The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      Fuck. Caleb ließ seinen Kopf zurück auf die Matratze fallen, während Richard das Vorspiel in die Länge zog. Er spürte, wie er den Punkt erreichte, an dem es vollkommen sinnlos war, das Aufstöhnen zurückzuhalten und presste sich eine Hand auf den Mund, um wenigstens nicht allzu laut zu werden, als Richard den Punkt fand, der ihn in Ekstase versetzte. Seine Gedanken fingen an zu verblassen, nur noch der Moment zwischen ihnen war wichtig.
      Caleb stieß ein kleines, frustriertes Seufzen aus, als Richard kurz stoppte, was wahrscheinlich besser war, weil er wirklich kurz davor gewesen war, sich einfach fallen zu lassen. Dafür war das, was folgte umso belohnender. Calebs Fingernägel gruben sich in Richards Schulterblätter, als selbiger in ihn eindrang. Er schnappte nach Luft und konzentrierte sich voll und ganz auf dieses absolut überfordernde Gefühl, bevor Richard ihn mit ein paar Küssen ablenkte. Cal stöhnte in den Kuss hinein, während er sich wünschte, dass der Abend einfach nie enden würde.
      Als Richard das nächste Mal stoppte, war Caleb zu überfordert, um Fragen zu stellen. Er warf ihm einen kurzen Blick zu, irgendwo zwischen Irritation und Sorge, etwas falsch gemacht zu haben, bevor er gedreht wurde und sämtliche Fragen sich sowieso erübrigten. Zu seinem Missfallen merkte er, wie er langsam doch eine kleine Vorliebe für groß und muskulös zu entwickeln schien. Es hatte durchaus seine Vorteile.
      Cal schnappte nach Luft, als Richard erneut in ihn eindrang. Das alles fühlte sich viel zu intensiv an. Sein Atem ging stoßweise, während er seine Bewegungen an die seines Partners anpasste, auch, wenn Richard ihm wundervoll wenig Raum dafür ließ. Es hatte sich noch nie so schön angefühlt, den Verstand zu verlieren. Er drückte Brust und Kopf in die Matratze, während er ungehemmt in das Laken unter ihm stöhnte. “Härter”, keuchte er und biss sich selbst auf die Unterlippe, um das nächste Stöhnen zu verhindern. Er fühlte sich dem Orgasmus schon so verdammt nah, wollte aber zeitgleich nicht, dass das hier so schnell endete. Er wollte jede Sekunde dieses wundervoll überfordernden Moments voll auskosten. “Du fühlst dich fantastisch an.”
    • Richard

      Das Grinsen auf seinen Lippen tauchte ganz automatisch auf. „Du hast Ansprüche…“, murmelte Richard ihm in den Nacken. Die Aufforderung wäre kaum notwendig gewesen, wenn er Caleb so unverschämt laut stöhnen hörte, konnte er sich garnicht zurückhalten. Richard setzte sich auf und zog ihn an der Hüfte mühelos zu sich hoch, wo er ihn weiter festhielt, während er hemmunglos in ihn stieß. Er fühlte bereits, wie sich die Spannung in seinem Körper weiter und weiter aufbaute und eine Schweißperle sich zwischen seinen Schultern den Weg nach unten bahnte. Von den Minusgraden war nichts mehr zu spüren — am liebsten würde er sich immer so aufwärmen.
      Wie kleine Explosionen kontraktierten seine Muskeln, während er kam, stöhnte und zwischen den Zähnen ein kleines „Fuck“ hervorbrachte. Nach ein paar letzten Bewegungen im Durchatmen ließ er sich mit einem lauten Seufzen neben Cal aufs Bett fallen. Seine Brust hob und senkte sich in tiefen Atemzügen, als hätte er einen Marathon hinter sich. „Fuck, war das gut“, hauchte er immernoch etwas atemlos und entfernte sein Kondom mit etwas zittrigen Fingern.
      Richard drehte den Kopf zu Caleb und war von der Art, wie er da lag, fast schon wieder angeturnt. Irgendwas stimmte mit dem Typen nicht, sollte man so eine Anziehungskraft versprühen? Er gab sich die beste Mühe, nicht mit Küssen über ihn herzufallen, aber Cal musste nur ein Wort sagen und Richard würde sich auf die zweite Runde vorbereiten. Nach… einer kleiner Atempause.
      „Du siehst fertig aus“, sagte er amüsiert. „Aber heiß. Hast du noch Stamina übrig?“
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    • Caleb

      Der Orgasmus traf ihn heftiger, als er gedacht hatte, was einiges heißen musste, weil er sich in der Hinsicht von vornherein keinerlei Sorgen gemacht hatte. Er spürte, wie sich alles in ihm anspannte, bevor eine weitere Welle der Ekstase über ihn schwappte und ihn mit sich riss. Er stöhnte Richards Namen in das Laken, als er kam, nicht mehr in der Lage, sich selbst zu beherrschen.
      Er versuchte erfolglos, halbwegs die Kontrolle über seine Atmung wiederzubekommen, während Richard sich neben ihn ins Bett fallen ließ und erwische sich selbst dabei für eine Sekunde darüber nachzudenken, doch mehr aus dem hier zu machen, ihn richtig kennen zu lernen, dem ganzen vielleicht doch eine Chance zu geben. Ein absolut verrückter Gedanke, der ihn wahrscheinlich nur wegen der heimtückischen Mischung aus Alkohol und Sex kam. Zum Glück brachte Richards kleiner Gegenvorschlag ihn auf vollkommen andere Gedanken.
      Das war nicht Teil des Plans gewesen. Eigentlich war die erste Runde schon nicht Teil des Plans gewesen. Langsam war Cal sich nicht mehr sicher, ob er je einen einigermaßen vernünftigen Plan gehabt hatte. Auf einer schmalen, rationalen Ebene wusste er, dass er eine Grenze überschritten hatte und einfach nur den Stein nehmen und gehen sollte. Leider fühlte er sich momentan nur nicht sonderlich rational.
      Er strich sich mit einem seufzen die verschwitzten Haare aus der Stirn und stemmte sich ein wenig auf seine Unterarme hoch, während er Richard ein kleines Lächeln zu warf. Wie sollte man so ein vielversprechendes Angebot schon ablehnen können?

      Als Caleb eine Weile später von Richrads Schoß rutschte und sich neben ihn auf die Matratze fallen ließ, war er zu fertig, um auch nur einen einzigen klaren Gedanken fassen zu können. Die zweite Runde war fast noch besser gewesen, als die erste. Er war sich nicht ganz sicher, was genau da zwischen ihnen passiert war, er wusste nicht wirklich, ob er an diesem Abend zwei, oder dreimal gekommen war. Irgendwie hatte eine viel zu intensive Situation einfach die nächste gejagt, bis außer Lust und Verlangen nicht viel Platz für alles andere gewesen war. Alles verschwamm irgendwie zu einem einzigen, großen Gefühl.
      Cal holte tief Luft und drehte seinen Kopf in Richards Richtung. "Ich glaube, ich hab es bis jetzt noch nie zu einer zweiten Runde geschafft. Machst du das öfter?", fragte er atemlos, während er vor Überforderung fast lachen musste. Er fühlte sich gerade seltsam gelöst, so, als wäre alles andere vollkommen egal, solange er in diesem Bett liegen blieb, zusammen mit diesem Mann, der es gerade mit Leichtigkeit geschafft hatte, Cals Messlatte ins unerreichbare hoch zu schieben.
    • Richard

      Es war vom Universum wirklich nicht nötig gewesen, einen One Night Stand so unwiderstehlich zu gestalten. Wie würde Richard darüber jetzt hinwegkommen?! Wenn er so darüber nachdachte, hatte er wohl allgemein ein kleines Problem damit, über Dinge hinwegzukommen. Das war wohl nicht seine Stärke.
      Nachdem seine Gedanken noch völlig vernebelt waren, konnte Richard sich diesmal nicht zurückhalten. One Night Stand hin oder her, er musste diese Lippen auf seinen eigenen spüren, solange er die Chance dazu hatte. Morgen Früh würde die Realität seines Lebens ihn schon erschlagen, da musste er jetzt das beste aus seinem Delirium machen. Er drehte sich zur Seite, stützte den Kopf in seine Hand und legte Cal die andere Hand auf die Brust. Einen Moment sah er ihn nur an, es war einfach unverschämt, wie gut er aussah. Seine Haut glänzte feucht und die Haare klebten ihm im roten Gesicht. Am liebsten würde Richard ihn direkt noch einmal rannehmen und ihm das letzte Stückchen Verstand nehmen, aber das bekam er jetzt vermutlich selbst nicht mehr auf die Reihe. Nicht, nach den Drinks und dem verdammt langen Tag, den er hinter sich hatte. Schade, eine zweite Chance bekam er wohl nicht. Oder?
      „Oh, klar. Einmal kommt mir wie die halbe Miete vor. Wenn man schon dabei ist, kann man‘s doch auskosten, oder?“, erwiderte er, grinste leicht und lehnte sich endlich für einen weiteren Kuss über den Blonden. „Du hast was verpasst, Cal. In Zukunft solltest du dir Kerle suchen, die sich nicht so schnell zufrieden geben“, murmelte er und küsste ihn erneut etwas verlangender. Dann ließ er sich mit einem Seufzen zurück auf den Rücken fallen. Er hatte kein bisschen Kraft mehr im Körper. „Glaub mir, ich verfluche die Drinks gerade“, sagte er und schnappte sich mit Mühe die Decke vom Fußende, bevor er die Augen schloss und völlig aufgab. „Vielleicht kann ich dich ja im Traum nochmal kommen sehen, das Bild geht mir nicht aus dem Kopf“, murmelte er in den letzten Sekunden in denen er noch in der Realität festhing, obwohl er selbst nicht mehr so ganz mitbekam was er von sich gab.
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    • Caleb

      Caleb hatte das Gefühl, in die Küsse hineinschmelzen zu können. Es fühlte sich irgendwie falsch an, Richard über zukünftige One Night Stands reden zu hören. In seinem vollkommen fertigen Zustand spielte er kurz mit dem vollkommen kindischen Gedanken, ihm einfach den Mund zuzuhalten und ihn darauf hinzuweisen, dass dieser One Night Stand noch nicht abgeschlossen war. Obwohl das irgendwie fast Wunschdenken war. Cal würde warten, bis er einschlief, sich den Stein schnappen und gehen. Es war schade und er würde vielleicht ein kleines schlechtes Gewissen haben, aber das zwischen ihnen war nie für mehr bestimmt, als eine Nacht und wenn er sich zum Abschied vielleicht mit einem kleinen Raub ein paar Monate Ruhe vor seiner Familie erkaufen konnte, wollte er diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen.
      Obwohl sich sein Vorhaben als deutlich schwieriger gestaltete, als angenommen. Zum einen, weil er selbst furchtbar müde war, zum anderen, weil es schwer war, sich auf irgendwas zu konzentrieren, wenn Richard so mit ihm flirtete. Wenn sein Gesicht nicht eh schon gerötet wäre, würden seine Wangen spätestens jetzt glühen. Obwohl Richard nicht alleine war - ihm selbst würde dieser Abend wahrscheinlich auch nicht mehr so leicht aus dem Kopf gehen.
      Er strich sich mit einem Seufzen durchs Haar, während er Richard musterte, der neben ihm mittlerweile im Traum versunken war. Sein Brustkorb hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen. Er sah verdammt attraktiv aus. Es war wirklich frustrierend und verdammt unfair. Caleb seufzte erneut, bevor er sich einen Ruck gab und sich aufsetzte. Er rutschte vorsichtig aus dem Bett und ging zu Richards Hose herüber. Der Stein fühlte sich verdammt kalt in seinen Fingern an. Er war zu müde, um sich darauf zu konzentrieren, was genau er konnte. Wahrscheinlich auch weitaus zu müde, um noch in einem Stück nach Hause zu kommen. Er warf einen Blick zurück zu Richards schlafender Silhouette. Er könnte den Moment auch einfach noch ein wenig auskosten. Morgen früh würde er einfach einen schnellen Abgang machen und versuchen, nicht mehr zu oft an ihn zurück zu denken.
      Er schob den Stein in seine eigene Hosentasche - was schwerer war, als erwartet, weil er keine Ahnung hatte, wohin er seine Hose eben geworfen hatte - und kletterte zurück ins Bett. Eine kurze Nacht würde er sich noch gönnen.

      Der Schlaf war tatsächlich nicht lang. Caleb wurde von dem nervtötendsten Wecker der Welt aus einem Traum gerissen, an den er sich nicht mehr erinnern konnte, sobald er die Augen öffnete. Er brauchte eine Sekunde, um sich in dem abgedunkelten Raum zu orientieren. Eine weitere Sekunde, bis er sich wieder daran erinnerte, wo er war und wer neben ihm lag. Er unterdrückte ein Gähnen und streckte sich. "Es ist unfair. Dein Wecker klingelt so früh und trotzdem bin ich derjenige mit den Depressionen", beschwerte er sich verschlafen, bevor er zu Richard sah. "Guten Morgen."


    • Richard

      Wecker. Arbeit. Mann in seinem Bett?
      Richard schlug die Augen auf und erlangte langsam seine Orientierung zurück, während er den Wecker auf seinem Handy endlich abdrehte. Dann setzte er sich auf. Verdammt, er war todmüde… Und hatte Kopfschmerzen. Aber das musste eine Tasse Kaffee wohl regeln. Wenn er sich heute krankschreiben ließ, würde ihn nichts mehr aufhalten, auch die restliche Woche zuhause zu bleiben. In letzter Zeit nervte sein Job eigentlich nur noch, weil er keinen Grund mehr hatte, sich wirklich anzustrengen. Vielleicht sollte er letztendlich doch einen Karrierewechsel in Betracht ziehen.
      „Sorry. Ich sagte ja, ich muss heute arbeiten“, seufzte er. „Ich geh duschen, du kannst dir meinetwegen Zeit lassen“, sagte er zu Caleb gewandt. Es war nicht so, dass er ihn unbedingt aus seiner Wohnung schmeißen wollte, aber alleine hierbleiben lassen konnte er einen Fremden auch nicht. Auch wenn der Fremde es ihm ziemlich verlockend machte, im Bett zu bleiben und Runde 3 doch noch eine Chance zu geben, und das nur weil er noch immer nackt in seinem Bett lag und herrlich zerstört aussah. Richards Blick verharrte noch einen Moment auf dem Blonden bevor er aufstand und zur Tür lief. Er konnte sich noch nichtmal einen Quickie leisten, weil er nicht daran gedacht hatte, seinen Wecker vielleicht etwas früher einzustellen. Aber vermutlich war Cal sowieso nicht danach, am Ende würde sie sich ja wohl nie wiedersehen, wenn er aus der Tür raus war.
      Dieser Gedanke hing in Richards Kopf während seiner ganzen Dusche fest. Auch, als er sich die Zähne putzte, spielte er den gestrigen Abend immer wieder gedanklich durch. Er konnte Caleb nicht nach seiner Nummer fragen, oder? Es wäre irgendwie bescheuert, sowas nur wegen Sex zu tun. Und außerdem, was dann? Sollten sie Sex-Treffen vereinbaren? Das war ein bisschen krank. Nichts für Richard. Freundschaft Plus war ein bescheuertes Konzept, aber ein Beziehungsmensch war er auch nicht gerade. Und Caleb hatte sowieso nicht gewirkt, als würde er nach einem Langzeit-Commitment suchen. Warum dachte Richard überhaupt noch darüber nach? Er selbst konnte auch keine Beziehung gebrauchen. Er war unfähig, richtige Gefühle für irgendjemanden zu entwickeln. Abgesehen von… Nein, er wollte den Namen nicht einmal mehr denken.
      Mit einem Handtuch um die Hüfte gebunden kam er zurück ins Schlafzimmer und öffnete seinen Schrank, um sich anzuziehen. Glücklicherweise war heute MLO Tag. Das hieß: kein dämlicher Anzug in einem Job, den man eigentlich eher in Sportklamotten erledigen sollte. Gut, es gab auch bei der Organisation eine halbwegs formale Kleiderordnung, aber solange keine Meetings geplant waren, tat es üblicherweise eine Jeans und ein Hemd. Darüber zog er sich für den Weg zur Arbeit einen Zip-Hoodie, weil es vermutlich wieder arschkalt war. Apropos, er sollte wohl mal checken, ob es wieder regnete.
      Als er die Jalousien im Schlafzimmer öffnete, traf Richard kurz der Schlag. Er sah nichts. Rein garnichts. Alles war weiß und seine Fensterscheibe außen leicht angefroren. Musste das sein? Er wollte mit dem Auto zur Arbeit, wenn er schonmal die Möglichkeit einer Parkgarage hatte. Aber er hatte leider selbst keine… Einen Eiskratzer dafür schon.
      „Das kann echt nicht wahr sein“, grummelte er bereits vor sich hin, als sein Handy auf dem Nachttisch plötzlich erneut vibrierte. Als er die Nummer sah setzte Richards Herz einen Schlag aus. Vielleicht gab es doch einen Gott!
      Wie erwartet wurde ihm der Vormittag wegen Schneesturms frei gegeben, wie allen anderen Mitarbeitern. Vielleicht sollte Richard heute ein Auge auf die Nachrichten haben. Mit etwas Glück hielt das Unwetter eine Weile an.
      Als er jedoch einen Blick über die Schulter warf… fiel ihm etwas ein. „Hey, ich weiß nicht, wie suizidgefährdet du tatsächlich bist, aber es wäre wohl besser, wenn du eine Weile hier wartest, bevor du nachhause fährst“, erklärte er ernst. „Du kommst sonst nur in einen Unfall“ Oh, davon konnte Richard ein Lied singen. An Tagen wie diesen beneidete er die Helden im Dienst wirklich nicht. Eine Anzeige nach der anderen…
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    • Caleb

      Caleb warf Richard einen verstohlenen Blick hinterher, als selbiger ins Bad verschwand. Wundervoll. Jetzt musste er es nur noch schaffen, einen halbwegs eleganten Abgang hinzulegen und diese Nacht irgendwie zu verdrängen, bevor sie ihn auffressen würde. Und das würde sie ganz sicher. Sein Blick fiel erneut auf seine Jeans, die so auf dem Boden zusammengeknüllt war, dass man den Stein in der Tasche nicht bemerken konnte. Aber auch ohne Stein endete seine wundervolle Begegnung mit Richard hier. Er hatte sich nie an Beziehungen herangetraut und es sprach zu viel gegen seine neue Bekanntschaft, um das jetzt noch zu ändern.
      Er wartete, bis Richard mit dem Bad durch war, bevor er selbst kurz darin verschwand. Er beschränkte sich darauf, sich kurz kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen und sich die Haare zu richten, alles andere würde er in seiner eigenen Wohnung erledigen. Seine Kleiderwahl erledigte sich ähnlich schnell. Seinem Pullover haftete zwar noch ein leichter Geruch nach Alkohol und Zigaretten an, aber eine andere Alternative hatte er nicht. Er schloss gerade seine Hose, als Richard ihn ansprach.
      "Nicht gefährdet genug, um in einer Klinik zu landen, aber-" Er stockte, als wirklich zu ihm durchdrang, was Richard gesagt hatte. "Bitte?" Er blinzelte irritiert, bevor er an Richard vorbei aus dem Fenster sah. Weiß. Alles voller Schnee. Caleb konnte fühlen, wie ihm sämtliches Blut aus dem Gesicht wich. Fuck. Das war so nicht geplant gewesen. "Oh." Er öffnete kurz den Mund und schloss ihn wieder, währen der versuchte, irgendwie seine Gedanken zu sortieren. "Äh, ich denke, ein Taxi lässt sich trotzdem irgendwo finden. Ich will dir wirklich nicht zu lange auf die Nerven gehen", versuchte er sich irgendwie zu retten. Außerdem wollte er nicht mehr hier sein, wenn Richard realisierte, dass der Stein fehlte. Er konnte nur hoffen, dass Richards das alles als generelle Awkwardness nach einem One Night Stand verbuchte.
      "Aber danke für die Sorge, schätze ich." Und die letzte Nacht, die immer noch viel zu präsent in seinem Kopf war. Aber das wollte er nicht aussprechen. Vor allem nicht, wenn er das Gefühl hatte, dass der Stein in seiner Hosentasche sich viel zu kantig in sein Bein drückte. "Ich sollte wirklich gehen." Er deutete kurz auf die Schlafzimmertür, ein wenig unsicher, wie genau er sich verabschieden sollte, bevor er sich dazu entschied, einfach die Hand zu heben. "Vielleicht sieht man sich ja mal wieder in der Bar." Nicht, solange er das vermeiden konnte.
    • Richard

      Okay, zugegeben, das war alles andere als ideal. Calebs Körpersprache sagte ganz eindeutig 'Ich will hier weg. Auf nie mehr Wiedersehen'. Richard konnte es ihm nicht verübeln. Wer verbrachte schon gerne den Tag danach mit seinem One Night Stand der Nacht davor? Es war seltsam, zumal sie sich gestern wirklich nicht sonderlich viel unterhalten hatten. Andere Dinge waren deutlich im Vordergrund gestanden.
      "Ich glaube nicht, dass du ein Taxi kriegst", sagte er, zu seinem eigenen Leid, und deutete nochmals auf das verschneite Fenster. Er konnte Cal nicht zwingen, hier zu bleiben, aber es war bescheuert, sich bei dem Wetter in irgendein Fahrzeug zu setzen. Und zufuß wurde er wohl eher nur zum Schneemann.
      "Ich würde ja anbieten, dich zu fahren, aber Erstens müsste ich erstmal eine halbe Stunde Eiskratzen, und Zweitens will ich den Tag überleben. Bei der Schneemenge komme ich sowieso nicht weg, solange nicht Schneegeräumt wurde" Er lächelte ein wenig, aber das machte es vermutlich nicht besser. "Ich halte dich nicht fest, aber… In ein paar Stunden ist es vermutlich in Ordnung. Die größten Mengen fallen sowieso immer Nachts" Tja, persönlich hoffte er zwar das Gegenteil aber vielleicht tröstete es Caleb ja ein wenig.
      "Äh… ich mach mir jedenfalls einen Kaffee. Fühl dich frei, irgendwas zu frühstücken", sagte er und stahl sich am Blonden vorbei aus der Tür. Klar war das alles ein wenig seltsam aber vermutlich sollte Richard es als alarmierender sehen, dass er subjektiv betrachtet nicht viel dagegen hatte, wenn Cal ein paar Stunden blieb. Vielleicht kamen sie ja doch noch ins Reden. Ausnahmsweise hatte Richard nach langem mal wieder keine extreme Abneigung im Laufe einer Konversation empfunden, also… Womöglich war das alles halb so schlimm. Womöglich… verstanden sie sich sogar. Auch, wenn das keinem von ihnen viel bringen würde; emotionale Unterentwicklung und so. Aber durfte man sich nicht über ein paar angenehme Gespräche freuen? Und guten, nein, überragenden Sex?
      Richard konnte irgendwie den Gedanken nicht abschütteln, dass diese beiden Dinge so ziemlich alles waren, was Dating ausmachte, aber es würde zu nichts führen, sich daran aufzuhängen. Frühstück, das war's auch schon. Zumindest wenn Cal sich entschied, noch einen Tag leben zu wollen und Richard dafür eine Weile aushalten zu können. Außerdem würde er selbst sowieso nicht herumsitzen und ewig quatschen. Wenn er die Zeit hatte, konnte er genauso gut den Haushalt machen. Bett überziehen, Wäsche waschen, so ein Kram. Gott, war es schön, Sonntagsgefühle mitten in der Woche zu haben.
      Cal konnte seine Wohnung ruhig als zwanglose Unterkunft sehen bis der Schneesturm sich verabschiedete.
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    • Caleb

      Scheiße. Caleb versuchte, sich die aufsteigende Panik nicht anmerken zu lassen, während er seine Möglichkeiten durchging. Er könnte es drauf ankommen lassen und einfach zu Fuß losgehen, bis er zumindest eine U-Bahn Station erreichte, auch, wenn er keine Ahnung hatte, ob selbige überhaupt fuhren. Er könnte den Stein einfach zurücklegen und so tun, als ob nie etwas gewesen wäre, vielleicht ein paar nette Stunden mit Richard verbringen und sich später darüber ärgern, nicht mutiger gewesen zu sein. Oder er könnte versuchen, das ganze irgendwie selbstsicher über die Bühne zu bringen, Richard noch ein paar Stunden davon abhalten, sich um seine Wäsche zu kümmern und einfach gehen, sobald sich die Chance ergab. Sein Schlafzimmer war furchtbar chaotisch gewesen, als sie angekommen waren - wie hoch war die Chance, dass er sich gerade jetzt dazu entschied, aufzuräumen? Cal zwang sich, einmal tief durchzuatmen - er würde das schaffen, es war bestimmt ganz einfach - bevor er Richard in die Küche folgte.
      Richards eher karger Einrichtungsstil fiel ihm bei Tageslicht und ohne Ablenkung deutlich mehr ins Auge. Die Wohnung wirkte irgendwie seltsam leer, so, als wäre sie nur eine kleine Übergangslösung. Es fehlte eindeutig an Charme. Bilder, Farben, vielleicht eine Topfpflanze. Die Küche schien nicht besser dran zu sein. Caleb zückte sein Handy, als selbiges in seiner Tasche vibrierte und warf einen kurzen Blick auf die Nachricht auf dem Display. Niamh. Nur ein Wort. “Tabletten”. Wundervoll. Andere Leute bekamen kitschige ‘Guten Morgen’ Nachrichten und er bekam medizinische Erinnerungen von seiner Schwester.
      “Gibt es einen Grund für deine offensichtliche Abneigung für Deko?”, fragte Caleb, während er sein Handy wieder in seine Hosentasche schob und stattdessen sein Portmonee rausfischte, um einen schmalen Streifen mit Tabletten rauszuziehen. Sein Notfallvorrat. Er drückte eine Tablette aus der Verpackung und spülte sie mit Kaffee runter, nachdem er sich eine Tasse gefüllt hatte. “Ich bin ja fast dazu geneigt, mir noch eine zweite Antidepressiva reinzuschmeißen”, fuhr er amüsiert fort. Okay. Entspannt bleiben. Nichts anmerken lassen.
      War es normal, dass er das unterschwellige Verlangen hatte, Richard nochmal zu küssen? Er schob den Gedanken beiseite. Obwohl es unter anderen Umständen vielleicht ein ganz netter Plan gewesen wäre - sie könnten einfach zurück ins Bett gehen, da weitermachen, wo sie gestern aufgehört hatten. Das wäre Cals vollkommener Untergang, aber vielleicht wäre es die paar schönen Stunden fast wert.
    • Richard

      Aha, er hatte sich also entschieden, zu leben. Richard trank einen Schluck Kaffee bevor er sich an einen kleinen gläsernen Esstisch setzte. "Ich hab keine Abneigung, aber ich finde es unnötig", erklärte er. "Unpraktisch, vor allem. Mit Dekorationen lässt sich alles schwerer reinigen. Außerdem bin ich selten zuhause" Ja, das und der allgemeine Grund, dass er den Gedanken nicht mochte, dass seine Wohnung irgendetwas über ihn verriet. Was er andere wissen lassen wollte, würde er schon sagen. Und er fühlte sich sowieso wohler, wenn er am Ende des Tages nicht in ein Apartment kam, dass eine komplette Reizüberflutung darstellte.
      "Wieso? Ist dir eine Wohnung lieber, die wie ein Museum aufgebaut ist?", fragte er. "Keine Sorge, du musst nicht einziehen. Der Schneesturm wird nicht ewig anhalten können" Er schmunzelte. Und schon wieder wünschte er sich genau das Gegenteil. Er sollte wirklich den Job wechseln. Eigentlich machte er ihn ja sowieso nicht, weil es ihm so viel Spaß machte, Verbrechern nachzulaufen, auch wenn es ein ganz gutes Gefühl war, jemanden zu fassen. Ohne Andrew war das alles aber irgendwie… furchtbar unnötig. Und seit Ezra in seinem Leben war, war es noch dazu ein konstantes Vorführen seiner Niederlage. Vielleicht sollte er sich ein Beispiel an Caleb nehmen und seine Probleme langsam etwas ernster nehmen. Apropos…
      "Tut mir echt leid, dass du jetzt hier herumsitzen musst", sagte er ernster. "Ich hoffe, du hattest nichts wichtiges vor. Wenn's dich nicht stört, werde ich ein paar Sachen erledigen, wenn schonmal die Zeit ist. Du kannst ja den Fernseher einschalten, oder so" Das war eigentlich keine Frage, sondern bloß ein höfliches Statement. Generell schien er seit gestern Abend ziemlich zuvorkommend geworden zu sein. Was war eigentlich los mit ihm? In seiner eigenen Wohnung musste er eigentlich noch nichtmal so tun, als bräuchte er eine fremde Meinung zu seinem Tagesplan. Dass er Caleb überhaupt überredet hatte, hier zu bleiben, war ein wenig untypisch. Sollte er sich Sorgen um seinen Verstand machen? Ein One Night Stand sollte ihn wirklich nicht so sehr beeinflussen. Allerdings… war es auch ein wenig übertrieben zehn Jahre lang seinem Ex-Schulkollegen hinterher zu laufen. Insofern war also wohl noch alles in Ordnung.
      "Fühl dich wie zuhause, oder was auch immer man in der Situation sagt", fügte er hinzu.
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    • Caleb

      "Ich mag Wohnungen, die Charakter haben", antwortete Caleb schlicht, während er an der Küchenzeile lehnte und den restlichen Kaffee trank. Seine eigene Wohnung in Dublin war ähnlich praktikabel eingerichtet, weil er dazu tendierte eh die meiste Zeit bei Niamh und ihrer Familie zu verbringen, aber seine Londoner Wohnung wurde von Chaos und Farben regiert. Jeder Quadratmeter ein Beweis, dass Caleb existierte, dass er ein Mensch mit Hobbys und Vorlieben war, mit einer Musikanlage in jedem Zimmer, damit er nicht in die unangenehme Situation kam, mit seinen Gedanken alleine sein zu müssen.
      Der Blick des Blonden fiel wieder auf das Fenster, als Richard den Schneesturm ansprach. Die Situation war wirklich alles andere, als ideal und ein kleiner Teil in seinem Kopf war immer noch nicht davon überzeugt, dass er nicht einfach sein Glück versuchen und gehen sollte. Es gab bestimmt genug andere Leute, die gerade unterwegs waren, weil sie irgendeinen Notfall hatten. Irgendwie würde er schon durchkommen. Es war nur ein bisschen Schnee. Ein bisschen viel Schnee, aber er hatte sicher irgendeinen Stein bei, der ihm helfen würde. Vor allem jetzt, da Richard selbst davon sprach, ein paar Sachen erledigen zu wollen. Als Held konnte er damit wohl kaum Homeoffice meinen.
      Caleb stieß ein abwesendes "Mhm" aus, als Richard ihm anbot, den Fernseher anzumachen. Das war gerade absolut keines der Probleme auf seiner Liste und würde kaum helfen, sofern Richard nicht im nächsten Atemzug einen netten Filmvormittag vorschlagen würde, während der Schnee draußen allmählich wegtaute. Aber danach sah es nicht aus.
      "Hast du gestern eigentlich von mir geträumt?", Cals Blick wanderte vom Fenster zu Richard, während sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen bildete. Das war immerhin auch irgendwie eine Art Ablenkung, oder? Er musste Richard ja nur irgendwie beschäftigt halten, bis er gehen konnte. "Es war das letzte, was du gesagt hattest, bevor du eingeschlafen bist", fügte er als Gedankenstütze hinzu. Er hatte einen Großteil der süßen Nichtigkeiten, die Richard gestern von sich gegeben hatte, bereits wieder vergessen, aber das war irgendwie hängen geblieben.
    • Richard

      Bereits im Gehen stoppte Richard und drehte sich wieder zu Caleb. Von ihm geträumt? Oh. Genau, er hatte gestern Abend ein oder zwei perverse Dinge von sich gegeben.
      „Wieso?“, fragte Richard, schmunzelte und ging wieder einen Schritt zurück. „Hättest du es gerne?“ Was wollte Cal damit andeuten, wenn er jetzt wieder davon sprach? Oder interpretierte Richard zu viel in seine Aussage hinein?
      „So oder so hab ich das Bild im Kopf abgespeichert, also mach dir keine Sorgen. Ich vergesse es nicht so schnell“ War es seltsam, mit seinem One Night Stand zu flirten, als würde man schon den nächsten planen? Denn Cal würde das doch nicht erwähnen, wenn er es nicht im Kopf hätte? Es war fast ein wenig unangenehm zuzugeben, aber Richard würde sich wohl tatsächlich eine ganze Weile an die letzte Nacht erinnern. Generell erinnerte er sich an One Night Stands, sofern er nicht zu viel getrunken hatte, aber besondere stachen eben hervor. Was genau so besonders an letzter Nacht gewesen war, wusste er selbst nicht genau, aber es hatte sich eben ein wenig anders angefühlt, als sonst. Nicht so… belanglos. Sie hatten eine ziemlich gute Chemie gehabt. Und… hatten sie aus unerklärlichen Gründen wohl noch immer.
      Richard sollte trotzdem nicht davon ausgehen, dass Cal direkt wieder mit ihm schlafen wollte, nur weil sie eine Weile hier festsaßen. Auch wenn es eine seltsam romantische Situation wäre, würden sie in einer Sitcom leben. Aber so…? Es war mehr seltsam als romantisch dass Caleb in seiner Wohnung eingesperrt war. Klar konnte man sich die Zeit auch anders vertreiben, als fernzusehen und Wäsche zu waschen als wären sie zwei hobbylose Mitbewohner, aber würde es dann dabei bleiben? Oder besser… würde es dabei bleiben, dass Richard ihn nicht doch wiedersehen wollte? Aber was wäre daran so verkehrt?
      Okay, Stop. Er schüttelte den Gedanken ab, bevor er ihn weiter spinnen konnte. Absolut alles wäre daran verkehrt. Er konnte sich auf keinen Fall auf eine Beziehung einlassen, dafür gab es mehr als einen Grund. Und wie er es sich gestern in der Bar schon gedacht hatte, zogen sie einander über einen längeren Zeitraum bestimmt nur runter. Also, keine Option. Vormittags-Sex dagegen? Schon eher. Aber nicht in diesem Zustand.
      „Hör mal, wenn du es jetzt schon vermisst, bin ich für alles offen, sobald du eine Dusche genommen hast“, sagte er und grinste leicht. Die Mischung aus Zigaretten, Alkohol, Schweiß und Sex war nur schön, wenn sie an allen Beteiligten hing. Aber gab er sich gerade zu leicht her? Ach was, er schlug ja selbst auch einen Vorteil daraus.
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    • Caleb

      Caleb zuckte mit den Schultern, aber das Lächeln auf seinen Lippen war wohl aussagekräftig genug. Wer hatte es nicht gerne, wenn man von ihm träumte? In diesem Kontext zumindest. Das würde doch im Endeffekt nur bedeuten, dass er gestern abend wenigstens einen Job gut gemacht hatte. Zumindest wäre es das unter normalen Umständen. Im Moment wusste Cal nicht, ob es ihm lieber wäre, wenn Richard ihn einfach vergessen würde, um zu verhindern, dass er ihn je mit dem vermissten Stein in Verbindung bringen würde, oder ob er es bevorzugen würde, wenn Richard der One Night Stand so lange nachlaufen würde, wie ihm selbst. Es war verdammt gut gewesen, aber er spielte hier mit dem Feuer und war wirklich nah dran, sich zu verbrennen.
      "Ich hatte eigentlich darauf gehofft, zuhause duschen zu können", erklärte er mit einem kleinen Seufzen. "Danach wieder in die Klamotten vom Vortag springen zu müssen ist immer so...eh." Er zog kurz die Nase kraus, um sein Missfallen auszudrücken und ließ die Aussage so stehen, selbst unsicher, ob es sich hierbei um einen einfachen Fakt, oder einen Flirt um drei Ecken handelte. "Aber ich schätze, ich hab keine Wahl. Falls du noch eine Zahnbürste für mich übrig hast, würde ich dein Bad wohl kurz in Beschlag nehmen." Für einen kurzen Moment überlegte er, einfach anzubieten, sich die Dusche zu teilen, verwarf den Gedanken allerdings so schnell, wie er gekommen war. Zum einen hatte Richard bereits geduscht und zum anderen war es deutlich schwerer, sich unter der Dusche Zeit zu lassen, als im Bett. Noch schwerer war es nur, zu überlegen, warum er sich mehr Zeit mit Richard lassen wollte - einfach, um ihm weniger Zeit zu geben zu bemerken, dass der Stein weg war, oder weil er den Sex mit ihm einfach mehr genoss, als er sollte?
      Generell kam er mit Richards Anwesenheit deutlich einfacher zurecht, als er gedacht hätte. Wenn das kleine schlechte Gewissen nicht langsam etwas größer werden würde, hätte er den Morgen wahrscheinlich einfach noch etwas ausgekostet. Sich mit Richard zu unterhalten war irritierend einfach. Er schien sich nicht daran zu stören, dass Cal dazu tendierte, einfach geradeheraus zu sagen, was er dachte. Er schien selbst erfrischend direkt zu sein. Wenn er nicht vor hätte, einen Diebstahl zu begehen, hätte er diese furchtbar kitschige Situation wahrscheinlich ausgenutzt und seine Handynummer auf Richards Badezimmerspiegel geschrieben, einfach um zu sehen, wohin das noch alles führen würde. Er war kein Beziehungsmensch - vor allem nicht, wenn es um Helden ging - aber vielleicht hätte sich ja irgendetwas herrlich unverbindliches ergeben, bis sie sich schlussendlich doch auf die Nerven gehen würden. Was ohne Zweifel passiert wäre. Irgendwie war es nur traurig, dass Cal nie herausfinden würde, wie lange Richard ihn ausgehalten hätte.
    • Richard

      Das war irgendwie deutlich schneller gegangen als gedacht. Caleb hatte wohl wirklich Hintergedanken gehabt. Richard sah ihm nur ein wenig verblüfft nach, während er sich insgeheim dachte, dass Cal seinetwegen nie wieder Klamotten anziehen musste. Aber, naja, vielleicht konnte er ihm nachher zumindest ein altes T-Shirt auf den Weg mitgeben, immerhin hatte er einen Punkt. Ein Punkt, der ihn nicht lange aufhielt.
      Richard leerte seinen Kaffee runter, bevor er ins Schlafzimmer ging und überlegte, ob er nun das Bett überziehen sollte, oder nicht, aber der Monk in ihm siegte bei dieser Entscheidung definitiv. Er konnte ja auch einfach nur das Laken doppelt überziehen… Ja, das klang gut.
      Nachdem er die frisch überzogene Bettdecke über die Tür geworfen hatte, schnappte er sich alles was so am Boden lag und ging zurück in die Küche zu seiner Waschmaschine. Dann begann er, zu sortieren. Die Kleidung von gestern Abend dürfte noch mit ein paar Steinen bestückt sein, wenn er sich nicht irrte. In seiner Hosentasche war so manches sicherer als irgendwo anders, dort konnte er wenigstens nichts verlieren, vergessen oder verlegen. Dachte er zumindest bis gerade eben. Ein wenig verwirrt suchte er beide Vordertaschen durch, dann beide hinteren. Hatte er den Stein gestern nicht dabei gehabt? Doch, doch, er wusste es ganz genau. Vielleicht lag er ja am Schlafzimmerboden.
      Während Richard durch seine Wohnung irrte, um den Stein zu finden, schlich sich eine dezente Panik in ihm ein, die sich mit jedem Ort, an dem er nicht fündig wurde, verstärkte. Er konnte unmöglich diesen Stein verlieren. Das war ein Alptraum. Das Waffendepartment würde ihm
      im Nacken sitzen, bis er ihn wieder aufgetrieben hatte, und das war nicht nur wahnsinnig nervig, sondern konnte ihn auch seinen Job kosten, wenn der gute Wille schwand und Godwin mitbekam, dass einer seiner höherrangigen Mitarbeiter begann, noch höherrangige Steine zu verlieren. Noch dazu, wenn es mehr ein Gefallen war, dass er ihn überhaupt mit sich herumtragen durfte. Steine, die Zeit und Raum manipulieren konnten, egal in welchem Ausmaß, gehörten nach Protokoll nicht in die Hände von jemandem, der sich außerhalb eines Labors oder Safes befand. Das war ein Alptraum.
      Richard stand inmitten seines Wohnzimmers, die Augen scannten weiterhin den Raum während er sich leicht verzweifelt durch die Haare fuhr. Mal nachdenken… Hatte er ihn irgendwo verlieren können? Aber er war gestern den halben Tag bloß im Gerichtssaal gesessen und er wusste ganz sicher, dass er den Stein noch gehabt hatte, als er sich dort gesetzt hatte, weil er ein recht kantiges und großes Exemplar war, das man nicht so eben ignorieren konnte, wenn man drauf saß. Und anschließend in der Bar hatte er ihn auch noch gehabt. Er musste also… irgendwo hier sein. Er musste aus seiner Hosentasche gefallen sein, als er sie gestern Abend ausgezogen hatte.
      Richard lief bereits wieder zurück ins Schlafzimmer, um den Boden erneut abzusuchen. In einem Moment der Verzweiflung legte er sich flach auf den Bauch, um unter dem Bett nachzusehen. Aber selbst mit der Taschenlampe seines Handys sah er nichts, außer Staub.
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    • Caleb

      Durchatmen und ruhig bleiben. Er würde das schon irgendwie hinbekommen. Ihm war die kriminelle Energie doch praktisch in die Wiege gelegt worden, nicht? Irgendwie musste er doch die beschissene Familienehre hoch halten, ohne sich dabei zu blamieren.
      Caleb schloss die Augen, während das Wasser der Dusche auf ihn niederregnete und versuchte, irgendeinen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Er wollte nicht aufgeben. Was seine Geschwister konnten, konnte er schon lange. Aber Niamh hätte Richard wahrscheinlich einfach KO geschlagen und wäre gegangen und Ezra wäre - sofern er über die letzten Jahre nicht seinen Biss verloren hatte - an seiner Stelle schon längst aus der Wohnung raus und beides war nicht sein Stil. Cal wollte gerade nichts sehnlicher, als zurück zu seinen Zahlen und Gebäudeplänen und detailreichen Suchen nach irgendwelchen Steinen, die Ihnen helfen könnten und die er nicht selbst stehlen musste. Warum wollte er eigentlich immer genau das sein, was er nie sein könnte? Stopp. Falscher Gedankengang. Er musste damit aufhören, bevor seine nächste Therapiesitzung wieder in Tränen endete.
      Caleb eilte durch seine Morgen-Routine, während er geübt jeden negativen Gedanken verdrängte. Er konnte das. Er hatte nasse Haare und trug die Klamotten von gestern, aber er würde trotzdem erfolgreich aus dieser Wohnung herauskommen.
      Er warf einen letzten Blick in den Spiegel - er sah furchtbar übermüdet aus, aber das war nichts neues - und ging aus dem Bad, um Richard irgendwie davon abzuhalten, den Stein zu bemerken. Er fand ihn im Schlafzimmer, auf dem Boden liegend. Was wahrscheinlich kein gutes Zeichen war. Keine Panik. Caleb räusperte sich kurz, bevor er sich neben Richard kniete.
      “An dem Punkt in meinem Leben war ich auch schon mal. Soll ich dir eine Citalopram abgeben?”, scherzte er ein wenig nervös. Ein Blick reichte, um zu sehen, dass die Klamotten von gestern auf dem Boden fehlten. Vielleicht war ihm ja irgendwas aus der Hosentasche gefallen und er suchte das jetzt? Vielleicht erinnerte er sich gar nicht mehr, welche Steine er dabei gehabt hatte? Cale selbst war sich dem Stein in seiner Hosentasche gerade zumindest überaus bewusst. Er fühlte sich an, als würde er ein Loch durch sein Bein brennen. Der seltsame zeitversetzte Effekt, den er ausstrahlte war mittlerweile so vertraut, dass Caleb ihn nicht mal mehr bemerkte.
      "Kann ich dir irgendwie helfen?", schob er schließlich fragend hinterher. Vielleicht machte er sich zu viele Sorgen. Oder er hatte zumindest eine Chance, den verschwundenen Stein irgendwie anders zu erklären.
    • Richard

      Schon als die Badezimmertüre sich geöffnet hatte, hatte Richard mit Caleb gerechnet. Er ließ den Staub aus den Augen und sah auf. „Jetzt trägst du erst die Kleidung von gestern?“, schmunzelte er und versuchte seine Nervosität zu überspielen. Er setzte sich auf. „Ich hab einen meiner Edelsteine irgendwo verlegt und finde ihn gerade nicht“, erklärte er. „Es ist nur so, dass der… nicht unwichtig ist und mein Chef durchdrehen wird, wenn ich ihn nicht wiederfinde“ Das war noch nichtmal ganz die Wahrheit. Godwin würde nicht durchdrehen, er würde irgendwelche netten, sinnlosen Kommentare abgeben, wie ‚Haben Sie auch wirklich überall nachgesehen?‘ und ‚Ach, der taucht schon wieder auf!‘. Nur, dass er Richard ohne mit der Wimper zu zucken feuern würde, wenn der Stein tatsächlich nicht wieder auftauchte. Wenn Godwin etwas ernst nahm, war es die Sicherheit der Steine. Immerhin war das der einzige Grund für die Gründung der Organisation gewesen und es gab quasi nur eine Regel, die Richard damit gebrochen hätte. Gott, wo hatte er in letzter Zeit seinen Kopf? Das war absolut untypisch. Auch, wenn seine Arbeit ihm auf den Geist ging, würde er nie unaufmerksam werden.
      Er ließ ein etwas armseliges Seufzen aus. „Er wird mich feuern“, murmelte er mehr zu sich selbst und strich sich noch einmal die Haare zurück, als würde er sie sich gleich von der Kopfhaut reißen. Aber er durfte jetzt nicht wahnsinnig werden. „Sorry, ich bin sicher, dass er irgendwo hier ist. Ich seh nochmal nach. Hab dich wohl grundlos zum Duschen gezwungen“ Er lächelte schief. Das war ätzend. Dabei hatte der Tag mit dem Schneesturm so gut begonnen. Richard stand mit einem Ruck auf und lief nun ins Badezimmer, das jetzt frei war, um dort auch nochmal unter jedem Schrank nachzusehen. Irgendwo musste das Ding schließlich sein. Und wenn nicht, hatte er immer noch genug Zeit, um ein paar Löcher in die Wand zu schlagen. Bis dahin: Komposition bewahren und suchen. Spuren nachgehen war doch irgendwie auch sein Job.
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    • Caleb

      Caleb hatte immer schon eine Vorliebe für die Klassiker gehabt. Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke, alles Eindrücke in verschiedene Epochen, verschiedene Stile, aber am Ende meist doch Themen, die Zeit und Raum überbrückten und immer aktuell zu sein schienen. Jetzt gerade fühlte er sich so, als wäre er geradewegs in Edgar Allan Poes Tell-Tale Heart gelandet. Richard machte ihm ein schlechtes Gewissen, während er das Gefühl hatte, dass der Stein in seiner Hosentasche rhythmisch pochte. Einbildung, natürlich, aber das zu wissen half nicht. Seine Gedanken rasten, während sein Herz pochte, die selben Eindrücke, wie gestern Nacht und doch das komplette Gegenteil von der Ekstase, die er vor ein paar Stunden noch gefühlt hatte.
      "Bist du sicher, dass du den Stein dabei hattest?", fragte er - hörte er sich selbst fragen, während sein Kopf irgendwie in einen seltsamen auto-modus umschaltete. Er sah Richard hinterher, als selbiger aufstand und ins Bad ging. Wie lange würde er brauchen, um eins und eins zusammen zu zählen? Caleb richtete sich auf und ging Richard langsam hinterher. "Er taucht schon wieder auf", versicherte er, während er sich gegen den Türrahmen der Badezimmertür lehnte. "Ich, ähm, will dir hier jetzt auch nicht beim Suchen im Weg stehen. Ich denke, ich sollte wirklich langsam gehen." Die Situation draußen war zwar nicht sonderlich besser geworden, aber er hatte das Gefühl, langsam durchzudrehen, wenn er zu lange bleiben würde.
      "Setz dich hin, komm fünf Minuten runter und dann such nochmal mit Ruhe. Oder ruf im Gericht an, vielleicht ist er da liegen geblieben?", schlug er vor, während er seine Hände in seine Hosentaschen schob. Seine Finger strichen über die glatte Oberfläche des Steins. Das Gefühl jagte eine kleine Gänsehaut über seine Arme. "Oder deine Begleitung gestern. Vielleicht hat einer von ihnen den Stein gesehen." Wenn es nach Caleb ging, könnte Richard gerne sein komplettes Telefonbuch abarbeiten, Hauptsache, er wäre beschäftigt und würde erst auf die Lösung des Rätsels kommen, wenn Caleb schon längst weg war.
      "Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen. Falls wir uns nochmal treffen kannst du mir ja berichten, wo du ihn gefunden hast."
    • Richard

      Richard kniete wieder am Boden und scannte mit den Augen den flauschigen Teppich im Badezimmer ab, der den Stein verschluckt haben könnte. Aber nichts. Er dreht sich zu Cal herum. „Du bist nicht im Weg. Nur deshalb musst du nicht gehen“, erwiderte er stirnrunzelnd während er aufstand. „Es ist nicht ideal aber… Der Schnee ist in den letzten dreißig Minuten wahrscheinlich auch nicht weggeschmolzen“ Er seufzte und lehnte sich an den Kasten und verschrenkte die Arme. „Ich bin mir sicher, dass ich den Stein noch hatte, als wir mit dem Taxi hergefahren sind. Also ist er irgendwo hier. Ich suche dann einfach später weiter. Ich will dich nicht in einen Schneesturm scheuchen“ Vielleicht war ‚Er taucht schon noch auf‘ garkein so schlechter Ratschlag. Richard war sich sicher, dass er in seiner Wohnung sein musste, somit konnte er nicht verloren sein. Schlimmstenfalls würde er jedes Möbelstück auf den Kopf stellen, wenn er musste. Aber das konnte er auch erledigen, wenn sein One Night Stand endlich nachhause gehen konnte, ohne dass Richard seltsam besorgt um ihn war. Auch wenn es ihm wohl völlig egal sein konnte, ob er den Heimweg überlebte. Sie hatten nicht vor, sich je wiederzusehen, oder? Trotzdem wollte Richard Cal so lange wie möglich hier behalten und wenn er das Gefühl hatte, im Weg zu sein, musste Richard ihm eben wieder das Gefühl geben, nicht im Weg zu sein. Wann hatte er nochmal begonnen, andere über sich selbst zu stellen? Und wie gab man überhaupt jemandem das Gefühl, willkommen zu sein?
      In einer mehr oder weniger Kurzschlussreaktion zog Richard sich sein T-Shirt über den Kopf. „Du kannst dir ja überlegen, was dir lieber ist. Schnee und Kälte oder das hier“ Er zeigte auf sich selbst und ein kleines Grinsen schlich sich in sein Gesicht. Das musste doch funktionieren. Er bekam den Stein zwar nicht völlig aus dem Kopf, aber er wollte auch nicht, dass Caleb direkt wieder abhaute, nachdem Richard sich schon darauf eingestellt hatte, das vorher noch etwas zwischen ihnen lief. Viele solcher Chancen ergaben sich eben nicht.
      Er ging einen Schritt auf Cal zu. „Aber ich will mich auch nicht aufdrängen, also…“, murmelte Richard, als er kurz vor ihm zum Stehen kam. Oh, doch, er wollte sich definitiv aufdrängen.
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    • Caleb

      Ein Problem gelöst und direkt stand das nächste an. Dieser Tag entwickelte sich langsam zum absoluten Albtraum. Obwohl es ‘Albtraum’ eigentlich nicht ganz traf. Immerhin war der Anblick, der sich Caleb gerade bot mehr als anziehend. Was das Grundproblem an der aktuellen Situation war. Er hasste es, wenn sein eigener Kopf gegen ihn arbeitete. Er wusste, dass es definitiv besser wäre, Abstand zu wahren, vielleicht darauf zu bestehen, ein Taxi zu holen und zu gehen, aber alles in ihm schrie danach, wieder mit Richard ins Bett zu fallen und es erst zu verlassen, wenn der Schnee draußen schon lange aufgetaut war. Sofern er dann noch in der Lage wäre, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Er hoffte irgendwie auf das Gegenteil.
      Er starrte ein wenig auf Richards Oberkörper, während er verzweifelt versuchte sich selbst daran zu erinnern, dass er nicht sein Typ war. Zu groß, zu muskulös und doch konnte er nicht so tun, als ob der dunkelhaarige Held nicht etwas unglaublich attraktives an sich hatte. Zum Glück entschied Richard sich in diesem Moment dazu, den Mund zu öffnen und den Bann zu brechen.
      Cal konnte es nicht verhindern, kurz aufzulachen. "Hat der Spruch je funktioniert?", fragte er, während er zu Richard hoch sah. "Und falls ja, wie verzweifelt war dein One Night Stand?", schob er hinterher, während er ihm einen kritischen Blick zuwarf. Vielleicht war es das, was er gebraucht hatte, um ihn endlich stehen lassen zu können. Überzogenes Selbstbewusstsein. Obwohl Richard nicht ganz Unrecht hatte. Er war die bessere Alternative und es war wirklich schwer, an was anderes zu denken, wenn er so nah vor ihm stand.
      "Eigentlich bist du überhaupt nicht mein Typ", seufzte Cal, bevor er sich auf die Zehenspitzen stellte, seine Arme um Richards Hals legte und ihn küsste. Er konnte den Kaffee noch schwach auf seinen Lippen schmecken. Es fühlte sich viel zu gut an, ihn zu küssen, während die Bilder von gestern Abend wieder vor seinem geistigen Augen herzogen. Was würde ihn eigentlich davon abhalten, den Stein zu vergessen und einfach zu sehen, was sich hieraus entwickeln würde?
      Cal löste sich von Richard, schnappte nach Luft und trat einen Schritt nach hinten. Nein. Der Gedanke ging definitiv zu weit. Er hatte den Stein und das war, was zählte. Auch wenn er sich in seiner Hosentasche vollkommen falsch anfühlte. Er blinzelte kurz, bevor er schwach den Kopf schüttelte. "Sorry. Ich- Ich glaube, ich sollte wirklich gehen."
    • Richard

      Okay, es war nicht unbedingt das Ziel gewesen, ihn zum lachen zu bringen. „Normalerweise gibt‘s Schneesturm nicht als Option, also kannst nur du mir sagen, ob es funktioniert“, erwiderte er und lächelte. Aber Cal schien sich selbst nicht ganz sicher zu sein. Richard war nicht sein Typ? Das sagte ausgerechnet der blonde Zwerg? Allerdings hatte er selbst keine Zeit mehr, sich zu beschweren, weil Cal ihm bereits um den Hals fiel. Okay, war ja egal, wie steinig der Weg gewesen war, das Ziel hatten sie trotzdem erreicht. Richard konnte nicht anders als in den Kuss zu grinsen. Außerdem kam ihm eine verdammt gute Idee, um seinen Nacken wieder etwas zu schonen. Er legte gerade seine Hände auf Calebs Hintern und wollte in die Knie gehen, um ihn an den Oberschenkeln hochzuheben, da wich der Blonde wieder zurück. Ernsthaft? Jetzt wollte er gehen? Richard stand einen Moment wie bestellt und nicht abgeholt vor ihm. Was zur Hölle hatte Cal eigentlich in seiner Hosentasche? Steine?
      … Der Groschen fiel sehr langsam.
      „Sag mir, dass du verdammt viel Kleingeld in deiner Tasche hast“, murmelte er. Sein Blick haftete einen Moment an Cals Augen. Er sah panisch aus. Aber nicht panischer, als die letzten drei Male, als er meinte, jetzt unbedingt gehen zu müssen.
      Richard machte wieder einen großen Schritt auf ihn zu und zwang Cal an den Schultern gepackt sich umzudrehen, dann griff er ihm wieder an den Hintern. Jetzt konnte er nur hoffen, dass seine Angst begründet war, sonst war das ein ziemlich seltsamer Move. Aber er hatte sich nicht geirrt. Das war kein Kleingeld und vermutlich war es auch kein Kieselstein. Er steckte seine Hand in Calebs Hosentasche und holte seinen Stein heraus. Den Stein, den er seit einer halben Stunde wie ein Vollidiot suchte, weil er dachte, er hatte ihn verlegt.
      „Du willst mich verarschen, oder?“, fragte er und hoffte inständig, dass das ein Scherz war. Was zur Hölle hatte Caleb denn davon, ihm einen Stein zu klauen? Gut, dieser war ein wenig speziell, aber das konnte er ja nicht wissen. Was Richard allerdings wissen wollte, war, wann Cal die geniale Idee gekommen war, ihn zu bestehlen. „Du hast entweder einen verdammt schlechten Humor oder bist der naivste Mensch, der mir jemals begegnet ist. Suchst du dir immer Helden als Opfer für deine Kleptomanie? Schonmal dran gedacht, es dir leichter zu machen? Ich weiß nicht, ob dir bewusst ist, was mein Job ist“ Richard wollte am liebsten gegen die nächste Wand rennen, so viel Fremdscham empfand er für diese Dummheit.
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