Es dauerte einen Augenblick, in dem Zoras selbst vor Ungeduld beinahe zu zerreißen drohte, bis Amartius endlich Asvoß auf der Karte gefunden hatte. Dabei war es kaum verwunderlich, dass es sich dabei um das schneebedeckte Land im Norden handelte.
Allerdings stieß Faia bei dessen Entdeckung einen überraschten Ausruf aus, bevor sie einmal laut und energisch lachte. Sowohl Zoras, als auch der Junge sahen gleichzeitig zu ihr auf.
"Akvor! Akvor meint er!"
"Akvor?"
"Ja, das Eisland! Die Händler kommen hier durch Kuluar durch, weil wir die direkteste Anbindung zum Meer haben."
Zoras nickte. Er hätte sich ja denken können, dass der Name anders ausgesprochen wurde.
"Also ist es nicht weit von hier?"
"Kommt darauf an, was du als weit empfindest. Bis zum nächsten Hafen sind es nur ein paar Monate, aber dann nochmal Wochen, wenn nicht weitere Monate über See. Wenn du dort hinüber willst, solltest du lieber Vorfahren haben, die Seemänner sind, weil die kalten Stürme wirklich gefährlich sind."
Nun, das war keine sehr schöne Aussicht. Zoras hatte tatsächlich noch nie ein Schiff betreten und musste sich jetzt damit konfrontiert sehen, tatsächlich darauf zu hoffen, Seemannsvorfahren zu haben.
Nicht, dass ihn das in irgendeiner Weise aufgehalten hätte. Er hatte einen Anhaltspunkt, wo Kassandra zu finden war, und er würde die Welt umqueren, wenn das bedeutete, dass er eine Chance darauf bekam, sie wiederzusehen.
"Okay. Und wo genau ist sie?"
Asvoß war schließlich groß und Zoras stellte es sich mehr als unangenehm vor, durch eine Eiswüste zu marschieren, um eine unbekannte Stadt zu finden, um dann dort möglichst unauffällig danach zu fragen, ob Kassandra dort war.
Nicht, dass ihn auch das aufgehalten hätte. Eigentlich hatte er schon in der Sekunde entschieden, dorthin zu gehen, als der Name des Landes bereits gefallen war - es war nur noch eine Frage der Zeit und der Vorbereitung.
Dann strahlte das Gesicht des Jungen wieder ein wenig auf und er wiederholte genau das, was Zoras ihm nicht hätte beibringen wollen, nur, dass er diesmal - ob bewusst oder unbewusst - Telandir verfluchte. Fast hätte er selbst gegrinst, fast hätte er ihn sogar noch ermutigt. Ja, zum Teufel mit Telandir, das würde zu seinem neuen Trinkspruch werden.
Irgendwie schaffte er es dann aber doch noch, ein mürrisches Gesicht in Amartius' Richtung zu setzen, während Faia nur verstehen wollte, worum es überhaupt gehen mochte.
Der Junge duckte sich ein wenig, so als würde er darauf warten, dass man ihn schlagen würde, aber dann kam das Essen und er war fast genauso schnell wieder höchst interessiert und neugierig. Ein bisschen erinnerte er Zoras an den Wissensdurst von Teal, nur dass Teal stets ein recht ernster Junge gewesen war und kaum so viel gestrahlt hatte wie Amartius. Das kam wohl davon, wenn die eine Hälfte des Elternhauses göttlichen Ursprungs war.
Das Gesprächsthema kam deutlich schneller wieder auf Kassandra zurück, als Zoras lieb gewesen wäre, nachdem die Neuigkeit, die der Junge jetzt zu verbreiten hatte, kaum eine gute war. Erst war es die Nachricht über die neue Trägerin, über Telandir und dann darüber, dass sie nicht glücklich zu sein schien, bis dahin, dass sie nun auch zu wenig Essen zu sich nahm. Vielleicht beabsichtigt? Vielleicht wollte man sie aushungern? Wenn Zoras etwas derartiges zu Ohren käme, oder auch nur die Andeutung davon, dass ihr etwas zugestoßen war, dann würden Köpfe rollen, das wusste er. Er würde diese Demataya höchstpersönlich aufschlitzen, auch wenn er Kassandras Essenz schon längst entfernt hätte. Ach was, er würde das ganze Land in Flammen aufgehen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er würde das, was man ihr angetan hätte, tausendfach zurückgeben.
So war zumindest die Idee, während er Amartius weiterhin fixierte, um jedes bisschen Information heischend, die er herausbekommen konnte. Derweil hatte der Junge die Nüsse entdeckt und während seine Augen geradezu aufleuchteten, als er sie sich hineinschob, spürte Zoras bei dem Anblick ein wenig warm ums Herz werden. Vielleicht waren es die Augen des Jungen gewesen, die ihn in irgendeiner Weise so sehr an Kassandra erinnerten, dass er sich schlagartig daran erinnerte, dass sie schließlich auch Nüsse gemocht hatte. Nüsse aus dem Süden Isythumas', auch das wusste er noch. Sein Mundwinkel zuckte erneut, diesmal war es aber nicht genug, um ein Lächeln hervorzurufen.
Der Junge erzählte weiter und Zoras nickte langsam, darauf bedacht, sich nicht allzusehr auf das hineinzusteigern, was sich in seinem Kopf mehr und mehr heraus kristallisierte. Demataya wollte, dass Kassandra Telandir "mochte". Die Champions sollten sich also untereinander verstehen - oder steckte da mehr dahinter und die Übersetzung des Jungen war nur nicht ausreichend? Aber weshalb sollte die Landesherrscherin etwas derartiges wollen? Und was hatte überhaupt Amartius mit der ganzen Sache zu tun?
Etwas überwältigt von der neuen Vorstellung, die ihm da in den Kopf gesetzt worden war, brauchte er einen Moment länger, um zu antworten.
"Soll man auch nicht. Wenn du jemanden nicht magst, dann schlag so lange, bis du ihn nicht mehr schlagen musst. So einfach ist das."
Das war zwar kein Ratschlag, den Zoras so ohne weiteres an ein Kind weitergegeben hätte, aber wenn er weiter so an Telandir dachte, war er fast überzeugt, dass das ein ganz wunderbarer Rat war. Einfach immer weiterschlagen, bis der andere keine Probleme machte. Meistens hatte das schon geholfen.
Dann folgte auch schon die nächste Offenbarung und so langsam glaubte Zoras, dass er genug für heute haben würde. Er hatte genug davon, zu erfahren, wie schlecht es Kassandra ging und wie wenig sie von ihm mitbekommen hatte, nachdem sie vermutlich Asvoß nicht verlassen hatte, denn mit jedem bisschen mehr drängte es ihn noch deutlicher, jetzt sofort aufzubrechen und nach Asvoß zu ziehen. Was würde ihn schließlich aufhalten? Nun, die nötige Ausrüstung und das Geld, wie ihm auffiel. Außerdem ein ordentlicher Plan - was erhoffte er sich schließlich? Demataya gegenüberzutreten und die Herausgabe von Kassandras Essenz verlangen? Womöglich Telandir wiederbegegnen und das Risiko eingehen, dass der Phönix ihn erkannte? Zoras wusste, dass er lediglich wegen Kassandras Wunsch noch am Leben war und die Narbe auf seiner Brust war der beste Beweis dafür, dass er eine zweite Begegnung nicht überleben würde. Wie, bei allen Göttern, sollte er sie also herausholen?
Er fuhr sich über das Gesicht. Er versuchte sich abzulenken. Alles, nur nicht allzu sehr darüber nachdenken, wie hilflos er in dieser Sache war.
"Ich mag Kassandra, ja."
Ich liebe sie. Ich vergöttere sie. Du hast ja keine Ahnung, Junge.
"Wir haben knapp ein Jahr miteinander verbracht. Ich habe ihre Anwesenheit stets sehr genossen. Kassandra ist eine ganz wundervolle Phönixin, da wirst du mir wohl zustimmen, hm?"
Er hob wieder den Blick, um Amartius zu betrachten. An seiner Seite wurde Faia wieder unruhig, weil sie kein bisschen von dem verstand, was die beiden redeten.
"Was meinst du überhaupt, dass sie wegen dir streiten? Was hast du mit der ganzen Sache zu tun? Du kommst also aus der Festung, oder? Bist dort aufgewachsen, hast Kassandra kennengelernt - und dann? Wollte Telandir dich von den Türmen werfen und Kassandra hat es verhindert?"
Die nächste Frage in einer Reihe aus neuen Fragen: Welches Interesse hatte Kassandra an einem einfachen Menschenjungen, dass sie sich für ihn in Telandirs Weg stellte? War Amartius etwa der Sohn dieser Demataya? Aber wieso hatte das dann etwas mit den Phönixen zu tun?
Er betrachtete den Jungen wieder etwas eindringlicher, um auch nichts von seinen Worten zu verpassen, egal wie trivial sie auch sein mochten. Er brauchte alles erdenkliche an Informationen, wenn er sich ein anständiges Bild von der Lage vor Ort machen wollte.
Allerdings stieß Faia bei dessen Entdeckung einen überraschten Ausruf aus, bevor sie einmal laut und energisch lachte. Sowohl Zoras, als auch der Junge sahen gleichzeitig zu ihr auf.
"Akvor! Akvor meint er!"
"Akvor?"
"Ja, das Eisland! Die Händler kommen hier durch Kuluar durch, weil wir die direkteste Anbindung zum Meer haben."
Zoras nickte. Er hätte sich ja denken können, dass der Name anders ausgesprochen wurde.
"Also ist es nicht weit von hier?"
"Kommt darauf an, was du als weit empfindest. Bis zum nächsten Hafen sind es nur ein paar Monate, aber dann nochmal Wochen, wenn nicht weitere Monate über See. Wenn du dort hinüber willst, solltest du lieber Vorfahren haben, die Seemänner sind, weil die kalten Stürme wirklich gefährlich sind."
Nun, das war keine sehr schöne Aussicht. Zoras hatte tatsächlich noch nie ein Schiff betreten und musste sich jetzt damit konfrontiert sehen, tatsächlich darauf zu hoffen, Seemannsvorfahren zu haben.
Nicht, dass ihn das in irgendeiner Weise aufgehalten hätte. Er hatte einen Anhaltspunkt, wo Kassandra zu finden war, und er würde die Welt umqueren, wenn das bedeutete, dass er eine Chance darauf bekam, sie wiederzusehen.
"Okay. Und wo genau ist sie?"
Asvoß war schließlich groß und Zoras stellte es sich mehr als unangenehm vor, durch eine Eiswüste zu marschieren, um eine unbekannte Stadt zu finden, um dann dort möglichst unauffällig danach zu fragen, ob Kassandra dort war.
Nicht, dass ihn auch das aufgehalten hätte. Eigentlich hatte er schon in der Sekunde entschieden, dorthin zu gehen, als der Name des Landes bereits gefallen war - es war nur noch eine Frage der Zeit und der Vorbereitung.
Dann strahlte das Gesicht des Jungen wieder ein wenig auf und er wiederholte genau das, was Zoras ihm nicht hätte beibringen wollen, nur, dass er diesmal - ob bewusst oder unbewusst - Telandir verfluchte. Fast hätte er selbst gegrinst, fast hätte er ihn sogar noch ermutigt. Ja, zum Teufel mit Telandir, das würde zu seinem neuen Trinkspruch werden.
Irgendwie schaffte er es dann aber doch noch, ein mürrisches Gesicht in Amartius' Richtung zu setzen, während Faia nur verstehen wollte, worum es überhaupt gehen mochte.
Der Junge duckte sich ein wenig, so als würde er darauf warten, dass man ihn schlagen würde, aber dann kam das Essen und er war fast genauso schnell wieder höchst interessiert und neugierig. Ein bisschen erinnerte er Zoras an den Wissensdurst von Teal, nur dass Teal stets ein recht ernster Junge gewesen war und kaum so viel gestrahlt hatte wie Amartius. Das kam wohl davon, wenn die eine Hälfte des Elternhauses göttlichen Ursprungs war.
Das Gesprächsthema kam deutlich schneller wieder auf Kassandra zurück, als Zoras lieb gewesen wäre, nachdem die Neuigkeit, die der Junge jetzt zu verbreiten hatte, kaum eine gute war. Erst war es die Nachricht über die neue Trägerin, über Telandir und dann darüber, dass sie nicht glücklich zu sein schien, bis dahin, dass sie nun auch zu wenig Essen zu sich nahm. Vielleicht beabsichtigt? Vielleicht wollte man sie aushungern? Wenn Zoras etwas derartiges zu Ohren käme, oder auch nur die Andeutung davon, dass ihr etwas zugestoßen war, dann würden Köpfe rollen, das wusste er. Er würde diese Demataya höchstpersönlich aufschlitzen, auch wenn er Kassandras Essenz schon längst entfernt hätte. Ach was, er würde das ganze Land in Flammen aufgehen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er würde das, was man ihr angetan hätte, tausendfach zurückgeben.
So war zumindest die Idee, während er Amartius weiterhin fixierte, um jedes bisschen Information heischend, die er herausbekommen konnte. Derweil hatte der Junge die Nüsse entdeckt und während seine Augen geradezu aufleuchteten, als er sie sich hineinschob, spürte Zoras bei dem Anblick ein wenig warm ums Herz werden. Vielleicht waren es die Augen des Jungen gewesen, die ihn in irgendeiner Weise so sehr an Kassandra erinnerten, dass er sich schlagartig daran erinnerte, dass sie schließlich auch Nüsse gemocht hatte. Nüsse aus dem Süden Isythumas', auch das wusste er noch. Sein Mundwinkel zuckte erneut, diesmal war es aber nicht genug, um ein Lächeln hervorzurufen.
Der Junge erzählte weiter und Zoras nickte langsam, darauf bedacht, sich nicht allzusehr auf das hineinzusteigern, was sich in seinem Kopf mehr und mehr heraus kristallisierte. Demataya wollte, dass Kassandra Telandir "mochte". Die Champions sollten sich also untereinander verstehen - oder steckte da mehr dahinter und die Übersetzung des Jungen war nur nicht ausreichend? Aber weshalb sollte die Landesherrscherin etwas derartiges wollen? Und was hatte überhaupt Amartius mit der ganzen Sache zu tun?
Etwas überwältigt von der neuen Vorstellung, die ihm da in den Kopf gesetzt worden war, brauchte er einen Moment länger, um zu antworten.
"Soll man auch nicht. Wenn du jemanden nicht magst, dann schlag so lange, bis du ihn nicht mehr schlagen musst. So einfach ist das."
Das war zwar kein Ratschlag, den Zoras so ohne weiteres an ein Kind weitergegeben hätte, aber wenn er weiter so an Telandir dachte, war er fast überzeugt, dass das ein ganz wunderbarer Rat war. Einfach immer weiterschlagen, bis der andere keine Probleme machte. Meistens hatte das schon geholfen.
Dann folgte auch schon die nächste Offenbarung und so langsam glaubte Zoras, dass er genug für heute haben würde. Er hatte genug davon, zu erfahren, wie schlecht es Kassandra ging und wie wenig sie von ihm mitbekommen hatte, nachdem sie vermutlich Asvoß nicht verlassen hatte, denn mit jedem bisschen mehr drängte es ihn noch deutlicher, jetzt sofort aufzubrechen und nach Asvoß zu ziehen. Was würde ihn schließlich aufhalten? Nun, die nötige Ausrüstung und das Geld, wie ihm auffiel. Außerdem ein ordentlicher Plan - was erhoffte er sich schließlich? Demataya gegenüberzutreten und die Herausgabe von Kassandras Essenz verlangen? Womöglich Telandir wiederbegegnen und das Risiko eingehen, dass der Phönix ihn erkannte? Zoras wusste, dass er lediglich wegen Kassandras Wunsch noch am Leben war und die Narbe auf seiner Brust war der beste Beweis dafür, dass er eine zweite Begegnung nicht überleben würde. Wie, bei allen Göttern, sollte er sie also herausholen?
Er fuhr sich über das Gesicht. Er versuchte sich abzulenken. Alles, nur nicht allzu sehr darüber nachdenken, wie hilflos er in dieser Sache war.
"Ich mag Kassandra, ja."
Ich liebe sie. Ich vergöttere sie. Du hast ja keine Ahnung, Junge.
"Wir haben knapp ein Jahr miteinander verbracht. Ich habe ihre Anwesenheit stets sehr genossen. Kassandra ist eine ganz wundervolle Phönixin, da wirst du mir wohl zustimmen, hm?"
Er hob wieder den Blick, um Amartius zu betrachten. An seiner Seite wurde Faia wieder unruhig, weil sie kein bisschen von dem verstand, was die beiden redeten.
"Was meinst du überhaupt, dass sie wegen dir streiten? Was hast du mit der ganzen Sache zu tun? Du kommst also aus der Festung, oder? Bist dort aufgewachsen, hast Kassandra kennengelernt - und dann? Wollte Telandir dich von den Türmen werfen und Kassandra hat es verhindert?"
Die nächste Frage in einer Reihe aus neuen Fragen: Welches Interesse hatte Kassandra an einem einfachen Menschenjungen, dass sie sich für ihn in Telandirs Weg stellte? War Amartius etwa der Sohn dieser Demataya? Aber wieso hatte das dann etwas mit den Phönixen zu tun?
Er betrachtete den Jungen wieder etwas eindringlicher, um auch nichts von seinen Worten zu verpassen, egal wie trivial sie auch sein mochten. Er brauchte alles erdenkliche an Informationen, wenn er sich ein anständiges Bild von der Lage vor Ort machen wollte.

