"Ich erinnere mich nicht mehr." Der Kloß in ihrem Hals drohte, sie zu ersticken. Tessa drehte den Kopf. Es machte das Atmen nicht leichter. Mit geschlossenen Augen schmiegte sie die Wange gegen seine Brust. Nah an ihrem Ohr pochte sein Herz und etwas tiefer tickte die Uhr im Gleichklang. Chester blieb still in ihrem Griff, das Ticken grausam in seiner Beständigkeit, doch seine Arme um Tessa waren vertraut und warm.
"An nichts davon. Ich erkenne das Buch und meine Handschrift und ich weiß, dass ich es getan habe, weil ich mich selbst kenne. Aber erinnern tu ich mich nicht. Deswegen ist das alles nicht so schlimm."Tessa schüttelte den Kopf in einer einseitigen Seitwärtsbewegung, weil sie sich weigerte, den Kopf von seiner Brust zu heben. Sie wollte ihm widersprechen. Der Protest lag ihr bereits auf der Zunge, doch Tessa blieb stumm. Sie wartete, um diesen kostbaren und flüchtigen Moment, in dem Chester sich dazu entschied, sich ein klein wenig zu öffnen und diese Seite von sich zu teilen, nicht zu zerstören.
Die Andeutung eines Lächelns schlich sich auf ihre Lippen, als sie das Gewicht seines Kopfes auf ihrem Scheitel spürte. Es war traurig und mitfühlend. Ein kleines, kümmerliches Heben ihrer Mundwinkel, aber nichtsdestotrotz ein Lächeln.
"Die Uhr lässt sich nicht aufhalten. Wenn schon, hätte ich es herausgefunden. Auf die eine oder andere Weise."
"...ich hätte zu dir kommen sollen, als mir diesen bescheuerten Plan auszudenken...", murmelte Tessa nach einer gefühlten Ewigkeit.
Die verkrampften Finger hatte sich in der Zwischenzeit gelöst und strichen sanft über seinen Rücken. Als wäre das Gewicht der Schiene plötzlich viel zu schwer geworden, senkte Tessa die Hand und legte sie über seiner Hüfte ab. Die Wärme seiner Haut drang durch den dünnen Stoff, wärmte ihre Hände und ihre Wange.
"Versuch...", begann Tessa und stockte. Sie zog die Stirn kraus, weil sie nach den richtigen Worten suchte. "Versuch sowas nicht nochmal solange ich hier bin. Versprich es mir."
Sie regte sich in seinen Armen und hob den Kopf an, das Kinn auf seiner Brust gebettet. Die Tessa, die letzten Jahr im späten Sommer in den Zirkus Magica gestolpert war, hätte das Versprechen, es nie wieder zu tun, abgeknüpft. Das Konzept von Zeit war nicht leicht zu greifen und wenn sie Chester in die Gleichung einbezog, sogar schier unmöglich. Die Tessa, die ihn gerade ansah und so nah war, dass sie die verschiedenen Farben der Tupfen in seiner Iris benennen konnte, wusste das. Und die Ewigkeit war eine lange Zeit um eine andere Person über den eigenen Tod hinaus an ein Versprechen zu ketten.
"Ich weiß, du magst keine Versprechen, aber es keine lange Verpflichtung. Ich kann dich nicht mehr im Auge behalten, wenn ich...wenn ich nicht mehr hier bin."
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
