In your debt [Kiba x Yumia]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Ich schien der einzige noch an den gestrigen Abend zu denken, denn man konnte aus Edwards Verhalten aus nichts erahnen. Vielleicht interpretierte ich auch zu viel hinein. Doch ich war insgeheim froh darüber, dass Edward sich weiterhin wie immer benahm, denn es half mir viel eher weniger über mein eigenes Verhalten nachzudenken. Als er das Meeting erwähnte und irgendwelche Aufgaben, war ich verwirrt. Welche Aufgaben? Ich hatte von all dem nichts mitbekommen. Vielleicht sollte ich die anderen Fragen, doch war ich dem überhaupt gewachsen, wenn gestern mein erster Tag gewesen ist? Zumindest den ungefähren Ablauf wäre für mich interessant, denn ich konnte mir gut vorstellen, dass auch ich in der Zukunft wichtige Dokumente organisieren und zusammenfassen musste. Sogleich am gleichen Tag würde eine Gala stattfinden. Allein der Gedanken daran, dass sehr wichtige Menschen dort anwesend sein werden, machte mich nervös, doch mein latte macchiato kam mir gut gelegen. Ich fügte noch etwas Zucker hinzu und genoss die Wärme. Verstehend nickte ich Edward zu, als er meinte, dass wir uns beeilen sollten. So trank ich mein Latte Macchiato zügig aus und kehrte in mein Zimmer zurück, um mich fertig zu machen und meine Tasche zu holen.
      Fertig angezogen gesellte ich mich zu Edward ins Auto und gemeinsam fuhren wir in Richtung Büro. „Was ist denn das Thema des Galas?", fragte ich ihn neugierig, mit dem Vorhaben mich in der Hinsicht zu informieren. Auch wenn ich neu bei der Sache war, war es dennoch keine Ausrede für mich patzig zu sein, schliesslich wusste keiner auf der Gala, dass ich neu im Feld war. Ob ich nun Zeit finden werde mich intensiv damit auseinander zu setzen, wagte ich zu bezweifeln, jedoch lieber etwas vorzubereiten als vollkommen unwissend zu sein.
      Als wir dem Büro näher kamen, rutschte ich ihm Sitz ein wenig runter, für alle Fälle. Ich war nicht ein Stück weit paranoid und wollte kein Risiko eingehen. Ich schnallte mich nach dem Einparken ab, blieb jedoch weiterhin im Auto. „Ich würde dann nach dir kommen", während ich die Tür ein wenig öffnete, sodass ich das Auto nicht verlassen konnte, wenn er das Auto abschloss.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Was Castiel nicht wissen konnte, waren die Aufgaben, die ich vor einigen Tagen an meine Mitarbeiter verteilt hatte. Gestern beim Meeting wollte ich die Ergebnisse sehen, doch leider eher schlecht als Recht. Das mussten sie auf jedenfall noch ausbessern. Und wehe, diesmal war es nicht richtig. Sie konnten ja viel machen, aber ich wollte dann auch vernünftige Ergebnisse. Ich hatte hohe Erwartungen an meine Kollegen.

      Nach dem Frühstück, machte ich mich fertig (auch wenn es nicht mehr viel gab) und setzte mich dann mit meinen neuen Mitbewohner ins Auto. Mein Blick hing an der Straße und die umherfahrenden Autos, die scheinbar ebenfalls auf den Weg zur Arbeit waren, als Castiel mich etwas zur Gala fragte. So wie es sich anhörte, war er noch nie auf so einer Festlichkeit und ich überlegte, wie ich ihm das am Einfachsten erklären könnte.
      "Eine Gala hat kein Thema. Auf einer Gala wird man speziell eingeladen und nur bestimmte Gäste werden überhaupt in Erwägung gezogen, eingeladen zu werden. Da, wo wir hingehen, treffen sich viele Geschäftsleute. Die meisten sind sehr erfolgreich. Sie eignet sich, um neue Geschäfte, Geschäftspartner und Verträge abzuschließen. Es kam auch schon vor, dass ich eine Firma aufgekauft und vor dem Bankrott gerettet hatte. Du musst aber nichts weiter tun, als mich zu begleiten. Tu einfach so, als wären wir beim Geschäftsessen, so wie letztes Mal.", erklärte ich ihm und hoffte, dass er es verstanden hatte.
      Kurze Zeit später parkte ich in der Garage der Firma und sah meinen Mitfahrer emotionslos an. Dann nickte ich und stieg aus. Ich trat ins Büro, wo schon reges Treiben herschte und einige schon kräftig am Arbeiten waren. Sie begrüßten mich höflich, während ich in mein eigenes Büro verschwand. Ich ließ den PC schon mal hochfahren, während ich meine Jacke noch auszog und an den Haken hängte. Ich rieb mir kurz die Schläfen, ehe ich mich dem Kalender widmete.
      Nachher um 11 war das Meeting. Da würde sich zu erkennen geben, wer wirklich gearbeitet hatte.
    • Aufmerksam hörte ich seinen Worten zu. Es war einfacher zu verstehen und zu meinem Glück war eine intensive Vorbereitung meinerseits nicht von Nöten. Also musste ich mich nur herrichten und ihn begleiten. Es wurde mir wieder einmal ersichtlich wie verschieden unsere Welten sind. Während Edward von Galas sprach, als wären es nur herkömmliche Partys, die er oft besucht hatte, hatte ich eine noch nie besucht. Es war sicherlich eine lehrreiche Möglichkeit für mich seine Welt besser zu kennen, denn ich solle ja zukünftig ihm bei der Arbeit unterstützen. Dies hieß für mich, dass Auftritte bei Galas ein Teil meines Arbeitslebens sein wird. Innerlich nagte dennoch die Unsicherheit und Angst vor Fehltritte, hätte ich nicht die teure Vase umgeworfen, sähe mein Leben anders aus. Auch wenn ich in dieser Arbeit mehr verdiente und diese fielen nicht ansatzweise körperlich anstrengend aus, dennoch waren Fehler schwerwiegender. Vor allem stehe ich umso mehr unter Druck alles korrekt zu halten, um Edward nicht das Gefühl zu geben, als sei ich unfähig für diese Position und müsste Rest meines Lebens damit verbringen die Schulden abzubezahlen.
      Ich musste mich heute also umso mehr um mein Aussehen kümmern, notierte ich mir mental.
      Ich wartete eine Zeit lang, bis auch ich aus dem Auto stieg und den Fahrstuhl benutzte. Es wäre schlauer einige Minuten zu warten, da es sonst zu auffällig wäre zeitnah nach Edward hier zu erscheinen. Da Edward meine Umstände kannte, waren die Arbeitszeiten weniger ein Problem. Ich konnte immerhin anderen sagen, dass mein Vertrag flexibel gehalten wird. Clara saß bereits an ihrem Tisch und begrüßte mich, als sie mich sah. Mit einem Lächeln begrüßte auch ich sie und setzte mich an den Platz. Kurz tauschten wir aus, way heute anstand. Auch sie informierte mich über das Meeting, welches stattfinden wird und zubdem ich mitkommen sollte.auch fragte sie nach, ob ich vom gestrigen Tag noch Fragen hatte. Dies verneinte ich, da ich nochmals alles überschauen wollte, da mir im Nachgang eher die Fragen aufkamen. Doch bevor wir wieder anfingen richtig zu arbeiten, gingen wir gemeinsam in die Küche, wo wir auch die anderen Kollegen antrafen. Sie unterhielten sich bereits aufregend miteinander. Die Stimmung schien angespannt zu sein. Fragend blickte ich umher, bis einer mir die Lage erklärte. "Dieses Meeting findet statt, weil Mister Lewis mit der Arbeit von uns zufrieden war", flüsterte er mir zu. Ein weiterer Kollege schien es gehört zu haben, denn er seufzte laut und fuhr sich frustriert durch die Haare. "Ich verstehe das Problem nicht, es war doch alles in Ordnung. Aber nein, nicht so wie er sich das in Detail vorgestellt hat. Man kann es auch übertreiben", murmelte er den letzten Satz und zog seine Augenbrauen zusammen. "So ist nun Herr Lewis nunmehr, sehr präzise und genau", stimmte jemand anderes ein. "Es hat ja seinen Grund wieso die Firma erfolgreich ist", mischte sich jemand anderes ein. "Ja, aber wie er so manchen formuliert...man kann es auch anders rüberbringen". Ich nickte innerlich. Ich konnte deren Besorgnis verstehen und nun verstand ich teilweise, wieso sie nicht die Pause mit Edward verbringen wollten. Zum einen war er der Chef, zum anderen war seine Persönlichkeit ihnen zu streng. Tatsächlich hatte ich mitbekommen, dass er streng und penibel sein konnte, doch ich hatte das viel mehr als etwas Positives gesehen, vor allem bezüglich der Arbeit. Da ich nicht wusste was Edward im letzten Meeting gesagt hatte, konnte ich nicht beurteilen wie es gewesen ist. Doch ich denke, ich werde das spätestens in diesem Meeting herausfinden.
      Auch dachte ich, dass am Ende des Tages Edward nicht deren Freund war, mit dem man gutaustauschen konnte, sondern der Vorgesetzte. Es war für mich viel mehr selbstverständlich, dass der Vorgesetzte etwas strenger war. Natürlich kam es ganz drauf an, inwiefern man sich verhielt, doch ich würde so weit gehen und behaupten, dass Edward es professionell behielt.
      Da es mir unangenehm war alles zu hören und weil ich nichts einwerfen konnte, da ich hier neu angefangen hatte, verließ ich den Raum mit eine Tasse Tee und kehrte zu meinem Platz zurück. Clara zeigte mir die Dokumente des letzten Meetings und beim Überfliegen musste ich mir gestehen, dass ich nichts verstand. Es war ein völlig neues Thema, welches mir nicht bekannt war, sowie vorherige Schritte, die eingeleitet wurden und was Edwards gestellte Aufgabe war. Es wäre wohl schlauer, wenn ich mir Notizen mache, auch in Hinblick darauf welche Aufgaben Edward stellen wird. Ich öffnete mein Postfach und schaute mir die Termine von Edward an. Es schien sehr vollgepackt zu sein. Ich fragte mich, ob er jemals wirklich zur Ruhe kommen kann, denn nach der Arbeit ging er auch zum Geschäftsessen und Galas. Wann er wohl das letzte Mal Urlaub genommen hat?
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Dass manche Kollegen nicht gut auf mich zu sprechen waren, wusste ich. Und ich musste zugeben, dass es mir wirklich egal war. Ich hatte einen Job zu erledigen, der von mir erwartet wurde auf unterschiedlichste Weise und dann wollte ich es auch genau haben. Und wer damit nicht einverstanden war, der sollte gehen und sich was anderes suchen. Was viele nicht sahen, war, dass ich das Gesicht der Firma war. Lief irgendwas schief, war es mein Fehler. War irgendwo etwas falsch, hieß es, ich leite meine Mitarbeiter nicht gut genug an. Die Firma könnte bankrott gehen und ich würde alle zu Arbeitslose machen. Da die meisten auch Familie hatten, war ich damit einverstanden, wenn sie um eine gewisse Uhrzeit nach Hause fuhren. Die Firma aber schlief nicht. Sie wollte weiter geleitet werden. Aber das war alles okay. Sie machten ihren Job und die Firma konnte weiter machen. Ich wusste auch, dass einige Kollegschaften zu Freundschaften wurde und wenn was daneben lief, regelte ich das. Aber dafür wollte ich eben auch Ergebnisse sehen. Allein konnte ich die Arbeit hier in der Firma eben auch nicht schaffen. Trotzdem war ich froh, Castiel hier zu haben. Er lernte sehr schnell und schien sich ebenfalls mit den anderen gut zu verstehen. Meine Überlegung war, ihn tatsächlich hier richtig einzustellen. Aber dies hatte noch Zeit.
      Ich sah auf die Uhr und bereitete mich auf den nächsten Termin vor: Eine Firma brauchte unsere Hilfe und ich war mir sicher, dass wir da zu einer Lösung finden würden. Nicht umsonst wurde das alles hier zu einer millionenschweren Firma. Und wenn wir uns in der Hinsicht noch weiter ausbreiteten, würde unser Name bald auf der ganzen Welt bekannt sein und überall Standorte haben. Das wäre schon ein großes Ziel.
    • Da das Meeting später stattfinden würde und Edward bereits einige Mängel aufgezeigt hatte, waren alle darum bemüht, ihr Bestes zu geben. Einige wiederum hatten sich wieder ihren alltäglichen Aufgaben gewidmet, in der Hoffnung, dass die Arbeit in gewohnter Routine weiterging. Da ich mit dem Prozedere noch nicht vertraut war und nicht wusste, wer an welchen Aspekten beteiligt war, konnte ich nicht einschätzen, wer besonders viel Mühe in die Vorbereitung steckte und wer das Ganze eher locker anging. Meine Kollegen hatten hier deutlich länger gearbeitet als ich, und so war ich der Meinung, dass es ihre Sache war, wie sie mit solchen Dingen umgingen. Ich hoffte nur, dass Edward nicht erneut unzufrieden mit dem Ergebnis sein würde. Falls doch, würde ich wohl eine andere Seite von ihm kennenlernen – eine, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Je früher ich damit konfrontiert würde, desto besser, dachte ich.
      Da ich meine Kollegin nicht weiter nerven oder unnötig mehr Arbeit aufbürden wollte, besonders weil es mir lieber war, wenn sie sich auf wichtigere Aufgaben konzentrierte, entschloss ich mich, die Notizen vom letzten Meeting sowie das Material, das dort vorgestellt wurde, noch einmal durchzugehen. Doch egal, wie lange ich die Papiere anstarrte, ich konnte den Umfang und die Tiefe des Themas einfach nicht ganz durchdringen. Also begann ich, kleinere Recherchen zu machen, die sich als mühseliger herausstellten, als ich zunächst gedacht hatte. Nur durch genaues Hinschauen und gezieltes Nachfragen konnte ich ansatzweise verstehen, worum es grundsätzlich ging. Die Zahlen und die vielen Fachbegriffe waren mir völlig unbekannt, und selbst nach intensivem Nachschlagen hatte ich entweder die Bedeutung sofort wieder vergessen oder die Erklärungen waren für mich noch immer nicht ganz verständlich. Ich spürte, wie mein Kopf allmählich zu rauchen begann.
      Diese Erschöpfung setzte sich fort, bis das Meeting schließlich begann. Um so viel wie möglich aus der Sitzung zu lernen, nahm ich einen Notizblock und einen Stift mit. Ich war mir sicher, dass das heutige Thema uns noch eine Weile begleiten würde und dass wir nicht heute schon zu einem endgültigen Abschluss kommen würden. Es war für mich ohnehin notwendig gewesen, mich intensiver in das Thema einzulesen, da ich noch viel zu lernen hatte. Gemeinsam mit vielen anderen betrat ich den großen Konferenzraum, in dem bereits alles vorbereitet war. Unsicher, ob schon eine feste Sitzordnung bestand, wartete ich ein wenig am Rand, bis sich die meisten Teilnehmer ihren Platz gesucht hatten. Schließlich setzte ich mich relativ nah an Edward. Die Plätze um ihn herum schienen nicht besonders begehrt zu sein – vielleicht aus Ehrfurcht oder Unsicherheit. Da ich Edward auch im privaten Umfeld kannte und wir uns, zumindest hatte ich diesen Eindruck, gut verstanden, fühlte es sich für mich nicht ungewöhnlich an, in seiner Nähe zu sitzen. Vielleicht, und das hoffte ich auch, dachten die anderen, dass ich es einfach nicht besser wusste und mich ohne viel nachzudenken in seiner Nähe niederließ. Schließlich war er ja anwesend, und sie konnten es mir nicht direkt sagen.
      Mit Block und Stift saß ich nun an meinem Platz und betrachtete die vielen Gesichter um mich herum, von denen einige mir noch fremd waren. Die Namen hatte ich bisher noch nicht alle im Gedächtnis, aber ich wusste, dass sich das mit der Zeit ändern würde. Da dies mein erstes Meeting war und das Thema für mich neu war, lehnte ich mich etwas zurück, beobachtete aufmerksam das Geschehen und machte mir Notizen, um so viel wie möglich mitzunehmen.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Der Termin lief wie geplant und beide Parteien gingen zufrieden ihres Weges. Der unseres Kunden wieder in seine Firma, um gewisse Dinge schonmal zu klären und mein Weg ging direkt ins PowerPoint, um alles auszuarbeiten, damit alle wussten, was demnächst zu tun war. Da unser altes Projekt mit dem neuen Projekt zusammengestellt werden würde, passte es perfekt.
      Dann war es soweit und das Meeting würde gleich starten. Mit meinen ganzen Unterlagen ging ich in den Konferenzraum, wo sich schon alle zusammen gefunden haben. Dass die Plätze um mich rum eher frei waren, überraschte mich nicht. Und es war okay. Mir war es einerlei, wer sich wo hinsetzte. Schließlich war ich nicht zum Schwatzen da. Auch, dass Castiel sich schon fast neben mich gesetzt hatte, überraschte mich eher wenig. Eigentlich fand ich es schon fast niedlich, dass er so unwissend sich ausgerechnet da einen Platz gesucht hatte. Überhaupt sah er eher aus, als würde er in der Schule auf den Lehrer warten. Ich hoffte nur, dass die anderen Kollegen jetzt nicht schlecht von ihm dachten. Das würde ihn nur in Schwierigkeiten bringen.
      Ich stellte alles auf den Tisch und vernetzte den Rechner und den Beamer miteinander, so dass man nun auf der uns gegenüber liegenden Wand sehen konnte, was ich auf meinem Bildschirm sah. Da ich der letzte war, der reinkam, waren nun alle anwesend.
      "Ich fange heute damit an, dass wir einen neuen Kunden haben, der unsere Hilfe brauch. Der Inhaber steckt in Schwierigkeiten und unsere Aufgabe ist es, dessen Firma wieder auf Vordermann zu bringen. Ich möchte bitte ein genaues Diagramm haben, wie seine letzten Zahlen ausgesehen haben. Sprich Mitarbeiter, Gewinne, Verluste sowie Umsätze. Ich brauche eine Liste von seinen Kosten, damit wir sehen können, was wir verändern und was wir beibehalten. Ich zeige euch jetzt, worum es sich hier handelt.", erklärte ich nun die Aufgaben und fing an, mit meiner Präsentation die Firma vorzustellen. Kurze Zeit später waren wir dann au h schon am Ende.
      "Da wir diese Firma mit den letzten Aufgaben zusammen stellen werden, kommen wir gleich zu ihren Ergebnissen. Bitte fahren sie fort, Mister Andrews."
      Ein Mann mittleren Alters stand auf um mir seine Ergebnisse mitzuteilen. Aufmerksam hörte ich zu und nickte. Er hat wahrlich daran gearbeitet. Es gefiel mir schon besser. Dann war Mister Davis, ein etwas jüngerer Kollege, dran, der nicht ganz so energisch war.
      "Mister Davis, was meinen Sie, wie wir die Umsetzung ihrer Idee gestalten sollten?", ich war ziemlich skeptisch. Doch seine Antwort ließ mich doch irgendwie neugierig werden und stimmte mich am Ende doch zufrieden. Na geht doch. Warum denn nicht gleich so.
      "Bitte arbeiten Sie weiterhin so. Sie können jetzt in Ihre Büros zurück kehren. Das Meeting ist beendet.", ich verabschiedete mich und ließ die restlichen Mitarbeiter im Konferenzraum zurück.

      "Hey Castiel. Ich glaub ich spinne, kaum bist du das erste Mal mit im Meeting, wird der Lewis lammfromm. So nett war der noch nie. Hast du irgendwas vorher gemacht? Ihm etwas in den Kaffee getan oder so?", kicherte Miranda, der sofort aufgefallen war, dass heute etwas anders war.
    • Interessiert lauschte ich Edwards Ausführungen und fand seinen kleinen Vortrag erstaunlich spannend. Auch wenn ich in das aktuelle Projekt nicht eingebunden war und mir die nötigen Kenntnisse fehlten, packte mich die Thematik dennoch. Während er sprach, kritzelte ich eifrig Notizen auf mein Papier, in der Hoffnung, mich später selbstständig in das Thema einarbeiten zu können. Wer wusste schon, ob ich nicht irgendwann ebenfalls involviert werden würde? Lieber war ich vorbereitet, als unvorbereitet in ein Fettnäpfchen zu treten.
      Auch als die anderen Kollegen an der Reihe waren, machte ich mir Notizen – nicht nur über den Inhalt ihrer Präsentationen, sondern auch über ihre Vortragsweise und Struktur. Besonders wenn die Mitarbeiter positives Feedback erhielten, versuchte ich zu verstehen, was sie richtig gemacht hatten. Edward beendete das Meeting ohne Umschweife, ganz in seinem typischen, nüchternen Stil. Überraschend war es nicht – das war Edward, wie er leibte und lebte.
      Während ich meine Unterlagen zusammenpackte, machte ich mir im Kopf eine kleine To-Do-Liste für den restlichen Tag. Ich war so in Gedanken vertieft, dass ich zunächst nicht bemerkte, wie sich mir jemand näherte. Wie war ihr Name nochmal? Er wollte mir einfach nicht einfallen, und anstatt nachzufragen, lächelte ich nur schwach. Auf ihren Kommentar hin erwiderte ich: „Nun, die Kollegen haben auch eine gute Arbeit gemacht. Wieso sollte er da nicht loben?“ Ich konnte mir vorstellen, dass Edward nicht der Typ war, der gerne Smalltalk hielt. So zumindest war meine Wahrnehmung. Doch eines wusste ich – er war aufrichtig und detailgenau. Vielleicht wirkte er deshalb auf manche Menschen kalt?
      „Das stimmt schon, aber manchmal habe ich das Gefühl, er nörgelt zu viel“, flüsterte sie mir zu, begleitet von einem tiefen Seufzer und einem Schulterzucken.
      „Ich denke, das gehört zu seiner Position dazu. Wenn etwas schief läuft, bleibt es an ihm hängen,“ überlegte ich laut. Mein Kommentar schien sie kurz ins Grübeln zu bringen, doch ich hörte ihre Antwort nicht, denn plötzlich mischte sich Davis ein.
      „Ich habe echt befürchtet, dass er wieder was zu bemängeln hatte,“ stöhnte er, und seine gestresste Miene sprach Bände. Er sah nicht viel älter aus als ich, und seine Nervosität war ihm deutlich anzumerken.
      „Ich kenne mich mit dem Thema nicht aus, aber ich fand, dass du gut vorgetragen hast,“ versuchte ich, ihm ein wenig die Anspannung zu nehmen.
      „Immerhin jemand, der meine Arbeit wertschätzt,“ entgegnete er mit einem sarkastischen Lächeln. Ich lachte leicht nervös und konnte nicht umhin zu bemerken, wie missverstanden Edward offensichtlich von einigen wurde. Das stimmte mich innerlich traurig.
      „Ende gut, alles gut,“ meinte ich und klopfte ihm leicht auf den Rücken, während er mir einen kräftigen Klaps auf die Schulter gab. „Ich habe das Gefühl, auf dich ist Verlass.“ Es überraschte mich, wie offen manche Kollegen hier waren. Bei meinen früheren Jobs war das anders gewesen – jeder schien nur darauf bedacht, irgendwie den Arbeitstag zu überstehen.
      Zusammen mit den anderen verließ ich den Raum und kehrte an meinen Arbeitsplatz zurück. Auch wenn das Meeting gut verlaufen war und nun beendet, herrschte auf der Etage geschäftiges Treiben. Wahrscheinlich hatten Edwards positive Rückmeldungen die Motivation der Kollegen beflügelt, noch engagierter an ihren Aufgaben zu arbeiten. Die bevorstehende Gala hatte ich zu diesem Zeitpunkt völlig aus dem Blick verloren. Stattdessen fokussierte ich mich auf die typischen administrativen Aufgaben an meinem Schreibtisch. Es war gut möglich, dass ich noch in das Projekt involviert werden würde, auch wenn es nur eine kleine Aufgabe wäre. Um vorbereitet zu sein und unnötige Hektik zu vermeiden, entschied ich mich, die Zeit zu nutzen und mich vorab einzulesen. Zwar würde ich nicht alle Details sofort verstehen – vor allem bei Themen, die mir völlig fremd waren und bei denen eine einfache Recherche nicht ausreichte –, aber zumindest wollte ich die Fachbegriffe und ihre Zusammenhänge erfassen.
      So vertiefte ich mich in die Arbeit, schaute immer wieder in Edwards Kalender und versuchte, mir einen Überblick zu verschaffen. Clara fragte mich irgendwann, ob ich bereit sei, das Telefon zu übernehmen, doch ich lehnte ab. Ich hielt es für wenig sinnvoll, so früh schon ans Telefon zu gehen, ohne die Abläufe und die verschiedenen Teams genau zu kennen. Stattdessen schlug ich vor, dass ich gerne mithören würde, um ein Gefühl dafür zu bekommen, worum es in den meisten Anrufen ging, und machte mir währenddessen Notizen.
      Das geschäftige Treiben ebbte bis zur Mittagspause nicht ab. Jetzt saß ich da, den Kopf in Gedanken versunken. Edwards Worte vom Vortag hallten in meinem Kopf wider. Dennoch fühlte ich mich unsicher. Sollte ich ihn fragen, ob er sich zum Mittagessen anschließen wollte? Doch was, wenn ich damit die Kollegen in eine unangenehme Situation brachte? Ein innerer Zwiespalt quälte mich. Innerlich gestresst, biss ich mir auf die Unterlippe. Vielleicht sollte ich es zumindest anbieten und, falls nötig, alleine mit ihm essen? Wäre das zu förmlich oder zu aufdringlich? Ich wollte Edward keine zusätzlichen Probleme bereiten.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich wusste, dass meine Mitarbeiter nicht gut auf mich zu sprechen waren. Sie wussten ja auch nicht, was ich in meiner Arbeit noch alles tat. Ich könnte es ihnen natürlich erzählen, doch befürchtete ich, dass es weniger zur Aufklärung und zu Verständnis kam, sondern eher zu Neid und noch mehr Ärger. Und da ich Arbeit vom Privatem trennte, war ich nicht erpicht darauf, mich mit ihnen anzufreunden und es ihnen zu erklären. Denn wie gesagt, glaubte ich nicht daran, dass sie meinen Job verstanden. Ich atmete einmal durch und griff zur Seite, wo ich den letzten Keks nahm. Die Kekse, die Castiel da hingestellt hatte und überraschender Weise schnell von mir aufgegessen waren. Ich staunte doch ziemlich über mich selbst. Aber zwischendurch meinen Zähnen eine andere Aufgabe zu geben, gab meinem Kopf etwas Luft und ich konnte mich in manchen Sachen besser konzentrieren als vorher.
      Die Zeit verging und da ich zwischendurch aufstehen und zum Kopierer laufen musste, bekam ich ebenfalls mit, dass alle anderen mit Motivation bei ihrer Arbeit waren. Ich war mir nicht ganz sicher, warum alle so gut gelaunt waren. Allerdings ist mir nicht entgangen, dass Castiel gut mit den Kollegen klar kam. Vielleicht war es auch seine Anwesenheit, die alle anderen dazu brachte, sich ein bisschen mehr auf die Arbeit zu konzentrieren. Sollte mir Recht sein. Vielleicht waren dann einige auch ein bisschen effizienter in ihrem Job.
      Die Uhr zeigte die Mittagszeit an und erschöpft fuhr ich mir durch das Gesicht und rieb mir die Augen. Ich merkte immer mehr, dass ich eine Brille brauchte. Ich hatte auch eine... aber ich setzte sie nicht oft auf. Schon gar nicht, wenn noch wer bei mir war. Daher sah ich immer zu, sie in meiner Schublade zu lassen.
      Bevor jetzt alle zum Mittagessen aufbrachen, stand ich auf und ging zu Castiel ins Büro, mich nach Terminen zu erkundigen. Leise klopfte ich mit dem Fingerknöchel an die Tür.
      "Mister Loft? Bevor Sie in die Mittagspause gehen, würde ich gerne den Terminplan für heute nachmittag erfahren."
    • Man hatte mich bereits gefragt, ob ich mitkommen würde. Da ich jedoch noch keine Entscheidung getroffen hatte, sagte ich ihnen, dass ich noch eine Kleinigkeit erledigen musste. Da ich nicht wusste, wie lange es dauern würde, sollten sie nicht auf mich warten. Verstehend hatten sie mir zugenickt, andere Kollegen im Team hatten ihre eigene Gruppe und der ein oder andere Kollege blieb ebenso im Büro.
      Während ich mir meinen Kopf zerbrach was ich als nächstes tun sollte, riss mich ein Klopfen aus meinen Gedanken. Überrascht, da ich mit niemanden gerechnet hatte, blickte ich hoch und erblickte Edward, der im Türrahmen stand. "Oh, ja ein Moment." Ich wandte mich wieder an den Computer, jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt ihn direkt zu fragen. Den ersten Schritt hatte Edward bereits für mich getan, der benötigte Ruck, den ich gebraucht hatte. "Es soll eine Telefon Konferenz stattfinden, mit nur handvolle, um rückzusprechen wie das Projekt vorankommt." Ich suchte mir noch schnell den Namen der Firma raus, die für ihn notwendig war und gab ihm das weiter.
      Bevor er jedoch auf auf die Idee kommen konnte sogleich mein Büro zu verlassen, stand ich auf und öffnete den Mund. Doch kein Mucks kam raus. Kurz räusperte ich mich. Wie sollte ich das am besten angehen? "Ich weiß, dass du nicht gerne mit den anderen essen gehst, aber...Nein, wollen wir was zum Essen gehen? Ein Ortswechsel", korrigierte ich mich am Ende und sah ihn abwartend an. Auch wenn es gerade mal der zweite Tag hier gewesen ist, wusste ich, wie stressig seine Tage waren und ständig im Büro eingesperrt zu sein, empfand ich alles andere als gesund. Gesunder Verstand, führte zu besserer Arbeit. "Die anderen sind schon essen gegangen", fügte ich noch schnell hinzu.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich war etwas erstaunt, dass er allein im Büro saß. Scheinbar war der Rest doch schon aufgebrochen. Aber vielleicht war es für ihn so auch leichter. Man musste sich nicht verstellen und ich wollte ihn auch nicht in eine unangenehme Situation bringen. Während er in seinem Computer nach meinen Terminen sah, sah ich mich unauffällig auf seinem Schreibtisch um. Es war sehr ordentlich in Gegensatz zu manchen anderen Kollegen hier und es erleichterte mich ungemein, dass mich mein Bauchgefühl, ihn einzustellen, doch nicht betrogen hatte. Auch wenn er die Vase meiner Urgroßmutter zerstört hatte. Wenn er es wollte, konnte er nach dem er aus den Schulden bei mir raus war, gerne einen richtigen Arbeitsvertrag unterschreiben und hier bleiben. Er würde mit Sicherheit ein geschätzter Mitarbeiter werden.
      Nachdem ich meine Information erhalten habe, bedankte ich mich noch und war schon wieder kurz davor zu gehen, als Castiel wie von der Tarantel gestochen aufsprang und mich ansah. Ich hatte ihn schon halb den Rücken zugedreht, doch richteten sich meine Augen immer noch auf ihn. Er öffnete den Mund, doch kam ihm kein Wort über die Lippen. Fragenzeichen in meinem Kopf tauchten auf, bis er sich doch überwinden konnte, etwas zu sagen. Und als mir klar wurde, was er wollte, weiteten sich meine Lider.
      "Du willst.... mit mir zu Mittag Essen gehen?", ich fragte lieber nochmal nach. Nicht, dass ich mich doch verhört hatte. Doch als er sogar betonte, dass alle anderen schon weg waren, merkte ich, dass ihm das Ernst war. Ich musste gestehen, dass ich das nicht erwartet hatte. Nicht nach dem Abend mit meiner Schwester. Er hatte so viele unangenehme Seiten von mir kennengelernt, für die ich nicht einstehen konnte. Ich hab beim Frühstück einfach so getan, als hätte ich es vergessen. Ich wollte gewisse Themen nicht nochmal ausgraben. Schon gar nicht mit Castiel. Ein Wunder, dass er nicht da schon abgehauen ist.
      "Meinetwegen können wir zusammen losgehen. Nicht weit von hier etwas versteckt ist ein leckeres Restaurant. Die Kollegen werden es wahrscheinlich auch nicht kennen. Da haben wir unsere Ruhe."
    • Verwirrt und einen Moment sprachlos sah ich ihn an, meine Stirn legte sich in leichte Falten. Seine Worte klangen, als wäre meine Frage absurd gewesen – als hätte ich keinen Grund, ihm ein gemeinsames Essen anzubieten. Gab es wirklich einen?
      Am Ende des Tages war er nicht nur mein Arbeitgeber, sondern auch ein aufrichtiger und gerechter Mann. Außerdem lebte ich in seinem Haus, und eine gute Beziehung zu pflegen war das Mindeste, was ich tun konnte. Bislang hatte ich das Gefühl gehabt, dass wir uns gut verstanden. Abgesehen von der unangenehmen Situation gestern, die mich ins Grübeln gebracht hatte. Ich hatte befürchtet, etwas Falsches getan zu haben – doch da Edward sich heute wie gewohnt verhielt, lag es vielleicht nur an meiner eigenen Unsicherheit. Trotzdem schwang sie unterschwellig noch in mir mit, wie ein kaum hörbares Echo im Hintergrund.
      Wir standen uns nicht nahe genug, dass er über Persönliches mit mir sprechen würde – zumindest war das meine Einschätzung. Und Edward wirkte nicht wie jemand, der seine Gedanken und Gefühle leichtfertig mit anderen teilte.
      Umso überraschter – und erleichterter – war ich, als er mein Angebot annahm.
      „Ja, gerne.“
      Seine Zustimmung kam ohne Zögern, was mich kurz innehalten ließ. Gestern hatte er das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen abgelehnt, und ich hatte insgeheim erwartet, dass er mir ebenfalls eine höfliche Absage erteilte.
      Ich warf einen letzten Blick auf meinen Schreibtisch. Alles war ordentlich, sodass ich nach dem Essen ohne viel Aufwand weiterarbeiten konnte. Auch wenn ich verstand, warum Edward nicht mit den anderen essen wollte, konnte ich es doch nicht ganz ignorieren. Die Vorstellung, dass er stattdessen durcharbeiten würde, ohne eine richtige Mahlzeit zu sich zu nehmen, gefiel mir nicht. Vielleicht machte ich mir auch einfach zu viele Gedanken – nicht nur, weil er mein Vorgesetzter war, sondern weil ich mit ihm zusammenlebte und ihn dadurch auf eine andere Weise kannte als die meisten hier.
      Die Blicke der Kollegen störten mich weniger. Doch solange es Edward unangenehm war, während der Arbeitszeit mit mir gesehen zu werden, würde ich seinen Wunsch respektieren.
      Ich trat von meinem Schreibtisch zurück und folgte ihm in Richtung Fahrstuhl. Die Türen schlossen sich leise hinter uns, und für den Moment blieben wir allein.
      Normalerweise störte mich Stille nicht – und Edward schien ohnehin niemand zu sein, der sich gern mit belanglosem Small Talk aufhielt. Doch meine Neugier war geweckt.
      Ich hob den Blick zu ihm und fragte schließlich: „Wie hast du eigentlich dieses versteckte Restaurant gefunden?“
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Zusammen gingen wir durch die halbleere Abteilung Richtung Fahrstuhl. Handy und mein Portemonnaie, was wirklich ziemlich klein war, da ich kein Bargeld mit mir rumschleppte, waren in meiner Hosentasche. Meine Autoschlüssel hatte ich bloß in der Jackentasche, welche aber nicht nötig waren. Nach kurzweiligen Warten war dann der Fahrstuhl auch oben und öffnete uns seine Pforten. Da Castiel und ich immer getrennt zum Büro gingen, fuhren wir auch nie wirklich zusammen Fahrstuhl. Umso merkwürdiger war es, auf engen Raum so dicht beieinander zu stehen. Es war anders als wie zum Beispiel im Auto. Da musste ich mich aufs Fahren konzentrieren. Jetzt standen wir hier und taten nichts außer warten. Ich konnte nicht beschreiben, was das für ein Gefühl, welches sich hier in mir ausbreitete. Doch es machte mich neugierig. Gleichzeitig jedoch wollte ich mich dem entziehen. Ich durfte keine Fehler machen um niemanden zu schaden. Besser wars also, dieses Gefühl erstmal zu ignorieren, in der Hoffnung, es würde von selbst verschwinden.
      Erst als Castiel mich ansprach, war alles für einen kurze Moment vergessen.
      "Huh? Das.... ist schon länger her. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern. Als mein Vater das alles noch geleitet hat und ich hier in der Firma angefangen hatte, hatte ich einen Ort gesucht, um meine Pause zu machen, fern von allem. Es ist recht klein und nicht so nobel und da konnte ich abschalten. Früher bin ich da gern hingegangen, fast jeden Tag. Es ist ein kleines Familienunternehmen. Seit dem ich nun der Firmenchef bin, hatte ich keine Zeit mehr dazu. Ich bin gespannt, ob es sich da verändert hat oder immer noch so ist wie früher. Ich war-.", ich unterbrach mich selbst. Ich habe nicht gemerkt, wie ich ausschweifte. Leise räusperte ich mich. Wie peinlich.
      "Jedenfalls war ich länger nicht mehr da."
    • Ich konnte nicht leugnen, dass mich Edwards plötzliche Gesprächigkeit überraschte – insbesondere, weil es um ihn selbst ging. Normalerweise hielt er sich mit persönlichen Informationen zurück, doch diesmal sprach er ungewohnt offen. Fasziniert lauschte ich seinen Worten und zog mir dabei jede kleine Information heraus, die mir bisher entgangen war.
      Also hatte er hier gearbeitet, als sein Vater noch die Firma leitete. Bis heute hatte ich weder etwas über seinen Vater gehört noch ihn jemals zu Gesicht bekommen. Offenbar waren wir nicht vertraut genug, um über familiäre Angelegenheiten zu sprechen. Doch wieso interessierte es mich überhaupt? Vielleicht war es simple Neugier.
      Er erwähnte außerdem, dass er damals Ruhe gesucht hatte. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er auch damals nicht sonderlich gesellig mit seinen Kollegen gewesen war – ähnlich wie heute. Doch das war nur meine eigene Interpretation. Bevor ich jedoch tiefer in meine Gedanken eintauchen konnte, brach Edward seine Erzählung abrupt ab.
      Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich der Rest seiner Geschichte nicht interessiert hätte. Doch da Edward nicht wie jemand wirkte, der gerne über sich sprach, hakte ich nicht nach. Ich wollte nicht riskieren, dass er sich wieder verschloss und die unsichtbare Mauer um ihn herum nur noch dicker wurde. Trotzdem erkannte ich das Potenzial, dass er durchaus in der Lage war, sich zu öffnen – wenn auch nur selten.
      Eine angenehme Überraschung.
      Ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen.
      In diesem Moment öffneten sich die Fahrstuhltüren mit einem sanften Klingeln. Da ich nicht wusste, in welche Richtung wir gehen mussten, ließ ich Edward den Vortritt.
      Ich war gespannt, was mich erwarten würde. Bisher hatte ich nur seine luxuriöse Seite kennengelernt – sein prachtvolles Zuhause, elegante Abendessen mit Klienten, die Welt der geschäftlichen Perfektion. Doch ihn gleich in einer familiären und gemütlicheren Umgebung zu erleben, war eine völlig neue Vorstellung.

      Ein ungewohntes, aber nicht uninteressantes Bild in meinen Gedanken.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Mir war es äußerst unangenehm, dass ich so in die Vergangenheit abschweifte. Ich wollte niemanden mit langweiligen Geschichten nerven. Schon gar nicht Castiel. Schließlich war ich sein Chef und er wohnte bei mir. Also musste ich Distanz wahren. Denn nur die jenigen, die man an sich ranließ, konnten einen leichter verletzen und zum stärksten Feind werden. Dass Castiel schon viel näher war als ich dachte, bemerkte ich nicht.
      Das Klingeln ertönte und die Türen des Fahrstuhls öffneten sich. Ich ging vorraus und verließ mit meinem Mitbewohner das Gebäude der Firma. Wir gingen ein Stück die Straße runter und bogen recht schnell in eine Seitengasse an. Schon hier merkte man, sass es deutlich ruhiger war als an der Hauptstraße. Tatsächlich musste man noch ein paar Mal abbiegen, ehe man vor einem kleinen netten Restaurant stand.
      "Hier ist es. Tritt doch ein.", kündigte ich an und hielt Castiel die Tür auf. Drinnen wurde es gemütlich. Einladende Deko war passend auf das Ambiente abgestimmt, viele kleine und große Tische mit nicht immer passenden Stühlen gaben dem kleinen Restaurant den gewissen Flair und brachten einen dazu, sich hier hinsetzen und etwas bestellen zu wollen. Ich fühlte mich sofort in die Vergangenheit zurück versetzt und ein kleines Lächeln schlich sich kurz auf meine Lippen. Kaum waren wir drin, wurden wir auch schon von einer kleinen, rundlichen, aber sehr freundlichen Frau empfangen.

      image-of-cozy-ambience-of-cafe-free-photo (1).jpg

      "Edward! Was für eine Überraschung. Dich hab ich ja ewig nicht mehr gesehen. Du bist groß und stattlich geworden. Ein hübscher Mann.", begrüßte sie mich und schüttelte meine Hand. Dann erblickte sie Castiel.
      "Huch? Du bringst jemanden mit? Was für eine Seltenheit.", sie war wahrlich ein sehr offener Mensch. Jemand, den ich früher öft für ihre Art beneidet hatte.
      "Mrs Brown. Das ist mein Arbeitskollege Castiel Loft. Wir wollten hier eine Kleinigkeit zu Mittagessen.", stellte ich ihr meine Begleitung vor und legte einen Arm um seine Schulter. Erst dann bemerkte ich, dass ich wohl zu weit gegangen war. Ich sollte sowas lassen. Ich war ihm ohnehin schon viel zu oft zu nah gekommen.
      "Haben Sie einen Tisch für uns beide frei?"
      "Aber natürlich, Edward. Sucht euch einen aus und macht es euch bequem. Ich komme sofort.", weg war sie. Ich sah mich um und es waren sogar alle Tische frei. Abwartend sah ich zu Castiel.
      "Wo willst du sitzen?"
    • Neugierig folgte ich Edward aus dem Gebäude und ließ meinen Blick über die Umgebung schweifen, als wir uns dem Restaurant näherten. Die Gegend war mir fremd, sodass ich gespannt war, was mich erwarten würde. Je näher wir kamen, desto ruhiger wurde es – das Restaurant schien gut versteckt zu liegen. Vielleicht war das sogar besser so.
      Edward blieb vor einer Tür stehen, und als mein Blick durch das Glas fiel, stellte ich überrascht fest, dass dieser Ort sich stark von den Lokalen unterschied, in denen ich Edward sonst sah. Er hatte recht: Es wirkte gemütlich, einladend – ein echter Kontrast zu den luxuriösen Restaurants, in denen wir sonst aßen. Dankend trat ich an ihm vorbei und betrat das Restaurant, das er bereits in der Vergangenheit besucht hatte, sich aber bei seiner Erzählung selbst unterbrochen hatte.
      Fasziniert ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen und bemerkte dabei nicht sofort, dass sich jemand näherte. Eine freundliche Stimme riss mich aus meinen Gedanken, und überrascht wandte ich mich der Quelle zu. Vor mir stand eine herzliche Frau mit einem warmen Lächeln, das sofort eine angenehme Atmosphäre schuf. Ihre aufrichtige und freundliche Art ließ mich innerlich entspannen. Sie wirkte fast wie eine mütterliche Freundin für Edward – jemand, der es offenbar geschafft hatte, ihm nahe zu kommen.
      Doch was mich wirklich überraschte, war Edwards plötzliche Geste: Ohne Vorwarnung legte er seinen Arm um meine Schultern. Nicht die Vorstellung, dass er mich jemandem vorstellte, sondern vielmehr der unerwartete Körperkontakt ließ mich für einen Moment innehalten. Ein unwillkürlicher Schauer lief mir über den Rücken, und ich wurde hyperbewusst seiner Nähe. Nicht im negativen Sinne, aber es fühlte sich intensiver an, als es vielleicht sollte. Vielleicht lag es daran, dass wir so viel Zeit miteinander verbrachten? Anders konnte ich mir diese plötzliche Empfindlichkeit nicht erklären.
      Auf seine Frage hin ließ ich meinen Blick erneut durch das Restaurant wandern, froh über die Ablenkung. „Hmm“, überlegte ich laut. Ein Platz am Fenster wäre zwar schön, aber ich kannte die Nachteile davon. Also suchte ich weiter und entdeckte schließlich einen ruhigeren Platz in einer gemütlichen Ecke. „Wie wäre es dort?“ Ich deutete auf den Tisch in der Ecke, über dem eine warme, sanfte Lampe hing, die für eine angenehme Beleuchtung sorgte. Dort wären wir vor Blicken von draußen geschützt und hätten unsere Ruhe.
      Da der Tisch frei war, übernahm ich die Führung und steuerte direkt darauf zu. Ich setzte mich auf einen der beiden Stühle und griff nach der Speisekarte, die bereits an der Seite des Tisches lag. Neugierig blätterte ich sie durch. „Gibt es etwas, das du empfehlen kannst?“ fragte ich Edward, da mir die Entscheidung nicht leichtfiel. Die Auswahl war zwar nicht riesig, aber wer wusste schon, wann ich das nächste Mal hier sein würde?
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich beobachtete Castiel, wie er die einzelnen Tisch begutachtete, ehe er sich dann einen ausgesucht hatte. Eine gute Wahl, wie ich fand. Ich nickte und mit einer Handgeste ließ ich ihn vorgehen. Er setzte sich auf einer der Stühle und auch setzte mich und zwar so, dass ich ihn gut ansehen konnte. Mein Blick ging durch den Raum und unwillkürlich kamen ein paar Erinnerungen hoch. Da ich so oft hier war, wusste Mrs Brown irgendwann meinen Namen und freute sich jedesmal mich hier zu sehen. Auch wenn ich der Meinung war, dass ich mich körperlich nicht verändert hatte, hatte ich scheinbar bei ihr einen ziemlichen Eindruck gemacht zu haben. Hatte ich mich äußerlich doch so sehr verändert? Man selber sah sich ja immer ein bisschen anders. Eher.... kritischer.
      Ich wurde aus den Gedanken gerissen, als Castiel mich auf die Speisekarte ansprach und nach einer Empfehlung fragte. Ich musste nicht in die Karte gucken um zu wissen, was drin stand. Wenn sich wirklich nichts verändert hatte, waren es immernoch die selben Gerichte wie vor ein paar Jahren.
      "Die Spaghetti mit Pesto sind wirklich lecker. Auf Wunsch machen sie da Bacon mit drauf.", ich musste zugeben, dass es schon ein bisschen wie aus der Pistole geschossen kam, als Castiel fragte. War ja logisch. Ich hab das früher fast jedesmal gegessen. Aber ich wusste nicht, ob es auch Castiels Geschmack traf. Genau genommen wusste ich gar nichts über ihn. Einzig und allein, dass er nicht kochen konnte und morgens einen Latte trinkt. Ob ich doch mal nachfragen sollte? Aber wollte er sowas auch preisgeben? Ich war immerhin nur sein Chef und Schuldeneintreiber.... Ich hatte kein Recht dazu, in seine Persönlichkeit rumzubohren.
    • Ich kam mit meinem Blick über die Speisekarte nicht weit, da Edward mir sehr schnell etwas vorschlug: Spaghetti mit Pesto also. Da ich selbst nicht oft und vielseitig gekocht hatte – sei es aus mangelnder Fähigkeit, Geldknappheit oder Zeitmangel –, kannte ich viele Gerichte nicht. Vielleicht hatte ich von ihnen gehört oder sie irgendwo gesehen, aber probiert hatte ich sie noch nie. Ich wusste also nicht genau, was mich erwartete, doch ich war offen dafür, Neues auszuprobieren.
      „Dann nehme ich das“, sagte ich mit einem zustimmenden Nicken und wandte mich der Getränkewahl zu. Ich entschied mich schnell für Wasser. Obwohl ich mittlerweile mehr verdiente, versuchte ich dennoch, so sparsam wie möglich zu sein. Eine Angewohnheit aus früheren Zeiten, die ich wohl nicht innerhalb einer Woche ablegen konnte.
      Ich legte die Karte weg und sah Edward neugierig an. „Nimmst du das auch oder etwas anderes?“ fragte ich ihn, während ich mir die Karte doch noch einmal schnappte. Nun hatte ich die Gelegenheit, sie in Ruhe durchzulesen, ohne unter Zeitdruck eine schnelle Entscheidung treffen zu müssen.
      Nach ein paar Zeilen hob ich den Blick. Ich war neugierig. Neugierig darauf, was Edward im Aufzug noch hatte sagen wollen. Doch ich war vorsichtig – zu vorsichtig, um ihn direkt darauf anzusprechen. Zum einen, weil ich keine Grenze überschreiten wollte, die er bewusst zwischen uns gesetzt hatte. Zum anderen, weil ich mir keinen Fehltritt erlauben konnte. Es war schwierig, ein Gleichgewicht zwischen meiner Neugier und der Tatsache zu finden, dass Edward sowohl mein Mitbewohner als auch mein Chef war.
      Andererseits empfand ich es als Vorteil, wenn wir auf einer freundlichen Basis miteinander umgingen. So zumindest meine Meinung – denn eine Atmosphäre, die von Strenge und Kälte geprägt war, behagte mir nicht. Auch wenn ich in der Vergangenheit keine engen Freunde hatte, war es mir dennoch wichtig, mit anderen auf einem guten Fuß zu stehen.
      Sollte ich es riskieren? Ich könnte fragen – und wenn er mir deutlich machte, dass es mich nichts anging, würde ich es sofort dabei belassen. Mit leicht klopfendem Herzen sprang ich auf seinen letzten Satz im Aufzug an.
      „Und? Hat sich hier etwas verändert?“ begann ich vorsichtig. Dann lächelte ich leicht. „Mrs. Brown scheint jedenfalls sehr freundlich zu sein.“
      Ich lachte leise, versuchte, eine lockere Konversation zu starten – und war gespannt, ob er darauf eingehen würde oder nur knapp antwortete.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich wusste nicht wieso, aber irgendwie freute ich mich darüber, dass er das Pesto wählen würde. Er hätte ja auch was anderes nehmen können. Und für einen kurzen Moment dachte ich das auch, als er sich doch nochmal die Karte schnappte und reinsah. Aber war wohl nir Fehlalarm. Auch ich sah in eine Karte und überlegte, was ich wählen würde. Nur so richtig konzentrieren konnte ich mich nicht, denn ich fühlte mich ein kleinwenig beobachtet. Ich spürte den Blick von Castiel auf mir und überlegte, was in seinem Kopf vorging. Doch fiel mir nichts gescheites ein, was er von mir wollen würde. Ob es das Geld war? Selbstverständlich würde ich ihn einladen. Oder eher die Firma. Aber Castiel war kein Typ Mensch, der gerne auf das Geld ansprach. Er würde sicher alles irgendwie selbst lösen wollen. So wie seine vielen Jobs, mit denen er sich über Wasser gehalten hatte, aber trotzdem nicht wirklich gut davon leben konnte. Vorallem dieses kleine Zimmerchen, in dem er gehaust hatte. Für mich unvorstellbar. Ich liebte mein Heim und auch wenn ich nicht viel davon hatte, weil ich viel Arbeiten war, hoffte ich, irgendwann jemanden zu finden, mit dem ich das teilen konnte. Doch das war wirklich schwieriger als gedacht. Alle Frauen waren bis jetzt nur auf mein Geld aus. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, mich und meine Person kennenzulernen. Da ich nicht besonders gut in sowas war, gab ich zu, dass es sehr schwierig war. Trotzdem war dieses Bedürfnis irgendwie da....
      "Ich denke, ich werde das Gleiche bestellen.", antwortete ich und sah mich kurz um. Mrs Brown war noch nicht wieder da. Und so langsam wurde ich ein klein wenig nervös. Ich hasste es, unter Zeitdruck zu stehen. Doch auch diesmal durchkreuzte Castiel meine Gedanken und holte mich wieder in die Gegenwart zurück. Ich fragte mich, wie er das machte.
      "Also ähm.... nein, ich glaub nicht. Soweit ich mich erinnern kann, ist noch alles wie beim Alten.", beantwortete ich seine Frage und ich fragte mich, ob er wirklich mehr wissen wollte oder ob es nur der Höflichkeit geschuldet war. Jedenfalls war er ein guter Zuhörer. Und dies war eigentlich ein Zeichen dass er nicht nur aus Höflichkeit fragte.
      "Mrs Brown war immer darauf bedacht, dass die Gäste sich hier wohlfühlen, sich zurück ziehen können. Und das hatte sie bei mir sofort erreicht, als ich das erste Mal hier war. Hier war ich ungestört. Hier war niemand, der mich beurteilte. Mrs Brown hatte mich gleich mit offenen Armen empfangen und hatte mich hier immer ein bisschen verwöhnt........ Entschuldige. Ich war etwas zu weit gegangen mit meiner Geschichte." Das war wohl etwas zu viel des Guten. Schließlich wollte ich niemanden mit alten Geschichten nerven.
    • Edward gab mehr von sich preis, als ich erwartet hatte, was mich einerseits erfreute, andererseits aber auch überraschte. Vielleicht war er jemand, der nur mehr erzählte, wenn man gezielt nachfragte. Oder er fühlte sich in meiner Anwesenheit noch nicht entspannt genug, um mehr als das Nötigste zu sagen. Doch ich wollte nichts überstürzen. Nur weil ich den inneren Wunsch hegte, eine freundliche Beziehung zu ihm aufzubauen, bedeutete das nicht, dass Edward dasselbe wollte. Ich vertraute darauf, dass er mir signalisieren würde, wenn ich ihm zu nahe kam oder zu aufdringlich wurde – ohne es selbst zu bemerken.
      Es war eine ungewohnte Erfahrung, so viel Zeit mit jemandem zu verbringen und zusammenzuleben. Ich war es gewohnt, allein zu sein und mich auf mich selbst zu verlassen. So viel menschliche Interaktion war für mich fast aufregend – vielleicht war es genau das, was mir all die Jahre gefehlt hatte.
      Ich hörte ihm aufmerksam zu und versuchte mir vorzustellen, wie ein jüngerer Edward hier sein Mittagessen zu sich nahm. Ob er damals wohl anders ausgesehen hatte? Mrs. Brown hatte angedeutet, dass er mittlerweile größer und stattlicher geworden war. Doch ein schmächtigerer Edward? Dieses Bild passte nicht so recht in meine Vorstellung.
      Es war bemerkenswert, dass dieser Laden nach all den Jahren noch immer derselbe war. Oft hörte man, dass Restaurants sich veränderten und weiterentwickelten, um mit der Zeit zu gehen und ein größeres Publikum anzusprechen. Doch Mrs. Brown hatte an ihrer Vorstellung und ihrem Ideal festgehalten, und das ließ mich sie umso mehr bewundern. Dieser Ort hatte etwas Gemütliches, einen Charme, den man in den modernen Restaurants der Stadt kaum noch fand.
      Wie ich bereits vermutet hatte, war es wohl Mrs. Browns herzliche Art, die Edward hier immer wieder aus seiner Schale hatte locken können. Doch aus seiner Erzählung gewann ich noch eine weitere Erkenntnis – etwas, das wohl bis heute eine Rolle in seinem Leben spielte: das Gefühl, beurteilt zu werden.
      Es war eine sehr persönliche Offenbarung. Ich wollte nicht zu viel hineininterpretieren, doch es gewährte mir einen kleinen Einblick hinter die eiserne Fassade, die er auf der Arbeit und manchmal auch zu Hause aufrechterhielt. Dass er mir das so direkt sagte, überraschte mich. Auch wenn er von der Vergangenheit sprach, fragte ich mich, ob dieses Gefühl noch immer in ihm schlummerte. Musste er sich in manchen Situationen noch immer beweisen? War das der Grund, warum er sich so sehr anstrengte und so viel arbeitete? Eine Hypothese, die durchaus Sinn ergab.
      „Nein, alles gut. Mrs. Brown gibt einem tatsächlich sofort das Gefühl, willkommen zu sein. Man fühlt sich hier gleich heimisch“, sagte ich mit einem verständnisvollen Nicken und ließ meinen Blick durch den Laden schweifen. „Es scheint ein guter Ort zu sein, um dem Trubel zu entfliehen – vor allem, weil es hier so ruhig ist.“
      Dieser Ort hatte eine besondere Atmosphäre. Mrs. Brown hatte sich sichtlich gefreut, Edward wiederzusehen – er musste also oft hier gewesen sein.
      „Sie schien sich wirklich gefreut zu haben, dich wiederzusehen“, bemerkte ich mit einem kurzen Blick zu ihm. Meine Worte trugen eine unausgesprochene Botschaft: Vielleicht sollte er öfter hierherkommen.
      In den letzten Tagen hatte ich beobachtet, wie sehr er in seiner Arbeit aufging. Selbst wenn ich ihm Kekse oder Getränke brachte, arbeitete er einfach weiter. Aber eine kurze Auszeit hier – das war nicht mit einer kurzen Kaffeepause am Schreibtisch zu vergleichen. Es sprach doch nichts dagegen, sich hin und wieder eine Rückzugszeit zu gönnen.
      Doch am Ende des Tages war es seine Entscheidung. Ich konnte ihn nicht dazu drängen, mehr auf sich selbst zu achten – nicht, ohne dabei eine Grenze zu überschreiten, die er für sich gesetzt hatte.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Irritiert sah ich den jungen Mann vor mir an. Ich war mir nicht sicher, was genau er von mir wollte. Ich konnte seine Mimik nicht deuten und ich fing an, mich eingeengt zu fühlen. Menschlich war er jedenfalls viel besser drauf als ich. Ich beschäftigte mich nicht mit persönlichen und privaten Dingen anderer Mitmenschen. Deshalb war ich immer wieder erstaunt, wie leicht es ihm fallen musste, so ein Gespräch mit mir anzufangen. Und ich musste ehrlich zugeben: Ich wollte auch gern von ihm wissen, was ihn so beschäftigte. Doch wusste ich nicht wie ich das anstellen sollte. In meinem Job war ich ein Ass. Ich wusste, wie ich an mein Ziel kam und welche Knöpfe ich drücken musste, um bei den Klienten Vertrauen zu bekommen. Doch was dieses Zwischenmenschliche anging, war ich wirklich eine Niete.
      "Mrs Brown freut sich über viele. Wenn du noch einmal hier herkommen solltest, wird sie sich auch über dich freuen.", antwortete ich und sah sie wenug später auch schon auf uns zukommen. Wenn man vom Teufel spricht.
      "So ihr Lieben. Habt ihr euch schon entschieden, was ihr essen wollt? Und was wollt ihr trinken?", fragte sie dann an und holte einen Block herraus.
      "Zwei Mal das Pesto mit jeweils einem Glas Wasser bitte.", bestellte ich und sie grinste wissend. Sie wusste genau, dass ich das früher gegessen habe. Trotzdem nickte sie nur stumm und ging dann wieder. Ich sah ihr kurz hinterher, ehe ich mich dann wieder Castiel zuwandte.
      "Was ist mit dir? Was wirst du tun, wenn du die Schulden bei mir abbezahlt hast?"