Milo
Keine neue Nachricht. War das ein gutes Zeichen, oder hatte sich Wy mittlerweile in so viele Probleme verstrickt, dass es keine Zeit mehr gab, um ihm zu schreiben? Ob seine Eltern sich auch immer so viele Sorgen gemacht hatten? Gott, wahrscheinlich nicht mal annäherungsweise. Milo war bis zu seinem Coming Out ein unproblematisches Kind gewesen und Wy konnte in ihren Augen nichts falsch machen. Milo fragte sich nicht zum ersten mal, seit wann sein Bruder eine Vorliebe für Kleinkriminalität entwickelt hatte. Nach allem, was er wusste, konnte er weit vor dem Tod ihrer Eltern damit angefangen haben und sie hatten es ihm einfach nie gesagt. Warum auch? Ihr Kontakt hatte sich auf das Nötigste beschränkt und über seinen kleinen Bruder herzuziehen war wahrscheinlich nicht wichtig gewesen. Aber sie mussten sich ja nicht mit den Konsequenzen ihrer Erziehung auseinander setzen. Sie-
Milo sah auf, als ihn jemand ansprach. Er hatte durchaus bemerkt, dass jemand unweit von ihm angehalten hatte, war aber schlicht davon ausgegangen, dass jemand anderes auch Getränke bestellen wollte. Er hatte nicht damit gerechnet, heute noch ungeschickt angeflirtet zu werden. Was auch der einzige Grund war, warum er eine Sekunde brauchte, um zu antworten. Es lag garantiert nicht daran, dass der junge Mann neben ihm unglaublich hübsch war und er zu sehr damit beschäftigt war, sich jedes kleine Detail an ihm einzuprägen, um sich irgendwie daran zu erinnern, wie man redete.
"Oh. Nein. Ich warte eigentlich nur darauf, dass ich einen Vorwand habe, um nach Hause gehen zu können", antwortete er schließlich, während er einen weiteren Blick auf das Display warf. "Und du?", fragte er zurück. Das blonde Model vor ihm sah eindeutig zu gut gelaunt aus, um irgendwelche Sorgen zu ertränken. "Hier, um flirten zu üben?" Er lächelte ihm neckend entgegen. Bei so einem perfekten Aussehen musste Blondie sich wahrscheinlich eher selten auf seine Flirtkünste verlassen. Wenn er ihn vor drei Monaten angesprochen hätte, hätte Milo wahrscheinlich auch mit dem Gedanken gespielt, irgendwie seine Handynummer raus zu bekommen, aber...es war nicht mehr November. Er wohnte nicht mehr alleine in einer kleinen Studentenwohnung und seine größte Sorge war nicht mehr, dass die Bahn zur Praxis ausfallen könnte. Momentan war nichts in ihm auch nur ansatzweise auf Romantik eingestellt.
Er sah kurz zurück zur Theke, wo der Barkeeper gerade drei Getränke platzierte. Er griff nach dem Bier und deutete kurz auf die anderen beiden Gläser. "Oder bist du doch aufs Komasaufen eingestellt?"
Keine neue Nachricht. War das ein gutes Zeichen, oder hatte sich Wy mittlerweile in so viele Probleme verstrickt, dass es keine Zeit mehr gab, um ihm zu schreiben? Ob seine Eltern sich auch immer so viele Sorgen gemacht hatten? Gott, wahrscheinlich nicht mal annäherungsweise. Milo war bis zu seinem Coming Out ein unproblematisches Kind gewesen und Wy konnte in ihren Augen nichts falsch machen. Milo fragte sich nicht zum ersten mal, seit wann sein Bruder eine Vorliebe für Kleinkriminalität entwickelt hatte. Nach allem, was er wusste, konnte er weit vor dem Tod ihrer Eltern damit angefangen haben und sie hatten es ihm einfach nie gesagt. Warum auch? Ihr Kontakt hatte sich auf das Nötigste beschränkt und über seinen kleinen Bruder herzuziehen war wahrscheinlich nicht wichtig gewesen. Aber sie mussten sich ja nicht mit den Konsequenzen ihrer Erziehung auseinander setzen. Sie-
Milo sah auf, als ihn jemand ansprach. Er hatte durchaus bemerkt, dass jemand unweit von ihm angehalten hatte, war aber schlicht davon ausgegangen, dass jemand anderes auch Getränke bestellen wollte. Er hatte nicht damit gerechnet, heute noch ungeschickt angeflirtet zu werden. Was auch der einzige Grund war, warum er eine Sekunde brauchte, um zu antworten. Es lag garantiert nicht daran, dass der junge Mann neben ihm unglaublich hübsch war und er zu sehr damit beschäftigt war, sich jedes kleine Detail an ihm einzuprägen, um sich irgendwie daran zu erinnern, wie man redete.
"Oh. Nein. Ich warte eigentlich nur darauf, dass ich einen Vorwand habe, um nach Hause gehen zu können", antwortete er schließlich, während er einen weiteren Blick auf das Display warf. "Und du?", fragte er zurück. Das blonde Model vor ihm sah eindeutig zu gut gelaunt aus, um irgendwelche Sorgen zu ertränken. "Hier, um flirten zu üben?" Er lächelte ihm neckend entgegen. Bei so einem perfekten Aussehen musste Blondie sich wahrscheinlich eher selten auf seine Flirtkünste verlassen. Wenn er ihn vor drei Monaten angesprochen hätte, hätte Milo wahrscheinlich auch mit dem Gedanken gespielt, irgendwie seine Handynummer raus zu bekommen, aber...es war nicht mehr November. Er wohnte nicht mehr alleine in einer kleinen Studentenwohnung und seine größte Sorge war nicht mehr, dass die Bahn zur Praxis ausfallen könnte. Momentan war nichts in ihm auch nur ansatzweise auf Romantik eingestellt.
Er sah kurz zurück zur Theke, wo der Barkeeper gerade drei Getränke platzierte. Er griff nach dem Bier und deutete kurz auf die anderen beiden Gläser. "Oder bist du doch aufs Komasaufen eingestellt?"