In your debt [Kiba x Yumia]

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    • Es fühlte sich seltsam an zu hören, dass er etwas für mich zu essen zubereiten wollte. Welcher Chef würde schon seinem Mitarbeiter Mahlzeiten kochen? Es war zwar nicht das erste Mal, dass so etwas vorgekommen war, doch in dieser Situation fühlte es sich falsch an, fast so, als würde ich etwas Verbotenes tun. Während ich noch darüber nachdachte, wie ich darauf reagieren sollte, wanderte mein Blick zum Fernseher. „Nicht wirklich viel“, antwortete ich schließlich. Das entsprach zwar der Wahrheit, doch in erster Linie sagte ich es, weil ich nicht wollte, dass er sich für mich die Mühe machte.
      Castiels Körper spannte sich an, als Edward offenbar seine Gedanken erfasste. War es wirklich so offensichtlich gewesen? Sofort überkam mich ein schlechtes Gewissen. Verunsichert hörte ich seinen Worten zu. „Wenn du unbedingt willst“ klang für mich weniger enthusiastisch, als ich gehofft hatte. Vielleicht interpretierte ich zu viel hinein, doch das Gefühl ließ mich nicht los, dass ich bereits zu viel seiner Zeit in Anspruch genommen hatte.
      Abwehrend hob ich also die Hände und schüttelte den Kopf. „Alles gut, ich habe dir schon genug Zeit geraubt. Es war bestimmt nicht leicht, dem Drang zu widerstehen, zu arbeiten.“ Ihn dazu zu bringen, mit mir einen Film anzusehen, war schon ein großer Schritt gewesen. Mehr konnte ich nicht von ihm erwarten, und ich wollte ihn erst recht nicht dazu drängen, mit mir weiterzuschauen, wenn er eigentlich keine große Lust dazu hatte.
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    • Castiel wehrte ab, wirkte verunsichert und meinte, dass es schon okay war, wenn wir ihn nicht ansahen. Dieser Junge faszinierte mich auf eine Art und Weise, die ich nicht deuten konnte. Wenn ich jetzt ins Büro ging und weiter arbeitete, was passierte dann mit ihm? Ich weiß, dass ich nicht für seine Freizeitgestaltung zuständig war. Trotzdem plagte mich das schlechte Gewissen. Was wollte er also? Ich hatte angeboten, einen weiteren Teil zu gucken. Doch er lehnte ab, obwohl er offensichtlich weiter gucken wollte. Würde er anders denken, wenn ich nicht sein Chef wäre? Aber dann wäre er auch nicht hier. Er würde in seinem vorherigen Leben aus mehreren Jobs festhalten und gerade so viel Geld verdienen, dass er sich mit ein wenig Nahrung über Wasser halten könnte. Ein Leben, welches ich mir nicht vorstellen könnte.

      "Du willst also doch keinen Film mehr sehen? Ich bin verwirrt. Eben hattest du den Anschein gehabt, dass du ihn sehen willst. Du wolltest mich vom Arbeiten abhalten, doch nun steckst du mich wieder ins Büro. Ich möchte gern-", fing ich an, doch wurde unterbrochen vom Klingeln an der Tür. Ich drehte meinen Kopf und seufzte.
      "Ich bin gleich wieder da.", murmelte ich und stand auf, um die Tür zu öffnen. Ich ahnte schon, wer das sein könnte....

      "Jessica.... wer sonst?", begrüßte ich weniger freudig meine kleine Schwester, die erneut der Meinung war, sie müsse unbedingt reinkommen.
      "Hallo Eddie. Ich freue mich auch, dich zu sehen.", grinste sie und umarmte mich und gaben mir einen Kuss auf die Wange.
      "Ich wollte mal sehen, wie es ei euch beiden so läuft und ob dein niedlicher Mitbewohner überhaupt noch am Leben ist.", sagte sie, und sah sich um. Sie war diesmal viel ruhiger als jener Abend, wo wir gerade essen wollten, was mich schon mal beruhigte. Ungehindert ging sie ins Wohnzimmer um dort Castiel auf dem Sofa zu finden.
      "Sagt bloß, ihr habt einen Film gesehen? Hallo Castiel. Ich freue mich, dass du noch da bist, hihi. Du bist weder zu Eis erstarrt, noch hast du die Flucht ergriffen. Kein Mensch hatte es jemals so lange mit Eddie ausgehalten. Erzähl mal, wie ist es dir so ergangen? Und vorallem, wie hast du es geschafft, dass mein Bruder sich Filme ansieht? Dabei ist er der totale Workaholic.", kicherte sie und setzte sich aufs Sofa, wo ich gerade noch gesessen hatte. Beleidigt verschränkte ich die Arme.
      "Was soll das denn bedeuten? Als ob ich der totale Eisprinz bin.", motzte ich und wieder kicherte sie.
      "Bist du doch auch. Und total zugeknöpft noch obendrein. Ich hab dich noch nie zu einem Film überreden können. Deswegen muss ich unbedingt Castiels Geheimnis wissen.", meinte sie dann und ich zog meine Augenbrauen zusammen. Mich störte, dass sie immer gleich alles soweit offenkundig Preis gab. Außerdem war Castiel immer noch krank. Ich wünschte mir absolute Ruhe, wenn er wieder gesund werden sollte. Doch gegen meine kleine Schwester kam ich einfach nicht an. Sie machte schon immer, was sie will.....
    • Edward schien meine Entscheidung nicht ganz nachvollziehen zu können. Wenn man seine Persönlichkeit bedachte, war das nicht sonderlich überraschend. Er war jemand, der selten sofort akzeptierte, wenn etwas nicht in sein Bild passte. Doch ich war ebenso nicht unbedingt eine Person, die Dinge allzu direkt ansprach. Mir war es wichtiger, Rücksicht zu nehmen, als stur auf meinem eigenen Standpunkt zu beharren.
      Gerade setzte er zu seinem letzten Satz an, als plötzlich ein helles Klingeln ertönte. Das Geräusch durchschnitt die ruhige Stimmung so abrupt, dass ich unwillkürlich zur Tür blickte. Wer konnte das sein? Vielleicht James, der etwas vergessen hatte und nun zurückgekommen war?
      Mein Blick folgte Edward, bis er aus meinem Sichtfeld verschwand. Schon wenige Augenblicke später konnte ich, noch vom Sofa aus, hören, um wen es sich handelte. Die Stimme war unverkennbar: Edwards Schwester. Ich war bisher davon ausgegangen, dass sie nicht allzu oft hier vorbeischaute, und doch war sie nun schon zum zweiten Mal in so kurzer Zeit da.
      Nicht, dass ich ihre Anwesenheit unangenehm fand – im Gegenteil, ihre offene Art hatte etwas Erfrischendes, aber ein Teil von mir war viel neugieriger darauf, was Edward mir hatte sagen wollen. Wahrscheinlich würde ich das nun nicht mehr erfahren.
      „Hallo Jessica“, begrüßte ich sie schließlich. Ich musste schmunzeln, als sie mit einem leicht neckischen Tonfall meinte, sie sei überrascht, mich lebend und munter hier vorzufinden und dazu noch in der Lage, Edward zu einem Film zu überreden. Offenbar war es selbst ihr bisher nicht gelungen, ihn zu so etwas zu bewegen.
      Ich warf Edward einen fragenden Blick zu, ehe ich wieder zu Jessica sah. Ihre unkomplizierte Art machte es leicht, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Da gibt es kein Geheimnis“, erwiderte ich und lächelte verlegen, während meine Hand unbewusst an meinen Nacken wanderte. „Es liegt eher daran, dass ich gerade krank bin. Ich will dich ungern anstecken.“ Vorsichtshalber rückte ich ein Stück von ihr ab.
      „Krank? Du Armer. Was hast du denn? Hat Edward dich etwa überarbeitet?“ Ihr Tonfall war halb mitleidig, halb spöttisch.
      Ich lachte leise. „Nein, nein. Nur Fieber und Kopfschmerzen. Überarbeitet bin ich wirklich nicht.“
      Jessica warf mir einen scharfen Blick zu, als wolle sie jede meiner Gesten auf ihre Ehrlichkeit prüfen. „Sicher? Du kannst ruhig ehrlich sein, ich schimpfe dann mit meinem Bruder.“
      Eilig hob ich abwehrend die Hände. „Wirklich, es kam ganz plötzlich. Keine Arbeit, nur ein dummer Infekt.“ Ich hoffte, dass meine Versicherung überzeugend genug klang, um weitere Nachfragen zu vermeiden.
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    • Als ich den fragenden Blick seitens Castiel sah, sah ich nur verlegen zu Seite. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Mir war es etwas unangenehm, dass sie so über mich sprachen. Jessica kannte mich schon ziemlich genau, weil wir auch zusammen aufgewachsen sind, doch sonst verschloss ich meine Schwächen lieber. Und dann sprach Jessica auch noch was an, was meine größte Angst war. Denn nur, weil ich es mir zutraute, hieß es nicht, dass es andere konnten. Vorallem..... naja Castiel.

      "Jessica, du weißt ganz genau, dass ich penibel darauf achte, meine Mitarbeiter nicht zu überfordern. Hör auf, ihm irgendwelche Flöhe ins Ohr zu setzen.", brummte ich und anschließend sah sie mich an. Immernoch mit diesem skeptischen Blick in ihren Augen.
      "Eben weil ich dich ganz genau kenne, weiß ich, dass es deine Mitarbeiter nicht immer gut mit dir haben. Du könntest ruhig ein wenig nachsichtiger sein. Aber ich will mal nicht so sein. Du scheinst den süßen Castiel ja sehr gepflegt zu haben, wenn er Fieber gehabt haben soll. Wie wärs denn, wenn du uns Mittag machst? Mir knurrt schon echt der Magen.", meinte sie und eingeschnappt und augenverdrehend ging ich in die Küche. Sie machte auch wirklich immer, was sie will.

      "So, jetzt ist er endlich weg. Erzähl doch mal. Wie ist es dir so ergangen hier bei ihm? Ich weiß, ich wirke neugierig. Aber ich mache mir ehrlich gesagt ein wenig Sorgen. Er ist in einem heiratsfähigem Alter. Aber wenn er so kalt wie ein Eiszapfen bleibt, wird er nie jemanden finden. Er steckt die Nase immer nur in seine Arbeit und ich möchte vermeiden, dass er einsam wird. Daher bin ich schon heilfroh, wenn du hier bei ihm bist. Bitte erzähl mir, wie er sich hier so macht."
    • Ich verspürte kurz den Drang, Jessica zu korrigieren, doch da der Austausch zwischen den Geschwistern stattfand und sie im Grunde recht hatte, schließlich kannte sie Edward seit einer Ewigkeit, hielt ich mich lieber zurück. Außerdem hatte ich ihr zuvor bereits erklärt, dass mein Fieber nichts mit der Arbeit zu tun hatte. Es wäre unklug gewesen, mich einzumischen und womöglich unbewusst einen Streit zwischen den beiden zu entfachen. Da ich selbst keine Geschwister hatte, konnte ich ohnehin schwer einschätzen, ob ein solcher Umgangston normal war. Vielleicht war es üblich, dass man in einer vertrauten Beziehung so miteinander sprach, sich neckte, stritt und doch im Kern ehrlich um den anderen besorgt war.
      So kam es, dass Jessica Edward schließlich mehr oder weniger verscheuchte und das Gespräch mit mir suchte. Ihre Aufmerksamkeit lag nun ganz auf mir, und ich konnte in ihrem Blick eine echte Sorge erkennen, die nicht nur für mich, sondern vor allem für ihren Bruder galt. Sie wollte wissen, wie er sich im Alltag verhielt, ob er vielleicht zu sehr in seine Routinen vergrub. Doch war ich wirklich die richtige Ansprechperson? Immerhin war ich nicht mehr als sein Angestellter, der aufgrund bestimmter Umstände mit ihm zusammenlebte. Von einer romantischen Beziehung konnte keine Rede sein und genau deshalb fühlte ich mich in dieser Rolle etwas fehl am Platz.
      „Edward ist sehr penibel, das stimmt“, begann ich zögerlich, darauf bedacht, nichts Falsches zu sagen. „Man merkt, dass ihm die Arbeit unglaublich wichtig ist. Aber ich habe den Eindruck, dass er sehr verantwortungsbewusst handelt. Er gibt sich Mühe, fair und gerecht zu sein, auch wenn das vielleicht nicht jeder sofort erkennt.“
      Ich sprach langsam, wog jedes Wort ab. Es war nicht so, dass ich ihm schmeicheln wollte, ich konnte ja nur berichten, was ich tatsächlich erlebt hatte. Doch gleichzeitig wusste ich, dass Jessica ihn durch und durch kannte, auch die Seiten, die er nach außen hin gern verbergen wollte. Ihr konnte ich nichts vormachen.
      „Allerdings“, fuhr ich fort, „habe ich auch bemerkt, dass er manchmal etwas zu viel arbeitet und dadurch andere Dinge vernachlässigt.“ Ich dachte an das Essen, an Nächte, in denen er viel zu lange wach blieb, und an Momente, in denen er einfach keine Pause einlegte. „Das ist sicher nicht immer gesund.“
      Unwillkürlich zuckte ich mit den Schultern. „Aber ich bin sicher, irgendwann findet er jemanden, der das ausgleicht. Er ist ein guter Mensch.“ Der letzte Satz rutschte mir eher murmelnd heraus, fast so, als wollte ich mich selbst beruhigen.
      Jessica seufzte leise, beinahe wehmütig. „Ach, wenn die Frauen, die er bisher getroffen hat, nur etwas genauer hingesehen hätten. Wenn sie tiefer in ihn geblickt oder sich mehr Zeit genommen hätten …“ Ihre Stimme klang für einen Moment sanft und voller Bedauern, fast so, als trüge sie Edwards unerfüllte Beziehungen wie eine eigene Last.
      Ich lächelte zaghaft und versuchte, etwas Hoffnung in die Stimmung zu bringen. „Das kommt bestimmt noch. Manchmal dauert es einfach, bis die richtige Person auftaucht.“
      Dennoch nagte ein leicht unangenehmes Gefühl an mir. Es fühlte sich merkwürdig an, über Edwards Privatleben zu sprechen, als wäre ich eingeweiht in etwas, das eigentlich nur ihn und seine Familie etwas anging. Ich war nur ein Beobachter in seinem Alltag, nicht mehr. Und trotzdem spürte ich, dass Jessica es ernst meinte, wenn sie sagte, sie wünsche sich das Beste für ihn.
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    • Stillschweigend stand ich in der Küche und machte das Mittagessen fertig. Ich konnte hören, dass jemand redete. Aber nicht wirklich was, dafür war mein Umfeld hier in der Küche zu laut. Trotzdem war ich neugierig, was die beiden da quatschten. Vorallem weil meine Schwester wirklich ein Meister darin war, andere auf komische Ideen zu bringen. Und so wie Castiel jetzt war, fand ich es in Ordnung. Ich wollte nicht, dass er auf irgend eine Weise Rücksicht nahm oder sonst was tat.
      Seufzend Schnitt ich das Gemüse, während Teile des Hähnchens mit ein paar Kräutern im Wasser brodelten, um daraus eine Brühe zu machen. Ich wollte ihm eine Hähnchensuppe mit viel Gemüse machen, damit sein Magen sich nicht überarbeitete und- Ich hielt inne. Auch Castiel hatte davon gesprochen, dass ich zu viel arbeitete. Vorallem jetzt am Wochenende.... deswegen wollte er den Film mit mir sehen. Ich seufzte leise und fuhr mir durch die Haare. Vielleicht sollte ich wirklich am Wochenende aufhören damit. Ich atmete einmal durch und fuhr mir durch die Haare, in der Hoffnung, das Gefühl würde verschwinden und brachte die Suppe zuende. Doch es verschwand nicht. Immer wieder spukte der Gedanke in meinem Hirn rum.

      Nach einiger Zeit ging ich wieder zu den anderen zurück und verkündete, dass das Essen fertig wäre. Jessica grinste und kam dann auch schon angerannt.
      "Du hast Suppe gekocht?", fragte sie verwundert und ich sah sie missbilligend an.
      "Ja, ich habe Suppe gekocht. Für Castiels Magen ist es besser, wenn wir was leichtes zu uns nehmen. Essen wir was Fettiges, ist es für den Körper zu anstrengend und verbrennt Energie dafür den Inhalt zu verarbeiten, statt den Körper zu heilen.", verteidigte ich mich, doch Jessicas Grinsen wurde nur breiter. Ich sah sie verwirrt an, denn ich verstand nicht, warum sie nun so breit grinste.
      "Du bist wirklich der beste Mensch auf der Welt. Und ich hab da gerade eine wunderbare Idee. Aber die bleibt noch ein Geheimnis.", sagte sie geheimnisvoll und ich verdrehte die Augen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich es überhaupt wissen will.
      "Ich wünsche einfach einen guten Appetit."
    • Ich verspürte eine leise, kaum spürbare Erleichterung, als Edward wieder zurückkehrte. Nicht, dass mir die Anwesenheit von Jessica unangenehm gewesen wäre, im Gegenteil, ich mochte ihre offene Art, doch ihre Fragen brachten mich immer wieder in eine Zwickmühle. Da sie seine Schwester war, wollte ich umso vorsichtiger sein. Es wäre töricht, mir ausgerechnet mit Edward ein unangenehmes Verhältnis einzuhandeln. Schließlich lebte ich mit ihm unter einem Dach, und wer konnte schon wissen, wie schwierig das Zusammenleben werden würde, wenn ich durch ein unbedachtes Wort eine unangenehme Situation heraufbeschwor. Zumal ich keinerlei Grund hatte, schlecht über ihn zu sprechen, im Gegenteil. Nur durch Edward hatte ich die Möglichkeit, so zu leben, wie ich es momentan tat. Auch wenn alles auf einem Vertrag beruhte, war es dennoch mehr, als ich mir zuvor hätte vorstellen können.
      Ich lauschte aufmerksam dem Gespräch der Geschwister und war ehrlich überrascht, wie viel Gedanken Edward sich beim Kochen gemacht hatte. Von mir selbst hätte ich wohl erwartet, einfach irgendetwas zusammenzuwerfen, doch seine Erklärung war durchdacht, fast penibel, und zeigte, wie aufmerksam er sein konnte. Es bedeutete mir mehr, als ich zugeben wollte. Als Jessica dann von einem „Geheimnis“ sprach, war ich verwundert. Edward wusste offenbar ebenso wenig wie ich, und ich war unsicher, ob ihre Andeutung etwas Gutes versprach oder nicht.
      Gemeinsam mit Jessica setzte ich mich an den Tisch. Die Suppe, die Edward vorbereitet hatte, wirkte schlicht, beinahe unscheinbar, doch in der Einfachheit lag eine stille Logik. Genau wie er erklärt hatte: sie schonte meinen Magen und reizte ihn nicht mit zu vielen Gewürzen oder Geschmäckern. Ich wartete, bis auch die beiden Platz genommen hatten, und wünschte ihnen höflich einen guten Appetit. Ohne Zögern probierte ich.
      Die Suppe war wirklich köstlich. „Die schmeckt wirklich gut“, murmelte ich ehrlich und schenkte Edward ein anerkennendes Lächeln. Es war nichts Aufwendiges, aber gerade deshalb perfekt. Warm, wohltuend und leicht, genau das, was ich in meinem Zustand brauchte. Ich war es einfach nicht gewohnt, dass jemand für mich kochte, und schon gar nicht mein eigener Chef. Doch statt befremdlich zu wirken, war es eine Erfahrung, die mir fast unwirklich vorkam. Etwas Neues, von dem ich nie gedacht hätte, es einmal zu erleben.
      Noch ungewohnter war es jedoch, nicht alleine zu essen. Es war eine kleine, unscheinbare Veränderung, doch sie berührte mich tiefer, als ich mir eingestehen wollte. Meine Kehle zog sich unwillkürlich zusammen, und ich musste mich zusammenreißen, um mir nichts anmerken zu lassen. Es kam mir fast lächerlich vor, dass mich ausgerechnet so etwas derart bewegte.
      Während Jessica lebhaft von ihrem Tag erzählte, kleine Anekdoten einfließen ließ und mit ihrem typischen Tratsch die Runde füllte, lauschte ich schweigend. Meine Gedanken glitten ab, verloren sich irgendwo zwischen dem angenehmen Geschmack der Suppe und dem Gefühl der ungewohnten Gesellschaft. Und doch schlich sich eine Frage in meinen Kopf: Würde Edward nach dem Essen tatsächlich noch Lust haben, den begonnenen Film mit mir weiterzusehen?
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    • Wir verbrachten den Mittag zusammen, wie ich ihn manchmal öfter verbrachte. Da Jessica mich immer mal wieder besuchen kam und bei mir aß, war das nichts Neues mehr. Auch wenn es etwas ungewohnt war, dass wir zu dritt am Tisch saßen. Sie erzählte beim Essen gerne von dem, was sie erlebt hat, doch diesmal ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Meine Augen schielten eher zur anderen Seite und beobachteten, wie Castiel seine Suppe schlürfte. Doch irgendwas an ihm war anders als sonst. Ich konnte es nicht beschreiben. Manchmal hatte ich das Bedürfnis, in seinen Kopf hinein sehen zu wollen, nur um zu wissen, was er gerade dachte. Er hatte etwas faszinierendes an sich, wovon ich immer abgelenkt war. Vorallem dann, wenn ich nicht mit der Arbeit beschäftigt war. Und da er sich gerne bei allem hinten anstellte, hatte ich das Bedürfnis, ihn weiter nach vorne zu holen.

      Inzwischen hatte auch meine Schwester gemerkt, dass ich nicht ganz zuhörte und hatte aufgehört, zu erzählen. Amüsiert, aber trotzdem dezent schmollend sah sie mich an und boxte sanft meinen Arm.
      "Hey! Von Castiel träumen kannst du später noch. Ich hab dir gerade was Wichtiges gesagt, doch du hast mir überhaupt nicht zugehört.", schimpfte sie und ich zuckte zusammen.
      "Ich hab von gar nichts geträumt, ich war bloß in Gedanken wegen.... wegen des Meetings, was wir bald haben.", ich wich aus und sah zu, dass ich weiter aß, doch Jessica lachte nur. Sie hatte einfach zu viel Spaß, mich zu necken.
      "Ich hab schon verstanden. Die Arbeit ist ja sehr wichtig. Da will ich dich auch überhaupt nicht stören. Castiel? Darf ich darum bitten, dass du alles mögliche tun musst, um ihn am Wochenende von der Arbeit abzuhalten. Egal, was du tun musst. Am besten, du verbindest ihm die Augen, dann sieht er den Computer nicht mehr. Hihi. Versprich mir das, ja?", bettelnd sah sie ihn an in der Hoffnung, dass er ja sagte. Schnaubend und vielleicht auch ein wenig rot geworden stand ich auf, um nochmal Suppe zu holen. Ich drehte ihnen den Rücken zu und hoffte einfach nur, dass das gleich schnell wieder vorbei war.

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    • Ich zuckte leicht zusammen, als ich hörte, wie Jessica sich einen Scherz mit Edward erlaubte. Für einen Moment war ich irritiert, denn ich musste mir eingestehen, dass ich ihr nicht mit voller Aufmerksamkeit zugehört hatte. Meine Gedanken waren in der Zwischenzeit abgeschweift, sodass ich nicht genau verstand, worüber sie sich so ausgelassen unterhielten. Mein Blick war auf meinen Teller gesunken, die Löffelbewegungen fast schon automatisch, bis ich bemerkte, dass Edwards Schwester plötzlich mich direkt ansprach. Überrascht hob ich den Kopf, sah sie ratlos an und war nicht sicher, wie sie mich nun in das Gespräch einbeziehen wollte.
      Etwas perplex nickte ich nur, ohne die richtigen Worte zu finden. Innerlich fragte ich mich, ob sie wirklich glaubte, ich hätte die Macht, Edward in irgendeiner Form zu etwas zu bewegen. Für mich erschien das fast schon absurd. Zumindest für diesen Abend hatte ich mir vorgenommen, ihn von der Arbeit fernzuhalten, doch wie ich das am nächsten Tag anstellen sollte, wusste ich selbst nicht. Seine Augen zu verbinden, wie Jessica im Scherz angedeutet hatte, wäre eindeutig ein Schritt zu weit. Dennoch war ich mir sicher, dass wir alle wussten, wie schwer es war, Edward zu bremsen, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte.
      Als Edward sich erhob, um noch eine Portion Suppe zu holen, räusperte ich mich leicht und wandte mich neugierig an seine Schwester. „Bleibst du über Nacht?“, fragte ich vorsichtig. Jessica lachte leise und winkte ab. „Nein, nein, macht euch keine Sorgen. Ich will euch nicht weiter stören. Ich habe später noch etwas vor, aber bevor ich gehe, wollte ich meinen lieben Bruder wenigstens noch kurz besuchen.“
      Langsam nickte ich, auch wenn ein Teil von mir gehofft hatte, dass sie bleiben würde. Ich wollte nicht, dass sie das Gefühl bekam, meine Anwesenheit hielte sie davon ab, mehr Zeit hier zu verbringen. „Du kannst gern mit uns schauen, wenn du möchtest“, bot ich leise an, doch Jessica schüttelte erneut den Kopf, ein breites Grinsen auf den Lippen. „Schon gut, genießt ihr ruhig den Abend.“
      Ein leichtes Unbehagen schlich sich in meine Gedanken, als ich mir darüber bewusst wurde, wie ungewohnt diese Situation für mich war – mit ihnen gemeinsam zu essen, Zeit zu verbringen, beinahe wie eine Familie. Ich senkte den Blick, aß die letzten Löffel Suppe in Ruhe auf und stellte die Schale schließlich etwas von mir weg.
      „Vielen Dank nochmal für das Essen“, wandte ich mich schließlich an Edward, ein aufrichtiges Lächeln auf den Lippen. „Es war wirklich sehr lecker.“ Es war für mich alles andere als selbstverständlich, dass er sich diese Mühe gemacht hatte. Gerade deshalb wollte ich es nicht einfach unkommentiert hinnehmen.
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    • Ich ging mit meiner Suppe zurück an den Tisch und setzte mich wieder auf meinen Platz, als die anderen beiden anfingen, darüber zu sprechen, wie sie mich von der Arbeit abhalten könnten. War es wirklich so schlimm, dass ich auch am Wochenende arbeitete? Castiel hatte sowas vorhin schon erwähnt. Dabei war es hier gerade meine Freizeit, über die sie hier redeten. Naja, eigentlich redete nur meine Schwester darüber. Aber auch Castiel hatte vorhin so etwas erwähnt. Zumindest hatte ich den Eindruck, dass beide es nicht wollten.
      "Ich verstehe gar nicht, was das Problem ist, wenn ich am Wochenende noch ein bisschen arbeite.", brummte ich. Als Castiel Jessica dann fragte, ob sie über Nacht bliebe, sah ich sie nur eindringlich an. Wir wussten beide, dass sowas nicht funktionieren würde, würde sie hier bleiben. Also war ich erleichtert, als sie abwinkte. Auch den Film zu dritt zu sehen wurde ihr angeboten, welches sie ebenfalls ablehnte. Wieder sah ich eindringlich zu meiner Schwester, doch sie grinste nur frech. Der Vorteil war, dass wir uns schon mit den Augen unterhalten konnten, wenn jemand etwas nicht unbedingt mitbekommen sollte. Würde sie noch mit uns auf dem Sofa sitzen, würde das in ein Chaos ausarten. Ich dürfte mir dann haufenweise Sprüche von ihr anhören und darauf konnte ich gut verzichten.
      "Du solltest bald los, damit du nicht zu spät kommst.", sagte ich, um sie schnellstmöglich aber unauffällig los zu werden. Sie brachte Castiel nur auf dumme Gedanken und das gefiel mir gar nicht. Die Augen verbinden. Wusste sie eigentlich, wie das rüberkam? Wahrscheinlich.... Sie triezte mich schon die ganze Zeit damit.
      Castiel bedankte sich aufrichtig für das Essen und er sah auch schon viel besser aus. Ich war erleichtert, dass es um ihn doch nicht so schlecht war und ich nicht zu sehr übertrieben habe auf der Arbeit.
      "Ich freue mich, dass es dir geschmeckt hat.", antwortete ich und Jessica grinste.
      "Jaja, du konntest von uns beiden schon immer besser kochen. Also gut. Ich verschwinde, wenn du mich unbedingt loswerden willst."
      Mist, sie hat es gemerkt...
      "Dann habt noch viel Spaß ihr beiden.", sie zwinkerte mit einem Augen und gab mir noch einen Kuss auf die Wange und winkte dann Castiel zu, ehe sie zur Haustür hinaus trat. Ich atmete erleichtert, ehe ich dann aufstand und anfing, aufzuräumen.
      "Du kannst dich ruhig wieder hinlegen. Ich räum das noch auf und mach sauber. Dann komm ich zu dir.", murmelte ich etwas abwesend und merkte gar nicht, dass ich ihm zugesagt hatte, den Film weiter zugucken. Ich hatte einfach nicht drüber nachgedacht.
    • Ich sah etwas verunsichert zwischen den Geschwistern hin und her. Loswerden? Ich hatte von Edward kein Wort darüber gehört, dass er das wollte. Oder war ich in einem Moment so sehr in Gedanken gewesen, dass ich es einfach überhört hatte? Zum Abschied winkte ich Jessica noch kurz zu und beobachtete, wie Edward begann, alles wieder aufzuräumen.
      Als er schließlich sagte, dass er sich zu mir setzen würde, um gemeinsam den Film anzusehen, stand ich auf und setzte mich wieder auf meinen alten Platz. Ich verspürte zwar keinen großen Unterschied, doch eine leichte Erleichterung machte sich in meinem Körper bemerkbar. Vielleicht lag es an dem warmen Essen oder daran, dass ich mich endlich ein wenig ausruhen konnte. Meine Knochen fühlten sich noch immer schwer an, doch auf dem Sofa war das Gefühl deutlich erträglicher.
      Während ich nach dem zweiten Teil des Films suchte, schweiften meine Gedanken zu Edward ab. Ich fragte mich, wie er sonst seine Wochenenden verbrachte. Umso überraschter war ich, dass er tatsächlich zugestimmt hatte, den zweiten Teil anzusehen. Vielleicht lag es an Jessicas Überzeugungskraft, vielleicht auch daran, dass er selbst ein wenig Abstand von der Arbeit suchte. Letztlich spielte das keine Rolle – wichtig war nur, dass wir ihn dazu gebracht hatten, sich nicht sofort wieder an seinen Laptop zu setzen.
      Ich blieb der Meinung, dass er sich an den Wochenenden öfter Zeit für Freizeitaktivitäten nehmen sollte. Doch ich wusste auch, dass man manchmal einfach seine Ruhe brauchte. Wenn er sich jedoch nicht ablenkte, würde er sich schnell langweilen und früher oder später doch wieder nach seinem Handy greifen. Bevor ich mir aber Gedanken über das nächste Wochenende machte, war es für heute schon ein kleiner Sieg, ihn von der Arbeit fernzuhalten und ihm etwas Entspannung zu gönnen.
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    • Man konnte mich penibel oder engstirnig nennen. Aber ich hatte es nunmal gerne sauber und ordentlich und daher sah ich immer zu, dass auch alles wieder aufgeräumt war.
      Nachdem das Geschirr im Geschirrspüler, der Tisch sauber gewischt und alles ordentlich weg geräumt war, ging ich ins Wohnzimmer und setzte mich neben Castiel auf die Couch. Etwas verdattert sah ich zum Fernseher, als er gerade den nächsten Teil des Films anzeigte. Ich hatte wohl, ohne zu merken, zugesagt, weiter zu sehen. Jetzt hatte sich Castiel darauf eingestellt. Da konnte ich schlecht wieder absagen.
      Ich schlug die Beine übereinander und legte die Hände in den Schoß. Meine Augen waren auf den Bildschirm gerichtet, doch meine Gedanken schweiften nach einiger Zeit, während der Film lief, ab. Ich dachte an das Gespräch zurück, was wir führten, als Jessica noch dabei war. Meine Schwester kannte mich viel zu gut und das war gruselig. Ich mochte es nicht, wenn man zu viel von mir wusste. Eigentlich gab ich mich deshalb unnahbar. Doch gerade bahnte sich die Gefahr, dass auch Castiel immer mehr von mir wusste. Er beobachtete viel und probierte viele Sachen aus, ohne dabei respektlos zu werden oder so. In Gegensatz zu meiner Schwester. Ein Bild schlicht sich unweigerlich in meinen Kopf, wie mir wirklich die Augen verbunden waren. Ich spürte, wie es warm wurde in meinem Gesicht. Warum hatte sie ausgerechnet das sagen müssen? Es war meine größte Schwäche, keine Kontrolle über irgendwas zu haben. Nicht, dass ich Kontrollsüchtig wäre. Aber in manchen Dingen war Vertrauen gut, Kontrolle aber besser. Und in vielen Dingen hatte ich eben gern die Zügel in der Hand. Diese würde ich ja verlieren, wenn meine Augen verbunden wären.
      Vorsichtig schielte ich zu Castiel rüber. War es gut, ihn hier bei mir zu haben? Vielleicht hatte ich übertrieben. Ich hab ihn ja quasi dazu gedrängt, bei mir zu wohnen. Und nun hatte ich eine treue Seele unter meinem Dach, die viel zu sehr auf andere achtete, als auf sich selbst. Anderseits ergänzten wir uns da vielleicht? Ich passte ja auch ein bisschen auf. Auf jedenfall musste ich ihn von den Gedanken abhalten, was Jessica zu ihm gesagt hatte. Leise räusperte ich mich.
      "Ähm... gib bitte keine Aufmerksamkeit auf das, was meine Schwester dir heute alles gesagt hat. Manchmal kann sie viel Blödsinn erzählen, wenn der Tag lang ist."
    • Ich war einfach nur erleichtert, dass Edward sich überzeugen ließ, den Film weiterzuschauen. Dadurch hatte er den ganzen Tag über kaum Gelegenheit, sich wieder in seine Arbeit zu stürzen. Natürlich konnte er später im Bett noch seine E-Mails prüfen, doch das war eine kleine Angelegenheit und nicht im Entferntesten vergleichbar damit, sich an seinen Schreibtisch zu setzen und stundenlang vor dem Laptop zu hängen.
      Außerdem vertraute ich darauf, dass er selbst gut genug einschätzen konnte, wann es Zeit war, schlafen zu gehen, sobald er in seinem Zimmer war. Ich war weder seine Mutter noch seine Schwester, die ungefragt hereinkommen und ihm eine Predigt halten konnte. Trotzdem wollte ich ihn unterstützen, damit er vielleicht einmal ein anderes Bild sah, eine alternative Sichtweise, die ihm zeigte, weshalb wir uns manchmal Sorgen um ihn machten.
      Als Edward sich plötzlich neben mir meldete, blickte ich verwundert zu ihm. Ich verstand im ersten Moment nicht ganz, worauf er hinauswollte. In Gedanken spulte ich das Gespräch noch einmal zurück, doch mir fiel zunächst nichts Besonderes ein. Erst nach einem Moment erinnerte ich mich an die kleinen Neckereien, die Jessica zuvor von sich gegeben hatte, und unwillkürlich musste ich bei dem Gedanken lächeln.
      Ich hatte selbst keine Geschwister, aber genau so stellte ich mir Geschwisterliebe vor: etwas chaotisch, manchmal etwas frech, aber warm und vertraut.
      „Keine Sorge, ich weiß, dass Jessica das nur aus Spaß gesagt hat“, versicherte ich ihm und nickte leicht. „Ich finde es wirklich schön, wie gut ihr euch als Geschwister versteht.“
      Mir war bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit war. Ich hatte schon oft gehört, wie kompliziert Geschwisterverhältnisse sein konnten, besonders in Familien, in denen Geld oder geschäftliche Positionen eine große Rolle spielten. Dort war Streit fast vorprogrammiert, Neid ebenso.
      Ich wandte meinen Blick wieder nach vorn, um ihm nicht das Gefühl zu geben, er müsse sich weiter entschuldigen. Ich wollte ihm zeigen, dass ich wirklich verstand, dass Jessicas Bemerkungen nicht ernst gemeint gewesen waren. Ihre Art war vielleicht etwas stürmisch, und ihre lebhaften Besuche erinnerten mich manchmal an einen kleinen Tornado, der durch den Raum wirbelte. Doch trotz all ihrer Energie war sie kein schlechter Mensch. Im Gegenteil, sie hatte ein offenes Herz und eine ehrliche Wärme, die man schnell bemerkte.
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    • Ich sah Castiel noch ein wenig länger an, nicht verstehend, ob er wirklich verstanden hat, was ich ihm sagen wollte. Doch, dass er sagte, dass er das Gerede von meiner Schwester nicht Ernst nähme, beruhigte mich dennoch. So beließ ich es auch dabei. Meine Mundwinkel zuckten kurz nach oben und ich sah wieder nach vorne.
      "Ja. Jessica ist manchmal genau das Gegenteil von mir. Sie ist ein sehr offener, redseliger Mensch. Sie findet immer wieder Leute, mit denen sie sich gut versteht und kann immer neue Freunde finden. Daher hat sie es auch viel einfacher, Beziehungen einzugehen, was mir fehlt.", fing ich an, stockte dann jedoch kurz. Ich sah zum Bildschirm, wo immernoch der Film lief.
      "Entschuldige. Du willst ihn sicher ansehen. Ich wollte nicht stören.", murmelte ich leise und versuchte mich nun doch wieder auf den Film zu konzentrieren. Das war mir nun doch etwas unangenehm. Man störte nicht in einem Film.
      Ich versuchte es wirklich, den Film weiter zu verfolgen, doch meine Gedanken schweiften trotzdem immer wieder ab. Ich seufzte innerlich. Vielleicht hatte ich von mir selbst etwas zu viel erwartet, gleich zwei Filme hintereinander zu sehen. Ich sah mir ja nicht mal Filme an. Und dann gleich zwei war wohl etwas zu viel.
      "Entschuldige bitte. Wäre.... es dir genehm, den Film ein anderes Mal zu sehen? Ich habe Schwierigkeiten, dem noch zu folgen. Selbstverständlich steht es dir frei, den Film allein zuende anzusehen. Doch ich.... ich kann nicht mehr. Ich habe mir wohl etwas zu viel zugemutet. Ich brauche etwas frische Luft. Ich setze mich ein wenig in den Garten."
    • Verstehend nickte ich, während Edward von Jessica erzählte. Es passte vollkommen zu ihr. Sie war tatsächlich unglaublich redselig und besaß diese offene, herzliche Art, mit der sie sofort auf Menschen zuging. Ich konnte mir gut vorstellen, dass es ihr leichtfiel, Beziehungen zu pflegen und überall sofort Anschluss zu finden. Gleichzeitig konnte ich nachvollziehen, was Edward meinte, als er zugab, dass ihm genau das oft schwerfiel.
      Ich hatte nichts gegen seine ruhige und zurückhaltende Art, im Gegenteil, doch ich hatte oft beobachtet, wie andere darauf reagierten und wie sie ihn manchmal missverstanden. Deshalb war es für mich eine positive Überraschung, dass er so ehrlich zu sich selbst war und es mir gegenüber offen aussprach. Es sagte viel darüber aus, wie sehr er mir vertraute.
      Als Edward sich erneut zu Wort meldete, wanderte mein Blick seitlich zu ihm. Seine Aussage überraschte mich nicht. Für jemanden, der seine Wochenenden eigentlich immer der Arbeit widmete, waren zwei Filme hintereinander natürlich viel verlangt. Mir war selbst klar, dass es irgendwann zu viel für ihn werden musste. Trotzdem freute ich mich, dass er es überhaupt versucht hatte.
      Ich hob abwehrend die Hände und schüttelte leicht den Kopf. „Ja, natürlich“, bestätigte ich ruhig. Es fühlte sich nicht richtig an, den Film ohne ihn weiterzusehen, besonders nicht den ersten Teil. Gemeinsam zu beginnen und dann alleine fortzufahren wirkte beinahe unfair.
      „Wir können den Film später fortsetzen, wirklich kein Problem“, sagte ich und schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln. „Ein bisschen die Beine zu vertreten klingt gut.“
      In diesem Moment war es mir wichtiger, dass er sich wohlfühlte und nicht das Gefühl hatte, mir etwas schuldig zu sein. Es war schließlich sein Wochenende, und er sollte nicht das Gefühl bekommen, es müsse sich nach meinen Vorstellungen richten. Ganz im Gegenteil, ich war froh, dass wir überhaupt so viel gemeinsame Zeit gefunden hatten.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich war mir nicht ganz sicher, ob es wirklich für Castiel in Ordnung war, wenn wir den Film pausierten. Jedenfalls zeigte er keine Anzeichen, dass es ihn störte. Doch er war auch gut darin, seine Bedürfnisse zu verstecken. Seit ich ihn kennengelernt habe, hatte er schon immer seine Bedürfnisse hinter meine gestellt. Mich interessierte, woher das kam. Was in seiner Vergangenheit passiert war. Ob er es mir erzählen würde?
      "Begleite mich doch gerne.", es war weniger eine Frage als eine Aufforderung. Trotzdem konnte er immernoch verneinen. Obwohl ich kaum glaubte, dass er das tun würde.
      Ich zog mir meine Schuhe an und zog mir ein Jacket über, ehe ich über die Terrassentür in den Garten schlenderte. Der Rasen war fein säuberlich gemäht, kein Halm war länger als das andere. Ein sattes Grün zeigte, das er gut gewässert war. Trotzdem hinterließ kein Tropfen Wasser Spuren auf meinen Lederschuhen. Vereinzelt gab es ein paar Beete, die eine Pracht an verschiedenen Blumen zeigten, wie Rosen, Hyazinthen oder auch Hortensien. Am Ende des Gartens stand eine alte Eiche, was so überhaupt nicht zum Rest des Grundstücks passte. Doch da sie so alt war, hatte ich es nicht übers Herz gebracht, sie zu fallen. Unter ihr stand eine Bank, auf die ich zusteuerte.
      "Castiel. Verrate mir doch bitte, was du vor der Zeit bei mir getan hast? Mir ist aufgefallen, dass du selten deine Wünsche äußerst. Ich bin ein wenig neugierig. Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte."
    • Ich war ein wenig überrascht, als ich Edward sagen hörte, dass ich ihn begleiten könne. Zwar wusste ich nicht genau, ob er es ernst meinte oder ob es lediglich eine höfliche Geste war, um mich zu beruhigen. Dennoch erschien mir der Gedanke, frische Luft zu schnappen, nicht verkehrt. Vielleicht würde es meiner Genesung sogar guttun.
      Ich folgte Edwards Beispiel und zog mir etwas Wärmeres an, gerade so viel, dass ich mich nicht erneut erkältete. Dabei wurde mir bewusst, dass ich mir bisher kaum Zeit genommen hatte, den Garten zu betreten. Die vergangenen Wochen waren ereignisreich gewesen und ich hatte mich auf viele andere Dinge konzentriert, statt einfach einmal nach draußen zu gehen. Umso dankbarer war ich nun, dass ich Edward nach draußen folgte.
      Der Anblick, der sich mir bot, war beeindruckend. Der Garten wirkte modern und zugleich sehr naturverbunden. Es war ein schöner, ruhiger Ort, den ich mir in Zukunft definitiv öfter aussuchen sollte. Während mein Blick über die verschiedenen Blumen wanderte, richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Mann vor mir, als er das Wort an mich richtete.
      Seine Frage überrumpelte mich ein wenig, sodass ich zunächst schwieg. Ich wusste nicht recht, was er von mir hören wollte oder was genau er wissen wollte. Wünsche hatte ich kaum noch. Eigentlich hatte ich alles, was ich brauchte, vielleicht sogar mehr, als ich je erwartet hätte. Es gab für mich keinen Grund, mich zu beschweren. Ich war schlicht dankbar für die Möglichkeit, aus meinem Leben mehr machen zu können, auch wenn die Ereignisse der Vergangenheit noch immer wie ein Schatten über mir lagen.
      Schließlich sprach ich meine Gedanken aus. „Ich habe keine Wünsche“, sagte ich leise. "Trotz den... Umständen", fing ich langsam an und nahm die Bank ins Visier, „haben sich meine Lebensumstände verbessert, da habe ich keine weitere Wünsche übrig." Mehr zu verlangen fühlte sich für mich falsch an. Ich wusste schließlich nicht, wie lange ich hier bleiben würde, und wollte mich nicht zu sehr an dieses Leben gewöhnen. Der Gedanke an einen möglichen Rückfall in mein altes Leben war beängstigend und etwas, das ich mir nicht erlauben wollte.
      Warum also mehr wünschen, wenn ich ohnehin kein Recht darauf hatte. Ich hatte ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen, Kleidung und eine Arbeit. Was sollte ich mir noch erhoffen. Für mich zählte in diesem Moment nur, das Hier und Jetzt zu überstehen, bevor ich mir erlaubte, über Träume oder Zukunftspläne nachzudenken.
      All das konnte ich Edward jedoch nicht einfach so sagen. Schließlich war ich nur durch meine eigene Tollpatschigkeit überhaupt hier gelandet und wollte keinesfalls den Eindruck erwecken, ich würde trotz der guten Behandlung und der gebotenen Möglichkeiten klagen.
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