Zoras war also nicht mehr gänzlich gegen Gifte immun und er würde auch nicht mehr spüren können, was Kassandra dachte - sie würde es aber bis zu einem gewissen Grad an seiner Aura ablesen können. Das war fast schon ungerecht, wie er fand.
"Mir hat es auch gut gefallen ohne Privatsphäre. Größtenteils."
Dafür konnten sie sich aber auch auf höchste Distanz noch spüren und Zoras würde sich auch keine Gedanken darüber machen müssen, den Schwur wie die Essenz zu verlieren. Letzten Endes waren das also doch mehr Vor- als Nachteile.
Als Kassandra ihm schließlich den Arm anbot, schmunzelte Zoras in sich hinein. Es hätte andersrum sein müssen, aber gleichzeitig war es in dieser Form genauso richtig, ein Angebot, das durchaus in beide Richtungen gehen konnte. Und wer wäre er schon, seiner hübschen Phönixin den Arm zu verweigern? Also hakte er sich unter und ließ sich von ihr zurück zur Höhle führen.
"Sicher, edle Frau. Aber nenn sie nicht so, sie sind immernoch meine Freunde."
Auch, wenn sie das in einem anderen Leben wohl nicht gewesen wären.
Sie kamen zurück in die Höhle, wo sie von Schweigen empfangen wurden, bevor es wieder um die erste Planung ging. Allerdings befassten sie sich jetzt nur noch mit dem Nötigen, da sie immerhin erst Asvoß durchqueren und nach Kuluar zurückkehren mussten, bevor sie irgendetwas davon umsetzen konnten. Keine Stunde später wickelten sie die Reste ihrer Beute in Pelzlagen ein, die sie durch Kassandras Anwesenheit nicht mehr ganz so dringend benötigten, und verließen ihr temporäres Asyl in den Klippen.
Kassandra trieb ihnen Reittiere auf. Sie hatte noch einmal vorgeschlagen, dass sie sie auch fliegen könnte, und sogar auch gleich in einem Zug bis über den Ozean bringen könnte, aber selbst Zoras, der noch am meisten Vertrauen in die Phönixin hatte, konnte sich einfach nicht dazu durchringen, sich noch einmal in so schwindelerregende Höhen transportieren zu lassen und dann dort mehrere Stunden festzusitzen. An einem anderen Tag zu anderen Umständen hätte er sich vielleicht dazu überreden lassen, sich auch auf ihren Rücken und nicht auf ihre Kralle zu setzen, aber heute war nicht dieser Tag. Die jüngsten Ereignisse saßen ihm noch zu sehr in den Knochen und es würde noch genug auf ihn zukommen, sodass er seine Energie nicht allzu früh verbrauchen wollte.
Kassandra konnte Reittiere auftreiben; jedenfalls betitelte sie sie so, aber für Zoras und die anderen sahen die Viecher aus wie zu groß geratene Hirsche, die mit einem einzigen Tritt ihrer breiten Hufe sicher ein ganzes Bein zerquetschen könnten. Seine Begeisterung spiegelte sich auch in den anderen wieder, von denen Faia vehement ablehnte, sich auch nur ganz kurz auf eines dieser Tiere zu setzen und Tysion ein Gesicht machte, als erwarte ihn sein Untergang. In Anbetracht dieser Lage, musste Zoras sich schließlich doch dazu durchringen, den ersten Schritt zu machen, denn ansonsten würden sie hier noch stecken bleiben und im schlimmsten Fall würden sich die beiden Frauen, die sich ganz und gar nicht miteinander zu vertragen schienen, in die Haare kommen. Er näherte sich also einem der Tiere mit ausgestreckter Hand in der Hoffnung, Kassandra wäre schnell genug, ihn vor einer Verstümmelung zu bewahren. Aber nichts dergleichen geschah und er fand recht schnell schnell heraus, dass die Tiere zwar groß und gruselig aussahen, aber das Gemüt von Kühen hatten. Er streichelte ihm über die Nüstern und das Tier - Kassandra nannte es Moulapis, was auch immer das sein sollte - blinzelte ihn unbewegt an. Entweder, die Phönixin hatte ihren Einfluss erweitert, um die Tiere ruhig zu halten, oder sie waren tendenziell von gemütlicher Natur. Wahrscheinlich letzteres, nachdem es in Asvoß wohl nicht sehr viele Raubtiere gab.
Er schwang sich auf den Rücken und schaffte es, nach ein bisschen herumprobieren, das Tier zu lenken. Tysion war der nächste und weil Faia das Ultimatum bekam, entweder auf einem dieser Tiere oder auf Kassandra zu reiten - oder zu fliegen - schwang sie sich auch auf.
Nach Kassandras Führung, die größtenteils im Himmel über ihnen blieb, setzten sie sich in Bewegung.
Es dauerte nicht ganz eine Woche, bis Kassandra entweder die Geduld darüber, dass die Menschen sich so langsam fortbewegten, verlor, oder ihnen wahrheitsgemäß mitteilte, dass die "richtige" Küste nicht mehr weit entfernt sei und dass sie genauso gut jetzt entscheiden könnten, ob sie den Ozean per Fähre oder per Luft überqueren würden. Es war ganz klar ersichtlich, für was Kassandra tendierte.
Sie brauchten einen weiteren, ganzen Tag, um sich darauf einzustellen. Zum Glück hatten sie nicht viel Gepäck bei sich und so ging es nur darum, wie Kassandra am besten drei Leute auf einmal über den Ozean fliegen sollte.
Am Tag ihrer Abreise war es Zoras gestattet, über ihren Flügel hinweg in ihre Federpracht zu klettern und sich dort nahe des Nackens einzunisten, wo es am wenigsten Bewegung geben würde. Es missfiel ihm, die Federn fest genug zu packen, um sich daran festzuhalten, aber gleichzeitig war er fasziniert von Kassandras Federkleid, das er zum ersten Mal von Nahem betrachten konnte. Die Faszination hielt aber in etwa nur so lange an, bis die beiden anderen sich an jeweils einer Kralle festhielten und die Phönixin sich dann mit einem Schlag in die Luft beförderte.
Der Flug dauerte lange, wenn auch keine ganzen Tage lang, so wie bei ihrer Hinfahrt, und war gänzlich albtraumhaft. Wenn Zoras sich nicht gerade mit allen zur Verfügung stehenden Gliedmaßen an Kassandra klammerte, weil jeder Flügelschlag ihn durchschüttelte und der Wind an ihm zerrte, als wolle Zeus persönlich ihn von der Phönixin herunterholen, konnte er entweder den unendlichen Ozean unter ihnen beobachten, der sich in alle Richtungen erstreckte und ihm ein Gefühl von absoluter Verlorenheit gab, oder er konnte sich gegen graue und weiße Wolken stählen, die zu dem ganzen Wind auch noch Feuchtigkeit mit sich brachten. Er hatte keine Ahnung, wie Kassandra das Fliegen so lieben konnte, wie sie es tat. Es war grauenhaft und anstrengend und obwohl er sich daran erinnerte, dass sie viel schneller waren als mit der Fähre, bereute er doch, sich nicht besser durchgesetzt zu haben. Er bereute den Moment, in dem er einen Stiefel auf Kassandras Federn gesetzt hatte.
Die Rettung der Küste tauchte irgendwann am Horizont auf und mit ihr wurde Kassandra schneller, um dann wieder langsamer zu werden. Sie würde sie in Ellspiahafen absetzen, weil sie dort ihre Pferde zurückgelassen hatten und Zoras kleinlich genug war, dass er sich nicht von Kassadra trennen wollte. Noch nicht. Es ging auch darum, dass sie ganz sicher kein Geld hatten um sich neue Pferde anzuschaffen, aber auch, dass er sich nicht leichtfertig von seinen Pferden trennte. Er reservierte ihnen immer einen Platz in seinem Herzen, den er sich nicht herausreißen wollte.
Kassandra peilte also Ellspiahafen an und setzte sie dort ab, wo sie vor einigen Wochen, augenscheinlich aber vor einem ganzen Leben den ersten Blick auf den Ozean hatten erhaschen können. Drei Menschen fielen wie Zecken von ihr ab, unfähig für einen eleganteren Abgang. Kassandra bot Zoras eigentlich ihren Flügel wieder an, um sich daran herabzuhangeln, aber keiner von beiden hatte mit seinen steifen Gliedern gerechnet. Eine überraschend weiche Federschwinge bewahrte ihn vor einem Nackenbruch, aber nicht davor, ungelenk auf den Boden zu klatschen. Er leistete einen sehr überzeugenden Beitrag zu dem allgemeinen Gestöhne und Gefluche.
Sie betraten die Stadt nach einer angemessenen Erholungspause und Erinnerungen überkamen ihn an die Zeit mit Amartius hier. Er hätte Kassandra davon erzählt, wenn er dann nicht auch die weniger schönen Seiten hätte erzählen müssen. Also lieber gar nichts sagen.
Die Pferde waren unbeschert noch im Stall und eine ungeheime Erleichterung ergriff ihn beim Anblick von Kassadra, die ihm kaum zwei Blicke würdigte, als wäre sie beleidigt darüber, dass er sie einen Monat lang im Stich gelassen hatte. Er trat in ihre Box, nachdem der Stalljunge aufgeschlossen hatte, und begrüßte sie mit zärtlichen, flüsternden Worten, während er ihr über die Nüstern, die Stirn, die Mähne und die Ohren strich. Kassadra stierte ihn unbewegt an und nachdem ihre Ohren ein paar Mal weggezuckt hatten, schnaubte sie schließlich und fing an, an seinem Pelz zu knabbern. Er belohnte sie mit einer Handvoll Heu, die sie ihm von der Handfläche schnappte, und sattelte sie dann, ehe er sie nach draußen führte und unvermittelt zu grinsen begann. Als er Kassadra damals getauft hatte, hatte er nicht daran gedacht, dass sie jemals ihrer Namensvetterin begegnen würde. Aber genau das geschah, als er mit ihr zu seiner Phönixin zurückkehrte.
"Kassandra, dürfte ich dir wohl Kassadra vorstellen? Ich werde in Zukunft aufpassen müssen, wie ich den Namen ausspreche."
Er grinste noch mehr. Irgendwie war das zu merkwürdig, um sich nicht höchstgradig darüber zu amüsieren.
"Mir hat es auch gut gefallen ohne Privatsphäre. Größtenteils."
Dafür konnten sie sich aber auch auf höchste Distanz noch spüren und Zoras würde sich auch keine Gedanken darüber machen müssen, den Schwur wie die Essenz zu verlieren. Letzten Endes waren das also doch mehr Vor- als Nachteile.
Als Kassandra ihm schließlich den Arm anbot, schmunzelte Zoras in sich hinein. Es hätte andersrum sein müssen, aber gleichzeitig war es in dieser Form genauso richtig, ein Angebot, das durchaus in beide Richtungen gehen konnte. Und wer wäre er schon, seiner hübschen Phönixin den Arm zu verweigern? Also hakte er sich unter und ließ sich von ihr zurück zur Höhle führen.
"Sicher, edle Frau. Aber nenn sie nicht so, sie sind immernoch meine Freunde."
Auch, wenn sie das in einem anderen Leben wohl nicht gewesen wären.
Sie kamen zurück in die Höhle, wo sie von Schweigen empfangen wurden, bevor es wieder um die erste Planung ging. Allerdings befassten sie sich jetzt nur noch mit dem Nötigen, da sie immerhin erst Asvoß durchqueren und nach Kuluar zurückkehren mussten, bevor sie irgendetwas davon umsetzen konnten. Keine Stunde später wickelten sie die Reste ihrer Beute in Pelzlagen ein, die sie durch Kassandras Anwesenheit nicht mehr ganz so dringend benötigten, und verließen ihr temporäres Asyl in den Klippen.
Kassandra trieb ihnen Reittiere auf. Sie hatte noch einmal vorgeschlagen, dass sie sie auch fliegen könnte, und sogar auch gleich in einem Zug bis über den Ozean bringen könnte, aber selbst Zoras, der noch am meisten Vertrauen in die Phönixin hatte, konnte sich einfach nicht dazu durchringen, sich noch einmal in so schwindelerregende Höhen transportieren zu lassen und dann dort mehrere Stunden festzusitzen. An einem anderen Tag zu anderen Umständen hätte er sich vielleicht dazu überreden lassen, sich auch auf ihren Rücken und nicht auf ihre Kralle zu setzen, aber heute war nicht dieser Tag. Die jüngsten Ereignisse saßen ihm noch zu sehr in den Knochen und es würde noch genug auf ihn zukommen, sodass er seine Energie nicht allzu früh verbrauchen wollte.
Kassandra konnte Reittiere auftreiben; jedenfalls betitelte sie sie so, aber für Zoras und die anderen sahen die Viecher aus wie zu groß geratene Hirsche, die mit einem einzigen Tritt ihrer breiten Hufe sicher ein ganzes Bein zerquetschen könnten. Seine Begeisterung spiegelte sich auch in den anderen wieder, von denen Faia vehement ablehnte, sich auch nur ganz kurz auf eines dieser Tiere zu setzen und Tysion ein Gesicht machte, als erwarte ihn sein Untergang. In Anbetracht dieser Lage, musste Zoras sich schließlich doch dazu durchringen, den ersten Schritt zu machen, denn ansonsten würden sie hier noch stecken bleiben und im schlimmsten Fall würden sich die beiden Frauen, die sich ganz und gar nicht miteinander zu vertragen schienen, in die Haare kommen. Er näherte sich also einem der Tiere mit ausgestreckter Hand in der Hoffnung, Kassandra wäre schnell genug, ihn vor einer Verstümmelung zu bewahren. Aber nichts dergleichen geschah und er fand recht schnell schnell heraus, dass die Tiere zwar groß und gruselig aussahen, aber das Gemüt von Kühen hatten. Er streichelte ihm über die Nüstern und das Tier - Kassandra nannte es Moulapis, was auch immer das sein sollte - blinzelte ihn unbewegt an. Entweder, die Phönixin hatte ihren Einfluss erweitert, um die Tiere ruhig zu halten, oder sie waren tendenziell von gemütlicher Natur. Wahrscheinlich letzteres, nachdem es in Asvoß wohl nicht sehr viele Raubtiere gab.
Er schwang sich auf den Rücken und schaffte es, nach ein bisschen herumprobieren, das Tier zu lenken. Tysion war der nächste und weil Faia das Ultimatum bekam, entweder auf einem dieser Tiere oder auf Kassandra zu reiten - oder zu fliegen - schwang sie sich auch auf.
Nach Kassandras Führung, die größtenteils im Himmel über ihnen blieb, setzten sie sich in Bewegung.
Es dauerte nicht ganz eine Woche, bis Kassandra entweder die Geduld darüber, dass die Menschen sich so langsam fortbewegten, verlor, oder ihnen wahrheitsgemäß mitteilte, dass die "richtige" Küste nicht mehr weit entfernt sei und dass sie genauso gut jetzt entscheiden könnten, ob sie den Ozean per Fähre oder per Luft überqueren würden. Es war ganz klar ersichtlich, für was Kassandra tendierte.
Sie brauchten einen weiteren, ganzen Tag, um sich darauf einzustellen. Zum Glück hatten sie nicht viel Gepäck bei sich und so ging es nur darum, wie Kassandra am besten drei Leute auf einmal über den Ozean fliegen sollte.
Am Tag ihrer Abreise war es Zoras gestattet, über ihren Flügel hinweg in ihre Federpracht zu klettern und sich dort nahe des Nackens einzunisten, wo es am wenigsten Bewegung geben würde. Es missfiel ihm, die Federn fest genug zu packen, um sich daran festzuhalten, aber gleichzeitig war er fasziniert von Kassandras Federkleid, das er zum ersten Mal von Nahem betrachten konnte. Die Faszination hielt aber in etwa nur so lange an, bis die beiden anderen sich an jeweils einer Kralle festhielten und die Phönixin sich dann mit einem Schlag in die Luft beförderte.
Der Flug dauerte lange, wenn auch keine ganzen Tage lang, so wie bei ihrer Hinfahrt, und war gänzlich albtraumhaft. Wenn Zoras sich nicht gerade mit allen zur Verfügung stehenden Gliedmaßen an Kassandra klammerte, weil jeder Flügelschlag ihn durchschüttelte und der Wind an ihm zerrte, als wolle Zeus persönlich ihn von der Phönixin herunterholen, konnte er entweder den unendlichen Ozean unter ihnen beobachten, der sich in alle Richtungen erstreckte und ihm ein Gefühl von absoluter Verlorenheit gab, oder er konnte sich gegen graue und weiße Wolken stählen, die zu dem ganzen Wind auch noch Feuchtigkeit mit sich brachten. Er hatte keine Ahnung, wie Kassandra das Fliegen so lieben konnte, wie sie es tat. Es war grauenhaft und anstrengend und obwohl er sich daran erinnerte, dass sie viel schneller waren als mit der Fähre, bereute er doch, sich nicht besser durchgesetzt zu haben. Er bereute den Moment, in dem er einen Stiefel auf Kassandras Federn gesetzt hatte.
Die Rettung der Küste tauchte irgendwann am Horizont auf und mit ihr wurde Kassandra schneller, um dann wieder langsamer zu werden. Sie würde sie in Ellspiahafen absetzen, weil sie dort ihre Pferde zurückgelassen hatten und Zoras kleinlich genug war, dass er sich nicht von Kassadra trennen wollte. Noch nicht. Es ging auch darum, dass sie ganz sicher kein Geld hatten um sich neue Pferde anzuschaffen, aber auch, dass er sich nicht leichtfertig von seinen Pferden trennte. Er reservierte ihnen immer einen Platz in seinem Herzen, den er sich nicht herausreißen wollte.
Kassandra peilte also Ellspiahafen an und setzte sie dort ab, wo sie vor einigen Wochen, augenscheinlich aber vor einem ganzen Leben den ersten Blick auf den Ozean hatten erhaschen können. Drei Menschen fielen wie Zecken von ihr ab, unfähig für einen eleganteren Abgang. Kassandra bot Zoras eigentlich ihren Flügel wieder an, um sich daran herabzuhangeln, aber keiner von beiden hatte mit seinen steifen Gliedern gerechnet. Eine überraschend weiche Federschwinge bewahrte ihn vor einem Nackenbruch, aber nicht davor, ungelenk auf den Boden zu klatschen. Er leistete einen sehr überzeugenden Beitrag zu dem allgemeinen Gestöhne und Gefluche.
Sie betraten die Stadt nach einer angemessenen Erholungspause und Erinnerungen überkamen ihn an die Zeit mit Amartius hier. Er hätte Kassandra davon erzählt, wenn er dann nicht auch die weniger schönen Seiten hätte erzählen müssen. Also lieber gar nichts sagen.
Die Pferde waren unbeschert noch im Stall und eine ungeheime Erleichterung ergriff ihn beim Anblick von Kassadra, die ihm kaum zwei Blicke würdigte, als wäre sie beleidigt darüber, dass er sie einen Monat lang im Stich gelassen hatte. Er trat in ihre Box, nachdem der Stalljunge aufgeschlossen hatte, und begrüßte sie mit zärtlichen, flüsternden Worten, während er ihr über die Nüstern, die Stirn, die Mähne und die Ohren strich. Kassadra stierte ihn unbewegt an und nachdem ihre Ohren ein paar Mal weggezuckt hatten, schnaubte sie schließlich und fing an, an seinem Pelz zu knabbern. Er belohnte sie mit einer Handvoll Heu, die sie ihm von der Handfläche schnappte, und sattelte sie dann, ehe er sie nach draußen führte und unvermittelt zu grinsen begann. Als er Kassadra damals getauft hatte, hatte er nicht daran gedacht, dass sie jemals ihrer Namensvetterin begegnen würde. Aber genau das geschah, als er mit ihr zu seiner Phönixin zurückkehrte.
"Kassandra, dürfte ich dir wohl Kassadra vorstellen? Ich werde in Zukunft aufpassen müssen, wie ich den Namen ausspreche."
Er grinste noch mehr. Irgendwie war das zu merkwürdig, um sich nicht höchstgradig darüber zu amüsieren.
