In your debt [Kiba x Yumia]

    • Ich wusste nicht, ob es eine gute Idee gewesen war, ihm überhaupt Gegenfragen zu stellen. Normalerweise tat ich so etwas nicht. Zumindest nicht bei Menschen wie ihm. Trotzdem hatte ich es getan und hoffte nun still, dass er mir deswegen nicht böse war.
      Umso überraschter war ich, wie ehrlich und direkt er mir antwortete.
      Während ich ihm zuhörte, blieb mein Blick ruhig auf ihm liegen. Dass er nicht gerne viel über sich preisgab, hatte ich bereits vermutet. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, ihm jede Information mühsam aus der Nase ziehen zu müssen.
      Doch dass er glaubte, ich würde ihn wie ein offenes Buch lesen können, verstand ich nicht ganz.
      Vielmehr empfand ich das genaue Gegenteil. Ich stellte ihm so viele Fragen, gerade weil ich ihn eben nicht lesen konnte. Weil ich oft nicht wusste, was wirklich in ihm vorging. Ich wusste nicht recht, ob seine Worte als Kompliment gemeint waren oder eher als Warnung.
      Leicht senkte ich den Blick.
      Es war nicht so, dass ich absichtlich wenig über mich erzählte. Ich hatte nur nie das Bedürfnis verspürt, andere mit meinen Gedanken oder meiner Vergangenheit zu belasten. Vieles davon erschien mir schlicht zu belanglos.
      Aufmerksam hörte ich weiter zu, bis er schließlich von seinem Kindheitswunsch sprach.
      Ein Freizeitpark. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Für einen kurzen Moment war ich still. Ich selbst war noch nie in einem gewesen. Nicht, weil ich nie gewollt hätte, sondern weil es immer wichtigere Dinge gegeben hatte, für die das Geld gebraucht wurde.
      Ich sah zu, wie Edward aufstand und sich streckte. Offenbar wollte er das Gespräch beenden und wieder hineingehen.
      Doch bevor ich darüber nachdenken konnte, öffnete ich bereits den Mund.
      „Wir könnten an einem Wochenende in einen gehen“, sagte ich ruhig und hob den Blick zu ihm. „Ich war auch noch nie in einem.“
      Erst nachdem ich die Worte ausgesprochen hatte, wurde mir bewusst, wie spontan das gewesen war.
      „Und… dein Wunsch klingt nicht unmöglich“, fügte ich etwas leiser hinzu. „Du arbeitest ohnehin ständig. Ein freier Tag würde die Firma wahrscheinlich nicht zum Einsturz bringen.“
      Ein kleines, kaum merkliches Lächeln erschien auf meinen Lippen.
      „Außerdem klingt es nicht nach Kinderkram, wenn man etwas einfach mal erleben möchte.“
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich wollte gerade los gehen, um wieder nach drinnen zu gehen, denn ich wollte noch einige Erledigungen machen, als mich Castiels Worte aufhielten. Ich blieb stehen und drehte mich erst Sekunden später um, um ihn anzusehen. Er wollte mit mir in einen dieser Parks? Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ich konnte mir, weiß Gott, nicht vorstellen, als erwachsener Mann, meiner Statur und Alters, in so einen Freizeitpark zu gehen, der für Kinder gedacht war. Trotzdem fand ich ihn und seine Idee reizend. Es war schon niedlich, dass er mir helfen wollte.
      "Du klingst, als wären wir seit zig Jahren verheiratet. Ich scheine etwas verpasst zu haben.", scherzte ich und lachte kurz.
      "Willst du mir damit sagen, dass ich zu viel arbeite und zu kontrollsüchtig bin?", fragte ich und ging zu ihm zurück, nur um direkt vor ihm stehen zu bleiben. Ich parkte meine Hände in den Hosentaschen und legte den Kopf schief.
      "Ich verrate dir was, was wohl nichts Neues für dich sein wird: Ich bin kontrollsüchtig.", sagte ich dann und beugte mich zu ihm runter, so dass ich direkt vor seinem Gesicht war. Es war eine Schwäche meinerseits, was auch einer der Gründe war, weshalb ich so viel arbeitete. Ich wusste nicht, ob ich mich darauf verlassen könnte, dass meine Mitarbeiter die Firma nicht bankrott machten. Auch wenn es bei einem Tag nicht möglich war. Hoffte ich jedenfalls.
      Mein Blick traf seinen und zum ersten Mal stellte ich fest, wie schön seine Augen eigentlich waren. Sie zogen einen in den Bann und machten mir es kaum möglich, mich zu bewegen. Wenn er den passenden Blick noch aufsetzen würde, könnte er ..... naja. Lieber nicht drüber nachdenken. Gezwungen riss ich mich von seinen Augen los und räusperte mich.
      "Ich... geh dir einen Tee machen. Du kannst ruhig noch hier bleiben, wenn du möchtest. Aber dann wär es besser, wenn du dir noch was überziehst. Dein Körper ist geschwächt und wird sich kaum selbst warmhalten können. Ich bin gleich wieder da.", sagte ich kurz und ging rein. Am Jackenhaken blieb ich stehen, schloss meine Augen und seufzte laut. Verdammt nochmal. Ich sollte wohl besser aufpassen, sonst endete das alles hier noch in einem Chaos. Meine Eltern werden sich bedanken.
    • Für einen kurzen Moment war ich unsicher, ob ich etwas Falsches gesagt hatte. Edward war bereits dabei gewesen hineinzugehen und erst meine Worte hatten ihn dazu gebracht stehen zu bleiben. Ich beobachtete, wie er sich erst Sekunden später wieder zu mir umdrehte und mich ansah. Umso überraschter war ich, als er plötzlich scherzte. Mein Kopf schien für einen Moment vollkommen leer zu sein. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Noch weniger damit, ihn lachen zu sehen. Dieses kurze Schmunzeln und das leise Lachen standen ihm deutlich besser als seine sonst so ernste Miene. Es ließ ihn… leichter wirken. Zugänglicher.
      Auf seine nächste Frage hin hob ich leicht die Augenbrauen. Edward hatte recht. Er arbeitete zu viel und war kontrollsüchtig. Das wusste vermutlich jeder, der länger als ein paar Tage mit ihm verbrachte. Doch bevor ich überhaupt antworten konnte, kam er wieder näher. Viel näher.
      Als er sich zu mir herunterbeugte und kaum noch Abstand zwischen uns ließ, fror ich regelrecht ein. Mein Körper wusste nicht mehr, wie er reagieren sollte. Diese plötzliche Nähe war ich nicht gewohnt und mein Kopf schien vollkommen auf Durchzug zu schalten. Alles, was ich in diesem Moment noch wahrnahm, waren seine sturmgrauen Augen. Ich bemerkte nicht einmal, dass ich unbewusst die Luft angehalten hatte, bis Edward sich wieder zurückzog und sich von mir entfernte.
      Erst da holte mich die Realität langsam wieder ein. Mein Herz schlug schneller als zuvor und ich brauchte einen Moment, um mich wieder zu sammeln. Leicht räusperte ich mich und blickte kurz zur Seite.
      Der Vorschlag, gemeinsam in einen Freizeitpark zu gehen, war eigentlich vollkommen unschuldig gemeint gewesen. Doch gerade fühlte es sich plötzlich so an, als hätte ich damit etwas ausgelöst, das ich selbst nicht ganz verstand.
      Ich sah ihm nach, wie er im Haus verschwand, und strich mir langsam durch die Haare. Die kühle Luft half nur bedingt dabei, meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht hätte ich den Vorschlag einfach für mich behalten sollen. Ich blieb noch einen Moment draußen sitzen und versuchte meine Gedanken irgendwie zu ordnen. Doch egal, woran ich denken wollte, mein Kopf kehrte immer wieder zu dem Moment von vorhin zurück.
      Zu seiner Nähe. Zu seinem Blick.
      Und zu diesem kurzen Augenblick, in dem ich vollkommen vergessen hatte, wie man normal atmete.
      Leicht presste ich die Lippen aufeinander und ließ den Blick durch den Garten wandern. Das war lächerlich. Es war doch nichts passiert. Edward hatte sich lediglich zu mir heruntergebeugt und trotzdem reagierte mein Körper darauf, als wäre es etwas Bedeutendes gewesen. Vielleicht wäre es besser, wenn ich mich einfach wie immer verhielt, sobald er zurückkam. So, als wäre nichts geschehen. Denn wahrscheinlich hatte dieser Moment ohnehin nur für mich eine seltsame Wirkung gehabt. Für Edward war es vermutlich nichts weiter gewesen als eine normale Unterhaltung.
      Ich atmete langsam aus und strich mir über den Nacken.
      Außerdem wollte ich nochmals klarstellen, dass mein Vorschlag wirklich nur gut gemeint gewesen war. Ich hatte ihn zu nichts drängen wollen. Wenn er nicht in einen Freizeitpark wollte, dann war das eben so. Natürlich konnte ich Edward zu nichts zwingen. Vor allem nicht zu etwas, das er selbst als kindisch ansah. Trotzdem blieb ein kleiner Teil von mir an seinen Worten hängen. Daran, dass er diesen Wunsch offensichtlich nie vergessen hatte. Unbewusst musste ich leicht lächeln. Vielleicht stand ihm dieses unbeschwerte Lachen viel mehr zu, als er selbst glaubte.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Ich schloss die Augen und seufzte leise, als ich in der Küche stand und darauf wartete, dass der Wasserkocher fertig war. Mir ging dieser Satz von Castiel einfach nicht aus den Kopf. Ich würde ohnehin zu viel arbeiten und dass wir da gemeinsam hinfahren könnten. Das Problem war leider, dass es mir auch noch gefiel, wie er mit mir redete. Niemand sonst redete so mit mir. Außer meine Schwester natürlich. Aber das war was vollkommen anderes. Ich mochte es, wie dickköpfig er auf etwas bestand und seine Art und Weise, dieses auch durchzusetzen. Dabei würde er das nicht mal zugeben. Ich hatte mich an seine Anwesenheit ganz schön gewöhnt... fahrig fuhr ich mir durch das Gesicht. Ich musste mich ablenken. Vielleicht ging ich doch nochmal ins Büro. Schließlich war da immernoch der Bericht. Und der machte sich nicht von allein.
      Das Klicken des Wasserkochers riss mich aus den Gedanken. Ich zuckte kurz, ehe ich eine Tasse mit einem Teebeutel darin nahm und das heiße Wasser hinein goss. Mit Decke und Tee bewaffnet ging ich wieder nach draußen zu Castiel.
      "Hier ist dein Tee. Vorsicht heiß.", murmelte ich und stellte sie neben ihm auf die Bank. Die Decke legte ich um seine Schultern. Ich konnte gut drauf verzichten, dass er wieder krank wurde, nur weil er zu lange draußen war.
      "Ich gehe trotzdem nochmal ins Büro. Mir ist eingefallen, dass noch ein Bericht gelesen und berichtigt werden will, bevor er Montag weiter gereicht wird. Trink den Tee, solange er noch warm ist. Das hilft am besten. Und bleib nicht zu lang draußen. Wenn du Hilfe brauchst, kannst du zu mir kommen. Ich sah ihn an. Ich wusste nicht wieso, aber aus irgendeinen Grund hatte ich ein schlechtes Gefühl, ihn hier zu lassen. Still atmete ich durch und legte die Hände in meine Hosentaschen.
      "Kannst du mir einen Gefallen tun? Würdest du bitte rein kommen? Ich habe ein besseres Gefühl, wenn ich weiß, dass du im Haus bist."
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