The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Ezra

      Die Uhr. Gott, war das lange her. "Familienerbstück?", fragte Ezra in einer Tonlage, die vermuten ließ, dass er die Antwort darauf kannte und nicht hören wollte. Er hatte nie wirklich darüber nachgedacht, dass sie Andrew so wichtig gewesen war. Sie hatte teuer genug ausgesehen, als dass ein junger, unerfahrener Held sie wiederhaben wollen würde - den emotionalen Wert konnte man bei sowas ja leider nicht fassen. Dafür schien es ihm jetzt deutlich logischer, dass seine ganzen Flirts damals nicht sonderlich gut angekommen sind. Zum Glück schien Andrew ihm die Aktion verziehen zu haben. "Das ist unfair. Anders konnte ich doch nicht sicherstellen, dass ich dich noch mal wieder sehe", beschwerte er sich gespielt. Ein Plan, der verdammt gut funktioniert hatte. "Außerdem hab ich sie dir ohne einen Kratzer zurück gegeben." Er sollte wahrscheinlich nicht erwähnen, dass es pures Glück war, dass die Uhr bei all den Verfolgungsjagten und einer übermüdeten Putz-Aktion heil geblieben war.
      "Dein Dad hätte allen Grund, stolz auf dich zu sein", versicherte er schließlich in einem deutlich ernsteren Tonfall. "Ich meine, du hast es im Alleingang geschafft, uns aus einer Kidnapping-Situation zu retten. Etwas knappes Timing, wenn wir ehrlich sind und den Autounfall hätten wir uns auch sparen können, aber trotzdem. Das war wirklich beeindruckend." Und unglaublich attraktiv, aber den Gedanken behielt Ezra lieber für sich. Generell schien ihm Flirten jetzt irgendwie...unpassend. In jeglicher Hinsicht. Jetzt wo Andrew wusste, dass nicht jeder Flirt ein Scherz war, musste Ezra die Sache ja nicht ausreizen.
      "Also. Uhren kann ich dir nicht mehr klauen. Beim nächsten mal dann vielleicht das Portmonee? Oder einen Coffee to go? Ich hab irgendwie das Gefühl, dass letzteres dich härter treffen würde. Kalten Kaffee kann man allerdings schlechter zurückgeben. Vielleicht mach ich auch eine Ausnahme und klau doch deinen Stein. Immerhin hat Cal Recht - man kann ne Menge Unsinn anstellen, wenn man Feuer und Wind hat." Er grinste Andrew nun ebenfalls fröhlich entgegen. Die Konversation war deutlich einfacher, als das Streitgespräch von vorhin. Eigentlich kam es ihm jetzt generell unglaublich dämlich vor, dass sie sich überhaupt gestritten hatten.
    • Andrew

      "Du hättest mich auch nach meiner Telefonnummer fragen können. Ich sag's dir, man hätte dich mit Bewährung davon gelassen. Und danach wär ich bestimmt mal mit dir ausgegangen", erwiderte Andrew und wusste insgeheim ganz genau, was er da sagte, auch wenn er nicht ganz abgewogen hatte, was es bewirken würde. Er kam etwas zu spät drauf, dass er vielleicht mit Ezras Gefühlen spielte, was nicht der Sinn dieses Satzes gewesen war. Und gleichzeitig hatte er sich das selbst noch nicht so ganz eingestanden. Er war also schockiert über seine eigene Stimme, die er gerade laut im Raum hörte, anstatt nur in seinem Kopf. "Auf der anderen Seite wärst du vielleicht doch im Knast gelandet und dann wären wir jetzt nicht hier", fügte er schnell hinzu und machte es damit nicht unbedingt besser. Hier sein wollten sie schließlich beide nicht.
      "Äh… ja, aber wenn du mir meinen Kaffee weggenommen hättest, dann wärst du mir wahrscheinlich auch schneller entkommen. Mein Blut besteht aus Koffein, ohne dem bin ich nichts", versuchte er das Thema einfach ruhen zu lassen und grinste verlegen. Aber obwohl sein eigener Vorschlag gewesen war, erst einmal die Welt zu retten, bekam er gerade ganz andere Impulsive Gedanken, wenn Ezra ihn 'beeindruckend' nannte. Er räusperte sich. "Ich… geh mal kurz auf die Toilette", sagte er und stand auf. "Bin gleich wieder da", setzte er leiser dran, bevor er den Tisch verließ und in der Lobby auf der Männertoilette verschwand.
      Da stand er erst einmal kurz, verwirrt, weil sein Plan gewesen war seinen Kopf gegen eine Wand zu rammen, aber noch andere Menschen hier drin waren und das damit gelaufen war. Er wusch sich also stumm die Hände, um nicht dumm herum zu stehen. Hauptsache er war einen Moment lang weg von Ezra.
      Bestimmt war er gleich wieder stocksauer, weil er dachte, dass Andrew Witze darüber machte, dass er tatsächlich etwas für ihn empfunden hatte. Verdammt. Er musste echt mal üben zuerst zu denken und dann zu sprechen. Er wäre mit ihm ausgegangen? Damals? Wenn er sich gestellt hätte? Mann, noch respektloser konnte man sich nicht ausdrücken. Und ihm jetzt zu erklären, dass er… auch heute noch mit ihm ausgehen würde, wenn sie nicht in dieser Lage stecken würden, wäre genauso schlimm. Aber immer dieses 'wenn'… In jeder verdammten Lebenssituation konnte er ein 'wenn' finden. Gut, im Moment war es tatsächlich ein ziemlich guter Grund. Aber offenbar machten seine Gefühle da nicht mit. Was er nun schon seit Tagen unterdrücken wollte… Und jetzt war es furchtbar schwer, es noch zu ignorieren. Er wollte Ezra doch nie abweisen, verdammt. Er hatte sich nur über die Option gar keine Gedanken gemacht, dass sie tatsächlich… dass da tatsächlich etwas sein könnte…
      Andrew riss etwas zu ungeduldig einen Haufen Papiertücher aus dem Spender und kassierte ein paar Blicke. Leckt mich doch alle am Arsch, hätte er ihnen am liebsten entgegen geschrien, obwohl er heute schon zwei Tassen Kaffee intus hatte. Von beinahe Mord zu einem beinahe spontanen Geständnis überzugehen machte eben was mit seinen Nerven.
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    • Ezra

      Ezra blinzelte kurz irritiert, nun selbst etwas unsicher, ob Andrew scherzte, oder nicht. Aber es musste ein Scherz sein, oder? Im Auto hatte er sich immerhin noch ganz anders angehört und die letzten Jahre hatte er definitiv nicht so gewirkt, als ob er auch nur annähernd an einem Date mit ihm interessiert wäre. Gut, vielleicht lag das auch an der Uhr. Das alles war ein unglaubliches Chaos. Und am Schlimmsten war dabei, dass in Ezra irgendwie so etwas wie Hoffnung aufkeimte, was ihm auf lange Sicht wahrscheinlich absolut nicht gut tun würde.
      "Oh. Sicher." Er warf Andrew ein kleines Lächeln zu, als dieser aufstand und zur Toilette ging. Er wartete, bis der Held außer Sichtweite war, bevor er wieder tief durchatmete und den letzten Rest seines Tees trank. Er hatte in den letzten 24 Stunden wahrscheinlich mehr Gefühlslagen durchmachen müssen, als es für einen Menschen möglich sein sollte und diese hier war auf eine ganz besondere Art und Weise furchtbar. Das Nicht-Wissen, das Vermuten, der Fakt, dass die letzten paar Minuten so perfekt zu dem gepasst hatten, was er sich damals immer ausgemalt hatte, wenn er darüber fantasiert hatte, wie es wäre, mit Andrew zusammen zu sein. Lockere Gespräche und Andrew, der nicht über seine Vergangenheit richtete. Zugegeben, die meisten seiner älteren Fantasien waren irgendwann in ziemlich peinliche Richtungen abgedriftet, aber über die Jahre hinweg war er offensichtlich ziemlich nah an die unmögliche Realität heran gekommen. Er wünschte sich fast, er hätte falsch gelegen. Aber daran konnte man nichts machen.
      Ezra schob ein paar Krümel auf seinem Teller zusammen, während er seinen Gedanken nachhing und schlussendlich sein Handy aus der Tasche zog. Es war ein weitaus neueres Modell als das, was er vorher besessen hatte und die meiste Zeit ging immer noch dafür drauf zu suchen, wo die App war, die er gerade brauchte. Es konnte nicht lange dauern, bis das Handy den ersten Sprung im Display hatte.
      Er ging kurz seine Nachrichten durch - Cal hatte ihm ein kleines Update zu den Plänen geschickt, gefolgt von einer ganzen Reihe Memes und Links, die keinen erkennbaren Zusammenhang hatten, Niamh hatte sich erkundigt, ob sie gut angekommen waren - bevor er an einer Nachricht von Ada hängen blieb. Eine kleine Entschuldigung dafür, dass sie seine Geschwister eingeschaltet hatte, ein Angebot zu telefonieren, wenn er Zeit hatte. Ezra biss sich auf die Unterlippe, tippte, löschte seine Nachricht, tippte erneut. Am Ende entschied er sich dafür, die Diskussion erst mal nach hinten zu schieben und lediglich mit einem kleinen "Du hast nichts falsch gemacht. Melde mich, wenn ich wieder in London bin" zu antworten, bevor er ein "Drück Liz von mir" hinterher schickte. Die Antwort folgte prompt in Form eines Selfies von Ada und Liz, die beide in die Kamera strahlten. Ezra grinste und steckte das Handy wieder in die Tasche. Jetzt musste er nur noch auf Andrew warten und...irgendwas zu tun finden.
    • Andrew

      Als Andrew sich endlich dazu brachte, zurück zum Tisch zu gehen, hatte er den Entschluss gefasst, Ezra zu fragen, ob er nach dieser Sache hier in Paris mit ihm auf ein Date gehen würde. Ob er sich das wirklich genau überlegt hatte? Nein. Aber nach all den Jahren in denen er unweigerlich jeden Mittwoch zum selben Haus gefahren war, nur um den Dieb wiederzusehen, der ihn gleichzeitig motiviert hatte, besser in seinem Job zu werden, als auch sein Adrenalin aus diversen Gründen in die Höhe getrieben hatte, war es irgendwann genug, zu leugnen, dass er sich zu ihm hingezogen fühlte. Körperlich, klar, das war nichts Neues. Wenn Ezra in etlichen Situationen bei Kämpfen und ähnlichem nur so an ihm geklebt hatte, kamen da schonmal Gedanken auf und die Flirts hatten das auch nur angetrieben, aber Andrew konnte seinen Job eben von seinem Privatleben unterscheiden. Außerdem hatte er das alles für einen ziemlich lang anhaltenden Witz gehalten.
      Aber… in den letzten Wochen hatte er etwas anderes gesehen, als einen Dieb. Da war ein Mann, der sich eine einige kleine Familie gesucht hatte, weil seine eigene ihn nicht glücklich gemacht hatte. Jemand, der auf Musik und Filme stand, ein Helfersyndrom – oder eher Heldensyndrom – hatte und sich aus welchem Grund auch immer so sehr um Andrew sorgte, dass er versuchen würde, alleine die Welt zu retten. Ganz zu schweigen von dem Durchhaltevermögen, 9 Jahre lang immer zur selben Zeit im selben Haus einzubrechen, nur um ihn wiederzusehen. Oder dass er ihn offenbar bestohlen hatte, nur um ihn wiederzusehen. So dämlich chaotisch und trotzdem irgendwie charmant konnte wohl auch nur er sein.
      Andrew war vielleicht verdammt blind gewesen. Vielleicht wegen seiner unglaublichen Obsession mit seinem Job, vielleicht auch weil er nicht glauben konnte, dass Ezra wirklich ein Auge auf ihn geworfen hatte, nachdem er sich bei jeder Verfolgungsjagd am Ende dumm genug angestellt hatte, um ihn entkommen zu lassen. Aber er wollte nicht so dumm sein, ihn jetzt wieder entkommen zu lassen. Offensichtlich war da doch noch irgendetwas, das über all die Jahre beständig geblieben war. Wenn man sich so lange kannte, dann war es vielleicht auch Schicksal? Oder es würde alles zerstören, aber das konnte Andrew sich kaum vorstellen. Wie sollte denn noch irgendetwas Schlimmeres auf sie zukommen, als sie die letzten Tage miteinander durchmachen mussten? Und auch wenn zwischen ihnen jetzt vielleicht Vertrauensprobleme existierten, konnten sie bestimmt darüber reden. Sie mussten sich eben… besser kennenlernen. 9 Jahre und es fühlte sich an, als wüsste er erst seit gestern, wer Ezra wirklich war.

      Als er zurück zum Tisch kam, war er vor Stress schon ein wenig rot im Gesicht geworden. Dass ihn das jetzt so nervös machte, war wirklich unpraktisch. Hoffentlich fand er die richtigen Worte. "Ezra, ich finde-"
      "Ein erneuter Anschlag auf das Parlament de Paris. Vor etwa einer Woche wurde-"
      Die Lautstärke des Fernsehers in der Lobby war erhöht worden. Es spielte Internationale Nachrichten. Andrew verstummte.
      "… vermutet wird eine organisierte Terroristengruppe, die unbekannte, mächtige Steine nutzt, um politische und religiöse Einrichtungen in Hauptstädten Europas zu zerstören"
      Eine Gruppe? Das war keine Gruppe, verdammt.
      "Nun wurde das Parlament wieder von heftigen Blitzen getroffen, nachdem gerade erst die Reparaturarbeiten begonnen hatten"
      Blitze? Das war doch wie bei der Kirche in London? Also war es derselbe Stein und… sie waren hier? Hatten sie vor, sich den Stein aus Paris zu greifen?
      Andrew warf Ezra einen verstörten Blick zu. "Ich denke, wir sollten uns beeilen"
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    • Ezra

      Ezra bemerkte aus dem Augenwinkel heraus, dass Andrew wieder zurückgekommen war, aber aktuell lag seine ganze Aufmerksamkeit bei dem Fernseher, der in der Lobby hing und furchtbare Bilder zeigte. Okay. Würden sie an den Stein kommen, wurde er definitiv nicht nochmal in eine Schublade gesteckt. Das alles konnte er nicht nochmal durchmachen.
      "Ja, es wäre wahrscheinlich ganz gut, wenn wir schon mal aufbrechen und uns den Bunker ansehen. Dann können wir das ganze vielleicht heute Abend schon hinter uns bringen und verlieren keine Zeit." Oh, das alles würde in einem Desaster enden. Sie hatten keine Zeit, ordentlich zu planen und mussten sich wohl auf eine gute Portion Glück verlassen.
      "Sind zwei Leute schon eine Gruppe?", fragte er Andrew scherzhaft, um von seiner eigenen Nervosität abzulenken, während er aufstand und Andrew mit sich zog, raus aus dem Hotel. Vielleicht konnten sie sich auch zwei Tage erlauben. Heute und morgen, um den Ort ein wenig im Auge zu behalten und dann würden sie den Stein stehlen? Das wäre die sichere Variante, aber auch die mit dem größeren Risiko, dass Jelenas Freundin schneller war, als sie. Woher hatten die beiden überhaupt die Infos von dem Stein? Oder waren sie vollkommen zufällig hier? Das konnte sich Ezra beim besten Willen nicht vorstellen.

      "Okay. Der Bunker liegt unter einem Kunstmuseum", erklärte Ezra, als sie sich auf zwei leere Sitze in einem Bus setzten, der zum Glück nicht zu voll war. Niemand würde groß auf sie achten, oder sich für ihre Konversation interessieren. "Es scheint zwei Zugänge zu dem Bunker zu geben", erklärte Ezra weiter, während er auf seinem Handy auf den Grundriss tippte. "Einmal direkt am Eingang links und einmal weiter hinten. Ich denke, dass die Treppe am Eingang direkt neben der Zentrale des Wachpersonals liegt, also würde ich die andere Treppe vorschlagen. Außerdem brauchen wir noch Ausrüstung und Kleidung. Irgendwas dunkles, was nicht auffällt und womit man nicht hängen bleiben kann." Es fühlte sich fast ein wenig beruhigend an, den Einbruch zu planen. Wenigstens kannte er sich auf diesem Gebiet aus.
      "Also, keine Ahnung, wie es um dein künstlerisches Interesse aussieht, aber die nächsten paar Stunden werden wir zumindest so tun müssen, als ob wir uns für die Bilder interessieren." Kunst war noch nie etwas für ihn gewesen. Es gab Bilder, die er schön fand und Bilder, die ihm weniger gefielen und...damit endete sein Kunstwissen auch schon.
    • Andrew

      Ja, es hinter sich zu bringen klang nach einer guten Idee. Auf der anderen Seite schlich sich die Todesangst gerade wieder ein.
      "Ich denke, bei der Menge an Leichen muss man wohl von mehr als einer Person ausgehen", murmelte Andrew zur Antwort. Nadia hatte wohl nicht gespart. Ob sie ihre Wut über gestern Nacht verarbeitete oder sowas? Gott, hoffentlich trafen sie die Psychotante hier nicht.

      Andrew lauschte beunruhigt, wie Ezra von seinem Einbruchsplan erzählte. Ihm wurde mulmig zumute. Zentrale des Wachpersonals? Dunkle Kleidung? "Du weißt aber… dass ich noch nie irgendwo eingebrochen bin, oder?", fragte er ihn leise als er ihm über die Schulter sah und den Plan betrachtete. Üblicherweise fing Andrew die Einbrecher und musste dabei nicht wirklich Rücksicht darauf nehmen, dass er dabei nicht gesehen wurde. Als Held nicht gesehen zu werden… ging irgendwie ziemlich am Sinn vorbei. Verfolgen, das konnte er. Kämpfen war auch kein Problem. Aber sich tarnen und etwas stehlen? Da hatte er die falsche Ausbildung. "Willst du wirklich, dass ich… mit rein gehe?", fragte er unsicher. "Ich meine, es wäre mir auch lieber, wenn du nicht rein musst. Aber ich glaube deine Chancen sind… irgendwie besser, wenn ich nicht in deiner Nähe bin" Es war irgendwie schwer zuzugeben, aber Andrew war Ezra bestimmt ein Klotz ein Bein. Lieber würde er einfach jeden niederprügeln, der sich mit ihm anlegen wollte, wenn er doch gesehen wurde.
      "Oder gibst du mir 'nen Crashkurs, wie man ein guter Dieb ist?", fragte er und schmunzelte nervös.

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    • Ezra

      Die Vorstellung von Andrew als Einbrecher war dermaßen bizarr, dass Ezra einen kurzen Moment brauchte, bevor er antworten konnte. "Ich muss den Ort erst sehen, bevor ich entscheiden kann, wer wann wo steht und was macht", erklärte er. "Momentan wäre es mir lieber, wenn wir irgendwie eine Verbindung zu den Kameras bekommen und du mir von draußen sagen kannst, welche Wache gerade wo steht." Das wäre für Andrew zumindest deutlich sicherer und Ezra könnte sich ein wenig freier bewegen. Das alles hing allerdings davon ab, die das Museum aufgebaut war, und ob er das alles mit einer verletzten Hand hinbekommen würde, ohne dabei Unterstützung zu brauchen.
      "Der Crash-Kurs steht dir natürlich trotzdem immer offen, falls du über eine Umschulung nachdenken solltest." Er grinste, während er Andrew leicht in die Seite stieß. "Ich meine...Held, Dieb - das ist doch fast das selbe, nur, dass man als Dieb am Ende alles behalten darf, was man in die Finger bekommt." Irgendwo in diesem Satz steckte eine wundervolle Flirt-Möglichkeit, die sich Ezra nicht traute auszusprechen.

      Die Busfahrt dauerte nicht lang. Das Museum war relativ gut besucht, also würden sie nicht weiter auffallen. Es war in hellen Farben gehalten und gut ausgeleuchtet. Direkt hinter dem Eingang gab es eine kleine, unauffällige Tür, die wahrscheinlich zu der Treppe führte, die Ezra auf dem Plan gesehen hatte. Direkt daneben war eine zweite Tür. Auf beiden war ein Schild angebracht, dass in mehreren Sprachen übersetzt worden war. 'Zutritt nur für Personal'. Also würden sie wahrscheinlich wirklich die zweite Treppe suchen müssen. Aber bis zu der mussten sie sich noch etwas durcharbeiten.
      "Kunstmuseen fand ich immer am schlimmsten", murmelte Ezra, während er sich in der kleinen Vorhalle umsah. In der Mitte des Raumes stand eine gut ausgeleuchtete Statuette, die aussah, als ob man ein Stück Knete gegen die Wand geworfen und dann in Stein verewigt hätte. An den Wänden hingen zwei Gemälde, die ähnlich interessant aussahen. Offenbar wollte man auf den ersten paar Metern mit irgendetwas modernem überzeugen, bevor man die Gäste durch die Ausstellung schickte. Am Ende gab es wahrscheinlich nicht mal einen Souvenirladen. Vielleicht ging es seinen Geschwistern wirklich nicht um den Stein. Vielleicht wollten sie ihm persönlich nur eins auswischen.
    • Andrew

      Klar, Informationen geben konnte er. Er hatte sich als Held zwar darauf versteift gehabt, die meiste Zeit alleine zu arbeiten, weil das einfacher und meist erfolgreicher war, als alle koordinieren zu müssen, aber natürlich konnte er es trotzdem. Gruppenaufgaben musste jeder irgendwann mal erledigen. Und so hatte er wenigstens im Blick, was Ezra da drin tat. Im schlimmsten Fall konnte er ihn also finden. Andrew schmunzelte. "Ich werde meinen Job vermutlich nie wieder zurück bekommen, also brauch ich 'nen Plan B", stimmte er dem Blonden zu. Auch wenn es ihm immer noch zutiefst widerstrebte, irgendetwas Illegales zu tun. Alles was ihm ein wenig ein besseres Gewissen gab, war das Bewusstsein, dass der Stein in ihren Händen sicherer war, als in denen von Nadia.

      Als sie ankamen und aus dem Bus stiegen, musste Andrew erst einmal schockiert die Stirn runzeln. Dieses Museum…
      "Du hättest mal nebenbei erwähnen können, dass es hier ums Louvre geht", stieß er betroffen aus. Da wollte er einbrechen? Ins LOUVRE?! Andrew wollte sich gar nicht vorstellen, wie gut dieses Gebäude gesichert war. Nichtmal ein Vollidiot würde da einbrechen wollen, wenn es irgendwie zu vermeiden war. Offensichtlich hatten sie das richtige Versteck für den Stein gewählt, wer auch immer dafür zuständig war.
      "Du kannst da unmöglich was klauen", murmelte er und sah sich mit großen Augen um, als hineingingen. Niemals… Das war ihr Ende. Aber es gab auch kaum eine andere Wahl. Von der Seite starrte er Ezra einen Moment lang an. Ob sie heute den letzten Tag miteinander verbrachten? Vielleicht sollte er dann doch nochmal mit ihm reden…? Moment, nein. Das lenkte ihn bestimmt nur ab. Und dann war es Andrews Schuld wenn Ezra nachlässig war und irgendeinen Alarm auslöste und Andrew nicht rechtzeitig da war, um 20 Wachen abzuwehren, die auf ihn einschlugen… Oder ihn erschossen. Oder irgendwelche kranken Steinkräfte ausübten.
      Andrew knirschte mit den Zähnen. Das war alles der reinste Wahnsinn. "Bist du sicher, dass Nadia nicht noch einen Sinneswandel erlebt und aufhört, Menschen zu töten?", presste er nervös hervor. Es war auch ein reichlich unangenehmes Gefühl, hier so schutzlos den Touristen zu spielen, wenn die Frau in der selben Stadt frei herumlief.
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    • Ezra

      "Am Ende des Tages ist es auch nur ein Gebäude. Meine Mom hat damals mit Kunstdiebstahl angefangen, vielleicht hab ich ja was davon vererbt bekommen", merkte Ezra an, während er mit den Schultern zuckte und darauf hoffte, dass er sich zuversichtlicher anhörte, als er sich tatsächlich fühlte. Louvre hin oder her - wenn irgendwo ein Stein dieser Größenordnung versteckt war, würde es nie einfach werden, an ihn heran zu kommen. Vor allem nicht, wenn die Zeit gegen einen lief und ein Psycho es auf den selben Stein abgesehen hatte. Seine Nerven würden es vielleicht noch gerade so aushalten, hier einzubrechen, aber nochmal ihrer Kidnapperin gegenüber zu stehen...
      "Warte. Die Lady in Pink hatte einen Namen?" Ezra warf Andrew einen kleinen Seitenblick zu. "Mir hat sie sich nicht vorgestellt. Dafür hat sie angemerkt, dass ich zu viel rede, was ja zugegebenermaßen nicht vollkommen verkehrt ist, aber trotzdem fand ich das irgendwie unhöflich. Wir kannten uns ja nicht mal lange. Vor allem, wenn sie mir als Konsequenz durch die Hand sticht. Als ob es da keine Alternativen gegeben hätte." Er verdrehte kurz die Augen. "Also nein, ich glaube nicht, dass sie einen spontanen Sinneswandel durchmacht." So schön das auch wäre. Immerhin war ihr Ziel im Grunde ja nicht verkehrt, die Methoden waren nur nicht ideal. Wenn die beiden Frauen heiraten wollten, konnten sie das ja sehr gerne tun, aber nicht, nachdem sie dafür die halbe Bevölkerung ausgelöscht hatten.
      "Ich frag mich nur, wie sie immer so schnell an die Infos zu den Steinen kommen", fuhr Ezra fort, während er nach Andrews Arm griff, um ihn nicht zwischen den anderen Besuchern zu verlieren. Der nächste Raum war mit Gemälden gefüllt. Vor ein paar Bildern hatten sich kleine Menschentrauben gesammelt, während andere mehr oder weniger ignoriert wurden. Immer wieder gab es Besucher, die mit Papier und Stift auf einer der Sitzbänke saßen und die Gemälde offenbar abzeichneten, während andere Fotos und Selfies schossen, als ob ihr Leben davon abhängen würde. Weiter hinten im Raum lief eine genervte Mutter ihrem Kleinkind hinterher, das es sich offenbar in den Kopf gesetzt hatte, zu einer der Statuen zu watscheln. Kunst mochte nicht sein liebstes Thema sein, aber wenigstens fand Ezra die Atmosphäre wirklich nett. Eigentlich war es eine vollkommene Verschwendung, dass Andrew und er für einen Job hierwaren und nicht auf einem Date. Kein Date. Date war unrealistisch. Einer Verabredung, oder sowas. Einem normalen Treffen zwischen Freunden, bei denen man am Ende nicht um sein Leben fürchten musste.
    • Andrew

      Ah, klar. Die Diebesfamilie. Na hoffentlich hatten sie am Weihnachtstisch mal besprochen, wie man am besten in ein weltberühmtes Museum einbrach.
      Andrew erwiderte Ezras Blick während dieser vor sich hin redete und eigentlich ziemlich klar machte, was Nadia gemeint haben könnte. Er musste schmunzeln. Und dann kam ihm ein Gedanke in den Sinn. So könnte ein Date zwischen ihnen aussehen, nicht? Wenn Andrew nicht immer wieder peinlich berührt den Blick abwenden musste, wenn er mal hängen geblieben war… Es war nett, so mit ihm durch ein Museum zu spazieren. Zwar nicht unbedingt unter diesen Umständen und Andrew wäre gern aus einem anderen Grund nervös und hibbelig, aber vielleicht war das ja gar nicht mehr so unmöglich, wenn sie nur überlebten. Und nicht eingebuchtet wurden, was heute wohl die wahrscheinlichste Option war. Ja, heute war definitiv kein Museumsdate am Tagesplan, also wandte Andrew mal wieder schnell den Blick ab, nachdem er Ezra im Zuge seines Tagtraums etwas zu lange angestarrt hatte.
      „Ihre Freundin hat mir ihren Namen gesagt. So wirklich sozial schien sie mir ja nicht, also anders hätte ich ihn auch eher nicht erfahren“, murmelte Andrew. Die Frau hatte wahrscheinlich anderes im Kopf, als sich höflich vorzustellen. Wobei sie sich nicht wirklich um Organisatorisches zu sorgen schien, sondern eher wie Jelenas Kampfhund wirkte.
      Andrew zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wissen sie es schon lange. Vielleicht suchen sie schon seit Jahren und planen ihre Aktionen, oder so“ Anders als sie, die von einem Stein gehört und sich wie Wahnsinnige ins Gefecht gestürzt hatten, ohne irgendetwas zu wissen und jetzt steckten sie in der Scheiße. „Aber weißt du, was mir langsam auffällt?“, murmelte Andrew etwas besorgt und hoffte wirklich, dass an seiner Vermutung nichts dran wahr. „Bisher… gab es einen Stein in London, Warschau und Paris. Ziemlich willkürlich, abgesehen davon, dass es Hauptstädte sind. Denkst du… es gibt noch mehr in anderen Hauptstädten?“
      Andrew hoffte wirklich, dass er falsch lag. Es war auch fragwürdig, wieso davon bisher niemand etwas gewusst hatte. Und das wären schließlich eine ganze Menge mächtiger Steine, mit denen man sonst etwas anstellen konnte. Ob Jelenas und Nadias Ziel vielleicht nicht das Auslöschen einzelner Menschen war…?
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    • Ezra

      Ezra stieß ein kleines, unsicheres "Mhm" aus. Es war ein wenig schräg, dass plötzlich so viele große Steine auftauchten, aber wo, wenn nicht in den Hauptstädten der Welt? Dort, wo man sie am besten schützen konnte? Obwohl es wahrscheinlich genau so gut gewesen wäre, sie irgendwo zu verstecken, wo sie niemand vermuten würde. Irgendein Dorf. "Wir könnten diese Theorie testen. Ich wollte immer schon mal nach Athen. Stockholm soll auch schön sein. Vielleicht erwischen wir ja mal eine Stadt, in der Nadia nicht rumgeistert und können das ganze irgendwie mit einem halbwegs normalen Urlaub verbinden." Er grinste Andrew entgegen, während er ihn durch die Ausstellung zog. Eigentlich könnte er den Rest seines Lebens auch sehr gut damit verbringen, nie wieder über einen Stein nachdenken zu müssen. Sie würden sicher jemanden finden, der eine reelle Chance hatte, mit Nadia und Jelena mithalten zu können. Das Reisen an sich war ja eigentlich sogar ganz nett. So oft hatte er Irland und England noch nie zuvor verlassen. Sie könnten die ganzen Sorgen einfach abgeben und...was dann?
      Es fühlte sich falsch an, danach einfach wieder zu kleinen Diebstählen zurück zu kehren, was eine ganze Flut an Problemen mit sich brachte. Probleme, die man sich wunderbar auch für spätere Zeiten aufsparen konnte. Irgendwas würde sich schon finden lassen. Wenigstens musste er sich keine Gedanken darum machen, dass Andrew hiernach nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte - vorausgesetzt, sie würden diesen Diebstahl überleben. Das war vielleicht das einzige, was ihn gerade irgendwie optimistisch bleiben ließ.
      Die beigen Gänge des Museums füllten sich langsam mit Leuten, die wild durcheinander redeten. Zwei händchenhaltende Teenager drängten sich lachend an ihnen vorbei. Offensichtlich lag eines der vielen bekannteren Ausstellungsstücke vor ihnen. "Bist du öfter in Museen?", fragte Ezra schließlich, einfach um das Thema auf etwas Unbefangenes zu wechseln. Auch, wenn er keine Ahnung hatte, wie viel Zeit Andrew neben seinem Job und seinem Kaffee-Konsum noch übrig gehabt hatte.
    • Andrew

      Andrew erwiderte Ezras Blick mit einem Lächeln. "Ich denke Paris wäre schon eines meiner Top Reiseziele gewesen. Vielleicht… ist am Ende von diesem Chaos ja Zeit, noch den Eiffelturm zu besuchen. Und ich würde gerne eine Kaffee-Tour machen, wenn das irgendwie möglich ist" Er lachte leicht. Alleine aus dem Grund hatte er Frankreich schon immer mal sehen wollen, auch wenn er dem nicht zu viele Gedanken geschenkt hatte. So ein richtiges Reisebedürfnis hatte er definitiv nie gehabt. Aber wenn sie schon einmal hier waren…
      Und vielleicht war kein so schlechter Zeitpunkt, mit Ezra einen Ausflug zum Eiffelturm zu unternehmen. Als sich das Teenager Pärchen an ihnen vorbei quetschte, wurde ihm jedenfalls klar, wieviel Lebenszeit er bisher verschwendet hatte. So etwas wie einen schlechten Zeitpunkt konnte es gar nicht mehr geben, wenn er noch irgendetwas vor seinem Tod erledigt haben wollte.
      "Klar", antwortete Andrew auf die Frage. Auch wenn Ezra das vielleicht nicht unbedingt hören wollte, hing er dran: "Aus Museen wird oft was gestohlen. Darum… bin ich da auch recht oft vor Ort gewesen" Sein Job hatte ihn an einige Orte in London gebracht, aber die Frage hatte vermutlich eher darauf angespielt, ob er auch mal freiwillig ins Museum ging. Aber wenn sie ehrlich waren, konnte Ezra sich das auch selbst beantworten. Wann hätte Andrew denn ins Museum gehen sollen, wenn er sich bereits einen Schlafplatz im Büro eingerichtet hatte?
      "Ich hab jedenfalls kein ausgeprägtes Kunstverständnis, falls du das wissen wolltest", schmunzelte er. Das war wohl ein Nerd-Punkt, den seine Eltern bei seiner Erziehung verpasst hatten. "Aber du hast doch ein Auge dafür. Wenn ich mich an die Einrichtung der Spencers erinnere… die ganz hässlichen Stücke hast du manchmal zurückgelassen" Er lachte.
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    • Ezra

      "Naja, es lohnt sich halt nur Sachen zu stehlen, die man schnell und unkompliziert wieder los wird. Alles andere würde ewig bei mir rumstehen und könntest du gut schlafen, wenn du sowas in der Ecke stehen hast?" Ezra deutete auf das Portrait einer älteren Dame, die aussah, als würde sie über jeden richten, der an ihr vorbei lief. "Meine einzige Ausnahme sind hässliche Kerzenständer. Da hab ich irgendwie eine Schwäche für entwickelt." Er zuckte lachend mit den Schultern. "Außerdem hab ich das Gefühl, dass die Spencers bewusst hässliche Dinge gekauft haben, damit sie nicht mehr geklaut werden und irgendwann wollte ich einfach sehen, wie weit ich sie bringen kann." Warum nicht ein bisschen Spaß im Beruf haben? Es war sowieso egal, was genau er stahl, solange er seine Grundkosten gedeckelt bekam und er Andrew sah. Im Nachhinein betrachtet wäre eine gute Therapie vielleicht doch nicht ganz verkehrt gewesen.
      Der nächste Raum war mit Leuten überfüllt. Die Wände waren dunkelblau gestrichen, links und rechts hingen mehrere Gemälde, während geradeaus nur ein einziges hing, um dass sich eine große Menschentraube gebildet hatte. Die Mona Lisa sah kleiner aus, als Ezra sie sich vorgestellt hatte. "Ich hab sonst auch nicht viel für Kunst über", erklärte er, während er Andrew ein wenig zum Rand des Raumes zog, um nicht von den anderen Menschen mitgerissen zu werden. "Caleb ist der Museumsnerd der Familie. Wenn ich mit ihm mit musste, haben mich die Alltagsgegenstände immer mehr interessiert, als die Kunst. Ich meine-", er deutete kurz auf die Mona Lisa, "-es ist ein tolles Bild. Weltberühmt, bestimmt mit irgendwelchen Techniken erstellt, die fantastische Namen haben, aber...es ist ein Bild. Bei einem Becher, oder Schmuck kann ich mir immer besser vorstellen, dass die Dinge jemandem gehört haben." Caleb hatte das nie sonderlich interessiert, er hatte Ezra einfach zu allem einen Vortrag gehalten, was er länger als zehn Sekunden angeschaut hatte. Im Nachhinein tat es ihm fast leid, damals nie zugehört zu haben.
      "Wir können gerne noch eine Kaffee-Tour machen, wenn wir hier durch sind", schlug Ezra schließlich vor, während er seine Hände in seine Jackentasche schob. "Vielleicht hilft das Koffein ja heute Nacht." Und wenn sie dann noch lebten, könnte der Eiffelturm morgen ihr nächstes Ziel sein. Ein Grund, sich bei dem Einbruch anzustrengen. Morgen Abend würden sie dann mit dem Stein zurück nach Irland reisen und dann endlich nach Hause. Es würde schon alles gut gehen. Es musste alles gut gehen.
    • Andrew

      Dass es jemandem gehört hatte, hm? Das schien Andrew irgendwie auch zu irrelevant. Für ihn gab es Dinge, die schön anzusehen waren, andere waren nicht sein Geschmack, aber von Techniken oder Materialien verstand er nichts, also konnte er seine Meinung nur für sich behalten. Manche Künstler gaben sich bestimmt viel Mühe und einige Besucher fanden sicher Dinge gut, die Andrew in den Müll werfen würde, wenn er nicht wusste, was es war. Ob das am Ende ein Gemälde oder ein Keramikobjekt war, war auch egal. In seiner Wohnung brauchte er selbst nichts davon, wenn es keinen praktischen Nutzen hatte. Kunst zu kaufen erschien ihm sowieso wie die größte Geldverschwendung.
      "Ich glaube nicht einmal, dass ich mich für einen Becher interessieren könnte", sagte er bloß, als er darüber nachdachte. Nein, er würde sich in einem Museum zwar alles ansehen und mal hier, mal da die Beschreibungen lesen, aber am Ende des Tages hätte er vermutlich keine Erinnerung mehr an irgendein Stück. Die Aktivität an sich wäre schon mehr Grund für ihn, einen Museumsbesuch zu machen. Mit Ezra durch die Ausstellung zu laufen und über die komischen Dinge zu reden, die sie so sahen… das wäre eine Motivation dahinter.
      "Oh, bitte. Ich will nicht, dass meine einzige Erfahrung in Paris ein Besuch im Louvre war", erwiderte er.
      Die Mona Lisa gesehen zu haben, war zwar wie einen Punkt auf einer lebenslangen To-Do Liste abzuhaken, aber es gab wirklich Dinge, die ihn mehr interessierten. Er hatte vielleicht nicht viele Hobbys, aber Kaffee hatte einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen. Ohne dem wäre er nie so weit in seinem Leben gekommen sondern hätte auf halber Strecke wegen Müdigkeit und Depressionen aufgeben. Aber der Gedanke, heute Nacht nicht zu schlafen… Urgh. Normalerweise hatte er nie ein Problem mit wenig Schlaf oder durchgemachten Nächten gehabt, aber dieser ganze Stress zehrte an seinen Nerven. Er fühlte sich 20 Jahre älter als noch vor drei Tagen. Schönheitsschlaf wäre echt nicht so verkehrt.
      "Erinner mich bloß nicht daran", grummelte er. Vielleicht hatte Caleb sich ja geirrt und hier war gar kein Stein und sie konnten ganz entspannt, ohne Angst abgestochen zu werden, in ihrem schicken Hotel schlafen und morgen frisch und munter zurück nach London fliegen und sich eine Weile nicht mehr um das Wohl der Menschheit sorgen, sondern ihr eigenes. Das war es, woran Andrew sich mittlerweile klammerte. Aber tief im Inneren wusste er ja, dass kaum ein Weg an dieser weiteren schlaflosen Nacht vorbeiführte, in der sie bloß beten konnten, dass Nadia sie nicht aufspürte.

      Sie beendeten ihre Tour durch das Museum nach etwa einer Stunde. Sie hatten sich nicht unbedingt viel Zeit genommen, sich die ganzen Kunstwerke anzusehen, aber das Interesse ließ ja auch zu Wünschen übrig. Dennoch hatte Ezra sich hoffentlich einen guten Plan vom Gebäude machen können. Heute Abend war es soweit… Mal wieder.
      "Also, Cafe?", fragte Andrew, als sie das Louvre wieder verließen. Für eine Weile konnten sie noch so tun, als wäre alles normal. Was auch immer daran normal war, dass sie überhaupt zusammen in Paris gelandet waren.
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    • Ezra

      Es war süß zu sehen, wie Andrews Augen aufleuchten, wenn man Kaffee erwähnte. Wenigstens würden sich die nächsten Weihnachten und Geburtstage einfach gestalten. Waren sie sich nah genug, um sich gegenseitig etwas zum Geburtstag zu schenken? Auch, wenn es nur Kaffee wäre? Oder überschätzte er seine Beziehung zu ihm? Die letzten Tage und Stunden waren eine reine Achterbahn der Gefühle gewesen und langsam wollte Ezra wirklich nur noch, dass es aufhörte. Vor allem, wenn sein Unterbewusstsein ihm immer noch ins Ohr flüsterte, wie nah das alles an ein Date heran kam. Museum und dann ein Café? Danach vielleicht ein romantischer Spaziergang im Park? Ein Film im Kino? Einseitig. Alle diese Gedanken waren einseitig und das hier war kein Date.
      “Gibt es ein bestimmtes Café, in das du zuerst willst, oder suchen wir uns einfach das erste aus, was nett aussieht?”, fragte er, während sie über den kleinen Museums-Vorplatz gingen. Ezra hatte mittlerweile jedes Zeitgefühl verloren. Es kam ihm viel später vor, als es tatsächlich war. Vielleicht, weil er so schlecht geschlafen hatte. Eine kleine Schulklasse stellte sich gerade in Zweierreihe auf, um vom Louvre zurück in den Schulbus zu gehen, während sich die Sonne langsam gegen die Wolken durchsetzte und die blassen Sommersprossen auf Andrews Wangen in Szene setzte.
      Ezra blinzelte. Okay. Weniger schwärmen, mehr denken.
      Er hatte beide Treppen nach unten gefunden. Er wusste ungefähr, wie er laufen würde - zumindest oberirdisch, im Bunker selbst wäre er wohl auf die Grundrisse angewiesen - und er hatte schon eine Idee, wie er rein kommen würde. Für alles andere wäre sein Improvisationstalent zuständig. Also nichts Neues. Sowas hatte er schon öfter gemacht. Er durfte sich jetzt nur nicht ablenken lassen, weder von seiner Nervosität über den Einbruch, oder die Tatsache, dass Nadia hier irgendwo sein könnte, noch von seinen komplizierten Gefühlen zu Andrew.
    • Andrew

      Andrew gähnte. Dabei war er nicht einmal sehr müde, bloß entspannt. Wie das in dieser Lage auch nur ansatzweise möglich war, blieb ihm ein Rätsel. Aber er dachte gerade tatsächlich nur darüber nach, ob er auf dem Weg hierher vielleicht ein nettes Café gesehen hatte. Allerdings entschied er sich dann doch dafür, die Touristen-Route zu nehmen: Schlendern, bis man was fand.
      "Lass uns einfach mal da lang gehen und ins erste Café hineingehen, das Croissants verkauft", sagte er, womit wohl jedes einzelne Pariser Café gemeint war, und deutete eine Straße entlang, die nur so nach Touristenfalle roch. Aber nach dem üppigen Frühstück konnte Andrew eigentlich direkt wieder etwas essen, so gut fand er die französische Küche. Zum Abendessen fanden sie vielleicht ein schickes Restaurant mit der Option für Ratatouille oder Coq au Vin? Ein Rendez-vous mit Ezra im Disney Stil. Das war es, was er gerade brauchte. Er begann schon leicht in sich hinein zu grinsen bei der Vorstellung. Mit jeder vergehenden Minute begann er sich mit dem Gedanken mehr anzufreunden, so sehr er anfangs auch gezweifelt hatte. Zwar ließ Andrew den Blonden ungern in dem Glauben, dass er nicht an ihm interessiert war, aber so direkt gesagt hatte er das auch nie.
      Eigentlich wunderte es ihn ja, dass er so undurchsichtig gewesen war die letzten Tage. Aber er hatte wohl doch noch ganz gute Kontrolle über sich selbst. Als er vor ein paar Tagen beinahe mit aufgeknöpftem Hemd den Abend mit Ezra auf seiner Couch verbracht hatte, hatte er auch gerade noch die Kurve gerissen und die Knöpfe geschlossen. Wenn sie sich andauernd Date-Aktivitäten aussuchten, war es irgendwie schwer, sich umzustellen. Aber jetzt musste er sich vielleicht nicht mehr umstellen. Auch wenn der Part mit dem offenen Hemd vielleicht doch eine Weile warten konnte, nach der ganzen Verwirrung. Jedoch fand Andrew die Vorstellung, eine romantische Beziehung zu Ezra zu haben, nach all den Jahren der platonischen Arbeits-beziehung, nicht einmal… merkwürdig. Das sagte vermutlich schon alles, was er wissen musste.
      Er schielte zu Ezra runter, als sie nebeneinander über die Straße liefen. "Wenn wir uns ran halten, breche ich vielleicht noch meinen Koffein Rekord", warf er ein. "Solange wir die Kreditkarte deiner Schwester haben, sollte sie für einen guten Zweck genutzt werden" Er grinste leicht.
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    • Ezra

      "Wo liegt-" Ezra stockte kurz, zog die Augenbrauen zusammen und winkte dann ab. "Vergiss es. Ich will gar nicht wissen, wo dein Rekord liegt. Solange du nicht mit Herzversagen im Krankenhaus landest, ist mir alles egal." Vielleicht war es ab und an auch ganz angenehm, nicht alles von einander zu wissen. Ezra hatte das Gefühl, dass der Rekord absurd hoch war und sein Puls schon bei der reinen Vorstellung von so viel Kaffee nach oben schießen würde. Er selbst war immer eher der Tee-Trinker gewesen, Kaffee brauchte er nur, um wach zu bleiben.
      "Hast du je einen Irish Coffee probiert? Karamellisierter Zucker, Kaffee, Whiskey und Sahne? Macht dich wach und zeitgleich angetrunken. Definitiv eine Empfehlung." Er grinste kurz zu Andrew hoch, bevor er wieder geradeaus sah und es gerade noch so schaffte, einer Laterne auszuweichen. Was er wahrscheinlich nicht mal auf die Ablenkung schieben konnte. Er räusperte sich kurz, um die Situation zu überspielen und deutete auf das nächste Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "Wie wäre es mit dem?"
      Das kleine Café sah hübsch aus. Vor der Ladentüre standen ein paar Sitzgruppen auf dem Fußgängerweg, filigrane Stühle um runde Tische, jeder mit einer Speisekare bestückt. Drinnen schien der Laden in einem fröhlichen orange gehalten zu sein, mit Sitzbänken und Holzstühlen. Durch das Ladenfenster konnte man erkennen, dass ein paar der Tische bereits mit Gästen besetzt waren. Draußen hatten sich bisher nur zwei Frauen niedergelassen, die zusammen über einem Handy lehnten und lachten. Neben der Ladentüre hing ein Schild, auf dem mit Kreide die Tagesangebote geschrieben waren - durch die Nähe zum Louvre auf französisch und englisch.
      "Ich bin mir sicher, dass Niamh uns gerne einläd. Ich hab schon ne Liste mit Sachen gemacht, die ich immer schon mal haben wollte. Wenn sie schon Kontakt mit mir wollen, sollen sie es am Ende wenigstens bereuen." Nicht unbedingt die erwachsenste Einstellung, aber das war Ezra momentan komplett egal. Seine Geschwister wussten immerhin genau, worauf sie sich eingelassen hatten.
    • Andrew

      "Nein, hab ich noch nie. Aber vielleicht ein anderes Mal. Ich glaube nicht, dass du willst, dass dein Partner heute Abend betrunken die Kameras überwacht und ein zwei Wachen übersieht", erwiderte Andrew. Partner. Ein Wort, dass er ganz selbstverständlich in Verbindung mit seinem Job nutzte, aber Ezra vielleicht nicht. Er hoffte automatisch, dass es nicht auffiel. Bevor er mit dem Blonden gesprochen hatte, glaubte er sonst nur, dass er ihn weiter und weiter verarschen wollte. Vorsichtshalber ließ er das so stehen und stimmte Ezra bloß zu, dass sie das nächste Café ausprobieren sollten. "Ich bleibe heute eher beim schwarzen Kaffee. Alles drum und dran ist doch eh nur für Schwache, die mit dem Geschmack nicht zurecht kommen", sagte er, sarkastisch gemeint, zumindest halb. In seinen Augen schwächte jeder Zusatz, ob Wasser, Milch oder Zucker, den Kaffee nur so ab, dass man es gar nicht mehr Kaffee nennen konnte. Seinetwegen war es ein Heißgetränk mit Koffein.
      Sie setzten sich drinnen an einen Tisch zu zweit, mitten im Getümmel. Man hatte ja damit rechnen können, dass es hier im Touristenviertel nicht ganz ruhig zuging. Dafür war gar nicht so viel los, wie erwartet. Vermutlich weil die meisten Leute bereits im Restaurant saßen. Das wäre natürlich auch eine Option gewesen, aber wer brauchte schon richtiges Essen, wenn Kaffee und Gebäck gab? Nicht Andrew.
      Zur Sicherheit warf er einen Blick in die kleine Karte, auch wenn er bereits wusste, was er wollte. Dann hatte er Zeit, über seine Situation nachzudenken. Heute Morgen hatte noch so eine furchtbare Stimmung zwischen ihnen geherrscht und jetzt besuchten sie ein Museum, ein Café und heute Abend vielleicht ein Restaurant, wenn Andrew sich und sein Verlangen nach Ratatouille durchsetzen konnte. Natürlich passierte das alles nicht, weil sie es so geplant hatten. Aber irgendwie fühlte es sich gerade sehr freiwillig an. Auch, oder eher besonders ohne dieser Stein-Sache würde Andrew zumindest gerne hier mit Ezra sitzen.
      "Das könnte alles ein richtig angenehmer Urlaub sein. Frankreich ist mir sympathischer als Polen. Und Russland, versteht sich von selbst", meinte er also. "So etwas hätte ich jedenfalls nie erlebt, wenn ich meinen Job noch hätte", fügte er hinzu. Vorsichtig hob er den Blick von der Karte zu Ezra. Andrew war nicht glücklich darüber, dass er gefeuert wurde, aber irgendwie musste er ihm vermitteln, dass es auch eine gute Seite gehabt hatte. Wenn es auch ein bizarrer Gedanke war, nachdem sie mehrmals fast gestorben wären und nur durch reines Glück hier saßen. Aber anders wären sie sich wohl nie so nahe gekommen. Anders hätte Andrew vielleicht nie erfahren, was Ezra dachte und für den Rest seines Lebens die Mittwochabende durchgezogen, dabei aber etwas Maßgebliches verpasst.
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    • Ezra

      'Partner' war ein Wort, das man nutzen konnte, um die Situation zu beschreiben. Es war außerdem ein Wort, dass Ezra gerne in einem anderen Kontext gehört hätte, aber dieser Traum war eindeutig zu weit entfernt. Vor allem, wenn ihre Kaffee-Ansichten offenbar so weit auseinander lagen. "Die Gesamtsituation ist schon bitter genug, da soll wenigstens mein Kaffee widerlich süß schmecken", merkte Ezra amüsiert an. Er bevorzugte eh Tee. Sollte Koffein fehlen, konnte man immer noch zu Energy-Drinks greifen.
      Zum Glück war die Karte ausschweifend genug, um sie beide irgendwie glücklich zu bekommen. Ezra hob kurz den Blick, als Andrew sprach und senkte ihn blinzelnd wieder, als sich ihre Blicke trafen und seine Gedanken wieder in eine Richtung abdrifteten, die er nicht gebrauchen konnte. "Mhm. Ich meine, die Umstände sind nicht ganz ideal, aber es hätte deutlich schlimmere Reiseziele gegeben", stimmte er zu. Polen hatte bestimmt auch ein paar nette Ecken, aber nach den Erlebnissen der letzten Tage waren die nicht unbedingt weit oben auf Ezras Prioritätenliste. Frankreich eigentlich auch nicht, aber seine Begleitung machte das alles hier weitaus erträglicher, als es sein sollte. Auch, wenn Andrew dafür seinen Job verlieren musste. "Weißt du schon, was du vor hast, wenn wir wieder in London sind? Ich meine-", er zuckte kurz hilflos mit den Schultern, "-kannst du dich bei einem anderen Dezernat bewerben, oder so? Dein Job war immerhin dein halbes Leben. Dreiviertel Leben."
      Ein anderes Dezernat. Es war irgendwie seltsam, dass dieser Vorschlag so leicht über seine Lippen gekommen war, nachdem er einen Großteil der letzten Stunden damit verbracht hatte, davon auszugehen, dass Andrew ihn nicht mehr sehen wollte. Zu wissen, dass sich ihre Wege auch nach dem Raub nicht trennen würden war irgendwie...schwer in Worte zu fassen. Ezra hatte das Gefühl, dass dieser Fakt zeitgleich sehr befreiend und doch noch nicht ganz in seinem Hirn angekommen war.
      Zum Glück wurde er von der Kellnerin unterbrochen, bevor er noch irgendwas dämliches sagen konnte. Nach einer kurzen Nachfrage wechselte die junge Frau in ein englisch mit einem charmanten französischen Akzent, während sie sich auf ihrem kleinen Block notierte, was sie bestellten. Das war wahrscheinlich der einzige Vorteil an diesen Touristenfallen - wenigstens gab es Leute, die englisch sprechen konnten.
    • Andrew

      Ein anderes Dezernat… Andrews Vater hatte sein halbes Leben schon dem 28. Dezernat geopfert und er selbst kannte jede Straße, für die es zuständig war, in und auswendig. Nicht zu schweigen von seinen Kollegen, die er nun ewig kannte und seiner Chefin, die… naja, die ihn rausgeschmissen hatte und sich immer über seine Alleingänge aufgeregt hatte, aber es hatte etwas rituelles an sich gehabt. Wenn er daran zurück dachte, zog sich in Andrew etwas zusammen. Er vermisste London und seine Arbeit. Bis vor kurzem hatte er schließlich nichts anderes gekannt und er war wirklich niemand, der sich eine großartige Umstellung seines Lebens gewünscht hatte. Er war vielleicht gestresst gewesen und hatte seinen Körper nach und nach mit seinem Lebensstil zerstört, aber irgendwann hätte er ja mal mit den Überstunden aufhören und sich das Frühstücken angewöhnen können, wenn es kritisch wurde. Die Chance bekam er nun nicht einmal.
      "Ich weiß nicht. Es ist vermutlich besser, als nichts", murmelte Andrew. "Aber ich glaube, wenn man fristlos entlassen wird, dann spricht sich das herum. Keine Ahnung, ob mir da nochmal jemand eine Chance gibt" Der Pessimismus diesbezüglich breitete sich in ihm bereits aus wie eine Krankheit. Er hatte die letzten Tage nur daran denken können, dass sein Leben nie wieder dasselbe sein würde und diese Tatsache verankerte sich immer mehr in Andrew. Sein größter Wunsch wäre es, einfach zurückgehen zu können, als wäre nichts gewesen. Nur… mit dem Wissen, das er jetzt besaß.
      "Und du? Führst du dein Kriminellen-Leben fort, wenn wir zurück sind?", fragte er und schmunzelte leicht. Er würde Ezra zumindest nicht mehr aufhalten können. Gut, bestimmt würde er ein oder zwei Motivationsreden zu hören bekommen, dass er sich noch bekehren und ein ehrliches Leben führen konnte. Irgendwo würde er schon einen Job kriegen, so verzweifelt, wie manche Arbeiter suchten. Und im schlimmsten Fall konnte er immer noch seinen Lebenslauf aufpeppen und ein paar Dienstzeugnisse fälschen, daran sollte es nun auch nicht mehr scheitern.
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