The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Vielleicht hatte Andrew recht. Vielleicht hatte Caleb wirklich einfach nicht gewusst, wer genau Richard war und...hat sich halt einfach irgendwie auf den falschen eingelassen. Obwohl es trotzdem irgendwie ein ziemlich schlechter Scherz des Schicksals sein musste, vor allem, wenn Cal sich offenbar sogar dazu herabgelassen hatte, Richard zu verteidigen. Vielleicht war er in einer Beziehung ja irgendwie anders drauf, als sonst? Obwohl er sich das nicht vorstellen konnte. Oder vorstellen wollte. Immerhin ging es jetzt gerade nicht um die beiden, sondern um ihn und Andrew.
      Andrew, der sichtlich nervös das nächste Thema ansprach und Ezra damit kurz auf eine emotionale Schnellreise schickte, als er kurz dachte, dass er ihm einen Antrag machen wollte. Zuerst setzte Panik ein. Er liebte Andrew und er wollte unbedingt mit ihm zusammen sein, aber gerade war ein denkbar schlechter Augenblick für eine Verlobung - sie hatten schon so genug Stress, oder? Er hatte es sich anders vorgestellt, ruhiger, nicht als Resultat eines Beinahe-Todes. Dann folgte pure Freude, als sein Traum, auf ewig mit Andrew zusammen zu sein, wieder ein wenig realer wurde. Und dann Verwirrung, als die Rede einen Verlauf nahm, mit dem Ezra nicht gerechnet hatte. Oder nicht rechnen konnte, weil er die ersten paar Sekunden überhaupt keine Ahnung hatte, was genau Andrew von ihm wollte, was man ihm offenbar ansah, weil Andrew nochmal neu ansetzte und es tatsächlich endlich klickte.
      Kein Antrag also, aber mindestens genau so schön. Die Kinder adoptieren. Das klang zu schön, um wahr zu sein. Ezra nickte schwach und etwas überfordert, bevor das Nicken nachdrücklicher wurde. "Es ist verrückt und definitiv viel zu früh, aber ich hänge jetzt schon viel zu sehr an den Dreien", erklärte er, während sein Verstand erst so langsam richtig verarbeitete, was gerade passierte. Andrew wollte die Kinder behalten. Sie würden Max' ersten Schultag erleben, Nikos ersten Tag im Kindergarten, Ellis erste Worte. Er würde sich nie fragen müssen, was aus ihnen geworden war. Max müsste nie wieder Angst haben, dass er von seinen Geschwistern getrennt wurde und könnte vielleicht endlich wirklich Kind sein. Ezra versuchte kurz, die Tränen, die sich in seinen Augenwinkeln sammelten, wegzublinzeln, bevor er aufgab.
      "Sorry", begann er mit einem tränenerstickten Lachen, "Das sind Freundentränen. Alles gut. Ich habe nur die letzten Tage zu oft darüber nachgedacht, wie furchtbar es wäre, wenn die drei sich doch trennen müssten. Oder wenn sie in ein Heim kommen, wo sie eben nur irgendwelche Kinder sind. Ich will die drei so gerne adoptieren! Ich bin nur davon ausgegangen, dass dir das zu viel ist und-" Er stockte, zog eine Hand zurück und wischte sich die Tränen von den Wangen. Ihm war warm, sein Herz schlug viel zu schnell und eigentlich wollte er gerade am liebsten wieder aufstehen und sofort zurück zu den Kindern, obwohl sie noch nicht mal bestellt hatten.
      "Die drei sind noch so klein und haben schon so viel mitgemacht und ich will einfach alles dafür tun, dass sie glücklich sind." Die grenzenlose Erleichterung darüber, dass sie in der Hinsicht wohl auf einer Wellenlänge waren und er sich überhaupt keine Gedanken darüber machen musste, was Andrew über die Kinder dachte, fühlte sich an, als wäre er high. Sie würden schon irgendwie alles hinbekommen. Irgendwo war immer ein Haus frei und im Zweifelsfall konnten Cal oder Niamh bestimmt aushelfen. Das alles war viel zu perfekt.
      Ezra versuchte, sich irgendwie zu sammeln und zwang sich, einmal tief durchzuatmen, bevor er sich wieder ein bisschen gerader aufsetzte. "Du hast Amy nach Rat gefragt?", fragte er schließlich mit einem kleinen, glücklichen Lächeln auf den Lippen. Irgendwie war es schön zu hören, dass Andrew den Kontakt zu ihr hielt. Ein weiterer Teil, ihrer offensichtlich immer weiter wachsenden Familie.
    • Andrew

      Das zustimmende Nicken von Ezra kam so schnell, dass Andrew kaum Zeit hatte, länger über das schlimmste Szenario nachzudenken. Also, ja…? Andrew fing an fast synchron mit Ezra zu nicken, und die Fragezeichen schwanden erst aus seinen Augen, als der Blonde nochmal sagte, wie ungern er die Kinder ins Waisenhaus bringen wollte. Andrew hatte das Gefühl, sein Herz würde explodieren, besonders als Ezra Tränen über die Wangen flossen. Er hatte sich wohl grundlos Gedanken gemacht. Ezra freute sich darüber genau so sehr, wie Andrew es gehofft hatte. Er ignorierte kurzerhand die Tatsache, dass sie in einem Restaurant waren, und stand auf, um sich über den Tisch zu beugen. Er legte seine Hände an Ezras Wangen und und küsste ihn, dann half er dabei, die Tränen zu trocknen, bevor er sich wieder hinsetzte.
      „Ich auch. Ich will nicht, dass sie schon wieder in eine unbekannte Situation kommen, wo sie sich auf niemanden wirklich verlassen können. Ich will, dass sie sich auf uns verlassen können“ Er legte seine Hand wieder auf Ezras. Er wollte den Kindern einen sicheren Ort geben, an dem sie sich zuhause fühlen konnten, und wo sie immer beachtet und geliebt wurden. Andrew war sich sicher, dass es für die Drei die beste Entscheidung war, egal wieviel Arbeit es auf allen Ebenen bedeuten würde.
      Er nickte, als Ezra nach Amy fragte. „Sie hat vier Kinder und kommt mir sehr glücklich vor, eine bessere Ansprechperson wäre mir nicht eingefallen“, sagte er. „Sie will übrigens unbedingt, dass wir die Kinder mal mitbringen. Ich glaube, das wäre Max größter Alptraum, aber Amy will sie kennenlernen und vielleicht verstehen sie sich ja mit ihren Jungs“, fügte er hinzu. Ezra und er würden sowieso nie wieder daran vorbei kommen, ab und zu das Wochenende in Liverpool zu verbringen, und ob sie nun vier, drei oder gleich sieben Kinder um sich hatten, machte wohl kaum einen Unterschied.
      „Ähm… und… wir sollten mit der Sozialarbeiterin sprechen“, murmelte Andrew schließlich. „Ich hab sie schon sechs oder sieben Mal weggedrückt und ich glaube, man wird uns bald für Entführer halten. Ich weiß nicht, wie der Adoptionsprozess ist, aber theoretisch hab ich noch diesen seltsamen Vertrag als Erziehungsberechtigter. Das macht es vielleicht… einfacher?“ Sicher war jedenfalls, das haufenweise Arbeit auf sie zukam. Eigentlich wollten sie es ja nun möglichst ruhig angehen, aber das konnten sie verbessern.
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    • Ezra

      "Oh. Das erklärt, warum wir die Kinder schon so lange haben. Ich wollte die Sache mit der Sozialarbeiterin nie ansprechen, weil ich Angst hatte, dass du versuchen würdest, alles irgendwie zu beschleunigen", antwortete Ezra vorsichtig. Offenbar hatte er in die falsche Richtung gedacht. Vielleicht besaß Andrew doch ein wenig mehr kriminelle Energie, als er gedacht hätte. Auf jeden Fall deutlich schlechtere Moral, aber das schien ihm ja momentan entgegen zu kommen. Hauptsache, die Kinder könnten bei ihnen bleiben.
      "Vielleicht kann MLO da ja auch noch irgendwelche Fäden ziehen und...einen Sonderfall daraus machen, oder so." Irgendwas würde ihnen schon einfallen. Ezra würde alles dafür geben, dass sie die Kinder adoptieren konnten und solange Andrew und er an einem Strang zogen, kam ihm das irgendwie gar nicht so schwer vor. Es würde sich schon ein Weg finden lassen und dann könnten sie gerne jeden einzelnen Feiertag bei Amy verbringen. Elli wäre wahrscheinlich der Star unter den Erwachsenen und Niko kam sowieso mit jedem klar. Max bereitete ihm noch etwas Sorgen, aber das würde schon irgendwie funktionieren. Solange er bei ihnen war, konnten sie ihn ja immer irgendwie zur Seite ziehen, wenn er mit den ganzen anderen Kindern überfordert war. Sofern er sich zur Seite ziehen lassen wollte.

      "Wir sollten Max fragen, ob es okay für ihn ist, wenn sie bleiben", merkte Ezra ein wenig später an, als ein etwas irritierter Kellner ihre Bestellung aufgenommen und ihnen wenig später ihr Essen gebracht hatte. Durch den wohl immer noch etwas verheulten Look bemühe sich Ezra, extra freundlich zu Lächeln, was den Kellner wohl etwas beruhigte.
      "Ich denke nicht, dass er irgendetwas dagegen haben wird, aber er ist so extrem auf seine Geschwister fixiert, dass ich nicht will, dass er denkt, dass wir Entscheidungen über ihre Zukunft über seinen Kopf hinweg treffen. Und dann müssen wir ihm irgendwie klar machen, dass er auch einfach Kind sein darf. Wahrscheinlich sollten wir uns irgendwie um psychologische Hilfe für die drei bemühen." Es war irgendwie fast witzig - in Ezras Kopf rasten fast die selben Gedanken hin und her, die er schon die ganze Woche über gehabt hatte, aber jetzt kamen sie ihm aufregend und positiv vor, anstelle von deprimierend und erdrückend. Außerdem wollte er am liebsten wieder alles zeitgleich machen. Einen guten Kinderpsychologen suchen, nach einem neuen Haus oder einer Wohnung schauen, MLO fragen, ob sie bei der Adoption irgendwie unterstützend helfen könnten. Am liebsten würde er nebenbei sein Handy zücken und sofort alles irgendwie anstoßen, aber es war wahrscheinlich deutlich besser, wenn sie eines nach dem anderen machen würden.
    • Andrew

      Andrew nickte kurz, auch wenn er dabei ein paar Bedenken hatte. „Es wäre sicher gut, wenn er das Gefühl hat, mitentscheiden zu können, aber er ist Sechs. Wenn er Nein sagt, was willst du dann machen?“ Er runzelte die Stirn. Andrew traute Max auf jeden Fall zu, dass er, wie jedes trotzige Kind es wohl machen würde, sich erstmal weigerte. Die Vorstellung, für immer bei Ezra und ihm zu wohnen, konnte ihm sicher Angst machen, immerhin kannten sie sich noch nicht so lange und Max fiel es sichtlich schwer, Erwachsenen zu vertrauen. Die kleinen Gesten, wie eine Umarmung, oder Nachts bei ihnen im Bett zu schlafen, waren für Andrew nicht genug, um festzustellen, ob Max ihnen wirklich vertraute. Einem Kind blieb halt nichts anderes übrig, als sich helfen zu lassen.
      „Vermutlich sollten wir Niko und Max gleichzeitig fragen, damit Max ein bisschen… positiv beeinflusst wird oder so“, überlegte Andrew. Dass Niko ohne großartig darüber nachzudenken Ja schreien würde, bezweifelte Andrew nicht, und der Kleine war wahrscheinlich auch gut mit Ausflügen und Snacks für sich zu gewinnen. Und da Max offenbar nichts wichtiger war, als seine kleinen Geschwister, war dann wohl die Chance größer, dass er nachgab. „Ich glaube zwar nicht, dass Max aktiv in ein neues Waisenhaus will, vor allem wenn wir erklären, dass wir nicht wissen, ob die drei immer zusammen bleiben können. Aber er ist so skeptisch, dass er vielleicht Angst davor hat, für immer bei uns zu bleiben. Das legt sich sicher irgendwann, aber… ich meine, er versteht es vielleicht eh nicht so, aber mal eben neue Eltern zu bekommen ist wahrscheinlich stressig für ein Kind“
      Auch wenn Andrew sich nicht wirklich vorstellen konnte, was in Max Kopf vorging, weil er eben noch so klein war. Er bezweifelte, dass dieses Kind irgendetwas anderes tat, als seinem Instinkt nachzugehen, und dann war seine Antwort auf alles schwer einzuschätzen. Allerdings war Andrew Siebzehn gewesen, als seine Eltern gestorben waren, also kam für ihn damals garnicht in Frage, seine kurzzeitige Pflegefamilie als seine ‚neue‘ Filme zu sehen. Somit wusste er nicht, wie es für Max und Niko sein würde. Aber der Gedanke war sicher nicht nur positiv, oder?
      „Therapie ist eine gute Idee, denke ich“, fügte er dann hinzu. Er wusste von Serena, dass Sarah eine Weile bei einer Kinderpsychologin gewesen war, weil sie nicht mit anderen Kindern gesprochen hatte, bis sie in die Schule gekommen war. Manchmal hatten Kinder wohl auch ohne großes Trauma irgendwelche Probleme, aber es hatte ihr geholfen, also konnte es nicht verkehrt sein, vor allem für Max, der ja allgemein nicht viel sprach.
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    • Ezra

      Niko direkt mit einzuschalten fühlte sich irgendwie fast schon ein wenig manipulativ an. Aber Andrew hatte wahrscheinlich Recht, Max war ein wenig unberechenbar und Ezra hatte keine Ahnung, was sie machen sollten, wenn er reflexartig Nein sagen würde. Sie konnten die drei unmöglich abgeben, um dann täglich danach zu fragen, ob sich ihre Meinung geändert hatte und er wollte ihm keine unnötige Angst einjagen, oder ihn irgendwie unter Druck setzen. Max zu suggerieren, dass sie ohne Andrew und Ezra aufgetrennt werden würden, damit er bei ihnen blieb war wahrscheinlich deutlich schlimmer, als Niko gleich mit zu fragen, auch wenn es sich dabei eigentlich nur um einen simplen Fakt handelte.
      "Ich glaube, der Psychologe ist auf jeden Fall am wichtigsten", setzte Ezra mit einem kleinen Nicken an, bevor er innehielt. "Nein, warte, vielleicht sollten wir zuerst eine neue Wohnung suchen, damit wir einen Psychologen in der Nähe finden können. Das ist sinnvoller, oder? Oder wir fahren halt weiter. Nur, weil ein Psychologe in der Nähe ist, muss er ja nicht automatisch gut sein und so. Ich meine, logischerweise müssten wir erst mal rausfinden, wie wir es hinbekommen, dass die drei überhaupt bei uns bleiben können, aber danach..." Vielleicht hätte er entgegen der Empfehlungen der Beipackzettel seiner Medikamente doch Sekt zur Feier des Tages bestellen sollen. Irgendwie war er gerade einfach ein bisschen überfordert. Er atmete einmal tief durch.
      "Ich glaube, ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich froh ich bin, dass wir und bei den dreien einig sind. Du schlägst dich so gut mit ihnen. Ich glaube, Elli wird richtig enttäuscht sein, wenn ich wieder beide Arme nutzen kann und dir die Arbeit mit ihr öfter abnehme." Er musste bei dem Gedanken automatisch lächeln. Die Kleine würde das absolut beste Leben bei ihnen haben.
      "Denkst du, wir sollten Russisch lernen? Schon irgendwie, oder?", fuhr er unentwegt damit fort, seine kleine To-Do Liste zu erweitern. "Ich habe keine Ahnung, wie schwer oder leicht es ist, Russisch zu lernen, aber ich fänd es irgendwie furchtbar, wenn Max niemanden hätte, mit dem er auf seiner Muttersprache reden kann. Wenn er denn überhaupt redet." Niko und Elli dürften in dieser Hinsicht wohl ein kleineres Problem darstellen. Niko war noch zu jung, um komplexe Sätze zu bilden und hatte noch keinen allzugroßen Wortschatz im Russischen und Elli war von ihren ersten Wörtern sowieso noch meilenweit entfernt. Aber Max sollte sich auf jeden Fall genau so wohl fühlen, wie seine Geschwister.
    • Andrew

      Gut, dass sie beide ein wenig überfordert mit den anstehenden Aufgaben zu sein schienen. Das schrie ganz nach einer Liste. Oh, Andrew liebte Listen.
      Er lächelte. „Ich denke, das Gespräch und die Adoption sind das wichtigste und dann haben wir genau genommen ewig Zeit, um den Rest durchzuplanen. Ich würde davon außerdem so viel wie möglich abschieden. Also, einen Immobilienmakler bezahlen, vielleicht unseren MLO Arzt nach Psychologen-Empfehlungen fragen, und so. Es ist schon genug Arbeit, ohne stundenlang im Internet zu hängen und zu suchen“ Es mangelte Andrew zum ersten Mal in seinem Leben nicht an Geld. Da konnte man das doch ausnutzen und sich etwas Arbeit abnehmen lassen, oder? Abgesehen davon… musste er nebenbei noch seinen neuen Job schmeißen. Sobald Harald in Pension ging, sollte er dafür Sorgen, dass MLO nicht binnen einer Woche unterging.
      Andrew wusste garnicht, wie er auf Ezras Kompliment reagieren sollte, weil es für ihn so völlig verrückt klang. Er und sich gut mit Kindern schlagen… „Sie sind einfach alle drei zu pflegeleicht, glaube ich“, wehrte er ab und spielte mit der Serviette, die vor ihm lag. Aber es machte ihn trotzdem glücklich, der Gedanke, dass Elli genau so an ihm hing wie er es tat. Gut, vielleicht hieß das bei einem Baby nicht fiel, aber Andrew bildete sich gerne etwas darauf ein.
      „Ich glaube, wir sollten alleine deshalb Russisch lernen, damit die Kinder halbwegs zweisprachig aufwachsen können und das nicht verlieren. Kann nie schaden, mehr Sprachen zu sprechen. Aber… wir sollten wahrscheinlich einen Kurs machen. Ein neues Alphabet lernen ist wahrscheinlich nicht so leicht“, schlug er vor. „Es gibt sicher Online Kurse, aber… ich glaube, ich muss mir mal einen Monat Zeit lassen mit meiner neuen Position klarzukommen, bevor ich nebenbei eine Sprache lerne“ Es war schwer, bei all dem Chaos Prioritäten zu setzen, aber es war nunmal notwendig. Und leider war es deutlich wichtiger, ihr Einkommen zu sichern, als den Kindern zuliebe Russisch zu lernen. Sie würden es schon nicht verlernen, solange sie russische Kinderfilme ansahen, oder…?
      „Denkst du, ich sollte sicherheitshalber heute noch ein Mail an die Sozialarbeiterin schicken?“, fragte Andrew dann plötzlich. Für sie war nun vielleicht alles geklärt, aber alle anderen dachten vermutlich noch, dass sie die Kinder gefangen halten wollten.
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    • Ezra

      "Heute dürfte es wohl etwas spät sein, aber wir sollten morgen auf jeden Fall was schreiben. Oder die Sozialarbeiterin direkt anrufen. Am Ende denkt sie wirklich noch, dass irgendwas passiert ist, oder dass wir die Kinder entführen wollen." Ezra lächelte schwach. Irgendwie war es immer noch schräg, dass Andrew seine Anweisungen einfach so ignoriert hatte, weil er drei Kinder liebgewonnen hatte. Ezra mochte diese Seite an seinem Freund. Wenigstens hatte er nicht das Gefühl, sich Sorgen darüber machen zu müssen, dass er es sich doch nochmal anders überlegte.
      "Vielleicht hilft sie uns ja auch ein wenig, wenn wir nett fragen. Wir müssen uns ja noch Gedanken um einen Schule für Max machen und schauen, was wir mit Niko anstellen." Mit ein bisschen Glück könnten sie Max noch irgendwie in Liz' Klasse mogeln. Wenigstens hätte er mit ihr schon eine Person, die er kannte und sie könnten vorerst beide zusammen wegbringen und abholen, was bedeuten würde, dass Ada ihnen ein bisschen helfen könnte. Die Kinder mochten tatsächlich überraschend pflegeleicht sein, aber trotzdem würde es eine ziemliche Umstellung für sie werden. Ezra konnte nur hoffen, dass der Arzt ihm am Freitag irgendwie weiterhelfen konnte. Es war furchtbar frustrierend, Andrew so absolut nicht helfen zu können.
      Wahrscheinlich wäre es wirklich das Beste, wenn sie alle anderen Denkarbeiten an Profis abgaben, auch, wenn Ezra jetzt schon wusste, dass er heute Nacht wachliegen und nach Wohnungen suchen würde. Sicher hätten sie theoretisch alle Zeit der Welt, wenn sie die Kinder adoptieren könnten, aber er wollte vermeiden, dass sie weiterhin auf dem Sofa schlafen mussten, oder zusammengequetscht zwischen ihnen. Sie brauchten eigene Zimmer und Andrew und er ein breiteres Bett. UND ein Bad, das groß genug für eine Badewanne war!

      Der restliche Abend zog ein wenig an Ezra vorbei, ohne, dass er es merkte. Es war schön, nochmal einen vollkommen normalen...einigermaßen normalen...irgendwie halbwegs normalen Abend mit Andrew zu haben, aber sein Kopf war die nächsten Stunden vollkommen bei den Kindern, selbst, als ihr Gespräch sich in eine vollkommen andere Richtung entwickelte. Er wusste, dass es besser wäre, Max und Niko morgen früh von ihrer Entscheidung zu erzählen, aber am liebsten würde er sie direkt aufs Sofa setzen und ihnen eröffnen, dass sie Teil der Familie werden könnten, wenn sie wollen, sobald er nach Hause kam. Wahrscheinlich waren sie sowieso schon längst im Bett, wenn Andrew und er heim kamen.
      "Erzählt Harald eigentlich auch mal was über sich privat?", fragte Ezra, als sie das Restaurant verließen und wieder hinaus in den kalten Frühlingsabend gingen. "Ich kann mir irgendwie gar nicht vorstellen, wie er diese ganze Organisation gegründet hat. Hat er Familie? Freunde?" Abgesehen von der Begrüßung hatte er selbst keinerlei Berührungspunkte mit dem Mann gehabt. Das meiste über ihn wusste er von Steve, der immer ein wenig genervt wurde, wenn er von seinem Chef sprach. Aber selbst der wusste nicht viel über Haralds Privatleben.
    • Andrew

      Vermutlich sollten sie die Sozialarbeiterin wirklich um Hilfe bitten. Bestimmt hatten sie neben den ganzen Dingen wie Schulen und Psychologen noch genug vergessen. Ein Kind alleine war schon genug Arbeit, aber ihre To-do Liste war gleich drei Mal so lang.
      Andrew merkte dennoch, dass er sich etwas ruhiger fühlte. Zwar war nicht weniger zu tun, als vorher, aber er musste sich um eine Sache weniger Gedanken machen. Solange Ezra und er am selben Strang zogen, würden sie das alles schon irgendwie packen.
      „Ich hab keine Ahnung“, antwortete Andrew, als Ezra nach Harald fragte. „Ich weiß, dass er einen Garten hat“ Er zuckte mit den Schultern. Harald redete über nichts anderes, als seine Firma, und Andrew war ihm eigentlich sehr dankbar dafür. Wenn er mit dem Mann auch noch Smalltalk führen musste, würde er völlig durchdrehen. Sie würden niemals mit der Einführung fertig werden, bis Harald ging. „Du kannst ja mal mit ihm reden, wenn es dich interessiert. Noch hast du die Chance“, meinte Andrew, meinte es aber nur halb ernst. War es wirklich so wichtig, irgendetwas über ihren Boss zu wissen, außer dass er ihr Boss war? Schließlich hatte Harald Andrew auch noch keine einzige persönliche Frage gestellt. Gott sei Dank.

      Es war immernoch ziemlich kalt. Der April machte seinem Ruf alle Ehre, aber Abends war es trotzdem immer winterlich, und Andrew war froh, dass sie die Einkäufe für die Kinder gleich am ersten Tag erledigt hatten. Als er darüber nachdachte, dass sie bestimmt nochmal Kleidung einkaufen gehen sollten für den Sommer, kam ihm in den Sinn, dass die Kinder einen Schrank brauchen würden. Und ein Kinderzimmer, mindestens. Seltsamerweise fiel Andrew dabei immer wieder das leerstehende, durchwütete Kinderzimmer ein, indem er damals die Fotos gefunden hatte, nach denen er mit Cal und Niamh gesucht hatte. Und jetzt… verstand er noch viel weniger, wie man sich so wenig für sein Kind interessieren konnte und es bereitwillig in Gefahr brachte.
      „Wir sollten in ein Haus ziehen“, sagte er auf einmal, als er darüber nachdachte. „Mit Garten. So, wie unseres jetzt ist, nur größer, und mit Kinderzimmern, einem Arbeitszimmer, einer Badewanne und ich will einen großen Esstisch. Und eine Küche, die mit allem ausgestattet ist. Und vielleicht mit einem Pool im Garten. Und einem von diesen… kleinen Klettergerüsten mit Schaukeln“ Sie mussten irgendwie dafür sorgen, dass diesen Kinder keine einzige Sache mehr einfiel, die sie haben wollten, abseits von Spielsachen. Es sollte ihnen an nichts mangeln, und schon garnicht an Eltern, die auf keinen Fall gefährliche Objekte in ihren Zimmern verstecken würden.
      „Und wir holen uns eine vernünftige Alarmanlage und Kameras. Und eine Eingangstüre, die sich nicht so leicht aufbrechen lässt, wie unsere“
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    • "Wir finden schon was gutes", versprach Ezra, während er nach Andrews Hand griff und ihre Finger miteinander verschränkte. "Einen Garten fänd ich auch schön. Mit einer kleinen Terasse, damit man im Sommer abends draußen sitzen kann." Er lächelte. Alles in ihm fühlte sich warm an. Vor ein paar Monaten hatte er Andrew noch vollkommen hoffnungslos hinterhergeflirtet und jetzt planten sie ihr komplettes Leben zusammen. Besser konnte es eigentlich nicht mehr werden. Selbst seine Bedenken, die Kinder aus irgendwelchen Gründen nicht adoptieren zu können, kamen ihm gar nicht so realistisch vor. Obwohl sie genau das waren. Sie waren nicht verheiratet, sie hatten noch nicht genug Platz für die drei und Ezra war sich ziemlich sicher, dass sein eigenes Vorstrafenregister nicht gerade für ihn als Erziehungsberechtigten sprach. Aber irgendwie ging er davon aus, dass sie das schon alles schaffen würden.
      "Ich glaube, mit dem Pool sollten wir warten, bis die drei etwas älter sind. Sonst verbringst du den ganzen Sommer damit dir Sorgen zu machen, dass einer von ihnen reinfällt", gab er schließlich zu bedenken, als sie das Auto erreichten. Ezra zog Andrew kurz für einen Kuss an sich, bevor er einstieg. "Obwohl das Bild von dir in Badehose den ganzen Sommer durch schon was nettes an sich hat", fuhr er fort. "Solange du nicht wieder versuchst, mich zu ertränken, zumindest. Oh, vielleicht rettest du mich ja zwischendurch auch Mal vorm Ertrinken. Kannst du Mund zu Mund Beatmung?" Er zwinkerte ihm zu, bevor er sich für den nächsten Kuss über die Mittelkonsole lehnte. Bei all den Rettungsaktionen, die Andrew schon für ihn starten musste, war der Part definitiv vernachlässigt worden. In Zukunft wünschte er sich weniger Tränen und Verlustängste und mehr Küsse.
      "Und wir müssen dringend nochmal feiern. Einmal deine Beförderung und dann nochmal für die Kinder. Ich finde, ihr habt euch alle etwas Anerkennung und Spaß verdient." Er streckte seinen gesunden Arm in Andrews Richtung und strich ihm durch die Haare. Nachdem er schon dafür gesorgt hatte, dass Andrew einen neuen Grund hatte, seinen Geburtstag zu hassen, brauchte Ezra irgendeinen Ausgleich für ihn. Irgendwas, womit er Andrew zeigen konnte, wie wichtig er ihm war und wie sehr er sich über seine Erfolge freute. Vielleicht sollte er sich darauf konzentrieren, um sich selbst davon abzuhalten, doch direkt nach Häusern und Psychologen zu suchen. "ich glaube, du musst mich gleich davon abhalten, Max und Niko sofort zu fragen, ob sie bei uns bleiben wollen. Es ist viel zu spät für solche Fragen, aber ich freue mich schon so darauf, Ihnen diese Sicherheit zu geben, dass sie nie getrennt werden."
    • Andrew

      Andrew drückte Ezra Hands und musste ihn unweigerlich anlächeln, bei dem Gedanken, dass sie diesen Sommer bestimmt schon in ihrem neuen Haus verbringen würden, und sie tatsächlich Abends draußen sitzen könnten. Es würde perfekt sein. Andrew hatte zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, dass er erfüllt war, und es nicht besser werden konnte. Er würde einen hervorragenden Job haben, eine Führungsposition wie er sie immer wollte, und in einem Bereich, der seinem Vater gefallen hätte. Er hatte Ezra, und drei Kinder, und bald ein Haus. Man musste wohl manchmal Risiken eingehen, selbst wenn man dachte, man hattr bereits alles. Er hätte sich seine Zukunft nie so vorgestellt und nun wollte er es auf keinen Fall anders erleben. Er war nie sonderlich optimistisch gewesen, aber gerade blendete er alle Herausforderungen aus, die auf sie zukommen würden. Alles würde schon irgendwie funktionieren und diese Vision, die er hatte, würde auf jeden Fall in Erfüllung gehen.
      „Bist du jetzt für oder gegen den Pool?“, fragte Andrew grinsend und startete das Auto. „Für eine Mund zu Mund Beatmung von mir musst du nicht erst fast ertrinken, Schatz“ Ihre Beziehung hatte sich von Anfang an seltsamerweise sehr natürlich angefühlt, aber es war immer ein wundervolles Gefühl, mit Ezra irgendwelche Schwierigkeiten zu überstehen und ihn anschließend noch mehr zu lieben, als vorher. „Die Badehose kann ich ja auch ohne Pool tragen. Vielleicht lassen wir uns als erstes eine Gartendusche installieren“ Die Kinder hätten sicher auch mit einem Gartenschlauch genug Spaß. Oder… Horror. Andrew konnte nicht einschätzen, ob das Max größter Alptraum wäre.
      „Wir sollten das mit einer Einweihungsfeier verbinden“, schlug Andrew vor. „Neues Haus, neue Kinder, neuer Job. Vielleicht lade ich Amy auch ein“ Dann konnten sich alle noch vor Weihnachten kennenlernen. Es wäre sicher nicht schlecht, wenn Max noch jemanden in seinem Alter kennenlernte. Wenn die Kinder Geburtstag hatten, würde Ezra sicher darauf bestehen, zu feiern, und dann konnten sie Freunde einladen, aber dafür mussten sie mal welche finden. Hoffentlich ließ Ezra den Kindern nur die Wahl, ob sie überhaupt feiern wollten. Andrew hatte sein ganzes Leben lang höchstens ein spezielles Abendessen gegessen und den Rest des Tages wie jeden anderen Tag gelebt. Aber er hatte ja auch nicht sonderlich viele Freunde gehabt.
      „Lenkt dich eine Mund zu Mund Beatmung genügend ab? Dann hab ich schon einen Plan“, meinte Andrew schmunzelnd. Es war wirklich zu spät. Selbst wenn die Kinder noch nicht schliefen, war es jetzt langsam Zeit. Das Gespräch konnte bis morgen Früh warten.
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    • Ezra

      “Das würde mich auf jeden Fall ablenken”, stimmte Ezra mit einem kleinen Lachen zu, während er sich in seinen Sitz zurückfallen ließ. Amy und Familie einzuladen klang auch nach einer guten Idee. Vielleicht sollte er das Angebot direkt auf Niamh und Caleb ausweiten. Dann hätte Niko auch jemanden in seinem Alter. Mit ein bisschen Glück würden Sean und er sich gegenseitig auspowern. Die erste kleine Familienfeier und ein paar Freunde. Das klang perfekt.
      “Ich mag unser Haus jetzt schon, egal ob mit oder ohne Pool”, beschloss Ezra. Das ganze Gespräch tat unfassbar gut. Er mochte es, etwas zu haben, auf das er sich freuen konnte, eine gemeinsame Zukunft mit Andrew, den Kindern und ihm als Familie. Das klang gut genug, um alle anderen Sorgen zu vergessen.

      Steve und Thomas saßen auf dem Sofa und schauten einen Film, als sie wieder in die Wohnung kamen. Max saß auf dem Sessel und blinzelte ihnen müde entgegen. Die anderen beiden Kinder schienen bereits im Bett zu sein.
      “Er wollte warten, bis ihr wieder da seid”, erklärte Steve, als Ezra ihn begrüßte. Max sah ihn und Andrew kurz prüfend an, bevor er sich umdrehte und wortlos im Schlafzimmer verschwand.
      “Seid ihr gut zurecht gekommen?”, fragte Ezra, während er dem Jungen hinterher sah. Je länger er darüber nachdachte, desto erleichterter war er, dass Max bei ihnen bleiben würde. Mit seiner Art hätte er es bei anderen Eltern wahrscheinlich nicht so leicht, sofern sie sich nicht die Zeit nahmen um zu sehen, wie absolut perfekt der kleine Junge war.
      "Ja. Die drei sind wirklich Vorzeigekinder", antwortete Steve, auch wenn sein etwas irritierter Blick zum Schlafzimmer etwas anders sagte. "Wir haben was gemalt, ein bisschen Ferngesehen und so."
      Ezra lächelte leicht, während er zur Seite trat, um Thomas und Steve durchzulassen, die sich kurz darauf verabschiedeten. Ezra drückte Thomas als kleines Dankeschön noch eine Flasche Wein in die Hand, bevor sie die Türe hinter ihnen schlossen.
      "Wir brauchen im neuen Haus definitiv ein größeres Bett", merkte Ezra an, während er zur Schlafzimmertür sah. "Das muss auch mit auf die Liste. Ich habe das Gefühl, dass wir es öfter teilen müssen." Er öffnete die Türe vorsichtig, um kurz nach den Kindern zu sehen. Niko schlief tief und fest in der Mitte des Bettes, während Max sich an ihn gekuschelt hatte. Elli lag in ihrem Gitterbettchen, das sie heute Mittag ins Schlafzimmer geschoben hatten, und brabbelte im Schlaf leise vor sich hin. Ezra konnte nicht anders, als zu lächeln, als er die Türe wieder schloss.
      "Steht das Angebot mit der Mund zu Mund Beatmung noch? Ich glaube, ich brauche das, bevor ich die drei aufwecke."
    • Andrew

      Vorzeigekinder, was? Andrew folgte Max mit dem Blick ins Schlafzimmer. Wohl eher zutiefst misstrauische, traumatisierte Kinder. Andrew fragte sich, ob Elli später schwieriger sein würde, wenn sie in einer stabilen Familie aufwachsen konnte. Es war doch so, dass Kinder sich daran anpassten, wie viel sie sich erlauben konnten. Auch Niko hatte sich im Krankenhaus genau wie Max sehr anständig benommen und sich nie beschwert. Es war angenehm, aber auch etwas seltsam. Steves Blick konnte Andrew also gut nachvollziehen.
      Er zog die Türe etwas zu, nachdem der Junge im Bett verschwunden war, und verabschiedete sich von Thomas und Steve. Eine gute Idee, wie es schien. Er kam auf Ezra zu und gab ihm einen Kuss, während er den Zip seiner Jacke öffnete. „Das Angebot steht immer“, murmelte Andrew. Er konnte nicht genug davon bekommen, Ezra zu küssen, seit er es das erste Mal erlebt hatte. Da fragte er sich doch, wie er so lange widerstanden hatte. Aber man konnte wohl nichts vermissen, dass man nicht kannte. Dafür überlebte er nun kaum einen Tag ohne Ezra irgendwie zu berühren.
      „Wie wär‘s mit einer Dusche?“, fragte er leise und zog Ezra schon langsam mit sich in Richtung Badezimmer. „Wir sollten nochmal zusammen duschen, damit uns im Gedächtnis bleibt, wie arm wir mal waren. Unsere neue Badewanne wird super“ Ausreden über Ausreden, aber Andrew genoss es schon sehr, über ihr zukünftiges Haus zu sprechen, als wüssten sie schon genau, welches es war, wie es aussah und wann sie einzogen. Das einzig positive, abseits der Kinder, war an ihrem letzten Russland Ausflug wohl nur die Erinnerung an die Badewanne im Hotel. Sollte ihr neues Haus keine haben, mussten sie eben in eine große Badewanne investieren, die Platz für sie beide hatte. Klar, für die Kinder wäre es auch zehn Mal praktischer, aber man konnte ja noch eigene Träume haben.
      Andrew zog Ezra seine Jacke von den Schultern, als sie im Bad angekommen waren, und küsste seinen Hals bis zu seinem Schlüsselbein hinab. „Ich bin nicht so gut in Mund zu Mund Beatmung“, murmelte er zwischen den Küssen. Ja, seine Lippen verfehlten Ezras ein wenig. Gut, dass sie in keiner lebensbedrohlichen Situation waren.
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    • Ezra

      Ezra stieß ein kleines Lachen aus, während seine Finger in Andrews Haare wanderten. "Das ist okay. Ich stelle mich gerne zur Verfügung, falls du das mit dem Mund zu Mund beatmen nochmal üben willst", antwortete er, während er sich an das Waschbecken lehnte und Andrew an sich zog. Er hob seine andere Hand, um das Hemd seines Freundes aufzuknöpfen und...seufzte kurz deprimiert, als ihm der Gips wieder einfiel.
      "Ach verdammt. Wir müssten den Gips noch irgendwie in Plastik packen. Und wahrscheinlich wäre es besser, wenn wir unsere Schlafanzüge schon mal holen, bevor wir die Kinder versehentlich wach machen und nur im Handtuch dastehen. Irgendwie kommen mir Unfälle gerade nicht mehr ganz so sexy vor." Obwohl sie damit jetzt wohl vorerst leben mussten, bis sein Arm verheilt und ein neues Haus mit Kinderzimmer gefunden war. Oder Kinderzimmern. Ezra war schon der Ansicht, dass jedes Kind sich ein eigenes Zimmer verdient hatte, auch, wenn das ziemlich ins Budget gehen würde und er sich nicht sicher war, ob Max schlafen konnte, wenn er seine Geschwister nicht sah. Aber das waren Fragen, die sie sich wahrscheinlich später stellen müssten.
      "Ich gehe die Schlafanzüge holen. Bleib hier und...sieh weiter so unfassbar heiß aus, oder so." Ezra legte eine Hand an Andrews Wange und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen, bevor er sich schweren Herzens an ihm vorbei schob, raus aus dem Bad und leise zurück ins Schlafzimmer. Ihre Schlafanzüge zu greifen war leicht. Unterwäsche war etwas schwerer. Elli zuckte im Schlaf, als er an ihr vorbei zum Schrank ging und stieß ein kleines, herzzerbrechendes Wimmern aus, das Ezra kurz anhalten ließ, um nach ihr zu schauen.
      "Hey, alles okay, Maus", flüsterte er leise, während er die Schlafanzüge über seinen Gipsarm warf, um ihr mit seiner freien Hand durch die dünnen Haare zu streichen. "Dir kann nichts passieren. Du träumst nur", versicherte er und strich ihr über die Wange. Elli strampelte kurz mit ihren kleinen Beinen in der Luft, bevor sie blinzelnd die Augen öffnete und laut schluchzte. Fuck. Ezra lehnte sich in das kleine Kinderbettchen und hob sie umständlich auf seinen Arm, bevor sich das Schluchzen zum Weinen entwickeln konnte. Er wog sie sanft hin und her, während er sich leise aus dem Schlafzimmer stahl, um Niko und Max nicht zu wecken.
      "Okay, die To-Do Liste ist gerade um einen kleinen Albtraum länger geworden", verkündete er, als er mit Elli auf dem Arm zurück ins Bad ging. "Aber gib mir fünf Minuten, dann können wir direkt da weitermachen, wo wir aufgehört haben." Wahrscheinlich müssten sie sich mit drei Kindern sowieso daran gewöhnen, dass ihre Zeit zu zweit ziemlich eingeschränkt wurde. Aber Ezra würde nicht zulassen, dass sich das irgendwie negativ auf die Romantik zwischen ihnen auswirken würde!
    • Andrew

      Andrew hob den Kopf wieder. Ezra hatte recht. Der Gips und die Kinder machten das alles etwas aufwendiger. Er trat einen Schritt, um Ezra durchzulassen und sah ihm schmunzelnd nach, wie er durch die Tür verschwand, dann nahm er aus einer Kommode die Rolle an kleinen Plastiktüten für den Badezimmer Mülleimer, in die er Ezras Arm gleich wickeln konnte. Sexy. Aber er konnte das alles ja trotzdem etwas geschmackvoller gestalten. Andrew nutzte die Zeit und zog sich Hemd und Hose aus, schob alles bis auf seine Shorts in eine Ecke in wartete am Waschbecken gelehnt an seinen Freund und ihre Pyjamas, und… wurde von einem Baby überrascht.
      „Oh“, machte Andrew kurz etwas irritiert. Okay, mal sehen ob er die Stimmung danach noch retten konnte. Es ließ sich aber ja doch nicht ändern. „Schon okay, ich mach das“, sagte er schnell und nahm Ezra Elli aus dem Arm. Zwei heile Arme zu haben machte die Sache dann doch etwas einfacher.
      Andrew strich über Ellis Rücken, während er sie zurück in die Küche trug und ihr zuflüsterte, damit das Jammern aufhörte. Die Frage aller Fragen war ja, ob sie wirklich bloß einen Alptraum gehabt hatte, was an sich schlimm genug wirkte. Hatten Babies oft Alpträume? Das war irgendwie grausam. Das schien es aber gewesen zu sein, den ihre Windel löste keine Alarmsignale aus, und das leise Weinen wurde weniger, je länger Andrew sie hielt und von Seite zu Seite wippte. „Du hast immer gutes Timing, Süße“, murmelte er und machte sich langsam wieder auf den Weg ins Schlafzimmer. „Alles okay, es gibt garkeinen Grund mehr, um Alpträume zu haben. Alle sind da, allen geht es gut, dir geht‘s gut, Max geht‘s gut, Niko auch“ Andrews Stimme schien sie schon im Tragen in den Schlaf zu lullen. Sie wehrte sich keine Sekunde, als er sie zurück ins Bett legte. Er konnte sich nur vorstellen, wovon die Kinder wohl träumten, wenn sie einen Alptraum hatten. Vermutlich ähnliches, wie Andrew. Wie schön. Das war wohl ihr Familienfluch. Geteiltes Trauma.
      Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und richtete sich wieder auf um zurück ins Bad zu gehen.
      „Okay, die Millionen-Frage“, kündigte er an als er die Tür hinter sich schloss. „Wieviele Eltern haben tatsächlich ein existentes Sexleben und was können wir tun, um die Statistik zu unseren Gunsten zu drehen? … Wow, ich hab uns gerade Eltern genannt“
      Andrew stoppte mitten in seinem schlecht durchdachten Flirt. Er blinzelte Ezra an. Eigentlich… verstand er die Statistik überhaupt nicht. Der Gedanke, noch enger an Ezra gebunden zu sein als vorher und tatsächlich seine Familie zu sein, für immer und ewig, turnte ihn deutlich zu sehr an. Es fühlte sich zwar absolut nicht so an, als wären sie tatsächlich Eltern, als wäre er der… Adoptiv Vater von diesen Kindern, sondern eher irgendein seltsamer Onkel mit zu viel Verantwortung, aber das Wort jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Positiv wie negativ. Das positive kam jedenfalls ausschließlich davon, dass das Wort ‚Eltern’ Ezra miteinschloss, und das gefiel ihm sehr. Es machte ihm gleichzeitig Angst, aber sein Körper konnte zwischen diesen Reizen schließlich kaum unterscheiden.
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    • Ezra

      Ezra sah Andrew mit einem kleinen Lächeln hinterher, als er mit...ihrer Tochter in die Küche ging. Ihre Tochter. Was für ein unfassbar seltsamer Gedanke. Nicht gut, nicht schlecht, einfach seltsam. Elli war irgendwie Elli. Er musste sich wahrscheinlich einfach noch daran gewöhnen, die drei gedanklich als ihre Söhne und Tochter zu verbuchen, aber das war okay. Er erwartete ja auch nicht, dass die drei sie sofort als ihre Väter ansehen würden. Wenn Max überhaupt zulassen würde, dass sie bei ihnen blieben. Aber das war alles einfach nur eine Frage der Zeit.
      Andrew schien ähnlich zu denken. Der kleine, irritierte Blick, als er realisierte, dass er sie gerade als 'Eltern' bezeichnet hatte, war beinahe niedlich. Ezra musste ein wenig lachen, als er sich an Andrew vorbeilehnte, um die Türe abzuschließen. Noch eine Unterbrechung würde er nicht überleben. "Fühlt sich seltsam an, oder?", fragte er, während er sein Shirt auszog und zur Seite warf. "Ich habe auch gerade darüber nachgedacht, wie seltsam es ist, Elli als unsere 'Tochter' zu bezeichnen." Er lachte leicht, bevor er Andrew gegen die Tür schob und ihn küsste. Seine Haut fühlte sich wunderbar warm unter seinen Lippen an, während er sich einen Pfad über seinen Hals küsste.
      "Ich fürchte, uns stehen die nächsten Jahre einfach ein paar sehr lange Nächte bevor, wenn wir die Statistik irgendwie retten wollen", erklärte er zwischen den Küssen. Aber das würde er in Kauf nehmen. Lieber war er müde, hatte dafür aber eine funktionierende Beziehung mit Andrew und drei Kinder, als auf irgendwas davon verzichten zu müssen. Er bemühte sich, seine Jeans los zu werden, den Gips ziemlich unsexy wasserdicht zu bekommen und drehte sich schlussendlich zur Dusche, um das Wasser anzustellen.
      "Aber ich freue mich da schon drauf", fuhr er lächelnd fort, während er sich wieder zu Andrew drehte. "Du wirst bestimmt ein ganz wundervoller übermüdeter Dad." Er musste selbst kurz lachen, während er ihn wieder an sich zog. Er hatte sich lange nicht mehr so gut gefühlt. "Obwohl es wahrscheinlich auch wieder etwas einfacher wird, wenn wir unser eigenes Schlafzimmer wieder haben. Wir brauchen dringend eines, das man abschließen kann. Ich liebe die Kinder, aber ich vermisse es ein bisschen, fast von dir im Schlaf zerquetscht zu werden." Er streckte seinen Arm unters Wasser, um die Temperatur zu prüfen, bevor er Andrews Shorts nach unten schob, seine eigenen los wurde und ihn mit sich unter den Duschstrahl zog.
    • Andrew

      Äußerst seltsam. Sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil Ezra und er noch nicht einmal besonders lange zusammen waren. Und jetzt waren sie Eltern? Irgendwie machten sie alles in der falschen Reihenfolge. Aber trotzdem war es auch ganz nett. Der Gedanke gefiel ihm. Vermutlich, weil er eine unglaubliche Obsession mit Ezra entwickelt hatte, die ihn irgendwann in den Ruin treiben würde.
      „Ich bin der übermüdete Dad und du der hyperaktive Dad, ja?“, spielte er mit und lehnte sich Ezra für einen Kuss entgegen. Irgendwie klang das alles nur nach einem etwas bizarren Rollenspiel, und doch war es ihre Realität. „Da fällt mir ein, du wirst jetzt mit meinem Aufstehrythmus mitmachen müssen“, grinste er. Die Kinder standen schließlich noch früher auf, als Andrew es tat. Das Ausschlafen würde sich am Wochenende in Grenzen halten, ebenso wie das allgemeine Durchschlafen dank Elli.
      Andrew folgte seinem Freund in die Dusche und überhäufte ihn mit Küssen. Er ließ keine Sekunde die Finger von ihm, egal wer gerade mit dem Duschgel dran war, und hatte immer mehr das Gefühl, sich eigentlich an Ezra festkleben zu müssen. Das schien auch nicht weniger zu werden. Sie klammerten beide unheimlich. Das würde ja gut enden, wenn Andrew am Ende genauso an den Kindern klammerte. Das schien ja schon langsam anzufangen, zumindest wollte er sie nicht länger als ein paar Stunden aus den Augen lassen.
      Es… wurde wirklich Zeit, dass er den Antrag durchplante. Vielleicht gleich nach der Adoption und dem Umzug. Ob er sich zu viel vornahm?

      Es war verrückt, wieviel Platz zwei kleine Kinder einnehmen konnten. Andrew musste beide gezwungenermaßen in die Bettmitte schieben und beten, dass keiner aufwachte, aber beide Kinder schienen einen ähnlich festen Schlaf zu haben wie Ezra. Vermutlich, weil sie das Schreien ihrer Schwester immer wieder ausblenden mussten. Andrew legte sich an den Bettrand und zog die Decke hoch. Dieses Bett war wirklich nicht für vier Menschen gedacht, so klein einige von ihnen auch sein mochten. Aber auch wenn er sich darüber beschweren wollte, dass sein Bein fast auf den Boden hing, war er zu glücklich über die Gesamtsituation, um sich nicht einfach still anzupassen. Wenn er am Boden schlafen müsste wäre es auch okay, hauptsache seine Familie hatte Platz in dem Bett.
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    • Ezra

      Er mochte die neue Dynamik. Er war nie davon ausgegangen, dass Andrew ihn verlassen würde, oder so, aber irgendwie fühlte sich mit den gemeinsamen Kindern alles sicherer an. So, als hätten sie jetzt einen festen Plan, dem sie einfach nur folgen mussten, problemfrei und entspannt. Ezra musste fast ein bisschen lachen, als Andrew die beiden Kinder vorsichtig in die Mitte schob und keines von beiden sich großartig beschwerte. Sie waren süß, wirklich, aber sie brauchten dringend eigene Betten. Vielleicht würde das Ezra auch davor bewahren, sich dem Schlafrythmus anzupassen - er würde bei eigenen Zimmern ja nicht mitbekommen, wenn die Kinder wach wurden und sie konnten sich morgens sicher auch wunderbar ein paar Stunden selbst beschäftigen.
      Obwohl er irgendwie das Gefühl hatte, dass er es ein wenig vermissen würde, dass sie bei ihnen schliefen, wenn sie eigene Zimmer hätten. Er rutschte neben Max ins Bett und zog die Decke vorsichtig wieder über den Jungen, bevor er kurz seine Hand auf Nikos Brust legte um zu prüfen, ob er noch atmete. Schlussendlich strich er ihm die Haare aus dem Gesicht, bevor er sich selbst hinlegte, absolut zufrieden mit seiner kleinen Familie.

      Ezra wurde wach, als ein kleiner Kinderfuß ihn in die Magengrube traf. Niko hatte offenbar versucht, sich irgendwie möglichst dezent an ihn zu kuscheln und auf voller Linie versagt, was bedeutete, dass Andrew schon wach sein musste. Ezra legte reflexartig beide Arme um den Jungen, der ihm vollkommen unschuldig entgegenblinzelte und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.
      "Guten Morgen, du kleiner Wirbelwind", murmelte er, während er sich, Niko immer noch im Arm, aufsetzte. Sie schienen tatsächlich die letzten beiden im Zimmer zu sein. Andrew, Max und Elli waren wohl schon wach. Ezra spürte ein kleines Kribbeln in seiner Magengegend, als er an gestern dachte, daran, dass sie die Kinder behalten wollten. Niko murmelte irgendwas auf russisch, was sich ein wenig nach einer Beschwerde anhörte, aber Ezra ignorierte es.
      "Na komm. Wir sollten uns auch fertig machen, mhm? Wir haben heute ganz viel mit euch zu bereden." Er lächelte Niko entgegen, der nicht sonderlich überzeugt aussah, aber mit ihm mit kam, als er das Bad ansteuerte.
      Wenig später kam er mit Niko zurück ins Wohnzimmer. Der kleine Junge rannte sofort fröhlich zu Andrew und streckte ihm seine Ärmchen entgegen, wohl in der Hoffnung, dass er ihn auf den Arm nehmen würde, während Ezra sich über ihn hinweg lehnte, um Andrew einen Kuss auf die Lippen zu drücken. "Guten Morgen, Darling. Haben wir einen Plan wegen...heute?" Er sah kurz zu Max, der an der nächsten Dino Doku klebte. Sollten sie die Adoption am Mittagstisch besprechen? Oder jetzt, damit die beiden Jungs genug Zeit hatten, um sich Gedanken darüber zu machen?
    • Andrew

      Andrew fiel an diesem Morgen zum ersten Mal richtig auf, dass er in den letzten zwei Wochen eine neue Routine entwickelt hatte. Vermutlich, weil er nun realisierte, dass sich diese Routine für einige Jahre nicht mehr großartig ändern würde. Bevor er bei Ezra eingezogen war, hatte er viele Nächte garnicht zuhause verbracht, und wenn, dann hatte sein Magen sich Morgens mit Kaffee zufrieden geben müssen, denn er hastig ausgetrunken hatte, noch während er durch seine Morgenroutine geeilt war. Seit er mit Ezra zusammen war, stand zusätzlich Frühstück am Plan. Sie saßen vor der Arbeit meistens zusammen am Tisch, aßen Toast oder Cornflakes, er trank seinen Kaffee, und sie besprachen den Tagesplan, wenn es einen gab. Meistens uninteressanten Kram, wie… Einkaufen. Wäsche waschen. Gartenarbeit. Trotzdem mochte Andrew diese Momente. Nun hatte sich allerdings wieder alles geändert. Die Kinder zwangen ihn um einiges früher aus dem Bett, als er es gewohnt war, womit er als Morgenmensch glücklicherweise kein großes Problem hatte. Alles brauchte morgens die dreifache Zeit: Frühstück für Max und Niko vorbereiten, beiden beim Anziehen assistieren, hauptsächlich Niko ins Badezimmer zerren und ihn zum Zähneputzen motivieren, während Max ziemlich selbstständig war. Elli füttern, was ab und zu in einem Schlachtfeld endete, wenn sie kein Fan von dem klein geschnittenen Frühstück war, vielleicht ihre Windel wechseln, sie umziehen. Von allen drei Kindern die Haare unter Kontrolle bringen und sie beschäftigen, während Andrew selbst endlich seine Zähne putzen konnte. Es war auch gewöhnungsbedürftig, durch die milchigen Glaswände der Dusche von einem Baby angestarrt zu werden, das man nicht zehn Minuten zwei Räume weiter alleine lassen wollte.
      Heute war die Arbeit zumindest wieder minimiert, weil Niko die Chance nutzte und im Bett liegen blieb. Andrew wollte Ezra sowieso nicht aufwecken, wenn er noch in seiner Heilungsphase steckte und sein Körper dringend Schlaf brauchte. Klar, seine Rede gestern Abend, übermüdete Eltern irgendwie zu romantisieren, war ja schön, aber damit sollten sie vielleicht starten, wenn seine blauen Flecken vollends verblasst waren.
      Andrew war jedenfalls froh, dass Kinder völlig fasziniert vom Fernseher waren. Nicht die beste Erziehungsmethode vielleicht, aber er war ja auch erst seit zwei Wochen für die Kinder verantwortlich, und er wusste sich auch nicht anders zu helfen. So hatte er Zeit, um den Abwasch zu machen, alle Oberflächen in der Wohnung zu desinfizieren, die er finden konnte, weil alles deutlich schneller staubig und dreckig zu werden schien, wenn man drei Kinder hatte, und Max und Elli letztlich noch was von dem Obst aufzuschneiden, das Steve und Thomas mitgebracht hatten. Das gesamte Prozedere musste eine Stunde gedauert haben, aber er saß noch rechtzeitig um acht Uhr zwischen den zwei Kindern auf der Couch und laß sich in die Budgetverwaltung von MLO an, was wohl seine heutige Aufgabe war. Die schmatzenden Kinder links und rechts waren erstaunlich wenig ablenkend, ebenso wie der nächstbeste Kinderfilm, den er gefunden hatte, um Elli mal eine Weile still sitzen lassen zu können. Max schien sich lieber mit dem neuen Malbuch zu beschäftigen, darauf bedacht, nur mit der linken Hand die Apfelscheiben anzufassen, und nur mit der rechten die Stifte. Irgendwann switchten sie doch noch zu einer Dinosaurier Doku, als er Film vorbei war, und damit war auch Max wieder vom Bildschirm gefesselt. Andrew nutzte die ganze Zeit zwar eine Gehirnhälfte dazu, Ellis Bewegungen zu monitoren, um etwaige Obstflecken in der Couch zu verhindern, aber er steckte in einem guten Flow. Bis Ezra aufstand und ihn daran erinnerte, dass es für ihn vielleicht klar war, dass das nun seine Familie war, aber für die Kinder noch nicht.
      „Guten Morgen“, sagte er und hob Niko auf seinen Schoß, der den Blick sofort auf den Laptop fixierte, als würde er wissen, was die ganzen Zahlen bedeuteten. „Gut geschlafen?“, fragte Andrew und strich dem Jungen durch die leicht ausgewachsenen braunen Haare. Er erwartete keine Antwort. Sie mussten dringend mehr sprechen üben, und die Doku-Serien vielleicht doch mal auf Englisch schalten.
      Andrew sah etwas überfragt zu Ezra hoch. Ob sie einen Plan hatten? Er hatte keinen Plan. Ezra hatte hoffentlich einen Plan. War es problematisch, dass er dieses ganze Gespräch am liebsten seinem Freund überlassen wollte? Die Chance, dass die Kinder bei ihnen bleiben wollten, war vermutlich höher, wenn nicht Andrew die Neuigkeiten überbrachte, oder?
      „Ähm… wir sollten es vielleicht gleich hinter uns bringen“, sagte er. Es änderte ja sowieso nichts. So hatten sie zumindest den ganzen Tag noch vor ihnen, um Max umzustimmen. Vielleicht sollte Andrew nicht jetzt schon so negativ denken. Er nahm die Fernbedienung und pausierte die Doku, womit er sich von Max einen irritierten Blick einfing. Das ging ja gut los. Andrew lächelte leicht, um sich selbst zu motivieren.
      „Du kannst gleich weiter schauen, aber wir müssen über etwas wichtiges reden“, sagte Andrew.
      Er sah wieder zu Ezra. „Vielleicht mit Übersetzungs-App“, meinte er. „Niko versteht sonst nichts“
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    • Ezra

      Ezra nickte kurz. Ja. Es wäre wahrscheinlich wirklich besser, das alles direkt anzusprechen. Zum einen waren die Kinder jetzt gerade wach und aufnahmebereit, zum anderen wollte er selbst das alles auch nicht vor sich her schieben. Obwohl er jetzt gerade keine Ahnung hatte, wie genau er anfangen sollte. Vielleicht hätte er sich gestern eher darüber Gedanken machen sollen, als darüber zu fantasieren, wie heiß Andrew als Dad sein würde.
      Würde schon schief gehen. Ezra setzte sich auf den Wohnzimmersessel, während er sein Handy zückte und die App suchte. Als er wieder hoch sah, stand Max die Panik bereits in die Augen geschrieben. Der Junge war vollkommen still und saß kerzengerade neben Andrew, während sein Blick jeder von Ezras Bewegungen folgte. Gut, ein Gespräch mit 'wir müssen reden' zu beginnen war selten eine gute Idee.
      "Es ist nichts Schlimmes", versicherte Ezra mit einem kleinen Lächeln, das Max nicht sonderlich zu überzeugen schien und startete die App. Niko schien immer noch vollkommen fasziniert von dem Laptop zu sein, hob allerdings ebenfalls den Blick, als Ezra zu reden begann. "Wir haben euch lieb", fing er an, bedacht darauf, nach jedem Satz eine kurze Pause zu machen, damit die App hinterher kam, "und wir würden euch gerne hier bei uns behalten. Für immer. Aber wir würden gerne eure Meinung dazu hören." Max starrte ihn an, öffnete und schloss den Mund, ohne etwas gesagt zu haben, während die kleinen Zahnrädchen in seinem Kopf wahrscheinlich auf Hochtouren arbeiteten.
      "Uns alle?", fragte der Junge schließlich, während seine kleinen Finger sich in den Stoff seiner Hose klammerten.
      "Natürlich", antwortete Ezra schnell. "Dich und Niko und Elli. Wir würden euch nie trennen. Ihr drei gehört zusammen und wenn ihr wollt, gehört ihr auch zu uns. Wir wollen in ein großes Haus ziehen, damit ihr eure eigenen Zimmer bekommt und ein großes Bett, falls ihr doch lieber bei uns schlafen wollt." Niko stieß ein begeistertes Lachen aus, während Max' Ausdruck immer noch schwer zu deuten war.
      "Ich will keine neuen Eltern." Es war kaum mehr als ein Flüstern, während sich die ersten Tränen in Max' Augen sammelten. Ezra hatte das Gefühl, dass sein Herz brach, während er aufstand, um sich vor Max auf den Boden zu knien. Der Junge hatte deutlich zu viel durchmachen müssen. Es war unrealistisch gewesen davon auszugehen, dass er einfach zustimmen würde.
      "Ich weiß, Max. Wir wollen eure Eltern auch nicht ersetzen. Wir wollen nur, dass ihr jemanden habt, der euch so liebt, wie sie es bestimmt getan haben und jetzt nicht mehr tun können." Er streckte ihm seine Hand entgegen und wischte seine Tränen weg. Ein guter Kinderpsychologe sollte definitiv ihre oberste Priorität sein. "Wir wollen auf euch aufpassen und dafür sorgen, dass es euch gut geht. Wir haben keinerlei Erwartungen. Ihr müsst uns nicht als eure Eltern ansehen, oder so. Okay?"
      Max schniefte und nickte, während er sich über die Wangen wischte. "Okay."
      "Denk darüber nach, Max. Du musst uns nicht direkt antworten, aber wir hätten euch gerne bei uns. Ihr seid so wundervolle Kinder und es gibt noch so viele Dokus, die wir uns zusammen anschauen können. Denkst du nicht? Wer bringt mir denn alles über Dinos bei, wenn du nicht mehr da bist?"
      Das schien wenigstens die Tränen zu stoppen. Max blinzelte kurz, bevor er zu Niko sah, der deutlich enthusiastischer wirkte, als er. "Kann ich mir ein Zimmer mit Niko teilen?"
      "Wenn es das ist, was du willst", stimmte Ezra mit einem kleinen Lachen zu, während er aufstand. Am liebsten würde er den kleinen Jungen an sich drücken, aber Max schien Körperkontakt nicht sonderlich zu schätzen, also ließ er es bleiben. "Wir wissen nicht genau was passiert, wenn wir euch abgeben-"
      "Ich will bleiben." Offensichtlich war das gemeinsame Zimmer ein deutlich besseres Argument gewesen, als alles, was Ezra sich vorher überlegt hatte. Was ein bisschen seltsam war. Er selbst hätte sich eher aus dem Fenster geworfen, als sich sein Zimmer mit seinen Geschwistern zu teilen. Ezra musste fast lachen.
      "Denk gut drüber nach, Max. Wir reden heute abend nochmal darüber, okay?"
      Max nickte, schien aber nicht sonderlich unentschlossen zu sein. Okay. Das war...gut gelaufen, nicht? Wenn Max innerhalb der nächsten paar Stunden nicht sämtliches Interesse an einem Zimmer mit seinem Bruder verlor, würden sie zusammen bleiben. Eine Familie. Seine Familie. Ezra hatte das Gefühl, dass sich sein Lächeln dauerhaft auf seinem Gesicht eingebrannt hatte.
      "Super. Hat jemand eine Idee, was wir bis dahin mit dem Tag anfangen sollen?"
    • Andrew

      Ja, genau diese Abneigung hatte Andrew erwartet. Wer wollte schon kurz nach dem Tod seiner Eltern eine ‚neue Familie‘ aufgedrückt bekommen? Andrew runzelte besorgt die Stirn und klammerte sich innerlich etwas an die wie erwartet übetrieben positive Rückmeldung von Niko. Glücklicherweise fand Ezra die richtigen Worte, wie es aussah. Das Max so plötzlich nachgeben würde, ließ Andrew Ezra kurz einen irritierten Blick zuwerfen, weil er mit deutlich mehr Widerstand gerechnet hatte. Oder zumindest… mehr Bedenkzeit. Mehr Schwitzen auf ihrer Seite. Naja, so waren Kinder wohl. Etwas impulsiv. Oder Max war tatsächlich alles völlig egal, solange er nur die Absicherung hatte, mit seinen Geschwistern zusammen zu bleiben, was nicht weniger bedenklich war. Hoffentlich spielte trotzdem etwas Vertrauen in die Entscheidung mit rein.
      „Wir können uns auch zusammen ein paar coole Kinderzimmer online ansehen“, schlug Andrew vor. Nicht, dass Max noch sonderlich an Bord gezogen werden musste, aber wenn es irgendwo ein Tapete mit Dinosaurier Theme gab, konnte es ja nicht schaden, sie zu finden. Andrew hatte schon ein wenig Angst vor dem Kredit, den sie aufnehmen mussten, also konnte es nicht schaden, ein zustimmendes Kinderlächeln zu sehen.
      Aber Niko mangelte es daran sowieso nie. Er hatte auch schon seine eigenen Vorstellungen für den Rest des Tages. Der Junge setzte sich noch nicht einmal auf, er lehnte völlig entspannt an Andrew und hob fast etwas halbherzig den Arm, um mit einem schelmischen Grinsen auf den Fernseher zu zeigen. „Dino“, sagte er. Und dann: „Katze?“
      Wollte er sich was mit Katzen ansehen? Oh Mann. Andrew presste die Lippen zusammen. Er hatte jetzt schon versagt, das aktivere der beiden Kinder wollte am liebsten fernsehen.
      „Oder… wir sehen nicht fern, sondern machen ein paar Ausflüge“, lenkte er schnell ein. Sie hatten sowieso unheimlich viel zu erledigen, da konnten sie die Kindern auch überall mitnehmen und beschäftigt halten. Wie aufs Stichwort hörte Andrew seinen Klingelton hinter sich. Das Handy war ihm aus der Hosentasche gefallen und Elli tatschte bereits danach. Andrew hob es auf und sah den Namen der Sozialarbeiterin aufleuchten.
      „Aha… wie aufs Stichwort. Die Sozialarbeiterin“, kündigte er bei Ezra an, bevor er den Anruf annahm, Ezra die Fernbedienung reichte und aus dem Wohnzimmer ging, um zu telefonieren.
      Wie erwartet war seine Gesprächspartnerin hörbar irritiert und nicht sehr begeistert über ihre spontane Entscheidung, die Kinder einfach nicht mehr zurück zu bringen. Sie musste sich erstmal auf die neue Situation einstellen, vermutlich ihren Ärger über Andrews Unerreichbarkeit verarbeiten, bis sie sich dann doch hilfsbereit zeigte.
      „Hören Sie, da die Betreuung in Ihrem Fall über MLO zugelassen wurde, wurden viele offizielle Schritte ausgelassen, die Pflegefamilien und Adoptiveltern normalerweise abarbeiten müssen. Der Adoptionsprozess kann lange dauern, auch in einem Fall, in dem die Kinder bereits bei der Pflegefamilie untergekommen sind. Sie müssen den Adoptionsvorbereitungskurs auf jeden Fall nachholen. Da ich Ihnen zugeteilt bin, muss ich die Situation regelmäßig überprüfen, bis es zum gerichtlichen Urteil kommen kann. Sie müssen damit rechnen, dass alles in allem Wochen oder Monate dauern kann, aber solange sie die Kurse ablegen und ein gutes Profil beibehalten, sehe ich keine Probleme. Die Beförderung spielt Ihnen in die Karten, weil es zeigt, dass sie langfristig bei MLO angestellt sein werden. An Ihrer Stelle würde ich mich so schnell wie möglich um eine größere Wohnmöglichkeit kümmern. Ich schicke Ihnen den Adoptionsantrag per Mail und würde diese Woche gerne noch vorbeikommen“
      Andrew atmete durch. Sowas hatte er schon erwartet, schließlich konnte MLO in so einem Fall nicht über der Justiz stehen, auch wenn manchmal Ausnahmen galten. Glücklicherweise würde Ezras Strafregister ihnen beispielsweise nicht im Weg stehen.
      „Danke für Ihre Hilfe“, sagte Andrew. „Wie wäre es mit Freitag?“ Er wollte Max noch so viel Zeit geben, wie er konnte, damit er die Sozialarbeiterin mit seinen schrägen Blicken nicht skeptisch machte.
      „Wenn es nicht früher geht“, willigte sie zaghaft ein. „Schicken Sie mir die Formulare bitte bis heute Abend zurück“
      Und damit hatte sich das Gespräch so ziemlich erledigt. Andrew kam zurück ins Wohnzimmer, um Ezra eine Zusammenfassung zu geben. Er hätte es lieber gehabt, ihn mithören zu lassen, aber es war besser, Max nicht gleich das Gefühl zu geben, dass das alles irgendwie unsicher war, und ein langer Prozess werden würde
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