[2er RPG] In his Thrall [Codren feat. Pumi]

    • Vincent schlief unruhig. Was ihn verwunderte, noch bevor er seinen Weg zurück in die Wirklichkeit fand. Er hatte nicht geträumt - das tat er nie - aber irgendetwas fühlte sich anders als sonst an. Eine Erinnerung regte sich, eine sehr alte, und er begriff: Seine Muskeln und Gelenke beschwerten sich. Es war kein Muskelkater und es war auch kein richtiger Schmerz. Vincent kannte dieses Gefühl. Es war ein Gefühl, mit dem man aufwachte, nachdem man die Nacht in einer unbequemen Position verbacht hatte, oder wenn das Bett zu hart oder zu weich gewesen war.
      Eine altbekannte Stimme durchdrang Vincents verworrene Gedanken darüber, schlecht geschlafen zu haben. Eine Stimme, die jeden dunklen Gedanken mit Leichtigkeit vertreiben konnte. Vincent lächelte und rollte sich auf die Seite, bevor er probehalber ein Auge öffnete.
      "Komm her und ich tu es," entgegnete er ob Thomas' Forderung, seine Stimme noch rau und leise.
      Während er Thomas küsste, schlang er locker einen Arm um den Mann und ließ sich zurück auf den Rücken sinken, wobei er Thomas mit sich zog, sodass der Mann nun auf ihm lag. Dabei bemerkte Vincent, in welchem Zustand er - oder besser seine Bekleidung - war. Zum zweiten Mal an diesem Abend musste er stutzen.
      "Verrätst du mir, wie ich halb nackt in deinem Bett gelandet bin? Das Letzte, woran ich mich erinne ist, in deinem Arbeitszimmer an etwas gearbeitet zu haben."
      Vincent dachte nach. Ihm fiel wieder ein, wie der Raum langsam heller geworden war.
      "Bin ich eingeschlafen?" fragte er und sah sich um.
      Ja, es war definitiv Nacht. Und er war definitiv in Thomas' Schlafzimmer. Was war passiert? Und wie tief hatte er bitte geschlafen, dass er von was auch immer sich abgespielt hatte, nicht aufgewacht war?! Er wusste ja, dass er nur schwer zu weken war, wenn die Sonne erst einmal am Himmel stand, aber selbst er war ja kein Toter.
      Er lachte leise und fuhr sich mit einer Hand durch die wilden Haare.
      "Entschulige, wenn ich dir Umstände gemacht habe. Normalerweise bin ich nicht so unaufmerksam. Du hast dir doch wohl hoffentlich nicht weh getan, oder? Geht es dir gut?"
      Besorgt musterte er Thomas.


    • Vincent regte sich und dann fiel ein Paar hübscher, ozeanblauer Augen auf Thomas. Seine Morgenstimme - oder eher Abendstimme - war tief und rau und einladend, sodass sich Thomas gleich bereitwillig fügte. Er beugte sich zu ihm hinab, holte sich seinen Kuss ab und ließ sich dann von ihm mitziehen. Vincent war vom Schlaf noch warm, unglaublich weich und verführerisch, so wie er mit zusammengekniffenen Augen zu Thomas empor linste. Dieser grinste und strich mit dem Finger sein freigelegtes Brustbein entlang.
      "Ich wünschte, ich könnte dir einen aufregendere Geschichte erzählen, aber die habe ich nicht. Ich habe dich hergetragen und ausgezogen - aber nur teilweise erfolgreich. Du bist sehr unkooperativ, wenn du schläfst."
      Vincent zog die richtigen Schlüsse, die Thomas nur nickend bestätigte, bevor er selbst leise lachte und Vincents Hand fand, um ihre beiden miteinander zu verschränken.
      "Mir geht es ganz ausgezeichnet."
      Er beugte sich vor, streifte Vincents Lippen in einem hauchdünnen Kuss und blieb dann nahe genug, dass sich ihre Nasen fast berührten.
      "Ich durfte in meinen eigenen vier Wänden einen unglaublich hübschen, attraktiven Mann entdecken, der an meinem Schreibtisch sitzt und schläft, durfte ihn hinüber in mein eigenes Schlafzimmer bringen, ihn in mein Bett legen, ihm alle seine Klamotten ausziehen - naja, fast alle - und ihn dann beim Schlafen beobachten. Du erfüllst mir meine tiefsten und sehnlichsten Wünsche, Vincent Harker."
      Er küsste ihn erneut, lächelte, dann richtete er sich urplötzlich auf.
      "Und darüber hinaus durfte ich auch noch herausfinden, dass derselbe Mann ein Märchenbuch restauriert hat, das ich schon seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Du bist ganz und gar verrückt, Vincent, und ich liebe dich dafür. Du weißt ja gar nicht, wie viel mir das bedeutet."
      Und als er ihn dieses Mal küsste, blieb es nicht nur bei einem Kuss, dieses Mal versiegelte er ihre Lippen miteinander, er ließ sie miteinander verschmelzen und er steckte all seine Liebe und seine Dankbarkeit für diesen unwiderstehlichen Mann hinein, den er eines Tages zu seinem machen würde. Er widmete ihm all seine Emotionen, all seine Gefühle für ihn und im Gegenzug spürte er die Weichheit, die von Vincents Lippen ausging, die Zärtlichkeit in seinen Händen und die Sehnsucht in seinem Körper. Sie küssten sich und als sie sich lösten, war eine neue Sonne für Thomas aufgegangen.
      "Ich liebe dich, Vincent. Jeden Tag aufs Neue."
      Liebevoll strich er ihm eine Locke aus der Stirn.
      "Möchtest du es besuchen, Beths Grab? Ich habe alle an einem Fleck beerdigt, auch meinen Großvater. Ihr wart schließlich lange Freunde gewesen."
    • "Ich würde mich nicht unbedingt 'verrückt' nennen. Wenn ich ein Buch in Nöten sehe, dann muss ich einfach helfen, das ist alles."
      Vincent zuckte ganz unschuldig mit den Schultern, freute sich aber, dass sein Geschenk so gut angekommen war. Eigentlich hatte er vorgehabt, das Buch einzupacken und ein bisschen feierlicher zu übergeben. Dass ihm diese Chance entgangen war, ärgerte ihn ein bisschen. Aber im Endeffekt war es ihm auch irgendwo egal, solange er Thomas damit eine Freude hatte machen können. Und so, wie ihn der Mann gerade mit seiner Liebe überschüttete, hatte er sein Ziel erreicht.
      Er schlang seine Arme um Thomas, als dieser sich für einen neuen Kuss über ihn lehnte. Er zog ihn an sich, an seine Brust, schob seine Hände unter Thomas' Hemd, um dessen Wärme spüren zu können. Thomas schien einem ähnlichen Gedanken zu folgen, so wie er Vincent küsste. Ihm sollte es nur recht sein.
      "Ich liebe dich auch, Thomas. Jede Nacht," gab er lächelnd zurück. "Ich würde sie gern besuchen gehen, ja. Sowohl Beth, als auch deinen Großvater."
      Er ließ seine Finger sanft über Thomas' Wirbelsäule gleiten, während er das Gesicht des Mannes betrachtete. Irgendetwas hatte sich verändert. Da war eine Entschlossenheit in Thomas' Blick, die vorher noch nicht so offensichtlich da gewesen war. Es war anders als das, was er vor dem Kampf gesehen hatte. Das hier war anders. Vincent konnte es nicht ganz zuordnen, aber er wusste, dass er sich darum keine Gedanken machen musste. Er musste sich deswegen keine Sorgen um Thomas machen. Welche Entscheidung auch immer dieser Mann getroffen haben mochte, Vincent fürchtete sie nicht.
      Vincent ließ von Thomas ab, um sich ordentlich zu strecken. So langsam wachte er richtig auf. Seine Gedanken wurden klarer, sein Körper beschwerte sich über die Steifheit seiner Muskeln. Der Hunger, der in seinen Adern brannte, wurde zu einem Pochen im Hintergrund, das er beinahe ignorieren konnte.


    • Vincent streckte sich, ein langer Mann voller geschmeidiger Muskeln, der sich noch viel länger machte, und Thomas ergriff die Gelegenheit, um die ihm so offen präsentierte Brust zu küssen. Er küsste auch seinen Bauch hinab und strich seine Seite entlang, aber bevor sie beide noch der Versuchung erlegen würden und dieser Abend gelaufen war, setzte er sich auf.
      "Dann komm, du hübscher Mann. Aber zieh dir etwas ordentliches an, in meinen vier Wänden muss mindestens Hose und Hemd getragen werden. Hier werden keine Hausherren in Verlegenheit gebracht."
      Er klopfte ihm gegen die Hüfte, dann stand er auf und ging selbst hinab, um zu sehen, ob Esther alles im Griff hatte. Natürlich hatte sie es, aber er empfand es dennoch als Fortschritt, gedankenlos die Küche betreten zu können.
      Sie aßen zu Abend und währenddessen erwähnte Thomas, dass sein Muskelkater mittlerweile größtenteils zurückgegangen sei, dass er sich sicher war, den Verband an seinem Arm bald weglassen zu können, auch wenn die Nähte noch drin waren, und dass nur sein Daumen noch länger bräuchte. Alles in allem fühlte er sich aber mit jedem Tag wieder ein Stück fitter.
      Sie verließen das Haus nach dem Abendessen und fuhren mit der Kutsche zum städtischen Friedhof hoch. Hier gab es nur noch wenige Wohnhäuser und größtenteils ungestörte Natur, wo der Friedhof auch das Ende von Cambridge markierte. Er war recht groß, vor kurzem erst erweitert worden.
      Die Familie van Helsing schien ihr eigenes Fleckchen zu haben, ein Umstand, der dem verschuldet war, dass der Friedhof erst erweitert worden war, nachdem sie hergekommen waren. Dort lag Abraham van Helsing, Elizabeth Baker, aber auch William mit Catherine van Helsing und einige Onkel und Tanten, Großonkel und Großtanten. Da war Margaret, Victoria, Helene, Cornelius und Arthur, aber auch Cousins, die Thomas nie kennengelernt hatte: Duncan und Henry, Oliver und Ada. Alles in allem belegte die van Helsing Familie ein ganzes Viertel auf dem Friedhof.
      Thomas zeigte Vincent die Gräber und wusste zu fast jedem irgendeinen Fakt mitzuteilen. Cornelius war bei seiner dritten Jagd schon gestorben, er war vermutlich auf dem Eis ausgerutscht; Margaret war gejagt worden, bevor sie selbst die Jagd begonnen hatte und hatte verloren. Helene hatte sie gerächt und aus Rache an ihrer Rache hatte ein anderer Vampir sie niedergestreckt. Arthur hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Existenz von Vampiren geleugnet und hatte dann nach Helenes Tod selbst mit der Jagd begonnen. Victoria hatte das Jägersein nach fünf erfolgreichen Jagden niedergelegt, um zu heiraten und sich niederzulassen. Und alle anderen Mitglieder, Abraham und William und Catherine waren schließlich bekannt.
      "Abraham hat 136 Vampire in seinem ganzen Leben mit sich genommen, bevor er im Alter gestorben ist - alles nur durch dich. Und mein Vater, William, hatte sogar noch mehr: 198. Meine Mutter Catherine nur 73 in ihrem ganzen Leben, sie hat sich etwas zurückgenommen, als ich gekommen bin. Und Beth hat sogar auch schon einen Vampir mitgenommen, wusstest du das?"
      Thomas lächelte und trat nahe genug an Vincent heran, um seine Hand ganz ungesehen mit Vincents zu verschränken. Es war dunkel auf dem Friedhof, die Dunkelheit schützte sie.
      "Du hast aber niemanden verpasst in unserem Stammbaum, mein Großvater ist der einzige, der wirklich etwas beigetragen hat. Aber ich erzähle dir sicherlich auch nichts Neues, du musst doch selbst schon viele beerdigt haben, oder nicht?"
    • Vincent betrachtete die Gräber, an denen sie vorbeikamen, schon lange bevor sie die Ecke der Van Helsings erreichten. Dieser Ort hatte sich ordentlich gefüllt seit er das letzte Mal hier gewesen war. Nicht, dass das neu für ihn wäre, aber Friedhöfe erinnerten ihn viel eher an die Sterblichkeit der Menschen, als alles andere. Vincent mied diese Orte genau aus diesem Grund.
      Er lauschte, wie auch schon am Abend zuvor, den Geschichten, die Thomas über seine Familie mit ihm teilte. Er kannte die Personen, die er nannte, nur sehr wenig, die meisten sogar gar nicht. Nach Abraham war er nicht wirklich mit der Familie in Kontakt geblieben.
      "Jeder Mensch hinterlässt Spuren auf dieser Welt, Thomas," meinte er und ging zu Abrahams Grab.
      Er wischte ein bisschen Dreck von seinem Namen, pickte ein paar braune Blätter von dem Grab. Aus seiner Manteltasche holte er ein kleines, unscheinbares Buch, das er an den Grabstein lehnte. Es war nicht das Original, das tatsächlich Abraham gehört hatte - das war Vincent viel zu wichtig - aber er hatte eine andere Version davon besorgt für die Nacht, in der er sich endlich hier her traute.
      "Ein Gedichtband," beantwortete er die Frage, die in Thomas' Augen stand, als er sich wieder aufrichtete. "Dein Großvater war zwar nicht der größte Bücherfan, aber diese kleine Sammlung hat er immer mit sich herumgeschleppt. Mit einem hat er sogar deine Großmutter so um den Finger gewickelt, dass sie ihn geheiratet hat."
      Vincent richtete sich wieder auf, hielt den Blick aber noch immer auf das Grab seines alten Freundes gerichtet.
      "O my Luve is like a red, red rose
      That’s newly sprung in June;
      O my Luve is like the melody
      That’s sweetly played in tune.


      So fair art thou, my bonnie lass,
      So deep in luve am I;
      And I will luve thee still, my dear,
      Till a’ the seas gang dry.


      Till a’ the seas gang dry, my dear,
      And the rocks melt wi’ the sun;
      I will love thee still, my dear,
      While the sands o’ life shall run.


      And fare thee weel, my only luve!
      And fare thee weel awhile!
      And I will come again, my luve,
      Though it were ten thousand mile.*"

      Vincent konnte nicht widerstehen und ließ die Melodie des alten schottischen Liedes mit einfließen, als er das Gedicht zitierte. Dabei glitt sein Blick ebenfalls zu dem Grab gleich neben Abrahams. Er erinnerte sich noch ganz genau daran, wie sich der alte Mann den Kopf darüber zerbrochen hatte, wie er diese hübsche Frau ansprechen sollte. Er erinnerte sich an Abende, an denen Abraham viel eher daran interessiert war, Tips in der Liebe zu bekommen, anstatt weiter an seiner Vampirjagd zu arbeiten. Er erinnerte sich daran, wie er mit ebenjener hübschen Frau im Salon gesessen und Tee getrunken hatte, während sie auf Abrahams Heimkehr warteten. Er hatte ihr einfach nur Gesellschaft geleistet in diesen ersten Nächten, in denen sie gelernt hatte, was Abraham des Nachts so anstellte. Sie hatte jemanden gebraucht, der ihr versicherte, dass Abraham wieder nach Hause kommen würde. Vincent erinnerte sich an jeden dieser Abende, an jedes Gespräch, das sie geführt hatten.
      Vincent kehrte zurück zu Thomas, ergriff dessen Hand wieder.
      "Ich habe schon sehr viele Menschen beerdigt, ja. Leider auch viele vor ihrer Zeit."
      Er lehnte seinen Kopf gegen Thomas' Schulter und stand einige lange Minuten einfach nur da, sagte kein Wort, verlor sich in seinen Erinnerungen an seine Freunde aus einer anderen Zeit. Es war einfacher, hier zu sein, solange Thomas an seiner Seite war. Allein hätte er sich niemals hier her getraut.





      *Robert Burns, 1794


    • Vincent legte ein Buch an Abrahams Grab ab, eine merkwürdig zärtliche Geste, die Thomas bei ihm bisher nur bei sich selbst erlebt hatte. Ganz allgemein schien den Mann eine Stimmung befallen zu haben, die dem nächtlichen Friedhof vollends entsprach und in Thomas das Bedürfnis weckte, ihn trösten zu wollen.
      Aber natürlich gab es da nichts zu trösten. Menschen starben, das war der natürliche Lauf der Dinge und bei Jägern war dieser Lauf sogar in gewisser Weise künstlich beschleunigt. Immerhin waren die meisten der van Helsings zu früh durch vampirische Hand gestorben und hätten sicherlich noch länger auf der Erde verweilen können - mitunter auch, um die Familie nicht aussterben zu lassen, so wie es jetzt drohte. Aber das war nichts neues und Vincent mit seinen 200 Jahren hatte das sicherlich auch schon längst erfasst.
      Dennoch war es hübsch mit anzusehen, mit welcher Zuneigung er das Grab pflegte. Dabei waren er und Abraham noch nicht einmal Liebende gewesen.
      Thomas fragte sich automatisch, ob Vincent sein eigenes Grab genauso zärtlich pflegen würde. Ob er hierher, auf den Friedhof, zu der Ecke der van Helsings kommen würde und den Grabstein mit der Aufschrift "Thomas van Helsing" von Moos und Unwetter befreien würde. Ob er die Erde bepflanzen würde - oder vielleicht auch Nora schicken würde, um das zu tun - und ein Silbermesser an den Stein legen würde. Denn das war es, was Thomas hauptsächlich in seinem Leben vollbracht hatte: Die Jagd und die Heilung. So wie Abraham immer ein Buch mit sich getragen hatte, ein Gedichtsbuch, nach Vincents Überlieferung, trug Thomas immer schon ein Silbermesser mit sich herum.
      Er lauschte dem leisen, melodischen Gedicht, das Vincent an einen alten Freund widmete, und dann empfing er ihn auch wieder, als er zurück zu Thomas trat.
      "Die wenigsten Gräber werden zur richtigen Zeit gegraben. Ich sollte es wissen, ich bin für eine Menge hier verantwortlich."
      Er spezifiziert nicht, welche seiner beiden Professionen er damit meinte und Vincent fragte auch nicht danach. Sie standen beieinander im Schutz der Dunkelheit und Vincent legte seinen Kopf auf Thomas' Schulter, während er seine Hand drückte.
      "Wenn ich tot bin, möchte ich auch hier begraben werden", murmelte er nach einem Moment. "Als letzter dieser Sippe, damit sie zumindest im Tod wieder vereint ist. Wirst du das tun? Mich hier beerdigen?"
    • Bei Thomas' Worten seufzte Vincent innerlich auf.
      "Natürlich werde ich das," antwortete er. "In sechzig Jahren werde ich hier her zurückkehren und dich wieder mit deiner Familie vereinen. Keinen Tag früher. Wenn du also hier enden willst, gibst du dir besser ein bisschen Mühe und hörst auf, über deinen eigenen Tod zu reden, als stünde der schon fest."
      Vielleicht kamen seine Worte ein bisschen härter rüber, als geplant, aber Vincent war es leid, an die Sterblichkeit der Menschen - an Thomas' Sterblichkeit - erinnert zu werden. Genau deswegen hasste er Friedhöfe so sehr. Sie sollten Orte der Erinnerung und des Gedenkens sein. Stattdessen ließen sie Menschen über ihren eigenen Tod nachdenken. Es ließ Vincent über ihren Tod nachdenken.
      Er ließ von Thomas ab und ging hinüber zu Beths Grab, wo er eine der Kerzen anzündete, die wohl ein Friedhofsmitarbeiter hier abgestellt haben musste.
      "Hat der früher auch schon so viel Trübsal geblasen?" fragte Vincent das Grab, als säße Beth hier vor ihm. "Da ist er Arzt und Jäger - beides Berufe, die dazu dienen, Menschenleben zu erhalten - und dann faselt der ständig nur von seinem eigenen Ableben."
      Vincent schüttelte den Kopf und richtete sich wieder auf.
      "Keine Sorge. Ich passe darauf auf, dass er nicht zu früh bei euch auftaucht. Ich bin viel zu selbstsüchtig, um ihn jetzt schon gehen zu lassen."
      Er wandte sich wieder Thomas zu und sah ihn für einen Augenblick bewusst ernst an, bevor er ein leichtes Lächeln auf seine Lippen zurückkehren ließ. Er trat an Thomas heran und ergriff dessen Hand wieder.
      "Mir wird kalt. Ich gehe schonmal vor zur Kutsche."
      Er küsste ihn flüchtig auf die Wange, drückte seine Hand noch einmal, dann machte er sich auf den Rückweg über den Friedhof. Dabei schob er seine behandschuhten Hände tief in seine Manteltaschen, als würde das irgendwas bringen. Die Winterkälte zog ihm so oder so tief in die Knochen. Dass er noch nichts gegessen hatte, machte die Sache nur schlimmer. Der Hunger nagte im wahrsten Sinne des Wortes an ihm. Wenn sie zu Thomas' Haus zurückkehren wollten, mussten sie einen Umweg über Vincents machen, so viel stand fest.
      Vincent zog seinen Mantel enger um sich, kaum hatte er die Kutschentür geschlossen. Noch immer kreisten seine Gedanken um Abraham. Und um den kleinen Jungen, den ihm sein alter Freund so stolz präsentiert hatte. Thomas' Vater würde sich wohl in seinem Familiengrab umdrehen wüsste er, dass er Vincent tatsächlich kennengelernt hatte. Sicher, er war kaum alt genug zum Laufen gewesen, aber Vincent hatte den kleinen Fratz, der später so tödlich werden sollte, sogar einmal ins Bett gebracht, nachdem er mitten in der Nacht aufgewacht war. Der Vater des Kleinen war auf einer Jagd gewesen und seine Mutter hatte sich erst kurz zuvor genug beruhigt, um einzuschlafen. Da hatte Vincent die Chance ergriffen und sich selbst um den Fratz gekümmert. So viel zum Thema des Babys essenden Lords von Harker Heights.


    • Thomas musste bei Vincents Worten ein bisschen schmunzeln. Es war süß mit anzusehen, wie überzeugt er davon war, Thomas nicht einen Tag früher sterben zu lassen. Wie der Engel, der er schließlich war, der seine schützenden Flügel über ihm ausbreitete.
      "Der Beweis, dass ich über meinen Tod nachdenken muss, liegt hier genau vor uns. Statistisch gesehen bin ich sogar längst überfällig, wenn ich meinen Großvater nicht dazuzähle; immerhin hat er sich auch von der Jagd zurückgezogen. Ansonsten bin ich sogar drei Jahre älter als der Durchschnitt, das ist eine beachtliche Zeit für einen Jäger. Zeit genug jedenfalls, um nicht doch noch zu verenden."
      Vincents Nähe, und damit auch seiner Wärme, beraubt, schob er die Hände tief in seine Manteltaschen, während er dem anderen Mann dabei zusah, wie er sich zu Beths Grab herab beugte. Ganz der Theatraliker, den er als Lord schließlich auch irgendwie verkörpern musste, versprach er nicht Thomas, sondern Beth, dass er ihn nicht zu früh hierherkommen lassen würde. Dieses Mal weitete sich Thomas' Schmunzeln in ein Lächeln aus, ohne dass es der andere gesehen hätte. Es gab Momente, in denen Vincent mit ungezwungener Leichtigkeit seine Liebe zu ihm weckte. In Momenten wie diesen, hätte er sich auch - an einem anderen Ort - keinen Hehl daraus gemacht, ihm genau das zu zeigen. Hier beschränkte er sich darauf, seine Hand zu drücken, als er zu ihm zurück trat.
      "Ich komme gleich nach."
      Er lächelte noch immer, dann sah er Vincent nach, wie er sich auf den Weg zurück machte. Allein gelassen wandte er sich dann wieder den Gräbern zu, ungestört, unbeobachtet. Oft kam er selbst nicht her, selbstverständlich zu allen Feiertagen und auch sonst, um hin und wieder nach dem Rechten zu sehen - aber das war auch zu Beths Zeit gewesen, als sie selbst noch regelmäßig hierher gefahren war, um die Blumen zu gießen und manchmal eine Kerze anzuzünden. Jetzt würde er es tun müssen, obwohl er jetzt schon wusste, dass es nicht anhalten würde. Hierher zu kommen würde bedeuten, dass er fühlte, was er jetzt fühlte: Einsamkeit. Die Familie van Helsing war zur längsten Zeit zusammen gewesen, dann war sie schneller gestorben, als sie nachgewachsen war, und jetzt war sie wieder zusammen - nur Thomas fehlte. Thomas war der letzte Stein im Gebilde, aber er wollte es nicht sein. Er wollte Teil dessen sein, was Vincent und seine nicht blutsverwandte Familie darstellte.
      Er ging zu dem Grab seines Großvaters, wischte Schnee vom Grabstein, befreite auch die Erde etwas davon und kratzte mit den Fingernägeln ein paar Eisklumpen weg. Dasselbe tat er mit dem Grab seiner Mutter, dem seines Vaters widmete er zumindest einen langen Blick. Dann kam er bei Beth an, dem einzigen Grab, das mit Winterblumen blühte und dessen Stein noch strahlend weiß war. Er kniete sich hin, zupfte im Schein von Vincents brennender Kerze die Blätter der Blumen zurecht und befreite auch hier alles von Schnee. Schließlich hörte er auf und lauschte einen Moment lang der Stille der Nacht.
      "... Danke, Beth. Für alles."
      Beth würde es verstehen. Beth hätte alles verstanden - sie hätte ihn verstanden. Vielleicht war er gar nicht der letzte Stein im Gebilde, vielleicht war dieser Stein schon längst an seinen vorhergesehenen Platz eingekehrt und er musste sich etwas anderes suchen, von dem er Teil sein konnte. Beth würde es verstehen. Beth und sein Großvater.
      Er starrte auf den eingravierten Namen im Stein, dann richtete er sich auf und schob die Hände zurück in die Manteltaschen. Er verweilte einen Augenblick länger, nur, um sich alles einzuprägen, das Bild des van Helsing Friedhofs, das sich ihm präsentierte. Dann wandte er ihm den Rücken zu und ging, wohlwissend, dass er nicht wieder zurückkehren würde. Nicht zu seinen Lebtagen.
      Er stieg in die Kutsche zu Vincent, legte den Arm um dessen Schulter, verschränkte ihre Hände miteinander und blieb schweigsam, bis sie losgefahren waren. Er strich über Vincents Schulter, während die Kutsche ihren Weg zu Harkers Anwesen einschlug.
      "... Möchtest du, dass ich wieder bei mir wohne? Ich würde es verstehen, ich bin dir lange genug auf der Tasche gelegen."
      Er sprach nicht aus, was er eigentlich damit hatte fragen wollen.
    • Vincent lehnte seinen Kopf instinktiv gegen Thomas, kaum spürte er dessen Wärme an seiner Seite. Ein Teil von ihm wollte zubeißen, aber es war einfach, diesen Teil mundtot zu machen und wegzusperren. Er hatte sich in den letzten Wochen genug an Thomas' verführerischen Duft gewöhnt, um diesen animalischeren Instinkt zu ignorieren. Trotzdem schloss er die Augen, sobald sich die Kutsche in Bewegung setzte.
      "Wenn du Komiker werden willst, musst du noch einiges an Arbeit in deine Witze stecken," antwortete Vincent auf die Frage. "Ich werde dich nicht davon abhalten, wenn du in dein eigenes Haus zurückziehen willst. Ich werde dich auch nicht stören, wenn du mich nicht dort haben willst. Aber ich würde es bevorzugen, wenn ich zumindest einen Teil meiner Nächte mit dir verbringen kann. Und wenn ich nur neben dir im Bett liege und dir beim Schlafen zusehe."
      Er hob Thomas' Hand an seine Lippen und küsste sie sanft.
      "Du kannst mir gar nicht auf der Tasche liegen. Ich habe genug Geld, um ganz England zu kaufen. Also mach dir darum mal keine Sorgen."
      Vincent betrachtete Thomas' kaputten Daumen, der noch immer in eine kleinen Schiene steckte. Sie mussten sich um ganz andere Dinge Sorgen machen. Vlad war verdächtig ruhig dieser Tage.
      Die Kutsche brachte sie schnell zu seinem Stadthaus. Vincent hatte sich angewöhnt, nach diesen verdammten Vögeln Ausschau zu halten, aber er sah keine, als er ausstieg. Also angelte er nach Thomas' Hand und schlenderte mit ihm in Richtung Eingangstür. Nora erwartete sie bereits - wie sie das immer wieder anstellte blieb selbst nach Jahrzehnten ein Rätsel für Vincent - um ihnen die Mäntel abzunehmen. Vincent folgte ihr ins Frühstückszimmer, wo sie ihm sein nächtliches Glas Blut reichte. Und einen Brief.
      "Vlad?" fragte er, aber Noras Gesichtsausdruck war ihm bereits Antwort genug.
      Er seufzte. Nora verließ den Raum, um sich um eine ihrer vielen anderen Verantwortungen zu kümmern, und Vincent ließ sich auf einen Stuhl sinken. Der Frieden war tatsächlich zu gut gewesen, um anzudauern. Er drehte sein Glas ein paarmal hin und her, bevor er es an seine Lippen hob und sich das Blut darin einverleibte. Was, wenn er diesen Brief nicht öffnete? Wenn er sich den Frieden der letzten Tage einfach bewahrte?


    • Wieder lächelnd hob Thomas die Hand an Vincents Hinterkopf und strich ihm durch die Haare.
      "Ich will dich immer dort haben. Ohne dich wäre ich gar nicht erst zurückgegangen."
      Mit sanftem Blick beobachtete er die liebevolle Geste, mit der Vincent seine Hand küsste. Es wäre undenkbar, auch nur eine Nacht ohne ihn zu verbringen und sei es nur, um Vlad etwas vorzuspielen. Die Nächte, die sie vor einer Woche schon getrennt verbracht hatten, waren schlimm genug gewesen.
      "Wenn es dir also nichts ausmacht - wenn es dir wirklich nichts ausmacht - bleibe ich. Zumindest solange, bis die Sache mit Vlad geklärt ist."
      Und danach - danach würde er Vincent anständig fragen, ob er bleiben konnte. Aber nicht mehr nur vorübergehend, sondern endgültig.
      Sie kamen bei seinem Haus an und wurden gleich von Nora empfangen. Der mittlerweile vertraute Flur hatte eine tröstende Wirkung auf Thomas, die er in vollsten Zügen genoss. Er folgte Vincent, ihre Hände noch immer miteinander verschränkt - die Zeiten, in denen er sich nicht getraut hatte, seine Hand selbst in seinem Zuhause zu halten waren definitiv vorüber - und betrat mit ihm die Küche. Es überraschte ihn, wie offen Vincent das Glas Blut entgegen nahm, trotz Anwesenheit von gleich Nora und Thomas, aber er kommentierte es nicht; stattdessen deutete er auf den Brief.
      "Soll ich?"
    • "Soll ich?"
      Zwei kleine, unscheinbare Worte. Ein einfaches, harmloses Angebot. Es sollte ein vollkommen belangloser Moment sein, doch das war es nicht. Die Tatsache, dass Thomas einfach so, ohne zu Zögern, seine Hilfe mit etwas anbot, von dem sie beide wussten, wie schwer es Vincent fiel, bedeutete so viel mehr. Vincent war mehr als dankbar, den Brief einfach an Thomas weiterreichen zu können. Das kurze Gefühl der Vorfreude, das durch seinen Körper gerast war, als Nora ihm mehr oder weniger bestätigte, dass der Brief von Vlad war, jagte Vincent eine Heidenangst ein. Viel mehr noch als der Brief selbst. Die Möglichkeit, sich wieder an Vlad zu verlieren? Das musste Vincents größter Alptraum sein.
      Er reichte Thomas den Brief und hielt sich danach an seinem leeren Glas fest, als könnte ihm das eine Form von Stütze sein.

      Steaua mea,

      Ich habe den Rest deiner kleinen Stadt aufgeräumt und dafür gesorgt,
      dass sich hier so schnell niemand mehr einmischt. Damit ist meine
      Aufgabe hier getan und ich bin ganz ehrlich: ich langweile mich. Dieser
      Ort ist klein und es ist nichts los. Darüber hinaus hat das Nest bereits
      großen Schaden an der Population angerichtet, also wird das Essen knapp.
      Unsere gemeinsame Zeit, so kurz sie auch war, hat mir sehr gefallen. Es
      war beinahe wie früher, findest du nicht? Beinahe... Wenn ich die Seiten
      meiner selbst, die dir weniger geneigt sind, von dir fernhalte, könnte es
      doch wie früher werden, oder nicht? Vielleicht sogar besser. Diese wenigen
      Treffen, die wir in dieser langweiligen Stadt hatten, haben mich daran
      erinnert, wie sehr ich dich vermisse, Steaua mea.
      Bevor ich gehe, will ich dir ein letztes Geschenk machen. Ich habe bemerkt,
      wie du deinen Sieg gefeiert hast. Ich habe bemerkt, dass du deinen kleinen
      Jäger mit Geschenken überschüttet hast und ja, ich weiß, dass das deine
      Art ist, aber ich kann dich nicht einfach gehen lassen, ohne dass du selbst
      etwas erhältst. Allerdings benötige ich ein bisschen Vorbereitungszeit für
      mein Geschenk, daher muss ich dich zuerst um etwas bitten: Kehre nach
      Hause zurück. Erwarte mich auf Harker Height. Das ist es doch, was du all
      die Jahre wolltest, oder? Ich erfülle dir diesen Wunsch. Und ich bringe dein
      Geschenk gleich mit.
      In ewiger Ergebenheit,
      Vlad.


      Es war beinahe wie früher... Erinnerungen kochten in Vincent hoch. Erinnerungen an einen sanften, freundlichen Vlad, der ihm Bücher geschenkt und ihn in seinen starken Armen gehalten hatte. Erinnerungen an einen liebevollen Mann, der ihm jeden noch so kleinen Wunsch erfüllt hatte. Erinnerungen an einen Mann, der den Schmerz in seinen Augen erkannte und ihn so lange festhielt, bis er sich sicher und geborgen fühlte. Und für einen Augenblick fragte sich Vincent, ob es wirklich so werden könnte, wie früher. Wenn Vlad seine mörderischen Tendenzen im Verborgenen auslebte. Wenn er seine Wut an anderen ausließ. Vielleicht könnten sie dann-
      Nein! Vlad war ein Monster und er musste vernichtet werden. Nichts an ihm war gut. Seine Liebe kam mit einem hohen Preis, das wusste Vincent doch ganz genau.
      Er stemmte die Ellenbogen auf die Tischplatte und drückte die Handballen gegen seine Augen. Er hatte gewusst, dass es so kommen würde. Er hatte gewusst, dass er Vlads Sog nicht würde widerstehen können. Wie lange würde es noch dauern, bevor ihm nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Taten gehörten? Wie lange würde es noch dauern, bevor Vincent ihm wieder gehören würde?


    • Vincent übergab den Brief mit einer Art ritueller Ernsthaftigkeit, die Thomas nicht entging - genauso wenig wie der harte Griff, mit dem er danach das Glas umfasste. Der Mann hätte es wohl niemals in Worte ausgesprochen, aber Thomas konnte seinen in sich gekehrten Blick deutlich unterscheiden. Er beugte sich zu ihm, küsste ihn aufmunternd auf die Schläfe und öffnete dann den Brief.
      Vlad schrieb genau so, wie er auch sprach. Er hielt sich nicht mit irgendwelchen Höflichkeitsfloskeln auf und er scheute auch nicht zurück, gleich auf den Punkt zu kommen. Vielleicht war es das, was Thomas stets so abschreckte: Er ließ sich nicht von Konformitäten aufhalten, stattdessen fiel er gleich mit der Tür ins Schloss. Wenn er sich eine Sache in den Kopf setzte, würde man keine Warnung erhalten, dann wäre die Warnung auch gleichzeitig die Konsequenz, die einen erwartete.
      Und das war ganz nebensächlich von der Tatsache, dass alles andere Thomas auch anwiderte. "Das Essen wird knapp" - meinte er etwa, dass es viele Tote gegeben hatte? Und er betitelte sie als Essen? Darüber hinaus widmete er Vincent einen ganzen Absatz damit, dass er ihn zurückgewinnen wolle und dass alles so wie früher werden könnte. "In ewiger Ergebenheit". Thomas hätte lachen können.
      Als er dann aber auf und zu Vincent sah, verging ihm dieses Lachen so schnell wie es nur gekommen war. Vlads Unerträglichkeit hin oder her, dieser Vampir hatte noch einen Effekt auf Vincent, den man nicht wegdenken durfte. Es mochte eine Sache sein, wenn er diese lausigen Zeilen an seinen angeblichen Geliebten widmete, die ihn vermutlich keine fünf Minuten gekostet hatten, es war aber eine ganz andere, wenn Vincent dabei aussah, als würde es ihn gleich in zwei reißen.
      Vorsichtig legte er den Brief erst ab und berührte dann Vincents Schulter. Es dauerte einen langen Moment, bis er die richtigen Worte gefunden hatte.
      "Wir schaffen das, Vincent. Du wirst nicht alleine mit ihm sein."
    • Vincent sah auf, als Thomas ihm die hand auf die Schulter legte. Und er glaubte ihm. Er glaubte ihm als er sagte, dass sich Vlad nicht allein stellen würde. Allein würde er das niemals schaffen.
      Er stand auf und schlang die Arme um Thomas, drückte ihn fest an sich. Einerseits, um sich selbst in der Gegenwart zu verankern und nicht weiter seinen Gedanken an eine Vergangenheit oder an eine falsche Zukunft nachzuhängen. Andererseits, um sich bei Thomas für diese einfachen Worte zu bedanken. Für einen Moment erlaubte sich Vincent, von seiner Liebe für diesen Mann übernommen zu werden.
      Doch dann löste er sich von Thomas, denn da gab es noch etwas, was sie besprechen mussten.
      "Ich war schon mit ihm allein," gab er zu, mied dabei aber den Blick des anderen. "Ich... in der Nacht, in der wir uns gestritten haben. Er war einfach da und ich... ich bin mit ihm mitgegangen. Es ist nichts passiert, aber ich mitgegangen. Nicht, weil ich irgendeine Geschichte aufrechterhalten musste, sondern weil ich es wollte."
      Er schüttelte den Kopf, wandte sich von Thomas ab, fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Vlad ging ihm viel weiter unter die Haut, als er jemals angenommen hatte. Und er hasste sich dafür, hasste sich für seine Schwäche. Er wusste, was für ein Monster Vlad war. Und er wusste, was für ein Segen Thomas war. Er wusste, dass er Thomas liebte und dass diese Liebe echt war. Und trotzdem brauchte es nur ein charmantes Lächeln und schon warf sich Vincent in die Arme des Monsters.


    • Ein Paar betrübter Augen begegneten Thomas' und riefen ihm schmerzlich ins Gedächtnis, wie wenig er doch helfen konnte, unabhängig davon, wie sehr er es wollte. Letztlich war es Vincent, der mit Vlad umgehen musste und mit dem, was sie hinter sich gelassen hatten. Thomas konnte dabei nur bei ihm sein, ihm eine Stütze sein oder ihn wie jetzt mit offenen Armen empfangen und an seine Brust schließen. Er schob die Finger durch Vincents Haare und streichelte ihm den Rücken hinab, alles während der andere Mann ihn fest an sich gedrückt hielt, so als müsse er sich wirklich an ihm stützen. Thomas war für ihn da. Er würde immer für ihn da sein.
      Nach einem Moment lösten sie sich wieder und Vincent gestand - vielleicht unter peinlicher Berührtheit, vielleicht unter Scham - dass er Vlad schon längst alleine getroffen hatte. Thomas überraschte die Nachricht, auch wenn er Vincent vertraute. Es missfiel ihm jedes einzelne Mal, seinen Freund auch nur in der Nähe des älteren Vampirs zu sehen und jetzt zu erfahren, dass er auch noch zu ihm gegangen war, als sie sich gestritten hatten, war keine besondere Erleichterung. Wie oft würde das noch vorkommen? Wie leicht konnte er Vincent wirklich verlieren?
      "... Okay."
      Dann wandte Vincent sich auch noch von ihm ab und Thomas focht mit seiner Vernunft und dem Drang, Vincent zurück zu sich zu ziehen. Er wollte ihn nicht verlieren. Vermutlich sollte er diesen Gedanken endlich in Worten aussprechen.
      "... Du weißt, dass ich dich nicht davon abhalten würde, wenn du wirklich - wenn du ehrlich wieder zu ihm zurück möchtest. Aber ich würde es auch nicht gutheißen. Wenn ich ehrlich bin, dann wird es nichts daran ändern, dass er auf meiner Jagdliste steht; ich werde ihn jagen, auch wenn sein Tod dir das Herz brechen würde, weil... er ist ein Monster, Vincent. Er bezeichnet Menschen als Essen. Ich möchte gar nicht wissen, wie er mit den Vampiren umgegangen ist, die er beseitigt hat. Wir können nicht zusammen existieren, nicht, nachdem wir voneinander erfahren haben. Einer von uns muss sterben und... ich würde es wirklich bevorzugen, wenn er derjenige wäre."
      Er trat an Vincent heran, überbrückte die winzige Distanz, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatte. Vincent hatte ihm noch immer den Rücken zugewandt und so schob Thomas vorsichtig erst seine Hand, dann seinen Arm um dessen Hüfte.
      "Nicht, weil ich nicht sterben möchte, sondern weil ich dich nicht verlieren möchte. Du bist das beste, was mir jemals widerfahren ist, Vincent. Es gibt keinen Mann auf der ganzen Welt, den ich mehr begehre, den ich mehr lieben könnte als dich - und ich brauche keine 900 Jahre, um dir das zu zeigen, nichtmal ein einziges."
      Er umarmte Vincent auch mit dem anderen Arm, legte sein Kinn auf seiner Schulter ab, betrachtete das Seitenprofil seines Freundes. Es wäre einfach, ihn nur zu küssen und damit seine Liebe zu ihm deutlich zu machen. Thomas zwang sich aber, stattdessen Worte zu benutzen.
      "Du musst dich entscheiden, weil du nicht uns beide haben kannst, aber ich verspreche dir, dass ich dir niemals das Herz brechen werde, dass ich niemals gegen deinen Willen handeln werde, dass ich dir immer zeigen werde, wie sehr ich dich liebe. Ich weiß, dass das Dinge sind, zu denen Vlad nicht fähig ist. Nicht jetzt und auch nicht in weiteren 1.000 Jahren."
    • Da waren so viele Gefühle in Vincent, er wusste gar nicht, wohin damit. Er hatte das Gefühl, gleich zu platzen. Ihm war danach zu schreien, zu weinen, zu lachen, irgendwas um all diesen Emotionen Luft zu machen.
      Er drehte sich in Thomas Armen um, lehnte sich gegen ihn, verbarg sein Gesicht an dessen Schulter. Wie sollte er denn all das, was gerade in ihm rumorte, bloß in Worte fassen? Gab es überhaupt Worte dafür? Er war über zweihundert Jahre alt, beherrschte fünf Sprachen und dennoch fehlten ihm die Worte.
      Er hielt sich an Thomas' Hemd fest, zerknitterte es unnötig, aber das bemerkte er gar nicht. Wenn er jetzt losließ, wenn Thomas ihn losließ, dann würde er sicherlich einfach zu Boden sinken. Vincent hatte vergessen, wie man sich bewegte.
      Ein paar Minuten stand er mit Thomas so da, rührte sich nicht, weil er einfach nicht konnte, weil ihm sein Körper nicht mehr gehorchte. Als er dann endlich den Kopf hob und Thomas' Blick begegnete, schimmerten blutige Tränen in seinen Augen.
      "Ich will ihn doch gar nicht haben," durchbrach er die Stille endlich.
      Vincent schüttelte den Kopf.
      "Ich wollte ihn nie haben. Aber er wollte mich. Und er war keine zu Tode gepuderte Dame aus gutem Hause. Er war etwas Neues, etwas Exotische. Gefährlich und Aufregend."
      Vincent wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, bevor sich die Tränen lösen und sein Gesicht oder gar Thomas' Hemd rot färben konnten, und lachte.
      "Ich mag doch gar kein gefährlich und aufregend."
      Er legte seine Hand flach gegen Thomas' Brust, ließ sich von dem kräftigen Herzschlag unter seiner Handfläche weiter beruhigen.
      "Ich mag liebevoll und mutig. Ich mag zurückhaltend und schüchtern. Ich mag ein kleines bisschen schusselig."
      Wieder hob er den Blick, begegnete dem von Thomas und lächelte liebevoll.
      "Ich will dich. Ich liebe dich. Also entscheide ich mich für dich."


    • Vincent drehte sich in Thomas' Armen und bevor er einen Blick auf sein Gesicht hätte erhaschen können, schlang er seine Arme wieder fest um ihn und drückte sich an ihn. Thomas schloss ihn anstandslos in seinen Armen ein, presste ihn an sich und hielt ihn fest, so lange, wie er sich an ihn lehnte. Vincents Hände ballten sich in seinem Hemd und auch, wenn Thomas noch mehr hätte sagen können, vielleicht jetzt, um ihn zu trösten, tat er es nicht. Er schwieg, hielt seinen Freund in seinen Armen und übermittelte die Worte, die er zurückhielt, mit einem sanften Streicheln.
      Als Vincent dann schlussendlich den Kopf wieder hob, zerbrach es Thomas' Herz in tausend Stücke. Wenn er nicht schon längst davon überzeugt gewesen wäre, Vlad unter die Erde zu befördern, hätte es spätestens der Anblick von Vincents schimmernden Tränen in seinen roten Augen getan. Niemand, kein Mann und keine Frau, sollte jemals eine solche Macht über Vincent haben, um ihn so sehr zu zermürben.
      Als er dann wieder sprach, konnte Thomas einfach nicht anders. Er lächelte, umrahmte Vincents Gesicht mit seinen Händen und strich auch die letzten blutigen Tränen mit seinen Daumenspitzen weg.
      "Schusselig? Wen nennst du hier schusselig?"
      Und sein Lächeln erstrahlte noch viel mehr, als Vincent ihm bestätigte, was er hatte hören wollen. Vielleicht war das sogar notwendig gewesen, vielleicht hatte er von Vincent selbst hören müssen, dass er Thomas wählte und nicht Vlad. Es vereinfachte alles ungemein, aber besonders ließ es Thomas' Liebe zu ihm erblühen wie eine Blume, die vom Sonnenlicht erhellt wurde.
      "Ich liebe dich auch, Vincent Harker."
      Er neigte sich zu ihm und brachte ihre Lippen zusammen, ein Beschluss, der Vlad für immer ausgrenzen würde. Er küsste seinen Geliebten, seinen Freund, seinen Partner und sonnte sich in der Liebe, die sie beide dadurch ausstrahlten.
      "Dann werden wir uns entsprechend um Vlad kümmern. Gemeinsam."
      Er ließ ihn los, aber auch nur, um seine Hände zu ergreifen.
      "Wir werden ihn bereuen lassen, zurück nach Harker Heights zu kommen. Wir werden es zu seiner schlechtesten Entscheidung im ganzen Jahrtausend machen."
    • "Wir werden es zu seiner letzten Entscheidung machen," gab Vincent mit einer Ernsthaftigkeit und einer Entschlossenheit zurück, die recht untypisch für ihn.
      Und er meinte jedes einzelne seiner Worte. Gewalt war nie die Antwort, die Vincent wählte, aber er wusste, dass er in diesem Fall keine andere Wahl hatte, nicht wenn es um Vlad ging. Und er war mehr als bereit, diesen Schritt zu gehen, sein Monster zu entfesseln, um ein anderes aufzuhalten. Zusammen mit Thomas würde er Vlad vernichten und die Welt von ihm befreien.
      Vincent stahl sich einen weiteren Kuss, lehnte seine Stirn kurz gegen die von Thomas. Sein übliches Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück.
      "Danke", flüsterte er. "Das habe ich wirklich gebraucht."
      Dann löste er sich von Thomas und schnappte sich sein leeres Glas, brachte es zu Nora in die Küche zurück und informierte sie darüber, dass der Haushalt einpacken sollte: sie würden demnächst nach Harker Heights zurückkehren.
      "Ich habe ein paar Leute hier in Cambridge, die sich gelegentlich um mein Stadthaus kümmern," meinte er zu Thomas während er, sehr zu Noras Entsetzen, beim Tischdecken half. "Sollen die sich auch um dein Haus kümmern, während du weg bist? Du musst ja nicht jedes Mal, wenn du nach Hause kommst, in Schichten aus Staub existieren."
      Mit überraschend geübter Präzision platzierte Vincent Teller, Besteck und Gläser. Alles andere ließ Nora ihn nicht machen. Sie scheuchte ihn sogar aus dem Frühstückssalon, damit er nicht noch mehr machen konnte. Lachend ließ sich Vincent rauswerfen, ergriff Thomas' Hand und ging mit ihm in den Salon. Immerhin hatte er jetzt die schwere Aufgabe, sich für ein paar Bücher zu entscheiden, die er mit nach Hause nehmen würde.
      Vincent ließ die Finger über einige der älteren Buchrücken gleiten. Viele von ihnen hatten schon bessere Zeiten gesehen, aber es ging ihnen noch gut. Vincent kannte jedes einzelne seiner Bücher, kannte ihren Zustand ganz genau. Die drei, die er schlussendlich herauszog, waren in wirklich furchtbarer Verfassung. Vorsichtig legte Vincent sie auf den Schreibtisch bei den Fenstern. Die würde er mitnehmen und restaurieren, sobald er die Zeit dafür fand. Und dann würden sie ihren Weg zurück in diese Regale finden, bis sie wieder auseinanderfielen und seiner Zuwendung bedurften.


    • Sie standen noch beieinander, hielten sich fest und dann war Vincent auch wieder Vincent. Sein Gesicht erstrahlte mit dem üblichen charmanten Lächeln und Thomas ließ sich davon gleich mitreißen.
      "Vielleicht haben wir das beide gebraucht."
      Er ließ seinen Freund frei, dann gingen sie zu Nora zurück, wo Vincent - zum sichtbaren Entsetzen für Nora und sichtbarer Überraschung von Thomas - sich am Tischdecken beteiligte. Irgendwie wirkte er mit einem Mal vollkommen losgelöst, so euphorisch wie er sich bei den Vorbereitungen beteiligte.
      "... Das wäre hilfreich, sicher. Einmal die Woche sollte genügen, mehr auch nicht. Nur vielleicht die Briefe reinbringen. Die von Darcy verbrennen."
      Sein Blick begegnete kurz dem von Nora, aber das reichte schon aus, um die Hitze in seinen Kopf schießen zu lassen.
      "Ich werde es ihr schon noch ordentlich sagen. Nur nicht... so."
      Damit hatte die Haushälterin wohl genug von den Machenschaften der beiden Männer in der Küche, woraufhin sie sie gleich nach draußen scheuchte. Vincent lachte, glücklich wie ein Kind, das gerade noch so mit einer Süßigkeit davongekommen war und schnappte sich Thomas, um ihn mit in seinen Salon zu ziehen. Thomas schmunzelte auch ein bisschen, aber auch nur, weil er so sehr in diesen Mann vernarrt war, dass es ihm regelrecht aus dem Mund herauskam.
      Sie widmeten sich den Büchern, was wohl eher hieß, dass Vincent seine Schätze betrachtete und Thomas dafür ihn betrachtete, bevor er selbst seine Gedanken ordnete.
      "Ich werde meine Waffen mitnehmen, sie bei dir verstecken. Vielleicht bringen sie nichts, aber es würde mir sehr helfen zu wissen, dass überall etwas griffbereit ist. Du wirst davon gar nichts mitbekommen, ich werde Nora fragen, wo du nicht ausversehen über sie stolpern kannst."
      Er hatte nicht vor, bei Vincent einen ganzen Waffenkeller einzurichten, das würde ihm wohl nichts bringen, wenn sie mit Vlad oben wären. Stattdessen wollte er Harker Heights so ausstatten, wie sein eigenes Zuhause bereits ausgestattet war: Mit Silbermessern, Beilen und Spritzen in jedem einzelnen Raum, versteckt genug um nicht zufällig darüber zu stolpern, nahe genug, um sofort greifbar zu sein. Wahrscheinlich war es da nicht so schlecht, wenn sie einen Moment Vorbereitungszeit bekamen, bevor Vlad auftauchte.
      "Dafür brauchen wir aber vermutlich noch eine weitere Kutsche."
    • Vincent hielt ein weiteres Buch in seinen Händen, strich vorsichtig über den Rücken, als verrate ihm das Buch damit, ob es Hilfe brauchte oder nicht.
      "Mach dir darum mal keine Sorgen, ich brauche sowie so eine für meine ganzen Sachen. Wenn ein Lord umzieht, dann zieht ein Haushalt um, nicht nur ein einzelner Koffer. Wir müssen nur dafür sorgen, dass Simon in einer anderen Kutsche sitzt als deine Waffen. Den Jungen können wir ja kaum mit einem Messer allein lassen, da will ich nicht wissen, was er einem Hackbeil anrichtet."
      Vincent legte das Buch auf den kleinen Stapel, den er mitnehmen würde. Dann gab er seine Suche auf und ließ sich ein bisschen theatralisch auf eines der Sofas sinken. Nach seiner kleinen Beichte fühlte sich Vincent gleich viel leichter und freier. Er wusste gar nicht wohin mit der Energie, die er plötzlich hatte. Vielleicht hatte sein Körper aber auch einfach nur das Blut verarbeitet. Er betrachtete Thomas, lächelte, winkte ihn zu sich, und als er sich setzte, ließ sich Vincent ganz ungeniert auf Thomas' Schoß nieder. Er legte ihm die Arme locker um den Nacken und stahl sich einen kurzen Kuss.
      "Mein Ritter in silberner Rüstung," kicherte er. "Ich schätze, ich werde mir Mühe geben müssen, ein perfekter Prinz für dich zu sein."


    • "Wenn du noch öfter nach Cambridge kommst, wird das zu einer Parade werden. Lord Harker, der das kleine Städtchen mal wieder mit seiner Anwesenheit beehrt."
      Noch immer schmunzelnd folgte Thomas der wortlosen Aufforderung seines Freundes und setzte sich - wesentlich sittsamer - neben ihn. Es dauerte keine zwei Sekunden - sicherlich ein neuer Rekord - da brachte Vincent ihn dazu, seinem Gesicht einen neuen Rot-Ton zu verleihen. Er hatte noch nie wählen können zwischen einem Vincent unter ihm, der ihm seinen langen Körper präsentierte, oder einem Vincent über ihm, der mit seinem mindestens genauso langen Körper über ihm aufragte. Für den Moment wählte er aber, dass ihm letzteres deutlich besser gefiel, und legte die Hände auf Vincents Hüfte, knapp oberhalb seiner Oberschenkel.
      "Perfekt muss gar nicht sein. Aber wie wäre es mit anständig? Sittsam? Ein anständiger, wohl-erzogener Prinz für den mindestens genauso anständigen Ritter in silberner Rüstung?"
      Trotz seiner Worte drückte er Vincents Hüfte leicht und strich dann seine beiden Oberschenkel entlang. Er könnte ihn natürlich von seinem Schoß runterscheuchen, aber dann wären auch diese himmlischen Beine außer Reichweite.
      "Einer, der mich nicht in Bedrängnis bringt in seinem Zuhause? Vielleicht sogar ein keuscher Prinz? Wir hätten bis zur Hochzeit warten müssen, bevor wir Sex haben, wie gute Christen."
      Provokant grinste er zu ihm auf.
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