Amartius war unersättlich in seinem Wissensdurst. Seine Augen waren in ihrer kindlich riesigen Größe auf Zoras gerichtet, seine Miene vollkommen konzentriert dabei, während er seinem Vater lauschte. Zoras hätte ihm sonst was erzählen können, er hätte ihn vermutlich in die Herkunft seiner Leute, der Luor einweihen können und er hätte jedes seiner Worte aufgesaugt, als wären sie heilig gewesen, aber vielleicht hatte das auch etwas schlechtes. Vielleicht sollte der Junge nicht mit einer solchen Begierde seiner Erzählung über Folter lauschen. Zoras war sich ziemlich sicher, dass das selbst für einen Jungen in seinem Alter und von seiner Herkunft nichts gutes war.
Das wäre es erstmal mit Gruselgeschichten. Keine Erklärungen über Folter und Verstümmelung mehr, er wollte schließlich nicht riskieren, ihn noch zu traumatisieren.
"Adel ist ein besonderer Stand in der Bevölkerung. Je nachdem, woher man herkommt, wird er anders definiert. Bei uns besitzen adelige Menschen Macht und Ansehen, in Kuluar besitzen sie Champions. Manche Länder glauben daran, dass adelige Menschen besseres Blut oder bessere Gene haben."
Das war ein gutes Thema, nur immer weiterfragen, Amartius. Über Kulturen und Stände konnte er ihn aufklären, dabei wurde niemand traumatisiert. Dort gab es keine Schläuche und Mäuse, die sinnlose Antworten auf sinnlose Fragen forderten.
Amartius' dünne Finger betasteten wieder seine Narbe und dieses Mal hielt er sich weniger zurück, denn Zoras konnte das leichte, unangenehme Stechen spüren. Seine Muskeln spannten sich an und seine Hand verkrampfte sich, ein reiner Reflex nicht durch Schmerz ausgelöst, sondern durch Erinnerungen. Er wusste ganz genau, weshalb er es vermied, von anderen berührt zu werden und auch dieses Mal war es nicht anders. Für Amartius allein hielt er aber still.
Die nachfolgende Frage des Jungen kam dann aber äußerst aus der Luft gegriffen. Zoras runzelte die Stirn, während er sich ins Gedächtnis rief, was Kassandra ihm mitgeteilt hatte.
"Erklärt wenig. Sie hat mir zu erklären versucht, wie sie mit ihrer Aura spüren kann, aber das ist schwer nachzuvollziehen, wenn man selbst keine besitzt. Sie hat mir erklärt, dass sie Lebenslichter und andere Auren annimmt, Gefühle, Eindrücke und alles, was damit einhergeht. Warum?"
Amartius starrte weiterhin auf seinen Arm, zumindest solange, bis er wieder eine Antwort gab. Das war nun Terrain, auf dem Zoras deutlich hilflos war. Er verstand Auren wie eine sehr starke Empathie für andere Lebewesen, aber selbst das war wohl nicht annähernd das, was ein Phönix erlebte. Oder Halbphönix.
"Deine Mutter konnte allerlei Dinge spüren - das kann sie mit Sicherheit auch jetzt noch. Nur ist Leid eine... starke Emotion. Sie sticht vermutlich deutlicher hervor als alles andere. Und ist weit verbreitet."
Er blickte zu Amartius hinab, darauf, wie der Junge jetzt einen unbestimmten Punkt fixierte, um seinen eigenen Gedanken nachzugehen. Er war in diesem Augenblick so anders als mit der Gruppe, so erwachsen, als wäre er schon mindestens 15 und keine 10 mehr. Und vielleicht war es dem alten Drang zuzuschreiben, einem eigenen Sohn etwas beizubringen, ihn aufwachsen zu sehen und dabei zu beobachten, wie er seine Fähigkeiten perfektionierte, aber Zoras konnte sich einfach nicht davon abhalten, ihm noch mehr zeigen zu wollen, ihm noch etwas beizubringen. Den Wissensdurst zu befriedigen, den er auch in Teal immer wahrgenommen hatte. Aber wenn er Teal etwas hatte beibringen wollen, musste er sich in der Regel erst mit Ryoran anlegen.
"... Beschreibe mir, was du siehst. Oder fühlst."
Er richtete sich ein Stück auf, aufmerksam jetzt.
"Komm, leg den Käse weg und konzentrier dich auf mich und deine Umgebung. Was kannst du spüren, was sagt dir deine Aura? Wie weit reicht sie? Du musst zwar lernen mit einer Waffe umzugehen, um dich anständig zu verteidigen, aber deine göttlichen Fähigkeiten zählen auch dazu. Und damit werden wir genauso wenig warten, bis du zu deiner Mutter zurückgekehrt bist."
Das wäre es erstmal mit Gruselgeschichten. Keine Erklärungen über Folter und Verstümmelung mehr, er wollte schließlich nicht riskieren, ihn noch zu traumatisieren.
"Adel ist ein besonderer Stand in der Bevölkerung. Je nachdem, woher man herkommt, wird er anders definiert. Bei uns besitzen adelige Menschen Macht und Ansehen, in Kuluar besitzen sie Champions. Manche Länder glauben daran, dass adelige Menschen besseres Blut oder bessere Gene haben."
Das war ein gutes Thema, nur immer weiterfragen, Amartius. Über Kulturen und Stände konnte er ihn aufklären, dabei wurde niemand traumatisiert. Dort gab es keine Schläuche und Mäuse, die sinnlose Antworten auf sinnlose Fragen forderten.
Amartius' dünne Finger betasteten wieder seine Narbe und dieses Mal hielt er sich weniger zurück, denn Zoras konnte das leichte, unangenehme Stechen spüren. Seine Muskeln spannten sich an und seine Hand verkrampfte sich, ein reiner Reflex nicht durch Schmerz ausgelöst, sondern durch Erinnerungen. Er wusste ganz genau, weshalb er es vermied, von anderen berührt zu werden und auch dieses Mal war es nicht anders. Für Amartius allein hielt er aber still.
Die nachfolgende Frage des Jungen kam dann aber äußerst aus der Luft gegriffen. Zoras runzelte die Stirn, während er sich ins Gedächtnis rief, was Kassandra ihm mitgeteilt hatte.
"Erklärt wenig. Sie hat mir zu erklären versucht, wie sie mit ihrer Aura spüren kann, aber das ist schwer nachzuvollziehen, wenn man selbst keine besitzt. Sie hat mir erklärt, dass sie Lebenslichter und andere Auren annimmt, Gefühle, Eindrücke und alles, was damit einhergeht. Warum?"
Amartius starrte weiterhin auf seinen Arm, zumindest solange, bis er wieder eine Antwort gab. Das war nun Terrain, auf dem Zoras deutlich hilflos war. Er verstand Auren wie eine sehr starke Empathie für andere Lebewesen, aber selbst das war wohl nicht annähernd das, was ein Phönix erlebte. Oder Halbphönix.
"Deine Mutter konnte allerlei Dinge spüren - das kann sie mit Sicherheit auch jetzt noch. Nur ist Leid eine... starke Emotion. Sie sticht vermutlich deutlicher hervor als alles andere. Und ist weit verbreitet."
Er blickte zu Amartius hinab, darauf, wie der Junge jetzt einen unbestimmten Punkt fixierte, um seinen eigenen Gedanken nachzugehen. Er war in diesem Augenblick so anders als mit der Gruppe, so erwachsen, als wäre er schon mindestens 15 und keine 10 mehr. Und vielleicht war es dem alten Drang zuzuschreiben, einem eigenen Sohn etwas beizubringen, ihn aufwachsen zu sehen und dabei zu beobachten, wie er seine Fähigkeiten perfektionierte, aber Zoras konnte sich einfach nicht davon abhalten, ihm noch mehr zeigen zu wollen, ihm noch etwas beizubringen. Den Wissensdurst zu befriedigen, den er auch in Teal immer wahrgenommen hatte. Aber wenn er Teal etwas hatte beibringen wollen, musste er sich in der Regel erst mit Ryoran anlegen.
"... Beschreibe mir, was du siehst. Oder fühlst."
Er richtete sich ein Stück auf, aufmerksam jetzt.
"Komm, leg den Käse weg und konzentrier dich auf mich und deine Umgebung. Was kannst du spüren, was sagt dir deine Aura? Wie weit reicht sie? Du musst zwar lernen mit einer Waffe umzugehen, um dich anständig zu verteidigen, aber deine göttlichen Fähigkeiten zählen auch dazu. Und damit werden wir genauso wenig warten, bis du zu deiner Mutter zurückgekehrt bist."

