I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae / Leon

      Als Baldr mich danach fragte, was wir tun sollten und dabei auf die Gefallenen deutete, sah ich mich kurz um. Der General war nicht mehr in unserer Nähe und die Ritter an unserer Seite machten keinerlei Anstalten uns zu führen. Offenbar waren sie auch nur das Folgen gewohnt. Ich war mir nicht sicher, ob ich etwas sagen sollte, geschweige denn was, als wir von weiteren Feinden umzingelt wurden. Uns blieb schließlich nichts anderes übrig, als uns hier erstmal zu verteidigen.
      Die neuen Schwerter von Meredith waren unglaublich. Sie schnitten durch das Fleisch meiner Gegner wie durch weiche Butter. Dennoch wurden wir immer weiter zurückgedrängt, sodass wir schon die Hitze der Flammen in unseren Rücken spürten.

      Plötzlich fielen die hintersten Reihen der Gegner und da wir uns weiterhin zur Wehr setzten, hatten sie dem Ritter hinter ihnen nichts entgegenzusetzen. Sie waren einfach überrascht. Das war ich auch. Als der letzte von ihnen durch Marius Schwert fiel, stand uns einer der Ausbilder gegenüber. Ich glaube, sein Name war Harald.. Jedenfalls trug er diese rote Armbinde, wie unsere Feinde auch. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und auch Marius war etwas verunsichert, auf wessen Seite dieser Ritter nun stand. "Bewegt euch und bleibt zusammen", trug er uns auf und riss die Armbinde ab, da ihn nun auch die anderen Verräter im Visier hatten. War er wirklich auf unserer Seite oder war das ein Trick? Er drehte sich um und kämpfte gegen seine Leute, um uns zu führen.
      Kurz darauf standen wir dem schwarzen Ritter gegenüber, der gegen Harald kämpfte. "Lauft weiter", befahl er uns, obwohl er große Mühen hatte die Angriffe zu blocken. Erschrocken sah ich Dimitri nicht weit von uns auf dem Boden liegen und presste meine Kiefer aufeinander. Wie sollten wir den Kampf ohne unsere besten Kämpfer überstehen? Ich lief mit den Verbliebenen weiter zur Mauer, blickte nochmal zurück und sah, wie Dimitris Schwert in Flammen stand. Der schwarze Ritter hatte Harald enthauptet und kam auf ihn zu, aber würde er es dieses Mal schaffen?

      ____

      Valerius Hazen

      Vor einer Woche kam Harald zu mir und erzählte mir etwas von einem Angriff und das ich der einzige wäre, dem er sein selbstmörderisches Doppelleben anvertrauen könne. Natürlich hatte ich ihn gefragt, warum er damit nicht zum General oder Dimitri ging und warum er es überhaupt dazu kommen lassen hatte. Hätte er ihnen was gesagt, hätte er auffliegen können. Was er jedoch wichtiger fand war, dass er noch nicht genug Informationen hatte. Wäre er aufgeflogen, hätte sein Halbwissen dem General nicht weitergeholfen. Außerdem hatte ihn wohl dauernd dieser Theo im Blick. Ach, keine Ahnung. Mit solchen Taktiken kannte ich mich nicht aus. Wenn er meinte, dass es so besser wäre - meinetwegen.

      Also brach ich nach Praha auf, suchte mir als gewöhnlicher Reisender ein Zimmer und wartete. Harald brachte mir einen Bogen und Pfeile und weitere Informationen. Ich solle mich genau am heutigen Abend bereit halten, für einen guten Blick zur Akademie sorgen und los reiten, wenn ich etwas sah.

      Das Signalhorn hörte ich hier natürlich nicht, dafür ein winziges Fünkchen in weiter Ferne, die das Zeichen war.

      Also sattelte ich mein Pferd, kontrollierte meine Ausrüstung und prüfte noch mal, ob ich gut an alle 3 Köcher auf meinem Rücken kam. Der Nachteil als Schütze war die begrenzte Munition, aber ich konnte problemlos etwas mehr mit mir herumtragen. Harald hatte mir genaue Anweisungen gegeben. Ich sollte von der Akademie fernhalten und mich dem Plateau von hinten nähern. Feuerpfeile. Als ob man mal so eben einen Pfeil in Brand stecken konnte, um im Galopp mehrere davon abzufeuern. Doch da kam meine Kreativität ins Spiel. Es war alles andere als schön, aber ich klemmte mir eine schmale Fackel zwischen die Zähne, wobei das Feuer meinem Gesicht ruhig etwas entfernter sein könnte, doch es war weit genug, um mich nicht zu verbrennen.

      Allerdings war ich zu spät, denn bevor ich das Manöver durchführen konnte, stand die Akademie schon in Flammen. "Scheiße", zischte ich unverständlich durch die Fackel im Mund und ritt los. Das Pferd galoppierte so schnell es konnte, während ich einen Pfeil zog, ihn anzündete und auf den ersten Wagen mit den Ölbomben feuerte. Die Ritter an den Katapulten bekamen einen ganz schönen Schrecken, doch bevor sie mich überhaupt entdeckten, stand schon der zweite Wagen in Flammen. Dann der dritte. Die Pfeile flogen mir erst entgegen, als ich alle Wagen erwischt hatte, weshalb ich die Fackel in ihre Richtung warf. Die meisten waren mit dem Feuer beschäftigt und ihre Pfeile waren nicht präzise genug, um mich in meinem Tempo zu erwischen.
      Harald hatte mir Kletterhaken besorgt, um damit die Mauer der Akademie zu erklimmen und anschließend wie der General es sich wünschen würde, am Kampf teilzunehmen.

      Schnell wie der Wind ritt ich zur Akademie, lenkte das Pferd die Mauer entlang und stellte mich dabei auf den Sattel. Mit den Kletterhaken in der Hand sprang ich an die Mauer, kletterte diese empor und zog oben angekommen meinen Bogen. Ich war kein großer Schwertkämpfer, aber meine Pfeile verfehlten nie ihr Ziel. Dank diesem neuen Bogen, der anfangs zwar etwas umständlicher war, hatten sie auch eine unglaubliche Geschwindigkeit drauf. Die Form des Bogens gab ihm den Namen Recurvebogen. Sollte bald wohl der Standard bei den Schützen werden.
      Ich blickte zum schwarzen Ritter, vor dem mich Harald gewarnt hatte. Ich sollte gar nicht erst versuchen, durch seine Rüstung zu kommen. Aber ob Dimitri das schaffen würde? Mit dem brennenden Schwert vielleicht.. Ich war im selben Jahrgang wie er und kannte seine Fähigkeiten gut. Wenn er nicht mit ihm fertig würde, wer dann?
      Also konzentrierte ich mich darauf unsere Kameraden aus der Ferne zu beschützen. Zuerst nahm ich der Grupoe des Generals 3 Gegner ab, doch dann sah ich eine Gruppe von unbeholfenen Rittern. Das mussten die Rekruten sein, von denen Harald erzählte. Wie armselig waren wir, dass wir Kinder kämpfen ließen? Aber sie waren mutig und schlugen sich tapfer. Der kleine Braunhaarige wurde an der Schulter getroffen, kämpfte jedoch erbittert mit seinen zwei Schwertern weiter. Einer nach dem anderen fielen durch meine Pfeile, aber es waren zu viele. Der Braunhaarige schubste einen seiner Kameraden beiseite und bekam einen Treffer ab. Knapp an seiner Brust vorbei, sodass der Schnitt an seinem Brustkorb nicht tödlich war. Dennoch musste das höllisch wehtun.. und diese Knirpse waren Schmerzen nicht gewohnt. Deshalb war ich überrascht, dass er sein rechtes Schwert noch in seinen Gegner rammen konnte. Der Schnitt in der linken Seite schwächte jedoch seinen linken Arm, sodass die Hiebe mit diesem schwächer wurden. Auch das Parieren fiel ihm schwer. Zu ihrem Glück hatte ich noch genug Pfeile. Als der letzte von ihnen fiel, rief ich ihnen zu. "Lauft rüber zur Schmiede!" Es wäre besser, wenn sie zu ihren anderen Kameraden aufschlossen, um gemeinsam weiter zu kämpfen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Währenddessen rückte die Feuerwehr der Hauptstadt aus, da sowohl der Waldbrand als auch der Großbrand auf dem Gelände der Akademie in der Stadt für eine gewisse Unruhe sorgten und diese Bereiche in ihren Zuständidkeitsbereich fielen. Sogleich gingen Gerüchte und Spekulationen um, jedoch nichts faktenbasiertes.
      Mit Schläuchen aus zusammengenähten Leder, zahlosen Eimern und großen Bottichen, die auf mehreren großen Wagen platziert waren, welche von je zwei Pferden gezogen wurden, machten sich mehrere Dutzend Feuerwehrleute der Hauptstadt auf den Weg zu den Brandherden.
      Unterwegs füllten sie sämtliche Behälter mit Wasser aus einem Teich in der Nähe Prahas und setzten dann in hohem Tempo ihren Weg fort.
      Als sie den Wald erreichten, hatte sich das Feuer bereits in einem Maße ausgebreitet, sodass sich ein Löschen als schwierig und aufwändig gestaltete.
      Schließlich stießen sie auf Flavius, Magnus, Nero, Deimos, Julius, Augustus und den beiden Mitgliedern aus Levis Trupp.
      "Hier sind welche!", rief einer von Ihnen.
      "SIeht nicht gut aus. Die müssen hier schon eine Weile liegen."
      "Verdammt..."

      ...

      "Haa...", der schwarze Ritter atmete tief durch, "denkst du, du bist der einzige, der dieses Spiel spielen kann?"
      Demonstrativ warf der Ritter seine Streitaxt weg und griff nach einem pechschwarzen Trishula, einem Dreizack, das auf seinem Rücken befestigt war.
      "Bhairava, leih mir deine Kraft! Kataklysmus!"
      Dornige Ranken wickelten sich bis zum Gelenk um die Hand des Ritters und holten sich ihren Blutzoll. Dann bekamen die drei Zacken des Trishulas eine dunkelviolette Aura, die sich schließlich in gleichfarbige Flammen manifestierten. Der schwarze Ritter hielt das Trishula schützend vor sich, sodass sein Schwert daran abprallte und Dimitri einige Meter nach hinten schleuderte.
      "Sei vorsichtig", hörte Dimitri plötzlich eine Stimme und rappelte sich auf. Neben ihm stand Asaruludu.
      "Asuraludu? Was machst du hier?"
      "Dir helfen. Keine Sorge, die anderen können mich weder sehen noch hören. Ich bin eine Manifestation, erschaffen von deinem Bewusstsein."
      "Danke. Warum soll ich vorsichtig sein?"
      "Bhairavas Kraft verursacht bei jedem, der mit ihr in Berührung kommt, starke Schmerzen und zerstört ihre Körper von innen heraus , bis sie schließlich zu Asche werden."
      "Also sind sie wie deine Kräfte."
      "Nicht ganz. Die Flammen deines Schwertes sollen Menschen sofort verschlingen. Die Flammen Bhairavas verschlingen ihre Opfer langsam, dafür umso grausamer. In der alten Zeit wurde damit Menschen gefoltert und mit Aussicht auf Heilung zu Dingen gezwungen, die sie unter normalen Umständen nie machen würden. Unser beider Kräfte sind wie ein Gegenpol, wenn du es so willst."
      "Keine Zeit für weitere Erklärungen. Beeinflussen sich die Waffen gegenseitig?"
      "Wenn du damit meinst, ob sich die Waffen gegenseitig zerstören können, so lautet die Antwort nein."

      Dann setzte der schwarze Ritter zum Angriff an. Wie auch Dimitri bewegte sich nun auch er schneller und agiler und war zeitgleich stärker.
      Er machte einen schnellen Satz nach vorne und versuchte mit den Zacken seines Trishula Dimitri zu treffen, jedoch konnte dieser mit einem Satz nach hinten ausweichen.
      Fieberhaft überlegte er, wie er diesen Gegner möglichst schnell ausschalten kann.
      "Was soll ich tun?"
      "Ausweichen oder Parieren."
      "Und dann? Hast du noch andere Kräfte?"
      "Mach dir darum vorerst keine Gedanken. Weich weiter seinen Angriffen aus und lass dich nicht treffen."
      "Und dann?"
      "Vertrau mir und mach was ich sage, okay?"
      "Ttzz..von mir aus."
      Dimitri folgte den Anweisungen Asaruludus und wich geduldig aus, manchmal kam er jedoch um Parieren nicht herum. Rote und dunkelviolette Funken flogen umher, wann immer sich die beiden Waffen trafen. Wäre die Situation nicht todernst, wäre es fast schon ein farbenfrohes Spektakel.
      "Worauf warten wir?"
      "Bis er müde wird und sich sein Angriffstempo verlangsamt."
      Das ging so lange, bis Asaruludu ihm schließlich ein Zeichen gab.
      "Jetzt! Entwaffnen und Gegenangriff!"
      Dimitri verhakte sein Schwert zwischen zwei der Zacken und bildete damit einen Hebel, um dem Ritter den Dreizack mit seiner ganzen Kraft aus der Hand zu reißen.
      Er flog in hohem Boden durch die Luft, genau in die Richtung, aus der Levi gerade mithilfe seiner Apparatur über die Burgmauer hinweg herangerauscht kam. Vollkommen überrascht vom den ihm entgegenkommenden Dreizack machte er in der Luft ein wildes Ausweichmanöver, jedoch konnte er das unausweichliche nicht verhindern: ein Zacken striff seinen Oberschenkel und hinterließ neben einen Riss in seiner Hose eine kleine Schnittwunde auf der Haut, welche rasch in eine kleine, dunkle Narbe mündete.
      "NEEIN!", schrie Dimitri ohne zum Gegenangriff angesetzt zu haben, während Levi eine Bruchlandung hinlegte, jedoch einigermaßen unbeschadet aufkam. Allerdings wurde die Apparatur auf einer Seite stark in Mitleidenschaft gezogen.
      "Bleib konzentriert", entgegntete Asuraludu mahnend, während der schwarze Ritter amüsiert lachte und seinen Arm ausstreckte. Sein Dreizack, das gegen die Burgmauer geprallt und irgendwo gelandet war, setzte sich eigenständig in Bewegung und kehrte wie ein Bumerang in seine Hand zurück.
      "Und du bist der Nächste!", sprach er siegessicher und zeigte mit seinem Trishula auf Dimitri. Ein dunkler Strudel schoss mit hohem Tempo aus seinem Dreizack, jedoch konnte Dimitri diesem knapp entkommen.
      "Alles gut, Levi?"
      "Geht schon." Levi rappelte sich nun auf und hielt sich für einen Moment den Kopf, dann betastete er seinen Oberschenkel und strich über den Riss an seiner Hose: "Dieses Ding hat mich am Bein erwischt."
      "Hilf mir hier mal!", rief Dimitri, während er einem weiteren dieser Strudel auswich.
      "Der Feind fokussiert sich nun auf den Fernkampf", stellte Asaruludu fest.
      "Was soll ich machen? Hast du auch einen Fernangriff auf Lager?"
      "Hab ich. Aber er ist gegenwärtig ein zu großes Risiko."
      "Inwiefern?"
      Dimitri wich erneut aus.
      "Deine Kameraden sind im Weg."
      "Mit wem redest du?", fragte Levi, der inzwischen zu Dimitri aufgeschlossen hatte. Dieser blickte zu Asaruludu, der einen Finger auf seinen eigenen Mund legte. Dimitri verstand. "Mit mir selbst."
      "Du musst deine Kameraden von hier wegbringen, dann kümmern wir uns um ihn." Dimitri nickte leicht.
      "Levi? Bring die Anfänger hier raus und dich in Sicherheit. Es wird gleich ungemütlich werden."
      Levi blickte ihn an, dann auf Dimitris flammendes Schwert, dann auf den seltsamen Dreizack des schwarzen Ritters.
      "Was ist hier los? Wo habt ihr diese Waffen her?"
      "Dafür ist jetzt keine Zeit. Ich erkläre es dir später."
      "Gut. Was ist mit deinem Vater? Wird er seine Akademie einfach so aufgeben?"

      "Sieh dich doch um! Es gibt nichts mehr zu retten! Hier wartet nur noch der Tod, also nimm meinen Vater mit, bevor er auch ihn holen kommt. Geht zur Weggabelung am Fuße des Hügels, ich kommr dann nach. Und beeit euch, klar?"
      Levi nickte, da er keinen Einwand wusste. Pflichtbewusst ging er seiner Aufgabe nach und sammelte nach und nach uns Anfänger, sowie den General ein und meidete den Kampf so gut es ging und beschränkten sich auf das Ausweichen und Parieren, schließlich hatten sie Zeitdruck.
      Währenddessen lenkte Dimitri den schwarzen Ritter ab, sodass die Gruppe um Levi ein gewisses Zeitfenster zur Flucht durch das zerstörte Tor der Akademie hatte. Die Ritter, die sich um die Katapulte kümmern sollten, waren noch mit deren Zerstörung beschäftigt und kümmerten sich um nichts anderes.

      "Weiter Ausweichen oder Parieren, dann erneut entwaffnen."
      "Verstanden", sprach Dimitri entschlossen.
      Erneut prallten die Waffen der beiden immer wieder aufeinander und erneut sprühten Funken.
      Jedoch war es diesmal Dimitri, dem langsam die Luft ausging.
      "Stirb, du Made", knirschte der schwarze Ritter und holte mit seinem Trishula zu einem wilden Schwinger aus.
      Erschöpft taumelte Dimitri einige Schritte nach hinten und versuchte, aus dem Radius seines Angriffes zu kommen, als er plötzlich über einen Leichnam stolperte und rücklings in den Staub fiel. Zu seinem Glück rauschte der Dreizack knapp über seinem Kopf hinweg.
      Nun schien auch der schwarze Ritter erschöpft; ächzend stützte er sich für einen Moment auf seiner Waffe ab.
      "Harald...", hauchte Dimitri mit aufgerissenen Augen, als er den kopflosen Leichnam erkannte, über den er eben gestolpert war. Sein Kopf lag nur Zentimeter vom Körper entfernt.
      "Deine Kräfte gehen bald zuneige. Wir sollten es jetzt zuende bringen."
      In Dimitri entfachte ein seltsames Gefühl. Zorn. Wut. Hass. Verachtung. Trauer. Gefasst rappelte Dimitri sich auf.
      "Du hast recht. Lass es uns zuende bringen. Gib mir deine ganze Kraft, Asuraludu."
      "Wie du wünschst."
      Um Dimitri entstand eine feuerrote Aura, sein Auge begannen im selben Farbton zu leuchten.
      "Tzz....Bhairava, du weißt, waa zu tun ist."
      Dem schwarzen Ritter geschah nun das Gleiche, eine dunkelviolette Aura umgab seinen Körper. Der Kampf würde nun seine finale Phase erreichen.

      ---

      Währenddessen bereiteten die Ritter die Katapulte für die nächste Runde vor. Das war, in Anbetracht der komplizierten Bauweise und des hohen Gewichts der mit dem flüssigen Feuer gefüllten Kugeln aus gereinigtem Kuhpansen, eine zeitaufwändige Aufgabe.
      Die wenigen Ritter, die dafür zuständig waren, es waren drei pro Katapult, waren gerade dabei, die schweren und unhandlichen Kugeln auf die Wurflöffel zu wuchten, als plötzlich ein Mann auf einem schwarzen Pferd den Hügel hinaufritt und anfing, mit Feuerpfeilen die Munitionswägen neben den Katapulten zu beschießen.
      "Wer ist das?"
      "Wird wohl Verstärkung sein!"
      "Davon war nicht die Rede, kümmert euch um ihn."
      Die Ritter zückten ihre Bögen, jedoch konnte die Zerstörung der Munitionswägen nicht verhindert werden.
      Als der Mann schließlich auf die Mauer zuritt und im Anschluss daran mit einem Kletterhaken die Mauer hinaufkletterte, gaben sie auf.
      "Schießt seinem Gaul einen Pfeil in den Kopf und gebt den anderen Unterstützung. Ohne Munition werden die Katapulte nutzlos sein."
      "Sollten wir sie nicht lieber zerstören, damit sie dem Feind nicht funktionstüchtig in die Hände fallen?"
      "Das klingt so, als würdest du an unserem Sieg zweifeln."
      "So war das nicht gemeint, Truppenführer Smith. Ich finde nur, wir sollten auf das Schlimmste vorbereitet sein und das Beste hoffen."
      Die beiden tauschten für einen Moment lang tiefe Blicke aus, dann wandte sich Smith seinen Untergebenen zu.
      "Ihr habt ihn gehört. Zerstört die Katapulte und schafft den Seilwerfer vom Boss hier weg."
      "Verstanden."

      ----


      Ich war wie in einem Tunnel, während ich gemeinsam mit Lorae, Falco, Yoichi, Marius und dem General die anderen Ritter bekämpfte, während um uns herum nach und nach immer mehr Ritter durch Pfeile fielen, von denen ich nicht wusste, woher sie kamen.

      Jedoch machte sich irgendwann die Erschöpfung bereit. Wir wurden unkonzentriert und nachlässig. So kam es, dass Lorae vom Schwert eines Ritters getroffen wurde, das ihre Kleidung beschädigte und sie verletzte. Falco wurde von einem Ritter entwaffnet und Yoichi litt zunehmend unter seiner gebrochenen Hand und war nur noch mit Ausweichen beschäftigt. Wir waren am Ende.


      Als von irgendwoher eine Stimme rief, wir sollten zur Schmiede gehen, folgten wir dieser Anweisung blind und ohne nachzudenken.
      Unterwegs fing uns jedoch Levi ab, der uns auf Dimitris Anweisung hin aus der Akademie zu einem bestimmten Punkt bringen sollte.
      Wenige Minuten später rollte eine massive Feuerwalze durch die Akademie und verbrannte einen Großteil der übrigen Ritter.
      Die wenigen Überlebenden traten aus Angst den Rückzug an.
      .

      .

      .
      Eine halbe Stunde nach diesem Ereignis kam Dimitri zu Levi und uns den Hügel hinabgestiegen. Wir warteten wie vereinbart am Fuße des Hügels an einer Weggabelung. Seine Kleidung war zum Großteil verbrannt, seine Waffe und den Dreizack provisorisch am Rücken befestigt. die Narbe in seinem Gesicht, die sein rechtes Auge in Mitleidenschaft gezogen hatte, war markant. In seinen Armen trug er einen kleinen verbrannten Leichnam. Sein funktionierendes Auge war rot und nass. Tiefe Trauer zeichnete sich in seinem Gesicht ab, als er den kleinen Körper vorsichtig auf der Wiese ablegte.
      Levi stand auf und weitete seine Augen. "Dimitri..ist das..."
      "Ja..." Dann sank er auf die Knie und beugte sich nach vorne über. Er schrie weinend den Boden an und schlug mit seiner Faust auf ihn.
      "Wieder! Wieder und Wieder und Wieder und wieder und wieder und wieder! Warum müssen immer alle vor mir sterben, die mir etwas bedeutet haben? Meine Mutter...Porco...Harald...und jetzt auch noch meine Schwester."
      Ich hab Dimitri noch nie so gebrochen und winselnd gesehen wie in diesem Moment. "Ich kann das alles nicht mehr. Ich will das alles nicht mehr. Tötet mich! Setzt meinem Leiden ein Ende! Bitte, ich flehe euch an!"

      Dimitri schaute im Staub kniend zu uns hinauf.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Valerius Hazen

      Ich behielt die Gruppe im Auge und gab ihnen Rückendeckung auf ihrem Weg zur Schmiede. Bevor sie diese erreichten, kam jemand - fast schon angeflogen - und gab ihnen anscheinend neue Befehle. Was war das für ein Kerl oder viel mehr für ein Gerät, dass ihn so schnell über das Schlachtfeld brachte. Auch die andere kleine Gruppe an der Schmiede wurde von ihm evakuiert und so schloss auch ich mich den Überlebenden an, um uns am Fuß des Hügels zu versammeln.
      Der Kampf schien vorbei zu sein und die Überlebenden sahen zwar mitgenommen aus, aber zumindest nicht dem Tode nahe. Ich hatte Harald noch vorgeworfen, dass sein eigenmächtiges Handeln uns die Niederlage bringen würde, doch er hatte aus irgendeinem Grund keine Zweifel an unserem Sieg. Ich nutzte den ruhigen Moment und trat langsam zum General heran. Ob er mich überhaupt erkennen würde? Immerhin sah er in seinem Leben schon viele Rekruten kommen und gehen. Da konnte man sich nicht jeden einzelnen merken.
      Ich gehörte auch eher zu den unauffälligeren. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders überragend. Im Nahkampf kaum zu gebrauchen, sodass ich vermutlich durch die praktische Prüfung gerasselt wäre, wenn Harald sich nicht für mich stark gemacht hätte. Wo mir der Ehrgeiz zum Führen von Schwertern fehlte, hatte ich umso mehr für das Bogenschießen übrig. Ich hatte keine Lust mich an vorderster Front um mein Leben zu prügeln. Aus sicherer Entfernung wollte ich lieber meine Kameraden unterstützen, weshalb ich schon vor der Prüfung ein wirklich guter Schütze war. Deshalb hatte Harald, der mich ausgebildet hatte, den Glauben an mich, dass nur ich es momentan schaffen würde, die Katapulte unschädlich zu machen, sollte der Hinterhalt sie nicht ausschalten können. Sein Ass im Ärmel, wie er es nannte. Allerdings stimmte die Zeitberechnung nicht ganz, die er mir sagte, weshalb ich die Akademie nicht retten konnte...
      Vor dem General räusperte ich mich und sah ihm in die Augen. "Sir, ich habe ein paar Informationen von Harald für Sie. Darf ich der Besprechung unserer nächsten Schritte beiwohnen?", sprach ich und hielt dem Blickkontakt nicht lange stand, weshalb ich mir die anderen Ritter ansah. Ich stand nicht gern im Mittelpunkt und ich trug nicht gern irgendeine Form von Verantwortung, die über das Kämpfen hinausging. Wobei ich auch nicht gern kämpfte, weshalb ich in das abgelegene Dörfchen Rumthal gezogen war und dort sorgenfrei vor mich hin lebte. Allerdings hatte Harald mich zu einer nicht ganz unwichtigen Figur in diesem Spiel gemacht. Verfluchter Bastard.

      Wenige Zeit später kam Dimitri zu uns und ich betrachtete etwas verwundert, aber auch betroffen den Leichnam, den er bei sich hatte. Im Gegensatz zu mir schienen einige der Anwesenden den oder die Tote zu erkennen. Erst als Dimitri seiner Trauer und Wut Luft machte und seine Verluste beklagte, erfuhr ich, dass es sich dabei um seine Schwester handeln musste. Und auch, dass Harald eindeutig nicht mehr lebte. Andernfalls wäre er wohl auch hier bei den Überlebenden.
      Dimitri schien am Ende zu sein. Ich kannte ihn nicht gut genug, um zu ihm zu sprechen, weshalb ich einfach nur da stand und ihn betrachtete. Doch einer der Jünglinge schritt an mir vorbei. In seinem Blick sah ich Mitgefühl, aber auch eine Entschlossenheit, die seine Trauer verdrängte.

      _____

      Lorae / Leon

      Nachdem wir evakuiert wurden und ich meine Waffen wegstecken konnte, betrachtete ich die anderen Überlebenden. Marius hatte eine große Schnittwunde an seinem Rücken, doch die sollte er überleben können. Meine Wunden schmerzten bei der Aufregung nur halb so schlimm. Sie waren nicht tief, doch lange hätte ich mein Schwert nicht mehr führen können. Ich war erschöpft und hoffte, dass es nun erstmal wieder Ruhe geben würde, damit wir uns erholen könnten. Das Baldr noch lebte, erleichterte mich wirklich sehr. Ich legte meine Hand an seine Schulter und lächelte ihm zu. Wir hatten unsere Versprechen zu überleben und das ich auf ihn aufpassen würde erfüllt.

      Umso betroffener war ich, als Dimitri den Tod seiner Schwester beklagte. Luzia.. Ein unschuldiges Leben, dass einen so grausamen Tod erleiden musste. Schrecklich. Von diesem Anblick erstarrt, ballte ich meine Faust bei seinen Worten. Er war am Ende - verständlich. Doch das er uns bat ihn zu töten, schockierte mich. Er hoffte doch nicht allen Ernstes, dass ihm jemand diesen Wunsch erfüllte, oder?
      Ich setzte mich in Bewegung, ging an den Überlebenden vorbei und blieb vor Dimitri stehen. Wie ich mich wohl gefühlt hätte, wenn ich Baldr verloren hätte? Furchtbar, aber hätte ich deshalb meinen Willen verloren? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass meine Entschlossenheit für unser Land zu kämpfen noch immer stark in mir loderte und glaubte daran, dass ich auch ohne meinen besten Freund mein Leben für dieses Land geben würde. Allein schon, um seinen Tod nicht in Sinnlosigkeit versinken zu lassen.
      "Dimitri..", begann ich und ging auf ein Knie runter, ehe ich ihm in die Augen sah. Die richtigen Worte zu finden, war unglaublich schwer, aber ich konnte nicht einfach schweigend zusehen.
      "Du musst.. weiterleben.. weiterkämpfen.. sonst waren all diese Opfer umsonst.. Du hast geschworen, dieses Land zu beschützen. Das ist eine schwere Bürde und unsere Verluste sind ein unfairer Preis.." Ich atmete tief durch und legte meine Hand an seine Schulter. "Das Land braucht uns. Es braucht dich. Und wir brauchen dich auch.." Kurz hob ich meinen Blick und sah zu den anderen, doch meine Augen waren schnell wieder auf den Mann vor mir gerichtet.
      "Ich.. brauche dich..", sprach ich etwas leiser und lächelte etwas in der Hoffnung ihn zu ermutigen. "Du bist mein Vorbild, Dimitri.. Ich wünsche mir seit 10 Jahren nichts sehnlicher, als ein Ritter zu werden und alles in meiner Macht stehende für das Land und sein Volk zutun.. Kämpfen, solange ich stehen kann, um anderen das Leid, das wir ertragen mussten und noch ertragen werden, zu ersparen."
      Meine Worte kamen mir so schwach und nichtig vor. Wie konnte ich mir das Recht nehmen, ihm irgendetwas zu verbieten oder vorzuschreiben. Doch ich konnte nicht tatenlos zusehen und ließ mein Herz sprechen. Wir mussten stark sein, doch es sollte auch einem Ritter hin und wieder erlaubt sein, Gefühle zu zeigen. Es gelang mir nicht länger die Tränen zurückzuhalten. Wir hatten so viel verloren. Unser Zuhause, unsere Kameraden und zum Teil wohl auch unsere Hoffnungen. Jemanden, den ich so sehr bewunderte, so zu sehen, tat sein übriges.
      "Ich.. bitte dich.. gib nicht auf.."

      Erneut atmete ich tief durch und erhob mich langsam, wobei ich zu ihm runter sah und meine Tränen wegwischte, ehe ich zu Baldr blickte. Ich konnte nicht mehr. Ich konnte mich nicht länger verstecken. Früher oder später würde es doch sowieso herauskommen. Spätestens wenn ich meine Wunden behandeln lassen müsste, vermutlich. Ich hoffte nur, dass Baldr keinen Ärger meinetwegen bekäme. Doch ich wollte Dimitri und den anderen etwas von meinem ungebrochenem Willen abgeben, wenn ich könnte. Wie könnte ich es besser, als zu offenbaren, dass ich kein Junge war, der dazu gezwungen war hier zu kämpfen. Das ich eine Frau war, die sich aus freien Stücken für dieses Leben entschieden hatte.
      Also führte ich meine Hände unter mein Hemd und öffnete die Schnürung des Korsetts, dass dafür sorgte, dass ich eine möglichst gerade Silhouette hatte. Als diese locker genug war, zog ich sie nach unten und ließ sie über meine Beine auf den Boden fallen.
      "Ich werde nicht aufgeben.. Ich werde ein Ritter und werde für die kämpfen, die es nicht können. Ich will.. dem Aufklärungstrupp beitreten...", sprach ich etwas nervös, aber entschlossen, während ich meinen Blick an Levi wandte, der mich dazu motiviert hatte.
      Dann sah ich zum General und zog einen Mundwinkel nach oben, um ihn unverschämt überzeugt anzulächeln, obwohl ich immer noch ziemlich nervös war. "Ich lebe noch. Ich habe die Prüfung also bestanden, oder nicht?" Oder würde er mich nun doch dafür bestrafen, dass ich ihnen all die Jahre etwas vorgetäuscht hatte.. Wenn es so sein sollte, würde ich es akzeptieren. Ich wäre nur froh, wenn ich die anderen damit ein wenig motivieren konnte..

      Marius hatte meinen Worten schweigend gelauscht, saß erschöpft auf dem Boden und war dankbar, dass er noch lebte und zu seiner Liebsten zurückkehren könnte. Als ich mich offenbarte, fiel seine Kinnlade beinahe herunter und er zweifelte an dem was er sah. Doch es war offensichtlich und nicht länger abzustreiten, dass ich nicht der war, für den ich mich all die Jahre ausgegeben hatte. Nun leuchtete ihm allerdings auch ein, warum ich mich im Waschraum so geniert hatte.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Während wir unten am Hügel warteten, saß ich erschöpft auf der Wiese und starrte leblos in den Himmel.
      Die letzten Stunden waren unfassbar anstrengend und alleine, dass wir hier überhaupt lebendig rausgekommen sind, grenzt an ein Wunder.
      Als Lorae ihre Hand auf meine Schulter legte, beruhigte mich. Ich lächelte für einen Moment und ließ mich schließlich ins Gras fallen.
      Am liebsten würde ich jetzt sehr lange schlafen, jedoch hatte ich nichts mehr. Keine Kleidung, kein Dach über dem Kopf, keinen Schlafplatz.
      Der General lief unruhig hin und her, als der Fremde an ihn herantrat und sich räusperte. Er musterte ihn einen Moment lang.
      "Harald, hm? Wenn du der Besprechung beiwohnen willst, musst du uns bis nach Praha begleiten, Valerius. Ich hab dich nicht mehr gesehen, seit man dich zum Ritter geschlagen hat. Wie ist es dir seitdem ergangen?"

      Die Feuerwalze rollte durch die Akademie, die Geräusche waren bis zu uns zu hören.
      Ich war gerade weggenickt, wurde jedoch davon aus dem Schlaf gerissen.
      Dann fiel mir der Fremde auf. Da er dem General scheinbar vertraut war schritt ich nicht ein sondern legte mich wieder ins Gras.
      Mich beschlich das Gefühl, etwas vergessen zu haben.

      Levi tastete währenddessen sein Bein genauer ab und entdeckte schließlich die Stelle, an dem der Dreizack ihn getroffen hat. Eine dunkle Narbe war zu erkennen. Sie schmerzte.

      ...

      Minutenlang bekämpften sich Dimitri und der schwarze Ritter. Erneut flogen Funken.
      "Mehr..gib mir mehr meiner Kraft..ich muss diesen Untermenschen vernichten. Meine Flammen sollen sich wie Maden an ihm laben und sein Fleisch lebendig von den Knochen reißen."
      "Wenn ich dir noch mehr gebe, kann es sein, dass du verbrennst."
      "Für Belehrungen ist es zu spät! Gib sie mir einfach! Gib mir mehr deiner Kraft!"
      "Wie du willst."
      Die Aura um Dimitri vergrößerte sich und es manifastierte sich ein Aura-Horn über seinem linken Ohr.
      Von Zorn angetrieben schlug er wild immer und immer wieder auf den schwarzen Ritter ein, der alsbald erkannte, dass er nicht mehr gewinnen würde.
      Nach weiteren Minuten des wilden Kampfes, das Horn über Dimitris Kopf war größer geworden und seine Kleidung zwischenzeitlich in Flammen geraten, konnte er seinen Feind schließlich entwaffnen.
      Dann setzte er zu einem wilden Schwinger an.
      "Умри! (Verrecke!)", schrie Dimitri.
      Die Klinge seines Schwertes schnitt wie Butter durch den Laib des Ritters und teilte ihn genau in der Mitte, ehe die beiden Hälften vom Feuer verschlungen wurden und nur die Rüstung übrigblieb, die polternd auf dem Boden krachte. Eine massive Feuerwalze rollte durch die Akademie und beinahe alle anderen Ritter, die vor Erschöpfung oder Angst vor Dimitris Gestalt nicht wagten gegen ihn zu kämpfen sondern auf den Sieg des schwarzen Ritters warteten, wurden dabei verbrannt. Die wenigen, die es noch hinter große Trümmer und Gebäudereste geschafft hatten, flohen in Angst.
      "Das reicht!", sprach Asaruludu streng, die Aura um Dimitri verschwand. Er rollte einige Male über den Boden, um die Flammen auf seiner Kleidung zu ersticken.
      Dann blieb er auf dem Rücken liegen und blickte erschöpft keuchend in den Himmel, kleine, von ihm ausgehende Rauchschwaden stiegen in den Himmel auf.
      "Haben...haben wir es geschafft?"
      "Ja."
      Einen Augenblick später sammelte er den Dreizack ein und baute sich aus alten Riemen einen provisorischen Waffenhalter, in dem er sein Schwert und das Trishula verstaute.
      "Was ist mit der hier? Kann ich mir seine Kräfte auch leihen?"
      "Nein. Und selbst wenn, würdest du es nicht überleben. Kein Normalsterblicher wäre in der Lage, die Macht von gleich zwei Waffen zu kontrollieren, ohne davon überwältigt zu werden."
      Dimitri vernahm plötzlich ein Kinderlachen und schreckte hoch: "Luzia.. ."
      "Dimitri, du weißt, was ich dir gesagt habe."
      Rasch eilte er über den ehemaligen Hof und stieg über verbranntes Holz.
      Die oberen Etagen des Wohnheimes waren teilweise eingestürzt, da wichtige Stützpfeiler zerstört oder durch andere Teile beschädigt wurden und wenig später der Materialermüdung erlagen. Asurauludu stand bereits in der Eingangstür des Wohnheimes.
      "Hörst du mir überhaupt zu?"
      Obwohl es sinnlos war, machte Dimitri eine Handbewegung, als würde er Asuraludu zur Seite schieben.
      "Aus dem Weg!"
      Dann betrat er es.
      Er schob den verbrannten Teppich zu Seite und gab die Lukentür frei.
      Das Holz war ebenfalls verbrannt, der Griff wies Rußspuren auf.
      Asaruludu war neben Dimitri an die Wand gelehnt, die Arme vor dem Körper verschränkt.
      "Ehrlich. Ich hab dir doch gesagt, was passiert ist. Weißt du etwa nicht mehr, was ich dir geagt habe?"
      "Halt dein Maul."
      Dann riss Dimitri die Lukentür auf und stapfte die Treppen nach unten.
      Er erblickte die Leichen. Linhardt, die Krankenschwestern, Luzia. Alle tot.
      Asaruludu lehnte auch dort an der Wand.
      "Ich hab dir gesagt, sie sind bereits tot. Du hättest nichts dagegen tun können. Es tut mir Leid, sollte ich dir falsche Hoffnungen gemacht haben."
      Dimitri blieb zunächst gefasst, als er seine Schwester aus dem verbrannten Bett hob und in seinen Armen aus dem Gebäude trug. Doch schon auf dem Weg nach unten verspürte er immer mehr das Gefühl, gleich auszubrechen.
      Unten angekommen, gab es schließlich kein Halten mehr.
      .
      .
      .
      Während Dimitri immer weiter und weiter winselte, trat plötzlich Leon nach vorne und beugte sich zu ihm hinab.
      Er senkte seinen Kopf und hörte zu. Zumindest versuchte er es.
      "Du solltest auf den Jungen hören, Dimitri." Asaruludo stand neben ihm, die Arme vor dem Körper verschränkt.
      "Welchen Sinn hat es noch zu leben, wenn alle, die mir etwas bedeuteten, bereits tot sind", sprach er sichtlich verzweifelt zu Asuraludu. Jedoch konnten es alle hören.
      "Gib deinem Leben einen neuen Sinn. Dir bleiben zwar nur etwas weniger als dreizehn Jahre, doch das ist mehr als genug Zeit. Außerdem bist du nicht alleine. Du hast Menschen um dich herum, die dir helfen und denen du etwas bedeutest."
      "Meinem Leben einen neuen Sinn geben?"
      Dann schwieg Dimitri eine Weile, während Leon ihre Maskerade endlich fallen ließ und ihr wahres Geschlecht preisgab,
      Jedoch konnten die anderen diese Entscheidung nicht kommentieren, denn DImitri brach in Gelächter aus. Erst langsam und zaghaft, dann immer mehr und mehr, bis er schließlich stoppte und aufblickte.
      "Gut. Du hast mich überzeugt, Mädchen. Ich werde nicht aufgeben. Stattdessen schwöre ich euch hiermit, all jenen jede Qual, jede nur erdenkliche Gräuel anzutun, die hierfür verantwortlich sind."
      Langsam richtete er sich auf und zog sein Schwert. "Und mit dir mache ich den Anfang, Vater!"
      Dann eilte er auf ihn zu und griff an.
      Der General konnte gerade noch ausweichen und zückte ebenfalls sein Schwert.
      "Was soll das? Bist du jetzt vollkommen durchgedreht?" Der General konnte gar nicht glauben, was er da zu hören bekam.
      "Deine achsotollen Ritter sind ein Haufen unloyaler Versager. Hast du schon vergessen, was sie uns angetan haben? Verraten haben sie uns, uns in der größten Not im Stich gelassen. Deine Zeit ist abgelaufen, Vater. Du bist nicht mehr tragbar. Du bist weich, zu nachgiebig und hast deine Leute nicht mehr im Griff. Hätten sie einen harten General gehabt, jemanden, der solche Verräterschweine radikal vernichtet und ein Exempel statuiert, hätten Nachahmer es nicht gewagt, ihr eigenes Land auch zu verraten, uns zu verraten. Seit Monaten wurden dir Berichte vorgelegt, dass Gerüchte umgehen und du hast sie als Hirngespinste abgetan, immer und immer wieder. Sieh, wozu deine Nachlässigkeit und dein Glaube, dass deine ach so loyalen Ritter niemals so etwas tun würden, uns nun getrieben hat!"
      Dann setzte er erneut zu einem Angriff an. Diesmal stellte sich jedoch Levi in den Weg und blockierte den Angriff mit seinen eigenen Klingen.
      "Gib mir Rückdeckung, Falco!"
      Falco zögerte erst, stellte sich dann jedoch hinter DImitri und zückte seine beiden Schwerter, um einen Hinterhalt von Lorae oder den anderen zu unterbinden.
      "Ich will euch nicht wehtun, Leute. Ehrlich."

      Asaruludu erschien neben ihm.
      "Bist du dir sicher, dass du das tun willst? Falls ja, solltest du dir bewusst sein, dass du nicht gewinnen kannst. Zum einem sind meine Kräfte für den Moment erschöpft, zum anderen solltest du deinen Blick nach unten richten."
      Dimitri blickte an seinem Körper herab, ohne seinen Kopf zu bewegen.
      Levi drückte eine seiner Klingen fest an seinen Körper und finster zu ihm auf.
      "Selbst, wenn du jetzt meine Kräfte beschwören könntest, wärst du tot, ehe du etwas ausrichten könntest. Wenn du wirklich Rache üben willst, dann zieh dich zurück und bereite dich vor."
      Dimitri hielt einen Moment lang inne. Dann senkte er sein Schwert seufzend und verstaute es.
      "Tut mir Leid, Leute. Ich war nicht bei Sinnen. Es ist besser, wenn ich jetzt gehe, bevor noch mehr Blut fließt."
      Levi senkte seine Klingen ebenfalls.
      "Bevor du gehst, bist du mir noch einige Fragen schuldig."
      Dimitri blieb stehen und drehte sich ein Stück um.
      "Diese Waffe, die du dem Ritter abgenommen hast, hat mich getroffen und mir eine dunkle Narbe verpasst. Was ist das?"
      "Der schwarze Ritter nannte es Kataklysmus."
      Asaruludu stand neben Dimitri. "Soll ich es ihm sagen?", murmelte Dimitri leise zu ihm. Asaruludu nickte: "es würde ohnehin nichts ändern. Er wird sterben."
      "Was genau ist dieses Kataklysmus?"
      "Es wird dich umbringen, Levi."
      Levi weitete seine Augen: "Du machst Witze, oder?"
      An seinem Auge war jedoch zu erkennen, dass dem nicht so war.
      "Es wird sich nach und nach in deinem Körper ausbreiten, dein Gewebe und deine inneren Organe zerstören und dir unerträgliche Schmerzen zufügen, bis du irgendwann zu Asche wirst. Tut mir Leid, dass es so kommen musste."
      "Es tut dir Leid?", Levi atmete tief durch, "gibt es ein Heilmittel dagegen? Wer hat diese Waffen geschmiedet? Vielleicht hat er ein Heilmittel."
      "Ich denke nicht dass diese Waffen zu unseren Lebzeiten geschmiedet wurden. Ich nehme an, dass sie irgendeine antike Technologie sind, Relikte unserer Vorfahren."
      "Wenn du es nicht weißt, dann frag diesen Geist, der in deinem Schwert wohnt. Da ist doch etwas drin oder? Sonst hättest du auf dem Schlachtfeld nicht die ganze Zeit Selbstgespräche geführt."
      Dimitri blickte zu Asuraludu.
      "Wir sind in der Tat antike Relikte, geschmiedet von jenen, die lange vor euch da waren. Dennoch muss ich ihn enttäuschen. Es gibt kein Heilmittel. Das ist nun mal der Preis, den man zahlen muss. Mit großer Macht folgt große Verantwortung."
      "Willst du sagen, dass es meine Schuld ist?"
      "Nein. Das hab ich nie behauptet."
      "Was hat dieser Geist gesagt?"
      "Es gibt kein Heilmittel."
      "Also muss ich sterben.. ." Levi senkte langsam den Kopf.
      "Wie lang hab ich noch?"
      "Weiß ich nicht. Der Geist meint, es ist von verschiedenen Dingen abhängig."
      "Wohin willst du jetzt?"
      "Weg. Aber ich gehe nicht allein."
      Er blickte zu Falco hinüber. "Komm mit, Falco."
      "Aber..aber, mein Ritterschlag."
      "Den bekommst du. Und zwar von mir höchstpersönlich."
      "Aber nur Könige dürfen.."
      "Erinnere dich an das Versprechen dass du mir gabst!", unterbrach Dimitri seine Worte.
      "Ich bin nicht dein Feind, Falco. Ich will nur das Beste für dich. Ich gab deinem Bruder mein Wort und ich werde es umsetzen."
      "Darf ich mich noch verabschieden?"
      "Ja."
      Man merkte ihm, dass er sich unwohl fühlte. Nach und nach verabschiedete er sich von uns. Von Yoichi, Marius, mir und schließlich bei Lorae.
      "Ein Mädchen, hm? Ich wünsch dir alles Gute. Du wirst es nicht leicht haben."
      Abschließend verabschiedete er sich noch bei Levi und dem General, der deutlich neben der Spur zu stehen schien.
      Schlussendlich schloss er zu Dimitri auf; gemeinsam folgten sie dem Weg, der von der Stadt wegführte.

      "Was machen wir nun?", fragte ich, um die bedrückende Stille etwas aufzulockern.
      "Willst du mich eigentlich verarschen? Ein Frau als Ritter? Zieh dieses Ding wieder an und mach dich nicht lächerlich!"
      "Ritter ist letztlich erstmal nur ein Titel. In den Statuten steht nicht geschrieben, dass nur Männer diesen Titel tragen dürfen. Allerdings darf sie kein Berufsritter sein, so wie die Leute, gegen die wir gekämpft haben und sie darf auch keinen anderen Posten im regulären Militär bekleiden. Aber da du sowieso in meine Einheit willst, sollte das kein großes Problem sein. Tatsächlich..gibt es in meiner Einheit eine Frau."
      "Bist du dir sicher, Levi?"

      "Ja. Wir haben permanenten Personalmangel, von daher ist mir das Geschlecht egal. Allerdings..", Levi tastete seine Narbe ab, "..weiß ich nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt. Ich werde einen Nachfolger brauchen und ob er diese Ansicht teilt, wird sich zeigen."
      "Wie wäre es mit Basim?", beteiligte ich mich schließlich am Gespräch. Schließlich war Lorae meine beste Freundin.
      "Nein. Basim hat selbst ein Team, um das er sich kümmern muss. Es muss jemand sein, der ständig verfügbar ist. Allerdings frage ich mich, wie es ihm wohl geht..."


      "Scheiße, wir sind wohl zu spät", sprach plötzlich ein Mann. "Wenn unsere Pferde nur nicht so langsam wären."
      Levi drehte sich um, ich mich ebenfalls.
      Aus dem Wald kamen mehrere Dutzend Feuerwehrmänner aus der Hauptstadt. Zwei Pferde zogen einen Wagen mit haufenweise gefüllten Eimern, Bottichen und Schläuchen.
      Levi schritt zu ihnen hinüber, ich folgte ihnen, schließlich kannte ich Basim und die anderen.
      "Ihr da! Habt ihr im Wald Leute gesehen?"
      "Ja..ja da waren welche."
      "Wie viele?"
      "Sechs oder sieben."
      "Leben sie noch?"
      "Keine Ahnung. Ich hab die Leute zwar gesehen, jedoch sollte meine Einheit weitegehen und das Feuer an der Akademie löschen. Die anderen werden sich darum gekümert haben."
      "Was passiert mit Leuten, die ihr findet?"
      "Wenn sie leben, kommen sie zum Arzt, ansonsten zum Bestatter."
      Levi nickte, dann wandte er sich dem General zu.
      "Wenn du gestattest, brechen wir jetzt auf, ja?"
      "Gut. Aufbrechen!", sprach der General streng.

      "War da auch ein Mann unter den Leuten? Etwas kleiner als ich, braune Haare, blassgrüne Augen, sehr jung aussehend?"
      Der Feuerwehrmann dachte kurz nach, dann nickte er.
      "Ja. Ja, ich glaube, da war so einer. Aber er sah nicht gut aus."
      "Und ein anderer Mann? Älter als ich, schwarze Haare, schwarzer Bart, südländisches Aussehen, anderthalb Köpfe größer als ich?"
      "Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube schon."
      Ich presste meine Lippen aneinander, Levi klopfte mir stumm auf den Rücken.
      "Kannstest du die beiden?", fragte der Mann abschließend.
      "Ja."
      Ich lief schonmal voraus, Sorgenfalten zierten mein Gesicht.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Valerius Hazen

      Als der General meinte, dass ich ihn dafür nach Praha begleiten müsste, nickte ich nur und sah ihn wieder an. "Ganz gut", antwortete ich nur knapp. Selbst wenn wir hier ein gemütliches Schwätzchen halten könnten, gab es da nicht viel zu erzählen. Meine Mutter starb schon vor meinem Ritterschlag an einer schweren Grippe und mehr Familie hatte ich nicht, bis auf Harald. Nun war auch er fort und ich war hier. Ich könnte nicht einfach wieder nach Hause gehen und die Füße hochlegen, befürchtete ich. Nun würde man mich an meinen Eid erinnern und mich dazu auffordern zu kämpfen.

      Ich lauschte der Rede des Jungen und verschränkte die Arme vor der Brust. Ja, also besser hätte ich das auch nicht hinbekommen.. Mit Worten war ich noch schlechter als mit strategischen Einfällen. Deshalb sprach ich auch nie besonders viel mit Dimitri oder den anderen Knappen.
      Meine Augenbraue hob sich, als er sich unter sein Hemd griff und seine Hände sich darunter bewegten. Was tat er da? Es dauerte nicht lange, da fiel ein fester, dunkler Stoff zu Boden, dem mein Blick folgte, ehe ich wieder zu dem Jung- Mädchen? Er - ich meinte sie - hatte zwar keine sehr üppige Oberweite, aber eine dezente Weiblichkeit war doch zu erkennen. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Nicht, weil es mich in irgendeiner Weise anmachte, sondern weil ich kaum glauben konnte, was ich sah und mein Gehirn eine ganze Weile brauchte, um es zu verarbeiten. Hatte das in den 6 Jahren ihrer Ausbildung wirklich keiner mitbekommen?! Wie?

      Ich fühlte mich bei den folgenden Gesprächen, insbesondere dem kleinen Kampf zwischen Dimitri und dem General sehr unwohl. Um nicht im Weg zu stehen, entfernte ich mich von den beiden und wagte es nicht mal mich am Kopf zu kratzen, da es für den Kleinen hinter ihm sonst so aussehen könnte, als wolle ich einen Pfeil ziehen.
      Als Dimitri dann beschloss allein loszuziehen, sah ich zwischen beiden hin und her. Mein Schwur galt dem König und somit dem General, auch wenn ich nie darauf scharf war, mich dafür einzusetzen. "Dimitri..", sprach ich leise, als er an mir vorbeikam. "Die sind von Harald.. Ich habe sie gelesen und werde es deinem Vater erzählen. Harald wusste, dass er diese Schlacht nicht überleben würde, wenn er mit einem Bein auf jeder Seite steht. Deshalb bat er mich um Hilfe. Dort stehen alle Namen, die er kannte. Ritter, Adlige, Schmiede.. Das sollte dir dabei helfen sie zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte ich ihm, nachdem ich ihm ein kleines Bündel Papiere hingehalten hatte. "Und ich soll dir sagen, dass es ihm leid tut, dass er dich nicht einweihen konnte."

      ___

      Lorae

      Das Dimitri zu Lachen begann irritierte mich, doch ich konzentrierte mich darauf, ruhig zu atmen und die Entschlossenheit in meinen Augen nicht zu verlieren. Zumindest hatte ich mein Ziel irgendwie erreicht - Dimitri war überzeugt - aber war er nun von Sinnen? Wieso griff er den General - seinen eigenen Vater - an?
      Verwirrt und erstarrt sah ich den beiden zu. Irgendwie.. hatte Dimitri ja Recht.. Andererseits.. woher hätte er denn wissen können, wem er wirklich vertrauen konnte und wem nicht? Ich selbst hatte ja ebenfalls kurz an meinem Freund gezweifelt, was ich noch immer sehr bereute.
      Mein Blick ging zu Falco, der sich auf Dimitri's Seite schlug. Marius war viel zu erledigt, um noch irgendwen anzugreifen, egal auf wessen Seite er sich schlagen würde. Und ich wollte weder den General, noch Dimitri in den Rücken fallen.

      Als Dimitri seine Waffe senkte, wurde das ganze noch viel verwirrender. Er schien mit jemandem zu sprechen und Levi meinte, es wäre ein Geist in seinem Schwert. Levi sollte auch bald sterben, was mich zunehmend verwirrte. So stand ich da, völlig regungslos und sah Dimitri hinterher. Hatte er gerade wirklich gesagt, dass er König werden wollte? Nicht direkt, aber es klang beinahe so. Vielleicht maß ich seinen Worten auch mehr zu, als sie bedeuten sollten.

      Falco wollte ihn begleiten und verabschiedete sich von uns. Um mich und mein Geheimnis zu schützen, hatte ich niemand anderen außer Baldr wirklich an mich herangelassen, weshalb wir keine Bindung zueinander hatten. Trotzdem lächelte ich bei seinen Worten, denn nun gab es ohnehin kein Zurück mehr. "Ich weiß.. du aber auch nicht..", gab ich zurück. "Alles Gute, Falco.."

      Ich blickte den beiden nach und sah dann zu Baldr, der das Wort erhob. Doch anstatt auf seine Frage zu antworten, fuhr der General mich an. Beinahe hätte ich gezuckt, doch ich sah zu ihm auf und hielt still. Levi's Worte nahmen mir zu Beginn auch jegliche Hoffnung, doch mir war klar, dass ich dieses Spiel sowieso verloren hatte. Titel, Posten und Ruf waren mir vollkommen egal. Das war nichts, was ich mir wünschte. Alles was ich wollte war, andere zu beschützen..
      Als er jedoch meinte, dass mein Geschlecht in seiner Einheit kein großes Problem wäre und es sogar eine Frau gäbe, fasste ich neue Hoffnung. Allerdings wusste ich nicht was ich sagen sollte. Weder auf dieses Angebot, noch auf die Tatsache, dass er bald sterben würde. Das war furchtbar. So unrealistisch. Mir fehlte jedoch die Energie, um es in Frage zu stellen.

      Während Levi mit den Feuerwehrmännern sprach, ging ich zu Baldr und sah ihn entschuldigend an. Doch er fragte nach zwei Männern, um die er sich große Sorgen zu machen schien. Leise seufzend sah ich ihm nach und ging dann zu Marius, um ihm meine Hand zu reichen. "Du machst mich fertig.. Ich hab dich so schon für verrückt gehalten. Du bist ja völlig wahnsinnig", meinte er und ließ sich von mir aufhelfen. "Stört es dich? Immerhin habe ich so oft gegen dich gewonnen..", neckte ich ihn und grinste sogar etwas.
      "Ja, das fühlt sich jetzt noch mieser an.. Aber du hast mich gerettet. Nicht nur einmal." Marius ehrliches Lächeln machte mich sprachlos, weshalb er durch meine Haare wuschelte und dann mit einem Nicken andeutete, dass wir den anderen langsam folgen sollten, was wir dann auch taten.
      "Ich.. konnte doch nicht zulassen, dass du nicht mit Lisbeth glücklich wirst.."
      "Hmm.. oder du stehst einfach nur auf mich.."
      "Ihgitt.. lieber sterbe ich.."
      Marius lachte, hörte aufgrund seiner Schmerzen schnell wieder damit auf.
      Da die anderen uns etwas voraus waren, wagte Marius mir noch eine Frage zu stellen. "Dann bist du Lorae?"
      "Woher.. kennst du diesen Namen?"
      Doch er antwortete nicht darauf. "Ja.. ich bin Lorae..", murmelte ich leise und fragte mich noch immer, wie er darauf kam. Hatte er Baldr und mich irgendwann gehört? Baldr nannte mich nur so, wenn wir allein waren.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Stur und ohne auf die anderen zu warten, lief ich voran.
      Ich wollte im Moment alleine sein und so schnell wie möglich den Wald erreichen, mir selbst ein Bild machen.
      Und ich wollte in die Klinik der Hauptstadt.
      Sollte Basim noch leben, hätte ich ihm unglaublich viel zu erzählen. Und Flavius. Er war es, der die Söldner auf Basis der Informationen, die der Militärpolizist ihm preisgab, ausfindig machen sollte, doch alles was er fand, waren die Kasernen der Ritter. Dieselben, die Dimitri besucht haben musste. Am Ende stellte sich heraus, dass die Söldner und die Ritter dieselben Leute waren.

      Der Marsch verlief relativ schweigsam. Das Ziel war zwar klar, aber was danach? Wo sollten wir schlafen?
      Wir liefen eine ganze Weile den Weg entlang und machten Halt, als wir einen kleinen See erreichten.
      "Ich brauch eine Pause", ächzte der General und setzte sich auf einen Baumstumpf.
      "Wie fahren wir fort, General?"
      "Zuerst einmal müssen wir in die Klinik. Wir haben Verwundete und Verletzte. Danach müssen wir sehen, wie es um Magnus und die anderen bestellt ist. Ich werde schauen, dass wir uns vorübergehend in der Jugendherberge einquartieren, wo auch die anderen sind."
      "Wie geht es dann weiter? Sollen die Schüler auf die anderen Akademien aufgeteilt werden?"
      "Ich weiß es nicht. Ich werde noch heute eine Audienz beim König anfragen. Ich brauche Zeit, um über alles nachzudenken."
      "Auch über das, was Dimitri dir vorgeworfen hat?"
      "Ja. Er hat ja nicht ganz unrecht. Vielleicht bin ich in den Jahren einfach betriebsblind geworden."

      Nach etwa zwei Stunden erreichten wir endlich den Wald.
      Ich wusste nicht recht, wonach ich suchen sollte und konnte auch nicht viel entdecken. Lediglich ein paar Blutspuren. Die Feuerwehrleute waren noch beschäftigt, die letzten Brandherde ein Stück abseits des Weges in den Griff zu bekommen, jedoch wollte ich sie nicht bei ihrer Arbeit behindern.
      Da ich aber keine Leichen oder dergleichen entdecken konnte, ging ich davon aus, dass sie abgeholt und in die Hauptstadt gebracht wurden.

      Wir erreichten Praha nach weiteren drei Stunden Fußmarsch.
      Inzwischen war es Nachmittags und da der Herbst nahte, stand die Sonne bereits recht früh recht tief am Himmel.
      Als wir die Klinik erreichten, dämmerte es.
      Der Herbstwind frischte nun deutlich auf und es kühlte sich herab.
      Müde und erschöpft betraten wir die kleine Klinik im Stadtzentrum.
      Der General und Levi führten uns an.
      "Hallo."
      "Der General höchstpersönlich, welch Ehre. Was führt Sie zu uns?"
      "Wir brauchen medizinische Versorgung für meine Begleiter."
      Die Krankenschwester bemerkte nun auch die anderen unserer kleinen Gruppe.
      "Ich sehe schon. Sie kommen von der Akademie. Man erzählt sich, sie wurde angegriffen und es scheint, als stimmen die Gerüchte."
      "Wurden hier noch andere aus dem Umfeld der Akademie eingeliefert?"
      "Ja. Sieben Herren. Wobei zwei schon vor Ort gestorben sind. Einer ist verbrannt, der andere ist verblutet. Die anderen sind am Leben, aber in einem kritischen Zustand."
      "Dürften wir sie kurz sehen?", fragte ich nun.
      "Tut mir Leid, nein. Vielleicht in ein paar Tagen, aber nicht jetzt."
      "Und wenn ich die Anweisung erteilte?", griff der General ein.
      "Nein. Selbst, wenn der König persönlich einmarschieren und mir den Befehl erteilen würde. In Gegensatz zu euch, bin ich nur dem Eid verpflichtet, das Wohl meiner Patienten über alles zu stellen und es ist für sie derzeit das Beste, sich zu kurieren."
      "Sind unter den überlebenden Patienten ein Mann mit braunen Haaren und blassgrünen Augen und ein Mann mit schwarzen Haaren, schwarzem Bart und südländischem Aussehen?"
      "Ihr lasst nicht locker, wie? Naja, wenn es euch beruhigt: ja, sie leben."
      "Würden sie den beiden ausrichten, dass Baldr lebt und er kommen wird?"
      Sie nickte; ich atmete auf und setzte mich auf einen der Stühle, direkt neben Lorae.

      ___

      Auf dem Weg ins Ungewisse laß sich Dimitri die Papiere durch, die er von Val zugesteckt gekommen hatte.
      "Kanntest du den Typen eigentlich?"
      "Wir waren im selben Jahrgang. Ich hatte aber nicht viel mit ihm zu tun. Er war ein ziemlicher Außenseiter."
      "Was steht auf den Papieren, die er dir gab?"
      "Namen von Leuten, die bald das Zeitliche segnen werden. Und zwar auf der Jubiläumsfeier der Hauptstadt."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Valerius Hazen

      Als Bogenschütze hatte man oftmals das Glück ziemlich unversehrt zu bleiben. Auch wenn ich nicht der fleißigste Schüler war, war meine Ausdauer doch ganz passabel. So musste ich mich nicht setzen und verschnaufen, wie die anderen. Während der kurzen Pause im Wald beobachtete ich die Fremden um mich herum. Unglaublich, dass mehr Knirpse als Ritter überlebt hatten. Dabei hatten sie sogar tapfer mitgekämpft und sich nicht irgendwo verkrochen.
      Mein Blick blieb bei dem Mädchen hängen, dass mit dem halbnackten Typen zum See ging und ihm etwas zu trinken schöpfte. Er musste ziemliche Schmerzen haben. Anschließend sah ich zu dem General und dem Winzling, der eine ziemlich wichtige Rolle zu haben schien. Wenigstens sah der General ein, was Dimitri ihm vorgeworfen hatte.

      Im Wald suchten sie nach irgendwelchen Leuten, das mussten wohl die sein, die Harald erwähnte. Die, die den Hinterhalt durchführten. Sie hätten mehr schicken sollen, dann wäre das vielleicht besser ausgegangen. Doch wie dieser Hauptgefreite schon sagte, litten sie unter Personalmangel. Ja, so war das in der ganzen Armee. Ich konnte allerdings nachvollziehen, dass man nicht in den Aufklärungstrupp wollte. Dort hatte man mit die geringsten Überlebenschancen.

      Zur Dämmerung erreichten wir die Klinik, zu der ich den anderen brav und schweigsam wie eh und je gefolgt war. Der Schwarzhaarige fragte nach den Männern, die wir im Wald gesucht hatten. Offenbar musste er mit ihnen befreundet sein, so wie er sich dafür interessierte.
      "Bist du auch verletzt?", fragte mich eine ältere Krankenschwester und betrachtete mich.
      "Nein.."
      "Dann raus mit dir, du stehst hier nur im Weg."
      Ich verließ ohne Diskussion - ich diskutierte einfach nicht gern - die Klinik und lehnte mich draußen an die Wand, um in den Himmel zu sehen. Allerdings blieb unsere Anwesenheit nicht unbemerkt und so bekam ich viele neugierige Blicke. Wie ich das hasste.. Um meine Ruhe zu haben, kletterte ich auf das Dach hinauf und setzte mich, sodass mich niemand mehr belästigen konnte. Ich war ein Einzelgänger und hatte kein Interesse daran mit irgendwem über irgendwas zu plaudern. Deshalb verbrachte ich gern meine Zeit auf Dächern, auch wenn ich ohne Kletterhaken nicht der beste darin war. Ein niedriges Dach wie dieses konnte ich auch ohne erklimmen.

      Ich dachte darüber nach, was ich als nächstes tun würde. Harald war der einzige Verwandte, den ich nach Mutters Tod noch hatte. Sie war unverheiratet und alleinerziehend. Ob ich aus Dummheit gezeugt wurde oder das Resultat einer Vergewaltigung war wusste ich nicht. Das ich meinen Vater nicht kannte, warf ich meiner Mutter jedoch nie vor. Ich fragte auch nicht oft nach ihm, nur als ich noch klein war. Es war sowieso unwichtig, wie ich in den Laib meiner Mutter gekommen war, denn es änderte nichts daran, dass sich mein Erzeuger nicht für mich oder sie interessiert hatte.
      Obwohl ich Konflikte stets vermied, konnte ich nicht Nein sagen, als Harald zu mir kam. Er war ein guter Schwertkämpfer und hatte auch ein ziemlich kluges Köpfchen. Sonst wäre er mit seinem gefährlichen Spiel auch nie so weit gekommen. Als wir uns in Praha noch einmal begegneten, erzählte er mir, dass der General und seine Leute eigenhändig herausgefunden hatte, dass der Angriff auf die Akademie geplant war. Er hatte nämlich darüber nachgedacht, sich nach seinem Besuch in Rumthal zu verraten. Aber da auch Theo geschnappt wurde, konnte er sein Spiel weiterspielen. Möglich, dass ihm der General und Dimitri geglaubt hätten und er dem Kampf hätte beiwohnen dürfen. Es wäre jedoch auch möglich und überaus nachvollziehbar gewesen, hätten sie ihn neben Theo angekettet. Da er jedoch unbedingt für unser Land kämpfen wollte, beschloss er weiter zu schweigen und übergab mir deshalb die Papiere und wichtige Informationen, die ich dem General weiterleiten sollte.

      Ich war der einzige, dem Harald in dieser Sache blind vertrauen konnte. Ohne ihn würde ich wohl immer noch ganz entspannt in Rumthal sitzen. Allerdings konnte ich nicht wegsehen, wenn mich jemand brauchte. Das ich mich um die Katapulte kümmern sollte und mich bis dahin verstecken sollte, war alles seine Idee. Nicht seine beste, würde ich im Nachhinein behaupten. Hätte er mich den Hinterhalt mit den anderen vorbereiten lassen, wären wir vielleicht erfolgreicher gewesen. Vielleicht auch nicht. Harald war ein besserer Stratege als ich. Ich wäre vermutlich ebenso verletzt oder tot, wie die anderen. Das ich die Munition so einfach zerstören konnte, lag immerhin daran, dass sich kaum noch Ritter an diesen befanden und sie mein Pferd bei seinem Tempo nur sehr unwahrscheinlich getroffen hätten. Außerdem hatten sie sicher nicht mit einem einzelnen Schützen gerechnet, der hinter ihnen vorbeipreschen würde. Wäre ich früher angekommen, bevor sie die erste Ladung abfeuern konnten, wäre ich sehr wahrscheinlich draufgegangen. Hatte Harald mir also doch absichtlich eine falsche Uhrzeit genannt, damit ich überlebte? So ein Mistkerl. Er hat damals schon immer die ganze Last auf seine Schultern genommen, um mich zu schützen. Er sorgte dafür, dass ich sein Knappe wurde und sorgte nebenbei für meine Mutter, die ohne einen Ehemann kein Geld hatte. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war er vielleicht deshalb nicht verheiratet, um seine finanziellen Mittel in seine Cousine und mich zu stecken. Das würde gut zu ihm passen.

      ____

      Lorae

      Da es Baldr soweit gut ging und er gerade andere Sorgen hatte, kümmerte ich mich um Marius. Er war zum Glück zwar nicht dem Tode nahe, aber doch ganz schön mitgenommen. Weil er nun wusste, dass ich ein Mädchen war, versuchte er wohl den tapferen zu spielen und seine Schmerzen so gut es ging zu unterdrücken.
      Am See angekommen, schnappte ich mir ein großes Blatt und schöpfte damit Wasser, um es ihm zu bringen.
      "Danke..", sagte er leise, nachdem er es gierig getrunken hatte.
      Als nächstes trank ich selbst etwas und brachte ihm dann wieder etwas, da er sich auf einen großen Stein gesetzt hatte, um sich auszuruhen.
      Ich hatte kurz überlegt, ob ich seine Wunden reinigen sollte, doch wenn sie jetzt mit Wasser in Berührung kämen, würde das wohl nur die Blutung verschlimmern. Deshalb sollten wir damit warten, bis wir in der Klinik waren.

      Dort kamen wir auch zur Dämmerung an. Marius wurde sofort mitgeschliffen und versorgt, nachdem der General nach medizinischer Versorgung fragte. Ich wurde ebenfalls zu einem Stuhl geführt, wo die junge Frau mich lange betrachtete. Traute sie sich nicht mich zu fragen, ob ich mein Hemd auszog, weil hier so viele Männer anwesend waren? Jetzt, wo sie Bescheid wussten, war mir das ja eigentlich egal, aber vielleicht würde es ja die anderen in Verlegenheit bringen. Wer weiß.
      Also drehte ich mich um, sodass ich mit dem Rücken zu den anderen saß und meinen entblößten Oberkörper an die Stuhllehne legen konnte, solange sie sich um die Wunde an meiner Schulter kümmerte. Dann kam auch schon Baldr zu mir, während sie sich neben mich kniete, um sich auch um die Wunde an meiner Rippe zu kümmern. Weiter oben in der Achselhöhle wäre es ganz schön fies geworden, doch der Schnitt verlief schräg unterhalb meines Brustansatzes. Nicht viel angenehmer, aber immerhin etwas ungefährlicher.
      Ich wandte meinen Kopf zu Baldr, aber auch wenn ich versuchte wie ein starker Ritter auszusehen, verzog ich das Gesicht beim Desinfizieren.
      "Alles in Ordnung?", fragte ich ihn und betrachtete ihn etwas besorgt. Wie hatte er die Schlacht verkraftet, die Verluste und vor allem meine Offenbarung? Vielleicht hätte ich ihn vorher fragen sollen, aber ich war wie immer zu intuitiv.

      Nachdem meine Wunden versorgt waren, zog ich mir das frische Hemd über, dass sie mir gab und drehte mich wieder zu den anderen um. Wie sollte es jetzt für mich weitergehen? Ich bereute es nicht, mein Geheimnis zu enthüllen. Wenn es nur ein wenig die Moral der anderen angehoben hatte, war ich zufrieden. Außerdem hatte ich Aussichten auf eine Zukunft, auch wenn ich nicht unter Levi's Führung kämpfen könnte. Blieb nur zu hoffen, dass sein Nachfolger die Sache ähnlich sah und mich akzeptieren würde. Ich würde auch ohne Ritterschlag und Eid bis zum Tod kämpfen.
      Aber was würde ich tun, wenn nicht? Sollte ich mir darüber Gedanken machen, um eine Alternative zu haben? Mein Blick ging wieder zu Baldr, der mir in jungen Jahren versprochen hatte mich zu heiraten. Ob er sich daran überhaupt erinnerte? Wir waren 8 Jahre alt.. Ich hatte selbst nicht mehr daran gedacht, bis jetzt. Auch wenn Baldr mir alles bedeutete, wollte ich nicht einfach nur eine Ehefrau sein und mich von ihm oder jemand anderen durchfüttern lassen. Irgendwo müsste es doch trotzdem einen Platz für mich geben.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • "Ja..ich denke schon...es war alles ein wenig viel für heute. Was hältst du davon, wenn wir nachher ein wenig den Kopf abschalten und in eine Taberne gehen und bei Met reden? Schließlich gibt es etwas zu feiern, nicht wahr?"
      Jedoch konnte ich meine Ausführungen nicht fortsetzen, da nun eine Krankenschwester zu mir kam.
      "Komm mit, Junge. Wir gehen in einen Nebenraum. Dort werde ich dich untersuchen."
      "Bin gleich wieder da", sprach ich zu Lorae und folgte der Frau.
      Kurz darauf wurde auch Yoichi abgeholt und in einen Nebenraum gebracht.

      Im Nebenraum angekommen wurde ich aufgefordert, mich auf einen Stuhl zu setzen und mein Oberteil auszuziehen. Es war zerschlissen, sodass ich aufpassen musste, es nicht noch weiter zu zerreißen.
      Ich hatte ziemlich viele Wunden abbekommen, keine tiefen, jedoch würden sie wohl Narben hinterlassen.
      Während sie sie desinfizierte, wagte ich einen weiteren Anlauf.

      "Diese fünf Männer, die hier eingeliefert wurden, die aus dem Wald, dürfte ich kurz einen Blick auf sie werfen?"
      "Netter Versuch, Junge. Man hat mich schon vorgewarnt. Nein. Tut mir Leid."
      "Was werden Sie mit denen machen?"

      "Wir werden sie behandeln. Warum ist dir das so wichtig?"
      "Ich kenne einige von ihnen. Zwei von ihnen ziemlich gut. Einer von ihnen ist sogar irgendwie ein Freund von mir, nehme ich an."
      "Wie gesagt. Ich kann es nicht machen. Aber du kannst gerne in ein paar Tagen wiederkommen, vielleicht haben wir dann bessere Nachrichten fur dich."

      "Werdet ihr ihnen was antun?"
      Die Frau lachte kurz auf.
      "Warum sollten wir? Wir sind Ärzte, keine Mörder."

      "Warum sollte ich euch trauen? Beweis mir, dass sie noch am Leben sind."
      "Hör mir zu Junge, wenn wir Mörder wären, würde ich dir jetzt diabolisch lachend von unseren finsteren Plänen erzählen und dich danach umbringen. Und deine Freunde auch. Doch das ist nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, Leute zu retten, nicht sie zu ermorden. Keine Ahnung, was da zwischen dir und meinen Patienten läuft und es interessiert mich auch nicht, doch hör auf, deine eigenen Ängste auf andere Leute zu projizieren. Ich weiß, du hast heute schlimmes erlebt, aber nicht jeder Mensch will dir und deinen Freunden böses, ist das klar?"

      Ein paar Minuten später kam ich wieder zurück und setzte mich neben Lorae. Yoichi war noch nicht zurück, der General verschwunden.
      Ihre Untersuchung war gerade beendet worden und ihr Blick fiel zu mir.

      "Woran denkst du gerade?"

      -----

      Nach einer Stunde waren endlich alle untersucht. Yoichi trug an seiner gebrochenen Hand eine Schiene, er würde bis auf weiteres aussetzen müssen.

      "Gut. Da jetzt alle da sind, gehen wir zur Jugendherberge. Dort bekommt ihr neue Kleidung, einen Schlafplatz und etwas zu essen. Außerdem habt ihr dort die Möglichkeit, euch zu waschen und könnt euch mit den anderen austauschen. Ihr Dreckschweine."
      Levi konnte sich die letzte Bemerkung nicht verkneifen, obgleich er wusste, dass er nicht viel besser aussah.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae

      Manchmal war ich immer noch überrascht, wie Baldr immer bemerkte, dass meine Gedanken gerade um sich schlugen. "Meine Zukunft..", sagte ich lediglich und zuckte mit den Schultern, was ich schnell bereute, als der Schmerz durch diese zog. Ich sollte besser aufpassen, wie ich mich bewegte. "Bist du mir böse?", fragte ich und lächelte, während ich meinen unverletzten Arm hob um durch seine Haare zu wuscheln. Ich war so erleichtert, dass ich mich nicht mehr verstellen musste, auch wenn ich noch nicht wusste, was noch käme. Allerdings könnten wir das Gespräch später in Ruhe weiterführen, so wie Baldr es vorgeschlagen hatte.

      Als Levi uns mitteilte, dass wir einen Schlafplatz hatten, ging ich mit den anderen zur Jugendherberge. "Ihr könnt euch ruhig zuerst waschen.. ich warte..", meinte ich und lehnte mich an die Wand im Flur zum Waschraum. So dreckig wie ich war, würde ich auch nicht vorher essen gehen. Aber ich wusste nicht, ob es die anderen stören würde, wenn ich mitkäme, auch wenn ich nichts mehr zu verstecken hatte. Sollte ich? Ich glaubte kaum, dass sie mich begaffen würden, aber vielleicht wäre es ihnen ja peinlich, wenn eine Frau sie so nackt sehen würde. Ich bräuchte ohnehin nicht lang, da ich es gewohnt war, mich schnell zu waschen. Jede Sekunde im Waschraum war immerhin ein Risiko.
      "Willst du mir etwa nicht helfen?", fragte Marius, wobei ich mich wunderte, dass er dabei nicht grinste. Warte, war das sein ernst? Ich blinzelte, doch er wandte seinen Blick nicht ab. "Immer noch prüde, hm?" Nun grinste er doch ein wenig. "Tsk. Als ob. Aber du bist nicht der einzige da drin." Solange mich niemand ungefragt anfassen würde, war es mir eigentlich egal, wenn sie mich nackt sehen würden. Baldr vergnügte sich sowieso lieber mit Männern und Marius war Lisbeth hoffentlich treu, sonst würde ich ihm die Hand abhacken. Die anderen kannte ich jedoch nicht. "Wenn es euch nicht stört, meinetwegen.", meinte ich, wobei ich es nicht so ernst meinte. Es war mir wirklich egal. Hatte ich mich je dafür geschämt mich vor Baldr auszuziehen? Nein.
      Wieder dachte ich nicht an meine Wunden und zuckte mit den Schultern, wobei ich ein Auge zukniff. So ein Mist. Ich wusste nicht mal, ob ich mich allein waschen könnte, ohne meine Bandagen zu tränken. Irgendwie würde ich das schon hinbekommen.
      Marius sagte nichts weiter und folgte diesem Fremden in den Waschraum, der unser Gespräch im Vorbeigehen mit einem "Mir egal" kommentierte. Was war das überhaupt für ein Typ? Er war Ritter, klar. Und ich hatte auch so viel mitbekommen, dass er ein guter Schütze war. Immerhin fielen die Feinde vor uns ja nicht aus Altersschwäche um. Er kannte auch den General und Dimitri, also musste er hier an der Akademie gewesen sein.
      Kurz darauf kam Ruven mit einem Stapel an frischer Kleidung, die er von den anderen Rekruten zusammen gesammelt hatte, um sie uns zu geben. Er sah nur kurz zu mir, doch der zweite Blick folgte schnell. Ich sah ihn schweigend an, wie er mein Gesicht und dann meinen Körper und wieder mein Gesicht betrachtete. "Das ist keine Einbildung. Ich bin kein Junge. Das war ich nie." Er sah aus, als wolle er was sagen, doch er wusste wohl nicht was und brachte deshalb schnell die Kleidung in den Waschraum, war allerdings noch schneller wieder daraus verschwunden und an mir vorbeigelaufen.

      Nach kurzer Überlegung trat ich dann doch hinein. Yoichi und Baldr waren noch nicht da und diesem Ritter war es ja egal, meinte er. Ich beachtete ihn auch nicht weiter und ging zu Marius. Ich konnte meine Kleidung ja auch anbehalten, um ihm zu helfen. Ein Hemd trug er noch immer nicht, bei der Hose half ich ihm. Ich hatte Baldr doch auch schon gewaschen, was war schon dabei? Seine Unterwäsche könnte er aber erstmal anbehalten. "Beug dich vor", meinte ich und drückte seinen Kopf runter, wobei er leise grummelte. Dann schüttete ich vorsichtig einen Eimer Wasser über seinen Kopf, wusch seine Haare und er selbst sein Gesicht. Jede seiner Bewegungen schien zu schmerzen, doch er jammerte nicht. Anschließend schnappte ich mir einen Lappen und wusch seine Arme. Den Rest seines Oberkörpers hatten die Krankenschwestern schon gewaschen, um den Verband anzulegen.
      Nachdem er sich auf einen Stuhl gesetzt hatte, fing ich an seine Beine zu waschen. Marius war neben Baldr irgendwie mein einziger Freund. Konnte man uns so bezeichnen? Ich denke schon. Immerhin mochte ich ihn ganz gern, seit er sich mir anvertraut hatte. "Den Rest schaffst du doch selbst, oder?" Ich würde sicher nicht seinen Hintern und seinen Intimbereich waschen, das konnte er knicken. So invalide war er nicht, dass er das nicht selbst könnte. "Und du? Brauchst du Hilfe?" Ich blickte in sein Gesicht und hob eine Augenbraue. "Du willst mich doch nur nackt sehen..", meinte ich frech und schmunzelte. "Da gibts nicht viel zu sehen..", konterte er, woraufhin ich ihm gegen den Hinterkopf schlug. "Blödmann." Aber im Ernst.. "Da warte ich lieber auf Baldr.. Oder mach es selbst." Für ihn war das nichts neues mir beim Anziehen zu helfen, also wäre auch das Waschen kein Problem.
      Obwohl Marius gehört hatte, was Baldr in der Kirche sagte, schwieg er. Nun wusste er, wer Lorae war, aber er würde es mir nicht verraten. Noch nicht jedenfalls.

      ___

      Valerius Hazen

      Als ich bemerkte, wie die Gruppe die Klinik verließ, kletterte ich vom Dach und folgte ihnen. Ich war immerhin genau so hungrig und müde, wie sie. Warum sollte ich mir jedoch selbst etwas zu essen und zum übernachten suchen, wenn ich das genauso gut auf Kosten des Königs bekäme, wenn ich mich ihnen anschloss.
      Nachdem ich meinen Bogen und die Köcher in meinem Zimmer abgelegt hatte, ging zum Waschraum. Ich hatte zwar nichts bis auf meinen eigenen Schweiß an mir, doch ich fühlte mich gern sauber, sodass ich mich gründlich wusch. Meine Vorderseite war dabei zur Wand gedreht, was nicht bedeutete, dass ich mich schämte oder mir der Anblick anderer unangenehm wäre. Selbst das Mädchen war mir ziemlich egal. Ich war kein kleiner Junger mehr, den ein Mädchen in Verlegenheit bringen würde. Davon abgesehen war sie auch nicht gerade die Attraktivste. Kein Wunder, dass sie sich solange als Junge ausgeben konnte.
      Ohne Verletzungen brachte ich das Waschen deutlich schneller hinter mich als die anderen und begab mich in frischer Kleidung in den Speisesaal.

      ___

      Ruven Avenor

      Die brennende Akademie war kaum zu übersehen und so wurde uns klar, dass wir weggeschickt wurden, um nicht bei diesem Kampf zu sterben. Warum hatte Marius mir nichts gesagt? Er wollte bestimmt nicht, dass ich mir Sorgen machte. Vor allem wollte er wohl vermeiden, dass ich Lisbeth davon erzähle.
      Als man uns mitteilte, dass die Überlebenden zu uns stoßen würden, war ich sehr erleichtert. Viele sollten es nicht sein, weshalb ich mich sofort fragte, wer es wohl geschafft hatte. Ob Theo noch lebte? Marius? Baldr?
      Ich erklärte mich sofort bereit, Kleidung für sie zu organisieren und sammelte diese, um sie in den Waschraum zu bringen. Vor dem Waschraum begegnete ich Leon, aber.. er sah so.. anders aus.. Ich merkte gar nicht, wie sehr ich ihn anstarrte, bis er meinte er wäre kein Junge. W-was? Nein, ich.. hatte doch nur wegen dem ganzen Blut geschaut.. Na gut.. Ich war schon ein wenig verwundert über seine - ihre - Figur. Beschämt ging ich in den Waschraum, wo ich Marius erblickte. Gott sei Dank! Lisbeth wäre am Boden zerstört, wenn er es nicht geschafft hätte. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Es war auch jemand fremdes anwesend, der sich schon ausgezogen hatte, weshalb ich schnell den Raum verließ und auch schnell an Leon - war das überhaupt sein - ihr - richtiger Name? Wohl kaum - vorbeiging.

      Im Speisesaal wartete ich nervös auf die anderen. Leon hätte mit Sicherheit traurig ausgesehen, wäre Baldr.. Ja, bestimmt. Sie waren gute Freunde. Oh. Wusste Baldr davon? Ich mein.. die beiden teilten sich ein Zimmer! Wie könnte Baldr also nicht gesehen haben, dass Leon kein Junge war. Ob die beiden.. Warum musste ich denn nun daran denken! Gut, ich wusste ja nicht, ob Baldr mich überhaupt jemals mögen könnte. Ob es überhaupt mehr Männer gab, die.. andere Männer mochten.. Ich war ja eigentlich kein Jammerlappen, der den Mund nie aufbekam! Aber wenn ich Baldr ansprechen und merken würde, dass er kein Interesse hatte, dann wäre das schon äußerst peinlich..

      _____

      Meredith Ravel

      Ich wusste, was bald an der Akademie los sein würde und ich betete dafür, dass unsere Ritter erfolgreich sein würden. Nervös auf und ab zu gehen oder mir einen Platz mit einer guten Aussicht zu suchen würde allerdings nichts bringen. Was mir am besten half, um mich abzulenken, war arbeiten.
      Ich war wieder zuhause, wo es ungewohnt still war. Die Spuren der.. Leichen war beseitigt, aber es fühlte sich so leer an. Da ich sowieso nicht schlafen könnte, nahm ich mir Papier und Stift, um meine Ideen aufzuzeichnen. Zuerst sah ich jedoch in meinem geheimen Fach nach. Dazu musste ich die Kommode in meinem Zimmer beiseite schieben und eine Bodenplatte lösen. Gut. Meine Skizzen wurden nicht gestohlen. Ich war nicht paranoid, aber die anderen Schmiede sollten sich gefälligst selbst was einfallen lassen, als bei mir abzuschauen. Ich legte die Skizzen zurück und widmete mich dem leeren Blatt. Mir kam die Idee die Technik von meinem Bogen auch bei Armbrüsten anzuwenden, also überlegte ich, wie ich das am besten umsetzen könnte. Über dem Papier zu grübeln machte mir genau so viel Spaß wie das Schmieden selbst. Dieser Knappe, der mit einem normalen Bogen kaum umgehen konnte, war durch meinen Bogen so viel besser, das füllte mich mit Stolz und dem Drang, es weiter zu perfektionieren.
      Nachdem die Skizze fertig war, betrachtete ich sie zufrieden und legte sie zu den anderen, ehe ich die Kommode wieder an ihren Platz schob. Dann blickte ich aus dem Fenster, auch wenn ich von hier aus die Akademie nicht sehen konnte. Hoffentlich ging es Dimitri und den anderen gut.. Wenn sie verlieren würden.. würden diese Leute dann etwa in Praha einfallen? Müsste ich dann schon wieder um mein Leben fürchten? Alle wichtigen Menschen in meinem Leben hatte ich schon verloren. Mein Hab und Gut hatte ich auch zum Großteil verloren.
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      - Eugene Ionesco

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    • Wir verließen die Klinik durch den Hauptraum, an den unter anderem mehrere kleine Untersuchungsräume sowie die Patientenzimmer angrenzten. Warum Lorae in diesem und in keinem der Untersuchungszimmer behandelt wurde, entzog sich meiner Kenntnis und es war auch egal.
      Nach etwa zwanzig Minuten Fußweg durch die Altstadt erreichten wir die Jugendherberge am Stadtrand. Levi weihte die Mitarbeiter vor Ort in die tragischen Umstände ein, wegen denen wir hier sind und sorgte dafür, dass wir angemessen behandelt wurden. Dann verließ er die Akademie ziemlich in Eile.

      Wir bekamen von einem Angestellten ein Zimmer zugeteilt und von frische Kleidung ausgehändigt, die Ruven kurzfristig organisiert und in den Waschraum gebracht hatte.
      "Vierbettzimmer...ungewohnt...drei Jungs und ein Mädchen, ob das gut geht?", murmelte ich vor mich hin, während Yoichi seine Schiene untersuchte.
      Lorae und Marius waren bereits auf dem Weg zum Waschraum und auch ich wollte gerade aufbrechen, als mir Franz entgegenkam.
      Ich umarmte ihn brüderlich und brachte ihn auf den neuesten Stand.
      "So ist das also...aber was wird nun aus uns?"
      "Ihr werdet vermutlich an eine andere Akademie kommen, aber das wird noch ein paar Tage dauern, vielleicht länger."
      Dann wechselten wir das Thema und unterhielten uns über seine Abenteuer in der großen Stadt.


      Nach ein paar Minuten betrat ich den Waschraum, kurz nach mir betrat Yoichi diesen.
      Lorae und Marius waren bereits voll mit dem Waschen beschäftigt.
      Ich entkleidete mich, setzte mich auf einen der gebeizten Holzhocker und wusch meinen dreckigen, von Narben durchsetztem Körper mit dem herrlich warmen Wasser und der noch fast neuen Kernseife.
      "Sag mal, Lorae....du hast noch nicht auf mein Angebot reagiert, wegen der Taverne heute Abend. Vielleicht könnten wir dort hin gehen, wenn wir hier zu Abend gegessen haben? Danach könnten wir vielleicht...Pferde stehlen gehen? Naja, wobei du eigentlich nur für ein paar Minuten Schmiere stehen müsstest, während ich etwas nachschaue."

      Nach dem Waschen nahm ich mir einen Satz der frischen Kleidung. Meine sah auf dem ersten Blick zu groß aus, jedoch beschwerte ich mich nicht, besser als meine zerschlissenen Lumpen, die nach dem Waschen allenfalls als Putzlappen Verwendung finden würden. Zu meiner Überraschung passte sie besser als gedacht, dennoch war sie nichts besonderes. Einfache Kleidung, der der eines einfachen Landarbeiters entsprach.
      Der Geruch von Essen reichte bis in den Waschraum.

      ----

      Unterdessen war der General im Königspalast zugegen und führte eine hitzige Diskussion mit dem König.
      "Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Ich habe heute alles verloren, auf dass ich all die Jahre hingearbeitet habe, meine Akademie, einen Großteil meiner Leute und womöglich sogar Dimitri."
      "Ich werde die anderen Akademien anschreiben und sehen, was ich tun kann. Doch bis auf weiteres sehe ich mich gezwungen, dir den Posten als Leiter der Wolfs-Akademie zu entziehen, einfach weil es keine mehr gibt. Eventuell werde ich dir eine Stelle als Berater für militärische Angelegenheiten freimachen können, bis die Akademie wieder steht. Schließlich hast du nicht unerheblichen Anteil daran, dass wir die Halbinsel Chin einnehmen und uns deren Ressourcen einverleiben konnten."
      "Eure Hoheit...der Hauptgefreite Levi bittet um eine Audienz", sprach einer der Diener des Königs.
      "Gewährt."
      Levi trat ein. "Mein König, ich führte, dass wir ein noch größeres Problem haben werden als die Frage, wessen Brot der General künftig essen wird und wo die Schüler der alten Akademie hingehen werden."
      "Wie meinen?"
      "Es ist zu befürchten, dass man Ihren Kopf will, eure Majestät."

      Der General erinnerte sich an die Aussage, die Dimitri an Falco richtete:

      [b]"Aber...aber, mein Ritterschlag."
      "Den bekommst du. Und zwar von mir höchstpersönlich."[/b]

      "Meinst du, mein Sohn will das wirklich durchziehen? Vielleicht verlässt er ja das Land und will woanders König werden oder gründet ein eigenes Königreich."
      "Möglich. Dennoch sollten wir wachsam sein. Ein Mann, der so verzweifelt ist, dass er sogar die eigene Familie umbringen würde, um seine Definition von Gerechtigkeit durchzusetzen, hat nichts mehr zu verlieren. Außerdem hat Dimitri diese Waffe, ein paar Wachen werden nicht ausreichen. Womöglich wäre selbst der Aufklärungstrupp nicht gut genug."
      "Was für eine Waffe meinst du?", fragte der König.
      "Ein brennendes Schwert, möglicherweise ein antikes Relikt. Wir wissen nicht, was genau es ist, wie es funktioniert und woher es kommt, doch es ist mächtig und das sollte uns ebenfalls Sorgen bereiten."
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    • Lorae

      Als auch Yoichi und Baldr den Waschraum betraten, war Marius gerade dabei sich eine frische Unterhose anzuziehen. "Du solltest dich wirklich schonen..", meinte ich und betrachtete den dicken Verband an seinem Oberkörper. Dann erinnerte Baldr mich an die Gestaltung unseres Abends, weshalb ich zu ihm sah, doch nur seinen Rücken erblickte. Etwas trinken gehen? Warum nicht. Jetzt musste ich mir ja keine Sorgen mehr machen, dass ich mich verplappern könnte oder so. "Sag doch nicht Pferde stehlen, nachher glaubt dir das noch jemand..", murmelte ich, nachdem ich mich in einer Ecke verkrochen hatte, um mich dort auszuziehen. Auch wenn es mich jetzt nicht mehr so störte, müsste ich ja nicht mitten im Raum so stehen.. Außerdem behielt ich meine Unterwäsche an und meine Brust war durch den Verband verdeckt. Nur war der nicht so fest gebunden, wie Baldr und ich es immer gemacht haben.
      Tapfer hielt ich den Schmerz beim Ausziehen aus und fing an meine Arme und Beine zu waschen. Das Blut war durch unsere Kleidung gesickert und hatte unsere Haut bedeckt. "Geht klar", antwortete ich ihm währenddessen. Irgendwie hatte ich so eine Ahnung, was er vor hatte.. Es hatte ihn die ganze Zeit nicht locker gelassen. Wenn er nach den anderen in der Klinik sehen wollte, obwohl er es nicht durfte, würde ich ihn selbstverständlich dabei unterstützen. Ich würde ihn bei allem unterstützen.
      Anschließend beugte ich mich nach vorn, um meine Haare und mein Gesicht zu waschen. Mit den Verletzungen brauchte ich deutlich länger, aber was soll's. Marius war schon nach unten gegangen und unterhielt sich mit Ruven beim Essen.

      ___

      Ruven Avenor

      "Verstehe...", murmelte ich geistesabwesend, nachdem Marius mir gesagt hatte, dass er Theo nicht gesehen hätte. Bedeutete das, dass er.. tot war? Betrübt blickte ich auf meinen Teller und schob die Kartoffelscheiben mit meiner Gabel hin und her. Theo war ein toller Bruder. Er hat mich immer beschützt. Vor David und auch vor anderen Rittern. Nicht, dass ich so schutzbedürftig war, aber er machte sich immer Sorgen um mich. Zu viele Sorgen manchmal.
      "Wollen wir.. Lis besuchen?"
      "Ich versteh die Frage gar nicht. Natürlich besuchen wir sie."
      Klar, warum sollte Marius damit auch länger warten. Ich rang mir ein Lächeln ab und aß weiter, damit wir nach dem Essen losgehen konnten. Vielleicht könnte Lis mich auf andere Gedanken bringen..
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      - Eugene Ionesco
    • "Danke", sprach ich, als Lorae mir ihre Zustimmung gab. Dann verließ ich frisch gekleidet den Waschraum.
      Zum einem wollte ich ihr die Ruhe geben, sich in Ruhe reinigen zu können, zum anderen trieb mich mein Hunger langsam in den Wahnsinn.

      Ich wusste nicht, wo der Speisesaal war, von daher folgte ich dem Geruch, der mich tatsächlich nach einigen kleinen Umwegen durch mehrere passabel beleuchtete Flure zum Ziel führte.
      Eine Angestellte brachte mich zu einem der beiden Tische, die kurzfristig für uns eingedeckt wurden.
      Dabei lief ich auch an Ruvens Tisch vorbei, dem ich kurz zunickte.
      Bestimmt freute er sich, mich zu sehen.
      Rasch kam das Essen, wobei ich nicht umhin kam, in den Blicken der Angestellten Mitleid zu erkennen, was mir unangenehm war.
      Eigentlich wollte ich warten, bis Lorae kam, jedoch überkam mich der Hunger, weshalb ich meine komplette Portion regelrecht runterschlang und mit Freude feststellte, dass mir Nachschlag gereicht wurde, jedoch erneut mit diesem vom Mitleid durchzogenen Blick.
      Ich weiß, wir stecken knietief in der Scheiße und ich fühle mich wie damals im Waisenhaus, aber diese Blicke störten mich.
      Meinen Unmut zu verbergen versuchend, setzte ich mich nun an die zweite Portion und versuchte sie diesmal ein wenig zu genießen.

      -----

      Unterdessen waren der General und Levi auf dem Rückweg. Es gab noch keinen großen Plan zum Schutze des Königs während der Jahrtausenfeier der Stadt Praha in vier Wochen, den es vorzubereiten und umzusetzen gab, erstmal mussten wichtigere Dinge geklärt werden, zum Beispiel die Zukunft der Schüler und der Wiederaufbau der Akademie.
      Die anderen Akadem müssten kontaktiert werden, es musste herausgefunden werden, welche noch Kapazitäten hat und wie viele.
      Zudem wollte man jede Akademie ein wenig aufrüsten, etwa mit Feuerwehren auf eigenem Gelände, um große Brände schneller unter Kontrolle bringen zu können, anstatt wie bisher darauf zu vertrauen, dass die Schüler schnell genug mit den Eimern und dem Löschwasser aus den Brunnen sind.
      Dennoch beschlossen sie,. Valerius mit ins Boot zu holen. Eventuell könnte er sogar dem Aufklärungstrupp beitreten? Die letzten beiden Einsätze hatten die Truppenstärke doch ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, weshalb tüchtige Verstärkung notwendig war.
      Jedoch war man sich über Valerius Kampfkraft, sein Geschick und seine Tüchtigkeit noch nicht im Klaren und auch der General konnte keine genaue Auskunft geben. Seit seinem Ritterschlag sind zu viele Jahre vergangen und zu viele Schüler sind gekommenen und gegangen, was es schwer machte, Jahre später noch über die Leistungen jedes Einzelnen Auskunft geben zu können, sofern sie nicht herausragend gut oder schlecht waren oder auf eine sonstige Art wiederholt Aufmerksamkeit erlangt haben.

      Zwanzig Minuten später erreichten die Beiden die Herberge und begaben zu Valerius an den Tisch im Speisesaal, um ihm die Möglichkeit zu geben, die Informationen zu teilen, wegen denen er den General ursprünglich angesprochen hatte.
      "Also...wegen was bist du zu uns gekommen? Was hast du für uns?"
      Die Angestellte brachte den Beiden unterdessen ihr Abendessen.
      Levi blickte kurz zu mir hinüber und schnappte sich den Salzstreuer von meinem Tisch.
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    • Lorae

      Nachdem ich mit dem Waschen fertig war und mich angezogen hatte, suchte ich mir den Weg in die Speisekammer. Mir war gar nicht bewusst, dass ich so sehr gelächelt hatte, dass sich die mitleidigen Blicke in Verwunderung verwandelten. Jetzt würden sie bestimmt genau wie Marius denken, dass ich eine Verrückte war, die es nach Blut dürstete oder so.. Deshalb war mein Lächeln auch sofort verschwunden. Ich fühlte mich einfach so.. befreit. Endlich dieses Geheimnis nicht mehr verbergen zu müssen. Das ich dennoch gute Chancen hatte dem Aufklärungstrupp beizutreten, machte mich nur umso glücklicher.
      Als mein Essen kam, genoss ich dieses ruhig und ignorierte die Blicke um mich herum. Nicht nur ihr Mitleid wollte ich nicht sehen - Wir waren Ritter. Naja, fast. Also war es unsere Aufgabe das Leid der über und unter uns stehenden Menschen zu tragen. Das war jedenfalls meine Ansicht - auch das sie sich fragten, ob ich ein Junge war oder nicht. Ohne das Korsett war ich etwas schlanker in der Taille, obenrum hatte ich zum Glück nicht ganz so viel, was mich stören konnte. Aber ich hatte schließlich immer noch das gleiche Gesicht und die gleichen kurzen Wuschelhaare, die ich wegen Levi sehr ordentlich gekämmt hatte.
      "Ist irgendwie komisch..", murmelte ich zwischen zwei Bissen und sah meinen Freund an. "Ich hoffe, dass du keinen Ärger bekommst meinetwegen.."

      ____

      Ruven Avenor

      Marius hatte es vermutlich eilig, war aber auch sehr hungrig, so wie er sich über seinen Nachschlag hermachte. Später kamen auch nach und nach die anderen in den Speisesaal. Baldr, Yoichi und Leon. Baldr lebend zu sehen, munterte mich ein wenig auf. Vor allem als er mich mit einem Nicken beachtete und ich zurück nicken konnte.
      "Hey, Marius.. Was ist eigentlich.. mit Leon..?" Es wäre schön, wenn ich auch mal darüber aufgeklärt werden würde, denn sie Leon zu nennen, fühlte sich eigenartig an.
      "Hm?" Schmatzend kaute er noch zu Ende, bevor er zu ihr rüber sah und dann wieder zu mir.
      "Leon oder besser gesagt Lorae ist ein Mädchen. Deswegen hat sie sich auch immer so angestellt in den Waschraum zu gehen."
      "Okay.." Nun wusste ich zwar ihren Namen, aber verwirrt war ich noch immer.
      "Sie wollte unbedingt Ritter werden.. Naja.. Ob sie einen Platz findet, wird man sehen. Der Hauptgefreite würde sie aufnehmen, also kriegt sie am Ende ja sogar, was sie wollte. Einen Platz im Aufklärungstrupp. Schwein gehabt, würde ich sagen. Sie schafft das schon irgendwie.."
      Marius wirkte irgendwie.. sanft und mitfühlend. Er war kein Grobian, für den ihn manche hielten. Lis und ich kannten auch seinen weichen Kern. Aber seitdem er mit Leon oder Lorae befreundet war, zeigte er diese Seite auch immer öfter vor den anderen.
      "Wie konnt ich nur so oft gegen ein Mädchen verlieren.. echt peinlich..", meinte er und raufte sich die Haare, weshalb ich leise lachte. Zumindest sprach das für Lorae und würde ihr hoffentlich helfen, ihren Wunsch zu erfüllen.

      _____

      Valerius Hazen

      Ich hatte schon aufgegessen, als der General und der Hauptgefreite sich zu mir an den Tisch setzten. Doch da ich auf die beiden gewartet hatte, blieb ich sitzen.
      "Harald kam vor ein paar Tagen zu mir nach Rumthal und hat mich gebeten ihm zu helfen, es wieder gerade zu biegen"
      , begann ich und legte meinen Kopf in den Nacken.
      "Ein Ritter namens Theo Avenor hat ihn vor etwa einem Jahr angesprochen. Die beiden hatten sich wohl recht gut verstanden, weshalb Theo sich dachte, dass Harald sich auf seine Seite - die Seite der Verräter - schlagen würde. Das tat Harald auch, aber nur, um mehr Informationen zu bekommen."
      Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und sah wieder zu den beiden.
      "Ich habe ihm auch gesagt, dass er ein Narr war. Er gab mir ein paar Namen und erzählte mir von dem geplanten Angriff auf die Akademie. Er wollte es auch Ihnen sagen, aber ihr hattet es kurz darauf schon selbst herausgefunden, weshalb er beschloss, weiter so zutun, als wäre er auf ihrer Seite. Ihr hattet sogar schon die Sache mit dem Waffenschmuggel herausgefunden."
      Nach einem Schluck Wasser, legte ich meine Ellen auf den Tisch und blickte auf diesen.
      "Er bat mich nach Praha zu reiten und besuchte mich hier vor 3 Tagen, um mir von seinem Plan zu erzählen und mir Ausrüstung zu bringen. Ihr würdet den Gegner in einen Hinterhalt locken, um die Katapulte zu zerstören, aber falls euch dies nicht gelingen sollte, sollte ich mich bereit halten und ihre Munition in Brand setzen. Das ich die erste Salve nicht verhindern konnte, hatte er wohl beabsichtigt und mir eine falsche Zeit angegeben. Nun. Jedenfalls hab ich seine Bitte erfüllt und mich anschließend auf die Mauer begeben, um euch Rückendeckung zu geben."
      Während ich meinen Becher etwas in meiner Hand schwenkte, dachte ich einen Moment nach.
      "Ich soll euch die Namen seiner Kameraden geben, aber viel mehr als Namen und den Angriff auf die Akademie hat er nicht herausgefunden."
      Damit hätte ich dann Harald's letzten Willen erfüllt. Dieser Idiot. Diese Männer schienen mir kluge Köpfe zu sein, denn immer hin hatten sie alles ohne seine Hilfe herausgefunden. Wenn er früher etwas gesagt hätte, hätte man den Waffenschmuggel eingrenzen können, aber dieses verfrühte Einschreiten hätte ihm womöglich die Informationen zum Angriff verwehrt. Der Feind wäre nicht weniger gefährlich geworden, aber dafür umso mehr in Bedrängnis geraten. Aber von solchen strategischen Dingen hatte ich nicht viel Ahnung. Das Denken überließ ich lieber anderen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ich war froh, Lorae zu sehen. Während sie sich zu mir an den Tisch setzte und ihr Essen serviert bekam, kratzte ich meine Reste vom Teller und schob sie mir in den Mund.
      "Warum sollte ich Ärger bekommen und wegen was? Weil du in Wahrheit ein Mädchen bist? Niemand kann nachweisen, dass ich all die Jahre davon wusste. Und selbst wenn, was soll mir passieren? Man wird mich schon nicht gleich auf dem Marktplatz enthaupten.
      Dennoch ist es schön, dass es jetzt raus ist. Das macht vieles ein wenig einfacher, zumindest für dich. Männer werden dir künftig die Tür aufhalten, dir schmeicheln und dir Dinge schenken, um deine Gunst zu gewinnen, all solche Sachen. Du musst das nutzen sonst sind ruckzuck zehn Jahre und zwei Kinder vergangen und die Schönheit unserer Jugend ist verflogen wie Herbstlaub."

      Ich aß auf und lehnte mich gesättigt zurück.
      "Mmh...ich hab dir vorhin das mit der Taverne erzählt, dabei haben wir doch gar kein Geld. Vielleicht sollten wir den Teil überspringen und direkt zum Pferde stehlen übergehen. Wobei es dafür noch ein wenig zu hell draußen ist.."

      Stumm blickte ich hinüber zu Valerius an den Nachbartisch der, obwohl er bereits aufgegessen hatte, auf etwas zu warten schien.
      Die Frage nach dem Auf wen erübrigte sich jedoch, da im selben Augenblick Levi und der General den Speisesaal betraten und zielstrebig auf seinen Tisch zusteuerten.
      Sie setzten sich ihm gegenüber, ein Angestellter brachte den Beiden Abendessen. Levi blickte zu mir hinüber, dann griff er nach dem Salzstreuer um nachzuwürzen.
      Ich belauschte dem Gespräch der drei, während ich Lorae für einen Moment musterte und dann meinen Blick nachdenklich aus dem Fenster schweifen ließ.
      "Erinnert dich das auch an das Waisenhaus?"

      ----

      Levi beobachtete sein Gegenüber aufmerksam und lauschte seinen Worten.
      "Interessant. Stellt sich noch die Frage, warum die Akademie überhaupt angegriffen wurde. Wir tippen auf politische Motive, um im eigenen Land Unruhe und Zwietracht zu säen oder gleich einen Umsturz zu provozieren, jedoch fehlen uns die Anhaltspunkte. Würde ich das machen wollen, würde ich keine Akademie überfallen, sondern mich direkt an das Bürgertum wenden, oder noch besser direkt an den König und sein nahes Umfeld. Nichts sorgt unter Schafen mehr Unruhe als das Ableben des Schäfers. Wenn er beseitigt ist, wird ein neuer Hirte seinen Platz einnehmen, eine neue Ordnung etablieren und seine Schäfchen auf diese Weise lenken wie es ihm beliebt."
      "Dimitri...", sprach der General, Levi nickte.
      "Das wird unser nächster großer Kampf. Doch wir sollten die ursprünglichen Drahtzieher und deren Beweggründe nicht außer Acht lassen. Valerius, ich hab zwei Anliegen an dich. Zuerst einmal brauche ich die Namen von allen, die laut Harald daran beteiligt waren und so viele weitere Infos wie möglich über jeden von ihnen. Zum anderen, naja, was hältst du davon, dich meinem Trupp anzuschließen? Wir brauchen fähige Leute, besonders in Zeiten wie diesen."
      "Was ist, wenn wir die Namen haben? Klopfen wir bei jedem Einzelnen Zuhause an und fragen höflich, warum unsere Akademie angegriffen wurde?", warf der General ein.
      "Alles ist besser als das, was Dimitri ihnen antun wird. Am Besten ist es, wir kriegen sie vor Dimitri und das lebend, im Gegensatz zu Theo. Tote können nämlich nicht singen."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

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    • Lorae

      Mir gefiel Baldr's Optimismus. Vermutlich machte ich mir zu viel Sorgen deswegen. Irgendwie bekämen wir das beide schon hin.
      Als er meinte, dass es mir vieles leichter machen würde, sah ich von meinem Teller auf.
      "Warum sollte jemand meine Gunst gewinnen wollen? Und warum sollte ich das nutzen?"
      Ich wollte keine Familie gründen. Könnt ich dann noch weiter kämpfen? Das bezweifelte ich irgendwie.. Es gab genug Frauen, sollten sie denen den Hof machen, nicht mir.
      Dann widmete ich mich wieder meinem Essen. "Stimmt. Ich bin bereit. Wann immer du möchtest." Ohne Geld würden sie uns wohl kaum etwas zu trinken geben, aber es gab schlimmeres, wie ich fand. Ich hatte vorerst alles, was ich wollte. Baldr und Hoffnung auf den Beitritt des Aufklärungstrupps.

      Bei seiner Frage blickte ich wieder auf und sah mich etwas um. Es war ein kleiner Unterschied zum Speisesaal in der Akademie, ja. Es war kleiner, ungefähr so groß wie im Waisenhaus schätz ich. "Ein wenig", meinte ich und sah zu ihm rüber.

      _____

      Valerius Hazen

      Ich trank gerade meinen Becher aus, als Levi nach dem Motiv fragte.
      "Um alle Ritter der Umgebung an einem Ort zu versammeln und auf einmal zu beseitigen?", äußerte ich meine Vermutung. Denn den wahren Grund kannte Harald auch nicht. Vielleicht ahnte Theo, dass Harald eigene Pläne schmiedete.
      "Was, wenn sie absichtlich durchsickern lassen haben, dass sie angreifen, damit Dimitri die Ritter aus den anderen Städten und Dörfer zusammen zieht? Mit ihren Katapulten mussten sie sich keine Sorgen machen, dass es zu viele sind. Zumal ja einige von ihnen zu denen gehörten. Das würde Zeit sparen, als wenn sie jede Stadt einzeln angreifen."
      Nachdenklich kratzte ich mir den Hinterkopf.
      "Weil sie sich nicht für die kleinen Städte interessiert haben…"

      Dimitri sollte unser nächster große Kampf werden? Was sollten zwei Männer schon erreichen?
      Als Levi mir seine Anliegen vortrug, nickte ich. "Ich kann sie euch nennen oder aufschreiben."
      Sein zweites Anliegen konnte ich jedoch nicht so schnell beantworten, da der General schon wegen des ersten nachfragte. Guter Einwand. Aber in wessen Händen sie weniger Leid erfuhren, könnte ich nicht beurteilen.
      "Dann sollten wir uns damit beeilen." Wir wussten immerhin nicht, ob und wann Dimitri sich um dieVerräter kümmern würde.
      Durch diese Frage konnte ich das Thema mit dem Aufklärungstrupp hoffentlich geschickt umgehen, doch dem Blick des Hauptgefreiten nach, konnte ich mich nicht davor drücken.
      "Wenn ihr mich braucht.." Ich mochte mein ruhiges Leben, aber jetzt wo wir eine große Gefahr wie dieser gegenüberstanden, würde sich das wohl ändern. Ich hatte immerhin einen Eid geleistet und fühlte mich deshalb dazu verpflichtet, meine Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Darum reißen würde ich mich nicht, aber man konnte sich durchaus auf mich verlassen.
      "Ich bin nicht besonders gut im Umgang mit Schwertern. Aber ich kann im Galopp ein Ziel aus locker 100 Metern Entfernung treffen. Von einer sicheren Position dürften es etwa 300 sein.."
      "Mach 400 bis 500 draus", mischte sich eine rothaarige Frau ein und legte ein Papier auf den Tisch.
      400 bis 500? Würde der Pfeil das Ziel dann überhaupt wie gewollt treffen? Interessiert blickte ich auf die Skizze, die ein ungewöhnliches Modell eines Bogen zeigte.

      _____

      Meredith Ravel

      Am nächsten Tag kratzte ich unser Erspartes zusammen und hing nachdenklich über dem Esstisch. Das würde nicht reichen, um davon zu leben und genug Material zu kaufen, um neue Waffen zu schmieden. Ich hatte nichts mehr zum Verkauf und bisher keine weiteren Aufträge. Was sollte ich jetzt tun? Ich müsste fast bei 0 anfangen, dafür hatte ich nicht genug.

      Am späten Nachmittag hatte ich aufgeschnappt, dass Überlebende aus der Akademie in der Stadt waren. Der Waffenschmuggel war Schuld und hätte dieser Theo nicht seine Armbrust verloren, wäre Dimitri nicht bei mir aufgetaucht und mein Leben wäre kein Trümmerhaufen. Also durfte ich doch eine Entschädigung einfordern, oder? Den König persönlich könnte ich natürlich nicht darum bitten, aber den General! Deswegen schnappte ich mir meine Skizzen und machte mich auf den Weg zur Jugendherberge, wo sie sich aufhalten sollten. Als ich mich ihnen näherte, schnappte ich das Gespräch auf, wo ein guter Schütze wohl von seinen Fähigkeiten sprach. Er klang ziemlich sachlich, was zeigte, dass er nicht damit prahlen, sondern wirklich nur informieren wollte. Klang fast wie ein Vorstellungsgespräch. Jedenfalls war das die perfekte Gelegenheit mich einzumischen.
      "Mach 400 bis 500 draus." Ich legte meine Skizzen auf den Tisch, mit dem neuen Bogen oben auf.
      "Herr General. Ich habe meine Eltern und meine Waren verloren. Da die Akademie zerstört wurde, auch meinen Job in der dortigen Schmiede. Ich brauche… einen Kredit.. Sonst kann ich nicht weiter arbeiten."
      Ich schwieg kurz und deutete auf meine Skizzen. Eine Bank würde mir ohne Absicherung und wegen meines Geschlechts nicht so einfach einen gewähren. Wenn jemand wie der General für mich bürgen würde, hatte ich bessere Chancen. Obwohl ich durchaus auch eine Entschädigung verdient hätte, die ich nicht zurückzahlen müsste, aber ich wollte mein Glück nicht überstrapazieren.
      "Es gibt einen Prototypen von diesem Bogen. Ein Rekrut hat ihn neulich ausprobiert und eine deutlich bessere Präzision gezeigt."
      Ich dachte, dass sie mich ernster nehmen würden, wenn sie Beweise dafür hätten, dass meine Arbeit es wert war in sie zu investieren.
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      - Eugene Ionesco

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    • Ich hatte eine Weile lang nicht geantwortet, sondern dem weiteren Gesprächsverlauf zwischen Levi, dem General und Valerius gelauscht. Ein wenig verwundert blickte ich zu Meredith, als sie den Speisesaal betrat und zielstrebig zu den dreien hinüberschritt.
      Da sich deren Unterhaltung jedoch nun um ihren neuen Bogen drehte und ich nach diesem Tag kein Interesse an Waffen und alles was damit zu tun hat hatte, stand ich nun auf und ging mit meinem dreckigen Besteck und Geschirr zur Ablage.
      "Triff mich vor der Herberge, wenn du fertig bist, ja?"
      Danach lief ich mit den Händen in den Taschen zurück in unser Zimmer. Marius und Yoichi würden auch darin schlafen. Als ich es erreichte, bemerkte ich, dass auf unseren Betten Hygieneartikel lagen: für jeden ein Waschlappen, ein Handtuch, ein Stück Kernseife und ein Leinentuch für die Mundhygiene. Schließlich war ein Zahnwurm unangenehm und ich wollte auf keinen Fall mit einem der Zahnbrecher in Berührung kommen.
      "Nett", murmelte ich und räumte meine Utensilien in die Ablage über meinem neuen Bett, wobei ich das Leinentuch gleich anwendete und es gegen meine Zähne rieb.
      Kurz darauf verließ ich die Herberge und setzte mich auf eine der Bänke vor dem Gebäude, die Hände in den Taschen meiner Hose, den Kopf leicht gesenkt.

      ---

      "Schreib sie uns am Besten auf", sprach der General.
      Levi hörte zu und dachte nach. Jemand, der nicht gut mit dem Schwert ist, dafür einen guten Umgang mit dem Bogen pflegt. Wäre so jemand wirklich geeignet?
      "Naja, es heißt zwar, man könne einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen, jedoch bist du noch ziemlich jung, nicht wahr?"
      Eine Angestellte brachte nun eine Kanne Tee sowie einige Tassen. Levi wollte sich gerade einschenken, als Meredith plötzlich ins Gespräch platzte.
      Während sie ihre Pläne für einen neuen Bogen präsentierte und anschließend einen Kredit erwähnte, hielt sich Levi betont zurück und trank stumm seinen Tee.
      "Einen Kredit, hm? Normalerweise wäre das kein Problem, wäre das Geld an der Akademie nicht vernichtet worden. Zum Glück haben wir den Ausflug für die anderen Schüler bereits bezahlt, doch auf uns kommen in den nächsten Tagen noch einige Kosten zu. Um einen Kredit zu bekommen brauche ich für die Banken jedoch eine Sicherheit und da wir alle mittellos geworden sind, muss ich mich wohl an den König wenden. Ich kann dir nichts versprechen doch so oder so werde ich ihm deinen funktionierenden Prototypen vorzeigen müssen, damit er weiß, wofür er sein Geld ausgibt. Eventuell können wir ihn sogar vorführen. Hol ihn her und dann sehen wir weiter."
      "Und wenn du wiederkommst, komm hier nicht einfach reinmarschiert und platz in unser Gespräch, als würdest du hier wohnen", sprach Levi streng im Stile eines Hauptgefreiten, eine Hand hatte er am Henkel seiner Tasse, die andere unter dem Tisch an einer der Klingen.
      "Melde dich künftig beim Empfang an, sag wer du bist und wo du hinwillst. Du hättest auch ein Feind sein können."
      "Er meint es nicht so", versuchte der General die angespannte Stimmung zu entschärfen und winkte verlegen ab.
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    • Meredith Ravel

      Das war ja wohl nichts.. Ich konnte ja verstehen, dass sie andere Sorgen hatten, aber.. Irgendwie würde ich das schon hinkriegen. Irgendwie.. "Ja.. ich muss diesen Jungen fragen, ob er ihn noch hat.. Aber vermutlich ist er mit allem in der Akademie verloren gegangen.. Ich brauch.. 2 Tage für einen neuen. Ich mach einen neuen. Einen besseren." Dafür sollte ich noch genug Material haben.
      Als der andere Mann am Tisch meine Manieren ansprach, stellte ich mich so aufrecht wie möglich hin und sah zu ihm runter. "Verzeihung. Ich versuch dran zu denken. Oder du merkst dir mein Gesicht, dann weißt du das ich kein Feind bin", meinte ich und zeigte mit beiden Finger auf mein Gesicht und grinste. "Gibt nicht viele rothaarige Schmiede."
      Dann salutierte ich respektvoll, um mich zu verabschieden. "Also dann. In 2 Tagen komme ich wieder. Guten Abend, die Herren." Nach einem Nicken verschwand ich wieder und nahm meine Skizzen mit.

      Als ich nach draußen trat, streckte ich mich ein wenig. Mein Blick ging zu dem Jungen auf der Bank, den ich vorhin schon erkannt habe. Das war doch der, dem ich meinen Bogen gegeben habe. Ach was solls. Der war sowieso noch nicht perfekt. 2 Tage hätten wir ja wohl noch Zeit. "Hey.. sag mal.. ist Dimitri.. lebt er noch?" Ich hatte ihn nicht in der Herberge gesehen, aber wollte nicht seinen Vater danach fragen, falls er.. es nicht geschafft hatte.

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      Valerius Hazen

      Ich verhielt mich ruhig, als das Mädchen mit dem General verhandelte. Das der Hauptgefreite es nicht so meinte bezweifelte ich jedoch irgendwie. Also wartete ich ab und trank etwas von dem Tee.
      Nachdem sie gegangen war, sah ich wieder zum Hauptgefreiten, um unser Gespräch fortzusetzen. "Wenn es sein muss..", meinte ich und trank noch einen Schluck, ohne meinen Blick von ihm zu nehmen. "Ich mein... ich kann es versuchen. Natürlich.." Ich könnte ja auch nicht mehr ruhig schlafen, wenn ich einfach wieder nach Hause gehen würde. Es war ja nicht so, dass ich gar nicht damit umgehen konnte, allerdings hatte ich das Training nie so ernst genommen, wie das Bogenschießen, da ich mir sehr früh im Klaren war, dass ich nicht ganz vorne stehen wollte. Wir werden ja alle irgendwann erwachsen.. Hach, warum musste Harald mich da mit reinziehen? Naja. Es war nicht mehr zu ändern. Ich könnte meine Kameraden nicht im Stich lassen, auch wenn ich keinen von ihnen kannte. Ich war ein Ritter und hatte eine Pflicht.
      ____

      Lorae

      Ich nickte Baldr zu, als er vorging und aß in Ruhe auf. Uns hetzte ja schließlich keiner. Außerdem hatte auch ich dem Gespräch ein wenig gelauscht und tat es auch jetzt noch. Meredith war.. ganz schön mutig so frech zu sein. Aber sie hatte sich auch früher schon nichts von ihren Kunden gefallen lassen.
      Als ich aufgegessen hatte und aufgestanden war, sah ich noch einmal flüchtig zum anderen Tisch rüber, brachte mein Geschirr weg und ging dann zu Baldr. Meredith konnte ich noch ein paar Häuser weiter sehen, wie sie die Straße entlang ging. Sie hatte es auch nie leicht und jetzt das.. Seufzend sah ich zu Baldr und legte meinen Kopf schief, während ich grinste. "Also? Was machen wir jetzt, bevor wir.. Pferde stehlen?" Während des Sprechens ging ich zwei Schritte vor, legte meine Hände auf den Rücken und drehte mich zu ihm um.

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      Ruven Avenor

      Ich war nach dem Essen noch kurz in meinem Zimmer, um etwas zu holen, ehe ich mit Marius nach draußen ging und dort Baldr und.. Lorae traf. Von ihrem Gespräch hatte ich nur noch den Fetzen 'stehlen' gehört und sah etwas verwirrt drein. Marius klopfte mir jedoch auf die Schulter, weshalb ich zu ihm aufsah.
      "Ihr könnt uns ja begleiten. Je mehr, desto lustiger." Offenbar hatte er etwas mehr von dem Gespräch mitbekommen, vor allem, da er schon im Waschraum dabei gewesen war.
      "Ruven gibt aus."
      Was? Wie- Gut. Ich war hier ja wohl der einzige, der etwas Geld dabei hatte. Also setzte ich ein Lächeln auf und zuckte mit den Schultern. "Und Marius zahlt es mir irgendwann zurück. Mit Zinsen." Was Marius konnte, konnte ich auch.
      "Hey!"
      Ich huschte einen Schritt nach vorn und lachte, während ich mich zu ihm umdrehte und dabei neben Lorae stand.
      "Also.. ist okay, wenn ihr wollt..", meinte ich dann und sah erst zu Baldr, dann zu Lorae und dann zu Marius.
      "Wir sind doch.. Freunde, oder?" Ob man uns wirklich als Freunde bezeichnen konnte? Mit Baldr hatte ich kaum ein Wort gewechselt und Lorae war mit Marius befreundet, ebenso wie ich, aber machte uns das automatisch auch zu Freunden? Egal. Ich mochte die beiden.. Auch, dass Lorae jetzt nicht mehr Leon war, änderte nichts daran.
      Lorae sagte jedoch nichts und sah stattdessen zu Baldr, als wäre es seine Entscheidung. Ich wusste ja nicht, dass die beiden irgendetwas vor hatten.
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      - Eugene Ionesco
    • "Gut. Wir sehen uns dann in zwei Tagen", sprach der General bestimmt zu Meredith und griff nach der Kanne um sich einzuschenken.
      "Sobald wir die Schüler an die Akademien verteilt haben und der Ritterschlag vollzogen wurde, werden wir mit der Ausbildung beginnen. Das wird etwa eine Woche dauern, vielleicht zehn Tage. Du tust gut daran, dich bis dahin im Nahkampf zu üben. Erwarte nicht, dass wir in irgendeiner Form Mitleid haben werden. Ich werde jetzt gehen, diese Narbe schmerzt. Vielleicht gibt es hier einen kompetenten Arzt in der Nähe."
      Dann stand Levi auf und verließ den Speisesaal.
      "Hast du noch Fragen?", wandte sich der General Valerius zu, indem er sich leicht nach vorne beugte.

      ----

      Ich hatte bereits einige Minuten auf der Bank gewartet, als Meredith aus der Tür trat und zielstrebig auf mich zu kam.
      "Hallo, Meredith. Dimitri lebt...allerdings ist er gegangen und hat Falco und seine Schwester mitgenommen. Und er hat jetzt ein brennendes Schwert und ein komisches Dreizack. Und seine Schwester hat es nicht geschafft...soweit die Kurzfassung eines beschissenen Tages.."

      Als Meredith gegangen war trat nun auch Lorae aus der Tür. Ich stand auf und wandte mich ihr sanft lächelnd zu.
      "Naja, wir gehen nicht wirklich Pferde stehlen, es ist nur, dass ich nachschauen möchte, wie es meinen naja, Kameraden geht."
      Nun kamen auch noch Marius und Ruven zu uns.
      "Wir können gerne Freunde sein, aber...", ich nahm Lorae an der Hand, "...wir beide müssen vorher noch etwas erledigen. Geht doch schon mal vor, ja? Wir kommen gleich nach."
      Ich lächelte bemüht und zog Lorae hinter mir her.
      Als wir um die Ecke gebogen waren, ließ ich ihre Hand los, meine Wangen waren leicht errötet, während ich neben ihr herlief.
      "Die Schwestern wollten mich nicht zu ihnen lassen und wenn ich heute nicht nachschaue, werde ich nicht schlafen können. Das verstehst du doch, oder? Im Endeffekt musst du für mich nur Schmiere stehen und mir ein Signal geben, wenn Gefahr droht."
      Ich knirschte mit den Zähnen und verzog mein Gesicht zu einer peinlich berührten Fratze. "Gaah, ich komm mir so albern vor. Die denken bestimmt, dass wir jetzt miteinander rummachen, jetzt da jeder weiß, dass du eigentlich ein Mädchen bist."

      Nachdem wir den Weg zurück zur Klinik gegangen waren, die Sonne war bereits untergegangen, atmete ich tief durch.
      Ich stellte mich neben die Tür und lugte durch das Schlüsselloch, jedoch war nichts zu erkennen. Als ich leise die Klinke nach unten drückte, regte sich nichts.
      "Geschlossen. Na toll", seufzte ich. Der ursprüngliche Plan war, dass sie entweder Schmiere steht und mir ein Zeichen gibt, wenn Gefahr durch eine der Schwestern naht oder sie abzulenken, sollten sie sich im Eingangsbereich aufhalten und mir durch ihre Anwesenheit den Weg zu den Patientenzimmern versperren.
      "Dann hat sich das mit dem Schmiere stehen schon erledigt und ich muss Klettern. warte hier trotzdem auf mich, ja? Ich beeil mich auch."
      Mit ein wenig Anlauf hopste ich über einen großen Holzzaun hinein in die Dunkelheit eines Hinterhofes.
      Ich versuchte mich zu erinnern, wie die Räume aufgeteilt waren. Die Untersuchungsräume links vom Hauptraum, rechts irgendwelche anderen Räume, geradeaus eine Treppe. Wahrscheinlich würden die Patientenzimmer dort sein.
      Mit einem Satz krallte ich mich an den Steinen der Außenwand fest und kletterte ziemlich geschickt nach oben und dann wie Wand entlang bis an deren Ende. Als ich versuchte, um die Ecke des Hauses zu klettern, rutschte ich weg und landete in einem Gebüsch neben der Straße.
      Ich rappelte mich auf und putzte mir den Dreck von der Kleidung. Dann probierte ich es erneut, musste mich diesmal jedoch beeilen, da die Leuchtpfannen der Straßenbeleuchtung bereits entfacht waren und man mich sehen könnte.
      Rasch kletterte ich die Steinwand hoch, als sich eines der Fenster einen Spalt breit öffnete.
      Dann hörte ich für einen Moment ein leises Zwitschern. "Rotbauchfliegenschnäpper" ,dachte ich und wusste, dass ich auf der richtigen Spur war.
      Als ich das Fenster erreicht hatte und ein Stück hineingeklettert war, sprach eine Gestalt zu mir, die rechts des Fensters in der Dunkelheit herumlungerte. Es dauerte einen Moment, bis sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt hatten.
      "Wusste ich doch, dass du kommst."
      "Flavius?"
      "Ja. Komm rein und sei leise."
      Leise stieg ich vom Fensterbrett und kroch zu ihm hinüber. Er saß in einem weißen Nachthemd auf einem Stuhl und bot mir den leeren Platz neben sich an.
      "Woher wusstest du, dass ich komme?"
      "Ich hab euch unten reden gehört und die Schwester hat mir erzählt, dass jemand nach Basim und mir gefragt hat. Du hast mich wohl vermisst?", flüsterte Flavius verschmilzt grinsend.
      "Eigentlich bin ich nicht nur wegen dir da, sondern wegen euch allen. Wie geht´s euch? Habt ihr es gut überstanden?"
      "Naja, uns geht es soweit gut. Wir alle haben eine Rauchvergiftung erlitten, Julius hat eine Stichwunde, Augustus hat sich den Arm gebrochen, Deimos hat eine Platzwunde erlitten und ich...", Flavius zog sein Nachthemd nach oben, sodass ich eine tiefe Fleischwunde auf seinem sonst makellosen und von einigen sichtbaren Muskeln durchzogenen Bauch ausmachen konnte, "...ich wurde von einer Axt erwischt. Hätte Basim mich nicht so schnell versorgt, wäre ich jetzt nicht mehr am Leben."
      "Was ist mit Nero?"
      "Nero...hat es nicht geschafft."
      Betroffen schaute ich erst in sein Gesicht und dann auf den Boden.
      "Was ist mit ihm passiert?"
      "Ihm wurde das Bein zertrümmert. Einige Knochensplitter haben einige wichtige Adern aufgeschnitten. Er ist uns einfach innerlich verblutet."
      "Scheiße", flüsterte ich fassungslos.
      "Du sagst es. Wenigstens bist du noch am Leben. Magst du mir erzählen, wie es dir ergangen ist?"
      Ich lehnte mich nach hinten und fing an zu erzählen. Von den Verrätern, den Katapulten, der Brand der Akademie und meine Fassungslosigkeit, der verzweifelte Kampf gegen eine Übermacht an Feinden, Dimitris scheinbaren Tod und seine Wiedergeburt und Verwandlung, sein Kampf gegen den schwarzen Ritter, Levi, Valerius, unsere Flucht, Dimitris Schicksal, der Kampf gegen seinen Vater, wie er ging und Falco und die Leiche seiner Schwester mitnahm und schließlich die letzten Stunden in der Herberge.
      "Also hatte dieser Militärpolizist doch nicht gelogen."
      "Wen meinst du?"
      Flavius klärte mich auf.
      "Doch statt Söldnern fand ich überall nur diese Kasernen. Also waren die Ritter dort auch die Söldner und damit die Verräter. Ich bin froh, dass du lebst und es tut mir Leid, dass du das alles durchmachen musst."
      Flavius stand auf und lief zu seiner Kleidung. Aus seiner Innentasche holte er ein kleines Säckchen.
      "Das sollte für einige Tage reichen." Er drückte ihn mir in den Hand und ich öffnete ihn. Es waren Münzen darin. Funkelnde Gulden, Kreuzer und Pfennige.
      "Das...das kann ich nicht annehmen."
      "Doch das kannst du. Du brauchst es dringender als ich."
      "Flavius....ich...danke. Aber wo hast du das her?"
      "Ich hab ziemlich flinke Finger und bin gut im Taschendiebstahl."
      "Du hast das geklaut?"
      "Ja. Ja, das hab ich. Die reichen Wichser merken ohnehin nicht, wenn man ihnen im Vorbeigehen ein paar Münzen abluchst. Und wenn das ein paarmal macht, hat man so ein Säckchen schnell gefüllt."
      "Wie kann ich das wieder gutmachen?"
      "Musst du nicht. Betrachte es als Freundschaftsdienst. Wobei es da schon etwas gäbe, dass du für mich tun könntest.~"
      "Was denn?"
      Flavius stellte sich nun vor mich und beugte sich zu mir hinab. Mit einer Hand strich er durch mein Gesicht, über meine Lippen und mein Kinn, während er mir dabei tief in die Augen schaute.
      "Ich will, dass du mich küsst."
      "Was?" Mein Herz raste, meine Wangen bekamen einen rötlichen Ton.
      "Küss mich, Baldr."
      Ich musste schlucken und war wie erstarrt, beinahe schon überfordert.
      Flavius bemerkte dies und ergriff nun an meiner statt die Initiative und kam mit seinem Mund meinem immer näher.
      Als sich unsere Lippen trafen, schloss ich meine Augen. In meinem Bauch entzündete sich ein Feuerwerk. Dann legte er seine Hände auf meine Wangen und hielt diesen Kuss noch für einen Moment, ehe er ihn langsam wieder löste.
      "War doch gar nicht so schlimm, stimmts?", hauchte er. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, also starrte ich ihn einfach an und hielt das Säckchen mit dem Geld mit meiner Hand umklammert.
      "Nah, jetzt mach doch nicht so ein Gesicht." Flavius zeigte sich fast schon amüsiert über meine komplette Unerfahrenheit.
      "Lass mich dich ein wenig abhärten, ja?"
      Dann setzte er sich auf meinen Schoß, legte seine weichen Hände an meine Wangen und küsste mich erneut. Und wieder und wieder. Und wurde dabei immer gieriger und wilder, bis er irgendwann anfing, mein Oberteil auszuziehen. Ich spürte seine Lust und seine massive Erektion, die mir gegen den Bauch drückte und ich war nicht weniger erregt, sodass sie sich berührten und Präejakulat absonderten.

      Basim räusperte sich nun betont unauffällig mit dem Rücken zu uns auf seinem Bett liegend, so als würde er Flavius ein Zeichen geben, dass wir nicht alleine sind.
      "Am liebsten würde ich jetzt noch weiter gehen und dir hier und jetzt meine Jörmungandr geben, aber ich fürchte, das geht jetzt nicht."
      "Ist schon gut. Eigentlich wollte ich nur kurz herkommen um nach euch zu sehen und dann zurück zu meiner Begleitung."
      "Oh...ist es ein anderer Junge oder ein Mädchen?"
      "Ein Mädchen."
      "Also bist du nicht...?"
      "Ich...ich weiß es nicht. Ich bin immer so durcheinander, wenn wir uns sehen...du überrumpelst mich mit deiner Liebe. Das geht mir alles zu schnell."
      Flavius stieg nun von meinem Schoß.
      "Verstehe. Ich denke, es ist besser, wenn du deine Begleitung nicht länger warten lässt. Nicht, dass du wegen mir Ärger bekommst."
      "Bist du sauer?"
      "Nein."
      "Enttäuscht?"
      "Nein."
      "Sondern?"
      "Es ist nichts. Geh jetzt, ja? Und pass auf dich auf."
      "Werden wir uns wiedersehen?"
      "Weiß ich nicht."


      Einige Minuten später kam ich über den Zaun geklettert und eilte zurück zu Lorae. In meiner Hand hielt ich noch das Säckchen mit dem Geld.
      "Tut mir Leid...ich wollte dich nicht warten lassen."
      Unterwegs zur Taverne plagten mich Gewissensbisse, die mich die ganze Zeit beschäftigten.
      Als wir schließlich unser Ziel erreichten, hielt ich es nicht mehr aus. Ich nahm ihren Arm und hielt sie davon ab, die Tavernentür zu öffnen.
      "Warte...ich muss etwas loswerden. Versprich mir, es für dich zu behalten."
      Dann vertraute ich mich ihr an erzählte ihr vom Flavius und mir.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

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    • Valerius Hazen

      "Jawohl, Hauptgefreiter!" 7-10 Tage noch also.. Bisher hatte ich eh nicht viel aus meinem Leben gemacht. Ich hatte weder Frau noch Kinder, also gab es auch nichts, was mich davon abhalten könnte. Die Gespräche mit Harald und die Verteidigung der Akademie haben mich wachgerüttelt, konnte man sagen. Ich erfüllte in Rumthal zwar meine Pflicht, nur war da eben nie wirklich was für die Ritter zutun. Mir war immer klar, dass sich alles plötzlich ändern könnte und nun war es wohl soweit.
      Harald bat mich, mein Talent nicht zu verschwenden und glaubte daran, dass ich tief in meinem Inneren ein rechtschaffener Mensch bin, der auch für andere kämpfen konnte. Ja, irgendwie war ich das. Ich konnte so tun, als wäre alles in Ordnung, solange ich nichts anderes sah. Aber nun hatte ich diese Gefahr gesehen und meine Unterstützung zu verweigern würde den Verrat bedeuten.
      Dann.. musste ich wohl wieder ein Schwert in die Hand nehmen..
      "Nein.. obwohl.. Naja, wenn ich üben soll, brauche ich ein Schwert und einen Ort zum Trainieren. Ich kann ja schlecht auf offener Straße mit einem Schwert herumfuchteln.."
      Ich würde zwar niemanden verletzen, schätzte ich, aber mir musste dabei ja auch nicht jeder zusehen können..
      "Wenn wir solange in dieser Herberge unterkommen, würde ich den Wirt fragen, ob ich den Hof nutzen darf. Ist das in Ordnung?"

      ______

      Meredith Ravel

      Ich war erleichtert zu hören, dass Dimitri noch lebte. Allerdings klang der Rest wirklich beschissen. Sein Verlust tat mir wirklich leid. "Verstehe.. Danke für die Info.. Mach's gut."
      Nachdenklich schlenderte ich zurück nach Hause und fragte mich, warum Dimitri gegangen war. Ich hätte natürlich nachfragen können, aber ich wollte nicht in irgendwelchen Wunden herumstochern. Die letzten Tage waren für sie genau so beschissen, wie für mich. Es ging nur kurz bergauf, als ich in der Akademie arbeiten durfte, doch umso schneller wieder bergab. Nun hatte ich wie gesagt, nicht mal mehr einen Job und müsste von Neuem beginnen.
      An der Kreuzung blieb ich stehen und sah nach links. Mein Zuhause lag rechts, aber in dieser Richtung befand sich das Haus von Edward. Ich nahm an, dass er wohl in dem Feuer umgekommen war, da er ein Gefangener war und seufzte leise. Betrübt ging ich nach links und blieb vor seiner Schmiede stehen. Die Tür war nicht abgeschlossen, also ging ich herein und fand eine leere Schmiede vor. Natürlich. Alles, was irgendeinen Wert hatte, war fort.
      Langsam betrat ich den Wohnraum nebenan und ging die Treppe hinauf zu Edward's Zimmer, in dem ich als Kind hin und wieder gewesen war. Es hatte sich sehr verändert. Es war leerer. Ordentlicher. Es lag ja auch kein Kinderspielzeug mehr herum. Stattdessen war das Regal neben dem Schreibtisch mit ein paar Büchern gefüllt. Aber auch hier hatte man offensichtlich ein wenig herumgewühlt. Mein Blick fiel auf die offene Schublade unter seinem Bett, in denen ein paar Papiere lagen. Ich ging auf die Knie und nahm mir ein paar heraus.
      "Du Idiot...", murmelte ich leise, als ich eine Kohlezeichnung von meinem Gesicht fand. Das war ihm richtig gut gelungen.. Und offenbar hatte er wirklich Gefühle für mich..
      Ich legte die Papiere wieder zurück und legte mich in sein Bett, dass noch nach ihm roch. Vielleicht.. hab ich ihn ja doch irgendwie mehr gemocht, als ich zugeben wollte.. Aber nun war es zu spät.. Selbst wenn er noch leben würde, war er ein Verräter.. Dachte er etwa, ich würde da einfach mitmachen? Dann kannte er mich aber nicht gut..
      Erneut kamen mir die Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte, weshalb ich mein Gesicht in sein Kissen drückte. Er war ja dennoch irgendwie mein Freund und nun war er fort. Ebenso wie meine Eltern. Einfach alles. Mir blieb nur noch die Arbeit. Ich musste den General und die anderen mit meinem Bogen überzeugen.
      ____

      Ruven Avenor

      Ich war erfreut und verwirrt zugleich, als Baldr meinte, wir könnten Freunde sein, aber.. Zum Glück war das 'Aber' gar nicht so dramatisch, als ich befürchtet hatte. Die beiden mussten nur irgendwas erledigen..
      Als sie gingen, sah ich ihnen nach. Händchen haltend.. Bedeutete das, das die beiden.. Jetzt wo Lorae nicht mehr so tat, als wäre sie ein Junge, könnten die beiden auch öffentlich Händchen halten. Klar. Die beiden kannten sich schon ihr Leben lang und wenn sie sich all die Jahre ein Zimmer geteilt haben.. Da heben sie sich bestimmt auch schon nackt gesehen! Und dann führte eins zum anderen und..
      "Kommst du?", fragte Marius, wobei ich gar nicht gemerkt hatte, dass er schon ein Stück vorgegangen war.
      "Äh.. ja..."
      Ich begleitete ihn zur Taverne, machten vorher noch Halt am Waisenhaus, wo Lisbeth gerade mit den kleineren Kindern spielte. Sie würde mit Sicherheit eine tolle Mutter werden.. Marius hatte wirklich Glück.
      "Marius!", rief sie mit Freudentränen in den Augen, als sie ihn erblickte und kam auf uns zu gelaufen. Ich war natürlich nur Nebensache, aber da Marius verletzt war und ich nicht wusste, ob er Lis' Sturmangriff packen würde, schnappte ich sie mir, drehte mich einmal mit ihr um 360° und stellte ihre Füße wieder auf dem Boden ab.
      "Du musst vorsichtig sein. Er ist verletzt.."
      Es hatte sich ziemlich schnell herumgesprochen, dass die Akademie angegriffen wurde. Die riesige Rauchwolke war auch nicht zu übersehen.
      Nachdem ich ihr den Schwung genommen hatte, ließ ich sie sofort los, sodass Marius sie umarmen und ihr einen Kuss auf die Stirn geben konnte. Normalerweise wäre sie ihm um den Hals gesprungen und er hätte sie hochgehoben, da sie ein ganzes Stück kleiner war, aber das sollte er in seinem Zustand besser vermeiden. "Ich hab dich vermisst..", säuselte er und drückte sie sanft an sich.
      "Ich.. Ich hatte Angst, dass du.."
      Heute Morgen hatte sie mich ganz verzweifelt aufgesucht, sodass ich ihr gut zureden musste. Das Marius richtig stark ist und unsere Ritter das schon überstehen werden.
      "So schnell bekommt man mich nicht klein..."
      Die beiden sahen so verliebt aus, dass ich schon ein klein wenig neidisch war. Ein Mädchen hätte ich wohl schon längst haben können.. Allein unter Lis' Freunden gab es welche, die sie schon nach mir gefragt hatten. Eines davon war bei den Kindern geblieben. Als ich zu ihr rüber sah, sah sie verlegen weg, weshalb ich leise seufzte. Vielleicht würden mich Mädchen ja irgendwann noch interessieren. Marius bezeichnete mich als Spätzünder, nur weil er in meinem Alter schon eine Freundin hatte. So wie viele andere auch. Ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass mich hübsche Jungs in Verlegenheit bringen. Allein die Kombination aus hübsch und Junge hätte er seltsam gefunden. Nur Lisbeth wusste davon, da ich mich neulich verplappert hatte. Dummerweise hatte ich ihr auch von Baldr erzählt, der gleich auch noch zu uns kommen würde! Aber sie würde schon nichts komisches machen, hoffte ich..

      Also gingen wir zu dritt in die Taverne und suchten uns einen freien Tisch, an dem die beiden später auch noch Platz hätten. Marius bestellte 3 Met, da Lis auch mal probieren wollte. Wir waren schon öfter mit ihr in einem Café, aber noch nie in einer Taverne..
      Während sie einen Schluck trank, sah sie mich mit ihren hübschen Kulleraugen an. Da ich sie ebenso intensiv ansah, wurde Marius etwas stutzig.
      "Gibt es etwas, dass ich wissen sollte?", fragte er mit einem ziemlich ernsten Ton.
      Oh.. ich glaube, er verstand unseren Blickaustausch falsch.
      "Nein", antwortete ich prompt, woraufhin wir beide unsere Blicke auf ihn richteten und Lis ein wenig rot wurde. Ich könnte schwören, dass ich ihre Gedanken lesen konnte, wenn ich ihr in die Augen sah. Mein Witz, dass sie Marius in ein Gästezimmer locken könnte, ließ sie irgendwie nicht locker. So lange würde es doch bestimmt nicht mehr dauern, bis Marius sie heiraten würde, da sie auch schon seit kurzem volljährig war.
      Marius sah uns abwechselnd an und Lis sah verlegen zur Seite. Was sollte er denn jetzt denken! Oh Lis..
      "Sicher?", harkte er nach und sah mich nun streng an. Er war eigentlich nicht sehr eifersüchtig, aber manchmal war es ihm bestimmt nicht ganz geheuer, wie gut wir uns verstanden.
      "Ja.. Lis und ich.." So ein Mist.. Der Satz fing nicht gut an und nun stockte ich auch noch. Das war doch nur noch verdächtiger!
      "R-ruven hat gesagt.. dass ich mit dir.. auf ein Zimmer gehen soll...", murmelte sie immer leiser werdend, während ihr Gesicht immer roter wurde.
      "Das hab ich nur so gesagt!", verteidigte ich mich sofort, doch Marius fing schon an schelmisch zu grinsen und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.
      "Was setzt du meiner Verlobten denn für Flausen in den Kopf, hm?"
      Lächelnd wandte er sich wieder Lisbeth zu und legte seinen Arm um sie, um ihr einen Kuss auf den Scheitel zu geben.
      "Ich kann warten.. außer.. du möchtest das.."
      Dabei drehte er ihr rotes Gesicht zu sich und sah ihr völlig schamlos in die Augen. Wenn ich doch nur so gelassen sein könnte, wenn ich mit Baldr sprach..
      "Ist doch eh völlig überbewertet", warf ich ein, nur damit Lis noch verlegener wurde. Das hatte sie davon, dass sie mich verpetzt hat.
      "A-aber.. du bist verletzt..", nuschelte sie, wobei ich deutlich raushören konnte, dass es eine unterschwellige Frage sein sollte, ob er sich von dieser Verletzung davon abhalten lassen würde.
      Es wurde immer peinlicher.. Ich kam mir fast überflüssig vor und noch dazu, wollte ich gar nicht so viel über ihr Liebesleben wissen! Jetzt würde ich doch sofort Bescheid wissen, wenn die beiden verschwinden würden!
      "Schon gut, Liebling.."
      Ich wandte meinen Blick ab, als die beiden sich küssten, bevor sie sich an ihn schmiegte und vor sich hinlächelte. Auch Marius wirkte immer so glücklich, wenn sie zusammen waren. Ja, ich war wirklich ein wenig neidisch. Aber wir hatten noch immer genau so viel Spaß zu dritt, wie vor ihrer Verlobung.

      _____

      Lorae

      Ich ließ mich von Baldr mitziehen und betrachtete ihn, als er mir von seinem Vorhaben erzählte. "Hab ich mir schon gedacht..", meinte ich und begleitete ihn selbstverständlich.
      Bei der Klinik angekommen, suchte er sich einen Weg hinein, während ich ein wenig spazieren ging, um die Umgebung im Blick zu behalten.

      Er war ganz schön lange darin, aber vermutlich sprach er mit ihnen, wenn sie ansprechbar waren. Als er wieder kam und sich entschuldigte, schüttelte ich lächelnd den Kopf.
      "Kein Problem."
      Gemeinsam gingen wir wie verabredet zur Taverne, doch bevor ich sie betreten konnte, hielt Baldr mich davon ab. "Natürlich..", versprach ich, denn von mir würde niemand etwas über ihn erfahren.
      Wir gingen zur Seite und ich lauschte seinen Worten. Flavius war also der Grund, warum Baldr unbedingt in die Klinik wollte.
      "Hmm.. wenn es dir gefallen hat, dann heißt das wohl, dass du ihn auch magst, oder?"
      Ich war da wohl leider nicht der richtige Ansprechpartner, denn ich hatte mich nie mit solchen Dingen beschäftigt.
      "Naja.. spürt man nicht so ein Kribbeln im Bauch, wenn man dem anderen so nahe ist? So sagt man doch, wenn man verliebt ist.."
      Hatte ich jedenfalls so gehört..
      "Küss doch mal jemand anderen, dann hast du einen Vergleich", schlug ich vor, ohne zu wissen, ob das überhaupt so einfach war und es auch gar nicht so ernst meinte.
      "Es kann sich ja nur gut oder schlecht anfühlen. Und wenn es sich gut anfühlt, kann es nicht falsch sein, oder?"
      Meine Ratschläge waren wohl nicht sehr hilfreich, aber Baldr wusste ja, dass ich davon keine Ahnung hatte. Ich glaubte also nicht, dass er von mir einen brauchbaren Ratschlag erwartete, aber vielleicht könnte er wenigstens darüber lachen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • "Kauf dir ein Schwert. Vielleicht kann dir die rothaarige Schmiedin, die vorhin hier war, sogar eines herstellen."
      Dann erhob sich der General. "Vergiss nicht, mir die Liste mit den Namen zu geben. Bekommst du das bis morgen früh hin?"
      Er blickte Valerius für einen Moment ins Gesicht, dann schnappte er sich sein dreckiges Zeug und sortierte es auf der Rückgabe ein.

      ---

      "Jemand anderes küssen?", ich überlegte, "Wen könnte ich denn küssen? Wenn ich so überlege, wen ich außer Flavius noch kenne, gibt es nur eine Person, die ich küssen würde und das", ich zeigte mit meinem Finger auf Lorae, "bist du."
      Für einen Moment war ich ernst, dann jedoch wurde ich unsicher und winkte ab.
      "Aber das wäre ja albern, unsere fast lebenslange Freundschaft mit solch schändlichen Gedanken zu verderben. Das wäre in etwa so, als würde ich mein Essen vergiften, um zu sehen was es mit mir macht. Trotzdem, behalt das für dich, ja?"
      Dann öffnete ich die Tavernentür, das Säckchen mit dem Geld in einer Hosentasche vergraben. Ich würde den anderen nichts davon erzählen und mir davon irgendwann eine neue Existenz aufbauen, sofern Leben an der Akademie überhaupt dazu zählte. Es war hart, erwachsen zu werden. Vielleicht sollte ich mich auch mit Klauen über Wasser halten, zumindest vorerst.
      "Da bin ich", murmelte ich und setzte mich zu den anderen an den Tisch. Ich würde wie die anderen auch ein Met bestellen, jedoch war keine Bedienung in Sicht, an die ich mich wenden könnte.
      Von daher ließ ich meinen Blick nachdenklich auf Marius, Ruven und das Mädchen schweifen. Das würde dann wohl Lisbeth sein, von der Marius regelmäßig sprach. Sie kuschelte sich gerade an ihren Prinzen und lächelte glücklich.

      ---

      "Das ist interessant", sprach ein Arzt, während er Levis Narbe untersuchte. Er hatte Glück, dass in Praha einige Ärzte auch abends und nachts arbeiten. Außerdem war dieser Arzt der Vater einer seiner früheren Schüler.
      "Was ist daran so interessant?"
      "Das Gewebe ist nekrotisch."
      "Und das bedeutet was?"
      "Es ist abgestorben. Das ist bei einem lebenden Menschen sehr unüblich. Um so etwas zu bekommen, müsste man sich schon einen Finger abfrieren oder sich Vergiftungen und Injektionen aussetzen und das passiert nicht alle Tage. Aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Aussagen, woher sie diese Wunde haben, vermute ich letzteres."
      "Sie meinen, dieser Dreizack hat mir ein Gift injiziert, das mein Gewebe absterben lässt?"
      "Das kann ich nicht beurteilen, solange ich diese Waffe nicht selbst in den Händen gehalten und damit Experimente durchgeführt habe. In meinem Haus wimmelt es von Ratten. Wie auch immer, haben Sie etwaige Stellen auch an anderen Stellen Ihres Körpers bemerkt?"
      "Nein. Der Dreizack hat mich nur an dieser Stelle berührt, von daher hielt ich es für unnötig."
      "Dann werden wir das jetzt nachholen. Stellen sie sich in die Mitte des Raumes und entledigen Sie sich Ihrer Kleidung."
      Ein wenig widerwillig entkleidete er sich vollständig vor dem älteren Mann. Dann ging der Arzt langsam um ihn herum. An Stellen, die nicht ohne weiteres Einsehbar waren, wie etwa der Kopfhaut, den Achseln oder dem Damm, legte der Arzt vorsichtig selbst Hand an. Jedoch waren keine Stellen nekrotischen Gewebes zu finden.
      "Sind Sie jüdischen Glaubens?"
      "Nein. Ich glaube nur an meine Waffen und meine Kameraden."
      "Schon gut. Verstehe. Sie können sich nun wieder einkleiden."
      "Was werden Sie dagegen unternehmen?", fragte Levi, während er sich wieder anzog.
      "Nun, ich könnte das nekrotische Gewebe herausschneiden. Jedoch brauche ich Zeit zur Vorbereitung. Wenn Sie nichts dagegen haben, bleiben Sie doch über Nacht. Wir werden den Eingriff am Morgen durchführen, wenn meine Assistenz eingetroffen ist."
      "Muss ich etwas beachten, Doktor?"
      "Ruhen Sie sich aus und trinken Sie ausreichend. Ich kann Ihnen auch etwas zu essen anbieten. Und wenn Ihnen langweilig wird, bedienen Sie sich an meiner Lektüre."
      "Wie wird es danach weitergehen?"
      "Nun, zuerst werden Sie einige Tage ihr Bein schonen müssen. Keine langen Spaziergänge, kein langes Stehen. Danach sollten Sie die Wunde beobachten und den Verlauf sowie besondere Auffälligkeiten dokumentieren. Nach einer Woche werde ich mir die Wunde und Ihre Dokumentationen ansehen. Sollte die Wundheilung abgeschlossen sein oder es zu Komplikationen kommen, wenden Sie sich an mich. Und beobachten Sie auch nach dem Eingriff den Rest Ihres Körpers auf weiteres nekrotisches Gewebe."
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