[2er RPG] In his Thrall [Codren feat. Pumi]

    • Das Monster in Vincents Inneren führte einen Freudentanz auf, als er sich endlich auf seine Jagdinstinkte einließ, um die Quelle des Geruchs von Blut zu finden. Er spürte, wie sich seine Eckzähne verlängerten und in seine Unterlippe stachen. Was Vincent nicht bemerkte war, wie seine Augen ein bisschen heller wurden; gerade genug, um als nicht ganz menschlich durchzugehen.
      Er lauschte, während sich der Geruch weiter ausbreitete. Doch es gab nichts zu hören.
      Vincent machte ein paar lautlose Schritte zum Rand des Bücherregals und sah den Gang hinunter. Nichts. Aber der Geruch war stärker, stark genug, um ihm eine Richtung aufzuzeigen, und so deutete Vincent in Richtung Eingang des Lesesaals. Er pirschte vorwärts, den Gang hinunter, verursachte selbst kein noch so kleines Geräusch. Er war ein Vampir - ein alter, erfahrener Vampir - auf der Jagd.
      Als er endlich etwas hörte, blieb er wie eingefroren stehen. Er musste ein Knurren unterdrücken.
      "Im nächsten Stockwerk, in der Nähe des Treppenaufganges, ist gerade ein Körper zu Boden gefallen," informierte er Thomas, seine Stimme kaum hörbar. "Keine Gegenwehr."
      Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Ausgang des Lesesaals zu und versuchte, Schritte oder etwas ähnliches zu hören. Aber da war nichts. Nicht einmal ein Herzschlag. Entweder hatte sich die Person dort oben selbst verletzt, oder etwas nicht-menschliches wartete hinter den Türen auf ihn und Thomas.


    • Es dauerte nur einen Augenblick länger und dann konnte Thomas in erschreckender Genauigkeit beobachten, wie der Vampir in Vincent hervorkam. Seine Zähne stachen hervor, der Blick in seinen Augen veränderte sich und der Jäger erwachte aus seinem Tiefschlaf. Ein Vampir hatte soeben den Raum betreten und davor galt es sich zu schützen.
      Thomas mochte den Schauer von Adrenalin nicht, der ihm durch den Körper schoss und seine Hände zum Kribbeln brachte. Er mochte es deswegen nicht, weil sein Instinkt nur noch mehr darauf ansprang, als Vincent zum Ende des Bücherregals pirschte, kein einziges Geräusch von sich gebend. Hätte Thomas den Blick von ihm abgewandt, hätte es wirken können, als wäre Vincent nicht einmal hier und wenn es eine Sache gab, die den Jäger nur noch mehr anstachelte, dann war es die Gefahr, aus dem Nichts heraus angesprungen zu werden.
      Also behielt er den Blick strikt auf Vincent, während er ihm mit langsamen Schritten folgte. Seine eigenen Bewegungen waren im Vergleich zu Vincents ohrenbetäubend laut: Das feine Rascheln seines Jacketts, das leichte Kratzen seiner Hose, das dünne Quietschen seiner Schuhe und das darunterliegende Knarzen des Holzes. Im Gegensatz zu Vincent hätte er sich so viel Mühe machen können wie nur möglich, er konnte einfach nicht annähernd so still sein wie der Vampir.
      Sie näherten sich dem Lesesaal gemeinsam, Vincent vorneweg, Thomas mit ein bisschen Abstand dahinter. Er warf einen Blick zurück auf die erleuchtete Bibliothek, auf die leeren Gänge und einsamen Regale, die jetzt alle viel weniger friedlich und viel mehr bedrohlich aussahen. Wenn sich schon Vincent so geräuschlos bewegen konnte, konnten es auch andere.
      Aber er vertraute darauf, dass Vincent einen zusätzlichen Herzschlag hören würde und so wandte er ihm seine Aufmerksamkeit zu. Beinahe hätte er ihn nicht gehört.
      "Selbstmord?"
      Seine eigene Stimme war nicht einmal mehr ein Flüstern, lediglich der Hauch eines Atems. Vincent würde ihn trotzdem verstehen.
      Er griff in die Innenseite seines Jacketts und zog sein Jagdmesser hervor, eine leicht geschwungene, silberne Klinge an einem ledernen Griff. Er bedeutete Vincent vorauszugehen; er würde wohl eher noch etwas hören oder riechen können, als Thomas reagieren konnte.
    • Vincent schlich sich bis zur Tür des Saales vor, wo er kurz stehen blieb und noch einmal ganz genau hinhörte. Seine Nackenhaare stellten sie auf wie bei einer Katze. Irgendetwas war da, das wusste er einfach, auch wenn er bisher keinerlei Beweise dafür hatte wahrnehmen können.
      Und dann hörte er einen einzelnen, kräftigen Herzschlag.
      Das war alles, was es brauchte, um das Monster in ihm zum Angriff zu bewegen. Kaum hatte er den Herzschlag gehört, krachte sein Fuß schon gegen die Tür, schleuderte sie aus den Angeln und noch bevor sie poltern auf dem Boden aufschlug, stürzte sich Vincent schon auf den Vampir, der dahinter wartete. Wie ein Raubtier warf er den anderen Vampir unter sich zu Boden und knurrte ihn an. Der andere Vampir knurrte zurück und wehrte sich gegen Vincents Griff - und das erfolgreich. Er warf Vincent von sich gegen die nächste Wand. Der Abstand zwischen den beiden war genug, um sie dazu zu bringen, sich gegenseitig anzustarren. Beide standen in einer tiefen Hocke, bereit, einander sofort wieder anzuspringen wie Raubkatzen. Doch keiner von beiden tat es.
      "Vinny?" fragte der Fremde Vampir überrascht.
      "Dom?" fragte Vincent seinerseits, ähnlich überrascht.
      Die beiden gaben ihre aggressive Haltung auf und traten aufeinander zu, bevor sie sich kräftig umarmten.
      "Was machst du denn in Cambridge? Was machst du in England?! Ich dachte du hast dich in die neue Welt abgesetzt?" fragte Vincent und musterte seinen alten Freund.
      "Hab ich auch. Theoretisch. Aber dann hat Henry mich um Hilfe gebeten - der will auch auf den neuen Kontinent umziehen. Ich war eigentlich in London unterwegs, aber dann hab ich von Vlad gehört. Eine gute Show kann ich mir doch nicht entgehen lassen. Uh... hab ich dir das Abendessen ruiniert?"
      Der Fremde deutete über Vincents Schulter auf Thomas.
      "Was? Nein! Das äh... das ist Thomas, ein - mein - Freund. Ähm... Thomas, das ist Dom, ein alter Freund von mir. Dom, das ist-"
      "Thomas Van Helsing! Wow!"
      Dom ließ von Vincent ab und kam mit ein paar großen Schritten direkt auf Thomas zu, die Hände defensiv erhoben. Auf seinem Weg zu dem anderen Mann verschwanden seine langen Fangzähne und seine Augen nahmen wieder Farbe an.
      "Bin ein großer Fan deiner Familie. Bin ein großer Fan davon, dass sie so lange überdauert hat."
      Der Fremde reichte Thomas seine Hand, mit der anderen schob er sich seine kurzen, dunkelbraunen Strähnen aus dem Gesicht.
      "Dominic O'Sheahan, sehr erfreut. Ist schon 'ne Weile her, dass ich einen Jäger getroffen habe. Hab noch nie einen Van Helsing getroffen. Also, persönlich, meine ich."
      "Komm runter, Dom, kein Grund, gleich Notizen zu vergleichen."
      Vincent lehnte sich entspannt gegen seinen alten Freund und verschränkte die Arme.
      "Dominic hier war auch ein Jäger, bevor er verwandelt wurde. Und er hat den Job nie ganz aufgegeben, auch nach fünfhundert Jahren nicht."
      Dominic zuckte mit unschuldig mit den Schultern.
      "Was soll ich sagen? Ich bin eben ein Gewohnheitstier."
      "Was hast du mit dem Menschen gemacht?"
      "Was? Oh! Der Hausmeister? Der war kein Mensch. Der war noch ganz frisch. Ich mein, nimm mal 'ne Nase, der riecht noch wie ein Mensch. Ich hab ihn..."
      Dominic machte eine Geste, die auf den Tod des frisch verwandelten Hausmeisters hindeutete.
      "Ich wollte gerade aufräumen, da habe ich einen seltsamen Abfall in der Herzfrequenz des einzigen anderen Menschen hier wahrgenommen. Also wollte ich mir das angucken. Und dann ist mir eine Tür entgegengeflogen."
      "Bitte entschuldige."
      "Ach was, kein Problem. Wusste gar nicht, dass du so gewalttätig werden kannst."
      "Das ist wohl unserer gegenwärtigen Situation geschuldet..."
      "Vlad?"
      Vincent nickte.
      "Der ist dir schon immer unter die Haut gegangen," seufzte Dominic, dann wanderte sein Blick zu der Treppe, die nach oben führte. "Lass mich schnell aufräumen und dann können wir quatschen, in Ordnung?"
      Vincent musterte Dominic, dann Thomas.
      "Verschieben wir das doch auf morgen," sagte er dann und nun sah auch Dominic zwischen den beiden anderen Männern hin und her.
      "Oh! Sorry! Ha! Okay, ja, ich mach mich aus dem Staub, wie sehen uns morgen. Schön, dich kennenzulernen..?"
      "Thomas."
      "Thomas! Schön dich kennenzulernen! Auf jeden Fall! Viel Spaß noch. Und 'tschuldigung wegen dem Missverständnis her."
      Lachend verschwand Dominic die Treppe hinauf. Vincent konnte nur den Kopf schütteln. Er legte einen Arm um Thomas' Hüfte und zog den Mann an sich, um ihm einen Kuss auf die Stirn zu setzen.
      "Wenn das alles hier vorbei ist, machen wir einen ausgedehnten Urlaub, wo uns niemand des nachts in einer Bibliothek überfallen kann," versprach er.







    • Beide warteten eine, mehrere Sekunden und dann brach Vincent so plötzlich durch die Tür, dass er selbst Thomas damit überraschte.
      Der Jäger konnte mit der Geschwindigkeit gar nicht mithalten, da hatte sich der Vampir schon mit vollstem Körpereinsatz auf die Gestalt geworfen, die hinter der Tür gelauert haben mochte. Ein gänzlich unmenschliches, animalisches Knurren erfüllte den Raum, zuerst von der Gestalt wie es scheinen mochte, aber dann definitiv auch von Vincent. Es geschah alles so schnell, Thomas hatte gerade erst die Klinge erhoben, bereit die beiden Kämpfenden zu trennen, seinem Freund zu helfen und dieses grausige Geräusch zu unterbinden, da trennten sie sich schlagartig wieder - weil Vincent wohl die kleine Auseinandersetzung verloren hatte. Das ging nun definitiv zu weit und Thomas schoss nach vorne, als sein Körper durch die Luft flog. Es würde dem Vampir nichts ausmachen, außer vielleicht einem kurzen Schmerz, aber Thomas würde es nicht ungestraft lassen, dass jemand Vincent überhaupt mit einer solchen Absicht angefasst hatte. Eigentlich wäre dieser Zorn ausschließlich Vlad zugekommen, aber er flammte auch jetzt in ihm auf und trieb seinen Herzschlag wieder in die Höhe, als er in die Lücke zwischen den beiden Vampiren trat und seine Klinge gegen den Fremden erhob. Wenn er selbst vampirischer Natur gewesen wäre, hätte er wohl auch seinen Beitrag zu der animalischen Geräuschkulisse geleistet, so beschränkte er sich eher auf einen starren und höchst giftigen Blick, den er auf den Fremden richtete. Wenn er noch einmal zu Vincent durchwollte, müsste er erst durch Thomas durch - und der hatte bisher, ganz offensichtlich, noch keinen Kampf gegen einen Vampir verloren.
      Aber er machte keine Anstalten dazu, sich weder dem Menschen, noch dem Vampir dahinter zu nähern und starrte für einige Momente einfach nur, so ähnlich, wie es wohl Vincent in Thomas' Rücken tun mochte. Dann weiteten sich seine Raubtieraugen, aber eher aus Überraschung als irgendwas anderes.
      Die beiden schienen sich wohl zu kennen.
      Noch immer höchst alarmiert von dem plötzlichen Zusammenstoß, beobachtete Thomas wie das Raubtierverhalten verschwand und beide Männer wie alte Freunde aufeinander zugingen. ... Vinny? Hatte der Vampir Vincent gerade echt Vinny genannt?
      Jetzt eher perplex als alles andere verfolgte Thomas das Gespräch, ohne die Klinge wegzustecken, warf Vincent einen schnellen Blick zu - hatte er ihn wirklich gerade als seinen Freund vorgestellt? Sein Herz machte einen Sprung - und richtete seine Aufmerksamkeit dann wieder auf den Vampir, der jetzt auf ihn zukam. Wieder konnte er die Verwandlung geradezu verfolgen, wieder versetzte es den Jäger in ihm auf höchste Alarmbereitschaft. Aber ganz anscheinend kannte Vincent ihn gut genug, schien keine Gefahr in ihm zu sehen und hielt ihn auch nicht auf, sich Thomas zu nähern. Also zwang Thomas seinen aufkommenden Instinkt zum Wohle der friedlicheren Stimmung zurück, richtete sich ein bisschen auf und drehte sein Messer, bis die Klinge an seinem Unterarm anlag. Er konnte sich nicht dazu bringen, sie ganz wegzustecken.
      Er ergriff die ihm dargebotene Hand und schüttelte sie; sein Handschlag war kraftvoll und unnachgiebig, der des Vampirs musste leicht und zurückhaltend sein, nachdem er ihm nicht die Hand brach. Ein Umstand, den man ihm wohl zuschreiben musste.
      "Sehr erfreut. ... Ich würde behaupten, dass Sie kaum lange genug gelebt hätten, um davon zu berichten, dass Sie einem von uns persönlich begegnet wären."
      Sein Blick huschte kurz zu Vincent und weitete sich dann selbst, als der ihm offenbarte, dass dieser Dominic selbst einmal Jäger gewesen war - und es immernoch praktizierte. Das war definitiv eine Überraschung und sorgte nicht minder dafür, dass ein gewisser Teil an Misstrauen zugunsten seiner Neugier verschwand.
      "Ein vampirischer Jäger? Wirklich?"
      Er unterzog den Vampir einer nächsten, intensiveren Musterung mit dieser neuen Information. Der Vampir war schlank mit markanten Gesichtszügen, seine Muskeln waren eher unauffällig, sicherlich war er nicht von offensichtlich aggressiver Natur. Außerdem war er über 500 und damit deutlich näher an Vlad dran. Dominic war wohl ein gutes Beispiel dessen, dass man auch mit einem halben Jahrhundert ganz andere Dinge erreichen konnte.
      Jetzt steckte er auch selbst seine Waffe weg und musterte den Vampir-Jäger weiterhin. In Unison antworteten er und Vincent auf seine unausgesprochene Frage hin "Thomas" und dann verabschiedete sich Dominic mit einem höchst fröhlichen Lachen. Thomas runzelte kritisch die Stirn.
      "Ebenso."
      Der Vampir verschwand, aber Thomas sah ihm noch immer nach, auch während Vincent ihn in seinen Arm zog. Er war sich nicht sicher, ob der Mann ganz verschwunden wäre.
      "Nicht schlimm. Das war... hm... merkwürdig."
      Er griff sich Vincents Arm und dann führte er ihn zurück in die Bibliothek, wo er sorgfältig die Tür verschloss. Einen Moment lang sah er Vincent fragend an, nach der unausgesprochen Nachfrage, ob Dominic wirklich verschwunden wäre, dann sah er sich knapp in der Bibliothek um und schloss sich Vincent auf einem schlendernden Gang zurück an.
      "Woher kennt ihr euch? Und ist er wirklich... so alt und ein Jäger? Ist es nicht... Verrat, die eigenen Artgenossen zu jagen und zu schlachten?"
    • "Weil Menschen ja auch so ein Problem damit haben, einander Schaden zuzufügen und sich gegenseitig zu töten," gab Vincent schlicht zurück.
      Er verschränkte seine Finger mit denen von Thomas und schlenderte mit ihm wieder in den hinteren Teil der Bibliothek zu den älteren Werken.
      "Dominic ist das vampirische Equivalent eines Nomaden. Er bliebt nie länger als zehn Jahre an einem Ort, bereist viel lieber die Welt, als sesshaft zu werden. Nachdem ich mich von Vlad losgesagt habe, bin ich ihm über dem Weg gelaufen. Er ist aufgetaucht, als ich mir mein erstes eigenes Territorium zurechtgelegt habe und hat mir einen Herzinfarkt verpasst. Ich habe gedacht, ich hätte seine Grenzen verletzt. Er hat gedacht, er hätte meine verletzt. Er hat mir mit dem ganzen Territorium-Zeug geholfen und darüber wurden wir Freunde. Er ist auch derjenige, der mir beigebracht hat, dass man sich nicht von menschlichem Blut ernähren muss. Er selbst macht das, aber eher aus praktischen Gründen: weil er andere Vampire jagt. Auch nur die problematischen, die sich nicht zurückhalten können. Wie zum Beispiel die Mitglieder eines Nests."
      Vincent ließ sich auf eine Sitzbank bei einem Fenster sinken und betrachtete den kleinen Bibliotheksgarten. Keine Spur von den verräterischen Krähen, aber Dominics Anwesenheit erklärte dieses Fehlen.
      "Dominic war einer der letzten Tempelritter," meinte er mit einem breiten Lächeln. "Die wurden 1312 aufgelöst. Er ist bis heute noch ein gläubiger Christ. Er hat mir nie verraten, ob er im Orden oder durch seine Familie Jäger geworden ist, aber ich glaube nicht, dass es eine allzu große Rolle für ihn spielt. Nicht mehr. Eigentlich ist er sowas wie die Polizei für Vampire, wenn man es genau nimmt. Es ist gut, dass er hier ist. Er wird uns nicht unbedingt helfen, aber er wird dafür sorgen, dass Außenstehende nicht mit reingezogen werden. Allerdings wirst du nicht darum herum kommen, dich mit ihm zu unterhalten. Er redet gern mit Jägern dieser Zeit. Tatsächlich hat er deinem Lager schon ganz schön ausgeholfen. Wenn Blutlinien wie deine zu Ende gehen, dann taucht er auf und räumt auf. Einerseits bewahrt er damit das Bild dieser Familien nach außen - und das Geheimnis um unsere Existenz - auf der anderen Seite sorgt er immer dafür, dass eine neue Blutlinie an Jägern geboren wird, wenn eine verschwindet. Nach deinem Tod hätte er das sicher auch für die Van Helsings in England getan."
      Er zog Thomas zu sich, lehnte sich gegen ihn.
      "Dominic gehört zu den Guten - auch wenn er Ire ist. Ihm kannst du vertrauen, selbst als Jäger. Gerade als Jäger, eigentlich."
      Vincent drückte Thomas einen Kuss auf die Wange. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Dominic aus dem Himmel fiel - wahrscheinlich war er im ersten Stock aus dem Fenster gesprungen - und winkte ihm zum Abschied.
      "Jetzt ist er weg," informierte Vincent.


    • "Auch wieder wahr."
      Sie gingen zurück durch die Bibliothek und setzten sich an ein Fenster, während Vincent Thomas über Dominic aufklärte. Ganz anscheinend hatte er einen nicht unwesentlichen Teil zu Vincents "Erziehung" geleistet und war darüber hinaus ein ehemaliger Tempelritter. Tempelritter! Thomas musste sich definitiv noch daran gewöhnen, dass es in Vincents Welt Leute gab, die gewisse geschichtliche Ereignisse miterlebt hatten.
      Er versuchte erst gar nicht, seine Überraschung über den Mann zu verbergen. Wie könnte er auch schließlich nicht daran interessiert sein, sich einmal mit einem Vampir zu unterhalten, der seine Interessen teilte und ihn nicht belogen hatte? Sowas schien es ja nicht gerade oft zu geben.
      Abgesehen davon war er jetzt schon daran interessiert, sich mit einem Jäger auszutauschen, der schon mehrere hundert Jahre Erfahrung hatte. Damit konnte sein Großvater nicht ansatzweise mithalten - kein Mensch konnte das. Er war fast schon vernarrt darauf, sich mit dem Vampir zu unterhalten.
      "Ich möchte mich mit ihm unterhalten, ich will wissen, was so ein alter Jäger an Wissen zu bieten hat."
      Und was davon vielleicht für Vlad nützlich wäre.
      Er legte den Arm um Vincent, so wie der Mann es tat, und strich ihm über das Haar.
      "Wenn du ihm vertraust, tue ich das auch."
      Ganz kurz sah er nach draußen in eine Dunkelheit, die nur ein bisschen von dem Licht der Fenster erhellt wurde, dann grinste er und zog Vincent ein bisschen enger an sich.
      "Vinny also, ja? Das ist ja schon fast niedlich. Mein kleiner, hübscher Vinny?"
      Noch immer grinsend beugte er sich hinab, um seine Lippen in einem neckischen Kuss aufzufangen. Dann richtete er sich wieder auf.
      "Also, Abendessen morgen mit "Dom", wenn ich das richtig verstanden habe? Dom, Vinny und ich? Aber für heute sind wir noch nicht fertig, du musst dir noch ein Geschenk aussuchen. Ich lasse dich hier nicht ohne Buch gehen."
    • "Wag es ja nicht," drohte Vincent mit einem breiten Lächeln und lehnte sich in den Kuss. "Wenn du das machst, fange ich an, dich Tommy zu nennen."
      Vincent stahl sich noch einen Kuss von dem anderen Mann.
      "Du willst, dass ich einer Bibliothek ein Buch stehle?! Thomas! Ich dachte, du seist ein rechtschaffener Bürger!"
      Er schüttelte den Kopf und stand auf. Nach ein bisschen suchen fand er auf einem der Tische ein Blatt Papier; aus seiner Jackettasche zog er ein kleine Etui mit einem Füllfederhalter. Bewaffnet mit beidem lief er kurz die Reihen ab und machte sich fleißig Notizen, bis er zwei Listen hatte, auf die er recht stolz war.
      "Bücher, die ich für meine eigene Sammlung besorgen will," erklärte er und deutete auf die eine Spalte, "Und welche, die ich diesem Ort hier stiften will," er deutete auf die zweite Spalte. "Ich kann es nicht ausstehen, wenn Sammlungen unvollständig sind und städtische Bibliotheken brauchen immer Hilfe."
      Vincent überflog noch einmal die Liste, kaute dabei kurz nachdenklich auf seiner Unterlippe herum. Schließlich schrieb er noch drei Titel auf die Liste der Bücher, die er spenden wollte. Schließlich faltete er das Blatt Papier ordentlich und steckte es zusammen mit seinem Füller wieder weg.
      "Keine Sorge, Tommy: Eine Einkaufsliste anzufertigen ist beinahe genauso gut, wie ein Buch zu kaufen," meinte er an Thomas gerichtet mit einem frechen Zwinkern.


    • "Tommy ist nicht annähernd so niedlich wie Vinny. Du kannst es ja versuchen."
      Thomas grinste in ihren Kuss hinein, nur um dann zu kichern.
      "Ich möchte auch nicht, dass du es stiehlst. Du wirst es... ausleihen und im Laufe deines langen, ertragreichen Lebens irgendwann wieder zurückbringen. Oder ersetzen."
      Sie standen beide auf und Thomas folgte Vincent bei einer Art Inventur, die er wohl von der Bibliothek erstellte.
      "Ganz abgesehen davon gibt es hier doch wohl genug Bücher, oder? Da wird eins schon nicht groß auffallen."
      Sie blieben stehen, um sich Vincents erstellte Liste anzusehen, bei der Thomas kaum einen Titel wirklich erkennen konnte. Wenn er einmal Zeit hatte, würde er etwas anderes lesen als Fachliteratur, das nahm er sich in diesem Moment fest vor, besonders nach der Lehrstunde, die er nun von Vincent erhalten hatte. Ein bisschen hatte es sein Interesse tatsächlich angeregt, auch wenn das nichts nützte, wenn er keine Zeit dazu fand, es noch weiter zu erforschen.
      Er runzelte die Stirn, schlang beide Arme um Vincent und zog ihn fest genug an sich, um eine Hand an seinem Rücken hinabgleiten und auf seinem Hinterteil landen zu lassen.
      "Du machst es nicht besser, weißt du das, Vinny? Was meinst du wird wohl Nora von diesem Spitznamen halten? Oder Simon?"
      Er kniff ihm in die Arschbacke und betrachtete Vincent mit einem Blick, der über seine übliche so sittliche Zuneigung weit hinausging.
      "Wir sollten nachhause fahren, bevor sie sich noch Sorgen um uns machen. Sofern du dir wirklich sicher bist, kein kleines Andenken mitnehmen zu wollen."
    • Vincent griff nach Thomas' Krawatte und zog daran, um sein Gesicht näher an seines zu bringen.
      "Da ist aber plötzlich jemand mutig geworden," raunte er dem anderen Mann lächelnd zu. "Wenn du Simon diesen Floh ins Ohr setzt, dann werde ich in Zukunft ein bisschen weniger nett zu dir sein."
      Um seine Worte zu unterstreichen, schob er Thomas mit einem langen Schritt gegen die Seite des nächstbesten Bücherregals - und war dabei nicht unbedingt sanft. Er klemmte den Mann zwischen dem Regal und seinem eigenen Körper ein.
      "Ich kann dir das nehmen, was du so gern tust," raunte er und packte Thomas' Hand, die auf seinem Hintern lag.
      Ohne Probleme löste er den Griff, drückte Thomas' Hand nach oben bis er sie neben dem Kopf des Mannes gegen das Holz des Regals pressen konnte.
      "Ich kann dich auch gar nicht mehr ranlassen," grinste er und ließ den Mann komplett los, machte einen Schritt zurück. "Und ich kann das tun, während ich vollkommen unbekleidet durch mein Haus schlendere."
      Vincent lächelte als sei er die Unschuld in Person.


    • Thomas wäre fast nach vorne gefallen, grinste dann aber.
      "Das zeigt mir nur, wie sehr du doch an diesem Spitznamen hängst. Vinny."
      Er genoss diesen einen, kurzen Moment seines Triumphs, den er über Vincent ausüben konnte, dann griff der Mann zu seinen unfairen Mitteln, als er Thomas mit einem Satz nach hinten und an die Regalseite drückte. Das Regal erzitterte und Thomas ließ sich etwa eine Sekunde lang von dem dumpfen Aufprall ablenken, dann drückte ihn Vincent mit der Länge seines hübschen Körpers gegen das Holz und das speiste nicht minder die unsittlichen Gedanken, die ihm durch den Kopf schossen. Das machte es schon fast wieder gut, dass er Thomas so leicht überwältigt hatte. Fast.
      "Oh? Du bist aber sehr überzeugt davon, dafür, dass es dir gestern noch so viel Spaß gemacht hat."
      Er trat vor, schloss wieder zu Vincent auf und griff nach seiner Hand. Er konnte den Vampir nicht so einfach überwältigen, so wie er es mit ihm konnte, aber er konnte ihn sich so fühlen lassen. Er packte Vincents Handgelenke, drehte sie ihm auf den Rücken und hielt sie dort fest, indem er den Mann dadurch an sich drückte.
      "Dafür fallen mir sicher noch bessere Namen für dich ein. Vinnylein."
      Er beugte sich vor auf der Jagd nach Vincents Lippen.
    • Vincent ließ den Kuss zu, ließ Thomas seinen kleinen Sieg.
      Doch dann drehte er seine Handgelenke, befreite sich aus dem Griff des anderen Mannes, und schlang seine Arme um Thomas. Die Umarmung schien harmlos, geradezu unschuldig. Bis Vincent seine Hände geschickt unter Thomas' Hosenbund schob und den Mann nun seinerseits am Hintern packte. Thomas konnte - durfte - sich noch bewegen, aber nur den Oberkörper. Die Hüften des Mannes presste Vincent gegen seine eigenen und unterband damit jeden noch so kleinen Fluchtversuch.
      "Vielleicht sollte ich doch darauf bestehen, dass du mich bei meinem Titel nennst," raunte er dem Mann zu.
      Er wich jedem Kuss versuch aus, tat aber die ganze Zeit so, als wolle er Thomas küssen. So einfach würde er sich dem Mann heute nicht ergeben. Nicht, wenn Thomas so darauf aus war, ihn zu necken. Vincent wusste zwar nicht, ob er den ewigen Berührungen seitens des Mannes hätte widerstehen können, aber für den Augenblick konnte er ja zumindest so tun, als könnte er das. Da kam ihm ein Gedanke.
      "Ich glaube, ich weiß, wie ich dich dazu kriegen kann, meinen Namen zu sagen," raunte er, ein teuflisches Lächeln im Gesicht.
      Er schob eine seiner Hände weiter, bis er seine Fingerspitze dorthinein drücken konnte, wo Finger eigentlich nicht hingehörten.
      "Das haben wir schon eine Weile nicht mehr gemacht," raunte er. "Viel zu lange schon nicht mehr, findest du nicht?"


    • Lange hielt sein Sieg sowieso nicht an, es wäre ja auch zu schön gewesen. Thomas hatte eben nur einen gewissen Spielraum in Sachen Handgemenge mit einem Vampir und dessen Grenze hatte er jetzt schon erreicht.
      Vincent befreite sich mühelos aus seinem Griff und schob im Gegenzug seine eigenen Hände unter Thomas' Hose, der einen flüchtigen, ganz kurzen Blick zur Tür warf. Sollten sie es wirklich hier drinnen tun? Das war schon höchst riskant, riskanter als das eine Mal in Vincents Bibliothek. Allerdings würde der Vampir hören können, wenn sich jemand näherte.
      Sein Kopf sagte Nein, seine Lenden fanden allerdings ein unerhörtes Interesse an diesem Gedanken. Bis auf das eine Mal mit Vincent und dann auch ihre Begegnung in seinem Frühstückssaal, hatte er es noch nie außerhalb des Schlafzimmers getan.
      Er unternahm trotzdem einen halbherzigen Versuch, sich aus Vincents Griff zu winden und die Überhand zurückzuerhalten, aber wie befürchtet war der Griff des Vampirs eisern. Dafür befeuerte die Reibung nur seinen Blutfluss.
      "Mit deinem Titel? Etwa Lord Vinny? Gefällt dir das besser?"
      Noch immer vollauf grinsend lehnte er sich nach Vincents Lippen, nur dass sich der von ihm wegbeugte. Das Spiel wiederholten sie einige Male, so lange, bis die Frustration in Thomas stieg und er mit seinem ganzen Körpereinsatz versuchte, sich den ihm angedeuteten Kuss abzuholen. Genauso gut hätte er versuchen können, ein Haus zu verschieben.
      Er runzelte die Stirn, dann bewegten sich Vincents Hände und er zuckte überrascht nach vorne, nur dass sich dort Vincents eigene Hüfte befand. Jetzt begriff er auch den Sinn dieses Klammergriffs und ein verräterischer Teil in ihm ließ ihn allein dadurch schon härter werden.
      "Denkst du etwa, dadurch nenne ich dich anders? Mir gefällt dein neuer Name, der hat etwas jugendliches an sich für so einen alten Herren."
      Er grinste, dann schob er die Hand in Vincents Haar, ergriff seinen Haarschopf und hielt ihn daran fest, während er sich den Kuss abzuholen suchte, der ihm zustand.
    • Vincent grinste und ließ den Kuss zu. Aber sobald sich ihrer beider Lippen berührten, eroberte Vincent Thomas' Mund mit seiner Zunge und schob seinen Finger ganz in den anderen Mann hinein.
      "Sei so frech, wie du willst. Am Ende werde ich ja doch gewinnen," grinste Vincent, als sie sich wieder voneinander lösten.
      Noch immer ließ er Thomas keinen Raum, um vor ihm zu fliehen, während er ihn mit nur einem einzigen Finger so verwöhnte, wie Thomas es sonst mit ihm machte. Er fand den einen Punkt, der jeden Mann mit Leichtigkeit um den Verstand brachte, mit der Genauigkeit eines trainierten Scharfschützen. Und während er Thomas auf diese Art mit einem Arm festhielt, strich er mit der anderen über die Hüfte des Mannes, bevor er sie vorne gleich wieder in Thomas Hose schob und sich dort ebenfalls der Erregung des Mannes widmete. Sein Lächeln nahm definitiv einen etwas selbstgefälligeren Ton an. Er ließ Thomas keine Wahl. Er konnte nicht entkommen; weder nach vorne, noch nach hinten. Vincent ließ es schlicht nicht zu und bestrafte jeden Fluchtversuch mit einer Hand an genau der richtigen Stelle.
      "Erinnere dich einfach nur daran, dass du dir das selbst zuzuschreiben hast, in Ordnung?" säuselte Vincent.


    • Unverhofft drängte sich Vincent in ihn hinein und das Gefühl war überwältigend genug, dass Thomas aufkeuchte. Er schob sich instinktiv von Vincents Hand weg, nur dass der Mann selbst ihm den Weg versperrte und nicht zurückwich. Eine Welle aus purer Lust durchflutete ihn so plötzlich, dass er sich jetzt mehr an Vincent festhielt als die wenige Überhand auszukosten, die er über den Mann ausüben konnte, indem er noch seine Haare fest in seinem Griff hielt. Das Gefühl, das von Vincents höchst findigem Finger ausging, durchströmte ihn sekündlich um ein neues und er lehnte sich mit einem gescheitert unterdrücktem Stöhnen an ihn.
      "... Vergiss es."
      Er unternahm noch einen Versuch, sich von Vincents erbarmungsloser Behandlung zu befreien, diesmal zur Seite weg, und der Jäger in ihm erhob sein Misstrauen, als Vincents Arme selbst mit größerer Kraftanstrengung nicht nachgaben und sein Körper wohl zu begreifen schien, dass er sich in den Händen eines Vampirs befand. Aber genau diese Hände lösten sich jetzt von seiner Hüfte und suchten sich ihren Weg zu seinem Geschlecht. Seine Erregung steigerte sich, schneller als er jemals zuvor erlebt hätte, und das Misstrauen des Jägers vermischte sich auf unkenntliche Weise mit dem überwältigenden Gefühl seiner Nervenenden. Eine Gänsehaut brach auf seinen Armen und seinem Nacken aus und sein Herz schlug abwechselnd im Takt seiner ansteigenden Erregung und seines misstrauischen Instinkts. Wenn er vor Vincents einer Hand zurückzuckte, drängte er sich automatisch in die andere und umgekehrt. Es war zu viel und gleichzeitig genau richtig. Er stieß einen langgezogenen, stöhnenden Atem aus.
      "Vin..."
      Er verstärkte seinen Griff in Vincents Haar, packte das ihm erreichbare Handgelenk mit der anderen Hand und versuchte es, mit einigem Kraftaufwand wegzuschieben. Vincents Arm war fast unbewegbar und das Gefühl feuerte nur weiter den Jäger in ihm an - nur dass dieser wiederum die Intensität von Vincents Berührungen zu erhöhen schien.
      "... ny."
      Er zog Vincents Kopf an seinen Haaren ein Stück nach hinten, lehnte sich an ihn und jagte seinen Lippen nach, erwischte sie und biss ihm in die Unterlippe. Das nächste Stöhnen schluckte er herunter, aber seine Hüfte gab schon ein verräterisches Zucken von sich.
      "Mach langsamer... sonst werde ich..."
    • Vincent hatte nicht vor, aufzuhören. Stattdessen küsste er Thomas' Schlüsselbein durch dessen Hemd hindurch.
      "Sonst wirst du was, Thomas? Soll ich aufhören? Soll ich dich loslassen? Von dir ablassen?"
      Er atmete theatralisch tief ein und brummte zufrieden, als der altbekannte Duft von Zimt und Büchern seine Nase flutete.
      "Ich würde ja behaupten, dass das nicht das ist, was du von mir willst. Dein Herz verrät dich, Thomas. Dein Duft verrät dich. Du hast gesehen, wie sehr ich meinen eigenen Körper unter Kontrolle habe. Willst du sehen, wie leicht ich deinen kontrollieren kann?"
      Vincent wusste, dass er hier mit dem Jäger in Thomas spielte, weswegen er darauf achtete, Thomas' Hals nicht zu nahe zu kommen. Dennoch drängte er seine Lippen an das Ohr des anderen Mannes.
      "Ich weiß, wie sehr du es magst, wenn ich das hier tue..." raunte Vincent und schurrte kurz darauf genüsslich. "Oder das hier..."
      Vincent biss spielerisch in Thomas' Ohrläppchen, während er zeitgleich einen zweiten Finger in ihn hineinschob. Er erklärte nicht genauer, ob er Ersteres oder Letzteres mit seiner Aussage meinte.
      "Willst du wirklich, dass ich aufhöre, Thomas?" flüsterte er dem Mann ins Ohr.


    • Thomas kam in der Sekunde, in der er den zweiten Finger spürte. Er konnte es nicht aufhalten, hätte nicht zurückgehen können, selbst wenn Vincent jetzt von ihm abgelassen hätte. Es war seine honigsüße Stimme an seinem Ohr, wie Vincent seinen Namen aussprach, vielleicht aber auch der leichte Schmerz, der ihm durch das Ohr zuckte oder durch die Stelle, die sich jetzt durch Vincents zweiten Finger dehnte. Vielleicht war es auch der Jäger, der im gleichen Moment eine Welle aus Adrenalin durch seinen Körper schickte, bereit dazu, ihn aus der potentiellen Gefahr zu befreien. Das alles war zu viel für ihn.
      Er stützte sich mit ganzem Körpergewicht auf Vincent, während sein Atem stockte und seine Muskeln erzitterten. Es fühlte sich schmutzig an, so wie er noch den ganzen Anzug trug, wie er sich in Vincents Hand entlud, mitten in der Bibliothek, nur wenige Minuten nachdem sie einem Vampir über den Weg gelaufen waren. Es hatte nicht einmal lange gedauert, beschämend schnell war er gekommen, so als machte ihm Vincent sein ganzes vorhandenes Durchhaltevermögen zunichte. Nicht, dass das jemals wirklich anders gewesen wäre.
      Der Höhepunkt dauerte lange und als er schließlich langsam versiegte, keuchte Thomas, als hätte er die ganze Arbeit verrichtet. Er nutzte die gewonnene Nähe zu Vincent, die ihm der Mann jetzt wohl gestattete, und küsste sich barsch seinen Hals entlang, zwar fest, aber nicht fest genug für einen Biss. Schließlich richtete er sich auf und zwang sein Herz unter Kontrolle. Nur ein paar Schläge langsamer, darum musste er zwar kämpfen, aber es gelang ihm gerade so.
      "Lass mich los."
      Er widmete Vincent einen ernsten Blick, den er kaum hinbekommen hätte, wenn der Jäger nicht noch immer zur Stelle gewesen wäre. Jetzt gab es keinen Höhepunkt mehr, der das Gefühl überschattet hätte und wenn überhaupt, fühlte sich die Stimulierung jetzt zu viel an. Der Jäger holte ihn erstaunlich schnell zurück auf den Boden.
      Und das schien auch Vincent zu begreifen, denn der Mann erbarmte sich seiner und entließ ihn aus seiner Umarmung, woraufhin Thomas nicht einen Moment zögerte, sich ein Stück hinabbeugte, hinter Vincents Oberschenkel fasste und den Mann mit einem Ruck hochhob. Vincent war wesentlich schwerer als Darcy und Thomas' Arme rebellierten gegenüber dem Gewicht, aber ein Mann, der es gewohnt war Leichen durch die Gegend zu tragen, konnte ja wohl auch einen lebenden Mann hochheben. Und er hob ihn hoch, machte ein paar mühsame Schritte nach vorne und knallte mit Vincent gegen den nächstbesten Tisch. Dort ließ er ihn ab, zog ihn gleich zu sich und verwickelte ihn in einen hastigen, noch immer von Lust getriebenen Zungenkuss, während er blindlings an Vincents Gürtel nestelte. Er bekam ihn auf, riss ein bisschen grob an seinem Hosenbund und zog Hose als auch Unterhose weit genug herab, um Vincent Glied zu enthüllen. Atemlos löste er seine Lippen von ihm, nahm einige unregelmäßige, keuchende Atemzüge und beugte sich hinab, um Vincent so weit es ging in den Mund zu nehmen.
    • Nach getaner Arbeit - und nachdem Thomas ihn recht energisch dazu aufforderte - zog sich Vincent zurück. Für einen Moment glaubte er, etwas getan zu haben, was Thomas nicht gewollt hatte. Doch dann packte ihn der andere Mann schon und wuchtete ihn nach hinten zum nächstbesten Tisch. Vincent war noch damit beschäftigt, eine Lampe aufzufangen, da wurde er schon in einen stürmischen Kuss gezogen. Er konnte nicht behaupten, dass ihm dieser wilde Teil von Thomas nicht gefiel.
      Mit einem Stöhnen ließ Vincent den Kopf in den Nacken fallen und schob eine Hand in die weichen Haare des anderen Mannes. Der wollte wohl Gleiches mit Gleichem verdingen. Wieder sah Vincent keinen Grund, sich zu beschweren.
      Sein Blick fiel auf seine andere Hand, mit der er sich gerade auf dem Tisch abstützte, und lächelte. Er würde den Rest des Abends wohl einhändig bestreiten müssen, wenn sie keinen Zwischenstopp in einem Bad einlegten. Sei's drum, dachte sich Vincent, das war es wert gewesen.
      Er ließ sich auf den Ellenbogen sinken, vergrub seine Finger etwas fester in Thomas' Haar. Er schloss die Augen, gab sich seinem Tastsinn hin und ließ sich von Thomas in ähnliche Höhen treiben, wie er ihn noch einen Augenblick zuvor. Allerdings zog er den anderen Mann von sich, bevor er ihn gänzlich über die Klippe schickte.
      Keuchend zog er Thomas zu sich, an seine Lippen, küsste ihn mindestens genauso stürmisch wie zuvor. Dann wirbelte er sie beide herum, bis Thomas halb über den Tisch gebeugt dastand, Vincent direkt hinter ihm, seine Hände an den Hüften des Menschen. Mit seiner sauberen Hand strich er Thomas über den Rücken, bevor er ihm die Hose gerade weit genug herunterzog, um sich Zugang verschaffen zu können. Angesichts der doch recht spartanischen Möglichkeiten hier, presste sich Vincent nur langsam, vorsichtig in Thomas hinein, achtete auf jedes noch so kleine Zucken des anderen Mannes, bis er sich vollkommen in ihm versenkt hatte.
      "Merde!" fluchte Vincent und lehnte seine Stirn gegen Thomas Schulter. "Ich habe vergessen wir gut du dich anfühlst..."


    • Eigentlich ging alles viel zu schnell, viel zu abgehackt, viel zu gehetzt. Es hatte kaum Ähnlichkeiten mit der üblichen Art ihres Aktes, der sonst voller Zärtlichkeit und Zuneigung war. Das hier hatte etwas animalisches an sich und Thomas liebte es gleichermaßen.
      Er ließ sich von Vincent hochziehen, erwiderte den wilden Kuss, den er ihm unterzog und ließ sich herumwirbeln. Der Tisch war hart und drückte ihm in die Hüfte, aber es war nicht dasselbe wie von Vincents Armen festgehalten zu werden. Der Jäger in ihm hatte sich schon fast ein wenig beruhigt angesichts der Pause, die ihm vergönnt gewesen war.
      Aber Thomas wollte ihn zurückhaben. Er wollte, dass sein Instinkt an dem Gefühl teilnahm, das seinen Körper durchströmte, dass es ihn aufweckte. Er wollte kämpfen.
      Vincent erschien hinter ihm, erst eine Geisterhand auf seinem Rücken, dann sein Körper gegen Thomas' Gesäß. Er verharrte voller Ungeduld, empfing die erste Berührung, presste die Lippen aufeinander. Es schmerzte, genug um seine Muskeln verkrampfen zu lassen, genug dass er sich um einige tiefe Atemzüge bemühen musste. Von der wenigen Erfahrung mit Vincent wusste er, dass es vorübergehen würde und so biss er die Zähne zusammen, stellte sich dem Gefühl und wartete darauf, dass der Jäger zurückkehren würde. Vincent versenkte sich nach einem Moment vollständig in ihm und beide gaben kleine Geräusche von sich, ehe der Mann auf französisch fluchte. Thomas glaubte, noch nie etwas derart attraktives gehört zu haben.
      "Gott, Vinc..."
      Er stoppte sich noch rechtzeitig, keuchte dafür und griff nach hinten, um die Finger in Vincents Haar zu schieben. Er zog daran, während er die Hüfte nach hinten gegen Vincent presste, fest genug, dass der Mann die Aufforderung wohl auch so verstanden hätte.
      "Ich bin soweit. Halt dich nicht zurück."
    • Vincent knurrte leise, als sich Thomas fester gegen ihn drückte. Seins.
      Er presste seine Finger in Thomas' Hüften, dann setzte er sich in Bewegung. Zuerst war er noch vorsichtig, gab Thomas genug Zeit, sich an die Empfindungen zu gewöhnen, gab Thomas' Körper Zeit, sich an alles zu gewöhnen. Und dann, ganz langsam, ließ Vincent sich gehen, ließ die Zügel los und ließ seine animalische Seite mitspielen. Himmel, fühlte sich das gut an!
      Vincent biss in eine Anzugfalte in der Nähe von Thomas' Schulter, aber das tat nichts, um sein erneutes Knurren zu dämpfen. Schließlich führte er eine Hand um Thomas herum, schob sie zurück in den Schritt des Mannes und machte genau da weiter, wo er vor wenigen Minuten noch aufgehört hatte.
      Der Rhythmus seiner Stöße wurde immer unkontrollierter, immer kräftiger. Er tat genau das, was Thomas ihm erlaubt hatte: er hielt sich nicht zurück. Das hier war so anders als sonst. Auf eine gute Weise. Es war weder besser, noch schlechter als sonst. Einfach nur anders. Und Vincent genoss es mit jeder Faser seines Seins.
      Er wusste nicht wann, er wusste nicht warum, aber irgendwann legte er seine freie Hand an Thomas Hals. Er übte keinen Druck aus, nutzte nur den Winkel, um den anderen Mann an seine Brust zu zwingen. Mittlerweile gab es keinen Unterschied mehr zwischen seinem Stöhnen und seinem Knurren. Der Drang, den Mann zu beißen, war beinahe überwältigend. Aber das war eine Grenze, die Vincent nicht überschreiten würde. Dafür aber eine andere. Eine Grenze, der sie beide hinterherjagten, eine Grenze, die sie beide überschreiten wollten.
      Vincents Knurren wurde beinahe zu einem Brüllen, als er kam und sich in Thomas entlud. Er presste den Körper des anderen Mannes fest an sich, verbiss sich einmal mehr in dieser verdammten Anzugfalte, während seine Hüften noch weiter zuckten. Er spürte, wie seine Fangzähne den Stoff einrissen, aber es interessierte ihn in diesem Augenblick nicht, wie viel Schaden er an einem Kleidungsstück hinterließ, solange es nicht Thomas war, in den er seine Zähne schlug.


    • Es dauerte einige Momente lang, in denen Thomas sich fast sicher war, dass Vincent trotz allem Rücksicht auf ihn nehmen würde. Sie waren wohl längst über den lieblichen Akt hinaus, um jetzt noch darauf umzusteigen, und Vincent bestätigte ihm das auch kurz danach. Sein Tempo legte zu und Thomas konnte ihn knurren hören, ähnlich dem Geräusch, das er Dominic schon gegenübergebracht hatte. Es war gänzlich animalisch und es weckte den Jäger auf.
      Thomas zuckte, stemmte sich gegen Vincent auf, wurde mit dem nächsten Stoß wieder gegen den Tisch gedrückt und stöhnte auf. Seine Sinne hatten sich verschärft, Adrenalin schoss ihm durch den Körper. Er konnte die plötzliche Hand in seinem Schritt zu deutlich spüren und zuckte erneut. Jetzt waren sie wieder beim vorherigen Spiel: Entweder nach vorne oder nach hinten. Er entschied sich für beides im Takt von Vincents Bewegungen.
      Es war überwältigend. Vincents Bewegungen waren unnachgiebig und Präzise, der Schmerz vorhanden, aber in einem Gemisch mit seiner stetig steigenden Lust. Der Jäger protestierte. Es war eine schmale Grenze dazu, die Kontrolle zu verlieren und in Panik auszubrechen, was sicher alles andere mit eingerissen hätte, und Thomas lernte gerade erst, diese Grenze zu erkunden. Aber es fühlte sich gut an; alle paar Sekunden erreichte er eine fast perfekte Harmonie beider Extremen, die ihm seine Welt drehen ließ. Eine Hand legte sich an seinen Hals und Thomas grub die Finger in den Jackettärmel, während ihm ein tiefes, ungehemmtes Stöhnen entglitt, als er zurück an Vincents Brust gezogen wurde. Er hörte Vincent direkt hinter sich, dicht an seinem Ohr, seine Geräusche tief und kehlig. Der Jäger schlug seine Alarmglocken, Adrenalin schoss ihm durch den Körper, Angst. Thomas versuchte die Grenze zu halten, überquerte sie stattdessen und dann kam Vincent hinter ihm, in ihm und seine eigene Kontrolle explodierte. Er kam mit einem Aufschrei von Vincents Namen griff hinterrücks nach hinten, um sich an dem festzuhalten, was er zu fassen bekam. Erneut entlud er sich in Vincents Hand, erneut zuckten seine Muskeln lange genug, dass er für einen Augenblick die Orientierung verlor. Als der Höhepunkt sich schließlich legte, musste er sich auf dem Tisch abstützen, damit ihm seine Knie nicht nachgaben.
      Er fühlte sich gänzlich leer. Es hätte sicher keinen Tropfen mehr in ihm gegeben, den er Vincent nicht schon gegeben hatte, aber das Gefühl war überwältigend. Er atmete stoßweise und schob Vincent sanft aber bestimmt weg, um sich erst zu ihm umzudrehen und sich dann gegen den Tisch zu lehnen. Sie sahen beide sicherlich fürchterlich aus. Vincents Haare waren zerrauft, sein Jackett saß schief und seine Hose war ihm heruntergerutscht. Thomas grinste, dann streckte er die Hand aus, legte sie auf Vincents Hals und verharrte dort einen Moment mit der inneren Frage danach, ob sein Instinkt damit einverstanden wäre. Schließlich zog er Vincent an seinem Hals zu sich und in einen unordentlichen Kuss hinein.
      "Das war... unsittlich."
      Sein Gehirn arbeitete noch nicht gänzlich richtig. Er strich sich mit dem Handrücken über die Stirn.
      "... Wir sind immernoch alleine, oder? Wir sollten wohl... saubermachen, bevor wir gehen."
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