Nachdem auch der letzte Teil ihrer Illusion verschwunden und Kassandra sich den Moment genommen hatte, um sich eine Antwort zurechtzulegen, sagte sie Zoras auch etwas ausführlicher, was er von ihr hatte wissen wollen. Es waren gute Neuigkeiten, wichtig auch, aber sie hatten alle einen Unterton, der selbst Zoras auffiel: Kassandra wurde einem Menschen gemäß gut behandelt. Sicher, wäre sie eine gewöhnliche Frau, müsste er vermutlich gar nicht erst fragen, sie hatte ein eigenes Zimmer, sollte eigene Klamotten bekommen, hatte mehr Freiheiten als eine andere Frau auf diesem Hof. Aber Kassandra war keine gewöhnliche Frau und darum ging es. Zoras konnte nicht einschätzen, ob sie eine einer Phönixin angemessenen Behandlung bekam.
Er nickte leicht, überlegte, ob er sie vielleicht noch einmal fragen sollte, ob er klarstellen sollte, dass er es anders meinte. Aber er tat es nicht, als Kassandra sich einen Moment später in Bewegung setzte und die letzte kurze Distanz zwischen ihnen überbrückte. Sie war nah genug, dass Zoras glaubte, den fernen Duft von Wäldern und wildem Gras wahrnehmen zu können, aber vermutlich war das nur Wunschdenken.
Kassandra hob ihre Hand und legte sie zielgerichtet auf ihre eigene Essenz unter seinem Hemd. Er konnte den leichten Schauer spüren, der durch ihren Rücken ging, als wäre es sein eigener. Für einen Augenblick hafteten sich ihre Blicke aufeinander und er könnte schwören, dass er das Feuer in ihren Augen entdeckte, aber nicht so oberflächlich wie sonst. Wenn er es länger begutachtet hätte, hätte er unter die Oberfläche blicken können - vielleicht kam es aber auch nur daher, dass sie noch immer einen direkten Kontakt zu dem Amulett an seiner Brust aufnahm. In jedem Fall wollte er den Kontakt nicht abbrechen.
Kassandra tat es schließlich selbst und es juckte ihm in den Fingern, ihre Hand aufzuhalten, bevor sie ganz verschwunden wäre.
Er tat es nicht.
"Okay. Ich verstehe."
Er setzte ein Lächeln auf und musterte den Blick in ihren Augen. Er verhinderte Eintönigkeit, das war doch gut oder? Das war gut gemeint?
Sein Blick wanderte hinab zu der Hand, die sie soeben von ihm gelöst hatte und die halb in der Falte ihres Nachthemds verschwand. Das Lächeln in seinem Gesicht blieb für den Moment lebendig, bevor er wieder zu ihr aufsah.
"Ich meine es ernst, wenn ich dir sage, dass ich dir deinen Aufenthalt so angenehm wie nur möglich gestalten will - ohne das Offensichtliche. Sieh es als Beweis, dass ich zu meinen Worten stehe."
Es wäre so einfach, diese kleine, letzte Distanz zu überqueren und Kassandra in irgendeiner Weise zu berühren, rein um seinen Worten Gewicht zu verleihen, oder auch einfach nur um es getan zu haben, um ihre glatte, sanfte Haut zu spüren oder etwa die kontinuierliche Wärme, die sie ausstrahlte und die nie prägnant genug war, um in Hitze auszuarten. Es wäre so einfach und Zoras erkannte, dass er es unglaublich dringend wollte.
Letzten Endes siegte allerdings seine Selbstbeherrschung.
"Schlaf gut, okay? Und danke nochmal, für den Gesang, für die Geschichte. Es hat mir sehr gut gefallen."
Er verharrte einen Moment länger bei ihr, dann trat er gemächlichen Schrittes den Rückzug in sein eigenes Zimmer an. An der Tür sah er noch einmal zurück, um Kassandra noch immer dort stehen zu sehen, umgeben von fliegenden Flämmchen und in einem Nachthemd, das sie klein und zerbrechlich wirken ließ. Er überspielte eine gewisse aufsteigende Sehnsucht mit einem weiteren Lächeln, dann ging er nach draußen und in sein Zimmer zurück.
Der Raum war von lauter Schatten behaftet und das Bett kalt. Er wartete eine lange Zeit auf eine Wärme, die nie kommen würde, dann versank er in einem traumlosen Schlaf.
Der inoffizielle Kriegsrat fand am nächsten Tag in einem Salon statt, den Zoras extra dafür herrichten gelassen hatte. Er hatte eine Karte von Theriss ausrollen lassen und Unterlagen gebracht, mit denen sie sich auseinandersetzen sollten. Anwesend waren Ryoran, Kassandra und er.
Die Brüder hatten sich bereits im Vorfeld damit auseinandergesetzt, wie die Verteilung des Militärs zu bewerkstelligen wäre, nachdem an allen Grenzen Wachposten aufgestellt werden mussten, denn mittlerweile war es schließlich auf keiner Seite mehr sicher. Jetzt ging es nur noch darum, den Aufstand fachgerecht durchzuführen.
"Uns stehen etwa 25.000 Mann zur Verfügung, alles darüber hinaus wäre zu riskant. Ich will sie in drei Armeen aufteilen."
"Wir teilen eine nichtmal halbstarke Armee in noch kleinere Armeen auf? Kann man das überhaupt noch so bezeichnen mit so wenig Kompanien?"
"Sie sollen auch nicht stark sein, sondern nur ausziehen und überleben. Wir sammeln Verbündete und wenn es soweit ist, werden wir mit geballter Kraft gegen das Königshaus marschieren. Der König wird dasselbe tun und er wird zeitgleich versuchen, mich an meinem Plan zu hindern. Er wird Attentäter schicken oder meine Grenzdörfer attackieren, meine Soldaten abkaufen versuchen. Deswegen muss ich schneller sein."
Ein Blick zuckte zu Kassandra, um ihr wortlos mitzuteilen, dass es sich hier nicht um die Diskussion handelte, wie alles ausgehen würde, sondern dass hier ein Aufstand zu planen war. Der Blick war nur kurz.
"Riev ist vertraglich auf unserer Seite, Tiumus ziemlich sicher auch, von Kerellin dürfen wir einen offensiven Gegenschlag erwarten. Sie hat eine starke Phalanx und prügelt sich lieber, anstatt sich an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln - ich werde mir gar nicht erst die Mühe machen, es zu versuchen. Die anderen beiden kann ich nicht einschätzen, ich werde wissen müssen, wo ihre Standpunkte liegen."
Diesmal sah er Kassandra direkt an.
"Dorthin will ich dich schicken, entweder zusammen mit mir oder alleine. Sie sollen dich sehen und wissen, was sie erwartet. Außerdem sind das die gefährlichsten Gebiete, auf die wir uns begeben müssen. Hältst du es für machbar, dass du sie überzeugen kannst? Ob mit Gewalt oder ohne?"
Er nickte leicht, überlegte, ob er sie vielleicht noch einmal fragen sollte, ob er klarstellen sollte, dass er es anders meinte. Aber er tat es nicht, als Kassandra sich einen Moment später in Bewegung setzte und die letzte kurze Distanz zwischen ihnen überbrückte. Sie war nah genug, dass Zoras glaubte, den fernen Duft von Wäldern und wildem Gras wahrnehmen zu können, aber vermutlich war das nur Wunschdenken.
Kassandra hob ihre Hand und legte sie zielgerichtet auf ihre eigene Essenz unter seinem Hemd. Er konnte den leichten Schauer spüren, der durch ihren Rücken ging, als wäre es sein eigener. Für einen Augenblick hafteten sich ihre Blicke aufeinander und er könnte schwören, dass er das Feuer in ihren Augen entdeckte, aber nicht so oberflächlich wie sonst. Wenn er es länger begutachtet hätte, hätte er unter die Oberfläche blicken können - vielleicht kam es aber auch nur daher, dass sie noch immer einen direkten Kontakt zu dem Amulett an seiner Brust aufnahm. In jedem Fall wollte er den Kontakt nicht abbrechen.
Kassandra tat es schließlich selbst und es juckte ihm in den Fingern, ihre Hand aufzuhalten, bevor sie ganz verschwunden wäre.
Er tat es nicht.
"Okay. Ich verstehe."
Er setzte ein Lächeln auf und musterte den Blick in ihren Augen. Er verhinderte Eintönigkeit, das war doch gut oder? Das war gut gemeint?
Sein Blick wanderte hinab zu der Hand, die sie soeben von ihm gelöst hatte und die halb in der Falte ihres Nachthemds verschwand. Das Lächeln in seinem Gesicht blieb für den Moment lebendig, bevor er wieder zu ihr aufsah.
"Ich meine es ernst, wenn ich dir sage, dass ich dir deinen Aufenthalt so angenehm wie nur möglich gestalten will - ohne das Offensichtliche. Sieh es als Beweis, dass ich zu meinen Worten stehe."
Es wäre so einfach, diese kleine, letzte Distanz zu überqueren und Kassandra in irgendeiner Weise zu berühren, rein um seinen Worten Gewicht zu verleihen, oder auch einfach nur um es getan zu haben, um ihre glatte, sanfte Haut zu spüren oder etwa die kontinuierliche Wärme, die sie ausstrahlte und die nie prägnant genug war, um in Hitze auszuarten. Es wäre so einfach und Zoras erkannte, dass er es unglaublich dringend wollte.
Letzten Endes siegte allerdings seine Selbstbeherrschung.
"Schlaf gut, okay? Und danke nochmal, für den Gesang, für die Geschichte. Es hat mir sehr gut gefallen."
Er verharrte einen Moment länger bei ihr, dann trat er gemächlichen Schrittes den Rückzug in sein eigenes Zimmer an. An der Tür sah er noch einmal zurück, um Kassandra noch immer dort stehen zu sehen, umgeben von fliegenden Flämmchen und in einem Nachthemd, das sie klein und zerbrechlich wirken ließ. Er überspielte eine gewisse aufsteigende Sehnsucht mit einem weiteren Lächeln, dann ging er nach draußen und in sein Zimmer zurück.
Der Raum war von lauter Schatten behaftet und das Bett kalt. Er wartete eine lange Zeit auf eine Wärme, die nie kommen würde, dann versank er in einem traumlosen Schlaf.
Der inoffizielle Kriegsrat fand am nächsten Tag in einem Salon statt, den Zoras extra dafür herrichten gelassen hatte. Er hatte eine Karte von Theriss ausrollen lassen und Unterlagen gebracht, mit denen sie sich auseinandersetzen sollten. Anwesend waren Ryoran, Kassandra und er.
Die Brüder hatten sich bereits im Vorfeld damit auseinandergesetzt, wie die Verteilung des Militärs zu bewerkstelligen wäre, nachdem an allen Grenzen Wachposten aufgestellt werden mussten, denn mittlerweile war es schließlich auf keiner Seite mehr sicher. Jetzt ging es nur noch darum, den Aufstand fachgerecht durchzuführen.
"Uns stehen etwa 25.000 Mann zur Verfügung, alles darüber hinaus wäre zu riskant. Ich will sie in drei Armeen aufteilen."
"Wir teilen eine nichtmal halbstarke Armee in noch kleinere Armeen auf? Kann man das überhaupt noch so bezeichnen mit so wenig Kompanien?"
"Sie sollen auch nicht stark sein, sondern nur ausziehen und überleben. Wir sammeln Verbündete und wenn es soweit ist, werden wir mit geballter Kraft gegen das Königshaus marschieren. Der König wird dasselbe tun und er wird zeitgleich versuchen, mich an meinem Plan zu hindern. Er wird Attentäter schicken oder meine Grenzdörfer attackieren, meine Soldaten abkaufen versuchen. Deswegen muss ich schneller sein."
Ein Blick zuckte zu Kassandra, um ihr wortlos mitzuteilen, dass es sich hier nicht um die Diskussion handelte, wie alles ausgehen würde, sondern dass hier ein Aufstand zu planen war. Der Blick war nur kurz.
"Riev ist vertraglich auf unserer Seite, Tiumus ziemlich sicher auch, von Kerellin dürfen wir einen offensiven Gegenschlag erwarten. Sie hat eine starke Phalanx und prügelt sich lieber, anstatt sich an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln - ich werde mir gar nicht erst die Mühe machen, es zu versuchen. Die anderen beiden kann ich nicht einschätzen, ich werde wissen müssen, wo ihre Standpunkte liegen."
Diesmal sah er Kassandra direkt an.
"Dorthin will ich dich schicken, entweder zusammen mit mir oder alleine. Sie sollen dich sehen und wissen, was sie erwartet. Außerdem sind das die gefährlichsten Gebiete, auf die wir uns begeben müssen. Hältst du es für machbar, dass du sie überzeugen kannst? Ob mit Gewalt oder ohne?"

