The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Milo

      "Das ist ja das Frustrierende." Milo seufzte kurz, während er sich den kleinen Timer schnappte, der neben der Spüle stand, um einzustellen, wie lange der Tee ziehen musste. "Eigentlich sollte das alles gar nicht nötig sein. Er ist 16. Er sollte keinen Babysitter brauchen. Ich war in dem Alter ständig alleine mit Freunden unterwegs, oder eben zuhause. Als ich 16 war, hab ich ihn schon gebabysittet! Und ich war wirklich kein sonderlich braves Kind. Der Unterschied ist nur, dass ich schlau genug war, sämtliches Chaos verschwinden zu lassen, bevor meine Eltern nach Hause gekommen sind." Und da war einiges an Chaos gewesen.
      Er hatte in dem Alter auch Alkohol probiert und Freunde eingeladen und Sachen gemacht, die seine Eltern komplett in den Wahnsinn getrieben hätten, wenn sie davon gewusst hätten. Aber er hatte es gemacht, weil er Spaß haben wollte und er war schlau genug gewesen, nie zu übertreiben. Wy handelte größtenteils aus dem Wunsch heraus, ihm Schwierigkeiten zu bereiten. Er war kein Kind, das sich einfach ausprobieren wollte, sondern ein Teenager mit einer Mission.
      "Ich hoffe, dass er sich irgendwie genug mit ihnen anfreundet, um lieber Zeit mit ihnen zu verbringen, als mich zu nerven, aber ich...bin etwas pessimistisch." Obwohl es schwer war, bei Aarons strahlender Art pessimistisch zu bleiben. Jedes mal, wenn der Blonde lächelte, hatte er das Bedürfnis, es ihm gleich zu tun, vor allem, wenn er den wohl plüschigsten Pullover der Welt trug.
      "Aber essen gehen klingt gut. Vielleicht sollten wir das festhalten und die nächten Stunden einfach nutzen, um einen Termin zu finden." Dass er für ihn kochen würde, klang auch gut, aber Milo wollte Aaron ungerne mehr Stress machen, als er eh schon hatte. Der Sonnenschein sollte sich lieber aufs Lernen konzentrieren, als sich Gedanken darum machen zu müssen, was er kochen sollte und wie er einkaufen musste.
      "Kino können wir jetzt zumindest schon mal als light Version haben, wenn du mir verrätst, was für einen Film du schauen willst."


      Wyatt

      "Wir können die Teams ja eh zwischendurch mal durchmischen", lenkte Wyatt ein, der gedanklich immer noch an der Thematik mit der Zahnbürste hing. Im Grunde hatte Jude recht. Falls irgendwann die Apokalypse vor der Tür stehen würde, musste man wohl ohne alles auskommen. Zumindest, bis man sich beruhigte und die deutlich spannendere Loot-Phase kommen würde. Er musste Kaia allerdings auch ein bisschen zustimmen, dass diese Aktion, so cool sie auch sein mochte, tatsächlich außerhalb einer Apokalypse ein wenig seltsam aussehen musste.
      "Vielleicht starten wir einfach immer mit einem Jungen und einem Mädchen im Team?", schlug Wy vor. "Damit es nicht unfair wird, wenn-"
      "Bitte sag nichts, was mich zwingt, dich zu cancelln", mischte sich Emma mit einem Lächeln ein, dass ein bisschen zu fröhlich wirkte, um echt zu sein.
      "wenn...", wiederholte Wyatt langsam, während er krampfhaft überlegte, wie er den Satz beenden sollte, ohne sich gleich einen Vortrag von der Blondine anhören zu dürfen. "Wenn nur Leute zusammenspielen, die sich vorher schon kannten?", endete er unsicher. "Ich meine, wenn wir beide zusammen spielen würden, wüssten wir ja, was der jeweils andere meint", fuhr er fort in der Hoffnung, dass mehr Worte einfach bedeuteten, dass sie weniger über das Gesagte nachdachte. "Wenn Jude und Lucas zusammen spielen, hätten sie diesen Vorteil nicht. Und Junge/Mädchen Teams sind die einfachste Art um sicherzustellen, dass keiner von uns sich richtig kennt? Irgendwie?"
      Emma sah nicht sonderlich überzeugt aus, nickte allerdings kurz. "Dann spiele ich mit Jude. Passt eh super, ich bin eine schlechte Verliererin, also seit ihr so oder so am Arsch." Sie zwinkerte kurz in die Runde, bevor sie sich an den anderen vorbeiquetschte, um Jude einen High Five zu geben.
      Was ihm nur Jia, Kaia und die einfachste Wahl des Lebens ließ. "Kaia? Spielen wir im Team? Ich schwöre auch, dass ich ein guter Gewinner bin." Er lächelte bemüht freundlich in der Hoffnung, nicht sofort in der ersten Runde mit Jia in einem Team zu enden. Er würde ihr nicht den ganzen Abend aus dem Weg gehen können, aber sie mussten ja nicht direkt schon alles von Anfang an ruinieren.
    • Aaron

      „Du hattest aber auch zwei Elternteile, als du 16 warst“, unterbrach Aaron Milo kurz, bevor er sich zu sehr in seinen Frust hineinredete. „Ich meine, das Verhalten… ist irgendwie gerechtfertigt, auch wenn es anstrengend ist, findest du nicht? Mach dir jedenfalls keine Gedanken wegen mir. Ich hab schon gesagt, dass ich das verstehe, und ich will dich nicht zusätzlich unter Druck setzen“ Er lächelte sanft und strich Milo kurz über den Unterarm. „Wir haben immernoch unser Kino Light“, sagte er, bevor er einen Schritt zurück trat und mit Milo zurück ins Wohnzimmer ging,
      „Und: wir kriegen das mit dem Termin sicher innerhalb von fünf Minuten hin wenn wir unsere Kalender auf den Handys einfach nebeneinander halten und nach äh… Ähnlichkeiten suchen“, fuhr er streng fort. „Dann haben wir unglaublich viel Zeit übrig. Mehr, als auf einem normalen Date, weil ich ja über Nacht bleibe. Je nachdem auf wieviel Schlaf du verzichten kannst, haben wir mehr voneinander-“ Aaron stoppte im Reden und beinahe im Gehen. „Um… um zu reden“, fügte er hinzu und spürte, wie er rot wurde. Ugh, er musste lernen wie man zuerst dachte und dann redete. Er hatte keine Sekunde daran gedacht, dass zwischen ihnen irgendetwas laufen würde- Okay, er hatte keine Sekunde ernsthaft daran gedacht. Sie waren nicht alleine und ganz abgesehen davon, war es ihr zweites Date. Sie hatten es vielleicht nicht so mit der altmodischen Reihenfolge von Dingen aber DAS war definitiv zu viel.
      „Äh… wie wärs… mit irgendetwas Spannenden? Sowas wie… Into the Wild? Kennst du den?“, fragte er um das Thema zu ändern.

      Kaia

      „Ah…“ Das war vielleicht nicht die beste Reaktion, wenn das Geburtstagskind fragte, ob man in sein Team wollte. Sie konnte trotzdem nicht anders, als Jia kurz einen Blick zuzuwerfen. Die Brünette starrte Löcher in ihre Haut.
      „Mh… Mhm, okay“, sagte sie schließlich. Sie war sich nicht sicher, was Jia lieber gewesen wäre. Aber… irgendwie hatte sie einen Deal mit Wyatt und er hatte sich ganz gut angestellt, netter zu Aaron zu sein, und sie freute sich auf ihr erstes gratis Eis und außerdem war er nett, okay?! Kaia bekam eine leichte Gänsehaut, weil sie sich sicher war, dass Jia ihr immernoch auf den Rücken glotzte, als sie zu Wyatt rüber ging und sich auf sein Bett setzte. Als hätte sie lieber selbst mit Wyatt gespielt, pft… Ehrlich gesagt war Kaia sich nichtmal sicher, warum sie hier war. Also, warum Jia hier war, und warum sie selbst hier war. Sie hatte gezögert die Einladung anzunehmen, weil… was zur Hölle? Sie hatte nur einmal mit Wyatt gesprochen und außerdem mochten ihre Eltern es nicht besonders, wenn sie bei Jungs übernachtete. Ihre Brüder mochten es bizarrerweise noch weniger. Die ganze Situation war etwas eigenartig, aber nachdem Aaron ebenfalls da war… Gut, das machte es noch eigenartiger. Sie sollte es einfach nicht hinterfragen. Wahrscheinlich war Wyatt einfach nur unfassbar verzweifelt, Freunde zu finden, oder so. Sie fand ihn sowieso ganz okay, also sprach ja nichts dagegen, sich anzufreunden.
      „Wen spielen wir?“, fragte sie Wyatt und nahm einen der Controller in die Hand, weil sie einfach anfangen würden, hatte sie beschlossen.

      Jude

      Hm. Auf einer Skala von 1 bis 10… wie moralisch verwerflich war es, mit einer von Wyatts Freundinnen zu flirten? Er stand nicht auf sie, oder? Oder hatte er sie deshalb eingeladen? Hm.
      Jude grinste, als Emma ihm ein High Five gab. Wenigstens war sie schonmal energetisch dabei.
      Er setzte sich neben sie vor dem Bett auf den Boden, um die erste Runde gleich gegen Wyatt zu spielen, der es sich sowieso zur Mission gemacht hatte, ihn mal verlieren zu sehen. Allerdings verlor er nie in Mario Kart. Auch nicht, wenn ihm irgendein Mädchen die Richtung ansagen musste.
      „Hey, hast du einen Lieblingscharakter?“, fragte er. „Ich bin ziemlich flexibel“ Er grinste weiter, vielleicht ein wenig zu sehr, alo räusperte er sich und wandte langsam den Blick wieder ab. Okay, er hatte sich die letzten ein, zwei Wochen zu sehr in die Vorstellung reingesteigert, dass er neue Mädchen kennenlernen musste, bevor er unabsichtlich mit seinen eigenen Freunden flirtete. Obwohl es mit Nataly noch nicht lange aus war und wenn sie Jude mit einem Mädchen sehen würde, das auch blond war… Er schielte zur Seite. Oh, Mann. Das war keine gute Idee. Das sollte er direkt wieder vergessen. Erstmal ne Weile single sein, ja. Das wäre deutlich besser. Und was wenn Wyatt echt auf sie stand? Das wäre grausam. Sie war aber echt hübsch. Ah… Fuck.
      „Ähm… Rosalia oder so?“, hakte er kurz nach. Konzentration auf das Spiel, Jude.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      "Das ist, was ich so an dir mag - er hasst dich und du verteidigst ihn noch." Milo musste lächeln. Am liebsten hätte er Aaron an sich gezogen und ihn geküsst, aber irgendwie kam ihm das nicht wie der richtige Moment vor. Aaron hatte eindeutig etwas romantischeres verdient und ein richtiges Date. Auf jeden Fall ein richtiges Date.
      Er nahm die beiden Tassen und den Timer mit, als sie zurück ins Wohnzimmer gingen und Aaron sich selbst in die Ecke redete. Milo musste ein wenig lachen, als Aaron stehen blieb und er an ihm vorbei zum Sofa ging. "Ich weiß, was du meinst", versicherte er. Naja, es war schwer, irgendwie darüber zu reden, dass sein Date bei ihm übernachtete, ohne dass es zweideutig klang. Aaron hatte verloren, sobald er den Mund aufgemacht hatte.
      "Den Film kenne ich nicht, aber ich vertraue dir, dass er gut ist", beschloss er. "Falls die Geburtstagstruppe beschließt, dass sie doch das Wohnzimmer haben wollen, gucken wir einfach draußen auf dem Tablett weiter." Er lächelte leicht, während Aaron sich neben ihn setzte und zog ihn sofort an sich. Es war seltsam, zweites Date und unzählige Anrufe, nicht mal ein Kuss und trotzdem hatte er das irritierende Gefühl, schon längst in einer kuriosen Beziehung mit Aaron zu stecken. Vielleicht, weil man Aaron einfach mögen musste.
      "Ich, ähm, hatte übrigens gedacht, dass wir uns ein Bett teilen. Es ist ja nur Schlaf und so. Ich kann aber auch auf der Couch schlafen, wenn es dir das unangenehm ist."


      Wyatt

      Das klang wenig enthusiastisch, aber eine leicht genervte Kaia war ihm lieber, als eine vollkommen normale Jia. Sie mussten hiernach ja nicht gezwungen jede Woche einen Tag miteinander verbringen. Er wollte nur Jude schlagen, Kaia war ihm sonst einigermaßen sympathisch und es würde schon irgendwie laufen, solange sie keine rechts/links-Schwäche hatte. Zur Not konnte er ja noch gestikulieren.
      Er konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie Lucas zu Jia rüber ging - was irgendwie fast witzig aussah, weil sie neben ihm echt klein wirkte - und ihr überflüssigerweise nochmal die Hand entgegenstreckte um sich vorzustellen. Zugegeben, die Sache mit den gemischten Teams, um seine Freundesgruppe irgendwie zusammen zu bekommen war vollkommen an den Haaren herbeigezogen gewesen, aber irgendwie machte es tatsächlich Sinn. Gerade bei Lucas hätte er sonst keine Ahnung gehabt, wie er ihn integrieren sollte. Er machte ja nie viel mehr, als die Augen zu verdrehen.
      "Ist mir eigentlich egal", antwortete er auf Kaias Frage, wen sie spielen sollten. "Ich spiele normalerweise Yoshi, aber wenn dir jemand anderes besser liegt, steht es dir frei zu wählen. Du fährst ja offensichtlich. ich muss es nur schaffen, dich so zu lenken, dass Jude heult." Er grinste ihr fröhlich entgegen. Sie würden das schon schaffen, da war er sich absolut sicher!


      Emma

      "Peach", korrigierte Emma präzise, während sie Jude den Controller abnahm, um den Charakter selbst einzustellen. Ob sie vielleicht warten sollte, bis die anderen Teams sich geeinigt hatten, wen sie spielen sollten? Ach, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, nicht? Oder würde sie das unbeliebt machen? Damit hatte Emma noch nie umgehen können. Dafür hatte sie viel zu hohe Ansprüche an sich selbst.
      Sie zögerte kurz, bevor sie einloggte und Jude den Controller zurück gab. Hoffentlich würden Wyatts Worte war werden und Jude spielend leicht gewinnen. Emma lächelte, während sie versuchte, die kleinen Selbstzweifel zur Seite zu schieben, die sie immer überkamen, wenn sie mit zu vielen unbekannten Leuten zusammen war. Nein. Sie konnte das. Sie kannte die Strecken und musste ja nur sagen, ob die links oder rechts abbiegen sollten. Sie war gut darin und sie hatte es bisher immer irgendwie geschafft, sich Fremde um den Finger zu wickeln. Im Grunde musste man nur über jeden noch so dummen Witz lachen und dann würde schon alles gut werden.
      "Bist du wirklich so gut in Spielen? Wyatt hyped dich, als wärst du Gaming-Jesus, oder so." Sie warf Jude einen fragenden Blick zu, während sie sich etwas gerader hinsetzte.
    • Aaron

      Oh, gut. Aaron schüttelte den peinlichen Moment innerlich etwas ab und war froh, dass Milo sich nichts dabei dachte. Er hatte ihn auch nicht für jemanden gehalten, der darauf einging, oder so… Er musste einfach aufhören, darüber nachzudenken.
      Hatte Aaron sich gedacht, bis Milo plötzlich ansprach, dass sie sich das Bett teilen konnten, und er kurz das Vertrauen verlor und sich doch irgendwie selbst die Schuld gab, dass er so zweideutig gesprochen hatte, weil, naja, wer würde die Chance dann nicht nutzen?! Zum Glück fügte Milo hinzu, was er meinte. Der Vorschlag an sich… hatte nur schlechtes Timing gehabt.
      "O-oh, nein, das ist eine gute Idee… Betten sind immer bequemer als Sofas", stimmte er zu. Dann runzelte er die Stirn und sah Milo an. "Und wenn dann würde ich auf der Couch schlafen, als Gast", widersprach er. Er hatte auch von Anfang an irgendwie damit gerechnet, aber das Bett klang besser. Er hätte auch bei weitem nicht so skeptisch mit seiner Zusage begonnen, wenn sie nicht gerade erst… Ah, egal. Die ganze Situation war ohnehin schon bizarr und eigentlich ging es ja nur darum, dass Aaron sich bei dem Gedanken, mit Milo das Bett zu teilen, kein Stück unwohl fühlte. Im Gegenteil, er vertraute Milo, dass das völlig unschuldig ablaufen würde und sie einfach nur Spaß dabei haben würden, sich so lange wie möglich unterhalten zu können. Seltsamerweise vertraute er einem beinahe Fremden dabei mehr, als beispielsweise seiner letzten Beziehung.
      "Du musst übrigens aufhören, zu sagen, dass Wyatt mich hasst, sonst manifestierst du es noch", sagte er dann und ließ sich bereitwillig an Milo ziehen, bevor er den Kopf an seine Schulter lehnte. "Er wird mich noch mögen lernen", fuhr er fort, was einen leicht drohenden Unterton hatte, aber naja…
      "Ich verstehe ja, dass ihn die Situation nervt. Er will sicher einfach nur so viel von deiner freien Zeit abbekommen, wie er kann", murmelte er und blinzelte. "Aber das will ich auch"

      Jude

      "Ich bin in vielen Dingen gut", erwiderte Jude sofort grinsend. "Gaming-Jesus… den Titel mag ich. Aber du musst wissen, dass ich einfach alles gewinne" Klang das zu überheblich? "Im Ernst. Ob ich will oder nicht" Das klang jetzt fast verzweifelt. Vielleicht sollten sie mehr spielen und weniger reden.
      Er nahm den Controller wieder entgegen. "Oh, soll ich anfangen?", fragte er etwas irritiert, nachdem Emma ihm das Teil gerade erst aus der Hand gezogen hatte. Er sah schräg nach oben zu Wyatt. "Äh, hast du irgendwas als Augenbinden? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Kaia sonst schummelt"
      "Hey! Wenn irgendjemand schummelt, dann du", warf sie ein. "Das ist die einzige logische Erklärung für deinen Streak"
      Jude rollte mit den Augen. "Wie oft noch? Ich kann nichts dafür", verteidigte er sich. Dann sagte er in vollem Ernst: "Ich würde auf mein Leben schwören, dass ich noch nie geschummelt habe", und klatschte sich die Faust auf die Brust, woraufhin Kaia ein kleines belustigtes "Pffft" ausstieß und wieder den Fernseher ansah um ihren Charakter auszuwählen, der sich als Toad herausstellte.
      "Ich bin auch für Augenbinden. Entweder das oder die andere Person muss einem die Augen überdecken. Ich traue euch allen nicht", fuhr Kaia fort.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nao.nline ()

    • Milo

      "Von wegen. Der Gast bekommt natürlich immer die bessere Option! Wenn du dich gewehrt hättest, hätte ich mich auf dem Sofa festgeklebt, damit dir nur das Bett bleibt", antwortete Milo in einer Stimmlage, die tatsächlich nicht ganz durchscheinen ließ, wie ernst er das wirklich meinte. Aber dann wäre das schon mal geklärt, oder? Irgendwie war der Punkt die ganze Zeit seine größte Angst des Abends gewesen, was wirklich seltsam war. Als Kind und Jugendlicher hatte er ständig sein Bett mit seinen Freunden geteilt. So konnte man bei Übernachtungspartys am besten bis in die frühen Morgenstunden reden und zocken. Und dann kam irgendwann die eine große, damals furchtbar peinliche Sexualkunde auf einen zu und plötzlich hielt man Abstand.
      Milo gab ein unentschlossenes Geräusch von sich, als Aaron darauf pochte, Wyatt verstehen zu können. "Ich hoffe wirklich, dass er irgendwann realisiert, dass ich nicht weniger Zeit für ihn haben werde, nur weil du da bist, aber sei bitte nicht zu enttäuscht, falls er diesen Punkt nie erreicht." Was auch irgendwie schräg war. Wahrscheinlich wäre Wyatt bei Aaron mit all seinem Verständnis und mühelosen Optimismus deutlich besser aufgehoben, als bei ihm. Es war so furchtbar untypisch für ihn, dass er das nicht selbst realisierte. Wyatt war ein schlaues Kind. Immer schon gewesen. Seine Noten waren mit weniger Anstrengung besser als die, für die Milo nächtelang geübt hatte. Ein beschissener Tag und schon stellte sich das ganze Leben auf den Kopf, hm?
      Er griff nach der Fernbedienung und reichte sie an Aaron weiter, damit der den Film raussuchen konnte. Er konnte immer noch nicht dieses seltsam vertraute Gefühl abschütteln. So, als wären sie längst in einer Beziehung und das hier wäre ein ganz normaler Abend zwischen ihnen. Ein Gedanke, der vollkommen irre war, natürlich. Das einzige, was ihn ein wenig aufatmen ließ war, dass er es wirklich mochte. Falls sie es wirklich hinbekommen würden, zwischen ihren Terminkalendern Zeit für eine normale Beziehung zu finden, wäre er vollkommen okay damit, wenn ihre normalen Abende so ablaufen würden. Mehr als okay.
      "Wie läuft es außerhalb von Job und Studium?", fragte er, während er seinen Kopf gegen Aarons lehnte. "Freunde, Familie - alles okay?"


      Wyatt

      "Das ist eine Teambuilding Maßnahme. Da ist es doch das Ziel, dass man den anderen absolut vertraut!", erklärte Wyatt gespielt genervt, während er aufstand, um ein paar Winterschals aus seinem Schrank zu ziehen.
      "Das klingt wie etwas, was jemand sagen würde, der auch vor hat zu schummeln", merkte Emma amüsiert an, während sie sich im Schneidersitzt auf sein Bett setzte.
      Wyatt stieß ein kleines, entsetztes Geräusch aus. Verrat aus den eigenen Reihen. So weit kam es noch."Überhaupt nicht! Ich weiß nicht mal, wie man 'schummeln' schreibt. Lucas ist der mit den Cheats."
      "Könnt ihr mich bitte da rauslassen?", verteidigte sich Lucas schwach und nahm einen Schal entgegen, während Jia noch den Charakter aussuchte. Offenbar ließ er sie fahren, also mussten sie sich keine großen Sorgen um die beiden machen. Nicht, weil Jia schlecht spielte - bei ihrem letzten Turnier hatte sie immerhin gewonnen - sondern weil Wy sich ziemlich sicher war, dass Lucas verdammt schlecht darin war zu kommunizieren.
      Er reichte den zweiten Schal an Jude weiter, bevor er sich mit dem letzten zu Kaia drehte. Irgendwie hatte er ein gutes Gefühl. Ihre Unterhaltung hatte beim letzten mal auch relativ gut funktioniert, also würden sie in dem Bereich zumindest keine Probleme haben. Der erste Platz war ihnen eigentlich so gut wie sicher.
      "Willst du dir den Schal selbst umbinden, oder soll ich dir helfen?" Kaia würde einfach die beste Teamkammeradin sein, die er je gehabt hatte. Würde schon passen. Wenn er nur hart genug daran glaubte, würden sie gleich einen Rekord im Blindfahren aufstellen.
    • Aaron

      „Dann hätte ich mich auf den Boden gelegt“, bestand Aaron. „Ich nehm dir doch nicht dein eigenes Bett weg, also echt“ Es war was anderes, wenn er Leute einlud, dann gab er sein Bett auf, aber da war die Couch auch kleiner, als hier, und außerdem wäre es schräg, wenn sich hier heute alle Zimmer und Betten teilen mussten, Milo auf der Couch blieb und Aaron es als einziger gemütlich hatte! Niemals.
      Aaron klickte sich durch die Filmauswahl der nächsten Streaming App und fand den Film glücklicherweise, startete ihn, hatte aber kein Bedürfnis ihr Gespräch dafür zu beenden. „Oh, ich hab sie leider in letzter Zeit alle kaum gesehen. Zuletzt an Ostern“, murmelte er zur Antwort. Die Prüfungen hatten ihn auf Trab gehalten. „Mein Bruder vermisst meinen Babysitting Service, so viel ist durchgedrungen. Meine Mutter ist ziemlich beschäftigt mit ihrem neuen Ehemann, also kein Stress von der Seite, und mein Cousin hatte irgendwie ein paar komische Eifersuchtsprobleme, die er wieder losgeworden ist. Ah, du weißt garnicht, wie süß die zusammen ist, sein Freund und er. So… unschuldig irgendwie“, lachte Aaron. „Ich wünschte, er würde mir mehr erzählen. Ich mag den Gedanken, dass wir beide das schwarze Schaf der Familie sind. Auch wenn ich irgendwie ein schlechtes Gewissen hab, wenn ich so denke, weil er immer so nett und süß war als Kind. Ich bin nur ungern allein mit etwas. Hm“ Er kuschelte sich etwas enger an Milo. „Du verstehst die… Problematik vielleicht, weil deine Eltern religiös waren. Meine ganze Familie ist wirklich sehr herzlich, aber sie haben Schwierigkeiten damit, irgendetwas zu akzeptieren, das sie nicht kennen. Aber ich glaube, es geht bergauf“
      Zumindest hatte seine Mutter, soweit er es beurteilen konnte, in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, und laut Thomas redete er auch mit beiden seiner Eltern wieder. Das war doch mal ein Anfang. Aaron wollte sich nur irgendwie nicht vorstellen, wie seine Mutter reagieren würde, wenn er ihr Milo irgendwann mal vorstellen sollte. Zumindest… war er Christ? Grauenvolles Argument, aber es könnte ihm ein paar Sympathien verschaffen. Letztlich war es Aaron relativ egal, was sene Familie von seinem Lebensstil hielt, weil die Reaktion nach seinem Coming Out es ihm ziemlich vermiest hatte, seiner Mutter nochmal zu vertrauen. Es war irgendwie traurig, aber sie waren definitiv auseinander gedriftet. Natürlich wollte er ein gutes Verhältnis behalten, aber es würde ihn wohl kaum so sehr beeinflussen, wie es Thomas beeinflusst hatte, wenn er nochmal eine negative Reaktion bekam. Man erwartete dann plötzlich nicht mehr viel.
      „Oh, was habt ihr eigentlich an Ostern gemacht?“, fragte Aaron anschließend.

      Kaia

      Teambuilding, huh? „Mario Kart kennt keine Loyalität, es ist jeder gegen jeden“, stellte Kaia klar, während Wyatt wohl Schals aus seinem Schrank fischte. Sie lehnte sich zurück und stützte die Hände aufs Bett. „Außer im Team natürlich. Aber wir haben beide bessere Karten, wenn wir Jude absolut nicht vertrauen“ Was Jude auch tat, er musste irgendwie schummeln, anders ging es garnicht. Er würde definitiv ab und zu die Augen öffnen, um sich die Fahrtstrecke anzusehen. Und selbst wenn nicht… Kaia war sich sicher, dass irgendjemand in dieser Gruppe später andere beschuldigen würde, geschummelt zu haben. So war das Leben. Mario Kart war eben Krieg.
      Kaia sah von Jia zu Jude, wie beide sich ohne einen zweiten Gedanken die Schals um den Kopf banden, und sie schmunzelte, während sie sich selbst dafür dankte, heute Morgen ihre Haare zusammengebunden und gestylt zu haben.
      Sie blinzelte, als Wyatt ihr fragend mit dem Schal entgegen kam, und in ihrem Kopf klickte etwas. „Mach du“, sagte sie grinsend. „Aber pass auf meine Haare auf, ja?“ Sie setzte sich kerzengerade auf und schloss die Augen. Wenn Wyatt ihren Zopf platt drückte war er dran. Schade, dass Jia sich die Augen schon verband, aber sie hatte sie bestimmt gehört, oder? Ein bisschen durfte man sie doch ärgern.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      Milo stieß ein kleines, zustimmendes "Mhm" aus, als Aaron seine Eltern ansprach. Sie waren urchristlich gewesen - wie jeder gute Christ hatten sie die Regeln der Bibel befolgt, die ihr eigenes Leben nicht unbequem einschränkten, während sie dieselben Regeln genutzt hatten, um anderen Leuten das Leben schwer zu machen. Sie hatten ihn lieb gehabt, das wusste Milo. Er war zu jedem Fest gerne gesehen gewesen und sämtliche Kontakteinschränkungen waren von seiner Seite aus gekommen, aber sie hätten ihn nie komplett akzeptiert, solange er mit einem Mann zusammen war. Aaron hätte nie zusammen mit ihm hier auf dem Sofa sitzen können. Sie hatten bis zuletzt gehofft, dass er eine Frau finden und heiraten würde, damit sie vergessen konnten, dass er bi war.
      "Wir haben nicht viel gemacht. Ich hatte Notfalldienst, obwohl es da zum Glück relativ ruhig geblieben ist und dann war es irgendwie ein Tag, wie jeder andere. Wy hat darauf bestanden, mein Geschenk zu verstecken und hat mich zwei Stunden suchen lassen, bevor er mir erklärt hat, dass es ein Gutschein ist und er die untere Verkleidung der Kucheninsel ausgehebelt hat, um den Umschlag mit dem Gutschein dahinter zu verstecken. Kein Plan, wie ich darauf hätte kommen sollen, aber er hatte seine Freude." Außerdem hatte Milo seit dem das ständige Bedürfnis, die Verblendung nochmal abzunehmen und unter den Küchenschränken zu wischen. War das was, was normale Menschen taten, oder steckte man die Verblendung einmal an und vergaß dann, dass die Küchenschränke nicht direkt auf dem Boden standen?
      "Aber das klingt so, als wäre bei euch deutlich mehr los gewesen. Hoffentlich hattest du trotz deines Status als schwarzes Schaf einen schönen Tag?" Milo sah kurz zu ihm runter, um sicher zu gehen, dass es Aaron gut ging. Er schien mehr an seiner Familie zu hängen, als Milo es getan hatte. "Trägst du deshalb den Pulli? Als kleinen Schafspelz?", neckte er, während er mit seiner Hand kurz über Aarons Oberarm strich. Irgendwie war es seltsam von Aaron als schwarzes Schaf zu denken. Er war so ein wundervoller Mensch.


      Wyatt

      Wyatt legte den Schal vorsichtig um Kaias Augen und band ihn mit einem kleinen "Geht das so?" fest, nur um von Emma abgelenkt zu werden, die neben ihm zu gestikulieren angefangen hatte. Er starrte sie kurz verständnislos an, während sie in Kaias Richtung deutete und an ihren eigenen Zöpfen zog. Wyatt sah vorsichtig von Emma zu Kaia und wieder zurück, was Emma einen frustrierten Gesichtsausdruck entlockte, bevor sie erneut deutlich an ihrem eigenen Zopf zog. Oh. Wyatt zog vorsichtig Kaias Zopf unter dem Schal hervor und ließ ihn wieder darüber fallen, nur, um nach kurzem, hilfesuchenden Blick zu Emma mit einem Daumen hoch belohnt zu werden. Was auch immer das Problem gewesen war.
      "Okay. Dann können wir anfangen. Nicht erschrecken", warnte er vor, während er Kaia kurz den Controller aus der Hand nahm, um durch das Menü zu navigieren und das erste Rennen zu starten. Er gab ihr den Controller zurück und wartete den gut hörbaren Countdown ab, bevor absolutes Chaos ausbrach.

      Die erste Runde war überraschend unterhaltsam, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich. Emma schaffte es irgendwie, Jude gezielt durch die Power-Ups zu führen, die Jude selbst blind beinahe abartig gut einsetzte. Jude zielte blind besser, als Wyatt sehend. Fast unsympathisch.
      Lucas navigierte mit kurzen, aber scheinbar effektiven Angaben und schaffte es wohl überraschend schnell einen Draht zu Jia aufzubauen. Zumindest waren die beiden das einzige Team, das es schaffte, erfolgreich um jede Kurve zu driften, ohne in irgendwas reinzufahren.
      Kaia fuhr sicher, wenn auch manchmal etwas zu schnell, um Wys Angaben noch verfolgen zu können. Oder sie hörte ihn einfach nicht, weil Emma neben ihnen in beachtlichen Tempo auf Jude einredete. Mit Erfolg.
      Jude wurde erster, aber auch nur, weil er es schaffte, Jia kurz vor dem Ziel mit einem grünen Panzer zu treffen. Blind. Abartig. Wy steuerte Kaia nur Sekunden später als Dritte ins Ziel, während Emma schon einen kleinen Jubel ausstieß.
      "Das war eine super Runde zum warm werden", verkündete Wy, während er auf das Ergebnis starrte. "Können wir doch nochmal darauf zurückkommen, dass Jude schummelt?"
    • Aaron

      "Aaw", machte er und lächelte. "Er ist so fies zu mir dass ich mir kaum vorstellen kann, wie er sich so über etwas freut", sagte er. Das war nicht gelogen. Er hatte Wyatt vermutlich noch kein einziges Mal lächeln sehen, mit Ausnahme von dem Museumsausflug, bei dem er völlig betrunken gewesen war. "Auch wenn er sich wahrscheinlich deshalb gefreut hat, weil du keine Chance hattest"
      Dann grinste er und sah kurz zu Milo auf. "Meine Mutter und meine Tante haben die Gemeinsamkeit, dass sie ihre Kinder nie als erwachsen sehen. Heißt, wir haben den Tag alle zusammen bei einem riesigen Osterfrühstück verbracht und dann mussten die Kinder, als mein 25-jähriger Bruder und Cousin, meine 18-jährige Cousine und alle, die tatsächlich Kinder sind, gemeinsam Geschenke im Garten suchen. Es ist ganz witzig. Aber ein bisschen seltsam", erzählte er amüsiert. Zwischen den stolperten Zwillingen auf Eiersuche zu gehen hatte etwas satirisches. Und er hätte an der Sache wohl mehr Spaß, wenn er sich nicht jedes Mal anziehen müsste, wie der größte Langweiler. Nichts gegen Milo. Ihm stand langweilig einfach super. "Ich mache für die Familie dann immer Tzatziki, was so ungefähr die größte Portion ist, die sich ein Mensch vorstellen kann"
      Aaron schielte zu Milos Hand, die ihm über den Arm strich und bekam eine leichte Gänsehaut, weil er das schreckliche Bedürfnis hatte, ihn zu küssen, um das einmal hinter sich zu bringen und sich dann nicht mehr so nervös anstellen zu müssen, wenn er es wieder tun wollte. Aber vielleicht sollten sie wenigstens warten, bis die Chance geringer war, gestört zu werden? Man sollte wohl nicht riskieren, dass der erste Kuss damit endete, dass irgendein Kind vor ihnen stand und fragte, ob es was zu trinken haben durfte. Pfft. Wie Aaron die meisten von ihnen kannte, hätten sie jedenfalls nicht den Anstand kurz zu warten und wieder umzudrehen.
      "Mhm, ich finde, blau-weiß gestreiftes Schaf klingt netter, oder nicht?", ging er auf Milo Scherz ein. Er hatte sich wohl im Leben noch nicht so sehr gezwungen, sich nicht so sehr an jemanden zu kletten, bis sie beide keine Luft mehr bekamen. "Und ich dachte mir, je weicher meine Kleidung, desto mehr haben wir beide davon", murmelte er.

      Kaia

      Okay, es wäre verrückt, wenn sie nicht gemerkt hätte, dass Wyatt offenbar keine Ahnung hatte, was sie mit 'pass auf meine Haare auf' gemeint hatte, aber vermutlich dank Emma, die neben ihr saß, hatte er es nach ein paar Sekunden geschnallt. Kaia grinste nur in sich hinein während sie den Controller wieder annahm, und sich dann… Wyatts Anweisungen durch einen Monsun an Schreien hindurch anhören musste. Es war pures Chaos. Gemessen an den hektischer werdenden Stimmen, war es wenigstens ein knappes Rennen, aber natürlich hatte Jude gewonnen. War ja klar. Nichtmal die Augenbinden haben etwas gebracht. Kaia schob es darauf, dass Emmas Stimme die von allen anderen übertönt hatte.
      Kaia band den Schal los und durfte sich bereits Judes Gejubel anhören. "HA! Seht ihr? Kein- Ich hab nicht geschummelt! Wir sind einfach das bessere Team!" Dem folgte ein High Five mit Emma und Jude ließ sich offensichtlich von den Anschuldigungen nicht klein kriegen. Dass Jia und Lucas den zweiten Platz gemacht hatten, war allerdings auch irgendwie frustrierend.
      "Warte ab, Jude, wenn ich mal in deinem Team bin, schau ich ganz genau, ob du schummelst", drohte Kaia.
      "Hä? Aber wäre es für dich dann nicht von Vorteil, wenn ich schummle? Ich meine, tu ich nicht, also mach was du willst", erwiderte er irritiert und zuckte mit den Schultern.
      "Wenn es nach mir geht, hast du's grade zugegeben", grinste sie, dann wandte sie sich an Wyatt. "Und dir zeige ich jetzt, wie man richtig Anweisungen gibt, die einen ins Ziel führen", sagte sie gewissenhaft, stand auf und deutete ihm, dass er sich setzen sollte damit sie ihm den Schal um die Augen binden konnte
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      "Wenn er sich freut, dann meistens, weil er irgendwas angestellt hat. Also ist es wahrscheinlich ganz gut, dass du das so selten siehst." Milo musste trotzdem ein bisschen lächeln. Er hatte keine Ahnung, wo Wyatt seinen Hang zum Chaos überhaupt her hatte. Seine Eltern waren super langweilig gewesen und Milo selbst hatte definitiv nichts damit zu tun. Okay, vielleicht hatte er ein kleines bisschen damit zu tun, aber er hatte ihm auf jeden Fall nie gezeigt, wie man die Küche auseinander nahm.
      "Das klingt zumindest nach einem beschäftigten Nachmittag", kommentiert er Aarons Ostern. Zugegeben, er war irgendwie nie ein großer Freund von diesem ganzen Verstecken und Suchen gewesen, aber er konnte sich Aaron seltsamerweise wirklich gut dabei vorstellen, wie er enthusiastisch jeden Gartenzwerg hoch hob und zu schauen, ob ein Ei darunter lag. Nicht, weil er kindisch war, oder so, sondern einfach, weil Aaron sich irgendwie für alles begeistern konnte. Zum Glück, sonst würden sie jetzt wahrscheinlich nicht zusammen hier sitzen. Wie viele Menschen würden schon einem Date auf einem Kindergeburtstag zustimmen? Eigentlich hatte Milo mit Aaron wirklich unverschämt viel Glück. Aber genau das mochte er so an ihm - Aaron schien einfach das zu tun, was ihm Spaß machte, egal, ob es eine Ostereiersuche, oder ein Date auf einem Kindergeburtstag war. Oder eben ein viel zu flauschiger Pullover.
      "Das war eine gute Idee. Sag mir nur, wenn es dir zu warm wird. Dann drehe ich die Heizung runter, bevor du einen Hitzeschlag bekommst. Und halte dich wirklich von Kerzen fern." Irgendwie tat das alles überraschend gut. Das war das erste mal die Woche, dass Milo wirklich sitzen konnte, nachdem er sonst zwischen Arbeit, Geburtstagsplanung und Wyatts Launen hin und her gerissen gewesen war. Er konnte praktisch fühlen, wie der ganze Stress langsam von ihm abfiel, während er mit Aaron sprach und durch die leichte, seltsam angenehme, Nervosität abgelöst wurde, die man immer hatte, wenn man jemand neuen datete.
      "Wer von euch hat am Ende die meisten Geschenke gefunden? Ich tippe auf deine Nichten?"


      Wyatt

      Jude musste schummeln. Anders konnte er es sich auch nicht mehr erklären. Wenigstens waren sie sich da alle irgendwie einig. Irgendwie trieb das Wy trotzdem nur noch mehr an, ihn zu schlagen. Wenn er tatsächlich irgendwie schummeln würde, wäre es schließlich noch cooler, trotzdem besser zu sein, als er!
      "Das hatte Null mit meinen Anweisungen zu tun. Du bist wirklich gut gefahren", verteidigte er sich gegenüber Kaia, während er sich aufs Bett setzte. "Ich kann ja nichts dafür, dass Jude offenbar selbst blind mit Items zielen kann." Er musste nur hoffen, dass Emma dieses Talent nicht besaß. Sie war eine durchaus gute Spielerin - er hatte genug Trash Spiele mit ihr und Lucas gespielt, um das beurteilen zu können - aber blindes Zielen traute er ihr zumindest nicht zu. Vielleicht hatten sie eine Chance.
      "Wir haben die Strecke einfach gespürt", merkte Emma in einem etwas überdramatischen Ton an. "Aber ihr seid natürlich auch gut gefahren. Halt nur nicht so gut, wie der Rest von uns. Wenn einer geschummelt haben muss, dann Jia, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand mit Lucs knappen Richtungsangaben so viel anstellen kann."
      Lucas stieß ein kleines Lachen aus. "Von wegen. Wir sind einfach lieber effektiv auf das Wichtigste konzentriert, als uns anzuschreien, als ob unser Leben davon abhängen würde. In der Ruhe liegt die Kraft und so. Nicht jeder von und muss auf 120 Wörter pro Minute kommen."
      Emma grinste, bevor sie ihm als Antwort die Zunge rausstreckte. "120 Wörter pro Minute scheinen ja trotzdem besser zu funktionieren, als eure Taktik."
      "Mit ein bisschen Glück streiten die beiden sich jetzt so sehr miteinander, dass wir einfach durch die Mitte fahren können", merkte Wy leise an, während er sich ein wenig zu Kaia lehnte. "Erwähn zwischendurch einfach mal, dass einer den anderen abgeschossen hat, oder so. Dann steht uns nichts mehr im Weg."
    • Aaron

      „Der Pullover ist nicht an mir angeklebt, ich kann ihn also auch ausziehen“, schmunzelte Aaron. Dass Milo sich direkt Sorgen wegen der Heizung machte… „Und wir wollen ja nicht, dass den Kindern oben so kalt wird, dass sie sich mit Alkohol aufwärmen müssen“, fügte er amüsiert hinzu. Dem Gebrülle nach schienen sie sich oben aber sowieso gut zu beschäftigen. Eigentlich war das alles ein mehr als verrückter Zufall. Aaron kannte Jude und Kaia beide schon eine ganze Weile und wusste, dass die zwei befreundet waren, und dann war Jia hinzugekommen und die beiden hatten sie sofort irgendwie adoptiert. Dass ausgerechnet Milos Bruder sich mit der Gruppe anfreunden würde… und es ihnen ermöglichte, so zusammen Zeit zu verbringen. Dass Milo ausgerechnet das Jugendzentrum für Wyatt ausgesucht hatte, in dem Aaron arbeitete. War das Schicksal? Er wollte jedenfalls glauben, dass es das war, und sie deshalb so viel Geduld füreinander hatten und Aaron mit seinem Optimismus richtig lag, sich das alles absolut lohnen würde und sie einfach zusammen gehörten. Auch wenn sie ziemlich unterschiedlich waren, aber genau das mochte Aaron so. Er mochte empathische, ruhige Menschen, die ein wenig mysteriös wirkten und sich nicht anmerken ließen, wieviel eigentlich bei ihnen los war. Er wollte das Mysterium halt in und auswendig kennenlernen.
      „Natürlich“, antwortete Aaron schließlich auf die Frage nach den Geschenken. „Eine große Familie und es gibt zwei kleine Kinder? Die bekommen alles, was sie sich vorstellen könnten. Ich meine, sie sind aber auch echt süß, da kann man garnicht anders. Ich bin manchmal froh, dass mein Bruder so unfassbar unverantwortlich und planlos ist“ Er zuckte leicht mit den Schultern. Leo war Aarons Meinung nach viel zu chaotisch, um Kinder zu haben, aber er riss sich echt zusammen, und Ness war sowieso sehr streng mit ihrer ganzen Familie, darum machte Aaron sich keine großen Sorgen. Es sagte ja ohnehin genug aus, dass sie sich trotz dem Schock damals dafür entschieden haben, die Kinder zu bekommen. Damals war Leo 22 gewesen… Und dann direkt mit Zwillingen gesegnet, so viel… äh… Glück musste man mal haben.
      Das brachte Aaron auf einen Gedanken. „Wolltest du eigentlich je Kinder haben? Auf deinen Bruder aufzupassen kommt ja sehr nah dran“, meinte Aaron. Er überlegte. „Also ich mag Kinder, alles andere wäre bei meinem Job problematisch. Ich dachte mir auch immer, dass ich irgendwann gern selbst Kinder hätte, aber eigentlich bin ich glücklich damit, so vielen Jugendlichen wie es geht irgendwie zu helfen und davon nicht abgelenkt zu sein. Aber… naja, keine Ahnung, wie das in ein paar Jahren ist“ Er dachte sich nichts dabei, das Thema mit Milo anzusprechen, es war schließlich keine Einladung oder ein Ultimat. Nur ein Thema, das ihn interessierte, wie jedes andere. Er war dem gegenüber eben sehr offen, und selbst wenn Milo es als etwas verstehen würde, dass Aaron auf sie beide bezog, auf eine mögliche Beziehung… dann war ihm auch bewusst, dass nicht jeder ein Fan von Adoption war.

      Kaia

      „Ich weiß nicht, was ihr habt, ich komm mit den Anweisungen super klar“, meinte Jude und reichte seinen Schal weiter. „Blind Items zu schießen geht auch nur, wenn die Anweisungen passen“
      Wo er recht hatte, hatte er recht. Vielleicht hatte Emma auch ein geheimes Talent was das anging. Sie würden ja jetzt sehen, ob Jude das genauso gut hinbekam, wenn er nicht derjenige war, der zuhören musste. Eigentlich war es aber überraschender, dass Jude in der Lage war, so gut zuzuhören.
      „Das war alles Glück, wir hätten fast gewonnen“, wehrte sich Jia schließlich. „Dass du in letzter Sekunde mit einem Panzer triffst, war pures Glück“
      „Wenn es dir hilft, Nachts ruhig zu schlafen“, triezte Jude sie grinsend.
      Wyatt hatte wahrscheinlich recht. Ihre Taktik sollte sein, alle anderen gegeneinander aufzuhetzen. Das funktionierte ja gut, wenn alle Anwesenden so streitlustig waren.
      Sie nickte also. „Keine Sorge, Jia und Jude aufzuregen ist mein Spezialgebiet“, flüsterte sie zurück und lächelte bevor sie sich etwas über Wyatt beugte und den Schal hinter seinem Kopf zusammenband. Währenddessen überlegte sie, ob sie sich mal die Freiheit nehmen sollte, Wyatt was über protective Hairstyles zu erzählen.

      Vielleicht war das blinde Fahren die richtige Entscheidung gewesen, um Jude mal von seinem Thron zu schmeißen. Er konnte schließlich nicht immer gewinnen, wenn er Teammitglieder hatte, die es ihm verhauen konnten. Es war dennoch etwas enttäuschend, dass Wyatt und Kaia nur zweiter Platz wurden. Besser als vorhin, aber trotzdem… Naja, wenigstens vergaß Jia vielleicht langsam den Horror, dass Kaia und Wyatt sich zusammengetan hatten. Manchmal fühlte es sich an, als würde Kaia ihre kleine Schwester mitnehmen, oder so, und dann war sie einfach froh, wenn sie sich eingliederte. Eigenartig, aber okay.
      Sie seufzte. „Okay, ‚in der Ruhe liegt die Kraft‘, alles klar, ich will‘s nicht nochmal hören“, sagte Kaia während Jia Lucas ein High Five gab. Sie ignorierte das eigentlich stolze Gefühl, weil sie lachte und tatsächlich Spaß hatte, nachdem Kaia sich die ganze Zeit gefragt hatte, wieso Wyatt sie überhaupt eingeladen hatte. Und wieso Jia zugesagt hatte, vor allem.
      Kaia wandte sich zu ihrem Teammitglied. „Ich kann nicht einschätzen, ob du den ersten Platz machen wolltest oder ob es dir reicht, dass Jude letzter ist“, sagte sie und schmunzelte leicht. „Aber ich hab ne Idee… Ich finde, jeder sollte sich mal von Jude Anweisungen geben lassen. Anscheinend ist er ja echt scheiße darin, was… das erste Mal wäre“ Sie lachte. Irgendwie würde es sie freuen, zu verlieren, wenn sie in Judes Team war.
      „Ihr seid doch alle gestört. Was genau macht euch so wild drauf, mich verlieren zu sehen??“, beschwere sich Jude.
      „Schmollst du jetzt?“, neckte Kaia ihn und ging zu ihm um ihm die Frisur zu zerstören, auch wenn der Schal schon seinen Teil getan hat.
      „Nein, ich versteh nur nicht, wieso ihr alle nicht einsehen könnt, dass ich nicht schummle“ Oh, er schmollte definitiv.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      "So, wie das oben klingt, wäre es vielleicht sowieso ganz gut, wenn sie sich gleich mal zwei Minuten nach draußen stellen um abzukühlen", scherzte Milo, während über ihnen wohl gefeiert wurde. Er konnte sich nicht wirklich beschweren - wahrscheinlich würde es heute noch im Chaos enden, aber er war froh, dass Wy mittlerweile wieder genug Leute um sich hatte, mit denen er überhaupt fröhlich feiern konnte. Es war furchtbar gewesen mitzubekommen, wie seine alten Freunde nach und nach den Kontakt abgebrochen hatten und die Krankenbesuche weniger geworden waren. Zugegeben, er war immer noch nicht der größte Fan von Emma und Lucas - und irgendwie auch Jude - aber schlechter Einfluss war ihm auf eine absolut irrationale Art und Weise lieber, als gar keine Freunde.
      Und wo sie schon bei Kindern waren, war Aarons Frage eigentlich gar nicht so seltsam, auch, wenn er sich nicht daran erinnern konnte, je mit einem Date über Kinder geredet zu haben. Zumindest nicht auf dem zweiten Date. Obwohl es wohl wirklich keine unberechtigte Frage war und überhaupt musste das ja im Grunde nichts heißen, oder?
      "Meine Eltern haben das früher immer vorausgesetzt. Für sie war immer klar, dass ich irgendwann eine Frau heiraten und Kinder bekommen würde. Ich glaube, ich hab dieses Mindset in meiner Jugend einfach übernommen und nie wirklich genauer darüber nachgedacht." Milo zuckte kurz mit den Schultern, während er seine Beine auf das Sofa zog. Eigentlich war es vollkommen unnötig, dass sie sich einen Film angemacht hatten. Er hatte bisher nichts davon mitbekommen, was im Fernseher passierte, weil Aaron einfach viel spannender war.
      "Ich würde auf keinen Fall mehr mit einem Teenager anfangen", erklärte er amüsiert. "Obwohl es ja eigentlich nur besser werden kann. Also...ich weiß nicht. Vielleicht irgendwann." Er hatte ja an sich nichts gegen Kinder. Sie konnten süß sein, wenn sie wollten und eigene Kinder zu erziehen war wahrscheinlich doch ziemlich anders, als sich um seinen Bruder zu kümmern. Immerhin war er für Wy vorher nie eine Authoritätsperson gewesen und das merkten sie beide.
      "Hast du Bilder von deinen Nichten? Wenn sie sehr nach deiner Seite der Familie kommen, müssen sie ja zuckersüß sein."


      Wyatt

      "Es reicht mir zu wissen, dass Jude überhaupt verlieren kann. Vorerst", versicherte Wyatt mit einem viel zu fröhlichen Grinsen auf den Lippen. Das war der beste Geburtstag überhaupt. Wenigstens wusste er jetzt, dass er nur genug üben, oder das richtige Spiel finden musste, um Jude zu schlagen. Es war nicht unmöglich. Das war immerhin etwas!
      Er musste kurz lachen, als Kaia vorschlug, dass Jude ihnen allen Anweisungen geben sollte. "Sollen wir einfach Teams durchmischen, oder soll Jude jedem mal Anweisungen geben und wir stoppen einfach die Zeit und sehnen, wer am schnellsten ist?", fragte er belustigt. Irgendwie stellte er sich beides witzig vor, auch, wenn er nicht vorgehabt hatte, den ganzen Tag nur mit Mario Kart zur verbringen.
      "Vielleicht schmollt er weniger, wenn wir herausfinden, mit wem er am kompatibelsten ist", fuhr er fort, als ob Jude nicht im Raum wäre und sie wohl sehr gut hören könnte. Er ging nicht davon aus, dass Jude schummelte. Irgendwie kam er ihm nicht wie jemand vor, der schummeln musste, um zu gewinnen und cool zu sein, oder so. Gegen ihn zu gewinnen machte nur eben Spaß, weil er so viel Glück im Spiel hatte.
      "Oder wir wechseln das Spiel?", er sah kurz fragend in die Runde. Die wirklich partymäßigen Trinkspiele würden wohl erst Sinn machen, wenn es ein bisschen später war und sie schon was gegessen hatten, aber bis dahin konnte man ja noch wunderbar mit Kartenspielen überbrücken, oder so. Er sah kurz zu Jude, der immer noch schmollte. "Du hast verloren, also darfst du aussuchen."
    • Aaron

      Aaron nickte. „Hm, verstehe. Das war bei uns auch immer seltsam vorausgesetzt. Vielleicht hat meine Mutter ja deshalb so einen Schock gekommen, sie glaubt nämlich nicht daran, dass Bisexualität existiert. Entweder ist man hetero oder schwul und weil ich von uns immer der vernünftigere war, hat meine Mom wahrscheinlich nicht viel von Leo erwartet“ Er schmunzelte. „Demnach müsste sie ja jetzt wenigstens beruhigt sein, weil sie Enkelkinder hat. Ich kann also weiterhin ungestört Enttäuschung spielen“, lachte er. Dann hob er den Kopf und sah Milo einen Augenblick an, bevor er ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange gab. „Ich glaube nichtmal Jesus würde in meiner Situation was anderes tun, wenn er Milo Brooks neben sich sitzen hätte“ Er grinste bevor er seinen Kopf wieder an Milos Schulter lehnte. Es wäre schön, wenn irgendjemand in seiner Jugend mal so darüber gescherzt hatte, aber er hatte sich immer nur von allen Seiten, selbst in der Schule, anhören dürfen, wie ernst das ganze Religionsthema war. Er hatte sich eine Weile eingeredet, dass irgendein Dämon ihn auf die dunkle Seite ziehen wollte, oder so, was als Ausrede ganz gut funktioniert hatte, weil er ja immernoch als Frauen stand. Es war nur keine sehr langlebige Ausrede gewesen, weil ihr italienischer Austausch-Schüler ihm damals relativ schnell die Bedeutung von „bisexuell“ klargemacht hatte. Ironischerweise war das auch der einzige Grund gewesen, wieso er sich bei seiner Mutter damals geouted hatte. Aaron war mit 16 nicht weniger optimistisch gewesen, und damals war das Opfer seines Optimismus Francesco gewesen, der aber leider trotzdem nach einem Semester zurück nachhause geflogen war, anstatt seine Familie zurückzulassen und Aaron mit Zustimmung ihrer Eltern zu heiraten. Heh. Wer hätte gedacht, dass das nicht klappen würde. Am Ende war Aaron nur die Enttäuschung seiner Mutter geblieben und die halbjährliche Frage, ob er endlich eine Freundin gefunden hatte. Die Teenage Mädchen aus seiner Schule hatten nur nicht viel für den Typen übrig gehabt, von dem alle wussten, dass er mit Francesco ausgegangen war. Blöd gelaufen.
      „Teenager können anstrengend und grausam sein, aber es ist normal, dass jeder diese egoistische Phase durchläuft, in der man viel zu beschäftigt mit sich selbst und seinem eigenen Elend ist“, erwiderte Aaron. „Darf man ihnen nicht übel nehmen. Irgendwann geht das vorbei“ Niemand war in dem Alter leicht, egal ob man mehr oder weniger traumatisiert war, als die anderen.
      „Oh, unsere Gene kämpfen sich überall durch. Es ist ein bisschen unheimlich. Die Freundin von meinem Bruder hat dunkle, dicke Haare und braune Augen. Meine Nichten haben beide blonde Fäden als Haare und blaue Augen. Sie sind eineiige Zwillinge, also hatte Vanessa nichtmal die Chance, das eine von beiden ihr ein bisschen ähnlicher sieht“, erzählte Aaron und lachte, dann zog er sein Handy aus seiner Hosentasche und öffnete ein Album, in dem er alle seine Familienfotos sammelte. Von eigenen Kinderfotos über unvorteilhafte Familienselfies und Weihnachts-Gruppenfotos. Und natürlich haufenweise Fotos von Sophie und Claire.

      Jude

      Zugegeben, er war ein wenig überrascht, dass Emma und er so schlecht abgeschnitten hatten. Er war zwischendurch… etwas abgelenkt gewesen. Er war sich noch immer nicht ganz sicher, ob Wyatt vielleicht was von der Blonden wollte, und Jude war in den letzten Minuten ein paar Mal in den Kopf geschossen, ob es zu weit ging, Emma statt dem High Five mal zu umarmen, wenn sie gewannen, weil er irgendwie austesten musste, ob und wie er mit ihr flirten könnte. Naja. Darüber hatte er sich umsonst Gedanken gemacht. Und Kaia schaffte es sowieso immer perfekt, ihn unglaublich uncool aussehen zu lassen.
      „Ich bin für ein neues Spiel“, sagte er also etwas unbegeistert. Besser, als mal wieder der Zirkusaffe zu sein und die anderen ihre Experimente damit anstellen lassen, was er nun wirklich gewinnen konnte und was nicht. Aber das war nunmal kein Glücksspiel gewesen, sondern ein Spiel für Skills und noch dazu Teams. Im Sportunterricht gewann seine Mannschaft auch nicht immer! Er konnte doch nicht kontrollieren, was andere machten. Also, seine Teams gewannen überdurchschnittlich oft, aber nicht immer.
      Eigentlich war aber völlig egal, was sie als nächstes spielten. Er würde eh wieder gewinnen. Irgendwie musste er das vorhin ja wieder wettmachen. Wenn sie später tatsächlich noch zu Trinkspielen kamen, gab es sowieso keine Gewinner und Verlierer, und dann konnten sich alle mal wieder auf was anderes konzentrieren und… er konnte sich das mit dem Flirten nochmal durch den Kopf gehen lassen. Was traf sich da schon besser, als eine Runde Flaschendrehen oder Wahrheit oder Pflicht?
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      Der kleine, beinahe beiläufige Kuss auf die Wange reichte, um Milo ein wenig aus dem Konzept zu bringen. Er stieß ein kleines Lachen aus, während er Aaron ein wenig enger an sich zog. Eigentlich wusste er immer noch nicht so richtig, was er gemacht hatte, um so viel Glück zu verdienen, aber er entschied sich dazu, es nicht weiter zu hinterfragen.
      Stattdessen konzentrierte er sich auf die Bilder, die Aaron ihn von seiner Familie zeigte, die gentechnisch offenbar tatsächlich ziemlich dickköpfig war. Aaron sah seinem Bruder zumindest ziemlich ähnlich und damit in Teilen auch seinen Nichten, wenn man genau hinsah. Es war schräg darüber nachzudenken, dass er selbst ziemlich herausstechen würde, falls die Beziehung zwischen ihm und Aaron tatsächlich funktionieren würde. Was er irgendwie absolut nicht mehr bezweifelte.

      Milo bekam nichts von dem Film mit. Aaron und er schwappten von einem Gesprächsthema ins nächste, ohne, dass sich irgendwas davon gezwungen anfühlte. Es war schwer, Zeit zu finden, um mit Aaron zusammen zu sein, aber furchtbar einfach, Zeit mit ihm zu verbringen, wenn sie zusammen waren.
      Der Film war fast vorbei, als klingelte und Milo kurz aufstand, um die Pizza anzunehmen, die sie gestern schon vorbestellt hatten. Wyatt und er hatten einen lockeren Buffetstyle irgendwie besser gefunden, als jeden nach Sonderwünschen zu fragen, auch, wenn sie darauf geachtet hatten, alle möglichen Sonderwünsche - Fisch, Fleisch, vegetarisch - abzudecken. Er tippe seinem Bruder eine kurze Nachricht, um die kleine Gruppe oben nicht zu stören und konnte die Schritte der kleinen Gruppe schon auf der Treppe hören, als er Teller auf dem Küchentisch bereitstellte.
      Er wollte Aaron gerade vorschlagen, dass sie sich einfach ein paar Stücke stehlen und den Film noch zuende schauen könnten, als Wyatt ihn im Vorbeigehen kurz zurück hielt. “Esst ihr mit?”
      Milo blinzelte seinem Bruder kurz entgegen. “Ich glaube nicht, dass ihr uns bei euch sitzen haben wollt”, antwortete er irritiert, während er aus dem Augenwinkel sah, wie Emma ihre Flasche mit dem Punsch zwischen die Bierflaschen im Kühlschrank schob. Offensichtlich hatten sie den Teil des Abends erreicht, ab dem sie sich ohne Alkohol nicht mehr aushalten würden.
      Wyatt zuckte kurz mit den Schultern. “Ist nicht so, als würdet ihr extrem stören.”

      “Was macht ihr da oben eigentlich?”, fragte Milo einen Moment später lachend. Er saß zwischen Wy und Aaron an einer Seite des großen Küchentischs, über den sich gerade fleißig Pizza hin und her gereicht wurde. “Ihr jubelt manchmal lauter, als jeder Fußballfanblock.”
      “Mario Kart”, antwortete Wyatt grinsend. “Und nachdem wir uns alle drauf geeinigt haben, dass Jude schummelt, schauen wir ihm dabei zu, wie er Kartenspiele gewinnt.”
      “Lowkey gruselig”, warf Emma ein. “Nichts gegen dich, Jude, aber eine einzelne Person sollte nicht so oft hintereinander gewinnen. Gibt es eigentlich Casinos in der Nähe? Nur so aus Interesse?”
    • Kaia

      Kaia war übertrieben glücklich, als Wyatt das Wort Pizza aussprach und war schneller als der Rest auf ihren Beinen, bereit nach unten zu sprinten und endlich zu essen. Es war nicht so, dass sie am verhungern war, aber es ging nichts über Pizza. Hoffentlich hatten sie genug bestellt, sie würde nämlich ziemlich sicher eine Ganze alleine schaffen.
      Sie schob sich zu Jia durch, als die Gruppe die Stiegen runter ging. „Ich liebe Pizza. Ich liebe liebe liebe Pizza so sehr“, sagte sie, weil ihr Magen jetzt das Denken übernahm.
      Jia lachte. „Echt? Merkt man garnicht. Wieso hast du nicht früher gesagt, dass du Hunger hast?“
      „Für Pizza brauche ich keinen Hunger. Für Pasta auch nicht. Für Sandwiches auch nicht. Das geht alles in meinen 2. Magen, den ich entwickelt hab, um das alles ohne Limit zu essen“
      Jia sah aus, als wollte sie noch was sagen, aber da sie bereits unten am Tisch angekommen waren, entschied sie sich wohl, es Kaia zu verschweigen. Wenn es nicht um Pizza ging, wusste Kaia, was das Thema war. Gut, dass sie erstmal essen konnten.
      Kaia setzte sich an die Ecke zu Wyatt, Jia neben sich, dahinter Jude und die anderen um den Tisch herum und in ihrer Mitte etliche Pizzakartons, von denen garnicht alle geöffnet waren, weil nicht genug Platz auf dem Tisch wäre. Geil. Sie griff nach einem Teller und zog sich sofort zwei Stück von der Salamipizza darauf.
      Sie schluckte schnell, um nach Emma etwas einzuwerfen: „Soweit ich weiß, war Wyatt und Judes großer Plan, eine Sekte zu gründen. Casino kommt mir auch schlauer vor“
      Jude riss die Augen auf. „Woah, das hab ich voll vergessen! Die Sekte ist definitiv noch am Plan, gleich nachdem ich meine Abschlussprüfungen hatte“
      „Wenigstens hat er seine Prioritäten gesetzt“, sagte Aaron schmunzelnd zu Milo, bevor er sich noch ein Stück von der Marinara Pizza nahm.
      „Gruselig war übrigens nicht, was ich erreichen wollte. Eher, beeindruckend. Skilled. Cool. Episch“, fügte Jude auf Emmas Kommentar hin noch hinzu. „Oder wenigstens mysteriös“ Er lachte.
      „So beeindruckend Jude, wow. Du hast drei Mal hintereinander Rommé gewohnen, willst du eine Medaille?“, fragte Kaia.
      „Das wäre das mindeste“, sagte er und biss wieder von seiner Pizza ab.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Wyatt

      Bis jetzt lief es wirklich überraschend gut. Wyatt hatte die ganze letzte Woche Panik gehabt, nicht genug für die Party zu tun, oder alles irgendwie zu langweilig und furchtbar uncool zu machen. Die meisten 16 Jährigen gingen wahrscheinlich irgendwo feiern, oder so, aber irgendwie war das noch nie so wirklich sein Ding gewesen, was nicht schlimm war, aber was, wenn es genau das Ding von seinen Freunden gewesen wäre? Aber bisher hatten wirklich alle Spaß. Niemand hatte sich über Mario Kart beschwert, oder die Kartenspiele. Irgendwie schien das alles fast ein wenig zu leicht zu sein.
      "Eine Sekte?", echote Emma nicht ganz so überzeugt, während sie ein Stück Thunfischpizza auf Margherita klatschte, als wären sie zwei Seiten eines Sandwichs. "Ist das nicht super anstrengend und irgendwie sehr, naja, lang? Bei einem Casino wären wir heute Abend direkt reich."
      "Vorausgesetzt, Jude teilt den Gewinn", merkte Lucas beiläufig an, während er sich das nächste Stück nahm, offenbar gerade genug interessiert an der Konversation, um nicht komplett stumm zu bleiben.
      "Das wäre ja wohl das Mindeste, nachdem ich uns geholfen habe, die erste Runde Mario Kart zu gewinnen!" Emma sah tatsächlich ein wenig entsetzt aus, während die beiden aufeinander geklappten Pizzastücke in ihrer Hand langsam auseinander rutschten.
      "Eine Sekte ist halt irgendwie cooler. Da hat man Geld und Leute, die denken, dass man ein Gott ist, oder so", lenkte Wyatt ein. "Ich mag die Idee. Casino ist dagegen ja einfach nur langweilig."
      "Wenn Jude mir die Hälfte vom Gewinn abgeben würde, würde ich ihn auch so...was war's? Cool, skilled und episch nennen, oder so." Emma grinste, während sie ihre Pizzakonstruktion richtete. Was so ungefähr der Moment war, in dem Wy beschloss, dass Ananas nicht das Furchtbarste war, was man Pizza antun konnte. "Wisst ihr, wie schön das wäre? Man kann sich einfach zurücklehnen, das Leben genießen, sich vielleicht einen Job suchen, auf den man Lust, hat unabhängig vom Gehalt", fuhr sie fort.
      "Weißt du schon, was du nach deinem Abschluss machen willst?", fragte Lucas mit kurzem Blick zu Jude. Was wahrscheinlich naheliegend war, immerhin stand Lucas selbst kurz vor der Frage um seine Zukunft, etwas, worüber sich Wy bisher noch gar nicht den Kopf zerbrochen hatte. Würde schon alles irgendwie werden.
    • Jude

      „Genau“, stimmte Jude sofort zu, als Wyatt ihren Plan erklärte, weil er ihm zuvor gekommen war. „Es geht drum, angebetet zu werden und so. Heilig gesprochen zu werden vielleicht. Das Geld ist ein Bonus“ Er nickte. Aber Emma ließ ihn irgendwie an seinen eigenen Plänen zweifeln.
      „Ah… naja, wir können ja beides machen. Wir können ja auch noch eine Sekte gründen, nachdem wir reich geworden sind“, stimmte er zu und grinste leicht. „Das Wort episch muss aber im Satz vorkommen, damit du einen Teil vom Gewinn bekommst“, warnte er Emma noch spaßhalber. “Ich würde mir dann wahrscheinlich estmal eine Villa mit fettem Pool kaufen”, überlegte er. Und Emma einladen, dann hatten sie beide was von dem Pool. Und äh, alle anderen konnten natürlich auch kommen. Vielleicht sollten sie alle eine Straße mit Villen aufkaufen, damit keiner einen weiten Weg zum anderen hatte!
      Jude wurde von Lucas aus seiner kleinen Fantasie gerissen. „Huh? Oh, irgendwas zwischen Kunst und Medizin, nehm ich an“, antwortete er vage. Er hatte kurzgesagt keine Ahnung. Carol drängte ihn immer dazu, was zu machen, das ihm gleichzeitig Spaß machte und er gut konnte, was ihrer Meinung nach Malen war. Chris riet ihm davon ab, Kunst zu studieren, weil es seiner Meinung nach nutzlos war und man damit arm wurde. Helen fand, dass Kunst nicht nutzlos war, aber da Jude sowieso irgendwie alles konnte, sollte er vielleicht was wählen, das ihm auch irgendwann einen sicheren Job einbrachte. Emery wollte auf keinen Fall studieren, er wollte noch nichtmal die Schule fertig machen, aber seine Eltern drohten damit ihn auf die Straße zu setzen, wenn er abbrechen wollte. Jude hatte kein Problem mit Lernen, also… sollte er vermutlich irgendwas studieren, oder? Oder er musste sich das mit dem Casino nochmal genauer überlegen. Aber nur im Ernstfall. Solche Spiele waren moralisch verwerflich oder so, sagte Helen. Keine Ahnung. Irgendwas mit ‚man soll sein Geld ehrlich verdienen‘.
      „Wahrscheinlich sollte ich ein Jahr Pause machen und mir was überlegen“, murmelte er etwas ernster, nachdem er wieder darüber nachgedacht hatte.
      „Mach dir keinen Stress, du kannst auch ein paar Sachen ausprobieren, bis du das richtige gefunden hast. Wenn du schon die Chance hast, das zu machen, nutz es aus“, sagte Aaron lächelnd und Jude nickte. Er hatte wohl recht. Glücklicherweise saß er ja nicht in einem Waisenhaus, das ihm Druck machte. Chris und Helen hatten ihm auch schon gesagt, dass er sich nicht zu viel Druck machen musste. Nicht, dass er das tat. Bei ihm funktionierte ja eh alles immer irgendwie. Kein Grund, sich zu viele Gedanken zu machen.
      „Ihr so?“, fragte er in die Runde und widmete sich wieder seiner Pizza. Nur, dass er vermutlich sowieso der einzige war, der gerade seinen Abschluss machte. Oh, hätte er mal nachfragen sollen, wie alt Emma war?! Wyatt hatte sicher nur Freunde in seinem Alter, oder? Oder?
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nao.nline ()

    • Emma

      "Heldin", antwortete Emma, ohne zu zögern. "Man ist viel an der frischen Luft und es wird nicht langweilig", schob sie hinterher, was im Grunde so absolut gar nichts damit zu tun hatte, warum sie sich so sehr für den Job interessierte. Frische Luft war nett und es war wohl nicht verkehrt, dass der Job einen fit hielt, aber wie cool musste sich die ganze Anerkennung und der Ruhm anfühlen? Was für ein Boost fürs Ego musste es sein zu wissen, dass man einen Mord verhindert hatte, oder einen Diebstahl, oder sonst irgendwas in die Richtung? Dafür würde sie wirklich alles in Kauf nehmen, auch zwei weitere Jahre bei Pflegefamilien, die sie weiterreichten, als wäre sie die eine Packung Merci, die irgendwer zu Weihnachten bekommen hatte, nicht wollte und die seit dem Jahr für Jahr einfach an den nächsten Freund oder Verwandten weitergegeben wurde, bis sie abgelaufen war und ohne schlechtes Gewissen weggeschmissen werden konnte.
      "Heldin?", echote Milo mit einem kleinen, kritischen Blick, den sie sich wohl verdient hatte. Emma hatte generell nichts gegen Wys Bruder, auch, wenn er vielleicht ein bisschen zu verklemmt war. Wenigstens interessierte er sich genug für Wy, um auf ihn aufzupassen und skeptisch gegenüber Freunden zu sein, die Alkohol mitbrachten. Aber wirklich warm war sie in den letzten Monaten nicht mit ihm geworden. Wahrscheinlich, weil sie die Freundin mit dem Alkohol war.
      "Ist doch cool", verteidigte sie sich. "Die Uniformen sehen irgendwie gut aus und man hilft Leuten." Sie zuckte kurz mit den Schultern. "Lucas will Informatik studieren, was so ungefähr das Langweiligste ist, was ich mir vorstellen kann."
      "Aber man bekommt ein echt gutes Gehalt, je nachdem, wo man später arbeitet", merkte Lucas an, bevor er in Wys Richtung nickte. "Was ist mit dir, Geburtstagskind?"
      "Kein Plan." Wyatt zuckte mit den Schultern, während er nach dem nächsten Pizzastück griff. "Aber ich hab ja auch noch Zeit. Zur Not werde ich Sprechstundenhilfe bei Milo."
      "Du würdest innerhalb der ersten zwei Stunden heulen", merkte Milo trocken an.
      "Würde ich nicht", wehrte sich Wyatt.
      "Was wolltet ihr werden, als ihr in unserem Alter ward?", schnitt Emma mit Blick zu Milo und Aaron dazwischen, bevor ein Streit ausbrechen konnte.
      "Arzt", antwortete Milo mit einem entschuldigenden Lächeln. "Ich wusste das relativ früh. Davor war es Astronaut, glaube ich." Er musste selbst ein wenig lachen, während er sich zu Aaron drehte. "Und bei dir?"
    • Jude

      "Du willst viel Geld haben und Heldin werden?", fragte Jude skeptisch, als Emma ihm antwortete. "War da nicht irgendwas in den Nachrichten, das die so unterbezahlt werden?"
      "Das ist, weil der Staat ihre Mittel in Grenzen halten will", warf Kaia ein. Miss Know-it-all. "Je weniger Geld, desto unwahrscheinlicher werden sie korrupt und machen das alles nur fürs Geld, anstatt um Menschen zu helfen. Sonst würde sich bestimmt jeder Steine-Verrückte durch die Akademie quälen, nur um später viel Geld und naja, viel Macht zu haben. Hat mein Bruder mir erklärt"
      Das machte irgendwie Sinn. "Wäre dann aber irgendwie sinnvoller, den Leuten, die gefährliche Jobs haben, etwas mehr zu zahlen, und den Politikern dafür weniger"
      Kaia zuckte mit den Schultern. "Vielleicht werde ich Politikerin und mache, dass Helden mehr Geld bekommen" Sie warf Emma ein Grinsen und Zwinkern zu. "Aaron studiert übrigens. Also, anscheinend gibts da keine Altersgrenze"
      "Du lässt das klingen, als wäre ich alt", beschwerte sich Aaron kurz. "Medizinstudenten brauchen mindestens zehn Jahre, bis sie ihren Facharztabschluss haben, da sind die meisten 28! Ich bin 27 und außerdem auch fast mit meinem Studium fertig. Ich mach es ja auch nur nebenberuflich, damit ich wirklich das arbeiten kann, was ich will, und zwar Sozialpädagoge" Er lächelte.
      "Du hättest schon längst fertig sein können", warf Jude ein während er von seiner Pizza abbiss.
      "Danke für deinen Senf, Jude", meinte Aaron sarkastisch, bevor er fortfuhr. "Ich wollte aber tatsächlich nie studieren. Für mich hat es nach einem Alptraum geklungen, nach der Schule nochmal mindestens drei Jahre zu lernen. Die Einstellung kann sich aber auch ändern. Ich weiß halt, dass ich es machen muss, damit ich meinen Job machen kann. Aber mit 15/16 wollte ich eigentlich nur im Lotto gewinnen. Und irgendetwas arbeiten, wo ich Abends nachhause kommen und entspannen kann, etwas das nicht zu anstrengend ist und mit netten Kollegen"
      "Aw. Du hast es sogar noch besser erwischt. Du hast uns", grinste Jude.
      "Ich hab euch", echote Aaron mit einem breiten Lächeln und ließ Jude mit seinem Sarkasmus einfach nicht gewinnen. "Und in ein paar Wochen hab ich dann tatsächlich wieder viiiiiel weniger Stress und Aufwand und kann euch viel mehr Aufmerksamkeit schenken und euch den ganzen Nachmittag mit Workshops nerven", grinste er.
      Jude verzog etwas das Gesicht. "Klar. Sofern ich dann noch freiwillig vorbeikomme. Ist doch langweilig, wenn ich dich nicht beim Lernen stören kann"
      "Aw, Jude, du bist bald zu alt um noch ins Jugendzentrum zu kommen. Musst du dann richtig traurig draußen vor der Tür herumlungern, weil du keine anderen Freunde hast?", fragte Kaia gespielt traurig.
      "Ha. Ha. Vielleicht werde ich auch einfach… Sozial-irgendwas und nerve euch alle so sehr, bis ihr nicht mehr kommen könnt", sagte Jude.
      "Ja, genau das ist mein Job", meinte Aaron trocken. "Was willst du eigentlich machen, Kaia?"
      "Keine Ahnung" Sie zuckte mit den Schultern und überlegte kurz. "Friseurin"
      Aaron lachte. Jude dachte sich nur, dass das absolut nicht zu ihr passte. So besserwisserisch, wie sie manchmal war, und noch dazu mit richtigen Fakten und allem. Und studierten ihre Brüder nicht beide irgendwas total krasses? Vielleicht wollte sie genau deshalb nicht studieren, weil sie wusste, wie anstrengend es werden konnte… Gut, dass Jude mit sowas noch nie Probleme gehabt hatte. Studieren schaffte er mit links.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Milo

      Irgendwie war es süß, ihnen allen zuzuhören. Milo wusste noch genau, wie er sich damals gefühlt hatte, als die Berufswahl plötzlich nicht mehr nur ein Tagtraum, sondern bittere Realität geworden war. Er war selbst erstmal vollkommen überwältigt gewesen, auch wenn er gewusst hatte, dass er Medizin studieren wollte. Trotzdem hatte es ja mehr als genug organisatorische Punkte gegeben. Eine Studentenwohnung, ein Finanzplan, der ewige Kampf mit den Uni-eigenen Programmen, die ihren eigenen Willen gehabt hatten. Er hatte drei Kreuzzeichen gemacht, als er endlich mit dem Gröbsten durch gewesen war, nur, um sofort in Wys Vormundschaft reinzustolpern. Das Leben hatte halt manchmal irgendwie eigene Pläne. Vielleicht war er deshalb auch vollkommen entspannt, als Wy meinte, dass er keine Ahnung hatte, was er mit seiner Zukunft anfangen sollte.
      "Ihr findet schon was. Und falls ihr euch verrennt, ist es auch keine Schande noch umzuschulen, oder so", merkte er an. Viele seiner Freunde waren auch nicht unbedingt dort gelandet, wo sie hin gewollt hatten. Er hatte genug Bekannte aus Uni-Zeiten, die abgebrochen hatten und in eine vollkommen andere Richtung gegangen waren. Besser so, als in einem Job zu stecken, den man nicht leiden konnte.

      Die Konversation lief noch eine ganze Weile vor sich hin. Einzelne Berufe wurden zwischen Pizzastücken hin und her geworfen, bevor das Thema gewechselt wurde. Als das letzte Stück Pizza verschwunden war - etwas, was Milo eigentlich kaum für möglich gehalten hatte - verabschiedeten sich die Jugendlichen wieder nach oben, diesmal mit dem Alkohol und einem Großteil von Aarons Muffins im Gepäck. Wenigstens schienen die gut anzukommen, was ihn irgendwie für den Blonden freute.
      "Also", setzte er an, während er die Teller zusammenstellte, um sie in die Spülmaschine zu räumen, "Wir haben den ganzen Abend Zeit. Gibt es irgendwas, was du unbedingt machen möchtest, bevor wir wieder verzweifelt nach einem Termin für ein Date suchen? Wir müssen nicht unbedingt die ganze Zeit im Haus bleiben, falls du eine Runde raus möchtest, oder so." Eigentlich war Milo sowieso nur hier, weil er nirgends anders hin konnte und sicher gehen wollte, dass das Haus am nächsten Morgen noch stand. Die Teenager würden schon alleine zurecht kommen.


      Wyatt

      "Wir haben keine Ahnung, wie stark der ist. Wir haben vorher noch nie Punsch gemacht. Oder Bowle, oder was auch immer das jetzt ist", erklärte Emma, während sie die kleinen Gläser, die sie mit aufs Zimmer genommen hatten, mit ihrer mitgebrachten Mische füllte und rumreichte. "Es ist größtenteils Rum und Erdbeeren drin. Und jede Menge Zucker. Aber Phil, also Lucs Bruder, hat uns versichert, dass man nicht direkt davon umkippt."
      "Phil hat mir als Kind allerdings auch erzählt, dass die Wolken im Himmel aus Fabriken kommen, also eh." Lucas verzog kurz das Gesicht, während er ein paar Gläser für die Leute zur Seite zog, die eventuell nicht so experimentierfreudig waren.
      Wyatt warf Jia einen kurzen Blick zu. Sie war die Jüngste von ihnen und sowieso so dickköpfig, dass er sich nicht vorstellen konnte, dass sie mittrinken würde. Er reichte ihr schon mal kommentarlos eine Flasche Wasser rüber. Sie musste ja nicht mittrinken, wenn sie langweilig sein wollte. Obwohl sie wirklich sehr jung war, oder? Wy selbst hatte ja auch erst dieses Jahr angefangen, Alkohol zu probieren. Ach, eigentlich konnte ihm das vollkommen egal sein. Sie war ja nicht seine Verantwortung.
      "Wir haben noch Misch-Bier da, falls jemand etwas anderes will", erklärte er, während er sich wieder die Karten schnappte, mit denen sie eben noch gespielt hatten. "Wollen wir direkt mit einem Trinkspiel anfangen, oder so?"
      "Oder Flaschendrehen? 'Ich hab noch nie'? Bierpo- oh, dafür bräuchten wir einen Tisch, vergesst es", schlug Emma vor. "Aber wir sind relativ viele, da wird bestimmt alles irgendwie lustig."
    • Aaron

      "Wenn es dich nicht unruhig macht, die Gruppe alleine zu lassen, könnten wir ein Runde spazieren gehen. Heute ist es nicht sehr kalt", schlug Aaron lächelnd vor. Der einzige Hintergedanke dabei war, Milo tatsächlich zum ersten Mal kurz völlig für sich alleine zu haben. Das machte aber nur Sinn, wenn er nicht gedanklich noch hier im Haus war, weil er sich immernoch Sorgen machte, dass irgendetwas abbrannte.
      Aaron stand noch einen Augenblick im Türrahmen, bevor er es nicht länger ertragen konnte und Milo beim Wegräumen des Geschirrs half, Gast hin oder her. Sie hatten eine unnormale Menge an Geschirr verbraucht und von einer Geburtstagstruppe konnte man ausnahmsweise nicht erwarten, dass sie aufräumten. Aaron half, die Teller in den Geschirrspüler zu räumen und jedes Mal, wenn er sich gleichzeitig mit Milo bückte, konnte er es kaum fassen, dass sie sich fast immernoch am nächsten kamen, wenn sie zusammen aufräumten. Irgendwann musste das alles wirklich ein Ende nehmen. Am Anfang sollte es doch diese Honeymoon-Phase geben!
      "Und du kannst mir erzählen, wie lange du tatsächlich Astronaut werden wolltest und wieso", grinste er.

      Kaia

      Okay. Es gab Dinge, die man tun musste, wenn man eine halbwegs gute Freundin war, und dazu gehörte, solidarisch mit der Vierzehnjährigen vom Alkohol abstinent zu bleiben. Vielleicht würde Kaia einen Schluck probieren, aber das war's. Jia wäre sonst die einzige, die nichts trank, und sie war die jüngste und es wäre wahrscheinlich ihre persönliche Hölle, wenn alle anderen total besoffen waren.
      Nachdem sie sich alle wieder am Boden in einem unförmigen Kreis niedergelassen hatten, und Kaia sich brav neben Jia platzierte, ging es mit den Spiel-Überlegungen los. Sie schnappte sich eine Wasserflasche, damit Jia nicht die einzige war, und dachte nach. Die Vorschlage waren interessant. Ob die Jungs da mitziehen würden? Bei Flaschendrehen? Kaia war jedenfalls ein Fan, das konnte in jeder Konstellation nur witzig werden, egal welche Version von Flaschendrehen sie spielten. Sie grinste.
      "Flaschendrehen, wo sich immer zwei küssen müssen?", neckte sie. "Oder das, wo zwei in einen Kleiderschrank oder eine Abstellkammer gehen?" Sie lachte. Vielleicht sollten sie mit etwas anderem anfangen und den Alkoholspiegel erhöhen, bevor sie sowas machten.
      "Ich bin für Pflicht oder Wahrheit oder 'ich hab noch nie'. Wir haben zwar gleichviele Jungs wie Mädchen hier, aber die Chance ist trotzdem ziemlich groß, dass langweilige Pärchen gedreht werden", warf Jude ein und zuckte mit den Schultern.
      Ts. Für ihn vielleicht langweilig. Kaia würde sich zu Tode lachen, wenn Jude und Wyatt sich küssen müssten. Allerdings würde hier sowieso absolut jeder auf einen Wangenkuss bestehen, oder so. Das war tatsächlich langweilig. Kaia würde hier jeden küssen. Was war schon dabei? War ja wirklich keine so große Sache.
      "Dann bin ich auch für Pflicht oder Wahrheit. Und wir sollten trotzdem eine Flasche drehen, damit jeder mal jeden fragt", stimmte sie zu.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦