The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Steve

      Steve musste sich ein Lachen verkneifen, als Thomas seine ehemalige Wohnsituation ansprach. Es war tatsächlich ein wenig klischee-beladen, in dem Alter bei seinen Eltern im Keller zu wohnen, aber Steve war mehr als froh, dass Thomas bei ihm eingezogen war. Er hatte nie gedacht, dass er mal damit klar kommen würde, seine Wohnung teilen zu müssen, aber Thomas fiel im schlimmsten Fall kaum auf und war im besten Fall eine gute Unterstützung im Alltag, egal, ob es um den Haushalt ging, oder einfach darum, bei ihm zu sein. Er wollte nicht mehr auf die gemeinsame Zeit nach Feierabend verzichten. Genau so, wie er sich freute, Thomas jetzt bei sich zu haben.
      Er konnte nicht anders, als zu lächeln, als er zurück in sein Zimmer kam und Thomas mit seinem Shirt in seinem alten Bett zu sehen. Langsam fühlte es sich wirklich an, wie bei einer alten Übernachtungsparty. Wenn er nicht so müde wäre, hätte er wahrscheinlich eine Runde Flaschendrehen vorgeschlagen. Obwohl das zu zweit wahrscheinlich ziemlich langweilig gewesen wäre.
      "Das Shirt steht dir", merkte er an, als er neben Thomas ins Bett rutschte. Er legte seine Arme um ihn und gab ihm einen Kuss in den Nacken. Es war unglaublich schön, neben ihm einschlafen zu können. Irgendwie beruhigten die leisen Geräusche und Bewegungen einer zweiten Person ihn.
      "Und? Beschweren sich online auch schon alle über den Schneesturm?" Es war irgendwie fast beunruhigend, dass Anfang Januar noch so viel Schnee fiel. Eigentlich hätte man sich das eher über Weihnachten gewünscht. Aber besser so, als wenn er alleine bei seinen Eltern gestrandet wäre - oder wenn sie über Silvester bei Ezra und Andrew stecken geblieben wären. Das hätte er wahrscheinlich nicht überlebt. Er war schon nervös genug, sie jetzt öfter zu sehen in dem Wissen, dass sie jetzt wussten, dass er Thomas datete. Vielleicht sollte er seine Karriere doch nochmal überdenken, um dem irgendwie aus dem Weg zu gehen.
    • Thomas

      Der Kuss zauberte Thomas automatisch ein Lächeln auf die Lippen. "Ja. Kaum zu glauben, wie schnell Memes entstehen können. Ich hab dir schon ein paar geschickt", schmunzelte er. Er schloss seine Apps, lehnte sich über Steve und legte sein Handy auf den Nachttisch. Auf halbem Weg zurück blieb sein Blick an seinem Freund hängen, er hielt inne und er küsste ihn unvermittelt.
      "Das ist der Unterschied zu allen Übernachtungen, die ich so erlebt hab", murmelte er und grinste leicht. In letzter Zeit bewegten sie sich in der Nähe des anderen beide nicht mehr so sehr auf Eierschalen, und es war verdammt befreiend. Thomas hatte das Gefühl, nicht nur diese Beziehung sondern auch sich selbst immer und immer mehr zu akzeptieren. Auch wenn er vermutlich noch einen langen Weg vor sich hatte, aber Steve war eine riesige Hilfe. Er traute sich ein wenig mehr, mit ihm über Dinge zu reden, und Thomas merkte, dass er ihm noch mehr vertraute, als in der Zeit, in der sie nur Freunde gewesen waren. Auch, wenn er zusätzlich deutlich paranoider geworden war und sich öfter Sorgen machte, dass er etwas falsch machen könnte, aber… wenn nicht gerade eine Extremsituation wie das erste Treffen mit den Eltern bevorstand, dann konnte er das mittlerweile auch besser regulieren. Je öfter er mit Steve darüber redete, desto mehr brannte sich auch endlich in sein Gehirn ein, dass er nichts zu befürchten hatte.
      Und er war verdammt froh über das Gespräch, dass sie vor kurzem gehabt hatten. Ohne dem wäre Thomas bestimmt nicht so gelöst, wenn er an Steves Lippen hing. Das Kribbeln, das er spürte, war endlich kaum mehr Nervosität, sondern einfach nur Herzflattern. Und damit ließ sich leben. Thomas hoffte sogar ein wenig, dass es so lange wie möglich blieb.
      Er ließ sich wieder neben Steve nieder und behielt die Hand an seiner Wange. Das war definitiv die beste Übernachtung, die er je hatte. Und sie endete nie: Er konnte sie jeden Tag haben. Thomas lächelte leicht und sah in Steves Augen. Untertags war das deutlich schwieriger, aber er könnte sich wirklich in diesen Augen verlieren. Es war wahrscheinlich Selbstschutz, dass er den Blickkontakt normalerweise so schlecht halten konnte.
      Etwas lag Thomas auf der Zunge. Und gerade, als es ihm über die Lippen kommen wollte, stoppte er sich noch selbst. Er konnte unmöglich schon wieder etwas verkomplizieren. Alles war gerade gut so, wie es war. Aber je länger er Steve ansah, desto schwieriger wurde es, sich zurückzuhalten. Also rutschte er ein Stück abwärts, legte einen Arm über Steves Oberkörper und den Kopf auf seine Brust. Nur für eine Weile. Schlafen konnte er so nicht, aber es war beruhigend, sein Herz schlagen zu hören.
      "Gute Nacht", murmelte er.
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    • Steve

      Okay, offensichtlich hatten sie gerade einen Moment. Irgendwie kam das öfter vor, seit er Thomas datete. Steve hatte sowas bisher noch nie bei einem seiner Exfreunde erlebt, diese kurzen Momente, in denen Thomas einfach nur starrte und ein wenig gedankenverloren aussah. Aber seine Beziehung mit Thomas war sowieso irgendwie anders, als seine vorherigen. Wenn er nicht gerade eine Panikattake hatte, war eine Beziehung mit Thomas überraschend ruhig, was wirklich entspannend war. Sie brauchten keine ausgefallenen Date-Ideen, damit die Beziehung irgendwie Schwung bekam, sie waren beide vollkommen okay damit, zuhause zu sitzen, Spiele zu spielen und Serien zu schauen. Zumindest hoffte Steve, dass sie beide damit okay waren. Vielleicht sollte er einfach nochmal ein richtiges Date vorschlagen, wenn nicht mehr die Gefahr bestand, dass sie irgendwo in einem Schneesturm stecken bleiben würden. Kino, oder so.
      Er lächelte leicht, als Thomas seinen Kopf auf ihn legte und strich ihm mit einer Hand durch die Haare. Im Nachhinein war es irgendwie seltsam, dass ihm nicht früher aufgefallen ist, wie sehr er an seinem besten Freund gehangen und wie viel mehr als bloße Freundschaft er gewollt hatte. Er konnte sich ein Leben ohne Thomas gar nicht mehr vorstellen. Er lehnte sich leicht nach unten und drückte ihm einen Kuss aufs Haar.
      "Gute Nacht. Weck mich einfach, falls irgendwas sein sollte." Obwohl der Schneesturm wohl vorerst ihr größtes Problem bleiben sollte.

      Steve wusste nicht, wann genau er eingeschlafen war, aber er fühlte sich seltsam ausgeschlafen, als ihn der Wecker seines Handys am nächsten Morgen weckte. Er nuschelte ein verschlafenes "Guten Morgen" in Thomas' Richtung, bevor er sich vorsichtig von ihm löste und ins Bad ging. Ein Blick aus dem Fenster zeigte zumindest, dass der Schnee tatsächlich über Nacht etwas geschmolzen war. Zwar lag immer noch ein weiße Decke über allem, aber sie war nicht mehr so hoch, wie am gestrigen Abend. Während er sich die Zähne putzte hörte er sogar die ersten Autos auf der Straße vor dem Haus fahren.
      "Schaut so aus, als ob wir nach Hause kommen würden", verkündete er, als er zurück in sein Zimmer kam. Er kniete sich auf den Rand seines Bettes und drückte Thomas einen Kuss auf die Wange. "Das T-Shirt steht dir übrigens. Bedien dich, falls du es mitnehmen willst." Vielleicht war es auch ein wenig der Fakt, dass es Steves altes Shirt war, der Thomas darin so unwiderstehlich aussehen ließ. Steve entschied sich, diesen Gedanken auf später zu verschieben.
    • Thomas

      „Das musst du mir nicht zwei Mal sagen“, antwortete Thomas, während er sich aufsetzte und an Steve vorbei aus dem Bett rutschte, um selbst ins Bad zu gehen, damit sie beide fertig wurden, bevor Rahul wegfahren wollte. Ein wenig traurig war es ja doch, dass das Unwetter nicht länger anhielt, da sie dann wohl alle wieder zur Arbeit mussten. Thomas würde anrufen müssen, dass er heute später kam. Oder… vielleicht gab es ja eine Möglichkeit, noch einen Tag freizubekommen?
      Er stoppte auf halbem Weg aus der Tür. „Hey, denkst du, wir könnten heute nochmal frei bekommen? Vielleicht… äh…. eine plötzliche Erkältung, weil wir gestern Abend irgendwo im Schnee schnecken geblieben sind?“ Thomas blinzelte erwartungsvoll. Wobei er sich vermutlich keine Gedanken darüber machen musste, ob Steve lieber zuhause blieb als zur Arbeit zu fahren. Nach gestern Abend hatte Thomas aber selbst irgendwie das Gefühl, dass er mal ein wenig lockerer lassen sollte, wenn es um seinen Job ging. Es war ihm milliarden Mal wichtiger, Zeit mit Steve zu verbringen, und vielleicht sollte er das mal etwas klarer machen. Auch, wenn er seinen Job mochte und gern mal länger blieb, meist einfach aus Gewohnheit.
      „Ich stecke zwar auch gerne hier fest, aber wir hätten… dann tatsächlich den ganzen Tag für uns. Zuhause“ Er zuckte etwas verlegen mit den Schultern. Sie hatten auch die Wochenenden oft zu zweit, aber es war irgendwie etwas anderes, wenn man wusste, dass man eigentlich im Büro sitzen müsste. „Wir könnten was zu Essen bestellen? Oder deiner Mutter ein bisschen was abnehmen, ich glaube sie weiß nicht, wo sie die Reste von gestern Abend unterbringen soll. Der Blick war vielsagend“, schmunzelte er. „Und uns fällt sicher irgendetwas ein, dass… spannender ist, als zu arbeiten. Sollte nicht schwer werden“ Wenn Thomas seinen Job nur ein bisschen weniger mögen würde, dann würde er wohl den Rest seines Lebens mit Computerspielen oder Serien verbringen. Insofern war der Kapitalismus vielleicht mal ganz nützlich. Man wurde gezwungen, das Haus zu verlassen. Aber so ein Schneesturm passierte nicht alle Tage! Da hatte er ein deutlich besseres Gewissen, mit irgendeiner Ausrede einfach mal zuhause zu bleiben.
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    • Steve

      Steve rutschte ein wenig zur Seite, um Thomas Platz zu lassen und griff nach seinem Handy, um die Memes durchzuschauen, die sein Freund ihm gestern gesendet hatte. Er hatte gerade seinen Pin eingegeben, als Thomas ihn wieder ansprach. Steve blinzelte, bevor er den Kopf hob und Thomas einen überraschten Blick zuwarf. Hatte er das gerade richtig verstanden?
      "Thomas! Schlägst du gerade vor zu schwänzen?", fragte er mit einer Mischung aus Überraschung und Belustigung. Von allen Leuten, die er kannte, war Thomas wohl einer der Letzten, denen er so was zugetraut hätte. Er konnte nicht anders, als kurz zu lachen. "Vielleicht sollten wir das mit der Beziehung doch nochmal überdenken. Ich habe offensichtlich keinen guten Einfluss auf dich." Er lachte erneut, während er aufstand und zu seinem Freund herüber ging, um seine Arme um ihn zu legen und ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. Zugegeben, eigentlich war er selbst nicht der Typ, der sich einfach krank meldete, weil er gerade keine Lust hatte, aber Thomas' Vorschlag für den Tag war einfach zu schön, um die Gelegenheit verstreichen zu lassen.
      "Ich denke, wir könnten uns durchaus erkältet haben", stimmte er zu. Irgendwie fühlte sich das ein bisschen falsch an, aber wirklich vermissen würde ihn für diesen einen Tag wahrscheinlich niemand und es würde wohl auch keiner anzweifeln, warum er nicht da war. Das war der einzige Vorteil, den seine niedrige Stelle hatte.

      Als sein Dad sie wenig später vor ihrer Haustüre absetzte, konnte Steve immer noch nicht ganz glauben, dass er sich nicht stressen musste, sich umzuziehen und ins Büro zu fahren. Es war fast schon zu einfach gewesen, sich krank zu melden - offenbar waren einige andere Kollegen ebenfalls im Schneesturm stecken geblieben und hatten sich für heute abgemeldet - und plötzlich kam ihm der Tag viel länger vor.
      Die Wohnung war zum Glück relativ gut isoliert, weshalb sie nicht komplett kalt war, als sie hineintraten. Steve steuerte zuerst die Küche an, um die Reste, die sie seinen Eltern abgenommen hatten, in den Kühlschrank zu stellen, bevor er sich wieder zu Thomas drehte. "Also. Wie sieht der Plan aus? Spiel? Serie? Film?" Er lächelte, während er seine Hände in seine Hüften stemmte. Irgendwie fühlte er sich gerade seltsam energetisch. Vielleicht sollte er diese Stimmung ausnutzen, solange sie noch hielt.
      "Oh, wie wäre es eigentlich nochmal mit einem...richtigen Date? Wenn der Schnee weg ist, natürlich. Vielleicht ins Kino, oder so?"
    • Thomas

      Es war ein bizarrer Gedanke, das Ganze schwänzen zu nennen, aber Steve hatte wohl recht. Thomas hatte sowohl in der Schule als auch in der Universität nur ‚geschwänzt‘, wenn er sich sicher gewesen war, dass er alleine seine Aufgaben besser erledigen und so Zeit sparen konnte, wenn etwa gerade eine Prüfung anstand. In jedem anderen Fall hätte er ein schlechtes Gewissen gehabt. Also heute nichts zu tun anstatt zu arbeiten? Das war neu. Und Thomas hatte erschreckenderweise absolut kein schlechtes Gewissen, als sie zuhause ankamen und er sich nicht gleich wieder bereit machte, wegzufahren.

      Er fühlte sich wundervoll leicht, als er sich in der Küche an der Arbeitsfläche anlehnte und Steve beim Schlichten des Kühlschranks zusah. So leicht, dass er nur lächeln konnte. „Hmm, wir können alles davon machen, wir haben den ganzen Tag Zeit“, sagte er. Nur die Reihenfolge mussten sie sich überlegen. Während Thomas versuchte, eine Wahl zu treffen, schockierte Steve ihn plötzlich ein wenig und er blinzelte ihn an. Alle anderen Gedanken wurden wieder aus seinem Kopf gefegt. Ein richtiges Date? Das hatten sie schonmal, aber das Wort schlug immernoch wie ein Meteorit ein.
      „Oh, klar“, antwortete er in einem erschreckend hohen Stimmton, sodass er sich darauf fokussieren musste, wieder normal weiterzusprechen. „Kino klingt gut. Hast du einen Film im Kopf? Ich glaube, es spielt einen neuen Marvel Film“, schlug er vor. Ins Kino… Langsam fiel Thomas auf, wieviele Dinge sie noch zum ersten Mal zusammen machen konnten, anstatt jeden Tag zusammen auf dem Sofa zu sitzen.
      Er schmunzelte. „Wir gehen zu wenig raus, oder?“, fragte er belustigt. Er selbst hatte damit kein Problem und eigentlich war er sich recht sicher gewesen, dass Steve auch nichts dagegen hatte. Früher hatten sie schließlich auch nichts anderes gemacht, als zusammen zu zocken. Vermutlich war Steve einfach mal danach, etwas anderes zu machen, jetzt wo sie zusammen waren. Und ausnahmsweise machte Thomas sich deshalb keine Sorgen.
      „Okay, gehen wir ins Kino. Aber wenn‘s dir nichts ausmacht, würde ich mich gern in zehn Decken einrollen bis dahin. Mir ist kalt“ Er lachte leicht. Eigentlich graute es ihm ein wenig, bei den Temperaturen nochmal rauszugehen, aber leider war er nicht für einen Winterschlaf ausgelegt.
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    • Steve

      "Oh, ich meine nicht unbedingt heute. Mehr so...generell. Wir kommen wirklich zu selten raus." Steve lächelte schwach. Das war irgendwie nur die halbe Wahrheit, nicht? Obwohl er den Rest eigentlich gar nicht aussprechen wollte, aber historisch betrachtet schien ihre Beziehung bisher immer nur davon profitiert zu haben, dass sie sich aussprachen, nicht? Er seufzte kurz. "Außerdem will ich nicht, dass du das Gefühl hast, was zu verpassen. Mir liegt wirklich viel an unserer Beziehung und ich will nicht, dass du das Gefühl bekommst, dass ich dich einfach als selbstverständlich betrachte und mir keine Mühe gebe." Das war aktuell seine größte Angst. Steve hatte sich selbst nie als unglaublichen Romantiker betrachtet. Er wollte auf keinen Fall, dass Thomas darunter leiden würde.
      Er ließ endlich die Kühlschranktür, an die er sich geklammert hatte, als ob sie ein Rettungsring wäre, los und ging zu Thomas herüber, um sein Gesicht in seine Hände zu nehmen und ihm einen sanften Kuss auf die Lippen zu drücken. "Du hast es verdient, ganz klassisch nach Strich und Faden gedatet zu werden." Er ließ sein Gesicht los und stützte sich stattdessen mit den Händen links und rechts von ihm an der Küchenzeile ab.
      Eigentlich war Steve selbst nicht die aktivste Person. Es hatte ein paar Dates in seiner Vergangenheit gegeben, die er wirklich gemocht hatte - unter anderem sein erstes Date mit Thomas - aber eigentlich hatte er immer das bloße Zusammensein und gelegentliche Ausflüge bevorzugt, vor allem, wenn er gerade von der Arbeit kam und dann direkt wieder los musste. Aber Thomas war ihm weitaus wichtiger, als das. Außerdem war es nicht so, als ob ein Date ein großes Opfer darstellen würde. Ab und an war es durchaus ganz schön, etwas anderes zu sehen, als die eigenen vier Wände und den altbekannten Staub in der Ecke.
      "Aber zuerst sollten wir wahrscheinlich wirklich sicherstellen, dass du nicht erfrierst, bevor wir nochmal ausgehen können." Er musste kurz lächeln, während er sich von der Küchenzeile abstieß und Thomas in einer fließenden Bewegung mit sich ins Wohnzimmer zog. Sie mussten wohl wirklich die Heizung etwas aufdrehen und auf die Sofadecke vertrauen.
    • Thomas

      "Oh", sagte Thomas etwas überrascht. Er schlug also einfach generell ein Date vor? Wieso? …Ach. Deshalb.
      "Das denke ich überhaupt nicht", begann er schnell, um Steve den Gedanken auszutreiben, dass er irgendetwas falsch machte. Es gab vermutlich niemanden auf der Welt, der glücklicher damit war, mit dem Sofa zu verschmelzen, als er selbst. Es war ein Riesen Segen, dass Steve genauso tickte, wie er, auch wenn sie das irgendwann wahrscheinlich wirklich hier festwachsen ließ. Aber Steve schien festgefahren zu sein, dass Thomas ordinäres Dating verdiente.
      Der Kuss alleine hätte ihn allerdings schon daran gehindert, zu widersprechen, geschweige denn die Nähe, die Steve für ein paar Momente beibehielt. "Ich- äh-" Keine Chance, er wurde bereits ins Wohnzimmer gezogen. Während Thomas sich auf die Couch setzte und nach einer der Decken griff, versuchte er sich wieder zu fassen, um noch eine sinnvolle Antwort herauszubringen.
      "Ich hab kein Problem mit dem, wie es jetzt ist", sagte er endlich während er sich zudeckte und die Beine zu sich zog. Er sah Steve an. Es war gut, dass sie sich offensichtlich endlich beide daran gewöhnten, ihre Gedanken auszusprechen, oder? Wenn Steve ihm immer so viel Geduld schenkte und ihm zuhörte, sollte er das selbst auch tun.
      "Ich geh gerne mit dir aus, aber ich würde auch die nächsten zehn Jahre glücklich auf der Couch verrotten" Hatte er gerade zehn Jahre gesagt? Was auch immer. "Äh, aber, wir sollten uns vielleicht trotzdem manchmal bewegen. Wir sitzen ja beide bei der Arbeit auch nur. Also… keine Ahnung, ich bin nicht wahnsinnig motiviert, mit irgendeinem Sport anzufangen, aber wir können ja mal spazieren gehen" Er schmunzelte. "Zufuß ins Kino ist vielleicht etwas weit… Aber wenn es nicht gerade schneit oder regnet würde ich mir sogar das zutrauen" Vielleicht sollten sie mal mehr Gebrauch von der Tatsache machen, dass sie nicht gelähmt waren. Thomas war nicht unbedingt aktiver gewesen, als er mit Leona zusammen war, aber hin und wieder hatte sie ihn trotzdem in Museen und Kunstausstellungen geschleppt oder sie waren in Cafés gegangen. Vielleicht war ja wirklich die Zeit gekommen, mal mit irgendeinem Sport anzufangen, damit sie zumindest die nächsten dreißig Jahre überlebten. Urgh… Naja… Vielleicht morgen.
      Thomas lehnte sich an Steves Schulter. "Glaub mir, ich würde sogar lieber Home Office machen um mir den Arbeitsweg zu ersparen. Ich glaube, Wall-E war ist mit dem Zukunftsbild garnicht weit daneben gelegen" Es war eigentlich ein Wunder, dass Thomas noch verhältnismäßig sportlich aussah. Das waren wohl noch die restlichen Muskeln aus dem Sportunterricht und das Resultat vom Treppensteigen in der Uni.
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    • Steve

      Steve ließ sich neben Thomas auf das Sofa fallen, während langsam zumindest ein bisschen Entspannung einsetzte. Thomas hatte kein Problem damit, nicht genug raus zu kommen. Allerdings hatte Thomas mit Leona wahrscheinlich auch einfach keine gute Referenz, wie eine normale Beziehung eigentlich aussah. Steve steckte trotzdem einen mentalen Pin in diese Information. Auch, wenn sie wirklich irgendwann raus mussten. Vielleicht könnten sie ja irgendwann Urlaub fürs nächste Jahr planen. Thomas schien mit seinem zehn-Jahre-auf-der-Couch-verrotten-Plan zumindest davon auszugehen, dass die Beziehung noch etwas hielt, was Steve erneut ein wenig erleichterte.
      Es war fast schon zu einfach, Thomas zu daten. Alles, was er benötigte, war Geduld und davon hatte Steve mehr als genug. Dafür machte ihn die nun ja, Anspruchslosigkeit, seines Freundes fast nervös. Sie klickten fast zu gut. Was eigentlich keine Überraschung sein sollte, weil sie sich bereits als Freunde viel zu gut verstanden hatten, aber trotzdem war es einfach ungewohnt, sich so schnell so zufrieden in einer Beziehung zu fühlen.
      "So schön ich es auch finde, mit dir auf dem Sofa zu sitzen und Serien zu schauen...ab und an muss ich dich doch nach draußen ziehen, damit die Nachbarn sehen können, was für einen wundervollen Freund ich mir geangelt habe." Steve lächelte leicht, während er seinen Kopf gegen Thomas' lehnte und unter der Decke nach seiner Hand griff.
      Er starrte einen kurzen Moment auf den Fernseher vor ihnen, gefangen in seinen eigenen Gedanken, bevor er sich selbst wieder zurück ins Hier und Jetzt holte. "Wärst du sehr enttäuscht, wenn ich dir sagen würde, dass ich Wall-E nie gesehen habe? Ich meine, ich weiß, worum es geht und so, aber irgendwie hab ich mir den Film nie angeschaut." Es war Zeit für ein lockeres Thema, nicht? Beziehungstechnische Gespräche mit Thomas fühlten sich immer noch schwer an, auch, wenn Steve eigentlich immer für eine offene Kommunikation gewesen war. Bei Thomas fühlte es sich nur immer zeitgleich so an, als ob sie bestimmte Dinge viel früher, oder nie hätten ansprechen sollen. In seinem Kopf war Thomas immer noch der beste Freund und seine feste Beziehung und manchmal schienen sich die beiden Rollen irgendwie nicht ganz zu vertragen.
    • Thomas

      Da war es wieder, das Herzklopfen, das unmöglich nicht in einem Radius von 100 Kilometern gehört werden konnte. Nachdem Thomas Steves Eltern kennengelernt hatte, fühlte er sich aber tatsächlich auch etwas lockerer, was die Öffentlichkeit ihrer Beziehung anging. Er hatte damit auch vorher kein großes Problem gehabt, aber die Unsicherheit überwog eben oft. Allerdings schämte er sich kein Stück dafür, mit Steve zusammen zu sein. Seine Meinung war eigentlich die einzige, die wirklich zählte. Tief im Inneren war Thomas das durchaus bewusst und solange sie zusammen waren, konnte er mit fast allem leben.
      Außer damit. "Ich bin unglaublich enttäuscht", sagte er. "Wir schauen uns Wall-E jetzt an, wenn du nichts dagegen hast. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der so eine Bildungslücke hat" Er hob den Kopf und lächelte und nahm seinen ohnehin sarkastischen Worten noch jegliche Stärke, als er ihm einen Kuss auf die Wange gab. Dann griff er nach der Fernbedienung. Zumindest hatten sie schonmal einen ersten Plan für den Tag. Gerade, als er den Film starten wollte, bekam Thomas allerdings einen Anruf. Von seiner… Mutter.
      "Ähh… okay, warte kurz, ich muss abheben. Ich hab seit Weihnachten nicht mit meiner Mum gesprochen", entschuldigte er sich und hob sein Handy zum Ohr. "Mum?"
      "Tommy, deine Tante Christine hat deine neue Adresse noch nicht. Ich hab gerade die Einladung zu ihrer Hochzeit bekommen, eine für uns alle. Sie ist in drei Wochen, am 3. Februar. Ich wusste es natürlich schon, ich hab nur vergessen es dir zu sagen. Du kommst aber, ja? Du musst auf jeden Fall kommen"
      Thomas schwieg einen Moment. Das war nicht unbedingt, was er erwartet hatte, aber es war nur typisch für seine Mutter, unangenehme Dinge völlig zu verdrängen und so zu tun, als wäre alles ganz normal. Auf der anderen Seite hatte es ja nichtmal einen Streit gegeben, sie war bloß enttäuscht gewesen. "Okay. Kein Problem. Das ist ein Samstag, oder?"
      "Ja. Ich schick dir ein Foto von der Einladung, für die Adresse. Du hast doch noch den Anzug von deiner Abschlussfeier, zieh den an!"
      "Mum, das ist vier Jahre her. Ich weiß weder, wo der ist, noch, ob er mir passt", sagte er. Mit jedem Wort sank seine Motivation. Es gab kaum etwas, das er mehr hasste, als Anzüge zu tragen. Es waren einfach… zu viele unbequeme Schichten.
      "Dann kauf dir bitte einen neuen. Ich überweis dir das Geld dafür, wenn du es brauchst"
      Brauchte er das? Ja, vermutlich. Ein neuer Anzug steckte momentan nicht unbedingt in seinem Budget, wenn er nicht vom Flohmarkt kam. "Okay, danke", sagte er also und lehnte den Kopf etwas erschöpft zurück.
      "Schick mir bitte Fotos, wenn du einkaufen gehst! Oder nimm mich mit!"
      "Mum, ich kann alleine einkaufen gehen", seufzte er.
      "Ich hätte normalerweise ja Leona gefragt, dass sie dich begleitet und ein Auge darauf hat, dass alles gut passt, aber du musstest ja gehen und dir jemanden suchen, der keine Ahnung hat. Also schick mir Fotos, Tommy!"
      Thomas runzelte ungläubig die Stirn. So gut im Verdrängen war seine Mutter wohl doch nicht. "Das mag jetzt ein Schock sein. Aber ich glaube, Steve, der selbst Anzüge trägt, weiß ein bisschen mehr darüber, als meine EX Freundin", stieg er darauf ein und bereute es sofort wieder. "Gott, vergiss es. Ich kann wirklich alleine einkaufen gehen. Lass dich überraschen, ob ich in der Lage war, eine Hose in meiner Größe zu finden" Jetzt war er ein wenig sauer.
      "Wie redest du mit mir, Thomas?!"
      "Mum, ich muss gehen, ich bin bei der Arbeit. Oh, da kommt Serena. Wir sehen uns bei der Feier, ciao!" Er legte auf und hatte das Verlangen, sein Handy durch den Raum zu schmeißen, aber ein kaputtes Handy würde seine Stimmung nicht besser machen, also legte er es wieder neben sich. Er seufzte frustriert. "Ich weiß nichtmal, worüber ich mich zuerst aufregen soll, also lass ich es einfach", murmelte er.
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    • Steve

      Damit wäre das Thema wohl endgültig geklärt und es zeigte sich erneut, dass alles besser wurde, wenn sie einfach offen miteinander redeten. Langsam gewöhnte sich Steve fast daran. Es war irgendwie ein unglaublich entspannendes Gefühl zu wissen, dass er sagen konnte, was ihm durch den Kopf ging, ohne sich Sorgen zu machen, dass Thomas etwas falsch verstand, oder ihm ein zusätzliches schlechtes Gewissen verursachte. Die Hoffnung, dass die Beziehung von Tag zu Tag etwas einfacher werden würde, hatte sich offensichtlich bewahrheitet. Zumindest sank Steves Hemmschwelle zunehmend und langsam, ganz langsam, fing er an, sich sogar nicht mehr aktiv daran erinnern zu müssen, dass er mit Thomas zusammen war.
      Er musste lachen, als Thomas ihm eine Bildungslücke vorwarf und nickte kurz, als er vorschlug, selbige Lücke sofort zu füllen. Es gab deutlich schlechtere Sachen, die man an einem 'Krankheitstag' machen könnte und Disney hatte ein paar nette Filme, auch, wenn Steve sich bei Marvel deutlich sicherer fühlte. Er stellte sich geistig bereits auf einen Animationsfilm ein, als Thomas' Handy klingelte.
      Steve versuchte, nicht zu lauschen. Zwar wäre Thomas wahrscheinlich in einen anderen Raum gegangen, wenn er das Gespräch privat halten wollte, aber er wollte auch so nicht in die Unterhaltung mit seiner Mutter reinhören. Zumindest, bis der Ton etwas gereizt wurde. Steve hätte nie vermutet, dass man sich über Klamotten-Shoppen streiten könnte und er war sich nicht ganz sicher, warum er in die Sache hineingezogen wurde.
      Er warf seinem Freund einen fragenden Blick zu, als selbiger auflegte. Zu fragen, ob alles okay war, konnte er sich wahrscheinlich sparen. Es war offensichtlich nichts okay. Also sprang er direkt zur nächsten Frage. "Kann ich irgendwie helfen? Ich hab meinen Namen gehört. Und irgendwas mit Anzügen?" Anzüge hatte er genug im Schrank und er hasste jeden einzelnen davon. Es war okay, sie für die Arbeit - und ein paar feinere Anlässe - zu tragen, aber sobald er die Chance hatte, bevorzugte er Jeans und Pullover, oder bunte Hemden. Was nicht erklärte, wieso Thomas einen Anzug benötigen würde.
    • Thomas

      Thomas hob den Kopf und blinzelte Steve einige Sekunden stumm an. Er dachte nach. Ihm war schussartig eine Idee gekommen, als Steve gefragt hatte, ob er helfen konnte, und jetzt musste er abwägen, ob die Idee es überhaupt wert war, laut ausgesprochen zu werden. Aber… seine Mutter wollte ja einfach nicht aufhören, von Leona zu schwärmen und Thomas wusste sich langsam nicht mehr zu helfen. Erst hatte sie sich geweigert, die Trennung überhaupt zu akzeptieren, und jetzt heulte sie ihr hinterher als wäre es ihre eigene gewesen. Dabei war Steve ein unglaublicher Glücksfang und Thomas war sich noch immer nicht ganz sicher, womit er ihn verdient hatte. Es nervte unheimlich, dass seine Mutter ihm das nicht glauben wollte. Nur, weil er ein Mann war? Bei jeder Frau der Welt hätte sie mit Leona vermutlich abschließen können, sobald sie sie einmal getroffen hatte. Und… vielleicht… war genau das die Lösung. Oder aber Thomas war unglaublich naiv und seine sogenannte Lösung würde alles bloß um ein zehnfaches verschlimmern. Aber konnte es das? Seine Eltern wollten ihn nicht akzeptieren, das war schon deprimierend genug. Und sie waren beide nicht der Typ für langanhaltende Streits oder Phasen des Ignorierens, also, nein, es konnte kaum schlimmer werden, als es gerade war. Thomas traute seinen Eltern nicht zu, dass sie den Kontakt zu ihm abbrechen würden oder etwas derartiges. Sie drückten nur ihre Enttäuschunh gerne sehr penetrant aus, weil er schließlich ihr Goldjunge war. So, wie die restlichen Kinder, aber die Erwartungen waren an alle irgendwie gleich. Bestenfalls sollten sie einfach nie erwachsen werden und natürlich möglichst ‚normal‘ und ihre Vorstellung von ‚christlich‘ sein.
      „Steve, willst du mit mir zu einer Hochzeit gehen?“, fragte er gerade heraus. Doch, ausgesprochen schien es noch immer wie eine gute Idee. Wenn seine Familie Steve kennenlernte, konnten sie garnichts mehr gegen ihn haben, schwul oder nicht. Seine Mutter würde akzeptieren müssen, dass Steve sich tausendmal besser um Thomas kümmerte, als Leona, was ja offensichtlich ihr Nummer 1 Anspruch an seine Beziehungen war. Er war in ihren Augen eben völlig unfähig, alleine zu sein. Und gewissermaßen lag sie damit vielleicht nicht falsch, aber… doch, ihr Eindruck war ziemlich daneben. Er war erwachsen. Schon seit einigen Jahren. Aber das hatten seine Eltern nicht mitbekommen.
      „Meine Tante heiratet am 3. Februar und ich bin sicher, dass meine Oma sich ein Bein ausreißen würde um dich kennenzulernen“ Er lächelte. Anders wusste er nicht, wie er es seinem Freund schmackhaft machen sollte, eine Familie kennenzulernen, die ihn als den Teufel einstufte. „Und äh… unabhängig davon brauche ich tatsächlich einen Anzug, aber das ist jetzt egal“, winkte er ab. Er setzte sich richtig auf und sah Steve mit großen, flehenden Augen an. „Ich weiß, dass das nicht unbedingt einladend klingt, aber wenn irgendjemand komisch ist, dann gehen wir sofort. Ich brauche wirklich… ein bisschen emotionale Unterstützung, wenn ich ehrlich bin. Und meine Eltern können dich wirklich nur lieben, sobald sie dich mal kennengelernt haben. Vielleicht ist das genau, was sie brauchen, um damit klarzukommen“
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    • Steve

      Das erklärte einiges, auch, wenn Steve nicht ganz wusste, was er von der Einladung halten sollte. Es war irgendwie selbstverständlich, dass er Thomas' Familie früher oder später kennen lernen würde, aber eine Hochzeit war noch nie ein guter Zeitpunkt gewesen, um jemand Neuen in die Familie zu bringen. Außerdem waren Thomas' Eltern offensichtlich nicht sonderlich begeistert von der Sexualität ihres Sohnes gewesen. Das könnte für unnötige Spannungen sorgen. Zumal er keine Ahnung hatte, wie nah Thomas seiner Tante überhaupt stand. Das alles könnte immerhin ziemlich nach Hinten los gehen. Andererseits war es wirklich verdammt schwer, Thomas einen Wunsch nicht zu erfüllen, wenn er ihm diesen absolut hinreißenden Blick zuwarf. Außerdem wollte er ihn wirklich ungerne alleine gehen lassen. Auch, wenn sein Versuch, Steve zu bestärken eher dafür sorgte, ihn ein wenig nervös zu machen.
      "Okay", sagte er, während er immer noch versuchte, irgendwie seine Gedanken zu sortieren. Eine Hochzeit würde wahrscheinlich auch relativ viele Leute bedeuten, oder? Vielleicht sollte er nicht zu sehr darüber nachdenken und einfach mal auf sein Bauchgefühl hören. "Okay", wiederholte er, "Ich komme mit. Deiner Oma zuliebe, natürlich. Und falls deine Familie doch nicht ganz mit uns klar kommt, gehen wir. Wird schon schiefgehen." Er wusste nicht ganz, ob er versuchte, sich das selbst einzureden, oder Thomas zu beruhigen. Wahrscheinlich beides zeitgleich. Wenigstens schien er Vertrauen darin zu haben, dass seine Großmutter auf ihrer Seite sein würde, was Steve ein kleines bisschen beruhigte. Er war nicht sonderlich scharf darauf, der Streitpunkt der gesamten Familie zu werden.
      "Versuchen wir es nochmal mit dem 'Wir werden heute abend auf dem Sofa sitzen, komme was da wolle', oder haben wir unsere Lektion mit dem Schneesturm gelernt?", fragte er mit einem kleinen, etwas nervösen Lachen. Immerhin konnte das genau so gut der Punkt sein, an dem Thomas realisierte, dass Leona eine deutlich bessere Shoppingbegleitung war, als er. Obwohl - nein. Darüber waren sie hinweg. Das würde Thomas nicht tun. "Vielleicht sollten wir das irgendwie umformulieren, oder so." Zwar war ein Schneesturm im Februar nicht ganz so wahrscheinlich, aber man konnte ja nie wissen, aus welchen Gründen man es eventuell nicht mehr nach Hause schaffen würde.
    • Thomas

      Thomas grinste leicht, unfähig die Begeisterung über Steves doppeltes 'Okay' zurückzuhalten, und schon wieder lagen ihm ein paar Worte auf der Zunge, die er mit aller Kraft zurückhalten musste. "Danke, ich verspreche dir, dass wir es genau so machen werden", sagte er und gab ihm erneut einen Kuss auf die Wange, was wohl seine neue Art war, die drei Worte in sich zu behalten.
      Dann lächelte er und überlegte. "Hmm… ich finde die Formulierung ganz passend, wenn man drüber nachdenkt, dass wir wirklich jeden Abend auf dem Sofa sitzen, aber, was hältst du von 'Wir haben einander, komme was da wolle'? Das klingt zehn Mal kitschiger, aber es ist genauso wahr. Wenn es nach mir geht jedenfalls" Nach allem, was sie mittlerweile überstanden hatten, war Thomas sich aber ziemlich sicher, dass sie leicht an dieses Sprichwort halten konnten. Denn immerhin inkludierte es sogar, dass sie schlimmstenfalls als Freunde zusammen blieben, wenn ihre Beziehung jemals an irgendetwas scheiterte, und das war ebenso beruhigend. Denn solange er Steve in seinem Leben hatte, war alles in Ordnung. Auch… wenn er ihn bestenfalls als festen Freund in seinem Leben behalten wollte, weil es unglaublich viele Vorteile brachte und es seine zukünftigen Partner außerdem stören könnte, wenn Steve und er immernoch im selben Bett schliefen, weil er anders nicht mehr leben konnte.
      Nachdem die Zuneigung in ihm langsam über zu sprudeln drohte, konnte Thomas sich nicht mehr zurückhalten, Steve zu küssen. Es war wirklich nicht selbstverständlich, dass er so einer fragwürdigen Einladung zustimmte. Auf der Hochzeit konnte von A bis Z wirklich alles passieren und selbst Thomas fühlte sich absolut nicht vorbereitet darauf, aber es machte alles besser, Steve an seiner Seite zu haben. Was auch immer seine Familie von ihnen denken würde, es würde nichts daran ändern, was er selbst über ihre Beziehung dachte.
      Thomas legte eine Hand an Steves Wange, setzte sich noch weiter auf und drehte seinen Oberkörper mehr. Am liebsten würde er sich manchmal einfach an ihm festkleben. Aber wenn er sich an den Abend zurück erinnerte, an dem er das erste Mal Panik geschoben hatte, dann kam ihm eine gute Alternative ans Festkleben.
      Er hob die Decke auf, stützte sich am Sofa ab und rutschte auf Steves Schoß. Die Position war wunderbar geeinigt, um ihm mit beiden Händen durch die Haare zu streichen, über seine Wangen und seinen Nacken. Einfach perfekt. Auch um nie wieder aufzuhören, ihn zu küssen, und zwar ohne sich seltsam verrenken zu müssen. "Du hast recht", sagte er zwischen Küssen. "Wir gehen zu wenig raus. Ich will dich auch herzeigen. Die Hochzeit wird meine persönliche Präsentation von dir" Er lächelte in den nächsten Kuss hinein.
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    • Steve

      “Das ist machbar. Du wirst mich sowieso nie wieder los.” Steve grinste, während er sich ihr neues Mantra durch den Kopf gehen ließ. Das klang weitaus realistischer. Das Sofa würde vielleicht nicht immer da sein, aber Thomas würde er nie wieder gehen lassen. Er brauchte ihn in seinem Leben, wie Sauerstoff zum Atmen. Bei wem sonst würde er sich so wohl fühlen? Es gab niemand anderen, mit dem er so frei reden konnte, wie mit Thomas. Es würde etwas fehlen, wenn er nicht mehr hier wäre. Er war viel zu verliebt, um sich ein Leben ohne ihn vorzustellen. Was ein furchtbar seltsames Gefühl war.
      Thomas war ihm immer schon wichtig gewesen. Er hatte ihn als Freund schon nicht verlieren wollen. Die Vorstellung, ihn als Partner zu verlieren, fühlte sich ähnlich furchtbar an, was ihn wirklich daran zweifeln ließ, wie lange er vielleicht schon für seinen besten Freund geschwärmt hatte, ohne es selbst zu merken. Ein Gedanke, den er erstmal weit nach hinten schob, als Thomas anfing, ihn zu küssen und sich anschließend auf seinen Schoß setzte.
      Nach einem kurzen Moment der Überraschung erwiderte Steve die Küsse, die ihn mehr und mehr um den Verstand brachten. Vergiss das Zocken und die Serien - Thomas zu küssen war mit Abstand sein liebstes Hobby. Er legte eine Hand in Thomas’ Nacken, um ihn noch etwas näher zu ziehen, während der andere Arm um seine Hüfte lag, um ihm Halt zu geben, sorgsam darauf bedacht, seine Hand über der Gürtellinie zu halten. Alleine hierfür hatte es sich schon gelohnt, nicht zur Arbeit zu gehen.
      Er musste kurz in den nächsten Kuss hineinlachen, als Thomas beschloss, die Hochzeit zur Präsentation ihrer Beziehung zu nutzen und löste sich unfreiwillig von ihm, um nach Luft zu schnappen. “Dann kram ich wohl meinen besten Anzug raus”, merkte er an, während er mit dem Daumen über Thomas’ Wange strich. Wenn die ganze Angelegenheit nicht so nervenaufreibend wäre, würde er sich fast freuen. Es war vielleicht etwas untypisch, so früh in der Beziehung schon mit auf eine Familienfeier genommen zu werden, aber Steve konnte trotzdem nicht verhindern, sich unendlich glücklich darüber zu fühlen, dass Thomas bereit war, ihre Beziehung so öffentlich zu machen.
      Er zog Thomas wieder für den nächsten Kuss an sich. “Ich hoffe trotzdem, dass deine Familie sich einfach mit dem Gedanken anfreundet, dass wir zusammen sind.” Auch wenn er sich sicher sein konnte, dass Thomas bei ihm bleiben würde, war es immerhin nicht sein Ziel, die Familie auseinander zu reißen.
    • Thomas

      „Das werden sie müssen“, erwiderte Thomas. Er hatte nicht vor, Steve wieder gehen zu lassen, wenn seine Eltern also ein normales Verhältnis — so normal es zwischen ihnen eben sein konnte — behalten wollten, dann würden sie sich damit irgendwann abfinden müssen. Und wenn er musste, dann würde Thomas Steve zu jeder einzelnen Feier die existierte mitschleppen, oder selbst nicht kommen, bis seine Familie keine Lust mehr hatte, sich zu beschweren, weil es alle ihre Feiern zerstörte. Man musste bloß ein wenig penetrant bleiben. Was anderes fiel Thomas ehrlich gesagt auch nicht ein, denn bekanntermaßen war vor allem seine Mutter ziemlich stur. Aber wenigstens hatten seine Geschwister wohl kein Problem mit seiner Sexualität. Und seine Oma würde Steve lieben, da war er sich sicher. Und das reichte ihm erstmal.
      „Reden wir nicht mehr über meine Familie“, sagte er am Ende und küsste Steve wieder. Die Pause war eindeutig zu lang gewesen. Allerdings… „Über die Anzug Sache können wir aber demnächst mal reden“, hauchte er dann gegen Steves Lippen. Thomas fand es nicht speziell attraktiv, Steve in einem Anzug zu sehen, aber es erinnerte ihn ein wenig an die Party vor einigen Wochen, zumindest was davon nicht als Blackout abgespeichert war. Und mittlerweile erinnerte er sich an die wenigen Szenen etwas lieber zurück. Gerade sogar ganz gerne.
      Wenn er ehrlich war, dann wollte er den Anzug sowieso lieber am Boden liegen sehen, als an Steves Körper. Der Winter hatte es ihnen vermutlich erschreckend leicht gemacht, abstinent zu bleiben, denn klarerweise war es zu kalt, um auch nur oberkörperfrei herumzulaufen. Zumindest, wenn man beim Heizen sparen wollte. Hätten sie Sommer, dann wäre das alles sicher noch schwerer umsetzbar gewesen. Nur weil Thomas sich an die Durchführung nicht herangetraut hatte, hieß das nicht, dass er nicht darüber nachgedacht hatte. Er war auch nur ein Mensch. Und sein Freund war verdammt heiß und lag jeden Tag neben ihm im Bett. Je entspannter die Situation zwischen ihnen geworden war, desto mehr verfluchte Thomas sich selbst dafür, dass er nicht ein bisschen mehr Erfahrung hatte.
      Aber dafür schien Steve immernoch unfassbar geduldig zu sein und er machte nie einen Schritt, den Thomas nicht aktiv freigab, also musste er schon selbst handeln, wenn er etwas wollte. Gerade in diesem Moment wollte er nur Steves Haut spüren, alles weitere war egal. Also ließ er seine Hände über dessen Brust gleiten und schob sie unter seinem Shirt wieder aufwärts. Er war warm. Wieso trug man eigentlich Kleidung, wenn es so viel wärmer wäre, einfach Haut and Haut aneinander zu liegen?
      Thomas war sich nicht sicher, wieviel Information Steve brauchte, um zu verstehen, dass er es auf eine Make Out Session abgesehen hatte, die nicht PG 13 bleiben musste, also ließ er eine Hand wieder sinken und legte sie über Steves, die an seiner Taille positioniert war, und schob sie langsam nach unten.
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    • Steve

      Eigentlich war es wirklich gut, das Familienthema fallen zu lassen. Es war selten ein schönes Thema und Steve hatte den ein oder anderen Bekannten, bei dem die Ablehnung der Eltern so stark gewesen war, dass er gar nicht weiter nachdenken wollte, um ein Horrorszenario in seinem Kopf zu vermeiden. Also konzentriere er sich lieber auf Thomas, der immer noch auf seinem Schoß saß, an seinen Lippen hing und seine Hand wandern ließ.
      Steve stieß einen kurzen, überraschen Laut aus, als Thomas seine Hand unter sein Shirt schob, unterbrach allerdings nicht den Kuss. Seine Fingerspitzen fühlten sich kalt auf seiner Haut an und hinterließen ein angenehmes Prickeln in seiner Magengegend, das Lust auf mehr machte. Steves Sex-Drive war nie sonderlich hoch gewesen. Eigentlich hatte er sich immer einfach irgendwie seinen Partnern angepasst, aber jetzt gerade hatte er das Verlangen, Thomas’ Hemd aufzuknöpfen und zur Seite zu schieben. Was er nicht tat. Er selbst hatte keine Grenzen, wenn es um Thomas ging, aber er wollte seinen Freund nicht überfordern. Worüber er sich wahrscheinlich viel zu viele Gedanken gemacht hatte, wenn er Thomas’ Führung seiner Hand richtig interpretierte.
      Er konnte fühlen, wie sein Herzschlag ein wenig schneller wurde, als er sanft mit seiner Hand über Thomas’ Oberschenkel fuhr und schließlich an seinem Hintern endete. Nachdem er sich an die anderen Aspekte ihrer Beziehung langsam gewöhnt hatte, fühlte sich das hier - egal, wie weit Thomas gehen wollte - irgendwie neu und seltsam aufregend an. Er strich mit seiner zweiten Hand über Thomas’ Rücken, bevor er sie vorsichtig unter sein Hemd schob und über seine Haut strich, bedacht darauf, jede kleine Bewegung und eventuelle Ablehnung seitens Thomas wahrzunehmen. Er fuhr mit seinen Fingern die Wirbelsäule des Blonden nach, hinauf bis zu seinen Schulterblättern, bevor er seine Hand wieder auf seinen unteren Rücken sinken ließ. Thomas war mit Abstand das Beste, was ihm je hätte passieren können.
      “Alles okay?”, fragte er atemlos zwischen zwei Küssen. Thomas machte zwar nicht den Anschein, sich unwohl zu fühlen, aber er brauchte trotzdem die kleine Bestätigung, bevor er sich trauen würde, seine Grenzen vielleicht ein wenig auszutesten.
    • Thomas

      Steve brauchte glücklicherweise garnicht so viel Aufforderung, auch wenn er immernoch ziemlich zurückhaltend wirkte. Was angesichts der letzten Wochen wirklich nichts negatives war und Thomas war immernoch unfassbar dankbar für seine immense Geduld und Feinfühligkeit und irgendwie turnte es ihn nur an, zu wissen, dass Steve sich so viele Gedanken darum machte, nicht zu weit gehen. Es machte Thomas überhaupt nichts aus, sein Gewissen mehrmals zu beruhigen, wenn das nötig war.
      „Mehr als okay“, antwortete er also lächelnd. Er genoss das Gefühl von Steves Fingern an seinem Rücken unglaublich und er hatte sich selten wohler gefühlt, als in letzter Zeit, wenn er bei seinem Freund war. Er war ein wenig nervös, aber es war zu bewältigen und in dem Ausmaß vermutlich nur natürlich. Von der schieren, stimmungszerstörenden Panik, die er teilweise empfunden hatte, war nichts zu spüren. Mittlerweile wusste er eben, dass Steve weder etwas tun würde, das er nicht wollte, noch ihn auf einmal dafür hassen würde, wenn er irgendetwas nicht wollte. Dass er dieses Gefühl nicht von Anfang an gehabt hatte, hatte auch wenig bis nichts mit Steve zu tun. Irgendeine dunkle Macht übernahm halt manchmal Kontrolle über sein Gehirn. Aber nicht jetzt. Jetzt war er größenteils entspannt, mit der Ausnahme, dass sein Herz vor Liebe— vor… vor Zuneigung platzen könnte.
      Dementsprechend hielt Thomas sich nicht mehr zurück, Anstalten zu machen, Steve sein Shirt über den Kopf zu ziehen. Er wollte mehr von ihm, näher. Sobald dieses weg war, musste er dem Drang wiederstehen, sich zur Seite fallen zu lassen und Steve an sich zu ziehen. Komplett die Kontrolle über sich selbst verlieren sollte er vielleicht auch nicht. Auch wenn es ziemlich schwer war und irgendwie bekam er gerade einen Vorgeschmack auf seine Zukunft, wenn seine Hemmungen endgültig weg sein würden. Irgendwann würde das passieren, er konnte es bereits vorhersehen. Es war noch garnicht so viel Zeit vergangen, seit sie zusammen waren, und er fühlte sich jetzt schon ziemlich anders. Steve vor einem Monat oberkörperfrei zu sehen hätte ihn höchsten animiert, wegzulaufen. Vor seinen eigenen Gefühlen, aber er wäre trotzdem physisch wieder in einem Park geendet.
      „Und ist bei dir alles okay?“, fragte er endlich, leicht belustigt, weil er vielleicht nicht davon ausgehen sollte, dass Steve nicht selbst einen internen Stromausfall erleben würde, nachdem sie sich eine ganze Weile nicht mehr so geküsst hatten.
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    • Steve

      Okay, offensichtlich meinte Thomas es wirklich ernst. Was ein gutes Zeichen war, oder? Immerhin schien sein Freund sich mittlerweile wohl genug zu fühlen, um ihm das Shirt auszuziehen. Steve merkte, wie sich die Härchen an seinen Armen zu einer Gänsehaut aufstellten, wusste aber nicht ganz, ob es an der Situation, oder der kühlen Luft um sie herum lag. Er ignorierte es, während seine Finger zur Knopfleiste von Thomas’ Hemd wanderten und langsam Knopf für Knopf öffneten.
      Die kleine Gegenfrage zauberte ihm automatisch ein Lächeln auf die Lippen. “Absolut okay”, antwortete er, bevor er sich nach vorne lehnte und Thomas’ Hals entlang küsste. Seine Lippen hatten Thomas’ Halsbeuge erreicht, als er den letzten Knopf öffnete und kurz innehielt, um seinem Freund das Hemd auszuziehen. Er ließ es achtlos neben sein Shirt auf den Boden fallen und warf Thomas ein kleines Lächeln zu, bevor er ihn wieder küsste. “Du bist unglaublich heiß”, murmelte er, während er seine Hände über Thomas' Rippen wandern ließ und an seiner Brust innehielt. Er strich mit einem Daumen sanft über seine Nippel, während die andere wieder zurück zu seiner Hüfte wanderte.
      Er verharrte für einen Moment in dieser Position, Thomas Lippen auf seinen, seine warme Haut unter seinen Fingern, bevor er seine Arme um ihn legte. “Achtung” warnte er kurz, bevor er Thomas von seinem Schoß hob, ihn aufs - vielleicht etwas zu kleine - Sofa legte und sich über ihm abstützte. Wenn das hier in Zukunft öfter passieren sollte, sollten sie vielleicht darüber nachdenken, ihr Beziehungsmotto doch bei dem gemeinsamen Abend auf dem Sofa zu belassen.
      Es war ein kleines bisschen Akrobatik gefragt, um nicht zur Seite zu kippen, aber sie konnten den Ort ja wechseln, falls es zu viel werden würde. Steve hatte eh noch keine wirkliche Ahnung, wie weit Thomas genau gehen würde. Vielleicht würde es beim harmlosen Petting bleiben und sie würden sich gleich wieder ordentlich hinsetzen, oder Thomas würde sich mehr zutrauen und sie könnten schauen, wo sie landen. Irgendwie hoffte er auf Letzteres.
      Er selbst zögerte zumindest nicht, die neue Position auszunutzen. Er drückte Thomas einen letzten Kuss auf die Lippen, bevor er hinab zu seinem Oberkörper wanderte und kleine Küsse auf seiner Haut verteilte. Er küsste seinen Weg hinab, bis er Thomas’ Hosenbund erreichte, dann stoppte er und sah wieder zu seinem Freund auf, unsicher, was der nächste Schritt war, oder - vollkommen sicher, was der nächste Schritt war, aber unsicher, ob Thomas sich bereit fühlte. Er zögerte vielleicht einen Moment zu lange, bevor er sich wieder nach oben stemmte und ihn auf die Lippen küsste. "Darf ich?", fragte er sanft und legte eine Hand an den Verschluss von Thomas' Hose.
    • Thomas

      Gut, dass sie beide okay zu sein schienen. Das war das mindeste. Aber Thomas war langsam wirklich mehr als nur okay, als Steves Hände über seinen gesamten Oberkörper wanderten und er letztlich doch umsetzte, was Thomas schon durch den Kopf gegangen war, indem er sie beide in die Horizontale brachte. Vielleicht war es gerade ausnahmsweise ein wenig ungünstig, dass sich ihr halbes Leben immer auf diesem Sofa abspielte, aber wenn sie das Ganze ins Schlafzimmer verlegten, würde Thomas Gedankenkarussell vermutlich wieder von vorne beginnen und so war alles wunderbar offen. Auch… wenn es nicht ganz so offen war, wie er sich das zu Beginn vorgestellt hatte, weil seine Gedanken in eine sehr eindeutige Richtung liefen. Spätestens als Steves Küsse sich von seinem Gesicht immer weiter wegbewegten bekam er ein oder zwei Flashbacks und wurde mit sehr, sehr eindeutigen Gedanken konfrontiert. Damit war er wohl nicht allein.
      Thomas stützte sich mit einem Arm auf und bereitete sich mental im Schnelldurchlauf vor, aber dann zögerte Steve und Thomas war tatsächlich ganz dankbar dafür. Die paar Sekunden, in denen er ihn wieder auf Augenhöhe hatte, waren für ihn dringend notwendig. Durfte er? Thomas versuchte seine Boxen abzuhaken.
      Er war nicht panisch, check. Steve war verdammt heiß, check. Er fühlte sich ziemlich gut aufgehoben und hatte ausnahmsweise das Gefühl, sich nicht einfach alles gefallen lassen zu müssen, check. Also, wieso nicht? Eigentlich wäre es nicht das erste Mal, dass sie sowas taten, auch wenn es sich irgendwie so anfühlte, weil die wenigen Erinnerungen, die er an damals noch hatte, sich mehr wie ein bizarrer Traum anfühlten. Kein schlechter Traum allerdings. Es sprach nichts dagegen, ein paar Erinnerung zu schaffen, die sich realer anfühlten.
      Thomas erwiderte den Kuss lange und ließ Steve fast nicht mehr los, aber ihm wurde recht schnell bewusst, dass er nur unnötigerweise Zeit schindete, als würde sich sein Leben gleich schlagartig verändern oder sowas. Was völlig schwachsinnig war, also ließ er langsam von ihm ab und atmete kurz durch, bevor er letztlich nickte und sein stilles Okay gab. Er hatte nicht wirklich mit so etwas gerechnet aber auf der anderen Seite hatte er keine Ahnung gehabt, womit er rechnen konnte, also hatte er es gelassen. Steve im Vorhinein darüber auszufragen, worauf er in einem theoretischen Szenario eigentlich Lust hätte, hatte sich vollkommen bescheuert angefühlt und er hätte das Gespräch nie im Leben ernst nehmen können, dafür kannten sie sich bizarrerweise… zu lange.
      Aber einzuwenden hatte er nichts. Steve würde ja nichts vorschlagen, das er nicht machen wollte. So viel war ihm jedenfalls klar.
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