The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Caleb

      Jepp, er würde Richard den Aufsatz auf jeden Fall reimen lassen. Offenbar hatte er damit irgendwie ins Schwarze getroffen, nicht? Caleb grinste leicht, während Richard sich darüber beschwerte, dass er ihm durchaus zuhörte. "Aber sind Beziehungen nicht irgendwie dafür da, den jeweils anderen zu pushen? Ich kümmere mich doch nur darum, dass deine kreative Seite ein wenig gefördert wird", lenkte er ein, nicht mal darum bemüht, dabei sonderlich unschuldig auszusehen.
      Dafür schien der Vergleich zwischen May und Andrew nicht so gut anzukommen. Caleb setzte sich automatisch etwas aufrechter hin, als Richard ihm in seinem kleinen Vortrag nochmals versicherte, dass er ihn freiwillig datete. Er wusste das natürlich. Es war nicht so, als würde Richard sich laufend über ihn beschweren, oder sich nach anderen Leuten umsehen. Trotzdem war es irgendwie schwer, das alles so zu verinnerlichen, dass die Stimmen in seinem Unterbewusstsein endlich Ruhe gaben.
      "Tut mir leid. Ich weiß." Caleb presste die Lippen aufeinander, während er wieder an Richard vorbei zu der Tanzfläche sah. "Aber du musst zugeben, dass sie ihm ein bisschen ähnlich ist. Wer geht in Bluse und Anzugshose feiern?" Andrew würde er das irgendwie auch zutrauen. Vielleicht war es bei Ezra und Andrew auch irgendwie so, wie bei May und April. Gegensätze zogen sich an. Wahrscheinlich war es bei Richard und ihm das selbe. Richard war selbstbewusst, heiß und hatte das Geschick, sich nicht den Kopf über ihre Beziehung zu zerbrechen und Caleb war...das Gegenteil von alledem.
      "Tanzt du?" Caleb sah wieder zu Richard, bevor er diesen Gedanken allzulange nachgehen konnte. Das wäre wahrscheinlich für sie beide nicht gut. Nicht, wenn sie auf ihrem dritten Date waren, umgeben von Leuten mit guter Laune. "Wir sind nicht hier, um nur am Rand zu sitzen, oder?" Okay, Richard hatte schon mal gesagt, dass sein Ziel auf einer Party das Rumknutschen war, aber dafür hätten sie noch genug Zeit. Ein wenig mehr Körperkontakt auf der Tanzfläche könnte auch nett sein, nicht?


      April

      Oh fuck. April trat automatisch einen Schritt zurück, als sie die Panik auf Mays Gesicht sehen konnte. In der Hinsicht war die junge Frau zum Glück ein offenes Buch, was seltsam charmant war, aber...das rettete die Situation offenbar auch nicht mehr. May sagte irgendwas, von dem April nur das Wort "Wasser" aufschnappte und verschwand in der Menge. Scheiße. Das war wohl wirklich zu viel gewesen. April biss sich kurz auf die Unterlippe, bevor sie ihrer Freundin folgte und sich durch die Menschenmenge schob, bis sie die Bar erreicht hatte.
      "May!" Sie bemühte sich zumindest um ein leichtes Lächeln, um die Situation ein wenig aufzulockern, während sie sich wieder - mit etwas Abstand - zu ihr stellte. May klammerte sich tatsächlich an ein Glas mit Wasser. "Tut mir leid. Das war wahrscheinlich ein bisschen zu viel. Du tanzt wirklich gut. Ich glaube, ich habe mich einfach etwas hinreißen lassen. Sorry." Sie konnte spüren, wie sie selbst leicht panisch wurde. Irgendwie hatte sie überhaupt nicht daran gedacht, dass sie May einfach vollkommen überfordern könnte. In ihrem Kopf hatte May sich immer entweder an sie geworfen, oder ihr erklärt, dass sie hetero war und mit ihr zusammen gelacht. So war es bisher immer gewesen, wenn sie mit Unbekannten geflirtet hatte.
      "Alles okay?" April bemühte sich darum, den Abstand zu halten, auch, wenn alles in ihr danach schrie, wieder einen Schritt auf May zuzugehen und sie in den Arm zu nehmen, oder so. Was wahrscheinlich alles andere, als helfen würde. "Sollen wir nochmal an die frische Luft gehen, oder so?" Vielleicht war es ganz gut, für einen Moment Abstand von der lauten Musik zu haben, über die man hinwegschreien musste. Hauptsache, May würde ihr nicht gleich erzählen, dass sie sich unwohl fühlte und nach Hause wollte.
    • May

      May bekam beinahe einen Schock, als April gleich wieder neben ihr stand. Sie legte sich eine Hand auf die Brust, um wenigstens den Moment spüren zu können, wenn ihr Herz tatsächlich aussetzte. Sie war sich nicht ganz sicher, wieso sie plötzlich panisch geworden war. Wasser zu trinken half etwas, aber der Vorschlag, frische Luft zu bekommen, gefiel ihr trotzdem, also nickte sie schnell und ließ April vorgehen, während sie sich durch die Menge in Richtung Treppen zwängten.
      Sie fragte sich, was April damit gemeint hatte, sich ‚hinreißen‘ zu lassen. War das alles… doch irgendwie Flirten von ihr? May wollte es ihr nicht unterstellen, nur weil sie lesbisch war, das kam ihr… auch stereotyp und seltsam vor. Außerdem hatte sie nichts unnormales getan, nichts, was Mays Freundinnen in Schule und Uni nicht auch regelmäßig versucht hatten und sie damit ein wenig überfordert hatten. Sie war noch nie ein Fan von viel Körperkontakt mit Freunden gewesen, es machte sie seltsam nervös und gab ihr genau das Gefühl, das sie eben hatte: Es war plötzlich zu eng und stickig und sie musste weg.
      Als sie oben an der kühlen Nachtluft angekommen waren, setzte May sich auf eine der niedrigen Fensterbänke vor dem Club und klammerte weiterhin an ihrem Wasser. Es war nett, dass April nach ihr sehen wollte, aber sie hatte jetzt irgendwie das Gefühl, die Stimmung zu versauen. „Tut mir leid, ich bin nicht so gut mit… Nähe, denke ich. Und vielleicht auch etwas klaustrophobisch“, versuchte sie zu erklären, was sie selbst noch nicht ganz durchblickt hatte. Es war eine seltsame Ausrede, dass man Panik bekam, wenn jemand einem zu nahe kam, oder? Es war schließlich nicht so, als hätte sie mal körperliche Gewalt erfahren oder so, was die Reaktion erklären könnte. Vielleicht rationalisierte sie das Ganze auch zu sehr. Aber sie hatte das Problem in Beziehungen nie gehabt und es war… irritierend.

      Richard

      „Sag ihr das bloß nicht, ich wollte ihr im Auto schon klarmachen, dass das eigenartig ist“, lenkte Richard gleich an, als Caleb Mays Outfit ansprach. Ja, Andrew würde wahrscheinlich denselben seltsamen Stunt abziehen, aber sie hatten beide vermutlich unterschiedliche Gründe. Andrew war altbacken und hing unglaublich an den Anzügen von seinem Vater, der ihm das offensichtlich vorgelebt hatte. May hatte einfach keinen Sinn für Mode. Richard wollte trotzdem nicht zugeben, dass er die beiden auch schon verglichen hatte, sonst würde Caleb ihn das nie ableben lassen und zukünftig auch noch denken, er stand auf May, so paranoid wie er war. Wieso tat Richard sich das nochmal an? Achja.
      Er sah Caleb an, wie er ihn zum Tanzen aufforderte. Dass das seine Laune so schnell hob müsste in einem Labor untersucht werden. Richard stand wortlos auf und hielt Caleb seine Hand hin. „Nur, wenn wir die Dirty Dancing Szene nachspielen können“, sagte er scherzhalber und blinzelte unschuldig. „Entweder das oder du küsst mich auf der Tanzfläche“ Um die verlorenen Küsse durch ihr dämliches Gespräch wieder wettzumachen. Richard würde das Schaukeln zu solchen grauenvollen Songs sowieso kaum Tanzen nennen, da würde sich auch keiner an ein bisschen Geknutsche stören. Nicht, wenn es um sie herum sowieso praktisch jeder tat.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      “Alles gut”, versicherte April mit einem kleinen Lächeln, das hoffentlich weitaus fröhlicher aussah, als es sich anfühlte. Nicht, weil sie log, oder sauer war, sondern weil es nach der aufgewärmten Luft im Club draußen gleich doppelt so kalt war und sie diesmal nicht Calebs Jacke klauen konnte. Also war frieren angesagt. Dafür war die Stimmung draußen nicht viel schlechter, als drinnen und offenbar lag Mays Panik nicht an ihr spezifisch, was April zumindest ein bisschen entspannte. Wenigstens musste sie sich keine Gedanken darüber machen, dass May irgendwas an ihr als Person auszusetzen hatte. Wenigstens ließ die kalte Luft sie irgendwie wieder klarer denken.
      “Das wusste ich nicht. Tut mir leid, dass ich dich so angetanzt hatte.” April ersparte sich mehr körperliche Nähe und tippte stattdessen lediglich mit ihrem Fuß kurz gegen Mays, während sie vor ihr stehen blieb. Warum hatte sie Richard eigentlich nicht mehr ausgefragt, als sie die Chance dazu gehabt hatte?
      “Gibt es irgendwas, was ich tun kann? Mehr Wasser, Klappe halten und dich in Ruhe lassen, oder so? Ich muss dich vorwarnen - darin bin ich echt schlecht.” Wahrscheinlich war es keine sonderlich gute Idee gewesen, May in einen Club einzuladen, wenn sie Probleme mit Nähe hatte. Obwohl das die Tatsache, dass sie trotzdem zugesagt hatte, umso niedlicher machte. Trotzdem wäre ein Kinobesuch das nächste mal wahrscheinlich besser. Oder ein Spaziergang, oder so. Halt alles, wo man einander nicht allzu nahe kam, auch, wenn das genau das Gegenteil von dem war, was April eigentlich wollte.
      “Wir müssen nicht hierbleiben, wenn du nicht möchtest. Ich kann mir auch einfach Calebs Jacke klauen und wir drehen eine Runde, oder so.” Immerhin hatte sie bei ihrer letzten Unterhaltung schon erwähnt, dass das zusammen nach Hause Gehen nach der Party genau so schön war, wie die Party selbst, nicht? Hauptsache, May würde sie nicht einfach hier sitzen lassen.


      Caleb

      Caleb stieß ein kleines Schnauben aus, als er vergeblich versuchte, ein Lachen zu unterdrücken. “Ich weiß nicht, wie ich mit der Information umgehen soll, dass du Dirty Dancing kennst”, merkte er an, während er sich von Richard auf die Beine ziehen ließ. Er hatte absolut keinen Zweifel daran, dass Richard ihn locker in einer Hebefigur über seinen Kopf halten könnte, aber seiner eigenen Körperspannung vertraute er da eher weniger.
      “Ich bezweifle irgendwie, dass wir Platz für größere Tanzmanöver haben, außer du willst ganz schnell ganz viele wütende Leute kennenlernen, also bleibt ja nur die Lösung mit dem Küssen.” Was zum Glück absolut nicht schlimm war. Ganz im Gegenteil.
      Caleb verzichtete gleich auf sämtlichen Abstand. Mittlerweile wäre das wahrscheinlich auch einfach nur albern und er konnte auf eine weitere Beschwerde von Richard gut verzichten. Stattdessen legte er einen Arm locker um Richards Hals - soweit das eben ging, ohne, dass er sich dafür auf Zehenspitzen stellen musste - und zog ihn mit der anderen Hand am Kragen soweit runter, dass er ihm einen Kuss auf die Lippen geben konnte, als kleinen Teaser für den Rest des Abends.
      Viel Platz zum Tanzen war tatsächlich nicht, aber die Musik war ganz okay und die Stimmung recht ausgelassen. Es war laut, warm und irgendwie alles, was Caleb furchtbar fand, aber es störte ihn nicht. Er war noch nie mit einer Beziehung feiern gewesen, höchstens ein paar mal mit Niamh, bevor ihre Beziehung mit John ernst geworden war, und damals war das mehr Komasaufen gewesen, als alles andere. Eng mit jemandem zu tanzen, der Küsse zur Voraussetzung machte, war deutlich schöner.
    • May

      May sah April einen Augenblick lang an, als sie ihre Vorschläge machte, und musste selbst überlegen. Sie wusste garnicht, was sie wollte, weil sie nicht wusste, woher dieses unangenehme Gefühl gekommen war. Aber es war nett mit April zu reden und dass sie ihr das offensichtlich nicht übel nahm. Also lächelte sie etwas und rutschte auf ihrer Fensterbank zur Seite. "Setz dich, wenn du willst", sagte sie. Und dann wurde sie ein bisschen aus ihrem Träumeland gerissen, als April von einer Jacke sprach. Sie stand hier ja in einem Minikleid. "Oh, dir ist kalt? Sorry, wir können gleich wieder reingehen, aber-" Sie fädelte ihre Arme etwas umständlich aus ihrem Blazer, weil sie durch die schmale Fensterbank kaum Platz hatte. Dann hing sie ihn April über die Schultern. "Besser?", fragte sie lächelnd. Sie war ein bisschen versucht, Aprils Arme zu rubbeln um sie aufzuwärmen, aber irgendwie brachte sie es nicht über sich. Vielleicht, weil sie langsam das Gefühl hatte, nicht mehr einschätzen zu können, was eigentlich noch freundschaftlich und was flirtiv war, nachdem April sie offenbar… angetanzt hatte?
      "Wu… Wusstest du, dass Richard den Abend als Date mit Caleb sieht, aber Caleb meinte, er hat Richard nur als Unterstützung dabei, weil er nicht gerne feiern geht? Ich hab das Gefühl, die zwei sind nicht auf einer Wellenlänge. Aber vielleicht bilde ich es mir auch nur ein", sagte May auf einmal. Sie hatte plötzlich das Bedürfnis gehabt, darüber zu reden. Ein bisschen erinnerte es sie vielleicht an sie selbst gerade. Wenn April wirklich Interesse an ihr hatte… Dann war es wahrscheinlich unfair, diese ganzen Dinge mitzumachen und von ihr zu erwarten, dass sie sich als Freunde trafen, oder? Auch, wenn es May egal wäre. Der Gedanke störte sie viel weniger, als sie dachte, aber sie wollte April nicht verletzen. So wie gerade eben, als sie weggelaufen war. Vielleicht hatte die Panik ja auch eingesetzt, weil sie kurzzeitig das Gefühl gehabt hatte, April flirtete mit ihr. Eine übertriebene Reaktion, nur weil sie die Jüngere nicht verletzen wollte. Irgendwie machte das alles noch immer nicht völlig Sinn.
      "Denkst du, irgendjemand sollte Caleb vorwarnen, dass Richard ein Kerl ist, der sich wahrscheinlich nie auf etwas ernsthaftes einlässt? Ich meine, ich kenne ein paar der Frauen, mit denen er etwas hatte. Er meinte zwar, er meint es ernst, aber Caleb tut mir leid, wenn er sich zu viel erwartet", murmelte sie.
      Und am liebsten hätte May auch die Antwort darauf, ob sie April direkt fragen sollte, ob sie mit ihr flirtete. Das konnte ziemlich unangenehm enden, wenn May es sich bloß einbildete, nachdem sie sich irgendetwas eingeredet hatte auf der Basis, dass April lesbisch war. Sie war doch lesbisch, oder? Oder war sie auch bisexuell? So viele Menschen waren anscheinend bisexuell, dass May sich langsam fragte, ob das einfach der neue Standard war. Zumindest hatte man dann einen größeren Dating Pool. Zu blöd, dass sie sich nicht vorstellen konnte, mit einer Frau zusammen zu sein. Auch wenn es nett klang. Keine Männerprobleme mehr. Frauen waren irgendwie immer so viel emphatischer und… wussten, wie man eine Waschmaschine bediente. Und hübscher waren sie eigentlich auch. Aber das musste sich anfühlen, als würde man seine beste Freundin daten, und May hatte so schon genügend Panik vor derartiger Nähe, dass es niemals funktionieren könnte. Naja, ganz so utopisch war es sicherlich eh nicht, wenn zu den normalen Beziehungsproblemen dann noch Probleme von Außen kamen.

      Richard

      "Es ist schwer, Dirty Dancing nicht zu kennen", verteidigte er sich und zog Caleb mit zur Tanzfläche, und wurde stumm geschalten, bevor er dazu noch etwas sagen konnte. Sie hatten Fortschritte gemacht, oder? Nicht nur im Vergleich zum ersten Date. Caleb hielt sich nicht mehr peinlich von ihm fern und küsste ihn wieder, wie Richard es gewohnt war. Aber er war es noch nicht in der Öffentlichkeit gewohnt gewesen. Das waren wohl die Vorteile, wenn man offiziell datete, und sich nicht nur für Sex traf und aus keinem anderen Grund küssen würde. Der einzige Grund, warum Richard das als Fortschritt betrachtete, war wohl wirklich, weil ihm die ganze 'Sex ist nur der Bonus' Sache langsam gefiel. Er mochte das Warten seltsamerweise. Es hatte sich unglaublich gut angefühlt, Caleb zu küssen, nachdem er es ewig nicht getan hatte, und jeder Schritt, den sie beide wieder aufeinander zu machten, löste ein kleines Gefühl der Euphorie in ihm aus. Das er zwar immernoch ab und an irritierend fand, aber mittlerweile nicht mehr so abstoßend. Er ließ sich nicht gerne auf das Gefühl ein, aber es war schwer, es nicht zu tun, wenn es so süchtig machen konnte.
      Wenn sie sich hier auf engstem Raum zwischen hundert Leuten küssten, konnte Richard auch irgendwie nicht anders, als zu denken, dass es gut war, dass sie sich nicht früher kennengelernt hatte. Auch, wenn es ihn vermutlich von Andrew erlöst hätte. Aber Richard hatte ewig gebraucht, um überhaupt zu verstehen, wieso er sich immer an Andrew gemessen hatte, wieso er ständig wütend und gleichzeitig eifersüchtig auf ihn gewesen war, und wieso es ihn so unheimlich genervt hatte, ihn mit anderen Leuten glücklich zu sehen. Weil er vollkommen verknallt gewesen war und selbst der Grund sein wollte, warum er glücklich war, aber abgesehen davon, dass sie grundverschieden waren und es eh nie geklappt hätte, hatte Richard sich gegen das Gefühl jahrelang gewehrt und sich alle Chancen von vornherein vermasselt. Das Problem hatte er mit Caleb nicht. Wenn er sich nicht sicher wäre, ihn zu mögen, hätten sie keine Chance, weil Caleb sich sowieso die ganze Zeit einzureden schien, dass das nicht der Fall sein konnte. Das Selbstbewusstsein, dass Richard durch den Trial-Run mit Andrew erlangt hatte, war mehr oder weniger alles, was diese Beziehung am Laufen hielt. Das würde nur mit ins Grab nehmen. Wenn Caleb seine Gedanken lesen könnte, wäre er am Ende. Zumindest nahm Richard selbst aus der Sache mit, dass er sich gegen das irritierende Gefühl nicht zu sehr wehren sollte. Und wenn Caleb sich die Haare mal dunkel färbte, würde der irritierende Teil vielleicht sogar ganz verschwinden!
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      Zum Glück sprach May diesmal schneller, als sie. April wollte gerade abwinken, als sie gefragt wurde, ob ihr kalt war, damit May nicht das Gefühl bekam, dass sie wieder rein mussten, da hatte sie ihr auch schon ihre Jacke umgelegt. Die deutlich besser zu ihrem Kleid passte, als Calebs Jacke. Soviel zum Schicksal eben, anders konnte sie sich nicht erklären, warum May und sie so unfassbar gut zusammenpassten. Vielleicht hatte May sich auch nur deshalb so förmlich angezogen, damit das Universum dafür sorgen konnte, dass ihre Jacke bei April landen könnte. So musste es sein. Nur das Gesprächsthema könnte irgendwie besser sein.
      "Ich glaube nicht, dass man irgendjemanden warnen muss", merkte April an, während sie sich neben May auf die Fensterbank setzte. "Wenn Richard nicht in der Lage ist, eine Beziehung zu führen und Cal ihn eh nur als Unterstützung dabei hat, scheinen die beiden ja irgendwie doch auf der selben Wellenlänge zu sein, oder?" Wenigstens bekräftigte das ihre Vermutung, dass sich einer der beiden irgendwas aus dieser Beziehung erhoffte. Entweder wollte Cal, dass Richard irgendwas für ihn tat, oder Richard erhoffte sich Geld, oder sowas. Vielleicht wollten auch beide einen Vorteil aus dem jeweils anderen herausschlagen und waren einfach zu inkompetent, um das ordentlich zu kommunizieren, weshalb sie sich jetzt mit dieser ganzen Date-Geschichte auseinandersetzen mussten.
      "Mir ist ehrlich gesagt vollkommen neu, dass Caleb überhaupt datet und Richard schien irgendwie ziemlich darauf aus zu sein, ihn ins Bett zu bekommen, als wir uns eben kurz unterhalten hatten. Vielleicht ist das so eine Friends-with-Benefits Sache." Sie zuckte kurz mit den Schultern. Obwohl ihr auch neu wäre, dass Cal Freunde hatte. Irgendwie hatte er für sie immer nur als einzelnes Individuum existiert, ohne eigenes Leben. So wie Lehrer, die für einen auch nur in der Schule existierten und dann furchtbar schräg wurden, wenn man sie außerhalb des Klassenzimmers sah. Caleb war da, damit sie jemanden hatte, dem sie etwas auf die Nerven gehen konnte, bis er sie irgendwann an Niamh weiterreichte. Abseits davon hatte er keinen tieferen Sinn für sie. Das Schlimmste daran war, dass sie sich eigentlich gar keine Gedanken um sein Liebesleben machen wollte, aber der Impuls jetzt in ihrem Kopf steckte und ganz eigene Bahnen ging.
      "Hat Richard Geldprobleme, oder so? Cals Familie ist...ziemlich reich. Vielleicht erhofft er sich ja reich einheiraten zu können, oder so." Zugegeben, den Gedanken hatte sie selbst auch schon bei ein paar ihrer Bekanntschaften gehabt, aber am Ende hatte sie es nie über sich bringen können. Geld konnte eine gute Beziehung eben nie ersetzen. Zumindest für sie nicht. "Vielleicht ist er auch nur deshalb mit dir befreundet. Damit du ihn verteidigst, wenn er Cal am Ende umbringt", fantasierte sie amüsiert weiter. "Ich hoffe, du lässt dir wirklich hohes Schweigegeld von ihm zahlen, wenn es so weit ist."


      Caleb

      Es funktionierte zum Glück auch vollkommen ohne Dirty Dancing. Caleb erlaubte es sich, ein bisschen mehr an Richard zu kleben, als sonst, ließ sich von ihm über die begrenzte Tanzfläche führen und vergaß einfach alles um sich herum für einen Moment. Irgendwie war es schräg, dass er kurz davor gestanden hatte, das hier alles zu verpassen, nur weil Richard und Ezra sich nicht leiden konnten. Das Problem kam ihm Rückblickend gerade seltsam klein vor. Dann konnten sie sich halt nicht leiden - und? Er hatte es geschafft, die letzten 13 Jahre ohne direkten Kontakt mit Ezra zu überleben. Es war wirklich schön, seinen Bruder wieder in seinem Leben zu haben, aber jetzt gerade war er mit Richard einfach glücklich. Wieso sollte das weniger wert sein?
      Gut, zugegeben, wahrscheinlich ließ er sich gerade nur von der allgemeinen Stimmung mitreißen und würde morgen früh vollkommen anders darüber denken, aber wenigstens für den Moment fühlte er sich wundervoll gelöst von allem, während er Richard für den nächsten Kuss zu sich hinab zog. Mittlerweile fühlte sich das fast schon seltsam normal an. Caleb hoffte nur, dass dieses seltsame Hoch, das sich gerade in seinem Kopf bildete, ein kleines Bisschen länger bleiben würde. Er brauchte das. Ein wenig Entspannung und Optimismus nach den letzten furchtbaren Wochen.
      "Vielleicht lasse ich dich doch kein Gedicht über Waschbären schreiben, wenn ich offensichtlich gewinne", rief er über die Musik hinweg, während er zu Richard hoch grinste. "Vielleicht wünsche ich mir einfach, dass wir öfter feiern gehen. Mit dir ist das alles irgendwie halb so schlimm." Okay, vielleicht war das ein kleines bisschen gelogen. Nichts schlug die Idee, Richard ein Gedicht schreiben zu lassen. Aber der Rest stimmte. Irgendwie passte gerade einfach alles. "Sonst hätte ich mir gewünscht, dass du öfter kochst, aber das hast du eh schon von dir aus angeboten. Schlechter Schachzug, fürchte ich."
    • May

      Hm. Eigentlich hatte April ja recht, aber Caleb hatte so nett gewirkt. Nutzten die beiden sich tatsächlich einfach gegenseitig aus? Für… körperliches? So klang es nach der neuen Information von April zumindest. Soviel dazu, dass Richard es ernst meinte. Ernst, Caleb ins Bett zu bekommen, oder wie?
      May schüttelte leicht den Kopf als sie das hörte. "Du hast recht, vielleicht haben sie sich ja verdient. Aber Richard hat keine Geldprobleme. Er ist zwar Held, aber aus irgendeinem Grund kann er ständig mit seinem protzigen Auto und seiner schicken zentralen Wohnung angeben, also…" May hatte gut reden. Ihre Wohnung und ihr Auto waren noch dreimal protziger, aber wenigstens versuchte sie sich damit nicht bei ihren Kollegen beliebt zu machen. Obwohl es nichtmal so wirkte, als wäre das Richards Grund, um es immer wieder fallen zu lassen. Eher konnte er wahrscheinlich nicht aufhören daran zu denken, wie toll er und sein ganzes Zeug waren. Genau deshalb hatten sie sich nie über Bekanntschaft hinaus entwickelt. Sie konnten nicht viel miteinander anfangen, abgesehen von ein paar lockeren Gesprächen über einem Bier nach Feierabend. Ted hatte sie immer viel lieber gemocht. Und Thomas, wenn sie im Dezernat vorbeisah, um sich eine Akte zu holen. Viele Helden waren nett, aber es gab auch immer die, die abgehoben waren und sich für etwas besseres hielten. In der Kanzlei hatten sie von der Spezies allerdings auch einige Leute.
      May ließ ihren Kopf langsam auf ihre Knie sinken. Ihr Herz hatte sich wieder beruhigt, aber ihr ging zu viel durch den Kopf. "Ich hätte sowieso Schweigepflicht, aber ich würde Richard niemals vertreten. Der würde mich heimsuchen, wenn ich seinen Fall vermassle", murmelte sie nach einer Weile, bevor sie den Kopf wieder hob und April durch verirrte Haarsträhnen hindurch ansah. Für einen Augenblick sah sie die Jüngere wieder vor sich, wie sie May durch die Haare strich. Was ein seltsamer Gedanke war, schließlich wollte sie gerade klären, ob April sich Hoffnungen machte, und dass sie das besser lassen sollte, damit May sie nicht verletzte. Und am Ende spielte sie innerlich die Szene erneut ab, die ihr Angst gemacht hatte, April zu verletzen. Das war es doch, was sie gefühlt hatte, oder?
      May seufzte leicht. "Wieso hast du mich eigentlich eingeladen?", fragte sie leise.

      Richard

      "Du machst es einem so leicht, sich von ganzem Herzen zu wünschen, dass du verlierst", erwiderte Richard auf Calebs neue Idee. "Wieso solltest du deinen Wunsch für etwas verschwenden, dass wir einfach so machen können?" Abgesehen davon war es diesmal wirklich das, was Richard erwartet hatte. Harmlose Dates. Das musste Caleb sich nicht wünschen, danach konnte er ganz einfach fragen. Richard war vielleicht nicht zu allem aufgelegt, aber wenn er es nicht war, würde Calebs gute Laune sich ebenfalls in Grenzen halten. Parties waren etwas, wozu Richard nicht zwingend Nein sagte. Und man konnte so gut wie alles zu etwas drehen und wenden, das einem letztlich doch gefiel.
      "Hey, ich sag's so, wenn vorher, nachher oder zwischendrin Knutschen im Paket ist, mache ich echt alles mit. Meinetwegen gehen wir ins Museum. Oder in ein verdammtes Musical, wenn es unbedingt sein muss. Wir können auch deine ätzende Familie besuchen solange du mich vor deren Augen abküsst und sie in den Wahnsinn treibst" Richard grinste.
      Wann er so niedrige Ansprüche entwickelt hatte, wusste er auch nicht. Es war ein Fluch, dass er Caleb immer mehr mochte, als er ursprünglich geplant hatte. Irgendwann würde er Richard noch zu Sachen bringen, die er über seine Leiche nicht machen wollen würde, nur indem Caleb ihn mal ein bisschen anblinzelte und Bitte sagte. "Wünsch dir lieber was krasses", sagte er und küsste Caleb wieder. Eigentlich hatte er selbst kaum eine Idee, was das sein könnte. Okay, es gab vieles, dass er absolut nicht machen wollte, aber von vielem profitierte Caleb nichtmal und den Rest würde er mit viel, viel verführerischer Überzeugungsarbeit wohl so oder so tun. War aber auch komplett egal. Die ganze Wette war nur zu ihrem Vergnügen, und nicht um dem anderen das größtmögliche Leid aufzubürden. Zumindest, solange Caleb diese Waschbären-Aufsatz Idee verwarf.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      "Das ist doch sogar noch besser. Dann schalten wir zusammen Richard aus. Ich bin eh auf Kniescheibenhöhe, ich schaff das. Dann vertrittst du mich, weil ich dich garantiert nicht heimsuchen werde und dann teilen wir uns das Geld." April grinste amüsiert. Wenigstens war May gut gelaunt genug, um bei dem Spaß mitzumachen, auch wenn sie langsam in sich selbst zusammenfiel. Wahrscheinlich war die Menschenmenge dringen wirklich ihr Problem gewesen. April hatte sich ähnlich überfordert gefühlt, als sie das erste mal ein Shirt aus einem Laden geklaut hatte. Sie hatte stundenlang in ihrem Zimmer gesessen und versucht zu verarbeiten, was sie getan hatte, in einer ähnlichen Position, wie May gerade da saß. Auch, wenn man das wahrscheinlich nicht wirklich vergleichen konnte.
      "Ich mag dich", beantwortete sie Mays Frage schlicht, auch, wenn das wahrscheinlich nicht die Antwort war, die sie hören wollte. Oder die Antwort, die April am liebsten gegeben hätte. Aber sie hatte es gerade geschafft, May vor einem Zusammenbruch zu bewahren und wollte das jetzt nicht wieder aufs Spiel setzen. Wenn sie die Jacke jetzt wieder abgeben müsste und May nur noch im Gerichtssaal sehen könnte, würde sie heulen. Obwohl es wahrscheinlich auch unfair wäre, May im Dunkeln zu lassen, oder? Ach, sie wusste es ja selbst nicht.
      "Ich verbringe gerne Zeit mit dir. Egal, ob freundschaftlich, oder...mehr?" Sie merkte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Was selten passierte. Eigentlich hatte sie bei sowas wirklich deutlich mehr Selbstbewusstsein. Vielleicht hätte sie May erst anflirten sollen sobald klar war, dass sie sich nicht mehr sehen mussten, falls das Gespräch in eine seltsame Richtung gehen würde. Daran hatte sie nur nicht früh genug gedacht.
      "Mach dir bitte keinen Stress und sag mir, wenn ich zu viel werde, okay?", ergänzte sie schnell. "Ich wäre wirklich einfach gerne mit dir befreundet. Du bist so nett und ruhig und wirklich hübsch." Sie biss sich auf die Unterlippe, während sie May ansah und abwartete, wie sie reagieren würde. Hatte sie sich gerade jede Chance verbaut? Hatte sie überhaupt je eine gehabt?


      Caleb

      Das entlockte Caleb tatsächlich ein kleines Lachen. "Kann ich das schriftlich haben?", fragte er, als Richard zugab, für ein paar simple Küsse alles mit ihm mitzumachen. Was irgendwie zu groß war, um es wirklich zu verarbeiten. Seine Familie würde Richard so oder so nie kennenlernen, wenn Caleb es irgendwie verhindern konnte. Ezra und er funktionierten schon nicht, Niamh hatte sich zum Glück relativ uninteressiert gegeben, als er mit ihr über das alles geredet hatte, aber seine Eltern waren eine komplett andere Nummer. Caleb war sich absolut sicher, dass sie alles andere als begeistert von Richard sein würden. Selbstbewusstsein war super, solange es sich mit ihren eigenen Ansichten deckte und das, in Kombination mit Richards Job, würde ein deutlich zu großes Problem darstellen. Vielleicht hatte Richard es eh nicht so ernst gemeint, aber abgesehen von seiner Familie konnte er die Grenzen ja durchaus mal antesten, oder?
      "Mir fällt nichts Krasses ein", gab er schließlich lächelnd zu. "Ich hab sonst schon alles, was ich will. Also wirst du wohl dichten müssen. Sorry." Er gab sich nicht mal die Mühe, ansatzweise mitleidig auszusehen, während er Richard weiter entgegen lächelte. Gerade wollte ihm wirklich nichts einfallen, was er sich von Richard wünschen könnte, was er nicht auch so bekommen würde. Er konnte ihn schlecht wieder vorschicken, um diese Beziehung irgendwie vor Ezra und Andrew zu verteidigen. Das wollte er keinem der Beteiligten antun.
      "Was würdest du dir denn wünschen?", fragte er schließlich. Wahrscheinlich irgendwas sexuelles. Als ob Calebs Hemmschwelle da nicht sowieso rapide abnehmen würde, seit sie sich kannten. Er hatte immer noch Grenzen, aber irgendwie war er sich seltsam sicher, dass Richard die früher oder später auch irgendwie erweitern würde. Er war seltsam gut darin, Caleb sämtliche Bedenken vergessen zu lassen.
    • May

      May seufzte leicht, als April hinzufügte, was sie befürchtet hatte. Oder erwartet hatte. Oder ihr eigentlich egal war, solange sie April nicht verletzte, und das war ja irgendwie automatisch das Endergebnis, auf das sie zusteuern würden. Sie mochte April auch und sie wollte mit ihr befreundet sein. Eigentlich war es doch gut, dass April das scheinbar so locker sah, aber die Frage war, wie ernst sie das meinte. So rot wie sie plötzlich wurde, meinte sie das wohl nicht sehr ernst. Oder war es ihr nur peinlich, ihre Interesse zuzugeben? Wenn alles, was sie bisher so gemacht hatte, Geflirtet gewesen war, dann käme dieses Schamgefühl jetzt etwas überraschend.
      "Ich mag dich auch", sagte May zuerst und lächelte leicht. "Ich mag deine fröhliche Art. Ich hab allgemein nicht viele Freunde, weil ich so beschäftigt bin, aber schon garnicht welche, die mit ihrer guten Laune so ansteckenden sind. Darum… fände ich es schön, wenn wir uns ab und zu sehen, und zwar… als Freunde" Sie fürchtete sich vor jeglicher negativer Reaktion in Aprils Gesicht, sobald sie das aussprach. "Weißt du, ich wünsche mir fast schon, dir eine Chance geben zu können, weil du wirklich deutlich netter und intelligenter wirkst, als jeder Mann den ich gedated hab, aber…"
      Aber sie konnte einfach nicht. Mit einer Frau ausgehen? Sie hatte sich noch nie zu Frauen hingezogen gefühlt. Da war sie sich sicher. Sowas merkte man doch. Sie hatte zwar auch noch nie darüber nachgedacht bis vor ein paar Wochen, als sie April kennengelernt hatte, aber es wäre ihr aufgefallen. Eine ganz grundlegende Anziehung war schließlich normal, wenn man mit attraktiven Menschen zu tun hatte, egal von welchem Geschlecht, aber sie hatte nie das Verlangen gehabt, eine Frau tatsächlich zu küssen oder mit ihr zu schlafen. In der Realität könnte May das nie durchziehen, wenn sie sich schon bei Umarmungen ein wenig unwohl fühlte. Ganz zu schweigen davon, was ihre Eltern sagen würden. Sie würde das nie ableben. Wahrscheinlich würde sie auf direktem Weg enterbt werden, sobald klar wurde, dass sie ein hoffnungsloser Fall war. Bis jetzt hatte sie ihr Liebesleben noch ganz gut von ihren Eltern trennen können, aber bald würden sie sowie anfangen, Fragen zu stellen, und das, obwohl sie hetero war. Sie wollte sich garnicht vorstellen, wie die Gespräche eskalieren würden, wenn sie mit einer Frau zusammen wäre. Alleine bei dem Gedanken daran wurde ihr übel. Ob ihr Bruder sie dann immernoch verteidigen würde?
      "Du bist mir absolut nicht zu viel, ich mache mir nur Sorgen, dass du vielleicht etwas erwartest und enttäuscht wirst. Ich will dich ungerne irgendwie verletzen, darum ähm… ist es vielleicht besser, dir direkt zu sagen, dass ich…" Dass sie nicht an Frauen interessiert war. Los, aussprechen! May starrte April stumm in die Augen, weil ihr die Worte irgendwie im Hals stecken geblieben waren. Verdammt, war sie selbstsüchtig. Natürlich wollte sie nicht, dass Aprils ganze Komplimente aufhörten! Es hatte sich gut angefühlt, so angehimmelt zu werden und jemanden zu haben, der sich so sehr freute, wenn sie sich sahen. Und May wollte absolut nicht, dass April doch einen Rückzieher machte und garnicht mehr mit ihr befreundet sein wollte. Sie wusste, wie egoistisch das war, vor allem wenn sie sich noch mit dem Gedanken brüstete, in Panik zu verfallen, wenn sie April abweisen und verletzen musste. Als wäre sie eine Heilige. Schwachsinn, anscheinend ging es ihr ja doch nur darum, sich selbst gut zu fühlen. Trotzdem bekam sie die Worte gerade nicht hier heraus. Dabei war es so einfach.

      Richard

      "Nein", antwortete Richard grinsend. "Ein mündlicher Vertrag muss reichen, genau wie bei unserer Wette" Er neigte sich zu Caleb für einen innigen Kuss. "Hier, mündlicher Vertrag von beiden Parteien unterschrieben" Oh, er war so lustig. Zum Todlachen. Was würde Caleb nur ohne ihn tun?
      Scheinbar fragte er sich das selbst auch. "Sicher, dass du mein Ego noch weiter pushen willst? Ich weiß nicht, wie ich das verarbeiten soll. Ich bin alles, was du jemals wolltest? Endlich fällt es dir auf" Das Grinsen wollte garnicht mehr verschwinden, wahrscheinlich bekam er bald einen Muskelkrampf. Aber was sollte er tun, wenn Caleb ihm die ganze Zeit schmeichelte? Die Frage war ja, wie es dazu kommen konnte. Der Blonde hatte sich anfangs noch so unheimlich gewehrt, irgendetwas zuzugeben. Dass Richard verdammt gut im Bett war, dass Caleb mit ihm den Spaß seines Lebens hatte, dass er sich viel zu schnell verknallt hatte. Richard hatte das Gefühl, Caleb besser zu kennen, als dieser sich selbst kannte, jetzt wo er das alles endlich einzusehen schien. Und es dann noch laut auszusprechen? Sogar die Angst, auf ewig verarscht zu werden, hatte sich wohl verabschiedet. Aber Richard wollte ihm das schon fast gönnen und ihn nicht mehr für Dinge verarschen, für die er nichts konnte. Hatte er eine andere Wahl, als Richard anzuhimmeln? Nicht wirklich. Irgendwann hatte er ja einsehen müssen, welch ein Glück er hatte. Und gerade weil er es einsah, fühlte Richard sich selbst umso mehr, als hätte er eben im Lotto gewonnen.
      "Ich würde mir nochmal anhören, dass ich alles bin, was du jemals wolltest", raunte er grinsend. "Ich würde mir anhören, wieviel Glück du hattest. Dass ich dein Leben besser mache. Und dass du es unbedingt, jetzt sofort willst" Er lehnte sich zu dem Blonden und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor er weiter in sein Ohr redete. "Ich würde mir ansehen, wie du dir die Kleider vom Leib reißt und mich anbettelst, dich in die Matratze zu vögeln, bis du Sterne siehst. Und nebenbei kannst du gerne meinen Namen ins Kissen stöhnen. Nur musst du mich erst fragen, ob du kommen darfst, und die Strafe dafür, wenn du dich nicht daran hältst, überlege ich mir noch. Vielleicht lasse ich dir da sogar noch einen kleinen Wunsch frei"
      Richard hob seinen Kopf wieder um Caleb anzusehen. "Das ist mein Wunsch. Und ich habe April vorhin Tips gegeben, wie sie May rumbekommt, also stell dich besser schonmal darauf sein" Wer hatte jetzt die besseren Ideen?
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      "Hetero bin", beendete April den Satz für sie, bemüht, das kleine Lächeln auf ihren Lippen zu halten, das sich sonst immer so natürlich anfühlte und jetzt nicht so richtig gelingen wollte. Was schräg war, weil sie eigentlich nie große Probleme mit Zurückweisung gehabt hatte. Sie mochte May wirklich gerne und hätte definitiv nichts gegen eine Freundschaft, aber irgendwie fühlte es sich unbefriedigendend an. Was nicht Mays Schuld war, natürlich.
      "Du machst dir viel zu viele Gedanken, May. Es ist okay. Du kannst dir deine Sexualität genauso wenig aussuchen, wie ich mir meine. Manchmal passt es eben nicht. Auch, wenn du natürlich vollkommen richtig liegst. Ich bin netter und intelligenter als jeder Mann, den du je kennen lernen wirst. Außerdem: Hübscher." Das kleine Grinsen auf ihren Lippen fühlte sich zum Glück natürlicher an. Wahrscheinlich war dieses komische, unbefriedigende Gefühl einfach der...Schock, oder so. Wenn ihr jemand einen Korb gegeben hatte, dann war das bisher irgendwie immer vollkommen natürlich in einem Gespräch aufgekommen, nicht so seltsam gestelzt, wie jetzt, nicht draußen, wenn sie frohr und die Zielperson ihrer Flirts vor Überforderung gegangen war. Während April angeklagt war und viel zu viel über Calebs Privatleben herausgefunden hatte. Das war einfach alles zu viel für einen Abend. Deshalb fühlte sich das alles gerade wahrscheinlich viel schlimmer an, als es war. Morgen früh würde sie darüber lachen.
      "Wie gesagt, ich wäre gerne auch einfach so mit dir befreundet, wenn es nicht irgendwie seltsam für dich ist, oder so." Für April selbst war natürlich klar, dass sie sich zurückhalten würde, aber für May könnten die kleinen - rein freundschaftlichen - Flirts und Komplimente ja immer noch einen kleinen Beigeschmack haben. April hatte keine Ahnung, ob sie selbst mit jemanden befreundet sein könnte, der auf sie stand, aber es wäre schön mit May jemanden zu haben, der London ein bisschen netter machte. Sie wollte sie wirklich nicht verlieren.
      "Also. Freunde?" April gab sich selbst einen kleinen Ruck, stand auf und stellte sich vor May hin, um ihr die Hand zum Einschlagen entgegen zu halten. Fast ein bisschen wie im Kindergarten, wenn man einfach zu einem Kind ging, das nett aussah und es spontan fragte, ob man befreundet sein wollte.


      Caleb

      Okay, vielleicht hatte er etwas zu dick aufgetragen. Für einen wunderschönen Moment war Caleb so in seinem eigenen Optimismus gefangen gewesen, dass er vollkommen vergessen hatte, dass Richards überzogenes Ego existierte. Ob er es schaffen würde, sich nochmal in diesen Moment zurück zu flüchten? Er stieß ein kleines, ungläubiges Lachen aus, bevor Richards Idee für den Wunsch ihm die Sprache verschlug.
      "Dafür brauchst du keinen Wunsch zu opfern. Ich kann dich auch so anlügen", antwortete er mit einem kleinen Grinsen. "Und das letzte mal, als du mich fast so weit hattest, dass ich gebettelt hätte, haben wir am selben Tag noch Schluss gemacht. Ich will echt nicht abergläubisch wirken, aber das scheint kein gutes Zeichen zu sein." Obwohl er nicht abstreiten konnte, dass das Bild, das er gerade in seinem Kopf hatte, wirklich heiß war. Obwohl das wahrscheinlich wirklich eine dieser Grenzen war, die er noch hatte. Ihm fiel es ja schon schwer genug, im Alltag um Hilfe zu bitten - um Sex zu betteln kam ihm vollkommen abwegig vor. Aber wenn Richard drauf stand?
      "Aber da muss ich mir ja zum Glück keine Gedanken drüber machen. Wenn du jemandem Tipps in Sachen Romantik gibst, ist der Person wahrscheinlich sowieso nicht mehr zu helfen." Außer April hatte Glück und May stand genauso wenig auf Romantik, wie Caleb es tat, aber wie hoch war die Chance schon? Wer Business-Casual in einem Club trug, brauchte wahrscheinlich zwei Monate und eine förmliche E-Mail, um zu realisieren, dass jemand anderen auf ihn stand und er traute April nicht das Geschick zu, diesen Punkt irgendwie zu überspringen.
      "Was hast du ihr geraten? Dass sie sich mit Mays Geschwistern anlegen soll?", neckte er und drückte Richard einen Kuss auf den Hals. "Oder hast du ihr verraten, wo die nächste Sauna ist und wann der nächste Schneesturm ansteht?"
    • May

      „G-genau“, antwortete May endlich, nachdem April für sie geantwortet hatte. Das absterbende Lächeln in Aprils Gesicht war jedoch genau, was sie davon abgehalten hatte. Wenigstens schien sie es trotzdem ganz gut zu verkraften und sich selbst aufzumuntern. May würde nach einem Korb wohl erstmal nachhause fahren. Aber das war gut — wahrscheinlich war es nur eine ganz flüchtige Sache für sie gewesen und garnicht ernst genug, um lange deprimiert zu sein? Ja, gut…
      „Es ist nicht seltsam“, verdeutlichte sie nochmal leise und sah April dabei zu, wie sie aufstand. Sie hatte immer wieder die leise Ahnung gehabt und es bloß verdrängt. Das würde sie einfach weiterhin tun, damit sie Freunde sein konnten. Und vermutlich würde sie viel zu sehr darauf achten, ob April wirklich okay damit war, und wenn sie sich von May entfernte… würde sie wahrscheinlich bereuen, es angesprochen zu haben. Weil sie ein egoistischer, grauenvoller Mensch war, der eine Verehrerin brauchte um ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten oder so. Toll.
      May lächelte schwach und griff nach Aprils Hand um aufzustehen, dann bückte sie sich nochmal und nahm das Glas Wasser wieder mitrein. Als nächstes brauchte sie Alkohol.

      Richard

      Richard rollte mit den Augen. „Du denkst vielleicht gerade, dass es eine Lüge wäre, aber irgendwann wirst du einsehen, dass ich recht hatte, so wie bei allem anderen“, widersprach er. Welchen Part der ganzen Sache Caleb auch immer als Lüge rüberbringen müsste. Dass er Sex wollte? Absolut keine Lüge. Dass Richard sein Leben besser machte? Darüber konnte man mittlerweile wahrscheinlich sogar eine Studie durchführen.
      Richard öffnete den Mund und musste ernsthaft überlegen, was Caleb meinte. Der Tag an dem sie… Als sie nach Russland geflogen waren? Caleb hatte weniger angeturnt und mehr panisch ausgesehen, aber gut. Zumindest musste Richard jetzt, was die Wahrscheinlichkeit fürs Betteln erhöhen würde. Caleb musste es wohl richtig scheiße gehen, damit Richard sich um ihn kümmern konnte. Hey, vielleicht sollten sie doch nochmal mit Ezra reden.
      „Es gibt keine schlechten Omen“, sagte er ernst. „Wenn ich dich einmal so weit hatte, schaff ich es nochmal. Letzte Woche warst du fast gewillt und es hat nur eine Flasche Wein gebraucht, also überschätz dich mal nicht. Du weißt, dass du mich willst. Was machst du, wenn ich mich einfach weigere, mit dir zu schlafen, bis du nett fragst?“ Er lächelte. Auch wenn Richard sich selbst nicht sicher war, wie lange er das aushalten würde.
      „Es ging nicht um Romantik“, erwiderte er grinsend und küsste Caleb zurück. „Sondern um Selbstbewusstsein. Solange sie weiß, was sie will, und dafür Risiken eingeht, kriegt sie das hin, egal wer das Ziel ist. Ganz offensichtlich kann ich aus Erfahrung sprechen. Oh, und ich meinte, dass Betteln manchmal hilft. Wir kommen immer wieder darauf zurück. Das ist ein gutes Omen“ Außerdem hatten sie die beiden sowieso schon verloren und wahrscheinlich würden sie nie erfahren, was zwischen ihnen passierte, darum würde Richard eine der beiden Frauen einfach überreden, für ihn zu lügen.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      Na also. Das war okay, oder? Niemand heulte, sie konnten sich noch in die Augen schauen und sie gingen wieder rein ins Warme. April fühlte sich nur ein bisschen enttäuscht, aber das würde vorübergehen. Ganz sicher.
      Die abgestandene Wärme in dem Club fühlte sich fast an wie eine Wand. April reichte May ihren Blazer zurück, bevor sie die Bar wieder erreicht hatten.Hoffentlich würde sich keiner von ihnen eine Erkältung einfangen. Sie hatte jetzt schon keine Lust darauf, wieder raus zu gehen, wenn sie sich irgendwann auf den Heimweg machen mussten. Vielleicht sollte sie einfach versuchen, den Abend durchzufeiern und gar nicht nach Hause zu gehen, bis es sich draußen aufgewärmt hatte.
      "Okay, also, tanzen scheidet aus, denke ich", stellte April fest, als sie wenig später wieder mit ihrem zweiten Drink in der Hand zusammen mit May eine der immer weniger werdenden leeren Sitzgruppen ansteuerte. "Zum Quatschen ist es hier deutlich zu laut, also bleibt nur noch eins - Leute beobachten. Wir könnten schauen, ob wir unsere Begleitung irgendwo wiederfinden." Vielleicht würden sie ja doch noch irgendwie herausfinden, was genau Richard und Caleb zusammenhielt. Das klangt zumindest nach etwas, auf das sich April konzentrieren konnte, während sie versuchte, irgendwie wieder in ihren gewohnt fröhlichen Rhythmus zurück zu finden. Obwohl es zwischen den ganzen Leuten schwer werden würde, überhaupt irgendjemanden wiederzufinden.
      "Oh, hey", setzte April an, während sie zu einer der Treppen am Rande des Raumes nickte. Der Club war praktisch in zwei Ebenen geteilt, eine Bar, die Tanzfläche und ein paar Sitzgelegenheiten unten und ein umlaufendes Geländer, von dem aus man auf die Tanzenden hinabschauen konnte, oben. "Wir könnten hochgehen und schauen, ob wir sie irgendwo entdecken. Ich glaube, oben kann man sich auch setzen. Obwohl es auch einfach so schön ist zu beobachten, wie die anderen Tanzen. Vor allem, wenn jemand dabei ist, der wirklich tanzen kann."


      Caleb

      "Dafür gibt es Sextoys, Baby." Caleb lachte kurz, als Richard ihn fragte was er machen würde, wenn er nicht mit ihm schlafen würde. Was für eine abwegige Frage. Der Sex war eindeutig ein großes Plus in ihrer Beziehung - und alles, was sie anfangs zusammengehalten hatte - aber Richard brauchte ihn definitiv mehr, als er. Caleb war die letzten Jahre komplett ohne ausgekommen und er würde die nächsten Jahre auch ohne aushalten, wenn er Richards Ego dafür einen kleinem Dämpfer verpassen konnte. Dafür war er sich jetzt wenigstens sicher, den Rest des Abends auf Alkohol zu verzichten. Wenn er sich nochmal angetrunken an Richard ranschmeißen würde, würde er ihn das nie mehr vergessen lassen.
      "Ich glaube nicht, dass Selbstbewusstsein über ihre gnadenlos nervtötende Art hinwegtäuscht", merkte er an, während er ein kleines Lächeln unterdrücken musste. Vielleicht sah er das alles auch irgendwie zu pessimistisch. Richards Selbstbewusstsein täuschte auch irgendwie über sein massives Ego hinweg. Oder Caleb war einfach verzweifelt genug, um es mittlerweile zu ignorieren. Nein, eigentlich war er sich sogar ziemlich sicher, dass er einfach nur verzweifelt genug war, um eine Menge Dinge um Richard herum zu ignorieren. Sonst wäre er jetzt garantiert nicht hier. Falls sie den beiden zufälligerweise nochmal über den Weg laufen würden, sollte er May wahrscheinlich davor warnen, den selben Fehler zu machen, wie er.
      "Ist das mit dem Betteln so ein generelles Ding bei dir? Ich bekomme langsam irgendwie Mitleid mit deinen vorherigen One Night Stands und Beziehungen und so." Außer Richard hatte es bisher immer auf magische Weise geschafft, spezifisch Leute mit einem Bettel-Kink anzuflirten, dann würde sich Caleb irgendwie selbst leid tun, sich damit jetzt ernsthaft auseinandersetzen zu müssen, um nicht der eine Außenseiter zu sein. "Ich dachte mit deinem Ego hättest du das gar nicht mehr nötig." Er grinste, bevor er zur Beschwichtigung einen Kuss auf Richards Unterkiefer platzierte. Nicht, dass das ärgern doch irgendwann ein bisschen zu viel werden würde.
    • May

      May nickte und folgte April mit einem Long Island Icetea hinauf in die obere Etage, um nach einer Sitzgelegenheit zu suchen, die sie definitiv demnächst brauchen würde. Vielleicht war es rücksichtslos, sich so abzuschießen, wenn man mit Freunden aus war, aber sie hatte das dringende Verlangen, sich eine Weile sorgenfrei und taub zu fühlen, und die Gelegenheit bekam sie nicht oft. Sie würde einfach darauf achten, sich ein Taxi zu rufen, bevor sie irgendjemandem zur Last fiel und nicht mehr klar denken konnte. Ganz so weit wollte sie es ohnehin nicht treiben, aber ehrlicherweise kannte sie ihre Grenze bei derartigen Getränken nicht besonders gut. Wenn man sich ständig nur auf Bier und Wein beschränkte, wurde es irgendwann schwer, harten Alkohol einzuschätzen, aber eine gewisse Toleranz musste sie ja trotzdem aufgebaut haben.
      May hatte eigentlich nichts gegen Tanzen, gerade lag es nur an ihrer Stimmung, dass sie lieber sitzen wollte, aber sie hatte vorhin Spaß gehabt. Dass sie vermutlich nicht nur die Leute, sondern das plötzliche Gefühl, dass April wirklich an ihr interessiert war, Panik bekommen hatte, verschwieg sie aber lieber erstmal. Sie musste selbst schon genug damit kämpfen, dass sie anscheinend ein Arsch war.
      Bis sie sich in Nähe des Geländers ein paar Sessel ausgesucht hatten, war bereits ein Drittel von Mays Getränk weg. Das war nicht schwer, es schmeckte ganz gut. Ein bisschen bitter vielleicht, aber damit kam sie immer gut klar.
      "Ich weiß nicht, ob wir aktiv nach Richard und Caleb suchen sollten, Richard hat mich gebeten... oder eher aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen", sagte sie, sobald sie saß und einen Blick durch die metallenen Stäbe hindurch auf die tanzende Menge werfen konnte. "Aber irgendwie bin ich neugierig, was aus ihnen wird", murmelte sie und schnappte wieder nach dem Strohhalm. Sie mischte sich wirklich zu gerne in die Angelegenheiten anderer ein, aber deshalb war sie wahrscheinlich eine gute Anwältin. Oh Gott... sie war wie ihre Mutter.

      Richard

      Richard konnte die Begeisterung, die er gerade empfand, garnicht in Worte fassen, und es war leicht dafür Calebs Widersprüche zu ignorieren. "Heiß. Ich ändere meinen Wunsch, ich will dir zusehen. Dagegen kannst du nichts haben, oder?" Er grinste. Wenn er nett war, würde er Caleb sogar zwischen beidem entscheiden lassen. So selbstlos ging er mit seinen Wünschen um. Und was bekam er dafür? Beleidigungen über Beleidigungen.
      "Willst du lieber hören, dass sich alle immer begeistert zu meinen Füßen geschmissen und gebettelt haben, oder dass du der einzige bist, bei dem es mich wirklich interessiert, wie er dabei aussehen würde?", fragte Richard. Ehrlich gesagt hatte Richard sich nie sonderlich um Kinks gekümmert, also war es vielleicht doch eine Caleb-spezifische Sache. Er hatte natürlich die ein oder andere Fantasie gehabt, aber nie wirklich danach gestrebt, jemanden zu finden, um das auszuleben. Die meisten Leute waren halt langweilig und standen auf Vanilla Sex. Was irgendwie auch gut war, auf seine eigene Art, aber wenn man es spannender machen konnte, warum nicht? Caleb hatte von Anfang an total angeturnt und enthusiastisch gewirkt, weshalb Richard immer noch davon überzeugt war, ihn besser zu kennen, als Caleb sich selbst kannte. Er müsste sich mal selbst beim Sex zusehen, das war kein mittelmäßiges, halb-begeistertes Engagement, sondern alles, was man sich wünschen konnte. Irgendwie kam es da ganz von selbst, dass Richard sich überlegte, wie weit er eigentlich gehen konnte, um es noch besser zu machen. Er war sich ziemlich sicher, dass Caleb sich mit seinen Ideen auch anfreunden würde, wenn er sich darauf einließ.
      "Du wirst schon sehen, dass du es vermissen wirst", sagte Richard schließlich und küsste Caleb. "Vielleicht lasse ich dich den ersten Schritt machen und gebe nur nach, wenn du wirklich nett danach fragst", grinste er. Caleb war sich vielleicht sicher, dass er es nicht vermissen würde, aber Richard hatte genügend Beweise, um das Gegenteil zu glauben. "Also, willst du noch was zu trinken und körperlich auf Sicherheitsabstand bleiben, damit du weiter stur sein kannst?" Er lächelte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      "Oh, ich hab auch nicht vor, sie anzusprechen. Ich will nur...beobachten. Wie diese Wildtierfotographen, die stundenlang auf der Lauer liegen, um irgendwelche Tiere zu beobachten." April grinste begeistert, während sie sich in den Sessel neben May sinken ließ. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da irgendwas langfristiges draus wird. Dafür scheinen ja beide nicht unbedingt bestimmt zu sein. Aber wir haben offenbar VIP-Tickets für dieses Desaster und die will ich nutzen." Sie sog kurz an dem Strohhalm in ihrem Cocktail, bevor sie wieder zur Tanzfläche sah, die Augen zusammenkniff, seufzte und schließlich ihre Brille aus ihrer Tasche fischte. Obwohl die ja wahrscheinlich auch nicht viel helfen würde. Es waren einfach zu viele Menschen unterwegs.
      Wenigstens konnte sie sich mit Richard und Cal von ihrem eigenen Beziehungsdesaster ablenken. Die beiden konnten es unmöglich leichter haben. Richard war ein Held und Caleb war so ziemlich das Gegenteil davon. Wenn es bei ihnen besser laufen würde, als bei ihr und May, würde sie durchdrehen.
      "Hey, wenn du keine Anwältin geworden wärst, welchen Beruf hättest du dann gewollt?", schnitt sie das nächste Thema an, während sie ihren Blick über die tanzende Masse schweifen ließ. Ab und an blieb sie tatsächlich an einzelnen Personen hängen. Ein junges Pärchen, das ziemlich gut miteinander tanzte, eine Frau mit einem unfassbar hübschen Kleid, eine andere mit einer netten Frisur. Leute zu beobachten war immer schon wunderbar interessant gewesen.
      "Oh, siehst du den Typen mit dem grauen Hoodie da unten?", fragte sie, bevor May überhaupt auf ihre vorherige Frage antworten konnte. "Ich glaube, den habe ich beim letzten mal hier auch schon gesehen. Der tanzt ganz gut!" Offensichtlich gut genug, dass er April im Gedächtnis geblieben war. "Und die Maus da drüben hat eine super schöne Jacke."


      Caleb

      "Ich finde die Kombination gut", kommentierte Caleb, während er den geänderten Wunsch geflissentlich ignorierte. "Andere haben dich angebettelt, aber ich bin der einzige, bei dem es zählt." Er zwinkerte ihm kurz zu, bevor er selbst feststellen musste, dass er das irgendwie seltsam ernst meinte. Was...normal war, oder? Man wollte immer die wichtigste Person für sein Date sein, oder? Gott, er wünschte sich wirklich, dass er seine Jugend weniger mit Selbsthass und mehr mit typischen Teenagerromanzen verbracht hätte.
      "Ich gehe nicht auf Sicherheitsabstand", erklärte Caleb mit einem kleinen Lächeln. Wie auch, wenn er so eng mit Richard tanzte und dieses mal zumindest darauf eingestellt war, worum sich der Großteil ihrer Gespräche nach ihrem letzten Date drehen würde? Er war nicht naiv. "Im Gegenteil", fuhr er fort, während er Richard mit sich in die Richtung der Bar zog und sich weiterhin fest vornahm, nichts alkoholisches zu bestellen. Er wollte das alles nicht angetrunken erleben. "Eigentlich teste ich nur, wie weit ich gehen kann, bis du mich aus Frust ins nächste Taxi zerrst. Bis jetzt schlägst du dich überraschend gut." Auch wenn er das Gefühl hatte, dass sie nicht mehr sonderlich lange bleiben würden. Es war klar, in welche Richtung sich der Abend entwickelte, oder bildete er sich das nur ein? Die einzige Frage war, ob sie heimlich abhauten, oder April und May nochmal suchten, um sich zu verabschieden. Auch, wenn das wahrscheinlich viel zu lange dauern würde.
      "Die nächste Runde geht auf mich. Such dir was aus." Für ihn selbst würde es ein Wasser werden, oder Cola. Irgendwas, das dafür sorgte, dass er sich morgen noch an alle Details erinnern könnte. Sich auf allen drei Dates mit Richard zu betrinken wäre so oder so irgendwie ziemlich erbärmlich gewesen, oder?
    • May

      Oh. Dann hatten sie wohl beide die kritische Angewohnheit, sich zu sehr für das Leben anderer Leute zu interessieren. May grinste und sah wieder durch das Geländer hindurch, um mit April gemeinsam die Augen nach ihren Freunden offen zu halten. Und sie waren einer Meinung. "Ich glaube auch nicht. Beziehungen halten sowieso fast nie, Liebe ist wahrscheinlich ein Mythos und Scheidungsanwälte sind nicht grundlos reich", sagte sie. Vielleicht stieg ihr der Alkohol langsam in den Kopf. Normalerweise behielt sie den Pessimismus eher für sich… Obwohl das auch irgendwie nicht stimmte. Was war denn normal? Immer, wenn sie trank, sickerte der Pessimismus aus ihr heraus.
      "Ich hätte… Flugbegleiterin werden sollen", antwortete sie kurzerhand. Nicht, dass das tatsächlich je ein Plan gewesen war, aber der Job hatte was. "Herumfliegen und dafür bezahlt werden und so… Oh, und es würde mir mal was bringen, so groß zu sein. Nicht ständig von Kerlen zu hören, dass ich flache Schuhe anziehen soll wäre sicher auch nett" Sie hatte nie darauf gehört. Warum sollte sie auch mit Männern ausgehen, die ein so fragiles Ego hatten, dass sie nichtmal damit klarkommen, sich mal kurz nicht groß zu fühlen? Aber das war nur wieder ein Beweis, dass es sich einfach nicht mehr lohnte, zu daten. Sowas konnte sie sich wirklich ersparen.
      May folgte mit den Augen der Richtung, in die April zeigte und schmunzelte, als sie die Leute entdeckte, die die Dunkelhaarige ansprach. Es war wirklich ganz lustig, Leute zu beobachten, wenn sie einen selbst nicht sehen konnten. "Pff, der geht mit Hoodie in einen Club und ich werde schief angesehen, weil ich mir eine Bluse anziehe. Doppelstandards?" Zugegeben, May hatte nicht viele Pullover und Hoodies die Alltagstauglich waren. Das waren eher die Klamotten, die man trug, wenn man krank auf dem Sofa vor sich hin rotzte.
      May drehte den Kopf zur Seite und musterte April. Wenn es einen Preis für das beste Outfit des Abends gäbe, würde sie jedenfalls gewinnen. "Wir sollten mal zusammen einkaufen gehen", murmelte May spontan. Langsam hatte sie das Gefühl, ihre Worte ineinander zu ziehen. Aber es ging ihr milliarden Mal besser, als vorhin noch. Das hieß wohl, sie hatte die richtige Taktik gewählt.

      Richard

      "Ich muss nichtmal lügen. Du bist der einzige bei dem es zählt", erwiderte Richard daraufhin. Was nur halb so romantisch klang, wenn man sich daran erinnerte, dass es ums Betteln ging. Zum Glück. Sowas kitschiges würde seine Lippen nie verlassen. "Aus dem Grund werde ich alles dafür tun, es mal zu sehen. Aber es muss authentisch sein. Ich bringe dich dazu, ohne dass du es merkst" Er grinste. Noch besser wäre es, wenn Caleb völlig nüchtern wäre. Was er offensichtlich genauso sah und deshalb nur Cola bestellte. Richard tat es ihm nach, hauptsächlich weil ihm nicht danach war, über Nacht sein Auto hier zu lassen, aber auch, weil er Calebs Betteln mit allen Sinnen wahrnehmen wollte, wenn es heute doch noch dazu kam. Seltsamerweise fühlte er sich mittlerweile jedoch ziemlich geduldig. Wenn es sein musste, konnte er auch noch etwas länger warten. Auf großartige Dinge musste man halt hinarbeiten und Richard ging es allgemein mehr um Qualität, als um Quantität. Die letzten Wochen hatten ihn zumindest soweit trainiert, dass er Caleb definitiv nicht überreden wollte. Das musste er offensichtlich ja auch garnicht mehr. Auch dafür hatte er genügend Beweise, um geduldig zu bleiben.
      Sie drängten sich wieder an der Bar vorbei zu ein paar Sofas und Sesseln in einer Ecke, von denen beinahe alle besetzt waren, also zwängte Richard sich neben Caleb und legte seinen Arm über die Rückenlehne. "Gut, dass du garkeine andere Wahl hast, als dich vom Sicherheitsabstand zu verabschieden", sagte er. "Ich bin mir übrigens sicher, dass May und April zusammen nachhause gehen oder längst gegangen sind, sonst wären sie uns irgendwann nochmal über den Weg gelaufen. Aber genug von den beiden und meinem Wunsch, den ich schon in der Tasche habe. Wie bewertest du unsere drei Probedates?" Vielleicht war es, nachdem die Stimmung ganz gut war, endlich an der Zeit, zu klären, was ihr Ziel war. Richard konnte nicht leugnen, dass es ihn zum ersten Mal in seinem Leben etwas unruhig machte, kein fixes Label für etwas zu kennen. Nicht, wenn er so viel Arbeit in etwas gesteckt hatte. Und für seine Verhältnisse war es viel Arbeit. Er hat sich definitiv noch nie solche Mühe gegeben, es jemand anderem recht zu machen. Und Caleb war auch noch verdammt anspruchsvoll, wenn sie ehrlich waren.
      "Willst du die Probezeit um fünf bis zehn Dates verlängern oder hast du Lust aufs nächste unnötig stressige Gespräch mit deinem Bruder, der sich zu gerne ins Liebesleben anderer Leute einmischt?" Richard lächelte. Ein besserer Code für die 'nächste Stufe' fiel ihm nicht ein. Und die nächste Stufe war wohl… eine feste Beziehung, nicht? Aufwendiger als was sie gerade am Laufen hatten konnte es kaum werden. Es wäre allerdings nett zu wissen, dass sie exklusiv waren. Was… selten eins von Richards Bedürfnissen gewesen war, aber er mochte Caleb genug, um sich nicht für andere zu interessieren und es würde ihn stören, wenn Caleb andere Leute treffen würde.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      "Aww, sag sowas nicht", merkte April mit einem kleinen Schmollen an, als May behauptete, dass Beziehungen eh nie halten würden. Gut, sie selbst hatte jetzt auch kein wirkliches Gegenbeispiel - ihre Eltern waren geschieden und sie selbst war zu sprunghaft für lange Beziehungen - aber irgendwo musste es doch sowas wie wahre Liebe geben, oder? Woran sollte man sonst noch glauben? April hatte halt einfach noch nicht die richtige gefunden und für May gab es bestimmt auch jemanden da draußen. Jemanden, den April wohl finden und umbringen musste, weil sie alleine bei der Vorstellung, May mit jemand anderen flirten zu sehen, schon Neid in sich aufsteigen spürte. Unbegründet, natürlich. Das würde sich schon in den nächsten Tagen legen.
      "Ich glaube, du wärst eine gute Flugbegleiterin geworden. Du hast diese nett-bestimmende Art, bei der man einfach gerne das macht, was du sagst. Wenn sich da zwei Leute um einen Sitz gestritten hätten, hättest du das bestimmt super lösen können." April trank den nächsten Schluck von ihrem Cocktail, der mittlerweile mehr Eis als alles andere war. Sie war sich sicher, dass das alles eine Marketingstrategie war. Je mehr Eis, desto weniger Getränk und desto schneller musste man trinken, wenn man nicht nur kaltes Wasser haben wollte. Aber sich darüber zu beschweren würde nichts bringen. Leider war sie nie auf den Geschmack von Bier gekommen, also hatte sie keine großartigen Ausweichmöglichkeiten, wenn sie sich nicht direkt abschießen wollte.
      "Naja, es ist ein Mann. Für die gibt es immer andere Standards, als für uns. Die haben sich heute bestimmt auch alle nicht geschminkt, oder die Haare aufwendig gestyled." Sie zuckte leicht mit den Schultern. Manche Dinge konnte man leider nicht ändern. "Ich finde deine Bluse toll. Was nicht heißt, dass wir nicht zusammen einkaufen gehen können. Ich brauche sowieso noch was für den Sommer, wenn der sich endlich mal bequemen kann, vorbei zu kommen. Ich wette, dir stehen Blautöne." Sie konnte sich May definitiv in mehr blauen Blazern vorstellen, oder Cremefarben. "Vielleicht sollten wir das einfach machen um zu feiern, dass die Klage fallen gelassen wird."


      Caleb

      "Träum weiter." Caleb lachte kurz, konnte aber nicht behaupten, dass das nicht trotzdem irgendwas mit ihm machte. Was wahrscheinlich bedeutete, dass er absolut durchgedreht war. Wer freue sich bitte schon darüber, dass jemand anderes ihn betteln sehen wollte? Wenn Richard ihm das an Tag 1 gesagt hätte, wäre er wahrscheinlich aufgestanden und gegangen, egal, wie interessant der Stein gewesen war, den er bei sich getragen hatte. Jetzt hatte er so oft übers Betteln geredet, dass es Caleb fast gar nicht mehr so schlimm vorkam. Der Mere-Exposure-Effekt war offenbar im vollen Gange. Furchtbar.
      Caleb folgte Richard zu den mittlerweile gut belegten Sitzen. Dass sie eng zusammen saßen machte ihm weniger aus, als Richard vielleicht meinte. Er hatte nicht gelogen - Caleb brauchte keinen Sicherheitsabstand. Nähe war eigentlich sowieso nie sein Problem gewesen. Die fehlende emotionale Bindung war der Knackpunkt. Aber der hatte sich erledigt, oder? Auch, wenn das immer noch ein Punkt war, der ihn immer mehr verunsicherte, je länger er darüber nachdachte, weil sein Kopf immer noch nicht so ganz zulassen wollte, dass Richard ihn tatsächlich mögen könnte. Also zwang er sich, diese kleine Stimme zu ignorieren, während Richard bereits die nächste große Thematik anschnitt.
      "Er meint es nur gut", verteidigte er Ezra beinahe automatisch. "Du musst selbst zugeben, dass wir nicht unbedingt die idealen Vorgeschichten haben." Und damit meinte er irgendwie alles. Den Fakt, dass eine Beziehung zwischen einem Helden und einem Mitglied einer kriminellen Familie nicht funktionieren könnte, Richards Streit mit Andrew und Ezra, den Fakt, dass ihre erste seltsame Beziehung schon für so viel Aufregung gesorgt hatte. Eigentlich sprach alles gegen sie.
      "Ich hätte so oder so gerne mehr Dates. Normale Dates, keine Probedates. Mit Ezra muss ich so oder so reden." Auch, wenn er das noch so gerne vor sich her schob. Er war sich absolut sicher, dass das jedes bisschen der freundschaftliche Beziehung, die er zu seinem Bruder aufgebaut hatte, vollkommen ruinieren würde. Aber irgendwie wurde das langsam immer weniger schlimm. Er war glücklich, irgendwie. Zählte das nicht?
      "Ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind", fuhr er vorsichtig fort. Egal, wie sehr er versuchte, seinen eigenen Kopf zu ignorieren, ein Teil von ihm erwartete immer noch, dass Richard gleich lachen und ihm erzählen würde, dass das alles nur ein netter Zeitvertreib für ihn war und er kein Interesse an einer festen Beziehung hatte. "Ich hoffe, dass du dir bewusst bist, dass es nicht einfach wird, aber..." Caleb zögerte kurz, während er überlegte, was er überhaupt sagen sollte. Irgendwie hatte er schon alles gesagt, oder? "Ich will diese Beziehung", endete er, was man wahrscheinlich besser hätte formulieren können. Aber das war die Quintessenz aus allem, was ihm durch den Kopf ging. Er hoffte nur, dass er damit nicht alleine war.
    • May

      "Ich wäre eine verdammt gute Flugbegleiterin geworden", unterstrich May nochmal lautstark und ließ sich demonstrativ gegen die Sofalehne fallen, mit einem schmollendem Gesichtsausdruck und dem Strohhalm zwischen den Lippen. Sollte sie noch schnell einen Karrierewechsel machen? Vielleicht war das ja das Problem, sie hatte eines Tages einen falschen Schritt gemacht und deshalb konnte sie nicht mehr glücklich werden! Ein falscher Schritt und alles war nurnoch eine deprimierende Enttäuschung. Ihre Fälle waren deprimierend, die Welt war ein grauenvoller Ort und allermeistens waren Männer daran Schuld. Sowohl an ihren grauenvollen Fällen, als auch an allem anderen, das sie enttäuschte. Außer ihre Mutter! Die war eine Frau aber genauso enttäuschend!
      May nickte, als April die neue Art zu feiern vorschlug. "Blau. Du musst mir haufenweise freizügige Kleider und so… Shirts mit fettem Ausschnitt aussuchen, damit ich einen neuen Lebensweg einschlagen und glücklich werden kann", stimmte sie zu. April würde schon verstehen, was sie damit meinte. Sie schien sie sowieso viel besser als alle anderen zu verstehen! Vielleicht musste May einfach werden, wie April. Einen Monat zurückgehen. Sie kicherte auf den Gedanken hin.
      Sie wandte der Dunkelhaarigen den Blick zu. "Keine Sorge April", sagte sie ernst, auch wenn die Worte nicht ganz über ihre Lippen rollen wurden und eher hängen blieben und sich vermischten. "Ich gewinn deinen Fall mit links! Ich mach die alle fertig und dann gewinnst du… wir, und du kannst mit mir einkaufen gehen und Urlaub machen" Sie hob eine Hand, um sich ein High Five abzuholen. "Absolut versprochen"

      Richard

      "Völlig irrelevant", betonte Richard erneut, als Caleb schon wieder anfing, Ezra und seine psychotische Art zu verteidigen. "Vorgeschichte hin oder her, er hat selbst ein heftiges Vorstrafenregister und wenn irgendjemand nicht zusammenkommen hätte sollen, dann Andrew und Ezra, und nicht wir. Er soll den Ball mal flach halten und sich um sich selbst sorgen. Wenn ihm so vollkommen egal ist, was du willst, sollte dir auch egal sein, was er will" Und dabei blieb Richard. Er verstand den persönlichen Hass, den Ezra gegen ihn pflegte, und er konnte Ezra auch nicht leiden, aber es sprach nicht unbedingt für ihn, dass er seinem Bruder derartigen Druck machte. Das war genau, was Richard von Familie erwartete. Immer steckten sie ihre Nasen in die falschen Angelegenheiten. Hoffentlich sah Caleb das bald und zog eine Grenze. Und dieser ganze Scheiß motivierte ihn nur noch mehr, Caleb an sich zu binden und dem Rest der Welt einen Mittelfinger zu schenken.
      Er musste kurz lachen. "Was ist überhaupt jemals einfach? Sowas gibt's nicht", sagte er. "Obwohl ich es garnicht so schwer finde, einfach auf Dates mit dir zu gehen und die Zeit zu genießen. Du machst es dir aktiv schwerer, indem du dich vor anderen rechtfertigst" Er schmunzelte. Rechtfertigung war einfach eine schlechte Angewohnheit, die man verlernen musste. Das Leben wurde danach deutlich netter.
      "Vielleicht solltest du mehr so werden wie ich", überlegte Richard grinsend. "Willst du einen Crashkurs machen?"
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      Das klang irgendwie nicht nach May. April drehte sich etwas besorgt zu der Brünetten, bevor sie realisierte, dass ihre Freundin zum Glück nicht in einer kompletten Lebenskrise gefangen, sondern einfach nur langsam etwas betrunken war - und in einer Lebenskrise steckte. Was etwas erträglicher war, als nüchtern zu verzweifeln, wahrscheinlich. Sorge wich einem kleinen Lächeln, während sie in Mays High Five einschlug, um das Unglück nicht noch schlimmer zu machen. Irgendwie hatte sie erwartet, dass die Anwältin mehr aushalten würde, aber offenbar war sie eher ein 'ich bekämpfe das Schlechte, was ich jeden Tag sehe mit Sport und einem guten Mindset' Mensch, als ein 'Ich betrinke mich nach Feierabend um meinen Arbeitstag zu vergessen' Anwalt.
      "Wir finden zusammen schon irgendwas, was zu dir passt", versprach sie. Das Ende mit dem Urlaub war neu, aber darauf wollte sie nicht weiter eingehen. Entweder würde sich May morgen sowieso nicht dran erinnern, dass sie es gesagt hatte, oder es super peinlich finden, also wollte April nicht noch Öl ins Feuer gießen. Auch, wenn es eigentlich eine echt nette Idee war. May im Bikini musste wirklich ein hübscher Anblick sein.
      "Sollen wir uns gleich nochmal ein Wasser holen?", fragte sie über den Lärm hinweg. Vielleicht wäre das ganz gut, bevor May sich vollkommen abschießen würde. Sie hatte kein Problem damit, aufzupassen, dass sie nicht mit irgendjemanden mitgehen würde, oder so - war ja nicht das erste mal, dass sie mit Betrunkenen unterwegs war - aber sie hatte keine Ahnung, wo May wohnte, keine Chance, Richard nochmal zu finden, der es wissen könnte und die vage Vermutung, dass Cal sie mittlerweile blockiert hatte. May wollte bestimmt nicht bei ihr im Hotel enden. Sie hatte nicht mal ein Sofa, das sie ihr anbieten könnte.
      "Es wird sowieso langsam spät, oder?", schob sie hinterher, bevor May auf die Idee kommen würde, sich nach dem Wasser den nächsten Drink reinzuziehen. "Wir sollten nicht mehr so lange bleiben."


      Caleb

      Caleb öffnete den Mund und schloss ihn wieder, ohne was gesagt zu haben, als Richard direkt weiter gehen Ezra hetzte. Nein. Das war kein Diskussionsthema für heute. Nicht, wenn sie mitten in einem Club saßen und er gerade erst ernsthaft beschlossen hatte, der Beziehung eine Chance zu geben. Er verstand Ezra und das war das Schlimme daran. Wenn Caleb denken würde, dass Andrew seinem Bruder nicht gut tat, hätte er wahrscheinlich auch direkt etwas gesagt. Ezra wollte ihm helfen. Er konnte nur nicht zwischen seiner persönlichen Abneigung gegenüber Richard und Richard als Person unterscheiden. Aber wie sollte man das jemandem erklären, der sich für das Maß aller Dinge hielt?
      "Nein danke. Ich bin fasziniert von allem, was bei dir falschgelaufen ist, aber ich muss es nicht zwingend kopieren." Caleb lächelte schwach. Rechtfertigte er sich wirklich so oft vor anderen, dass es auffiel? Er selbst bemerkte das offensichtlich nicht mehr. Aber es war schwer sich nicht zu erklären, wenn man so dringend wollte, dass das Gegenüber einen verstand. Wenigstens schienen Richard die Dates nicht unangenehm zu sein. Das war die Hauptsache. Caleb verbrachte viel zu gerne Zeit mit ihm um ihre Beziehung wieder stupide auf Sex zu reduzieren. Caleb war sich absolut sicher, dass er heute Nacht nicht alleine ins Bett gehen würde, aber es war mittlerweile irrelevant, ob er mit oder neben Richard schlafen würde, solange er ihn einfach noch etwas länger um sich hatte. Wer hätte gedacht, dass Beziehungen so seltsam süchtig machen können?
      "Was steht nächste Woche alles bei dir an?", fragte er, während er sich ein wenig schräger hinsetzte, um sich besser unterhalten zu können und sich dazu hinreißen ließ, eines sein Bein über Richards Knie zu haken. "Denkst du, du kannst mich irgendwo zwischenquetschen? Es muss kein Date sein, aber ich will dich wenigsten zwischendurch sehen." Er brauchte das, irgendwie. Dieses kleine Hoch in der Woche, das ihn davor bewahrte, wieder in deutlich dunklere Gedanken abzurutschen. So schräg es auch war, genau das bei jemandem wie Richard gefunden zu haben.
      "Oder muss ich dafür zukünftig auch betteln?" Er grinste leicht, als er sie wieder zu Richards Lieblingsthema zurückbrachte.
    • May

      "Ich glaube, ich brauche eher noch einen von diesen… Island Teas", widersprach sie. Sie fühlte sich gut, das wollte sie nicht mit Wasser ruinieren oder indem sie nicht nachschenkte. Der Gedanke, dass sie April zur Last fallen könnte, hatte sich in die hinterste Ecke ihres Bewusstseins zurückgezogen. Wenn sie sich gut fühlte, musste April doch auch Spaß haben, oder? Sie war so gut drauf gewesen und May konnte endlich aufhören, ihre gute Laune zu zerstören!
      Dass April aber entgegen Mays Wahrnehmung plötzlich meinte, es wäre Zeit, nachhause zu gehen, schockte sie fast. Sie sah April auf einmal besorgt an. Sie wollte nicht nachhause. Oder, sie wollte nicht alleine nachhause. Zuhause war es leer und einsam und dunkel. Zumindest in ihrer vernebelten Erinnerung.
      "Können wir nicht noch etwas bleiben?", fragte sie leicht deprimiert. Sie wollte April nicht überreden, aber… sie wollte einfach nicht, dass sie sich wieder trennen mussten. "Oder willst du mitkommen? Zu mir nachhause?", fragte sie anschließend. Das schien die beste Lösung, oder? April hatte keine Lust mehr auf den Club und May wollte nicht weg von April. Sie lehnte sich zu April und legte ihr den Kopf auf die Schulter. "Ich will noch nicht zurück", murmelte sie leise. Zurück in die Realität meinte sie damit wohl. Sie wollte lieber noch ein bisschen auf ihrer kleinen Wolke herumschweben.

      Richard

      Richard lächelte glücklich. "Du bist komplett verrückt nach mir", sagte er. Das war nur ein Fakt, der ausgesprochen werden wollte. "Ich bin die erste Hälfte der Woche hauptsächlich bei MLO, Donnerstag, Freitag im Dezernat und wenn ich keine Überstunden machen will, mache ich keine. Irgendwo kann ich dich schon reinquetschen. Nachtschichten habe ich jedenfalls keine" Er zwinkerte und strich mit der Hand über Calebs Bein, das er über Richards Knie geschlagen hatte und definitiv als Flirt gemeint war. Als was sonst? Sicherlich nicht als Ausdruck des Platzmangels.
      "Aber ich hab nichts gegen ein kleines 'Bitte' und vielleicht hilft es sogar, wenn du im stärksten Akzent den du hast, mal kurz irgendwas super nettes zu mir sagst", fügte er grinsend hinzu. Sie konnten ja so langsam zum Betteln hinarbeiten, bis es Caleb völlig normal vorkam. "Du wirst nie wissen, wie weit du mich mit ein paar netten Worten bringen kannst, wenn du es nicht versuchst" Und das hätte Richard vielleicht für sich behalten sollen, weil es ihn selbst schockierte, aber er wollte eben unbedingt von Caleb angehimmelt werden. Vielleicht gerade weil Caleb sich so wehrte. Es war noch viel schöner, solche Dinge von jemandem zu hören, der normalerweise lieber mit zynischen Beleidigungen um sich warf.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • April

      "Ähm..." April fühlte sich mit einem mal hoffnungslos überfordert. Sie hatte sich schon um betrunkene Freunde gekümmert, ja, aber meistens war das deutlich später am Abend gewesen, wenn sie selbst schon deutlich mehr getrunken hatte und alle den Status erreicht hatten, wo man nur noch 'Jaja' sagte und seinen Freunden einfach überall hin folgte, weil man sich eh nicht mehr koordinieren konnte. Dass ihr jemand so mitleidig Widerworte gab wie May, war ihr neu. Zumal sie selbst das starke Verlangen danach hatte, einfach alles zu tun, was May von ihr verlangte.
      "Wir müssen ja nicht sofort gehen?", lenkte sie unsicher ein, während sie mit ihrem Cocktailglas spielte und dann kurz einfrohr, als May anbot, dass sie einfach mit zu ihr könnte. Bei jeder anderen Person hätte sie wahrscheinlich direkt zugesagt und gesehen, wohin sie der Abend brachte, aber May war...immer noch ihre Anwältin, hatte ihr bereits gesagt, dass sie nicht mehr als Freundschaft wollte und würde sich morgen wahrscheinlich komisch vorkommen, wenn April auf ihrem Sofa schlafen würde. Obwohl das sicherlich eine gute Story für kleine FunFact-Runden geben würde.
      "Ich...werde auf jeden Fall sichergehen, dass du nachher gut nach Hause kommst, okay, Maiblümchen?" Das war irgendwie ein Kompromiss, oder? Und wenigstens meinte sie das genau so, wie sie es sagte - sie würde nicht selbst nach Hause gehen, bevor sie Mays Wohnungstür sicher hinter ihr zufallen gesehen hatte. Selbst, wenn May jetzt noch stundenlang durchfeiern wollte. Ugh. Sie hasste es, diejenige zu sein, die die ganze Verantwortung trug. Aber sich jetzt auch noch schnell zu betrinken wäre ein ziemlich unfairer Move, oder? Vor allem jetzt, wo May so niedlich ihren Kopf gegen Aprils Schulter lehnte. Warum musste sie so unbedingt hetero sein?
      "Wir können ja ein taktischen Zwischenwasser einschieben und dann schauen wir, ob wir nochmal einen Long Island für dich finden." Hoffentlich war May zu dem Zeitpunkt schon zu müde, um sich nochmal an die Bar zu stellen und würde dem Vorschlag, nach Hause zu gehen eher zustimmen.


      Caleb

      Irgendwie war ihm das Urlaubsthema ihrer letzten Dates lieber gewesen. Obwohl es tatsächlich irgendwie unterhaltsam war, das Betteln so lange durchzuquatschen, bis es fast seine Bedeutung verlor. Außerdem ein wenig erschreckend, wie wenig ihn das von dieser Beziehung abhielt, auch wenn es eigentlich absolut nicht seine Art war. Aber...wenn Richard ihn schon aushielt, könnte er ihm vielleicht etwas entgegenkommen? Er müsste nur irgendwie lernen, die leichte Scham zu ignorieren, die immer in ihm aufstieg, wenn er sich vorstellte zu betteln. Er hatte das schonmal geschafft, nicht? Das Problem war nur, dass er beim letzten mal gedacht hatte, dass ihre kleine Affäre weitaus unkomplizierter länger halten würde und ihm war sofort das Gegenteil bewiesen worden. Das hier war anders, irgendwie. Wahrscheinlich sollte er es wirklich einfach nicht so ernst sehen.
      Caleb musste ein wenig lächeln, während er sich wieder an Richards Ohr heran neigte und sich mit einer Hand an seiner Schulter abstützte. Was insgesamt langsam ein wenig ungemütlich wurde, aber er wollte ihm nicht direkt auf den Schoß rutschen. Außerdem fühlte sich Richards Hand an seinem Oberschenkel wieder viel zu gut an.
      "Du bist kein so großes Arschloch, wie alle denken", raunte er ihm ins Ohr, was wahrscheinlich nicht unbedingt das Kompliment war, das Richard sich erhofft hatte, aber das war ihm relativ egal. Alles andere würde sein Ego für den Rest des Abends wahrscheinlich unausstehlich machen. "Und ich fänd es unfassbar liebenswürdig, wenn du bitte zwischendurch etwas Zeit für mich finden würdest." Er lehnte sich in seinen Akzent, auch wenn er das britische in den letzten Wochen so gewohnt war, dass er es fast automatisch kopierte. Fast schon ein bisschen traurig.
      "Wenn nicht die Woche, dann vielleicht heute Abend?", schob er fragend hinterher. Vielleicht hatte Richard irgendwie recht, auch, wenn Caleb das nie laut aussprechen würde - er war ein bisschen verrückt nach ihm.
    • Richard

      Das war nicht das Kompliment, für das Caleb es hielt. Aber als Beleidigung wäre es auch zu schwach, denn alle, die Richard für ein Arschloch hielten, waren für ihn nicht von geringster Bedeutung, und Caleb so nah an seinem Ohr war definitiv das interessantere an der Sache. Er hatte wie immer nicht wirklich damit gerechnet, das Caleb irgendetwas von dem tat, was er ihm vorschlug, aber sie gingen ganz offensichtlich in die richtige Richtung und Richards Gänsehaut sprach dafür. Ugh, wie schnell man doch auf die kleinsten Dinge ansprang, wenn man auf Entzug war. Und ja, die paar Wochen ohne großflächigen Körperkontakt mit Caleb fühlten sich langsam nach Entzug an.
      Richard biss die Zähne zusammen, als Caleb ihm seine Bitte ins Ohr murmelte und hinzufügte, ob sie den Abend noch zusammen verbringen konnten. Die Worte kneteten sein Gehirn gerade durch und es fühlte sich gut an. Es brauchte eine unmenge an Willenskraft, nicht auszuflippen und Caleb wirklich ins Auto zu zerren, wie er es vorhergesagt hatte. Nein, nein, Richard würde ganz zivilisiert mit ihm nach draußen gehen, wann immer er dazu bereit war. Am besten jetzt. Oder… in fünf bis zehn Minuten.
      „Ich mochte dich noch nie so sehr wie jetzt gerade“, murmelte er und starrte Caleb einen Moment lang an. „Und ich will noch kurz sagen… dass das einzig und allein deine Idee und Bitte war und das dritte Date damit quasi beendet ist, ich mich an deine Regeln gehalten habe und du wirklich, wirklich auf mich stehst. Also dann, zu mir oder zu dir?“
      Das musste er dringend loswerden. Und ihm war völlig egal, ob sie zu Caleb, zu ihm oder ins nächste Motel fahren würden — sogar im Auto übernachten konnten sie — die Hauptsache war, dass ihre Beziehung endlich wieder halbwegs normal wurde, sofern sie das sein konnte. Sie waren beide nicht völlig normal und ihre Beziehung war alles andere, aber sie mussten zurück zu ihrer Normalität. Wo keiner um den anderen herumtänzeln musste und sich wieder alles wundervoll natürlich anfühlte, wie Richard nie vermutet hätte, dass er sich in der Gegenwart einer anderen Person fühlen konnte. Zu dieser Normalität wollte er zurück. Und außerdem konnte er Caleb gerade kaum mehr ansehen, ohne ihn auf der Stelle ausziehen zu wollen. Er sah gut aus, aber seinen ganzen Körper ansehen und abfühlen zu können, war schon fast ein Kunstwerk. Eines, das verschlungen werden wollte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦