I wanna be a knight, no matter what [Kiimesca & Haruka]

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    • Lorae / Leon

      Als wir am nächsten Morgen überraschend geweckt wurden, richtete ich mich ruckartig auf und starrte regelrecht zu Dimitri hinunter. Ein Glück waren die Decken hoch genug, dass ich mir nicht den Kopf dabei gestoßen hatte. Ich blickte zu Baldr, der das Fenster öffnete und dann wieder zu Dimitri, der von einer Ankündigung sprach.
      Schnell kletterte ich aus dem Bett, rückte mein Korsett zurecht und zog mir frische Kleidung an. Anschließend kämmte ich schnell mein Haar und putzte mir die Zähne - irgendwie hatte ich die Sorge, dass Levi mich sonst wieder beschimpfen könnte, obwohl er vermutlich gar nicht anwesend war. Dennoch wollte ich es nicht riskieren. So war ich zumindest einigermaßen frisch, als ich mich auf den Hof begab und nach Baldr suchte. Da ich dafür jedoch nicht genug Zeit hatte, reihte ich mir irgendwo ein und verfolgte die Ansprache. Die Kampfausbildung sollte schon heute beginnen? Das konnte nichts gutes bedeuten..
      Nachdem sich die meisten Schüler in den Speisesaal begaben, war es für mich nicht mehr so schwer Baldr auszumachen, auch wenn ich ihn nur von hinten sah. Ich lief schnell zu ihm rüber und warf ihm nur einen besorgten Blick zu, ehe wir zusammen mit den anderen in das Büro des Generals gingen.

      _____

      Theo beobachtete den Assassinen vor sich - was hätte er auch sonst tun sollen, wenn er sich nicht rühren konnte. Das Sprechen wurde ihm jedoch nicht erlaubt, so blieb ihm nur das Zuhören. Dies tat er jedoch nur halbherzig, denn er hatte nicht vor etwas zu sagen, wozu sollte er dann genau zuhören? Belangloses Zeug über das Verdursten, das er sich nicht gegen die Gefangennahme wehrte und Foltern durch seine Eule. Mit Ehrengast vermutete Theo Levi, doch auch das spielte keine Rolle.
      Er wollte ihm also von den Augen ablesen? Sollte er etwa blinzeln? Einmal für Ja und zweimal für Nein? Als Nero ihm noch näher kam, versuchte er erst gar nicht, die Augen seines Gegenüber zu fixieren, da er aus dieser Entfernung nur Schielen würde. Das bewirkte nur, dass Theo quasi durch ihn durchstarrte und einfach ins Leere blickte, weshalb es ihm auch nicht besonders schwer fiel sein Starren ohne jegliche Veränderung durchzuhalten. Wie waren denn überhaupt seine Optionen? Er bot ihm ja nicht einmal etwas an, wofür sich der Verrat lohnen könnte.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Glücklicherweise hatten meine Augen Lorae schließlich entdeckt. Ich erwiderte ihren besorgten Blick, während wir die Treppen hinauf zum Büro des Generals gingen. Die Ausbilder und der General waren jedoch noch nicht da, sondern kamen erst Minuten später in Begleitung von Basim und Dimitri. Nachdem die Tür aufgeschlossen wurde und die entprechenden Personen das Büro betreten hatten, wurden wir Rekruten hineingelassen. Sofort wurde der Ton schroffer.
      "Hinstellen. In eine Reihe. Linken Arm am Körper, mit dem rechten salutieren." Der General wartete, bis alle ihre Positionen eingenommen hatten, dann begann er seine Ansprache.
      "Lasst es uns kurz fassen. In sechs Tagen werden Feinde mit schwerem Gerät und Söldnern einmarschieren und versuchen, unsere Akademie zu belagern. Wir wissen nicht, was sie wollen, wer sie sind und warum sie das machen. Gewiss ist jedoch, dass wir jeden brauchen, den wir kriegen können, um diese Einrichtung, euer Zuhause zu verteidigen. Da die Zeit drängt und da wir Leute brauchen, werden wir nun eure Kampfausbildung beginnen. Wir werden euch hart rannehmen und keine Gnade walten lassen. Wenn ihr diese Schlacht überlebt, habt ihr eure Prüfung bestanden und eurem Ritterschlag steht nichts mehr im Wege. Danach steht es euch frei, als Ritter euer Brot zu verdienen, Ausbilder zu werden oder euch einer unserer anderen militärischen Abteilungen anzuschließen und euch dort zu spezialisieren."
      Es herrschte für einen Moment Stille im Raum. Entsetzen zeichnete sich in den meisten Gesichtern der zehn künftigen Absolventen, inklusive meinem, ab. Die meisten von uns hatten nie richtig gekämpft, nur zur Übung um die Grundlagen zu erlernen, auf denen die Kampfausbildung aufbauen würde.
      "Also muss ich kämpfen?", entgegnete Linhardt schockiert. Er verabscheute das Kämpfen und wollte lieber als Sanitäter Menschen retten, anstatt sie als Ritter zu töten.
      "Ja", entgegnete der General kühl.
      "Falls ihr noch Fragen habt, dann stellt sie hier und jetzt!"

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      Nero überlegte einen Moment, dann entfernte er sich ein Stück von Theo.
      "Da deine Augen das einzige sind, womit zu kommunizieren kannst, spielen wir ein kleines Spiel. Einmal blinzeln ja, zweimal blinzeln nein. Erste Frage: Willst du etwas zu trinken haben?"


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      Währenddessen beratschlagten sich Julius und Augustus wegen der letzte Nachricht von Magnus, die er in der Nacht verschickt hat, kurz nach dem er lange mit Nero gesprochen hatte.

      "Ich verstehe nicht, warum wir Krauss, von Maffei und Wegmann nicht einfach umlegen und die Halle mit den Werkzeugen in die Luft jagen können. Stattdessen sollen wir Levi abfangen, wenn er die Hauptstadt passiert und ihm die Bitte von Nero überbringen, gleichzeitig noch die Vergangenheit von Theo erforschen und noch die Aktivitöten der drei Zielpersonen überwachen."

      Augustus überlegte eine Weile und knetete seine Unterlippe.

      "Wenn wir das machen würden, laufen wir Gefahr, dass der Angriff sofort erfolgt und die Leute an der Akademie keine Zeit zur Vorbereitung haben. Schließlich sind laut Flavius Söldner in die Sache verwickelt und die werden eigene Waffen haben, vielleicht sogar Belagerungsgeräte. Wir würden damit wahrscheinlich alles nur noch schlimmer machen. Allerdings könnten wir die Geräte am Abend vor der Ausfuhr manipulieren oder ihnen den Marsch zur Akademie so unangenehm wie möglich machen. Mit Fallen und dergleichen. Aber das muss ich erst mit Magnus und Nero besprechen."

      "Wie stellst du dir das vor? Wir haben weniger als eine Woche."
      "Ich muss überlegen. Vielleicht hat Flavius eine Idee."

      "Gut",Julius war nicht sonderlich überzeugt, "wie fahren wir bis dahin fort?"
      "Ich werde nach Levi Ausschau halten und schaue auf dem Weg zur Stadtmauer noch kurz bei Theos Vater vorbei. Sein Vater ist Bäcker und ziemlich bekannt."
      "Fein. Dann schaue ich nach unseren Zielpersonen."



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      Flavius derweil hatte keinen Erfolg bei der Suche nach den Söldnern, die laut der Aussage des Militörpolizisten ein Lager im Norden hatten. Ohne einen genauen Geruch der Zielperson würde die Eule nichts finden.



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    • Lorae / Leon

      Mir war etwas mulmig, als wir vor dem Büro warteten und niemand wusste, was hier los war. Das konnte aber auch daran liegen, dass ich gestern weder zu Mittag, noch zu Abend gegessen hatte oder dieses Gefühl zumindest bekräftigen. Dennoch konnte ich jetzt nicht ans Frühstück denken und betrachtete die strengen Gesichter unserer Vorgesetzten.
      Im Büro nahm ich unverzüglich geforderte Haltung ein, die ich aus Respekt aber auch ohne Aufforderung eingenommen hätte und behielt den General im Blick, der uns über die spontanen Pläne zur Kampfausbildung und dem Ausflug aufklärte. Für einen Moment hielt ich meinen Atem an, denn die nächsten Tagen würden tatsächlich schlimmer werden, als die vorherigen. Ritterschlag hin oder her, ich würde mein bestes geben, um die Akademie zu verteidigen. Meine Entschlossenheit ein Ritter zu werden, wollte ich nie wieder schwinden lassen.
      Aus den Augenwinkeln sah ich zu Linhardt, dem es offensichtlich nicht gefiel zu kämpfen. Ich verurteilte ihn nicht dafür, dass er womöglich ein Problem mit dem Töten hatte, doch ich wusste nicht, ob er dazu auch fähig wäre. Marius, der zwischen uns stand, sah ebenfalls sehr entsetzt aus. Vermutlich war ihm der vergangene Einsatz wohl doch etwas zu viel gewesen. Innerhalb kürzester Zeit so etwas noch einmal durchleben zu müssen, würde für ihn sicher nicht leicht werden. Vor allem machte ich mir Sorgen um Baldr und hoffte, dass es dieses Mal etwas besser bei ihm ausgehen würde.
      Ich selbst war in Sorge, dass wir es nicht schaffen könnten oder wir viele Verluste beklagen müssten. Doch ich war umso entschlossener dieses Mal alles richtig zu machen. Als der General uns aufforderte unsere Fragen zu stellen, zögerte ich kurz. Nur ganz kurz, ehe ich meine Stimme erhob. "Sir, habe ich bei der Wahl meiner Waffen freie Hand?", fragte ich, wobei mein Herz vor Aufregung raste. Ich wusste nicht, ob das eine überflüssige Frage war, doch das klassische Bild eines Ritters war immer das eines Schwertes und Schildes. Natürlich entschied sich nicht jeder für diese Ausrüstung, aber bevor ich Levi sah, hatte ich noch nie jemanden so mit zwei Klingen kämpfen sehen. Auch ich fühlte mich bei dem Führen von zwei Schwertern am sichersten und wollte mit meiner Frage nur abklären, ob es gestattet wäre. Bei der eigentlichen Prüfung hätte ich lediglich ein Schwert geführt. Doch selbst wenn es eine lächerliche Frage wäre, die mir Gelächter einbrächte, so würde ich mich davon nicht beirren lassen. Und wenn es eine absurde Frage wäre, die Ablehnung fände, so würde ich widersprechen, da es meiner Meinung nach nicht wichtig war, wie oder mit welchen Waffen man kämpfte, sondern nur, dass man effektiv kämpfte.

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      Ruven

      Beim Frühstück stocherte ich nachdenklich in meiner Schüssel herum und dachte an die Ansprache des Generals. Ich würde einen Ausflug machen und die diesjährigen Absolventen sollten schon vor der Prüfung mit der Kampfausbildung anfangen? Was hatte das zu bedeuten? Viel mehr fragte ich mich jedoch, warum Theo nicht bei den anderen Ausbildern war. Wo trieb er sich jetzt schon wieder herum? Das schien ziemlich wichtig zu sein, also hätte er doch anwesend sein müssen.

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      Nachdem Theo stur geblieben war, wollte der Assassine wirklich das Spiel spielen. Was sollte sich dabei ändern? Die erste Frage verwunderte ihn jedoch und erschien ihm nicht wie ein freundliches Angebot, sondern wie eine Fall. Würde er nun Ja sagen, würde sein Gegenüber vermutlich erst eine Gegenleistung haben wollen, ehe er etwas trinken dürfte. Sicher müsste er es sich erst verdienen und am Ende wäre es durchaus denkbar, dass er gar nichts bekäme. Je nachdem, wie diabolisch der Assassine war.
      Theo sah ihn einen Moment an und blinzelte zwei Mal für Nein. So leicht würde er ihm nicht die Zügel in die Hand geben.
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    • "Dürft ihr", entgegnete der General knapp. "Jeder soll mit den Waffen kämpfen, mit denen er sich wohlfühlt. Gibt es weitere Fragen?"
      Ich überlegte fieberhaft und bickte mich dabei in der Runde um. "Ist der Hauptgefreite noch nicht zurück?"
      "Nein. Wenn es keine weiteren Fragen gibt, dürft ihr abtreten und zum Frühstück gehen. Danach tretet ihr auf dem Hof an. Wegtreten!"
      Hastig und gestresst verließ ich mit den anderen im Gleichschritt den Raum und versuchte dabei in der Nähe von Lorae zu bleiben, Basim blickte mir nach.
      Als alle den Raum verlassen hatten und Basim mit DImitri und dem General zurückblieb, setzte er sich.
      "Ich hoffe, Levi kommt rechtzeitig zurück."
      "Ja. Ohne ihn sind wir unter Umständen aufgeschmissen. Ach übrigens, Vater, ich brauche von dir die Auflistung und den schriftlichen Befehl, dass deine Leute hier anrücken sollen."
      "Klar, hier." Der General öffnete seine Schublade und drückte Dimitri eine Karte der Region und ein handgeschriebener und unterzeichneter Brief mit dem Siegel des Generals, sofort alle anderen Aktivitäten einzustellen und sich zur Akademie zu begeben.
      "Viel Glück, mein Junge."
      "Danke", entgegnete er und nahm die Gegenstände entgegen, um sie in seiner Tasche zu verstauen. Dann verließ er das Büro und spurtete die Treppen hinunter zum Stall.
      Wenige Minuten später war er bereits auf dem Weg zum ersten Außenposten der Ritter.



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      Augustus eilte über die Dächer der Stadt und landete kurz darauf vor der Bäckerei von Theos Vater unweit der Innenstadt. Es war ein schlichtes Fachwerkhaus mit weißen Wänden. Schlicht, aber sauber.
      Er betrat die Bäckerei. Der Geruch von Brot stieg ihm in die Nase.
      "Guten Morgen", entgegnete Augustus. "Ist Ihr Geschäft schon geöffnet?"
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      "Gut, wie du willst. Kein Wasser für dich."
      Nero war dies gleich. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, setzte er sich auf seinen Hocker und zog aus der Innentasche seiner Montur den Lederbeutel mit der Metallflasche, aus der er weitere Schlücke trank, eine dünner Strom Wasser rann ihm dabei über die Wange und tropfte auf den Boden. Sein Adler beobachtete die Szenerie von seinem Balken aus und gab ein Geräusch von sich.
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    • Lorae / Leon

      Ich nickte nur knapp und sah zu Baldr, als er nach dem Hauptgefreiten fragte und ebenso interessiert zum General, der dies verneinte. Mit ihm an unserer Seite wären unsere Chancen weitaus höher. Ob wir Knappen wirklich viel dazu beitragen konnte, bezweifelte ich etwas. Die wenigsten waren bereit für so etwas. Womöglich gar keiner. Nicht einmal ich. Ich wusste nicht, ob ich diese Schlacht überleben würde, aber ich war bereit zu kämpfen, solange ich dazu fähig war. Und ich hatte nicht vor zu sterben.
      Im Speisesaal angekommen, verteilten wir uns wie üblich, sodass ich mich mit Baldr zu Franz setzen konnte. Ich blickte kurz zu Marius, der sich jedoch an einen anderen Tisch setzte, obwohl er die letzten Male immer bei uns gesessen hatte. Er sah noch immer geschockt aus. "Ob wir die Prüfung bestehen..?", fragte ich, damit Franz es nicht mitbekam, dass unsere Prüfung nun eine echte Schlacht werden würde. Sie waren mit Sicherheit in der Überzahl und wir bestanden zu einem guten Teil aus Knappen. Seufzend begann ich zu essen, auch wenn mir gerade nicht mehr danach zumute war.

      ____

      David, der ältere Bruder von Theo und Ruven brachte gerade frisches Brot in den Laden, als Augustus eintrat. "Guten Morgen", grüßte er ihn mit einem munteren Lächeln, als seine Frau aus dem Haus kam und Augustus ebenfalls mit einem freundlichen Lächeln begrüßte. "Guten Morgen, immer hereinspaziert." Er war zwar früher dann, als die Kunden für gewöhnlich kamen, doch als Bäckerfamilie waren alle schon seit einer ganze Weile auf den Beinen. "Was darf es denn sein?", fragte sie und legte ihre Hände ineinander.

      ____

      Theo beobachtete den Assassinen etwas argwöhnisch, schnaubte dann leise und schloss dann seine Augen. Ihm war durchaus bewusst, dass die nächsten Stunden oder gar Tage nicht leicht für ihn werden würden. Harald würde ihn sicher nicht suchen, dafür spielte er sich viel zu sehr auf, als hätte er etwas zu sagen. Vermutlich wollte er Theo nicht ernst nehmen, da er über 10 Jahre jünger war und dennoch war Theo für die Akademie zuständig. Als Dimitri jedoch mit seiner Armbrust ankam, musste er die Verantwortung notgedrungen an ihn abgeben. Oliver und Ruven wären die einzigen, die seine Abwesenheit bemerken würden und besorgt darüber wären. Hoffentlich würde Oliver nicht versuchen ihn zu finden, denn er würde keine Stunde in Gefangenschaft aushalten.
      Nachdem Theo seine Augen wieder geöffnet hatte, sah er sein Gegenüber nachdenklich an. Ihm stand keine erfreuliche Zeit bevor und doch war er bewusst in die Falle getappt, da Harald sich etwas überlegt hatte.
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    • Als ich mit Lorae und den anderen die Speisekammer erreicht und mir eine Portion des Haferbreies genommen hatte, setzte ich mich mit Lorae an den Tisch, an dem bereits Franz saß.
      "Ich weiß nicht", gestand ich leise flüsternd und schob mir einen Löffel des faden Frühstücks in den Mund. In Gedanken stellte ich mir vor, wie schlimm die nächsten Tage sein müssten.

      ___

      Augustus hatte zwischenzeitlich überlegt, seine Montur abzulegen und in seiner Unterkleidung herumzulaufen, die auch ohne Probleme straßentauglich ist, jedoch entschied er sich dagegen, weshalb die Kapuze aufblieb.
      Er blickte sich kurz um und wandte sich anschließend der freundlichen Bedienung zu.
      "Bringen Sie mir doch ein Frühstück zum hieressen, eines Ihrer Brote mit was obendrauf. Und danach hab ich ein Anliegen, das ich mit dem Herrn des Hauses zu besprechen wünsche."
      Er wusste nicht, ob Frühstück zum Hieressen eine Sache war. Zwar entdeckte er einige Sitzmöbel, jedoch musste dies nichts bedeuten.

      ____

      Nero ignorierte Theo für den Rest seiner Schicht. Stattdessen lief er abwechselnd im Kreis um die bronzene Glocke herum, redete mit seinem Adler in einer fremden Sprache und setzte sich wieder auf seinen Hocker. Er wirkte sichtlich gelangweilt. Irgendwann begann er zu singen.
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    • Lorae / Leon

      Da wir nicht weiter darüber sprachen, aß ich schweigend mein Frühstück und fragte mich, wie hart das Training wohl sein würde. Einerseits freute ich mich darauf, endlich richtig zu trainieren, doch die Aussicht in nur wenigen Tagen um Leben und Tod zu kämpfen, schmälte diese Freude. Ich beeilte mich mit dem Essen und stand als erste auf. "Ich muss noch etwas holen", informierte ich Baldr, weshalb ich mich so beeilt hatte. Ich lief schnell auf unser Zimmer und befestigte das zweite Schwert an meiner Hüfte. Wenn nun das Training für den bevorstehenden Kampf stattfand, wollte ich es auch mit vollem Einsatz absolvieren.
      Eilig lief ich wieder nach unten und auf den Hof, wo sich schon der ein oder andere Rekrut eingefunden hatte. Ich suchte kurz nach Baldr, ehe ich zu Marius aufsah, der mich mit hochgezogener Augenbraue ansah. "Wenn du so kämpfst wie in Paradis, haben wir wenigstens minimalistische Chancen.." Wie? Ich allein könnte wohl kaum gegen wer weiß wie viele bestehen. Ich freute mich zwar über dieses Lob, doch wir waren eine Einheit und nur gemeinsam könnten wir den Feind bezwingen. "Du bist auch ein guter Kämpfer, Marius. Bleib am Leben, ja?" Lisbeth wäre sonst sehr unglücklich, wenn er es nicht schaffen sollte. Wir waren zwar nicht so gut wie der General oder Dimitri, aber ganz wehrlos waren wir nicht.

      ____

      Die junge Frau nickte Augustus zu und richtete ihm ein Frühstück an. Nur Reisende frühstückten hier, was auch seine seltsame Kleidung erklärte, doch sie würde ihn nicht fragen. Sie servierte ein paar Scheiben frisches Brot mit einem Stückchen Butter, etwas Schinken und Käse. Ebenso ein Glas selbstgemachten Orangensaft, bevor sie in der Backstube verschwand, um ihren Schwiegervater darüber zu informieren, dass der Gast mit ihm sprechen wollte.
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    • Als Lorae im Begriff war zu verschwinden, nickte ich ihr zu und aß weiter den faden Brei. Dann wandte ich Franz zu.
      "Warum dürft ihr eigentlich nicht mitkommen?"
      "Ich...wir müssen auf die Akademie aufpassen und saubermachen", log ich. Ich wollte ihm die traurige Wahrheit ersparen. Zu sagen, dass ich um Leben und Tod kämpfen müsste und das vielleicht unsere letzten gemeinsamen Momente sind, brachte ich nicht übers Herz.
      "Wenn du nachher aufbrichst, pass auf dich und die anderen auf, ja? Und denk an das. was wir dir hier beigebracht haben."
      "Ist gut."

      Nachdem wir aufgegessen hatten, verabschiedete ich mich mit einer Umarmung - etwas, das ich sonst nie tat und ihn entsprechend verwunderte - von Franz und verließ die Kammer, um mich einer kurzen Hygiene hinzugeben; Zähneputzen, Haare kämmen, mein Gesicht waschen. Dann schritt ich auf den Hof, wo neben einigen anderen Rekruten bereits Lorae und Marius warteten.
      "Da bin ich", seuftze ich sichtlich angespannt. Ich wusste nicht, was mich nun erwarten würde.

      Während die restlichen Rekruten nach und nach eintrudelten und schließlich vom General in die Trainingshalle geführt wurden, die an den Trainingsplatz anknüpfte und ein Training im Winter und bei schlechtem Wetter ermöglichte, wurden die Jüngeren von ihren Ausbildern dazu aufgefordert, in der Speisekammer zu bleiben.
      Als schließlich alle in der Halle waren, bekamen die Ausbilder vom General ein Zeichen, dann durften sie die Kammer verlassen und sich auf ihren Ausflug vorbereiten; Taschen packen, darüber spekulieren, was sie in der Hauptstadt alles unternehmen werden und warum er so kurzfristig und überraschend stattfindet.

      __

      Augustus setzte sich und beobachtete die geübten Handgriffe der Frau, die sein Frühstück rasch und sorgfältig zubereitete.
      "Oh, sogar mit Saft. Vielen Dank", entgegnete er freundlich und begann zu essen.
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    • Lorae / Leon

      Ich stupste Marius, der völlig in Gedanken war, mit meinem Ellenbogen an und zwang mich zu einem aufmunternden Lächeln. Das wird schon irgendwie, würde ich sagen, aber das ließ ich lieber sein. Dann kam auch schon Baldr zu uns, der genau so angespannt wie Marius war. Das konnte ich nur zu gut verstehen.. Ich wirkte vielleicht etwas lockerer als die beiden, aber ich hätte auf so einen Kampf vor dem Ritterschlag verzichten können. Nichtsdestotrotz war ich nicht so pessimistisch, verängstigt oder niedergeschlagen wie die anderen Rekruten. Hoffentlich würden sie in den nächsten Tagen etwas mehr Zuversicht gewinnen, sonst könnten wir gleich aufgeben.
      Zusammen mit den anderen betrat ich die Trainingshalle und atmete tief durch. Ich war schon nervös, aber noch immer entschlossen unser Zuhause mit allen Mitteln zu verteidigen.

      ____

      Als sie wieder nach vorn kam, nickte sie dem Gast höflich zu. "Herr Avenor wird in einer halben Stunde zu Ihnen kommen. Ist das in Ordnung?" In der Zwischenzeit waren auch Theo's Mutter und seine junge Schwester in den Laden gekommen, um die Waren wie jeden Tag ansehnlich zu präsentieren. Die beiden sahen nur kurz zum Gast, grüßten ihn freundlich und widmeten sich ihrer Arbeit.

      ____

      Meredith

      Heute hatte ich etwas besser geschlafen, auch wenn ich mich noch immer ziemlich erschöpft fühlte. Nicht unbedingt körperlich, eher seelisch. Meine Lebensfreude hatte tiefe Wunden erlitten und ich versuchte an nichts anderes als die Arbeit denken. Vom Trauern kämen meine Eltern schließlich auch nicht zurück.. und ich war kein kleines Mädchen mehr, dass sich heulend im Zimmer einschloss. Dennoch fühlte es sich an, als wäre auch in mir etwas gestorben.
      Kaum hatte ich jedoch meinen neuen Arbeitsplatz betreten, gab es eine wichtige Ansprache und unser Meister ordnete an, dass wir die Arbeiten an den Aufträgen einstellen und uns um die Vorbereitungen und Wartungen der Ausrüstungen der Ritter kümmern sollten. Das machte mich etwas stutzig, doch ich fragte nicht nach, denn er sah nicht so aus, als würde er uns mehr dazu sagen. Noch nicht jedenfalls. Vielleicht war das auch so eine Sache, die einmal im Monat, Quartal oder sonstigem Zeitraum von uns erwartet wurde.
      Ich befürchtete jedoch schlimmeres, wenn die jüngeren Rekruten die Akademie für einen spontanen Ausflug verlassen sollten und für die übrigen die Kampfausbildung vorgezogen wurde. War die Sache, in die Edward verwickelt war, wirklich so groß? War die Bedrohung so nah?
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      - Eugene Ionesco
    • "Zum Aufwärmen dehnt ihr euch und lockert eure Muskulatur! Danach nimmt sich jetzt jeder ein Holzschwert und verteilt der ihm zugewiesene Trainingspuppe ein paar schöne Schläge!"; sprach der General streng.
      Während wir dies taten, hallten die Schläge durch die große Halle. Der General lief währenddessen um uns herum und beobachtete unsere Haltung und Körperspannung. Zudem gab er uns Tipps.
      "Mehr Spannung in den Armen und den Schultern, Linhardt. Du schlägst wie ein nasser Sack! Kopf nach oben, den Feind immer im Blick haben!"
      "Falco! Nicht so wild! Du musst deine Schläge kontrollierter ausführen, wenn du im Kampf die Oberhand haben willst!"
      Nachdem wir fast dreißig Minuten fürs Aufwärmen hatten, schnappte sich der General ebenfalls ein Holzschwert und forderte uns auf, in einer Reihe Platz zu nehmen. Die beteiligten Ausbilder sowie Basim beobachteten das Geschehen dabei aufmerksam vom Hintergrund aus und machten sich Notizen.
      Dann winkte er einen der Ausbilder zu sich und drückte ihm ein Holzschwert in die Hand. Nun führte er uns vor, wie man richtig ausweicht. Ein wenig erinnerte mich das an dieses Fechten, über das ich mal in einem Buch gelesen habe.
      Obwohl der General nicht mehr der Jüngste war, sein Haar war grau und fehlte am Hinterkopf bereits, so war er dennoch äußert agil und ließ sich nicht treffen. Es war, als könnte er vorhersagen, wie der nächste Angriff des Ausbilders aussehen würde.
      Plötzlich fing der General an, Falco anzugreifen, womit er natürlich nicht gerechnet hatte. Dann machte er einen Satz zu Linhardt, der ebenfalls unvorbereitet war und sich treffen ließ und traf schließlich aus einer Drehung heraus auch mich. Ich taumelte einige Schritte zurück und fasste mir an die durch den Hieb schmerzende Schulter.
      "Schwach! Aufstehen und in die Reihe stellen!"
      Sich in seiner sich entwickelnden Meinung bestätigt wandte er sich nun uns zu: "Ihr müsst immer vorbereitet sein, eure Umgebung im Auge behalten sonst habt ihr bereits verloren! Die Feinde da draußen interessieren sich nicht, ob und wie gut ihr kämpfen könnt. Die wollen nur ihr Ziel erreichen und scheuen sich nicht davor, euch abzuschlachten, wenn es darauf ankommt."
      Der General zuckte mit seinem schwertführenden Arm, als würde er zu einem erneuten Angriff ansetzen, jedoch war dies eine Finte, um zu sehen, ob wir konzentriert sind und ihn überhaupt verstanden haben.

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      "Fein", entgegnete Augustus und ließ sich sein Frühstück schmecken. Zwischenzeitlich hatten zwei weitere Damen die Bäckerei betreten, dessen freundliches Grüßen er mit einem kurzen Nicken erwiderte.
      Als er sein Mahl zwanzig Minuten später beendet hatte, verbrachte er die restliche Zeit damit, sich umzusehen.
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    • Lorae / Leon

      Es war anders unter solch strenger Anleitung und Beobachtung zu kämpfen und ich hoffte, dass ich mich gut schlagen würde. Ich hatte trainiert wie eine Irre, war stets konzentriert dabei und gab mich nicht mit dem bisher erreichten zufrieden. Ich wollte noch besser werden. Viel viel besser. Meine Hiebe waren vielleicht nicht die kraftvollsten, dafür aber gezielt und schnell. Mein Feind musste ja nicht unbedingt nach einem Hieb schon tot sein, ein zweiter Hieb, unmittelbar nach dem ersten, würde es auch tun. Vor allem wenn ich mit zwei Schwertern kämpfte, wäre ich in der Lage meine Gegner regelrecht nieder zu metzeln. Ich war wohl wirklich verrückt, wie Marius mich bezeichnet hatte. Doch diese Ausbildung war schließlich das, wofür ich lebte. Nichts wünschte ich mir sehnlicher, als ein starker Ritter zu werden. Ich war mir meiner Schwächen bewusst, doch auch meiner Stärken und ich wusste, dass es in einem echten Kampf niemals so sauber zugehen würde, wie beim Training. Was der General uns demonstrierte, als er ohne Vorwarnung ein paar Schüler angriff. Obwohl wir nur zusahen, spannte ich Arme und Schultern an, hielt mein Schwert fest und verinnerlichte jede Bewegung der beiden Kämpfenden. Nach seiner Demonstration, dass man immer gewappnet sein musste, konzentrierten sich auch die anderen, die davon ausgegangen waren, dass wir hier nur zusahen. Davon war ich zwar ausgegangen, doch bei einem guten Kampf fieberte ich immer mit und hatte selbst ein wenig das Bedürfnis zu kämpfen.
      Ich hatte meistens zwar eher das austeilen, als das ausweichen und parieren geübt, aber durch meinen eigenen Kampfstiel war ich mir bewusst darüber, das man nicht nur den ersten Angriff sehen durfte, sondern mit einem zweiten rechnen musste. Mein rechter Arm war durch das Training mit einem Schwert zwar deutlich stärker, doch wenn ich mit diesem einen Angriff einleitete, der von meinem Gegner pariert werden würde und nur einen Wimpernschlag später mit dem Schwert in meiner linken Hand ausholte, wären meine Chancen einen Treffer zu landen deutlich höher. Ich wüsste selbst nicht genau, wie ich so einem Angriff am besten ausweichen sollte, obwohl ich sehr geschickt war.
      Ein Kämpfer mit Schwert und Schild könnte seinen Schild nicht nur zum Blocken verwenden. So einen Schild gegen sein Kinn zu kriegen, tat sicher verdammt weh. Das durfte man nie außer Acht lassen. So wie ein Kämpfer mit nur einer Waffe nach einem Abwärtshieb, der ins leere ging, noch zu einem direkten Aufwärtshieb ausholen konnte, mit dem man rechnen musste. Auch könnte er statt seiner Waffe zusätzlich seine Faust oder Beine benutzen. Solche Schläge wären zwar nicht tödlich, aber sie könnten eine Lücke in die Verteidigung schlagen, dem dann der tödliche Angriff folgen könnte. Wann immer ich konnte, hatte ich anderen beim Training zugesehen. Auch Dimitri hatte ich zugesehen, um mir das ein oder andere eventuell selbst aneignen zu können.

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      Nach der halben Stunde unterbrach der Bäcker seine Arbeit und überließ sie seinem Sohn, als er sich zu dem Gast gesellte. "Sie wollten mit mir sprechen? Wie kann ich denn helfen?" Für gewöhnlich hatten die Leute meist Fragen zu den Backwaren, wollten ihm etwas verkaufen oder nach seiner Tochter fragen.
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    • "Zeit für einen kleinen Übungskampf." Der General zeigte auf Falco und Linhardt. "Ihr beide gegen mich."
      Dann deutete er auf Leon und mich. "Ihr kämpft gegen den guten Ferdinand hier", er deutete auf den Ausbilder, mit dem er vorhin das Ausweichen geübt hat.
      Die anderen wurden ebenfalls in Zweiergruppen aufgeteilt, sodass am Ende insgesamt fünf Gruppen entstanden sind. Marius musste mit einem anderen Rekruten gegen Basim kämpfen.
      "Hergehört! Zuerst werdet ihr nur ausweichen. Nur ausweichen,verstanden?"
      Dann ging es los. Ferdinand setzte zu einem schnellen Schlag an, ich konnte so schnell nicht reagieren und wurde erneut an der Schulter getroffen, dann erfolgte ein zweiter Angriff, diesmal gegen meinen linken Oberschenkel. Zum Schluss wurde mir die Holzklinge gegen die Brust gedrückt. "In einem echten Kampf wärst du jetzt tot."
      Falco und Linhardt stellten sich ebenso miserabel an, wie Marius und die anderen sich schlugen, konnte ich nicht sehen. Nun wandte sich Ferdinand Leon zu.
      Er wusste, dass er gut aufgrund des fleißigen Trainings bereits ziemlich gut war, deshalb war er hinterhältig und täuschte erst einen Schlag an, um anschließend einen Schritt zur Seite und eine flinke Drehung hinter ihn zu machen, um ihm das Holzschwert gegen den Nacken zu schlagen. Mit einem echten Schwert wäre er jetzt enthauptet.

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      "Setzen Sie sich. Ich brauche Auskunft zu Ihrem Sohn Theo. Informationen über sein Umfeld, seine Vergangenheit."
      Dann holte er ein vergoldetes Emblem mit dem eingravierten Wappen des Königshauses hervor und legte es vor sich auf den Tisch. Jenes Emblem bescheinigte, dass Augustus für die Königsfamilie tätig war und damit im erweiterten Sinne in dessen Interesse handelte, gleichwohl er von Magnus den Auftrag erhielt, Nachforschungen zu Theo anzustellen.
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    • Lorae / Leon

      Ferdinand war schnell und Baldr hatte keine Chance. Nun war ich an der Reihe und auch wenn sein erster Schlag nur eine Täuschung war, wich ich zurück. Im Angriff sah ich vielleicht ganz gut aus, aber im Ausweichen hatte ich leider zu wenig Erfahrung. Er war zu schnell und obwohl ich seine Drehung sah, konnte ich mich nicht rechtzeitig ducken und bekam den Schlag ab. Zischend legte ich meine Hand auf meinen Nacken und presste meine Zähne aufeinander. So ein Mist!
      Doch ich drehte mich schnell wieder um, da ich sicher war, dass er uns keine Pause gönnen und direkt weitermachen würde, so wie es bei den anderen Gruppen auch war. Ich durfte nicht so steif sein. Das Ausweichen ließ bei mir wirklich zu wünschen übrig.
      Bei seinem nächsten Angriff, hielt ich zwar ein wenig länger durch, doch ich glaubte, dass ich die Anweisung 'nur ausweichen' leider zu meinen Ungunsten ignoriert hatte, als sein Hieb gerade so an meiner Brust vorbeirauschte und ich instinktiv seinen Arm zwischen meinem Brustkorb und meinem Arm einklemmte, sodass er zwar keinen weiteren Hieb ausführen konnte, doch dafür kassierte ich eine heftige Kopfnuss, nach der ich auf meinen Hintern fiel und zähneknirschend meine Stirn hielt. Egal wie viele Schläge ich einstecken musste.. Ich würde nicht aufgeben und immer wieder aufstehen. Ich stand schnell wieder auf den Beinen, als er sich wieder Baldr zuwandte.

      ___

      Der Bäcker setzte sich ihm gegenüber und zog fragend die Augenbrauen zusammen, ehe er auf das Emblem sah und kurz nachdachte. "Über sein Umfeld kann ich nicht viel erzählen. Er verbringt die meiste Zeit in der Akademie und kommt uns nur gelegentlich besuchen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, ob er Freunde hat. Und was seine Vergangenheit angeht.." Was sollte daran interessant sein? Theo war ein ganz gewöhnlicher Junge, eines ganz gewöhnlichen Bäckers. Da er nicht der Erstgeborene war, wurde er zum Ritter ausgebildet. Seiner Familie fehlte es an nichts, wohlhabend waren sie aber auch nicht. Seine Erziehung war ebenfalls gewöhnlich, jedenfalls in seinen Augen. Seine Mutter war hin und wieder etwas streng, aber stets um sein Wohl besorgt. Nichts besonderes. Er raufte sich nie mit anderen Kindern, vielleicht mal mit seinem älteren Bruder, wobei der den Streit meistens angefangen hatte. Mit Ruven schien er sich gut zu verstehen, der ihm später auf die Akademie folgte und immer, wenn er zu Besuch war, davon erzählte, was für ein toller Ritter Theo war.
      Nach einem kurzen Schweigen stützte er sein Kinn auf seine ineinander verschränkten Hände, während seine Ellenbogen auf dem Tisch lagen. "Ich glaube zwar, dass Sie mir keine Antwort darauf geben werden, aber.. warum interessieren Sie sich für Theo?"
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco
    • Ferdinand wandte sich nun wieder mir zu.
      Erst trat er hart nach mir, wobei ich diesmal mit einem Satz nach hinten ausweichen konnte. Und auch den folgenden Hieb mit seinem Schwert konnte ich ausweichen, in dem ich mich duckte.
      Jedoch war ich da bereits in seine Falle gegangen. Sein Knie donnerte mir gegen das Kinn.
      Ich fiel wie benommen nach hinten auf den Rücken, dann drückte die Holzklinge erneut auf meine Brust. "Tod. Erneut", murmelte der Ausbilder und drehte sich danach um, wobei er mit seinem Schwert zu einem wilden Schwinger ansetzte und dabei Marius am Hinterkopf traf, der gerade bemüht war, Basim auszuweichen.

      ___

      Augustus hörte aufmerksam zu, doch bevor er auf die Frage seines Gegenübers einging, blickte er sich um, um sich zu vergewissern, dass kein anderes Familienmitglied davon Wind bekommt.
      "Nun..Theo ist Verdächtiger in einer laufenden Untersuchung und derzeit in einer Art Untersuchungshaft. Es geht dabei um Beihilfe zum Waffenschmuggel.
      Außerdem wurde mit seiner Armbrust vor knapp einer Woche der Bruder des Generals umgebracht, weshalb er auch deswegen Verdächtiger ist. Meine Aufgabe ist es nun, mehr über seine Vergangenheit herauszufinden, um mögliche Motive zu erforschen. Hat Theo hier ein Zimmer oder Wertsachen, die ich mir ansehen kann?"
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    • Lorae / Leon

      Auch Baldr war im Vergleich zum ersten Versuch etwas besser geworden, was wohl daran lag, dass wir das Training mit jedem schmerzvollen Treffer umso ernster nahmen. Als Ferdinand allerdings auch noch Marius angriff, der fluchend dann auch noch einen Treffer von Basim einstecken musste, schnaufte ich kurz. Endlich bekamen wir ein richtiges Training, auch wenn es wehtat. Wenn die anderen Ausbilder ebenfalls zu solchen Tricks greifen würden, wäre es besser mich von ihnen fernzuhalten.

      _____

      Theo's Vater war einen Moment sprachlos, ehe sich sein Gesichtsausdruck in Bedauern umwandelte. Sein Sohn sollte ein Verbrecher sein? "Theo war lange nicht mehr hier." Deshalb bezweifelte er, dass es Hinweise in seinem Zimmer gab. Vielleicht würde er aber auch genau deswegen etwas finden. Also führte der Bäcker Augustus in das Haus, die Treppen hinauf und in das hinterste Zimmer. Das Bett war leer, sollte Theo doch mal hier schlafen, würde seine Mutter schnell etwas Bettwäsche drauf legen können. Im Regal waren ein paar Bücher, die bestimmt schon Jahre keiner mehr angefasst hatte, außer wenn seine Mutter in dem Zimmer Staub wischte. Hätte sie dabei irgendetwas seltsames gefunden, wüsste er davon. "Theo redet nicht viel, aber er hatte immer ein gutes Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder Ruven. Er ist noch Schüler an der Akademie."
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      - Eugene Ionesco
    • Nachdem wir noch eine Weile das Ausweichen trainiert hatten, die Meisten von uns jedoch nicht merklich besser wurden und zudem Anzeichen von Erschöpfung und fehlender Konzentration zeigten, gab der General ein Zeichen zu Stoppen.
      Mittlerweile saß ich von blauen Flecken übersäät auf dem Boden und schnaubte erschöpft und frustriert.
      "Gut. Wir machen jetzt eine kurze Trinkpause in der Speisekammer und dann üben wir das Parieren und Kontern", sprach er mit strenger Miene
      Seufzend rappelte ich mich auf. Ich brauchte dringend Wasser, die Trinkpause kam mir wie gelegen. Den anderen erschien es nicht anders zu ergehen.
      DIe anderen gingen bereits vor und auch ich wollte gerade aufbrechen, als Basim mich am Ärmel festhielt.
      "Warte kurz, wir müssen reden."

      "Was gibt es?"
      Basim ging mit mir einen Schritt zur Seite.
      "Die Mission mit Flavius ist für dich erstmal abgeblasen. Du musst dich auf deine Ausbildung und die Verteidigung der Akademie konzentrieren."
      "Wer wird an meiner statt Flavius Rückendeckung geben?"
      "Ich werde mir was überlegen. Wir sind schließlich noch ein paar mehr als die, die du bisher kennengelernt hast."
      "Gut. Danke für die Info."
      Dann durfte ich gehen. Hastig eilte ich den anderen nach und bediente mich mit einem Krug an den großen Wasserschüsseln, die mit Wasser aus unserem Brunnen gefüllt waren.
      Dann setzte ich mich neben Lorae auf die Bank.
      "Endlich ausruhen", seufzte ich erschöpft.


      ___

      Augustus folgte dem Mann in die obere Etage und trat nach ihm in das karg eingerichtete Zimmer.
      "Ich werde mich hier ein wenig umsehen. Danke."
      Dann blickte er sich genau um, jedoch entdeckte er nichts auffälliges. Dann untersuchte er die Bücher.
      "Hauptsächlich Romane..bis auf das hier. Yamato, Land der aufgehenden Sonne." Er klappte die Bücher nach und nach und blätterte sie sorgfältig durch, in der Hoffnung, Notizen zu finden. Jedoch gab es nichts dergleichen. Im letzten Buch jedoch, dem Sachbuch über die Geschichte Yamatos, fand er einen Hohlraum. Darin lag ein kleiner, rostiger Schlüssel. Augustus stutzte. "Na sowas..kein echtes Buch. Zu welchem Schloss der Schlüssel wohl passen mag?"
      Augustus nahm ihn an sich und legte das Buch zu den anderen zurück ins Regal. Augustus vermutete, dass dieser Schlüssel ein Geheimnis verbergen sollte, andernfalls hätte man ihn nicht versteckt. Er blickte sich daher erneut um, tastete die Wände ab, durchsuchte den leeren Schrank nach einem versteckten Schloss oder einer Aussparung, jedoch war nichts zu finden. Sogar die Bodendielen untersuchte er auf eine Luke oder dergleichen und klopfte sie ab, jedoch vergeblich. Seufzend und ein wenig enttäuscht verließ er das Zimmer und schritt hinunter ins Erdgeschoss, wo sich die Bäckerei befand.
      "Haben Sie eine Vermutung, wo dieser Schlüssel passen könnte?"
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Haruka Watanabe ()

    • Lorae / Leon

      Ich musste zwar viele Schläge einstecken und hatte bestimmt mehr als ein Dutzend blauer Flecken, doch mein Enthusiasmus blieb mir. Davon würde ich mich nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil. Es spornte mich regelrecht an, mich zu verbessern. Meine Ausdauer war durch mein intensives Training auch ziemlich gut, sodass ich nach der Trinkpause problemlos weitermachen könnte. Ich war motivierter denn je.
      Als Baldr mit Basim zurückblieb, sah ich kurz verwundert zurück, setzte meinen Weg jedoch fort und nahm einen großes Schluck Wasser. Anschließend setzte ich mich auf eine der Bänke und sah in den Himmel, bis Baldr folgte und sich neben mich setzte. "Bist du schon erschöpft?", neckte ich ihn und stupste ihn mit einem frechen Grinsen mit meiner Schulter an. Ich fragte nicht, was Basim von ihm wollte, auch wenn ich ein wenig neugierig war.

      _____

      Der Bäcker ließ den Assassinen allein und widmete sich wieder seiner Arbeit, auch wenn er sich über Theo den Kopf zerbrach. Als Augustus mit einem Schlüssel zu ihm kam, betrachtete er diesen nachdenklich, doch ihm fiel nichts ein. "Nein, tut mir leid.." Er seufzte leise, da er Theo so etwas nie zugetraut hätte. Er war immer recht ruhig und lehnte sich nie gegen etwas auf. Meistens fügte er sich den anderen sogar. Aber er kannte seinen Sohn wohl doch nicht so gut, wie er gedacht hatte.
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      - Eugene Ionesco
    • "Und wie", seufzte ich. "Kein Wunder. So intensiv hab ich nie trainieren müssen." Ich leerte meinen Krug in großen Schlücken, dann füllte ich ihn an einer der Wasserschüsseln auf, um ihn mir über den Kopf zu kippen. Die kühle Flüssigkeit fühlte sich gut auf meiner vom Schweiß nassen Haut an. Dann füllte ich erneut nach und setzte mich zurück zu Lorae.
      Etwa zwanzig Minuten später wurde das Training fortgesetzt. Der General und Ferdinand standen vor uns. Ferdinand griff sein Gegenüber mit seinem Holzschwert an. Diesmal parierte der General mit einem Holzschild und konterte, indem er Ferdinand erst den Schild ins Gesicht und minimal versetzt in einer flinken Bewegung sein Schwert gegen seinen Bauch drückte. Beim nächsten Angriff klemmte er seinen Arm ein und schleuderte Ferdinand grob weg. Danach erfolgten weitere Angriffe, welche der General mit verschiedenen Techniken parierte und konterte.
      Danach waren wieder wir an der Reihe, die Gruppen waren exakt identisch.
      Ferdinand drehte einige Runden um uns, wie ein Löwe der seine Beute umkreist und machte dann einen flinken Satz zu Leon.

      ---

      "Macht nichts. Ich muss mich hier umsehen", sprach Augustus und begann, auf dem Boden herumzukriechen und die Bodendielen abzuklopfen.Dies ging eine ganze Weile so, bis er zu dem Schluss kam, dass der gesamte Eingangsbereich unauffällig war.
      In einer kleinen Nische jedoch, die er danach abklopfte, war unter den Dielen ein Hohlraum zu vernehmen.
      "Hier ist etwas", sprach er betont laut und begann, mit seinen versteckten Klingen die Nägel aus den Dielen zu drücken. Jedoch gab es zu seiner Verwunderung keine. Er konnte die Dielen einfach herausheben, als wären sie einfach nur aufgelegt. Unter ihnen befand sich eine Holzplatte, die die Dielen stützen, ihnen eine stabile Unterlage geben sollten. Nachdem er diese ebenfalls herausgehoben und an eine Wand gelehnt hatte, atmete er verblüfft aus und plusterte dabei kurz seine Wangen auf. Eine Treppe kam zum Vorschein, die zu einer Tür führte. Dann wandte er sich den Bewohnern des Hauses zu, die teils neugierig, teils skeptisch den Assassinen bei seiner Arbeit beobachtet hatten und den wenigen Gästen auffiel: "Wussten Sie von dieser Treppe?"
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    • Lorae / Leon

      Müssen. Genau, wir mussten nie so hart trainieren und genau das war mein Problem. Ich konnte durch dieses Training die Worte des Hauptgefreiten und seine Meinung über uns sehr gut verstehen. Im Eulennest wurden die Rekruten nicht so sanft behandelt wie wir. Wir hatten viel zu viele Freiheiten und jetzt? Jetzt standen wir vor einer Schlacht und die meisten von uns konnten sozusagen gerade mal ein Schwert halten. Das war zwar etwas übertrieben, aber.. Wir hätten so viel besser sein können, wären wir nicht in diesem Teil des Landes geboren. Ich hätte so viel besser sein können. Dies war jedoch nicht mehr zu ändern und wir mussten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren.
      Gebannt beobachtete ich den Schaukampf zwischen dem General und Ferdinand, ehe wir uns selbst versuchen sollten. Endlich musste ich mich nicht nur Ducken, Drehen und Wegspringen. Das Ausweichtraining war jedoch sehr hilfreich. Das Parieren hatte ich schon viele Male in meinen Kämpfen mit den anderen Knappen geübt. Sie waren mit Ferdinand natürlich nicht zu vergleichen, aber ich hatte zumindest mehr Erfahrung damit.
      Mein Blick fixierte den Ausbilder, aber ich achtete auch immer darauf, dass uns keiner von den anderen zu nahe kam - man wusste ja schließlich nie, ob sie uns nicht spontan angriffen. Das hier war zwar ein Training, aber.. Wenn ich mit einem Kameraden vor nur einem Gegner stehen würde, ohne zu wissen, ob er stark war oder nicht, würde ich immer davon ausgehen, dass er es wäre. Und dann würde ich ihn auch nicht in einem Zweikampf entgegentreten. Baldr und ich waren schließlich ein Team und er in diesem Moment unser Gegner.

      Ich blieb dicht neben Baldr stehen, wartete auf einen Angriff, der aufgrund unserer Trainingsaufgabe gewiss kommen würde. Den Schild trug ich nah an meinem Körper und als er Baldr angriff, vertraute ich darauf, dass Baldr den Hieb parieren würde. Baldr stand links von mir, unsere Schilde trugen wir ebenfalls links.
      Es war wie erwartet eine Finte, sonst wäre es ja auch viel zu leicht. Baldr hob seinen Schild, doch Ferdinand zog an diesem vorbei und änderte schnell und präzise seine Richtung. Ich wusste nicht, ob ich richtig handelte, denn ich handelte instinktiv und gab Baldr einen kleinen Schubs mit meiner Hüfte, sodass er dem Angriff - der nicht mehr auf seinen Rumpf, sondern auf sein rechtes Bein gerichtet war - entging und ich sein Schwert mit meinem Schild in Richtung Boden lenkte, damit Baldr den Gegenangriff auf Ferdinand ausführen konnte. Ich hatte doch versprochen auf ihn aufzupassen und das würde ich. Auch beim Training, wenn es möglich war. Damit er Baldr nicht mit einem spontanen Aufwärtshieb erwischen konnte, zielte ich mit meinem Schwert auf Ferdinand's Schwertarm, der ihm in einem echten Kampf das Handgelenk kosten würde, während Baldr ihm hoffentlich den Rest geben würde.

      ______

      Theo's Familie beobachtete den Assassinen recht neugierig, da bis auf sein Vater noch niemand wusste, was dieser Mann hier überhaupt suchte. Dieser sah ihn etwas skeptisch an, als er die Treppe fand, von der niemand etwas wusste, außer David, sein älterer Bruder. Das Haus war schon seit vielen Generationen im Besitz der Familie und der Keller wurde sicher irgendwann mal zur Lagerung benutzt, aber seit langer Zeit nicht mehr. "Theo hat sich als Kind manchmal dort versteckt, wenn ich ihn geärgert habe.." Manchmal war David etwas grob zu ihm, aber unter Brüdern war es nicht unbedingt überraschend. Er hatte ihn dort nie gefunden, aber irgendwann hatte er zufällig gesehen, wie er von dort unten wieder hoch kam und erfuhr so von diesem Versteck. Ob Theo seit seiner Ausbildung oder seinem Ritterschlag noch einmal da unten war, wusste er nicht. Theo war wie Ruven immer etwas.. zart besaitet, während David früher ein richtiger Kotzbrocken sein konnte. Ihm lag viel an seiner Familie, war ruhig und eigentlich immer sehr hilfsbereit. Das er sich mit den Verrätern verbunden haben sollte, passte nicht zu ihm. Ein Weichei wie Theo?
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kiimesca ()

    • Leon stemmte den Angriff fast von alleine, jedoch strauchelte ich im entscheidenden Moment und Ferdinand traf mich mit seinem Schwert erneut an der Schulter. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rappelte ich mich auf. Die Wucht des Aufpralls der Schwertes auf meiner Haut hatte für eine Platzwunde gesorgt. Ein roter Fleck bildete sich auf meiner Kleidung. Scheinbar hatte sich Ferdinand zu sehr mitreißen lassen.
      "Das reicht", seufzte ich sichtlich genervt und verließ die Trainingshalle. Mein Weg führte mich direkt in den Krankenflügel, wo die Schwestern gerade dabei waren, Platz für ein Lazareth zu machen.
      "Nanu? Warum bist du nicht in der Ausbildung?", fragte Schwester Hildegard.
      "Hab mich verletzt." Ich setzte mich unaufgefordert in denselben Raum, wo ich mir neulich den Kopfverband habe neumachen lassen und begann, meinen Oberkörper zu entblößen.
      "Ich komme gleich, ja?", rief sie hinterher und verschwand in einem anderen Raum, wo sie sich um Dimitris Schwester Luzia kümmerte.
      Ihr Zustand verbesserte sich immer weiter und könnte bald das Krankenhaus verlassen.
      Kurz darauf widmete sich Hildegard mir. "Alles halb so schlimm", sprach sie sanftmütig, nachdem sie die Wunde abgetupft und gereinigt hatte. Anschließend legte sie einen Verband um und nahm mir den alten am Kopf ab, um gleich noch die dortige Wunde zu untersuchen.
      "Na, das sieht doch gut aus. Einen neuen wirst du nicht brauchen." Sie schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.
      "Willst du auch einen Tee? Ich habe vorhin erst Wasser aufgesetzt."
      Ich nickte zustimmend, zwei Minuten später stand vor mir auf dem Tisch eine, mit einem Holzgriff, versehene Metallkanne frischen Pfefferminztees. Dann stellte sie mir einen gebrannten und glasierten Tonbecher mit Henkel hin, den sie aus einem der beiden kleinen Eichenholz-Schränke geholt hatte.
      Dann setzte sie sich mir gegenüber. "Du bist groß geworden, mein Junge. Ich weiß noch, als du zu uns kamst, hattest du die Pocken. Und wie abgemagert du warst. Du hast dich gut entwickelt und darüber bin ich sehr froh."
      Stumm trank ich einen Schluck.
      "Was willst du machen, wenn du deinen Ritterschlag erhalten hast?"
      "Weiß noch nicht.. ."
      Hildegard betrachtete mich. "Du hast Angst, stimmts?"
      Ich nickte.
      "Da bist du nicht alleine. Auch wir Schwestern haben Angst. Die meisten von uns haben fast ihr gesamtes Leben hier oder zumindest im Umland verbracht und die Angst, das alles hier eventuell in Flammen aufgehen zu sehen und unser Zuhause oder gar einen von uns oder euch zu verlieren, lässt uns Nachts kein Auge zumachen."
      Stumm blickte ich auf den Tisch, dann trank ich erneut einen Schluck.
      "Ich...ich will noch nicht sterben. Erst neulich bei der Schlacht in Paradis wäre ich fast gestorben. Die DInge, die ich dort gesehen und gerochen habe...diese vielen Leichen, verstümmelt, zerfetzt, verbrannt, der Gestank von Tod und Verwesung, all das Elend...ich will mich dem nicht noch einmal aussetzen müssen, ohne mich voller Verzweiflung vollzusaufen und allen mit meiner Unfähigkeit auf dem Schlachtfeld zur Last zur fallen."

      -----

      "Haben Sie hier etwas zum Licht machen, vielleicht eine Laterne oder Lampe? Ich will mir das da unten mal ansehen."
      Währenddessen schritt er die knarrenden Treppen hinab, dann schloss er instinktiv mit dem Schlüssel die Tür auf.
      "Am Besten kommen Sie mit."

      Dann blickte er sich um. Gleich zu seiner linken befand sich ein Regal, in dem sich eine Öllampe befand, die noch mit ausreichend Brennflüssigkeit befüllt war. Er musste sie nur noch entzünden. "Vergessen Sie die Lampe, hier ist eine. Ich brauche nur Feuer", rief er nach oben.
      I'm a shape shifter at Poe's masquerade.
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