The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Ezra hatte zeitgleich das Gefühl, dass er die Frage nie und viel früher hätte stellen sollen. Wie wäre ihre Beziehung zueinander gelaufen, wenn sie sich früher irgendwie ausgesprochen hätten? Sicher hatte immer irgendeine Art von Freundschaft zwischen ihnen existiert, aber was wäre gewesen, wenn sie die Mittwoche schon vor Jahren fallen gelassen hätten und stattdessen eine vollkommen normale Freundschaft aufgebaut hätten? Wären sie dann trotzdem hier gelandet? Ezra wollte gar nicht zu sehr darüber nachdenken. "Danke für das Vertrauen", antwortete er schließlich mit einem Lachen, dass hoffentlich mehr amüsiert als panisch klang. "Ich fürchte nur, dass wir keine Zeit für eine weitere Runde haben." Eigentlich hatte er keine Ahnung, wie spät es war. Er wusste nur, dass er irgendwie seine Gedanken sortieren musste und das alles nicht hilfreich war. "Weißt du was? Wahrheit. Wenn wir nach dem Einbruch auf dem Rückweg sind, darfst du mich alles fragen, was du willst." Er grinste Andrew kurz entgegen. Jetzt mussten sie nur noch erfolgreich sein.

      In letzter Zeit war entschieden zu viel in Ezras Leben schiefgelaufen und der Einbruch schien kein Mitleid mit ihm zu haben.
      Cal hatte ihnen einen Link geschickt, der sie auf die Kameras des Louvres zugreifen ließ und...ein großes Nichts zeigte. Viele der Kameras schienen ausgefallen zu sein, die wenigen, die liefen, zeigten leere Gänge. Ezra lehnte an der Wand des Louvres und schaltete durch die Kameras, während er sich einen Kopfhörer ins Ohr schob. "Irgendetwas stimmt nicht", murmelte er, während er zu Andrew hoch sah. "Wenn nur die Kameras ausgefallen wären, würde ich behaupten, dass sie Geld sparen wollen, aber keine Wachen?" Die Gänge waren tatsächlich menschenleer. Natürlich konnte sich das Wachpersonal auch in den Bereichen aufhalten, in denen die Kameras ausgefallen waren, aber es war unwahrscheinlich, dass sie keine Runden drehten, oder so.
      Ezra biss sich auf die Unterlippe, während er mit dem Saum seines Pullovers spielte. Das war alles andere, als ideal, aber...er wollte auch nicht morgen nochmal hier antanzen. Nicht, wenn er wusste, dass Nadia in der Nähe war und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis sie sich in die Arme liefen. "Ich gehe mich drinnen ein mal umschauen", entschied er schließlich. "Behalte die Kameras im Blick. Falls etwas komisch ist, gib mir bescheid." Er lächelte Andrew aufmunternd zu, bevor er ihm den Gegenpart zum Kopfhörer entgegen hielt. "Wird schon schiefgehen."
    • Andrew

      Die schwarze Kleidung, die für ihn eigentlich bloß aus einer Jeans und einer Jacke bestand, ließ seine Nervosität nicht unbedingt schrumpfen. Er fühlte sich wie ein Verbrecher. Wie das Gegenteil von dem, was er sein wollte. Schon wieder. Auf dem Weg zum Louvre hatte er sich so panisch umgesehen, dass alleine dieser Auftritt schon genügend Aufmerksamkeit auf sie gezogen haben musste, oder zumindest bildete Andrew sich das ein. Als Ezra dann noch 'irgendetwas stimmt nicht' sagte, brannten bei ihm beinahe noch die letzten Nerven durch. Seine Augen weiteten sich, als er die leeren Gänge sah, die ihn eigentlich beruhigen sollten. Aber Ezra hatte recht, das war nicht normal. Und Andrew wollte ganz bestimmt nicht, dass er dort unten nun alleine umsah. Er nahm den Kopfhörer an, während er den Mund langsam öffnete, aber kein Wort herauskam. Am liebsten hätte er sich selbst angeschrien. Das war nicht der Moment, in dem einem die Stimme wegbleiben sollte. "Pass…bitte auf dich auf", brachte er letztendlich heraus während er Ezra weiter anstarrte, als würde er ihn zum letzten Mal sehen. Und wie gerne er ihn gerade einfach umarmen wollte. Aber er hatte sich geschworen, nichts zu verkomplizieren bis sie hier fertig waren. Das musste einfach gut gehen.
      Während Ezra in das Museum einbrach, hielt Andrew seine leicht versteckte Position ein und beobachtete die Kameras auf seinem Handy. Nichts. Es war nichts zu sehen. Nur irgendwann Ezra, der sich drinnen seine Wege bahnte. "Alles klar, du kannst nach-", wollte er dem Blonden eben leise mitteilen, als er auf einmal etwas aufblitzen sah, in der Ecke einer Kamera. Andrew verstummte, runzelte die Stirn und vergrößerte das Bild, aber da war nichts mehr. "Äh… sorry, ich dachte ich hab etwas gesehen. Links ist alles frei", murmelte er. Er behielt die Kameras weiterhin starr im Blick. Er konnte schwören, etwas gesehen zu haben, doch egal wie lange er durch die Kameras schaltete, zumindest die, die intakt waren, es gab nichts zusehen außer Leere. Er versuchte Ezra mitzuteilen, welche der Kameras noch funktionierten, sodass er ihn im Blick behalten konnte, doch das klappte nicht die ganze Zeit. Diese kurzen Momenten, in denen er ihn nicht sah, ließen Andrews Herz rasen, als würde er einen Marathon laufen. Und dann blieb es auf einmal stehen. Da war sie, da, direkt im Bild. "Nadia- Ezra, Nadia", stammelte er vor sich hin. Das war es also, was im Louvre passiert war. Sie hatte wohl… die Wachen beseitigt. Verdammt.
      Andrew wartete keine Antwort von Ezra ab sondern lief ihm sofort nach.

      Nadia

      Urgh, es gab nichts Schlimmeres, als einen verdammten Save zu knacken. Ihr ganzer Körper schmerzte nach dem Auftritt heute Morgen und der Einbruch eben war bislang auch nicht ihr liebster gewesen. Scheinbar hatten die Franzosen bessere Kampfausbildungen als die Engländer. Oder sie war einfach müde von diesem dämlichen fetten Blitz-Stein. Musste Jelena ihre Überfälle so knapp hintereinander einteilen? Na schön, vielleicht war sie selbst schuld, wenn sie sich selbst zumutete, das mit links zu schaffen. Sie musste ja auch nur noch diesen Save öffnen, aber der war hartnäckig wie sonst was und sie konnte ihn nicht gerade in die Luft sprengen, dafür war hier unten zu wenig Platz und sie wollte schließlich noch zurück nachhause, ohne ungünstig aufgehalten zu werden, wenn jemand den Lärm bemerkte. Mit einem genervten Ächzen hob sie schließlich den Save hoch. Klasse, jetzt konnte sie das Teil im Ganzen nachhause schleppen. Sie hielt den Metallkasten mit beiden Armen fest, während sie sich auf den Weg zurück machte. Doch als sie um die nächste Ecke bog, traute sie ihren Augen kaum. Er…
      Wut flammte in Nadia auf. Was machte dieser Vollidiot hier?! Und wenn er da war, konnte das Arschloch, dass ihr Haus in Brand gesteckt hatte, nicht weit sein. Sie stellte den Save vor ihren Füßen auf den Boden und durchbohrte Ezra mit ihrem Blick. "Hast du eine Ahnung, was ihr alles zerstört habt?", begann sie ihn langsam anzufahren, während sie sich auf ihn zubewegte. Sie war heute von Kopf bis Fuß mit Steinen und Waffen ausgerüstet. Der Kerl entkam ihr nicht noch einmal. Oh, und wieviel Freude sie daran haben würde, dem Dunkelhaarigen den Kopf abzureißen, wenn er hier aufkreuzte.
      "Der Keller ist das einzige, das überlebt hat. Jedes verdammte Möbelstuck war ein Haufen Asche, als wir zurückkamen", fuhr sie fort und steigerte sich mit jedem Wort in ihren Frust hinein. "Oh, du kannst froh sein, dass Andrew Jelena kein Haar gekrümmt hat", knurrte sie.
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    • Ezra

      Die ganze Situation gefiel ihm mit jedem Schritt weniger. Ohne seinen Stein musste Ezra aufpassen, nicht zu viele Geräusche zu machen, denn der Rest des Museums war totenstill. Dafür nahm die Verwüstung mit jedem Schritt ein wenig mehr zu. Ezra lauschte angestrengt auf die Anweisungen, die Andrew ihm ins Ohr sprach und stockte bei dem ersten Abschnitt mit defekter Kamera. Eine Vitrine war umgestürzt und im fahlen Mondlicht hoben sich ein paar dunkle Flecken von dem hellen Mamorboden ab. Ein metallischer Geruch lag in der Luft.
      Kurz überlegte Ezra, umzudrehen, dann zog ihn irgendetwas weiter. Wenn Nadia wirklich hier war, mussten sie irgendwie dafür sorgen, den Stein vor ihr zu bekommen. Mit ein bisschen Glück war sie noch zu sehr damit beschäftigt, das Wachpersonal irgendwie aus dem Weg zu räumen, als dass sie bemerken würde, dass er sich irgendwie an ihr vorbei schlich. Dann wäre sein Weg frei und-
      Ezra erstarrte kurz, als Nadia um die Ecke bog und ihn ansah, als würde sie ihm den Save in ihren Händen am liebsten an den Kopf werfen. Er konnte nur beten, dass sie dazu nicht genug Kraft in den Armen hatte.
      "Erstens seid ihr bestimmt gut versichert und zweitens musst du zugeben, dass die meisten Möbel eh furchtbar grenzwertig waren", antwortete Ezra mit einem kritischen Blick, um irgendwie Zeit zu gewinnen, sich einen Plan zu überlegen. Oder um sie wütender zu machen. Wieso wusste er selbst nicht so richtig, aber hey - sie hatte ihn und Andrew in einen Keller gesperrt, da war ein bisschen passive Aggressivität sicher nicht fehl am Platz, oder?
      "Dafür war das Messer wirklich super", fuhr er fort, während er seine verletzte Hand hob. "Hast du davon zufälligerweise noch eins? Es sah ein bisschen so aus, als würde es zu einem Set gehören." Links neben ihm stand eine Vitrine mit einer alten Kette und ein paar Scherben, die irgendwann wohl mal eine Schüssel gewesen waren. Rechts hing ein Bild. Nutzlos also. Auf halbem Weg zwischen Nadia und ihm hing ein Feuerlöscher, welcher vielleicht zumindest etwas nützlich sein könnte. Wenn er irgendwie dran kommen würde, was sich schwierig gestalten würde. Gott, er konnte nur hoffen, dass Andrew nichts Dummes machte.
    • Nadia

      "Du weißt wohl immer noch nicht, wann du besser die Klappe hältst", zischte Nadia, während ihr bereits der Gedanke durch den Kopf ging, Ezra die Zunge abzuschneiden. Messer hatte sie zur Genüge, auch einige aus der bewunderten Sammlung. Aber sie musste realistisch bleiben. Besser, sie beendete die Sache schnell, bevor ihr Körper nicht mehr mitmachte.

      Andrew

      Die Panik, die durch seinen Körper schoss, trieb Andrew zumindest ordentlich an. Er hatte nicht wirklich eine Ahnung, wo er hinlief, da er sich ganz auf seine Erinnerung an Ezras Weg verlassen musste und er verlief sich bestimmt ein oder zwei Mal, das war ja auch ein verdammt großes Gebäude. Umso überraschter war er, als er um eine Ecke bog und plötzlich Ezra und Nadia vor sich hatte. Auf diese Gegenüberstellung war er eigentich gar nicht vorbereitet gewesen. Er war bloß los gestürmt, ohne einen richtigen Plan. Ezra war unverletzt aber das war nicht der richtige Moment, um erleichtert zu sein.
      "Ah, gesellst du dich endlich dazu?", kam es von Nadia, die gerade auf Ezra zulief, der nur einige Schritte vor Andrew stand. "Wir reden über meine Messer Sammlung, hast du etwas beizutragen?", fragte sie, erwartete aber offensichtlich keine Antwort, da sie auf einmal ihren Gang beschleunigte und ihr Blick sich verfinsterte, den sie zielsicher auf Ezra gerichtet hatte.

      Nadia

      Nadias Konzentration ließ zu wünschen übrig. Sie brauchte etwas länger, als gedacht, um die Kräfte einer ihrer Steine zu entfachen, doch eine Nasenlänge von dem Blonden entfernt, klappte es doch noch. Langsam spürte sie, wie ihr Körper sich in eine dunkle Rauchwolke hüllte. Sie schlug Ezra in die Magengrube und fing ihn auf, bevor er zuboden gehen konnte, nur um sein Genick zu umfassen. Dann begann sich aus der Rauchwolke eine Art Faden zu bilden, die sich in den Mund den Mannes drängte und seine Lugen mit Rauch füllen würde.
      "Das ist meine Rache", keuchte sie.

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      Andrew

      Der Anblick, den Andrew ertragen musste, war Material für Alpträume. Nadia sah aus wie eine Art Dämon, die Ezra in den Tod zog. Planlos und impulsiv nutzte er die Kraft des Steines, den er vermutlich noch immer kaum unter Kontrolle hatte. Er konnte hier zumindest nicht allzu viel in Brand stecken, da der Keller nicht unbedingt brandanfällig war, doch plötzlich war er überrascht, als er es schaffte, die Flammen auf seine Handflächen zu konzentrieren und nicht direkt seinen Oberkörper in Brand zu stecken. Er hatte keine Zeit, sich über diese Errungenschaft zu freuen, sondern lief den beiden entgegen und versuchte Nadia von Ezra wegzuzerren, während seine Hände sich in ihren Körper brannten. Sie schrie kurz auf und versuchte sich zu wehren, doch Andrew bemerkte, wie ihr die Kraft für ruckartige Bewegungen fehlte. Sie wirkte panisch, aber schwach. Und Andrew ertrug es kaum, zu sehen, wie er ihr Schmerzen zufügte. Sobald er sie weit genug von Ezra gezogen hatte und der Rauch sich endlich verflüchtigte, ließ er sie los. Er warf Ezra einen ängstlichen Blick zu, konnte aber nicht riskieren, Nadia noch einmal die Chance zu geben, anzugreifen. Also drückte er sie zuboden. Sie starrte ihm mit einem derartigen Zorn entgegen, dass sein Mitleid sich fast verflüchtigte, vor allem nachdem er sich nicht zu Ezra umdrehen konnte, um zu sehen, ob er okay war. Wenn ihm irgendetwas passierte…
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    • Ezra

      Alles geschah irgendwie gleichzeitig und viel zu schnell.
      Aus dem Augenwinkel heraus konnte Ezra sehen, wie Andrew in den Gang einbog. Er wollte ihn vorwarnen, kam aber nicht mehr dazu, weil Nadia ihm ziemlich effektiv in den Magen schlug und somit sämtliche Luft aus seinen Lungen quetschte, nur, um sie durch Rauch zu ersetzen. Panik breitete sich in Ezra aus, während er verzweifelt versuchte, irgendwie Luft zu bekommen. Er versuchte, Nadia irgendwie zu fassen zu bekommen, um sie von sich herunter zu schieben, griff allerdings nur ins Leere. Sein Kopf fühlte sich vollkommen leer an. Für eine furchtbare Sekunde war er vollkommen davon überzeugt, dass das sein Ende sein würde, als Andrew es schaffte, Nadia von ihm zu schieben.
      Das Gefühl, als der Rauch aus seinen Lungen gezogen wurde, war schwer zu beschreiben und wirklich nichts, was Ezra unbedingt nochmal erleben wollte. Er würgte hustend, während er sich zur Seite drehte und nach Luft schnappte. Fuck. Sie brauchten unbedingt einen Plan. Andrew schien die Lage zwar gerade einigermaßen im Griff zu haben, aber wie lange noch? Nadia war niemand, den man unterschätzen sollte.
      Ezra blinzelte sich die Tränen aus den Augen, während er sich panisch in dem Gang umsah. Sein Blick blieb erneut an dem Feuerlöscher hängen, der ihm allerdings nur bedingt weiterhelfen würde. Er hatte zumindest noch nicht das Verlangen, Nadia den Schädel einzuschlagen. Aber irgendwas musste er tun. Gott, warum konnten diese Psycho-Tussies nicht einfach irgendwo hin auswandern, wo sie ungestört heiraten konnten, ohne dabei sinnlos zu töten?
      Ein leises Stöhnen aus dem Nebengang zog Ezras Aufmerksamkeit auf sich. Er rappelte sich auf und trokelte dem Geräusch kurzentschlossen entgegen. Andrew würde zwei Sekunden aushalten und vielleicht konnte er irgendwas finden, was ihnen helfen würde.
      Das Stöhnen kam von einem jungen Wächter, der auf dem Boden zusammengerollt lag und sich den Kopf hielt. Aus einer Platzwunde an der Seite tropfte Blut auf den Boden. Der junge Mann nuschelte irgendetwas auf französisch, während er eindringlich auf einen Fleck auf der Wand deutete. Das Alarmsystem. Ezra zögerte kurz. Sie würden jede Möglichkeit verlieren, den Stein zu stehlen. Dafür würden sie wenigstens diese Nach überleben. Er schlug die dünne Scheibe ein, die den Knopf schützte und drückte ihn.
      Die Sirene heulte los, noch ehe der Wächter seinen Arm wieder runternehmen konnte. Eine Bandansage begann in mehreren Sprachen durch die Lautsprecher zu spielen und wies etwaige Besucher darauf hin, nicht in Panik zu geraten, was im Realfall wahrscheinlich so ziemlich den gegenteiligen Effekt erzielen würde. Aber Ezra hatte nicht genug Zeit, sich mit diesem Gedanken auseinander zu setzen. Er warf dem nun wieder wimmernden Wächter einen kurzen Blick zu, bevor er wieder zurück zu Andrew lief, in der Hoffnung, dass Nadia sich in der Zeit nicht irgendwie befreit hatte, oder, schlimmer noch, Andrew verletzt war.
    • Nadia

      Nach ein paar Sekunden konnte sie es nicht mehr unterdrücken, loszuschreien, auch wenn dies im plötzlichen Alarm fast unterging. Sie spürte, wie ihr das Fleisch von den Armen brannte und war sich sicher, dass Andrew's Hände bald auf Knochen treffen würden, auch wenn er nun seltsamerweise lockerer ließ. Irgendetwas musste sie tun, aber sie konnte sich kaum auf etwas anderes konzentrieren, als den gleißenden Schmerz, wo sie zu Boden gedrückt wurde. Aber sterben konnte sie hier auch nicht. Sie kam an keines ihrer Messer heran, also biss sie die Zähne zusammen und kickte mit den Beinen nach oben, und auch, wenn sie kaum Kraft hatte und sie durch Tränen hindurch nichts sehen konnte, spürte sie, wie der Dunkelhaarige kurz zusammensackte und dachte für eine Sekunde, dass dies ihre Chance war, zu entkommen, aber auf einmal wurde das Gewicht auf ihr leichter, bis es weg war, und sie merkte, dass sie sich kaum aus eigener Kraft aufstützen konnte. Nicht ohnmächtig zu werden kostete sie bereits all ihre Energie. Also lag sie nur da, keuchend, auf dem Boden. Und im nächsten Moment drehte sie irgendjemand auf den Rücken und legte ihr Handschellen an. Sie schrie gequält in der Bewegung, als ihr wunder Oberarm auf den Steinboden drückte. Dann entfernte sich der Boden auf einmal. Jemand hob sie auf.

      Andrew

      Irgendjemand zog Andrew, nur wenige Momente nachdem der Alarm losging, langsam von Nadia herunter. Er stand auf und stolperte ein paar Schritte zur Seite. Endlich. Er konnte diesen Blick in ihren Augen nicht mehr ertragen. Dass sie eine Mörderin war, spielte für Andrew kaum eine Rolle, wenn sie solche Schmerzensschreie los ließ. Natürlich hatte er schon Menschen verletzen müssen in seinem Job, aber jemandem einen Schlag zu verpassen hatte nichts damit gemein, jemandem die Haut wegzubrutzeln. Er mochte diesen Stein immer weniger, auch wenn er sie nun zum zweiten Mal aus einer gefährlichen Lage gerettet hatte.

      Nachdem er kurz Luft holen konnte und zurück in die Realität kam, riss er den Kopf hoch. Wo war Ezra?
      Andrew schlängelte sich durch die Polizisten hindurch, die den Stein sicherten und Nadia mitnahmen, bis er den Blonden sah, wie er ihm entgegen lief. Etwas löste sich in Andrew. Die Spannung der letzten Minuten ließ so plötzlich nach, dass er fast umkippte. Stattdessen fiel er Ezra in den Arm. In der Umarmung tastete er verzweifelt dessen Kopf und Rücken ab, als wolle er feststellen, ob noch alles an ihm dran war. Erst, als er diese Gewissheit hatte, drückte er den Blonden fest an sich und konnte langsam seine Panik loslassen.
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    • Ezra

      Hilfe kam schneller, als gedacht. Ezra wusste nicht, ob einer der verletzten Wächter vielleicht schon vor dem Alarm um Verstärkung gebeten hatte. Insgesamt war es auch vollkommen egal, Hauptsache, sie hatten jemanden, der sich um Nadia kümmerte.
      Ezra hielt für eine Sekunde inne, um einen der Polizisten in die Richtung des verletzen Wächter zu lenken - ziemlich unkoordiniert, da der Polizist offenbar nicht sonderlich gut englisch sprach, während Ezra kein Wort französisch verstand - dann setzte er seinen Weg zu Andrew fort, ein bisschen panischer mit jedem Schritt. Er hätte gehört, wenn Andrew was passiert wäre, oder? Es musste ihm gut gehen!
      Ezra schob sich durch die Polizisten, die entweder zu beschäftigt, oder zu verwirrt waren, um sich groß um ihn zu kümmern und atmete auf, als er Andrew sah. Eine Sekunde später hielt er ihn schon im Arm, während sämtliche Sorge von ihm abfiel.
      “Andrew, lass mich atmen, Darling”, merkte Ezra mit einem kleinen, heiseren Lachen an, als die Umarmung ein wenig zu eng wurde. Auch, wenn er grundsätzlich nichts dagegen hatte, aber sein Brustkorb fühlte sich immer noch so an, als ob Nadia ihn in ein Akkordeon verwandelt hätte. Da konnte auch die wundervollste Umarmung, die er je bekommen hatte, nichts dran ändern. Er brachte ein klein bisschen Abstand zwischen sich und Andrew, ohne die Umarmung zu beenden - dazu war er mental gerade nicht in der Lage - und sah sein Gegenüber besorgt an. “Geht es dir gut?” Er hatte ihn gerettet. Schon wieder. Am liebsten würde Ezra Andrew küssen, aber er hielt sich zurück. Was auf jeden Fall eine gute Entscheidung gewesen war, weil sich kurz darauf jemand neben ihnen räusperte.
      "Entschuldigung", meldete sich ein Polizist, der etwas betreten zwischen ihnen hin und her sah. Ezra ließ Andrew schweren Herzens los und nickte dem Polizisten kurz zu um zu signalisieren, dass er ihm zuhörte. Der Polizist blinzelte kurz, offenbar eher mit dem Englisch, als der Situation überfordert. "Wir möchten Ihnen, äh, Danken für Ihre, äh, Hilfe", stotterte er.
      Ezra zwang sich, einfach stur weiterzulächeln in der Hoffnung, dass man ihnen nicht anmerkte, dass die Hilfe nicht ganz freiwillig gewesen war. Immerhin waren sie eigentlich nur hier, um den Stein selbst zu stehlen. Nadia war nicht eingeplant gewesen.
      "Wir müssen Sie trotzdem bitten, mit ins, äh, Presidium zu kommen. Zeugenbericht", stammelte der Polizist weiter, sichtlich erleichtert darüber, dass er den Sprach-Teil nun hinter sich hatte.
      "Natürlich", stimmte Ezra mit einem weiteren Nicken zu, bevor er Andrew einen Blick zuwarf, der hoffentlich irgendetwas in Richtung 'Hey, die Situation ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen, aber wir spielen einfach mit' signalisierte. Er konnte nur hoffen, dass Andrew mit dem ganzen Polizei-Ablauf weitaus mehr vertraut war, als er selbst und ungefähr wusste, was er sagen musste.
      Der Polizist führte sie nach draußen, zu einem Polizeiwagen, von dem er ihnen die Tür aufhielt und ihnen andeutete, einzusteigen, während Ezra das Gefühl hatte, dass er immer noch nicht ganz verstanden hatte, was gerade passiert war.
      "Du hast es geschafft, den Stein besser zu kontrollieren", sagte er schließlich mit einem bewundernden Blick in Andrews Richtung. "Das ist wirklich gut! Ich frage mich, was wir noch alles damit anstellen können."
    • Andrew

      Andrew musste sich ein paar Tränen verkneifen. Als er gesehen hatte, wie Nadia Ezra mit ihrer Rauchwolke eingehüllt hatte, dachte er kurz, dass es das war. Schon wieder. Ab jetzt ließ er Ezra definitiv keine 5 Sekunden mehr aus den Augen. "Entschuldige", murmelte er und ließ etwas lockerer, denn er wollte nicht selbst dafür verantwortlich sein, dass der Blonde heute doch noch erstickte. Dann nickte er, als er fragte, ob es ihm gut ging. Tatsächlich war er mehr verstört als sonst etwas. Die Nähe zu Ezra machte das gerade ein wenig besser. Den Polizisten, der sie daraufhin auseinander zwang, verfluchte er daher innerlich nur. Andrew sprach kein Wort Französisch, also konnten sie bloß hoffen, dass auf der Wache irgendjemand vernünftig Englisch sprach, sonst würde diese Zeugenaussage ewig dauern. Als sie einem Polizist aus dem Louvre folgten, hielt Andrew einen Arm um Ezra. Jetzt war ihm alles egal, Ezra konnte denken, was er wollte. Was ihn jedoch leicht unruhig machte, waren die Menschen mit Kameras, die draußen auf sie warteten. Sie hielten nicht an, sondern stiegen direkt ins Auto. Dennoch warf Andrew einen skeptischen Blick zurück.

      Dass Ezra seine Begeisterung über den Stein äußerte, als sie im Auto saßen, ließ Andrew nur schlucken. So toll hatte er das alles nicht wirklich gefunden. Er konnte sich nicht vorstellen, wie Nadia damit leben konnte, so viele Menschen auf dem Gewissen zu haben. Früher oder später musste das ja etwas mit der Psyche anstellen. Und sie war definitiv nicht ganz okay im Kopf. Trotzdem war es Andrew zuwider, ihr beim Leiden zuzusehen. Ihre Schreie hallten noch immer in seinem Kopf wider.
      "Ich hoffe, ich muss ihn nie wieder gegen jemanden einsetzen", gab er leise zu und ließ den Kopf gegen die Lehne fallen. Wenn er eines Tages jemanden umbringen müsste, würde er nie wieder mit sich ins Reine kommen. Und irgendwie schien diese Wahrscheinlichkeit immer realer, je länger sie in diesem Netz aus Verbrechen gefangen waren.
      Langsam griff Andrew nach Ezras Hand auf dem Mittelsitz. Er wollte keine Distanz mehr zwischen ihnen spüren. Die Panik, die das eben ausgelöst hatte, klang noch immer nach.

      Die Zeugenbefragung verlief relativ schnell, nachdem den Polizisten die Sprachbarriere offenbar zu anstrengend wurde. Andrew hatte keine Ahnung, was von seiner Erklärung letztendlich verstanden und aufgenommen worden war, aber nachdem sie aus einer einzigen Lüge bestand, war es ihm relativ egal. Das Gute war, dass man sie nicht festhielt. Sie durften gehen. Offenbar stufte man sie als so etwas wie außerordentlich mutige Zivilisten ein, die einen Diebstahl mitbekommen und ihn aufzuhalten versucht hatten. Naja, besser als die Wahrheit. So waren sie recht schnell wieder aus dem Präsidium draußen, standen dann jedoch mitten in Paris und waren sich selbst überlassen. Was jetzt? Sollten sie sich ein Taxi rufen? Jedenfalls mussten sie irgendwie zurück ins Hotel. Gerade als Andrew einige geparkte Taxis auffielen, entdeckte er im Augenwinkel noch etwas anderes. Etwas großes, leuchtendes. Da kam ihm eine Idee. Er war zwar müde und verwirrt und brauchte Schlaf… Aber er war gerade Nachts alleine mit Ezra in Paris. Und sie lebten noch. Wer wusste schon, wie lange?
      Er blieb stehen, bevor sie die Taxis erreichten und sah Ezra an. "Warte. Ich wollte… doch noch zum Eiffelturm", sagte er zögerlich. Das musste wie ein ziemlich dämlicher Vorschlag klingen und bestimmt war der Blonde genauso erledigt, wie er selbst. Aber sie waren so nah dran. Sie mussten bloß durch den Park gehen und waren direkt da. Besser ging es kaum.
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    • Ezra

      Sie hatten wirklich mehr Glück, als Verstand. Die Polizei schien vollkommen überzeugt davon, dass sie nur helfen wollten, offensichtlich unwillig, jede andere Möglichkeit auch nur annäherungsweise in Betracht zu ziehen. Ezra fühlte sich fast ein wenig wie in einem schlechten Film, während sie einfach genau das sagten, was die Polizei von ihnen hören wollte. Ja, natürlich waren sie besorgte Zivilisten, die die Schreie vom Einbruch gehört hatten und nachsehen wollten, ob sie helfen konnten. Natürlich waren sie nur zufällig in der Gegend gewesen. Natürlich hatten sie Nadia zuvor noch nie gesehen. Es war fast zu einfach, aber so vollkommen überfordert, wie Ezra war, nahm er die Gelegenheit einfach als kleinen Wink des Universums auf.
      Die Befragung war deutlich kürzer, als er gedacht hätte. Bevor sie die Chance hatten, sich in ihre Lüge zu verstricken, standen sie auch schon wieder draußen, in der frischen Nachtluft Paris'. Oder war es mittlerweile früher morgen? Ezra hatte jegliches Zeitgefühl verloren, meinte aber die ersten roten Streifen am Himmel zu sehen, während sie in die Richtung der nächsten Taxen gingen, bis Andrew plötzlich anhielt.
      Ezra blinzelte kurz irritiert, bevor sein Blick zu dem Eifelturm wanderte, der unweit von ihnen stand. Warum nicht? Der Abend war dermaßen verrückt, dass es auf einen kurzen Abstecher zum unkonventionellen Sightseeing jetzt auch nicht mehr ankam, oder? So aufgedreht, wie er gerade war, schien Schlaf ihm eh vollkommen unmöglich.
      "Klar. Wenn wir eh gerade hier sind", antwortete er mit einem Schulterzucken, bevor er nach Andrews Hand griff. Andrew hatte ihn eben nicht los gelassen, also...war das irgendwie okay, nicht? Zumindest fühlte es sich einfach unglaublich sicher an, in Andrews Nähe zu sein und darauf wollte Ezra gerade nicht verzichten.
      "Ich kann immer noch nicht ganz glauben, dass wir noch leben", kommentierte der Blonde, während sie durch den Park gingen. "Und offensichtlich Volkshelden sind. Ich meine, es ist ein netter Titel, aber wir müssen wirklich drauf hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, die ganze Geschichte irgendwann mal zu hinterfragen." Immerhin gab es tausende andere Möglichkeiten, warum sie Nachts dort gewesen sein könnten. Außerdem musste sich Ezra irgendwie überlegen, was er seinen Geschwistern erzählen würde. "Ich hoffe wirklich, dass Nadia jetzt erst mal kein Problem mehr darstellt."
    • Andrew

      Ein Kribbeln durchfuhr Andrews Hand und wanderte durch seinen Arm bis in seine Brust. Okay. Gut. Händchenhalten wurde nun normalisiert. Ein Schritt nach dem anderen, richtig? Wobei durch Andrews Kopf gerade tausende Gedanken rasten, weil er eher das Gefühl hatte, schon einige Schritte weiter sein zu müssen, nach all den Jahren, und sich dennoch ganz am Anfang positioniert fühlte.
      "Ich weiß nicht, ob du die Kameras gesehen hast, aber… das Ganze könnte sich vielleicht herumsprechen, wenn die Franzosen stolz genug auf uns sind", murmelte er und schmunzelte. Dass sie im Fernsehen landeten, hoffte er zwar nicht, aber bei ihrem Glück…
      So normal Andrew auch versuchte, sich zu unterhalten, spürte er beinahe, wie ihm das Adrenalin durch die Adern schoss, denn eigentlich ging ihm etwas ganz anderes durch den Kopf, je näher sie dem Eiffelturm kamen.
      "Ich denke, sie hat mittlerweile wahrscheinlich genauso wenig Lust auf uns, wie wir auf sie", meinte Andrew. Zumindest hoffte er das von ganzem Herzen. Irgendwann war es doch auch mal genug, oder?
      Sie waren fast da, die knirschenden Kieselsteine des schmalen Wegs wurden wieder von Asphalt abgelöst und bloß ein paar Meter weiter und sie konnten direkt unter dem Turm stehen, wenn sie das wollten. Die Springbrunnen im Park waren Nachts offenbar aus, aber trotzdem glitzerten die Lichter des Eiffelturms auf dem angelegten Teich. Es war romantisch. Andrew seufzte, lauter als gewollt. Er hatte nun so lange darauf gewartet, ehrlich mit Ezra zu sein und trotzdem fühlte es sich nicht wie der richtige Moment an, weil er eben einfach so lange darauf gewartet hatte. Auch, wenn ein Großteil dieser Zeitspanne unbeabsichtigt gewesen war. Doch gemessen daran, wie natürlich es sich anfühlte, Hand in Hand mit dem Blonden durch einen Park zu spazieren, in dem sie nebenbei bemerkt völlig alleine waren, blieb ihm wirklich nichts anderes mehr übrig, als es einfach auszusprechen. Auf einmal war es jedoch so still, dass es ihm schwer fiel, das Schweigen zu brechen.
      "Wir haben unser Spiel noch nicht beendet oder?", murmelte er und schielte kurz zu Ezra hinunter, bevor er den Blick wieder geradeaus auf das Lichterspektakel richtete. "Du schuldest mir noch eine Wahrheit", fügte er hinzu, damit er sich auch ja nicht mehr umentschied und doch Pflicht wählte, auch wenn sich das hier total anbieten würde, weil Andrew tausend gute Aufgaben in den Kopf schossen. Aber darum ging es jetzt nicht.
      "Also… in Russland meintest du, dass du… auf mich standest, als wir jünger waren. Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, hast du sogar gesagt" Was Andrew zum Lächeln brachte, weil er das weiterhin nicht ganz verstehen konnte, denn er hatte damals wirklich nicht seinen besten Auftritt hingelegt. Aber das Flirten war dennoch wirklich an Tag Eins losgegangen.
      "Und ich, äh, ich will dir nichts unterstellen, also… wie sieht es jetzt aus?" Er hatte sich vermutlich nicht eingebildet, dass Ezra diese Gefühle nie ganz verloren hatte, aber wenn doch, dann war jetzt der Moment, es herauszufinden und sich selbst für den Rest seines Lebens zu hassen, weil er absolut keine Menschenkenntnis besaß.
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    • Ezra

      Ezra hoffte beinahe, dass die Franzosen nicht stolz genug waren. Er hatte nie im Rampenlicht stehen wollen und schon gar nicht für einen misslungenen Einbruch. Mit etwas Glück würden sie es einfach so unter den Teppich kehren, wie den gestohlenen Stein in London, aber bei den ganzen Kameras wäre es unwahrscheinlich, dass das Thema einfach so totgeschwiegen wurde.
      Aber damit würden sie sich irgendwann anders auseinandersetzen müssen. Momentan war der Park und der Eifelturm viel interessanter. Es war hübsch. Nicht ganz so, wie Ezra es sich immer vorgestellt hatte, aber gerade war er einfach nur froh, überhaupt noch zu leben und hier mit Andrew zusammen zu stehen. Zumindest bist dieser wieder auf ihr Spiel zu sprechen kam. Ezra wollte gerade mit einem ironischen Kommentar antworten, als Andrews Frage ihm komplett die Sprache verschlug. Irgendwie hatte er gehofft, dass Andrew diese kleine Beichte über seine Gefühle einfach vergessen und nie wieder ansprechen würde. Gut, vielleicht war er selbst an der Frage nicht ganz unschuldig.
      "Oh. Äh." Ezra zog seine Hand zurück, während er fühlen konnte, wie sich seine Wangen rot färbten. Er hatte keine Ahnung, wie er auf die Frage antworten sollte. "Ich, ähm." Es hatte sich schon so vieles zwischen ihnen verändert und wenn er jetzt ehrlich war, würde es wahrscheinlich kein Zurück mehr geben. "Also...Das Gaze war irgendwie immer so eine On-Off Sache für mich und...in den letzten Wochen ist echt viel passiert, ich meine, wir sind zwei mal fast gestorben und-" Er zuckte ein wenig unbeholfen mit den Schultern. Sie hatten so unglaublich viel durchgemacht und Andrew war trotzdem noch hier. Was hatte er eigentlich noch zu verlieren? "Ich- Ich glaube, es ist jetzt wieder mehr auf der On Seite?" Was eine grenzenlose Untertreibung war. Er war noch nie so sehr in Andrew verknallt, wie jetzt gerade, auch, wenn es anders war, als die Jahre zuvor. Weniger die Idee von Andrew und mehr Andrew als tatsächliche Person, was diese ganzen Gefühle nur noch mehr durcheinander brachte.
      "Ändert das irgendwas zwischen uns?", fragte Ezra schließlich vorsichtig, während er sich kaum traute, in Andrews Richtung zu sehen.
    • Andrew

      Er wandte den Blick aufmerksam zu Ezra, als dieser seine Hand losließ. Natürlich war ihm das unangenehm. Damit hatte Andrew auch gerechnet. Nach dem ganzen Gestreite, das um die Missverständnisse herum losgebrochen war… Aber er wollte das jetzt schließlich klären, also würde er Ezra einfach mal… ausreden lassen. Auch wenn es ihn vielleicht verunsicherte. Naja, es verunsicherte ihn ganz offensichtlich, wenn Andrew sich so den Ausdruck in seinem Gesicht ansah.
      Als er fertig gesprochen hatte, musste Andrew sich erstmal innerlich abreagieren, bevor er etwas sagte. Ihm war bis gerade eben wohl nicht bewusst gewesen, wie sehr er das von Ezra hören wollte. Auch wenn er insgeheim wissen wollte, was die Off-Phasen ausgelöst hatte. Er holte tief Luft und versuchte sein Stimme möglichst ruhig zu halten, während er langsam weiter einen Fuß vor den anderen setzte.
      "Äh… ja, das… ändert etwas. Zumindest, wenn du das willst", sagte er und schwieg kurz, bevor er dann letztendlich doch stehen blieb.
      "Ich meine, wenn absehbar ist, dass diese… On Phase… noch länger anhält", sprach er weiter und lacht dann kurz leise, weil es doch irgendwie verrückt klang und er wirklich hoffte, dass Ezra bloß ein bisschen untertreiben wollte, um sein Ego zu wahren.
      "Dann äh… sollten wir… vielleicht…" Er machte ein paar Schritte auf ihn zu. "…der Sache mal eine reale Chance geben? Ohne Beinahe-Tod und Polizisten, die mich von dir fern halten", murmelte er. Er sah schräg nach unten, nahm langsam Ezras Hand und verschränkte ihre Finger. Dann sah er ihm wieder in die Augen. "Außer du hast was einzuwenden, aber… ich glaube, du wirst mich nicht mehr so schnell los", flüsterte er.
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    • Ezra

      Warte. Was?
      Das war definitiv nicht das, was Ezra von diesem Gespräch erwartet hatte. War er vielleicht doch gestorben und hatte es nicht mitbekommen? War er in einem seiner hilflos kitschigen Büchern gelandet? War das eine verspätete Halluzination von dem Schmerzmittel, das er heute morgen genommen hatte? Hatte er Andrews Ablehnung in den letzten Tagen wirklich dermaßen fehlinterpretiert? Eigentlich schien ihm das vollkommen unmöglich.
      Ein wenig hilflos und insgesamt vollkommen überfordert, öffnete Ezra kurz den Mund und schloss ihn dann wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Wie sollte man auch irgendwie annähernd in Worte fassen können, was er gerade fühlte? Er hatte sich diesen Moment jahrelang in unterschiedlichen Weisen vorgestellt und jetzt kam keine davon an die Realität heran, die vor ihm ablief. Es war perfekt, irgendwie, wenn auch vollkommen surreal.
      "J-ja", hauchte er schließlich. "Eine Chance klingt wundervoll." Er konnte fühlen, wie sich irgendetwas in ihm löste, während er unweigerlich anfangen musste vor Erleichterung zu lachen. Erneut zog er seine Hand zurück, diesmal allerdings nur um Andrew zum zweiten Mal in dieser Nacht in die Arme zu fallen, während sein Kopf langsam zu verstehen begann, dass das hier echt war. Eine Chance. Dates. Vielleicht eine richtige Beziehung. Alles, was für ihn immer unerreichbar gewirkt hatte rückte plötzlich deutlich in den Bereich des Möglichen. Immer noch lachend drückte er Andrew an sich, bevor er einen kleinen Kuss auf seine Wange hauchte. "Hab ich dir heute schon gesagt, wie absolut wundervoll du bist?" Am liebsten würde er jede einzelne Sommersprosse auf seiner Wange küssen, aber dafür war es momentan auf jeden Fall noch zu früh.
      "Bist du dir auch wirklich sicher? Das ist keine...Traumareaktion, oder so was?", fragte er schließlich amüsiert. Sein eigener Kopf fühlte sich wundervoll leicht an.
    • Andrew

      Er war von Ezras Reaktion ein wenig überrascht, musste jedoch mit gerunzelter Stirn leicht mitlachen. Offensichtlich waren sie heute Nacht beide nicht mehr ganz dicht. Aber zumindest konnte Andrew voller Überzeugung sagen, dass das hier diesmal wirklich keine Traumareaktion war, auch wenn sich diese bei ihm bekanntlich in unterschiedlichsten Formen zeigten.
      "Hast du nicht, aber du musst deshalb nicht bei einem Mal aufhören", murmelte er und wünschte sich noch einen dieser kleinen Küsse auf seiner Wange, aber da merkte er, dass er sich das eigentlich nicht wünschen musste. Er strich Ezra ein paar Haare aus dem Gesicht. Eigentlich… konnte er dem ein oder anderen Verlangen doch langsam mal nachgeben, oder? Er bildete sich die Spannung bestimmt nicht ein, die etliche Male zwischen existiert hatte. "Wenn das eine Reaktion auf irgendein Trauma ist, dann hat sich das Trauma jedenfalls gelohnt", flüsterte er, während sein Blick zwischen Ezras Augen hin und her schweifte und er plötzlich selbst kaum glauben konnte, dass irgendetwas davon real war. Daran war zum Teil wohl Schuld, dass sie gerade in Paris vor dem Eiffelturm standen und eben aus Dublin gekommen sind. Nichts hiervon konnte Andrew so ganz verarbeiten und wenn er ehrlich war, konnten die letzten Wochen genauso gut ein Traum gewesen sein. Das einzige, das ihn ein bisschen erdete, waren Ezras Arme um seinen Körper und die Tatsache, dass er so nah an seinem Gesicht war, dass er fast seinen Atem auf der Haut spüren konnte. Und das war schon eine unglaublich verminderte Distanz, um ihn jetzt nicht zu küssen… oder?
      Die Frage beantwortete er sich selbst. Kurzerhand neigte er seinen Kopf und legte seine Lippen auf Ezras. In dem Moment fühlte er sich erneut so leicht, wie vorhin, als er ihn lebendig wiedergesehen hatte oder wie in diesem verfluchten Haus, in dem Ezra beinahe in ihn hineingelaufen wäre, als er nach ihm gesucht hatte. So leicht, als wäre endlich etwas richtig in dieser verkehrten Welt. Und er schaffte es kaum, sich aus dem Kuss zu lösen. Am liebsten hätte er einfach das Atmen für immer aufgegeben, um so zu verbleiben.
      Realistisch betrachtet sollte er Ezra aber vielleicht nicht zu sehr beanspruchen, nachdem er vermutlich gerade die Lunge eines 80 Jährigen Kettenrauchers hatte. Er hob den Kopf. "Hm… daran kann ich mich gewöhnen", sagte er leise und musste ein Grinsen unterdrücken.
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    • Ezra

      Er stand Nachts am menschenleeren Eifelturm und küsste den Mann, der ihm schon seit fast einem Jahrzehnt den Kopf verdrehte. Das alles war dermaßen perfekt, dass Ezra sich sicher war, dass ihm niemand diese Story je abkaufen würde. Andrews Lippen auf seinen eigenen fühlte sich irgendwie absolut richtig an, auch, wenn Ezra der Kuss kurz überraschte. Es war fast, als hätte er plötzlich das letzte Teil für ein äußerst komplexes Puzzle gefunden, das erst jetzt irgendwie Sinn ergab. Als sie sich aus dem Kuss lösten, hatte Ezra das Gefühl, dass sein Herz dermaßen schnell und heftig gegen seine Rippen pochte, dass Andrew es durch ihre Kleidung hindurch fühlen müsste.
      "Du kannst mich gerne jederzeit so oft küssen, bis der Gewöhnungseffekt irgendwann einsetzt", antwortete Ezra grinsend, bevor er Andrew seinerseits küsste. Etwas kürzer, als der erste Kuss, was alleine der Tatsache geschuldet war, dass er immer noch Probleme hatte, genug Sauerstoff in seine Lungen zu bekommen. Aber die Kürze ließ sich wunderbar mit einem weiteren Kuss irgendwo zwischen Andrews Kiefer und seiner Halsbeuge ausgleichen. Das alles war zu perfekt. Zu schön, um wahr zu sein. Irgendwie wartete Ezra immer noch darauf, dass Andrew ihm gleich die versteckte Kamera zeigen würde.
      "Ich bin immer davon ausgegangen, dass du nicht an mir interessiert wärst. Was hat sich geändert? Seit wann...?" Ezra ließ die Frage offen, während er ein wenig verträumt mit Andrews Haar spielte. Sein Kopf wollte Andrews Aussagen in den letzten Tagen immer noch nicht ganz mit dem atemberaubenden Kuss übereinbringen. Aber sein Kopf war momentan auch irgendwie mit tausenden Fragen und Gedanken zeitgleich beschäftigt und daher wahrscheinlich nicht ganz zurechnungsfähig, zumal er mit dem langsam abnehmenden Adrenalin im Blut langsam doch eine kleine Müdigkeit merkte.
    • Andrew

      Der Kuss an seinem Hals war schon fast zu viel für Andrew und er war dankbar, dass Ezra damit auch gleich wieder aufhörte, weil seine Knie sonst vermutlich aufgegeben hätten. Für ein ungewolltes Seufzen hätte eine Sekunde länger schon gereicht. Als Ezra begann mit seinen Haaren zu spielen und er einen wunderbaren Blick auf seine gedankenverlorenen Augen hatte, wurde Andrew wieder klar, wie gut er darin gewesen war, diese Anziehung jahrelang zu ignorieren oder zu überspielen, wenn sie ihn doch beinahe überwältigt hatte. Es war verrückt, wie gut er darin gewesen war. "Ich hab nicht über die Möglichkeit nachgedacht, bis du… es angesprochen hast", erwidert er ehrlich. Sie wussten beide, woran das lag. Es gab keinen Grund, noch einmal die Barriere seines Ex-Jobs anzusprechen.
      "Aber du hast mich schon immer ein bisschen in den Wahnsinn getrieben mit deinen… Sprüchen und… du musst dir jedenfalls keine Sorgen darüber machen, aus der Form zu sein, oder sowas" Er machte einen vielsagenden Blick nach unten. "Meine Selbstkontrolle ist einfach… sehr gut. Sehr, sehr gut" Als hätte es nie etwas mit ihm gemacht, wenn er Ezra irgendwo festgehalten hatte, ob auf dem Boden oder an einer Wand. Die suggerierenden Flirts waren zwar routinehaft gewesen, aber es hatte wirklich an seiner Konzentration genagt. So wie Ezra ihn eigentlich immer völlig aus der Fassung brachte, wenn er sich gerade konzentrieren musste. Es war irgendwie lästig aber vermutlich auch… genau was er manchmal brauchte, um den Ernst seines Lebens mal zu vergessen.
      "Geändert hat sich übrigens nur, dass wir die Mission hinter uns haben und noch leben", sagte er dann. "Ich dachte mir… du solltest dich ganz auf die Rettung von dem Stein konzentrieren" Er schmunzelte. "Im Nachhinein ist man immer schlauer"
      Ein letztes Mal musste er seinem Impuls nachgeben. Ezras Stirn war so perfekt vor ihm positioniert, dass sie nur dafür gemacht war, von Andrew geküsst zu werden. Dann ließ er den Kopf auf Ezras Schulter fallen und atmete tief ein, als würde er Energie für den Heimweg tanken, bis er das alles nochmal tun konnte.
      Er legte einen Arm um sein Gegenüber und drehte ihn herum, sodass sie beide noch einmal den Eiffelturm ansahen. "Hat sich doch gelohnt. Das nächste Mal vielleicht mehr Sightseeing und weniger Blut", merkte er an, bevor er sich mit Ezra umdrehte und den Weg zurück schlenderte, um ein Taxi zu finden.
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    • Ezra

      Im Nachhinein war es vielleicht doch ein wenig überheblich gewesen, sich so darüber zu wundern, dass Andrew nie zu begreifen schien, wie sehr Ezra auf ihn stand, wenn er selbst offensichtlich nicht in der Lage gewesen war, Andrews Gefühle für ihn irgendwie zu bemerken. Gut, Ezra würde eher noch mal spontan mit Nadia kuscheln, als diese Erkenntnis laut auszusprechen, aber immerhin würde sie irgendwo in seinem Hinterkopf bleiben.
      "Definitiv weniger Blut", stimmte Ezra zu, "und mehr Entspannung." Obwohl Urlaub sich wohl erstmal erledigt hatte. Offensichtlich hatten Andrew und er immerhin ein sagenhaftes Talent dafür, immer in Schwierigkeiten zu geraten, wenn sie London verließen. Momentan wollte Ezra nichts mehr, als einfach zuhause zu sein und herauszufinden, wohin ihn diese Beziehung mit Andrew führen würde.

      Die Fahrt zurück zum Hotel verlief relativ ruhig, was weniger daran lag, dass Ezra der Gesprächsstoff ausgegangen war und mehr daran, dass er zu müde war, um sich auf ein richtiges Gespräch zu konzentrieren. Während langsam die Sonne aufging, hoffte Ezra nur, dass das Hotel richtig gute Vorhänge hatte, damit sie zumindest noch ein wenig Schlaf nachholen konnten.
      Er hab dem Taxifahrer etwas mehr Trinkgeld, als unbedingt nötig, bevor er wieder nach Andrews Hand griff und ihn mit sich ins Hotel zog. Überraschenderweise waren sie nicht komplett alleine in der Lobby. Der kleine Empfang war natürlich besetzt, allerdings schienen sich auch die ersten Touristen schon bereit zu machen, Paris zu erkunden. Eine kleine Gruppe in Wanderausrüstung diskutierte über einen Straßenplan, während man durch die Tür ins Esszimmer vereinzelt Leute bei einem wirklich frühen Frühstück sehen konnte. Ezra war spontan ziemlich froh darüber, zu keiner dieser Wandergruppen zu gehören, während er Andrew hoch zu den Zimmern zog.
      Erst vor seiner eigenen Zimmertüre zögerte er. "Willst du bei mir schlafen?", fragte er, während er sich zu Andrew drehte. "Ich mein das nicht als Flirt", stelle er danach sofort klar, weniger, weil er Angst hatte, dass Andrew es falsch auffassen konnte und mehr, weil er zu müde war, um sich irgendwie halbwegs sinnvoll auszudrücken. "Ich will nur gerade wirklich nicht alleine sein." Nach allem, was passiert war, alleine in seinem Bett zu liegen und sich mit seinen eigenen Gedanken auseinandersetzen zu müssen kam ihm wie Folter vor.
    • Andrew

      "Wenn du damit leben kannst, dass ich absolut zu müde bin, um zu duschen", meinte er eher sarkastisch, aber gleichzeitig war ihm sehr bewusst, dass er vermutlich im Angstschweiß gebadet hatte. Solange er sich ein anderes Shirt anzog, würde das bis morgen Früh… oder eher heute Nachmittag schon erträglich sein. Er hatte keine Kraft mehr, um irgendetwas anderes zu tun, als mit dem Gesicht voran ins Bett fallen. Wenn Ezra jetzt tatsächlich eine Anspielung gemacht hätte, hätte er ihn vermutlich mit einem Gähnen enttäuschen müssen. Aber… alleine wollte er gerade auch nicht sein. Eigentlich wollte er das lieber nie wieder. Er hatte innerhalb der letzten 3 Tage wahrscheinlich eine schwerwiegende Angststörung entwickelt.
      Er folgte Ezra ins Zimmer und schmiss sofort seine Jacke in eine Ecke, die irgendwie leicht eingeäschert roch. Dann schnappte er sich eins der drei weißen T-Shirts, die er heute gekauft hatte, zog sich dieses um und ließ seine Jeans irgendwo am Boden liegen, bevor er tatsächlich mehr oder weniger ins Bett klappte und sich auch nicht mehr darum kümmerte, sich zuzudecken oder ähnliches. Ob es nun hell war oder nicht war ihm auch schon egal. Diese weiche Matratze war wie ein Geschenk des Himmels. Der große Polster roch frisch gewaschen und Andrew grub kurz das Gesicht hinein, um den Räuchergeruch seiner Jacke loszuwerden, der ihm jetzt in der Nase hing. Warum mussten diese Steine immer irgendetwas mit seiner Kleidung anstellen? Zumindest hatte er nicht wirklich vorgehabt, sich dieses Gangster Outfit nochmal anzuziehen.
      Sobald Ezra neben ihm lag, zwang Andrew seine Augen noch einmal offen. "Gott, bin ich froh, dass du lebst", murmelte er im Halbschlaf, während er kurz eine Hand sanft über die Wange des Blonden streichen ließ, um sicherzugehen, dass er auch wirklich existierte. Wenige Sekunden später schlief er, als hätte man ihm eine Pfanne übergezogen.
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    • Ezra

      Ezra musste schmunzeln, als er Andrew dabei beobachtete, wie er schlicht ins Bett kippte. Er selbst zog noch die Vorhänge zu, bevor er es ihm gleich tat, die Jeans auszog, das Shirt wechselte und ins Bett fiel. Schlaf war ihm noch nie so wichtig vorgekommen, wie jetzt gerade, auch, wenn dies eine weitere bizarre Situation war. Das letzte mal, als sie sich ein Bett geteilt hatten, hatten sie darauf geachtet, sich nicht zu nahe zu kommen. Jetzt kuschelte sich Ezra zufrieden an Andrew, als wäre es das normalste auf der Welt.
      “Ich bin auch froh, dass du noch lebst”, antwortete er lächelnd, während er mit einer Hand über Andrews Rücken strich. Alleine die Vorstellung, ihn zu verlieren war schon zu viel. Zum Glück musste sich Ezra nicht allzu lange damit auseinandersetzen - er schlief ein, sobald er die Augen geschlossen hatte.

      Er hatte keine Ahnung, wie spät es war, als er wach wurde. Andrew lag in seinen Armen und sein Handy leuchtete auf seinem Nachttisch auf, als ob es eine Lichtinstallation für eine Rave-Party wäre. Ezra seufzte kurz, bevor er nach dem Handy griff, bemüht, Andrew durch die Bewegung nicht zu wecken. Er entsperrte das Ding und sah sich mit 30 verpassten Nachrichten konfrontiert. Wundervoll. Cal hatte ihn offenbar zu einem Gruppenchat mit Niamh hinzugefügt, den die beiden auch wunderbar ohne Ezra vollspammen konnten.
      Ezra bereitete sich mental kurz vor, bevor er den Chat antippte. Es begann mit einem Link zu einem Artikel über seinen und Andrews unerschrockenen Einsatz für den Louvre und einer einfachen Frage seitens Cal: >Wie???<
      Die Antwort von Niamh ließ nicht lange auf sich warten.

      Niamh: >Wow. Deine Inkompetenz hat Cal dazu gebracht, einen Gruppenchat zu starten.<
      Cal: >Jedes gute Geschwistertrio hat einen Gruppenchat!<
      > Niamh hat die Gruppe verlassen <
      > Niamh wurder der Gruppe hinzugefügt <
      > Niamh hat die Gruppe verlassen <
      > Niamh wurder der Gruppe hinzugefügt <
      Cal: >You can run, but you can’t hide, bitch.<

      Ezra überflog den aufkeimenden Streit zwischen seinen Geschwistern mit mäßigem Interesse. Wenigstens schienen die beiden darüber zu vergessen, dass er eigentlich auf voller Linie versagt hatte. Er überlegte kurz, den Chat einfach zu ignorieren, tippe dann allerdings doch ein kleines >Mir geht es übrigens gut. Danke der Nachfrage<, das prompt mit einem kleinen Herzchen von Cal zur Kenntnis genommen wurde, bevor selbiger sich offensichtlich wieder lieber damit beschäftigte, Kritik in Niamhs Richtung zu tippen. Ezra legte das Handy mit dem Display nach unten zurück auf den Nachttisch und befasste sich lieber im Andrew in seinen Armen. Gott, er konnte immer noch nicht glauben, dass die letzte Nacht wirklich so passiert war. Sie hatten sich geküsst. Es gab eine reelle Chance auf eine Beziehung zwischen ihnen. Ezra strich Andrew eine Strähne aus dem Gesicht, bevor er sanft über seinen Rücken strich. Das hier fühlte sich unglaublich gut an und alleine der Gedanke, jeden Morgen in Andrew in seinen Armen aufzuwachen, reichte, um Ezras Kopf vollkommen durcheinander zu bringen.
    • Andrew

      Neben jemandem aufzuwachen irritierte Andrew immernoch. Er brauchte einen Moment, um sich zu erinnern wo er war, wer er war und was das warme Ding neben ihm war, das ihn umschlungen hielt. Er blinzelte sich den Schlaf aus den Augen während er erkannte, dass es tatsächlich Ezra war, woraufhin er sich nicht mehr sicher war, was alles wirklich passiert war und was er geträumt hatte. Er streckte sich leicht und legte sich auf den Rücken. Ein paar Sekunden lang starrte er die verzierte Zimmerdecke an, bis er dann auch verstand, wo er war. „Guten Morgen“, murmelte er rau und drehte den Kopf wieder zu Ezra. „Ich fass es nicht, dass ich dich nicht zerquetscht habe“ Er schmunzelte. Bislang hatte er genug Beschwerden zu seinem unruhigen Schlaf bekommen, aber offenbar hatte ihn der Stress letzte Nacht vollkommen aus der Realität geklatscht. Er hatte so fest geschlafen, wie in Polen. Vielleicht lag es ja auch garnicht an dem Stress…
      „Ich glaub du hast mich geheilt oder so“, sagte er überrascht. „Du musst ab jetzt für immer neben mir schlafen“ Das klang nach einer guten Ausrede. Er war ein bisschen versucht, Ezra wieder zu küssen, musste sich aber zwingen, aufzustehen. Duschen war Schritt Eins. Er zupfte sein Shirt zurecht und sah auf den Blonden herab.
      „Bleib so. Ich bin in fünf Minuten wieder da“, wies er ihn an und ging ins Badezimmer, wo er sich der schnellsten Dusche seines Lebens kombiniert mit Zähneputzen unterzog und seine Haare anschließend mit dem Handtuch in einer Geschwindigkeit trocken rubbelte, die vermuten ließ, wie eilig er es hatte, zurück in dieses Bett zu kommen.
      Dann musste er allerdings feststellen, dass er sich keine frische Kleidung mitgenommen hatte und definitiv nicht noch einmal das anziehen wollte, was gerade am Boden lag. Er wickelte sich das Handtuch um die Hüfte und schob sich verlegen aus der Tür.
      „Hab… mir nichts zum Anziehen mitgenommen“, erklärte er, während er mit einer Hand das Handtuch festhielt und mit der anderen in der Einkaufstasche herumwühlte, um irgendetwas Brauchbares zu finden. Ah, ja. Unterwäsche. Das war ein Anfang. Er schlich sich zurück ins Bad, zog sich an und stand zwei Sekunden später auch schon wieder halbnackt im Schlafzimmer, was ihm irgendwie unangenehmer war, als es vielleicht sein sollte. Er schnappte sich schnell ein frisches weißes T-Shirt und legte sich wieder ins Bett, wobei er ernstmal auf den Ellenbogen gestützt blieb, weil er Ezra nicht unbedingt mit seinen Haaren antropfen wollte.
      „Fünf Minuten“, seufzte er lächelnd.
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