Zoras hatte ja viel von der sonst so enthusiastischen Frau erwartet - aber dass sie so bestürzt über seine Bitte war? Das überraschte ihn doch ein wenig. War sie beim letzten Mal denn nicht schon so begeistert gewesen, ihn überhaupt bei sich Zuhause zu haben? Und jetzt wirkte sie so... enttäuscht?
"Gut, dann…"
Sie stand auf, zögerlich. Wandte sich dem Feuer zu, als wäre die erste Maßnahme erstmal das Feuer zu löschen. Wieso denn das nun?
"Lasst mich das Feuer löschen. Ihr könnt Euch gerne bedienen, ich packe dann noch meine Habseligkeiten und gehe dann.“
Zoras stutzte. Bitte wie?
"Deine Habseligkeiten packen?"
Hatte er da nicht aufgepasst? Hatte er gerade irgendwas übersehen, irgendwas, was offensichtlich sein müsste?
Tevia sah ihn mit einem schüchternen Ausdruck an.
"Wieso schaut Ihr so? Ihr habt um Obhut in meiner Hütte gebeten. Das bedeutet, dass ich für die Dauer Eures Aufenthaltes woanders unterkommen muss. Schließlich seid Ihr der Eviad und ich-"
"Nein, natürlich nicht. Darum habe ich nicht gebeten."
Er ließ sie gar nicht erst ausreden. Wozu auch - wie kam sie denn auf eine solche Idee?
"Ich möchte hier übernachten und dich nicht aus deinem Haus scheuchen. Ich möchte nur ein Gast ein, wohlgemerkt ein eigens eingeladener."
Jetzt war es wieder Tevia, die völlig verdattert dreinblickte. Dafür begriff Zoras jetzt, warum sie so entrückt geschaut hatte. Hatte sie wirklich gedacht, er wollte ihr Haus für eine Nacht übernehmen?
"Ich fürchte, Ihr missversteht. Ich besitze nur ein Bett und das steht nebenan. Ich habe kein Sofa -"
"Ich kann ruhig auf dem -"
"und ich werde Euch mitnichten auf dem Boden schlafen lassen."
Zoras sparte sich einen weiteren Einwurf. Für eine derartige Diskussion hatte er jetzt schlicht nicht die Kraft übrig.
"Wenn Ihr unbedingt darauf besteht, dass ich hier bleibe, dann habt Ihr Euch in meinem Bett zurechtzufinden und nicht auf den Boden.“
"Ist das dein letztes Wort als Hausherrin?", entgegnete er dafür schmunzelnd. Und das war es auch; die alte Tevia war zurückgekehrt, in ihrer vollen Pracht. Schon komisch, dass er von ihr mittlerweile als "alte Tevia" denken konnte.
"Entweder so oder gar nicht. Ach, und übrigens, eine Entlohnung dafür brauche ich auch nicht. Es ist Lohn genug, dass Ihr generell auf mich zurückgreift. Sollte eine gute Bürgerin sich nicht darüber freuen, dem Eviad einen Gefallen zu erweisen? Gefallen setzen übrigens keine Entlohnung voraus…“
Das erleichterte ihn jetzt schon ein wenig, wenn er ehrlich war. Für einen Moment hatte er wirklich geglaubt, er könnte doch nicht hierbleiben und dann wäre er doch in einem Gasthaus untergekommen. Oder eher bei Kassadra im Stall, denn er hätte es kaum fertig gebracht, sich alleine ein Zimmer zu nehmen. Er hätte die ganze Nacht kein Auge zugetan.
Aber so war es besser. Damit konnte er leben, auch wenn er sich damit abfinden musste, der armen Frau ihr Bett zu stehlen. Immerhin war sie den ganzen Tag im Palast am schuften, während Zoras hinter Schreibtischen sitzen konnte. Auch, wenn ihn das in letzter Zeit mehr zermürbt hatte als alles andere.
"Aber bitte, mach dir keine Umstände wegen mir. Behandle mich einfach wie jeden anderen Gast."
Dass Tevia davon nicht viele haben konnte in diesem kleinen Haus, das erwähnte er nicht. Das war ihre Privatsache.
Jetzt schien sie wesentlich lockerer zu sein, ja geradezu ekstatisch. Sie löffelte sich eine Schale mit Eintopf und rein aus dem Zweck, ihre plötzliche Begierde darauf, seine Gastgeberin zu spielen, fragte er doch nach einer kleinen Portion. Auf klein lag die Betonung, sie gab ihm aber trotzdem noch einen zweiten Löffel. Dafür würde sie sich wohl damit abfinden müssen, doch noch eine kleine Bezahlung zu erhalten. Auf klein lag wieder die Betonung. Das hatte sie nun einfach davon.
Sie aßen gemeinsam, was merkwürdig persönlich war. Dabei sprachen sie den Palast nicht ein zweites Mal an und auch sonst nichts, worin Zoras sich hätte verheddern können. Irgendwie schafften sie es jedes Mal, das Gespräch wieder auf Pferde zu bringen.
Tevia war danach ganz emsig dabei, das Geschirr abzuwaschen - sie ließ ihn nicht helfen und er drängte sich auch nicht auf - und danach ihr Bett vorzubereiten. Für ihn vorzubereiten. Dabei schien sie regelrecht vor Aufregung zu vibrieren, was Zoras nur belächeln konnte. Wenn er ihr mit etwas so einfachem eine solche Freude bereiten konnte, war es dann nicht schon Erfolg genug?
Für sich selbst bereitete sie eine kleine Nische neben dem Tisch, die sie eifrig mit allen möglichen Stoffen ausstopfte. Dabei ließ sie gar nicht zu, dass er ein schlechtes Gewissen bekam. Damit war sie auch größtenteils erfolgreich.
Danach war Zoras sogar recht froh, sich in einen Raum zurückziehen zu können, wo er die Tür schließen konnte. Er war müde, das war er immer, aber vielleicht, so hoffte er, könnte ihm der Tapetenwechsel helfen. Vielleicht erinnerte es ihn mehr an seine Zeit als Söldner anstatt an das Chaos, das ihn hinter diesen dünnen Wänden erwartete. Vielleicht musste er da nicht allzu viel darüber nachdenken, dass irgendwo dort draußen sicher gerade ein Weingott nach ihm Ausschau hielt.
Für die Nacht zog er nur seine Straßenkleidung aus und behielt die Unterkleider an. Er hatte Amartius mitgebracht - er würde seinen Sohn sicher nicht zurücklassen - und ließ das Schwert in seinen Mantel gehüllt auf dem Boden liegen, direkt neben dem Bett, wo er schnell danach greifen konnte. Er glaubte zwar nicht, dass Tevia ihm etwas antun wollen würde, aber es würde seiner Paranoia helfen. Er schlief schon seit Jahren nicht mehr in fremden Räumen ohne Sicherheitsvorkehrungen.
Dann legte er sich hin, in das fremde Bett, das nichtmal halb so groß war wie seines und leise vor sich hin knarzte, wenn er sich bewegte. Das staubig war und sicher so alt war wie die Mauer des Palastes. Bei dem er bei jeder Bewegung dachte, es könnte gleich unter ihm zusammenkrachen.
Doch als er dann die Augen schloss, ein und ausatmete und sich auf seine Sinne alleine konzentrierte, dann kam es ihm nach einer Weile wirklich so vor, als wäre er an einem anderen Ort in Kuluar, als wäre er noch auf der Reise, als würde er in einem Gasthaus schlafen und ein paar Zimmer weiter die anderen ruhen, als hätte er wieder nur Sorgen um Geld und darum, wo sie als nächstes Aufträge finden sollten. Als wären die beiden Jahre, die daraufhin vergangen waren, niemals geschehen. Als wäre er nur ein Söldner, aber nicht weniger als das. Und auch nicht mehr.
Es war nahezu perfekt.
"Gut, dann…"
Sie stand auf, zögerlich. Wandte sich dem Feuer zu, als wäre die erste Maßnahme erstmal das Feuer zu löschen. Wieso denn das nun?
"Lasst mich das Feuer löschen. Ihr könnt Euch gerne bedienen, ich packe dann noch meine Habseligkeiten und gehe dann.“
Zoras stutzte. Bitte wie?
"Deine Habseligkeiten packen?"
Hatte er da nicht aufgepasst? Hatte er gerade irgendwas übersehen, irgendwas, was offensichtlich sein müsste?
Tevia sah ihn mit einem schüchternen Ausdruck an.
"Wieso schaut Ihr so? Ihr habt um Obhut in meiner Hütte gebeten. Das bedeutet, dass ich für die Dauer Eures Aufenthaltes woanders unterkommen muss. Schließlich seid Ihr der Eviad und ich-"
"Nein, natürlich nicht. Darum habe ich nicht gebeten."
Er ließ sie gar nicht erst ausreden. Wozu auch - wie kam sie denn auf eine solche Idee?
"Ich möchte hier übernachten und dich nicht aus deinem Haus scheuchen. Ich möchte nur ein Gast ein, wohlgemerkt ein eigens eingeladener."
Jetzt war es wieder Tevia, die völlig verdattert dreinblickte. Dafür begriff Zoras jetzt, warum sie so entrückt geschaut hatte. Hatte sie wirklich gedacht, er wollte ihr Haus für eine Nacht übernehmen?
"Ich fürchte, Ihr missversteht. Ich besitze nur ein Bett und das steht nebenan. Ich habe kein Sofa -"
"Ich kann ruhig auf dem -"
"und ich werde Euch mitnichten auf dem Boden schlafen lassen."
Zoras sparte sich einen weiteren Einwurf. Für eine derartige Diskussion hatte er jetzt schlicht nicht die Kraft übrig.
"Wenn Ihr unbedingt darauf besteht, dass ich hier bleibe, dann habt Ihr Euch in meinem Bett zurechtzufinden und nicht auf den Boden.“
"Ist das dein letztes Wort als Hausherrin?", entgegnete er dafür schmunzelnd. Und das war es auch; die alte Tevia war zurückgekehrt, in ihrer vollen Pracht. Schon komisch, dass er von ihr mittlerweile als "alte Tevia" denken konnte.
"Entweder so oder gar nicht. Ach, und übrigens, eine Entlohnung dafür brauche ich auch nicht. Es ist Lohn genug, dass Ihr generell auf mich zurückgreift. Sollte eine gute Bürgerin sich nicht darüber freuen, dem Eviad einen Gefallen zu erweisen? Gefallen setzen übrigens keine Entlohnung voraus…“
Das erleichterte ihn jetzt schon ein wenig, wenn er ehrlich war. Für einen Moment hatte er wirklich geglaubt, er könnte doch nicht hierbleiben und dann wäre er doch in einem Gasthaus untergekommen. Oder eher bei Kassadra im Stall, denn er hätte es kaum fertig gebracht, sich alleine ein Zimmer zu nehmen. Er hätte die ganze Nacht kein Auge zugetan.
Aber so war es besser. Damit konnte er leben, auch wenn er sich damit abfinden musste, der armen Frau ihr Bett zu stehlen. Immerhin war sie den ganzen Tag im Palast am schuften, während Zoras hinter Schreibtischen sitzen konnte. Auch, wenn ihn das in letzter Zeit mehr zermürbt hatte als alles andere.
"Aber bitte, mach dir keine Umstände wegen mir. Behandle mich einfach wie jeden anderen Gast."
Dass Tevia davon nicht viele haben konnte in diesem kleinen Haus, das erwähnte er nicht. Das war ihre Privatsache.
Jetzt schien sie wesentlich lockerer zu sein, ja geradezu ekstatisch. Sie löffelte sich eine Schale mit Eintopf und rein aus dem Zweck, ihre plötzliche Begierde darauf, seine Gastgeberin zu spielen, fragte er doch nach einer kleinen Portion. Auf klein lag die Betonung, sie gab ihm aber trotzdem noch einen zweiten Löffel. Dafür würde sie sich wohl damit abfinden müssen, doch noch eine kleine Bezahlung zu erhalten. Auf klein lag wieder die Betonung. Das hatte sie nun einfach davon.
Sie aßen gemeinsam, was merkwürdig persönlich war. Dabei sprachen sie den Palast nicht ein zweites Mal an und auch sonst nichts, worin Zoras sich hätte verheddern können. Irgendwie schafften sie es jedes Mal, das Gespräch wieder auf Pferde zu bringen.
Tevia war danach ganz emsig dabei, das Geschirr abzuwaschen - sie ließ ihn nicht helfen und er drängte sich auch nicht auf - und danach ihr Bett vorzubereiten. Für ihn vorzubereiten. Dabei schien sie regelrecht vor Aufregung zu vibrieren, was Zoras nur belächeln konnte. Wenn er ihr mit etwas so einfachem eine solche Freude bereiten konnte, war es dann nicht schon Erfolg genug?
Für sich selbst bereitete sie eine kleine Nische neben dem Tisch, die sie eifrig mit allen möglichen Stoffen ausstopfte. Dabei ließ sie gar nicht zu, dass er ein schlechtes Gewissen bekam. Damit war sie auch größtenteils erfolgreich.
Danach war Zoras sogar recht froh, sich in einen Raum zurückziehen zu können, wo er die Tür schließen konnte. Er war müde, das war er immer, aber vielleicht, so hoffte er, könnte ihm der Tapetenwechsel helfen. Vielleicht erinnerte es ihn mehr an seine Zeit als Söldner anstatt an das Chaos, das ihn hinter diesen dünnen Wänden erwartete. Vielleicht musste er da nicht allzu viel darüber nachdenken, dass irgendwo dort draußen sicher gerade ein Weingott nach ihm Ausschau hielt.
Für die Nacht zog er nur seine Straßenkleidung aus und behielt die Unterkleider an. Er hatte Amartius mitgebracht - er würde seinen Sohn sicher nicht zurücklassen - und ließ das Schwert in seinen Mantel gehüllt auf dem Boden liegen, direkt neben dem Bett, wo er schnell danach greifen konnte. Er glaubte zwar nicht, dass Tevia ihm etwas antun wollen würde, aber es würde seiner Paranoia helfen. Er schlief schon seit Jahren nicht mehr in fremden Räumen ohne Sicherheitsvorkehrungen.
Dann legte er sich hin, in das fremde Bett, das nichtmal halb so groß war wie seines und leise vor sich hin knarzte, wenn er sich bewegte. Das staubig war und sicher so alt war wie die Mauer des Palastes. Bei dem er bei jeder Bewegung dachte, es könnte gleich unter ihm zusammenkrachen.
Doch als er dann die Augen schloss, ein und ausatmete und sich auf seine Sinne alleine konzentrierte, dann kam es ihm nach einer Weile wirklich so vor, als wäre er an einem anderen Ort in Kuluar, als wäre er noch auf der Reise, als würde er in einem Gasthaus schlafen und ein paar Zimmer weiter die anderen ruhen, als hätte er wieder nur Sorgen um Geld und darum, wo sie als nächstes Aufträge finden sollten. Als wären die beiden Jahre, die daraufhin vergangen waren, niemals geschehen. Als wäre er nur ein Söldner, aber nicht weniger als das. Und auch nicht mehr.
Es war nahezu perfekt.
