The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • April

      Aprils Mundwinkel schmerzen langsam ein wenig von dem Dauergrinsen auf ihren Lippen. Das alles klang doch absolut fantastisch, oder? Solange ihr Fernweh nicht wieder vollstoff reinkicken würde, hätte sie einen festen Ort zum wohnen und sie hätte May ständig bei sich! Außerdem sprach May bereits vom Shoppen und das ließ Aprils Herz immer direkt höher schlagen, egal in welchem Kontext und egal, wie sehr ihr Konto bereits im Minus war. Irgendwie ließ sich immer noch ein bisschen Geld auftreiben. Sie brauchte nur wieder irgendeinen schnell zu erledigenden Job, oder so.
      “Ich glaube, es ist locker 15 Jahre her, dass ich das letzte mal Möbel shoppen war”, merkte April begeistert an, während sie Mays Hand drückte. “Vielleicht finden wir ja auch noch ein paar Decken, um die Deckenburg noch größer zu machen! Ein ganzes Decken-Königreich!” Wer interessierte sich schon für Kindheitsfreunde, die man aus den Augen verloren hatte? Sich kleine Höhlen aus Stoff und Licht mit May zu bauen, klang viel besser. Weshalb es fast schon schade war, dass sie Aprils Gedanken zurück zu ihrer unwilligen Begleitung lenkte.
      “Ich denke nicht, dass die beiden überhaupt bemerkt haben, dass wir uns irgendwann nicht mehr gesehen haben, wenn ich ehrlich bin. Die hatten sicher nur Augen für einander.” Was immer noch absolut schräg war. Zugegeben, April wusste nicht viel über Caleb, aber irgendwie hatte sie ihm keinen Freund zugetraut. Seltsamerweise war es auch irgendwie ein bisschen niedlich. So, als ob Cal plötzlich tatsächlich ein Mensch war und nicht nur ein Chatverlauf, in dem er jede ihrer Nachrichten ignorierte.
      "Wahrscheinlich sind die beiden auch schon längst zuhause und machen...was auch immer Männer als romantisch erachten. Also wahrscheinlich nicht miteinander reden und Fernsehen, oder so." April zuckte kurz etwas überfordert mit den Schultern. Sie hatte in ihrer Jugend die ein oder andere fehlgeleitete Beziehung mit Männern gehabt und war...zugegebenermaßen nie sonderlich beeindruckt gewesen. Was wahrscheinlich das erste Anzeichen dafür gewesen war, dass Männer es bei ihr deutlich schwerer hatten, als Frauen.
    • May

      May war definitiv auf einen anderen Schluss gekommen, als April, nachdem diese meinte Caleb und Richard wären bestimmt auch längst zuhause. Was sie als romantisch erachteten? May war sich nicht sicher, ob Richard das Wort überhaupt kannte. Auch dieses... Klub-Date war schließlich nicht sonderlich romantisch, ganz zu schweigen davon, wie Richard normalerweise über seine Dates sprach. Und auch, wenn sie ungerne verallgemeinerte, aber... irgendwie waren Männer trotzdem alle gleich. Schwul, hetero, oder sonst etwas, sie hatten definitiv alle dasselbe im Kopf. Das war doch der Grund, warum sie immer enttäuscht wurde. Männer wollten keine Romantik, keine Liebe, kein Vertrauen und nichts Ernstes. Außer, man gab ihnen das eine, das sie wollten, dann konnte man vielleicht eine Weile im Glauben einer glücklichen Beziehung leben. So ein Schwachsinn. Besser war es, wenn sie einfach einander dateten. Es war so schrecklich frustrierend, dass May sich mittlerweile sicher war, niemals jemanden zu finden. Überhaupt jemanden zu treffen, mit dem sie auf einer Wellenlänge war. Mit dem sie lachen aber auch ernste Gespräche führen konnte und Spaß hatte, als wären sie wieder sorglose Kinder, um Abwechslung zu ihrem ohnehin ernsten, stressigen Alltag zu haben. Das war anscheinend zu viel verlangt. Alles, was in einer Beziehung zählte, war offenbar...-
      "Woher weißt du überhaupt, dass du Frauen magst? Dass du mich magst? Ist es-" May riss sich aus dem Gedanken brutal heraus, bevor sie weitersprechen konnte. Wie taktlos konnte man eigentlich sein? Sie hatte eindeutig genug getrunken. Das wars. Sie würde April noch vergraulen, bevor sie überhaupt eingezogen war, nur weil sie ihren Mund nicht halten konnte und keine Rücksicht auf die Gefühle anderer nahm.
      Sie wandte den Blick ab und rutschte ein Stück zurück. Würde sie nicht erst am Boden durch die Lücke zwischen den Decken kriechen müssen, um aufzustehen, wäre sie ans andere Ende des Raums gegangen, um Abstand zwischen sich und April zu bringen, in der Hoffnung, dass sie sich damit irgendwie vor dem Fass verstecken konnte, dass sie gerade geöffnet hatte.
      "Tut mir leid, antworte einfach nicht, ich bin so ein Idiot", sagte sie schnell. Sie hatte ohnehin vorgehabt, das Thema für immer totzuschweigen, jetzt wo sie jemanden gefunden hatte, der...
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    • April

      "Du bist kein Idiot", versicherte April schnell, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Okay, das war jetzt wahrscheinlich nicht unbedingt das Thema, das sie sich gewünscht hatte, aber...irgendwann mussten sie es wohl so oder so nochmal ansprechen, auch wenn sie gehofft hatte, dass sie beide vielleicht einfach so tun konnten, als ob sie nie mit May geflirtet hätte. Es war ein bisschen seltsam - ursprünglich hatte April gedacht, dass sie nichts zu verlieren hätte, wenn sie mit May flirtete. Sie waren keine wirklichen Freundinnen, sie kannten sich nicht lange und sie war davon ausgegangen, sowieso nicht mehr lange in London zu sein, aber jetzt... jetzt mochte sie May irgendwie doch viel zu sehr, wenn nicht romantisch, dann wenigstens platonisch.
      "Du bist auch nicht die erste, die das fragt", schob sie hinterher, während sie ihre Beine anzog und ihre Arme um sie schlang. "Ich kann es nur irgendwie nicht gut erklären. Irgendwann hatte ich dieses Alter erreicht, in dem alle meine Freundinnen angefangen haben, über Jungs zu reden. Wie heiß sie aussehen und wie sehr sie ihnen den Kopf verdrehen und so und ich konnte das nie wirklich nachvollziehen. Ich hab natürlich mitgeschwärmt, weil ich keine Außenseiterin sein wollte und es selbst nicht so richtig verstanden habe, denke ich, aber irgendwann ist mir aufgegangen, dass ich alle diese Gefühle, von denen sie immer geredet hatten, überwiegend für Frauen hatte." Sie zuckte kurz mit den Schultern. Es hatte ein wenig gedauert, bis sie wirklich verstanden hatte, was in ihr vorging, aber als April die Erleuchtung gehabt hatte, war sie sowieso schon unterwegs durch die Weltgeschichte gewesen und hatte sich daher beim Ausprobieren kaum zurückhalten müssen. Vielleicht war ihre Selbstfindungsphase daher auch irgendwie ein Segen gewesen.
      "Und dich mag ich, weil...weil du du bist. Am Anfang fand ich dich einfach nur super hübsch und du bist super hübsch und so-" Warum fühlte sich das alles gerade ein wenig an, wie ein Gespräch, dass man betrunken mit anderen Frauen auf einer Toilette in einem Club führte? "-aber du bist außerdem einfach toll! Ich meine, du hast unfassbar geniale Pyjamas und ein ansteckendes Lachen und du wirkst immer so selbstbewusst." Gut, von einem gelegentlichen Break Down mal abgesehen, vielleicht. Aber May war ihrgegenüber trotzdem meistens super professionell aufgetreten! Und irgendwann würde sie hoffentlich einen Freund haben, der das alles schätzte und dann würde sie mit April über besagten Freund lästern, weil Freundinnen das so machten, oder?
    • May

      Das Abwehren in letzter Minute hatte wohl nicht funktioniert, auch wenn April erschreckend locker auf die Frage antwortete. Was viel zu viel verlangt war. May wäre mit einer Schelle auch zufrieden gewesen.
      Sie hörte zu, ein bisschen peinlich berührt, unsicher, wo sie hinsehen sollte, und nicht in der Lage, sich selbst die Frage zu verzeihen. Sie fand sich selbst unsagbar dämlich. Egal wieviele Leute April wohl schon dasselbe gefragt hatten, vermutlich waren diese nicht in derselben Lage wie May gewesen. Wer gab jemandem einen Korb auf die verletzendste Art überhaupt (mit einem Panikanflug) und fragte später nochmal nach, was der Grund für den Crush gewesen war?
      „Hm, ich war auch ein wenig so, aber ich glaube ich war einfach ein Spätzünder“, murmelte May nach Aprils Geschichte. Sie hatte sich immer mehr für andere Dinge interessiert als Beziehungen. Überflüssig zu erwähnen, sie war ein schrecklicher Nerd… gewesen? Wahrscheinlich immernoch. Sie hatte sich immer sehr gut alleine amüsieren können und an Beziehungen war sie wohl erst gegen Ende ihrer Schulzeit interessiert gewesen, weil sie mehr aus sich herausgekommen war. Aus Angst, später sonst keinen Anschluss zu finden. Vermutlich hätte ihre Mutter aber auch ein Problem mit jeglichen Beziehungen gehabt, die May eingegangen wäre. Selbst in der Uni hatten ihre Eltern ein Problem mit „Ablenkung“ gehabt. Und jetzt konnten sie garnicht mehr abwarten, dass May endlich heiratete, Kinder bekam, oder was auch immer sie sich ausmalten. Entscheiden sollten sie sich mal.
      Außerdem hatte es May auch immer genervt, dass Beziehungen das Top-Thema in vielen Freundschaften gewesen waren. Aber das hatte April vermutlich nicht gemeint. May verstand den Reiz wohl auch nur nicht, weil sie selten was positives zu berichten hatte und oft war sie nur… ein wenig neidisch.
      May musste belustigt schnauben, als April ihr wieder Komplimente machen, aber ihr wich das Lachen gleich wieder aus dem Gesicht. „Uh… sorry, ich dachte nur gerade… dass mir das noch keiner gesagt hat. Ich finde es… furchtbar, dass du mir ständig solche netten Dinge sagst und du skurillerweise gerne Zeit mit mir verbringst und ich dich als Dankeschön verletze und dann aus Verzweiflung zu mir nachhause locke, ich meine… Die Pyjamas machen das kaum wett“ Sie musste schon wieder etwas schmunzeln, weil das Ganze so armselig und seltsam war und am liebsten würde sie einfach verstehen können, was bestimmte, mit wem man eine Beziehung führen konnte. April würde mit Sicherheit eine deutlich bessere Kandidatin abgeben als Mays Exbeziehungen, alleine schon deshalb, weil May bei ihr mal das Gefühl hatte, dass es sich lohnte, ein Privatleben und Freizeit zu haben, um sie zusammen zu verbringen.
      „Ich mag dich wirklich. Ich mag dich so sehr, dass ich wirklich, wirklich unbedingt Zeit mit dir verbringen will und ich hasse es, so selbstsüchtig zu sein, dass mir dabei sogar irgendwie egal ist, ob es dir Hoffnungen oder so macht, weil ich wahrscheinlich nahezu alles machen würde, nur damit du hierbleibst und… ugh, ich bin furchtbar“ May schniefte etwas, und sie hatte das Gefühl, dass der Wein ihr Tränen in die Augen trieb. „Ich meine, ich verstehe nichtmal, warum ich so anhänglich bin. Normalerweise bin ich das nicht. Ich mag dich einfach wirklich sehr“ Mays Mundwinkel zogen sich langsam nach unten als hätte man ihnen Gewichte angehängt. „Du hasst mich jetzt nicht, oder? Hasst du mich? Ich habs echt verdient“
      Sie schniefte erneut und erinnerte sich blitzartig an die letzten paar Bar-Besuche, nach denen sie am Heimweg geheult hatte, und fragte sich, warum sie Korrelation und Kausalität bisher nie zusammengesetzt hatte. Machte Alkohol sie emotional?
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    • April

      Seltsamerweise…hatte April sich bis gerade eigentlich gar nicht wirklich verletzt gefühlt. Ja, es war immer unangenehm, wenn ein Flirt abgewiesen wurde und man danach noch mit der Person zu tun hatte, aber sie waren erwachsen genug, um das einfach zu ignorieren und am Ende hätte sie sich mehr geärgert, wenn sie gar nicht erst versucht hätte, May anzuflirten. Aber verletzt war sie nicht. Dafür kannte sie May eigentlich auch gar nicht gut genug. Das hier war erst das zweite…dritte…zweieinhalbste Mal, dass sie überhaupt irgendwie zusammensaßen, ohne dass es um ihren Fall ging. April hatte natürlich nicht gelogen, May war hübsch und super nett und sie verbrachte gerne Zeit mit ihr, aber sie würde es überleben, nicht mit ihr zusammen zu sein. Im Grunde hatte sie eh irgendwie geplant, nicht lange in London zu bleiben und sie hatte keine Ahnung, wie lange der Kontakt halten würde, wenn sie wieder ging. Sie hatte sich definitiv nicht genug Hoffnung gemacht, um verletzt zu werden. Enttäuscht vielleicht, aber das war okay.
      Obwohl das alles in Aprils angetrunkenen Zustand wahrscheinlich vollkommen irrelevant war. May, die sonst immer so selbstbewusst auftrat und ihr eben noch so begeistert vorgeschlagen hatte, bei ihr einzuziehen, saß vor ihr und fing fast an zu heulen und April ließ sich direkt mit runterziehen.
      "Neeein", beschwichtigte sie überschwänglich, während sie sich zu May lehnte, um ihr auf die Schulter zu klopfen und dabei fast ihr Weinglas umkippte. "Ich könnte dich gar nicht hassen! Dafür bist du eine viel zu süße Maus! Eine ganz normale Freundschaft ist vollkommen okay!" April zog ihre Hand zurück und leerte den Rest ihres Weines, um das Glas nicht nochmal fast umzuwerfen. Jetzt tat es ihr doch irgendwie fast leid, sie angeflirtet zu haben, einfach, weil May sich jetzt offenbar viel zu viele Gedanken machte, was definitiv nicht Aprils Ziel gewesen war. May sollte sich nicht wegen ihr schlecht fühlen. Das hatte sie nicht verdient. Irgendwie musste sie die Stimmung wieder heben.
      "Außerdem wäre das ja voll blöd. Wie sollen wir zusammen zwei Kaninchen großziehen, wenn ich dich hasse?" Sie warf May einen kleinen, kritischen Blick zu, bevor ihre Augen sich etwas weiteten und ein kleines Grinsen auf ihren Lippen erschien. "Ich hasse dich nicht - ich Hase dich!" Sie sah kurz erwartungsvoll zu May, bevor sie anfing, über ihr eigenes Wortspiel zu lachen. Irgendwie war sie fast selbst beeindruckt, dass ihr das nach dem ganzen Alkohol noch eingefallen war.
      "Also lächeln!" April stellte ihr Glas wieder zur Seite, während sie ihre Finger an Mays Mundwinkel - oder die ungefähre Nähe davon - legte und sie nach oben schob. "Das steht dir viel besser!"
    • May

      „Was?“, schniefte sie leise und versuchte nicht loszuweinen. Hase? Das Wortspiel verstand sie, aber die Bedeutung nicht. Vielleicht gab ihr Gehirn auch langsam auf. Vielleicht hatte sie eine Alkoholvergiftung. Vielleicht. Hase hieß in Aprils Wortschatz gerade nicht Liebe, oder?
      May hing sich an dem Gedanken garnicht auf, weil sie einfach viel zu erschüttert von der spontanen Angst war, alles mit April ruiniert zu haben und nichtmal das süße, aufmunternde Grinsen der Brünette konnte diese Panik noch aufhalten. Eher hatte May langsam Angst, dass sie das Grinsen bald zum letzten Mal gesehen hatte, wenn sie so weitermachte.
      Es brachte sie trotzdem zum schweigen, als April ihre Mundwinkel mit ihren Fingern hochzog und sie anlächelte. So süß. Wie konnte man nur andauernd so strahlen? May schniefte wieder, saß wie ein Trauerkloß da und war ein wenig hypnotisiert von April. Außer dem instinkten Anhimmeln ihres Lächelns und den strahlenden Augen, ging May nicht viel durch den Kopf. Die Finger, die sich sanft, einer in ihre Wange und einer in ihren Mundwinkel, bohrten, gaben nicht nach und simulierten ein schiefes Lächeln, das mehr als dämlich aussehen musste, ungefähr so, wie May sich auch vorkam. Sie hoffte trotzdem, dass April nicht losließ. Irgendwie zwang sie May dazu, glücklich zu sein, wie auch immer sie das anstellte. Sie musste ein Talent haben, oder einfach einen sehr starken Willen.
      Dass Mays Augen konstant auf den Lippen der Frau lagen, fiel ihr garnicht mehr auf, weil sie kaum woanders hinstarrte, wenn April ständig so wunderschön lächelte. Das war völlig normal, nicht? Wie könnte sie da auch wegsehen. Genau deshalb wollte sie, dass April bei ihr einzog. May wollte sie den ganzen Tag sehen, jeden Tag, wenn es irgendwie möglich war.
      Sie beugte sich so langsam und natürlich vor, dass ihr Kopf kaum registrierte, was ihr Körper vorhatte. Bevor sie sich versah, drückte sie April mit ihren verzogenen Lippen einen unbeholfenen, beinahe verfehlten Kuss auf den Mund. Sie stoppte, hob ihre Hände, umfasste Aprils Handgelenke und zog sie von ihrem Gesicht weg, damit ihre Lippen nicht mehr gehandicapped waren, und sie einen neuen Versuch starten konnte, der motorisch schon etwas besser lief. Sie fühlte sich warm und schwummrig und sie spürte den Druck von Aprils Fingern noch immer im Gesicht. May hatte so eine Ahnung, dass sie was falsches tat, und dass sie es gleich unheimlich bereuen wurde, und dass sie ohne den Einfluss von Alkohol nie so unüberlegt etwas tun würde, das ihr nur eine Sekunde lang durch den Kopf gegangen war. Weil sie eben das Gefühl gehabt hatte, das jetzt tun zu müssen, auch wenn es falsch war, auch wenn es Konsequenzen hatte, auch wenn sie normalerweise immer ganz genau darüber nachdachte, welche Konsequenzen jede einzelne ihrer Handlungen hatte. Nur stellte April bei ihr die Fähigkeit ab, sich zurückzuhalten, wenn es eigentlich vollkommen logisch wäre. Sie sagte und tat so viel dummes Zeug seit sie April kannte
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    • April

      Ironischerweise war April derart darauf fokussiert, Mays Lächeln wieder herzustellen, dass sie keinen der Blicke bemerkte, die die Brünette ihr zuwarf. Daher hatte sie auch kurz die Befürchtung, dass May in Ohnmacht fiel, als sie langsam auf sie zukippte. Hätte der Alkohol ihre Reflexe nicht so langsam gemacht, hätte April sie wahrscheinlich irgendwie aufgefangen und gar nicht bemerkt, dass sie eigentlich was ganz anderes vorhatte. So saß sie einfach nur vollkommen überfordert da, als Mays Lippen auf ihre trafen. April war wie erstarrt, während sich die Gedanken in ihrem Kopf überschlugen.
      Das war süß. Ein bisschen heiß. May küsste...etwas chaotisch, aber sie waren beide betrunken und April hatte es immer noch nicht geschafft, ihre Finger von Mays Mundwinkeln zu lösen, also war das wahrscheinlich ihre eigene Schuld. Vielleicht sollte sie die Hände einfach runternehmen, aber sie konnte sie nicht runternehmen, weil sie einfach absolut keine Kontrolle über ihren eigenen Köper hatte und je länger sie darüber nachdachte, desto sicherer war sie sich, dass sie eigentlich auch keine Kontrolle mehr über ihre Gedanken hatte.
      May schob ihre Hände zur Seite und küsste sie erneut, was die Situation irgendwie zeitgleich besser und schlechter machte. Der zweite Kuss war deutlich besser gezielt, als der erste. April reagierte diesmal fast automatisch und befreite eines ihrer Handgelenke aus Mays Griff, um ihre Hand an ihre Wange zu legen und sie zurück zu küssen. Irgendwie fühlte sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt, als sie in ihren Kissenburgen gesessen und sich genau sowas vorgestellt hatte. Am liebsten würde sie in der Zeit zurückreisen und ihrem jüngeren selbst sagen, dass dieser Traum gar nicht so unrealistisch war, wie gedacht. Und dann würde sie Aaron eine reinhauen dafür, dass er sie geghostet hatte und sie ewig gebrauch hatte, um jemand anderen zu finden, den sie zum Bauen überreden konnte. Obwohl das hier deutlich besser war, als die Burgen in ihrer Kindheit. Wenigstens weinte May nicht mehr. Sie war süß.
      Und hetero.
      Diese Realisation durchfuhr April, als ob man einen Eimer mit eiskaltem Wasser über sie gekippt hätte. Sie löste sich sanft von ihrer Freundin und setzte sich aufrecht hin, während sie sich kurz räusperte. Fuck.
      "Sorry. Ich glaube, wir sind ein bisschen zu betrunken", scherzte sie etwas nervös. Ihr Kopf hing irgendwo zwischen einem schlechten Gewissen und...Schmerz. Es war okay gewesen, May einfach als normale, platonische Freundin zu betrachten, aber das hier ging eindeutig darüber hinaus und war etwas, was sie nie haben könnte. So als würde man ein Glas Wasser vor einem Verdurstenen auf den Boden kippen.
      "Vielleicht sollten wir langsam Schluss machen, mhm?" Sie zwang sich zu einem kleinen Lächeln, während sie wieder nach ihrem Glas griff, um es zurück in die Küche zu bringen. Sie müssten noch die komplette Burg zurückbauen, damit sie auf der Couch schlafen könnte. Das war gut. Das war wenigstens etwas, was sie ablenken würde. Auch, wenn sie viel lieber weiter May küssen würde.
    • May

      Das fühlte sich gut an. Aprils Lippen waren weich, sie roch gut, und ihre warme Hand an Mays Wange brachte ihr Herz zum pochen. Es gab vieles, über das May gerade nachdenken könnte, aber der Gedanke, dass es sich so gut anfühlte, April zu küssen, war der einzige, den sie zuließ. Umso verwirrter war sie, als April nur einen kurzen Moment später zurückwich. Sie sah aus, als müsste sie sich zwingen, zu lächeln, und May starrte die Brünette nur eine Weile an, bevor sie sich selbst etwas deprimiert auf die Lippe biss. Es setzte weder Panik, noch ein Gedankenstrudel ein, aber sie wusste tief im Inneren, dass sie April verletzte, wenn sie Dinge tat, die sie nicht ernst meinte. Und May war auch bewusst, dass April deshalb so beklemmt aussah. Das Problem war, dass May sie nicht geküsst hatte, weil sie mit ihr spielen wollte, sondern weil ihr plötzlich danach gewesen war, und sie sich nicht stoppen konnte, was… nichts war, worüber sie gerade weiter nachdenken wollte, weil sie noch an dem unglaublich schönen Gefühl fest hing, Aprils Lippen auf ihren zu spüren. Die Situation hatte einen unangenehmen Schleier an sich. May war schon wieder danach, loszuheulen, hauptsächlich weil Aprils Lächeln so verzogen war. Aber sie konnte auch nicht aufhören, ihrem Gefühl nachzugehen. Ihrem dummen, dummen Gefühl, das sie den ganzen Tag schon in dumme Lagen brachte.
      „Du entschuligst dich, obwohl ich dich zuerst geküsst hab“, murmelte May leise, schlichtweg als Feststellung. April hatte nichts falsch gemacht, May war der Idiot hier, und sie hatte das Bedürfnis, April zu trösten, indem sie sie weiter küsste. Ironisch, und doch… wahrscheinlich eine sehr menschliche Reaktion. Die gerade echt unpassend war.
      „Mir tut… mir tut es leid, und…“, brachte sie hervor und schob eine Hand auf Aprils, um irgendwie zu verhindern, dass sie sich entfernte. „… ich will dich trotzdem nochmal küssen. Ist das… eine blöde Idee?“, fragte sie und wusste wirklich nicht so ganz, was sie sich erhoffte, aber sie würde definitiv sofort gehen und sich vermutlich begraben, wenn April ablehnte.
      „Tut mir wirklich leid“, flüsterte sie nochmal, aber sie wusste garnicht so richtig, was genau ihr diesmal leid tat.
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    • April

      "Es muss dir nicht leid tun. Ich hab die ganze Zeit mit dir geflirtet. Das..." April machte eine undefinierbare Handbewegung, als sie selbst nicht wusste, was genau sie eigentlich sagen wollte. Der Kuss war verdammt gut gewesen und wenn May eben nicht May, sondern irgendein One Night Stand wäre, hätte sie das ganze einfach weiterlaufen lassen, ohne groß darüber nachzudenken, aber May war halt May und irgendwie wollte ein komischer Teil in Aprils Kopf sich nicht die Chance darauf verbauen, sich doch noch mit ihr anzufreunden. Ganz normal. So wie man sich eben mit jemanden anfreundete, mit dem man eigentlich zusammen arbeitete und den man betrunken geküsst hatte. Easy. Haha.
      "Weißt du was, Maiblümchen? Wenn du mich morgen immer noch küssen willst, kannst du das tun, so oft du willst. Deal?" Diesmal war das Lächeln auf Aprils Lippen echt. Es musste echt sein, sonst würde sie sich innerhalb der nächsten fünf Minuten in Tränen auflösen. Sie wollte May nochmal küssen und die Gelegenheit war da, aber sie konnte nicht. Sie fühlte sich von jetzt auf gleich wieder nüchtern. Das alles war sowieso irgendwie eine blöde Idee gewesen, oder? Sie hätte May nie anflirten sollen. Aber es war so verdammt verführerisch gewesen! Sie musste sich ja jetzt noch aktiv davon abhalten, sich nach vorne zu lehnen und ihr einen Kuss auf die Wange zu geben, während sie ihre Handfläche nach oben drehte und Mays Hand kurz drückte.
      Vielleicht würde sie von alledem morgen nichts mehr wissen. Sie hatten beide ziemlich viel getrunken. Dann würden sie einfach weitermachen, wie vorher. April könnte scherzhaft flirten, ohne sich an das erinnern zu müssen, was sie nicht haben konnte.
      "Na komm." April lächelte weiterhin leicht, während sie versuchte, irgendwie aufzustehen, ohne die Decken um sich herum runter zu reißen, oder selbst umzukippen. Die plötzliche Nüchternheit, die in ihrem Kopf eingesetzt hatte, schien sich nicht automatisch auf ihren Körper zu übertragen. "Es ist eh schon super spät und ich brauche meinen Schönheitsschlaf, sonst bin ich morgen unglücklich." Sie ließ Mays Hand los, um sich die Hände vor's Gesicht zu schlagen. Sie würde morgen wahrscheinlich so oder so aussehen, wie eine wandelnde Leiche, aber das war wohl ihr kleinstes Problem, oder?
    • May

      Morgen? Aber sie war gerade so gut darin gewesen, weder an Gestern, Morgen, noch an sonst etwas zu denken. May versuchte, nicht zu frustriert zu sein, immerhin machte das durchaus Sinn, für April jedenfalls. May wollte nicht an Morgen denken, auch nicht daran, was sie eben gemacht hatte, oder was es bedeuten und welche Konsequenzen es haben könnte. Sie hatte einfach nur tun wollen, was sich gut anfühlte. Und wahrscheinlich sollte sie das nie wieder tun, gemessen daran, wie April gerade reagierte. Hatte sie mehr Enthusiasmus erwarten? Eigentlich hatte sie garnichts erwartet. Ihr Kopf dröhnte ein bisschen, das war ihr bis eben nicht aufgefallen.
      May riss sich letztlich aus ihrer Starre und nickte, immernoch verzweifelt dabei, jeden Gedanken wegzusperren, der sich in ihren Kopf bahnte. Zum Glück war das deutlich leichter, wenn man ohnein von Alkohol vernebelt war.
      „Wenn du willst, kannst du bei mir im Bett schlafen. Wenn es dich nicht stört. Wenn du es nicht seltsam findest. Ich meine, es ist ja nur Schlaf“, murmelte May vor sich hin, wobei sie nicht wusste wen sie gerade überzeugen wollte, April oder sich selbst. Aber es war wirklich nur Schlaf, und sie hatte irgendwie ein unruhiges Gefühl dabei, April nicht in der Nähe zu haben. Was, wenn sie morgen Früh nicht mehr da war, weil ihr das alles zu blöd wurde? Außerdem schlief es sich in einem großen Bett doch besser, als auf einer Couch. Zumindest, wenn man einander nicht hasste. May war ehrlicherweise immernoch nicht vollkommen überzeugt, dass sie heute nicht auf die eine odere andere Art alles ruiniert hatte, aber darüber konnte sie dann ja Morgen nachdenken. Sofern April noch da wäre, sonst wäre ja alles klar.
      „Ich lasse dich auch in Ruhe“, versprach May noch leise, auch wenn April bislang diejenige gewesen war, die es Abstand nicht sehr genau genommen hatte.
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    • April

      Es war unfair. Hier saß eine wunderhübsche junge Frau, die offenbar super enttäuscht darüber war, April nicht küssen zu dürfen und sie konnte absolut gar nichts dagegen tun, egal, wie gerne sie May nochmal küssen würde. April presste ihre Lippen aufeinander, während sie überlegte, was sie am besten tun sollte. Eigentlich war es einfach. Sie musste nur May irgendwie ins Bett bekommen und dann das Sofa freiräumen, um selbst schlafen zu können. Oder abhauen. Irgendwie gefiel ihr die Idee auch seltsam gut. Sie könnte sich ein Taxi rufen und doch zurück zum Hotel fahren. May hatte sicher irgendwo Papier und Stift rumliegen, um eine kleine Erklärung zu kritzeln, oder so. Dann wäre April zumindest nicht hier, wenn May morgen realisieren würde, dass sie sich geküsst hatten. Aber das wäre irgendwie auch unfair, oder?
      April hatte noch nicht ganz entschieden, was genau sie machen sollte, als May sie schon mit der nächsten Aussage aus der Bahn warf. Sie hatte Recht. Es war nur Schlaf. Sie machte sich keine Sorgen über irgendwelche Übergriffigkeiten, die May andeutete - eigentlich konnte sie nichts mit ihr anstellen, was April nicht wollen würde. Sie hatte den Kuss ja nicht selbstsüchtig abgebrochen, sondern May zuliebe! Wenn es nach April selbst gegangen wäre, würden sie jetzt immer noch küssend auf dem Boden liegen und vielleicht ihre Hände ein bisschen wandern lassen.
      Leider war es trotzdem irgendwie ein Problem. Ja, es war nur Schlaf und es wäre deutlich angenehmer, einfach in ein Bett zu fallen, als das Sofa aufzuräumen, oder wieder ins Hotel zurück zu fahren, aber wäre May morgen noch der selben Meinung? Ugh. April konnte fühlen, wie sich die Kopfschmerzen anbahnten, als sie viel zu sehr über die ganze Sache nachdachte. Das würde nichts bringen. Weniger denken, mehr auf die eigenen Gefühle hören.
      "Klar. Es ist nur Schlaf", stimmte sie lächelnd zu, während sie trotzdem sanft die Decke löste, die über ihren Köpfen hing, einfach weil sie wusste, dass sie sie so oder so einreißen würde, wenn sie versuchen würde, aus dieser gemütlichen kleinen Burg raus zu kommen. Sie zog May mit sich auf die Beine und stützte sich kurz am Sofa ab, während sie versuchte, ihre Balance wiederzufinden.
      "Ich glaube, ich trinke nie wieder Wein", wechselte sie das Thema, während sie das Sofa langsam losließ. "Oder zumindest die nächsten Wochen nicht."
    • May

      May lächelte leicht, weil April sie ja offensichtlich doch noch nicht zu ihrem neuen Erzfeind erkoren hatte, und konnte sich beruhigt, mit dem angenehmen Nebel im Kopf, darauf einstellen, endlich schlafen zu gehen, ohne dass sie sich Sorgen machen musste. Sie ließ sich von April auf die Beine helfen, auch wenn sie beide etwas wackelig unterwegs waren. „Hm, vielleicht war es ein bisschen übertrieben nach den drei oder… vier… Drinks“, stimmte May zu, aber sie mochte das Gefühl, betrunken zu sein, ganz gerne, und würde definitiv wieder Wein trinken, und Cocktails, und alles was dazu gehörte. So schlimm war der Tag nun auch nicht gewesen, oder? Sie hatte unheimlich viel Spaß gehabt, soweit sie sich gerade erinnern konnte.
      „Morgen Früh mache ich… Toast und Spiegeleier und einen Obstteller, oder so, dann wird das wieder“, murmelte sie vor sich hin, nicht sicher, ob sie irgendwas davon überhaupt vorrätig hatte. Dann stieg sie über das Deckenchaos und zog April mit ins Schlafzimmer. Das Licht ging überall sehr schnell aus, und May hatte nichtmal vor, die Nacht durchzuplaudern, weil sie wirklich kaum einen sinnvollen Gedanken mehr fassen konnte.
      Sie kroch ins Bett und ließ sich mit einem tiefen Seufzen auf den Rücken fallen, bevor sie bemerkte, dass ihr mit geschlossenen Augen leicht schwindelig war, und sie einen leisen, gequälten Laut ausstieß. „Ugh, vielleicht trinke ich doch nichts mehr“, ächzte sie und zog sich die Decke zum Hals. Irgendwie dämmerte ihr gerade, was das Problem beim Trinken war. Konnte es sein, dass der Schwindel noch um einiges zunahm über Nacht? Sie ahnte da etwas.
      „Gute Nacht, April“, murmelte May. „Schlaf gut und lauf nicht weg“ Besser war es, wenn sie ab sofort aufhörte zu reden, sonst sagte sie noch mehr ungefiltertes Zeug.
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    • April

      "Das klingt super", stimmte April dem Frühstück zu, während sie versuchte sich irgendwie durch die Wohnung zu navigieren, ohne dabei einfach zur Seite zu kippen. Es fühlte sich ein bisschen so an, als ob sie gegen eine Strömung schwimmen würde, oder so. Eigentlich war das Sofa doch gar nicht so unbequem, oder? Mussten sie sich zwingend bis ins Bett vorarbeiten?
      Wenigstens hatte es sich irgendwie gelohnt. Als April endlich ins Bett kippte, unfähig auch nur einen weiteren Schritt zu machen, fühlte sie sich kurz wie im Himmel. Schlafen war super. Am liebsten würde sie jetzt das restliche Wochenende liegen bleiben. Zumindest, wenn das blöde Bett endlich aufhören würde, sich zu drehen.
      "Dann bleiben wir zusammen nüchtern", nuschelte sie, auch wenn sie wahrscheinlich sowieso nicht mehr so viele Gründe hätten, trinken zu gehen. "Schlaf du auch gut. Ich laufe nirgendwo hin." Auch, wenn sie eben noch genau daran gedacht hatte. Hatte sie daran gedacht? Ihr Kopf fühlte sich viel zu voll an, während sie langsam in einen traumlosen Schlaf rutschte.


      Caleb

      Der Wecker auf Calebs Nachttisch stand gerade mal auf 7:22, als er aus dem Schlaf schreckte. Was an sich keine ungewöhnliche Zeit war - normalerweise stand er deutlich früher auf. Er hatte nur irgendwie gehofft, dass er nach dem doch recht aktiven gestrigen Abend seine innere Uhr wenigstens dieses eine Mal ausstellen und einfach ausschlafen könnte. Aber das konnte er sich abschminken. Sein Kopf fing bereits an von einem Gedanken zum nächsten zu springen, was weiteren Schlaf vollkommen unmöglich machen würde. Eigentlich war auch das nie ein Problem gewesen - es war Wochenende, er würde sowieso nur auf dem Sofa liegen und versuchen, irgendwie die Zeit rumzubekommen. Wenn ihn der versäumte Schlaf später wieder einholen würde, könnte er halt auf dem Sofa pennen. Aber normalerweise war er an solchen Tagen alleine.
      Caleb stieß ein kleines Seufzen aus, während er sich an Richard kuschelte, der immer noch schlafend neben ihm lag. Einfach aufzustehen und den Tag mit ungesund wenig Schlaf zu starten war schwer, wenn man neben einer Person lag, dank der man das Bett eigentlich nie mehr verlassen wollte. Auch, wenn der gestrige Abend Caleb irgendwie unwirklich vorkam. Wenn seine Muskeln nicht jede kleine Bewegung protestieren würden, könnte er fast denken, sich alles eingebildet zu haben. Was...bei näherem Nachdenken vielleicht gar nicht so schlecht war. Er hatte gestern eindeutig Sachen über sich selbst gelernt, die er nie hatte wissen wollen. Ganz davon abgesehen, dass seine Beziehung mit Richard wahrscheinlich das Ende seiner Beziehung zu Ezra bedeuten würde und - Gott, warum konnte er nicht einfach mal ganz normal aufwachen, ohne, dass sein Kopf direkt wieder versuchte, ihm den Tag zu ruinieren?
      Einfach nur liegen zu bleiben schien am Ende wohl doch keine so gute Option zu sein. Caleb setzte sich vorsichtig wieder auf, bemüht, Richard nicht auch den Schlaf zu rauben. Es reichte, wenn einer von ihnen beiden übermüdet war. Er trug immer noch Richards Shirt und griff sich im Vorbeigehen eine Jogginghose und steuerte die Küche an, um schon mal die Kaffeemaschine einzuschalten. Niamhs täglicher Reminder ließ ihn nach seinen Tabletten greifen, während der Kaffeeduft sich langsam in der Küche verbreitete. Caleb lehnte sich an die Küchentheke, während er die Nachrichten in seinem Handy durchging, die er gestern ignoriert hatte und versuchte, sich zumindest ansatzweise auf neutralere Gedanken zu bringen. Vielleicht hätte er Richard doch einfach aufwecken sollen. Sogar ein Streit wäre gerade eine angenehme Ablenkung gewesen.
    • Richard

      Richard fühlte sich von der ersten Sekunde an erfrischt, als er die Augen aufschlug. Durch die Fenster kam Tageslicht, die Bettdecke war wundervoll warm und er hatte gut geschlafen, ganz offensichtlich weil er sich gestern positiv verausgabt hatte. Es fehlte nur eins.
      Richard setzte sich auf, gähnte und strich sich übers Gesicht während er aus dem Bett rutschte um seinen blonden Quälgeist suchen zu gehen. Es war kurz nach neun Uhr, er hatte keine neuen Nachrichten und kein Bedürfnis, sich heute wegen irgendetwas Stress zu machen. Der einzig präsente Gedanke in seinem Kopf, war, mal kurz sein Werk auf Calebs Körper zu betrachten, der von Knutschflecken schon fast wund sein musste. Kurz sah er sich am Boden nach seinem T-Shirt um, erinnerte sich, dass Caleb es getragen hatte und akzeptierte sein halbnacktes Schicksal. Dann ging er raus, lief ins Wohnzimmer, und fand Caleb müde auf dem Sofa vor.
      „Aha. Hatte dich eigentlich für einen Langschläfer gehalten. Was machen deine Knie?“, fragte er grinsend und kam zu dem Blonden rüber. Er setzte sich, rückte Caleb auf die Pelle und legte einen Arm um ihn, dann schob er sogleich eine Hand unter Calebs, beziehungsweise sein eigenes, Shirt, um über seine warme, nackte Taille zu streichen. Richard war erschreckend gut gelaunt. Sollte es so viel Einfluss auf seine Stimmung haben, Caleb wieder an seiner Seite zu haben? Apropos, heute war das Gespräch „Exklusivität“ angesagt. So sehr Richard sich auch dagegen wehren wollte, Caleb in sein Herz zu lassen, weil es ihm bescheuert und schwach und lächerlich vorkam, von jemand anderem abhängig zu sein, konnte er doch nicht ignorieren, dass es wahrscheinlich zum Mörder werden musste, wenn Caleb mit anderen Leuten schlief. Und das mussten sie ja nicht riskieren.
      „Hey, hast du einen Laptop? Wir sollten uns ansehen, was wir bestellen wollen“, meinte Richard schließlich. „Vibratoren meine ich. Und ähm, Handschellen, Seile, was auch immer dir du da vorgestellt hast“ Gab es was Schöneres, als frühmorgens über Sextoys zu sprechen? Wenn Caleb nicht vor ihm aufgestanden wäre, hätte Richard sich vermutlich schon wieder auf ihn gerollt und den neuen Energiespurt ausgenutzt.
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    • Caleb

      Der Kaffee wanderte in eine große Thermoskanne, während Caleb die erste Zigarette des Tages in den Aschenbecher drückte. Eigentlich fing er nicht so früh mit dem Rauchen an, aber je länger er durch seine Nachrichten klickte, desto mehr verspürte er das Bedürfnis danach. Er nahm die Kanne und zwei Tassen mit ins Wohnzimmer, bevor er sich aufs Sofa fallen ließ und überlegte, wie genau er es schaffen würde, sich möglichst effektiv abzulenken. Am Ende fiel seine Wahl auf ein Buch, das er sich von Ezra "ausgeliehen" hatte und das er wohl möglichst schnell durchlesen sollte, bevor seinem Bruder auffiel, dass es weg war.
      Das Buch war furchtbar, aber irgendwie machte es das besser. Egal, wie sehr sich Ezra in den letzten Jahren verändert hatte - auf seinen ausgesprochen schlechten Geschmack, was Bücher betraf, konnte man sich immer verlassen. Zugegeben, Calebs eigener Bücherschrank bestand auch nicht nur aus Atwood, Poe und Orwell, aber wenigstens musste man sich bei seinen Guilty Pleasures nur selten Gedanken darüber machen, wie viele Gliedmaßen die Protagonisten plötzlich zu besitzen schienen. Mit Ausnahme von ein paar Lovecraft Bücher, eventuell. Daher war Caleb beinahe ein bisschen erleichtert, als Richard im Wohnzimmer auftauchte und er das Buch, Cover nach unten, auf den Couchtisch legen konnte.
      "Meine Knie lassen mich wissen, dass ich über 30 bin und mich definitiv zu wenig bewege", antwortete er mit einem kleinen Lächeln, das er irgendwie nicht loswerden konnte, während Richards Finger an seiner Taille eine kleine Gänsehaut auslösten. Das Shirt anzubehalten war definitiv die richtige Wahl gewesen.
      "Ich glaube, das letzte mal richtig ausgeschlafen war ich im Kindergarten", schob er hinterher, drückte Richard einen Kuss auf die Wange und lehnte sich kurz nach vorne, um die zweite Tasse mit Kaffee zu füllen und in seine Richtung zu schieben. Was wahrscheinlich nicht ganz ausreichend war, aber Richard wechselte das Thema und verursachte einen wundervollen kleinen Kurzschluss in seinem Kopf, bevor Caleb Frühstück vorschlagen konnte. Er erstarrte kurz und starrte Richard einfach nur an, während seine Wangen ein wenig an Farbe gewannen.
      "Ich hab überraschend gut geschlafen, wenn auch kurz, danke der Nachfrage", merkte er sarkastisch an. Gott, wer begann den Morgen damit, über Sextoys zu reden? Zumal Caleb sich eigentlich immer noch nicht ganz sicher war, was er überhaupt wollte. Der Sex gestern war überwältigend gewesen, aber halt auch irgendwie etwas, was sich...im Eifer des Gefechts ergeben hatte. Seelenruhig mit Richard Sextoys zu shoppen kam ihm irgendwie seltsam vor. Obwohl eigentlich nicht mehr viel schiefgehen konnte, oder?

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    • Richard

      Richard seufzte als Caleb plötzlich rot wurde und der Frage auswich, und er fragte sich kurz, was er eigentlich als Antwort erwartet hatte. Es war höchste Zeit, dass Caleb mal diesen ganzen Schamgefühle ablegte. Was brachte es ihm, aus allem etwas erzwungen Unangenehmes zu machen? Unabhängig davon, dass er wirklich süß aussah, wenn ihm etwas peinlich war, und es Richard reizte immer weiter zu gehen. Aber seltsamerweise wollte er gerade ausnahmsweise auch nichts riskieren.
      „Wenn du nicht ausgeknockt gewesen wärst, hätte ich mich auch gefragt, was gestern schiefgelaufen ist“, antwortete Richard auf Calebs Sarkasmus. Die Sextoys würde er eben später nochmal ansprechen, oder er selbst bestellte irgendwas und präsentierte es Caleb wieder in einem Moment, wo er zu heiß und vernebelt war, um sein Ego gewinnen zu lassen. Bisher funktionierte das unabsichtlicherweise ja sehr gut und Richard hatte nicht vor, absichtlich mittelmäßigen Sex zu haben nur weil Caleb mit seiner post-nut-clarity nicht zurecht kam.
      Es gab ja noch ein anderes Thema, das sich für den frühen Morgen besonders eignete. „Apropos. Gestern meintest du ganz ernst irgendetwas von ‚Ich will diese Beziehung‘ und ich hab mich gefragt, welche Art der Beziehung du damit meinst und ob wir auf derselben Wellenlänge sind, was die Exklusivität der ‚Beziehung‘ angeht“, sagte er direkt heraus, versucht, nicht allzu interessiert und ernst zu klingen, damit Caleb das Thema als etwas lockeres ansah und nicht auswich. Außerdem war es Richard immernoch etwas unangenehm, das als erstes anzusprechen, weshalb er sich absichtlich sehr vage ausdrückte. Trotzdem war es etwas, dass er abgehakt haben wollte und wo man besser nicht um den heißen Brei herum redete.
      „Und ich brauch von dir etwas zum Anziehen, wenn du schon meine Klamotten behältst, und es ist besser was, das nicht hauteng setzt. Außer du bestehst drauf, dass ich nackt bleibe, dann halte ich es wohl aus“ Er grinste leicht und strich mit den Fingern weiter über Calebs Haut.
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    • Caleb

      Oh. Bis gerade war Caleb irgendwie noch davon ausgegangen, dass sie schon lange auf einer Wellenlänge waren. Bei all dem anderen Zeug, das ihm durch den Kopf gegangen war, war das irgendwie kein großes Problem gewesen. Richard hatte auf Knien vor ihm gebettelt, ihm noch eine Chance zu geben und ihm müsste klar sein, dass diese Beziehung Caleb mindestens seine halbe Familie kosten würde - irgendwie war er davon ausgegangen, dass Exklusivität unter den Umständen selbstverständlich wäre. Seine Bedenken hatten sich eher darauf beschränkt, ob Richard sein "Date" oder sein "Freund" war, was im Endeffekt nicht mehr, als Semantik war.
      "Es war genau so gemeint, wie ich es gesagt habe", antwortete Caleb nach einem kurzen Zögern. Im Grunde konnte er ja nichts falsches sagen, oder? Er würde eine offene Beziehung nicht überleben und falls es das war, was Richard wollte, wäre es wahrscheinlich besser, ihre Beziehung hier und jetzt zu beenden, bevor sie weiteren Schaden anrichten würde. Trotzdem ließ die ansteigende Panik sein Herz viel zu laut in seiner Brust schlagen.
      "Ich will mit dir zusammen sein. In einer ganz normalen Beziehung halt." Auch, wenn 'Normalität' eigentlich absolut nicht in ihre Beziehung passte. Aber wie sollte er es sonst formulieren? "Ich bin davon ausgegangen, dass Exklusivität irgendwie selbstverständlich wäre und ich glaube ich würde nicht sonderlich gut damit zurechtkommen, wenn sie es nicht wäre." Es war deutlich zu früh für diese Konversation. Caleb hatte das Gefühl, dass er selbst nicht wirklich wusste, was er sagte, beziehungsweise genau wusste, was er sagen wollte, aber nicht, wie. Für eine Unterhaltung über einen Beziehungsstatus klang das alles irgendwie fast schon zu steril, aber wie sollte es auch anders sein? Ihre Beziehung war nicht gerade von Gefühlsdusselei geprägt.
      Zumal es sowieso irgendwie ziemlich einseitig war, nicht? Caleb hatte in den letzten Jahren nicht mal One Night Stands gehabt und war jetzt schon überfordert. Richard hatte wahrscheinlich deutlich mehr Personen, mit denen er flirten könnte und wahrscheinlich waren sie alle besser, als Caleb, der jeden Gedanken zweimal umdrehte, nur, um sich dann doch runterziehen zu lassen.
      "Ich mag dich ohne Shirt", fügte er nach einer kurzen Pause mit einem Schulterzucken hinzu, weil das Thema auf schräge Art und Weise sicherer war, als alles andere. "Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du dir dein Shirt einfach zurückholen könntest, wenn du wolltest, also ist das irgendwie dein Problem."
    • Richard

      „Dann ist es gut, dass sie selbstverständlich ist“, stimmte Richard der Exklusivität zu und unterdrückte ein Grinsen. „Ich wollte es nur klarstellen“ Zumindest musste er jetzt nicht extra darauf bestehen, falls Caleb eine andere Meinung gehabt hätte. Was auch immer dieser mit einer ‚normalen‘ Beziehung meinte. Sie würden einander vermutlich kaum ihren Eltern und Freunden vorstellen. Allgemein war Richard zufrieden mit ihrer lockeren Art. Sie mussten nicht zusammen wohnen oder sich jeden Tag sehen oder Entscheidungen gemeinsam treffen, wie, wann sie ihren Urlaub nahmen, wenn sie nicht wollten. Sie verbrachten Zeit miteinander, wenn es passte, und wenn sie es wirklich wollten, und damit war ihre Beziehung ja ziemlich davor gerettet, dass sie sich auf einmal hassten wie ein altes Ehepaar das zu sehr aneinander hing. Richard war sich sicher, dass Caleb das ganz genauso sah. Wer wusste schon, ob sie wirklich kompatibel waren, wenn sie einander zu gut kennenlernten? Das beiseite, wollte Richard trotzdem nicht, dass Caleb jemand anderen datete, oder auch nur Sex mit jemand anderem hatte. Alleine beim Gedanken daran kochte in ihm ein bisschen die Wut auf. Also war es gut, dass sie einer Meinung waren. Richard war beinahe überfordert damit, wieviel Glück er hatte, jemanden gefunden zu haben, der genauso tickte wie er selbst. Oder, naja, zum Großteil.
      Richard schmunzelte und lehnte sich zu Caleb um ein paar Küsse auf seinem Hals zu verteilen. „Hmm, du hast wahrscheinlich recht, es ist keine große Herausforderung, mein Shirt zurückzubekommen“, murmelte er amüsiert. „Was ist es, dass du es überhaupt anziehen wolltest? Ich leih dir gerne was, wenn du übergroße Shirts anziehen willst. Außer… du stehst einfach drauf, dass ich es den ganzen Tag anhatte. Riecht es nach mir? Ich sitze genau neben dir, du musst dich nicht mit einem T-Shirt zufrieden geben“, grinste er. Richard redete sich gerne selbst weiter in das Szenario hinein, das ihm am besten gefiel. Und er wusste sowieso, dass er wie immer recht hatte. Caleb war durchschaubar.
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    • Caleb

      Okay, offensichtlich hatte er sich mal wieder vollkommen unnötig Sorgen gemacht. Zum Glück. Caleb konnte spüren, wie sein Herzschlag sich langsam wieder beruhigte und das kleine Lächeln sich zurück auf seine Lippen stahl, während sie nahtlos zu ihrem üblichen Flirten übergingen. Bei dem Richard vollkommen ins Schwarze traf. Nicht, dass Caleb das je zugeben würde.
      "Du hast Recht. Es liegt an der Übergröße", antwortete er also mit einem kleinen Grinsen, während er die Küsse auf seinem Hals genoss. So hatte er sich den Morgen schon eher vorgestellt. So könnte er sich eigentlich jeden Morgen vorstellen. "Ich hab früher gerne oversize getragen. Kaschiert die Kurven." Zumindest bis zu dem Punkt, an dem Niamh sich darüber beschwert hatte, dass er einfach unförmig aussah und dringend eine Stilberatung benötigte. Was eigentlich ziemlich anmaßend für jemanden gewesen war, der größtenteils Jogginghosen und Leggings trug, aber das Streitgespräch hatten sie in den letzten Jahren oft genug geführt und immer noch keinen klaren Gewinner festmachen können.
      "Oder vielleicht gehe ich dir auch einfach gerne auf die Nerven so oft ich kann. Wer weiß das schon?" Er schenkte Richard das unschuldigste Lächeln, das er zustande bekam, während er mit seinen Fingerspitzen über einen der Knutschflecken an seinem Hals fuhr. Ob der bis Montag halten würde? Irrelevant, wahrscheinlich. Caleb würde wohl noch mehr als genug Zeit haben, um noch ein paar zusätzliche Flecken zu hinterlassen.
      Es war fast ein bisschen gruselig wie schnell Richard es schaffte, seine Stimmung zu heben. Auch wenn Caleb sich nicht ganz sicher war, ob es gut war, dass man ihn so einfach mit einem Flirt ablenken konnte. "Ich habe Brot und so da, falls du frühstücken möchtest", merkte er schließlich an.
      "Einen Laptop hab ich nicht, aber ich glaube mein Tablet müsste auch irgendwo in der Küche liegen." Womit die Konversation wohl wieder zurück zum Ausgangspunkt fand. Auch, wenn ihm die Vorstellung, den Morgen mit Sextoy-Shopping zu ergänzen, immer noch absolut seltsam vorkam. Aber entkommen würde er dem ganzen ja wahrscheinlich eh nicht und, naja, ihm war bewusst, wie heiß es gestern abend gewesen war und wie viel heißer es werden könnte, wenn er sein eigenes Schamgefühl einfach ignorieren könnte. Was nicht einfach war, aber wann würde er dafür nochmal die Gelegenheit haben?
    • Richard

      Ah, ja. Richard grinste. Caleb sprach es ja doch von sich aus nochmal an, wenn auch indirekt wie immer. „Ich dachte schon, du tust so, als hättest du das Bondage nie angesprochen“, sagte Richard und setzte sich auf. „Ich meine, wenn du mich schon um etwas bittest, solltest du wenigstens dazu stehen und dich für meine Mitarbeit bedanken“ Es machte zu viel Spaß, Caleb in den Wahnsinn zu treiben. Eigentlich war es aber ein Wunder, dass Richard diese Art an ihm garnicht nervig fand. Klar, es war suboptimal wenn Caleb alles andauernd peinlich war, und er erstmal in Stimmung sein musste um gewisse Entscheidungen zu treffen ohne dass ihm sein eigenes Ego im Weg stand, aber auf der anderen Seite machte es das alles viel amüsanter für Richard. Er konnte Caleb so richtig in die Enge treiben, bis er knallrot wurde und alles leugnen wollte. Auch wenn die Grenzen sich sichtbar erweiterten. Irgendwann musste Richard noch auf die ‚Daddy‘ Sache zurückkommen um dieselbe Wirkung zu erzielen.
      Richard stand auf, um sich einen Snack aus der Küche zu holen, wobei ihm eine Banane oder ein Apfel auch vollkommen reichen würde, er aß Morgens sowieso selten. Und nebenbei schnappte er das Tablet, als er es entdeckte, und kam zurück. Er hatte einen Müsliriegel gefunden. Auch gut.
      „Hey, bezüglich des Wunschs“, fing Richard an und setzte sich wieder aufs Sofa. „Ich hab gestern schon fast alles bekommen, was ich wollte, aber du könntest es sicher nochmal ein Level höher treiben. Behalten wir das im Hinterkopf, wenn wir jetzt einkaufen. Ich habe May schon eine Nachricht geschrieben, also sollten wir bald mehr wissen. Sonst rufe ich sie an, vielleicht sind ja beide hang-over und schlafen noch. Zusammen, klarerweise“ Richard grinste und schnappte sich die Kaffeetasse nachdem er Caleb das Tablet in die Hand gedrückt hatte. Er hatte May tatsächlich nach dem Aufwachen eine Nachricht geschrieben, und wenn sie falsch antwortete, müsste er sie eben zum Lügen erpressen und anrufen, damit sie Caleb selbst sagen konnte, dass Richard ihre Wette gewonnen hatte. Auch wenn das zugegeben nicht leicht werden würde. May nahm ihre Privatsphäre viel zu ernst.
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