konnte. Er bekam nicht einmal recht mit, wie sich der Himmel über ihm öffnete und Nachtluft seine Lungen füllte. Zwischenzeitlich war er wohl auch einmal geklettert, daran erinnern konnte er sich aber nicht mehr.
Erst die vollkommene Stille und die erträglichere Temperatur ließ sein Bewusstsein wieder anspringen. Nach mehreren Anläufen registrierte Devon, dass sie in einem fremden Zimmer waren. Der Boden war vollgestellt mit Zeug und es sah so aus, als wäre man hier mit höchster Eile zu Werke gewesen. Seine Glieder waren von der Kälte und den Wunden noch immer steif, aber er konnte seinen Kopf soweit heben, dass er nicht mehr nur den Boden anstarrte.
„Devon? Geht’s dir gut?“, fragte Tava, die vor ihm in die Knie gegangen war und seine Hand ergriffen hatte.
Devon reagierte nicht umgehend darauf. Stattdessen nutzte er diesen Augenblick, um Tava eingehend zu mustern. Er hatte sie doch zu Malleus geschickt. Wieso zum Teufel war sie jetzt hier? Wieso hatte sie ihn aus dem Verließ geholt? Statt zu sprechen schüttelte er nur träge den Kopf. Nein, es ging ihm nicht gut. Er hatte Unmengen an Blut verloren, war für seine Verhältnisse unterkühlt und seelisch alles andere als in Ordnung.
Hinter Tava bewegte sich ein weiterer Schemen. Im Halbdunkel brauchte der Lacerta einen Moment ehe er auch Malleus als solchen erkannte. Spätestens jetzt wurden seine Augen etwas klarer, als ihm bewusstwurde, dass es weder ein Traum noch eine Halluzination sein konnte.
„…W… Wieso?“, war alles, was Devon sich geben konnte. Seine Stimme war ein Schleifen, so trocken waren seine Stimmbänder geworden.
Mehrmals sah er von Tava zu Malleus und wieder zurück. Die eine hatte er wissentlich abgewiesen, den anderen hatte er für sich als erledigt abgetan. Und nun waren beide wieder hier und hatten ihn rausgeholt. Sie mussten gesehen haben, was er auf dem Marktplatz veranstaltet hatte. Wie er alles verloren hatte, was ihn ausgemacht hatte.
In diesem Augenblick kam die Erinnerung wieder lebhaft zurück. Er sah die Haut wieder ausgerollt vor sich, fühlte das Leder und die Verzweiflung in seiner Hand und sich selbst. Tava und Malleus waren gekommen. Es war viel zu viel auf einmal.
Mit seiner freien Hand bedeckte Devon seine Augen, als sie abermals zu brennen begannen. Noch immer schüttelte er wie einem Mantra gleich den Kopf, als er sich leicht krümmte und sein Körper zu beben begann. Während seine linke Hand heiß von seinen Tränen wurde, war seine Rechte sicher und geborgen in Tavas Hand gebettet.
Er hing mehr als dass er stand. Das Metall brannte eiskalt auf seiner Haut und die kühle Temperatur lähmte seine ohnehin strapazierten Muskeln. Als man ihm die Speere aus dem Leib zog, war der Schmerz so groß, dass er zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren haben musste, denn als er wieder zu sich kam, standen zwei Blaumäntel mit ihm im Raum.
„Das ist total abartig. Meinst du, alle Lacerta sehen so aus wie er?“
„Keine Ahnung. Vielleicht will der Epsisimos ihn deswegen haben.“
„Wenn ich den hier so sehe bin ich mir auch sicher, dass die was mit diesen scheiß Drachen zu tun haben müssen. Vielleicht haben die Viecher ja mal Weiber gefickt und da sind diese Missgeburten draus entstanden.“
„…“
„Guck dir das mal an, man… Die wachsen ernsthaft aus seiner Haut.“
Devon spürte, wie der Kerl seinen Rücken befühlte. Behandschuhte Finger rieben über seine Schuppen und am liebsten hätte er sich geschüttelt. Aber er brachte die Kraft dafür nicht mehr auf. Sie hatten sowieso schon all das gesehen, was er zu verheimlichen versucht hatte. Sie würden tunlichst darauf achten, dass er nicht mehr zu Kräften käme, um sich ernsthaft wehren zu können.
Aber das war okay. Dann würde er eben dieses letzte Stück auch noch gehen und abschließen. Die wenigen Werte, die er gehabt hatte, waren verpufft. Er hatte mehr verloren als gewonnen und die Erkenntnis, dass er einiges davon sogar eigenhändig aufgegeben hatte, schlug den letzten Sargnagel ein.
Er bereute, Tava und Malleus abgewiesen zu haben.
Er bereute sogar so weit zurück, jemals das Dorf verlassen zu haben für eine lächerliche Fantasie.
Er bereute nicht, dass sein letztes Aufbegehren dem Tod seiner Leute, seines Freundes, gegolten hatte.
„Kein Wunder, dass man die hier Monster nennt.“
Und dann brach eine Unruhe aus, die Devon nicht einmal dazu brachte, den Kopf zu heben. Vielleicht bedeutete dies, dass sein Ende doch eher kam. Vielleicht bedeuteten das Gurgeln und das Scheppern, dass man mit ihm gleich verfahren würde. Doch so sehr er sich das einreden wollte – sein geschultes Gehör wusste es besser. Das hier war ein Angriff gegen diejenigen, die ihn gerade hier festhielten. Das Gurgeln stammte von jemanden, der gerade am eigenen Blut oder was auch immer erstickte. Ganz sachte hob Devon den Blick und sah am Rande, wie ein silberblauer Haufen auf dem Boden zusammengesackt war, eine rote Lache bildete sich unter ihm.
Ein drittes Schuhpaar tauchte auf. Devons Hals war mit Ketten am Boden gebunden, sodass er dem Ritter nicht einmal ins Gesicht hätte sehen können, sofern er es gewollt hätte. Alles, was er mitbekam, war ein roter Regen, den er in seinem Leben allzu oft gesehen und erlebt hatte. Der Geruch von Eisen füllte die Luft und ließ ihm sogar die Übelkeit aufsteigen. Wieder gurgelte es, dann schepperte es erneut und vor Devons Augen zuckte der zweite Ritter seine letzten Bewegungen aus.
Wer hatte noch gehört, dass ein Lacerta hier unten war? Wer war noch scharf darauf, ein Stück von ihm abzubekommen? Würde man ihn genauso häuten wie seinen Freund und die Augen rausschneiden?
Devon wollte denjenigen nicht sehen, nicht hören. Er starrte einfach weiterhin ins Nichts und bewegte sich nicht. Wie eine obszöne Statue.
Dann sank jemand auf die Knie. Sicherlich, um das Gesicht des Lacertas zu mustern. Auch darauf reagierte Devon nicht. Jedenfalls bis er wirklich erkannte, wer hinter der Stimme steckte.
„Wir holen dich hier raus.“
Devons Augenbrauen zuckten. Das war ein schlechter Witz. Jetzt halluzinierte er schon. Hatte wohl zu viel Blut verloren oder die Speere waren vergiftet. Es war einfach zu unerträglich, ausgerechnet ihn jetzt noch zu sehen. Das Schicksal meinte es wirklich nicht gut mit ihm.
„Ich weiß, du traust mir nicht, aber lass mich dir helfen. Lass uns helfen.“
Devons Finger zuckten. Jetzt konnte er doch nicht anders. Er musste sich davon überzeugen, dass diese Halluzination perfekt war. Langsam drehte er den Kopf und sein Atem stockte, als er in Malleus‘ dunkles Gesicht blickte. Eines, das mit Blut gezeichnet war und ein Ausdruck im Gesicht, den er bei dem Mann noch nie zuvor gesehen hatte. Das erste Mal seit Stunden löste sich Devons angespannter Kiefer, doch sein Mund war ausgetrocknet und konnte keine Silben formen. Eine Hand legte sich an seinen Nacken und führte seine Stirn an eine viel zu angespannte Schulter.
Er halluzinierte. Er verwechselte hier jemanden.
Aber da war dieser einzigartige Geruch nach Kohle und Balsam. Es gab nur eine Person, die so gerochen hatte und Halluzinationen konnten das niemals kopieren.
Irgendetwas regte sich in Devon, aber er konnte es nicht greifen. Es war ein Gefühl, so grundlegend und doch so fremd, dass ihm der Name dafür fehlte. Es machte ihm das Atmen schwer und ließ ihn zeitgleich seltsam schwerelos fühlen. Vielleicht stand er ja kurz vor dem Tod?
„Devon!“
Der Lacerta blinzelte und sah große, runde Augen ihn anstarren. Er sah die Panik und hörte sie aus ihrer Stimme und dann roch er auch ihren unverkennbaren Geruch, gut verborgen unter irgendwelchen Tinkturen, die sie benutzt hatte. Jetzt regte sich sein Rücken ein kleines bisschen, aber die zahllosen Einstichstellen waren noch zu frisch. Er ließ sich wieder hängen und die Zeit geschehen. Er träumte. Ganz sicher.
Was in den nächsten Minuten passierte, entglitt Devon mehr oder weniger. Er roch eine Säure und realisierte, wie sich die Ketten lösten und auch die Halsschelle abfiel. Irgendwo zwischendrin nahm jemand auch seine Hand in eine kleine, warme Hand. Eine ohne Handschuhe. Wirklich viel mehr bekam er nicht wirklich mit.
„Fertig. Steh auf, steh auf.“
Devon regte sich nicht. Die Arme waren an seine Seite gefallen, aber seine Pose war fast noch die gleiche wie zuvor. Er hatte den Kopf weiterhin gesenkt und machte keine Anstalten, dies zu ändern. Eine weitere Aufforderung brachte ihn dazu, wenigstens seinen Rücken zu bewegen, aber die Beine bekam er nicht ordentlich unter seinen eigenen Körper. Am Ende stützte man ihn und bugsierte ihn heraus aus der Zelle und durch die unterirdischen Gänge hindurch. Wortlos ließ sich Devon mitschleifen – anders konnte man es nicht nennen. Seine Kraft war aufgebraucht und eigenständig laufen war ein Unding.
Alles weitere entzog sich Devons Erinnerung. Er sah nur noch Gänge und hörte so viel Krach, dass er nichts davon recht zuordnen konnte. Er bekam nicht einmal recht mit, wie sich der Himmel über ihm öffnete und Nachtluft seine Lungen füllte. Zwischenzeitlich war er wohl auch einmal geklettert, daran erinnern konnte er sich aber nicht mehr.
Erst die vollkommene Stille und die erträglichere Temperatur ließ sein Bewusstsein wieder anspringen. Nach mehreren Anläufen registrierte Devon, dass sie in einem fremden Zimmer waren. Der Boden war vollgestellt mit Zeug und es sah so aus, als wäre man hier mit höchster Eile zu Werke gewesen. Seine Glieder waren von der Kälte und den Wunden noch immer steif, aber er konnte seinen Kopf soweit heben, dass er nicht mehr nur den Boden anstarrte.
„Devon? Geht’s dir gut?“, fragte Tava, die vor ihm in die Knie gegangen war und seine Hand ergriffen hatte.
Devon reagierte nicht umgehend darauf. Stattdessen nutzte er diesen Augenblick, um Tava eingehend zu mustern. Er hatte sie doch zu Malleus geschickt. Wieso zum Teufel war sie jetzt hier? Wieso hatte sie ihn aus dem Verließ geholt? Statt zu sprechen schüttelte er nur träge den Kopf. Nein, es ging ihm nicht gut. Er hatte Unmengen an Blut verloren, war für seine Verhältnisse unterkühlt und seelisch alles andere als in Ordnung.
Hinter Tava bewegte sich ein weiterer Schemen. Im Halbdunkel brauchte der Lacerta einen Moment ehe er auch Malleus als solchen erkannte. Spätestens jetzt wurden seine Augen etwas klarer, als ihm bewusstwurde, dass es weder ein Traum noch eine Halluzination sein konnte.
„…W… Wieso?“, war alles, was Devon sich geben konnte. Seine Stimme war ein Schleifen, so trocken waren seine Stimmbänder geworden.
Mehrmals sah er von Tava zu Malleus und wieder zurück. Die eine hatte er wissentlich abgewiesen, den anderen hatte er für sich als erledigt abgetan. Und nun waren beide wieder hier und hatten ihn rausgeholt. Sie mussten gesehen haben, was er auf dem Marktplatz veranstaltet hatte. Wie er alles verloren hatte, was ihn ausgemacht hatte.
In diesem Augenblick kam die Erinnerung wieder lebhaft zurück. Er sah die Haut wieder ausgerollt vor sich, fühlte das Leder und die Verzweiflung in seiner Hand und sich selbst. Tava und Malleus waren gekommen. Es war viel zu viel auf einmal.
Mit seiner freien Hand bedeckte Devon seine Augen, als sie abermals zu brennen begannen. Noch immer schüttelte er wie einem Mantra gleich den Kopf, als er sich leicht krümmte und sein Körper zu beben begann. Während seine linke Hand heiß von seinen Tränen wurde, war seine Rechte sicher und geborgen in Tavas Hand gebettet.
