I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae

      Schon als ich den Raum betreten hatte, war da so eine eigenartige Atmosphäre. Sie hatten über irgendetwas gesprochen, doch bekam ich nicht genau mit, um was es ging. Egal was es war; ich hätte mich auf Baldr's Seite gestellt.
      Bei dem Kartenspiel war ich mich nicht so sicher, ob es mir gefiel oder nicht. Besonders gut war ich darin jedenfalls nicht. Aber ich war bisher auch nicht wirklich eine gesellige Person. Jetzt, wo ich nichts verheimlichen musste - jedenfalls mein Geschlecht - würde sich das vermutlich ändern. Ich war gern mit Baldr allein - jetzt noch viel lieber als sonst - aber ich genoss auch die Zeit mit den anderen. Es gefiel mir, mehr als nur einen Freund zu haben. Natürlich würde niemand Baldr vom ersten Platz stoßen können.

      Dann sank die Stimmung in meinen Augen jedoch sehr rasch, als Ruven beiläufig erwähnte, worum man noch spielen könnte, abgesehen vom Geld. Meinte er das ernst? Es sah eigentlich nicht so aus, aber Baldr hatte irgendwie zugestimmt. Oder doch nicht? Ich war mir nicht sicher. Nur wenig später, rutschte Baldr etwas gemeines gegenüber Ruven und etwas peinliches über mich heraus, weshalb ich versucht hatte es zu schlichten.
      Ob das wirklich funktioniert hatte, konnte ich nicht behaupten. Jedenfalls verließ Ruven uns. Baldr entschuldigte sich und dann wandte er sich mir zu. Ich hatte nicht vor, mich jedem nackt zu präsentieren, auch wenn es mich so eigentlich gar nicht groß kümmerte. Baldr kannte mein Geheimnis und vor ihm hatte ich mich nie geziert. Jetzt wussten es alle, aber ich sollte mich wohl lieber nicht in jeder Hinsicht so benehmen, als wären Baldr und ich allein.
      Ich lächelte ihm zu, was meine Zustimmung ausdrücken sollte, ehe ich ihm in unser Zimmer folgte und mir dort das Nachthemd von Lisbeth anzog, um mich mit Baldr ins Bett zu legen. Es war ein unglaublich schönes Gefühl so in seinen Armen zu liegen und die Wärme seines Körpers zu spüren. Ich fühlte mich sicher, obwohl doch ich diejenige sein wollte, die Baldr vor allem Übel beschützen wollte.
      Allerdings schlief ich viel zu schnell ein, sodass ich mich nicht lange an diesem Gefühl erfreuen konnte.

      So gut hatte ich noch nie geschlafen.. Es war im Nachhinein doch etwas beunruhigend, dass ich so lang - und so fest - geschlafen hatte, dass die anderen bereits aufgestanden waren. Einer der beiden hatte wohl das Fenster geöffnet, weshalb eine frische Brise hereinwehte. Ich.. wollte noch nicht aufstehen.. Was für mich ungewöhnlich war, denn ich konnte nie lange still sitzen oder liegen. Aber in diesem Augenblick wollte ich einfach nicht von Baldr's Seite weichen. Leider war er mir nicht mehr so nah wie vor dem Einschlafen, weshalb ich an ihn schmiegte und meinen Kopf auf seine Brust legte. Ich ließ meine Augen geschlossen und lauschte seinem Herzschlag, was mich zum Lächeln brachte.

      ____

      Ruven Avenor

      Baldr hatte sich zwar entschuldigt, aber ich bezweifelte, dass wir so schnell wieder spielen würden. Zumindest hatte er nicht die Absicht mich zu verletzen, wobei er sich vermutlich gar nicht bewusst war, dass es mich verletzen könnte.
      Allerdings war ich noch nie nachtragend gewesen. David hatte Theo und mich in jüngeren Jahren oft schikaniert. Ich wusste nicht wieso und er hatte damit auch aufgehört, als er so langsam erwachsen wurde, aber dadurch war ich wohl niemandem gegenüber sehr nachtragend. David war schließlich mein Bruder und wir hatten auch damals ein paar schöne Momente. Deshalb verzieh ich anderen ihre Fehler immer recht schnell und galt deswegen wohl als viel zu gutgläubig, denn ich glaubte immerhin wirklich daran, dass es nicht böse gemeint war. Objektiv betrachtet konnte ich Baldr's Aussage vollkommen verstehen.

      Am nächsten Morgen aß ich mit Marius zum Frühstück und beobachtete die Jüngeren ein wenig. Sie wussten noch immer nichts von dem, was an der Akademie passiert war. Wie lange sie die Geschichte wohl glauben würden?
      Danach begleitete ich Marius wieder bei seinem inzwischen täglichen Besuch bei Lisbeth, nachdem er kurz bei der Klinik vorbeigeschaut hatte. Es war viertel nach Neun, als wir das Waisenhaus erreichten. Die Kinder hatten gegessen, beim Aufräumen geholfen und wollten nun in den Hof zum Spielen. Ich beschäftigte mich ebenfalls mit einigen von ihnen und las denen, die interessiert waren, aus einem Märchenbuch vor. Dabei bemerkte ich die Blicke der beiden, die sie immer wieder austauschten. Es war ähnlich wie bei Baldr und Lorae, was zweifelsohne denselben Grund hatte.

      _____

      Meredith Ravel

      Obwohl ich die Schmiede heute nicht vorheizte, war ich früh auf den Beinen. Ich hatte mich einfach so sehr daran gewöhnt, dass es zu einem selbstverständlichen Rhythmus geworden war.
      Gerade als ich den Bogen noch einmal begutachtete und alles nötige zusammenpackte, um ihn später zu präsentieren, klopfte es an der Tür. Mein Blick ging zur Uhr: Kurz nach sieben.. Wer würde mich so früh besuchen?
      Glücklicherweise stellte der Besucher sich als Valerius heraus, der wohl wieder meinen Hinterhof nutzen wollte. Hatte er denn keinen anderen Ort zum Trainieren? Allerdings hatte er einen Korb dabei, aus dem der Geruch von frischen Brot stieg.
      "Ich war einkaufen..", teilte er mir das offensichtliche mit und ging schnurstracks in die Küche, als würde er hier wohnen. Klar.. nur hereinspaziert. Er war zwar nicht so der gesprächigste, aber sehr nett und ziemlich zuvorkommend. Er hätte auch ganz allein in der Taverne frühstücken können, doch stattdessen besorgte er etwas für uns und das scheinbar von seinem eigenen Geld.
      "Danke. Das wär nicht nötig gewesen."
      "Doch, finde ich schon. Du wirkst wie jemand, der alles um sich herum vergisst, wenn er sich erstmal auf etwas fokussiert hat. Du hast auch nicht besonders viel getrunken."
      Das war bisher der längste Satz, den er zu mir gesagt hatte und dann klang er auch noch so unnötig fürsorglich. Er war doch nicht meine Mutter..
      Wenig später saß ich dann also da. Mit ihm am Esstisch und ließ es mir schmecken. Ich fragte mich, was er für ein Typ war. Es wirkte nicht so, als täte er das, um mich damit irgendwie zu umgarnen. Er war auch viel zu distanziert dafür und hatte bisher noch kein einziges Mal gelächelt, was einem beim Süßholzsraspeln helfen würde. Also hatte er nicht vor mich zu belästigen. Fein.

      Anschließend zeigte ich ihm den Bogen, den er sehr genau prüfte. Sein Gewicht, die Spannung.
      "Man muss ihn nicht abspannen, wenn man ihn für eine längere Zeit nicht nutzt." Das war ein großer Vorteil, denn er war zum einen immer griffbereit und zum anderen nahm die Sehne durch die Kabel keinen Schaden.
      "Allerdings ist er dafür ein wenig umständlicher zu transportieren." Einen Haken gab es leider immer, aber das sollte kein schwerwiegender Kritikpunkt sein.
      "Interessant...", meinte er nur, ehe ich ihm den Aufbau erklärte und kein Detail ausließ, da er wirklich interessiert aussah.

      Doch nur 2 Stunden, nachdem Valerius an meine Tür geklopft hatte, klopfte es erneut.
      Ich öffnete die Tür und erblickte überraschenderweise den General. Dabei war ich davon ausgegangen, dass ich zu ihm kommen müsste, da ich ja schließlich auch etwas von ihm wollte. Natürlich ließ ich ihn eintreten und ging zurück an den Tisch, auf dem der Bogen lag. Die Konstruktion war kein Hexenwerk, doch enorm effektiv. Außerdem hatte ich dazu auch ein Dutzend spezieller Pfeile gemacht. Man könnte damit natürlich auch die gewöhnlichen Pfeile aus Holz verwenden, aber diese bestanden zum Großteil aus Carbon und waren dadurch nicht nur durchschlagskräftiger, sondern auch wesentlich schneller als Holzpfeile.
      Zum Vergleich hatte Valerius seinen eigenen Bogen und einen Köcher voller Pfeile mitgebracht. Immerhin bräuchte man einen Vergleich, wenn wir die Unterschiede verdeutlichen wollten. Ich war zwar fest von meinem Werk überzeugt, aber auch ein wenig nervös. Aber ob sie davon ebenso überzeugt sein würden, wie ich? Manchmal waren Männer zu stolz, um eine Frau zu loben. Ihr Pech, wenn sie ihren Horizont nicht erweitern wollten.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ich erinnerte mich, irgendwann in der Nacht wachgeworden zu sein und meine Blase zu entleeren. Jedoch konnte ich danach eine ganze Weile nicht wieder einschlafen, weder an Lorae geschmiegt, noch auf dem Bauch liegend und auch nicht auf dem Rücken. Erst als langsam die Sonne aufging, hatte ich wieder genügend Schlafdruck aufgebaut, um noch ein wenig Schlaf zu finden.
      Als ich eine ganze Weile später erwachte - es war bereits gleißend hell im Zimmer, das Fenster war geöffnet und das Treiben der Bewohner war zu hören - fand ich mich auf dem Rücken liegend vor. Marius und Yoichi hatten das Zimmer bereits verlassen. Zu meiner Freude war Lorae noch geblieben. Sie lag mit ihrem Kopf auf meiner Brust und schien lächelnd meinem Herzschlag zu lauschen, ihre Augen waren geschlossen.
      "ich lebe noch, kein Grund, meinen Herzschlag zu prüfen", witzelte ich und zog die Decke wieder ein Stück hoch, mein Bauch begann zu kribbeln, meine Erregung wuchs und war durch das Nachthemd ziemlich deutlich zu sehen.
      Mir war kalt; meine Hände legten sich über sie, eine strich sanft über ihren Kopf, die andere kraulte sanft ihren Rücken.
      "Hattest du eine angenehme Nacht?", murmelte ich gähnend. Es war gerade schön kuschelig und ich hoffte, dass wir hier noch eine Weile liegen könnten, jedoch hörte ich von draußen bereits Levi reden, da unser Fenster zum Vorplatz ausgerichtet war.
      Was er sprach, konnte ich nicht verstehen und auch nicht, mit wem er sprach und ganz ehrlich...ich wollte es gerade auch nicht. Alles was ich wollte war, dass Lorae sich wieder neben mich legen würde und wir uns küssen.
      "Bestimmt will Levi wieder zur Basilika und braucht jemanden, der ihn schiebt. Wahrscheinlich besteht er darauf, dass einer von uns das macht...aber bevor ich irgendwo hingehe...leg dich noch einen Moment neben mich, meine Liebe", murmelte ich und machte im Bett noch ein wenig Platz, ehe ich mich auf die Seite drehte und meine Lippen mit meiner Zunge befeuchtete, da sie sich ziemlich trocken anfühlten.

      ---

      "Guten Morgen, Meredith", sprach der General und war ein wenig angespannt.
      "Ich dachte mir, dass ich persönlich vorbeikomme. Diese Präsentation ist wichtig und wenn du dich gut anstellst, steht dir vielleicht eine große Karriere bevor. Der König kann immer fähige Schmiede gebrauchen."
      Er trat nun herein und folgte ihr an einen Tisch, auf dem bereits ein Bogen lag.
      "Ich nehme an, das ist er?"
      Der General nahm nun Platz und nahm den Bogen in die Hand, um ihn zu begutachten,
      "Das Treffen findet zur zehnten Stunde statt, zum Königspalast brauchen wir etwa 35 Minuten. Wir sollten uns entsprechend langsam auf dem Weg machen, wenn wir pünktlich sein wollen."

      ----

      Levi war zu Yoichi gerollt, der gerade mit einem Bogen in der Hand den von - an drei Seiten mit einer mannshohen Hecke umgebenen - Platz gehen und ein wenig üben wollte und fing ihn ab.
      "Du da!"
      "Meinst du mich?"
      "Ja. Du bist doch mit Baldr und diesem Mädchen befreundet. Die beiden waren heute nicht beim Frühstück. Weißt du warum?"
      Levi klang streng.
      "Ach so, die liegen noch im Bett."
      "Im Bett?", Levi kniff seine Augen ein Stück zusammen.
      "Ja. Ist das schlimm?"
      "Tz...es ist bereits weit nach zehn Uhr. Langsam ist es gut mit Schlafen. Auch wenn wir uns gerade von der letzten Schlacht erholen, so sollen sie spüren, dass sie dennoch Verpflichtungen haben. Sag ihnen, sie sollen innerhalb von zehn Minuten auf dem Vorplatz vor der Herberge antreten, Levi und Basim warten auf sie."
      "Jetzt?"
      "Ja! Und jetzt beweg dich!"
      Yoichi nickte und machte sich auf den Weg. Er betrat die Herberge, stapfte die Treppe hinauf in den ersten Stock und verharrte noch einen Moment vor der Tür, von dessen anderer Seite seltsame Geräusche zu hören waren. Dann atmete er durch, klopfte an und öffnete sie.

      Levi rollte zurück zum Vorplatz, wo Basim auf einer Bank sitzend wartete.
      "Kinder..", murmelte Levi leise mit den Zähnen knirschend.
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    • Lorae

      Ich kicherte leise, als Baldr meinte, dass er noch lebte. Das konnte er sich wohl nicht verkneifen.
      Inzwischen mochte ich dieses kribbelige Gefühl in meinem Körper und die leichte Gänsehaut, die sich auf meinem Rücken bildete, als er ihn kraulte. Ich wünschte, wir könnten den ganzen Tag hier liegen bleiben..

      "Ja.. und du?", gab ich die Frage zurück, ob er eine angenehme Nacht hatte.
      Es war ungewohnt um die Zeit noch im Bett zu liegen, vor allem, weil alle um uns herum schon wach waren, was man an den Stimmen und gelegentlich Stapfen vor der Zimmertür merkte.
      Auf seine Bitte hin, legte ich mich neben ihn und sah in seine Augen. Ein breites Lächeln legte sich auf meine Lippen, als Baldr über seine leckte. Ich konnte nicht widerstehen und begann ihn sanft zu küssen. Das führte jedoch nur dazu, dass dieses.. Verlangen in mir wuchs. Allerdings dachte ich in diesem Moment nicht wirklich nach und strich mit meiner Hand von seiner Brust über seinen Bauch, ehe ich unter sein Nachthemd gelangte und es hoch schob, um wieder von seinem Bauch zu seiner Brust zu kraulen. Was sich bei mir gut anfühlte, würde sich bestimmt auch bei ihm gut anfühlen. Währenddessen wurde der Kuss wie letzte Nacht immer leidenschaftlicher; gieriger.
      Ich richtete meinen Oberkörper etwas auf, indem ich mich auf meinen rechten Arm stützte, sodass ich mich ein wenig über ihn beugen konnte, wobei ich etwas mutiger wurde und meine Hand an seiner Brust langsam wieder nach unten glitt. Mein Herz schlug wieder so schnell - ob das jedes Mal so sein würde? Auch meine Wangen fühlten sich wieder so warm an, je näher ich seiner Erektion kam und sie schließlich unter meinen Fingern spüren konnte.
      Ich wusste nicht, ob es ihm gefiel, wenn ich ihn dort berührte, außerdem musste ich wieder leise keuchen, weshalb ich mich von seinen Lippen löste und ihn betrachtete, damit ich sehen konnte, wie er darauf überhaupt reagierte..

      ____

      Meredith Ravel

      Als ich bemerkte, dass meine Augen in freudiger Erwartung größer wurden, zwang ich mich dazu ruhig zu bleiben. Aber der General meinte, dass mir vielleicht eine große Karriere bevorstünde und hatte er behauptet, dass ich eine fähige Schmiedin war? Der General höchstpersönlich?!
      Ich konnte kaum erwarten, was er zu meinem Bogen sagen würde und musste mich wirklich zusammenreißen, als er diese absurde, rhetorische Frage stellte. Natürlich war er das! Was sollte das sonst sein?

      Ganz ruhig, Meredith.. Ich nickte, aber meine Aufregung konnte ich wohl nicht ganz verbergen.
      "Jawohl!" Eilig warf ich mir den Gurt des Köchers über die Schulter und schnappte mir den Bogen, um den General zu begleiten.
      Bei den Göttern! Ich war gerade wirklich auf dem Weg zum Königspalast. IN den Königspalast!! Wenn Mama und Papa das doch nur sehen könnten..
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      - Eugene Ionesco
    • "Ich kann mich nicht beklagen", hauchte ich. Als sie neben mir lag, erwiderte ich ihren Kuss, was dazu führte, dass das Kribbeln in meinem Bauch noch stärker wurde und meine Erektion pulsierte. Dieses Verlangen war stark, so stark und ich schien nicht der Einzige zu sein, der es spürt, denn Lorae begann nun, mein Nachthemd nach oben zu schieben und meinen Oberkörper zu kraulen.
      Mit purer Lust in den Augen verschränkte ich meine Arme hinter dem Kopf und spreizte meine Beine, als sie anfing, mit ihren Fingern meine Erregung zu ertasten und kurz unseren gierigen Kuss löste.
      Ich zuckte leicht und keuchte zustimmend, meine Wangen erröteten leicht.
      "Reite mich", hauchte ich lustvoll und kaum bei Verstand.
      Ich griff, mir auf die Unterlippe beissend, zwischen ihre Beine und schob ihre Unterkleidung zur Seite, um ihre feuchte Öffnung freizulegen, meine Hände lagen auf ihrem Becken, um sie auf meiner pulsierenden Erektion zu platzieren, als es plötzlich an der Tür klopfte und Yoichi eintrat.
      Als er uns so sah, stieg ihm die Schamesröte ins Gesicht: "OHH, Um Gottes Willen! Ich...", er bedeckte seine Augen mit einer Hand und drehte sich um. "Levi schickt mich. Ihr sollt in zehn Minuten auf dem Vorplatz antreten und das vermutlich sauber, so wie ich den Hauptgefreiten kenne."
      Dann hastete er aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich.

      Mir gefror das Blut in den Adern, jegliche Lust war wie verflogen und alles was blieb ist Scham.
      "Scheiße", sprach ich sichtlich genervt und richtete mich auf, wie ein trotziges Kind schlug ich gegen die Wand an unserem Bett.
      Seufzend gab ich Lorae einen letzten Kuss, dann zog ich mich an und eilte mit strubbligen Haaren in den Speisesaal, in der Hoffnung, noch etwas zu Essen zu bekommen, doch vergeblich. Die Pendeluhr im Saal gab mir zu verstehen, dass es schon weit nach zehn Uhr ist und damit keines mehr serviert wird.
      Mir knurrte der Magen, ich versuchte, meinen Hunger mit einigen Bechern Wasser zu stillen. Jedoch aktivierte das wiederum meinen Harndrang, es war zum Kotzen.
      Unterwegs lief mir noch Franz in die Arme und beinahe wäre ich noch in eine der Herbergs-Angestellten gelaufen, ich war vollkommen neben der Spur.
      Beinahe zu spät erreichte ich schließlich den Vorplatz - abgehetzt, hungrig, ungekämmt, die Kleidung eine Nummer zu groß. Levi schüttelte den Kopf, Basim musste schmunzeln.
      "Da bin ich", keuchte ich.
      "Wo sind deine Manieren, du Schwein? Und hast du etwa keinen Kamm? Wenn du dem Hauptgefreiten gegenüberstehst, hast du zu salutieren und gepflegt auszusehen und nicht wie ein Bettler, der mich gleich um eine Spende bittet! Abtreten, du Wurm! In zwei Minuten möchte ich dich mit gekämmten Haaren und akkurat salutieren sehen!", sprach Levi streng zu mir.
      Ich war von dieser Härte überrascht, beinahe schon überrumpelt. Fast schon im Marsch eilte ich die Treppe hoch zurück ins Zimmer und suchte nach meinem Kamm und passender Kleidung.

      "Musstest du so streng sein?"
      "Diese Kinder brauchen Disziplin und manchmal muss man sie ihnen mit dem Hammer einprügeln. Oder glaubst du, im Militär wird den ganzen Tag Ringelpiez mit Anfassen gespielt? Wenn du da aus der Reihe tanzt, reden sie nicht erst mit dir, sondern bestrafen dich direkt."

      ---

      Wenig später war der General mit Meredith auf dem Weg in den Königspalast.
      "Und denk dran, bleib ruhig, ja? Wenn du dich mal versprichst oder dir ein Missgeschick passiert, lass dich davon nicht aus dem Konzept bringen."
      Rechtzeitig erreichten sie den Königspalast. Sie wurden von einer der Palastwachen empfangen und in einen großen Raum gebracht, in dessen Mitte ein kleiner Tisch stand. Unweit davon stand auf einem erhöhten Podium aus Holz ein weiterer, länglicher Tisch, an dessen länglicher Seite mit Blickrichtung zum kleinen Tisch, mehrere Stühle standen.
      Die riesigen, bis zum Boden reichenden und oben abgerundeten Fenster wurden mit roten Samtvorhängen verhüllt, um das grelle Sonnenlicht ein Stück weit auszusperren, da es sonst alle Anwesenden blenden würde, woran der weiße, blank polierte Marmorboden mit den schwarzen Maserungen sicherlich auch seinen Teil dazu beiträgt.
      Neben dem König sowie seiner Gemahlin standen noch drei Herren im Raum, von denen zwei aus derselben Branche wie Meredith zu stammen schien; zudem war ein Bogenschütze anwesend.
      "Ah, der General mit dieser Schmiedin, von der er so geschwärmt hat."
      Dann wandte er sich Meredith zu: "Junge Dame, ich begrüße Sie in meinem...bescheidenen Zuhause."
      Anschließend stellte er jedes Mitglied der Runde vor: "Ihnen bin ich sicher ein Begriff, man nennt mich König Sigismund II. Das ist meine Gemahlin, Dorothea IV, das sind die Herren von Maffei und Wegmann, ebenfalls Schmiede und das ist Krauss, ein Geschäftsmann, der Ihnen in den geschäftlichen Dingen und der Logistik zur Seite stehen wird, sollte uns Ihr Bogen überzeugen. Und hier", er deutete auf den Bogenschützen, "ist Ignatz, unser bester Bogenschütze. Er wird Ihren Bogen nach Ihrer Präsentation testen. Nun denn, fangen Sie an."
      Der König klatschte zweimal in die Hände, dann setzten sich alle Anwesenden inklusive des Generales an den Tisch auf dem Podium und blickten gespannt zu Meredith.
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    • Lorae

      Wenn Baldr mich nicht geführt hätte, hätte ich vermutlich mehr gezögert, seiner Bitte - oder Aufforderung - nachzukommen. So wehrte ich mich jedoch nicht dagegen, denn eigentlich wollte ich es ja auch. Doch ich verschwendete keinen Gedanken mehr daran, ob uns jemand sehen könnte.
      Das stellte sich ziemlich schnell als Fehler heraus, denn Yoichi ließ uns nicht viel Zeit zwischen dem Klopfen und seinem Eintreten, weshalb ich etwas erschrocken zu ihm sah und dann beschämt meinen Blick senkte. Und dann war es auch noch ausgerechnet Levi, der nach uns schickte! Ich sah wieder mit angehaltenem Atem zu Yoichi, der nach seiner Botschaft wieder verschwand und stand schnell auf.
      Nach Baldr's Kuss seufzte ich leise, zog mich an und machte mich anschließend frisch. Dafür nahm ich den Kamm in meine rechte Hand, um mein Haar zu bändigen und tätigte mit der linken gleichzeitig meine Zahnpflege. Es war niemals gut, Levi warten zu lassen, aber es war wohl noch schlechter, ungepflegt vor ihm zu erscheinen.
      Da Baldr vorausstürmte, konnte ich ihn nicht ausbremsen. Er.. Er hatte sich doch noch gar nicht gekämmt!
      Zum Schluss zog ich meinen Gürtel straff, damit die Hose nicht ausversehen herunterrutschen könnte. Das Hemd hing allerdings ziemlich schlabberig an mir herunter. Sollte ich es in meine Hose stopfen? Das sah irgendwie komisch aus.. Mein Blick fiel auf meinen Waffengurt, von dem ich die Schwerter abzog und ihn dann über meinem Hemd anzulegen.
      Um Baldr vor dem schlimmsten zu bewahren, hatte ich meinen Kamm eingesteckt und lief nach unten, nachdem ich mein Hemd zurecht gezupft hatte. Allerdings war er nicht auf dem Platz, was mich wunderte.
      "Hauptgefreiter Levi!", grüße ich ihn, stand stramm und salutierte, während ich ihm in die Augen sah.
      "Es tut mir leid, dass ich zu spät bin. Bitte verziehen Sie mir." Demütig neigte ich mein Haupt und nahm wieder Haltung an, bis er mir erlauben würde sie zu lockern.
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    • Wie ein Verrückter suchte ich minutenlang den Kamm, jedoch konnte ich ihn nirgends finden.
      "Scheiße", murmelte ich und vermutete, dass Lorae ihn eingesteckt haben musste.
      Ich atmete durch und verließ den Raum. Ich musste mutig sein. Die Treppe nach unten geschritten, trat ich nach draußen, wo Lorae bereits wartete.
      Angesichts erwarteter Konsequenzen seitens dem Hauptgefreiten, hatte ich mich doch weder gekämmt, noch trug ich passende Kleidung, trat ich neben Lorae, die gerade salutierte, jedoch weder von Levi noch von Basim beachtet zu werden schien.
      "Du siehst ja genauso aus wie vorher! Willst du, dass die Leute dich für ein Mitglied des Militärs halten oder für einen streunenden Bettler und ein dreckiges Schwein?"
      "Ich...ich konnte den Kamm nicht finden und naja...andere Kleidung hab ich zwar, aber die ist voller Grasflecken."
      Levi schüttelte seufzend den Kopf, die Arme verschränkt.
      "Was solls...der Junge ist ohnehin dein Problem, Basim", er blickte kurz zu Basim hinüber, dann wandte er sich Lorae zu, "und du kommst mit mir, Mädchen. Schieb mich zur Basilika und danach zum Arzt. Verabschiedet euch noch und dann Abmarsch!"
      Levi drehte um und verließ rollend den Hof in Richtung Straße. "Worauf wartest du, Mädchen?"

      Ich verabschiedete mich von Lorae mit einer Umarmung und schritt danach zu Basim.
      "Warum ist der heute wieder so streng?"
      "Weil ihr Disziplin und eine harte Hand braucht. Nehmt es nicht persönlich, doch wenn aus euch Soldaten werden sollen, braucht ihr eine dicke Haut und müsst diesen Ton abkönnen, ohne gleich anfangen zu weinen."
      "Und...was willst du von mir? Mich auch disziplinieren und runtermachen?"
      Jedoch erwiderte er meine Frage nur mit einer Handbewegung die mir signalisiere, dass ich ihm folgen solle.
      Wir waren ein Stück gelaufen, als er schließlich mit der Sprache rausrückte: "Wir gehen zum Schneider meines Vertrauens."
      "Wozu?"
      "Wegen der Bitte, die du Deimos anvertraut hast. Dass du neue Ausrüstung brauchst."
      "Ach ja...stimmt.. ."
      "Sag nicht, dass du das schon vergessen hast."
      "Ich...ich hab momentan andere Dinge im Kopf."
      Basim schmunzelte und blickte zu mir herunter, er war knapp einen Kopf größer als ich, eine ziemlich imposante Gestalt.
      "Hat dieses Mädchen deshalb diesen Fleck am Hals?"
      Ich schwieg einen Moment lang: "...ja."
      "Und hattet ihr auch Sex?"
      "Warum so neugierig?"
      "Weil es mich interessiert. Ich nehme an, Flavius spielt damit für dich keine Rolle mehr?"
      "Ich...ich weiß es nicht. Ja, ich hatte mit Lorae Sex und irgendwie auch mit Flavius aber...ich hab mich noch nicht entschieden...zuerst muss ich mit ihm darüber sprechen...ich hab das Gefühl, es ihm schuldig zu sein."
      "Liebst du dieses Mädchen?"
      "Ich...ich weiß es nicht. Für mich ist es im Moment eine Freundschaft mit besonderen Vorzügen...es gefällt mir, sie zu küssen und Sex mit ihr zu haben und ich liebe sie als Freundin über alles auf der Welt, aber ob ich sie auch auf diese besondere Weise liebe...ich weiß es nicht..."
      Ich blickte seufzend und mit genervtem Blick zu ihm auf: "Lass uns jetzt das Thema wechseln..."
      "Fein. Hast du heute schon was gegessen?"
      "Nein. Ich hab zu lange geschlafen."
      "Dann lass uns nach dem Besuch beim Schneider etwas essen. Ich lad dich auch ein."
      Basim zog einem Passanten im Vorbeigehen einige Münzen aus der Tasche und verstaute sie in seiner eigenen.
      "Was genau machen wir beim Schneider?"
      "Der Schneider wird dich vermessen und dir eine Montur nach Maß und nach deinen Wünschen anfertigen."
      Meine Laune besserte sich schlagartig ein wenig.
      "Das klingt gut, aber das wird bestimmt nicht billig."
      "Ach...lass das mal meine Sorge sein." Basim klaute einem Passanten erneut im Vorbeigehen einige Münzen.
      "Reicht der Sold nicht, den unser Orden für seine Morde bekommt?"
      "Doch...aber es ist immer besser, Reserven zu haben. Sieh es als Schutzgeld, das wir den Leuten abknöpfen, damit wir sie vor dem Bösen schützen."
      Dann machte er es erneut.
      "Pass auf, dass dir nicht die Hände zittern", witzelte ich, dann probierte ich es ebenfalls.
      Ich fuhr mit einer Hand in die Tasche eines an uns vorbeigehenden Mannes und wollte ihm einige Münzen aus der Tasche ziehen, jedoch bemerkte er meinen versuchten Diebstahl und packte mich fest am Handgelenk. Die Münzen fielen klimpernd zu Boden.
      "Du wolltest mich wohl beklauen, was?" Dann gab er mir eine feste Ohrfeige. "Schäm dich, du Rotzbengel!"
      "HEY", sprach Basim streng und befreite mich aus dem Griff des Mannes.
      "Es tut mir Leid, mein Neffe ist manchmal ein wenig kompliziert und hat sich nicht immer im Griff. Er ist geistig ein wenig...benachteiligt..."
      "Pff, das interessiert mich herzlich wenig. Wenn ich ihn nochmal dabei erwische, hack ich ihm die Hand ab."
      Er hob seine Münzen auf, Basim zog mich von ihm weg.
      "Was sollte das?", fragte Basim, nachdem wir uns von dem Mann entfernt hatten.
      "Ich wollte nur ein wenig Geld...das probieren, was du schon die ganze Zeit machst."
      Ich rieb über meine Wange, das dürfte einen Abdruck geben...
      "Im Gegensatz zu dir zittern mir dabei aber nicht die Hände."
      "Tzz..seit wann bin ich eigentlich behindert?"
      "Was hätte ich denn sonst sagen sollen?"
      "Irgendwas, dass mich nicht wie einen Behinderten dastehen lässt."
      "Tut mir Leid, aber das hast du dir selbst eingebrockt. Überlass mir die Geldbeschaffung, ja?"
      "Gut..."
      "Fang jetzt nicht an zu schmollen."
      "Mach ich nicht..."
      "Doch, machst du."
      "Mach ich nicht..."
      "Doch, das machst du. Das ist albern, also lass das. Sonst bring ich dich zurück in die Herberge."

      ...

      Levi unterdessen ließ sich bereits seit einer Weile von Lorae schieben.
      Er hatte geschwiegen, damit Basim und ich außer Hörweite waren, dann begann er zu sprechen.
      "Ich hab Baldr und dich gestern auf dem Platz neben der Herberge reden sehen. Und jetzt tauchst du hier auf und hast diesen Fleck am Hals. Ich fürchte du bist mir eine Erklärung schuldig. Wie kam es dazu und was hast du mit diesem Jungen vor, Mädchen? Du willst ihn doch nicht dazu bringen, meinen gestrigen Rat zu ignorieren und ihn stattdessen zu bringen, dir zu folgen, damit du weiterhin ein Schoßhündchen hast, auf das du aufpassen kannst? Wie ich gestern schon sagte, ist nicht jeder für diese Einheit geeignet und wenn er die Ausbildung abbricht, muss er ein Jahr warten, bis neue Anwärter rekrutiert werden. Dieses Jahr bekommt er nie wieder und das musst dann du dir auf die Fahne schreiben, ganz alleine dir, deiner Sturheit und deinem Egoismus."
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    • Lorae

      Für Baldr lief es wirklich nicht besonders gut.. Für unsere Kleidung konnten wir schließlich nichts, die war immerhin nur geliehen! Wollte er testen, wie weit er gehen könnte, bis wir zu Flennen anfangen? Darauf könnte er bei mir lange warten.. Nur Baldr könnte mich zum Weinen bringen, niemand sonst.
      "Jawohl, Hauptgefreiter Levi!", antwortete ich gehorsam, verabschiedete mich von Baldr und schob ihn dann über die Straßen. Bis zur Basilika waren es ein paar Minuten und ich hatte schon befürchtet, dass Levi nicht schweigen würde. Allerdings hatte ich nicht erwartet, dass er uns gestern gehört hatte. Den Fleck.. hatte ich schon wieder vergessen, aber was solls.
      "Nun, was diesen Fleck angeht.. Wir hatten Sex", erklärte ich ruhig, als wäre das etwas vollkommen normales. Vor Marius oder anderen fiel es mir leichter cool zu bleiben. Was war schon dabei? Würde er mich dafür bestrafen? Dann sei es so. Als Frau im Militär setzte ich mich ohnehin schon dem Gespött aus. Ob ich nun Jungfrau wäre oder nicht, machte da auch keinen großen Unterschied mehr.
      Ich sprach allerdings direkt weiter:
      "Ich wollte ihm tatsächlich etwas Mut zusprechen, aber als ich eingesehen hatte, dass Sie Recht hatten, habe ich versucht ihn davon abzubringen. Das ich Sie darum bitten wollte, ihn unter keinen Umständen aufzunehmen. Allerdings hat Baldr neben mir noch andere Gründe, um dem Aufklärungstrupp beizutreten. Und diese hatte er bereits, bevor ich mich dazu entschlossen hatte, ebenfalls beizutreten. Er wird sich weder von Ihnen, noch von mir davon abbringen lassen. Aber ich passe auf ihn auf. Ich kümmere mich um ihn. Ich war und werde immer sein Schild sein. Ich werde für uns beide stark sein. Emotional und im Kampf."
      An meiner Entschlossenheit gab es nichts zu rütteln. Ich stand für meine Meinung ein.
      "Allerdings..."
      Ich seufzte leise und ließ nun auch zu, dass sich meine Sorgen auch in meiner Stimme widerspiegelten.
      "Ich habe Angst, dass ich.. mich von ihm ablenken lassen könnte.. Wie ich handle, wenn er in Gefahr sein sollte.. Wenn ich nur eine Sekunde zögere oder die falsche Entscheidung treffe, könnte es seinen, meinen und den Tod unserer Kameraden bedeuten."
      Ich atmete tief durch.
      "Hauptgefreiter Levi.. kann ich so werden wie Sie? Kann ich.. bedingungsloses Vertrauen zu meinen Kameraden haben und ihnen sein, mein und ihr Leben anvertrauen? Wie sind die anderen Mitglieder im Aufklärungstrupp? Sind sie.. so wie Sie?"
      Wenn sie dem Hauptgefreiten ähnelten, bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen und ihnen mehr Vertrauen entgegen bringen. Aber ich wollte Baldr nicht verlieren.

      ___

      Meredith Ravel

      "Verstanden. Keine Sorge." Auch wenn ich aufgeregt war, würde ich mich schon nicht vollkommen blamieren. Dafür nahm ich meine Arbeit viel zu ernst. Das einzige, was passieren könnte wäre, dass ich mich reizen lassen würde. Aber nein. Dafür musste ich mich schon gegen viel zu viele Mistkerle behaupten, als das ich etwas auf deren Beleidigungen geben. Es wäre allerdings trotzdem besser, wenn sie bei meiner Präsentation unvoreingenommen blieben.
      Still schweigend begleitete ich den General und sah eher unauffällig meine Umgebung an. Ich wollte ja nicht mit offenem Mund vor dem König stehen, nur weil der Palast so beeindruckend war. Mein Herz raste zwar, aber ich konzentrierte mich einzig und allein auf meine Atmung. Ruhige, tiefe Atemzüge.
      Bescheiden? Naja. Ich verneigte mich respektvoll vor den Anwesenden und prägte mir die Namen der Anwesenden gut ein. Von Maffei und Wegmann hatte ich zumindest schon mal gehört. Die Namen des Königspaares sollte ja wohl jeder kennen. Und dann war da noch Ignatz. Okay.
      "Vielen Dank, Eure Majestät." Mit einer weiteren, kurzgehaltenen Verbeugung bedankte ich mich und legte den Köcher auf dem Tisch ab, ehe ich den Bogen hochhob, damit ihn jeder gut sehen konnte.
      "Zuallererst ist hervorzuheben, dass in diesem Bogen sehr viel Technik verbaut ist, die den Aufwand beim Bogenspannen um bis zu 80% reduzieren. Außerdem wird ein ganz besonders weites Schießen ermöglicht. Schon mit der Grundeinstellung ist beides deutlich zu erkennen. Um die optimalen Werte zu erreichen, muss der Bogen an seinen Schützen angepasst werden. Deshalb werde ich Ihnen die wichtigsten Bestandteile erläutern und wie man diese einstellt."
      Dazu müsste ich jede Menge erzählen und hoffte, dass sie mir auch wirklich bis zum Schluss zuhören würden. Zumindest Ignatz sollte besser ein großes Interesse zeigen, denn er war schließlich derjenige, der ihn später nutzen würde. Ob der König oder die anderen Anwesenden dieses Konstrukt im vollem Umfang verstehen würden, war nicht von Bedeutung. Am Ende würden wohl nur die Endergebnisse zählen, die Ignatz bei der Nutzung demonstrieren würden.
      Natürlich hatte der Bogen auch einen Nachteil, denn das Material war nicht ganz günstig, wenn man so viel Wert auf die Effizienz und Langlebigkeit des Bogens setzte, wie ich.

      "Sicher fragen Sie sich, was es mit diesem eigenartigen Design auf sich hat. Diese Löcher hier dienen tatsächlich nicht nur der Optik, sondern reduzieren auch das Gesamtgewicht des Bogens. Der erste Prototyp bestand aus Aluminium, da es weniger wiegt, allerdings war der im Vergleich zu diesem Bogen weitaus weniger kraftvoll. Mit den passenden Pfeilen kann man damit jede gewöhnliche Rüstung mit Leichtigkeit durchdringen. Zu den Pfeilen komme ich später.
      Dabei deutete ich nur kurz auf die Pfeile auf dem Tisch und widmete mich wieder dem Bogen.
      "Wie bei allen anderen Bögen wird natürlich auch hier die Sehne beim Schuss ausgezogen. Aufgrund seines Aufbaus habe ich ihn Compoundbogen genannt, denn das wichtigste Merkmal sind diese Rollen und die Kabel hier, die das System zusammenhalten."

      Ich deutete auf die beiden Kabel, die über die Rollen am Ende der Wurfarme mit einander verbunden sind. Deswegen fand ich den Namen Compound sehr passend dafür.
      "Er funktioniert nach dem Hebelgesetz und verhält sich wie ein starrer Hebel, während es sich beim Ausziehen des Bogens nach außen dreht. Im Verlauf des Auszugs wird die Kraft am größten. Im Zuge des Ausziehens des Bogens werden hierbei die Wurfarme ganz automatisch zusammengepresst, um hierdurch die aufkommende Energie des Pfeils bis zur tatsächlichen Freigabe abzuspeichern. Im Vergleich zu traditionellen Bögen ist ersichtlich, dass die Sehne nicht direkt mit den Wurfarmen verbunden ist. Die Sehne verläuft hier an den Rollen. Im Zuge des Ausrollens wird die so wichtige Hebelwirkung durch die Zusammenarbeit der Rollen und des Kabels initiiert."
      Um die Zuschauer am Ende nicht mit detailierten Fakten zu langweilen, versuchte ich mich wirklich nur auf das nötigste zu beschränken und es so zu erklären, dass es auch jeder ohne großartige Kenntnisse in diesem Bereich verstehen würde. Das war allerdings nicht so leicht, denn es gab verdammt viel zu berücksichtigen. Der Bogen war komplex, doch die Nutzung war eigentlich kinderleicht, wenn man es verstanden hatte.
      "Dieses System sorgt dafür, dass sich das Zuggewicht enorm reduzieren lässt. Das bedeutet, dass man weniger Kraft beim Spannen aufbringen muss und sich so viel mehr auf das Zielen konzentrieren kann. An den Schrauben der Halterungen, die das Mittelstück des Bogens mit den Wurfarmen verbinden wird das Zuggewicht eingestellt. Wenn man sie komplett anzieht, entwickelt sich das maximalste Zuggewicht.
      Ich zeigte auf die Wurfarmverschraubung.
      "Je lockerer man sie hingegen einstellt, umso einfacher ist es den Bogen zu spannen. Teilweise müssen Nutzer jedoch darauf achten, dass man mitunter die Schrauben auch komplett herausdrehen kann. Wenn das passiert zerfällt der Bogen. Aufgrund dessen sollte man auch in diesem Bereich sehr vorsichtig in der Handhabung sein. Empfehlenswert ist es hier die Schrauben je Seite nach und nach angepasst einzustellen, sodass eine optimale Spannung des Bogens eintritt. Nutzer können hier an sich nicht viel verkehrt machen. Man kann locker 60 bis 100 Schüsse nacheinander anvisieren, bevor man sie überprüfen sollte. "
      Nun zeigte ich auf das Visier.
      "Dieses Bogenvisier dient als große Zielhilfe und ermöglicht so selbst Anfängern eine viel höhere Präzision. Auch dieser Nockpunkt trägt dazu bei, das Trefferbild zu perfektionieren, da er es ermöglicht den Pfeil immer wieder auf die richtige Position zu legen."
      Ich zeigte auf die Markierung der Sehne, auf die man das Pfeilende setzt.
      Anschließend auf den Kabelschutz der sich an dieser Markierung befand.
      "Dieser Kabelgleiter sorgt dafür, dass sich die Kabel nicht berühren und aneinander vorbeigleiten können, um so auch den Verschleiß zu mindern.
      Um eine höchstmögliche Schussruhe zu erschaffen, habe ich diesen Stabilisator angebracht. Mit ihm wird der Bogen ausbalanciert, sodass die Schwingungen optimal gedämpft werden."

      Wie immer, zeigte ich auf das entsprechende Teil.
      "Manche Bogenschützen schaffen mit den bisherigen Bogentypen eine Reichweite von 300 Metern. Dieser Bogen sollte problemlos eine Distanz von 400 oder gar 500 Metern schaffen."
      Ich schlug mich doch ganz gut, oder? Das Sprechen vor anderen machte mir überhaupt nichts aus, vor allem dann nicht, wenn ich über meine Werke sprach. Ich achtete lediglich darauf, dass ich vor Aufregung und Begeisterung nicht zu laut wurde.
      "Die Nachteile? Da man ihn nicht abspannen muss, wenn man ihn länger nicht benutzt, braucht man ihn nicht auseinander zu nehmen, was ihn etwas sperriger beim Transport macht. Außerdem ist das Material für den Bogen und die Pfeile etwas teurer."
      Währenddessen betrachtete ich die Anwesenden und legte den Bogen beiseite, um einen Pfeil zu nehmen und ihn zwischen meinen Händen waagerecht vor mich zu halten.
      "Diese Pfeile sind aus Carbon.. Die Spitze ist außerdem schwerer, als bei gewöhnlichen Pfeilen, so brechen sie beim Einschlag nicht so leicht und erhöht außerdem auch die Durchschlagskraft."
      Ich legte den Pfeil wieder zu den anderen und trat einen Schritt zurück.
      "Gibt es noch Fragen, bevor wir zur Praxis übergehen?", fragte ich und sah insbesondere den Schützen an, denn er müsste das Prinzip verstehen, um den Bogen auch bestmöglich zu verwenden.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Levi lauschte den Ausführungen Lorae's und schwieg danach für einen langen Moment.
      "Ich vertraue meinen Kameraden, weil ich sie selbst ausgebildet und nach meinem Bilde geformt habe. Dir hingegen vertraue ich nicht und diesem Jungen auch nicht. Eure Gefühle zueinander machen euch blind, sie vernebeln eure Sinne und provozieren Fehlentscheidungen. Ich erachte das als Schwäche. Auf dem Schlachtfeld ist sich jeder selbst der Nächste und die einzige Aufgabe ist es, den vorher festgelegten Plan auszuführen. Stirbt ein Kamerad, hat er zu viel nachgedacht und ist vom Plan abgewichen." Er schwieg für einen Augenblick.
      "Natürlich sind meine Leute untereinander befreundet, aber das zählt auf dem Schlachtfeld nicht. Stirbt ein Freund, nimmt ein anderer Kamerad seinen Platz ein und das Leben geht weiter. Freundschaften unter meinen Kameraden sind wichtig für die Moral außerhalb des Kampfes, doch Beziehungen unter ihnen kann und werde ich nicht dulden. Sie vergiften die Atmosphäre auf die gleiche Weise wie Hass und lenken von den eigentlichen Aufgaben ab. Solltest du daher eine Beziehung mit diesem Jungen anfangen, werde ich eigenständig dafür sorgen, dass du nicht in den Aufklärungstrupp aufgenommen werden wirst. Ich stelle dich vor die Wahl, Mädchen. Und was deine letzte Frage angeht...sie sind pflichtbewusst und mutig. Unerschrocken und rational, immer einen klaren Kopf und eine aufrechte Haltung bewahrend. Ganz im Gegensatz zu deinem Freund..."
      Dann schwieg er.

      -----

      Es dauerte beinahe zwei Stunden, bis der Herrenschneider meine Maße genommen hat und auf Basis meiner Wünsche eine passende Montur mit Kapuze entworfen wurde. Es sollte eine schwarze werden, mit weißen und roten Verzierungen, farblich dazu passenden Stiefeln und einem Tuch für das Gesicht sowie einem großen Gürtel, um sie auch ohne Knöpfe schließen zu können. Das Logo des Ordens war darauf nicht zu erkennen, weshalb diese Montur auch außerhalb meiner Tätigkeit als Assassine tragbar wäre. Zudem würde sie ganze vier Innentaschen besitzen und noch zwei äußere für die Hände. Daneben würde ich noch zwei komplette Sätze normaler Kleidung bekommen. Nachdem Basim dem Herrenschneider einen kleinen Beutel voll Geld auf den Tisch gelegt hatte und ein Datum für die Abholung vereinbart wurde, lud mich Basim in ein Café in der Nähe ein.
      "Sag mal, Basim...jetzt wo Nero nicht mehr ist, wer soll den Orden her im Land dann führen?"
      "Die Ältesten beraten noch, aber vermutlich wird diese Rolle mir zufallen."
      "Was wird dann mit deiner Familie?"
      Basim horchte auf: "Ah, das hat Deimos dir erzählt, richtig?"
      Ich nickte. "Nun, ich werde sie wohl nach Praha holen. Das Hauptquartier des Ordens hier im Bohemia ist groß genug für alle. Danach werde ich uns ein schönes Haus auf dem Land suchen."
      "Wie groß ist deine Familie?"
      "Meine Frau und ich waren ziemlich aktiv...wir haben vier Kinder, ein weiteres ist unterwegs. Drei Söhne und eine Tochter. Willst du mal Kinder?"
      "ich weiß nicht...über sowas mache ich mir noch keine Gedanken...wobei...als ich mit Lorae Sex hatte, bin ich in ihr gekommen.."
      Basim saugte Luft mit seiner Zunge ein, die durch seine beiden Zahnreihen gedrückt wurden und ein leises "fff" erzeugten: "ffff...das ist nicht gut. Wenn du Pech hast, wirst du dir schon bald darüber Gedanken machen müssen."
      "Ja...vielleicht hab ich aber auch Glück...lass uns lieber das Thema wechseln..."
      "Gut. Worüber willst du reden?"
      "Wie hast du Deimos kennengelernt? Ihr scheint euch schon lange zu kennen."
      "Das stimmt. Ich stand ihm vor zehn Jahren auf dem Schlachtfeld gegenüber. Die Armee meines Landes kämpfte gegen die feindlichen Invasoren unserer südlichen Nachbarn. Als Söldner schloss er sich ihnen an, da sie ihm mehr zahlen konnten als mein Land."
      "Wie ging es weiter?"
      "Wir kämpften auf dem Schlachtfeld gegeneinander und haben uns gegenseitig verwundet. Mein Land gewann und ich hielt ihn für tot. Bis ich ihn vor fünf Jahren in Oinotria wieder begegnet bin und wir uns angefreundet haben."
      "Du hast dich mit deinem Feind angefreundet?"
      "Ja...das kann man so sagen. Wobei er rückblickend kein wirklicher Feind war, nur auf der Suche nach dem großen Geld. Und da er gut kämpfen kann und mir bei unserer Begegnung nicht feindlich gesinnt war, hab ich ihn für den Kult gewinnen können. Er leistet seine Schuld gewissermaßen ab, in dem er für den Orden und damit auch für mich arbeitet. Er wird übrigens bald ein vollwertiges Mitglied werden."
      "Hat er sich schon einen Decknamen ausgesucht?"
      "Octavius."
      "Und wie hast du Flavius kennengelernt?"
      "Flavius? Den hab ich vor einem Jahr im Eulennest aufgegabelt. Man erzählt sich, dass er das Genie seines Vaters geerbt hat, wenn es um das Konstruieren und Reparieren von Dingen geht und ich wollte ihn haben, da wir auch in diesem Bereich Nachwuchs brauchen. Unsere Klingen sind ziemlich wartungsintensiv, weißt du?"
      Ich nickte. "Keine Sorge, du bekommst auch bald wieder welche, frisch von Flavius generalüberholt."
      "Also haben sich die Gerüchte bewahrheitet?"
      "Haben sie. Aber leider nicht nur die..."
      "Was meinst du?"
      "Man erzählt sich, dass sein Vater...", Basim winkte ab,"...schon gut. Eigentlich bat er mich, das niemandem zu erzählen."
      "Erzähl schon."
      "Wenn es dich wirklich so interessiert, dann frag ihn, wenn ihr euch wiederseht."
      Ich seufzte: "Gut. Dann versteh ich aber nicht, warum du dann diese Andeutung gemacht hast. Willst du etwas damit bezwecken?"
      "Nein, ich hab nur nicht nachgedacht. Tut mir Leid. Jedenfalls ist Flavius brillant. Wir überlegen, ihn nach Oinotria zu schicken, dort gibt es eine Hochschule, die sich auf die Ausbildung von Ingenieuren spezialisiert hat. Er hat das Potential, groß rauszukommen."
      "Wer ist sein Vater?"
      "Der Leiter der Eulenakademie und der Erfinder des Leuchtrevolvers, den Flavius dir gab. Außerdem hat er an der Entwicklung der Apparatur des Aufklärungstrupps mitgewirkt und in seiner Werkstatt gibt es noch einen Haufen anderer Gerätschaften."
      Dann brachte der Kellner unser Essen. Wir redeten noch eine ganze Weile, nicht über Flavius sondern über triviale Dinge und mein noch ausstehendes Aufnahmeritual, dass zu meinem 18.Geburtstag in einer Woche stattfinden wird.

      ---------

      Der König und die anderen Anwesenden lauschten der Präsentation Merediths. Sie war überaus interessant und als sie diese beendet hatte, traten die beiden Schmiede heran, um den Bogen näher zu untersuchen. Der General nickte ihr derweil ermutigend zu.
      "Bevor du zur Praxis übergehst, wollen wir uns ein genaueres Bild machen. Von Kollegen zu Kollegen...diese Rollen und Kabel hier...wie hast du die hergestellt? Du wirst doch dafür nicht einfach einen Metallbarren auf deinen Amboss gelegt und ihn solange mit einem Hammer bearbeitet haben, bis das da rauskam, oder?"
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

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    • Lorae

      Freundschaft zählte im Kampf nicht..
      Als er seinen Monolog beendet hatte, schwiegen wir beide. Ich dachte über seine Worte nach und über Baldr. Hier und Jetzt könnte ich keine Entscheidung fällen, aber etwas gab es da schon..
      "Hauptgefreiter Levi.. Ich.. Vor unserer Kampfausbildung, habe ich Baldr's Geheimnis entdeckt.. Sie wissen auch davon, deshalb spreche ich es an.."
      Er wusste ganz offensichtlich von der anderen Einheit, in der Baldr war, also hielt ich es für okay, wenn ich mit ihm darüber spreche.
      "Ich wusste nicht, was das bedeuten sollte und habe ihn deshalb zur Rede gestellt. Es hieß, dass Verräter unter uns wären und auch wenn ich das Baldr niemals zutrauen würde... war ich darauf vorbereitet, gegen ihn zu kämpfen.. Ich hielt meinen Dolch griffbereit und.. wenn es nötig gewesen wäre.." Ich hatte natürlich meine Zweifel und Hoffnungen, aber letzten Endes hätte ich wenigstens alles versucht, um ihn gefangen zu nehmen. Warum ich ihm davon erzählte? Vielleicht, damit er mich etwas besser verstehen könnte, als nur nach meinem Äußeren zu urteilen.
      "Es gibt eine Sache, die mir wichtiger ist, als Baldr. Ich will zum Schutz des Landes beitragen. Ich will kämpfen. Wenn das erfordert, dass ich über meinen Gefühlen zu Baldr stehen muss, dann.. werde ich das tun.." Davon war ich überzeugt. Es war eine Kopfsache und wenn ich es wollte, dann stünde mein Kopf über meinem Herzen. Außerdem.. wusste ich nicht, ob ich eine Beziehung mit Baldr haben wollen würde.. Jedenfalls nicht, wenn er eine.. Familie gründen wollte.
      "Außerhalb des Kampfes.. darf ich noch mit ihm befreundet sein, oder? Wenn ich es nur will, kann ich ihn auf dem Schlachtfeld, wie jeden anderen Kameraden sehen. Das werde ich bestimmt hinkriegen. Ich muss es nur stark genug wollen. Ich.."
      Ich packte die Griffe etwas fester und atmete tief durch.
      "Ich habe überlebt. Ich habe gekämpft. Ich habe die Wahrheit enthüllt. Die Tatsache, dass ich hier stehe, sollte Beweis genug sein, dass ich alles schaffe, was ich mir vornehme. Ich habe hart dafür trainiert. Jeden Tag. Nur um meinen Nachteil gegenüber Männern auszugleichen. Ich wollte um jeden Preis Ritter werden. Jetzt will ich um jeden Preis in den Aufklärungstrupp. Ich werde nicht aufgeben."
      Es gab keinen Grund mich nicht aufzunehmen und schon gar nicht, irgendjemand anderen vorzuziehen oder eben niemanden an meiner Stelle.
      "Ich bin nicht hier, weil mich mein Geschlecht dazu verpflichtet, Hauptgefreiter Levi. Ich bin hier, weil ich es so will. Weil ich nicht zuhause sitzen will, mich um Haus und Kinder zu kümmern, um dann eines Tages irgendwelchen Banditen oder sonst jemandem zum Opfer zu fallen. Ich will diese Frauen und Kinder beschützen."

      ____

      Meredith Ravel

      Ich blickte kurz zu den beiden Schmieden, die meine Arbeit genauer betrachten wollten und anschließend zum General. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, aber ich konnte mich beherrschen es nicht zu einem Grinsen werden zu lassen, dass meine Freude im Inneren ausdrücken würde. Nein, ich konzentrierte mich wieder auf die beiden Schmiede, die mir nun eine völlig absurde Frage stellten. Pff. Natürlich schlage ich nicht völlig hirnlos einfach nur auf Metallbarren herum.
      "Nein, natürlich nicht. Das Material, das ich für die Kabel und Sehne verwendet habe, sollte euch sicher bekannt sein.."
      Vielleicht auch nicht. Nicht jeder lechzte so sehr nach bahnbrechenden Erfindungen, dass er sich dafür alle möglichen Materialien ansah..
      "Cuben-Faser. Man verwendet es für Segel, wegen seiner hohen Festigkeit und geringem Gewicht. Also habe ich mir etwas davon besorgt und damit experimentiert. In der Schmiedekunst kann man weitaus mehr als nur Metalle verwenden. Es gibt sehr viele Stoffe, die man als Zusatz dazugeben kann und auch eine Vielfalt an Herstellungsmethoden, die sich für manche Dinge besser eignen, als für andere. Nicht alles muss mit einem Hammer und einem Amboss bearbeitet werden."
      Das Wissen meines Vaters kam mir natürlich zugute, denn ohne ihn, wäre ich längst nicht soweit gekommen. Doch am meisten trug meine Neugier dazu bei. Ich wollte nicht nur das nötigste wissen, um dann wie jeder andere Schmied tagein tagaus immer wieder die gleichen Waffen und Rüstungen herzustellen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • "Niemand hat dir verboten, mit ihm befreundet zu sein. Nur...ich glaube nicht, dass er das packen wird, sollte er naiv genug sein zu glauben, dass er im Aufklärungstrupp eine echte Chance hat. Ich hatte mal einen Rekruten namens Porco, ein überaus fähiger und begabter Schüler, vielleicht sogar mein bester...doch er kam mit den Verlusten seiner Freunde und Kameraden nicht zurecht und ist irgendwann durchgedreht, hat angefangen seine Kameraden abzuschlachten. Sollte Baldr irgendwann ebenfalls diesen Punkt erreichen, musst du in der Lage sein, ihn zu töten, bevor er seine eigenen Leute angreift, egal wie es um euer Verhältnis zueinander steht. Verstanden? Ich will nicht riskieren, dass so etwas noch einmal passiert."
      Die restliche Fahrt zur Basilika schwieg er.
      Als Levi später dank Lorae diese erreichte, forderte er seine Begleitung auf, vor dem Eingang zu warten. Dann rollte er durch die Eingangspforte ins Innere des Gebäudes.

      -----

      Nachdem Basim und Ich unser Frühstück beendet hatten, befanden wir uns auf dem Weg zurück in die Herberge.
      "Was wirst du den restlichen Tag noch machen?"
      "Weiß nicht...vielleicht geh ich wieder ins Bett und warte auf Lorae."
      "Willst du es wieder mit ihr machen?"
      "Nein...oder vielleicht doch...ich weiß es nicht..."
      "Du weißt vieles nicht."
      "Kann sein. Am Liebsten würde ich zur Eulenakademie reisen und mit Flavius über alles sprechen, aber sie ist zu weit weg, um rechtzeitig wieder zurück zu sein."
      "Sehnst du dich nach ihm?"
      "Mich plagt mein schlechtes Gewissen. So wie ich es verstanden habe, bin ich der Grund, warum er überhaupt gegangen ist...naja...Themawechsel...bitte..."
      "Was ist mit der Berufsmesse oben am Markt? Die ist ja auch bald, übermorgen geht es los."
      "Kommt für mich nicht in Frage, da ich dem Aufklärungstrupp beitreten werde."
      Basim luchste einem Passanten im Vorbeigehen Geld ab.
      "Schon wieder?"
      Basim zuckte amüsiert mit den Schultern.
      "Komm doch heute mit mir, Baldr. Du könntest etwas Training vertragen, Klettern, Schleichen, Kämpfen, das volle Programm. Was meinst du? Ein wenig den Kopf abschalten und danach in der Taverne einen heben?"
      "Von mir aus."
      Wir kamen an einer der Hauptstraßen der Stadt raus und standen vor einer Abzweigung. Anstatt der zu folgen, welche in Richtung der Herberge führte, liefen wir den anderen Weg entlang, der uns aus der Stadt schickte.
      "Wohin gehen wir?"
      "Außerhalb der Stadt gibt es einen steilen Felsen, dort kann man sehr gut klettern. Unterwegs laufen wir durch einen Wald, in dem manchmal Wölfe ihre Bahnen ziehen, da kann man gut schleichen. Vielleicht treffen wir auch auf Banditen, gegen die wir Kämpfen können."

      ---

      "Interessant", sprach Wegmann und legte den Bogen wieder auf den Tisch. Er hatte alles gesehen, was er wollte und setzte sich gemeinsam mit von Maffei wieder an den Tisch auf dem Podium.
      "Gut. Wenn dann alle Fragen geklärt sind, kommen wir zur Vorführung. Wir werden diese draußen auf dem Trainingsgelände der Palastwachen erleben. Meine Herren, Gemahlin und Meredith, folgen Sie mir."
      Der König lief, begleitet von einigen Palastwachen sowie Ignatz durch mehrere prunkvolle Gänge, bis sie schließlich auf einen großen Hof traten.
      "Ignatz, dein Einsatz."
      Der Bogenschütze nickte und nahm den Bogen, sowie die von Meredith mitgebrachten Pfeile und lief durch den Hof hinüber zu einem Dutzend Zielscheiben, die im Abstand von zehn Metern schräg hintereinander standen.
      Fachmännisch setzte er an und trat problemlos und beinahe ohne Kraftaufwand die Pfeile in die Mitte der Scheiben.
      Selbiges schaffte er zwar auch mit seinem bisherigen Bogen, jedoch brauchte er dafür deutlich mehr Kraft.
      Eine ganze Weile lang schoss er mit dem Compoundbogen und probierte dabei verschiedene Dinge aus. Zwei Pfeile gleichzeitig, drei Pfeile gleichzeitig, dann vier und sogar fünf. Schließlich sogar Schnellschüsse und den Verwüsterschuss, der neue Bogen meisterte diese Disziplinen souverän.
      Entsprechend positiv war die Rückmeldung von Ignatz.
      "Fantastisch. Was sagen die Herren von Maffei und Wegmann dazu?"
      "Solide Handwerkskunst."
      "Faszinierend."
      "Was ist mit Ihnen, Krauss?",
      fragte der König.
      "Nun", er nahm Ignatz den Bogen ab,"...wir sind bereit, diesen Bogen zu produzieren, jedoch würden wir ihn gerne noch für einige Tage in unserer hauseigenen Manufaktur einen Langzeittest unterziehen, wenn Sie gestatten." Krauss wandte sich direkt an Meredith. "Wir müssen wissen, wie es um die Beschaffenheit des Bogens geht, wenn er eine Weile verwendet wurde. Er muss auf mögliche Schwachstellen und Verschleiß geprüft werden, aber keine Sorge, wir von KMW sind genau für sowas da."
      "KMW ist das neu gegründete Unternehmen des Herren Krauss, zu deren Inhaber auch die Herren von Maffei und Wegmann gehören. Krauss-Maffei Wegmann, kurz KMW", klärte der König Meredith auf. "Sie produzieren fortan einen Großteil der Waffen für die Armee, hauptsächlich die schweren Geschütze, die ein einzelner Schmied niemals herstellen könnte."
      Der General horchte auf. "Gehören auch mit Brandbomben bestückte Katapulte und ein großer schwarzer Seilwerfer in Ihr Portfolio der schweren Geschütze?" Er erinnerte sich an die Katapulte, welche die Akademie angegriffen hatten und den Seilwerfer, der das Tor der Akademie aus den Angeln gerissen hatte. Er wusste bisher nicht, wer diese Waffen produzierte, jedoch ahnte er Schlimmes.
      Die vielsagenden Blicke der drei Herren reichten bereits, um ihn sauer werden zu lassen. "IHR miesen Dreckschweine wart das also!"
      "Was ist denn jetzt hier los?!",
      fragte der König, jedoch wurde er von seiner Gattin zurückgehalten.
      "Gar nichts, mein Lieber. Sicher nur ein Missverständnis."
      Mit einer Handbewegung seitens der Königin in Richtung der Palastwachen schritten sie ein, um eine Prügelei zwischen dem General und den drei Herren zu verhindern.
      "Führt diese drei Herren ab!", befahl sie, jedoch hatte der General in seinem Zorn eine andere Meinung.
      "Vergesst es, ich gehe! Meredith, du kommst mit. Mit Verbrechern machen wir keine Geschäfte."
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    • Lorae

      Ich sollte Baldr töten, wenn er den Verstand verliert?
      Während ich vor der Basilika wartete, blickte ich in den Himmel und dachte über das Gespräch nach. War es denn möglich seinen Verstand derart zu verlieren, dass man seine Kameraden angriff? Und gäbe es keine Möglichkeit ihn wieder zur Vernunft zu bringen? War der Tod wirklich der einzige Ausweg?
      Langsam senkte ich meinen Blick und betrachtete meine Hände. Die Hände, mit denen ich Baldr und meine Kameraden beschützen wollte. Würden diese Hände denn letzten Endes wirklich dazu fähig sein, Baldr zu.. Ich weiß es nicht..
      Ich musste an den gestrigen Abend und auch den Morgen denken und spürte erneut, wie meine Wangen sich färbten. Was würde er dazu sagen, wenn ich ihm von dem Gespräch mit Levi erzähle? Sollte ich ihm davon erzählen? Ja, auf jeden Fall. Vielleicht.. Vielleicht würde ihm das bei seiner Entscheidung helfen. Vielleicht sollte er sich lieber für Flavius entscheiden.

      Warum.. musste das so kompliziert sein?
      Ich darf nicht zweifeln..

      Ich atmete tief durch und ballte meine Fäuste, die ich noch immer betrachtete. Alles was ich dem Hauptgefreiten gesagt hatte, meinte ich ernst. Mir war die Aufnahme beim Aufklärungstrupp wichtiger, als bei Baldr zu bleiben. Dann würde ich eine Beziehung mit ihm nicht darüber stellen. Ich.. wollte doch nicht mal eine Beziehung! Keine Familie, keinen Mann, keinen..
      Na gut.. gegen gelegentlichen Sex war ja eigentlich nichts einzuwenden.. Bei dem Gedanken wischte ich mit meinen Händen über mein glühendes Gesicht. Argh! Mein Verstand war wirklich vergiftet, wie Baldr befürchtet hatte. Aber nicht, weil ich ihm nicht mehr in die Augen sehen könnte. Ich meinte viel mehr, dass ich dieses Gefühl viel zu sehr genossen hatte und nicht aufhören konnte, daran zu denken. Ganz unabhängig davon, ob es Baldr war oder nicht.. schätze ich.. Ich weiß es nicht.. Für mich war Baldr immer noch Baldr. Mein bester Freund und meine Familie. Aber.. wie sah Baldr mich inzwischen?
      Mein Blick ging zu einem Pärchen, dass sich in unmittelbarer Nähe zu treffen schien. Zumindest sah es nach einer Begrüßung aus und das Mädchen freute sich übertrieben über die rote Rose. So etwas dämliches.. Wollte Baldr wirklich, dass ich mich über so etwas genau so freuen würde? Ich ertrug den Gedanken nicht, dass er sich von mir abwenden könnte und deshalb mochte ich den Gedanken, dass er mich.. lieben könnte umso mehr. Aber liebte ich ihn? Was war Liebe denn überhaupt?
      Im Gegensatz zu Baldr hatte ich niemanden, dem ich solche Fragen stellen könnte..
      Etwa Marius? Der war doch gar nicht alt genug, um weise Ratschläge zu geben. Aber.. er hat sich der Liebe wegen für Lisbeth entschieden und alles geopfert, was er hatte.. Und ich? Ich war nicht bereit mein Schwert oder den Aufklärungstrupp für Baldr zu opfern.. Heißt das..
      Seufzend fuhr ich mir durch die Haare und merkte, dass sie sich wirklich ziemlich strohig anfühlten. Aber für einen Haarschnitt hatte ich kein Geld. Ich schuldete Ruven schon 20 Gulden, weil ich..
      Ich seufzte erneut. Ist erwachsen werden denn immer so kompliziert? Wie der Hauptgefreite oder der General wohl in unserem Alter war.. Ob ich ihn fragen sollte? Nein, das wäre respektlos.
      Baldr wollte sich ohnehin nicht entscheiden, solange er mit Flavius gesprochen hatte. Und das könnte noch eine ganze Weile dauern. Bis dahin hätte ich noch Zeit, um darüber nachzudenken. Aber dieses ganze Nachdenken führte doch zu nichts!

      ____

      Meredith Ravel

      Endlich kam der Teil, der auch die letzten Zweifel ausräumen sollte. Mein Bogen machte sich hervorragend und ich sah dem Schützen bei jeder Bewegung gebannt zu. Dieses Gefühl, wenn meine Waffen von jemand anderem benutzt wurden, war unbeschreiblich. Ich war stolz und gleichzeitig noch immer bestrebt, etwas noch besseres zu entwerfen!
      Während ich die Pfeile einsammelte, konnte ich mir ein munteres Schmunzeln nicht mehr verkneifen. Allerdings wischte ich es wieder von meinem Gesicht, als ich zu den anderen zurückkehrte.

      Anschließend kam dann wohl die Bewertung und Entscheidung der Herren. Gott, ich wusste nicht wo hin mit meinen nervösen Händen, weshalb ich sie vor der Brust verschränkte. Als dieser Geschäftsmann Krauss meinen Bogen nahm, war mir nicht ganz wohl dabei. Produzieren? Langzeittest?
      Diese Tölpel könnten diesen Bogen niemals reproduzieren! Ihnen fehlte es doch ganz eindeutig an Herzblut!
      Ich presste meine Zähne aufeinander, um ruhig zu bleiben. Wenn der König so entscheiden würde... könnte ich doch kaum widersprechen, oder? Würde das nicht.. schon Hochvorrat gleichkommen?

      Ruhig, Meredith... ganz ruhig.. Du hast noch viele gute Ideen auf Lager.. Mit etwas Geld, kann ich auch an diesen arbeiten.
      Dennoch war mir irgendwie nicht wohl und als der General seine Fassung verlor, blickte ich ihn etwas erschrocken an. Drecksschweine?
      Warte.. waren diese Männer etwa in den Waffenschmuggel involviert? Das war gar nicht so abwegig..
      "Der gehört mir..", sagte ich leise und nahm den Bogen und den Köcher an mich, um dem General mit schnellen Schritten zu folgen. Nicht nur, dass ich völlig überrumpelt von der Reaktion des Generals war, ich war auch unheimlich nervös, was passieren würde. Mein Herz raste und ich hatte irgendwie Angst davor einen Dolch in meinem Rücken zu spüren, weshalb ich immer wieder nach hinten sah.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Die drei Herren jedoch eilten dem General und Meredith nicht hinterher, waren sie doch zuvor in den Palast gebracht wurden. Der König war ihnen in der Eile gefolgt, es ging alles so schnell und er musste sich entscheiden, entweder folgte er dem General und Meredith oder den drei Herren.
      Er entschied sich für letzteres und stand nun mit diesen Herren in einem der Ballsäle, in den die Wachen sie gebracht hatten.
      "Was sollte das? Warum hat euch der General angegangen?"
      "Ich...wir wissen es nicht. Er muss irgendwas falsch verstanden haben, vielleicht hat er uns verwechselt, keine Ahnung."
      "Wladimir macht so etwas nicht ohne Grund, ich kenne ihn seit mehr als dreißig Jahren. Sprecht!"
      "Wir wissen nichts!", beteuerte Krauss.
      "Das reicht", sprach die Königin, welche durch einen Seiteneingang eingetreten war: "Ich nehme an, die Herren werden jetzt den Palast verlassen?"
      "Dorothea, irgendwas ist da faul."
      "Gar nichts ist faul, der General wird einem Irrtum erlegen sein. So ist das nun mal mit dem Alter, man ist nicht mehr ganz bei Verstand", entgegnete seine Gemahlin.
      "Bist du dir sicher?"
      "Ja, mein Liebster. Geh doch schonmal zurück in den Thronsaal, ich begleite die Herren noch nach draußen."
      "Gut, Liebste. Wie du meinst."

      Kurz darauf war die Königin mit den Herren allein.
      "Das war knapp", sprach sie in einer fremden Sprache.
      "Das haben wir nur diesem Idioten zu verdanken. Er hätte unsere Manufaktur nicht erwähnen dürfen", erwiderte Krauss.
      "Erst recht nicht, welche Art von Waffen wir produzieren."
      "Genug! Es läuft doch alles nach Plan. Sagt, könnt ihr diesen Bogen nachbauen? Er würde uns bei der Umsetzung unseres Vorhabens treue Dienste leisten. Außerdem wäre mein Mann durchaus angetan, wenn sein Militär mit diesem Bogen ausgestattet werden würde."
      "Natürlich. Wir müssten die notwendigen Geräte dafür haben. Auch wenn der Bogen kompliziert aussah, ist er für uns mitnichten ein Hexenwerk. Dennoch werden wir einige Zeit brauchen."
      "Gut. Dann an die Arbeit. Es gibt viel zu tun."
      "Wie lange wirst du den Alten noch hinhalten und die loyale Königin spielen?"
      "Solange es sein muss."
      "Und was ist mit dem General? Sicherlich wird er jetzt neugierig geworden sein und Nachforschungen anstellen."
      "Macht euch keine Sorgen, meine Herren. Ich werde unseren Schläfer auf ihn ansetzen. Und jetzt Abmarsch!"

      -----

      Levi verbrachte eine ganze Weile in der Basilika, kam jedoch ernüchtert wieder heraus und rollte zu Lorae.
      "Wir werden morgen wiederkommen. Bring mich jetzt zu Doktor Haußmann in der Schalengasse."

      -----

      Ich war mit Basim unterwegs zum Felsen, den er genannt hatte und durchquerten gerade das andere Ende des Waldes, in dem noch vor wenigen Tagen der Waldbrand wütete, wobei hier nichts davon zu sehen war; grün, gelb, rot und braun soweit das Auge reicht - herrlich. Wir übten uns im Schleichen durch das dichte Unterholz, da keine zwei Dutzend Meter von uns entfernt eine Bache mit ihrem Nachwuchs an einem Bach rastete. Das waren zwar keine Wölfe, dennoch nicht zu unterschätzende Tiere.
      Er und ich verständigten uns dabei mit Handzeichen, jegliche Laute galt es zu vermeiden.
      Mir fiel es dabei ziemlich schwer, immer wieder trat ich auf Äste und trockenes Laub, was die Tiere trotz der Umgebungsgeräusche aufhorchen ließ und mich zum Pausieren zwang.
      Nach einer ganzen Weile hatten wir den Wald endlich hinter uns gelassen und näherten uns immer mehr dem Felsen an.
      "Wer zuletzt oben ist, muss in der Taverne bezahlen."
      "Aber ich hab doch gar kein Geld."
      "Und was ist das?" Basim zeigte mir grinsend das kleine Säckchen mit dem Geld, das Flavius mir gab. Ich klopfte mir die Hosentasche ab, sie war leer.
      "Wie hast du..?"
      "im Gegensatz zu dir zittern mir beim Klauen nicht die Hände."
      Dann warf er es mir zu. "Wie gesagt, der Verlierer muss bezahlen."
      Dann sprintete er die letzten paar hundert Meter zum Felsen hin und besiegte mich problemlos. Und auch im Klettern war ich ihm unterlegen und kam erst etwa zwei Minuten nach ihm am Gipfel an.
      "Ah, ich dachte schon, du hast aufgegeben", scherzte er.
      "Ha, Ha...", ich stütze meine Hände erschöpft auf den Knien ab und atmete schnell und flach, "...Was machen wir jetzt hier?"
      "Die Aussicht genießen. Setz dich."
      Er klopfte auf einen hüfthohen Stein, auf den man gut sitzen konnte - wie er es mir bereits vormachte, dann setzte ich mich neben ihn.
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    • Meredith Ravel

      Ich eilte dem General nach und hielt auch außerhalb des Palastes nicht an. "Verfluchte Mistkerle..", fluchte ich leise, weil sie bestimmt versuchen würden meinen Bogen ohne meine Erlaubnis nachzubauen. Und jetzt? Ich könnte versuchen den Bogen zu verkaufen und so an etwas Startkapital zu kommen, aber was dann? Einfach wie früher ein Sortiment an Schwertern aufbauen, weil sie sich am besten verkaufen ließen?
      "Um Himmels Willen!", schrie ich erschrocken und spannte reflexartig den Bogen in meinen Händen, doch Valerius - der einfach so vor uns auftauchte. Warte.. Kam er gerade von einem Dach? - lenkte meinen Bogen mit dem Handrücken beiseite, sodass der Pfeil in der Hauswand landete.
      "Du.." Mein Herz raste. War er lebensmüde? Ich dachte, er wäre einer von denen und.. Puh..

      _______

      Valerius

      "Ihr seht aus, als liefe es nicht gut. Nein. Ihr seht sogar aus, als wäre irgendetwas gewaltig schief gegangen.."
      Ich war neugierig, wie der neue Bogen wohl ankäme. Er sah interessant aus. Allerdings hätte ich mich niemals unbemerkt in den Palast schleichen können, weshalb ich auf einem Dach auf der Straße in Richtung Meredith's Haus wartete. Das sie sich jedoch beinahe zu Tode erschreckte, hatte ich nicht erwartet. Sie sah verstört aus.

      ______

      Lorae

      "Verstanden."
      Ich brachte ihn zum Doktor und wartete auch dort geduldig auf einer Bank sitzend, als Marius, Ruven und Lisbeth vorbeigingen. Die Drei waren wohl unzertrennlich, oder?
      "Hab gehört, dass du den Hauptgefreiten herumschieben musst."
      Warum sah er mich so an, als wäre das etwas schlechtes? Man konnte sich durchaus geehrt fühlen, dass man so eine wichtige Aufgabe bekam.
      "Ja..", sagte ich nur leise, sodass selbst Marius merkte, dass etwas mit mir nicht stimmte.
      "Liebeskummer?", fragte er, weshalb ich wieder zu ihm aufsah.
      "So wie ihr aneinanderklebt, sieht das doch jeder."
      "Blödsinn."
      "Und was ist das?" Mit einem unverschämten Grinsen drückte er seinen Finger an meinen Hals. Oh, dieser verdammte Fleck!
      "Willst du reden?", fragte mich Lisbeth fürsorglich und setzte sich neben mich, woraufhin ich in ihre blauen Augen sah. Sie war so.. mädchenhaft.. Sie fühlte sich in ihrer Rolle als Marius Verlobte wohl ziemlich wohl. Für mich war das nichts, nein..
      "Ich warte auf den Hauptgefreiten. Er könnte jeden Moment zurückkommen. Später vielleicht."
      "Du weißt ja, wo du uns findest."
      "Ist gut." Schon wieder in die Taverne? Dort wo ich Baldr einfach meine Lippen aufgedrückt hatte?
      Ich wusste nicht, ob ich Gesellschaft haben wollte. Jedenfalls niemanden außer Baldr, mit dem ich unbedingt über das alles reden musste.. Ach.. ich geh einfach hin..
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      - Eugene Ionesco

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    • Der General hatte Meredith noch zurück in ihre Schmiede begleitet, als Valerius ihnen unweit des Ziels vom Dach aus in den Weg sprang und nicht nur Meredith erschreckte.
      In knappen Worten fasste er die Ereignisse zusammen: "der Bogen fand viel Anklang bei allen Beteiligten, jedoch sind die Geschäftspartner des Königshauses dubios, um es vorsichtig zu formulieren. Sie...haben diese Katapulte gebaut, die beim Angriff auf die Akademie verwendet wurden. Ergo bin ich gegangen und Meredith ist mir gefolgt, wenn auch nicht ganz freiwillig, wie ich vermutete. Mit Kriminellen mache ich keine Geschäfte."
      Im Anschluss erklärte er sein weiteres Vorgehen:
      "Ich werde jedoch zu späterer Stunde nocheinmal zum König zurückkehren, vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit, als den Bogen über diese Schweine zu vertreiben. Zum Beispiel, dass Meredith ein Darlehen bekommt, um die Schmiede auszubauen und Personal anzustellen, um mehrere Bögen in kurzer Zeit herstellen zu können. Wobei das vermutlich sogar der ursprüngliche Plan war, bis der König diese Idioten ins Spiel gebracht hat."



      ---


      Ah, Levi. Mit Ihnen habe ich heute nicht gerechnet. Ich nehme daher an, dass es Komplikationen gibt?"

      Wortlos krempelte er das Hosenbein seines gesunden Beines auf, ein nekrotischer Fleck war auf Höhe seines Schienbeines zu erkennen.
      Anschließend erledigte er sich seines Oberteils. Sein rechter Oberarm zierte ebenfalls ein solcher.
      Der Arzt wirkte entgeistert, diese Flecken waren noch gestern nicht vorhanden.

      "Das ist...nicht gut. Ich kann Ihnen nur weitere Eingriffe anbieten, in der Hoffnung, den Verlauf zu bremsen. Ich fürchte, es wird sich jedoch weiter ausbreiten sodass sie früher oder später daran zugrunde gehen werden."
      "Schneiden Sie es raus, Doktor, sonst werde ich den Eingriff selbst vornehmen!"
      Levi zückte mit ernster Miene einen der Griffe und zog damit eine der Klingen aus seiner Apparatur. Dieses Zusammenspiel ergab ein vollwertiges Schwert, gleichwohl die Klingen zum Zerbrechen neigen.

      "Na na, wer wird denn da gleich überreagieren? Es wird wie beim letzten Mal ablaufen. Ich bereite alles vor und Sie legen sich auf die Liege. Sie können von Glück reden, dass meine Assistentin im Haus ist."
      "Reden Sie nicht, Doktor. Verschaffen Sie mir so viel Zeit wie nötig!"
      "Fein. Aber das wird eine Weile dauern."

      Es dauerte beinahe zwei Stunden, bis Levi - der noch von den betäubenden Dämpfen, denen er während des Eingriffs ausgesetzt wurde, ein wenig benommen war - die Klinik verließ und zu Lorae rollte.

      "Bring mich zurück zur Herberge und sorg dich nicht, wenn ich schlafe. Leg mich dann einfach in mein Bett. Mein Zimmer ist im Erdgeschoss, die zweite Tür von links. Kümmere dich um einen verwundeten Kameraden, Mädchen!"
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    • Valerius

      Während der General mir von dem Vorfall erzählte, zog ich den Pfeil aus der Wand und betrachtete ihn neugierig. Sie hatte den Bogen noch gar nicht voll gespannt und doch hatte er genug Kraft, um nicht an dem Holz abzuprallen. Interessant.. Es gab nur eine einzige Sache auf der Welt, die mich interessierte und das war Bogenschießen. Man konnte damit sein eigenes Wild jagen und seine Gegner niederstrecken, bevor sie einen erreichten. Dieser neue Bogen schaffte es daher beinahe mich in Ekstase zu versetzen, auch wenn ich das ungern zugab.
      Dubiose Geschäftspartner direkt im Palast? Das klang nicht gut.. Wenn die wirklich etwas mit dem Angriff zutun hätten, wäre der König vermutlich in Gefahr. Ob sie es auf ihn abgesehen hatten? "Verstehe.."

      Als er meinte, dass er den König erneut besuchen wollen würde, verschränkte ich meine Arme vor der Brust. "Sind Sie sicher, dass sie allein gehen wollen? Was, wenn Sie nicht zurückkehren?" Da konnte ich beim besten Willen nicht optimistisch bleiben.

      ____

      Meredith

      "Fanden Sie es nicht auch merkwürdig, wie sich die Königin verhalten hat?", fragte ich den General besorgt. Möglich, dass ich mir wieder nur etwas zusammenreimte, wie bei den Untersuchungen mit Dimitri, aber.. letzten Endes hatte ich mit Edward Recht behalten.. Irgendwas war da faul.
      "Sie müssen sich nicht für mich in Gefahr begeben..", meinte ich und dachte daran, wie viele Menschen meinetwegen schon gestorben waren. Mama, Papa, Dennis, Richard.. Ich wollte nicht noch den Namen des Generals auf diese Liste schreiben, nur um mir meinen Traum zu erfüllen.
      "Ich verkaufe einfach diesen Bogen und-"
      "Ich kauf ihn", unterbrach mich Valerius, weshalb ich ihn mit hochgezogener Augenbraue ansah. Er wollte diesen Bogen wohl unbedingt haben..
      "Meinetwegen.. Dann ist er wenigstens in guten Händen.." Glaubte ich zumindest.
      "Ist das in Ordnung, General?", fragte ich ihn, da ich ihn nicht übergehen wollte. Mit dem Geld könnte ich ein paar Schwerter anfertigen und wenn ich bei den Lebensmitteln sparsamer sein würde, bekäme ich das schon irgendwie auf die Reihe. Notfalls suche ich mir noch einen Zweitjob. In der Taverne sollte ich als Frau gute Chancen haben und die Wildrose war gleich ums Eck. Wenn ich tagsüber in der Schmiede und abends in der Taverne arbeite, sollte ich genug Geld zusammenbekommen. Ich war mir noch nie zu fein Überstunden für meine Ziele zu machen.

      ____

      Lorae

      Marius und die anderen zogen von dannen, doch der Hauptgefreite ließ sich wirklich Zeit. Ich zweifelte allerdings nicht an seiner Rückkehr und würde hier notfalls den ganzen Tag sitzen bleiben.
      Als er dann nach fast zwei Stunden wieder herauskam, sprang ich auf und salutierte, allerdings wirkte er ziemlich fertig, wenn ich ihn genauer betrachtete. Dennoch stellte ich keine Fragen und nickte.
      "Jawohl, Hauptgefreiter Levi."
      Allerdings gab es da eine Sache, die ich loswerden musste.
      "Mit Verlaub, Hauptgefreiter Levi. Ich heiße Lorae. Nicht Mädchen.", versuchte ich so respektvoll wie möglich zu sagen, aber ein wenig nervös war ich trotzdem. Baldr nannte er schließlich auch nicht 'Junge'. Oder wollte er mich damit schikanieren, weil mich dies von allen anderen unterschied?

      Wie mir aufgetragen wurde, brachte ich ihn zur Herberge, Erdgeschoss zweite Tür links.
      Er war tatsächlich am schlafen, weshalb ich ihn einen Moment betrachtete. So konnte ich ihn ja schlecht ins Bett legen. Also entfernte ich zuerst die Apparatur und legte sie auf den Nachttisch. Die Tatsache, dass er die Teile selbst in diesem Rollstuhl noch bei sich trug, ließ mich vermuten, dass er es gern in seiner Nähe hätte. Vielleicht war er paranoid oder einfach nur gern auf alles vorbereitet.
      Sollte ich ihn ausziehen? Das wäre sicher eigenartig.. Aber wenigstens die Stiefel zog ich ihm aus, ehe ich ihn vorsichtig aus dem Stuhl hob. Unglaublich, er wog noch weniger als Baldr! Aber er war auch ziemlich klein für einen Mann.. Sogar kleiner als ich. Nachdem ich ihn ins Bett gelegt hatte, deckte ich ihn zu und überlegte, was ich anschließend tun sollte.
      Trainieren konnte ich nicht. Er meinte, ich solle mich um ihn kümmern, aber nicht, dass meine Arbeit nach dem Hinlegen getan wäre. Deshalb nahm ich mir die Freiheit seine Apparatur etwas genauer zu betrachten. Ich fasste sie nicht an, aber zumindest anschauen dürfte ich sie ja.
      Dann setzte ich mich auf den Sessel in der Ecke, von dem aus ich die Tür und auch das Fenster im Blick hatte. Zur Not hatte ich ja den Dolch bei mir, den ich außerhalb der Akademie immer in meinem Stiefel mit mir führte. Aber ich bezweifelte, dass irgendjemand hier eindringen wollen würde. Doch ich hatte gerade nicht das Bedürfnis dieses Zimmer zu verlassen. Ich wollte weder Marius, noch Baldr begegnen, da ich nicht wusste, was ich tun sollte. Hier würden sie mich nicht finden.
      So konnte ich mir noch einreden, dass ich eine sinnvolle Aufgabe hatte. Mein Problem war auch nicht wachzubleiben, sondern eher ruhig zu sitzen, aber das sollte ich meistern, wenn ich ein guter Ritter werden will, oder?
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      - Eugene Ionesco

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    • "Wenn du dich so um mich sorgst, dann begleite mich zum König...aber nicht sofort...ich muss mich hinlegen und über alles nachdenken, das weitere Vorgehen planen."
      Der General wirkte aufgewühlt und zerstreut: "Ich kenne die Königin nicht so gut wie den König, da sie sich während der Audienzen oft im Hintergrund aufhält und lieber zuhört, als zu sprechen. Von daher werde ich mir kein Urteil über sie erlauben."
      Als Valerius den Bogen kaufen wollte und Meredith nach des Generales Einverständnis fragte, stimmte er nach einigem Zögern zu.
      "Fein, aber lass dich preislich nicht über den Tisch ziehen. Und Valerius, wir beide treffen uns zur achten Abendstunde vor dem Palast des Königs. Ich bin mit dieser Sache noch nicht fertig. Und bring den Bogen mit, ja? Wir werden ihn brauchen."
      Dann verabschiedete sich der General und brach in die Herberge auf, er spürte sein fortgeschrittenes Alter wie lange nicht mehr. Sein Rücken und seine Knie schmerzten, jeder Schritt war eine Tortur.

      Als er eine Weile später sein Zimmer betrat, war er erschrocken über die Anwesenheit Lorae's.
      "Was soll das? Was machst du hier und warum beobachtest du den Hauptgefreiten beim Schlafen? Du hast hier nichts verloren, also raus mit dir!"

      -----

      Am Abend - ich hatte den weiteren Tagesverlauf mit Basim verbracht - kehrten wir in der Taverne ein, in der ich mit Lorae getanzt hatte. Es fühlte sich seltsam an, diesen Ort so schnell wiederzusehen. Ohne sie war es nicht dasselbe.
      Basim und ich setzten uns an einen der vielen noch freien Tische, die frei waren, da es noch früh am Abend war und die Stammgäste erst kommen würden.
      Jedoch hoffte ich, dass diese Betrunkenen von neulich nicht wieder ihre Aufwartung machen würden.
      Die Bedienung kam sogleich und wir bestellten zwei Becher Met und zwei Portionen Kartoffelstampf mit Gemüse, brauner Soße und Fleisch - das alles auf meine Kosten, hatte ich doch gegen Basim verloren.
      "Ich bin mir sicher, Flavius hätte das nicht gewollt", murmelte ich, während wir auf die Bestellung warteten.
      "Was meinst du?"
      "Dass ich sein Geld für Met ausgebe."
      "Ha, da kennst du Flavius nicht", Basim zeigte sich über diesen Umstand amüsiert, "der Junge kann saufen wie ein Loch und außerdem hat er dir das Geld geschenkt, also ist es deins."
      "Dennoch fühlt es sich für mich falsch an, ich sollte davon mein eigenes Überleben sichern und es nicht versaufen."
      "Werd erwachsen, Baldr. Wenn du damit ein Problem hast, dein Geld dafür auszugeben, dann sorg dafür, dass künftig deine Hände nicht mehr zittern und hol dir deine Ausgaben von der Bevölkerung zurück."
      Die Tür der Taverne öffnete sich, weitere Gästen betraten den Gastraum.

      ----

      Am Abend wartete der General zur vereinbarten Zeit am Tor des Königspalastes. Nur wenige Augenblicke zuvor kam eine Palastwache aus dieser geritten und verschwand in der Stadt.

      Die Königin unterhielt sich derweil in ihrem privaten Gemach mit Krauss in deren Sprache, während sie ihren Schreibtisch aufräumt und das Papier wieder in ihrer Schublade verstaut.
      "Sagen Sie, Eure Hoheit. Wer ist dieser Schläfer eigentlich? Ich wusste bis heute Mittag nicht einmal, dass wir einen haben."
      "Es gibt vieles, dass du nicht weißt und auf deine Frage zurückzukommen, er gehörte einst dem Aufklärungstrupp an. Das Blut vieler Getöteter klebt an seinen Händen, von Schuldigen und Unschuldigen und nicht nur das, man erzählt sich, er habe sogar den Tod selbst umgebracht."
      "Ein ganz Harter also, ja?"
      "So ist es, hart und kampferprobt. Und jetzt verlasse diesen Palast und kehre in deine Manufaktur zurück. Wir sollten einander erstmal nicht mehr sehen, bis unser Plan aufgegangen ist, um nicht noch weiteren Verdacht zu erwecken. Verschwinde durch unseren Geheimgang. Er wird dich direkt in das unterirdische Tunnelsystem führen."
      "Verstanden, eure Majestät. Und die versprochenen Palastwachen?"
      "Werden vom morgigen Sonnenaufgang an deine Manufaktur bewachen."
      "Vielen Dank eure Hoheit, sehr gnädig."
      Seinen Dank goutierte sie mit einer Handbewegung die "verschwinde" signalisierte. Dies tat er auch,
      Er betätigte einen der Kleiderhaken des massiven, gut gefüllten Kleiderschrankes im Raum, eine Vorrichtung an der Rückwand wurde aktiviert, ein an einer Schnur befestigter Sandsack, der als Gegengewicht diente fiel zu Boden, dann schwang eine hölzerne Tür auf. Er schritt durch diese hindurch und verschwand in der Dunkelheit. Von innen hob er den Sandsack auf und setzte die Vorrichtung zurück, sodass sich die Tür wieder schloss und der Kleiderhaken in seinen Ausgangszustand zurückgesetzt wurde.
      Einen Augenblick später waren Stimmen aus dem Salon im Nebenraum zu hören. Der König schien privaten Besuch zu bekommen, äußerst ungewöhnlich um diese Zeit.
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    • Meredith Ravel

      Hmm.. Ja, vielleicht wollte die Königin auch nur verhindern, dass sich die Männer an die Gurgel gingen. Aber dennoch war mich nicht ganz wohl dabei. Doch der General war erfahren und wüsste schon, was er tat. Da ihn Valerius mit seinem neuen Bogen begleiten würde, müsste ich mir vielleicht auch keine großen Sorgen machen.
      Pah! Als ob ich mich über den Tisch ziehen lassen würde! Also ging ich mit dem Schützen zurück in meine Schmiede, um ihm den Bogen zu erklären. Allerdings hatte er mir von sich aus schon viel zu viel auf den Tisch gelegt und als ich ihm etwas zurückgeben wollte, meinte er, es wäre eine Investition. Da sagte ich natürlich nicht nein. Es würde mir ein paar Tage helfen.

      _____

      Ruven Avenor

      Lis hatte Lorae noch ein hübsches grünes Halstuch vor dem Abschied gegeben, welches gar nicht mal so schlecht an ihr aussah. Obwohl Lis nicht viel hatte, hatte sie immer viel zu geben. Marius passte zwar immer auf, dass sie es nicht übertrieb, aber auch er konnte sie kaum davon abhalten. So war sie eben. Ein Engel.
      Der Tag war anstrengend, da Lis und Marius nicht länger warten wollten, weshalb wir ihre Hochzeit noch vor Ende dieser Woche auf die Beine stellen wollten. Um sie groß zu feiern hatten wir ohnehin nicht genug Geld, außerdem hatte Marius kein Interesse daran, seine Verwandtschaft einzuladen und Lis hatte keine. Es kämen also wenn überhaupt nur ein halbes Dutzend Leute. Wobei ich mir auch gut vorstellen könnte, dass ich der einzige Gast war, was irgendwie eigenartig wäre.

      Am Abend ging ich mit den beiden wie immer in die Taverne. Wir tranken ja nicht jeden Tag und auch nicht so viel - ich jedenfalls nicht - aber es war gemütlich dort zu sitzen und sich zu unterhalten.
      Kurz sah ich zu Baldr und diesem Mann rüber, der - glaube ich - zum Aufklärungstrupp gehörte. Jedenfalls war er nicht von unserer Akademie, aber eindeutig sehr fähig. Ich folgte Marius und Lis an einen anderen Tisch und saß zum Glück mit dem Rücken zu Baldr, da ich ihn sonst vermutlich nur dauernd ansehen würde. Außerdem war er bestimmt immer noch sauer wegen meiner dummen Bemerkung.

      _____

      Lorae

      Als der General ins Zimmer kam, um sich auszuruhen, salutierte ich vor ihm.
      "General, Sir. Ich habe Levi auf seine Bitte hergebracht und.. wollte hier sein, falls er etwas benötigt." Vielleicht wäre er aufgewacht und bräuchte Hilfe beim Aufstehen oder hätte Durst oder sonst irgendwas.
      Ich verneigte mich kurz, um mich zu entschuldigen und verließ das Zimmer. Jetzt gab es keinen Grund mehr, dort sitzen zu bleiben, was ich irgendwie ein wenig bedauerte. Es war ruhig und ich hatte Zeit um nachzudenken.
      Nun entschied ich mich doch ein wenig zu bewegen und holte meine Schwerter. Diese kleinen Kratzer waren doch lächerlich.. Wenn ich nicht mal gegen diese Schmerzen ankäme, wie sollte ich dann bis zum letzten Atemzug kämpfen?
      Allerdings nutzte ich meinen rechten Arm viel häufiger, auch wenn ich mich immer wieder dazu zwang mein linkes Schwert zu schwingen. Wenn ich nur herumsitze, roste ich noch ein! Irgendwann fiel es mir leichter, aber ich war natürlich längst nicht so gut wie vor dem Kampf, aber je mehr ich gegen den Schmerz ankämpfte, desto weniger spürte ich ihn, da ich mich nur darauf konzentrierte meinen imaginären Feind zu treffen.
      "So ein Mist..", grummelte ich, da ich am Abend immer noch nicht mit mir zufrieden war. Levi jammerte auch nicht so herum wegen seiner Schmerzen! Morgen würde ich einfach weiter trainieren, dann wird das schon wieder.
      Ob ich zu den anderen gehen sollte? Baldr war auch noch nicht zurück.. Vielleicht war er mit seinem Geheimkram beschäftigt, denn irgendwie hatte ich die Vermutung, dass Basim damit was zutun hatte. Baldr schien ihn zumindest besser zu kennen, als ich.
      Na gut.. Ich steckte meine Schwerter zurück, machte mich ein wenig frisch und betrachtete das grüne Halstuch im Spiegel. Jetzt würde mich nicht dauernd jemand deswegen nerven und es sah eigentlich gar nicht so schlecht aus. Ich bereute es nicht und ich schämte mich auch nicht dafür. Ich wollte nur nicht dauernd danach gefragt werden.

      Da ich vom Waschraum aus an Levi's Zimmer vorbeikam, beschloss ich kurz nachzusehen und ihm frisches Wasser auf den Tisch zu stellen. Der General war bereits wieder gegangen. Allerdings musste ich dieses erst beschaffen.
      Ob er noch schlief? Wenn nicht, würde er sich zumindest über das Wasser freuen, schätze ich. Oh und wenn ich schon dabei bin, konnte ich ihm auch etwas zu essen bringen. Ich hätte zwar einfach eine Bedienung fragen können, doch die waren mit den Rekruten beschäftigt. Also schnappte ich mir ein Tablett, eine gute Portion von den herrlich duftenden Bratkartoffeln, die mit etwas Speck zubereitet wurden. Dazu noch eine Karaffe Traubensaft und eine mit Wasser. Je nachdem war er bevorzugen würde.
      Ich klopfte an, wartete ein paar Sekunden und ging vorsichtig hinein.
      "Hauptgefreiter Levi? Ich habe etwas zu essen für Sie."
      Ob er sich überhaupt darüber freuen würde? Vielleicht fühlte er sich von mir bevormundet? Ich durfte nicht über so etwas nachdenken, denn er hatte schließlich auch unsere Hilfe angenommen, also würde er sich bestimmt auch über eine Mahlzeit freuen.

      ____

      Valerius Hazen

      Ich sollte ihn begleiten? So war das nicht gemeint.. Aber aus dem Schlamassel kam ich jetzt wohl nicht mehr raus. Was wäre ich für ein Ritter, wenn ich jetzt kneife? Na gut. Meinetwegen. Die letzten Tage waren alle so ereignisreich und wenn ich bald dem Aufklärungstrupp angehöre, war's das ohnehin mit den friedlichen, ruhigen Tagen. Daran sollte ich mich also gewöhnen. Der General verließ sich schließlich auf mich.

      Nachdem ich in mein Zimmer zurückkehrte, um Meredith anschließend den Bogen abzukaufen, ließ ich ihn mir von ihr erklären, um ihn dann auf einem richtigen Schießstand zu testen. Unglaublich.. Damit würden selbst Anfänger verdammt schnell so gut werden wie ich. Naja, fast. Ich konnte schließlich mehr, als nur still stehen und ein paar Pfeile durch die Luft zu schießen. Auf einem Pferd war das ganze schon etwas schwieriger, da man die Bewegung des Pferdes mit einbeziehen musste, um zu treffen. Außerdem verbesserte der Bogen ja auch meine Fähigkeiten. Frauen sollte man wohl nicht unterschätzen. Erst Lorae, dann Meredith. Beide hatten eine größere Hingabe, als ich.

      Am Abend traf ich mich wie verabredet mit dem General und salutierte zum Gruß. Mir wäre am liebsten, wenn seine Befürchtung sich nicht bestätigte und wir genau so wieder rauskämen, wie wir reingegangen sind. Warum ausgerechnet ich? Hatte er keine besseren Ritter zur Seite? Da waren nur der Hauptgefreite, der verwundet war und die Knirpse. Vielleicht war ich im Moment ja wirklich das beste, was er hatte.. Wie dem auch sei.
      "Wie sieht Ihr Plan aus, Sir?", fragte ich ihn, um nicht blöd dazustehen, wenn ich nicht passend reagieren würde.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Levi erwachte durch ein Klopfen in seinem Bett, es dämmerte bereits.
      Nach einem müden "herein", das aus seinem trockenem Mund kam, öffnete sich die Tür und Lorae trat herein.
      In ihren Händen trug sie ein Tablett mit Essen - Bratkartoffeln mit Speck und zwei Karaffen mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten.
      "Ah...das ist lieb von dir. Stell es auf den Schreibtisch und dann lass mich wieder alleine, ja? Du hast den restlichen Abend frei. Ich erwarte dich aber zur neunten Morgenstunde vor der Herberge. Verstanden?"


      Drei der Gäste, welche die Taverne betraten, stellten sich als Ruven, Marius und Lisbeth heraus.
      Sie liefen an meinem Tisch vorbei und setzten sich an einen der Tische hinter meinem Rücken.
      Zeitgleich kamen unsere Getränke.
      "Wollen wir auf etwas anstoßen?"
      "Mmh...ich weiß nicht. Worauf ließe sich denn anstoßen?"
      Ich drehte mich zu Ruven, Meredith und Lisbeth hinüber, dann wandte ich meinen Blick wieder Basim zu.
      "Lass uns darauf anstoßen, dass ich irgendwann meine Liebe finden werde, so wie Marius seine gefunden hat."
      "Ungewöhnlich...nein, ich dachte eher daran, dass wir auf unsere Gesundheit anstoßen. Die werden wir brauchen und ganz besonders du."
      "Fein...dann auf unsere Gesundheit."
      Dann stießen wir an und tranken.
      "Da fällt mir ein", Basim stellte seinen Becher ab, "ich werde zum Aufklärungstrupp zurückkehren, zumindest für einige Zeit."
      "Warum das?"
      "Wegen dir. Levi glaubt, dass du seinem Trupp trotz seines eindringlichen Rates beitreten wirst und da er befürchtet, dass du durchdrehen wirst, bat er mich, dem Trupp beizuwohnen, damit du außer Lorae jemanden hast, mit dem du reden kannst."
      "Das klingt so gar nicht nach den Hauptgefreiten."
      "Der General hat ihn davon überzeugt. Dennoch werde ich nur für einige Tage dabei sein können, damit du dich besser einleben kannst. Danach muss ich mich wieder dem Orden widmen. Dort gibt es noch genug Baustellen, besonders, da wohl mir die Leitung für den Orden in Bohemia zugetragen werden wird."
      "Wirst du mich auch dort ausbilden?"
      "Nein. Ich werde mich eher im Hintergrund halten und eure menschliche Trainingspuppe sein. Und dein Ansprechpartner."
      "Wieso hast du eigentlich mit dem Trupp zutun?"
      "Ich habe mich damals im Trupp ausbilden lassen. Nicht, um auf Dauer für sie zu kämpfen, sondern um Kontakte knüpfen zu können, auf die ich mich im Ernstfall berufen kann. Die Meisten im Orden haben solche. Ich zum Trupp und zur Armee meines Heimatlandes, Augustus zu den Bankleuten im jüdischen Bezirk, Deimos zur Söldnergilde und Nero hatte Verbindungen zu den Intellektuellen seines Heimatlandes. Du solltest dir auch solche Kontakte suchen, sie sind für unsere Arbeit wichtig, zum Beispiel, wenn der Aufenthaltsort unserer Zielpersonen nicht bekannt ist oder wir anderweitig Informationen brauchen."
      Dann trank er einen weiteren Schluck, als sich die Tavernentür erneut öffnete und die nächsten Gäste den Gastraum betraten.

      -----

      "Gut, dass du es geschafft hast, Valerius", sprach der General, als der junge Krieger rechtzeitig ankam und sogar den Bogen dabeihatte.
      Als er nach seinem Plan fragte, trat er näher an seine Begleitung heran: "Gib mir den Bogen, Valerius. Ich versuche, einen Handel mit dem König auszuarbeiten, damit Meredith einen Kredit bekommt, um die Bögen im größeren Stil anfertigen und ihre Schmiede wieder vernünftig herrichten zu können. Der Überfall und die ganzen Ereignisse rund um ihre Familie haben ihr doch zugesetzt. Irgendwann im Verlauf des Gespräches werde ich dir ein Zeichen geben. Wenn du das hörst, frag wo du austreten kannst. Meredith meinte, die Königin hätte sich seltsam verhalten. Vielleicht findest du ja auf deiner Tour durch den Palast was verdächtiges. Aber lass dich nicht erwischen, sonst rollt nicht nur dein Kopf. Und beeile dich, damit der König keinen Verdacht wegen deiner langen Abwesenheit schöpft."
      Dann trat er an das große Tor heran.
      Nach einem kurzen Wortwechsel mit einer der Palastwachen - der sich als Absolvent der Wolfsakademie herausstellte und wusste, dass der General nichts unrechtes im Schilde führte - konnten sie auch außerhalb der für Audienzen angedachten Zeiten in Begleitung besagter Palastwache das Grundstück - einen prunkvollen Garten - betreten und fanden sich nur Augenblicke später vor dem massiven Eingangstor des Palastes wieder, der durch einige Treppenstufen zu erreichen war.

      Die Palastwache führte ihn in den Thronsaal, wo der König gerade eine Besprechung mit dem Schatzmeister von Bohemia hatte.
      "Es kann nicht sein, dass so etwas ständig passiert. Wir haben nichts zu verschenken. Wenn Sie einen der Kämmerer noch einmal dabei erwischen, führen Sie ihn dem Scharfrichter vor."
      "Verstanden, Eure Majestät."
      Der Schatzmeister lief auf uns zu und an uns vorbei durch die Tür.
      "Eure Majestät, der General und sein Begleiter haben eine dringliche Mitteilung zu machen", sprach die Wache schließlich, die uns begleitet hatte.
      "Wladimir? Warum bist du wieder hier?" Nebenbei machte er eine Bewegung in Richtung der Wache, damit diese den Thronsaal wieder verlässt.
      "Wegen des Bogens...auch wenn ich heute Mittag einfach gegangen bin, sind wir weiterhin an einem Handel interessiert, nur nicht mit den drei Herren, sondern mit Ihnen höchstselbst, eure Majestät!"
      "Wer ist deine Begleitung?"
      "Das ist Valerius Hazen, ehemaliger Absolvent meiner Akademie und künftiges Mitglied des Aufklärungstrupps. Außerdem ist er für den Moment mein Leibwächter."
      "Fein, dann kommt mit. Wir gehen in den Salon. Dort können wir reden."

      Der General folgte dem König aus dem Thronsaal und durch einen langen Gang in den privaten Flügel der Königsfamilie.
      Dann traten sie eine große Treppe hinauf und folgten einem weiteren prunkvollen Gang, an dessen Hände mehrere Gemälde und Porträts hingen. Schließlich erreichten sie den Salon, der König setzte sich auf einen Sessel und bot seinen Gästen das Sitzmöbel am anderen Ende des kniehohen Tisches an.
      "Setzen Sie sich, meine Herren."
      Dann erzählte der General vom geplanten Handel und legte dabei demonstrativ den Bogen auf den Tisch.
      "Nun...ich kann deiner Schmiedin 1000 Gulden geben, dafür möchte ich aber 300 Bögen sehen...sagen wir in drei Monaten? Das wären in etwa drei pro Tag. Außerdem muss sie das Geld innerhalb von zwei Jahren zurückzahlen. Doch weil du es bist, schlag ich keine Zinsen drauf."
      Die Königin trat nun aus einer der beiden weiteren an den Salon angrenzenden Türen und zeigte sich überrascht: "Oh, der General ist wieder da. Und er hat diesmal einen attraktiven jungen Mann mitgebracht, herzallerliebst. Ich möchte euch aber nicht weiter stören, meine Herren."
      Dann verließ sie den Raum durch dieselbe Tür, durch welche wir den Salon betreten hatte und zog sie von außen heran, bis sie ins Schloss fiel. Eine Minute später begann der General mehrmals zu husten.
      "Ist alles in Ordnung? Ich hole dir Wasser."
      Der König eilte zu einem Schrank, in dem neben einigen Gläsern auf eine Karaffe mit Wasser stand.
      Er reichte es dem General, der es in schnellen Schlücken trank.
      Der General hoffte wiederum, dass Valerius verstanden hat.

      Als der König mit dem General alleine war und ein Angebot schriftlich festgehalten wurde, wechselten sie das Thema.
      "Die Toten liegen bis heute in der Akademie. Da wir es bisher versäumt haben, sie entsprechend zu bergen und zu bestatten, würde ich das gerne so schnell wie möglich erledigt wissen. Außerdem finde ich eine Beerdigungszeremonie für die Gefallenen angemessen."
      "Natürlich, Wladimir. Ich werde morgen den Bestattern einen entsprechenden Auftrag zuteilen lassen. Gib ihnen zwei Tage."
      "Wegen dem Geld für die Aufträge..."
      "Schwamm drüber", deutete der König mit einer Handbewegung an. "Wir kennen uns seit 30 Jahren, alter Freund. Unsere Staatskasse ist gut gefüllt, ich kümmere mich schon darum."
      "Danke, Sigismund. Gibt es für die Stelle als Berater für militärische Angelegenheiten Neuigkeiten?"
      "In der Tat. Ich würde dir die militärische Kontrolle der Halbinsel Chin anvertrauen. Schließlich haben wir der Eroberung zum Teil deines Schlachtplanes zu verdanken."
      "Auch, wenn mein strategisches Genie die Zerstörung der Akademie nicht verhindern konnte."
      "Gräm dich nicht. Verräter in den eigenen Reihen sind eine unberechenbare Variable in jedem Plan."
      Dann begannen die Beiden über die Herren von KMW und deren Katapulte zu sprechen.
      "Ah...deshalb bist du heute Mittag einfach gegangen, jetzt wird mir einiges klar. Ich werde sehen, was ich tun kann."

      ----

      Am frühen Morgen erreichte die berittene Palastwache, welche Am Abend zuvor aufgebrochen war, eine kleine Stadt nördlich von Praha.
      Er klopfte an der Tür eines einfachen Hauses am Stadtrand.
      Sie öffnete sich kurz darauf einen Spalt breit.
      "Ja?"
      "Befehl Eurer Majestät, Sir."
      Dann überreichte die Wache dem Unbekannten einen Brief, eine mit einem schwarzen Lederhandschuh bedeckte Hand nahm ihn entgegen.
      "Ah, ist es endlich soweit?"
      "Positiv. Viel Erfolg", entgegnete sie, dann stieg die Wache auf sein Pferd und ritt zurück in Richtung Hauptstadt.
      Die Gestalt schloss die Tür und zündete eine Kerze an. Sie war komplett in schwarz gekleidet, auf dem Tisch lag eine metallene Maske, die das gesamte Gesicht verbergen konnte und nur Öffnungen für die Augen und die Nasenlöcher bot.
      Dann öffnete sie den Brief und las die Instruktionen der Königin durch.
      "Ah, Wladimir, alter Freund...ein Jammer, aber Befehl ist Befehl...vielleicht bedeutet das aber auch...", die Gestalt öffnete das Fenster und blickte sanft lächelnd in den Himmel, "dass wir uns nach all den Jahren meines Untertauchens endlich wiedersehen können....Dimitri."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

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    • Lorae

      "Jawohl, Hauptgefreiter Levi", sprach ich etwas gedämpfter und stellte das Essen ab, ehe ich den Raum verließ.
      Von Baldr war noch immer keine Spur. Weder im Zimmer, noch im Speisesaal. Nachdem ich selbst gegessen hatte, verließ ich die Herberge und ging in die Taverne, um mich nun doch in Gesellschaft von Marius und den anderen zu begeben. Allerdings lenkten mich die Geräusche aus Meredith's Schmiede ab. Arbeitete sie immer noch?
      Ich klopfte an und begrüßte sie mit einem Lächeln, als ich hereintrat. Sie sah ein wenig verwirrt aus.
      "Äh.. Leon?" Mein Gesicht hatte sich ja schließlich nicht verändert.
      "Lorae."
      Ich setzte mich zu ihr und beobachtete sie dabei, wie sie ein Schwert herstellte. Der Schweiß lief über ihre Stirn, aber es war auch unglaublich warm hier drin, durch die Schmiede.
      Kurz und knapp erzählte ich ihr ein wenig darüber, wie es dazu kam, dass ich jetzt ein Mädchen war - Ich war es natürlich schon immer, aber eben nicht offensichtlich.

      "Ah.. das ist cool", meinte sie und wischte sich den Schweiß von der Stirn, während sie die Klinge betrachtete.
      Sie hatte mir auch von ihrem Bogen erzählt und so saß ich eine ganze Weile in ihrer Schmiede, obwohl ich eigentlich in die Taverne wollte.

      "Kann ich dich was fragen?"
      "Klar, schieß los."
      "Denkst du manchmal darüber nach eine Familie zu gründen?"
      "Hmm.. ich weiß nicht. Vielleicht wenn ich einen Mann finde, der mich weiter schmieden lässt, aber find so einen mal", lachte sie und machte nun auch Feierabend, um sich mir gegenüber zu setzen.
      "Was ist mit Valerius? Ihm hat dein Bogen doch so gefallen, da wird er deine Arbeit bestimmt wertschätzen."
      "Valerius? Ich weiß ja nicht. Er ist zwar nett, aber sehr zurückhaltend. Ich kann sehr aufbrausend sein, weißt du? Bei ihm hätte ich Angst, dass er zu weinen anfängt", lachte sie, da sie etwas übertrieben hatte. Aber sie meinte wohl, dass sie jemanden wollte, der ihr durchaus die Stirn bieten könnte.
      "Und du?"
      "Ich denke nicht. Ich bin nicht sicher, ob ich beides könnte. Mutter und Ritter sein. Und ich will mein Schwert nicht ablegen.."
      "Das versteh ich. Ich will meinen Hammer auch nicht ablegen", schmunzelte sie und sah sich in der Schmiede um.
      "Aber ich denke, dass ich mein Wissen lieber meinen Kindern weitergeben möchte, als jemand Fremden. Mal sehen. Ich werde aber mit Sicherheit nicht dem nächstbesten in die Arme hüpfen."
      Ich lachte leise und lehnte mich zurück.
      "Aber du hast darüber nachgedacht, oder?"
      Natürlich, sonst hätte ich das Thema wohl kaum angesprochen.. Das war wohl offensichtlich.
      Also erzählte ich ihr von Baldr, dem gestrigen Abend und dass er vielleicht in mich verliebt wäre, vielleicht aber auch nicht. Ebenso wie ich nicht wusste, ob ich verliebt wäre.
      "Ja.. das ist wohl gar nicht so einfach.. Meine Eltern hätten alles füreinander getan.. Mama hätte Papa Platz für eine andere Frau gemacht, damit er einen Erben bekäme, aber Papa hat auf ein zweites Kind verzichtet, um bei ihr zu bleiben. Sie haben sich wirklich geliebt.. Aber wenn Liebe bedeutet, dass man alles für den anderen aufgeben würde, dann will ich mich nicht verlieben."
      "Oder jemanden finden, der nicht von dir erwartet, dass du alles aufgibst?"
      "So wie Baldr?"
      "Ich weiß nicht. Als ich verraten habe, dass ich ein Mädchen bin, meinte er, dass jetzt alles einfacher werden würde und das mir Männer Aufmerksamkeit schenken würden und ich dies nutzen sollte, bevor 10 Jahre und 2 Kinder vergangen sind.."
      Aber ich glaubte nicht, dass er damit meinte, dass ich jetzt das Handtuch werfen sollte.
      "Hm.. tja.. schwierig.. Ich glaube, wenn ich keinen Mann finde, den ich lieben kann, dann lass ich mich einfach von einem starken Ritter schwängern und zieh das Kind allein groß, um ihm mein Erbe zu übergeben."
      Blinzelnd sah ich sie an. Meinte sie das ernst? Sie wollte sich wirklich ganz allein um ein Kind kümmern?
      Als sie meinen Blick sah, lachte sie.
      "Bis dahin wird noch viel Zeit vergehen und vielleicht finde ich auch einen vielversprechenden Lehrling, dem ich alles zeigen kann. Dazu müsste ich allerdings einen Jungen finden, der von mir lernen will."

      Wir unterhielten uns noch etwas, ehe ich meinen Weg in die Taverne fortsetzte. Ich wusste nicht, ob noch jemand da sein würde, aber es war noch nicht so spät, dass die Taverne verlassen sein sollte. Jetzt käme vermutlich erst so richtig die Stimmung auf, da alle betrunken wären.
      Vielleicht war Marius ja noch da, mal sehen.
      Das Gespräch mit Meredith war jedenfalls in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich. Zum einen, war ich nicht die einzige Frau, die sich nicht dem gesellschaftlichem Bild der Frau fügen wollte und alles für ihren Traum tat und zum anderen.. das ich besser hätte aufpassen müssen, wann ich es mit Baldr tat. Da ihre Eltern eine ganze Zeit lang verzweifelt versucht hatten ein Kind zu bekommen, hatte Meredith weitaus mehr Wissen über den weiblichen Körper, als ich. Wer hätte es mir auch beibringen sollen? Jedenfalls wusste ich, dass ich es zu fruchtbaren Tagen vermeiden sollte. Allerdings wusste ich nicht, ob ich es überhaupt noch mal machen würde.. Wenn ich allerdings an Baldr dachte, hatte ich wieder dieses Kribbeln im Bauch.
      Erst einmal musste ich mit Baldr über mein Gespräch mit Levi reden.. Wir würden schon eine Lösung finden.

      Also atmete ich tief durch und betrat die Taverne, um mich gleich nach bekannten Gesichtern umzusehen.

      _____

      Valerius Hazen

      Ich lauschte seinem Plan und gab ihm den Bogen. Ob ich wirklich dazu geeignet war im Schloss herumzuschleichen? Ich war doch kein Spion.. Wenn man mich erwischte, wäre auch er dran, aber dessen war er sich bewusst. Hatte er soviel Vertrauen in mich? Dann durfte ich ihn auf keinen Fall enttäuschen.
      Wie ein braver Gefolgsmann blieb ich an seiner Seite und verfolgte schweigend das Gespräch.
      3 Bögen pro Tag? Sie hatte für diesen einen eineinhalb Tage gebraucht. Das schafft sie allein niemals.. Was für eine absurde Forderung.. Wie sie wohl darauf reagieren wird, wenn der General ihr davon erzählt?
      Als die Königin den Raum betrat, neigte ich aus Höflichkeit mein Haupt zur Begrüßung. Im Stehen hätte ich mich verbeugt, aber im Sitzen wäre das wohl etwas übertrieben.
      Attraktiv? Hatte sie mich wirklich in Gegenwart des Königs - ihres Gemahlen! - attraktiv genannt? Und er sagte nicht einmal was dazu.. Das war auf andere Art und Weise eigenartig, als Meredith die Königin empfand.

      Kurz darauf fing der General an zu Husten und der König brachte ihm etwas Wasser. Das war dann wohl das Zeichen, wobei er mir vorher schon hätte sagen können, dass dies das Zeichen war. Aber vielleicht war das nur spontan der Situation angepasst und hätte auch etwas anderes sein können.
      Ich wartete noch darauf, dass der General austrank, da es ansonsten wohl verdächtig sein könnte, wenn ich direkt aufspringe.
      "Verzeiht, es ist mir wirklich sehr unangenehm, aber.. wo könnte ich wohl austreten?", fragte ich und sah die beiden etwas verlegen an. Das war verdammt peinlich, selbst wenn es wahr wäre. Gerade wenn es wahr wäre! Wer entleerte seine Blase denn nicht vor einem Besuch beim König? Ein toller Leibwächter war ich.. Egal.
      "Der Traubensaft.. verzeiht..", entschuldigte ich mich erneut und verneigte mich, ehe ich nach der Wegbeschreibung den Raum verließ.
      So und jetzt? Hoffte er, dass ich irgendwelchen Gesprächen lauschen könnte? Oder sollte ich mich im Nebenraum umsehen, aus dem die Königin gekommen war? Das erschien mir sinnvoller, als einfach durch die Gänge zu spazieren und die Ohren zu spitzen.
      Der Weg durch den Salon war doch bestimmt nicht der einzige Weg, den sie hätte wählen können.. Wenn der Salon schon 3 Türen hatte, hatten dies mit Sicherheit auch andere Räume.
      Da gerade niemand zu sehen war - in Alarmbereitschaft waren sie wirklich nicht - ging ich auf die Seite auf die der Raum liegen sollte, aus dem die Königin kam. Tatsächlich fand ich eine Tür vor. Warum war sie nicht aus dieser gegangen, sondern durch den Salon?
      Was, wenn sie durch diese Tür hier einfach wieder hineingegangen war? Aber vielleicht führte sie auch gar nicht in den Raum, in der sie war.
      Vorsichtig lauschte ich an der Tür, doch es war still. Sollte sie auch mit sich selbst reden? Dennoch war dies keine Garantie, dass niemand in diesem Raum war.
      Ich schluckte und starrte auf die Türklinke. Wenn sie da drin wäre, würde ich einfach sagen, dass ich mich auf der Suche nach der Toilette in der Tür geirrt hätte! Ha! Was für ein dämlicher Leibwächter ich nur in ihren Augen sein würde.. Der sich nicht einmal die Wegbeschreibung merken konnte. Vielleicht eine Rechts-Links-Schwäche? Ja, irgendwie sowas.
      Also öffnete ich die Tür und hoffte, dass alles glatt gehen würde.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Kiimesca ()

    • Die Gäste, welche nun in die Taverne traten, waren mir jedoch unbekannt.
      Als kurze Zeit später unser Essen serviert wurde, öffnete sich die Tür erneut, doch auch diesmal waren es nur Fremde.
      "Erwartest du noch jemanden? Du schaust schon die ganze Zeit zum Eingang hinüber wann immer sie sich öffnet."
      "Rate mal..."
      "Du hoffst, dass Lorae oder Flavius durch die Tür kommen, richtig?"
      "Du kennst mich zu gut", sprach ich leicht betrübt, während ich mir ein Stück des saftigen Fleisches in den Mund schob.
      Während des Essens hindurch schwiegen wir, während sich immer wieder die Tür öffnete und für einen Moment meine Aufmerksamkeit erhaschte. Gäste kamen und gingen, doch Lorae war nicht unter ihnen. Und auch kein Flavius, wobei mich das sehr überrascht wenngleich auch nicht enttäuscht hätte.

      Wir hatten unser Essen bereits seit einer Weile beendet und schon zwei Becher Met geleert, als die Tür aufschwang und endlich Lorae die Taverne betrat. Sofort hatte ich dieses starke Kribbeln im Bauch und richtete mich wieder auf, da meine Hand irgendwann meinen Kopf stützte. Nicht, weil ich müde oder gelangweilt war, vielmehr fühlte ich seit einiger Zeit und bis zu ihrem Erscheinen eine gewisse Leere in mir...eine Leere, die durch Essen nicht zu füllen war, es war seltsam...
      Ich winkte, um ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen und klopfte auf die freie Sitzfläche neben mir. Ich wollte sie wieder bei mir haben und das jetzt! Ich wollte sie umarmen, küssen, ihre Hand halten und mich mit ihr vereinigen! Meine Gefühle überwältigten mich, jedoch ließ ich mir nichts anmerken.
      "Soll ich euch Beide alleine lassen?"
      "Ich...ich denke, das wäre nicht schlecht. Wobei du natürlich auch bleiben kannst, aber warten wir, was sie sagen wird."
      Mir fiel ihr grünes Halstuch auf. War ihr der Fleck unangenehm, weshalb sie ihn zu verbergen versuchte?

      ----

      Die Königin indes war bereits mit dem Auskleiden in einem der etwas abseits gelegenen Gästeschlafzimmer zwei Etagen über dem Salon beschäftigt, wohlwissend, dass der Raum aus dem sie vorhin kam, nur über den Salon zu erreichen war.
      Doch sie war nicht allein. Drei der Palastwachen waren bei ihr und sie waren - nackt.
      Sie liebte Sex und da der König schon seit einiger Zeit des Alters wegen mit seiner Potenz zu kämpfen hatte und seine Gemahlin daher nicht mehr angemessen befriedigen konnte - zudem er optisch nicht mehr in ihr Beuteschema passte, sie liebte "Frischfleisch", wie sie die Palastwachen nannte - holte sie sich dann und wann einige der jungen, hungrigen Zuchtbullen ins Bett, die ihr richtig einheizen sollten, während ihr Gatte wie so oft in letzter Zeit bis spät Abends unwissend seinen Tätigkeiten nachging.
      Manchmal verursachte sie sogar wissentlich Probleme, die der König in kurzfristig einberufenen Sitzungen und Audienzen ausbaden musste, um ihn beschäftigt zu halten; denn wer länger arbeitet, hat weniger Zeit zum Schlafen und wird mit der Zeit mürbe was ihn leichter beinflussbar macht.
      Als Gegenleistung für diesen Spaß verlangte sie von den Wachen lediglich Verschwiegenheit und Loyalität.
      Vor der Tür waren drei weitere Palastwachen abgestellt. Sie dienten - zumindest an den meisten Abenden - nicht als Reserve, sondern hatten die Aufgabe, das Quartett zu warnen, falls der König oder ein anderes Problem auftauchen sollten, welche die Liebschaften der Königin in Gefahr bringen könnten.
      Motiviert wurden sie durch die Aussicht, in der nächsten "Sitzung" die Auserwählten Ihrer Majestät zu sein.
      Sie war eine Femme Fatale und ihre Aufgabe war der stille und leise Untergang des Königs.

      ....

      "Du siehst müde aus", sprach der General, der mit dem König gerade ein Glas Rum trank - ein besonders edles Getränk, dass nur den reichen und wohlhabenden Bürgern des Reiches - dem Adel und der Bourgeoisie - vorbehalten war, alleine schon wegen des hohen Preises von mehr als 1000 Gulden pro Fass. "Es ist mir schon heute Morgen aufgefallen und auch vorhin...wobei, wenn ich es Recht bedenke, wirkst du schon seit einiger Zeit nicht mehr so wirklich erholt. Stimmt etwas nicht?"
      Der König sank seufzend sein Glas: "Die Arbeit...Vielleicht ist es das Alter, das mir langsam zu schaffen macht, aber in letzter Zeit häufen sich die Probleme. Hier ein Aufstand, da ist etwas kaputt und erst heute hat sich herausgestellt, dass uns jemand die Staatskasse plündert.
      Ich tippe auf einen der Kämmerer, jedoch haben wir noch keine Beweise."
      Valerius war bereits seit einiger Zeit weg - zu lange, wie der General fand. War etwas passiert? Wurde er erwischt?
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