The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      Oh. Hoffentlich war Richard heute auf die ein oder andere Enttäuschung eingestellt. Caleb bemühte sich um ein neutrales Lächeln, als er über Schlaf redete. Vielleicht war es Zeit sich doch um seinen absolut katastrophalen Schlafrythmus zu kümmern, bevor Richard ihm einen Vortrag darüber halten würde. Falls er nicht doch wieder ein Auge zudrücken und es Caleb durchgehen lassen würde. Er schlief ja im Endeffekt auch genug, halt nur irgendwie nicht gut, oder durchgehend, aber lief das nicht am Ende irgendwie auf das Selbe hinaus? Er konnte sich irgendwie nicht daran erinnern, wann er das letzte mal wirklich erholt aufgewacht war.
      Die Rückfrage nach seinen eigenen Freunden war nicht weniger deprimierend. Caleb schüttelte kurz den Kopf und überlegte, einfach über das Thema hinweg zu gehen und es dabei zu belassen, bevor er realisierte, dass das auf lange Sicht nichts bringen würde, wenn diese Beziehung wirklich langfristig halten sollte.
      "Ich hab nicht wirklich viele Freunde", antwortete er. "Ich bin eigentlich nicht sonderlich gut darin, Kontakt zu halten." Irgendwann kam immer der Punkt, an dem er sich entweder selbst einredete, dass die andere Person ihn eigentlich gar nicht leiden konnte und nur nett sein wollte, oder er rutschte in seinen nächsten depressiven Schub und war einfach unfähig, auf Nachrichten und Anrufe zu reagieren, was anderen Menschen meist mehr Geduld abverlangte, als sie hatten.
      "Die meisten Leute, mit denen ich regelmäßig im Kontakt stehe sind die, die irgendwas von mir brauchen. Entweder hoffen sie, dass ich bei meinen Eltern ein gutes Wort für sie einlege, oder sie wollen wissen, was ein Stein kann, den sie zufällig irgendwo gefunden haben. Ich verbringe die meiste Zeit eigentlich mit meiner Schwester und ihrer Familie." Wobei er ab und an vermutete, dass Niamh ihn auch nur aushielt weil sie Angst hatte, dass er sich tatsächlich irgendwann aus dem nächstbesten Fenster werfen würde, wenn sie ihn nicht regelmäßig aus seiner Wohnung herauszerrte.
      "Die Nudeln schmecken wirklich gut. Vielleicht habe ich das Kochen auf deiner 'Pro-und-keine-Contra'-Liste doch unterschätzt."
    • Richard

      Das war traurig. Der Satz ‚Ich habe nicht viele Freunde‘ war für sich allene nicht schlimm, aber der Zusatz… Würde man jemanden, der einen aus bestimmten Gründen um sich behielt und ausnutzte überhaupt als Freund bezeichnen? Richard suchte sich auch gerne Menschen für seine Kreise, die ihm weiterhelfen konnten durch gewisse Positionen oder Skills, aber als Freunde würde er sie auch nicht bezeichnen. Auf der anderen Seite wollte oder brauchte man ja immer etwas von anderen, sonst würde man sich nicht mit ihnen abgeben. Selbst, wenn es nur Gesellschaft war. Oder eine Ausrede, um sich in einer Bar zu betrinken.
      „Du bist gut darin, mit mir Kontakt zu halten“, kommentierte Richard also einfach. Weil es stimmte. Klar, sie sahen sich sehr sporadisch weil sie beide beschäftigt waren und Caleb nur seinen 2. Wohnsitz hier hatte, aber beides wären schon Gründe, um sich nie wieder zu sehen, wenn man sich nicht drum kümmerte. Caleb schrieb ihm aber und sie trafen sich relativ regelmäßig, und Richard hatte nicht die Sorge, dass es dem Blonden plötzlich zu anstrengend wurde. Und wenn doch, musste Richard wohl einfach ohne Ankündigung bei ihm auftauchen.
      „Vielleicht brauchst du ja auch einfach eine gute Motivation, um Kontakt zu halten. Ich frag mich, was wohl die Motivation bei mir ist“, grinste er. Er war sich sicher zu wissen, was die Motivation war.
      „Und wenn du schon dabei bist, dir das zu überlegen… was steht auf der Pro und Contra Liste? Erzähl“ Er griff nach dem Weinglas, um einen Schluck zu trinken und zog fragend die Augenbrauen hoch. Was auf der Contra Liste stand, konnte er sich nach der Sache im Krankhaus selbst denken, aber Richard würde gerne hören, was Caleb an ihm mochte, abseits von den ganz offensichtlichen Dingen. Und wenn es nur die ganz offensichtlichen Dinge waren, war es dennoch nett zu hören.
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    • Caleb

      "Ich muss nicht dreimal darüber nachdenken, was ich dir sagen oder schreiben soll. Deshalb fällt es mir so leicht, dir zu antworten", begann Caleb mit einem leichten Lächeln. Er war die ganze Pro und Contra Sache in den letzten Tagen viel zu oft durchgegangen, als er versuchte hatte, irgendwie rational an die ganze Beziehung heranzutreten und alles abzuwägen, bevor er Ezra und Andrew davon erzählen wollte. Was er definitiv vorhatte und wirklich nicht mehr vor sich herschieben sollte, aber sich das noch öfter ins Gedächtnis zu rufen, half wahrscheinlich auch nicht mehr.
      "Außerdem kannst du offensichtlich tatsächlich kochen und du kannst überraschend nett sein, wenn du willst, auch, wenn das offensichtlich nicht so oft der Fall ist." Auch wenn Cal das eigentlich ziemlich egal sein konnte - bei ihm schien Richard sich zumindest Mühe zu geben und das war doch eigentlich, was zählte, oder? "Außerdem habe ich das Gefühl, dass wir uns...ähnlich sind. Irgendwie." Er zuckte kurz mit den Schultern, bevor er einen Schluck Wein trank.
      "Auf der anderen Seite", fuhr er mit einem deutlich amüsierteren Lächeln fort, "kannst du auch ein ziemliches Arschloch sein und die Sache mit Ezra und Andrew löst sich leider auch nicht einfach in Luft auf." Es gab zugegebenermaßen noch deutlich mehr Punkte auf der Liste, aber die würde Caleb wahrscheinlich mit ins Grab nehmen. Er konnte wirklich darauf verzichten, Richards Ego weiter zu pushen, indem er versuchte ihm irgendwie zu erklären, dass er sich in seiner Nähe einfach wohl und seltsam verstanden fühlte, oder erneut eine Diskussion über seine Geschwister vom Zaun zu brechen.
      "Was ich immer noch nicht einordnen kann ist der Akzent." Er stützte seinen Kopf erneut auf seine Hand und sah Richard an, als ob er nicht so richtig wüsste, was er mit ihm anfangen sollte. "Britisch hat was, lässt dich aber manchmal so klingen, als ob du dich für was Besseres halten würdest. Tust du wahrscheinlich auch, aber das muss man dir ja nicht anhören." Er grinste kurz, bevor die nächste Ladung Nudeln in seinem Mund verschwand.
    • Richard

      „Ich bin immer nett, wenn mein Gegenüber es sich verdient hat. Und die meisten Leute schaffen es halt mich innerhalb einer Millisekunde wütend zu machen“, rechtfertigte Richard sich. Er war nicht unfreundlich. Nicht immer. Er sagte die Dinge halt gerne so, wie sie waren. Wem schuldete er gefälschte Nettigkeit? Die meisten Menschen schienen es sich ja zur Lebensaufgabe zu machen, ihm auf die Nerven zu gehen. Und was noch anstrengender war, waren diejenigen, die sofort eingeschüchtert waren. Für sich selbst einzustehen war anscheinend eine Kunst. Caleb, der ihm gegen redete, war ihm deutlich lieber. Auch wenn Richard ihn verärgert schlecht ernst nehmen konnte. Vielleicht war das auch ein Grund, wieso er ihn so gerne aushielt — es war immer amüsant und machte ihm bessere Laune, Caleb anzusehen und zuzuhören.
      Ew. Was war das? Das klang fast als wäre er verknallt. Er mochte Cal sehr, aber das Gefühl war ein bisschen widerlich.
      Caleb lenkte ihn mit seiner Themen Achterbahn zum Glück sofort davon ab. Schon wieder Voldemort. Sein Akzent??
      „Du meinst natürlich, es ist absolut charmant. Und ich würde in deinem irischen Akzent auch nicht weniger klingen, als wäre ich was Besseres. Tatsachen lassen sich nicht so leicht verstecken“ Er lächelte. „Du balancierst dafür zwischen Nervtötend und Niedlich. Manche Worte sprichst du so eigenartig aus, dass es mich fast vom Gespräch ablenkt. Und dann sagst du sowas wie ‚Zeit‘ und ich könnte dich küssen“ Richard runzelte sofort für eine Sekunde die Stirn, als er sich selbst zuhörte, und ließ es dann aber einfach so stehen. Ihn selbst machte das zwar wahnsinnig, aber Caleb schien manchmal ein bisschen Bestätigung zu brauchen, dass Richard ihn tatsächlich leiden konnte.
      „Jedenfalls solltest du von allen Menschen keinen Akzente-Krieg starten“, endete er. „Bist du nicht oft genug in London, um dich langsam an den Akzent zu gewöhnen?“
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    • Caleb

      "Ich würde dich nicht aufhalten." Caleb lächelte leicht. Irgendwie war das seltsam...niedlich. Die Nervosität, die er auf dem Weg hier hin gespürt hatte, war mittlerweile vollkommen verflogen. Es lief gut, oder? Er hatte wirklich fast das Gefühl, einfach Zeit mit einem Freund zu verbringen, was irgendwie die Grundlage für jede funktionierende Beziehung war, soweit er das einschätzen konnte. Irgendwie kam ihm die Unterhaltung auch deutlich einfacher vor, als auf ihrem ersten Date. Es war wirklich angenehm, das größte Problem zwischen ihnen einfach auszublenden.
      "Ich will mich gar nicht dran gewöhnen. Dann wäre es ja nichts besonderes mehr und mir würde ein potentieller Punkt für die Pro-Liste fehlen. Vielleicht trenne ich es auch auf. Akzent auf die Pro-Seine und die Bestätigung, dass du dich für was Besseres hältst auf die Con-Seite." Darauf würde es wahrscheinlich sowieso nicht mehr ankommen. Richards etwas zu gesundes Ego war er mittlerweile eh gewöhnt, aber solange er sich dabei auf bloße Behauptungen stützte war Caleb das relativ egal. Bisher war es ja zumindest noch nicht dazu gekommen, dass Richard ihn irgendwie spüren gelassen hatte, dass er sich wirklich für was Besseres hielt.
      "Hattest du als Kind Haustiere?", fragte er weiter, um das Gespräch am Laufen zu halten. "Nicht, dass das für die Liste relevant wäre. Gut, ein bisschen vielleicht", scherzte er. Ob Richard das alles auch so logisch durchgegangen war, wie er? Oder hatte er einfach entschieden, dass der ganze Aufwand es wert war, um ihn ins Bett zu bekommen und dann nicht weiter darüber nachgedacht? Wahrscheinlich letzteres. Richard hatte immerhin keine Stimmen von außen, die ihm irgendwie ins Gewissen redeten. Wenn Caleb ihm irgendwann zu viel werden sollte, konnte er Schluss machen, ohne sich vor jemanden rechtfertigen zu müssen und konnte sich danach fröhlich mit seinen Kollegen betrinken.
    • Richard

      Richard schmunzelte. Das war keine Einladung gewesen, oder? In jedem anderen Szenario hätte er es als solche verstanden. Aber das war wahrscheinlich eher eine Zukunftspläne-Angelegenheit. Wenn er Caleb in Zukunft, also nach dem drölften Date küssen wollte, sollte er es tun. Klar. Nicht jetzt. Oder? Quatsch, jetzt mussten sie sowie mal essen.
      „Tu dir keinen Zwang an, aber dir fallen sicher noch andere Pro-Punkte ein, und wenn nicht, dann geb ich dir ein paar Ideen“, meinte er und widmete sich wieder der Pasta auf seinem Teller. Sie war wirklich gut gelungen. Nichts, wofür man sich schämen musste. Kochen war ein solider Punkt auf der Liste. Warum beschäftigte ihn die Liste jetzt so sehr? Wenn Caleb nur das im Kopf hatte, was er gerade ausgesprochen hatte, war es eine ziemlich knappe 50/50 Angelegenheit, oder?? Richard war ein guter Fang! Wenn er jemanden mochte, fiel die gaze Unhöflichkeit auch weg, und dann gab es eigentlich keine Contra Punkte mehr! Außer man war jemand, der komische, bescheuerte Ansprüche hatte, und dann gab es keine Liste, weil Richard die Person auch nicht wollte.
      Richard hob den Blick und zog die Augenbrauen zusammen. „Nein? Pack das nicht auf die blöde Liste“, sagte er. „Oh, außer du zählst den dämlichen Miniatur-Hund, den meine Mutter irgendwann hatte. Kein Chihuahua, sondern so ein… wie heißen die Viecher? …Zwergspitz. Ich will nicht sagen, dass die nicht süß aussehen, irgendwie, aber dieses Keifen war aus der Hölle und wenn der Hund besser behandelt wird als du — und ich rede von… Friseur, Maniküre, weiß der Geier was — dann entwickelt man automatisch einen kleinen Hass. Das war auch nicht mein Haustier. Wenn dann mein dämonischer Bruder“ Und damit endete die Hassrede auch wieder. Süß war er ja irgendwie gewesen, oder zumindest hatte Richard mehr für Rattenhunde übrig seit er Caleb kannte, aber nie im Leben hätte er den als sein Haustier bezeichnet oder würde sich in den nächsten fünfzig Jahren dazu herablassen, sowas in seine Wohnung zu lassen.
      „Und du? Ne Katze oder sowas? Ich bin ehrlich, ich bin kein riesiger Fan von Haustieren. Ich bin eigentlich ganz glücklich, ohne dass mir irgendwer auf den Teppich kotzt“
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    • Caleb

      "Ich weiß nicht, warum, aber ich habe das komische Gefühl, dass sich deine Ideen für Pro-Punkte nicht mit meinen Ideen für Pro-Punkte überschneiden würden." Obwohl sich Caleb fast ein bisschen schlecht dabei vorkam, Richard die Chance zu nehmen, nochmal aufzuzählen, wie toll er war. Das schien irgendwie sein Hobby zu sein. Mittlerweile konnte er die Liste fast mit aufzählen, aber ein guter Job, oder ein teures Auto waren irgendwie nichts, was Caleb bei einem Partner wirklich beeindrucken würde. Er hätte ihm auch noch eine Chance gegeben, wenn Richard überzeugter Fahrradfahrer wäre.
      "Nein, bei mir war es das Gegenteil. Ich wollte immer einen Hund und habe stattdessen zwei jüngere Geschwister bekommen. Mehr Aufwand, dafür aber weniger niedlich. Am Ende hat es mir nur mehr Respekt vor meiner älteren Schwester gebracht." Caleb zuckte kurz mit den Schultern. Wahrscheinlich war es besser so. Nachdem seine Eltern ihm erfolgreich einen Großteil der Betreuung von Ezra und Molly zugeschoben hatten, wäre er wahrscheinlich durchgedreht, wenn er sich nebenbei noch um einen Hund hätte kümmern müssen. Zumal Lebewesen, für die er zuständig war, historisch betrachtet eher selten ein schönes Leben hatten und er sich so wahrscheinlich nur ein weiteres Trauma gespart hatte.
      "Bei Tieren wäre ich nachsichtiger. Die wissen sich immerhin nicht zu helfen. Geschwister schauen einen lächelnd an, während sie die letzten Seiten aus deinen Büchern reißen und sie dir erst wieder zurück geben, wenn man tut, was sie wollen." Was zum Glück nachgelassen hatte, als Ezra seine Liebe für Bücher entdeckt hatte, aber bis dahin waren ein paar quälende Jahre ins Land gegangen. Außerdem waren seine Geschwister verdammt gut darin gewesen, einfach andere Wege zu finden, um ihm auf die Nerven zu gehen.
      "Bist du dir sicher, dass der Hund der dämonische Bruder war? Ich meine, so ein Zwergspitz ist echt süß und du bist...du." Er grinste Richard kurz amüsiert entgegen. Wenn er ihm schon so eine wundervolle Vorlage gab, wollte er sie auch nutzen, nicht?
    • Richard

      Wow, da wurde nochmal dankbarer keine Geschwister zu haben. Allerdings hatte Richard seine ganze Kindheit über genug zu stemmen gehabt, um keine Zeit zu haben, sich noch Geschwister zu wünschen. Obwohl ein bisschen was von der Aufmerksamkeit dann vielleicht von ihm abgefallen wäre, aber schlimmstenfalls hätte er noch so eine Höllenbrut gehabt, mit der er sich auseinandersetzen musste.
      „Klingt traumhaft“, kommentierte Richard sarkastisch. „Das ist übrigens nur ein weiterer Grund, warum ich absolut nicht mit Kindern kann“ War das jetzt wieder Contra Punkt? Caleb kam ihm zumindest nicht wie jemand vor, der darauf hinsteuerte, sich für den Rest seines Lebens um jemanden kümmern zu müssen.
      Richard sah Caleb mit einem provokanten Grinsen an. „Ich bin ich? Ich meine, ich bringe dich gern zu noch ein paar Sünden, wenn du es drauf anlegst“, sagte er. Waren Dämonen nicht normalerweise auch heiß, damit sie Menschen zu Zeug motivieren konnten? Ach, er sah es als Kompliment. Dass er kein Engel war, war ihm schon lange bewusst gewesen, so heldenhaft seine Jobs auch sein wollten.
      Richard drehte die letzten paar Nudeln auf seine Gabel, bevor er das Besteck auf den Teller legte und mit dem Wein nachspülte. Dem wirklich, wirklich guten Wein, der sich gleich auf den Couchtisch zubewegen würde.
      „Hey, ich kann dir nachher noch eine wirklich gute Schokolade anbieten, mit Himbeeren oder sowas in der Mitte, ich hab nicht so genau nachgelesen“, schlug er langsam vor. Schokolade, weil sie anscheinend anturnend oder so wirkte, und wenn Caleb den ersten Schritt machte, konnte er ihm ja nichts verübeln. Hauptsächlich wollte er das Date aber so lange ziehen wie es ging und so komfortabel machen wie es ging. Das hieß, jedes Dessert, das man ohne Teller essen konnte, war das richtige. Und je länger sie neben den Gesprächen mit Essen und Wein beschäftigt waren, desto mehr konnten sie die unbeschäftigte Phase hinauszögern, die danach kam, und meistens dazu führte, das man sich langsam auf den Heimweg begab.
      „Aber lass dir Zeit, es ist auch noch was von der Pasta da“ Auch, wenn Richard ziemlich aufgetischt hatte. Er war sich sicher, dass er mehr aß, als Caleb, aber es wäre seltsam, die Portionen ungleich aufzuteilen. Also wäre es schon überraschend, wenn er mehr zu essen wollte. Vielleicht sollte Richard trotzdem irgendetwas gegen den leichten Gastgeber-Stress tun, der langsam aufkeimte, während er sich überlegte, wie er Caleb noch länger hier fesseln konnte. Es lief eigentlich sehr gut, darum hatte er keinen Grund, sofort abzuhauen, aber vielleicht wollte er das Sex-Risiko noch mehr minimieren, was an sich schonmal eine furchtbar dämliche Aussage war, und Richard hoffte echt, dass Caleb das nicht durch den Kopf ging. Sie hatten noch eine gute Hälfte von dem Wein übrig und außerdem den, den Richard im Kühlschrank liegen hatte, und dann waren da noch die frisch bezogenen Sofakissen. Er hatte sich Mühe gegeben. Vieles war das absolute Minimum, die Sofakissen vielleicht nicht, aber er wollte Caleb mit allen Mitteln wissen lassen, dass er konnte wenn er wollte.
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    • Caleb

      “Das Kinderthema ist bei mir auch durch”, stimmte Caleb zu. Seine Rolle als Onkel gefiel ihm dafür deutlich zu gut. Man bekam ab und an ein paar furchtbare Bilder geschenkt und konnte ein paar Kinder glücklich machen, konnte sie aber auch sofort wieder an ihre Eltern zurückgeben, wenn sie zu anstrengend wurden. Babysitten wäre wohl der einzige Berührungspunkt, den er mit Kindern hatte und er hatte nicht vor, das zu ändern. Ganz davon abgesehen, dass er sich ziemlich sicher war, dass er durch seine Psyche bei jedem Erziehungsauftrag wundervoll versagen würde und darauf konnte er verzichten. Zum Glück schienen sie hier wenigstens einer Meinung zu sein. Obwohl er sich darüber seltsam wenige Gedanken gemacht hatte. Er konnte sich Richard irgendwie sowieso nicht mit Kindern vorstellen.
      Den Kommentar zu den Sünden beantwortete Caleb mit einem Augenrollen und einem kleinen Lächeln, das er nicht ganz unterdrücken konnte. “Ein Held, der mir etwas übers Sündigen beibringen will? Mutig.” Natürlich war er sich bewusst, worauf Richard hinaus wollte, aber nüchtern betrachtet konnte er Richard wahrscheinlich deutlich tiefere moralische Abgründe zeigen, als umgekehrt. Er griff erneut nach seinem Weinglas, während er seinen Teller ein kleines Stück von sich weg schob.
      “Schokolade klingt gut. Kann ich dir irgendwie beim Abwaschen helfen, oder so? Ich fühle mich so nutzlos.” Auch wenn es wirklich entspannend war, sich nicht um den Haushalt kümmern zu müssen. Vielleicht hätte er das auf die Pro-Seite seiner Liste setzen sollen. Je mehr Dates sie bei Richard hätten, desto weniger musste er sich um seine eigene Wohnung kümmern. Er musste nur mit dem schlechten Gewissen leben können und das…könnte er. Definitiv. Sehr gut, sogar.
      “Hast du dir das Kochen selbst beigebracht, oder war das Teil deiner Erziehung?” Caleb selbst kochte viel zu selten. Für eine Person alleine lohnte es sich kaum und selbst wenn, war es meistens zu viel Aufwand, als dass er sich irgendwie motivieren konnte. Ganz davon abgesehen, dass sich Töpfe und Pfannen im Schnitt viel zu lange bei ihm stapelten, bevor er sich dazu bequemen konnte, die Spülmaschine abzuschalten und ohne Töpfe konnte man eh nicht kochen. Meistens kam er einfach mit Kleinigkeiten durch den Tag, oder wich doch auf Fastfood aus. Was wahrscheinlich zusammen mit seinem Schlafrhythmus ein weiterer FunFact über ihn war, den er besser nicht vor Richard erwähnen sollte.
    • Richard

      Vielleicht hatte er es schon zu sehr erwartet, um bei der Aussage noch sonderlich überrascht zu sein, aber es war trotzdem nett die Sicherheit zu haben, dass es absolut keine Kinder-Diskussion geben würde. Nicht, dass da viel zu diskutieren wäre, Richard würde von seinem Standpunkt definitiv keinen Millimeter abweichen. Aber so konnten sie zumindest beide sorgenfrei weitermachen mit einer Urlaubsplanung nach der anderen, wo sie sich um niemanden als sich selbst kümmern mussten.
      „Spülmaschine“, antwortete Richard knapp und stapelte die Teller, um sie mit in die Küche zu nehmen, in der Abwasch zwischen zu laden und aus einem Schrank eine Tafel Schokolade zu ziehen, bevor er nach zwei Sekunden auch schon wieder bei Caleb stand. „Nachdem Kochen historisch als die Aufgabe von Frauen abgetan wurde, ist es nicht Teil meiner Erziehung gewesen, nein. Aber wenn man gut essen will, muss man wissen, wie man kocht“, beantwortete er die Frage. Sein Vater wäre wahrscheinlich ausgeflippt, wenn er damals Kochen als Hobby gehabt hätte, als wären die allgemeine Unsportlichkeit und überdurchschnittliche Intelligenz nicht schon genug Attacke auf seine fragile Männlichkeit gewesen.
      Richard nickte rüber zur Couch und schnappte die Weinflasche. „Wir müssen es nicht unbequemer machen, als notwendig“, sagte er und setzte sich auf sein weißes Designersofa, das in Kombination mit dem Rotwein vielleicht etwas gefährdet war.
      „Du willst nicht wissen, wie meine Erziehung ausgesehen hat. Obwohl du mir mit psychotischen Eltern wahrscheinlich nochmal voraus bist. Aber du würdest mich wahrscheinlich unausstehlich finden, wenn ich mich nicht irgendwie selbst sozialisiert hätte“ Er lächelte. Nicht, dass die meisten Menschen nicht ohnehin etwas gegen ihn auszusetzen hatten aber das ging ihm ziemlich am Arsch vorbei, weil er vollkommen hinter seinen eigenen Handlungen stand. Okay, hinter denen, die kein Ausrutscher gewesen waren. Und wer das nicht konnte, hatte sowieso andere Probleme.
      „Wieso, denkst du drüber nach, mich öfter für dich kochen zu lassen? Wenn ich damit dein Fast Food ersetzen kann, hab ich nämlich nichts dagegen. Wäre schön, wenn du nicht mit fünfzig an einem Herzinfarkt draufgehst. Noch ein Glas Wein?“, fragte er grinsend. Wie ironisch. Aber es gab bei allem immer Cheatdays.
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    • Caleb

      "Meine Eltern waren nicht wirklich psychotisch", verteidigte Caleb sie, während er Richard zum Sofa folgte und mit dem Weinglas in seinen Händen spielte. "Sie waren mehr...vernachlässigend. Was wahrscheinlich nicht besser ist. Ich war nicht das Kind, was sie wollten, also war ich für sie die meiste Zeit einfach nicht existent, bis ich gut genug war, um Babysitter zu spielen." Er zuckte kurz mit seinen Schultern. Früher hatte er seine Geschwister dafür verantwortlich gemacht. Niamh und Ezra waren so mühelos perfekt in allem gewesen, was ihre Eltern gewollt hatten, dass es leicht gewesen war, Molly und ihn zu übersehen. Es hatte Jahre gedauert bis er realisiert hatte, dass seine Geschwister genausowenig für ihre Kindheit konnten, wie er.
      "Oh, du hast geplant, dass ich mindestens über 50 bin, wenn ich beim Orgasmus versterbe? Ich bin davon ausgegangen, dass du dich innerhalb der nächsten 2-3 Jahre in mein Testament schmuggelst und dann nicht lange zögerst. Dann hab ich ja noch mindestens 19 Jahre. Wie...schön." Caleb verzog kurz wenig begeistert das Gesicht, während er Richard sein Glas entgegen hielt, damit er es auffüllen konnte. Gut, er war vielleicht nicht ganz so lebensmüde, wie er tat, aber 19 Jahre kamen ihm momentan zeitgleich furchtbar lang und erschreckend kurz vor. 19 Jahre lang seine Eltern, Niamh und Ezra zu jonglieren fühlte sich an, wie eine kosmische Strafe für irgendwas furchtbares. 19 Jahre lang mit Richard zu abend zu essen wäre wahrscheinlich überraschend angenehm.
      "Dann muss ich dich wohl tatsächlich als persönlichen Koch verpflichten. Reichen dir die Urlaube als Zahlung?" Caleb grinste leicht. Wahrscheinlich würde irgendeine Art von Zusammenleben zwischen ihnen nie funktionieren. Richard hatte sein Leben zu sehr im Griff, Caleb war definitiv zu chaotisch. Sie würden sich sofort auf die Nerven gehen. Zum Glück flachte der Wein die scharfen Kanten seiner Sorge ab, bevor Claeb zu lange darüber nachdenken konnte.
    • Richard

      Keine Aufmerksamkeit von seinen Eltern zu bekommen hätte für Richard mit 15 nach einem absoluten Traum geklungen, aber ideal war das alles nicht. Sie wären bei all dem Chaos wahrscheinlich auch beide grauenvolle Eltern. Ob gemeinsam — was für jedes Kind die reinste Hölle sein müsste — oder mit anderen Partnern zusammen, aber sie sollten beide nicht erziehungsberechtigt sein. Was Calebs Hass auf das Leben allgemein nochmal unterstrich.
      Er holte tief Luft, nur um dann ein entschiedenes: „Nein“ auszusprechen. „Das reicht nicht. Was denkst du, wieso ich dich so lange am Leben halten will? Du kannst mich mit Urlaub und Sex bezahlen, was deutlich besser ist, als irgendein Erbe. Wenn das die Aussichten sind werde ich auch gern dein persönlicher Koch und überlege mir nochmal, ob ich wirklich arbeiten muss, oder ob ‚das Haus putzen‘ nicht auch ein akzeptabler Job ist“, erklärte er. Was natürlich sarkastisch gemeint war. Zum Teil. Er wollte unter anderem durchaus Urlaub und Sex und er hatte nichts dagegen, zu kochen, aber kündigen würde er definitiv nicht. Nicht, wenn er sich so viel aufgebaut hatte und völlig unabhängig von irgendjemandem war. Er wollte sich auch um keinen Preis von einem reichen Suizidgefährdeten abhängig machen. Vielleicht, sobald der psychische Status ein bisschen stabiler war. Darauf sollte er wohl hinarbeiten.
      „Sorry, aber ich werde nur versuchen, dich möglichst lange am Leben zu halten. Wenn dus lieber schnell hinter dir haben willst, such dir einen anderen“, scherzte er und stieß nochmal mit Caleb an, jetzt, wo sein Weinglas wieder gefüllt war. „Apropos. Der Orgasmus-Tod ist wieder im Spiel? Vielleicht sollten wir das zu einem Doppelselbstmord machen, sobald wir beide keine Lust mehr haben. Wenn die Apokalypse greifbar wird, zum Beispiel. Oh, als jemand der bei einer Geheimorganisation arbeitet, kann ich dir sagen, dass wir es dann wahrscheinlich auch nichtmal bis 50 schaffen“ Er lächelte.
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    • Caleb

      "Betonst du deshalb immer deine Kochkünste? Weil du Hausmann werden willst?" Caleb grinste leicht. Das konnte er sich irgendwie absolut nicht vorstellen. Dafür gab Richard auch viel zu gerne mit seinen aktuellen Jobs an und außerdem würden ihnen die paar getrennten Stunden am Tag wahrscheinlich auch ziemlich gut tun. Auch wenn er jetzt schon das ungute Gefühl hatte, heute nicht mehr nach Hause zu wollen. Warum auch? Zuhause war er wieder alleine mit seinen Gedanken. Hier konnte er wenigstens Richard noch etwas aufziehen.
      Richard, der es so meisterhaft schaffte, einen Moment lang furchtbar süß zu sein, nur um das mit seiner nächsten Aussage wieder zu ruinieren. War das nur ein blöder Spruch gewesen, oder eine Erwartungshaltung? Richard hatte gekocht und jetzt musste Caleb mit ihm schlafen? Weil es sonst nichts gab, womit er das irgendwie wieder ausgleichen konnte? Nein. Er interpretierte deutlich zu viel in diesen Kommentar hinein.
      "War das mal ein Anmachspruch von dir?", fragte Caleb mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, ein wenig unsicher, was er sonst sagen sollte. "Bist du zu Leuten gegangen, hast ihnen erzählt, dass du in einer geheimen Organisation arbeitest, die Welt bald untergeht und ihr vorher wenigstens noch mit einander schlafen könntet?" Vorstellen konnte er es sich irgendwie. Richard war heiß genug, dass es bestimmt eine ganze Menge Leute gab, die darauf anspringen würden. Caleb mit eingeschlossen, wahrscheinlich. Immerhin hatte es zwischen ihnen schon bei weitaus weniger Anmachsprüchen gefunkt.
      "Ich verstehe immer noch nicht ganz, was ihr eigentlich den ganzen Tag lang macht. Sucht ihr nur Steine, die andere Leute verloren haben und erzählt euch gegenseitig, wie cool der Job ist?" Okay, gut, Caleb hatte sich weitaus mehr zusammenpuzzlen können. Ezra hatte ihm nach seinem Unfall ein bisschen was erzählt, er war selbst bei einer Mission dabei gewesen und es brauchte nicht sonderlich viel Kreativität, um die Lücken irgendwie zu schließen. Eigentlich war das ganze sogar seinem eigenen Familienbetrieb gar nicht so unähnlich, auch wenn die Motivation halt eine vollkommen andere war. Vielleicht hatte er deshalb auch das Gefühl, dass Richard sich vielleicht ein bisschen zu viel darauf einbildete.
    • Richard

      „Tatsächlich geh ich relativ selten zu irgendwem und erzähle von einer geheimen Organisation, weil sie das etwas weniger geheim machen würde“, antwortete er. Auch wenn die Idee nicht schlecht war. Zumindest, wenn man nicht wirklich bei einer Geheimorganisation arbeitete. Seinen Job für so einen Kram zu gefährden stand nicht wirklich auf der Prioritätenliste. „Aber es war ein Anmachspruch, wenn du willst, dass es einer war. Zumindest ist das die weniger beängstigende Alternative“, grinste er. Realistisch betrachtet war Richard gerade in keiner allzu günstigen Lage. Überlebenstechnisch. Er war ganz vorne mit dabei bei der Jagd auf Nadia und etwaige korrupte Politiker, was ihn genauso zu einem Ziel machte, wie Andrew und Ezra, die es aber im Gegensatz zu ihm darauf anzulegen schienen, morgen noch ermordet zu werden. Aber hey, solange er sich von Kirchen und anderen Wahrzeichen fernhielt, war das Risiko nicht allzu groß. Was… er nicht konnte, weil er schließlich arbeiten musste. Aber dafür gab es Schutzkleidung.
      „Wir suchen Steine Schnitzeljagd-Style, sagen einander wie cool wir sind und dann hören wir Britney Spears und tanzen auf den Tischen“, stimmte er zu. „Jetzt weißt du auch, wieso wir alle so viel Bestätigung der Coolness brauchen“ Er würde die Frage nicht ernsthaft beantworten. Nicht, weil er Caleb nicht vertraute, oder so, und wahrscheinlich wusste er ohnehin schon etwas zu viel, aber es gab einen Grund, wieso sie über ihren Job nicht redeten und das Recruitment sich vorrangig auf Stressresistenz fokussierte. Man sagte einer x-beliebigen Person nicht einfach ‚Ach, übrigens, da rennen ein paar Massenmörder herum, die für ihre Ideologien eine Waffe bauen, die jeden Atomkrieg überschatten kann und theoretisch könnten wir jeden Moment sterben, weil wir mit unserer Arbeit ziemlich hinten nach sind‘. Ja. Nein, es gab bessere Date-Themen. Vor allem für jemanden der offensichtlich schon genug hinterfragte, was das Leben lebenswert machte.
      „Ich weiß ich rede viel darüber, aber ich hab nicht vor, mit dir zu schlafen“, sagte er also. „Nicht ‚jemals‘, klarerweise, aber nicht heute, weil ich deine Regel zwar hirnrissig finde, aber du findest sie aus irgendeinem Grund notwendig und darum halte ich mich auch daran. Und irgendein Idiot hat mal gesagt, dass Vorfreude die beste Freude ist. Abgesehen davon rede ich erstaunlich gerne mit dir. Manchmal“
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    • Caleb

      Caleb versuchte, sich die kleine Erleichterung nicht ansehen zu lassen. Irgendwie war die Tatsache, dass Richard sich an die Regeln hielt, obwohl er sie hirnrissig fand, Sinn und Zweck der Übung gewesen, nicht? Wenigstens schien er es gelernt zu haben, Grenzen zu akzeptieren. Oder er war einfach noch zu nüchtern, um die Regeln weiter zu hinterfragen.
      "Ich rede auch manchmal gerne mit dir", versicherte Caleb mit einem kleinen Lächeln. "Und manchmal sehe ich dich an und frage mich, was ich im Leben furchtbares gemacht haben muss, um mit dir gestraft zu werden. Aber das ist seltener, als das mit dem gerne reden." 'Vorfreude' war hier wahrscheinlich wirklich das treffende Stichwort. Das hier fühlte sich auf jeden Fall deutlich besser an, als ihre vorherige Beziehung. Es war tatsächlich ganz nett, zusammenhängend mit Richard zu reden und sich nicht morgens nach dem Wecker irgendetwas zuzuraunen, nur, um sich dann Abends wieder wortlos um den Hals zu fallen. Furchtbarerweise machte es Richard irgendwie auch attraktiver, aber die Erkenntnis würde Caleb mit ins Grab nehmen.
      Er lehnte sich zurück gegen die Sofalehne und trank den nächsten Schluck, bevor er wieder zu Richard sah. "Gibt es Videos, von dem Part mit Britney Spears und auf den Tischen tanzen? Ich vertraue dir natürlich absolut und vollkommen unkritisch, dass das ganz bestimmt das ist, was ihr macht, aber ich glaube, das würde ich gerne mit eigenen Augen sehen." Er warf Richard ein kleines Grinsen zu, auch wenn ihn das alles irgendwie wieder an die Partys erinnerte, auf die April ihn immer wieder einlud, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass er ihre Drinks übernehmen würde. Ob Richard tanzen konnte? Er erinnerte sich noch daran, dass Richard erwähnt hatte, dass er auf Partys gerne mit Leuten rummachte, aber hatte er tanzen erwähnt?
      "Ich hatte dir von April erzählt, oder? Die Bekannte, die gerade von May - Gott ist das eine furchtbare Namenskonstellation..." Caleb blinzelte kurz, bevor er den Kopf schüttelte. "Die May gerade vertritt und die immer versucht, mich zu irgendwelchen Partys zu schleppen", fuhr er schließlich fort. "Vielleicht wäre das ja was für dich. Wenn das Tanzen auf den Tischen sowieso schon zu deinem Beruf gehört und so." Er grinste leicht, was er viel zu oft machte, wenn er mit Richard sprach. Fast ein wenig anstrengend. "Wär doch eine nette Idee für das dritte Date, nicht?"
    • Richard

      Es brauchte einiges an Selbstkontrolle, um seine eigenen Worte nicht innerhalb einer Sekunde wieder zurückzunehmen, weil er über Caleb herfiel um ihn zu küssen. Gut, das war nicht dasselbe, wie mit ihm zu schlafen, aber es wäre dämlich, selbst einen ersten Schritt in diese Richtung zu machen. Richard stützt seinen Kopf in die Hand und hatte den Arm über die Sofalehne gelegt, während er in der anderen Hand das Weinglas schwenkte und sich zwang, nicht so auszusehen, als würde er nicht zuhören. Cal sagte irgendwas mit dem Wort ‚gestraft‘ und dann ‚Britney Spears‘ und Richard bemühte sich, beim Reden in seine Augen zu sehen und die Worte irgendwie in seinem Gehirn zu verarbeiten.
      „Klar, ich mach nächstes Mal ein Video“, sagte er schließlich und trank einen Schluck. Vielleicht sollte er aber auch aufhören zu trinken. Oder mehr trinken? Was auch immer es erträglicher machte.
      „Ich meinte ja schon, dass wir zusammen zu einer der Parties gehen können“ Er zuckte mit den Schultern. „Aber das Tanzen wird sich wahrscheinlich auf den Boden beschränken. Und ich hoffe, du erinnerst dich, dass es mein liebstes Hobby auf Parties ist, mit jemandem rumzumachen. Sicher, dass das eine Date Nummer Drei Angelegenheit ist? Nicht vielleicht erst fürs Sechste? Ich weiß ja nicht, wie langsam du es angehen willst, aber Rumknutschen beschränkt sich nicht notwendigerweise aufs Knutschen, auch wenn die Kleidung dran bleibt“ Er lächelte. Theoretisch müssten sie das Dritte Date aber ja einfach nur ‚beenden‘ um Sex wieder freizuschalten. „Deine Freundin sollte lieber jemanden mitnehmen, damit sie sich nicht langweilt“ Ob an dem Abend etwas laufen würde oder nicht, Richard würde Caleb für sich beanspruchen. Immerhin war es ihr Date und er würde nicht das Risiko eingehen, dass Caleb es am Ende nicht zählte weil sie zu wenig Zeit miteinander verbracht hatten.
      „Sitzt du eigentlich so weit weg, weil du mir nicht glaubst? Dass ich mich an die Regeln halte?“, murmelte er und nickte Caleb zu. Riskant vielleicht. Für ein richtiges zweites Date war der Abstand wohl normal. „Ich werde dich schon nicht aufessen. Solange du nicht danach fragst“
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    • Caleb

      "Wir könnten es zu einer Date Nummer Sechs Angelegenheit machen, wenn du willst", antwortete Caleb flach. Wahrscheinlich wäre das ein guter Zeitpunkt, um Richard vor Aprils leicht hyperaktiven Art zu warnen und ihm zu versichern, dass sie sie wahrscheinlich nicht mehr sehen würden, sobald Caleb ihr genug Geld für den Abend in die Hand gedrückt hatte. Sie waren nicht befreundet. April und er hatten nur Kontakt, wenn einer etwas vom anderen wollte. Der Rest war ein neutrales Aushalten und der Fakt, dass April hier nicht viele Leute hatte, die sie kannte und noch weniger, die ihr eine Party finanzieren würden. Aber das alles war im Vergleich zu Richards zweitem Thema irgendwie furchtbar irrelevant.
      "Küssen und Anfassen war nie Teil der Regeln", merkte Caleb vorsichtig an, während er sich dazu hinreißen ließ, etwas näher an Richard heran zu rutschen. "Ich vertraue dir, dass du dich daran hältst. Ich habe die Regel auch nicht aufgestellt, um dich zu ärgern, oder so, aber..." Er zuckte kurz etwas unglücklich mit den Schultern. "Ich glaube ohne die Regel würden wir jetzt nicht mehr hier sitzen. Wir hätten uns in den letzten Tagen wahrscheinlich öfter gesehen, aber weniger geredet und das...Scherz beiseite, ich mag es wirklich, einfach Zeit mit dir zu verbringen und einfach zu reden. Ich mag diese Dates. Sonst hätte ich wahrscheinlich nie herausgefunden, dass das Golden Child in eurer Familie offensichtlich ein Hund war." Er stieß ein kleines Lachen aus, bevor er sein Glas leerte und es auf den kleinen Couchtisch stellte. Wahrscheinlich sollte er mit dem Trinken für heute aufhören. Er redete jetzt schon zu viel.
      "Eigentlich..." Er zögerte kurz, bevor er sich wieder gegen die Rückenlehne fallen ließ. "Eigentlich wäre es wahrscheinlich vollkommen egal, ob wir nach dem ersten, dritten oder sechsten Date im Bett gelandet wären. Wir könnten gleich noch im Bett landen und es würde nichts daran ändern, dass ich dich weiter daten möchte. Ich wollte nur irgendwie sicher gehen, dass der Sex ein Bonus in der Beziehung ist und nicht der Hauptgrund. Obwohl es darauf wahrscheinlich sowieso nicht ankommen würde, schätze ich." Er brauchte Richard im Moment so oder so viel zu sehr, als dass er ihn fallen lassen könnte. Er hatte sonst niemanden, bei dem er einfach so zwanglos er selbst sein konnte und im Grunde hatte er nur Glück, dass Richard das nicht bewusst war.
    • Richard

      „Ah“, machte Richard bei der neuen Information und sah dabei zu, wie Caleb etwas weiter zu ihm rutschte. Damit hatte sich ja eine Frage zumindest beantwortet. Und simultan war es noch schwieriger geworden, an irgendetwas anderes zu denken. Richard würde behaupten, dass es zu einem großen Teil normal war, konstant an Sex zu denken, wenn man datete, besonders wenn man es schonmal getan hatte. Zu einem kleineren Teil hatte er allerdings auch das Glück, noch nie Sex auf dem Level gehabt zu haben, wie mit Cal, und außerdem auch nie jemanden persönlich gemocht zu haben, mit dem er Sex hatte, was das ganze Thema noch deutlich öfter in seinem Kopf aufploppen ließ. Dass er mit der Regel also zu kämpfen hatte, war auch kein Wunder. Für ihn war es bloß etwas unverständlich, wie Caleb sich selbst daran halten konnte und wollte. Also, ja, es machte wohl Sinn, was er sagte, aber waren sie beide nicht normalerweise ganz gut darin, die falsche Entscheidung zu treffen? Weil das Verlangen einfach die Logik übertrumpfte? Außerdem würden sie keinem damit schaden. Einer Beziehung konnte man mit Sex auch nicht schaden. Das alles war also… wahrscheinlich etwas, worüber sie später lachen würden. Jetzt gerade konnte Richard nur an wenig anderes denken, als die Regel zu brechen. Obwohl man ja sagte, dass es half, etwas nicht zu tun, indem man sich nur ganz genau vorstellte es zu tun. Bei gewalttätigen Gedanken oder… Nikotinsucht. Aber nun da Caleb näher bei ihm saß und Richard weiterhin mehr seine Lippen an seine Augen oder sonst etwas ansah, begann er zu bezweifeln, dass sich das auch auf Sex übertragen ließ.
      Richard drehte seine Haare zwischen zwei Fingern an der Hand, in der er sich abstützte, und überlegte, wie egal es Caleb war, ab welchem Date sie Sex hatten. Wahrscheinlich nicht egal genug.
      „Mhm“, raunte er leise, während er überlegte, wie er seine Gedanken formulieren konnte. „Vielleicht entspannt dich die Tatsache, dass Sex in Fuckbuddy-Arrangements meistens der Hauptgrund ist, und man da selten auf Dates geht, was wir ganz offensichtlich hinter uns gelassen haben“ Richard erinnerte sich bildlich daran wie er Caleb angefleht hatte und da war er sicher nicht der einzige. „Bei allem, was Dates beinhaltet, ist Sex der Bonus. Nicht die Gespräche. Auch wenn ich keine Beziehung ohne Sex führen will. Das heißt dann Freundschaft, wenn du mich fragst“
      Es wäre für ihn anstrengend, auf jemanden zu stehen, und zu wissen, dass die Person ihn auch mochte, ohne die Möglichkeit zu haben, mit der Person zu schlafen. Anstrengend war wirklich das richtige Wort. Vor allem, wenn es nicht nur eine Art war, sich näher zu sein, sondern es auch verdammt Spaß machte. Warum sollte er darauf freiwillig verzichten? Vielleicht dachte er anders darüber, wenn er 80 war, aber jetzt war er sich ziemlich sicher, dass er es beispielsweise auch nicht aushalten würde, Caleb immer um sich zu haben, ihn zu sehen und mit ihm zu reden und ihn vielleicht zu umarmen, ohne diesen Schritt weiter zu gehen. Drei Dates oder ein paar Wochen waren außerdem was anderes, weil man wusste, dass die Gelegenheit wieder kommen würde. Darum wäre es bescheuert, Sex zu einem Taboo-Thema zu machen, über das sie nicht mehr redeten. Und genau deshalb war Sex auch ein ‚Bonus‘ der für ihn gewissermaßen vorausgesetzt war. Das hieß nicht gleich, das nichts anderes mehr zählte aber Caleb schien ein furchtbares Bild von ihm zu haben.
      „Das war dann und jetzt ist jetzt. Sex war der Hauptgrund, wieso wir uns getroffen haben, jetzt ist es der Bonus, wenn du es so nennen willst. Wir würden auch so dazu kommen, andere Dinge zusammen zu machen“ Er zuckte leicht mit den Schultern. Klar würde er Caleb so oder so mit in Bars nehmen, zusammen Abendessen oder sich mal einen Film ansehen, seinetwegen konnten sie auch ins Kino oder auf den nächsten Flohmarkt gehen. Was auch immer ihnen einfiel. Er fühlte sich erstaunlich wohl mit Caleb, darum waren die Aktivitäten nicht beschränkt. Und wenn sie ein Wochenende lang nicht aus dem Bett wollten, sollte das genauso möglich sein. Wie zur Hölle konnte Richard Caleb diese Zweifel aus dem Schädel klopfen, dass er nichts als Sex von ihm wollte? Halfen da drei lausige Dates überhaupt?
      „Ich hab dir schon locker fünfzehn Mal gesagt, dass ich auch so gerne mit dir zusammen bin. Ich kann nichts dafür, dass es ziemlich schwer zu vergessen ist, wie gut du im Bett bist. Verurteile einen Kerl nicht dafür, dass er öfter daran denkt, als ihm wahrscheinlich gut tut“ Er grinste leicht.
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    • Caleb

      Würden sie das? Würden sie noch auf vollkommen normale Dates wie diesem hier gehen, wenn sie wieder miteinander schliefen? Oder würden sie zurück in ihren alten Rhythmus fallen und den Sex wieder in den Mittelpunkt stellen? Caleb wusste, welche Antwort er wollte und wahrscheinlich würde er einfach optimistisch davon ausgehen, dass schon alles irgendwie gut werden würde, aber er war noch nie sonderlich gut darin gewesen, sein Unterbewusstsein von irgendetwas zu überzeugen, wenn man sich genausogut Sorgen darüber machen konnte.
      "Ich weiß", antwortete er mit einem kleinen Seufzen. "Und du kannst es mir wahrscheinlich noch 15 mal mehr sagen, aber es hilft nicht. Das ist kein Problem zwischen dir und mir. Das ist ein Problem zwischen mir und meinem Kopf, der mich davon überzeugen will, dass mich jede einzelne Person in meinem Leben heimlich absolut hasst." Was wahrscheinlich ein weiterer Grund war, warum es ihm so schwer fiel, mit anderen Leuten im Kontakt zu bleiben. Es war anstrengend mit jemanden zu reden, wenn der eigene Kopf einem einreden wollte, dass man aufpassen musste, was man sagte oder tat, weil man bei der Person eh schon auf dünnem Eis stand. Irgendwann war es immer einfacher, den Kontakt einfach einschlafen zu lassen.
      "Aber das Kompliment kann ich nur zurückgeben." Caleb lächelte schwach, während er mit seinem Knie spielerisch an Richards stieß. Der Sex war wirklich verdammt gut und im Grunde hatte er mit seiner kleinen Situationsanalyse durchaus Recht. Sex war die treibende Kraft für den Anfang ihrer Beziehung gewesen. Anfangs hatte er selbst ja nicht mehr gewollt, als das, aber mittlerweile hatte sich alles irgendwie komplett gedreht und überschlagen.
      "Ich will mit dir schlafen. Halt nur nicht jedes mal, wenn wir uns sehen. Was ich wahrscheinlich rein von meiner Kondition her schon nicht schaffen würde, nebenbei bemerkt." Es war in der Hinsicht sowieso ein wenig seltsam gewesen, von Null auf Hundert zu gehen. Sex hatte für ihn nie eine Rolle gespielt und plötzlich war es etwas geworden, was er aktiv wollte. Entweder waren sie absolut für einander bestimmt, oder ihre Beziehung war auf irgendeine Art und Weise vollkommen kaputt. Den Krieg mit seinem eigenen Kopf wollte Caleb nicht anfangen.
      "Danke, dass du das alles mitmachst, auch wenn du keinen Sinn darin siehst", merkte er nach einer kleinen Pause an, während er den Blick hob und wieder zu Richard sah. Irgendwie kam es ihm gerade furchtbar unrealistisch vor, dass er je überlegt hatte, dieser Beziehung keine zweite Chance zu geben. "Was war nochmal das Zauberwort, bei dem du mich immer küssen wolltest? Zeit?", fragte er schließlich mit einem kleinen Grinsen.
    • Richard

      „Dann sag deinem Kopf, dass er schon merken würde, wenn ich dich hasse. Frag deinen Bruder. Ist nicht wirklich ein Rätselspiel“ Wahrscheinlich war das kein idealer Moment, um noch Öl ins Feuer zu gießen und Ezra zu erwähnen, aber es war frustrierend, dass es offenbar nichtmal was brachte, Caleb genau das zu sagen, was er hören wollte. Da konnte Richard eigentlich auch einfach aufgeben und Calebs Gedanken freien Lauf lassen, oder? Aber das fühlte sich auch nicht richtig an. Dann redete er sich bloß selbst ein, dass sie nicht zusammen passten oder so, oder Ezra redete es ihm ein. Besser, Richard wirkte da schonmal provisorisch dagegen.
      „Nebenbei bemerkt unterschätzt du deine Kondition glaube ich“, sagte er und grinste leicht. Zumindest hatten sie bisher auch keine Probleme gehabt. Caleb hatte ihn gut ausgehalten. Runde für Runde.
      „Ich hab einfach die Hoffnung, dass du wieder an den Punkt zurückkommst, wo du schnallst, dass wir auch einfach tun können, worauf wir Lust haben, ohne seltsame Regeln aufzustellen. Ich werde dich schon nicht verurteilen, wenn du mal Nein sagst. Und wenn ich am nächsten Tag zur Arbeit muss kannst du das auf Dauer sowieso vergessen, ich kann mir nämlich keinen Schlafmangel leisten“ Dachte Caleb eigentlich, Richard würde ihn zu etwas zwingen, oder dachte er eher, dass Richard ihn plötzlich hassen würde, wenn er keine Lust auf Sex hatte? Nachdem Andrew anscheinend jedem und deren Mutter von dem Vorfall auf der MLO Willkommensfeier erzählt hatte, musste Richard schon fast darauf hoffen, dass es Option 2 war. Er war kein Psychopath, der es geil fand, sich anderen aufzudrängen. Er hatte sich falsch verhalten, nach deutlich zu vielen Bechern Punsch, konnten sie da mal drüber hinwegkommen?
      Gegen letzteres konnte er aber wohl wenig tun, wenn Caleb so sehr in seinem eigenen Kopf fest steckte. Dafür musste er alleine eine Lösung finden. Richard war auch kein Psychologe. Er hatte nicht vor, Caleb jeden Tag fünfhundert Mal zu versichern, dass er ihn nicht hasste. Irgendwann würde er sonst automatisch anfangen ihn tatsächlich zu hassen.
      „Ich bin vielleicht gut darin, Argumente zu finden, die meine Vorschläge stützen, aber ich werde dich trotzdem zu nichts zwingen, klar?“, murmelte er dennoch mit leicht gerunzelter Stirn, weil er Option 1 nicht ganz ignorieren konnte. Er hatte Caleb auch zu der zweiten Chance überredet, aber gezwungen hatte er ihn bisher zu absolut garnichts. Andrew musste einfach mal den Mund halten, oder so.
      Caleb sollte dagegen weiterreden, wenn er schon hiermit anfing. Richard stieß amüsiert Luft aus, als er das hörte. „‚Du bist talentiert und sexy‘ ist zwar das richtige Zauberwort, aber ich lasse dein ‚Zeit‘ auch durchgehen“, murmelte er schmunzelnd, während er Calebs Akzent bei seinem Zauberwort bestmöglich nachmachte. Es hatte wenig mit dem Wort an sich zu tun, es gab viele Dinge, die Richard kurz stoppen ließen, wenn Caleb sprach, weil sie sich so bizarr anhörten. Und es war süß. Auf absolut verkorkste Art und Weise.
      Er lehnte sich zu dem Blonden und konnte kaum fassen, dass er doch noch zu dem Kuss kam. Er hatte bei dem Date wohl alles richtig gemacht. Die Kerzen würde er sich merken.
      Calebs Lippen schmeckten zart nach Schokolade und noch etwas weniger nach Wein, eine Mischung, die wahrscheinlich nur eine Zigarette noch abrunden konnte. Richard wich kurzerhand zurück um sein Glas auf dem Tisch abzustellen und drehte sich mehr zur Seite, legte eine Hand an Calebs Kiefer und küsste ihn erneut, leidenschaftlicher, weil er sich keine Sorgen mehr um den Wein machen musste. Er hatte das Gefühl, Caleb ewig nicht geküsst zu haben, und er hatte recht. Die Erinnerung der etlichen Male, als sie mit genau diesen Küssen in Richtung Bett gestolperten waren, schwappten zurück, und es war eine Herausforderung, sich zurückzuhalten. Caleb nicht an der Schulter zu packen und ins zurück aufs Sofa zu werfen. Es stimmte, Richard sah keinen Sinn in dieser Regelung, aber er brachte es dennoch zustande, seinen Griff nicht fester werden zu lassen, sondern noch ein, zwei Küsse auf Calebs Wange zu drücken, bei seinem Ohr kurz innezuhalten und sich anschließend wieder zurückzulehnen. So. Sie hatten noch nie hier aufgehört. Es war gewöhnungsbedürftig, sich in diese Küsse nicht immer weiter hineinzusteigern.
      „Überleg dir ein neues Gesprächsthema“, befahl Richard nachdem er sich kurz, leise geräuspert hatte. Er brauchte Ablenkung. Und musste sich irgendwie antrainieren, dass es nach einem Kuss nicht direkt zur Sache gehen musste.
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