I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae / Leon

      Obwohl Oliver sich Sorgen um Theo machte, wagte er es nicht irgendjemanden nach ihm zu fragen. Nicht einmal Harald, von dem er wusste, dass er zu Theo gehörte.

      Ich widmete mich mit Laib und Seele meinem Training. Jeder blaue Fleck war mir eine Lehre, dass ich noch nicht an meinem Ziel war. Damit würden sie mich aber nicht davon abhalten. Marius hingegen war ziemlich am Schnaufen, obwohl er sich große Mühe gegeben hatte, keine Schwäche zu zeigen. Vermutlich weil er nicht schlechter dastehen wollte, als jemand der gut einen Kopf kürzer war als er.

      Als Levi plötzlich hereinplatzte, sah ich mit großen Augen zu ihm rüber. Ich war sehr erleichtert ihn zu sehen. Gleichzeitig fragte ich mich allerdings, ob meine Haare noch richtig lagen. Die Zähne hatte ich mir geputzt, frische Kleidung hatte ich auch vor dem Training angezogen. Wenn er wollte, würde er aber bestimmt irgendetwas finden.
      Doch er forderte ein Gespräch mit dem General und Basim. Sobald sie die Trainingshalle verlassen hatten, ging das Training für uns weiter.

      Was im Glockenturm vor ging, entzog sich meinem Wissen. Auch von den beiden Gefangenen hatte ich keine Ahnung.

      ____

      Ruven Avenor

      "Haaach, wie dumm seid ihr eigentlich?" Isabelle war über irgendetwas erzürnt und drückte die Hacke ihres Schuhs in die Schulter des auf den Knien und auf Händen gebeugten Mannes.
      "Isabelle. Geh." Mehr sagte der grauhaarige Mann mit dem Vollbart nicht, der hinter ihr an seinem Schreibtisch saß.
      "Ja, Vater." Ohne wenn und aber, verließ sie das Büro ihres Vaters im obersten Stockwerk ihres Anwesens. Es missfiel ihr zwar, aber Auflehnen brachte hier nichts. Er hätte sie vermutlich gar nicht erst eingeweiht, wenn sie sich nicht als nützlich erwiesen hätte. Immerhin war sie bereit ihren weiblichen Charme für seine Zwecke einzusetzen und er konnte ihr wohl mehr vertrauen, als jemand anderem.

      Eine halbe Stunde später verließ sie das Anwesen in einfacher Kleidung, um nicht als Adlige erkannt zu werden. Sogar das Make-Up hatte sie entfernt, doch war sie deshalb nicht weniger schön. Ihre Lippen hatten anstelle des saftigen Rots nun ein zartes Rosa und ihre blassen Sommersprossen kamen zum Vorschein. Das Haar hatte sie zu einem Zopf nach vorn geflochten und so setzte sie als einfache Frau ihren Weg durch die Stadt vor. Zu Fuß, denn welches Fußvolk hatte schon eine Kutsche? Ein Nachteil an ihrem Job.

      Irgendetwas ging doch in dieser Akademie vor sich. Ein Ausflug von Schülern in die Hauptstadt? Wozu? Das sich hier ein paar Grüppchen von Rekruten herumtrieb, blieb ihrem Vater natürlich nicht unbekannt.
      Isabelle hatte das einfache Volk schon oft beobachtet, um ihre Gangart, ihren Gesichtsausdruck und ihre Sprechweise zu kopieren. So bahnte sie sich ihren Weg durch die Passanten und erreichte schließlich den Park, wo sie ein paar unaufällige Bürger am Straßenrand hinlotsten. Es war kein Zeichen, dass sie verriet. Sie musste sich alle Gesichter des Gefolges ihres Vaters merken und wusste nur dadurch, dass sie dort standen, dass dies die richtige Richtung war. Sie kauften, verkauften, unterhielten sich mit anderen. Das ganz normale Leben.
      Im Park angekommen, streckte sie sich ein wenig und ging spazieren. Mit einem Lächeln auf den Lippen ging sie an der Gruppe von Schülern vorbei und setzte sich auf eine Bank.

      Als ich diese junge Frau erblickte, war ich ein wenig verwirrt, denn sie sah Lady Isabelle zum Verwechseln ähnlich, aber ich hatte sie noch nie zuvor in einem so farblosen, schlichtem Kleid gesehen. Selbst bei ihrem Besuch in der Bäckerei trug sie nur die edelsten Stoffe. Womöglich war sie es gar nicht. Das Mädchen auf der Bank hatte Sommersprossen, ich wüsste nicht, dass Isabelle welche gehabt hätte. Doch als sich unsere Blicke trafen, hatte ich das Gefühl, als würde sie mich - und nur mich - ansehen. Als hätte sie.. nach mir gesucht? Wollte sie mit mir sprechen?
      Da gerade eh jeder tat, wonach ihm war, ging ich zu ihr rüber. Es waren die gleichen smaragdgründen Augen, wie Isabelle.
      "Isabelle? Ich mein L-"
      "Spar dir das bitte, Ruven. Setz dich doch. Es ist nicht nötig, mich so förmlich anzusprechen."
      Okay.. wenn sie das sagte.. Etwas verdutzt nahm ich neben ihr Platz und wusste gar nicht, was ich sagen sollte.
      Sie schwieg ebenfalls und erhob erst ihre Stimme, als ich sie ansah und den Mund öffnen wollte.
      "Schön dich zu sehen.." Ihr Lächeln war wunderschön, aber das konnte ich nur objektiv behaupten, denn es löste rein gar nichts in mir aus.
      "Was.. machst du hier?" Am meisten verwirrte mich ihre Kleidung.
      Sie wollte etwas sagen, hielt jedoch inne, sah mich nur an und wandte dann verlegen ihren Blick ab.
      "Ach weißt du.." Nun sah sie mich wieder an. Sie war ja nicht so schüchtern wie ich, weshalb mir ihr Blick ein wenig unangenehm war. "Ich hab' gehört, dass du wieder in Praha bist. Da hab ich dich doch glatt verpasst. Ich war kürzlich erst in der Bäckerei. Schade." Sie lächelte noch immer und so wie sie mir in die Augen sah, wären die meisten Männer wohl dahingeschmolzen. Ich behielt meinen verwirrten Blick bei.
      Nun biss sie sich auch noch leicht auf die Unterlippe und diese Stille fühlte sich für mich fast unerträglich an. Versuchte sie etwa mich zu verführen?! Wieso? Ich war doch jünger als sie. Das.. war eigenartig.. Natürlich war sie hübsch und nett, aber..
      Gerade als ich den Mut aufgebracht hatte - vielleicht irrte ich mich ja, was äußerst peinlich wäre - mich zu entschuldigen - immerhin zog das bei mir nicht - sah es ganz so aus, als wolle sie etwas sagen, weshalb ich schwieg.
      "Was machst du denn hier? Seht ihr euch die Stadt an? Hat euer Ausbilder auch von den faszinierenden Geschichten der anderen Völker erzählt? Sie machen Praha schließlich zu dem, was es heute ist." Ja, das stimmte.
      "Ja. Alle Rekruten durften an diesem Ausflug teilnehmen."
      "Ah. Nun, als Ritter sollte man ja auch was im Kopf haben, nicht?" Sie kicherte leise, was schon ziemlich niedlich war, aber ich konnte dem wirklich nichts abgewinnen.
      "Manchmal wird mir dieses Leben als Adlige ein wenig zu viel.. Man erwartet immer Perfektion von uns. Wir müssen doch den guten Ruf der Familie wahren. Deshalb.. verkleide ich mich manchmal und seh mir gern die anderen Menschen an. Es ist faszinierend, dass manche von ihnen so.. unbeschwert sind.." Sie wandte ihren Blick ab und sah zu einem Baum hinter mir. "Da."
      Ich drehte meinen Kopf und entdeckte das junge Paar unter dem Baum. Sie schienen sehr glücklich zu sein und sahen einander verliebt an. Das war ein schöner Anblick, wenn sich zwei Menschen so liebten.
      "Ich beneide sie... Sie dürfen sich frei entscheiden, wen sie heiraten wollen. Für mich entscheidet mein Vater.." Sie seufzte leise. Als Frau, besonders als Adlige, hatte man es wohl nicht leicht.. Ich sah es ja an meiner kleinen Schwester. Meiner Mutter war es sehr wichtig, dass sie einen Mann finden würde.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Ich war überrascht, als Levi plötzlich die Halle betrat; so sehr, dass ich den Fokus verlor und das Schwert, dem ich eigentlich ausweichen wollte, gegen die Brust bekamen. Instinktiv stellte ich mich hin und wollte gerade zum salutieren ansetzen, als mir klar wurde, dass Levi nicht wegen uns sondern Basim und dem General hier war.

      Als die drei verschwunden waren, widmete ich mich wieder dem harten Training mit Lorae.

      ---

      Fynn saß auf einer Bank und behielt die ihm zugewiesene Gruppe im Auge, als sich eine ältere Frau mit einem älteren Kind, vielleicht einem jungen Teenager auf neben Fynn setzte.
      Er machte Platz, dann fing der Teenager an, mit einem seltsamen Stift auf einem Bündel Papier zu zeichnen.
      Fynn beobachtete das eine Weile und wandte sich schließlich dem Jungen zu.
      "Das sieht interessant aus. Was ist das?", fragte Fynn schließlich nach und deutete auf das Bund Papier, das er auf seinem Schoß liegen hatte.
      "Nur ein paar Entwürfe für einen Manga."

      "Was ist das, ein Manga?"
      "Eine Geschichte erzählt in Bildern."
      "Sowas hab ich noch nie gesehen. Faszinierend."
      "Wundert mich nicht. Sowas gibt es hier nicht. Nur dort, wo ich herkomme und das auch noch nicht lange. Wenn ich mal groß bin, will ich damit Geld verdienen."
      "Wo kommst du her?"
      "Aus Yamato."
      "Wie heißt du?"
      "Takaya. Takaya Kagami."
      "Was ist das für ein Stift? So einen hab ich noch nie gesehen."
      "Ein Stift aus Holz. In der Mitte ist schwarzes Bleiweiß eingearbeitet. Schreibt man damit auf Papier, hinterlässt es eine Spur."
      "Cool. Wir schreiben noch mit Feder und Tinte."
      "Ihr seid echt altmodisch. Voll peinlich."
      Dann sprach die ältere Frau etwas in einer fremden Sprache zu dem Jungen und schlug ihn sachte auf den Hinterkopf.
      Fynn blickte auf die Skizzen des Jungen.

      "Ist das ein Vampir?"
      "Ja."
      "Hat er auch einen Namen?"
      "Mikaela."
      "Und wen küsst er da?"
      "Seinen Freund. Für den hab ich aber noch keinen Namen."
      Dann unterhielten sie sich noch eine Weile, die ältere Frau hielt sich dabei zurück und lächelte lediglich höflich, sie schien nicht viel zu verstehen, von dem was Fynn und Takaya besprachen.
      Am Ende schenkte Takaya Fynn eine signierte Zeichnung des Charakters Mikaela.

      "Damit du irgendwann sagen kannst, du bist dem großen Takaya Kagami in jungen Jahren begegnet."
      "Der große Takaya. Du bist ja ganz schön selbstbewusst."
      Der Junge lächelte sanft, dann sprach seine Begleitung in der fremden Sprache. Schließlich gingen die beiden und ließen Fynn alleine zurück, der auf seine Zeichnung schaute und sich freute.
      Das war irgendwie.. inspirierend.

      ___

      "Diese Banditen sind keine Wilden, die Dörfer aus Lust und Laune heraus angreifen. Das waren und sind ausgebildete Kämpfer, die von einer uns unbekannten Partei ausgerüstet und organisiert werden."
      "Wer sollte so etwas wollen und warum?"
      "Basim? Erinnerst du dich noch an die Katapulte? Die waren mit Bomben geladen, die beim Aufprall eine seltsame Flüssigkeit verspritzt haben."
      "Ja. Und als es anfing zu regnen, entzündete sie sich."
      "Genau. Es handelt sich dabei um flüssiges Feuer. Eine Mischung aus unter Erdöl, Baumharz, Schwefel, gebrannten Kalk und Salpeter. Würde ich all diese Materialien haben wollen, dann würde ich sie dort kaufen, wo alle benötigten Ressourcen vorkommen. Und dafür kommt im Umkreis nur ein Ort infrage und das ist..."
      "...Trunemo", warf Nero ein, Levi nickte.
      "Aber das macht überhaupt keinen Sinn, ich kenne den Herrscher von Ointria schon so lange, er würde uns niemals etwas böses wollen", versicherte Nero vehement.
      "Woher kennst du ihn?"
      "Ich wurde dort geboren, bin dort aufgewachsen. Ich habe nach meinem Studium in jungen Jahren als Assassine an seinem Hof gearbeitet, er gab mit ein Dach über dem Kopf mir nach dem Tod meiner Eltern Halt. Er würde niemals, niemals so etwas machen. Dafür bürge ich."
      "Boheme und Ointria sind seit vielen Jahrzehnten Handelspartner und haben schon so einige Schlachten gemeinsam geschlagen", erwiderte der General.
      "Moment mal. Das heißt nicht, dass der Herrscher selbst das in Auftrag gegeben hat", schritt Levi schließlich ein.
      "Als ich in Trunemo war und über Umwege auf die Auftragsbücher der großen Händler stieß, fiel mir ein Buch in die Hände. Ein anonymer Käufer hier aus Boheme kaufte raue Mengen der entsprechenden Zutaten und ließ sie nach Plzên liefern."

      "Das ist ungefähr eine halbe Tagesreise von hier entfernt. Warst du dort?"
      "Ja. Nur hat sich die Spur dort verloren. Niemand wusste etwas davon oder will etwas gewusst haben, abgesehen von einem Alchemisten, der mir von dem Feuer erzählt hat, jedoch auch nicht mehr wusste. Aber meine Leute sind bereits auf der Suche."
      "Wer war der Käufer?"
      "Er nannte sich selbst Iwan Dremirnipi. Aber er war wohl nicht selbst vor Ort, sondern hat einen Boten mit klaren Anweisungen geschickt."
      Levi warf einen Blick in die Aufzeichnungen und deutete mit einem Finger auf eine Randnotiz.
      "Nur fehlt der Name des Boten."
      "Klingt wie einer deiner Landsleute", sprach Basim zum General.
      "Da ist was dran. Aber so weit im Westen? Unwahrscheinlich. Wir haben selbst Orte, wo man diese Sachen herbekommt, da wäre es Schwachsinn, andere Quellen zu beziehen."
      "Es sei denn, man möchte Verwirrung und Unruhe in den eigenen Reihen stiften."

      "Da fällt mir ein, dass ich dich um etwas gebeten habe, Levi. Hast du sie mit?"
      "Hängen unten bei den Pferden. Gut verschnürt und einigermaßen unversehrt. Ich frage mich nur, was ihr damit wollt. Die sollten von der Justiz verhört werden."
      "Wir werden die beiden erstmal oben in den Glockenturm hängen."
      "Und dann?"
      "Werden wir sie am Abend vor der Schlacht vor der Akademie an Kreuzen befestigen und vor das Tor stellen. Wer hier reinwill, muss erst an den dreien vorbei. Vielleicht verhandeln sie ja, wenn dem Feind etwas an den dreien liegt."
      Levi schüttelte den Kopf: "Schwachsinn! So eine Scheiße habe ich lange nicht mehr gehört!"
      "Eigentlich hatten wir gedacht, du verhörst die drei", korrigierte der General Basim.

      Levi schüttelte erneut den Kopf:
      "Nein! Wir lassen sie einfach im Turm hängen, bis der Angriff vorbei ist und konzentrieren uns auf unsere eigentliche Aufgabe. Gebt ihnen Wasser, damit sie uns nicht verrecken. Hinterher können wir sie immernoch befragen."

      Plötzlich trat Flavius ein: "Ah, hier seid ihr."
      "Wer ist das?", hauchte Levi, "noch einer von deinen Leuten?"
      "Ja, alles gut. Komm rein, Flavius."
      "Du siehst ziemlich jung aus."
      "Das sagen viele. Dabei bin ich schon mit meiner Ausbildung fertig und vollwertiges Mitglied."
      "Wie auch immer."

      "Hast du etwas herausgefunden?"
      "Nein. Keine Söldnerlager weit und breit, nur die Kasernern der Berufsritter. Der Militärpolizist von neulich wird mich wohl beschissen haben, als er meinte, im Norden gäbe es ein Söldnerlager, in dem ein Verwandter von ihm arbeitet."
      "In vino veritas am Arsch, hm?", flachste Basim; Flavius schmollte und nahm seine Kapuze ab.

      "Alkohol und Sex sind wohl doch nicht immer das Mittel der Wahl."
      Der junge Braunhaarige mit den blassgrünen Augen setzte sich.
      "Wie auch immer. Wo ist eigentlich Baldr?"
      "Trainieren."
      "Und was macht ihr so?"
      "Levi auf den neuesten Stand bringen und als Nächstes das weitere Vorgehen besprechen"
      "Fein, weiht mich auch ein."

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    • Lorae / Leon

      Dieses Mal stand ich zufällig neben Jean, als wir unsere Teams bilden sollten. Also betrachtete ich ihn kurz und überlegte, was seine Stärken und seine Schwächen waren. Ich hatte den anderen hin und wieder zugesehen, als wir noch unter normalen Umständen trainiert hatten. Diese Übungskämpfe waren jedoch etwas vollkommen anderes. Etwas ernsteres. Gestern hat er sich auch weniger ungeschickt angestellt, als die anderen beiden. Er war nicht so breit und träge wie Marius, aber auch nicht so flink und wendig, wie ich.
      "Welche Waffe beherrscht du am besten?", fragte ich und sah mir genau an, wie er mit seinem Schwert und dem Schild vor mir stand. Er zögerte, weil er sich wohl fragte, was ich von ihm hören wollte.
      "Das Schwert.." Herrje.. Wenn jeder glaubte, mit einem Schwert kämpfen zu müssen, würde diese Armee noch zu Grunde gehen. Zumindest wirkte er auf mich, als hätte er sich nur halbherzig mit diesem Thema befasst. Dieser Kerl gestern Abend hatte interessante Waffen, aber wenn Jean und die anderen sich nicht wirklich mit anderen Waffen befasst hatten, dann bräuchten sie es jetzt auch nicht mehr lernen.
      "Hm..", erwiderte ich lediglich und sah zu unseren Gegnern. "Du übernimmst Baldr..", murmelte ich und blickte zu Marius neben ihm. Ich wollte nur ungern gegen Baldr kämpfen, aber meine Hoffnung, dass Jean ihn für mich besiegen würde, war eher gering. Wenn es sich also nicht vermeiden ließ, würde ich keine Gnade mit ihm haben.. Da er das sicher wusste, hoffte ich, dass er sich auch nicht zurückhalten würde.
      Gegen Marius hatte ich schon hunderte Male gekämpft und ging auch meistens als Sieger hervor. Dennoch war er besser geworden, da er seit einiger Zeit sehr viel motivierter wirkte. Schließlich müsste er diesen Kampf überleben, wenn er seine gemeinsamen Ziele mit Lisbeth erreichen wollte. Er war mir in den letzten Tagen wesentlich sympathischer geworden, sodass ich mir wirklich wünschte, dass er es schaffen würde.

      _____

      Ruven Avenor

      "Du hast doch einen Bruder.. Kannst du nicht einfach.." So einfach, wie ich mir das vorstellte, wäre es wohl nicht, weshalb ich nur eine Sekunde zögerte es auszusprechen, aber Isabelle ahnte bereits was ich sagen wollte und beendete meinen Satz. "Weglaufen? Du bist süß", kicherte sie und schnipste mir gegen die Stirn. Ich dachte nur, wenn es nicht ihr Ehemann sein würde, der das Geschäft ihres Vaters fortführen würde, wäre es nicht so wichtig, wen sie heiratete... Aber da könnte ich mich auch irren.
      "Dafür liebe ich meinen Vater viel zu sehr.." Das konnte ich natürlich verstehen, was die Sache schwerer machte.
      "Bist du schon versprochen?"
      "Noch nicht... Aber es dauert nicht mehr lang.." Adlige überlegten sich wohl sehr gut, wen sie mit ihren Kindern vermählten. Sie tat mir schon irgendwie leid..
      "Gibt es denn.. jemanden.." Ich bemerkte zu spät, dass ich ihr eine viel zu persönliche Frage hatte stellen wollen. So gut kannte ich sie schließlich nicht, als das ich mir das erlauben könnte.
      "Bist du etwa neugierig?", fragte sie schmunzelnd und wirkte gar nicht böse über diese Frage. Unser Gespräch war unerwartet locker und ich hatte auch nicht mehr den Eindruck, als wolle sie mir hübsche Augen machen. Gut, dass ich meinen Mund gehalten hatte, das wäre sonst wirklich peinlich geworden, wenn ich solche falschen Schlüsse zog.
      "Ähm.. nein.. ich.."
      "Es ändert ja sowieso nichts.."
      Schweigend sah ich sie an, wobei sie wohl bemerkte, dass ich Mitleid mit ihr hatte. Das war ihr sicher unangenehm, weshalb ich mich verlegen an der Wange kratzte.
      "Wie.. geht es denn Theo? Ist er auch in der Stadt?" Sie sah auf einmal etwas weniger betrübt aus und irgendwie.. hoffnungsvoll. Sie war doch nicht etwa..
      "N-nein.. Ich habe ihn vorgestern das letzte Mal gesehen.. Bestimmt trainiert er mit den baldigen Absolventen.."
      "Oh.. schade..", murmelte sie leise und senkte ihren Blick, wobei sie auf ihre Hände sah, die nervös miteinander spielten. Ihre Verlegenheit bedeutete, dass ich Recht hatte! "Du liebst Theo..", platzte es leise aus mir heraus, weshalb ich mir schnell den Mund zuhielt und am liebsten im Erdboden versunken wäre. Wie taktlos von mir!
      Ertappt weitete sie ihre Augen, ehe sich ihre Wangen in ein zartes Rosa färbten. "Nein! So ist das nicht!", versuchte sie abzustreiten, aber für mich sah das ziemlich eindeutig. "Tut mir leid.. das war unhöflich von mir..", entschuldigte ich mich beschämt.
      Sie schwieg einen Moment und seufzte anschließend leise. "Schon gut.. du.." Mit einem betrübten Lächeln schüttelte sie ihren Kopf und versteckte sich dann hinter einem falschen Lächeln. "Es spielt keine Rolle."
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • "Ein Kampf gegen dich, Jean? Gut. Packen wir es an."
      Ich zeigte mich ungewohnt selbstsicher,. jedoch überließ ich ihm den ersten Angriff. Mit einem Satz nach hinten wich ich aus, den nächsten Angriff parierte ich, meinen nächsten Angriff wich Jean jedoch aus.
      So ging es minutenlang weiter, bis ich ihm endlich einen entscheidenden Schlag versetzte; sein Schwert glitt ihm beim Parieren aus der Hand, ich rammte ihm die Klinge meines Holzschwertes keuchend an die Brust.
      Als er zu Boden sank, musste ich mich setzen und wischte mir den Schweiß von der Stirn.
      Intensive Scherzduelle waren ziemlich anstrengend.

      ___

      Fynn hatte spontan den Entschluss gefasst, am Abend mit seiner Gruppe in das Theater zu gehen, dass von den Einwanderern aus Yamato in Eigenregie gebaut wurde und von ihnen betrieben wird. Jedoch wusste er nicht, ob die anderen das überhaupt wollen.
      Er trommelte daher die Mitglieder seiner Gruppe zusammen und unterbreitete ihnen den Vorschlag.
      "Es ist mir wichtig, dass ihr auch mit anderen Kulturen in Berührung kommt und nicht nur in eurem eigenen kleinen Kosmos lebt. Also. Was haltet ihr von meiner Idee? Wollt ihr ins Theater oder in der Herberge Faulenzen?"

      ___

      Die Gespräche mit Levi, Basim und dem anderen waren bereits weit fortgeschritten, jedoch blieb sie nicht ohne heftige Diskussionen, da jede Partei etwas andere Pläne hatte. Am Ende konnte man sich jedoch auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.
      "Gut. Zusammengefasst sollen wir die Rekruten bis zum Umfallen mit Übungen triezen. Unsere Gefangenen bleiben bis nach der Schlacht oben im Turm. Währenddessen holt Basim Augustus und Julius dazu. Die Ritter des Generals, die Dimitri inzwischen verständigt haben sollte, werden zwei Tage vor dem Angriff hier aufschlagen und die Verteidigung unter der Leitung vom General und Dimitri aufbauen. Levi, seine Leute und wir Assassinen bilden die Vorhut und versuchen, es den anrückenden Truppen durch einen Hinterhalt möglichst schwer zu machen und so viele der Kriegsmaschinen wie möglich zu eliminieren, damit die Verteidigung hier es leichter haben wird", fasste Flavius den Plan zusammen.
      "Genau", sprach Levi.
      "Wir werden es wahrscheinlich nicht überleben. Bist du dir dem bewusst, Flavius?"
      "Ja", er dachte nach.
      "Wird Bal..wird der Novize auch dabei sein?"
      Basim horchte auf: "Nein. Deinen Einsatz in der Militärpolizei werde ich dir jedoch entziehen müssen. Wie Levi sagte, brauchen wir hier jeden, den wir kriegen können."
      "Gut. Ich verstehe nur zwei Sachen nicht. Warum wollen diese Leute die Akademie angreifen und woher wissen wir den genauen Zeitpunkt?"
      "Das warum ist uns noch nicht klar, wir vermuten politische Interessen dahinter. Das wann schließen wir aus der Aussage, dass diese drei laut Augustus noch auf eine Lieferung warten, die erst in ein paar Tagen hier eintreffen wird."
      "Warum fangen wir die Lieferung nicht einfach ab?'
      "Wir wissen nicht, woher sie kommt. Wir können nicht gleichzeitig das halbe Land überwachen.
      Außerdem riskieren wir, dass der Gegner sofort angreift, sollte er bemerken, dass wir ihn sabotieren. Nein, wir brauchen Zeit. Die Rekruten brauchen Zeit. Die können aktuell kaum ein Schwert richtig halten."

      "Ich halte es sowieso für eine kühne Idee, Anfänger mit einer so großen Bürde zu konfrontieren."
      "Vielleicht überleben ja einige. Ursprünglich war ich nur wegen neuen Rekruten hier und ich werde erst gehen, wenn ich welche bekomme."

      Den restlichen Tag gingen sie getrennte Wege und machten sich an ihre Aufgaben.
      Basim schrieb Augustus und Julius eine Brieftaube, unverzüglich mit Waffen und Ausrüstung zur Akademie zu kommen, dann machte er sich mit Levi und seinen beiden Kameraden auf den Weg zur Hauptstadt, um eine gute Position für einen Hinterhalt zu finden.
      Der General wartete unterdessen auf Dimitri, der am frühen Abend - es dämmerte bereits und frischte merklich auf - die Akademie erreichte und von seiner kleinen Schwester empfangen wurde.
      Anschließend ließ er sich von seinem Vater auf den neuesten Stand bringen und bekam einige Instruktionen.

      Schließlich trat er in die Trainingshalle, wo wir die ganze Zeit - abgesehen von einer kurzen Mittagspause - den ganzen Tag unentwegt trainierten und gegeneinander gekämpft hatten.
      Entsprechend stank die Halle nach Schweiß, es roch wie nasser Puma. Dimitri widerte der Geruch ein wenig an, er rümpfte die Nase.
      "Feierabend!", rief Dimitri in die Runde.
      "Der General hat angeordnet, dass ihr euch duscht und für das Abendessen in der Speisekammer versammelt."
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    • Ruven Avenor

      Ich wusste nicht wirklich, wie ich darauf reagieren sollte, also verlief das Gespräch meinerseits etwas unangenehm. Wusste Theo davon? Wenn ja, dann hatte er mir nichts davon gesagt. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, würde jedoch auch nichts bringen. Als Fynn unsere Gruppe zusammen rief, verabschiedete ich mich von ihr und lief zu meinen Kameraden.
      Faulenzen käme für mich ohnehin nicht in Frage, doch den Vorschlag mit dem Theater fand ich sehr interessant. Obwohl ich in Praha aufgewachsen bin, habe ich mich nie so wirklich mit den anderen Kulturen beschäftigt. Es war kein Desinteresse, was mich davon abhielt, sondern mein strukturierter Alltag, der dies weder vor und schon gar nicht während der Ausbildung zum Ritter zuließ.
      "Ich halte das für eine sehr gute Idee", trug ich ohne zu zögern bei und sah dann zu den anderen. Die, die hier keine Familien hatten, hatten wohl eh keine wirklichen Pläne und so war der Großteil der Gruppe ziemlich schnell dafür. Mein Wissen über die Stadt war zwar recht groß, aber mein Viertel hatte ich nur selten verlassen.

      ____

      Lorae / Leon

      Der General hatte wirklich keine leeren Versprechungen gemacht, als er sagte, es würde hart und gnadenlos werden. Das einzige, worüber ich mich dabei beschweren würde wäre, dass wir nicht schon früher so ein intensives Training bekamen. Ich hätte mir das doch sehr gewünscht. Wenn ich diesen Gedanken jedoch laut aussprechen würde, würde Marius mich bestimmt wieder für verrückt erklären. Ich war weder verrückt, noch besessen. Ich hatte lediglich ein Ziel, große Motivation und eine gewaltige Menge Ehrgeiz. Das wir jetzt so wenig Zeit hatten, war allerdings ziemlich nervenaufreibend.

      Mein Magen hing mir schon in den Kniekehlen, als Dimitri in die Trainingshalle kam und das Training für heute als beendet erklärte. Die Luft war schon etwas muffig hier drin, aber wie sehr, dass merkte ich erst, als ich nach draußen trat. Die frische Luft tat wirklich gut und so nahm ich einen tiefen Atemzug, ehe Marius seine Hand auf meinen Kopf legte und mich mit hochgezogener Augenbraue ansah. Wollte er mir damit irgendetwas sagen? "So wie ich dich kenne, trainierst du nach dem Essen sicher, oder?"
      "Klar. Willst du dich etwa wieder anschließen?"
      Er brummte zustimmend und ging voraus, während ich den anderen hinterher sah und Baldr's Nähe suchte. "Das war dann Tag 2 von 6.. Ich bin ein wenig nervös..." Ein wenig war wohl etwas untertrieben. Ich war ja nicht lebensmüde und mir war klar, dass ich nicht mit den erfahrenen Rittern mithalten konnte, aber ich war mir sicher, dass ich nicht ganz ohne Nutzen für unsere Armee sein würde. Ob ich es überleben würde? Vielleicht nicht. Aber dafür gab es nie eine Garantie. Für niemanden. Sogar der General könnte dabei sterben, doch das würde ihn nicht davon abhalten zu kämpfen.

      Das nächste Problem war die angeordnete Dusche. Schon wieder. Nichts gegen eine Dusche, die hatten wir nötig, aber wenn wir alle gleichzeitig gingen, wäre das mein Ende. Da alle also sehr ausgehungert waren, würden sie sich damit sicher beeilen. Wenn ich nur genug trödelte, hätte ich den Waschraum anschließend für mich allein. Nach dem Abendessen hatten wir immerhin frei, also wäre das wohl kaum weiter tragisch, wenn ich etwas später als die anderen dort ankommen würde.
      Also ging ich zuerst auf mein Zimmer, schon allein deswegen, um mir frische Kleidung zu holen. Dann verstaute ich ordentlich meine Schwerter, welche ich noch einen Moment betrachtete. Sie lagen wirklich gut in meinen Händen und würden mir im Kampf gute Dienste leisten. Um noch etwas die Zeit totzuschlagen, öffnete ich das Fenster und streckte meinen Kopf heraus, um nach unten zu sehen. Hier war Baldr raus und wieder reingeklettert? Mein Blick ging zur Seite und schließlich nach oben. Es gab nicht viel, an dem man sich festhalten könnte.. Das letzte Mal, als ich wirklich geklettert war, bevor wir an die Akademie kamen. Als Kind bin ich öfter an Bäumen hochgeklettert, was unsere Heimleiterin gar nicht gern sah.
      Ich musste zugeben, dass mich das sehr beeindruckte und mich vor allem mit Stolz erfüllte, dass Baldr offenbar die Fähigkeiten besaß, die man für diese Organisation bräuchte. Vielleicht war ich auch ein klein wenig neidisch, aber ein großes Geheimnis zu verbergen reichte mir vollkommen. Dennoch würde ich ja zu gerne mal sehen, wie Baldr das anstellte. Dafür müsste er außerordentlich geschickt sein, was mich davon überzeugte, dass er sich bei meinem späteren Training sicher besser als die anderen anstellen würde. Wer solche Wände hochklettern konnte, würde doch mit Sicherheit eine hervorragende Balance haben.

      Sinnlos herumzustehen mochte ich ja wirklich nicht, aber ich hatte keine Wahl, wenn ich nicht mit den anderen duschen wollte. Also ging ich im Zimmer umher, legte Baldr's Wäsche zu meiner, um diese später mit unseren heute vollgeschwitzten Sachen zu waschen und betrachtete den Kalender in unserem Zimmer. Den Göttern sei Dank, hatte ich erst vor kurzem meine Blutung und würde mich damit nicht auch noch während der Schlacht herumschlagen müssen. Das wäre wirklich alles andere als hilfreich. Es hätte mich zwar nicht ganz eingeschränkt, aber eine Sorge weniger kam mir sehr gelegen. Alles wäre einfacher, wenn ich als Junge geboren wäre..
      Nichts tun, verführte mich immer zum Denken, weshalb ich mich fragte, warum die Akademie angegriffen werden würde. Warum und wer plante diesen Angriff? Auch wenn ich entschlossen war zu kämpfen, empfand ich Kriege und Überfälle als höchst grausam und würde mir wünschen, dass es auch ohne ging. Aber das ging vermutlich jedem Ritter so.
      Es waren schon 10 Minuten vergangen, seitdem ich das Zimmer betreten hatte. Bevor Baldr mit den anderen in den Waschraum ging, hatte ich ihn gebeten, dass er ihn als letzter verlassen würde, um dann seine Kleidung in den Korb zu werfen und ohne mich in die Speisekammer ging, sodass ich sicher gehen konnte, dass der Waschraum leer war und ich ihn nutzen konnte. Der Waschraum war sozusagen mein größter Feind, den ich seit fast 6 Jahren immer lange vor Sonnenaufgang aufgesucht hatte, um das Risiko zu verringern, darin erwischt zu werden. Meistens hatte ich mich auch im Zimmer frisch gemacht, wenn es ausreichend war.
      6 Jahre lang ist es mir gelungen, da durfte es in den nächsten Tagen nicht daran scheitern..
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Ich war sichtlich erleichtert, dass wir endlich aufhören konnten, den ganzen Tag unter dem strengen Blick der sich Notizen machenden Ausbilder Duelle austragen zu müssen. Wieder und wieder und wieder. Ausweichen, Parieren, Kontern, Rolle vorwärts, Rolle seitwärts, Gegenangriff. Wieder und wieder.
      "Endlich Pause", keuchte ich, als ich mit Lorae nach draußen trat und hinüber zum Wohnheim trat.

      "Du bist nicht alleine mit deiner Nervosität, wir alle sind angespannt."
      Ich begleitete Lorae bis ins Zimmer, um frische Kleidung zu holen, dann verschwand ich im Waschraum.

      Dimitri unterdessen hinderte Falco daran, die Halle zu verlassen.
      Stattdessen schloss er die Tür, nachdem alle, inklusive der Ausbilder, diese verlassen hatten und die beiden alleine zurück ließen.

      "Was soll das?"
      "Ich hab neulich gehört, dass du ein Held werden willst. Schnapp dir ein Schwert, dann mach ich dich zu einem."
      "Können wir das nicht später machen?"
      "Du hast Hunger, das verstehe ich. Gut. Dann geh duschen und essen. Triff mich später hier. Alleine."
      Falco nickte, dann durfte er gehen. Sichtlich verwundert über Dimitris Angebot schloss er zu den anderen auf und erreichte nur Augenblicke nach den anderen den Waschraum, wo die anderen bereits dabei waren, ihre verschwitzten Körper vom Dreck und Schweiß des Tages zu reinigen.
      Einige, zum Beispiel ich, behielten ihre Unterwäsche an, andere, so wie Yoichi waren dabei nackt und trieben Falco eine dezente Schamesröte ins Gesicht.

      Ich wartete und vertrieb mir die Zeit mit waschen, bis alle verschwunden waren.
      Dann zog ich mich an und lief zurück ins Zimmer, um meine schmutzige Kleidung in den Korb zu werfen.
      "Die Luft ist rein", sprach ich zu Lorae und nickte ihr zu.
      Dann ging ich alleine in die Speisekammer, heute sollte es Schnitzel geben, dazu Kartoffeln, Mischgemüse und braune Sauce.
      ___

      Fynn war über die große Zustimmung erfreut.
      Den restlichen Tag verbrachten sie im Park. Da die Akademie großzügige finanzielle Mittel bereitgestellt hatte, kehrte er mit seiner Gruppe am Abend in ein Gasthaus ein.
      Anschließend suchten sie das Yamato-Theater auf.
      Zielstrebig schritt Fynn auf die ältere Frau im Eingangsbereich zu, die an einer kleinen Rezeption saß. Hinter ihr hing eine handgeschriebene Tafel mit dem heutigen Programm: "Tausend Kirschbäume - Yoshitsune."

      "Guten Abend. Haben Sie noch Plätze für 21 Leute?"
      "Natürlich. Wir sind nur selten ausverkauft. Dabei ist unser aktuelles Stück bei uns so beliebt. Aber hier scheint sich die Popularität unseres berühmten Feldherren noch nicht herumgesprochen zu haben."
      Fynn lächelte betreten. Er wusste nicht so recht, wie er darauf antworten sollte.
      Stattdessen bezahlte die Tickets und verteilte sie an die Gruppe, dann verbeugte er sich leicht vor der älteren Frau und lief einen Gang entlang.
      Dort angekommen, wurden sie von einer jungen Frau in einem seltsamen, äußerst farbenfrohen Gewand - welches durch eine Art Gürtel, der breit und nicht minder farbenfroh war, zusammen gehalten wurde - begrüßt und gebeten, die Straßenschuhe auszuziehen und und in das Regal zu stellen, auf das sie deutete.
      Dann trat die Gruppe ein.
      Der Boden bestand gänzlich aus seltsamen… versetzt zueinander angeordneten Matten, deren längliche Seiten mit einem dunklen Streifen verzierte wurden.
      Auf dem Boden waren überall in regelmäßigen Abständen Sitzkissen verteilt. Es waren in der Tat nicht viele andere Gäste da und die meisten von ihnen schienen aus Yamato zu stammen und trugen ebenfalls diese seltsamen Gewänder, wenn auch in weniger farbenfroh.
      "Hat Yoichi nicht so einen?", tuschelte einer aus der Gruppe und zeigte auf eine Person mit einem schwarzen-violetten Gewand und goldenen Stickereien, dass durch einen violetten Gürtel mit Gold-Verzierungen gehalten wurde.
      Der riesige Vorhang, der den Blick auf die Bühne versperrte, war in schlichten weiß gehalten und zeigte lediglich einige blühende Kirschbäume und im wind wehende Kirschblüten.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae / Leon

      Diese Warterei machte mich ganz verrückt. Ich verschränkte meine Arme vor der Brust, zog Kreise im Zimmer und versuchte einfach nicht nachzudenken. Es passiert, was passiert, redete ich mir ein. Mit Baldr's Hilfe tat ich schließlich alles, was mir möglich war.
      Als er endlich hineinkam, sah ich ihn mit großen Augen an und nickte.
      "Danke..", murmelte ich leise und nahm anschließend meine Sachen, um mich auf den Weg in den Waschraum zu machen. Ich schuldete ihm alles und noch mehr. Wenn wir diese Prüfung bestehen, dann.. sollte ich mir den Kopf darüber zerbrechen, wie ich das wieder gut machen könnte. Ja, er.. hatte doch auch bald Geburtstag.. Der Gedanke mochte vielleicht belanglos sein, doch er heiterte mich auf. An die Zukunft zu denken - Zuversicht zeigen - war alles, was ich im Moment tun konnte.
      Im Waschraum angekommen, sah ich mich kurz um und seufzte leise. Würde es leichter werden, sobald ich zum Ritter geschlagen wurde? Ich wäre zwar nicht mehr von so vielen Rekruten umgeben sein, aber war das genug? Wenn wir überleben, dann.. hätten wir alle eine weitaus härtere Prüfung absolviert, als die Ritter vor uns.
      Das Handtuch in unmittelbarer Nähe hängend, zog ich mich aus und wuscht zuerst mein Gesicht. Ich musste an Dimitri's Worte denken, die er über Meredith und seine Mutter verloren hatte. Wenn sie bereit wären, ihr Talent beim Schmieden anzuerkennen, würden sie vielleicht auch mich anerkennen. Was bedeutete es, dass seine Mutter.. wie eine Bestie kämpfen konnte? Zu gern würde ich mehr darüber erfahren..
      Nachdenklich betrachtete ich die Narbe auf meiner Hand, ehe ich diese zu einer Faust ballte und entschlossen lächelte. Wenn ich diese Schlacht überstehe, werde ich dem General gegenüber treten und.. ihm alles gestehen. Dann könnte er mich doch unmöglich rauswerfen. Daran musste ich einfach glauben!

      _____

      Ruven Avenor

      Das Theater machte einen wirklich interessanten Eindruck. Neugierig lauschte ich der älteren Dame und bekam irgendwie ein schlechtes Gewissen dabei, dass die Bürger von Praha sich noch nicht so mit ihrer Kultur beschäftigt hatten. Mich eingeschlossen. Vor meiner Ausbildung wusste ich nicht viel über die anderen Länder und auch jetzt, war mir noch so vieles unbekannt. Zum Beispiel, dass wir unsere Schuhe ausziehen sollten, aber ich kam der Bitte nach und war wirklich erstaunt, als wir den Raum mit den Sitzkissen betraten. Interessant.. Fasziniert betrachtete ich die hübschen Gewänder der Gäste und ihre Art zu sitzen. Ob das bequem war?
      Wir suchten uns unsere Plätze und ich ließ mich langsam auf meinen Knien nieder, um mich dann wir die anderen auf meine Waden zu setzen. Der erste Anlauf fühlte sich seltsam an, weshalb ich noch einmal zu einem ihrer Landsleute sah und meine Beine näher zusammenzog, um mich erneut hinzusetzen. Es fühlte sich noch immer merkwürdig an, aber mein Blick richtete sich voller Erwartung nach vorne.

      _____

      Isabelle war in der Zwischenzeit wieder zuhause angekommen und betrat das Büro ihres Vaters. Der ältere Mann sah sich gerade ein paar Dokumente an, die ihrem Aussehen nach zu seinen eigentlichen Aufgaben hier in Praha gehörten. Er war zwar allein im Raum, doch die junge Frau schritt schweigend durch den Raum, während sein Blick ihr ebenso schweigend folgte. Es war kein besonders großes Büro und hatte lediglich ein Fenster, dass Licht hineinließ. Der Schreibtisch stand mitten im Raum und zur Tür gerichtet, rechts und links davon standen Regale mit zahlreichen Büchern, wobei die meisten keine große Bedeutung hatten.
      Als sie beim Fenster ankam, schloss sie dieses und blickte kurz nach draußen, ehe sie sich umdrehte und sich neben ihren Vater stellte. "Der Schwachkopf hatte nicht ganz unrecht mit seiner Vermutung.." Damit meinte sie den Kerl, der sich am Vormittag vor ihr niedergekniet hatte. Die Tatsache, dass sich die Rekruten in der Stadt befanden, war ungewöhnlich und spontan, das konnte sie von Ruven erfahren. Sie hatten auch erst gestern morgen davon erfahren.
      "Ruven hat Theo vorgestern das letzte Mal gesehen.. Er wurde womöglich entlarvt..", meinte sie und betrachtete die Schriften vor ihm. Nichts wichtiges war dabei, nur seine gewöhnlichen Geschäfte, weshalb sie ihren Blick auch wieder abwendete. "Also hat er geplaudert, meinst du?"
      "Nein. Theo mag ein Narr sein, aber das würde er nicht wagen."
      "Ich vertraue auf deine Einschätzung."
      Theo würde das Risiko nicht eingehen, wenn er sie verraten würde.
      "Was ist mit diesem Edward?"
      Isabelle schüttelte nur den Kopf. Auch Edward's Verrat schloss sie aus. Sein kleiner Freund stellte ebenfalls keine Bedrohung für sie da.
      "Ruven meinte, dass die Absolventen diesen Jahres noch in der Akademie geblieben sind und den Tag über in der Trainingshalle verschwunden sind. Mehr konnte ich nicht aus ihm herauskriegen. Er ist nicht so leicht um den Finger zu wickeln, wie sein Bruder.."
      Warum genau diese Rekruten zurückgeblieben waren, wussten sie also nicht. Wenn ihre Prüfungen vor der Tür standen, war ihnen so ein Ausflug nicht gegönnt. Das dieser allerdings so kurzfristig bekannt gegeben wurde, gab Isabelle zu denken.
      "Werden wir den anderen kontaktieren?" Theo hatte ihr bei ihren Treffen von Harald erzählt, der sich ganz schön ins Rampenlicht spielte.
      "Nein." Wenn Theo nun also nicht mehr in der Akademie für ihren Zutritt sorgen könnte, würde es Harald auch ohne direkten Befehl übernehmen.
      "Was soll ich tun?", fragte sie und wartete auf ihren nächsten Auftrag.
      "Das übliche."
      "Jawohl.." Isabelle nickte und verließ das Büro, um sich erneut auf den Weg in die Stadt zu machen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ich war froh, Lorae wenig später in die Speisekammer kommen zu sehen.
      Ich hatte ihr einen Platz neben mir freigehalten, jedoch hatte ich inzwischen fast aufgegessen, die anderen ebenso.
      "Was habt ihr heute noch vor?", fragte ich schließlich in die Runde.
      Irgendwie verspürte ich den Drang, mehr trainieren zu wollen. Schließlich hängen mein Leben und meine Zukunft davon ab, ob ich hier überleben werde.

      Kurz darauf traten der General und Dimitri in die Speisekammer und setzten sich an den Ausbildertisch, eine Mitarbeterin der Essensausgabe brachte den beiden ihre Portionen, sowie zwei Krüge und einen Kelch Wasser.
      ...

      Augustus trat am Abend gemeinsam mit anderen Anhängern seiner Religion aus einer Synagoge des Prahaer Stadtteils Josefov.
      Julius hatte auf ihn gewartet, die Arme verschränkt, mit dem Rücken an die Wand gelehnt.
      "Wie war es?", fragte dieser.
      "Es war schön, irgendwie...befreiend. Ich sollte das wieder öfter machen."
      "Das ist gut. Es gibt neue Arbeit vom Boss."
      "Was will er diesmal?"
      "Wir sollen unsere Sachen packen und an die Akademie kommen. Heute noch."
      "Ein erneuter Planwechsel, welch Überraschung. Was ist mit Krauss und den anderen?"
      "Die sind seit Tagen unauffällig. Gehen tagsüber ihrem Handwerk nach und schaukeln sich abends die Eier."
      "Wenn das so ist, lass uns packen, ja?"

      ---

      Während die anderen beim Essen waren, hievte Dimitri gemeinsam mit seinem Vater die bewusstlosen Körper von Edward und Ralph in die Kapelle und den Glockenturm hinauf, wo sie an zwei Stützbalken festgemacht wurden.
      "Eigentlich war das so nicht geplant, aber hier ist etwas Gesellschaft für dich, Theo", sprach der General ächzend und kontrollierte seine Fixierungen.
      "Sieht gut aus. Schön straff."
      Dann verließ er mit seinem Sohn den Glockenturm. Die Tür abgeschlossen, schritten sie die Treppen hinab und gesellten sich zu den anderen in die Speisekammer.

      EIne Stunde später war Dimitri mitten im Spezialtraining mit Falco in der Halle.
      "Achte auf deine Deckung!"
      ...
      "Gut! Probier mal, das Schwert mit der anderen Hand zu führen."
      ...
      "Gut! Jetzt zwei Schwerter!"
      ....
      "Probier es mal mit einem Dolch!"
      ...
      "Roll dich ab!"

      Über Stunden hinweg trainierte er Falco und es war bereits fast Mitternacht, als sie endlich ein Ende fanden.
      Sie setzten sich auf die kleine Stufe, die vom inzwischen menschenleeren Trainingsplatz zur Trainingshalle führte.
      "Warum trainierst du mich?", fragte Falco und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
      "Ich hab deinem Bruder das Versprechen gegeben, dich auszubilden, wenn die Zeit reif ist."
      "Was hast du mit meinem Bruder zutun gehabt?"
      "Wir waren hier an der Akademie und sogar derselbe Jahrgang. Es war uns schon früh klar, dass du auch hier ausgebildet werden würdest und ich die Ausbilder-Laufbahn einschlagen würde, wie schon mein Vater und Großvater."
      "War mein Bruder ein Monster? Levi meinte, er habe einige seiner Kameraden umgebracht."
      "Er war kein Monster. Er hatte durch die vielen Schlachten die er geschlagen und durch die Kameraden und Freude die er verloren hat, einen emotioalen Schaden erlitten. Nichtsdestotrotz war er ein unglaublicher Kämpfer."
      Dimitri dachte nach, schwelgte in Erinnerungen.

      "Was ist, wenn ich wieder durchdrehe? Ich bin eine Gefahr für mich und andere. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich halt das alles nicht mehr aus! All das Blut an meinen Händen, die Leichen meiner Freunde, meiner Kameraden, diese unendliche Leere in meinem Herzen, diese Wut und Verzweiflung in mir drin! Hol mich da raus, Dimitri. Ich flehe dich an! Lass uns abhauen, nur wir beide! Ganz weit weg, bevor ich irgendwann in meinem Wahn noch jemanden umbringe, den ich liebe!"
      ...
      "Sollte ich nicht wiederkehren, denk an das Versprechen, das du mir gabst. Sorg dafür, dass mein Bruder ein besserer Mann wird als ich, sei ihm das Vorbild, dass ich nie sein konnte."


      "Ich hätte damals auf ihn hören und ihn da raus holen sollen. Vielleicht hätte mein Vater dafür sorgen können, dass er wegen Personalmangels an die Akademie versetzt wird, dann wäre er heute noch unter uns. Sein Tod war so eine Verschwendung."
      Falco blickte Dimitri an und erkannte eine Spur Verbitterung und Reue in seinen Gesichtszügen.
      "Warum hat man ihn nicht aus der Armee geworfen? Jemand, der so gefährlich ist, sollte nicht in einer kämpfen dürfen."
      "Er hat still gelitten, für sich alleine. Die anderen hatten maximal einen Verdacht, bis es zu spät war."
      "Warum ist er dann nicht ausgetreten, wenn ihm alles zu viel wurde?"
      "Dein Bruder hat sehr gut im Aufklärungstrupp verdient. Er hat damit sein Studium abbezahlt und für dich gespart, damit du ein einfacheres Leben haben kannst als er. Es ist nicht so einfach, aber die Details erspare ich dir. Lass uns noch aufräumen und dann für heute Schluss machen, ja?"
      Falco nickte, dann machten sie sich an die Arbeit. Bevor sie schließlich getrennte Wege gingen, wechselte Dimitri ein paar letzte Worte mit seinem neuen Schützling.
      "Versprich mir, dass du mir gehorchst, wenn ich dir eine Anweisung gebe. Keine Widerworte, kein Verweigern, okay? Du musst mir vertrauen."
      "Ich verspreche es."

      ---

      Nachdem ein guter Ort für einen Hinterhalt in einem kurzen Waldabschnitt auf der Strecke zwischen Hauptstadt und Akademie gefunden war, setzten sich Levi und Basim auf den Stamm eines toten Baumes und aßen einige Äpfel, die sie auf dem Weg gepflückt hatten.
      "Weißt du, was ich mich schon die ganze Zeit frage?"
      "Was denn?"
      "Warum die Rekruten erst jetzt vernünftig im Kampf ausgebildet werden. Vielleicht handhabt ihr das in eurem Land anders, aber aus der Akademie, aus der ich komme, bekommt jeder eine grundlegende Ausbildung in allen Bereichen und die Berufswahl danach dient nur der Spezialiserung."
      "Da bist du nicht alleine. Als ich neulich dort ankam, war ich über die mangelnden kämpferischen Fähigkeiten der Rekruten regelrecht schockiert. Es war ein Wunder, dass sie den Banditenangriff überhaupt überlebt haben. Ich hab das Gefühl, dem General scheint die Zügel in letzter Zeit etwas sehr locker zu lassen, was die praktischen Dinge angeht. Vielleicht ist es Altersmilde, vielleicht die Schlachten, die er in letzter Zeit planen musste. So oder so stimme ich dir zu."
      "Wie sollen wir damit umgehen?"
      "Erstmal versuchen wir, so viele wie möglich durchzubekommen. Je mehr Gegner wir abfangen können, desto einfacher wird es für unsere Anfänger und die Ritter."
      "Und wie fahren wir hier fort?"
      "Wir werden die alternativen Wege zur Akademie unbrauchbar machen, sodass sie hier durch müssen."

      ---

      Wenig später, es waren noch einige Zuschauer eingetroffen, fiel der Vorhang. Die nächsten knapp zwei Stunden bestanden aus Menschen in teils seltsamen, fremdartigen Verkleidungen, die sich zu verschiedener fremdartiger Musik rhythmisch bewegten, kämpften, tanzten und immer wieder in einer fremdem Sprache sangen; teilweise bestand der Gesang sogar schlicht aus Lauten.
      Fynn verstand nicht viel von dem, was geschah. Daraus schloss er, dass er einfach zu wenig von dieser Kultur versteht, um das Bühnenstück mit seinen sechs Akten einordnen zu können.
      Bei den Gästen, die verstanden hatten worum es ging, kam am Ende reger Beifall und auch Fynn klatschte mit. Es war für ihn faszinierend, jedoch war es ohne ein tiefes Verständnis schwer für ihn, einen Zugang zur Materie zu finden.

      Ein wenig müde und verwirrt verließ er am Ende der Veranstaltung das Theater und kehrte mit seiner Gruppe in die Herberge zurück.
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    • Lorae / Leon

      Ich brachte die Dusche schnell hinter mich, schnappte mir den Wäschekorb aus dem Zimmer und wusch auch die Wäsche. Jetzt wo der Hauptgefreite an der Akademie war, sollten wir lieber mehr darauf achten, frische Kleidung parat zu haben. Als dies erledigt war, ging ich in die Speisekammer und blickte zu Baldr rüber. Es war etwas seltsam, dass unser Grüppchen neuerdings immer mehr Zuwachs gewann. Zuerst war es nur Marius, gestern noch Jean und Misha. Mittlerweile saßen mehr als die Hälfte der Absolventen an unserem Tisch.
      Mit prall gefülltem Teller ließ ich mich neben Baldr nieder, sah nur kurz zu den anderen und widmete mich dann meinem Essen, ehe mein Freund danach fragte, was die anderen heute noch vor hatten.
      "Wer bereit ist, kann sich gerne meinem Training anschließen..", meinte ich, wobei ich ja niemanden von ihnen dazu zwingen würde. Wenn ich Ausbilder wäre, würde ich mir ein weitaus härteres Trainingsprogramm ausdenken, als wir es die letzten 6 Jahre hatten. "Eure Ausdauer ist jämmerlich", bemängelte ich und schob mir ein großes Stück Kartoffel in den Mund, ehe ich die anderen kauend betrachtete. Wieso sagten sie denn nichts dazu? Ich hätte mindestens mit einem verächtlichem Schnauben von Marius gerechnet, doch nichts. Hm..
      Mein Blick ging über ihre Gesichter und ich konnte mal mehr, mal weniger Entschlossenheit darin sehen. Ich konnte ihre Nervosität und Angst nachvollziehen, aber wir durften uns nicht davon beherrschen lassen.
      "Wir sind der Rest unseres Jahrgangs, der sich für die Prüfungen qualifiziert hat. Jeder von euch hat seinen ganz eigenen Traum, doch den Weg dorthin bestreiten wir gemeinsam, bis sich unsere Wege früher oder später trennen. Wir sind nicht allein. Wir kämpfen gemeinsam. Für unser Land. Für unsere Zukunft. Es ist in Ordnung Angst zu haben, aber lasst uns dieser Angst mit Mut und Entschlossenheit entgegentreten. Lasst uns unser bestes geben, auf das wir ohne Reue zurückblicken können." Mit Worten war ich nie besonders gut, denn ich sprach viel zu oft aus meinem Herzen. Ob die anderen mit zustimmten oder nicht, war mir in dem Fall jedoch nicht wichtig. Ich hatte den Drang, meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, als ich in diese teilweise hoffnungslosen Gesichter blickte. Sie waren erschöpft und unsicher, aber..
      "Wir dürfen nicht aufgeben! Wer nicht kämpft, hat schon verloren. In der größten Not greift selbst der Bauer zu seiner Mistgabel, um sich zu wehren. Wir sind das Schwert und das Schild dieser Leute. Unsere Aufgabe ist es diese Leute vor jeglicher Gefahr zu beschützen. Uns mag es an Erfahrung mangeln, doch wenn wir nicht für sie kämpfen, wer dann?"
      Während ich sprach, hatte ich meine Hände flach auf den Tisch gelegt und sah die anderen abwechselnd an, ehe mein Blick an Baldr und Marius hängen blieb.
      "Ihr habt es mit eigenen Augen gesehen.. All das Leid.. WIR sind diejenigen, die dieses Leid dezimieren. Auch wenn es noch so unmöglich klingen mag.. Ich werde dafür kämpfen, dass keine Dörfer mehr dem Erdboden gleichgemacht werden. Solange ich atme.. und solange ich nur ein Schwert führen kann.. werde ich so viele Feinde niederstrecken, bis ich tot umfalle.."
      Mir war bewusst, wie übertrieben das klang, aber das war meine Meinung. Meine Einstellung. Das war ich. Ein Ritter mit Laib und Seele. Mein Leben gehörte den Bürgern, meinen Kameraden, meinem König.
      "Tsk.." Marius schüttelte seinen Kopf, doch seinem Grinsen nach zu urteilen, hatte er sich meine Worte hoffentlich zu Herzen genommen. "Du klingst wie ein kleiner Junge vor seinem zwölften Geburtstag, der voller Begeisterung dem Tag seiner Rekrutierung entgegen fiebert und keine Ahnung hat, wie grausam das Leben ist."
      Ich holte tief Luft und sah etwas streng zu ihm rüber, ehe er seinen Kopf auf seiner Hand abstützte und meinen Blick erwiderte. "Dabei hast du es selbst erlebt und willst dennoch an die Front.. Ich halte dich immer noch für wahnsinnig, aber vielleicht muss man so wahnsinnig sein, um sich mit voller Hingabe im Kampf zu behaupten, hm?" Das man dafür wahnsinnig sein musste, bezweifelte ich zwar, doch ich fasste das mal als eigenartiges Kompliment auf und grinste breit.
      "Wer kommt mit mir trainieren?", fragte ich, nachdem ich aufgegessen hatte und aufgestanden war. Zumindest Marius schien sich auf jeden Fall anschließen zu wollen und auch Jean und Misha hatten nach dem gestrigen Training noch nicht die Nase voll. Also sah ich kurz zu den anderen und anschließend zu Baldr, der mir zwar heute morgen zugesagt hatte, aber wenn er dazu zu erschöpft wäre, würde ich ihm keine Vorwürfe deswegen machen.

      ____

      Isabelle betrat die Taverne in der sie damals Theo und Edward aufgegriffen hatte und verschwand dort wie selbstverständlich hinter den Tresen. Als gewöhnliche Frau schlüpfte sie in die Rolle der Wirtstochter, weshalb sie dem Wirt ein Lächeln schenkte und einen Kuss auf die Wange drückte, ehe sie an ihm vorbeiging. Dieser Idiot ließ zwar seine Finger von ihr, aber er machte sich einen Spaß daraus, dass sie sich auch wie eine liebende Tochter benehmen sollte. "Willkommen zuhause..", schmunzelte er, bevor Isabelle sich eine Schürze umband und wieder nach vorn ging, um sich um die Gäste zu kümmern. Bald wäre es mit dieser Fassade endlich vorbei, wenn sie den Angriff erfolgreich durchführten. Da die Ereignisse in der Akademie jedoch ziemlich verdächtig waren, musste Isabelle davon ausgehen, dass sie entweder verraten oder ausspioniert wurden. Ersteres hätte ihre Pläne wohl massiver gestört und letzteres sollte man nicht unterschätzen. Wenn zwielichtige Gestalten dazu fähig waren, andere Leute zu bespitzeln und geschickt auszufragen, sollte man besser davon ausgehen, das auch das Gefolge des Königs dazu in der Lage war. Deshalb war Isabelle lieber vorsichtiger, als etwas zu überstürzen.
      Inzwischen waren dank ihr auch einige Militärpolizisten ihrer Sache beigetreten. Zuwachs zu gewinnen war allerdings nicht so leicht, da man sehr vorsichtig dabei sein musste, wen man wie ansprach, um ihn zu überzeugen und sich nicht selbst ans Messer zu liefern. So eine Taverne in der Alkohol die Zungen der Gäste lockerte, war zwar der perfekte Ort dafür, dennoch musste sich die junge Frau langsam herantasten.
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      - Eugene Ionesco

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    • Ich lauschte ihrer Rede, während ich gierig die letzten Reste auf meinem Teller verzehrte.

      "Das hast du schön gesagt. Ich komme mit trainieren", entgegnete ich schließlich; dann stand ich auf. "Aber erst brauche ich ein paar Minuten Pause."
      Gut gesättigt brachte ich meinen Teller, sowie den Krug und mein Besteck zur Ablage und verließ die Kammer.
      Yoichi folgte mir kurz darauf, zuvor gab er Lorae noch zu verstehen, dass er ebenfalls mit trainieren möchte.
      "Ich geh ins Bett", entgegnete Linhardt.
      "Was ist mit dir, Falco?"

      "Ich... ich trainiere mit Dimitri in der Halle."
      "Gut. Viel Spaß euch noch. Bis morgen dann und seid nicht wieder so laut, ja?"
      Linhardt wirkte ziemlich entspannt. Kein Wunder, wo er doch eine vergleichsweise stressfreie Zeit bei den Krankenschwestern hatte, gleichwohl er wusste, dass seine Stunde nach der Schlacht schlagen würde.

      Wenig später fand ich mich auf dem Trainingsplatz vor der Halle ein, wo Lorae und die anderen bereits fleißig am Trainieren waren.

      ____

      Auf dem Weg zurück zur Akademie kamen Levi, Basim und die anderen am silbernen Wolf vorbei.
      Sie stiegen von ihren Pferden und banden sie an der Anbindestange vor der Taverne fest.
      "Wollen wir wirklich hier essen? In der Akademie gibt's heute Schnitzel", entgegnete Flavius.
      "Bis wir da sind, ist alles alle. Außerdem ist das Essen den Rekruten und Ausbildern vorbehalten. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass noch genug für uns da sein wird", entgegnete Levi.
      "Gut. Überzeugt", seufzte Flavius.

      "Eine Regel: wir halten all das, was an der Akademie vor sich geht geheim, ja? Ich will unnötigen Aufruhr und Aufmerksamkeit vermeiden, klar? Reden wir einfach über banale Themen."
      Alle waren einverstanden; die sieben Gestalten zogen die Kapuzen ab und betraten die Taverne.
      Zielstrebig liefen sie zu einem großen Tisch, an dem alle Platz hätten: Levi und seine beiden Kameraden sowie Deimos, Magnus, Flavius und Nero.
      Levi bestellte am Tresen für alle Bier, außerdem wollten alle zu Abend essen, weshalb er sich nach der Tageskarte erkundigte: "Meine Jungs und ich wollen Bier und Abendessen. Was habt ihr da?"

      Basim wandte sich in der Zwischenzeit Flavius zu, der hier noch ein Zimmer angemietet hatte: "Bleibst du danach hier oder kommst du mit?"
      "Ich komme mit, es gibt noch etwas, dass ich erledigen muss."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Lorae / Leon

      Auch wenn ich selbst noch viel zu lernen hatte, konnte ich die anderen kaum sich selbst überlassen. Ich würde niemanden zwingen, sich meinem Training anzuschließen, aber das sich wirklich so viele dafür interessierten, freute mich doch.

      Mit einem Stab auf meinen Schultern, den ich mit beiden Händen festhielt, ging ich zwischen den anderen umher. Ich hatte nicht genug Zeit, um ihnen wirklich jede meine zum Teil eigenartigen Trainingsmethoden zu zeigen. Ein bis zwei Stunden um die Akademie laufen, um die Ausdauer zu verbessern, doch das würde ihnen in den paar Tagen wohl eher weniger nützen. An dem Baum hing ich oft kopfüber und trainierte meine Bauchmuskeln, indem ich meinen Oberkörper hochzog. Muskelmasse brauchten diese Männer hier jedoch auch nicht mehr. Das Geschick fehlte ihnen. Vielleicht könnte ich ihre Beinarbeit zumindest ein wenig optimieren. Körperbeherrschung und Gleichgewicht wären ebenso nützlich, auch wenn sie in 5 Tagen nicht weit kämen. Von nichts, käme auch nichts!

      "Schneller!", forderte ich Jean auf, der gerade ziemlich unbeholfen über die Steine hüpfte und ließ mich dann im Schneidersitz auf den Boden fallen.
      "Mal sehen, wie schnell deine Füße sind..", murmelte ich zu Marius, der zu mir runter sah. Ich schlug mit dem Stab nach seinen Füßen und er sollte darüber hinwegspringen, sein Gleichgewicht halten und den nächsten Schlägen ausweichen. Er hätte morgen mit Sicherheit geschwollene Knöchel, wenn ich mich dabei nicht so zurückhalten würde. Hätte er mal mehr trainiert, statt sich abends zu betrinken oder mich Lisbeth zu turteln.
      "Meine Güte, Marius.. Was nützt es dir dein Schwert gut zu schwingen, wenn du auf dem Boden liegst, hm? Deine Beine sind zu träge!"

      Ich war.. überrascht, dass es irgendwie sogar Spaß machte, die anderen so zu triezen.
      Nachdem ich ihn das zehnte Mal getroffen hatte, sprang ich auf, drückte den Stab gegen seine Brust und sah argwöhnisch zu ihm auf. "Du. Bist. Zu. Langsam!" Der Stab rauschte zwischen seine Beine und landete in seiner Kniekehle, um sein Bein nach vorn zu ziehen, woraufhin er unsanft auf seinen Hintern fiel und knurrend zu mir aufsah.
      "Du weißt schon, dass sich in einem echten Kampf niemand an Regeln hält, oder? Sie werden weder deinen Kopf, noch deine Beine verschonen. Ja, möglicherweise bekommst du sogar ein Knie zwischen deine Beine und dann krümmst du dich winselnd auf dem Boden!" Ein ehrenvoller Kampf war ihnen scheißegal, also sollten wir auch darauf pfeifen. Wer würde uns denn zurechtweisen, wenn wir unserem Gegner die Nase brechen oder ihre Eier zertrümmern, hm? Genau. Niemand. Es war nur wichtig, dass der Feind am Boden lag und unsere Klinge zu spüren bekam.

      Seufzend ließ ich von ihm ab und beobachtete den wackeligen Misha auf der Bank. Marius hatte mich gefragt, was das bringen sollte, aber wer sein Gleichgewicht behalten konnte, würde auch nicht so leicht zu Fall gebracht werden können.
      "Was soll ich machen...", fragte ich Baldr, als ich vor ihm stehen blieb, nachdem er sich zu uns gesellte. Ich hatte all die Jahre ja nicht nur mit diesen lächerlichen Übungen zugebracht und vor allem kam ich nicht in ein paar Tagen da hin, wo ich jetzt stand.
      "Macht das überhaupt Sinn..?" Ich achtete sehr darauf, dass sich niemand verletzte oder überanstrengte, aber wie viel würde das Training bis zur Schlacht bringen?
      "Die Rekruten der Eulenakademie sind bestimmt kein solch erbärmlicher Haufen...", murmelte ich zu mir selbst, als ich daran dachte, was Levi über das dortige Training sagte. Dabei betrachtete ich nachdenklich den glatten Stein in meiner Hand, welchen ich Misha an die Schulter warf, der vor Schreck von der Bank fiel und mich völlig entgeistert ansah. "Was? Ich fall nicht runter, wenn mich ein Stein trifft.."
      Nun machte es doch nicht mehr so viel Spaß. Ich war viel mehr verzweifelt. "Hey, Yoichi. Schnapp dir einen Stab und kämpf gegen Baldr", trug ich ihm auf und drückte Baldr meinen Stab in die Hand.
      "Ich will keinen Ärger, also zielt nicht aufs Gesicht.. So ein Schlag gegen die Kniescheibe kann auch ganz schön schmerzhaft sein.."
      Ich verschränkte die Arme vor der Brust und ging beiseite, um die beiden zu beobachten.
      "Jean, Misha. Da sind noch zwei Stäbe. Ihr kämpft auch gegeneinander.."
      Ich wollte sie nicht an andere Waffen heranführen, aber so gewann ich einen Eindruck davon, wie sie damit umgehen würden.
      Anschließend sollten sie jeder zwei Schwerter nehmen und abwechselnd gegeneinander kämpfen, was ich kritisch beobachtete.
      Während unseres Trainings mit den Ausbildern konnte ich die anderen nur wenig beobachten. Ich hatte zwar davor schon öfter gegen sie gekämpft, aber das konnte man wohl nicht vergleichen.

      "Könnt ihr tanzen?", fragte ich während einer kurzen Pause und blieb mit meinem Blick an Marius hängen, der mich sehr fragend ansah. "Wenn du uns jetzt tanzen beibringst, geh ich."
      "Mach dich nicht lächerlich. So ein unbeweglicher Klotz wie du bräuchte Jahre, um tanzen zu lernen."
      "Ich stamme aus einem Adelshaus, schon vergessen? Natürlich kann ich tanzen..", grummelte er, woraufhin ich mich auf meinem Stab abstützte. "Gut. Beim Tanzen müssen sich zwei Menschen im gleichen Takt bewegen. Einer führt, der andere folgt. Dennoch erfordert es ein wenig Geschick, dem anderen nicht auf die Füße zu treten. Versuch das mal in einem Kampf zu berücksichtigen."
      Tagsüber lernten sie, wie sie Angriffen auswichen, blockten oder parierten. Um ihnen dies zu erleichtern, wollte ich mich hauptsächlich auf ihre Beinarbeit konzentrieren. Die Muskeln in ihren Beinen waren nur halb so stark, wie die ihrer Arme. Ein schneller Schwerthieb brachte nichts, wenn man sich schwerfällig bewegte.

      Zur Bettruhe beendete ich das Training und kehrte mit Baldr auf unser Zimmer zurück. "Ich hätte sie früher dazu motivieren sollen, aber ich bezweifle, dass sie daran interessiert gewesen wären..", meinte ich und zog mich aus, um in mein Nachthemd zu schlüpfen.
      "Achja, Baldr.." Ich drehte mich zu ihm um und betrachtete ihn neugierig. "Du musst mir zeigen, wie du die Wände hochkletterst, ja?" Nicht sofort natürlich und vielleicht auch nicht vor dem Kampf, aber wenn ich etwas sah, dass ich nicht so gut beherrschte wie jemand anderes, dann wollte ich es lernen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ich beobachtete die Trainingsmethoden von Lorae eine Weile und war ziemlich schnell der Meinung, dass statt noch mehr Action Rehabilitation hilfreich wäre. Aber was wusste ich schon? Schließlich war ich genauso wenig Ausbilder wie Lorae.

      Als mir Lorae ihren Stab in die Hand drückte, damit ich gegen Yoichi kämpfen konnte, tat ich dies. Zumindest für einige Minuten, bis Yoichi und Ich die Lust verloren und ich stattdessen beschloss, mich ein wenig im Bogenschießen zu üben.
      Zu meiner Überraschung tat Yoichi es mir gleich, was vermutlich daran lag, dass die anderen alle bereits damit beschäftigt waren, von Lorae getriezt zu werden und er daher keinen Kampfpartner hatte.
      Während ich zwei Bögen und ein paar Pfeile aus der Halle holte, beobachtete ich Dimitri und Falco einen Moment lang.

      "Gut. Ausfallschritt, jetzt eine Drehung!"
      ...
      "Wenn ich dich treffe, bist du tot! Sei flink wie ein Windhund!"
      ...
      "Gut so!"


      Irgendwie war ich neidisch. Ein Einzeltraining würde mir vermutlich mehr helfen, als diese radikalen Gruppentrainings, wo alle über einen Kamm geschert werden.
      Ich fragte mich, wie Falco es geschafft hatte, von Dimitri ausgebildet zu werden.
      Eigentlich sollte ich es sein, schließlich war ich doch sein Knappe. Aber das zählte im Moment wohl nichts. Ein Knappe zu sein...das waren noch Zeiten.
      "Wo bleibst du?", fragte Yoichi schließlich und riss mich aus meinen Gedanken.

      "Tschuldigung. Bin schon da."
      Während wir uns im Bogenschießen übten, er war darin überraschend gut, redeten wir ein wenig.
      Er erzählte mir von seinem Heimatland und über sich.
      "Ich wurde nach Nasu no Yoichi bennant, einem Samurai, der für seine Fähigkeiten mit dem Bogen berüchtigt war."
      "Was ist ein Samurai?"

      "Samurai sind Krieger und Diener des Königsadels, sowie für dessen Sicherheit zuständig. Was ist mit dir?"
      "Naja. Ich kenne meine Eltern nicht. Ich bin mit Leon in einem Waisenhaus aufgewachsen."
      Ich hatte nach diesem Abend das Gefühl, ein wenig besser geworden zu sein. Natürlich würde es für den Kampf nicht reichen.
      Bevor ich ins Bett ging, beschloss ich kurzerhand, einen eigenen kleinen Trainingsplan aufzustellen.
      Ich kletterte auf die große Eiche und setzte mich auf einen der großen Äste.
      Dann ließ ich mich nach hinten fallen, sodass ich kopfüber vom Ast hing, nur durch meine Beine gesichert.
      Dann machte ich Rumpfbeuge. Mehrere Minuten lang, bis ich Schmerzen hatte.
      Anschließend huschte ich in die Waschkammer und verschwand schließlich im Zimmer, wo Lorae mir die Kletteridee unterbreitete.

      "Klar. Warum nicht? Aber nicht mehr heute und auch nicht vor dem Kampf."
      Ich zog meine Kleidung aus und schlüpfte in mein Nachthemd.
      "Vielleicht bringen deine Trainingsmethoden ja was. Schlaf gut, Lorae."
      Gähnend öffnete ich das Fenster einen Spalt, kuschelte ich mich in mein Bett und fiel in einen tiefen Schlaf.

      Irgendwann in der Nacht weckte mich ein seltsames Zwitschern. Sofort schreckte ich hoch.
      "Rotbauchfliegenschnäpper", murmelte ich.
      Das war der charakteristische Ruf der Assassinen, wenn Gefahr drohte.
      Leise, beinahe lautlos stieg ich aus dem Bett und blickte aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Ich blickte nach unten, ebenfalls nichts.
      Zuletzt blickte ich nach oben.
      Flavius schaute vom Dach aus zu mir hinunter und deutete mit einer Hand an, dass ich zu ihm hoch kommen soll.
      Ich schüttelte erst den Kopf und deutete an, dass ich weiterschlafen will, jedoch berharrte er beidhändig darauf, also gab ich nach.
      Schließlich war er auch ein Assassine und im Rang sogar über mir.
      Außerdem hatte er dieses riesige Glied, dessen Anblick sich mir in den Kopf gebrannt hatte.
      Ich zog meine Schuhe an, kletterte aus dem Fenster und zog es von außen leise zu.
      Dann kletterte ich nach oben auf das Dach des Wohngebäudes, wo Flavius bereits wartete.
      Es fühlte sich so verboten an und ich hoffte, dass mich die Nachtwache nicht dabei erwischen würde.
      Daher flüsterte ich.
      "Was zur Hölle willst du von mir? Ich will verdammt noch mal schlafen!"

      "Ich wollte dich noch einmal sehen, bevor ich gehe."
      "Wohin gehst du? Und warum willst du mich sehen?"
      "Ich bereite mit Magnus, Levi und den anderen den Hinterhalt vor und wir werden die ganze Zeit dafür brauchen. Und warum ich dich sehen will? Naja, weil ich dich mag, weißt du?"
      "Was soll das heißen, du magst mich? Ich wusste nicht, dass wir Freunde sind."
      "Ich will, dass du mich anfasst."
      "Was?" Ich war überrumpelt, als Flavius meine Hand nahm und sie in seinen Schritt führte. Mein Herz raste, mein Atem stockte.
      Dann legte er sich auf den Rücken und öffnete seine Unterkleidung, um das freizulegen, was mir seit Tagen in ruhigen Momenten immer wieder im Kopf herumspuckte.
      Ich musste schlucken, als er "reib mich", keuchte.
      Ich tat es und während ich es tat und ihn wegen der Größe kaum in eine Handfläche bekam, tastete meine andere Hand zögerlich seinen Skrotum ab, um ihn zu streicheln und zu kneten.
      Mein Gesicht bekam eine markante Röte, während ich Flavius eine scheinbar schöne Zeit bereitete.
      Er beobachtete mich dabei und verschränkte sanft lächelnd die Hande hinter seinem Kopf.
      Jedoch konnte ich ihm nicht in die Augen blicken. Wir waren Kollegen. Wie würde sich dieses Ereignis auf unsere gemeinsame Zukunft als Assasinem auswirken? Was, wenn Nero, Basim, Levi und all die anderen davon erfahren?
      Flavius ahnte, dass mir das ganze ein wenig unangenehm war.
      Wenige Minuten später entlud er sich dennoch und befleckte dabei mein Nachthemd, da ich uber ihn gebeugt war.
      "Upsi.~ Jetzt bin ich dran", flüsterte er und packte mich, um sich so zu drehen, dass ich nun unten lag und er auf mir hockte.

      "Du wirkst du furchtbar angespannt, lass mich dir helfen."
      Willig schob er mein Nachthermd nach oben und die Unterkleidung nach unten und verschwand zwischen meinen gespreizten, angewinkelten Beinen.
      Während er dort unten herumhantierte und mich gierig verschlang, rollten sich mir langsam die Augen in den Schädel, während ich mich in sein Haar krallte. Er war gut, so verdammt gut und wusste scheinbar ganz genau was er tat, weshalb ich glaubte, dass er das nicht zum ersten Mal machte.
      Ich hatte alle Mühe, Geräusche zu vermeiden und als ich platzte, fiel eine Menge Ballast von mir ab und ich fühlte mich tatsächlich ein wenig entspannter.
      Ich hörte Flavius schlucken. Dann griff er nach einer kleinen Flasche in seiner Innentasche der Montur, um sich den Mund auszuspülen und dann erneut zu schlucken. Schließlich verstaute er die Flasche und beugte sich über mich: "War doch gar nicht so schlimm, oder?"
      "Ich..ehm.."
      "Sag ruhig was du fühlst."

      "Irgendwie...irgendwie war das schön. Es ist komisch, weil ich eigentlich ein Mann bin und mir eine Frau suchen sollte, so wie die anderen auch."
      "Magnus hat mir von diesem Stallburschen erzählt. Was war mit ihm?"
      "Piotr? Naja, er hat lange gequengelt und irgendwann hab ich halt nachgegeben, damit er endlich Ruhe gibt. Aber das war nichts im Vergleich zu dem hier. Dennoch weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll...ich meine, wir sind Kollegen. Wie wird sich das aus unsere gemeinsame Arbeit als Assassinen auswirken? Und was ist, wenn die anderen davon erfahren?"


      Flavius löste sich von mir und setzte sich an die Kante, seine Beine hingen in der Luft.
      Er blickte in den Himmel.
      "Ich werde bei diesem Einsatz wahrscheinlich sterben und da wir viel Zeit brauchen werden, um den Hinterhalt zu planen, werde ich vorher nicht zurückkehren, zumindest nicht lebendig. Ich hatte gehofft, noch ein paar schöne Momente im hier und jetzt zu erleben bevor ich draufgehe."
      Ich richtete mich auf und setzte mich neben ihn.

      "Das war doch schön, weißt du? Ich weiß nur nicht, wie ich damit umgehen soll."
      Flavius blickte in mein Gesicht.
      "Du hast die Wahl. Entweder du behältst es für dich oder du stehst dazu und erzählst den anderen von deinen Gefühlen."
      Meine Gefühle? Ich wusste nicht so recht, was ich bin und was ich fühlen soll. Einerseits sind da die Erfahrungen mit Piotr und Flavius, auf der anderen Seite lässt mich der Anblick von Loraes Körper auch nicht völlig kalt.
      "Ich sehe schon, du bist damit überfordert."
      "Tut mir Leid."
      "Ist schon gut. Vielleicht können wir das ja mal wiederholen. Es gibt da noch einige andere Dinge, die ich mit dir probieren will und von denen ich will, dass du sie mir antust. Eventuell hilft dir das bei deiner Entscheidungsfindung."
      "Ach ja? Was zum Beispiel?"

      "Das erzähl ich dir bei unserer nächsten Begegnung. Lass uns jetzt das Thema wechseln. Erinnerst du dich noch an den Leuchtreveolver, den ich dir gab?"
      "Klar. Brauchst du ihn wieder?"
      "Nein. Ich hab selber einen, weißt du doch. Wenn die gegnerischen Truppen unseren Hinterhalt erreichen, werde ich euch mit meinem Revolver ein Signal geben und eine rote Kugel wird am Himmel erscheinen. Eine der Wachen hier wird daraufhin in ein Signalhorn blasen. Von da an bleiben euch etwa zwei Stunden, um euch vorzubereiten. Aber das wird euch der General noch ausführlich erklären. Versprich mir, zu überleben, ja?"
      Ich nickte, unfähig eine andere, vielleicht bessere Antwort auf seine Bitte zu finden.
      "Ich verstehe, dass du von all dem hier verwirrt bist. Vielleicht hilft dir das auf die Sprünge und gibt dir eine Antwort auf wenigstens eine deiner Fragen."
      Er beugte sich zu mir hinüber und küsste mich zärtlich auf den Mund. Dann ließ er sich von Dach fallen und schwang mit seiner Apparatur zischend in der Dunkelheit, bevor er am Boden aufprallen konnte.
      Mein Blick war leer. Vollkommen verwirrt und von den Eindrücken überwältigt saß ich auf dem Dach und starrte noch eine ganze Weile in die Leere, bevor ich schließlich zurück ins Bett ging.

      Meine Stimmung hielt bis zum Morgen an und mir war anzumerken, dass mit mir letzte Nacht etwas geschehen ist. Außerdem hatte ich schlecht geschlafen und deshalb aufällige Augenringe.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

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    • Lorae / Leon

      Müde wischte ich mir über das Gesicht und starrte an die Decke über mir. Schon wieder dieser Alptraum.. Seit Beginn unserer Ausbildung hatte ich ihn nur selten und nun suchte er mich schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche heim. Dieses Mal war er jedoch anders..
      Das ich Angst hatte, konnte man mir wohl nicht verübeln, aber ich war fest entschlossen so viele Feinde wie möglich mit mir in den Tod zu nehmen.. und hoffentlich zu überleben.

      Sichtlich angespannt machte ich mich fertig und sah dann schweigend zu Baldr. Seinen Augenringen nach zu urteilen, hatte er wohl genau so schlecht geschlafen wie ich. Dennoch wirkte er besser gelaunt, als ich. Mein Blick fiel auf sein Nachthemd, was seine bessere Laune erklärte, nahm ich an.
      "Hast wohl nicht viel geschlafen, hm?", fragte ich, wobei ich nicht so neckend klang, wie ich versucht hatte, da ich nicht einmal ein freches Grinsen hinbekam. Meine Anspannung war dafür einfach zu groß.
      Ich atmete tief durch, ehe ich ihm wieder ins Gesicht sah.
      "Ich hatte wieder diesen Traum...", flüsterte ich, als sprach ich zu mir selbst. Langsam näherte ich mich ihm und legte meine Arme um ihn, um ihn fest an mich zu drücken. Mein Herz schlug schnell, während ich meine Tränen zurückhielt. Hatte ich überhaupt schon mal geweint, seit wir an der Akademie waren? Daran konnte ich mich nicht erinnern. Doch dieser Traum zeigte mir, wovor ich die größte Angst hatte..
      Dieses Mal war es nicht der Körper meiner Schwester, an dessen Gesicht ich mich kaum noch erinnerte..
      Dieses Mal.. war es Baldr, den ich am Boden in einer riesigen Pfütze Blut sah. Auch wenn ich den Anblick unseres letzten Einsatzes nicht so nah an mich herangelassen hatte, so könnte ich es nicht ertragen, wenn ich Baldr verlieren würde. Ich würde ihn beschützen, damit er zur Militärpolizei gehen und ein gutes Leben führen könnte. Das war das Mindeste, das ich für ihn tun konnte, um mich für all die Jahre seiner Unterstützung zu revanchieren.
      ____


      Meredith Ravel

      Beim Frühstück konnte ich meinen Blick von Oliver kaum abwenden, der gedankenverloren in seinem Haferbrei herumstocherte. Ich konnte gut nachvollziehen, dass man sich nicht über diesen Fraß freuen konnte, aber er wirkte so.. besorgt. "Alles in Ordnung?", fragte ich, doch er gab nur ein halbherziges "Ja" von sich.

      Am Tag zuvor hatte ich gesehen, wie einer der Ritter diesen Ralph und Edward hergebracht hatte. Es sah wirklich grausam aus, doch mein Mitleid für diese Verräter hielt sich in Grenzen. Sie hatten die beiden in den Glockenturm eingesperrt, wo einer der Schmiede neulich schon ein paar Vorrichtungen angebracht hatte. So erfuhr ich - und Oliver auch - das auch Theo in diesem Turm hängen sollte. Ob Oliver diese Grausamkeit wohl zu weit ging? Sie hatten es sich selbst zuzuschreiben..



      Oliver hatte kurz darauf in einem günstigen Moment mit Harald sprechen können, um ihm davon zu berichten, doch der war nicht besonders überrascht. Allerdings riet er Oliver sich von dem Turm festzuhalten, um nicht als Theo's Komplize entlarvt zu werden. Das Theo nun also dort eingesperrt und ihm so fern war, machte ihm sehr zu schaffen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Der nächste Tag brach an. Mein Kopf tat weh, dafür war die Bettdecke umso kuscheliger.
      "Nicht wirklich, nein", seufzte ich gähnend, als Lorae mit mir sprach.
      "Du siehst auch nicht viel besser aus."
      Ich richtete mich auf, als sie mir wieder von ihrem Traum berichtete und zu mir schritt, um ihre Arme um mich zu legen.
      Sanft legte ich meine um sie und strich über ihren Rücken.
      Ich sprach nichts, sondern atmete nur.
      Wir verharrten so für einen Moment, dann drückte ich sie sanft weg, da sich meine Blase bemerkbar machte.
      "Ich werde nicht sterben. Schließlich haben wir viele Leute, die uns beschützen werden. Und wir haben unsere Waffen. Und sollte ich doch draufgehen, dann nicht im Kampf, sondern weil mir gleich die Blase platzt."
      Hastig schritt ich aus dem Zimmer und lies meinen Versuch, lustig zu sein und sie aufzumuntern unkommentiert.

      Der restliche Tag verlief beinahe exakt wie der gestrige. Waschen, Frühstück, Training, Mittagessen, Training, Abendessen. Dann mein individuelles Programm, während Lorae mit den anderen weiter trainiert. Dann kamen Waschen und schließlich das Bett, absolut unspektakulär.
      Falco trainierte am Abend mit Dimitri in der Halle, Theo und die anderen Deliquenten waren oben im Glockenturm gefangen und bekamen von Dimitri jeden Morgen und Abend Wasser eingeflößt, um zumindest bis nach der Schlacht am Leben zu bleiben, damit Levi sie verhören konnte.

      Jedoch war eine Sache anders als gestern.
      Luzia, die kleine Schwester von Dimitri begann nun, sich von einer Bank aus gemeinsam mit einer Krankenschwester, die sie begleitete, das Trainingsprogramm von Lorae anzuschauen.
      Irgendwann schritt sie zu der traineirenden Gruppe hinüber.
      "Was macht ihr eigentlich gerade?"
      Dann fiel ihr ein, dass die anderen sie ja noch gar nicht kennen: "ah, ich Dummerchen. Ich bin Luzia, die kleine Schwester von Dimitri."
      Sie hatte langes, blondes und leicht gewelltes Haar. Ihre blauen Augen wirkte gleichzeitig müde und neugierig.
      Abgesehen von der rosa Schleife in ihrem Haar war ihre Kleidung unauffällig und bestand nur aus einem weißen, schlichten Kleid, der problemlos auch als Nachthemd durchgehen könnte.

      ----

      Levi, Magnus, Flavius und die anderen hatten den ganzen Tag über alternative Wege von der Hauptstadt und der Akademie ausgemacht und überlegt, wie man diese am effektivsten blockieren könnte.
      Gerade standen sie an einer Holzbrücke, die über den Fluss Wulda - den zugleich größten Fluss des Landes - führte.
      "Vielleicht könnten wir die Brücke manipulieren, die Holzstützen ansägen oder mit der Axt bearbeiten, sodass sie einstürzt, wenn sie mit den Katapulten rüber wollen."
      "Nein. Das ist offenes Gelände, man kann sich hier nirgends auf die Lauer legen und das ist für einen Hinterhalt essentiell. Außerdem sind wir hier mit unseren Apparaturen im Nachteil und ich denke nicht, dass der König es gutheißen würde, wenn wir hier einfach Infrastruktur zerstören."
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae / Leon

      Erneut stellten wir uns dem harten Training, wobei ich mich fragte, was die Ausbilder wohl über uns dachten. Machten wir gute Fortschritte oder waren Hopfen und Malz verloren? Die Hoffnung hatten sie jedenfalls noch nicht aufgegeben, sonst würden sie uns nicht wieder so hart rannehmen.
      Das Falco Abends von Dimitri trainiert wurde, machte mich schon ein wenig neidisch. Ich fragte mich aber vor allem, warum er nicht Baldr trainierte, da er doch sein Knappe war. Wie auch immer.. Mit Fragen käme keiner von uns weiter. Also ließ ich die anderen wieder meinem viel zu nachsichtigem Training nachgehen und beobachtete sie, während ich selbst natürlich auch mitmachte.
      Es war eindeutig: Ausbilder wollte ich ganz sicher nicht werden. Daneben stehen, zusehen und maßregeln war nicht so meins. Viel lieber würde ich sie sich selbst überlassen und allein trainieren. Doch allein käme ich auch nicht weiter. Das Training am Tage war schon eine wirkliche Bereicherung für mich.

      Das wir von einer Krankenschwester und dem jungen Mädchen beobachtet wurden, war mir auch eher unangenehm. Ich blieb jedoch konzentriert, spornte die anderen an und sah, wie das Mädchen auf uns zukam.
      Gerade wollte ich ihr auf ihre Frage antworten, als sie sich vorstellte. Dimitri's Schwester also..
      "Ich bin Leon, freut mich sehr", stellte ich mich vor und verbeugte mich vor ihr, ehe ich ihr charmant zulächelte. Es war mal etwas anderes in so ein niedliches Gesicht zu blicken, als immer nur diese mürrischen Kerle zu sehen.
      "Wir trainieren hier unser Geschick", meinte ich und sah kurz zu der Bank neben mir, ehe ich darauf sprang und zwei Schritte rückwärts ging. "Willst du auch mal?", fragte ich und hielt ihr meine Hand entgegen. "Ich pass auch auf dich auf", versprach ich lächelnd und zwinkerte ihr zu.
      Etwas Ablenkung konnte ja vielleicht nicht schaden. Die anderen machten auch gerade ein Päuschen, was ich ihnen nicht verbieten wollte. Ich zwang schließlich niemanden hier zu sein.

      ______

      Ruven Avenor

      Während unserer abendlichen Freizeit schlenderte ich etwas ziellos durch die Stadt, als ich Lisbeth begegnete. Sie überbrachte einem Boten gerade einen Brief und sah etwas betrübt aus. "Hey Lis.. ist der für Marius?" Marius hatte mir vor unserem Ausflug einen Brief für sie mitgegeben, um ihr mitzuteilen, dass er sie die nächsten Tage nicht besuchen konnte. Sicher war das ihre Antwort darauf.
      "Ja.. ich vermisse ihn..", seufzte sie und legte ihre Hand an ihren Ellenbogen, während sie etwas verlegen zur Seite sah.
      "Er vermisst dich ganz bestimmt auch.. Er spricht dauernd davon, wie er mit dir in ein ruhiges Dorf zieht, wenn er dich geheiratet hat", versuchte ich sie aufzumuntern, woraufhin sie sogar lächelte.
      "Ich kann es gar nicht glauben, dass er mir einen Antrag gemacht hat."
      "Er liebt dich eben." Schmunzelnd stupste ich sie an der Stirn an, was sie zum Kichern brachte. Es war ein unheimlich niedliches Kichern, dass sogar mein Herz fast zum Schmelzen brachte, obwohl ich einer Frau nichts abgewinnen konnte.
      "Komm, lass uns was essen gehen", schlug ich vor und hielt ihr meinen Arm, in dem sie sich lächelnd einharkte.
      Ich führte sie in ein kleines Café und bestellte uns Erdbeerkuchen, den sie so mochte. Anfangs strahlte ihr Gesicht, doch dann erinnerte sie sich daran, wie Marius ihr immer Erdbeerkuchen gekauft hatte. "Ich weiß, dass er dieses Mädchen hätte heiraten sollen und deswegen nun Ärger bekommen hat..", murmelte sie und stocherte in den Erdbeeren herum.
      "Weil du ihm wichtiger bist als sein Ruf oder Geld, Lis." Lächelnd legte ich meine Finger an ihr Kinn und hob ihr Gesicht, damit sie mich ansah.
      "Er bereut es nicht. Mach dir keine Gedanken, ja? Du machst ihn glücklich."
      "Danke Ruven." Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und aß dann ein Stück, ehe sie mir den nächsten Bissen vor die Nase hielt. Ich blinzelte kurz, öffnete dann meinen Mund und wurde dann von ihr gefüttert.
      "Du bist ein guter Freund. Für mich und auch für Marius."
      "Aber wenn du mich so fütterst, wird er wieder eifersüchtig", lachte ich, wobei sie mit lachte. Ich strubbelte durch ihr langes, schwarzes Haar und sah dann in ihre tiefblauen Augen, während ich grinste. Ich konnte verstehen, warum Marius Gefallen an ihr gefunden hatte. Ihre kleine Stupsnase und ihr rundliches Gesicht, eingerahmt von ihren glatten Haaren. Dazu dieses liebenswürdige Lächeln, das einen alle Sorgen vergessen ließ.
      So wie ihr Pony in ihr Gesicht fiel, erinnerte sie mich irgendwie ein Baldr, weshalb ich leise seufzte. "Wollen wir eine Überraschung für Marius planen?", fragte ich. Mit großen Augen nickte sie eifrig und fing schon an zu grübeln. "Du könntest ja leicht bekleidet in einem Gästezimmer in der Wildrose auf ihn warten." Ich hatte den Satz kaum beendet, als ich ihren Ellenbogen in die Rippen bekam.
      "Ruven! Das schickt sich nicht vor der Hochzeit!"
      "Das war doch nur ein Scherz." Lachend nahm ich ihr die Gabel aus der Hand und beugte mich zu ihr rüber.
      "Wobei das ja auch irgendwie völlig überbewertet ist, oder? Du zweifelst doch nicht daran, dass er dich danach wirklich heiraten wird, oder?"
      "N-Nein!" Ihr Gesicht lief rot an und sie versuchte mich böse anzusehen, doch das war nicht ihre Stärke.
      "Ich seh doch, dass du neugierig bist.." Unglaublich, dass ihr Gesicht noch roter werden konnte.
      "Vielleicht!" Gespielt eingeschnappt sah sie zur Seite und schloss ihre Augen. Doch sie öffnete eines davon wieder und sah mich aus dem Augenwinkel an.
      "Was ist mit dir? Hast du etwa.. schon... du weißt schon.."
      "Nein", meinte ich ganz trocken und schob mir einen Stück vom Kuchen in den Mund.
      "Und willst du?", fragte sie nun ziemlich neugierig, woraufhin ich frech grinste und meinen Kopf schief legte.
      "Mit dir?"
      "W-was? N-nein!"
      Ich lachte wieder laut und hielt ihr die Gabel hin.
      "Keine Sorge, ich habe nicht vor über dich herzufallen."
      "Und.. bist du denn verliebt..?"
      "Ich weiß nicht.. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich.. hab mich noch nicht getraut, ihn anzusprechen.."
      "Ihn?"
      Nun war es mein Gesicht, das rot anlief, während ich in ihre großen, fragenden Augen blickte.
      "Bist du etwa in einen Jungen verliebt, Ruven?", flüsterte sie viel zu laut.
      "Sssh!!!" Ich hielt ihren Mund zu und hoffte, dass uns niemand gehört hatte. Das war schon so kompliziert genug..
      "Dir ist klar, dass du mir jetzt alles erzählen musst, oder?", meinte sie grinsend und aß ein Stück Kuchen.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • "Ich darf nicht", antwortete Luzia und deutete auf den Verband an ihrem Arm.
      "Wir müssen jetzt auch rein. Es ist viel zu spät für eine so junge Dame."

      "Nagut. Tschüss."
      Dann verschwand Luzia in Begleitung mit der Krankenschwester.

      Tag drei auch geschafft, doch Tag vier von sechs folgt sogleich und die Anspannung und Nervosität steigen.
      Erneut konnte ich kaum Schlaf finden, der Druck, der beim Gedanken auf mir lastete, dass ich in ein paar Tagen tot sein könnte, lastete auf mir und ließ mein Gedankenkarussell ungehemmt kreisen.
      Tag vier verlief genauso unspektakulär, doch auch heute war etwas im Vergleich zu gestern anders.
      Die Ausbilder gaben uns Feedback über unsere Fortschritte und unsere Stärken und Schwächen.
      Leon schien in allen Bereichen souverän, jedoch in keinem überragend. Meine Schwäche waren Konzentration und Intuition. Yoichi zeigte Probleme mit der Schwertführung, Falco hatte die besten Fähigkeiten mit dem Schwert, jedoch Probleme mit der Beherrschung und dem Ausweichen.
      Von nun an sollten wir gezielt an diesen Schwächen arbeiten. Den ganzen Tag lang. Es war unglaublich monoton, zumindest für mich.
      Bereits gegen Mittag hatte ich keine Lust mehr und ich lechzte nach etwas Abwechslung.
      Nach dem Mittagessen dann ein wenig Auflockerung: ein Übungskampf jeder gegen jeden, dann bis zum Abendessen weiter an den Schwächen arbeiten.
      Danach war Feierabend und jeder durfte seinen eigenen Dingen fröhnen.

      Ich machte erneut Rumpfbeuge kopfüber vom Ast des großen Eichenbaum hängend, um meine Bauchmuskulatur zu trainieren; anschließend machte ich einige Klimmzüge, danach widmete ich mich gemeinsam mit Yoichi dem Bogenschießen.
      Falco verschwand erneut mit Dimitri in der Halle, Luzia schaute der Trainingsgruppe um Lorae von der Bank aus zu.

      Als die Uhr am Glockenturm die elfte Abendstunde einläutete, wurden wir aufgefordert, uns zu waschen und in die Betten zu begeben.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
    • Lorae / Leon

      Nach einer mittelmäßig guten Nacht - ich hatte zumindest keinen Alptraum - begann der Tag von Neuem. Wir trainierten wie üblich, doch bekamen wir heute auch endlich zu hören, wie wir uns schlugen.
      Mit meiner Beurteilung war ich nur einigermaßen zufrieden. Offenbar war ich in nichts wirklich gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Ob man das nun positiv oder negativ betrachtete, war wohl jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil sah das eher negativ, denn ich wollte unbedingt besser werden!
      Ob man uns früher hätte besser ausbilden müssen, würde ich nicht wirklich behaupten. Es war ja nie vorgesehen, dass wir vor unserem Ritterschlag in einem solchen Kampf bestehen mussten. Wenn die Prüfung also ganz gewöhnlich abgehalten werden würde, hätte ich mit meinen Fähigkeiten also ganz sicher bestanden. Alles darüber hinaus, war angesichts unserer Ausbildung also vielleicht zu viel verlangt. Obwohl ich selbst an mir die größten Anforderungen hatte.

      Erneut zog ich meine Kreise um meine Kameraden, die heute scheinbar auch noch nicht genug von meinem Trainingsprogramm hatten. Es freute mich, dass sie solchen Ehrgeiz zeigten.

      ______

      Meredith Ravel

      Ein weiterer Tag verging, an dem wir sämtliche Waffen und Rüstungen im Lager kontrollierten. Die Stimmung war gedrückt, nicht nur bei mir. Niemand wünschte sich einen Kampf, obwohl wir ohne diese wohl nur halb so viel zutun hätten. Der Lehrling schien nicht ganz bei der Sache, aber es beachtete ihn auch niemand so wirklich. Er war noch nicht so weit, dass man ihm die Verantwortung für eine so wichtige Aufgabe übertragen konnte und so stand er immer mehr im Abseits und beobachtete uns aus der Ferne.
      Also ging ich auf ihn zu, erklärte ihm, worauf er achten und was er kontrollieren müsste. Ebenso ob es sich noch lohnte etwas zu reparieren und wie man dies tat. Ich sprach beim Vorführen, fasste mich kurz und nahm keine Rücksicht darauf, ob er mir hinterherkam. Immerhin durfte ich nicht trödeln, doch ich erklärte immer wieder, was ich sah und was ich tat. Wenn es ihm zu schnell ging, hörte er es immer wieder und würde so zumindest ein kleines bisschen lernen, dachte ich.

      Am Abend streckte ich mich ausgiebig und sah aus der Ferne den Knappen bei ihrem merkwürdigen Training zu, welches Leon leitete. Es sah schon recht sinnvoll aus, was sie da taten, aber ich hatte nicht erwartet, dass Ritter so trainieren würden. Vielleicht lenkten sie sich damit auch nur von dem harten Trainings am Tage ab.
      Da ich ohnehin nichts besseres zutun hatte, beobachtete ich auch heute die beiden Jünglinge beim Bogenschießen. Mit kritischem Blick und verschränkten Armen, musterte ich ihre Haltung, aber auch ihre Bögen. Der eine kannte sich ganz gut aus, aber der andere nicht so wirklich. Seine Haltung war an sich korrekt, aber hatte noch etwas unsicheres an sich.
      "Hey du..", sprach ich den Jungen an, der seinem Aussehen nach aus Yamato stammen könnte.
      "Du solltest einen anderen Bogen nehmen..", meinte ich und ging in die Schmiede. Die Waffen für das Training waren zwar allesamt in Ordnung, doch sie hatten definitiv schon bessere Tage gesehen. Außerdem waren diese für Anfänger ausgelegt und der Bursche könnte durchaus für einen schwierigeren Bogen bereit sein.

      Und so kehrte ich mit einem neuwertigem Bogen zurück, dessen Wurfarme nach vorn geschwungen waren, anders als beim gängigen Langbogen. Das Model gehörte noch nicht zum Standard eines Schützen, da er nicht für Anfänger geeignet war.
      "Durch seine Form erzielt man eine höhere Beschleunigung", erklärte ich und strich dabei über dessen Kurven.
      "Aber durch seine leichtere Biegsamkeit, verdrehen sich die Wurfarme leichter ineinander, weshalb du dafür eine gute Technik brauchst."
      Ich nahm mir einen der Pfeile und legte ihn an. "Dafür erleichtert dir dieses Bogenfenster einen sauberen Schuss." Um ihm das ganze zu demonstrieren, spannte ich die Sehne, atmete tief ein und aus, ehe ich meine Finger lockerte und der Pfeil nur knapp die Mitte verfehlte. "Bin wohl etwas aus der Übung.." Durch die Arbeit hatte ich jedoch eine sehr gute Muskulatur in Armen, Schulter und Rücken, aber all zu viel mit dem Bogen geübt hatte ich in letzter Zeit nicht mehr. Eine Armbrust war auf kürzere Distanzen einfacher zu handhaben, vor allem, da man diese schon vorspannen konnte.
      "Versuch's mal.." Ich reichte ihm den Bogen und beobachtete, wie er ihn anhob. "Bei diesem Bogen musst du sehr darauf achten, dass du ihn nicht zu fest greifst", erläuterte ich ihm und trat zurück, um ihn zu beobachten. Mit ein wenig Übung war ich zuversichtlich, dass er diesen Bogen nutzen konnte.

      Der andere.. nunja.. Ich arbeitete daran einen neuen Bogen zu entwerfen, der weniger Kraftaufwand benötigte und dennoch eine hohe Pfeilgeschwindigkeit und Präzision ermöglichte. Doch meine Arbeit wurde unterbrochen, als ich an den neuesten Aufträgen arbeiten musste und dann.. mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt wurde...
      "Du hast noch nicht sehr oft geübt, oder?", fragte ich nun an den anderen gerichtet und trat an ihn heran. Ganz ungeniert griff ich an seine Schultern, drehte ihn mit dem Rücken zu mir und tastete grob seine Muskeln ab. Wie ich mir schon gedacht hatte, waren seine Muskeln nicht an den richtigen Stellen ausgebildet. "Ich hab da vielleicht etwas für dich.. Morgen Abend kannst du mal einen anderen Bogen ausprobieren.. Es schadet aber nicht, wenn du noch etwas mit dem da übst."

      Ich verließ die Akademie, doch kehrte ich nicht in das Gasthaus zurück, sondern in die Hauptstadt, wo ich wieder ein mal mein verlassenes Zuhause aufsuchte. Es war eigenartig und ich hatte ein mulmiges Gefühl, aber mein Forschergeist war wieder erwacht, als ich diesen Knappen sah. Diese Gauner hatten schließlich nur die fertigen Waffen mitgenommen und den Prototypen hatte ich wieder in seine Einzelteile zerlegt, da er noch nicht so war, wie ich ihn haben wollte.
      Die verbesserten Teile hatte ich bereits angefertigt, aber noch nicht zusammengebaut. Also schnappte ich mir mein Werkzeug und verbrachte die nächsten Stunden damit, mein Werk nun doch endlich zu vollenden. Ich wollte mich nicht allein auf das Herstellen aus Stahl beschränken und hatte mich auch mit verschiedensten Rohstoffen befasst, um unter anderem auch Bögen herzustellen.

      ~

      Wie versprochen kehrte ich am nächsten Abend auf den Übungsplatz zurück und überreichte dem Knappen meinen Bogen.

      Durch die ausgefeilte Technik mit nockenähnlichen Kurvenscheiben an den Enden des Bogens können mit nur geringem Kraftaufwand hohe Pfeilgeschwindigkeiten erzielt werden. Durch den geringen Widerstand kann sich der Schütze besser auf das Zielen konzentrieren, da weniger Zuggewicht bei vollem Auszug gehalten werden muss.
      Der große Unterschied zwischen diesem Bogen und den anderen Bogenarten liegt im Aufbau. Während bei allen Bögen die Sehne direkt mit den Wurfarmen verbunden ist, ist sie bei diesem hier ein wenig auf den Scheiben aufgerollt. Beim Spannen des Bogens werden die Verbindungsseile, welche die Scheiben verbinden, auf diese aufgerollt. Dadurch werden die Wurfarme zusammengezogen und es wird Spannung aufgebaut. Jedoch wird dem Schützen der größte Widerstand durch eben jene Kurvenscheiben genommen, sodass er beim Spannen nur eine Kraft von rund 25% halten muss, um bereits gute Ergebnisse zu erzielen.
      Wenn ich diese Bogenart noch weiter verstärken könnte, sollten Pfeile damit problemlos mehrere hundert Meter weit fliegen können. Sobald ich die Zeit und die Ressourcen dafür hätte, würde ich auf jeden Fall weiter daran arbeiten.
      "Ist nur ein Prototyp, aber durch diese Scheiben hier benötigst du viel weniger Kraft beim Spannen. Außerdem hast du hier diese praktische Pfeilauflage und dieses Griffstück für deine Hand~", schwärmte ich ihm vor und erklärte ihm die Besonderheiten, indem ich auf die besagten Komponenten zeigte. "Den Pfeil spannst du auf dieser Sehne." Dabei deutete ich auf die hinterste Sehne, da es für andere womöglich etwas verwirrend aussah, dass noch zwei weitere Kabel die Scheiben miteinander verbanden.
      "Na los. Probier ihn aus!", forderte ich ihn ganz aufgeregt auf und ging zurück, um mein Werk mal aus der Ferne zu betrachten. Dieses Konzept konnte man sicher auch bei der Armbrust verwenden. Mir schossen so viele Ideen in den Kopf und ich konnte kaum erwarten, daran zu basteln!
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Yoichi und ich wollten gerade unser Bogenschießtraining für heute beenden, als diese neue Schmiedin zu uns trat.
      Zuerst wandte sie sich an Yoichi. Sie riet ihm ungeniert, einen anderen Bogen zu nehmen und präsentierte ihm einen seltsam aussehenden Bogen zurück, den sie sogleich in unserem Beisein vorführte.
      Dann wandte sie sich mir zu und bot mir an, für morgen einen anderen Bogen mitzubringen.
      Dies tat sie dann auch.

      Am nächsten Abend, wir hatten gerade einen weiteren anstrengenden Tag und das Abendessen hinter uns gebracht, als die Schmiedin mich bereits am Trainingsplatz empfing.
      Auf ihr drängendes Bitten hin nahm ich den Bogen und begab mich in Position.
      Den Pfeil aufgelegt, die Sehne gespannt, traf ich ziemlich genau und das zu meiner Überraschung mit tatsächlich geringerer Kraft.
      "Interessant. Was für ein Holz hast du verwendet?"
      Während sie mir Auskunft gab, probierte ich mich damit herum. Jedoch hatte ich meine Vorbehalte, da es nur ein Prototyp war und mir einfach die Übung fehlt. Außerdem hatte ich einfach nicht mehr die Zeit, großartig noch mit einem neuen Bogen zu üben.
      "Darf ich ihn behalten oder brauchst du ihn wieder?"

      ---

      Dann brach der Abend vor der Schlacht an.
      Wir versammelten uns auf dem Hof der Akademie, der General versammelte sich mit Dimitri und den anderen Ausbildern auf einem kleinen Podest. Levi, Basim und die anderen fehlten. Für mich war dank Flavius klar, warum. Für die anderen könnte das jedoch ein wenig seltsam wirken, dass unsere besten Kämpfer fehlen.
      Dann räusperte sich der General und begann seine Rede: "Ihr könnt stolz auf euch sein. Ihr habt euch den Umständen und dem Zeitdruck entsprechend zu Kämpfern entwickelt, von denen wir ausgehen, dass sie nicht dem erstbesten Feind wie Lemminge ins Schwert rennen werden. Dennoch gibt es keinen Grund, übermütig oder gar kühn zu werden. Der morgige Tag wird der wichtigste in eurem Leben sein, für den einen oder anderen auch der Letzte. Wenn am Himmel ein rotes Licht aufleuchet, wird einer unserer Wachen ein Signalhorn ertönen lassen. Wenn ihr das hört, werdet ihr weniger als zwei Stunden haben, bis der Feind eintrifft. Also bereitet alles vor und geht früh schlafen. Redet ein letztes Mal mit euren Kameraden. es kann sein, dass ihr ein letztes Mal mit ihnen sprechen werdet. Und geht in die Kapelle und betet. Wir werden Gottes Hilfe brauchen. Abtreten!"

      "Geht früh schlafen. Sehr witzig", grummelte ich in mich hinein, während ich wenig später im Bett lag. ungewohnt früh wie ich fand. Jedoch hatte ich keine Wahl. Verschlafen auf dem Schlachtfeld herumwuseln wäre eine beschissene Idee.
      Meine Ausrüstung war bereit: Kleidung, Schwert, der Signalrevolver, den Flavius mir neulich gegeben hatte.

      Ich hatte jedoch Angst und konnte nicht schlafen, selbst Masturbation half nichts. Irgendwann schlich ich mich durch das Fenster hinaus und betrat die Kapelle. An der Wand am anderen Ende der Kapelle hing die große Figur eines Mannes, der an ein Kreuz genagelt wurde.
      "Hallo", sprach ich und kam mir irgendwie albern vor. Ich kam noch nie aus freien Stücken hierher. Nur Sonntags, wenn der Pfarrer aus der Hauptstadt kam, um zum Gebet zu bitten, wurden wir dazu gezwungen, teilzunehmen. Doch mit dem Tod des Pfarrers und dem Fehlen eines Nachfolgers erlosch diese Tradition vor einigen Jahren.
      "Ich bin Baldr, Knappe und künftiger Ritter. Ich kann nicht schlafen, da ich morgen sterben werde. Also vermutlich. Es gibt so viele Dinge, die mir Angst machen oder mich verwirren. Da ist dieser Junge, Flavius...irgendwie mag ich ihn, doch mag ich irgendwie auch Lorae. Und wenn ich überlebe, wie soll es mit mir weitergehen? Ich denke, für den Aufklärungstrupp bin ich zu weich, also sollte ich vielleicht zur Militärpolizei gehen. Oder ich schließe meine Ausbildung ab und werde ein endgültiger Assassine. Was soll ich tun? Wohin mit mir? Weise mir den Weg, gib mir eine Perspektive!"
      Insgeheim hatte ich mit einer Antwort gerechnet, jedoch wurde geschwiegen.
      Ich drehte mich um. Stand am Eingang nicht jemand?
      "Lorae?", rief ich, jedoch bekam ich keine Antwort. Ich musste mir das eingebildet haben.
      Nachdem ich noch eine Weile nachdenklich in einer der vier Kirchenbänke gesessen habe und von Schweigen und der Dunkelheit der Nacht umgeben war, verließ ich die Kapelle, um auf das Dach des Wohnheimes zu klettern. Ich legte mich auf das Dach und blickte in den klaren Sternenhimmel.
      -----

      Ich musste irgendwann eingeschlafen sein. Als ich erwachte, ertönte bereits das Signalhorn, das von einer der Wachen geblasen wurde. Am Horizont stieg eine strahlend rote Kugel empor. Kurz darauf überdeckte aufsteigender schwarzer Rauch das Licht der Kugel.
      "Scheiße", sprach ich hektisch und kletterte gehetzt vom Dach und durch das von außen herangedrückte Fenster in mein Zimmer.
      Rasch legte ich meine Kleidung an, half Lorae bei ihrer und prüfte ein letztes Mal meine Ausrüstung. Den Revolver von Flavius verstaute ich in einer meiner Taschen.
      Vor der Akademie hatten sich in den letzten zwei Tagen etwa 200 Ritter eingefunden, die ihre Lager aufgeschlagen hatten. Durch das Signalhorn in Bereitschaft versetzt, bereiteten sie ihre Ausrüstung vor, die Schmiede der Akademie und die Knappen der Ritter unterstützten sie dabei.
      In der Krankenstation herrschte ebenfalls Hochbetrieb. Seiz Tagen waren die Schwestern gemeinsam mit Linhardt beschäftigt, den
      alten Keller, der früher als Trainingsraum diente, seit dem Bau der Trainingshalle jedoch zur Abstellkammer für alles wurde, auszuräumen und dort die provisorische Krankenstation einzurichten. Nach einem kurzen Frühstück im Freien wurden die Krankenschwestern sowie Linhardt und Luzia von Dimitri begleitet dorthin gebracht.
      "Bleib schön hier unten, ja?"
      "Was ist los, Bruderherz?"
      "Ein großer Übungskampf. Da draußen wird es also gleich ein wenig laut und ein bisschen gefährlich, aber mach dir keine Sorgen, ja?"
      "Warum wurde die Krankenstation umgeräumt?"
      "Damit es realistischer ist. Alles nur eine Übung für den Notfall. Außerdem bist du hier nicht alleine, alle Schwestern sind bei dir und auch Onkel Linhardt. Außerdem habt ihr genug Essen und Trinken. Und du hast deine Spielsachen!"
      Dimitri küsste ihre Stirn, dann verließ er den Keller und trat die Stufen hinauf. Er fand sich im Wohnheim wieder und verschloss den Zugang, eine schwere Luke im Boden.
      Dann legte er wieder den Teppich darüber, damit er nicht so leicht erkannt wird, dann hieß es auf der Burgmauer der Akademie warten. Das schwere zweiflügelige Tor der Akademie wurde geschlossen, die Ritter davor begaben sich in Position.
      In der Ferne waren kurz nach Sonnenaufgang laute Geräusche und Schemen von Soldaten und schwerem Gerät zu vernehmen, welche langsam den Weg hinaufmarschierten. Dimitri, der General, die anderen und ich standen auf der Burgmauer.
      Hinter ihnen wurden von Pferden fast ein Dutzend Katapulte gezogen, am Ende der Karavane befanden sich weitere Pferde, die sowohl Munition für die Katapulte auf großen, mit Rollen versehenen Schlitten hinter sich herzogen, als auch ein großes, schwarzes Gerät. Groß, schwarz und furchteinflößend.
      Als sie das Plateau am Gipfel des Hügels erreichten, waren sie kaum einhundert Meter von der Akademie entfernt.
      Die Katapulte reihten sich nebeneinander auf, das schwarze Gerät fand sich in der Mitte ein, links von ihm sechs Katapulte, die anderen fünf auf der anderen Seite; einige von ihnen beschädigt.
      Davor positionierten sich etwa 20 Krieger, deren Uniformen denen der Banditen vom Angriff neulich auf das Dorf sehr ähnlich sahen; die Meisten von ihnen bereits verletzt. Waren Levi und die anderen erfolgreich?

      "Attacke!", rief der General seinen Rittern zu, einige von ihnen gehorchten und rannten los, die meisten jedoch blieben stehen.
      "Greift an, verdammt! Was steht ihr da so dumm rum!?"
      Aus dem Dach des schwarzen Gerätes öffnete sich eine Luke, eine Gestalt mit einer schwarzen Rüstung, die mit einigen goldenen Applikationen verziert wurde, lugte daraus hervor.
      "Gebt euch zu erkennen, Männer!", rief sie.
      Die Ritter, die nicht kämpften, kramten ein Armband hervor, welches sie sich über den Oberarm streiften. Mit Entsetzen schauten der General, Dimitri und wir zu, wie die Ritter mit den Armbändern gemeisam mit den feindlichen Kriegern die wenigen Ritter ohne Armband abschlachteten und dann die Seite wechselten.
      "Ihr elenden Verräter! Das werdet ihr bereuen!", der General wandte sich uns zu, "Rückzug!"
      Wir eilten die Treppen hinab von der Mauer, dann feuerten die Katapulte ihre Munition. Beinahe ein Dutzend Kugeln krachten in die Gebäude der Akademie und platzten beim Kontakt mit den Holzsplittern der zerborstenen Balken wie Wasserbomben, überall breitete sich eine schwarze, zähflüssige Flüssigkeit aus und floss auch in die kleinste Ritze, auch der Glockenturm der Kapelle blieb nicht davon verschont.
      "Wer getroffen wurde, soll sich die Kleidung ausziehen, sonst werdet ihr verbrennen!", rief Dimitri, scheinbar von der Dimension des Angriffs überwältigt, sich jedoch im Klaren, was gleich passieren würde.
      Dann flogen Feuerpfeile über die Mauer und entzündeten die Flüssigkeit. Die Flammen fraßen sich durch diese und innerhalb weniger Augenblicke stand alles lichterloh in Flammen. All unser Hab und Gut verloren. Entmutigt und vom Anblick meines brennenden Zuhauses zutiefst entsetzt sank ich auf die Knie. Und nicht nur ich. Auch Falco und Yoichi. Es war so viel schlimmer als gedacht, jegliches bisschen Mut der letzten Tage war wie verpufft.
      Die Schreie von Theo, Edward und Ralph waren bis zu uns hier unten zu hören. Lebendig verbrannt werden und nicht zu fliehen können, weil man gefesselt ist musste ein grausamer Tod sein.
      Dimitri hoffte, dass wenigstens der Keller unversehrt blieb.
      Aus der Vorderseite des schwarzen Gerätes öffnete sich eine weitere Luke, durch Druckluft angetrieben schoss ein großer Haken aus der entstandenen Öffnung, der mit einem dicken Seil verbunden war. Der Haken brach durch die massive Tür der Akademie und verhakte dort.
      Tatenlos mussten wir zusehen, wie ein Torflügel nach zähem Kampf aus den Halterungen barst, dann kamen die feindlichen Krieger hereinggestürmt und stürzten sich auf uns.
      Wir Kinder gegen über 100 ausgebildete Ritter. Ich gab uns trotz der Anwesenheit von Dimitri und dem General keine Chance.

      ----

      Währenddessen musste die Gruppe um Levi im Wald eine herbe Niederlage hinnehmen. Zwar konnten sie die gegnerischen Truppen dezimieren, jedoch waren sie am Ende dennoch einfach zu sehr in der Unterzahl, und durch die Verletzungen mehr oder weniger kampfunfähig, sodass das eigentliche Ziel, die Zerstörung der Katapulte, irgendwann aufgegeben werden musste, lediglich eines konnte gestoppt werden.
      Nero wurde ein Bein zertrümmert, einer von Levis beiden Kameraden verbrannte durch den durch die Flüssigkeit ausgelösten Waldbrand und Flavius hatte mit einer schweren Stichwunde zu kämpfen. Julius hatte es nicht besser erwischt, beide wurden von Augustus und dem anderem überlebenden Mitglied des Aufklärungstrupps versorgt.
      "Was nun, Levi?", sprach Magnus, der gerade versuchte, die Blutungen Neros zu stoppen, in dem er die vielen durch die hervorstehenden Knochenteile enstandenen Wunden am Bein mit Stofffetzen zu verbinden versuchte.
      "Ich eile ihnen nach. Ich werde sie nicht mehr abfangen können, zudem unsere Pferde entweder verbrannt oder geflohen sind, jedoch muss ich ihnen zu Hilfe eilen. Magnus, sollte ich es nicht schaffen, gibt den hier dem Kommandanten."
      Levi drückte ihm einen Brief in die Hand, dann machte er sich auf den Weg.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Meredith war wahrlich entzückt darüber, dass ein Anfänger wie Baldr durch ihren Bogen wirklich ein besseres Ergebnis erzielt hatte. Das bedeutete, dass ihre Kreation wirklich zu etwas taugte - nicht das sie das bezweifelt hätte.
      Da sie mit Holz nicht ganz so viel Erfahrung hatte und es sich bei den zahlreichen Versuchen nicht zufriedenstellend verhielt, hatte sie damit begonnen mit verschiedenen Metallen zu experimentieren. Glücklicherweise mischten sich ihre Eltern nicht ein, wenn sie all ihr verdientes Geld in ihre Experimente investierte. Baldr durfte den Bogen behalten, da sie ohnehin bald einen noch besseren anfertigen wollte.

      Marius konnte ebenso wenig schlafen wie Baldr und kam offensichtlich auf die gleiche Idee. Er wollte dafür beten, Lisbeth wieder zusehen, doch vor anderen käme er sich etwas jämmerlich vor. Obwohl er eigentlich anstandshalber nicht lauschen wollte, konnte er seine Neugier nicht zügeln. Nicht nur, dass er wohl nicht wusste, was er nach dem Ritterschlag machen sollte, hatte er auch was von Flavius und Lorae gefaselt. Den Namen hatte er noch nie gehört und dann rief er ihn auch noch, als ob diese Person hier anwesend sein könnte.

      ___

      Das Signalhorn riss mich aus dem Schlaf. Hastig kletterte ich aus dem Bett, doch Baldr war nicht in seinem. Bevor ich mich jedoch fragen konnte, wo er wohl war, kam er durchs Fenster geklettert. Wir zogen uns an, bewaffneten uns und zwängten uns noch eine Kleinigkeit zu essen rein. Ich hatte eigentlich keinen wirklichen Hunger, da ich ziemlich aufgeregt war.

      Der Anblick unserer zahlreichen Feinde war etwas vollkommen anderes als einem halben Dutzend in den Straßen zu begegnen. Hatten wir wirklich eine Chance? Diese Katapulte waren verdammt gefährlich!
      Nicht nur das, einige unserer Kameraden wandten sich gegen uns und das pure Chaos brach aus. Ich war damit beschäftigt, den Angriffen auszuweichen, als Marius den Verräter vor mir niederstreckte. Gemeinsam hasteten wir den anderen hinterher, die Treppe hinab, als Marius zurücksprang und mich anrempelte. "Scheiße!", zischte er und zog sein Hemd aus, wie Dimitri uns befohlen hatte. Nervös betrachtete ich meine Kleidung doch zum Glück hatte ich nichts abbekommen.
      Nur wenige Augenblicke später schlugen die Flammen auf. Das war noch viel schlimmer, als der letzte Einsatz. Ich suchte panisch nach Baldr, konnte ihn jedoch nicht sehen, bevor Marius mich unsanft am Arm mit sich zog. "Steh nicht rum, Leon!" Ja! Ich musste mich konzentrieren!
      Ich fasste mich, lief zum Tor und erblickte Baldr am Boden knien. "Baldr!" Schnell zog ich ihn auf die Beine, rüttelte ihn an den Schultern und sah ihn streng an. "Du hast gesagt, dass du nicht sterben wirst!", erinnerte ich ihn und riss meinen Kopf herum, als Marius nach mir rief. Unsere Feinde strömten herein, doch wir durften uns nicht geschlagen geben! Vollgepumpt mit Adrenalin zog ich meine Schwerter erneut, wandte an, was ich in den wenigen Tagen gelernt hatte und kämpfte um mein Leben und das meiner Kameraden. Hinter uns die Flammen die unser Heim verschlang und vor uns ein nicht enden wollender Strom an Banditen und Rittern.
      Mit rasendem Herzen versuchte ich meine Atem unter Kontrolle zu behalten und streckte einen nach dem anderen nieder. Ich konnte nicht mitzählen, wusste nicht, ob ich mich gut schlug, doch das Blut unserer Feinde besudelte mehr und mehr meine Kleidung. Wir mussten hier weg, hier waren wir nicht gut geschützt. "Marius! Da rüber!", trug ich den Befehl des Generals weiter, damit auch er ihn vernahm. Zusammen mit Baldr flohen wir soweit ins Innere wie wir konnten, ehe unsere verbleibenden Bogenschützen einen Pfeilregen dort nieder ließ, wo wir uns noch vor kurzem befanden.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Als Lorae mir aufhalf und mich an den Schultern rüttelte, fasste ich mich wieder.
      Ich hatte jetzt keine Zeit zur Trauer, ich musste kämpfen. Für mich, für Lorae, für meine Kameraden und für all jene, die gefallen sind und noch fallen werden.
      Zorn flammte in mir auf. Nein, kein Zorn. Hass. Blinder, kalter Hass. Wie im Rausch rammte ich dem ersten mein Schwert in den Bauch. Meine versteckten Klingen hatte ich dummerweise nicht angelegt und jetzt war es dafür zu spät.
      Als ich mein Schwert rausgezogen hatte und gerade einen weiteren Angriff starten wollte, umzingelten mich plötzlich gleich vier Ritter und holten mit ihren Schwertern aus.
      Instinktiv rollte ich mich nach vorne und prallte gegen einen fünften Ritter.
      Ich bekam wieder Angst und rannte weg. Als ich vor einer Wand zum stehen kam, drehte ich mich um.
      Vor mir die fünf Ritter. Ich hatte mit meinem Leben schon abgeschlossen, als Dimitri gemeinsam mit Falco auftauchte und die fünf zur Strecke brachte.
      "Was soll das? Konzentrier dich und lauf nicht weg!"
      Dann liefen sie zu den nächsten Rittern.
      Ich nutzte einen Moment und beobachtete die Beiden. Dimitri und Falco schienen ein gutes Duo abzugeben. Warum konnte ich nicht von Dimitri ausgebildet werden?
      Jedoch blieb keine Zeit, weiter stehenzubleiben.
      Während ich Lorae suchte, sah ich, dass zwei meiner Kameraden gefallen waren.
      Ich sah die blanke Angst in ihren Augen.
      Dann erreichte ich Lorae. Wir zogen uns ins Innere zurück.
      "Was jetzt?", fragte ich.

      "Wir haben schon zu viele verloren!"
      Ich deutete auf die beiden Gefallenen.

      Die Bogenschützen, zu denen sich zwischenzeitlich auch Yoichi gesellt hatte, feuertern aus allen Rohren und hatten damit sogar ein wenig Erfolg. Jedoch prallten die meisten Pfeile an den Rüstungen ab oder blieben in der Panzerung stecken.
      Als schließlich der schwarze Ritter aus seinem Gerät stieg und den Hof der Akademie betrat, wendete sich das Blatt.
      Scheinbar mühelos, streckte er einen weiteren Rekruten nieder, in dem er seinen Schädel mit einer massiven schwarzen Streitaxt spaltete.
      Dann stieg er die Treppen hoch und lief die Burgmauer entlang zu den Bogenschützen hinüber.
      Die Pfeile prallten einfach ab, sogar mit dem neuen Bogen, den Yoichi von Meredith bekommen hatte, konnte der Pfeil die Rüstung nicht weit genug durchbohrten, um dem Ritter ernsthafte Schaden zuzufügen.
      Nach und nach schlachtete er die meisten Bogenschützen ab und die wenigen, die entkommen konnten, sprangen in Panik von der Mauer und brachen sich das Genick. Auch Yoichi sprang und brach sich beim Aufprall in eine Hecke die Hand und blieb liegen.
      Der schwarze Ritter sprang schließlich ebenfalls und steuerte direkt auf Dimitri zu.
      "Pass auf", rief Falco seinem Mentor zu; Dimitri drehte sich um und konnte gerade noch einem heftigen Schwinger mit der Axt ausweichen.
      Dann begann ein heftiger Zweikampf zwischen den beiden.
      "Hilf deinen Kameraden, Falco. Mach deinen Bruder stolz! Sei der Held, der du immer sein wolltest!", rief Dimitri.
      Falco nickte und in seinen Augen zeichnete sich ein unbändiger Wille ab.
      Er hob ein zweites Schwert vom Boden auf und war wie verwandelt. Drei Ritter stürmten auf ihn zu, Falco machte einen Satz nach vorne und parierte den ersten Angriff, dann konterte er.
      Der erste Ritter fiel. Der General schloss sich ihm an, gemeinsam erledigten sie die anderen Beiden.

      Währenddessen tobte der unerbittliche Zweikampf zwischen Dimitri und dem schwarzen Ritter mit der Streitaxt.
      Minutenlang bekämpften sie sich gnadenlos, Funken sprühten jedes Mal, wenn ihre Waffen aneinanderprallten.

      "Du kannst nicht gewinnen. Selbst wenn du mich tötest, wirst du den Verfall eures Landes nicht aufhalten können."
      "Was meinst du?"
      "Du bist ein Narr, genauso wie dein Vater und der König. Euer Traum von einem vereinten Land wird heute scheitern."

      In einem günstigen Moment konnte Dimitri mit einem geschickten Hieb seinen Gegner entwaffnen, als dieser jedoch seine Axt fallen ließ, zückte er mit der anderen Hand einen Dolch und zog es Dimitri vertikal durch das Gesicht.
      Sein rechtes Auge wurde dabei stark in Mitleidenschaft gezogen, Blut floss über sein Gesicht und tropfte auf seine Kleidung.
      Dimitri zuckte zurück, dann spürte er, den Dolch des schwarzen Ritters in seinen Bauch eindrang.
      Dann bekam er noch einen Tritt; Dimitri fiel mit dem Rücken nach hinten in den Staub und blieb in seiner blutigen Lache liegen.

      Ich bekam die Szenerie um Dimitri mit, während ich mit Lorae und Marius von einer geschützteren Position aus kämpfte.

      "Neeein! Dimitri!"
      Obwohl ich daran gehindert wurde, riss ich mich kos und rannte wie ein Anfänger über das halbe Schlachtfeld zu ihm, wurde jedoch unterwegs von einem Ritter aufgehalten, der mir einen heftigen Schwinger mit dem Schwertgriff gegen den Kopf verpasste, sodass ich in den Staub fiel und meine Sicht für einen Moment verschwamm.
      Der Ritter stellte sich über mich und holte mit seinem Schwert aus, um es mir in den Bauch zu rammen.
      Ich zog instinktiv meine Signalpistole und schoss damit blind in die Luft.
      Für einen Moment war ich in Gedanken bei Flavius, dann wurde für mich für einen Moment alles schwarz.
      Die austretende rote Kugel blendete den Ritter, sodass er seinen Angriff unterbrach.
      Zu meinem Glück kam Yoichi zu Hilfe geeilt, der sich inzwischen wieder berappelt hatte und trotz seiner gebrochenen Hand und der damit verbundenen starken Schmerzen irgendwie kämpfen konnte. Er stach den Ritter nieder.
      Jedoch schien er mich nicht wahrgenommen zu haben, sofort kam ein weiterer Ritter und überwältigte Yoichi, der jedoch glücklicherweise von Falco gerettet werden konnte.
      Wir hatten zwar bereits einige Ritter eliminieren können, jedoch waren es einfach noch immer viel zu viele und dann gab es noch den schwarzen Ritter.

      --

      Flavius wurde von Basim an einen Baum gelehnt.
      "Nero ist tot", flüsterte er in tiefer Trauer während er sich um Flavius' Wunden kümmerte.
      "Scheiße", entgegnete dieser.
      "Was ist passiert?"

      "Die Knochensplitter haben eine wichtige Ader an mehreren Stellen aufgerissen. Ich konnte nichts mehr für ihn tun, er ist mir einfach verblutet. Stirb du mir jetzt nicht auch noch weg."
      Dann erhellte meine rote Kugel den Himmel über der Akademie. Trotz der Rauchsäule, die noch bis in die Stadt zu sehen war, überstrahlte die Kugel wie der Stern von Bethlehem zumindest für einen Moment alles andere am Himmel.
      "Baldr", keuchte Flavius und spuckte Blut.
      "Ich muss zu ihm."

      "Du kannst nicht. Sieh an dir herab."
      "Meinst du, er schafft es auch ohne mich? Ohne uns?"
      "Ich weiß es nicht...lass uns beten und hoffen. Und lass mich dich vernünftig verarzten, ja?"
      Flavius keuchte kraftlos, dann schloss er seine Augen.
      "An dem Abend, nachdem wir nach den Planungen für den Hinterhalt noch in der Taverne Abend gegessen hatten..ich hab mich danach noch mit ihm getroffen.

      Anfangs war er gar nicht davon begeistert, mich zu sehen, jedoch hatten wir es."
      Basim schwieg für einen Moment.
      "Derartige Beziehungen unter Kollegen sind niemals gut."
      "Das ist mir egal. I
      ch brauche einen Sinn im Leben, etwas wofür sich das alles hier lohnt. Ohne ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann, ist leben für mich nichts wert. Dann kann ich mich auch erhängen.
      Ich möchte mehr sein als jemandes Schachfigur, die bis zum Tod kämpft und danach einfach ersetzt wird. Ich möchte über mein eigenes Leben entscheiden."
      "Und du meinst, dass dieser Junge das ist, was du suchst?"

      "Das wird die Zukunft zeigen."
      Basim seufzte, eigentlich wollte er nicht nachhaken,. jedoch wollte er Flavius bei Bewusstsein halten.
      "Wie war es?"
      "Er hat so gut geschmeckt und so gut gerochen...so männlich...und obwohl er unglaublich unsicher und sensibel ist, ist er ziemlich geschickt mit den Händen...mmmh, seine weichen Hände...so weich, wie die eines Mädchens..so wie meine Hände..."
      Flavius konnte sich ein schwaches Kichern nicht verkneifen, sein Blick wurde fahler. Basim klatschte ihm sanft auf die Wange.
      "Bist du noch da?"
      "Ja..
      "
      "Warum hast du mir das erzählt?"
      "Weil ich dir vertraue, Mentor...uugh...Mir ist so kalt."
      Flavius hustete Blut und es wirkte so, als müsste er lachen.
      "Sollte ich das nicht packen, richte ihm aus, dass ich ihn sehr gern hatte, kannst du das für mich machen?"
      "Werde ich und jetzt halt still, wir haben es gleich."

      -----

      Dimitri erwachte in einem schwarzen Nichts.
      Vor ihm saßen Basim und er selbst.

      "Man erzählt sich, Asaruludu´s Geist wohnt in diesem Schwert und wenn der rechtmäßige Träger des Schwertes in Lebensgefahr schwebt, fängt die Klinge an zu brennen und alles, was sie berührt, wird von Flammen ergriffen, die nicht gelöscht werden können und solange lodern, bis das Ziel vollständig verbrannt ist."
      "Wer ist Asaruludu?"
      "Eine Gottheit einer antiken Mythologie, soweit ich weiß."
      "Glaubst du an sowas?"
      "Mir hat mal jemand gesagt: Es gibt Dinge, die kann man nicht sehen, die muss man glauben. Und es gibt Dinge, die muss man sehen und kann sie nicht glauben."
      Basim musste schmunzeln: "Und es gibt Politiker, da kann man nicht glauben, das die noch einer sehen will. Davon hab ich auch gehört, aber das beantwortet meine Frage nicht."

      Dimitri musste schmunzeln. Dann erloschen die beiden Gestalten und er blieb alleine in dieser Dunkelheit zurück.
      Er blickte sich um.
      "Wo bin ich? Bin ich tot?"

      "Ja."
      "Wer ist da?"
      Von oben erschien ein kleines Licht, welches langsam größer wurde und sich schließlich zu einem groß gewachsenen Mann mit langen, lodernen Haaren manifestierte, der vor Dimitri stand. Das Schwert in seiner Hand brannte.

      "Ich bin Asaruludu."

      "A.. Asaruludu? Der Mythos ist also wahr?"
      "Das ist er."
      "Wenn ich tot bin, was wird nun mit mir geschehen? Und was ist mit meiner Familie, meinen Freunden und Kameraden?"
      "Deine Freunde und Kameraden werden alle sterben, ebenso dein Vater. Euer Königreich wird zerfallen, der König wird mitsamt seiner Familie und seinem Gefolge enthauptet werden. Aufstände werden folgen,
      und es wird unter den neuen Herrschern zu massiven Spannungen kommen, die letztlich in einen 100 Jahre andauernden Krieg münden werden."
      "Was ist mit Luzia? Wird sie weiterleben?"
      "So leid es mir tut, sie ist bereits gestorben. Die Flammen haben sie erfasst. Sie, die Schwestern und auch den Jungen."
      Neben Asaruludu tauchten für einen Moment die schemenhaften Gestalten von Luzia, Linhardt und den Schwestern auf, ehe sie zu Asche zerfielen.
      Dimitri senkte den Kopf und sank auf die Knie. Er griff etwas von der Asche und ließ sie mit Tränen in den Augen durch seine Finger rieseln.

      "Luzia... Linhardt...es tut mir Leid...ich hab euch alle enttäuscht. Und was wird nun aus mir? Komme ich in den Himmel oder in die Hölle?"

      Er blickte zu Asaruludu hinauf.

      "Weder noch. Ich kann dich zurück ins Leben holen. Allerdings nicht ohne einen Preis."
      "Was ist dieser Preis?"
      "Dein Preis ist deine Lebenskraft."

      "Meine Lebenskraft?"
      "So ist es. Wenn ich dich wiederbelebe, bleiben dir exakt dreizehn Jahre. Im Gegenzug schenke ich dir das Leben und meine Kräfte."
      "Mein Zuhause, die Akademie ist niedergebrannt, meine geliebte Schwester ist tot, Porco ist tot, meine Mutter ist tot...bis auf mein Vater ist alles was mir lieb und teuer war, fort. Sag, welchen Sinn hat es also für mich, weiterzuleben?"
      "Du hast meine Kräfte. Nutze sie und gib deinem Leben einen neuen Sinn. Rette deine Kameraden, stürze den König und lass dich krönen, ziehe die Urheber deines Unglücks zur Rechenschaft, rette dein Königreich, baue die Akademie wieder auf und gründe eine Familie, um dein Vermächtnis zu bewahren. Oder du stirbst und mit dir deine Kameraden, dein Vater und dein Königreich. Du hast die Wahl. Doch bedenke, dass deine Kräfte nicht unbegrenzt sind. Jedes Mal, wenn du von meinen Kräften Gebrauch machst, reduzieren sich deine Kräfte und damit auch deine Lebensdauer. Bist du bereit, diesen Preis zu zahlen?"
      Dimitri setzte sich hin und überlegte. Er überlegte lange. Dann fasste er einen Entschluss.

      ----

      Zurück auf dem Schlachtfeld. "NoCh niCHt...icH bIn nOch niCHt toT...!" Dimitri zuckte einmal und schlug seine Augen auf. Dann zuckter er erneut und erneut; immer und immer wieder und schneller werdend und er verkrampfte sich dabei zum Teil, während er sich langsam und ferngesteuert wie eine Marionette aufrichtete und dabei aussah, als wäre er vom Teufel bessessen und bräuchte einen Exorzisten. "IcH biN noCH niCHt toT!"
      Das ging so lange, bis er schließlich wieder aufrecht stand und sich seine Bewegungen langsam normalisierten und seine Stimme wieder wie die eines Menschen klang.
      "Leih mir deine Kraft, Asaruludu!". Aus dem Griff seines Schwertes ragten nun dornige Ranken, die sich um seine Hand wickelten und einen Blutzoll als Tribut einforderten. Daraufhin fing die Klinge seines Schwertes, das er fest in seinen Händen hielt, erst an zu glühen und anschließend an zu brennen.

      "WO BIST DU, DU BASTARD! ZEIG DICH!", rief er entschlossen und suchte das Schlachtfeld nach dem schwarzen Ritter ab, während er von einem Dutzend feindlicher Ritter umzingelt wurde.
      Ich hatte mich zwischenzeitlich wieder gefangen und war gerade mit Lorae dabei, einige andere Ritter zu erledigen.
      Fassungslos und ungläubig sah ich mit an, wie Dimitri mit diesem brennenden Schwert kurzen Prozess mit seinen Feinden machte. Die Schreie, als sie mitsamt ihren Rüstungen und Schwerten vom Feuer verzehrt wurden. hallten bis zu mir hinüber, der Geruch des verbrannten Menschenfleisches verursachte in mir ein starkes Unwohlsein. Und noch etwas war anders an ihm. Dimitris Bewegungen hatten sich verändert, er wirkte agiler, schneller und stärker; irgendwie....unmenschlich.
      Schließlich fand er den schwarzen Ritter. Dimitri rannte schreiend auf ihn zu und holte mit seinem brennenden Schwert aus.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

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