Irgendwann im Verlaufe des Abends war Amartius schließlich verschwunden.
Zoras hatte gelegentlich zu dem Trio hinübergesehen, allerdings ohne das Bedürfnis, sich in das Gespräch oder gar ihre Angelegenheit einzumischen. Er hatte kein Interesse daran, sich an Faias und Omnars unzähligen Themen zu beteiligen, die sowieso zu nichts führten und sich nicht wenig häufig wiederholten und er hatte auch kein Interesse daran, sich erneut Amartius' Befragung zu stellen. Es war gut, dass der Junge Fragen stellte, es war sogar wichtig und Zoras wollte ihm die Antworten auch nicht vorenthalten, aber manche Dinge gingen eben zu weit. Der Junge hatte noch kein einziges Gefühl dafür entwickelt, was man aus Anstand nicht aussprechen und erst recht, worüber man nicht reden sollte. Entsprechend unverblühmt waren manche seine Fragen und trieben Zoras fast schon in die Nervosität.
Irgendwann war der Junge aber verschwunden und er sah sich ein paar Mal nach ihm um, hauptsächlich, weil er Sorge bekam, er könnte ihnen weglaufen und dann müssten sie Kassandra allein suchen. Sicher hatten sie jetzt einen Anhaltspunkt, sie würden auch ohne Amartius' Hilfe herausbekommen wo Asvoß lag, aber der Junge wusste alleine, wo die Eisfestung sich befand und außerdem war er der einzige von ihnen, der die Sprache sprechen und verstehen konnte. Er war eigentlich nichts anderes als ihr sehr junger Fremdenführer und Zoras hatte ebenso kein Bedürfnis danach, sich mit diesen Kleinigkeiten herumschlagen zu müssen, wenn es um die potentielle Sicherheit von Kassandra ging.
Aber er vertraute auf den ungewöhnlich scharfsinnigen Verstand des Jungen, dass er genauso wenig weglaufen wollte. Wohin sollte er schließlich, wenn nicht zurück nachhause und das auch noch mit Begleitung, die sich in der ihm fremden Welt auskannte? Also lehnte er sich zurück und rauchte mit Tysion, weil er es ihm anbot, eine Zigarre, während sie sich beide in einvernehmliches Schweigen hüllten.
Bevor der Abend weiter hätte voranschreiten können, tauchte Amartius dann auch schon wieder auf und ignorierte Faias Angebot, sich wieder zu ihr zu setzen, um stattdessen zurück zu Zoras zu kommen. Das fiel dem Mann nun doch auf, der vorher nur nicht darauf geachtet hatte: Amartius hätte alles recht, sich zu jedem beliebigen in der Gruppe setzen zu können, allen voran Faia, die sich ja wohl recht ordentlich um ihn zu kümmern schien, aber er schien Zoras mit einer Überzeugung auszuwählen, die ihn selbst etwas stutzig machte. Es konnte nicht daran liegen, dass er kuluarisch nicht verstand, denn mittlerweile machte er auch darin rasante Fortschritte. Vielleicht lag es an Zoras' indirekter Verbundenheit zu Kassandra? Der Junge musste suchen, was seiner Heimat am nächsten kam und das war wohl, auf verkehrte Art und Weise, der zurückhaltende Veteran.
Zoras warf einen Blick auf die bandagierte Hand, bevor er nickte. Es schien Amartius noch immer recht nahe zu gehen, dass er nicht die gleiche Macht besaß wie seine Mutter, so wie er zu lächeln versuchte.
"Das ist gut. Behalte den Verband trotzdem noch drauf und wir tun zwei Mal am Tag so, als würde ich ihn dir wechseln, verstanden? Lass es niemand anderen sehen, auch nicht Faia."
Es war wohl unnötig, ihn noch einmal darauf hinzuweisen, bloß nichts von sich zu verraten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Zoras schon wusste, was mit Göttern auf der Erde passierte, war es von gravierender Wichtigkeit, Amartius so lange verdeckt zu halten, wie es nur irgendwie möglich war. Schließlich konnte auch Zoras nicht wissen, was die anderen denken oder gar tun würden, wenn sie von seiner wahren Natur wüssten.
Und dann musste sich Zoras wohl oder übel wieder einer Befragung stellen, die zwar nicht persönlich, aber dennoch höchst pikant war. Sein Blick huschte augenblicklich zu Omnar, der mit Faia in ein weiteres Gespräch vertieft war und gar nicht mitbekam, wie Zoras ihn verwünschte. Dieser Mann würde ihn noch auf die Spitze treiben.
"... Uff. Okay."
Er richtete sich ein Stück auf, bevor er selbst noch einmal darüber nachdenken musste. War Amartius schon alt genug dafür, ein derartiges Gespräch zu führen? Brauchte er als Gott überhaupt so ein Gespräch? Aber Kassandra hatte ja schließlich auch Sex, wieso dann nicht auch er? Konnten Götter mit sechs Monaten schon Sex haben oder vielleicht sogar vorher? Was waren Amartius' drei Monate überhaupt in Götterjahren, 10 Jahre, so wie er aussah? Würde Amartius dann überhaupt alt werden? Was hieß eigentlich alt? Und was sollte Zoras jetzt auf diese verdammte Frage antworten?
"Also."
Er rieb sich zwei Mal über das Gesicht. Seine Schwägerin wäre die perfekte Kandidatin für so etwas gewesen, aber Zoras war darauf nicht vorbereitet.
"Wenn zwei Menschen sich sehr, sehr gerne haben..."
Nein halt, Amartius war etwa 10 in Kindesjahren und keine 6. Dafür hatte er aber auch kein Weltverständnis.
"Wenn sie sich lieben, dann haben sie meistens, also ziemlich sicher, Sex miteinander. Das ist wenn man... Himmel. Wenn man die Geschlechtsteile miteinander vereint. Das fühlt sich sehr gut an und zum Schluss werden davon Kinder erzeugt, auch wenn das nochmal ein bisschen komplizierter ist. Und außerdem bin ich mir nichtmal sicher, ob das auf Götter zutrifft, weil es da vielleicht andere... Vorgehensweisen... gibt, aber das weiß deine Mutter und nicht ich. Am besten fragst du sie das, sie wird dich immerhin auch mit jemand anderem erzeugt haben."
Er runzelte die Stirn.
"... Wenn das bei Phönixen so funktioniert. Und was das Hochkriegen betrifft, so nennt man einen... Teil vom Sex, der den Mann betrifft. Das werde ich dir aber nicht genauer erklären, weil dafür bist du noch zu jung, verstanden? Und außerdem wirst du solche Fragen niemals an jemand anderen als an uns vier stellen, okay? Das könnten manche Leute... falsch auffassen. Verstehst du mich?"
Zoras hatte gelegentlich zu dem Trio hinübergesehen, allerdings ohne das Bedürfnis, sich in das Gespräch oder gar ihre Angelegenheit einzumischen. Er hatte kein Interesse daran, sich an Faias und Omnars unzähligen Themen zu beteiligen, die sowieso zu nichts führten und sich nicht wenig häufig wiederholten und er hatte auch kein Interesse daran, sich erneut Amartius' Befragung zu stellen. Es war gut, dass der Junge Fragen stellte, es war sogar wichtig und Zoras wollte ihm die Antworten auch nicht vorenthalten, aber manche Dinge gingen eben zu weit. Der Junge hatte noch kein einziges Gefühl dafür entwickelt, was man aus Anstand nicht aussprechen und erst recht, worüber man nicht reden sollte. Entsprechend unverblühmt waren manche seine Fragen und trieben Zoras fast schon in die Nervosität.
Irgendwann war der Junge aber verschwunden und er sah sich ein paar Mal nach ihm um, hauptsächlich, weil er Sorge bekam, er könnte ihnen weglaufen und dann müssten sie Kassandra allein suchen. Sicher hatten sie jetzt einen Anhaltspunkt, sie würden auch ohne Amartius' Hilfe herausbekommen wo Asvoß lag, aber der Junge wusste alleine, wo die Eisfestung sich befand und außerdem war er der einzige von ihnen, der die Sprache sprechen und verstehen konnte. Er war eigentlich nichts anderes als ihr sehr junger Fremdenführer und Zoras hatte ebenso kein Bedürfnis danach, sich mit diesen Kleinigkeiten herumschlagen zu müssen, wenn es um die potentielle Sicherheit von Kassandra ging.
Aber er vertraute auf den ungewöhnlich scharfsinnigen Verstand des Jungen, dass er genauso wenig weglaufen wollte. Wohin sollte er schließlich, wenn nicht zurück nachhause und das auch noch mit Begleitung, die sich in der ihm fremden Welt auskannte? Also lehnte er sich zurück und rauchte mit Tysion, weil er es ihm anbot, eine Zigarre, während sie sich beide in einvernehmliches Schweigen hüllten.
Bevor der Abend weiter hätte voranschreiten können, tauchte Amartius dann auch schon wieder auf und ignorierte Faias Angebot, sich wieder zu ihr zu setzen, um stattdessen zurück zu Zoras zu kommen. Das fiel dem Mann nun doch auf, der vorher nur nicht darauf geachtet hatte: Amartius hätte alles recht, sich zu jedem beliebigen in der Gruppe setzen zu können, allen voran Faia, die sich ja wohl recht ordentlich um ihn zu kümmern schien, aber er schien Zoras mit einer Überzeugung auszuwählen, die ihn selbst etwas stutzig machte. Es konnte nicht daran liegen, dass er kuluarisch nicht verstand, denn mittlerweile machte er auch darin rasante Fortschritte. Vielleicht lag es an Zoras' indirekter Verbundenheit zu Kassandra? Der Junge musste suchen, was seiner Heimat am nächsten kam und das war wohl, auf verkehrte Art und Weise, der zurückhaltende Veteran.
Zoras warf einen Blick auf die bandagierte Hand, bevor er nickte. Es schien Amartius noch immer recht nahe zu gehen, dass er nicht die gleiche Macht besaß wie seine Mutter, so wie er zu lächeln versuchte.
"Das ist gut. Behalte den Verband trotzdem noch drauf und wir tun zwei Mal am Tag so, als würde ich ihn dir wechseln, verstanden? Lass es niemand anderen sehen, auch nicht Faia."
Es war wohl unnötig, ihn noch einmal darauf hinzuweisen, bloß nichts von sich zu verraten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Zoras schon wusste, was mit Göttern auf der Erde passierte, war es von gravierender Wichtigkeit, Amartius so lange verdeckt zu halten, wie es nur irgendwie möglich war. Schließlich konnte auch Zoras nicht wissen, was die anderen denken oder gar tun würden, wenn sie von seiner wahren Natur wüssten.
Und dann musste sich Zoras wohl oder übel wieder einer Befragung stellen, die zwar nicht persönlich, aber dennoch höchst pikant war. Sein Blick huschte augenblicklich zu Omnar, der mit Faia in ein weiteres Gespräch vertieft war und gar nicht mitbekam, wie Zoras ihn verwünschte. Dieser Mann würde ihn noch auf die Spitze treiben.
"... Uff. Okay."
Er richtete sich ein Stück auf, bevor er selbst noch einmal darüber nachdenken musste. War Amartius schon alt genug dafür, ein derartiges Gespräch zu führen? Brauchte er als Gott überhaupt so ein Gespräch? Aber Kassandra hatte ja schließlich auch Sex, wieso dann nicht auch er? Konnten Götter mit sechs Monaten schon Sex haben oder vielleicht sogar vorher? Was waren Amartius' drei Monate überhaupt in Götterjahren, 10 Jahre, so wie er aussah? Würde Amartius dann überhaupt alt werden? Was hieß eigentlich alt? Und was sollte Zoras jetzt auf diese verdammte Frage antworten?
"Also."
Er rieb sich zwei Mal über das Gesicht. Seine Schwägerin wäre die perfekte Kandidatin für so etwas gewesen, aber Zoras war darauf nicht vorbereitet.
"Wenn zwei Menschen sich sehr, sehr gerne haben..."
Nein halt, Amartius war etwa 10 in Kindesjahren und keine 6. Dafür hatte er aber auch kein Weltverständnis.
"Wenn sie sich lieben, dann haben sie meistens, also ziemlich sicher, Sex miteinander. Das ist wenn man... Himmel. Wenn man die Geschlechtsteile miteinander vereint. Das fühlt sich sehr gut an und zum Schluss werden davon Kinder erzeugt, auch wenn das nochmal ein bisschen komplizierter ist. Und außerdem bin ich mir nichtmal sicher, ob das auf Götter zutrifft, weil es da vielleicht andere... Vorgehensweisen... gibt, aber das weiß deine Mutter und nicht ich. Am besten fragst du sie das, sie wird dich immerhin auch mit jemand anderem erzeugt haben."
Er runzelte die Stirn.
"... Wenn das bei Phönixen so funktioniert. Und was das Hochkriegen betrifft, so nennt man einen... Teil vom Sex, der den Mann betrifft. Das werde ich dir aber nicht genauer erklären, weil dafür bist du noch zu jung, verstanden? Und außerdem wirst du solche Fragen niemals an jemand anderen als an uns vier stellen, okay? Das könnten manche Leute... falsch auffassen. Verstehst du mich?"

