The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Caleb

      Irgendwie hatte Caleb nicht damit gerechnet, dass sich Mr. Talk-Dark-And-Handsome so einfach aus dem Konzept bringen lassen würde. Vielleicht hätte er die Sache mit dem Stein doch schneller lösen können, wenn er zwischendurch einfach schnell gestolpert wäre, oder sein Glas umgekippt hätte, oder etwas ähnlich offensichtliches und danach einfach direkt geflirtet hätte. Nicht, dass er je sonderlich gut darin gewesen wäre. Obwohl die Konversation langsam begann, Spaß zu machen. Was wahrscheinlich bedeutete, dass er den Effekt des Alkohols spürte. Er konnte praktisch fühlen, wie sich die kleine Messlatte in seinem Kopf von Schluck zu Schluck senkte.
      "Caleb", antwortete selbiger mit einem knappen Lächeln. "Cal, wenn du die nächste Runde ausgibst", schob er hinterher, vollkommen ohne schlechtes Gewissen, seine neue Bekanntschaft zahlen zu lassen. Er betrachtete es einfach als netten Ausgleich dafür, dass er tatsächlich eine Konversation führen musste, die länger als fünf Minuten dauerte.
      "Im Anbetracht dessen, dass ihr heute einen Fall gewonnen habt, hoffe ich doch wirklich, dass es gerade keinen Grund zum Frusttrinken gibt. Vielleicht alternativ einfach das berühmte Bier zu viel, weil man in netter Begleitung unterwegs war und nicht gemerkt hat, wie schnell die Zeit rumgegangen ist?", schlug er vor, sorgsam darauf bedacht, seinen Kontostand aus der Konversation heraus zu halten. Er lächelte erneut, bevor er kurz in die Richtung des Tisches von Richards Begleitung nickte. "Wo wir beim Thema wären - sind deine Kollegen es gewohnt, dass du sie für fremde Leute sitzen lässt, wenn ihr zusammen unterwegs seid, oder darf ich mich glücklich schätzen?" Zumindest hatten seine Kollegen offensichtlich einen deutlich längeren Geduldsfaden, als Caleb. Er wäre an ihrer Stelle wahrscheinlich in dem Moment aufgesprungen, in den Richard sich gesetzt hatte und hätte einfach seine eigenen Getränke besorgt. Andererseits, wenn er die Wahl hätte, sich mit seinen Kollegen auseinander zu setzen, oder mit Fremden an einer Bar zu reden...okay, nein, das klang irgendwie beides absolut furchtbar.
      "Kleiner Tipp: Es gibt nur eine richtige Antwort zu dieser Frage", schob er hinterher, einfach um zu sehen, ob er es nochmal schaffen würde, Richard aus der Bahn zu werfen. Nur deswegen.
    • Richard

      Caleb. In Ordnung. „Was willst du trinken? Kein Guinness, nehme ich an“, fragte Richard schmunzelnd. „Ich bring ihnen die Getränke gleich rüber, aber — das sind May und Ted — Ted hat gerade eine Scheidung hinter sich und May löst gern anderer Leute Probleme, darum werden sie mich nicht vermissen. Aber du kannst dich trotzdem glücklich schätzen, ich gebe nämlich selten Getränke aus“ Wie es aussah, flirtete er nun doch mit Männern an Bars. Das hatte ja wenig Überzeugung gebraucht. Naja… er nahm wohl was er kriegen konnte, hm?
      „Ich schließe daraus jetzt mal, dass du keine Pläne mehr für heute Abend hast und ich dich nicht aufhalte, wenn ich dir beim Komasaufen zusehe?“ Er lächelte. „Ich kann unter der Woche nicht zu viel trinken, aber ich würde gerne wissen, wie weit du kommst. Und vielleicht übernehme ich am Ende sogar noch ein bisschen Verantwortung“ War das zu gerade heraus? Aber was wollte er mit seiner Aussage überhaupt bewirken? Nachdem er eine Weile neben dem Blonden gesessen hatte, musste er leider trotz insuffizientem Alkoholspiegel zugeben, dass er nicht schlecht aussah. Richards Typ war er aber auch nicht wirklich. Aber seine Ehrlichkeit interessierte ihn, denn normalerweise verstellten die Leute sich beim ersten Kennenlernen so sehr, dass Richard an der Fremdscham beinahe draufging.
      „Erlaubt dein Job es dir, verkatert aufzuwachen?“, fragte er neugierig. Nachdem Richard nicht vorgehabt hatte, heute jemanden mit nachhause zu nehmen, musste er sich keine Gedanken machen, ob er das richtige sagte. Das war angenehm. Sich den ganzen Tag mit Menschen herumzuschlagen raubte ihm sowieso jegliche Energie aus seiner Sozialbatterie. Umso schöner war es, wenn es ihm völlig egal sein konnte, ob sein Gegenüber beleidigt war oder ihn sitzen ließ, weil er sich zu rau ausgedrückt hatte. Und noch dazu schien Caleb sich auch nicht allzu sehr um die Meinung anderer Leute zu kümmern.
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    • Caleb

      Tja. Beileid an Ted. Oder Gratulation, je nachdem, wer die Scheidung angeworfen hatte. Caleb wollte nicht nachfragen. Am Ende würde er noch die halbe Lebensgeschichte einer Person erfahren, die ihn nicht im geringsten interessierte und wenn er das wollte, musste er nur irgendeine Talkshow im Fernseher anschmeißen.
      "Zusehen ist nur halb so interessant, wie mitmachen, aber jedem das Seine." Caleb zuckte kurz mit den Schultern, bevor er sein Glas leerte, es auf dem Tresen ein wenig zurück schob und auf Bier umschwankte. Er hatte nicht vor, sich ins Koma zu saufen. Sein Verstand musste halbwegs klar bleiben, wenn das hier nicht in einem totalen Desaster enden sollte. Auf die eine, oder andere Art. "Ich fürchte, du wärst nicht sonderlich glücklich damit, die Verantwortung zu übernehmen", erklärte er mit einem humorlosen Lächeln auf den Lippen, während er nach dem nächsten Glas griff, den Blick auf die Theke gerichtet, beinahe ein wenig froh darüber, das Thema wechseln zu können, auch, wenn es nicht sein liebstes war.
      "Oh, ich bin einer dieser unausstehlichen Menschen, die Hauptberuflich in erster Linie 'Sohn von' sind. Solange ich keine allzu große Enttäuschung bin, fließt Mom und Dads Geld. Und die beiden sind verdammt hartnäckig, weil ich mir wirklich Mühe gebe, sie zu enttäuschen." Was an sich keine Lüge war. Das Familiengeschäft war immerhin nur eine Facette seines furchtbaren Lebens und neben Niamh als perfekte Tochter hatte er nur verlieren können. Wenn er keine Steine spüren könnte, hätten sie ihn wahrscheinlich schon vor Jahren fallen gelassen. Vielleicht wäre das besser gewesen.
      "Ich schätze, ihnen ist es lieber, dass ich verkatert aufwache, als gar nicht mehr, also..." Er zuckte mit den Schultern und musste selbst kurz lachen. Hoffentlich würden seine Eltern es ihm irgendwann danken, dass er sie fast sympathischer klingen ließ, als sie tatsächlich waren.
      "Und du? Wie bist du zum Heldenberuf gekommen?", fragte er zurück. "Hattest du das unbändige Verlangen, was Gutes zu tun, oder hat die Basketball-Karriere einfach nicht funktioniert?" Er zog fragend eine Augenbraue in die Höhe. Es gab genug Gründe, Held zu werden. Der naive Gedanke, etwas in der Welt bewirken zu können, oder andere Leute zu schützen war genauso oft vertreten, wie Menschen, die einfach nur Macht über andere ausüben wollten. Und dann gab es solche, die sich das Gehalt nebenbei mit Schmiergeldzahlungen aufstockten. Eine rein kriminelle Laufbahn war in der Hinsicht beinahe ein bisschen ehrlicher.
    • Richard

      „So eine Enttäuschung wirst du schon nicht sein“, murmelte Richard, obwohl er wohl am besten wusste, wie einfach es war, Eltern zu enttäuschen, die ihre Vorstellungen um jeden Preis durchsetzen mussten. Es wäre ja schön, wenn er zumindest Geld in den Arsch geschoben bekommen kriegen würde, aber nein, er war nur Held geworden, um dieses verdammte ‚Ich bin stolz auf dich‘ einmal zu hören. Es war armselig. Den Kontakt abzubrechen war die richtige Entscheidung gewesen, aber er hätte es wohl auch nicht getan, wenn er aus der Beziehung irgendetwas schöpfen hätte können.
      „Wenn du so viel Geld hast, was hält dich dann auf, die Hawaii Sache durchzuziehen?“, fragte Richard. Oder war Caleb einer dieser Menschen, die sich einfach nicht von ihren Eltern abkapseln konnten? Vielleicht das jüngste Kind, oder so.
      Er musste grinsen, als Cal ihm unterstellte, Basketball zu spielen. „Das hätten widerrum meine Eltern gern gehabt“, erwiderte er und lachte leicht. Zumindest in der Schule. Wobei sie gegen einen Basketball Champion wohl auch nichts gehabt hätten. „Nein, ich hab aus dem dämlichen Grund begonnen, jemanden zu beeindrucken und dann habe ich weitergemacht, weil es jemanden gab, der mich mich unheimlich mit seiner Perfektheit genervt hat. Dachte ich jedenfalls. Und was mich jetzt hält… Eine Mischung aus ‚Jemandem eins auswischen‘ und ‚Keine Ahnung was ich sonst machen soll‘“ Er brachte es noch nichtmal über sich, zuzugeben, dass er tatsächlich seine eigenen Eltern hatte beeindrucken wollen, obwohl Cal ehrlich genug mit ihm war. Es war nunmal so, dass er bei Prom Queen & King aufgewachsen war und er selbst als Jugendlicher ein unfassbarer Außenseiter gewesen war, weil er Aggressionsprobleme gehabt hatte. Das wunderte ihn mittlerweile nicht mehr, bei dem Elternhaus. Und dann hatte er die Akademie zu Gunsten seiner Eltern auch noch abgeschlossen, weil dieser verdammte Streber in allem besser gewesen war, als er, und trotzdem ein nicht-existentes Selbstbewusstsein hatte. Gut, die Brille und Zahnspange hatten ihm nicht gut getan. Aber Richard hatte alles versucht, um Andrew durch Mobbing zumindest zu Kontaktlinsen zu bewegen und jetzt dankte er es ihm bestimmt. Mit der verdammten Brille hätte er Ezra wohl auch nicht angelockt. Als Nerd ohne Selbstbewusstsein hatte er Richard besser gefallen.
      Zumindest gönnte er seiner Familie nicht, dass er jetzt alles war, was sie jemals von ihm wollten. Dafür war er in einem miserablen Zustand, aber wen interessierte schon, was im Inneren von jemandem los war?
      Richard merkte kaum, dass er mit den Zähnen knirschte, als er über all das nachdachte. Er trank einen Schluck von seinem Bier, um den Kiefer unbemerkt wieder etwas zu lockern. Er war eindeutig nicht über die Sache hinweg. Über… vermutlich keine einzige Sache, die ihm so widerfahren war. Dass die Wut zusätzlich davon kam, dass er eifersüchtig auf Blondie war… Tja, das machte es schlimmer. „Vielleicht sollte ich eine Ausnahme machen und mir doch einen Drink gönnen“, grummelte er mehr zu sich selbst.
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    • Caleb

      "Meine Schwester", beantwortete Caleb die Frage nach dem Haken an seinem Lebensplan ein bisschen ehrlicher, als er eigentlich vorgehabt hatte. Offensichtlich hatten sie den Punkt des Abends erreicht, an dem das Bier nach schlechten Lebensentscheidungen schmeckte. "Ich will sie nicht mit unseren Eltern alleine lassen." Niamh hatte bei ihren Eltern zwar einen weitaus besseren Standpunkt, als er - und mit John eine durchaus kompetente Unterstützung - aber trotzdem hatte er immer noch diesen kleinen, albernen Funken Hoffnung, dass sie irgendwann realisieren würde, dass ihre Eltern nicht die perfekten Menschen waren, die sie so gerne in ihnen sah.
      Irgendwie war es in dieser Hinsicht fast tröstend zu wissen, dass er nicht die einziger Person im Raum war, die Probleme hatte. Auch, wenn Richards Beweggründe für seine Karriere tiefgreifender waren, als es Cal lieb war. Und offensichtlich das perfekte Gegenstück zu seinen eigenen Problemen.
      "Ich hab es aufgegeben, andere Leute beeindrucken zu wollen. Wer meinen Humor nicht versteht, verpasst halt was. Das macht das Leben deutlich einfacher und man muss sich nicht so viele Geburtstage von Freunden merken." Obwohl sich das wahrscheinlich leicht sagen ließ, wenn man mit einem der wohl beeindruckendsten Partytricks der Welt geboren worden war, hinein in eine Familie, die man in ihren Kreisen ohne zu zögern respektierte. In Calebs Leben war selten etwas davon abhängig gewesen, ob man ihn mochte, oder nicht. Entweder brauchte man ihn, oder seinen Familiennamen, nicht mehr und nicht weniger. Worüber er beinahe froh war. So konnte er sich wenigstens vollends darauf konzentrieren, seine Geschwister von irgendwelchem Blödsinn abzuhalten.
      "Dann geht die nächste Runde auf mich", versprach er schließlich, als er es offensichtlich geschafft hatte, Richard doch zum Trinken zu bewegen. Vielleicht war das mit dem Frusttrinken doch nicht so abwegig gewesen. Jetzt hatte er fast ein schlechtes Gewissen. Er gab dem Barkeeper ein kurzes Zeichen für Nachschub. Mittlerweile hatte er fast den gewünschten Effekt erreicht - seine Welt war wundervoll verschwommen an den Rändern, während jegliche Effekte von den umliegenden Steinen ein wenig abstumpften.
      Er war zur Hälfte mit seinem nächsten Glas fertig, als er eine kleine Zigarettenschachtel aus seiner Jackentasche zog. "Rauchst du zufällig?" Wenigstens musste er sich mit dem Alkoholgehalt in seinem Blut jetzt keine Sorgen mehr darüber machen, draußen festzufrieren.
    • Richard

      Verdammt, was waren sie eigentlich für ein deprimierendes Pack? Es war beinahe erfrischend. Vielleicht konnten sie sich ja gegenseitig in ihrem Elend ertränken.
      „Gelegentlich“, beantwortete Richard die Frage, ob er rauchte. Er hielt üblicherweise Abstand von Dingen, die seiner körperlichen Fitness schadeten, aber nachdem er schon auf dem besten Weg zum Alkoholiker war, konnte eine kleine Zigarette bestimmt nicht mehr viel Schaden anrichten. Ein wenig Cardio und er hatte seine Lungenkapazität wieder aufgefrischt, oder so.
      Er stand auf und stellte das eine übrige Glas, das noch auf der Theke stand, im Vorbeigehen auf den Tisch seiner Kollegen. May sah überrascht auf, sie schien tatsächlich tief ins Gespräch mit Ted versunken gewesen zu sein. „Richy! Gehst du schon? Ich hab mich schon gewundert, was mit den Getränken passiert ist- Oh“ Sie schien Caleb hinter seiner Schulter entdeckt zu haben. Sie lächelte. Ob in Cals Richtung oder einfach über die Tatsache, dass Richard Gesellschaft gefunden hatte, wusste er nicht.
      „Ich geh eine rauchen“, kündigte er an und schnappte sich seine Jacke von der Sessellehne.
      „Alles klar“, nickte Ted mit einem erzwungenen Lächeln. Er schien es fast eilig zu haben, seine Unterhaltung mit May fortzusetzen, dabei kannten die beiden sich kaum. So viel zu einem feierlichen Bier. May durfte erstmal Teds Post-Scheidungs Depressionen mit ihm aufarbeiten während Richard sich mit einem Fremden verzog. Irgendwann würde er ihr nochmal einen Drink ausgeben. Mit dem Gedanken fühlte er sich schon besser und konnte Caleb ohne Schuldgefühle nach draußen folgen.
      Richard ließ sich ein Feuerzeug leihen und das Anzünden der Zigarette stellte sich als kleine Herausforderung heraus, nachdem der Wind aus der Antarktis sie wohl erreicht hatte. „Verdammte Scheiße, es ist kalt“, murmelte er. „Waren Winter schon immer so kalt?“ Warum war er all die Jahre nochmal in London geblieben? Ach ja. Andrew. Vielleicht wurde es Zeit, umzuziehen. „Sag Bescheid, wenn deine Schwester sich auf deine Seite schlägt und du Gesellschaft in Hawaii brauchst. Ich wäre nicht abgeneigt, gerade am Strand zu sitzen und mir eine Piña Colada reinzuzischen“, sagte er zu Cal.
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    • Caleb

      Aufstehen, wenn man etwas getrunken hatte und einen ein Stein das Gefühl gab, alles etwas zeitversetzt doppelt zu erleben, war die Hölle. Caleb musste kurz das Gefühl verarbeiten, kurz zeitgleich zu stehen und zu sitzen, bevor er spürte, wie sein Gewicht sich zum Stehen verlagerte, obwohl er schon längst gestanden hatte. Es war furchtbar kompliziert und definitiv nichts, was er heute Abend nochmal erleben wollte.
      Caleb warf Richards Begleitung im Vorbeigehen ein knappes Lächeln zu und hoffte inständig, dass sie sich nicht zu sehr an ihn erinnern würden, falls doch etwas schief laufen würde. Er wusste zwar nicht genau, was schieflaufen sollte, aber irgendetwas fand sich ja immer. Vor allem, wenn er eigentlich ein bisschen mehr getrunken hatte, als er geplant hatte. Der Stein half dabei definitiv nicht. Aber er schien auf jeden Fall irgendetwas mit Zeit zu tun zu haben und das interessierte ihn zu sehr, um jetzt noch irgendeinen Rückzieher zu machen.
      Obwohl in die Kälte draußen doch fast dazu brachte, alles aufzugeben, ein Taxi zu rufen und nach Hause zu fahren, wo es warm und windstill war. Wenigstens verschwanden die gefühlten zehntausenden Eindrücke der anderen Steine im Pub auf seiner Haut, sobald sich die Tür hinter ihnen schloss.
      "Oh, ich fürchte, ich gebe keine sonderlich gute Langzeit-Begleitung ab", merkte Caleb an, nachdem er an seiner Zigarette gezogen hatte. Er konzentrierte sich kurz auf einen der Steine, die immer um seinen Hals hingen, ballte eine Hand zur Faust und öffnete sie wieder. Die Luft vor ihm schimmerte kurz, dann wurde sie leicht milchig, wie eine Glasscheibe, die vor ihnen entstand. Eigentlich ein Schild, um Schuss- und Messerattacken aufzuhalten, beizeiten allerdings auch ein wundervoller Schutz gegen Regen und Wind. Obwohl das an den frischen Temperaturen auch nichts mehr änderte.
      "Aber wenn ich mal einen Nachbarn suchen sollte komme ich gerne auf dich zurück. Obwohl du am Strand wahrscheinlich eine gute Figur abgeben würdest." Was er sich gerade natürlich nicht bildlich vorstellte. Obwohl Richard weniger so aussah, als ob er gemütlich am Strand liegen würde und mehr so, als ob er irgendwelche Sportübungen durchziehen wollte. Bedauernswert.
      "Hast du schon Urlaub geplant, oder hängst du dieses Jahr in London fest?" Helden hatten immer noch genug Zeit für Urlaub, oder? Ganz sicher war Caleb sich da nicht.
    • Richard

      „Praktisch“, murmelte Richard mehr zu sich selbst. Nachdem die Arbeit mit Steinen mehr oder weniger doppelt sein Job war, konnte ihn kaum mehr etwas überraschen, aber das Interesse starb nie. Trotzdem vergaß er hin und wieder, dass Passanten mit kleinen Gimmick-Steinen herumliefen, die sich nochmal weit von jenen unterschieden, die er selber mit sich trug.
      Er stellte sich etwas näher an Caleb und zog die Schultern an, in einem verzweifelten Versuch sich etwas zu wärmen. Bis er zuhause war würde daraus aber wohl nichts mehr werden. Es war spät und musste mittlerweile Minusgrade haben.
      „Keine Sorge, mich hält auch keiner länger als 8 Stunden am Stück aus“, erwiderte Richard und musste schmunzeln. Das hier unterschied sich definitiv von jedem Flirt, den er bisher so erlebt hatte. „Solltest du irgendwann zu viel Geld haben, kannst du mir ja ein eigenes Haus kaufen und dafür wann immer du willst meine Figur am Strand begutachten“, murmelte er belustigt und warf Cal von der Seite einen Blick zu. Oder eher… von oben. „Oder, naja, was auch immer dir einfällt. Ich gebe bei einigen Dingen eine gute Figur ab“, fügte er nach einer kurzen Pause hinzu. Yup, er hatte es laut ausgesprochen. Und es klang ein wenig, als würde er versuchen, sich einen Sugar Daddy zu angeln. Na toll.
      „Ähm, letzten Sommer war ich in Sizilien. Keine Ahnung, was ich dieses Jahr mache… Oder ob ich überhaupt wegfahre. Ich hab verdammt viel auf der Arbeit zu erledigen. Meine Kollegen sind zu 99 Prozent unfähige Accessoires, die der Firma das Geld rauben“ So aufregen konnte er sich allerdings nur über MLO, das Dezernat war ihm ziemlich egal. Natürlich war die Arbeit wichtig, die Helden erledigten, aber sie wäre nunmal verdammt unnötig, wenn MLO nicht existieren würde. Dann hätten sie ganz andere Probleme. Aber in letzter Zeit litt die ganze Organisation unter Haralds Demenzschüben und niemand hatte die Eier, ihm mal etwas zu sagen. Sie brauchten eine neue Führung und definitiv ein paar Veränderungen sowie Massenkündigungen. Es wurde Zeit, dass Richard seinen Job als Held endlich aufgab und seine Zeit voll und ganz MLO widmete, damit er noch die Chance hatte, selbst in die Leitung aufzusteigen. Besonders mit der derzeiten Krise war es wichtig, dass die Organisation in die richtige Richtung gelenkt wurde. Und außerdem war das Gehalt nochmal um einiges besser. Eine Beförderung konnte wirklich nicht schaden. Irgendwann wollte Richard auch mal die Anzahlung für ein Haus zusammenkriegen. So ganz konnte er sich ja nicht auf seine neue Bekanntschaft verlassen.
      „Und du? Erspar mir bloß die Details, falls du was geplant hast, sonst werde ich neidisch“
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    • Caleb

      Ja, er konnte sich definitiv so einiges vorstellen, bei dem sein Gesprächspartner eine gute Figur abgeben würde und er hasste sich ein wenig selbst dafür, dass ihm die Vorstellung beinahe gefiel. Richard war immer noch ein Held, das alleine sollte reichen, um sämtliche Warnsignale in seinem Kopf laut werden zu lassen. Obwohl es vielleicht okay wäre, wenn es nur um einen One Night Stand ging, oder? Eine Nacht und danach würden sie sich eh nie wieder begegnen, egal, wie erfrischend anders ihr kleines Gespräch war. Gott, Caleb hatte das unangenehme Gefühl, sich die Situation selbst schönzureden.
      Vielleicht lag es auch daran, dass Richard offensichtlich die selbe Einstellung seinen Kollegen gegenüber hatte, wie Caleb. Unnötig, eine Verschwendung von Ressourcen. Er war sich nicht sicher, ob er je einen Helden so über seine Kollegen hatte reden hören, aber es gab für alles ein erstes Mal.
      “Ab und an kann Neid ganz sexy sein, wenn du mich fragst.” Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, während er die Asche seiner Zigarette abschnippte. “Aber ich kann dich beruhigen, ich habe dieses Jahr nichts geplant.” Urlaub stand auf seiner eigenen Prioritätenliste zumindest ganz weit unten, egal, wie gerne er das verregnete London oder das herrlich langweilige Dublin gegen etwas Sonne eintauschen wollte. Es gab immer irgendwas in seinem Leben, was wichtiger war, als seine eigene mentale Gesundheit. Vor allem, wenn er scheinbar selbst so effektiv darin war, sie zu ruinieren.
      “Hey, ich mach das nicht oft, aber ich spiele gerade wirklich mit dem Gedanken, einfach so zu tun, als ob ich mich nicht mehr an meine eigene Adresse erinnern könnte, um zu sehen, wie viel Verantwortung du wirklich übernimmst.” Er spürte, wie sein eigener Puls in die Höhe schoss, während er langsam anfing schneller zu reden, als zu denken. Er hatte in den letzten 16 Jahren immer noch keinen Weg gefunden, irgendwie halbwegs charmant mit dem umzugehen, was jetzt kam. Es war jedes Mal die selbe Panik.
      “Ich denke nur, dass du wissen solltest-” Er stockte kurz, ein wenig unsicher, wie er es formulieren sollte. “Ich bin trans”, erklärte er schließlich geradeheraus. “Ich weiß, dass das nicht jedermanns Typ ist. Es ist vollkommen okay, wenn dich das abturned.” Der Sex war ihm egal. Er konnte wunderbar damit leben, wenn jemand nicht auf ihn stand. Die Reaktionen seines Gegenübers waren immer weitaus nervenaufreibender. Caleb hatte sich oft genug vorwerfen lassen müssen, dass er jemanden hinters Licht geführt hätte um seine Erwartungshaltung entsprechend nach unten zu schrauben, aber es war trotzdem nie eine schöne Erfahrung, wenn plötzlich seine komplette Daseinsberechtigung hinterfragt wurde.
    • Richard

      Calebs Nervosität war beinahe spürbar und kam wie aus dem Nichts, als er aussprach, was sie wohl beide dachten. Es war erschreckend süß und Richard schaffte es nicht, ein Lächeln zu unterdrücken. Aber dann sprach er weiter und auf einmal wurde Richard bewusst, dass die Nervosität definitiv nicht davon kam, dass er schüchtern wurde. Sein Lächeln wechselte zu einem Stirnrunzeln. „Oh.“
      Er sollte vermutlich mehr sagen, als das. Aber er brauchte einen Moment, um mit sich selbst zu checken, wie er zu Calebs Vorschlag nun stand. Interessanterweise war der Moment nicht lang. Irgendwie hatte es sogar etwas positives, dass Cal sich von gewissen anderen blonden winzigen Menschen unterschied. Richard war nur ein wenig beeindruckt, dass er keine Sekunde lang etwas vermutet hatte.
      „Das ist okay. Ehrlich gesagt turnt mich das eher an“ Klang das jetzt unheimlich? Er konnte Caleb aber auch nicht erklären, wieso ihn das anturnte. Also klang es nun wohl einfach nach einem Kink. Naja, es gab schlimmeres.
      Richard schnippte die Asche von seiner Zigarette, zog ein letztes Mal daran und ließ sie dann vor seine Schuhe fallen, um sie in den nassen Asphalt zu treten. Den Rauch langsam ausatmend, drehte er sich hinter der wundervollen, schwebenden Glasscheibe zu dem Blonden herum. Er zögerte einen kurzen Moment, weil er auf die harte Tour gelernt hatte, wie es endete, wenn man Grenzen überschritt. Aber die Signale waren wohl nicht wirklich fehlzudeuten also senkte er den Kopf, musste Cals Kinn zusätzlich mit den Fingern anheben, und küsste ihn. Richard schmeckte die Zigarette auf seinen kühlen Lippen, und unterschwelliger den Alkohol. Es war heiß, aber was das Ganze noch reizvoller machte, war die Tatsache, dass ihnen beiden heute alles egal war. Sie hatten eine ähnliche Fuck-It Lebenseinstellung und das nahm so viel Druck aus der Situation, dass Richard sich in der Lage fühlte, den kleinen Nervositätsschub mit dem Kuss aus Cals Körper zu saugen. Und das nahm er ernst. Richard machte einen Schritt vorwärts und schob Cal leicht gegen die Außenwand des Pubs. Nach ein paar Küssen, die vielleicht zu enthusiastisch für die Öffentlichkeit waren, löste er sich, behielt jedoch eine Hand abstützend an der Wand neben dem Blonden.
      „Ich bin froh, dass wir das in einer anderen Position weiterführen können, mein Nacken bringt mich sonst um“, murmelte er, als er sein Handy aus seiner Jackentasche zog. Taxis auf der Straße rufen war was für Leute, die vor fünf Minuten auf der Erde gelandet waren. Richard checkte in einer App die nächstgelegenen Wagen und verglich schnell die Preise der Taxifahrer, bevor er einen aussuchte.
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    • Caleb

      Das war neu. Es hatte bisher höchstens ein paar Fälle gegeben, in denen seinem Gegenüber alles egal war, aber dass jemand angeturnt war war eine nette Abwechslung. Ein bisschen schräg, irgendwie, aber darauf kam es gerade zum Glück nicht an. Die Anspannung in ihm verschwand, einer von den tausenden Panikalarmen in seinem Kopf verstummte. Spätestens bei den Küssen danach hätte Richard ihm wahrscheinlich auch sagen können, dass er vorhatte, ihn in seinen Keller zu sperren und Caleb wäre trotzdem freudestrahlend mit ihm mitgegangen.
      Er war sich ziemlich sicher, dass er noch nie so geküsst worden war. Zugegeben, er hatte auch nicht unglaublich viel Erfahrung damit. Dating war nie was für ihn gewesen - zu viele Probleme mit sich selbst, in die er niemand anderen mit hineinziehen wollte - und für Flirts war er nicht oft genug draußen unterwegs. Es war selten, dass er zufällig jemanden fand, mit dem er einfach klickte und er konnte sich nicht daran erinnern, ob er je aus einer Bar abgeschleppt worden war. Obwohl er immer noch nicht ganz abschätzen konnte, wie viel von der Chemie zwischen ihnen er sich gerade selbst einredete und was für eine Rolle der Alkoholpegel dabei spielte.
      Er stellte sich ein wenig auf die Zehenspitzen, um Richard entgegenzukommen, als selbiger ihn gegen die Wand drückte und es dabei schaffte, ihn vollkommen zu überfordern. Jemanden aus der Bahn zu werfen war eben nur schön, wenn es einen nicht selbst traf. Er ließ seine Zigarette auf den Boden fallen und sah aus dem Augenwinkel, dass der Schild sich mit einem kleinen Flackern verabschiedete, als seine Konzentration brach.
      Seine kalten Finger krallten sich in die Jacke des deutlich Größeren, während er die Küsse erwiderte, als ob sie absolut lebensnotwendig wären. Er war fast ein wenig enttäuscht, als Richard sich wieder von ihm löste. “Ist nicht meine Schuld, dass du so hoch gewachsen bist”, nuschelte er vollkommen außer Atem, während er seine Hände unter Richards Jacke schob, um ein wenig von seiner Körperwärme zu profitieren. Obwohl er selbst auch nichts dagegen hatte, das hier in die Horizontale zu verlegen. Für die Zwischenzeit reichte es Caleb, Richard in den nächsten Kuss hinein zu ziehen, als selbiger sein Handy wieder weg packte.
      Zum Glück war das Taxi da, bevor sie in der kalten Luft erfroren und der kurze Moment der Leidenschaft verstrichen war. Caleb ließ sich bereitwillig auf die Rückbank ziehen, in der Hoffnung, dass die Wohnung nicht zu weit weg lag und drücke dem Taxifahrer unverschämt viel Trinkgeld in die Hand, als sie endlich ihr Ziel erreicht hatten.
      “Ich schätze, wir müssen uns keine Sorgen um irgendwelche Mitbewohner machen?”, fragte er mit einem kleinen Lächeln, während er darauf wartete, dass Richard seinen Haustürschlüssel zückte. Obwohl das an diesem Punkt wahrscheinlich auch kein Hindernis mehr wäre.
    • Richard

      "Lieber würde ich auf der Straße schlafen, als einen Mitbewohner zu haben. Also, nein", erwiderte er und schloss die Tür zu seiner Wohnung auf. Sie war nichts allzu besonderes, relativ minimalistisch und kühl eingerichtet, da es ihm schlichtweg einfach völlig egal war, wie heimelig die Einrichtung auf irgendjemanden wirkte. Besser so, als irgendwelche Aspekte seiner Persönlichkeit unfreiwillig vor Gästen zu enthüllen, weil sie Bilderrahmen an den Wänden sahen oder etwas ähnliches. Nein, die Tatsache, dass er alle notwendigen Möbel besaß und Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche getrennt waren, war das einzige, das zählte. Mehr als schlafen tat er hier sowieso selten, nachdem er andauernd verdammt beschäftigt war. Das Leben war hart, wenn man ständig die Arbeit anderer Leute zusätzlich erledigen musste.
      Er hing seine Jacke im Vorraum auf und kickte sich die Schuhe von den Füßen, nur um Caleb kaum Zeit zu lassen, das selbe zu tun. Er zog ihn sofort wieder für einen Kuss an sich heran und drückte die Tür hinter ihnen wieder zu. Es war seltsam, aber mit jeder vergehenden Sekunde, die sie zusammen verbrachten, und es waren noch nicht viele, empfand Richard den Blonden als immer attraktiver. Vielleicht, weil er verzweifelt war? Oder war es wirklich die raue Persönlichkeit, die ihn so anturnte? Es war zumindest mal was neues und er konnte nicht von sich behaupten, dass es ihm jetzt noch egal wäre, wenn Cal sich doch umentschied und nachhause fuhr. Somit war sein Griff vielleicht ein wenig fester als beabsichtigt. Vermutlich war es tatsächlich Verzweiflung.
      Es war jedoch einfach wundervoll, wie leicht sich der Kleinere herumschieben ließ. Richard zog ihm persönlich die Jacke von den Armen, während er ihn in Richtung Schlafzimmer drängte. Die Kälte, die sie von draußen mitgenommen hatten, verabschiedete sich langsam, auch wenn Richards Wohnung im Winter von Haus aus ziemlich kühl war. Im Schlafzimmer waren sie endgültig in der Hotelzimmer-Stimmung angekommen, abgesehen von dem Bett, das völlig zerstört aussah. Die Decke lag irgendwo zusammengeknüllt am Fußende und ein paar Kissen verstreut auf der Matratze. Wer hatte morgens überhaupt die Zeit oder Energie, sein Bett zu machen?
      Eine Lampe am Nachttisch musste als Lichtspender ausreichen, ansonsten wären sie im bläulichen Flutlicht der Deckenlampe getränkt und darauf konnte wirklich jeder verzichten.
      Richard entledigte sich des dämlichen Jacketts, das Teil seiner Uniform war und griff dann unter Cals Rücken, bevor er ihn ins Bett drückte, um ihn sanft auf der Matratze niederzulassen. Er war ziemlich leicht. Richard konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen während er ihm eine Weile den Hals entlang küsste. Dann stützte er sich wieder auf, um den Waffenholster vorsichtig auf dem Nachttisch abzulegen, den er noch immer um die Hüfte getragen hatte. Ohne dem Teil fühlte er sich beinahe nackter, als ohne dem Hemd, das er auszog, während er den Blick auf Cal in seinem Bett gerichtet hatte. "Gott, bin ich froh, dass du dir die Depressionen wegtrinken wolltest", lachte er und ließ sein Hemd auf den Boden fallen.
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    • Caleb

      Richards Wohnung war anders, als Caleb sie sich vorgestellt hatte. Er traf nicht den selben IKEA-Katalog Stil, den Ezra zu bevorzugen schien, aber es war ähnlich steril und ein bisschen lieblos. Es war wahrscheinlich eine glückliche Fügung des Schicksals, dass sie bei ihm gelandet waren - in Calebs Wohnung hätte Richard wohl direkt einen Nervenzusammenbruch erlitten. Obwohl seine Wohnung wahrscheinlich auch ihren Charme hatte, Caleb war nur mit weitaus wichtigeren Dingen beschäftigt, als dass er sich richtig umsehen würde. Zumal Richards fester Griff ihn kaum noch denken ließ.
      Er kam nicht schnell genug aus seinen Schuhen heraus und ließ sich widerstandslos von Richard mitziehen. Was sich besser anfühlte, als er zugeben wollte. Vielleicht hatte er doch nicht gelogen, als er behauptet hatte, die Verantwortung ab und an gerne abzugeben. Er nahm das Schlafzimmer nicht mal richtig wahr, als Richard ihn auf die Matratze drückte, seinen Hals entlang küsste und damit ein kleines Feuerwerk in seiner Magengegend auslöste, das nur verstärkt wurde, als Richard sein Hemd auszog.
      Caleb fiel selbst auf, dass er starrte. Aber wie sollte er das auch nicht tun? Der Mann sah aus, als würde er nur aus Muskeln bestehen, was eigentlich so überhaupt nicht sein Typ war, aber - wow. Im Gegensatz zu ihm kam sich Caleb noch schmaler vor, als er eh war, als er sich seinen Pullover über den Kopf zog und ihn achtlos zur Seite warf. Er selbst hatte sich immer als relativ unaufregend empfunden. Die geraden Narben seiner Brust OP waren mittlerweile verblasst, eine weitaus unschönere Narbe unter seinem Schlüsselbein, fiel nur noch auf, weil es sonst nicht viel zu sehen gab.
      “Ich bin froh, dass ihr nach eurem gewonnenen Fall noch feiern wolltet”, antwortete Caleb mit einem kleinen Grinsen, während er mit seinen Fingern über Richards Brust strich. Er war wirklich verdammt froh. Das hier war jetzt schon eindeutig besser, als Hawaii es je sein könnte. Caleb lehnte sich für den nächsten Kuss nach oben, während seine Finger über Richards Bauch wanderten und biss ihm neckend in die Unterlippe, als er seinen Gürtel erreichte.
      “Gibt es irgendwas, was ich vermeiden sollte?”, fragte er, während er den Gürtel mit flinken Fingern öffnete und Richards Hose runter schob. Der Effekt des Steines zerrte noch sanft am Rande seiner Aufmerksamkeit, war mittlerweile allerdings so gut wie vergessen. Ein kleiner Bonus, mehr nicht. Richard war an diesem Abend auf jeden Fall der Hauptgewinn.
    • Richard

      Es fühlte sich gut an, berührt zu werden. So umständlich One Night Stands auch sein konnten, wenn man sich von anderen Menschen meistens nur genervt fühlte, das war doch ein klarer Pluspunkt der alle negativen Aspekte überwog, die Richard einfielen. Eigentlich war das wohl auch der einzige Grund für einen One Night Stand, nicht? Jeder brauchte es ab und an, so berührt zu werden.
      Richard fielen die kaum sichtbaren Narben unter Calebs Brust ins Auge, als er sich wieder über ihn lehnte. Die mussten einige Jahre alt sein. Wenn er es nicht wüsste, wäre es ihm vermutlich nicht mal aufgefallen, anders als die an seinem Schlüsselbein. Richard wusste ein paar Dinge über die Umstände im Leben von Transgender Menschen — das war ein trauriger Automatismus, wenn man sich beruflich unweigerlich mit Hassverbrechen auseinandersetzen durfte, vor allem in einer Großstadt, aber es war ziemlich krass, was sich medizinisch alles tat. Es war nicht das erste Mal, dass er solche Narben sah, aber es war auf jeden Fall das erste Mal in dieser Situation. Ein seltsames Gefühl der Zufriedenheit stieg in Richard auf, als er den ekstatischen Ausdruck in Cals Gesicht sah. Das war der einzige Gesichtsausdruck, den er an ihm sehen wollte. Aber da ging bestimmt noch mehr. Obwohl Cal so ziemlich das Gegenteil von seinem Typ war, hatte er einen ästhetischen Körper, der irgendwie danach schrie, verschlungen zu werden. Vielleicht musste Richard nochmal überdenken, ob er sich selbst gut genug kannte.
      „Nein“, murmelte er zur Antwort. „Und ich?“ Er hatte sich wenige Gedanken gemacht, was ihn erwarten würde, weil er mit allem umgehen konnte, aber er hatte Respekt vor Caleb, nachdem er sich kaum in seine Lage hineinversetzen konnte. Es kam erst jetzt so richtig in seinem Gehirn an, dass er vielleicht einige No-Gos hatte. Richard wusste noch nichtmal, wie alt Cal war — er vermutete, dass er etwas jünger war, als er selbst. Allerdings war das immer noch alt genug, um genug Erfahrung zu haben und zu wissen, was er wollte.
      Er stand auf und wurde in einem kleinen Schub der Ungeduld seine Kleidung auf schnellerem Wege selbst los, bevor er sich darum kümmerte, Cal von seiner Hose zu befreien. Die Führung würde er erst übernehmen, wenn er wusste, wie weit er gehen durfte.
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    • Caleb

      "Es klingt bescheuert, aber - spar dir Kommentare, die dazu führen sollen, dass ich mich besser fühle mit dem was ich bin. Erstens bewirken sie meist das Gegenteil und zweitens kenne ich meinen eigenen Körper gut genug, um keine Kommentare von Außen zu brauchen." Was er auf die harte Tour hatte lernen müssen. Romantik verflog recht schnell, wenn einem ein 'du bist zwar kein Typ, aber trotzdem heiß' ins Ohr geflüstert wurde. Wenigstens hatte sein damaliger beinahe-One Night Stand den Anstand gehabt, schuldbewusst auszusehen, als Caleb gegangen war. Obwohl er seltsamerweise nicht das Gefühl hatte, dass das hier ein zu großes Problem darstellen würde. Immerhin hatte Richard sein Aussehen bisher noch nicht kommentiert, wofür Caleb überraschend dankbar war.
      "Oh - und spar dir dieses komische verträumt-über-Narben-streichen Ding. Ich weiß nicht, warum das irgendwie alle immer machen müssen." Er seufzte kurz ein wenig genervt aus, während er Richard eine Strähne aus der Stirn strich. Menschen waren einfach seltsam und ein wenig vorhersehbar. Aber zwei Regeln müssten machbar sein. Zumindest hoffte Caleb das inständig, als er seine Hüften anhob, um Richard zu helfen, ihm die Hose auszuziehen. Sie waren schon viel zu weit gekommen, als dass er den Abend abbrechen wollte und irgendetwas an Richard war einfach zu anziehend, um ihn sitzen zu lassen. Auch, wenn Caleb nicht genau wusste, was es war. Der Alkohol, wahrscheinlich.
      "Ansonsten gehöre ich heute Nacht voll und ganz dir", fuhr er fort, während er sich zurück auf die Matratze fallen ließ und Richard für den nächsten Kuss an sich zog. Es fühlte sich tatsächlich besser an, sich so zu küssen, als auf Zehenspitzen stehen zu müssen, um seine Lippen zu erreichen. "Mach das Beste draus, Richy." Auch, wenn er sich in der Hinsicht keine sonderlich großen Sorgen machte.
    • Richard

      Am Boden kniend, für alles bereit, stand Richard nur der Mund leicht offen, als Caleb ihm tatsächlich sehr unkomplizierte Anweisungen gab. Dass er es überhaupt sagen musste, war vielleicht — aus Cals Sicht betrachtet — nicht gerade das beste Zeichen, aber seltsamerweise machte es Richard ziemlich an, dass er ihm direkt sagte, was er wollte. „Okay, darf ich dir sagen, dass du heiß bist, oder geht das zu weit?“, fragte er ein wenig neckend, weil er den Gedanken definitiv nicht für sich behalten wollte, und ließ sich wieder nach oben ziehen, die Knie versetzt zwischen Calebs Beinen aufgestellt, nachdem die Hose in der nächsten Ecke gelandet war. Jedenfalls war nun ein kleines Mysterium aus dem Weg geräumt. „Ich überleg mir auch Synonyme wenn du willst, aber die Message dahinter wird sich nicht ändern“, murmelte er gegen Cals Lippen bevor er erneut seinen Hals entlang küsste, mit einer Hand über seine Brust abwärts zu seinem Bauch strich und zwischen seinen Beinen ankam.
      „Und wie ich das beste draus machen werde“, murmelte er zwischen den Küssen, die er auf Cals Oberkörper verteilte, während er endlich seine inneren Oberschenkel in Ruhe ließ und seine Finger an den richtigen Stellen spielen ließ. Er warf einen Blick nach oben und konnte doch nicht mehr widerstehen, seine Lippen zu küssen. Richard merkte selbst ein wenig, dass er sich untypisch viel Zeit mit allem ließ. Was vermutlich daran lag, dass er nicht wollte, dass die Zeit zu schnell herum war… Was er sich widerrum nicht zu erklären versuchte.
      „Du kannst mir auch ein bisschen Platz auf dem Bett machen“, schmunzelte Richard. In ein paar Minuten würde er den wohl brauchen.
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    • Caleb

      "Ich bin heiß?", fragte Caleb amüsiert zwischen zwei Küssen. Er kannte seine eigenen Fehler zu gut, um sich dieses Kompliment zu Kopf steigen zu lassen. "Du bist hier derjenige, der aussieht wie ein Model", beschwerte er sich mit einem genervten Seufzen. Ein äußerst talentiertes Model, wie sich herausstellte. Richard wusste auf jeden Fall, was er tat.
      Caleb biss sich auf die Unterlippe, um ein Aufstöhnen zu verhindern. Diesen kleinen Teilerfolg wollte er ihm noch nicht geben. Auch, wenn es wahrscheinlich furchtbar offensichtlich war, dass er die Berührungen genoss. Er griff mit einer Hand in das Laken unter ihm, während die andere kurz die Position von Richards Hand korrigierte und dann zurück in seine dunklen Haare wanderte. Calebs Hüften bewegten sich beinahe automatisch im Takt mit den Fingern seines Partners, der es nicht sonderlich eilig zu haben schien, was die ganze Sache irgendwie umso schöner machte. Aber es war wahrscheinlich immer schön, wenn der One Night Stand sich Zeit für einen nahm und man nicht mal eben zwischen Tür und Angel flachgelegt wurde, nicht? Das war nichts, was Richard irgendwie besonders machen würde. Egal, wie unglaublich fantastisch es sich anfühlte.
      Er stützte sich erneut ein wenig auf, um Richard küssen zu können. Irgendwie konnte er davon nicht genug bekommen. Vielleicht lag es daran, dass er so lange nicht mehr geküsst worden war. Es fühlte sich zumindest gut an, um sämtliche Vorsätze zu vergessen und doch sanft gegen Richards Lippen zu stöhnen. Vielleicht sollte er sich doch öfter auf Helden einlassen.
      Richards Vorschlag begegnete Caleb mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem herausforderndem Lächeln auf den Lippen. Als ob er je irgendwo viel Platz einnehmen würde. "Bring mich dazu", antwortete er keck und strich mit seinen Händen über Richards Schultern, der Flirt nur leicht von dem Umstand untergraben, dass der Dunkelhaarige ihm direkt das nächste ungewollte Aufstöhnen entlockte.
    • Richard

      Ihn dazu bringen? Das war wirklich keine Herausforderung. Auch wenn es irgendwie zu schade war, seine Hand wieder wegzunehmen um sich auf der Matratze abzustützen, wo Cal gerade in Fahrt zu kommen schien.
      Richard rückte nach oben, sodass er über Calebs Oberkörper kniete. Für einen Moment setzte er sich auf und grinste auf ihn herab. „Ich muss dich zu nichts bringen, wenn ich einfach das hier machen kann“, sagte er und packte den Blonden unter den Armen um ihn mit einem Ruck hochzuziehen, nicht ganz ohne dass Cal mit den Beinen mitarbeiten musste. Das hier wurde langsam zu einem Workout. Was war Caleb, seine persönliche Langhantel? Richard musste kurz ein wenig lachen. „Du willst mich arbeiten sehen, oder?“, fragte er belustigt. Dann setzte er an, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte, bekam aber eine bessere Idee. „Weißt du, ich glaube, ausnahmsweise geb ich mir heute wirklich mehr Mühe“, flirtete er. Dass das weniger Sarkasmus und mehr die Wahrheit war, musste Caleb ja nicht wissen.
      Nachdem er jetzt nach unten hin deutlich mehr Spielraum auf dem Bett hatte, konnte Richard sich problemlos seinen Weg an Cals Körper nach unten küssen, bis er zwischen seinen Beinen einen tollen Ausblick nach oben hatte. „Ich glaube nicht, dass ich dir das sagen muss, aber halte dich mit den Anweisungen nicht zurück“, sagte er schmunzelnd. Für einen One Night Stand war er heute recht großzügig was das Vorspiel anging, da wäre es gut, wenn er zumindest wusste, was zielführend war und was nicht. Sie hatten schließlich keine zehn Jahre Zeit um sich kennenzulernen. Allerdings hatte er selbst auch etwas davon, wenn er ehrlich war. Zumindest hatte der kleine Vorgeschmack von Cals Stöhnen vorhin Lust auf mehr davon gemacht. Verdammt, für diese kurze Zeitspanne war Richard eindeutig zu angetan von Caleb. Das wurde ihm spätestens in ein paar Minuten klar, als er von exakt null Berührung fast steinhart war.
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    • Caleb

      "Jetzt will ich die ganzen Muskeln auch in Aktion sehen", antwortete Caleb schlicht, während er dabei half, ein wenig auf dem Bett hoch zu rutschen. Richard konnte ihm nicht erzählen, dass er sich diesen Körper antrainiert hatte, um damit nicht wenigstens ein bisschen anzugeben. Vor allem, wenn das so wunderbar bei ihm funktionierte. Caleb hatte nie etwas für durchtrainierte Typen übrig gehabt. Sie waren ihm immer zu hart vorgekommen, nicht soft genug, um sich ankuscheln zu können, aber Richards Muskeln unter seinen Fingerspitzen arbeiten zu fühlen war ein verdammt heißes Gefühl. Und wenn er so genau darüber nachdachte, war er sowieso nie der Typ Mensch gewesen, der sich an andere ankuschelte.
      Caleb blinzelte kurz irritiert, als Richard davon sprach sich mehr Mühe geben zu wollen, bis er zwei Küsse auf seine Haut später realisierte, was er vorhatte. Er hatte wirklich einen absoluten Glücksgriff gelandet, mhm? Mit Anweisungen konnte er zumindest dienen, wenn man ihn so zuckersüß darum bat.
      "Finger, Zunge, oder beides - womit du dich auch immer am sichersten fühlst. Gefühlvoll, außer du willst, dass ich komme, bevor du die Chance dazu hast, bei dem ganzen Spaß mitzumachen." Er zwinkerte Richard kurz zu. Es fühlte sich ein wenig seltsam an, das alles so geradeheraus zu sagen, aber im Grunde machte es die ganze Angelegenheit auch um einiges einfacher. Richard schien langsam erschreckend gut darin zu werden, ihn zu überraschen. Zumindest hatte er nicht mit so einer überraschend guten Kommunikation gerechnet, als sie sich vor der Bar geküsst hatten. Vielleicht lag es daran, dass sie zwei Pragmatiker waren, die keine Geduld mehr hatten, um den heißen Brei herum zu reden.
      "Bis jetzt machst du einen fantastischen Job, Richy", fügte Caleb noch hinzu, zum einen, weil es einfach die Wahrheit war, zum anderen in der Hoffnung, dass die besagten Mühen im Laufe des Abends nicht nachlassen würden. Er winkelte eines seiner Beine zur Seite an, während er das andere über Richards Schulter drapierte, um ihm etwas mehr Spielraum zu geben, vollkommen darauf vorbereitet, in ein paar Minuten das Denken vollkommen einzustellen und einfach nur noch zu genießen.
    • Richard

      Das war ziemlich eindeutig. Richard konnte heute ja garnichts falsch machen, wenn er weiter Schritt für Schritt Anleitungen vorgelegt bekam. Konnte das Leben nicht immer so verdammt einfach sein?
      Es war fast zu einfach, obwohl er erst ein wenig herumprobieren musste, bevor er fand, was am besten funktionierte. Caleb hatte nicht gelogen, als er angekündigt hatte, dass er auch ohne ihn kommen würde. Aber das würde es nicht spielen. Auch wenn es Richard fast etwas leid tat, aufzuhören, als es spannend wurde, besonders wenn seine Arbeit so wertgeschätzt wurde. Allerdings würde er das Gestöhne deutlich lieber an seinem Ohr haben.
      Er beugte sich über Cal und zog eine Schublade des Nachtkästchens auf, um nach einem Kondom und Gleitgel zu wühlen. Ein paar Sekunden später durfte er endlich mitmachen. Er stützte sich auf einem Unterarm ab und seine andere Hand adjustierte, während er in Caleb eindrang. Ein fast schon erleichterndes Gefühl. Er seufzte in Erlösung und ließ die andere Hand zurück an Cals Oberschenkel gleiten, während er sich in ein paar Küsse hineinfallen ließ. Der Abend hatte definitiv eine interessante Wendung genommen und ausnahmsweise hatte eine gewisse Person mal nichts in seinem Kopf verloren. Es war nicht schwer, sich auf Caleb zu konzentrieren. Irgendeinen anderen Gedanken zu formen war die wahre Herausforderung. Vielleicht ließ er sich auch ein wenig zu sehr gehen, als er sich einen Moment zurückzog, um Cal mehr oder weniger auf den Bauch zu drehen, um ihn von hinten zu nehmen. Aber alleine die Vorstellung, ihn in die Matratze zu drücken, hatte ein wenig die Kontrolle über Richards Verstand übernommen, bis er die Idee umgesetzt hatte. Seine Atmung wurde zunehmend tiefer und in seinem Körper stieg eine angenehme Wärme auf. So konnte man sich den Winter auch erträglich machen.
      Er ließ sich etwas tiefer über Caleb sinken und verteilte Küsse in seinem Nacken. Der Anblick war genauso gut, wie er es sich gedacht hatte.
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