The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Irgendwie war es süß, dass Andrew davon ausging, dass Ezra die Ausrede mit dem Zeitmangel einfach so hingenommen hätte. Er hatte neun Jahre auf das hier gewartet, da hätte er sich von einem vollen Terminplan nicht abschrecken lassen. Trotzdem verdrehte er nur lachend die Augen und beließ es dabei. Vielleicht war es besser so. Er musste seinem Freund ja nicht bei jeder Gelegenheit vor Augen führen, wie hoffnungslos besessen er von ihm war.

      Zuhause holte sie der kleine Alltagswahnsinn wieder ein. Ezra kümmerte sich darum, die Schulsachen mit Max wegzusortieren und Malhefte und Stifte zu verteilen, bevor er sich daran machte, die Wäsche abzuhängen, damit sie nach dem nächsten Waschgang wieder genug Platz zum Trocknen hätten. Die Wäsche überwältigte ihn tatsächlich ein wenig. Als er noch alleine gewohnt hatte, hatte er über Tage hinweg sammeln müssen, damit sich ein Waschgang lohnte, wenn er seine Wäsche nicht mit Ada und Liz zusammengeworfen hatte und jetzt hatte er keine Ahnung, wie er die ganze Kleidung irgendwie in die Wäschetrommel schieben sollte, weshalb er fast ein wenig froh war, dass Andrew diesen Job freiwillig übernahm.
      Er war gerade dabei, die Socken in den Schrank zu sortieren, als er Andrew rufen hörte. Er warf das letzte Paar in die Schublade, rappelte sich auf und ging zu seinem Freund rüber. "Die Kartoffeln mussten heute Mittag schon dran glauben, falls du dich erinnerst", antwortete er, während er sich im Schneidersitz neben die Waschmaschine setzte und zu Andrew sah. Irgendwie hatte er das ungute Gefühl, sich so sehr auf die Kinder konzentriert zu haben, dass er seinen Freund vollkommen vernachlässigt hatte. "Ich könnte Reis anbieten, denke ich? Mit...irgendeinem Gemüse?" Irgendwie lief es bei Kindern immer auf Gemüse hinaus.
      "Ich hatte überlegt, morgen mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen. Vielleicht kommen Ada und Liz ja auch mit. Dann hättest du hier etwas Ruhe fürs Homeoffice und um runterzukommen und so", schlug er vorsichtig vor. Wahrscheinlich war es für Andrews Psyche doch ganz gut, dass sie die Kinder irgendwann wieder abgeben mussten. Er wirkte jetzt noch ausgebrannter, als bei ihrem ersten mal in Russland. Oder fiel es Ezra jetzt einfach mehr auf, weil er ihn besser kannte?
      "Du siehst beim Wäsche waschen übrigens auch verdammt heiß aus. Langsam bekomme ich das Gefühl, dass es gar nicht an dem liegt, was du tust, sondern einfach an dir als Person." Er lehnte sich an die Waschmaschine und lächelte Andrew leicht entgegen. "Vielleicht sollte ich dich öfter den Haushalt machen lassen. Um diese Theorie zu überprüfen und so."
    • Andrew

      Oh. Das war heute?! Irgendwie hatte für Andrew nach dem Mittagsschlaf ein neuer Tag begonnen, bei seiner überwältigenden Müdigkeit machte das eh alles keinen Unterschied mehr. Aber so oder so waren die Kartoffeln weg. Andrew nickte schnell, als Ezra Reis mit Gemüse vorschlug, auch wenn er wirklich alles abgenickt hätte. Hauptsache es war kein 5-Gänge-Menü, das Stunden im Anspruch nahm. Oder irgendetwas, das zu viele Rezeptschritte hatte.
      Nochmal Oh. Alleine zuhause im Home Office? Andrew überlegte stumm, dann machte er ein wenig begeistertes „Hm“. Ruhe war sicher gut für die Konzentration. Auch gut für die Konzentration war es, sich keine Gedanken machen zu müssen, ob Ezra und die Kinder plötzlich von einem Auto überfahren werden würden oder in einen Terroranschlag gerieten. Der Gedanke, nicht bei ihnen zu sein, auch nur für ein paar Stunden, löste eine Enge in seiner Brust aus. „Schon okay, ich muss nicht runterkommen. Ich erledige morgen Vormittag schnell was auch immer Harald mir mailt und komme mit auf den Spielplatz“, beschloss er kurzerhand. Es war bescheuert, aber noch bescheuerter war es, wenn alle sterben würden und er es nichtmal mitbekam. Nein, danke.
      Andrew schloss die Waschmaschine und lächelte Ezra zurück an. „Du pusht mein Ego“, schmunzelte er und küsste den Blonden. „Für dich mach ich den Haushalt auch jeden Tag, wenn du mich dabei beobachten willst, aber ich brauche dann auch eine gerechte Belohnung, findest du nicht?“ Wieder lehnte er sich Ezra für einen Kuss entgegen, diesmal wollte er am liebsten am Boden sitzen bleiben. Er legte eine Hand an Ezras Wange und verteilte ein paar sanfte Küsse an seinem Kiefer, bevor er sich nach einiger Überwindung aufstützte und Ezra dann seine Hand anbot, um ihm hoch zu helfen.
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    • Ezra

      "Du kannst von mir immer alles haben, was du möchtest", antwortete Ezra mit einem kleinen Lächeln. Nach den letzten Wochen taten die kleinen Küsse wirklich verdammt gut. Am liebsten wäre er einfach mit Andrew sitzengeblieben, nur sie beide, hier, zusammen, während sich andere den Kopf über die Arbeit zerbrachen. Aber es half ja nichts. Er ließ sich von Andrew auf die Beine ziehen und schaltete die Waschmaschine an.
      "Andy? Du gibst Bescheid, wenn es dir zu viel wird, okay?", fragte er schließlich. "Mit der Arbeit und den Kindern und allem", spezifizierte er, während er Andrew wieder an sich zog. "Es bringt nichts, wenn du dich überarbeitest und wir beide nutzlos werden." Er küsste ihn und spielte kurz mit dem Gedanken, einfach hier zu bleiben, als Ellis zartes Stimmchen ihn zurück in die Realität holte. "Oh. Das klingt, als wäre jemand unzufrieden. Wahrscheinlich hat sie wieder Hunger." Ezra sah kurz zur Tür. "Ich kümmer mich um Elli, du um ihr Bett? Dann kann ich gleich parallel googeln, was wir kochen sollen. Oder, naja, was wir probieren zu kochen. Wie haben wir das bis jetzt eigentlich überlebt?" Er zog kurz selbstkritisch die Augenbrauen zusammen, bevor er mit den Schultern zuckte und zurück zu den Kindern ging.

      Die Malbücher und Stifte waren perfekt gewesen, um die Kinder bei Laune zu halten. Max und Niko legten die Stifte erst beiseite, als Andrew mit dem Aufbau des Bettes begann, was offenbar deutlich spannender für die beiden war. Ezra hatte Elli auf dem Sofa auf seinen Schoß gehoben und hielt das kleine Fläschchen, das das Baby sofort zum verstummen gebracht hatte. Kinderpflege war mit nur einer funktionierenden Hand deutlich schwerer, aber offenbar nicht vollkommen unmöglich. Auch, wenn er lieber Andrew beim Aufbauen geholfen hatte, aber Max machte einen wundervollen Job dabei, die Schrauben zu sortieren und Niko kümmerte sich darum, alles wieder durcheinander zu bringen, was die beiden in einen nicht enden wollenden Kreislauf verfrachtete, der ziemlich amüsant anzusehen war. Max schien zum Glück die Geduld eines Engels zu besitzen - Ezra war sich ziemlich sicher, dass Niamh oder Caleb ihm an seiner Stelle längst eine Schraube in die Nase geschoben hätten, um weiteres Chaos zu stoppen.
      "Ich hoffe wirklich, dass Elli heute Nacht besonders gut träumt. Stell dir vor, du machst dir die ganze Mühe, damit sie durchgehend schreit." Ezra warf Andrew einen kleinen Blick zu, bevor er wieder zu Elli hinab sah. "Du träumst besser von...Prinzessinnen und Einhörnern, oder so."
    • Andrew

      „Überarbeiten ist mir ein Fremdwort, das solltest du wissen“, sagte Andrew lächelnd erwiderte Ezras Kuss, der nur endete, weil Elli sich wieder meldete. Babys brauchten verdammt viel Aufmerksamkeit, was? „Ich hab irgendwie das Gefühl, Elli konkurriert mit mir um deine Aufmersamkeit. Sie hat immer genau Hunger, wenn wir uns küssen? Jaja, das ist eine Verschwörung“, redete er vor sich hin, während er Ezra ins Wohnzimmer folgte.
      Andrew setzte sich zu Elli und nahm sie auf den Arm, bis Ezra die Milch aufgewärmt hatte, und machte sich einen Spaß daraus, ihr Weinen immer wieder mit Verwirrung zu tauschen wenn er auf ihre Nase drückte. „Schwör mir, dass du heute tief und fest schläfst, sonst gibt es morgen kein Bananenmuß. Ich mein‘s ernst, ja?“, flüsterte er sie an. „Du weißt garnicht, wie ernst. Wenn du schreist, werde ich in fünfzehn Jahren mal bei reinplatzen, wenn du Freunde da hast, und auch einfach schreien. Einfach so. Also, Deal?“ Andrew fiel erst nach etwa einer Minute auf, was er da eben zu einem unwissenden Baby gesagt hatte, das er in ein paat Tagen nie wieder sehen würde. Was redete er da für einen völligen Schwachsinn? Fünfzehn Jahre? Kurz hatte er sich wohl irgendwie… eingebildet, dass die Kinder für immer hier bleiben würden.
      Er übergab Elli an Ezra, die immernoch jammerte, aber wenigstens nicht schrie, und machte sich daran, Niko von der Schere fernzuhalten, während er das Paket öffnete. Das Aufbauen mit den zwei Jungen war eine Mischung aus hilfreich und umständlich, wobei ziemlich klar war, wer hilfreich und wer umständlich war, aber Niko war so glücklich über sein veranstaltetes Chaos, dass Andrew ihm nicht böse sein konnte.
      Er sah auf, als Ezra das Bett ansprach. „Weißt du, ich hab das Gefühl, sie wird schlafen wie ein Stein“, antwortete er selbstbewusst. Sie war nur ein Baby, sie musste ihm glauben, wenn er sagte, dass er in fünfzehn Jahren in ihr Zimmer platzen würde. Wo auch immer dieses Zimmer sein würde. Und dass sie vermutlich kein Wort verstanden hatte, machte nichts. Sie hatte den Ernst der Lage bestimmt aus Andrews Stimme heraus gehört.
      Das Bett war anstrengender zu bauen, als gedacht. So ein Kinderbett hatte zu viele Teile. Als es endlich fertig war, legte Andrew noch die neue Matratze hinein und schob es an die Wand, dann schnappte er sich Elli und setzte sie spaßhalber mal hinein. „Na? Gut?“, fragte er.
      Wie aufs Stichwort verzog Elli das Gesicht, streckte ihre Arme in die Luft und begann zu weinen, sodass Andrew sie frustriert sofort wieder herausnahm. „Okay. Okay. Wir üben das noch, du hast circa 3 Stunden um dich an das Bett zu gewöhnen“, sagte Andrew.
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    • Ezra

      Irgendwie hatte Ezra so seine Zweifel, dass Elli problemlos schlafen würde, was die kleine Maus einen Moment später durch tatkräftiges Weinen bestätigte. Er konnte es nachvollziehen. Sie war ein Baby und für sie war alles hier neu und unbekannt. Außerdem hatte sie die letzten Tage immer in Andrews Reichweite gelegen und sollte jetzt plötzlich wieder alleine schlafen, zwar unweit ihrer Brüder, aber wahrscheinlich würde das nicht viel helfen. Ganz davon abgesehen, dass sie immer noch nachts gefüttert werden musste und Ezra sich irgendwie sowieso gut vorstellen konnte, dass Andrew und er alle paar Minuten aufstehen würden, um zu sehen, ob es ihr noch gut ging. Aber das würde sich schon irgendwann einpendeln. Oder auch nicht, weil sie die Kleine ja wahrscheinlich in den nächsten Tagen irgendwann abgeben mussten.
      Ezra streckte eine Hand nach Niko aus, den das fertige Bett wohl eher weniger interessierte und der direkt wieder zurück zum malen gegangen war. Er bekam ein kleines Lächeln, als er ihm durch die dunklen Haare strich und wurde sofort näher gewunken, um sich das Kunstwerk anzuschauen.
      “Wow!”, sagte er, bemüht, möglichst beeindruckt zu klingen. “Ein paar Farben sind sogar innerhalb der Linien! Gut gemacht!” Er drückte Niko, der sehr stolz über seine künstlerische Selbstverwirklichung wirkte, einen Kuss auf die Schläfe, bevor er aufstand, um Andrew ebenfalls einen Kuss auf die Wange zu drücken. “Das hast du super gemacht”, lobte er. “Wenn wir es jetzt noch schaffen, einigermaßen unfallfrei zu kochen, habe ich kaum noch Mitleid mit den Kindern, dass sie bei uns gelandet sind.” Er stupste Elli kurz auf die Nase, drehte sich um und sah zu Max, der kritisch von dem neuen Bett zu ihnen sah. “Alles okay, Max?”
      Max deutete auf das Bett.
      “Das ist für Elli. Damit ihr nachts nichts passiert”, erklärte Ezra, etwas unsicher, was Max wollte.
      Max presste die Lippen aufeinander, bevor er zu ihnen rüber kam und seine Arme nach Elli ausstreckte, der Blick von Sekunde zu Sekunde verzweifelter. Ezra kniete sich zu dem kleinen Jungen runter. “Max. Was ist los?”
      Max zog an Andrews Pullover, den Arm weiterhin nach Elli ausgestreckt. Ezra löste seine Finger vorsichtig aus dem Stoff und hielt seine Hand fest. “Max”, sagte er etwas fester. “Was ist los?”
      Max stoppte und sah zu ihm, Tränen in den Augen. “Elli soll nicht hierbleiben”, sagte Max so leise, dass Ezra meinte, sein eigenes Herz brechen zu hören.
      Oh. Offenbar ging Max davon aus, dass sie Elli behalten würden. Zugegeben, sie hatten ziemlich viel Zeug für sie geholt. Ezra sah kurz hilfesuchend hoch zu Andrew, bevor er Max’ Hand drückte. “Das ist nur übergangsweise, Max. Wir wollen nicht, dass ihr im Schlaf was passiert, verstehst du? Wir würden euch nie voneinander trennen, oder so.” Max sah wenig überzeugt aus. "Hey", sagte Ezra sanft, ließ Max’ Hand los und wischte ihm stattdessen die Tränen aus den Augen. Was ebenfalls nicht zu helfen schien. Irgendwie schien Max sich in seine Panik reinzusteigern. Einen Moment später flossen die Tränen über seine Wangen. Offenbar musste Ezra doch Mitleid mit den Kindern haben.
    • Andrew

      Andrew wusste nicht, was er sagen sollte. Er hatte nicht wirklich daran gedacht, was für einen Eindruck bei Max und Niko erwecken würde, wenn sie Elli so viele Dinge kauften, die es aussehen ließen, als würde sie für immer hier bleiben. Andrew hatte sich damit sogar selbst eben noch in die Irre geführt.
      Der kleine Junge, der verzweifelt an seiner Kleidung zog und Angst hatte, seine Schwester zu verlieren, ließ ihn Andrew so einen Frust aufkommen, dass er es am liebsten wahr machen und alle drei Kinder hier behalten würde, nur damit dieses ganze Trauma endlich enden würde. Damit nicht die geringste Chance bestand, dass sie getrennt wurden.
      Andrew setzte sich langsam und vorsichtig auf den Boden, den Rücken ans Kinderbett gelehnt, und hielt Elli, die immernoch weinte und sich an ihn klammerte, weiter fest. Max schien in der selben Sekunde in die Hocke zu gehen, um seine Schwester ganz genau anzusehen. Seine kleinen Hände suchten nach irgendeiner Stelle, wo er sie packen und mitnehmen konnte. Andrew griff nach Max Arm. „Vorsichtig“, sagte er. Dann legte er die Hand des Jungen an Ellis Wange. Sie wurde etwas ruhiger. „Alles ist gut, niemand wird sie dir wegnehmen“, versuchte er Max zu beruhigen. „Aber Elli braucht ein eigenes Bett, damit ihr nichts passiert. Das Bett heißt nicht, dass sie hier bleibt und du nicht“ Andrew war froh, zu wissen, dass Max ihn verstand. Vor ein paar Tagen hätte er keine Ahnung gehabt, wie er Max so etwas verständlich machen sollte.
      Der Sechsjährige nickte leicht und schniefte und Andrew sah eine einmalige Chance. Er ließ Max Hand aus und streckte den Arm aus, um über seine Schulter zu streichen und ihn etwas zu sich zu ziehen. Zum ersten Mal war kein großer Widerstand da und Max landete freiwillig in Andrews Schoß. Elli hatte er vorsichtig zur Seite geschoben, aber jetzt nahm Max sie ohnehin in die Arme, und sie saßen am Boden wie ein Sandwich. Andrew strich dem Jungen weiter beruhigend über die Arme, während er Ezra einen Blick zuwarf, von dem er selbst nicht wusste, was er bedeuten sollte. Und Niko brauchte keine Einladung, um sich neben Andrew zu setzen und den Kopf an ihn zu lehnen.
      „Ah, vielleicht hätte ich mich auf die Couch setzen sollen“, murmelte Andrew mit einem schwachen Lächeln.
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    • Ezra

      Ezra schaffte es nicht ganz zu lächeln, während er sich an Andrews freie Seite setzte und seinen Kopf an seine Schulter lehnte. Max schien einigermaßen zu verstehen, dass er sich nicht von seinen Geschwistern trennen musste, aber Tatsache war, dass das nicht mehr in ihrer Macht stand, sobald sie die drei abgegeben hatten. Er hatte keine Ahnung, wie Waisenhäuser oder Kinderheime aufgebaut waren - wurde Wert darauf gelegt, Geschwister zusammen zu lassen? Selbst wenn sich Babys so viel einfacher vermitteln ließen, als Kinder? Irgendwie wünschte er sich fast, dass sie die Kinder schon direkt am ersten Tag abgegeben hätten, bevor sie ihm ans Herz gewachsen waren.
      "Sofas werden überbewertet", antwortete er, während er durch Max' Haare strich. Der Junge schien sich langsam zu beruhigen, die Tränen hatten gestoppt, aber er klammerte Elli immer noch an sich, als hätte er Angst, dass sie sie nehmen und ihn vor die Tür setzen würden. Ezra konnte sich gerade nichts schlimmeres vorstellen, als das.
      "Ich glaube, wir sollten doch auf den Reis verzichten und heute irgendwas holen. Die Kinder haben sich Pommes und Nuggets verdient, oder so." Jetzt schaffte Ezra es langsam wieder zu lächeln, während Max ein kleines "Brokkoli" zwischen zwei Schniefern rauspresste. Offensichtlich beschränkten sich die Themen, über die er mit ihnen redete, auf Dinos, seine Geschwister und Essen. Nicht viel, aber ein guter Anfang.
      "Brokkoli?", wiederholte Ezra. Max nickte. Er war wahrscheinlich eines der seltsamsten Kinder, die Ezra kannte. Am liebsten würde er ihn an sich drücken und nicht mehr los lassen. "Okay. Dann suchen wir dir irgendwas mit Brokkoli. Willst du Elli noch was halten?" Max nickte erneut.
      "Tja. Dann wirst du jetzt wohl noch was hier sitzen, Darling", prophezeite Ezra Andrew mit einem Grinsen und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor er sich selbst aufrappelte. "Ich schau mal, ob ich irgendwas finde." Er hatte das Gefühl, einfach weg zu müssen, solange er das Lächeln noch halten konnte.
      Er schaffte es bis in die Küche, bevor er kurz stoppen und durchatmen musste. Am liebsten würde er die Kinder behalten. Alle drei. Er wollte nicht, dass sie getrennt wurden. Sie waren wundervolle Kinder. Was, wenn das Waisenhaus nicht damit klar käme, dass Max kaum sprach? Was, wenn sich die drei kaum sehen würden? Alleine der Gedanke daran trieb Ezra Tränen in die Augen.
      Er zwang sich, sich zusammenzureißen, während er die Karten der umliegenden Restaurants durchging. Wahrscheinlich sollte er noch irgendwas mit einem guten, ungesunden Dessert suchen. Sie könnten die Kinder nie behalten. Egal, wie sehr Ezra es auch wollen würde. Andrew war jetzt schon durch und es waren nicht mal zwei Wochen vergangen. Sie hatten nicht mal Platz für Kinder. Ganz davon abgesehen, wie gering die Chance war, dass sie sie überhaupt irgendwie behalten durften. Er musste aufhören, sich das alles irgendwie schön zu reden.
    • Andrew

      Es war nicht üblich, dass Kinder lieber Gemüse statt Nuggets essen wollten, oder? Max Eigenarten erinnerten Andrew irgendwie an sich selbst. Vielleicht sollte er Max mal Schach zeigen.
      Andrew blieb sitzen während Ezra sich die gesammelten Menükarten der umliegenden Restaurants aus der Küche holte. Er wollte eigentlich auch garnicht mehr aufstehen. Es fühlte sich gerade an, als hätte er irgendeinen Meilenstein erreicht, nur weil alle drei Kinder seelenruhig bei ihm saßen. Elli war wieder beruhigt, Max schien innerlich noch gestresst, aber wenigstens vertraute er Andrew wohl langsam etwas mehr, und Niko hatte einen sechsten Sinn für Kuscheleinheiten, damit er ja nichts verpassen würde. Nach ein paar Sekunden sagte er ein paar Worte zu Max, die Andrew zu verstand. Er hoffte, dass es etwas beruhigendes war.
      „Du willst Nuggets und Pommes, oder?“, fragte er Niko und strich ihm durch die Haare. Andrew konnte Nikos Gesicht nicht sehen, aber er war sich hundertprozentig sicher, dass er kein Wort verstanden hatte. Gerade, als er zu überlegen begann, ob er dem Kleinen auf seinem Handy ein Foto von Nuggets zeigen sollte, stellte Max ihm aus Russisch eine Frage und das begeisterte „Jaaa!“ von Niko hätte man wohl auf jeder Sprache verstanden. Andrew schmunzelte. Dann drückte er alle drei kurz fester an sich. Eine Welle an Trauer überkam ihn, als er sich aus dem Nichts daran erinnerte, wie verloren er sich gefühlt hatte, als seine Eltern gestorben waren. Als er plötzlich alleine gewesen war. Er verstand Max Angst, seine Geschwister zu verlieren. Dann hätte er auch niemanden mehr. Andrews Gesicht verfiel in eine unglückliche Grimasse. Er wollte nicht, dass die Kinder alleine waren. Ob sie nun einander hatten, oder nicht. Man brauchte seine Eltern. Jemanden, für den man der Mittelpunkt der Welt war, und der einen selbstverständlich nie alleine lassen würde. Seine eigene Angst, Menschen zu verlieren, die ihm wichtig waren, hatte sich nie aufgelöst, und Max Verlustängste zeigten sich jetzt schon so extrem, dass er das vielleicht nie los wurde. War es falsch, für ihn jemand sein zu wollen, der ihn nie alleine ließ? Andrew fühlte sich abartig, wenn er daran dachte, gerade ein wenig das Vertrauen des Kindes zu bekommen, und ihn dann ins nächste Waisenhaus zu schicken. Es fühlte sich an wie Verrat. Ob es nun von Anfang an geplant gewesen war oder nicht… Andrew würde den dreien das am liebsten nicht antun. Aber das war unrealistisch, oder? Wie sollten sie das denn anstellen? Sie hatten nicht einmal Platz in Haus. Und Nadia lief frei herum und hatten sie dann zu fünft auf ihrer Zielscheibe? Außerdem, was, wenn er alles falsch machte und den Kindern mehr Probleme schaffte, als er ihnen nahm? Ezra und er konnten nicht einmal richtig kochen. Alles war im Moment furchtbar stressig und zeitaufwendig, weil er es nicht gewohn war. Und wenn es keine Eingewöhnungsphase war? Vielleicht war er einfach ungeeignet dafür, sich um andere Menschen zu kümmern. Ezra verfrachtete er schließlich ebenfalls in eine lebensgefährliche Situation nach der anderen.
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    • Ezra

      Es dauerte ein kleines bisschen, bis Ezra etwas mit Brokkoli fand, aber immerhin konnte sich Max bei dem Italiener um die Ecke zwischen Nudeln mit Brokkoli und Spinat, oder Pizza mit Brokkoli und Schinken entscheiden. Obwohl er dem Jungen auch beides bestellen würde, einfach, damit er auf jeden Fall glücklich war.
      Ezra setzte nebenbei Wasser auf, fischte drei Tassen aus dem Schrank und lehnte sich an die Küchenzeile. Wenig später ging er, die Menükarte in der Hand an dem gebrochenen Arm und zwei der Tassen in der anderen Hand, zurück ins Wohnzimmer.
      "Der Italiener zwei Straßen weiter bietet Brokkoli an und hat ein ziemlich gutes Kindermenü. Und Nachtisch", verkündete er, während er die zwei Tassen neben Max und Niko auf den Boden stellte. "Früchtetee", erklärte er mit einem kleinen Lächeln. "Den hab ich früher auch immer getrunken, wenn ich traurig war." Er strich Max wieder durchs Haar, während er aufstand, um seinen eigenen Tee zu holen.
      "Ich wusste nicht, ob du noch einen Kaffee willst, oder so", meinte er, zu Andrew, während er sich mit seinem Tee wieder zu den Vieren auf den Boden setzte. Max hatte Elli mittlerweile an Andrew zurückgereicht und hielt seine Tasse mit beiden Händen fest. Ezra hatte seine und Nikos Tassen nicht ganz gefüllt, in der Hoffnung, dass sie so schneller auskühlen würden.
      "Geht es dir wieder besser?", fragte er Max, der kurz nickte und sich gegen Andrew fallen ließ, bemüht dabei nicht den Tee zu verschütten. "Wenigstens müssen wir uns keine Sorgen machen, dass du heute nicht schläfst, mhm?" Ezra lachte leise. Der kleine Junge sah ziemlich k.o. aus. "Willst du dir noch einen Film für heute Abend aussuchen?" Max schüttelte den Kopf und deutete kurz auf Niko. "Fragst du ihn dann gleich, was er gucken will?", frage Ezra und bekam das nächste Nicken als Antwort. Niko tappste mit seinem Tee auf Ezra zu, um sich auf seinen Schoß zu setzen.
      "Denkst du, wir schaffen es heute noch irgendwie aufs Sofa?", fragte er Andrew mit einem kleinen Lächeln, während er seinen Tee zur Seite stellte, um Niko kurz an sich zu drücken.
    • Andrew

      "Ich denke, wir können sogar am Boden essen", meinte Andrew und lachte leicht. "Ich glaube ich nehm den Tortellini Auflauf, den ich letztes Mal hatte", fügte er hinzu, während er mit einer Hand das Menü aufklappte. "Ah, Pasta mit Brokkoli-Spinat-Sauce"
      Max drehte den Kopf zu Andrew nach oben, sodass er fast an seinem Kinn anstieß. Andrew zog den Kopf etwas zurück. "Das willst du?" Max nickte. Seltsames Kind. Andrew warf Ezra einen skeptischen Blick zu. "Denkst du, wir müssen das auf eine Liste mit möglichen Rezepten schreiben, die wir kochen lernen müssen? Ich meine, ich mag Brokkoli und Spinat, aber Niko?"
      Er sah den Jungen an, der auf Ezras Schoß saß und wieder nur fünf Prozent der Unterhaltung verstand. Sie mussten wirklich mehr Vokabeln mit ihm lernen, was? Andrew sah wieder runter. "Max, fragst du Niko bitte mal kurz, was er essen will? Nudeln mit Tomatensauce, eine Pizza mit irgendetwas?"
      Max sagte eine Weile garnichts, aber Andrew hatte die Hoffnung, dass man ihm bloß ein wenig Zeit geben musste, um solche Dinge zu überdenken. Wollte er mit den seltsamen Fremden reden, die seine Schwester wegnehmen wollen? Aber er musste seinem Bruder helfen. So ungefähr stellte Andrew sich Max Innenleben vor.
      Kurz darauf folgte eine leise genuschelte Frage auf Russisch, dann ein "макароны" von Niko und Andrew wartete, bis Max ihm ebenfalls knapp "Nudeln" antwortete. Andrew nickte und machte eine mentale Notiz, dann klappte er das Menü zu und zog sein Handy aus der Tasche, um anzurufen und für alle zu bestellen. Er war sich nicht sicher, ob er diese Art der Kommunikation mochte. Sie konnten Max nicht als Dolmetscher nutzen. Vielleicht musste er bei MLO mal nachfragen, ob es einen Stein für dieses Problem gab. Besser, er rief Steve morgen mal an.

      Als das Essen kam, war Andrew gezwungen, Max zum Aufstehen zu bewegen, der sich dann direkt aufs Sofa fallen ließ. Er schien ziemlich müde zu sein, Niko ebenfalls. Andrew holte das gelieferte Essen bei der Tür ab und kam mit den Sachen und ihrem Besteck zum Sofatisch, weil man halt mal Ausnahmen machen konnte, und Elli würde er gleich noch nebenbei ein bisschen was von dem Brei geben, den Thomas und Steve mitgebracht hatten. Damit sie bestenfalls das Sofa nicht anspuckte, setzte Andrew sich auf den Sofasessel an der Seite und Elli auf seinen Schoß, dann wurde nur seine Kleidung in Mitleidenschaft gezogen.
      "Schmeckt es?", fragte er Max amüsiert, der sich als erstes den Brokkoli aus der Sauce herauszupicken schien, bevor er die Nudeln aß. Das Beste zuerst, auch gut. Der Junge nickte abwesend und sah allgemein nicht sonderlich begeistert aus, aber dass er sich den Brokkoli gabelweise in den Mund schob war sowieso Beweis genug.
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    • Ezra

      Ein Gutes schien der Nervenzusammenbruch eben gehabt zu haben - die Kinder sahen wirklich müde aus. Nach den ganzen neuen Eindrücken heute war das wahrscheinlich der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte. Hoffentlich bedeutete das, dass sie heute Nacht gut durchschliefen und morgen wieder gut gelaunt waren, wenn sie sich auf dem Spielplatz auspowerten. Die Kinder bereiteten Ezra sowieso schon zu viele Sorgen, er wollte nur, dass sie die kurze Zeit bei Andrew und ihm glücklich waren. Er musste Max nur noch irgendwie beibringen, dass sie ihm und seinen Geschwistern nichts böses wollten und dass er bei ihnen nicht den Beschützer spielen musste, sondern selbst ein Kind sein durfte. Dann mussten sie noch irgendwie einen Weg finden mit Niko zu kommunizieren und dann wäre alles gut. Wenigstens war Elli abgesehen von den normalen Baby-Herausforderungen einigermaßen einfach.
      Wenigstens schafften sie es schlussendlich doch aufs Sofa. Ezra hatte sich die Pizza mit dem Brokkoli bestellt, weil er zu lange über Max' seltsame Essgewohnheiten nachgedacht hatte, um überhaupt noch an irgendein anderes Gericht zu denken. Außerdem konnte man Pizza wunderbar mit einer Hand essen. Er schob Max ein bisschen Brokkoli rüber, bevor er zur Fernbedienung griff, um Niko einen Film aussuchen zu lassen. Sie endeten bei Disney, was wundervoll war, immerhin kannte Ezra die meisten Filme durch Liz - und nur durch Liz, haha - sowieso schon. Nikos Wahl fiel auf Arielle und sich machten sich einen Spaß daraus, einfach alle paar Minuten die Sprache von Russisch auf Englisch und wieder zurück zu stellen. Ezra hoffte, dass Niko sich so vielleicht wenigstens ein paar Vokabeln mitnehmen konnte. Max wahrscheinlich auch, auch wenn er immer noch nicht abschätzen konnte, wie groß sein Wortschatz tatsächlich war.
      Die Kinder ließen sich nach dem Film relativ anstandslos ins Bett bringen. Ezra half Niko wieder mit dem Zähneputzen, während Andrew sich um Elli kümmerte und wenig später lagen die beiden Jungs auf dem Sofa, während sich Elli immer noch an ihr neues Bettchen gewöhnte. Ezra zog wieder die Decke zurecht, bevor er Niko einen Kuss auf die Stirn drückte und nach kurzem Zögern das selbe bei Max tat. "Wenn du morgen früh aufwachst, sind wir alle noch hier. Du brauchst keine Panik zu haben", versprach er dem Jungen mit einem kleinen Lächeln, während Niko die Händchen nach ihm ausstreckte und ein kleines "Andrew?" ausstieß. Es war süß, wie er seinen Namen betonte, das 'r' ein bisschen gerollt und insgesamt ein bisschen genuschelt.
      "Ich schick ich nochmal vorbei", versprach Ezra, bevor er sich aufrappelte und das Bad ansteuerte. Er klopfte einmal, bevor er kurz seinen Kopf reinsteckte.
      "Niko will, dass du ihm noch Gute Nacht sagst", informierte er seinen Freund mit einem Lächeln. "Bitte tu dein Möglichstes, um ihm keine weiteren Albträume zu bescheren."
    • Andrew

      Andrew putzte sich gerade die Zähne, sein Handtuch noch um die Hüfte gebunden, weil zurzeit alles gleichzeitig passieren musste und in einem Tempo, das Ezra nicht zu lange alleine ließ. Sobald die Kinder schliefen, würde er wieder durchatmen können. Die letzten Tage war er Abends so schnell eingeschlafen, dass es ein Wunder war. Andrew hatte noch nie viel geschlafen, er hatte weder einen gesunden Schlafrythmus noch einen gesunden Melatoninspiegel, wenn man es so sagen wollte, weil er sich Müdigkeit im allgemeinen wohl irgendwie abtrainiert hatte. Sein Körper lernte in den letzten Tagen was das Wort „Erschöpfung“ bedeutete und es war nicht schön. Aber heute wollte er sich darauf konzentrieren, dass alles gut lief. Sie waren zuhause, den Kindern ging es einigermaßen gut, Ezra ging es soweit ebenfalls gut, und sie waren unheimlich produktiv. Das Gefühl musste doch ein wenig Energie geben, oder?
      Andrew schenkte seinem Freund ein Stirnrunzeln während er den Kopf schief legte und durch die Zahnpasta nuschelte: „Asch engscht schu hon ir?“, was mit etwas Fantasie als ‚Was denkst du von mir?‘ verstanden werden konnte, dann spuckte er ins Waschbecken und beeilte sich, schnell in seinen Satin Pyjama zu hüpfen und bei den Kindern zu sein. Elli stand in ihrem Bett und griff fest die hölzernen Gitterstäbe, als wäre sie eine Gefängnisinsassin. Ihr frustrierter Blick ließ Andrew schmunzeln und er kam als erstes zu ihr, um ihre Fingerchen von den Stäben zu lösen und sie in die Horizontale zu bringen.
      „Schön liegen bleiben“, flüsterte er und er strich ihr ein paar Sekunden über den Bauch, weil ihr das beim Einschlafen zu helfen schien. Ihre Augen waren gigantisch und weih aufgerissen während sie Andrew anstarrte, als wäre er ein Geist.
      „Ich weiß“, murmelte Andrew. „Aber irgendwann rolle ich sonst noch auf dich und das wird dir keinen Spaß machen“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor er zur Couch ging und Niko, der wieder aufrecht saß und ihn beobachtet hatte, ebenfalls wieder hinlegen musste. „Schlaf gut, Niko“, murmelte Andrew und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er Vierjährige auf seine eigene Stirn tippte und aktiv nach einem Küsschen verlangte. Andrew tat wie ihm befohlen und strich beiden Jungen noch einmal durch die Haare. „Mir wurde geflüstert, dass morgen ein Spielplatz am Plan steht. Davon solltet ihr heute träumen. Stellt euch das vor: Schaukeln, Sandkasten, irgendwas zum… Klettern oder so. Ich bin sicher, irgendeinem Kind kann man auch noch einen Ball klauen. Das wird super. Max, erzähl das weiter“ Andrew lächelte und stand auf, dann ging er zurück ins Schlafzimmer.
      Er hatte kein gutes Gefühl dabei, die Türen zu schließen. Das Babyphone war bereits bestellt, aber Andrew war nicht einmal sicher, ob es noch rechtzeitig ankommen würde. Er war die letzten Tage zwar extrem hellhörig gewesen, wenn es um Ellis Jammern ging, aber er vertraute sich selbst und allen anderen trotzdem nicht genug, tatsächlich aufzuwachen. Und der Gedanke, dass die Kleine sich die Seele aus dem Leib weinte, völlig alleine war, und niemand aufwachte, machte ihn irgendwie fertig.
      Die Wohnzimmertür blieb also offen, die Schlafzimmertür schloss Andrew mit dem Hintergedanken, sie später wieder zu öffnen. Aber es gab etwas, dass er genauso wenig vernachlässigen durfte, wie die Kinder da draußen. Auch, wenn er sich nicht ganz sicher war, ob da nicht eine gewisse Selbstsucht mitspielte.
      Andrew sah Ezra dabei zu, wie er sich seine abendlichen Medikamente einwarf und grinste amüsiert, als er sich zu ihm ins Bett setzte. „Oh Mann, das bereitet uns schonmal drauf vor, wenn wir steinalt sind und beide am Bettrand mit unseren Pillendöschen sitzen werden. Ich seh es vor meinem geistigen Auge. Du machst mir Angst, bitte werd schnell wieder jung“, jammerte Andrew sarkastisch und küsste Ezras Wange.
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    • Ezra

      Ezra musste unfreiwillig lachen, als Andrew sich durch die Pillen schon altern sah. Er stellte seine kleine Wasserflasche zurück auf sein Nachttischen, bevor er sich zu Andrew drehte. “Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber ich freue mich darauf, mit dir alt zu werden. Wir können uns passende Pillendöschen holen und uns gegenseitig daran erinnern, unsere Medizin zu nehmen.” Obwohl die Hauptsache war, dass sie zusammen alt wurden. Was anderes war nach den letzten Monaten gar nicht mehr möglich. Wenn diese Beziehung irgendwie zerbrechen sollte, würde Ezra eingehen, wie eine vertrocknete Hauspflanze.
      “Und du wirst dir tausende Anti-Falten-Cremes kaufen und ich werde versprechen, nicht darüber zu lachen.” Er grinste, während er sich Andrew für einen schnellen Kuss entgegen lehnte, bevor er zu sehr über seine Worte nachdenken würde. Nach dem Tag heute wollte er eigentlich lieber vermeiden, dass Andrew auch noch in Tränen ausbrach. Gerade jetzt, wo sie einen Moment für sich alleine hatten.
      “Aber hey”, setzte er nach, während er sich zurück auf die Matratze fallen ließ, “noch sind wir jung, haben es gerade geschafft, erfolgreich drei Kinder müde zu bekommen und ich glaube, mir steigen die Schmerzmedikamente langsam in den Kopf. Das sollten wir ausnutzen!” Er streckte Andrew seinen Arm entgegen, um ihn näher an sich heran zu winken. Er hatte die ganze letzte Woche darauf verzichten müssen, ihn einfach an sich drücken zu können und das musste er jetzt dringend ausgleichen, auch wenn es schwer war, mit nur einem Arm überhaupt irgendwas zu erreichen. Andrew richtig drücken konnte er mit dem Gips sowieso nicht und ihn irgendwie an sich zu ziehen, konnte er auch vergessen. Zumal der Gips nicht sonderlich sexy war. Gut, nichts an ihm war gerade besonders sexy - er trug Jogginghosen und ein altes Shirt, war mit Narben, Pflastern und blauen Flecken besprenkelt und hatte die letzten Tage ausschließlich mit rumliegen verbracht. Aber damit würde Andrew wohl noch ein paar Wochen klarkommen müssen. Hauptsache, er würde ihn nicht behandeln, als ob er zerbrechlich wäre.
    • Andrew

      Andrew runzelte die Stirn, als Ezra ihn mit einem Kuss zum Schweigen bringen konnte, bevor er noch was zu den Faltencremes sagen konnte. Was war so lustig an Faltencremes? Er hatte jetzt schon eine im Repertoire. Ezra hatte noch nie darüber- Oh. Okay.
      „Wir sehen, wer als Letzter lacht, wenn einer von uns im zehn Jahren schon faltig ist und der andere nicht“, wehrte Andrew sich kurz schmollend. Auch wenn er eigentlich nur glücklich über die Tatsache war, überhaupt über diese Zukunft in zehn Jahren nachdenken zu können. Ezra hatte recht, zusammen alt zu werden war das einzig wichtige und Andrew war glücklich, die Chance überhaupt zu bekommen, nachdem ihre Zukunft mit dem Unfall vor zwei Wochen auch schon vorbei hätte sein können.
      Ezras Optimismus, dass sie jung waren, konnte er zwar nicht ganz teilen, weil der ‚fit‘ Teil da irgendwie fehlte, was ‚jung‘ wohl ausmachte, aber er würde sich jetzt nicht beschweren, wenn man einfach was zusammen machen konnte, wo man nicht besonders fit sein musste. Er ließ sich seitlich ins Bett fallen und rutschte näher an Ezra heran. „Dann sollten wir uns bei deinen Schmerzmitteln bedanken und keine Zeit vergeuden“, murmelte er und küsste Ezra, darauf bedacht, seinen eingegipsten Arm nicht zu zerquetschen. Ah, egal, ein paar Kunststücke hatten sie noch allemal hinbekommen, also würde Andrew auch dem Arm vorsichtig ausweichen können. Alleine hier zu liegen und sich wieder einmal nur auf sie beide konzentrieren zu können, nur darauf, Ezra zu küssen, durch seine Haare zu streichen und eine Hand unter seinem T-Shirt über seine warme Haut gleiten zu lassen, das machte alles schon wert. Das konnte Andrew glatt die ganze Welt um sie herum vergessen lassen. Er hatte das Gefühl, in der Wärme zu versinken.
      „Ich liebe dich“, seufzte er und ließ seine Lippen zu Ezras Hals wandern. „Ich hab dich vermisst“ Ezra brachte aus ihm immer ein Geständnis nach dem anderen heraus, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen.
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    • Ezra

      "Ich liebe dich auch. Hab ich immer und werde ich immer." Ezra lächelte, während er seine Hand in Andrews Haaren vergrub und seinen Kopf leicht zur Seite neigte, um ihm etwas mehr Platz zu geben. "Auch, wenn die Cremes doch nicht helfen sollten", schob er neckend hinterher. Es war irgendwie seltsam, dass das der erste Abend seit einer Woche war, an dem er Andrew für sich alleine hatte. Sonst hatten sie die letzten Monate fast jeden Abend alleine zu zweit verbracht und davor? Ezra wusste nicht, wie er die Jahre davor überhaupt überlebt hatte, wenn ihn eine Woche ohne gemeinsamer Zeit mit Andrew schon so aus der Bahn warf. Für Andrew war die Zeit ja sogar noch länger gewesen.
      "Ich werde mir in Zukunft Mühe geben, nicht mehr fast drauf zu gehen", versprach er, während er seine Finger über Andrews Nacken zu seinen Schultern wandern ließ, langsam, als müsste er sich jeden Quadratmillimeter seiner Haut einprägen. Er hätte da sein sollen, als Andrew die Kinder aufs Auge gedrückt worden sind. Er sollte ihm viel mehr Arbeit abnehmen können, statt nur Arbeit hinzu zu fügen. Andererseits hätte es die Kinder wahrscheinlich nicht mehr gegeben, wenn er sich nicht geistesgegenwärtig für sie geopfert hätte. Er sollte mit dem Denken aufhören, bevor er es sich noch selbst ruinierte.
      Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen legte Ezra seine Finger unter Andrews Kinn, um ihn für den nächsten Kuss wieder hoch zu dirigieren. Am liebsten hätte er ihre Positionen getauscht und Andrew in die Matratze gedrückt, während er jedes Fleckchen seiner Haut mit Küssen überschüttete, aber mit einem Arm war das Abstützen schwer. Gebrochene Arme waren echt beschissen. Falls sowas doch nochmal passieren sollte, würde er beim nächsten mal darauf achten, sich lieber ein Bein zu brechen, oder so.
    • Andrew

      Andrew lächelte. Hatte er immer und würde er immer? Es kam Andrew immernoch so seltsam vor, dass sie schon vor Jahren miteinander ausgehen hätten können. Ihre Vergangenheit war alles andere als normal. Aber wenigtens waren sie jetzt da, wo sie sein wollten. Wenn man die ganzen Nahtode außer Acht ließ, schien es sogar immer mehr bergauf zu gehen.
      Andrew setzte sich nach ein paar Küssen auf und zog sich das Hemd, von dem er extra nicht alle Knöpfe geschlossen hatte, wieder über den Kopf um es hinter dem Bettrand verschwinden zu lassen. Dann kniete er sich über Ezra und beugte sich wieder zu ihm herunter. „Du siehst heiß aus. Ich weiß nicht, aber der Look mit dem uralten Shirt hat was“, sagte er belustigt. Er fand Ezra grundsätzlich immer heiß. Das war fast schon problematisch. Er konnte auch nicht leugnen, dass ihn das von seinem Job ab und an mal abgelenkt hatte, er war immerhin auch nur Mensch und Ezra schrecklich penetrant mit seinen Flirts. Dem Ganzen jetzt endlich nachgeben zu können, machte es fast noch schöner. Wie eine Belohnung dafür, dass er sich so lange selbst unter Kontrolle haben musste, um nicht auf ihn einzugehen.
      Trotzdem. Der gebrochene Arm zählte für Andrew gerade nicht, das blendete er ganz gut aus, er mochte einfach den… Pyjama Look, den nur jemand zu Gesicht bekam, der das Privileg erreicht hatte, und Andrew hatte das Privileg eben erreicht. Mit viel Arbeit noch dazu. Ezra am Leben zu halten war kein leichtes Spiel.
      „Ich glaube, ich weiß, was du an der ganzen Alt-werden Sache findest. Ich meine, ich finde dich
      ziemlich sicher auch noch heiß, wenn ich deine Augen vor lauter Falten garnicht mehr sehen kann und du mit dem Rollstuhl durch die Gegend fahren musst, und seien wir uns ehrlich, früher oder später ist der Rollstuhl drin wenn du so weitermachst“ Andrew zuckte mit den Schultern. Während er redete schob er ganz nebensächlich Ezras Shirt hoch bis zu seinem Hals. „Aber weißt du, was dann der Vorteil ist? Keiner will was von uns, wir werden zu alt sein um überhaupt das Haus zu verlassen oder so. Aber: ich kann mich immernoch an dir aufgeilen. Klingt nach nem super Leben. Das meintest du doch mit gemeinsam Altwerden, oder?“ Andrew grinste und beugte sich herunter um Ezra wieder zu küssen, bevor er etwas einwenden konnte, und ließ seine Hände über seine Brust gleiten. Sicher, gemeinsam in einer Hollywoodschaukel zu sitzen hatte bestimmt auch was, aber Andrew gefiel seine Vorstellung von der fernen, sehr fernen, unglaublich fernen Zukunft trotzdem. Hoffentlich war sie fern.
      Während er Ezra küsste schob Andrew ganz nebensächlich seine Finger unter den Bund von dessen Jogginghose. Er hatte sich das alles irgendwie gestresster und eiliger vorgestellt, aber Ezra war wirklich hervorragend darin, Andrew alles andere vergessen zu lassen.
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    • Ezra

      "Ich mag deinen shirtlosen Look", antwortete Ezra grinsend, während er ein wenig verträumt über Andrews Rippen strich. Es tat wirklich gut zu hören, dass er ihn immer noch heiß fand, auch wenn Ezra sich selbst so furchtbar ramponiert vorkam. Immerhin war Andrew selbst der heißeste Mensch, den er kannte und er war sich immer noch nicht ganz sicher, wie er es geschafft hatte, sich ihn zu angeln. Es musste einfach Schicksal gewesen sein.
      Andrews Kommentar zum alt werden brachte ihn kurz zum Lachen. "Genau das meine ich! Obwohl ich irgendwie immer davon ausgegangen bin, dass du Arbeitest, bis zu umfällst. Aber deine Version gefällt mir besser." Letztendlich würden sie ja - ganz bestimmt - sehen, wohin sich ihr Leben entwickelte. Ezra war alles recht, solange sie zusammenbleiben würden. Und wenn Andrew MLO leiten wollen würde, bis er umfiel, wäre Ezra wohl einfach der Mann, der ihm ab und an mittags was zu essen vorbeibringen würde um sicher zu gehen, dass er überhaupt noch lebte. Aber bis dahin würde es noch Jahrzehnte brauchen. Sie hatten alle Zeit der Welt und der Moment war zu schön, um sich über irgendwas anderes den Kopf zu zerbrechen.
      Ezra schnappte kurz hörbar nach Luft, als Andrew seine Finger in seine Jogginghose schob. Er ließ seine Hand ein wenig überfordert von Andrews Schultern zu seinem Hintern wandern und stieß ein frustriertes Seufzen aus. "Weißt du was? Streich alles, was ich je über Handschellen gesagt habe. Ich finde es ja schon frustrierend genug, nur eine Hand frei zu haben." So ziemlich alles, was er gerade mit Andrew anstellen wollte, erforderte zwei Hände. "Vielleicht sollte ich mir irgendwas neues überlegen", fuhr er fort, während er seine Finger in Andrews Hose schob, um weiter über seinen Hintern zu streichen, "Augenbinden, oder so. Oder was wirklich Seltsames. Irgendwas zufälliges, bis einer von uns beiden einen neuen Kink entdeckt." Irgendwas, bei dem er nicht das Gefühl hatte, dass sie nicht ausgeglichen waren und dass er mehr vom Sex mitnahm, als Andrew.
    • Andrew

      „Okay. Falls ich ein Veto hatte, nutze ich es jetzt bei Augenbinden, weil ich definitiv sehen will, was passiert“, lenkte Andrew ein. Er brauchte seine Augen dringend, Ezra anzusehen war schließlich der halbe Spaß. Okay, und seine Hand die immer zielsicher sofort den Weg an seinen Hintern fand, aber die Handschellen waren ja wohl schon raus. Zumindest für Ezra. Wäre irgendwie seltsam, den Spieß umzudrehen, nach all den Jahren, aber vielleicht einen Versuch wert. „Aber wir können nochmal das Öl nachbestellen, das war gut, oder? Ich glaube, eine Massage wär vielleicht garnicht so übel für dich nach der letzten Woche“, überlegte Andrew leise. Eigentlich wäre für ihn selbst eine Massage mal nicht verkehrt. Naja.
      Er konzentrierte sich wieder auf das Gegenwärtige. Ezra war sehr gut darin, viel zu reden und ihn abzulenken, in absolut jeder Lebenssituation. Das würde sich wohl nie ändern. „Sag Bescheid, wenn dir was einfällt, ich probier alles aus. Außer der Augenbinde, das ist irgendwie frustrierend denke ich. Ungefähr wie dein Gipsarm“ Er schmunzelte und verteilte ein paar Küssen auf Ezras Brust, dann stützte er sich wieder auf und zog Ezras Jogginghose samt Unterwäsche ohne Umwege zu seinen Knien herunter und setzte sich wieder knapp unter seiner Mitte auf seinen Schoß. Ja, er konnte auf Augenbinden wirklich verzichten. Es wurde für Andrew nie langweilig, Ezra aus dieser Perspektive zu sehen. Es war wunderschön, die sanften Verzerrungen in seinem Gesicht, wenn Andrew seine Erektion umfasste oder das Tempo seiner Bewegungen änderte. Außerdem war es der Beweis, dass auch gebrochene Gliedmaßen kein Ende für ihr Sexleben bedeuten konnten, solange die Motivation noch vorhanden war.
      Andrew seufzte. „Ich hoffe zwar, dass du deinen Arm bald wieder benutzen kannst, aber ich finde es garnicht so schlecht hier oben. Ich mag es, wenn du zu mir hoch siehst. Immer“, murmelte er.
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    • Ezra

      “Natürlich hast du ein Veto!” Ezra lachte kurz auf, während seine Finger wieder zurück in Andrews Haare wanderten. Er wusste selbst nicht mal, wie viele seiner Ideen und Vorschläge wirklich ernst gemeint waren. Eigentlich mochte er das hier, Ruhe, Nähe und gegenseitiges Vertrauen. Viel mehr brauchte er gar nicht. Obwohl er Andrew zustimmen musste, dass ein paar der Sachen, die sie in den letzten Monaten versucht hatten, durchaus ihren Reiz gehabt haben. Andrews Vorschlag zum Nachbestellen beantwortete Ezra mit einem kleinen Nicken, während er viel zu abgelenkt von den ganzen Küssen und Andrews Hand an seiner Erektion war.
      Einen leichten Grund-Schmerz konnte Ezra nicht abstreiten. Alles zog irgendwie ein bisschen und ein paar Muskeln ließen ihn jetzt schon wissen, dass er heute viel zu viel getan hatte dafür, dass er die letzten Tage im Bett verbracht hatte, aber der Rausch, den Andrew jedes mal mit Leichtigkeit in ihm auslöste, überwog deutlich. Vor allem, wenn Andrew irgendwie immer genau wusste, was er sagen sollte.
      Der kleine Flirt schaffte es tatsächlich, Ezra ein wenig Röte in die Wangen zu treiben. Vielleicht, weil er realisierte, dass er sich eben wirklich vollkommen umsonst Sorgen um sein Aussehen gemacht hatte, vielleicht weil er wie etwas klang, das geradewegs aus seinen Fantasien der letzten Jahre gekommen war, nur…besser.
      “Ich seh gerne zu dir auf. Oder in deine generelle Richtung. Eines meiner liebsten Hobbys”, erklärte er vielleicht etwas zu euphorisch. Aber wo sollte man mit einem so unfassbar heißen Freund auch sonst hinschauen? Vor allem, wenn Andrew so verliebt zurück sah? “Auch, wenn ich dich lieber mit ein bisschen weniger Stoff am Körper sehen würde”, fuhr Ezra fort und tippte auf Andrews Knie, was neben seinen Händen gerade wohl die einzige Stelle war, die er erreichen konnte, ohne sich irgendwie umständlich aufsetzen zu müssen. “Danach kannst du auch direkt damit weitermachen, mich von oben herab anzustarren.”
    • Andrew

      "Ich starre nicht, ich schmachte", summte Andrew und hob auf den Befehl sein Bein über Ezra, um aufzustehen. "Und ich bin froh, dass die blauen Flecken nachlassen, damit dem nichts im Weg ist. Auch wenn ich blaue Flecken bei dir seit Jahren irgendwie gewohnt bin" Er hielt seine Stimme gedämpft, um sicherzugehen, dass draußen niemand aufgeweckt wurde, was eine eigenartige Umgewöhnung war. Aber solange sie niemand störte…
      Andrew entkleidete sich bis auf das letzte Stück und kniete sich wieder über seinen Freund. "Du bist noch okay? Keine Schmerzen?", hauchte er und küsste Ezras Wange. Er konnte es ja doch nicht lassen, er machte sich eben Sorgen, seinen Freund nach dem heutigen Tag zu überfordern. Andrew umschloss trotzdem sanft beide ihrer Erektionen mit seiner Hand und küsste unbeirrt Ezras Hals weiter, der den Duft seines Duschgels verströmte. Er könnte für immer sein Gesicht hier vergraben und Ezras Haut sein leises Stöhnen abfangen lassen. Wenn er jemals das Gefühl gehabt hatte, wo hin zu gehören und sich völlig zuhause zu fühlen, war es bei Ezra, und dieses Gefühl hatte vermutlich viel früher begonnen als ihre Beziehung.
      "Wenn du willst…", flüsterte er. "Hol ich das Gleitgel und die Kondome raus"
      Andrew hatte das Gefühl, deutlich öfter den aktiven Part zu übernehmen, weil sie wohl beide irgendwie eine Vorliebe entwickelt hatten, aber auch wenn diese Situation garnicht danach verlangte, überkam ihn trotzdem manchmal das überwältigende Verlangen, den Spieß umzudrehen. Besonders heute wollte er Ezra sowieso nicht zu sehr strapazieren. Eigentlich erschien ihm das alles schon zu viel, wenn er so über das Aktivitätslevel der letzten Woche nachdachte, aber es war nicht so, dass ein Arzt direkt von Sex abgeraten hatte. Vielleicht war es… impliziert gewesen, aber das konnte man leicht überhören und wenn Andrew die Arbeit übernahm, war es wieder okay, nicht? Also, anstrengender als ein Shopping Trip konnte es ja nicht sein. Sehr gut, red es dir nur ein, Andrew.
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