Hidden Twin [Alea x Yumia]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Verwundert ließ sie ihren Blick zum König wandern, als sie spürte, wie man eine Hand auf die Ihre legte. Seine leise Worte konnte sie trotz den verschiedenen Unterhaltungen der anderen wahrnehmen und durch die Lautstärke seiner Stimme, nahm Zephyrine die Stimme des Mannes fürsorglicher war, als sie es womöglich war. Doch allein die gestellten Fragen ließ sie aufgehoben fühlen, vor allem sicherer. Dass sie nicht vollkommen auf sich gestellt war. Dennoch wusste sie, dass es wohl nicht die schlauste Entscheidung war, wenn sie ihm sogleich am ersten Tag ihm ihre Schwierigkeiten offenbarte. Welche Prinzessin würde sich über den Gebrauch von Korsett beschweren? Zephyrines Gedanken rasten, suchten nach einer guten Ausrede, die glaubhaft wirken würde. Doch bevor sie an einen kläglichen Versuch ansetzen konnte, mischte sich die Frau von vorhin ein. Ein wenig verwundert warf Zephyrine ihr einen Blick zu, als sie von sich gab, dass sie vielleicht wüsste, was ihr Problem war. Stand es ihr so sehr ins Gesicht geschrieben, dass man sie durchschauen konnte? Verunsichert und nicht wissen, wie sie reagieren sollte, ließ sie sich von der freundlichen Frau entführen. Still ließ sie sich mitziehen und sah sie überrascht an, als man Zephyrines Korsett ansprach. Sie hatte also richtig geahnt, was ihr Problem war. Wenn sie es richtig erraten konnte, hatten es die anderen Frauen ebenso mitbekommen? Sie machte sich Gedanken, denn sie wollte einen makellosen ersten Eindruck hinterlassen.
      Trocken lächelte sie die Damen an, als sie ihr anbot das Korsett zu lockern. Atmen und gleichzeitig zu essen war sicherlich keine gute Idee. Die Blondine verstand nicht, wie solch ein Stück im Trend sein konnte.
      Als sie spürte wie die Schnüren sich lockerten, atmete sie tief ein. Es fühlte sich um einiges befreiender und angenehmer an. Zephyrine konnte sich nicht vorstellen, sich jemals an das Korsett zu gewöhnen. Sie verstand immer noch nicht, wieso man sich solch eine Tortur antun wollte. Ihres Erachtens nach sah man in ihren Augen nicht viel schöner aus, oder verdrehte die Köpfe anderer Menschen. Den Sinn verstand sie dahinter nicht. Doch musste sie das? War es ihre Pflicht, sich über die neusten Trends zu informieren und diese auszuüben? Zephyrine konnte sich nicht mehr an die Worte der Lehrerin erinnern, viel zu sehr war sie über die frische Luft erleichtert. „Vielen Dank", bedankte sie sich ehrlich bei der Frau, jedoch ein wenig zögerlich, denn sie hatte nicht vor sich helfen zu lassen. Zephyrine wollte nicht einmal, dass der König über ihr unperfektes Verhalten sah, also war das Herausfinden durch eine andere Person, nicht unbedingt besser. Auch wenn sie bisher einen positiven Eindruck hinterlassen hatte, konnte Zephyrine nicht einschätzen, was die Frau mit der Entdeckung anstellen wird. Natürlich war es ihr fast zuwider ihr grausame oder gar schadende Taten anzuvertrauen, doch sie hatte sich als Ziel gesetzt äußerst vorsichtig zu handeln. Was nun wohl ins Wasser gefallen war. „Ich wollte Euch keine Umstände machen", neigte sie kaum merklich ihren Kopf zur Seite und sah an ihr Kleid hinunter. Ihre Taille sah nun nicht mehr so klein aus wie vorhin, doch sie konnte deutlich freier atmen und sie musste nicht befürchten beim nächsten Biss in Ohnmacht zu fallen. Sie freute sich innerlich darauf, denn den Nachtisch konnte sie nun weitaus mehr genießen, denn es war durchaus köstlich gewesen.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Sara lächelte etwas, als sie die Prinzessin so erleichtert aufatmen hörte. Genau so war es ihr auch ergangen, als man sie aus diesem engen Korsett befreit hatte. "Gerngesehen, Prinzessin und Ihr macht mir keine Umstände." gab sie Maria mit einem freundlichen Lächeln zu verstehen. "Darf ich mich euch vorstellen? Mein Name ist Sara Dobras. Meinen Mann Talon Donbass habt ihr schon kennengelernt. Er war der Mann an der Seite des Königs, der euch vor den Banditen gerettet hat." erklärte die Brünette ihren Stand. "König Iljin ist ein guter Mann. Manchmal etwas kühl, aber gerecht. Seit er auf dem Thron sitz, geht es unserem Land um einiges besser. Doch viele der Adligen, die Ihr im Speisesaal gesehen habt, sind nicht auf seiner Seite. Das zeigen sie natürlich nicht offen, doch in ihrem Handeln kann man es gut erkennen. Viele sind korrupt und nur auf ihrem eigenen Vorteil aus. Das möchte der König ändern und dabei möchte ihm gerne unterstützen." erzählte sie der Blonden ein bisschen, wie es gerade am Hofe zuging. "Wenn Ihr es erlaubt, möchte ich eure Freundin sein." bot sie Maria auch gleich offen an. "Denkt einfach darüber nach und macht euch gerne ein eigenes Bild." ergänzte sie so gleich, da sie die Prinzessin nicht damit überfallen wollte. Talon tadelte sie diesbezüglich immer, dass sie etwas zu direkt war, mit ihren guten Absichten. "Aber lasst und zuerst wieder zurück an die Tafel kehren. Nicht, dass man noch nach uns sucht." erinnerte sie Maria daran, wieder in den Speisesaal zurückzukehren.

      Caleb wurde etwas unruhig, als es doch ein paar Minuten dauerte und sah immer wieder in die Richtung, in der die beiden Damen verschwunden waren. "Ruhig, eure Hoheit. Ihr wisst, dass die Prinzessin bei Sara gut aufgehoben ist." sprach Talon den König gefasst an. "Ich weiß." nickte Caleb nur, doch es war nicht Sara, um die er sich Sorgen machte, sondern Viego. Hatte er vielleicht schon etwas angestellt?
      Um so erleichterter war er, als Sara und Maria wieder in den Speisesaal zurückkehrten. "Verzeiht." gab die Brünette nur von sich und wartete, bis sich die Prinzessin hingesetzt hatte, ehe sie dasselbe tat. Sara verlor kein Wort darüber, was die beiden gemacht haben, das hatte auch niemanden etwas anzugehen. Vor allem nicht Amalia, denn diese würde das sofort im ganze Hofe weitererzählen. Also schwieg sie lieber und aß von ihrem Nachtisch weiter.
      "Ist jetzt wieder alles gut?" fragte Caleb seine Zukünftige und schenkte ihr flüchtigen, aber sorgenvollen Blick. "Ihr braucht darüber mit mir nicht zu sprechen. Nicht hier und wenn ihr nicht möchtet, später auch nicht." gab er doch sehr verständnisvoll von sich und widmete sich dann wieder der Speisen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Zephyrine besaß ein wenig Menschenkenntnisse, die sie während ihrer Arbeit aufgegabelt hatte. Ein ungefähres Gespür, ob etwas im Busche war, konnte sie aufweisen. Das war Jedenfalls auf die einfache Menschen bezogen, sie hatte bisher noch kein Gefühl für Adelige entwickelt. Etwas in ihr sagte jedoch - vielleicht sprach auch nur die Hoffnung in ihr - dass sie der Frau mehr vertrauen konnte als den Rest. Vielleicht lag es an der anfänglichen Situation im Saal, ihre Art wie sie sich trug oder auch, dass sie die einzige war, die aufmerksam genug war ihr zu helfen. Doch trotz allem warnte ein Teil in ihr davor ihr zu vertrauen, doch gleichzeitig hoffte sie auf jemanden, den sie stückweise anvertrauen konnte.
      Zu hören, dass sie die Frau desjenigen war, der dem König geholfen hatte ihr Leben zu retten, hinterließ einen bittersüßen Geschmack. Vielleicht würde sie irgendwann ihr ein wenig Vertrauen können. Dann noch selbst zu hören, dass Sara bei ihr den Wunsch äußerte mit ihr befreundet sein zu wollen. Eins ehr verlockendes Angebot, welches Zephyrine allzu gerne annehmen wollte, doch es hieß dann auch gleichzeitig, dass es jemand weiteres gab, der ihr Verhalten genau unter die Lupe nehmen konnte. Wiederum war es aber für Zephyrine eine Gelegenheit vieles zu lernen und abzuschauen. Sie kämpfte mit sich selbst eine Entscheidung zu treffen. Doch die liebe Frau beruhigte sich, indem sie ihr klar machte, dass sie sich die Zeit nehmen konnte. Die Blondine war erleichtert. Sie sollte sich unbedingt ihr Namen merken, damit sie auf sie zurückkommen konnte.
      Zustimmend nickte sie ihr zu und folgte ihr zurück in den Saal. Eigentlich wollte sie den Nachtisch fertig essen und dann wieder den Sall verlassen, doch sie vermutete, dass es wohl einige Gerüchte über sie geben wird, was wohl ihr Gesamtbild noch mehr runterzogen, als es ohnehin schon war.
      Zurück an ihrem Platz lauschte sie den Worten des Mannes neben ihr. Sie erinnerte sich an die Worte von Sara. Sie kannte ihn länger als sie selbst, daher vertraute sie ihre Worte vorerst. Bisher hatte er auch keinen Eindruck hinterlassen, der ihr das Gegenteil von dem zeigte, was Sara ihr gesagt hatte. Damit keine Missverständnisse entstanden,sagte sie leise zurück: „Hmm, gerne würde ich das später erklären." Keineswegs wollte sie, dass er sie falsch verstand und ebenso ein negatives Bild von ihr hat. Es war von großer Bedeutung, dass sie zumindest zum König eine gute Beziehung führen konnte.
      Sie wandte sich wieder an ihr Nachtisch und konnte nun erleichtert und erfreut es fertig essen, ohne sich Sorgen darüber zu machen, dass sie gleich in Ohnmacht fallen wird. „Es schmeckt wirklich gut", lächelte sie ihn an, um ihn zu beruhigen, sollte er sich tatsächlich Sorgen drum machen, dass es ihr nicht schmeckte. „Es ist eine sehr nette Geste von Euch es zubereiten zu lassen." Zephyrine hoffte, dass sie sich bisher auf eine Weise artikulieren konnte, sodass es nicht auffiel, dass sie keine Adelige war. Ob sie zu direkt war? Zephyrine konnte keinesfalls innerhalb ein paar Tagen die Kunst der Adelssprache, in der man, in Zephyrines Augen, eine Geheimsprache artikulierte. Geheime Botschaften in einfachen Sätze verschachteln und diese zu entziffern.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Caleb nickte verstehend, als Maria meinte, sie würde es gerne später erklären wollen. Das reichte ihm auch vollkommen und ehe noch irgendwer weitere Spekulationen anstellen konnte, sah er streng in die Runde und unterband das so damit. Er bemerkte auch schnell einen Unterschied, denn jetzt schien die Prinzessin das Essen viel mehr zu genießen. Sie lächelte sogar, was ihr doch sehr gut stand. "Der Koch wird sich über dieses Kompliment doch sehr freuen." ließ er sie wissen und man sah auch schon eine der Bediensteten gehen, die wohl ihren Weg in die Küche suchte, um diese frohe Botschaft dort zu verkünden.
      Nachdem alle mit dem Essen fertig sind, erhob sich Caleb auch ohne Umschweife von seinem Stuhl und wandte sein Wort an seine Gäste. "Habt Dank, dass ihr meiner Einladung gefolgt seid." fing er an, wobei er sich dabei dachte, dass er ja gar keine andere Wahl hat, diese Leute einzuladen, da es die Etikette erfordert. "Wenn ihr noch etwas verweilen wollt, steht es euch frei zu bleiben. Den einen oder anderen guten Tropfen darf man sich auch einschenken. " überließ er die Entscheidung dem Adel. "Prinzessin Maria und ich werden uns jetzt zurückziehen. Gehabt euch wohl." verabschiedete sich Caleb von seinen Gästen und wartete dann darauf, dass seine zukünftige Gemahlin ihm folgte. Sara und Talon verneigten ihr Haupt zum Ausschied, was die meisten ihnen auch nach machten. Doch hier und da gab es gerade mal ein Kopfnicken und mehr nicht. Sara lächelte Maria auch sanft an und drehte sich dann zu ihrem Mann, denn auch sie würden die Gesellschaft bald verlassen wollen.
      Zusammen mit ihr verließen sie den Speisesaal und schritten zurück zu ihrem Gemach. "Wie es mir scheint, hat euch das Essen zum Schluss besser gemundet als am Anfang." sprach er seine Beobachtung aus, denn Maria hatte im Vergleich zu den anderen viel weniger gegessen. Es dauerte auch nicht lange, da erreichten sie die Räume der Prinzessin und der König öffnete für sie die Türe. "Möchtet ihr mir jetzt erzählen, was passiert ist." fragte er sie ruhig und blieb auf der Türschwelle stehen. Er wollte ihr zeigen, dass sie die Wahl hatte und er auch wieder gehen würde, wenn sie es denn wollte. Kurz ließ Caleb auch seinen Blick durch den Raum schweifen und fragte sich, ob Viego ihnen gefolgt war oder sich noch bei den anderen im Speisesaal aufhielt. Gerade in solchen Situationen vernahm er die wichtigsten Informationen, und zwar die, welche nur hinter dem Rücken des Königs ausgesprochen wurden.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Es schien doch eine positive Auswirkung zu haben das Essen zu loben. Wenn sie weiterhin die Möglichkeit haben wird diese Köstlichkeit weitere Male zu sich nehmen zu können, war es nur ein kleiner preisegewesen positive Worte darüber dazu finden, die nicht einmal gelogen waren. Womöglich sollte sie jedoch aufpassen wie oft sie nach dieser Nachspeise bittet, nicht dass Gerüchte herumgingen, sie sei eine Naschkatze und interessiere sich mehr für süße Speisen als ihre Pflichten nachzugehen. Es war natürlich eine durchaus ausgedachte Szenarien, doch sie traute den Adeligen zu, solch eine Kleinigkeit zu einem großen Spektakel zu spinnen.
      So verlief die Zeit deutlich entspannter für die falsche Prinzessin und so konnte sie ohne große Sorgen das süße Aroma genießen. Nachdem sie fertig gegessen hatte, musste sie sich nicht lange am Platz quälen, als ihr zukünftiger Gefährten verkündete, dass sie sich verabschieden werden. Zephyrine war innerlich über seine Entscheidung erleichtert. Sie wüsste sonst nicht was sie machen sollte, um nicht vollkommen fehl am Platz zu wirken, während die Adeligen, die sich untereinander kannten, miteinander sprachen. So stand auch sie auf, lächelte die große Persönlichkeiten an und folgte dem Mann aus dem Saal. „Ja, das Essen war köstlich gewesen", sagte sie munter und nickte durchaus zufrieden, um das Gesagte zu unterstreichen. Vielleicht würde das Zusammenleben mit ihm nicht sonderlich schlimm sein, wie sie es sich gedacht hatte. Die viele grausame Gerüchte, die sie in ihr Heimatland kursierten, hatten ihn in ein viel grausameres Bild gefärbt. Der Mann bei ihr benahm sich anders als das, was zu ihre Ohren kam.
      Vor ihrem Gemacht angekommen, öffnete der König die Tür und fragte sie soeben nach dem Vorfall, von dem sie ihm erzählen wollte. Zephyrine war sich jedoch unsicher, wie sie die Situation deuten sollte. Wollte er hineingehen? Wollte er darauf warten, dass sie ihn ins Zimmer einlud für ein kleines Gespräch? Sie wollte den König auch nicht unbedingt stehen lassen und vielleicht war es eine gute Gelegenheit sich ein wenig besser kennen zu lernen. Eine gute Beziehung zum König zu haben, wäre keine verkehrte Idee. Es wurde ihr vielmehr in die Karten spielen. So trat sie in das Zimmer und sah ihn leicht fragend an. „Wollt Ihr reinkommen? Ich möchte Euch nicht so im Gang stehen lassen", versuchte sie sich adäquat auszudrücken. Sie hatte ihn nun eingeladen, es lag nun in seinen Händen, ob er diese annahm oder nicht. Nach einer kurzen Weile kam sie zu seiner Frage. „Ich war eine ehrliche Aussage von mir gewesen, dass das Essen köstlich war. Nur war..." Sollte eine Adelige so etwas einem Mann erzählen? Einen, mit dem sie noch nicht verheiratet war? Doch ihr war es wichtiger, dass keine Missverständnisse entstanden und sie ehrlich miteinander sprachen. „Das Korsett war sehr eng gewesen, was mir erschwert hat das Essen voll und ganz zu genießen. Sara hatte mir geholfen diese zu lockern, weswegen ich die Nachspeise mehr genießen konnte." Nun, nachdem sie das ausgesprochen hatte, kam ihr das Gesagte plötzlich etwas unangenehm war und sie sah leicht berührt zur Seite. Ob er nun weniger von ihr hielt, weil sie das Korsett wie jede andere Adelige nicht tragen konnte? Etwas verunsichert schielte sie zu ihm, um auf seine Reaktion abzuwarten.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Es freute Caleb, dass der Prinzessin wenigstens die Süßspeise gemundet hatte, da er bis dahin noch nicht den wahren Grund für ihre Zurückhaltung beim Essen kannte.
      Als Maria ihn dann in ihr Gemach eintreten ließ, schloss er auch direkt Türe hinter sich. Im Schloss gab es immer neugierige Ohren, die man lieber aussperren sollte. Und als die Prinzessin sprach, war ihm auch klar, dass das die richtige Entscheidung war.
      Verstehend nickte er leicht, ehe er das Wort erhob. "Ihr müsst euch nicht für mich, oder sonst jemanden am Schloss in ein Korsett zwingen. Lasst es auch gerne weg. Ihr seid die zukünftige Königin und somit habt Ihr das letzte Wort, wenn es um eure Kleidung geht." sprach Caleb die Blonde ruhig aber betont an und sah ihr dabei direkt in die Augen. Jedenfalls versuchte er das, denn sie wandte ihren Blick ab und sah beschämt zur Seite. Vielleicht, weil sie über ihre Unterwäsche gesprochen hatte? "Dafür müsst ihr euch nicht genieren. Wir werden bald ein Bett miteinander teilen." gab Caleb doch recht nüchtern von sich, da ihm sehr bewusst ist, dass dies eine Zweckehe sein wird. Ohne Gefühle oder gar Liebe. Aber war das so eine gute Vorgehensweise? Sein Vater und seine Mutter führten auch so eine Ehe und am Ende tötete er seine Mutter. So wollte Caleb aber nicht enden oder gar werden. Also kam ihm in den Sinn, dass er wenigstens versuchen sollte, sich mit der Prinzessin anzufreunden. Wobei der König so gut wie keine weiblichen Vertrauten hatte, außer vielleicht Sara.
      Er fragte sich auch, ob man Liebe erzwingen konnte. Ob man seinem Körper und Kopf etwas vorspielen konnte, bis man es selber glaubte. Dieser Ansatz erschien Caleb fast schon plausibel und da er auch ein Mann von Tat ist, wollte er dies direkt versuchen.
      "Ich möchte gerne etwas ausprobieren, Prinzessin." sprach er Maria so gleich an und trat noch dichter an sie heran. Der König streckte seine Hand nach ihr aus und nahm sehr sanft ihr Kinn in seine Hand. Damit zwang er die Blonde auch indirekt ihn geradeheraus anzusehen. Lange betrachtete ihr Augen sehr lange, denn er empfand deren Farbe als sehr interessant und außergewöhnlich. Dann lehnte er sich sehr langsam der Prinzessin entgegen, dass sich fast ihr Nasenspitzen berührten. Auch in dieser Position verharrte Caleb einige Herzschläge, ehe er sich wieder zurückzog und auch ihr Kinn losließ.
      "Verzeiht. Ich wollte mich nicht euch aufdrängen." entschuldigte er sich unverzüglich bei Maria und ging direkt noch mehr auf Abstand. "Ich werde auch jetzt in Ruhe lassen. Ihr habt einen anstrengenden Tag hinter euch." sprach Caleb weiter und ergriff die Klinke der Türe. "Falls ihr doch noch Hunger habt, könnt ihr euch jederzeit etwas aufs Gemach bringen lassen." fügte er an und öffnete erst dann die Türe. "Schlaft gut, Prinzessin." verabschiedete sich der König und verließ dann doch sehr hastig das Zimmer, dessen Türe er wieder hinter sich schloss und eilte zu seinen Räumen.
      Eigentlich hatte sich Caleb vorgenommen, die Prinzessin zu küssen, doch am Ende konnte er das nicht. Damit würde er sich ihr aufzwingen und das wollte er nicht. Außerdem hatte er sich ganz komisch gefühlt, als er Maria so nahe war. Diese Empfindung war neu und brachte den jungen Mann ganz durcheinander. Das wiederum gefiel ihm nicht. Er musste klar im Kopf sein, wenn er ein Königreich regieren wollte. Vor allem, wenn er in seinem Stab noch immer Personen hatte, die gegen ihn sind.
      In seinen Gemächern angekommen, entkleidete sich der junge König zunächst und schlüpfte in sein Schlafgewand. Hin und wieder dachte er an Prinzessin Maria, mit ihren schönen Augen, doch was Caleb wach hielt, war der bevorstehende Besuch seines Bruders. Sie wünschten sich immer eine gute Nacht, auch wenn ihm bewusst war, dass das nicht so weitergehen konnte, wenn er erst einmal verheiratet ist. Und da gehörte nun mal ein gemeinsames Ehebett dazu. Auch wenn Viego meinte, sein Bruder könne immer noch in einem Einzelzimmer nächtigen, würde das leider nicht gut bei den Schlossbewohnern ankommen. Es gäbe nur Klatsch und Tratsch und er würde sich angreifbar für wilde Spekulationen machen von seinen politischen Widersachern. Nein, erst, wenn Leute wie Video nicht mehr da sind, konnte er vielleicht so leben, wie er es für richtig hielt. Doch noch hatte seine Stimme bei der Bevölkerung ein großes Gewicht.
      Weiter konnte Caleb sich darüber nicht mehr den Kopf zerbrechen, denn durch eine Geheimtüre trat sein Zwillingsbruder ein. "Bruder." sprach der König Viego an und umarmte ihn kurz, ehe er sich mit ihm auf sein Bett setzte. "Gibt es etwas zu berichten?" fragte er ihn direkt, worauf der königliche Spion leicht nickte. "Heute war das Thema nicht die Politik, sondern deine zukünftige Braut. Man spekuliert viel und ihre kurze Abwesenheit, ist Grund für die wildesten Theorien. Sie sei eine Spionin, oder gar nicht die echte Prinzessin. Alles Hirngespinste ohne Hand und Fuß." berichtete Viego und holte unter seinem Mantel etwas von dem Nachtisch hervor. "Ich muss ehrlich sagen, diese Speise aus dem Land der Prinzessin schmeckt sehr gut." grinste er seinen Bruder an, der wiederum froh darum ist, dass Viego auch etwas von diesem Dessert haben konnte. Sie sprachen noch etwas, was vor allem Lästereien über die verhassten Minister waren, aber es kam wie so oft auch das Thema der Geheimhaltung von Viego zur Sprache. Immer wieder versuchte Caleb ihn zu überzeugen, dass er nicht im Geheimen leben muss. Sie könnte ihm eine falsche Identität geben, womit Viego frei war. Doch der Zwilling ist stur und beharrt jedes Mal darauf, dass er bleiben muss, um Caleb zu beschützen. Und da es immer wieder Giftattentate oder andere Mordversuche gab, um den König zu eliminieren, die Viego aber durch seine Spionage jedes Mal vereiteln konnte, war er in diesem Glauben auch bestärkt. Also blieb er und versteckte sich weiter.
      Es ging schon auf Mitternacht zu, als sich die Brüder verabschiedeten und sich eine gute Nacht wünschten und dann verschwand der vergessener Thronerbe und zog sich in sein geheimes Versteck zurück.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Es beruhige Zephyrine zu sehen, dass er ihre, wenn man dies so nennen konnte, Einladung ihr Gemacht zu betreten. So konnten Missverständnisse und Tratsch unter den Bediensteten, und jene andere die diese Situation beobachten könnten, umgangen werden. Zephyrine mag beigebracht bekommen, wie man sich wie eine Adelige verhielt - zumindest soweit wie man es ihr in kürzester Zeit vermitteln konnte - jedoch war sie nicht gerissen noch kalkulieren genug Menschen zu manipulieren und Intrigen zu initiieren, vor allem wie sie die Meinungen beeinflussen konnte, ohne dass es auf sie als Manipulator zurückzuführen war. Vor allem wurde Zephyrine von ihrer Mutter als eine ehrliche und aufrichtige Seele erzogen, zumal sie schlichtweg nicht die Intelligenz dazu besaß.
      Die Worte, die der König für sie übrig hatte über die Situation, munterte sie auf und gab ihr neue Hoffnung, sich nicht strikt an die Vorstellung der Adeligen halten zu müssen. Sie war nun also nicht gezwungen an die Schönheitsvorstellung in diesem Lande nachzugehen. Obwohl ihr ein Stein vom Herzen fiel, wollte sie sich nicht die komplette Freiheit nehmen das zu tun, was sie wollte. Ob sie nun die zukünftige Königin war oder nicht, denn neben ihre Aufgabe eine feste Beziehung zum König zu haben, sollte sie eine unerschütterliche Position als Königin etablieren. Auch wenn die Heirat zwischen ihnen stattfinden wird, wird es immer welche geben, die auf ihre Position absehen. Wenn sie ihre Position als Königin verliert, wird ihre Mutter im Geheimen hingerichtet. Es war für Zephyrine absurd welche Aufgaben man auf sie erlegt hatte, mit dem Wissen unter welchen Umständen sie aufgewachsen war.
      Die nächsten Worte des Königs riss sie jedoch augenblicklich aus ihre Ablenkung und richtete ihren Blick gänzlich auf ihn. Ein Bett teilen. Ja, das hatte sie bisher ausgeblendet und wenn sie ihrer ehrlichen Natur treu blieb, musste sie sich gestehen, dass das miteinander schlafen ablehnen wollte. Bis zum heutigen Tag hatte sie keine wirkliche intime Beziehung zum anderen Geschlecht gehegt, ungeküsst und unberührt. Und nun sollte sie mit dem fremden Retter, auch wenn er bisher nur positives Verhalten aufgezeigt hatte, ein Bett teilen? Doch sie wusste, dass es nicht vermeiden konnte. Da sie nicht sonderlich erpicht darauf war mit jemand anderen das Bett zu teilen, dies jedoch in der Zukunft noch lag, schob sie den Gedanken wieder weg. Sie würde sich dann mit dem Thema intensiver auseinander setzen, wenn die Zeit dazu gekommen war.
      Fragend blickte die Blondine ihren Gegenüberstehenden an, als dieser ihr sagte, dass er etwas ausprobieren wolle. Nichts ahnend, was auf sie zukommen wird, wartete sie geduldig auf seine Aktion oder das, was er ihr sagen wollte vielleicht. Womit sie weniger gerechnet hatte, war sie plötzliche Nähe von ihm. Überrascht und geschockt zugleich, verharrte sie an der Stelle und starrte in seine Augen. Noch vorhin hatte sie das gemeinsame Schlafen abgelehnt, war ihr noch die Nähe des anderen Geschlechts peinlich war, und nun war sie in einer Situation geraten, in der sie jemanden wie noch nie zuvor nahe war. Ihr Kopf, in dem zuvor sämtliche Gedanken gehaust haben, war durch die kaum vorhandene Distanz zu ihm, plötzlich still. Als wären all die Gedanken mit einem Mal verschwunden. Zephyrine befand sich in einer Stockstarre, sie wusste nicht was sie tun noch denken sollte. Noch bevor sich ein Gedanke formen konnte, schritt der König zurück und entschuldigte sich, ehe er schneller ihr Zimmer verließ, als dass sie etwas sagen konnte.
      Nachdem die Tür ins Schloss fiel, kehrte die Stille zurück. Zephyrine wusste nicht wie lange sie noch an der Stelle stand, jedoch als sie sich aus ihrer Starre reißen konnte, war der König längst verschwunden. „Was?", kam es flüsternd von ihr, sie blinzelte mehrmals, ehe sie sich waschen und umkleiden ließ. Währenddessen war sie zerstreut.
      Mit weit geöffneten Augen starrte sie die Decke an, ihre Hände auf ihren Bauch zusammengefaltet. „Was?", kam es abermals von ihr. Sie drehte sie zur Seite und hielt ihre Hände vor ihren Mund. Erst jetzt schien sie das Geschehen verarbeitet zu haben, denn die Hitze stieg ihr in den Kopf, als sie an seine Augen dachte. Stechend helle blaue Augen. Sie waren wie eingebrannt vor ihr inneres Auge. Zephyrine kniff ihre Augen zusammen, doch selbst da konnte sie seine Augen noch vor sich sehen. Ihre Hände wanderten zu ihren Wangen, die deutlich wärmer als der Rest ihres Körpers waren.
      Zephyrine blieb weitere Stunden wach, dachte dabei nur an den König und den heutigen Abend. Den heutigen Tag würde sie womöglich niemals in ihr Leben vergessen, noch nie war ein Tag in ihrem Leben so ereignisvoll wie heute gewesen. Nur wusste sie nicht, ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen war.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Auf dem Weg zurück in sein Versteck machte Viego noch einen kurzen Abstecher bei der Prinzessin. Sein Bruder meinte zu ihm, er dürfe ihr nichts antun und wenn möglich sollte, er sogar auf sie achten oder gar beschützen. Ob er das letztere tun würde, war fragwürdig, doch er würde dem Wunsch des Königs nachkommen und auf sie achten. In das Zimmer selber konnte er nicht unbemerkt eindringen, doch er konnte an der Fassade zu dem Fenster gelangen und einen Blick hineinwerfen. Viego ist ein hervorragender Kletterer, der jeden Stein des Schlosses kannte und somit quasi blind vorankommen konnte. Auf dem schmalen Sims stehend blickte er in das Innere, wo er die junge Frau schlafend sah. Sie schien Dinge im Schlaf zu murmeln, doch verstehen konnte man nichts, war es viel zu undeutlich. Als sie sich gerade im Schlaf zu Fenster drehte, verschwand Viego sofort, denn er wollte kein Risiko eingehen, von ihr gesehen zu werden. Aber so machte er sich ein Bild davon, dass er ihr gut ging und ging daher jetzt endlich selber zu Bett.
      Der nächste Morgen begann für Caleb früh. Um sieben Uhr kamen die ersten Bediensteten in sein Zimmer, um den König zu wecken und ihn für das Frühstück herzurichten. Eine Prozedur, die er jeden Morgen über sich ergehen lassen musste. "Es macht sich nicht gut, wenn der König alles alleine machen will." hörte er Talons tadelnde Worte in seinem Ohr. So kam es auch, dass der junge König sich nur Abends selber herrichten konnte und somit auch mit seinem Bruder reden kann.
      "Wo möchtet ihr heute frühstücken, eure Majestät?" wurde er auch sofort vom Gesinde gefragt und wartete geduldig die Antwort des Königs ab. Zuerst wollte Calbe sagen, wie immer im Thronsaal. Doch dann entschied er sich um. "Im Palastgarten." verlautete er, wobei der Page nickte und so gleich verschwand. "Möchtet ihr die Prinzessin persönlich abholen oder sollen wir sie in den Garten führen?" fragte nun eine Magd ihn, worauf Caleb erneut überlegte. "Führt sie in den Garten. Ich möchte zuvor mit Lord Donbras sprechen, also bitte ruft ihn zu mir." ordnete der König als Nächstes an. Mit Talon wollte er sich besprechen, was für den heutigen Tag anstand und inwieweit er Sara darum bitten konnte, auch ein paar Momente mit der Prinzessin verbringen zu können, damit diese hier nicht so alleine war. Als dann alles Bediensteten verschwunden waren, machte sich Calbe auf den Weg in den königlichen Garten.
      Hier hielt sich der junge König gerne auf, wenn es denn mal die Zeit zuließ. Der große Garten, der hinter dem Schloss lag, erstreckte sich weit und ging ganz natürlich in den angrenzenden Wald über. Es gab die unterschiedlichsten Blumen und Bäume und ein offener Teil des Schlosses fungierte als eine Art Innengarten. Genau dort wurden Tische und Stühle aufgebaut, da hier der König mit der Prinzessin speisen wollte.
      Caleb war auch schon da, als man noch am Herrichten war und wartete hier auf seinen Vertrauten Talon. Es würde kein allzu langes Gespräch sein und er hoffte auch ein bisschen, dass es Maria hier gefallen würde. Wenn ihm es guttat, ganz abseits vom Trubel des Schlosses zu sein, ist dies für sie bestimmt auch eine Wohltat.
      a0f02e43a35a62b1618d6335ad4f9cf3.jpg1bc3d58d715c3a417b7a128087d441b2.jpg
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Zephyrine verweilte eine lange Zeit in ihrer eigenen Traumwelt. Dort, wo niemand sie beobachtete oder gar sie mit dem Leben ihrer Mutter drohte. Es war wohl der einzige Ort, wo sie frei und unbeobachtet sein konnte. Dennoch war die Zeit zu kurz, als dass sie es genießen könnte. Denn sobald sie in die Traumwelt glitt, wachte sie auch wieder auf. Die Erinnerung an den Traum, den sie erlebt hatte, entglitt ihr zwischen den Fingern wie Sand und hinterließ eine bittere Sehnsucht nach jener Zeit.
      Es war jedoch die Rolle, die man ihr aufgesetzt hatte, die sie nachgehen musste und wenn es üblich war um diese Uhrzeit aufzustehen, musste die dem folge leisten. Auch wenn die lieber länger schlafen wollte, in Betracht dessen was gestern passiert war, hatte sie wohl keine andere Wahl als aufzustehen, als sie eine klopfen, welches mehrmals ertönte, war nahm. „Herein", rief sie, ihre Kehle trocken und ihre Augen noch schwer. Ohne zu zögern wurden die Türen geöffnet und zwei Zofen betraten das Zimmer. Eine, die die Vorhänge zur Seite schob und die andere trat an ihr Bett. Zephyrine solle sich fertig machen und führte sie ins Bad. Auch wenn sie die Routine gestern miterleben durfte, war sie dennoch nicht daran gewöhnt von jemanden gebadet und angemeldet zu werden. Geschweige die seidigen Stoffe auf ihrer Haut zu spüren. Ein Luxus, welches sie bisher noch nie erleben durfte. Doch zu welchem Preis?
      Zephyrine betrachtete sich in Spiegel und sah zu wie sie mit jeder verstrichen Minute schöner wurde. Ihr gefiel es, dass die Zofen ihr Gesicht nicht zu viel puderten und es minimalistisch hielten, genauso wie sie sie gestern darum gebeten hatte. Auch das Kleid war lockerer und sie trug kein Korsett. Im Alltag würde sie diese nicht anziehen. „Wo wird das Frühstück stattfinden?", fragte die baldige Königin die Zofe. Noch bevor sie ihr antworten konnte, klopfte es an ihrer Tür. Die andere Zofe öffnete die Tür und Zephyrine konnte im Spiegel einen Pagen erkennen, der der Zofe etwas leise weiter vermittelte. Diese Zofe nickte, schloss die Tür und gesellte sich zu den Gestalten beim Spiegel. „Der König erwartet Euch im Garten." Man würde sie dorthin begleiten. Auch wenn Zephyrine die Orte im Schloss gesehen hatte, hatte sie sich diese sicherlich nicht alle gemerkt. Doch sie vermutete, dass sie die meiste Zeit begleitet wird.
      Zusammen mit der Zofe verließen sie das Zimmer und den Flur hinunter. Zephyrine erblickte um diese Uhrzeit weitaus mehr Bedienstete als sie es gestern getan hatte. Soweit Zephyrine es in Erfahrung gebracht hatte, startete der Tag für die Bediensteten sehr viel früher, sodass die meisten Tätigkeiten bereits vollendet wurden, bevor der König und die Königin aus ihrem Schlaf erwachten. Bei dem Anblick der Blondinen verbeugten sie sich, worauf sie diese nur mit einem Nicken und Lächeln zurück blickte. Um die Zofe nicht zu verlieren, hielt sie mit ihr mit. Zephyrine, ebenso wie gestern, versuchte sich den Weg zu merken und ehe sie sich versah, kam sie an dem Ort an, an dem sie den König treffen sollte. Bei dem Anblick des Garten staunte sie. Es war wunderschön und dem Palast würdig. Es war nicht zu übersehen wie viel Arbeit in den Garten gesteckt wurde und sicherlich brauchte es ebenso viel Aufmerksamkeit diesen Zustand beizubehalten.
      Zephyrine erkannte in der Ferne den Dunkelhaarigen und als sie bei ihm angekommen war, verneigte sie sich ihm ein wenig. Königin hin oder her, er hatte dennoch eine höhere Stelle als sie selbst, zumal ihre Position nicht einmal gefestigt war. „Guten Morgen. Ich hoffe Ihr habt gut genächtigt", wünschte sie ihm einen guten Morgen und setzte sich zu ihm hin. „Ser Garten ist wunderschön." Und angenehm ruhig, weg von dem Trubel und Menschen im Schloss.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Caleb saß bereits am Tisch, als Maria von ein paar Zofen begleitet im Garten eintraf. "Guten Morgen, Prinzessin Maria. Ich habe gut geschlafen und hoffe, dass auch Ihr die erste Nacht hier gut schlafen konntet." begrüßte er die Blonde und schenkte ihr dabei ein kurzes Lächeln. "Ich hatte gehofft, dass es Euch hier gefällt. Es schön ruhig, abseits von den vielen Blicken der anderen Adligen. Ich weiß, dass diese fast schon beängstigend sein können." erklärte er ihr, wieso sie heute hier aßen. "Ich habe mich mit meinem Berater Talon zuvor noch unterhalten. Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich nach dem Frühstück schon wieder gehen muss. Es gibt einige Besprechungen, von denen ich natürlich nicht fernbleiben kann und ich muss noch einen Hof, außerhalb der Schlossmauern besichtigen. Ich hoffe, Ihr könnt mir verzeihen, dass ich heute kaum Zeit Euch finden werde. Am Abend werden wir uns wohl frühestens zum Essen wieder sehen können." entschuldigte sich der König auch direkt bei ihr. Er wollte der Prinzessin nicht das Gefühl geben, dass sie ihm egal war. "Ihr hattet Euch gestern Abend so gut mit Talons Frau verstanden, Lady Sara. Ich habe sie für Euch gefragt, ob sie nicht etwas Zeit hat und dem hat Sara zugestimmt. Sie wird später hier in den Garten kommen, um Euch etwas Gesellschaft zu leisten." verkündete er Maria mit guter Miene, da er glaubte, etwas Gutes für sie getan zu haben.
      "Aber jetzt lasst uns zuerst etwas essen und erzählt mir von Euch? Habt Ihr schon Wünsche bezüglich Eures Gemaches oder gibt es sonst etwas, dass Euch hier fehlt? Gibt es vielleicht einen Zeitvertreib, dem Ihr gerne nachgehen möchtet? Sticken? Oder das Arrangieren von Blumenbuketts?" forderte er sanft die Prinzessin auf, ihm ihre Begierde zu verraten, egal um was es sich dabei handelte. Nebenbei belegte sich Caleb eine dicke Scheibe Brot mit Käse und Wurst und trank von dem heißen Tee, den man ihnen eingeschenkt hatte. Um auch Maria zu zeigen, dass er hier unter ihnen, sich nicht um Manieren und Etiketten scherte, aß er mit den Händen und nutze nur das Messer, um Marmelade oder Butter sein Brot zu streichen. "Ich hoffe, es schmeckt Euch. Was seid ihr zum Frühstück gewohnt?" erkundete er sich weiter bei der Prinzessin, damit er sie etwas besser kennenlernte.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Es wärmte Zehprines Herz zu hören wie viel Gedanken der König sich gemacht hatte. Etwas, womit sie weniger von ihm erwartet hatte. Nicht, dass er ihr bisher ein Gefühl gegeben hätte, als würde er sie anstoßen oder dergleichen, doch weil sie bisher einen arroganten Eindruck von Adeligen Mitglieder erfahren hatte. Würde er ihr ebenso gegenüber treten, wenn er wüsste, dass sie ihr Leben lang in einfachen Verhältnissen gelebt hatte? Auch wenn sie Königsblut in ihr hatte, konnte sie sich nicht als eine wahrhafte Prinzessin sehen. Sie war Zehprine, eine einfache Damen, die kellnerte und aushalf. Nicht mehr, nicht weniger.
      Caleb erklärte ihr sogleich wie sieht Tag aussehen würde und ließ sie wissen, dass sie sich erst heute Abend wieder sehen würde. Es beunruhigte sie ein wenig, denn sie war dann allein auf sich gestellt. Auch wenn er nicht ihre wahre Identität kannte, hatte sie dennoch das Gefühl, dass eine gewissen Verbundenheit zwischen ihnen herrschte. Womöglich entstanden durch ihre Ehrlichkeit am gestrigen Abend, da er nun wusste, wie unsicher sie sich fühlen konnte. Doch wie er bereits erwähnt hatte, hatte er seine Aufgaben auszuführen und wer war sie, ihn aufzuhalten? Auch wenn sie ihn freundlich anlächelte, stieg in ihr die Sorge, die teilweise verschwand, als er ihr gleich danach verkündete, dass er die Dame von gestern Abend eingeladen hatte. Überrascht sah sie ihn an. Sara war durchaus eine freundliche Dame gewesen, die ihr eine für Adelige unübliche Wärme gezeigt hatte. Zephyrine war von Calebs Zuvorkommenheit überrascht. Da es ihr in die Karten spielte und sie sonst nicht wusste, was sie sonst hätte hier allein tun können, nickte sie ihm zu. „Das hört sich gut an, habt vielen Dank." Und das meinte sie durchaus ernst. Auch wenn sie es womöglich lieber gehabt hätte alleine zu sein und eine Tätigkeit zu finden, womit sie die Zeit schinden konnte, war es keine schlechte Idee eine Verbündete in dieser verkorksten Adelswelt zu finden. Zumal war es für sie auch eine gute Gelegenheit etwas über dieses Land zu lernen und an Informationen heranzukommen, bevor sie an die Öffentlichkeit ging und sich potentiell blamiert. Dennoch musste sie sich daran erinnern, dass trotz der ihr gezeigten Wärme, sie ihr nicht vollkommen öffnen konnte. Sie hatte ihre Geheimnisse zu tragen und eine Position zu bewahren.
      Zephyrine tat dem König gleich und suchte sich ihr Frühstück aus, wieder einmal in einer ganz anderen Qualität als sie es gewohnt war. Als er ihr jedoch eine Frage, oder eher gesagt mehrere, hielt sie kurz inne. Stricken? Blumen arrangieren? Taten dies die Prinzessinnen und Adelsfrauen in ihrer Freizeit? Zephyrine konnte keineswegs dies ihn glauben lassen, dass auch sie an den Tätigkeiten gefallen hatte, denn sie wusste nicht einmal wie man strickte. Ihre Gedanken fingen an zu rasen und sie vergaß für einen Moment was sie essen wollte. Es dauerte einen Moment, bis sie sich fangen konnte. „Das Gemacht lässt keine Wünsche offen, es gefällt mir durchaus sehr", lenkte sie kurz ab und beschmierte ihr Brot, während sie auf ihre Manieren achtete. „Tatsächlich verbringe ich die Zeit gerne draußen in der Natur", antwortete sie ihm schließlich. Angelogen hatte sie ihn nicht, denn sie verbrachte ihr Zeit gerne draußen und bewegte sich auch ebenso gern. Doch was hatte sie gerne gemacht, Zephyrine wusste nicht, denn sie war zu beschäftigt mit dem Arbeiten und ihrer Mutter zu helfen. Hatte sie sich jemals die Zeit genommen herauszufinden, was sie zu ihrer Lieblingsfreizeitaktivitäten zählen konnte? Eine positive Erinnerung hatte sie: das Reiten. Auch wenn sie es zu einem Zeitpunkt machen musste, in dem ihr Leben in Gefahr gewesen ist. „Ich habe keine Erfahrung darin, aber das eine Mal Pferdereiten hatte einen positiven Eindruck hinterlassen", offenbarte Zephyrine überlegend und biss in ihr Brot. „Ihr habt als König viele Aufgaben, die Ihr zu erledigen habt. Ich kann mir vorstellen, dass es sicherlich anstrengend sein kann. Gibt es etwas, was Ihr tut um Euch zu entspannen? Um abzuschalten?", fragte sie ihn neugierig. Auch wenn sie ihre Position festigen musste, war Zephyrine dennoch der Meinung, dass es umso wichtiger war eine gute Beziehung zum König zu haben. Und das ging unter anderem dadurch, wenn sie ihn unterstützen konnte.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • "In der Natur also und Reiten mögt ihr auch? Das ist, dass nicht viele Prinzessinnen machen." merkte er etwas überrascht an, da er beziehungsweise seine Berater natürlich versucht haben vor ab schon etwas über Prinzessin Maria zu erfahren. Doch diese Informationen hatten sie nicht. Doch Caleb empfand das als äußerst erfrischend und ihm war das viel lieber, als eine Adelsdame, die nur im Schloss herumsaß und nichts tat oder sich gar bespaßen lassen wollte.
      Es beruhigte ihn auch, dass Maria seine Geste Sara einzuladen, als gut empfand. Es beruhigte ihn doch etwas, dass sie in der Nähe der Prinzessin blieb und nicht diese gemeinen Möchtegernadelsdamen ausgeliefert war. Man könnte meinen, Maria ist behütet aufgewachsen und hat weniger Kontakt mit den Intrigen des Königshofes gehabt. Sie schien sehr vorsichtig und legte jedes Wort, das ihre Lippen verließ auf die Goldwaage, was nicht verkehrt ist und bestimmt ihr beigebracht wurde.
      Dann war es an Caleb nun auch ein paar Fragen von der Blonden zu beantworten. "Ein heißes Bad ist immer sehr entspannend, oder ich genieße es auch, mit meinem Ross etwas auszureiten und dem königlichen Trubel für einen Augenblick zu entkommen. Vielleicht können wir ja mal einen gemeinsamen Ausflug machen. Wenn es denn meine Aufgaben erlauben." überlegte der König laut. Bestimmt ist es möglich, seine Arbeit mit diesem kleinen Vergnügen zu kombinieren, wenn er wieder ein paar Ländereien besuchen muss, oder dergleichen.
      "Es freut mich, dass Euch das Gemach gefällt, aber scheut Euch nicht, es nach Euren Wünschen zu verändern. Es ist ganz Euer." ermutigte er noch ein mal die Prinzessin, dass sie ihr Zimmer auch selber gestalten darf, wie es ihr gefällt.
      Sie aßen und sprachen noch ein bisschen weiter, doch dann sah er schon Talon, der auf ihn wartete. Seufzend trank Caleb noch einen letzten Schluck und erhob sich dann von dem Tisch. "Es tut mir leid, Prinzessin, doch die Arbeit ruft und ich muss Euch verlassen." entschuldigte er sich bei Maria und trat an ihre Seite. "Ich hoffe, Ihr werdet einen schönen Tag heute haben, von dem Ihr mir dann bei unserem gemeinsamen Abendessen erzählen könnte." verabschiedete er sie und nahm dann ihre Hand in seine, um dieser einen sanften Kuss auf den Handrücken zu hauchen. Ein bisschen war das gespielt, wurde er nicht nur von Talon beobachtet, sondern auch von dem königlichen Personal, das viel tratschte. Er musste zeigen, dass es zwischen ihm und der Prinzessin gut lief und er wollte an und für sich einfach nur nett zu ihr sein. Er fragte sich auch, ob später vielleicht sogar Gefühle für die junge Frau entwickelte. Zumindest war Maria hübsch anzusehen und schien ein freundliches Wesen zu haben. Er hätte es schlechter treffen können und somit war er doch dankbar, dass sie so umgänglich. Liebe gab es in königlichen Ehen doch eher selten.
      Caleb lief dann zu seinem Berater und suchte mit ihm die Stallungen auf, da er nun ein paar Lehnsherren besuchen musste.
      Maria selber würde schon durch das Personal zu Sara geführt werden.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Zephyrines Herz schien für einen Moment stillzustehen, als sie die Bemerkung hörte, dass ihre Freizeitaktivitäten nicht dem entsprachen, was man von einer Prinzessin erwartete. Ein Schauer der Unsicherheit zog durch ihren Körper, und ihre Muskeln spannten sich unwillkürlich an. Hatte sie etwas Unpassendes gesagt? War ihre Tarnung in Gefahr? Ihr Blick huschte schnell zu dem König, suchte hektisch nach einem Zeichen von Skepsis, einer Andeutung, dass er Verdacht geschöpft hatte. Doch seine Miene blieb ruhig und gelassen. Kein Anzeichen von Misstrauen lag in seinem Ausdruck. Erleichtert atmete sie leise aus und ließ die Anspannung aus ihren Schultern weichen. Für den Moment war sie sicher. Doch sie wusste, dass sie sich später, wenn sie allein war, ernsthafte Gedanken machen musste – über mögliche Fragen, die noch auf sie zukommen könnten, und wie sie sich gegenüber bestimmten Themen verhalten sollte, um ihre wahre Identität nicht preiszugeben.
      Als der König sie aufforderte, darüber nachzudenken ihr Gemach nach ihrem eigenen Geschmack zu gestalten, nickte sie höflich. Doch in ihrem Inneren fühlte sie sich unsicher und verloren. Wie sollte sie so etwas anstellen? Ihr altes Zimmer war einfach gewesen, praktisch, ohne jegliche Zierde. Sie hatte sich nie mit dem Thema Dekoration beschäftigt, hatte nie darüber nachgedacht, was ihr gefiel und was nicht. Nun sollte sie auf einmal einen Raum so gestalten, dass er den hohen Ansprüchen des Adels entsprach? Der Gedanke überforderte sie. Zudem erinnerte sie sich daran, dass es auch zu ihren Aufgaben zählen würde, gesellschaftliche Zusammenkünfte für die Damen des Hofes zu organisieren. Eine Aufgabe, die sie mit Sorge erfüllte. Es war nur eines von vielen Themen, die auf ihrer wachsenden Liste standen und ihr schmerzlich bewusst machten, wie fremd ihr dieses Leben war.
      Das Frühstück mit dem König verlief ruhig, fast schon angenehm. Die Stille, die zwischen ihnen herrschte, war erholsam, nicht bedrückend. Zephyrine war erleichtert, dass der König nicht den finsteren Gerüchten entsprach, die sie über ihn gehört hatte. Wenn ihre Schwester wüsste, wie freundlich und umsichtig er in Wirklichkeit war, hätte sie Zephyrine sicherlich nicht an diesen Hof geschickt. Vielleicht, so überlegte sie, könnte sie ihren Eltern einen Brief schreiben, um sie von den falschen Gerüchten in Kenntnis zu setzen. Vielleicht würden sie ihre Meinung ändern und ihre Schwester an den Hof schicken. Denn auch wenn Caleb bisher nachsichtig und freundlich war, wusste Zephyrine, dass das Leben am Hof nicht für sie bestimmt war. Die starren Regeln, die Intrigen und die ständige Wachsamkeit lasteten schwer auf ihr. Ihre Schwester wäre dieser Aufgabe viel besser gewachsen.
      „Macht Euch keine Sorgen“, sagte sie schließlich mit einem höflichen Lächeln. „Ich danke Euch für das angenehme Frühstück und wünsche Euch ebenfalls einen schönen Tag.“ Der Abschied verlief formell, fast distanziert. Die beiden kannten sich kaum, und eine gewisse Zurückhaltung lag noch immer zwischen ihnen. Zephyrine verstand das, schließlich war dies erst ihr zweiter Tag in dieser neuen, fremden Welt.
      Nachdem der König gegangen war, blieb sie noch einige Minuten allein am Frühstückstisch sitzen. Der Garten, in den der Tisch gestellt war, bot ihr die ersehnte Ruhe. Die Natur um sie herum schien die Zeit stillstehen zu lassen, und für einen kurzen Moment konnte sie ihre Sorgen und Ängste vergessen. Hier im Schutz der grünen Oase, konnte sie für einen Augenblick die Welt und ihre Pflichten vergessen.
      Die Rosensträucher wirkten fast magisch in ihrem Blühen. Ihre leuchtenden Farben gaben dem Ort eine friedvolle Atmosphäre. Die hohen Zypressen, die die Wege säumten, schienen wie stumme Wächter über den Garten zu wachen, und das Rascheln des Grases unter ihren Füßen erinnerte Zephyrine daran, wie fern ihr dieses Leben vor wenigen Tagen noch gewesen war. Dieser Garten war ein Ort der Stille, ein Rückzugsort, und doch wusste sie, dass die Illusion nur von kurzer Dauer war.
      Ihr Frieden wurde bald durch das leise Geräusch von Schritten gestört. Eine Bedienstete näherte sich, und mit einer höflichen, aber distanzierten Stimme verkündete sie, dass Lady Sara eingetroffen war und auf Zephyrine wartete. Mit einem leisen Seufzen stand sie auf, ließ ihre Finger einen letzten Moment über die weichen Stoffe ihres Kleides gleiten und warf einen letzten Blick auf den friedlichen Garten, bevor sie sich langsam ins Innere des Schlosses zurückzog. Der Garten, der noch vor einem Augenblick ein Ort der Ruhe gewesen war, verblasste nun hinter ihr.

      Zephyrine ließ sich von der Bediensteten in den Raum führen, in dem Lady Sara bereits wartete. Der Raum war in warmen Farben gehalten, mit großen Fenstern, die das Sonnenlicht einließen und den Eindruck von Weite und Licht verstärkten. Lady Sara stand vor einem der Fenster und drehte sich lächelnd um, als Zephyrine eintrat.
      „Guten Morgen, Eure Hoheit“, sagte sie und machte einen leichten Knicks. „Ich hoffe, Ihr hattet einen angenehmen Start in den Tag.“
      „Guten Morgen, Lady Sara“, erwiderte Zephyrine höflich. Sie spürte ein leichtes Ziehen in ihrer Brust, das immer dann auftrat, wenn sie sich daran erinnerte, wie weit weg ihre alte, einfachere Welt nun schien. „Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, mich zu besuchen. Ich weiß, wie viel Ihr zu tun habt.“
      „Es ist mir eine Freude, Euch Gesellschaft zu leisten“, antwortete Sara freundlich. Sie war eine Frau von hoher Eleganz und Selbstsicherheit, was Zephyrine sowohl bewunderte als auch ein wenig einschüchterte. „Vielleicht möchtet Ihr mit mir in den Garten gehen? Es ist ein wunderschöner Tag, und die frische Luft wird uns guttun.“
      Zephyrine nickte und zwang sich zu einem Lächeln. „Das klingt wunderbar. Der Garten ist wirklich ein Ort der Ruhe.“
      Gemeinsam verließen sie den Raum und machten sich auf den Weg in den Palastgarten. Die Steinfliesen unter ihren Füßen hallten leise wider, während sie durch die breiten Flure des Palastes schritten. Der Garten war weitläufig, mit prächtigen Beeten, die sich in sanften Bögen um üppige Rasenflächen wanden, auf denen vereinzelt Adelsmänner flanierten oder auf Bänken saßen. Die Luft war erfüllt vom leisen Summen der Bienen und dem Duft von frisch geschnittenem Gras.
      Lady Sara schlenderte neben Zephyrine und hielt ein paarmal inne, um die Schönheit der Umgebung zu bewundern. Schließlich fragte sie mit einem neugierigen, aber sanften Ton: „Wie habt Ihr die Nacht verbracht, Eure Hoheit? Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig Ruhe finden.“
      Zephyrine erinnerte sich daran, wie unruhig sie in ihrem neuen Bett gelegen hatte, wie fremd ihr alles vorgekommen war. Dennoch lächelte sie sanft. „Es war in Ordnung. Nochmals vielen Dank für Eure Unterstützung gestern. Ohne Euch wäre ich völlig verloren gewesen.“
      „Es freut mich, dass ich Euch helfen konnte“, sagte Sara, während sie einen Blick auf die Blumenbeete warf. „Habt Ihr Euch schon ein wenig eingelebt? Ich kann mir vorstellen, dass es viel auf einmal ist.“
      Zephyrine spürte einen Knoten in ihrem Magen. Sollte sie ehrlich sein? Die Unsicherheit nagte an ihr, aber sie sah in Lady Sara etwas Vertrautes, fast schon mütterliches. Vielleicht war sie wirklich eine Verbündete in dieser fremden, von Intrigen durchzogenen Welt. Zögernd, aber ehrlich, antwortete sie: „Es gibt noch vieles, was ich lernen muss. Ich habe bemerkt, dass es Dinge gibt, die mir bisher nie beigebracht wurden, und ich mache mir Sorgen, ob ich den Erwartungen gerecht werde.“
      Lady Sara sah sie mit einem verständnisvollen Blick an und nickte leicht. „Das ist völlig normal, Eure Hoheit. Jeder Übergang braucht seine Zeit. Ihr müsst nicht alles sofort wissen. Ich bin hier, um Euch zu unterstützen. Wenn Ihr Fragen habt oder Euch unsicher seid, zögert nicht, mich anzusprechen.“
      Zephyrine atmete erleichtert aus. „Das ist sehr freundlich von Euch. Es ist beruhigend zu wissen, dass ich mich auf Euch verlassen kann.“
      „Natürlich“, sagte Sara mit einem sanften Lächeln. „In der Tat, wenn Ihr möchtet, könnte ich auch eine Dame einladen, die in den höheren Gesellschaftskreisen sehr anerkannt ist. Sie hat viel Wissen über Etikette, die Traditionen des Hofes und soziale Gepflogenheiten. Viele am Hof respektieren sie. Aber ich muss Euch vorwarnen, sie kann ziemlich streng sein.“
      Zephyrine hob überrascht die Augenbrauen. „Das ist ein sehr großzügiges Angebot, Lady Sara. Ich werde darüber nachdenken und es auch mit dem König besprechen. Vielleicht könnte es tatsächlich hilfreich sein.“
      „Ich bin sicher, der König wird nichts dagegen haben. Sie ist eine angesehene Frau, auch wenn sie manchmal etwas... fordernd ist“, antwortete Sara mit einem leichten Augenzwinkern.
      Sie schritten weiter durch den Garten, und Zephyrine warf immer wieder verstohlene Blicke auf die eleganten Adelsmenschen, die sich um sie herum bewegten. Sie sahen so sicher aus, so mühelos in ihrem Umgang miteinander, als wären sie Teil einer ganz eigenen Welt.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Der erste Ritt dauerte eine gute Stunde, bis sie endlich das Gehöft erreichten. Caleb und Talon wurden dort auch schon erwartet und gebührend empfangen. Man versorgte ihre Pferde und führte sie direkt zum Verwalter dieses Grundstücks. Es waren quasi Standardbesuche, die der König persönlich vollführte. Er wollte den Herren zeigen, dass er sich um sie sorgte und sie ihm daher auch vertrauen konnten. Diese Methode ist zwar sehr zeitintensiv, doch zahlte es sich gegen Ende mehr als gut aus. Die Lehnsmänner waren in der Regel ehrlicher und auch loyaler. Sie waren zu zufriedener und dies wurde auch an das Gesinde weitergegeben. So war es auch üblich geworden, dass die Lehnsmänner dem König Geschenke machten, die er zwar annahm, aber Talon darauf bestand, dass es nur selbsterzeugte Produkte von dem Land waren. Auch das, wurde sehr positiv aufgenommen und schnell sprach sich herum, dass König Iljin seine Geschenke auch oft an die Bevölkerung verteilte. Caleb besaß genug, er braucht nicht noch mehr Tiere oder Getreide, Obst oder andere Dinge. Daher spendete er es an die, die weniger hatten.
      Diese Großzügigkeit verhalf dem Land, dass es weniger Verbrechen gab, da kaum noch jemand hungern musste. Man nahm sich auch den König als Vorbild und so wurden die Menschen auch untereinander freigebiger.
      Jahr für Jahr wurde das Land friedlicher, daher wusste Talon nicht, wie immer noch die Gerüchte zustande kamen, dass König Iljin ein Tyrann sei und das Land unter ihm litt. Er vermutete dahinter eine Schmutzkampagne, aber kam sie aus dem Land selber oder waren es die benachbarten Königreiche, die solche Unwahrheiten verbreiteten? Der Berater versuchte schon lange dies herauszufinden, doch bis jetzt, fehlte ihm jegliche Spur.
      Gute drei Stunden befanden sie sich auf dem Land und dann ging es weiter, zum nächsten Hof. Auch hier spielte sich das Gleiche ab. Man führte sie herum, zeigte ihnen, wer hier alles lebte, was man täglich arbeitete. Caleb sprach nicht nur mit dem Lehnsmann, sondern schenkte auch seinen Bediensteten ein Ohr. Das verbesserte den Umgang zwischen diesen beiden Parteien und im allgemeinen, gab es nur Positives zu berichten. Der König ist beliebt bei seinem Volk, doch das passte nicht jedem. Überall gibt es Verschwörungstheoretiker, die wahnwitzige Behauptungen aufstellten, da war das Königreich Dromos nicht anderes. Und diese fast schon verrückten Vermutung, wurden gerne von den Gegnern des Königs genutzt, um das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Doch bis jetzt hatten Feinde keine Chance, blieben aber leider auch unentdeckt und anonym.
      Die Sonne stand schon im Westen tief am Horizont, als sich Caleb und Talon endlich auf den Rückweg machten. Bevor die Sonne ganz untergegangen war, erreichten sie wieder das Schloss, wo man ihnen gleich die Pferde abnahm und diese in die Stallungen brachte, wusch und fütterte.
      Eigentlich wäre es als König angebracht, die Robe noch zu wechseln, doch Caleb hungrig und erschöpft, dass er dafür keine zusätzliche Kraft mehr aufbringen konnte. Dennoch wollte er sein Wort halten und mit Maria zu Abend speisen.
      Dieses wurde auch schon zubereitet und serviert, als man im Schloss erfuhr, dass der König zurückgekehrt war. So suchte auch eine Zofe Maria auf und berichtet vom Eintreffen der Majestät.
      Diese fand die Prinzessin mit Lady Sara in der Königlichen Bibliothek. Sara hatte ihr diese noch zeigen wollen und erklärt, dass die Blonde jederzeit, jedes Buch von hier ausleihen kann.
      "Prinzessin, es war mir eine Ehre und Freud Euch heute Gesellschaft leisten zu können. Denkt über mein Angebot nach und bespricht es gerne mit dem König." verabschiedete sich die Brünette und verneigte sich kurz vor Maria. "Ich wünsche Euch noch einen schönen Abend und würde mich freuen, wenn wir wieder einen Tag zusammen verbringen können." lächelte Sara die Prinzessin freundlich gar herzlich an und verließ damit auch die Bibliothek, schließlich bedeutete dies auch, dass auch ihr Mann wieder zu Hause war und den wollte sie nicht warten lassen.
      Caleb war noch alleine, als er in den Speisesaal kam und setzte sich an die reich gedeckte Tafel. Er verlangte zusätzlich noch nach einem Wein, da er sich für diesen langen Tag doch etwas belohnen wollte. Aber auch wenn sein Magen schon leise knurrte, wartete dennoch auch Maria, damit sie gemeinsam essen konnten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Zephyrine genoss die ruhige Zeit mit Sara, auch wenn sie nicht ehrlich mit ihr sprechen konnte. Um Lady Sara nicht das Gefühl zu geben, als würde sie sie bloß als Lehrerin nutzen, hielt sich Zephyrine mit direkten Fragen zurück. Stattdessen ließ sie Sara selbst erzählen oder versuchte, ihr Informationen subtil zu entlocken. Zephyrine war darauf bedacht, keiner weiteren Adeligen zu begegnen – zumindest nicht so, dass ein Gespräch unvermeidbar wurde. Als Prinzessin und zukünftige Königin stand sie ohnehin ständig unter Beobachtung, und jeder noch so kleine Fehler von ihr würde sofort kritisiert oder übertrieben dargestellt. Jeglichen Ärger für den König, der mit ihr zu tun hatte, wollte sie vermeiden. Je weniger Aufmerksamkeit auf sie gerichtet war, desto sicherer fühlte sie sich vor Intrigen.
      Zephyrine begleitete Sara weiterhin durch den Garten, bis diese vorschlug, gemeinsam einen Tee zu trinken. Da das Gehen in ihren Schuhen anstrengend wurde, kam ihr der Vorschlag gerade recht. Da beide von einer Bediensteten begleitet wurden, musste Zephyrine nur ihre Hand heben, und sofort kam jemand, um ihr zu helfen. Die Dienerin nickte verstehend und verschwand mit eiligen Schritten, um alles vorzubereiten. Lady Sara führte sie zu einem geeigneten Ort, an dem bereits ein Tisch und Stühle bereitstanden. Zunächst dachte Zephyrine, dass der Tee eher für Lady Sara eine Erleichterung sei, weil auch ihr das lange Gehen zu schaffen machte. Doch einige Minuten später erkannte sie den wahren Grund: Auf subtile Weise und ohne direkte Worte wies Lady Sara sie auf kleine Fehler hin, die Zephyrine selbst nicht bemerkt hatte. Zu ihrer Erleichterung waren es keine gravierenden Fehler, doch diese kleinen Details könnten in den Augen der Adeligen bereits genug sein, um Kritik hervorzurufen. Abgesehen von dieser lehrreichen Beobachtung unterhielten sich die beiden hauptsächlich über Zephyrines Reich.
      Die Zeit verging wie im Flug, und bald erhoben sie sich. Als letztes Ziel des Tages wollte Sara ihr die Bibliothek zeigen, die für ihre Größe und ihre reichhaltigen Sammlungen im ganzen Land bekannt war. Zephyrine hatte in ihrem Leben nicht viel gelesen; zum einen war sie oft zu beschäftigt gewesen, und zum anderen hatte sie nie großes Interesse an Büchern gezeigt. Doch nun würde sie wohl nicht umhin kommen, dies zu ändern, wenn sie hier überleben wollte. Mit ehrlicher Neugier und Staunen betrat sie den riesigen Raum und ließ sich von Sara herumführen. Unzählige Bücher und Dokumente zu den verschiedensten Themen füllten die Regale. Große Fenster ermöglichten es den Sonnenstrahlen, den Raum in ein warmes, goldenes Licht zu tauchen. Schließlich zeigte Lady Sara ihr den Ablauf, um Bücher ausleihen zu können. Kurz darauf verabschiedete sie sich, als eine Dienerin auf Zephyrine zutrat und sie über die Ankunft des Königs informierte.
      „Es war mir ein Vergnügen, Lady Sara“, verabschiedete sich Zephyrine ebenfalls und folgte der Dienerin. Sie konnte sich gut vorstellen, weiterhin Zeit mit Sara zu verbringen. In ihrer Gegenwart fühlte sie sich nicht ständig beobachtet, musste nicht über jeden ihrer Schritte nachdenken, und ihre Anspannung ließ nach. Wären doch nur alle Adeligen so, dachte sich Zephyrine mit einem Anflug von Bitterkeit, während sie sich auf den Weg zum Speisesaal machte.
      Dort entdeckte sie sogleich Caleb und lächelte ihm entgegen. Er war bislang der Einzige, den sie als Verbündeten betrachtete, auch wenn sie mit ihm ebenfalls nicht völlig offen sein konnte. Umso mehr freute sie sich, dass er sein Wort gehalten hatte. Zephyrine hätte es ihm nicht übel genommen, wenn er sich wegen der Arbeit oder aus Erschöpfung zurückgezogen hätte, doch er hatte sich offensichtlich extra Zeit für sie genommen.
      „Guten Abend“, begrüßte sie ihn sanft und nahm Platz. Ein kurzer Blick auf sein Glas ließ sie eine Frage stellen, die ihr sofort in den Sinn kam: „Hattet Ihr viel zu tun? Sicherlich war es anstrengend.“ Die Prinzessin fühlte sich mit einem Mal etwas bedrückt, zeigte dies jedoch nicht. Stattdessen warf sie ihm einen besorgten Blick zu. Ganz gleich, ob er sein Wort hielt oder nicht – sie vermutete, dass er eine lange Reise hinter sich hatte und sich nun am liebsten ausruhen würde.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • "Guten Abend, Prinzessin." grüßte Caleb diese, als sie sich neben ihn setzt und nickte leicht bei ihrer Frage. "Es war wirklich eine anstrengende Reise, doch das gehört nun mal dazu, wenn man König ist. Man muss sich um seine Untertanen kümmern, ihnen Gehörschenken und helfen, wenn es in meiner Macht liegt." meinte er nur dazu und trank dann einen Schluck seines Weines. "Ich bin ein Mann, der sein Wort hält." fügte er an und schenkte Maria ein kleines Lächeln, dass doch von seiner Müdigkeit gezeichnet war. "Und wie ist es Euch ergangen? Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag mit Lady Sara." erkundigte er sich indessen bei ihr und fing dann an, sich etwas von dem vielen Essen auf den Teller zu schöpfen und fing dann auch schonen zu essen.
      "Was ich zu erzählen hätte, würde Euch bestimmt langweilen, geht es vor allem um Politik und die Belange des Volkes. Falls es Euch doch interessieren sollte, kann ich berichten. Oder aber, Ihr begleitet mich bei meinem nächsten Ausflug. Ihr sagtet doch, dass Ihr gerne reitet. Nun, da wären wir einen ganzen Tag mit dem Pferd unterwegs." überlegte Caleb laut. Er wusste, dass viel Adelsdamen sich nicht um Politik und ähnliches scherten, doch Maria schien nicht wie diese typischen Mimosen zu sein. Außerdem wollte er sie nicht bevormunden und sie ihre Interessen ausleben lassen.
      "Morgen gibt es nach dem Frühstück bis zum Mittag für die Bewohner hier die Möglichkeit, vor den König zu treten und ihre Sorgen oder andere Belangen kundzutun. Ihr dürft gerne beiwohnen, wenn ihr wollt. Ich denke, die Leute werden sich freuen, wenn sie einen Blick auf ihre hübsche zukünftige Königin werfen können." verpackte der junge Mann sein Kompliment ganz geschickt, wie er fand. Caleb hatte sich auch vorgenommen, sich etwas mehr um Maria zu bemühen und sie somit auch besser kennenzulernen. Schließlich sollen die beiden bald ein Ehebett teilen und bestimmt erwartete man auch von dem doch recht jungen Königspaar auch bald ein paar Erben. Doch erst eins nach dem anderen.
      Während sie dann so aßen und redeten, lief dem jungen König plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken. Er hatte das Gefühl, beobachtet zu werden, und diesem Gefühl konnte er vertrauen, denn er konnte einfach die Anwesenheit seines Bruders in dem Speisesaal spüren. Doch dadurch wurde Caleb etwas steifer und zurückhaltender.
      Viego saß tatsächlich auf einem der hohen Dachbalken, im Schatten verborgen und beobachtete seinen Bruder und die Frau, die neben ihm saß. Der Stachel der Eifersucht bohrte sich langsam aber stetig immer etwas tiefer in sein Herz. Sah diese dumme Gans denn nicht, wie müde Caleb war. Sie sollte lieber ihren Schnabel halten und ihn gehen lassen. Außerdem hatte er etwas seinem Bruder zu berichten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Zephyrine bewunderte die Hingabe, mit der der König seinen Pflichten nachging. Seine Ernsthaftigkeit und Disziplin waren bemerkenswert – Eigenschaften, die sie nicht unbedingt bei einem Herrscher erwartet hätte. Bis vor Kurzem hatte sie sich kaum Gedanken über Politik oder die Aufgaben eines Monarchen gemacht. Warum auch? Sie war Teil des einfachen Volkes gewesen, ohne Einfluss oder Mitspracherecht. Ihre Welt hatte aus Alltagsroutinen und harter Arbeit bestanden, während die Machthaber in der Ferne über das Schicksal ihrer Untertanen bestimmten. Oft hatte sie Geschichten von Tyrannen gehört, deren Gier nach Reichtum und Macht das Volk ins Elend gestürzt hatte. Deshalb war es für sie beruhigend, dass Caleb anders zu sein schien. Sein Verhalten vermittelte ihr das Gefühl, in guten Händen zu sein – ein Gedanke, der ihr zumindest einen Funken Sicherheit schenkte.
      Umso mehr bedauerte sie, dass er trotz offensichtlicher Müdigkeit Zeit mit ihr verbrachte. Sie konnte die Erschöpfung in seinen Zügen sehen, und es tat ihr leid, ihn von der wohlverdienten Ruhe abzuhalten. Am liebsten hätte sie ihm vorgeschlagen, sich zurückzuziehen und Schlaf zu finden, doch sie wusste, dass solch ein Vorschlag möglicherweise falsch aufgefasst werden könnte – vor allem in dieser frühen Phase ihrer Beziehung. Also entschied sie sich, ihre Mahlzeit zügig zu beenden, ohne jedoch den Eindruck zu erwecken, sie wolle ihn loswerden.
      „Die Zeit mit Lady Sara war sehr angenehm. Sie ist wirklich nett und zuvorkommend,“ begann sie, während sie bemüht darauf achtete, sich gewählt auszudrücken. Dennoch schlich sich eine gewisse Ungezwungenheit in ihre Worte. Zephyrine war sich bewusst, dass Adeligen oft eine geschliffenere Ausdrucksweise abverlangt wurde, doch in Calebs Gegenwart fühlte sie sich bisher nicht dazu gedrängt, ihre Worte übermäßig zu schmücken. Sollte er sie jedoch darauf hinweisen, würde sie sich selbstverständlich bemühen, seiner Erwartung gerecht zu werden.
      Hätte Caleb sie vor wenigen Monaten gefragt, ob sie Interesse an politischen Themen hätte, hätte sie vermutlich höflich, aber bestimmt abgelehnt. Warum sich mit etwas beschäftigen, auf das sie keinen Einfluss nehmen konnte? Als Frau ohne Rechte war sie es gewohnt gewesen, sich aus solchen Angelegenheiten herauszuhalten. Doch jetzt, als zukünftige Königin, war es ihre Pflicht, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen – ob sie wollte oder nicht. Sie erkannte, dass es nicht nur darum ging, an Calebs Seite eine Zierde zu sein, sondern auch darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich das Vertrauen des Volkes zu erarbeiten.
      Der Gedanke an diese Verantwortung ließ ihr Herz schneller schlagen, doch sie wusste, dass sie keinen besseren Lehrer als Caleb hätte. Seine Hingabe an das Volk und sein Pflichtbewusstsein imponierten ihr. Vielleicht konnte sie durch aufrichtiges Interesse und aktive Teilnahme an seinen Aufgaben sogar seine Anerkennung gewinnen. „Gerne, wenn es Euch keine Umstände bereitet,“ antwortete sie eifrig auf sein Angebot, sie in seine Arbeit einzubeziehen. Die Aussicht, mehr über die Angelegenheiten des Reiches zu erfahren und dabei auch noch Zeit mit ihm zu verbringen, erfüllte sie mit Freude. Außerdem bot es ihr eine Gelegenheit, sich in der neuen Rolle zu beweisen.
      Während sie sich Essen auf den Teller schöpfte und das Hähnchen sorgfältig zerteilte, hörte sie aufmerksam zu, als Caleb den Plan für den morgigen Tag erläuterte. Es überraschte sie erneut, dass er bereit war, die Sorgen und Wünsche seines Volkes persönlich anzuhören. Diese Haltung hob ihn von den selbstgefälligen Adeligen ab, über die sie so viele Geschichten gehört hatte. Gleichzeitig erkannte sie, dass es eine Chance für sie war, sich dem Volk zu präsentieren und Vertrauen zu gewinnen.
      Ein Hauch von Wärme stieg ihr in die Wangen, als Caleb ihr ein Kompliment machte. Zephyrine hatte sich nie als besonders schön betrachtet. In ihren Augen war sie schlicht – eine von vielen. Dennoch fühlte es sich gut an, in seinen Worten Anerkennung zu finden.
      „Ja, das erscheint mir ebenfalls sinnvoll. Die Anliegen direkt von den Menschen zu hören, klingt greifbarer als Berichte aus dritter Hand,“ stimmte sie ihm zu. Auch wenn die endgültigen Entscheidungen beim König lagen, wollte sie sich nicht unvorbereitet fühlen. Sollte sie eines Tages auf die Probe gestellt werden – sei es durch Adel oder Volk –, wollte sie nicht versagen. Ihre Herkunft und frühere Stellung durften ihr nicht zum Verhängnis werden.
      Während die Mahlzeit fortschritt, genoss Zephyrine die Stille, die sich zwischen ihnen ausbreitete. Die leisen Geräusche von Besteck auf Porzellan waren ihr lieber als erzwungene Gespräche. Stille bedeutete für sie kein Unbehagen, sondern Vertrautheit. Dennoch drängte sich eine Frage in ihre Gedanken, die sie schließlich laut aussprach:
      „Ich weiß nicht, ob es angemessen ist, Euch das zu fragen, aber…“ Sie zögerte kurz und biss sich auf die Lippe. Vielleicht sollte sie es besser lassen, doch nun war es zu spät, um zurückzurudern. „Gibt es etwas, worauf Ihr beim Essen achten müsst? Allergien oder dergleichen?“
      Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, bereute sie sie bereits. Sie fürchtete, dass Caleb ihre Frage missverstehen könnte – als wäre sie besorgt um seine Schwächen oder wollte gar Informationen sammeln, um ihm zu schaden. Rasch fügte sie hinzu:
      „Mir kam der Gedanke, damit ich ebenso ein Auge darauf haben kann. Sollte ich einmal etwas organisieren müssen, möchte ich sicherstellen, dass ich nichts Falsches auswähle.“ Ihre Wangen brannten, während sie ihren Blick auf den Teller senkte. Innerlich verfluchte sie sich für diese ungeschickte Frage und die Art, wie sie sie formuliert hatte. Dennoch zwang sie sich, weiterzuessen, um kein weiteres Missverständnis aufkommen zu lassen.
      „Ah", fiel ihr sogleich ein. „Aufgrund meiner Ankunft und neuen Lebensabschnitt in diesem Lande, hat mir Lady Sara angeboten, eine anerkannte Dame einzuladen, die mir bei der Eingewöhnung im Kreis unterstützen könne. Ich habe keine Entscheidung getroffen, da ich das mit Euch vorab besprechen wollte", sprach sie das Thema von heute Mittag an. „Eine gewisse Dame namens Alyssa Elcyr", erinnerte sich Zephyrine an den Namen. Zephyrine vertraute auf Ladys Saras Empfehlung, nicht ahnen, was in der Zukunft auf sie erwarten wird, und dies nicht unbedingt zu ihrem Gunsten.

      Der Rest der Mahlzeit verlief ruhig, und Zephyrine konnte sich allmählich entspannen. Der König wirkte müde, und sie wollte ihn nicht länger aufhalten. Stattdessen entschied sie sich, das gemeinsame Abendessen auf einer positiven Note zu beenden.
      „Ich schätze es sehr, dass Ihr trotz Eures anstrengenden Tages Zeit mit mir verbracht habt. Bitte fühlt Euch nicht verpflichtet, Euch mir zuliebe zu verausgaben. Eure Gesundheit ist mir wichtig, und ich verstehe vollkommen, wenn Ihr Euch zurückziehen möchtet oder Pläne ändern müsst,“ sagte sie ehrlich. Ihre Worte waren von Herzen, und sie hoffte, dass er sie als solche erkannte.
      Zephyrine wollte nicht als Belastung in Erinnerung bleiben – nicht als jemand, der dem König Kopfschmerzen bereitete. Stattdessen wollte sie ihm zeigen, dass sie seine Bemühungen schätzte und bereit war, ihren eigenen Teil beizutragen.
      Während sie das Geschirr beiseite stellte und ihm einen letzten dankbaren Blick schenkte, fühlte sie sich erleichtert. Vielleicht war es nur ein kleines Abendessen gewesen, doch für Zephyrine hatte es bedeutet, dass sie einen ersten, vorsichtigen Schritt in diese neue, unbekannte Welt gemacht hatte. Und sie war fest entschlossen, in dieser Welt ihren Platz zu finden – an seiner Seite.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Mit aller Macht versuchte Caleb seine Augen offenzuhalten, während er Maria von ihrem Tag mit Lady Sara erzählte. Die Frau seines Vertrauten schien sich gut um die Prinzessin zu kümmern, damit diese sich hier am Hofe anfängt wohler zu fühlen. Außerdem hatte er auch aufgetragen, sie im Blick zu behalten, damit sie nicht an die gehässigen Adelsdamen gerät, die einem mit ihren spöttischen Worten wahrlich vergiften konnten.
      Er wollte nicht so wirken, als langweile sie ihn, daher nickte er hier und da und gab einen Laut der Zustimmung von sich, als sie wohl doch Interesse an seiner politischen Arbeit äußerte. "Es bereitet mir keine Umstände und wenn Ihr Königin seid, müsst Ihr in meiner Abwesenheit manch Entscheidungen treffen." erklärte er, wieso er guthieß, dass sie sich für die Politik hier am Hofe und auch im Umland interessiert. In seiner Vorstellung sollte ein Königspaar eine geschlossene Einheit sein, die gemeinsam aber auch alleine die gleichen oder zumindest die ähnlichen Urteile fällten. Und je eher Maria sein Vorgehen und seine Intention verstand, würde sie auch bald so handeln und vielleicht denken wie er selbst. So sein Zukunftsbild von ihr und sich.
      Seine Müdigkeit sorgte leider dafür, dass der König im Vergleich zu Maria weniger aß, als sonst. Aber es freute ihn, dass sie Appetit zeigte und nicht, wie beim letzten Mal, das Essen wegen dieses zu engen Korsetts kaum genießen konnte. Es schien ihr zu munden und er hoffte, dass sie wusste, dass sie jederzeit Wünsche an die königliche Küche richten konnte und sie natürlich auch inspizierten durfte. So musste er auch leise lachen, als sie sich für ihre Frage entschuldigte, als sie sich bei erkundigte, ober Unverträglichkeiten besaß, bezüglich des Essens.
      "Ihr sorgt Euch um mich? Das ist vorbildlich von Euch und auch irgendwie … liebreizend." gab Caleb schmunzelnd von sich, um Maria auch gleich zu beruhigen, da sie doch etwas besorgt wirkte, dass ihr Frage bei ihm vielleicht falsch ankommen könnte. Natürlich gibt es immer das Risiko vergiftet zu werden, doch daher wird das Essen auch vorgekostet, ehe es wirklich serviert wird. Der königliche Vorkoster ist Caleb sehr loyal gegenüber und hat immer ein wachsames Auge auf die Köche. Ihn sollte er der Prinzessin bei Gelegenheit auch einmal vorstellen. Schließlich verköstigt er auch ihre Speisen.
      "Wie Euch vielleicht schon aufgefallen ist, wird zwar Fisch und auch Oktopus und ähnliches an dieser Tafel serviert, doch keine Schalentiere oder Muscheln. Gegen diese bin ich tatsächlich etwas allergisch. Nichts Schlimmes, ich bekomme einen roten Ausschlag auf der Haut und meine Zunge fängt an zu kribbeln. Doch das merke ich sofort bei kleineren Mengen, also werde ich wohl nie so viel davon verzehren, dass es gefährlich für mich sein könnte. Aber wenn ihr gerne einen Blick in die königliche Küche werfen wollt, dürft Ihr wann immer möchtet dort vorbeischauen. Und fragt gerne nach William, er ist unser Vorkoster und genießt mein vollstes Vertrauen." ließ er sie auch so gleich wissen.
      Caleb hob die Augenbrauen, als der Name der Dame Alyssa Elcyr fiel. "Nun, sie gehört wohl zu den verbindlichsten Adelsdamen hier am Hofe, man nennt sie hier und da auch "Grande Dame", da sie einen sehr guten Ruf genießt. Aber sie ist auch sehr streng und duldet keine Fehler." erzählte er ihr, was er von dieser Frau wusste. Ob es eine gute Idee ist, gerade sie mit Maria zu betrauen? Jedoch, wenn die Prinzessin wirklich mit ihr arbeiten will, sollte es nicht an ihm scheitern. Außerdem wäre sie dann wirklich gewappnet gegenüber der anderen Adelsdamen hier am Hofe.
      "Gut, wenn Ihr es so möchtet, könnt Ihr die Grande Dame gerne zu Rate ziehen." segnete Caleb dies dann auch direkt ab. Er würde ja sehen, welche Auswirkungen es auf Maria haben würde.

      Danach verfielen beide ins Schweigen, wobei es nicht beklemmend war. Eher genoss man einfach die gemeinsame Ruhe und Caleb konnte so seine Gedanken etwas besser sortieren, bis ihm die Blicke seines Bruders ihm einen eisigen Schauer über den Rücken jagte. So reagierte der König doch recht kurz angebunden auf die lieben Worte der Prinzessin, was vielleicht etwas schroff herüberkam.
      "Wenn Ihr so denkt, dann ziehe ich mich jetzt zurück. Gehabt Euch wohl." klangen die gewählten Worte an Maria doch etwas lieblos und dass Caleb den Speisesaal fast schon fluchtartig verließ, machte es bestimmt nicht besser. Doch die Gedanken des Königs waren schon bei Viego, der die beiden nicht umsonst beobachtet hatte. So suchte Caleb sein Gemach direkt auf und schloss sofort hinter sich ab, als er dort angekommen war. Wartend blieb er auf seinem Bett sitzen, das so verführerisch weich war, dass er sich am liebsten einfach hingelegt hätte, um auch direkt einzuschlafen. Doch das musste leider warten.

      Nur wenige Minuten später trat Viego aus der Geheimtüre hervor und sah seinen Bruder sehr ernst an. "Wenn du müde bist, brauchst du dich nicht mir dieser Frau abzugeben." waren die ersten Worte, die er an Caleb richtet und sah ihn dabei doch sehr ernst an. "Wie? Was?" fragte dieser überrascht, hatte er mit etwas anderem gerechnet, was er hier gleich zu hören bekam. "Ich habe es Maria versprochen und meine Versprechen halte ich, das solltest du wissen Bruder." seufzte der König auf und massierte seinen Nasenrücken. "Bitte sag mir jetzt nicht, dass du nur deswegen im Speisesaal warst. Was ist, wenn sie dich sieht." kam es mit Sorge von ihm. "Die sieht mich schon nicht, so wie es auch die anderen nicht tun. Sie sind alle blind." schnaubte Viego und verschränkte seine Arme vor der Brust, so als wäre er beleidigt. "Und natürlich habe ich etwas Wichtiges zu berichten." fügte er bockig wie ein Kleinkind an. Erwartungsvoll sah Caleb zu seinem Bruder, gespannt, was er zu berichten hatte.
      Kurz holte der Spion Luft und fing dann an zu reden. "Morgen beim Empfang der Bürger ist etwas geplant. Ich konnte nicht genau hören, worum es geht, doch wenn Yanis und Videus sich versuchen im geheimen zu treffen, kann es nichts Gutes bedeuten." erzählte er ihm. "Bruder, sie sind vorsichtiger geworden! Sie sprechen nicht mehr so offen von ihren Plänen, wenn sie unter sich sind." warnte Viego Caleb und schritt an seine Seite. "Sie wollen die etwas Böses! Bitte, lass mich sie töten! Keiner wird es bemerken. Es wird wie ein Unfall aussehen. Das Gemäuer hier ist alt, da fällt es nicht auf, wenn ein großer Stein mal auf ihre Köpfe fällt." bat er den König, die beiden zu beseitigen. "Nein! Viego! Denk nicht ein mal daran! Wenn du das machst, bist du nicht besser als Vater oder Xanther! Sie werden schon noch ihre gerechte Strafe bekommen, aber dafür brauchen wir Beweise, damit nicht nur ich, sondern auch alle andere von ihrer Schuld als Verräter überzeugt sind. Ansonsten wirkt es nur so, als wollte der König ihm lästig gewordenen Staatsmänner loswerden und das will ich nicht! Mein Ruf ist jetzt schon bei den anderen Königreichen ein schlechter, da brauche ich nicht noch zwei tote Männer aus dem Beraterstab des Königs!" verneinte Calbe sofort. Er wollte nicht mit schmutzigen Mitteln arbeiten, so wie es diese beiden Männer taten. Er will besser sein! Besser als Videus und Yanis, besser als Xanther und König Darius!
      Missmutig knurrte Viego auf, was ihn wie ein wildes Tier wirken ließ und sah seinen Bruder grimmig am. "Na gut. Aber wenn dir irgendetwas passiert, dann werde ich sie töten!" zischte er und ballte dabei seine Fäuste. "Viego!" ermahnte Calbe seinen Bruder mit ernstem Blick. "Dann brechen sie sich eben nur was." lenkte er ein bisschen ein, worauf der König seufzen musste. "Du weißt, was ich davon halte." schüttelte Caleb den Kopf und ließ sich endlich ins Bett fallen. Mit geschlossenen Augen fragte er dennoch Viego etwas. "Hast du ein Auge auf die Prinzessin gehabt?"
      "Pff. Natürlich. Wie ein Kind hing sie am Rockzipfel von Sara." kam es doch sehr abfällig von Viego, der hier und da mal einen Blick auf Maria geworfen hatte. Die Frau, die Caleb ihm wegnehmen wollte! "Gut." murmelte Caleb schläfrig, hatte er nur mitbekommen, dass die Prinzessin stets an der Seite von Talons Frau war. Den gehässigen Tonfall seines Bruders hatte er gar nicht mehr richtig wahrgenommen, da er dann schon vor Erschöpfung eingeschlafen war.
      Seufzend sah Viego zu seinem Zwillingsbruder und fing dann an, ihm seine Stiefel auszuziehen und ihn richtig ins Bett zu legen. Er liebten Caleb einfach zu sehr, als dass er ihn in Stich lassen würde und daher würde er wohl den beiden Männern auch nichts antun. Noch nicht.
      Als Viego dann wieder das königliche Gemach durch den Geheimgang verließ, wollte er eigentlich in sein Versteck zurückkehren, doch dann kam ihm der Gedanke, auch bei der Prinzessin vorbeizuschauen. Sein Bruder hatte ihm ja aufgetragen, auch auf sie zu achten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle
    • Der König hatte zum Glück ihre Frage nach möglichen Allergien nicht missverstanden. Im Gegenteil, er komplimentierte sie sogar, was sie unwillkürlich überraschte. Damit hatte sie wirklich nicht gerechnet, aber es erfreute sie ungemein, dass er ihre Absicht verstanden hatte und keinen falschen Schluss daraus zog. Zephyrine fühlte sich immer noch nicht wirklich sicher im Umgang mit der höfischen Sprache, die unter den Adeligen üblich war. Es machte sie nervös, zu sprechen, aus Angst, man könnte ihre bürgerliche Herkunft heraus hören. Denn für alle war sie eine Prinzessin – nicht eine Kellnerin, die sich in kürzester Zeit an die feinen Sitten des Adels gewöhnen musste.
      Interessanterweise hatte der König ihr sogar verraten, dass er gegen Schalentiere und Muscheln allergisch war, allerdings ohne dass dies jemals zu einer schweren oder gar lebensbedrohlichen Reaktion geführt hatte. Zephyrine selbst hatte bisher das Glück, gegen nichts allergisch zu sein, zumindest wusste sie nicht von irgendeiner Unverträglichkeit. Doch in ihrer Position als Königin war es durchaus vernünftig, dass auch ihr Essen vorab geprüft wurde. Sie erfuhr, dass ein Mann namens William dafür verantwortlich war, sicherzustellen, dass kein Gift in den Mahlzeiten des Königs landete.
      Zephyrine hatte die Küche schon einmal flüchtig gesehen, doch vielleicht wäre es keine schlechte Idee, sich die Räumlichkeiten noch einmal genauer anzusehen – diesmal in Begleitung von William. So könnte sie sich zumindest ein Bild von seiner Arbeit machen. Falls irgendetwas Unerwartetes passieren sollte, wäre sie zumindest vorbereitet und könnte angemessen reagieren. Allerdings wusste sie, dass sie das nicht mehr an diesem Tag schaffen würde. Sie nahm sich vor, dies am nächsten Tag zu tun – vielleicht nach dem Mittag oder Nachmittag, je nachdem, wie lange die Anhörung der Bürger dauern würde.
      Caleb schien Elcyr zu kennen. Und das, was sie über sie erfuhr, ließ Zephyrine innerlich zittern. „Grande Dame“, eine strenge Frau, die keine Fehler duldete. Elcyr würde wohl genau in der Lage sein, ihr scheinheiliges Bild schnell zu durchschauen, da sie so sehr im Mittelpunkt stand. Zephyrine hatte immer schon gerne Neues gelernt, aber bei einem Adeligen als Lehrer war sie sich nicht sicher, wie der Unterricht verlaufen würde. Es war eine Position, die von jeder Adelsdame nur allzu gerne übernommen wurde, und da sie selbst nun in einer solchen Position war, noch dazu aus einem fremden Land stammend, war jeder Fehler, den sie beging, von besonderem Interesse.
      Sie vermutete, dass Dame Elcyr wenig anders sein würde. Auch wenn sie sich nach einer Lehrerin umsah, die ihr half, ihre Position und ihre Rolle als Königin besser zu verstehen, fürchtete Zephyrine, dass dies weniger ein Lehrangebot als vielmehr ein Test sein würde, um zu prüfen, ob sie der Aufgabe gewachsen war. Und je nachdem, wie Elcyr sie einschätzte, würde sie entscheiden, ob sie sich in ihrem sozialen Kreis etablieren oder gegen sie arbeiten würde. Doch Zephyrine versuchte, sich nicht von diesen Gedanken verunsichern zu lassen und blieb dennoch positiv eingestellt.
      Der Abschied des Königs kam schließlich doch viel knapper und trockener als sie erwartet hatte. Sie musste sich eingestehen, dass sie verunsichert war und sich fragte, ob sie vielleicht etwas Falsches getan hatte. Der plötzliche Stimmungsumschwung des Königs kam ihr völlig ohne erkennbaren Grund und sie verweilte für einen Moment alleine mit ihren Gedanken, ehe sie sich entschloss, in ihr Zimmer zu gehen.
      Man wartete bereits auf sie, um ihr beim Umziehen zu helfen. Auch diesmal wollte sie alleine duschen. Ihr Körper war noch nicht makellos genug, um ihn für das eines Prinzessinnen zu halten. Vor allem, fand sie, sah er eher stramm und sportlich aus, was sicherlich die Frage aufwerfen würde, warum sie keinen zierlichen, eleganten Körper hatte, sondern eher fit wirkte.
      Nachdem sie dank der Helferinnen mit den Vorbereitungen fürs Bettgehen fertig war, legte sie sich ins Bett und starrte, wie am Abend zuvor, an die Decke. Auch wenn sie erst seit zwei Tagen hier war, fühlte es sich schon wie eine halbe Ewigkeit an. Ihre Vergangenheit schien so weit entfernt. Würde jeder Tag hier so vollgepackt und anstrengend sein? Zephyrine mochte es, etwas erledigt zu haben, aber dieser neue Alltag war anstrengender, als sie es gewohnt war. Vielleicht lag es an der fremden Umgebung oder an all den Dingen, die sie noch lernen musste. Sie konnte sich nicht vorstellen, sich je an dieses Leben zu gewöhnen. Immer wieder sah sie sich selbst eher als eine Ersatzlösung, als jemand, der im besten Fall nur temporär hier war, statt die wahre Prinzessin zu sein – auch wenn ihr Blut etwas anderes bewies.
      Während sie ihren Tag gedanklich Revue passieren ließ, blieb sie noch eine Weile wach, bis die Müdigkeit sie schließlich doch in den Schlaf entglitten ließ.
      Am nächsten Morgen konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, worüber sie geträumt hatte. Verschlafen öffnete sie ihre Augen, als an ihrer Tür geklopft wurde. Der Tag hatte sie mehr erschöpft, als sie erwartet hatte. Auch diesmal duschte sie alleine und ließ sich einfach von den Helferinnen ankleiden. Sie wollte nicht protzig wirken, als die neue Königin, vor allem nicht, da dies ohnehin nicht ihrem Geschmack entsprach. Selbst wenn die Adeligen sie mit anderen Augen betrachteten, war es ihr lieber, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
      Da Zephyrine wusste, dass die Anhörung anstrengend sein würde – vor allem mit all den Blicken und der Aufmerksamkeit, die sie auf sich ziehen würde – hoffte sie auf ein stärkendes und sättigendes Frühstück. Sie freute sich darauf, nach der Anhörung mit dem Vorkoster zu sprechen. Ihr Magen zog sich zusammen, als sie mit gemischten Gefühlen, sowohl Aufregung als auch Nervosität, den Weg zum Frühstückstisch antrat.
      Digital Art Bilder Pinnwände

      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Als Viego über die geheimen Schleichwege es bis in das Zimmer der Prinzessin geschafft hatte, lag diese schon schlummernd in ihrem Bett. Der geheime Zugang befand sich im angrenzenden Badezimmer, verboten hinter einem großen Wandspiegel. Viego konnte noch den Duft der Seifen und Öle wahrnehmen, schien Maria sich gewaschen zu haben und das Aroma, das in seine Nase stieg, roch doch sehr angenehm. Auf leisen Sohlen schritt er an die Zimmertüre des Gemachs der Prinzessin und horchte einen Moment, ehe er die Türe öffnete und eintrat. Wie von ihm angenommen schlief sie und lange starrte Viego sie dabei nur an. Er zuckte nicht ein mal zusammen, als sich Maria im Schlaf bewegte und stattdessen trat er noch dichter an das Bett heran. Wie ein unheilvoller Schatten beugte er sich über die blonde Schlafende herüber und wisperte ihr etwas ganz leise in ihr Ohr. "Ich hab dich im Auge und wenn du meinem Bruder weh tust, bekommst es doppelt zurück." zischte er wie eine Schlange und zog sich dann wieder zurück und verließ damit auch das Gemach und ließ die Prinzessin schlafen und somit auch unversehrt.

      ♛♕♛♕♛♕♛♕♛♕♛♕♛♕♛♕♛♕

      Caleb war richtig gut ausgeruht als er am nächsten Morgen erwachte. Man hatte ihn schlafen lassen und dennoch wachte er rechtzeitig auf, um in Ruhe sich ankleiden zu lassen. Für die spätere Anhörung wählte eher ein schlichteres Gewand. Er musste seinen Untertanen nicht mit prunkvoller Kleidung beweisen, dass er der König ist, das wussten sie auch so. Außerdem glaubte er, dass solch ein Aussehen die Leute nur noch mehr einschüchtere. Es gehörte schon einiges an Courage dazu, vor dem Herrscher des Landes zu sprechen, das wollte er nicht noch schwerer machen.
      Als er dann den Speisesaal aufsuchte, war er der erste, da Maria noch nicht zusehen war. Und als er so an sie dachte, fiel ihm wieder ein, auf welche Weise er sie am gestrigen Abend einfach verlassen hatte. Das war wirklich sehr unhöflich und dafür wollte er sich bei der Prinzessin noch entschuldigen.
      Er setzte sich schon mal an den Tisch und betrachtete die reichen Speisen, die man schon aufgedeckt hatte. Es gab Rührei und Speck, so wie frisches Brot, so wie Wurst und Käse und noch einiges mehr. Das war sehr gut, denn sie würden wohl eher ein spätes Mittagessen haben, je nachdem wie viel Bürger zu der Anhörung kamen. Caleb schickte niemanden weg, nur weil sein Magen knurrte, er wollte zeigen, dass ihm die Sorgen seiner Untertanen wichtig sind und dafür konnte man auch mal ein bisschen hungern. Das sollte aber nicht für Maria gelten, daher gab Caleb in der Küche schon mal den Auftrag, wenigstens Häppchen und andere Kleinigkeiten zu richten, die man in den Pausen gut essen konnte.
      Als dann die Prinzessin den Speisesaal betrat, stand der junge König sogar extra auf und kam ihr entgegen und reichte ihr seinen Arm zum Einhaken. "Guten Morgen Maria. Ich hoffe, Ihr hattet auch so einen erholsamen Schlaf, wie ich." begrüßte er sie mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und führte sie an ihren Platz, gleich neben sich. "Außerdem möchte ich mich für mein gestriges Verhalten bei euch entschuldigen. Ich bin doch sehr hastig aufgebrochen und habe euch daher keine gebührende Gute Nacht wünschen können. Es war einfach ein sehr anstrengender Tag und bald konnte ich nur noch an mein Bett denken. Ich hoffe, Ihr könnt mir verzeihen." erklärte er sein unhöfliches Verhalten.
      Wieder an seinem Platz angekommen, nahm sich Caleb auch gleich von allem eine ordentliche Portion. "Die Anhörungen können manchmal sehr lange dauern, da ich jeden Bürger zu Wort kommen lassen möchte. Daher esst euch ruhig satt. Ich habe aber auch schon mal dafür gesorgt, dass man in den Pausen eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann, wenn ihr das möchtet." beschrieb er der Prinzessin, wie zeitintensiv diese Veranstaltungen sein konnten. "Und scheut euch vor Fragen an mich zu den verschiedenen Situationen. Ich versuche gerne diese euch zu erklären." meinte Caleb weiter.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


      Quelle