Vorsichtig, fast unschlüssig legte Kassandra ihre zarte Hand in Zoras' raue Handfläche. Die Wärme, die von ihr ausging, ergriff ihn sofort; ein Prickeln, das sich über seine Finger hinweg zu seinem Arm ausbreitete. Er musste dem Drang widerstehen, sie ganz zu sich zu ziehen und mehr von dieser tröstlichen Wärme aufzusaugen, endlich das Loch zu füllen, das in seinem Inneren ihren Namen trug. Plötzlich wurde es fast unerträglich, sie nicht bei sich zu wissen. Zwei Wochen lang hatte er sich an die vermeintliche Kälte gewöhnt, aber so schnell konnte er auch wieder ihre Hitze herbei sehnen.
Ihr Blick lag auf seinen Händen, als sie aus dem Nichts heraus sagte:
"Santras hat mich geküsst. Deine Küsse haben sich anders angefühlt."
Er musste noch immer an die Wärme in seiner Hand denken, als er bei den Worten unweigerlich den anderen Mann vor Augen sah. Er hatte sie geküsst? Nicht andersherum? Und was sollte anders bedeuten, etwa gut anders? Schlecht anders?
Er strich mit dem Daumen über ihren Handrücken.
"Wolltest du es?"
Aber seine Frage blieb unbeantwortet und damit auch die Frage von seiner eigenen Meinung dazu. Er hätte vermutlich damit rechnen können, dass Santras in all der Zeit etwas versuchen könnte und vielleicht hätte er auch vorhersehen können, dass Kassandra darauf eingehen würde. Er hatte es selbst schließlich nicht anders gemacht, auch wenn sein Grund dafür gewesen war, um das Loch in seinem Inneren zu füllen. Aber vielleicht hatte Kassandras auch ein Loch gehabt, als sie gegangen war? Zwar hatte Zoras ihr nie Wärme gespendet, die sie hätte missen können, aber er war doch immer da gewesen, eine ständige Präsenz um sie herum, die ihr - hoffentlich - den Alltag versüßte. Vielleicht hatte es die Phönixin auch nicht kalt gelassen, dass sie gegangen war, und sogesehen war es fast schon verständlich.
Was nicht heißen sollte, dass Zoras die Vorstellung besonders mochte.
Was genauso wenig heißen sollte, dass er von Verständnis ausging, sollte er ihr von Tevias Kuss erzählen. Vielleicht würde sie es nicht verstehen. Vielleicht war es auch ein Fehler gewesen.
Sie drehte seine Hand, um ihre Hände miteinander zu verschränken. Eine fast ungewohnte Geste, wo er doch sonst ihre Hand mit seiner hielt.
"Aber du hast recht mit deiner Beobachtung, dass es zu einer Normalität geworden ist, die ich nicht… wünsche. Eine Ehefrau oder Mätresse wird zur Normalität. Aber ich bin eine Göttin und stehe niemals auf einer Stufe mit ihnen."
Er lächelte ein wenig. Es war einer der wenigen Male, dass Kassandra als Göttin behandelt werden wollte. Zoras wollte ja selbst nichts anderes als genau das zu tun.
"Das sollst du auch nicht, niemals", pflichtete er ihr bei.
Sein Lächeln wurde sanft erwidert.
"Manchmal denke ich an jene Zeit zurück, als du noch meine Essenz getragen hast. Ganz am Anfang, weißt du?"
Das Feuer in ihren Augen flackerte zart.
"Da hat ein Blick von mir ausgereicht, damit dein Herzschlag sich überschlug. Eine Berührung, damit du in Schweißausbrüche gerätst. Ich weiß, dass du älter geworden bist, gewisse… Probleme dazugekommen sind. Aber ich wünschte, ich könnte diesen Zoras manchmal noch bei dir sehen."
So schön der Anfang ihrer Erinnerung auch gewesen war, umso härter traf Zoras die Wahrheit, die niemals unbekannt gewesen war. Er hatte sich verändert und auch, wenn er es nicht akzeptieren wollte, hatte er sich auch in Hinblick auf Kassandra geändert. Er konnte sich noch gut an ihre beschriebenen Tage auf seinem Anwesen erinnern und genauso gut wusste er, dass es niemals wieder dazu kommen würde. Der Zoras von damals war gestorben, in jeglicher Hinsicht, und ihn wieder auferstehen zu lassen war unmöglich. Sich wieder wie damals zu fühlen war unmöglich.
Sein Blick glitt zu ihren Händen herab. Ja, es hatte einmal eine Zeit gegeben, da hatte sich sein Herz bei der schieren Aussicht, ihre Hand in seiner zu tragen, selbst überschlagen. Jetzt war es ihm zwar längst nicht gleichgültig, aber... es erregte ihn nicht mehr so sehr. Er hatte sich an solche Kleinigkeiten gewöhnt, so wie er sich daran gewöhnt hatte, ständig ihre Wärme zu spüren.
"Das wünschte ich auch", flüsterte er zurück.
Da zog sie, ganz leicht nur, bis er einen Schritt näher getreten war. Ganz fern spürte er die Hitze von ihrem Körper und wenn er ehrlich war, so wollte er nicht nur das, was Kassandra wollte. Tevia hatte ihren Wunsch egoistisch genannt, als sie ihn küssen wollte, und Zoras verstand sie in diesem Augenblick dabei ein wenig besser. Er fühlte sich sehr egoistisch dabei, einen Arm um Kassandra legen zu wollen und sie an sich zu ziehen. Für die Nähe, für die Wärme, für die Sehnsucht, die er endlich stillen könnte. Für den Ausdruck an Liebe, die er ihr zubringen könnte.
"Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich meinen Zauber verloren haben könnte."
Die Worte kamen so unvermittelt, dass Zoras wieder ihren Blick suchte. Mit so etwas hatte er nicht gerechnet, denn es schien eine so menschliche Sache. Fast schon trivial. Kassandra und ihren Zauber verlieren?
"Niemals."
Das war nun die erste Antwort, die er mit großem Nachdruck gab.
"Du solltest so etwas nicht einmal in Betracht ziehen. Ich preise jeden Tag, den ich an deiner Seite verbringen darf. Ich sehne mich jedem Morgen entgegen, weil du das erste Antlitz bist, das ich erblicken darf, und jedem Abend, weil es das letzte ist, das ich vor dem Schlaf betrachten darf. Ich habe keine Frau so sehr geliebt wie dich und ich werde niemals jemanden so lieben wie dich."
Da hob er die freie Hand und führte sie an ihr Gesicht. Zärtlich strich er ihr mit den Knöcheln über die Wange, über die unfassbar zarte Haut, deren ausgehende Wärme über seine Finger prickelte. Er zog eine Spur nach unten bis unter ihr Kinn, ohne es anzuheben.
"Du hast deinen Zauber schon vor langer Zeit gewirkt und seitdem stehe ich völlig in deinem Bann. Du bist die schönste Frau, die ich in meinem ganzen Leben getroffen habe. Ich bewundere dein Geschick und deine Gerissenheit, ich ehre dein Antlitz und vergöttere dein Bild. Dich zu lieben fühlt sich an, als würde das Glück der Welt sich für mich sammeln und mich auf Händen tragen. Dein Zauber ist noch lange nicht verloren. Ich wünschte, du könntest dich aus meinen Augen sehen, meine hübsche, wundervollste Göttin."
Sanft strich er mit den Fingern über eine Haarsträhne. Nachdem Kassandra nicht vor seiner Berührung wich, nahm er sie auch nicht zurück.
"Du würdest sehen, wie sehr du für mich strahlst."
Ihr Blick lag auf seinen Händen, als sie aus dem Nichts heraus sagte:
"Santras hat mich geküsst. Deine Küsse haben sich anders angefühlt."
Er musste noch immer an die Wärme in seiner Hand denken, als er bei den Worten unweigerlich den anderen Mann vor Augen sah. Er hatte sie geküsst? Nicht andersherum? Und was sollte anders bedeuten, etwa gut anders? Schlecht anders?
Er strich mit dem Daumen über ihren Handrücken.
"Wolltest du es?"
Aber seine Frage blieb unbeantwortet und damit auch die Frage von seiner eigenen Meinung dazu. Er hätte vermutlich damit rechnen können, dass Santras in all der Zeit etwas versuchen könnte und vielleicht hätte er auch vorhersehen können, dass Kassandra darauf eingehen würde. Er hatte es selbst schließlich nicht anders gemacht, auch wenn sein Grund dafür gewesen war, um das Loch in seinem Inneren zu füllen. Aber vielleicht hatte Kassandras auch ein Loch gehabt, als sie gegangen war? Zwar hatte Zoras ihr nie Wärme gespendet, die sie hätte missen können, aber er war doch immer da gewesen, eine ständige Präsenz um sie herum, die ihr - hoffentlich - den Alltag versüßte. Vielleicht hatte es die Phönixin auch nicht kalt gelassen, dass sie gegangen war, und sogesehen war es fast schon verständlich.
Was nicht heißen sollte, dass Zoras die Vorstellung besonders mochte.
Was genauso wenig heißen sollte, dass er von Verständnis ausging, sollte er ihr von Tevias Kuss erzählen. Vielleicht würde sie es nicht verstehen. Vielleicht war es auch ein Fehler gewesen.
Sie drehte seine Hand, um ihre Hände miteinander zu verschränken. Eine fast ungewohnte Geste, wo er doch sonst ihre Hand mit seiner hielt.
"Aber du hast recht mit deiner Beobachtung, dass es zu einer Normalität geworden ist, die ich nicht… wünsche. Eine Ehefrau oder Mätresse wird zur Normalität. Aber ich bin eine Göttin und stehe niemals auf einer Stufe mit ihnen."
Er lächelte ein wenig. Es war einer der wenigen Male, dass Kassandra als Göttin behandelt werden wollte. Zoras wollte ja selbst nichts anderes als genau das zu tun.
"Das sollst du auch nicht, niemals", pflichtete er ihr bei.
Sein Lächeln wurde sanft erwidert.
"Manchmal denke ich an jene Zeit zurück, als du noch meine Essenz getragen hast. Ganz am Anfang, weißt du?"
Das Feuer in ihren Augen flackerte zart.
"Da hat ein Blick von mir ausgereicht, damit dein Herzschlag sich überschlug. Eine Berührung, damit du in Schweißausbrüche gerätst. Ich weiß, dass du älter geworden bist, gewisse… Probleme dazugekommen sind. Aber ich wünschte, ich könnte diesen Zoras manchmal noch bei dir sehen."
So schön der Anfang ihrer Erinnerung auch gewesen war, umso härter traf Zoras die Wahrheit, die niemals unbekannt gewesen war. Er hatte sich verändert und auch, wenn er es nicht akzeptieren wollte, hatte er sich auch in Hinblick auf Kassandra geändert. Er konnte sich noch gut an ihre beschriebenen Tage auf seinem Anwesen erinnern und genauso gut wusste er, dass es niemals wieder dazu kommen würde. Der Zoras von damals war gestorben, in jeglicher Hinsicht, und ihn wieder auferstehen zu lassen war unmöglich. Sich wieder wie damals zu fühlen war unmöglich.
Sein Blick glitt zu ihren Händen herab. Ja, es hatte einmal eine Zeit gegeben, da hatte sich sein Herz bei der schieren Aussicht, ihre Hand in seiner zu tragen, selbst überschlagen. Jetzt war es ihm zwar längst nicht gleichgültig, aber... es erregte ihn nicht mehr so sehr. Er hatte sich an solche Kleinigkeiten gewöhnt, so wie er sich daran gewöhnt hatte, ständig ihre Wärme zu spüren.
"Das wünschte ich auch", flüsterte er zurück.
Da zog sie, ganz leicht nur, bis er einen Schritt näher getreten war. Ganz fern spürte er die Hitze von ihrem Körper und wenn er ehrlich war, so wollte er nicht nur das, was Kassandra wollte. Tevia hatte ihren Wunsch egoistisch genannt, als sie ihn küssen wollte, und Zoras verstand sie in diesem Augenblick dabei ein wenig besser. Er fühlte sich sehr egoistisch dabei, einen Arm um Kassandra legen zu wollen und sie an sich zu ziehen. Für die Nähe, für die Wärme, für die Sehnsucht, die er endlich stillen könnte. Für den Ausdruck an Liebe, die er ihr zubringen könnte.
"Irgendwann habe ich mich gefragt, ob ich meinen Zauber verloren haben könnte."
Die Worte kamen so unvermittelt, dass Zoras wieder ihren Blick suchte. Mit so etwas hatte er nicht gerechnet, denn es schien eine so menschliche Sache. Fast schon trivial. Kassandra und ihren Zauber verlieren?
"Niemals."
Das war nun die erste Antwort, die er mit großem Nachdruck gab.
"Du solltest so etwas nicht einmal in Betracht ziehen. Ich preise jeden Tag, den ich an deiner Seite verbringen darf. Ich sehne mich jedem Morgen entgegen, weil du das erste Antlitz bist, das ich erblicken darf, und jedem Abend, weil es das letzte ist, das ich vor dem Schlaf betrachten darf. Ich habe keine Frau so sehr geliebt wie dich und ich werde niemals jemanden so lieben wie dich."
Da hob er die freie Hand und führte sie an ihr Gesicht. Zärtlich strich er ihr mit den Knöcheln über die Wange, über die unfassbar zarte Haut, deren ausgehende Wärme über seine Finger prickelte. Er zog eine Spur nach unten bis unter ihr Kinn, ohne es anzuheben.
"Du hast deinen Zauber schon vor langer Zeit gewirkt und seitdem stehe ich völlig in deinem Bann. Du bist die schönste Frau, die ich in meinem ganzen Leben getroffen habe. Ich bewundere dein Geschick und deine Gerissenheit, ich ehre dein Antlitz und vergöttere dein Bild. Dich zu lieben fühlt sich an, als würde das Glück der Welt sich für mich sammeln und mich auf Händen tragen. Dein Zauber ist noch lange nicht verloren. Ich wünschte, du könntest dich aus meinen Augen sehen, meine hübsche, wundervollste Göttin."
Sanft strich er mit den Fingern über eine Haarsträhne. Nachdem Kassandra nicht vor seiner Berührung wich, nahm er sie auch nicht zurück.
"Du würdest sehen, wie sehr du für mich strahlst."
