The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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      Ezra

      Wäre es schlimm, wenn Ezra zugeben würde, dass er eigentlich gerne mal einen von Andrews Ex-Beziehungen treffen würde? Aus purem Interesse daran, was Andrews Typ war, bevor er offenbar an ihm hängen geblieben ist? Obwohl 'hängen geblieben' wahrscheinlich der falsche Begriff war. Sicher, sie hatten Kinder und bald wohl auch ein Haus, aber eigentlich war ihre Beziehung in ein paar Tagen erst ein halbes Jahr alt. Eigentlich war es absoluter Wahnsinn, von sechs Monaten, in denen sie größtenteils noch unter massivem Druck gestanden hatten, auf den Rest des Lebens zu schließen.
      Zum Glück wechselte Andrew das Thema, bevor Ezra sein Glück wagen und nach seinen vergangenen Beziehungen fragen konnte, auch wenn das nächste Thema nicht einfacher zu erklären war. Ada und Liz waren die einzigen anderen Konstanten in seinem Leben gewesen und, so sehr er Ada auch mochte, Ezra wusste genau, wie schwer es sein konnte, mit ihr aus zu kommen.
      "Ich glaube, du machst dir zu viele Gedanken. Sie hätte kaum zugestimmt zu babysitten, wenn sie dich nicht leiden könnte." Ezra lächelte Andrew aufmunternd entgegen, während er nach einer Cola griff. "Ada ist immer ein bisschen passiv-aggressiv. Ich glaube, sie mag dich mehr, als du denkst." Oder er war übertrieben optimistisch, weil er unbedingt wollte, dass die beiden gut miteinander aus kamen. "Sonst kann ich auch gerne mal einen Tag babysitten, falls du versuchen willst, sie irgendwie um den Finger zu wickeln." Erza grinste seinem Freund leicht entgegen. Irgendwie stellte er sich das auch fast ein wenig zu unterhaltsam vor. Ada mit ihrer schroffen Art neben Andrew, dem man wirklich jedes Gefühl auf den Kopf zusagen musste, damit er es verstand, ohne Ezra selbst als Puffer zwischen den beiden. Das konnte nur schief gehen. Ob er ihnen irgendwie eine Kamera für einen exklusiven Livestream unterjubeln könnte?
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      Andrew

      "Das ist furchtbar. Die Kinder können nichts dafür" Hätte Ada ihrem engsten Freund wirklich die Bitte abgelehnt, auf seine Kinder aufzupassen, nur weil Andrew das andere Elternteil war? Das wäre grausam. Außerdem waren sie nicht einmal biologisch verwandt, also machte es absolut keinen Sinn. Auch wenn… er in letzter Zeit manchmal dachte, dass er locker mit Max verwandt sein könnte, egal wie unmöglich es war.
      "Hm. Ehrlich gesagt ist sie mir ein bisschen unheimlich. Gibt es überhaupt irgendetwas, das sie mag? Ich kann schon mal etwas mit ihr unternehmen, wenn du denkst, dass das helfen würde", meinte er nachdenklich. Die Frau wirkte aber eher so, als würde sie ihn die ganze Zeit nur böse anstarren, oder so. Er wusste beim besten Willen nicht, was ihr gefiel, und das, nachdem sie sich schon eine Weile kannten und sogar gemeinsam Weihnachten in Liverpool verbracht hatten. Schön, er hatte vielleicht keine riesigen Anstalten gemacht, sie besser kennen zu lernen… Aber für ihn war das normal. Sollte sie als Ezras Freundin aber nicht versuchen, ihm eine Chance zu geben? Oder war das schon ihre Art, ihm eine Chance zu geben?
      Als das Essen kam schob Andrew seinen beinahe leeren Eiskaffee zur Seite und machte sich über die Pasta her, nachdem er seit einigen Stunden nichts gegessen hatte. Wenn es etwas gab, dass ihn störte, seit er mit Ezra zusammen und seinen alten Job los war, war es die Tatsache, dass er ständig am Essen war. Sie waren ständig am Essen. Er hatte mit deutlich weniger Nährstoffen überlebt, als er noch Tag und Nacht gearbeitet hatte, und jetzt hielt er es keine 6 Stunden ohne die nächste Mahlzeit aus. Allerdings hatte er nicht das Gefühl, dass er sichtbar zunahm, obwohl die Waage etwas anderes sagte. Vielleicht half das regelmäßige Essen doch beim Muskelaufbau, in letzter Zeit machte er zwar weniger Sport, war aber ständig auf den Beinen, wenn er nicht im Büro war. Also konnte er sich vielleicht doch nicht beschweren.
      "Ich bestelle gleich noch was zum Mitnehmen, fürs Abendessen und die Kinder", meinte er während dem essen. Er wollte heute Abend nicht mehr ans Kochen denken. "Willst du noch wo stehen bleiben? Dessert? Donuts oder sowas?" Soviel dazu, dass er ständig am Essen war. Und bisher hatte er es auch noch kein einziges Mal geschafft, Ezra dazu zu bringen, mit ihm Laufen zu gehen. Vor der letzten Mission war er meistens am Wochenende Morgens eine Runde gelaufen, was die Chance auch nochmal in allen Aspekten verringert hatte.
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      Ezra

      "Ich weiß nicht, ob es dir bewusst ist, aber eigentlich seid ihr euch wirklich ähnlich", merkte Ezra mit einem kleinen Lachen an, als Andrew beichtete, dass er Ada ein wenig unheimlich fand. "Du switchst zwischen Job, Kindern und Beziehung, sie jongliert mit Job, Kind und Studium. Ihr tut beide so, als ob ich mich irgendwann versehentlich selbst umbringen würde und wenn man was gegen euch sagt, habt ihr sogar ein bisschen die selbe Mordlust in den Augen. Ich wundere mich eigentlich, dass ihr nicht schon längst herausgefunden habt, dass ihr lange verschollene Geschwister seid, oder so." Obwohl es wahrscheinlich genau deshalb nicht funktionierte. Sie waren sich in den falschen Punkten einfach zu ähnlich. Gemischt mit Adas Art und Andrews Talent dafür, Freundschaften aus dem Weg zu gehen, konnte das eigentlich gar nichts geben.
      "Ihr könntet einfach in ein Café gehen. Reden. Euch eine Auszeit nehmen." Das wäre wahrscheinlich das Ungefährlichste, was die beiden zusammen unternehmen könnten. Wenn sie sich doch nichts zu sagen hatten, gab es dazu wenigsten Kaffee und Kuchen und mal eine Stunde keine schreienden Kinder.
      "Aber du musst dir deswegen keinen Druck machen. Es ist wirklich süß, dass du dich um sie bemühst, aber ihr müsst nicht meinetwegen zu besten Freunden werden." Immerhin tolerierten sie sich und das reichte ihm auch schon. Solange keiner von beiden sich über den jeweils anderen beschwerte war seiner Ansicht nach alles in bester Ordnung. Obwohl es natürlich eine ziemlich schöne Vorstellung war, dass sie in ein paar Monaten alle super glücklich lachend im Garten sitzen und...grillen würden, oder den Kindern beim spielen zuschauen würden, oder was auch immer.
      "Dessert klingt gut", stimmte Ezra zu, auch, wenn er sich ziemlich sicher war, dass er nach der Portion Pasta keinen Bisschen mehr runterbekommen würde. Aber es würde Andrew und die Kinder glücklich machen. Zucker schien die Familie zusammenzuschweißen. "Donuts kann man immer gut mitbringen. Oder Eis. Ist es schon warm genug für Eis?" Ezra warf einen kritischen Blick durch das Fenster. Es war nicht kalt gewesen, aber man schmolz auch noch nicht, wenn man raus ging. Hatten sie die Kinder überhaupt je nach ihren Lieblingseissorten gefragt? Das musste dringend nachgeholt werden!
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      Andrew

      „Für Eiskaffee ist es warm genug“, murmelte Andrew, noch etwas versunken in der Frage, ob er wirklich aus sich herauskommen und sich mit Ada treffen sollte. Ezra schien sich ziemlich sicher zu sein, dass sie gut miteinander auskommen würden. Aber wenn Andrew sich nicht unbedingt zwingen musste… Schließlich hatte er noch genügend andere Dinge zu tun, die im Endeffekt für seine Familie, für Ezra, waren. Besser, er arbeitete sich der Reihe nach durch.
      „Aber für die Kinder ist es noch zu kalt“, fügte er bestimmt hinzu. „Es hat noch kaum 20 Grad. Ich will nicht, dass sie Halsschmerzen kriegen, oder sowas“ Manchmal half der Mom-Blog, den er in seinen Pausen ab und zu las, ihm ja doch weiter.
      Sie aßen auf, Andrew bestellte noch eine gigantische Menge Essen, die für sie alle reichen würde, bezahlte und hatte etwas Angst, sich die Rechnung anzusehen, also tat er es nicht. Alte Gewohnheit. Am Heimweg blieben sie bei der nächsten Bäckerei stehen und kauften ein paar Snacks ein. Wahrscheinlich war für die Donut-Aktion noch immer Andrews minimales schlechtes Gewissen verantwortlich. Er würde nie wieder einen Urlaub ohne seine Kinder vorschlagen. Das kostete ihn am Ende noch sein ganzes Erspartes.
      Zuhause ankommen parkte Andrew wie befohlen nicht um die Ecke, sondern direkt vor dem Haus. Mittlerweile war es etwa halb 5, es wurde schon wieder ein wenig kälter und Andrew hoffte, dass Ada Niko irgendwie in seine Jacke gezwängt bekommen hatte, falls sie hinten im Garten waren. Sie konnten jedenfalls nicht nachsehen… denn sobald die Kinder sie sahen, würden sie ihnen an den Beinen hängen. Also bahnte Andrew sich mit den Tüten voll Essen die Treppen hoch zu ihrer Wohnung. Er ließ Ezra aufschließen — es war wirklich angenehm, dass sie beide wieder vier Arme und vier Beine zur Verfügung hatten — und kickte sich die Schuhe von den Füßen, um das Essen in den Kühlschrank zu stellen.
      „Willst du jetzt einen Donut? Solange die Kinder sie noch nicht gesehen haben, können wir sie auch einfach aufessen und niemand wird was erfahren“, rief er — viel zu ernst — aus der Küche heraus. Andrew hing fest zwischen seinem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber und seinem seltsamen Verlangen, Ezra zu mästen.
      „Oder wir trinken ein Glas Wasser und kommen mal aus dem Fressrausch raus“, murmelte er leise, deutlich mehr zu sich selbst. Er musste selbst eim Glas Wasser trinken. Und ins Fitnessstudio. Er hatte das Gefühl, dass er wie sein eigener Vater noch zu einer Art Staubsauger werden würde, wenn er nicht aufpasste. War das das Schicksal von Familienvätern?
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