A Dash of Luck [Asuna feat. Pumi]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Das Essen war schnell bestellt und würde demnächst eintreffen. Eigentlich hatte Dane vorgehabt, bis nach dem Essen Pause zu machen, doch ein weiterer Anruf erregte schnell seine Aufmerksamkeit. Mit einem entschuldigen Blick verschwand er aus seinem Wohnzimmer. Manche Anrufer bekam man so selten an die Strippe, dass ihre Anrufe keinerlei Aufschub gewährten.
      Dane ließ sich an seinen Schreibtisch plumpsen, während er den Informationen lauschte, die ihm eine alte Bekannte zukommen ließ. Sie konnte zwar spontan nicht helfen - Schneestürme in Nepal hatten meist schlechte Auswirkungen auf Reiseplanungen - aber sie konnte immerhin ein bisschen Hintergrund wissen spendieren, das über die meisten Texte hinausging. Dane machte sich fleißig Notizen, insbesondere von den Namen, die seine Bekannte ihm nannte. Örtliche Hilfe wäre praktischer, als darauf zu warten, einen Anruf aus Nepal zu bekommen.
      Dane sah kurz auf, als Ro sich durch die Tür schlich, dann konzentrierte er sich wieder auf sein Telefonat. Doch dann schob Ro ihm sein Smartphone vor die Nase und Dane begann instinktiv zu lesen.
      "Victoria, ich danke dir für deine Hilfe, aber ich muss dich leider abwürgen," sagte er. "Ich klingel dich nochmal an, wenn ich allein nicht weiterkomme."
      Danes Bekannte verabschiedete sich und Dane legte auf.
      "Versammlung der Drakin?"
      Dane seufzte und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück. Warum konnte bei diesen Echsen nichts einfach sein?
      "Wenn die hier bei mir auftauchen, werde ich sie sehr wohl zurückweisen. Die haben hier auf meinem Land nichts zu suchen. Wenn sie was von dir wollen - und damit auch von mir, immerhin stehst du aktuell unter meinem Schutz - werden die sich wie jeder andere auch einen Termin in meinem Büro geben lassen müssen. Sie können sich gern darüber beschweren und mich als äußerst unhöflich bezeichnen, aber wir beide haben immer noch einen aktiven Deal, was heißt, dass meine Regeln im Umgang mit dir gelten. Und von dir habe ich gelernt, dass Drakin ihr eigenes Territorium sehr gern verteidigen, also wissen diese Vertreter das hoffentlich zu schätzen."
      Dane war es satt nach den Regeln der Drakin zu spielen und sich in einer Sphere, die er nur halb verstand, herumschubsen zu lassen. Es war Zeit, dass er die Zügel wieder in die Hand nahm und die Kontrolle zurückerlangte, die er in den letzten Tagen so schmerzlich hatte missen müssen.
      "Ich werde mich nicht in meinem eigenen Haus herumkommandieren lassen. Allerdings kann ich dir und deiner Mutter versichern, dass ich wie immer höflich bleiben werde."
      Mit einem weiteren Seufzen ließ er seinen Kopf auf die Rückenlehne des Stuhl sinken.
      "Entschuldige. Ich habe Hunger und da werde ich immer ein bisschen zickig. Zumal ich Überraschungen nicht mag - aus bekannten Gründen."
      Er streckte die Hand nach Ro aus, eine stumme Aufforderung an ihn, näher zu kommen. Sobald der Drakin in Reichweite war, zog Dane ihn auf seinen Schoß und vergrub sein Gesicht an Ros Halsbeuge - genau dort, wo er vor ein paar Stunden erst einen fetten Knutschfleck hinterlassen hatte.
      "Ich habe eine Freundin angerufen, die dir mit der Wohnungssuche helfen kann", meinte er dann, als er sich wieder zurücklehnte.
      Er nahm etwas von seinem Schreibtisch hinter Ro und präsentierte dem jungen Drakin dann eine einfache Visitenkarte.
      "Maya ist Immobilienmarklerin, die sich auf Magische spezialisiert hat. Sie wird dir was Hübsches mit Wasser und Natur in der Nähe finden können. Was die Finanzierung angeht, musst du dir keine Sorgen machen, das ist alles geregelt. Und bevor du dich beschwerst, dass ich schon wieder zu viel für dich tue: Nicht ich bezahle dir deine Wohnung. Also... eigentlich schon, aber es ist nicht mein Geld. Ich händle nur den entsprechenden Hilfsfont, der eigens für solche Fälle aufgebaut wurde. Ich könnte dir jetzt einen Vortrag über Finanzbewegungen und Charityregelungen halten, aber damit würde ich dich nur in ein Koma quatschen, also empfehle ich dir, mich zu küssen, damit ich die Klappe halte."


    • "Ich wage zu beweifeln, dass die einfach deinen Grund betreten werden", sagte Ro nachdenklich während er darüber sinnierte, wer genau zu dieser Versammlung überhaupt gehörte.
      Wenn er sich richtig daran erinnerte, dann war Aimeric des Öfteren auf Reisen gewesen, dessen Ziel er nie genannt hatte. Er bekleidete mit Sicherheit kein Amt bei der Versammlung, aber er war der Einzige, der einberufen worden war. Weder erinnerte sich Ro daran, wie Laurent mit verreist war noch sonst jemand aus seiner näheren Verwandschaft.
      Ein wissendes Lächeln tauchte auf Ro's Lippen auf nachdem er Dane's Kommentar bezüglich Hungerlaunigkeit gehört hatte. Ein Punkt, der den Dämon vielleicht sogar noch ein bisschen sympathischer als ohnehin schon machte. Auf die ausgestreckte Hand hin schlenderte Ro um den Tisch herum und ließ sich bereitwillig auf den Schoß seines Partners ziehen. Das Lächeln wurde breiter als Ro Dane's Atem an seiner Halsbeuge spüren konnte.
      "Ich sag's ja immer wieder: Dein Bekanntenkreis ist einfach abartig. Obwohl das ja schon fast eher nach einem Haus als nur 'ner Wohnung klingt."
      Ro nahm die einfache Visitenkarte zwischen die Finger und inspizierte sie. Sehr unaufregend und nüchtern gehalten. Passend für jemanden, der sich scheinbar völlig auf seinen Ruf stützte und keine fancy Aufmachung brauchte.
      Anschließend flog sein Blick zu den Bernsteinaugen vor ihm. In der Tat, ins Koma gequatscht zu werden stand wahrlich außer Frage. Sicher, er hätte sich nun lang und breit darüber auslassen können, dass Dane schon wieder zu viel für ihn tat. Doch er riss sich zusammen und führte sich vor Augen, dass dieser Mann schon selbst entscheiden können würde, was er tun mochte und was nicht.
      Bevor Dane auch nur ein Wort in Richtung Finanzen verloren konnte, kam Ro dessen Aufforderung nach und hielt ihn effektiv vom Reden ab. Aus dem eigentlich nur einfachen geplanten Kuss wurde ein zweiter, ein dritter, bis er nicht mehr absagen konnte, wo einer endete und der andere anfing. Er war gerade dabei sich umzusetzen, damit er rittlinks auf Dane zum Sitzen kam, da versaute das Klingeln seines Smartphones die Stimmung.
      Ro brummte genervt als er von Dane abließ und nach seinem Handy angelte. Auf dem Bildschirm erschien eine ihm fremde Nummer, doch er ahnte bereits, wer das sein konnte. Er warf Dane einen vielsagenden Blick zu, dann nahm er das Gespräch an.
      "D'Apchier?"
      Eine sehr tiefe Stimme ertönte, die Ro problemlos wiedererkannte. Seine Miene hellte sich sofort auf, gepaart mit ein wenig Überraschung.
      "Jona? Wie kommst du an meine Nummer?"
      "Deine Mutter war so frei. Ich wusste nicht, dass du deine Nummer gewechselt hattest. Ich war gerade in der Gegend und dachte, ich statte meinem Vetter mal einen Besuch ab."
      Ro runzelte die Stirn. Er hatte die Lautstärke so hoch gedreht, dass Dane vermutlich problemlos zuhören konnte. "Ich hab's von Cecilia gehört. Du reist nicht allein, habe ich mir sagen lassen? Sag bloß, du hast dich von Tally getrennt."
      "Gott bewahre. Die Frau würde mich häuten wenn ich mir jemand anderen suche. Ich habe eine Freundin dabei, die dich auch mal gerne kennenlernen würde. Wie ich hörte bist du bei Dane Blackwell untergekommen?"
      Der Tonfall Jonas änderte sich etwas, wenn auch nur subtil.
      "Jepp, da bin ich gerade. Könntest du vielleicht aufhören um den heißen Brei rumzureden? Ist ja nicht so, als stündet ihr am Tor oder sowas."
      Eine kurze Pause entstand als das Telefon am anderen Ende vermutlich das Ohr wechselte und leise raschelte.
      "Eigentlich schon. Wir stehen zumindest gerade vor dem Gelände aber wahren den Abstand. Ich vermute, Mr. Blackwell wird uns nicht einfach die Tür aufmachen. Was hältst du davon, wenn wir ein bisschen was unternehmen?"
      Ro's Ausdruck wurde unstet. Er war sich nicht sicher, was ihn erwartete oder die Konsequenzen daraus. Nur, dass er gerade ein blaues Chamäleon war.
      "Also, eigentlich ist das jetzt spontan eher schlecht. Bedankt euch bei meinem Vater, aber Spontaneität ist jetzt nicht mehr so meins."
      Wieder raschelte das Telefon und Ro konnte eine Frauenstimme im Hintergrund hören.
      "Gib.....ele...los!" - "Das geht nicht!" - "Nur weil.... mach dich....anraten." - "Gott, ja warte doch einen Moment."
      Ein Handgemenge schien zu entstehen, dann erklang eine sehr meloziöse Frauenstimme.
      "Mireaux? Ich bin besagte Freundin, Melidae. Uns ist zu Ohren gekommen, dass Aimeric da etwas veranstaltet hat, was nicht in seinem Aufgabenbereich lag. Wir wollen uns das auch gerne einmal ansehen. Vielleicht können wir dir helfen und dir deine Fragen beantworten. Du weißt vermutlich nicht einmal, was die Versammlung ist, richtig?"
      Ro fühlte sich ertappt und sah fragend zu Dane.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dane schlang seine Arme um Ros Hüften, als dieser ihn sehr viel mehr als erwartet küsste. Naja, eigentlich hatte Dane darauf spekuliert, dass so etwas passieren würde. Doch dann musste Ros Smartphone klingeln und Dane wünschte sich, dass er es der alten Blindschleiche nicht abgenommen hätte.
      Ganz der Geschäftsmann ließ er Ro den Anruf entgegennehmen, aber er ließ den jungen Mann nicht los. Die Namen, die fielen sagte ihm nichts - abgesehen von Ros Mutter. Ihm gefiel allerdings nicht, dass Drakin so einfach ihre Kontaktdaten weiterreichten, als handle es sich um Süßigkeiten an Halloween. Als es dann hieß, dass zwei oder mehr Drakin am Rande seines Grundstückes herumstanden und darauf warteten, dass jemand sie abholte, da wurde er wirklich angefressen.
      Er tippte auf die STUMM Schaltfläche, als sich Ro ihm zuwandte.
      "Ich werde dich nicht davon abhalten, dich mit diesen beiden zu treffen, du bist schon ganz allein groß. Baxter hat dir ja ein kleines Wundermittel für solche Fälle in die Hand gedrückt. Es wäre auch schön, ein paar Antworten zu erhalten. Aber meine Meinung - sowohl als Geschäftsmann, als auch als der Mann, der dich liebt - rate ich dir davon ab, jetzt einfach da rauszugehen. Sie achten mein Grundstück, also werden sie auch andere Grenzen, die du setzt, achten. Und wenn sie das nicht tun, dann werden sie hoffentlich meine achten und die sind die deinen. ich rate dir außerdem davon ab, nach ihren Regeln zu spielen. Soll heißen: Die haben nichts mit dir zu unternehmen, als seist du ein Kleinkind. Ich biete dir gern meinen Konferenzraum an - den kleinen, direkt neben meinem Büro. Ich biete dir an, mitzukommen, wenn du dich allein nicht wohlfühlst. Worauf ich hinaus will, ist: du gibst den Ton hier an. Du legst den Ort und den Zeitpunkt fest, und du allein entscheidest, ob du dich den beiden allein gegenüberstellst, oder ob ich das Rudel meines Schwagers bestellen soll. Ich persönlich fühle mich unwohl mit dem Gedanken, dich in Unterzahl gehen zu lassen..."
      Zumal Dane sehr gern wissen wollte, wer diese Frau war, die sich da als ominöse Freundin präsentierte. Bisher hatte alles, was er so an Drakin-Aktionen gesehen hatte, immer einen tieferen Sinn gehabt. Das Ganze hier stank zu sehr nach einem weiteren Plan, der Ro in eine Situation bringen könnte, die er nicht unter Kontrolle hatte. Und wenn es eines gab, was Dane wirklich hasste, dann war es Kontrollverlust. Neuerdings auch den von Ro - sofern Dane nicht selbst dafür verantwortlich war.
      "Deine Entscheidung", sagte er und strich Ro dabei ermutigend über den Rücken.
      Er würde Ros Entscheidung respektieren, egal welche es schlussendlich war. Und er würde Ro mit allem Helfen, was er brauchte.


    • Aufmerksam lauschte Ro Dane's Worten, die ein besserer Ratgeber nicht hätten sein können. Die sanfte Hand in seinem Rücken war eine weitere Bestätigung, die dafür sorgte, dass er nach ein paar Augenblicken selbst auf die Stummtaste tippte und sich das Handy wieder ans Ohr hielt.
      "Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, warum Sie mich direkt duzen, aber sei es drum. Meinetwegen treffen wir uns einmalig, allerdings betrifft das nur Sie und Jona. Kommt noch jemand mit dazu, den ich nicht kenne, kommt das Treffen nicht zustande. Ich schlage den Samstag vor, eine Uhrzeit und den genauen Ort werde ich Ihnen über Jona zukommen lassen."
      "Wunderbar. Wir warten auf deine Rückmeldung."
      Damit würgte Melidae das Telefonat einfach ab und ließ einen etwas verdutzten Ro zurück, der mit gerunzelter Stirn das Handy betrachtete.
      "Sie hat mich immer noch geduzt...", murmelte er und schüttelte nur den Kopf.
      "Wir machen das tatsächlich so. Dein Konferenzraum, du anwesend. Ich trau dem Ganzen überhaupt nicht. Ich kenne keine Institution, die andere Drakin überwacht... oder deren Handeln bewertet. Ich mein, ich weiß ja generell einfach wenig, aber das hier ist schon seltsam."
      Bestimmt löste er Dane's Hand von seinem Rücken und glitt auf die Füße, bevor der Mann ihn zurück auf dessen Schoß ziehen konnte. Ein verschmitztes Lächeln blitzte in Ro's Gesicht auf, als er anklagend auf den Schreibtisch und das Handy deutete.
      "Keine weiteren Ablenkungen. Die eine hier hat ja wohl gereicht, oder?"
      Er wusste ganz genau, dass ihm persönlich eine weitere gut gestanden hätte. Aber dann kämen sie nie wirklich voran mit ihren Plänen. Außerdem erwarteten sie immer noch Essen und Ro würde es sich nicht verzeihen können, wenn Dane den Boten irgnorierte, wenn sie beide gerade anderwertig beschäftigt sein sollten.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dane ergriff Ros Hand und presste einen Kuss auf dessen Fingerknöchel, während sein Blick über die beiden Bildschirme auf seinem Schreibtisch glitt. Viel passierte nicht in der Welt und er wusste, dass alles geregelt war - alles war immer geregelt, dafür arbeitete er ja so hart - aber er musste sich trotzdem noch einmal rückversichern. Dann stand er auf, ohne Ros Hand loszulassen, und verließ mit ihm sein kleines Büro.
      "Institutionen, die die eigene Art überblicken, sind nicht zu selten. Auch wenn sie selten als wirkliche Institutionen einzustufen sind. Meistens handelt es sich um einen Ältestenrat. Meine Schwägerin ist eine Harpyie, die haben sowas, nur um mal ein Beispiel zu nennen. Und ich weiß von Greg, dass sich die Anführer der Rudel in einem bestimmten Gebiet regelmäßig treffen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Allerdings sind sowohl Harpyien als auch Wolf-Shifter Wesen, die ein Leben in Gruppen bevorzugen. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber Drakin sind eher Einzelgänger, richtig?"
      Er verschränkte seine Finger mit denen von Ro und führte ihn wieder nach unten. Wie aufs Stichwort klingelte es. Dane beeilte sich, den Lieferanten zu bezahlen und mit einer Papiertüte voller Essen wieder zurück in die Küche zu kommen.
      "Einmal Carbs zum Mitnehmen", kommentierte Dane mit einem Zwinkern, als er die Bestellung auf seiner Kücheninsel verteilte.
      Er selbst hatte sich selbstverständlich eine gut gewürzte Sauce bestellt, während er auf derlei Gewürze für Ros Portion verzichtet hatte - stattdessen gab es Meeresfrüchte.
      "Willst du deinen Termin am Samstag rösten lassen oder soll ich für Snacks sorgen?" fragte er, Smartphone in der Hand.
      Wenn sie einfach nur in seinem Büro auftauchten, brauchte er nichts weiter vorzubereiten, aber wenn Ro wollte, dass er höflich war, dann würde Dane seine Assistentin vorwarnen müssen.


    • Für einen Augenblick hatte Ro allen Ernstes die Hoffnung, dass sie einfach wieder ins Schlafzimmer gingen und dort den restlichen Tag gemeinsam unter der Decke verbringen würden. Stattdessen zum Schlafzimmer zog Dane Ro an der Hand wieder quer durchs Haus bis nach unten.
      "Einzelgänger hält sich in Grenzen. Man bleibt in der Regel in der Nähe seines Clanverbandes, aber es ist nicht so als wenn wir erpicht darauf wären, eine gemeinsame Nachbarschaft zu bilden", erklärte Ro und schmunzelte, als genau passend es an der Tür klingelte und Dane sich emsig daran machte, den Lieferboten wieder loszuwerden.
      Er war so schnell an der Kücheninsel, dass er sich hart am Riemen reißen musste, die Tüte nicht eigenständig in Fetzen zu reißen. Als der Duft von warmen Essen langsam die Küche flutete merkte er erst, wie hungrig er wirklich war. Während Dane noch mit auspacken beschäftigt war, holte Ro Besteck heran um sich anschließend auf einem Hocker niederzulassen und sehr konzentriert seine Pasta auszupacken.
      "Wir ziehen diese ominöse Treffen durch. Irgendwas stimmt da nicht, Cecilia gibt meine Daten nicht grundlos an Leute, die ich nicht kenne. Wenn sie das so schnell getan hat, dann liegt es daran, dass sie höhergestellt sind als Aimeric. Ich weiß von einem Hierarchiesystem, basierend auf den Grundelementen der Natur. Wir als Wasserdrakin zählen zu einem davon weshalb wir ein größeres Ansehen genießen als beispielsweise die Magmadrakin. Ich wusste nicht, dass es so einen Rat, Versammlung, was auch immer gibt. So wie es sich anhört, scheint Aimeric da aber gar nicht wirklich dran teilzunehmen..."
      Ro piekste eine Garnele mit seiner Gabel auf und ließ sie in seinem Mund verschwinden. Nüchtern betrachtet kannte der junge Mann gerade mal die Hauptgruppen seiner Art und noch weniger von ihnen hatte er treffen dürfen. Eine Ausnahme dabei war Jona, den Ro schon seid Kindstagen an kannte.
      "Jona ist ein Eisdrakin. Wir sind entfernt verwandt, meine Cousine ist nach Skandinavien ausgewandert und hat sich dort dem Clan angeschlossen. Ich kenn ihn schon seit ich laufen kann. Zwar kam er nur sehr sporadisch vorbei, aber was soll's. Ich wollte ihn eigentlich immer mal besuchen, kam halt nie wirklich dazu. Scheinbar sitzt er in diesem Rat und hat nie etwas davon erwähnt..."
      Ro machte ein genervtes Geräusch während er sich am Kopf kratzte. Das Ganze war einfach viel zu verfahren, wenn man nicht von vorn herein mit offenen Karten spielen konnte. Er hatte den Eindruck, jede Information nur auf Glück zu bekommen und dann auch noch viel zu spät.
      Ergo schlug Ro wieder die Kurve zurück nachdem er eine Penne regelrecht inhaliert hatte.
      "Also ja, Snacks sind ganz gut. Ich schätze es ist unklug, diese Meli absichtlich zu verärgern. Vielleicht muss ich mich mit denen ein bisschen besser stellen, um herauszufinden, wo mein Name abgeblieben ist. Direkt den großen Bogen machen, Aimeric ignorieren und direkt die hohen Tiere involvieren."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Danes Finger huschten über die digitale Tastatur seines Smartphones, als er eine kurze Nachricht an seine Assistentin schrieb, in der er einen komplett ausgestatteten Konferenzraum für Samstag bestellte. Das beinhaltete auch, dass sie seine kleine Bastelarbeit zu Ros ursprünglichem Deal aus dem Raum entfernte und in Danes Büro versteckte.
      "Willst du, dass ich da einfach nur rumsitze, oder hättest du mich gern in Funktion eines Anwalts oder dergleichen Anwesend? Ich habe schon oft mit solchen Räten verhandelt, auch im Namen von einzelnen oder Gruppen. Egal, wie du dich entscheidest: Diese Frau respektiert wohl hoffentlich die Grenzen, die du setzt. Wenn sie dich noch einmal duzt, ohne dass du es ihr angeboten hast, schmeiße ich sie raus. Und dabei ist es mir vollkommen egal, wie unhöflich das ist. Persönliche Grenzen zu ignorieren ist nämlich auch alles andere als höflich. Außerdem: mein Haus, meine Regeln."
      Mit einem Lächeln zwinkerte er Ro über die Kücheninsel hinweg zu. In seinem Verstand ratterten allerdings schon alle möglichen Optionen durch. Wer waren diese Leute? Was wollten diese Leute? Welche Auswirkungen würde dieses Treffen auf Ro, seinen Vater, seine Mutter, auf Dane haben? Er würde das ganze professionell angehen, wie immer. Es war nicht seine Verhandlung zu führen, solange Ro ihn nicht aktiv dazu aufforderte und selbst dann vertrat er bloß dessen Meinung, nicht seine eigene. Wie gut er das voneinander würde trennen können, würde sich noch herausstellen. Dane war noch nie in der Position gewesen, eine Person zu vertreten, die ihm so nahestand. Nicht einmal ansatzweise.
      "Es steht dir übrigens frei, mich jederzeit aus dem Raum zu werfen. Nur weil es mein Konferenzraum ist, heißt das noch lange nicht, dass ich ein Recht darauf habe, anwesend zu sein. Der Raum ist schalldicht und mit einem einzigen Knopfdruck auch blickdicht. Wenn du Diskretion willst, bekommst du sie auch."


    • "Ich bin eigentlich felsenfest davon ausgegangen, dass du Teil der Einrichtung bist?"
      Ro hatte seine Gabel beiseite gelegt während er Dane auf der anderen Seite der Kücheninsel offenherzig ansah. Wie man es auch drehen und wenden mochte, der gut aussehende Geschäftsmann ihm gegenüber war nun ein fester Bestandteil von Ro's Leben. Dies bedeutete, dass der Drakin nur noch wenige Grenzen ziehen würde, die dem Dämon den Zutritt untersagten. Und da niemand so richtig wusste, was dieser ominöse Rat von dem D'Apchier-Zögling wollte, gab es noch keinen Grund um Grenzen zu ziehen.
      "Weder weiß ich, was die eigentlich wollen, noch ob da irgendetwas mir in den Mund gelegt wird, was ich nie so gesagt habe. Ich will zumindest einen weiteren Zeugen haben, was auch immer da passiert. Sicher, wenn es arg heikel wird kann ich dich immer noch rausschicken aber seien wir mal ehrlich.... Will ich das überhaupt?"
      Unbehelligt schaufelte er sich weitere Nudeln den Mund. Sollte Ro jemals seinen Namen wiedererlangen und sich dafür entscheiden, ihn Dane mitzuteilen, gab es wirklich keine Grenzen mehr. Das hier war seitens Dane's ebenfalls eine Stufe über das, was man eine gewöhnliche Beziehung oder Affäre schimpfen konnte. Folglich war es im Interesse beider die Erkenntnis zu teilen, die sie durch dieses Gespräch gewinnen würden. Trotzdem wurde der Drakin nur dieses nagende Gefühl nicht los, dass der Schuss nach hinten losgehen würde.
      "Was meinst du, wie lange Baxter brauchen wird? Tage? Wochen? Monate? Er sprach nur von Zeit, definierte sie allerdings nicht weiter."
      Ehrlich gesagt wollte Ro in diesem missmutigen Zustand ungern andere Drakin treffen. Nicht nur, dass sie vermutlich mitbekamen, dass etwas im Argen war, sondern auch eigene Vermutungen darüber hinaus anstellten. Wenn sie bereits vor dem Anwesen der D'Apchiers gestanden hatten, dann musste irgendwie Wort an Melidae und dem restlichen Rat gelangt sein. Das, oder das Timing war einfach nur perfekt.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Mir gehört das Gebäude und ich werde mich da nicht rausschmeißen lassen, aber du solltest dir vorher darüber im Klaren sein - und mir mitteilen - was meine Aufgabe während dieses Treffens sein soll. Bin ich da als dein Freund, dein Partner, oder dein Anwalt? Und ja, aus dem Raum kannst du mich schicken, aber glaube ja nicht, dass ich nicht ein Ohr und oder Auge auf die Situation haben werde. Ich kann sehr besitzergreifen sein. In dieser Hinsicht bin ich einem Drakin wohl nicht ganz unähnlich."
      Mit einem schiefen Lächeln schob sich Dane eine Gabel voller Pasta in den Mund. Ihm war durchaus bewusst, wie schwerwiegend dieses Treffen für Ro sein könnte, aber er fand es nicht in sich, nervös zu sein. Sie hatten die Kontrolle über diese Situation und das hier war auch nicht Danes erstes Rodeo dieser Art. Es war das erste Mal, dass er persönlich involviert war - zu einem gewissen Grad - aber ansonsten war das hier nur eine weitere Verhandlung mit jemandem, der über menschliche Gesetze hinaus ging.
      "Baxter bleibt gern wage, was sowas angeht, um sich nicht zu sehr auf Aussagen festnageln zu lassen. Man könnte fast meinen, dass Baxter Erfahrung mit Dämonen und anderen Wesen, die auf das Kleingedruckte achten, hat. Baxter wird sich schon melden. Bis dahin müssen wir so auskommen. Du. Ich meine, du musst damit so auskommen. Entschuldige."
      Jetzt, wo Ro darüber Bescheid wusste, wie sich Dane fühlte - und jetzt, wo Dane selbst Bescheid wusste, wie er sich fühlte - war es schwieriger, sich daran zu erinnern, dass er nicht für Ro verantwortlich war. Dass er nicht alles für Ro schultern konnte - oder sollte - egal, wie sehr er dafür sorgen wollte, dass Ro das angenehmste nur vorstellbare Leben führen konnte.


    • Ro konnte nur theatralisch mit den Augen rollen. Bislang hatte er immer gedacht, das gesteigerte Interesse eines Anderen läge nur darin zu überblicken, wo sich der junge Drakin aufhielt, was er tat oder mit wem er sich abgab. Es fühlte sich eingeengt, stärker noch als jeder normale Mensch es vermutlich täte. Bei Dane hingegen erwachte nur ein warmes Gefühl in Ro's Magengegend wenn er hörte, wie sehr sich der Andere um ihn scherte.
      "Hab ich das gerade richtig gehört, dass du uns als Pärchen betitelt hast?", grinste der junge Drakin weiterhin und hätte fast eine Nudel verloren, die er nicht ordentlich zu seinem Mund bugsiert hatte.
      "Aber ich hätte dich gerne wirklich als meinen Partner dabei. Ich brauche keinen Anwalt, ich will jemanden, der sich nicht nur sachlich um die Angelegenheit kümmert. Zumal ich glaube, dass du sachlich eh nicht mehr kannst."
      Er zuckte mit den Schultern, aber er liebte dieses Gefühl. So bescheiden die vorangegangenen Tage auch gewesen sein mochten - jetzt gerade hatte er das Gefühl, er könnte seine Probleme wirklich alleine bewerkstelligen. Oder wenigstens seine spontane Blaufärbung in den Griff bekommen.
      "Ich nehm' dich übrigens beim Wort wo du meinstest, wir kriegen das alles schon hin. Wir finden meinen Namen. Dann kriegen wir auch dieses ominöse Treffen spielend leicht hin und die Zeit totgeschlagen bis Baxter sich meldet. Ich kann ja derweil wegen der Wohnung weiter gucken damit ich dich nicht ständig von deinem Job abhalte", nuschelte Ro zwischen zwei Gabeln und dachte nach.
      Immerhin hatte er Dane gerade auch aus seiner Arbeit gerissen und ständig und jeden Tag konnte er das auch nicht tun. Obwohl er ernsthaft zu bezweifeln glaubte, dass Dane es ihm nicht nachsehen würde, wenn seine Störungen immer mit ein wenig Zweisamkeit einhergingen.
      "Also Plan für heute: Ich guck mal weiter wegen meinem Kram, nerve dich nicht weiter und telefoniere mal kurz. Und dann schlagen wir einfach die Zeit bis zum Wochenende rum und schauen, was meine Artgenossen mir mitzuteilen haben. Klingt das nach einem Plan?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Ich kann, wenn ich muss. Das heißt nicht, dass es mir gefallen wird. Ich lege von Natur aus Worte in die Waagschale, es ist also nicht zu schwer, eine professionelle Maske aufzusetzen."
      Dane würde sein, was auch immer Ro brauchte. Nicht bis zu einem Punkt, wo er nicht mehr er selbst war - das konnte er nicht - aber wenn Ro jemanden brauchte, der mehr Anwalt war als Liebhaber, dann würde Dane alles tun, was nötig war.
      Diese Gedanken überraschten ihn weniger, als sie es vielleicht sollten. Dane hatte in seinem gesamten, langen Leben noch nie so für jemanden empfunden. Solche Dienste seinerseits waren normalerweise an Gegenleistungen und Deals geknüpft, aber wenn er daran dachte, Ro einen Gefallen zu tun, dann war da überhaupt kein Drang, auf etwas als Bezahlung zu bestehen. Es war geradezu verwirrend, doch Dane konnte sich nicht darüber wundern. Denn, so seltsam es auch war, es fühlte sich normal an, selbstverständlich. Richtig.
      "Du könntest mich niemals nerven, so kitschig das auch klingt. Was deinen Plan angeht... es klingt nach einem Konzept, wenn du mich fragst. Einen Plan würde ich das noch nicht nennen. Aber da ich anfange, mich an deinen chaotischen Lebensstil zu gewöhnen, bin ich willens, dieses Label zu vergeben."
      Er zwinkerte Ro lächelnd zu, dann wandte er sich wieder seinem Essen zu.
      "Ab morgen bin ich wieder im Büro, falls du hier allein klarkommst. Ich kann aber auch bleiben, wenn dir das lieber ist."


    • Ein ausgiebiges Seufzen kam von Ro's Seite als Dane seinen Plan als Konzept enttarnte und er für einen Moment vergessen hatte, dass sein Partner als Dämon immer noch Wörter klaubte. Trotzdem wich das leise Lächeln nicht von seinen Lippen. Denn er glaubte seinen eigenen Worten. Dass sie es gemeinsam hinbekamen. Und mit Dane an seiner Seite wirkte auch das Treffen mit diesen Unbekannten auf Ro viel weniger besorgniserreigend als es wirklich war.
      "Ich bin ja eh nur auf Zeit hier. Also lass dich nicht von mir einschränken, ich werde schon nicht dein Haus komplett umdekorieren oder so", entgegnete Ro nüchtern und machte sich daran seine restliche Pasta zu vernichten.

      Einige Tage später
      Samstag - Konferenzraum - 14:48 Uhr

      Ro war das erste Mal in einem Geschäftsgebäude und dem dazu gehörigen Konferenzraum. Er wirkte unheimlich verloren in dem Zimmer, obwohl es mit Sicherheit nicht der größte war, den Dane zur Verfügung hatte. Ein großer Tisch stand inmitten des Raumes mit mehreren Stühlen angereiht. Jemand hatte auf dem Tisch ein Kaffeeservice und Kekse bereitgestellt was Ro schmerzhaft bemerken ließ, dass er die Assistentin Dane's gar nicht gesehen hatte. Der Dämon hatte sie beide hierher fahren lassen und war dann kurz aus dem Sichtfeld des jungen Mannes verschwunden, der sichtlich nervös durch den Raum schritt. Er hatte morgens eine von Baxters Pillen eingeworfen, nur für den Fall, und sich in eine einfache Jeans und ein Hemd geworfen. Es sollte gar nicht so hochgestochen aussehen, immerhin wusste er immer noch nicht, was die Beiden wirklich von ihm wollten.
      Einen Moment später betrat Dane den Raum während Ro mit den Händen in den Hosentaschen noch aus dem Fenster sah. Er hatte die Beiden auf 15 Uhr herbestellt und musste ihnen versichern, dass besagter Mr. Blackwell ihnen den Zutritt auch gewährte. So sehr auf das Terretorium eines anderen zu achten erschien ihm zwar etwas überspitzt, aber scheinbar bewegten sich die Ratsangehörigen mit großer Vorsicht.
      "Wenn dir etwas seltsames auffällt was sie sagen, misch dich ruhig ein. Wenn du denkst, ich reite mich nur noch mehr in die Scheiße, misch dich ein. Ich verlasse mich auf dein Urteil was sowas angeht. Die werden viel älter sein als ich und vermutlich demnach auch spitzfindiger...", sagte Ro leise, der mit den Finger unablässig über den Innenstoff seiner Hosentasche kratzte.
      Er ließ Dane zu sich kommen und genoß allein die Tatsache, seine Präsenz an seiner Seite zu wissen. Wie eine starke Schulter, die er zweifelslos für ihn war. Noch immer kam es ihm wie ein Traumzustand vor, dass er sich in diesen Mann verguckt hatte und er auch noch gewillt war, diese Empfindung zu teilen. Die so weit darüber hinausreichte, was sie als bloßes Mögen bezeichnen würden.
      Dann klopfte es schon leise an der Tür und Ro wirbelte fast schon auf dem Absatz herum. Die Tür wurde vorsichtig aufgeschoben und Ro's Blick fiel als erstes auf die hünenhafte Gestalt, die Jona gehörte. Bis auf das deutlich bulligere Erscheinungsbild hatte sich der Eisdrakin nicht viel zu seiner Erinnerung verändert, doch ein Lächeln wollte sich nicht so richtig auf seinem Gesicht zeigen.
      Hinter ihm folgte Melidae, die in Jonas Schatten beinahe unterzugehen schien. Sie hatte ihre langen Haare in einem kunstvoll geflochtenen Zopf gelegt und würde in ihrer gesamten Erscheinung am ehesten das repräsentieren, was Menschen als elfengleich betiteln würden. Ihre smaragdgrünen Augen huschten nur kurz über Dane und richteten sich dann auf den jungen Drakin, der direkt in eine Starre verfiel und die Frau wortlos anstarrte.
      Selbst ohne seine Aurensicht entging ihm nicht, dass da jemand Wichtiges vor ihm stand. Jemand so altes, dass das Aussehen die größte Lüge der Weltgeschichte sein musste. Selbst in diesem verwirrten Zustand schmeckte er einen seltsamen Geschmack auf seiner Zunge, den er nicht einzuordnen wusste. Wenn das ebenfalls ein Drakin war, dann hatte Ro seine Art immer schon falsch kategorisiert.
      Während Jona direkt Dane ansteuerte und ihm freundlich die Hand reichte, nickte Melidae Ro kurz zu ehe sie sich an Jonas Seite begab. Erst dann fiel Ro auf, dass er den Atem angehalten hatte und war über sich selbst schockiert. Solch eine Reaktion hatte er schon länger nicht mehr gehabt. Perplex suchte er sich einfach den nächsten Stuhl und musste sich erst einmal setzen.
      "Danke, dass wir hier sein dürfen, Mr. Blackwell", strahlte Jona Dane regelrecht an und wusch das Gerücht direkt vom Tisch, Eisdrakin seien entsprechend ihres Elementes auch unterkühlt. "Ich weiß, dass es etwas merkwürdig ist, aber normalerweise gehen Ratsmitglieder selten eigenständig solchen Fällen nach."
      "Was heißt solchen Fällen?", schaltete sich Ro direkt leicht feindselig dazwischen und wusste selbst nicht einmal, woher dieser Tonfall eigentlich rührte.
      Melidae nickte Dane nur schlicht zu und machte nicht die Anstalten, ihm die Hand zu reichen. So als hätte sie Sorge, dass überflüssiger Körperkontakt Schaden bewirken könnte. "In jenen Fällen, in denen uns die Auskunft absichtlich verwehrt wird. Du weißt nicht einmal-"
      Umgehend fiel Ro ihr ins Wort. "Sie. Ich habe nie gesagt, dass Sie mich duzen dürfen." Allerdings hatte er einen Moment gebraucht um zu reagieren. Ihre Stimme war live mehr als nur bezaubernd und er hatte direkt den Eindruck, dass dies das erste weibliche Wesen war, für das er ebenfalls romantische Gefühle hätte entwickeln können. Eine gefährliche Täuschung, wie er fand, und den Gedanken direkt aus dem Kopf strich.
      Der Gesichtsausdruck der jung erscheinenden Frau blieb unverändert als sie ihren Satz vervollständigte. "Sie wissen nicht einmal, dass der Rat existiert noch was seine Aufgabe ist. Aimeric hat fahrlässig gehandelt und nun wird er dafür die Konsequenzen tragen müssen."
      Sie wandte sich von Dane ab und steuerte einen Stuhl an, der gegenüber von Ro stand. Jona folgte ihr auf den Fuß und zog ihr den Stuhl zurück wie es ein Butler täte. Irgendetwas schien hier seltsam verquer zu sein. Nur konnte Ro es noch nicht benennen.
      Jona nahm neben Melidae Platz und faltete die groben Hände auf dem Tisch während er Ro einen Blick zuwarf, dieses Mal ohne ein Lächeln. "Laurent hat dich gemeldet."
      Ro's Gesicht zeigte Überraschung. "Gemeldet? Wie gemeldet? Ich hab nichts getan!"
      Jona schüttelte leicht den Kopf. "Nein, hast du auch nicht. Aber man hat uns beispielsweise nicht darüber in Kenntnis gesetzt, dass du dich immer noch nicht verwandelt hast. Was beudetet, wir dachten, nach deinem 21. Geburtstag wäre es automatisch passiert. Ich weiß nicht, was bei euch vorgefallen ist, aber Laurent hat uns vor gut anderthalb Wochen kontaktiert und uns geschildert, dass du bei einem Dämon untergekommen bist und du immer noch nur halbfertig bist."
      "Und dass Aimeric dir etwas angetan hat, das nicht in seinen Aufgabenbereich fällt", schaltete sich Melidae dazwischen und musterte Ro so eindringlich, dass ihm richtig unwohl wurde. "Du siehst keine Auren, richtig? Du fühlst sie auch kaum noch, hast Schwierigkeiten, dein Erscheinungsbild aufrecht zu erhalten. Aimeric hat etwas in dir durcheinander geworfen und wie in aller Drachen Namen sollte ein einfacher Drakin dazu in der Lage sein, hm?"
      Darauf wusste Ro nichts zu erwidern. So hatte er das noch gar nicht betrachtet. Er war instinktiv davon ausgegangen, dass es eine Fähigkeit der älteren Drakin war, die jüngeren zu manipulieren. Aber vielleicht war das schon der völlig falsche Ansatz gewesen. Seine Hände, die er auf seine Oberschenkel gelegt hatten, ballten sich zu Fäusten.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dane hatte diesen Morgen begonnen wie die meisten anderen auch. Für ihn war es nur ein weiterer Tag im Büro mit Verhandlungspartnern, die er noch nicht einschätzen konnte. Ro's Nervosität änderte daran überraschend wenig.
      Bevor sie zu seinem Büro aufgebrochen waren, hatte sich Dane noch durch ein paar Mails geklickt. Er hätte nicht gemusst - immerhin hielt er sich die Wochenenden meistens frei - aber wenn er sowieso schon im Arbeitsmodus war und darauf warten musste, dass Ro fertig wurde, konnte er seine Zeit auch sinnvoll nutzen.
      Im Büro selbst zeigte er Ro erst einmal den Konferenzraum. Es war nichts besonderes, bloß ein Raum in etwa so groß wie sein eigenes Büro selbst, aber anstatt von deckenhohen Bücherregalen mit imposanten Souvenirs aus der ganzen Welt und kompliziert aussehenden Wälzern, einem dunklen, massiven Schreibtisch, und einer kleinen Sitzecke wurde der Konferenzraum von einem runden Tisch beherrscht, an dem sieben teure Stühle standen. An der Seite war ein kleines Sideboard für die Technik, die kleinere Präsentationen möglich machte. Auf dem Sideboard standen heute mehrere Gläser und ein paar Flaschen Wasser, die das kleine Menü auf dem eigentlichen Konferenztisch ergänzten.
      Dane ließ Ro für einen kurzen Augenblick allein, um etwas in seinem Büro abzulegen. Er sah durch die Glasscheiben, die die beiden Räume miteinander verband. Beinahe alle Wände hier oben waren aus Glas, um das Stockwerk offener zu gestalten.
      Ro wirkte nervös. Ein Umstand, den Dane nachvollziehen konnte, angesichts der Situation. Und trotzdem konnte sich Dane nicht davon abhalten, Ro zu bewundern.
      Er trat von hinten an Ro heran und legte ihm die Hände um die Hüften.
      "Freund und Anwalt. Verstanden," gab Dane mit einem leisen Lächeln zurück und küsste Ro's Hals.
      Nur einen Augenblick später stand er einen halben Meter neben Ro, der Tür zugewandt, als ihre schuppigen Gäste eintrafen. Dane musterte beide, machte sich ein Bild so detailliert wie möglich, ohne dabei unhöflich zu sein. Beeindruckten ihn die beiden Neuankömmlinge? Nein, nicht besonders. Er konnte ihre Ausstrahlung respektieren und die Wirkung, die sie damit wahrscheinlich auf andere hatten, aber an ihm perlte das eher ab wie Wasser auf den Federn einer Ente.
      Er schüttelte die Hand des Mannes höflich, er erwiderte das Nicken der Frau. Allerdings merkte er sich vor, dass sich niemand vorstellte. Nicht besonders höflich.
      Dane verfiel sofort in seine üblichen Verhaltensweisen als geradezu kaltschnäuziger Geschäftsmann, mit allein kleinen Nuancen, die damit verbunden waren. Zum Beispiel die Tatsache, dass er sich als letztes hinsetzte, oder die Tatsache, dass er sich entspannt zurücklehnte, als gehöre ihm dieser Ort - was er ja auch tat. Er ließ seine Gäste nicht eine Sekunde aus den Augen, beobachtete jede Regung, merkte sich jedes Wort, das gesprochen wurde. Die beiden benutzten eine Menge Worte, die Dane nicht gefielen. Allein voran "halbfertig". Aber er hielt die in ihm aufkeimende Wut zurück. Das hier war Ro's Angelegenheit und er würde sich nur einmischen, wenn etwas Seltsames vorfiel.
      Ein Blick hinüber zu Ro enthüllte, dass der junge Mann gehörig überfordert war. Dabei waren noch keine neuen Informationen über den Tisch gewandert.
      "Wie wäre es, wenn wir die rhetorischen Fragen weglassen und stattdessen mit harten Fakten umgehen?" schaltete sich Dane ein. "Seit ich Ro kenne habe ich nicht eine klare Antwort von Mitgliedern ihrer Spezies erhalten. Ich kann verstehen, wenn man so geheimniskrämerisch gegenüber anderen ist, aber innerhalb der eigenen Spezies ist ein solches Verhalten nicht nur selten, sondern gefährlich. Ich wurde hergebeten, um für Klarheit zu sorgen. Und das werde ich tun. Was genau hat Aimeric mit Ro gemacht? Wie kann man es rückgängig machen? Und wie konnte es überhaupt erst zu einem solch gravierenden Fehltritt kommen?"
      Unter dem Tisch ergriff Dane eine von Ros Händen und ließ seinen Daumen sanft über dessen Handrücken kreisen.


    • Jona hatte sich unterdessen ebenfalls in seinem Stuhl zurückgelehnt währenddessen Melidae kerzengerade ohne den Hauch einer Rückenlehne dort saß. Sie hatte ihre wunderschönen Augen einzig und allein auf Ro gerichtet, selbst als Dane sich dazwischen schaltete. Erst dessen Berührung unter dem Tisch an Ro's Handrücken riss den jungen Drakin aus einer Starre, die er selbst nicht wirklich bemerkt hatte.
      "Sie sind mit Sicherheit auch mit Aimeric in Kontakt gekommen, richtig?", fragte der Eisdrakin und kratzte sich am Kinn, als sei ihm etwas unbehaglich. "Der Kerl ist einfach sonderbar, selbst für Unsereins. Es tut mir leid, dass sowohl er als auch meine sonderbare Begleitung sich immer so kryptisch ausdrücken müssen..." Dann gestikulierte der bulkige Mann mit seinen Fingern zwischen ihm und Ro hin und her. "Hat Ro schon irgendetwas zu uns gesagt? Sorry, wir hatten uns noch gar nicht richtig vorgestellt. Jona Sorenson, Vertreter der Eisdrakin und entfernter Verwandter von Ro. Ich kannte ihn schon, da war er noch so klein."
      Er deutete eine imaginäre Größe von etwa einem Meter über dem Fußboden an und lachte. Ein Geräusch, das Ro's Blick zu ihm schießen ließ. Wie konnte er sich so seltsam verhalten? Diese Reaktion ließ das stummte Blickduell der Frau jäh abbrechen, sodass sie sich dem Dämon im Raum zuwenden konnte.
      "Mein Name ist Melidae, Inhaberin des dritten Sitzes des Rates. Wir verhalten uns so selbst gegenüber Artgenossen weil zu viel Wissen selbst für sie schädlich sein könnte. Sie sehen gerade das beste Beispiel an Aimeric. Er benutzt sein Wissen, um scheinbar Ausgänge zu verhindern, die ihm nicht gefallen. Sein Bruder Laurent besitzt es nicht und hat uns demnach verständigt, sehr zum Misfallen Aimerics. Um zu wissen, was er wahrlich mit seinem eigenen Blut angestellt hat, würde es einer Begutachtung bedürfen. Ich nehme an, Mireaux hatte bereits vergleichbare Ereignisse erlebt?"
      "Ein Warlock hat gesagt, dass mir mein wahrer Name gestohlen worden ist", warf Ro plötzlich ein nachdem er die Hand unter dem Tisch gedreht und Dane's Hand in seine schloss.
      Umgehend lagen die Augen beider Drakin auf dem jungen Mann. Der eine in sichtlichem Schock und Erstaunen, der andere lediglich mit purer Neugierde untermalt.
      "Wie und wann soll das denn passiert sein??", fragte Jona, wobei sein Blick fragend zu der Frau neben ihm glitt.
      "Er sagt früh. Vor meinem dritten Lebensjahr oder so. Aber wie will man mir meinen Namen nehmen?" Ro atmete gleichmäßig, doch es war ihm mehr als unheimlich, dass selbst der gestandene Eisdrakin leicht verunsichert aussah.
      Melidae hingegen zeigte zum ersten Mal etwas, das verdächtig nach der Andeutung eines Lächelns aussah. "Es ist mir in den vergangenen Jahrtausenden erst ein einziges Mal vorgekommen, dass der wahre Name einem Drakin entrissen worden war. Ihr Umstand wird ein anderer sein, aber ich fürchte, es ist per se möglich. Die Frage ist nur: Warum sollte man das tun? Wird jemals bekannt, dass einem Drakin der Kern seines Seins entrissen worden ist, droht dem Schuldigen die Höchststrafe unseres Rechts. Derjenige nahm dieses Risiko in Kauf um etwas anderes zu verhindern. Was mich zu der Frage führt, was Sie so besonders machen soll, Mireaux."
      Ro begann kaum merklich den Kopf zu schütteln. Weder wollte er etwas Besonderes sein noch hatte er den Eindruck, dass er es war. Allein schon die Beschreibung, die die Frau von sich abgegeben hatte, bescherte ihm ein mumliges Gefühl. Weder hatte sie einen Nachnamen genannt noch wusste er, warum sie den Sitz im Rat so betonte.
      "Ich weiß es nicht?", sagte er in einem leisen, fragenden Unterton, der ihm selbst nicht gefiel. "Eigentlich dachte ich, ich bin einfach nur ein Vertreter unserer Art und gut ist. Ich hab keine Lust auf irgendeine Sonderstellung oder was auch immer. Was ist denn, wenn mein Vater beteiligt sein sollte an der Sache mit meinem Namen?"
      "Dann wird er unter dem gleichen Recht bewertet wie jeder andere auch", beantwortete Jona die Frage und seufzte. Dann sah er hinüber zu Dane. "Wie viel haben Sie bereits erfahren? Ich nehme stark an, dass Ihre Anwesenheit heißt, dass Sie ein tiefergehendes Verhältnis pflegen. Sonst hätte Ro niemals einfach so über seinen Namen gesprochen. Ist Ihnen etwas Sonderbares aufgefallen? Sie kennen sich ja auch fantastischen in den Flüssen Magie aus."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dass Jona der sympathischere seiner Gäste war, war Dane schon klar gewesen. Dieser Eindruck bestätigte sich nur, als sich die beiden Drakin endlich vorstellten.
      "Ich habe dem Mann adäquat gedroht, nachdem er seinen Sohn vor die Tür gesetzt und dessen Eigentum zurückgehalten hat, ja," antwortete er auf Jonas Frage.
      Es war interessant zu sehen, dass Ros Vater allseits unbeliebt war. Das war selten ein gutes Zeichen. Wenn man von der eigenen Art missachtet wurde, hatte das meist eine von zwei Konsequenzen: entweder man zog sich davon zurück, oder man wurde rücksichtslos im Umgang mit allem und jedem. In Aimerics Fall schien es letzteres zu sein.
      "Sonderbar ist nicht das Wort, das ich verwenden würde, ihm ihn zu beschreiben. Mir fallen da bessere Adjektive ein."
      Dane lauschte dem Rest der Unterhaltung, aber noch immer gab es keine klaren Antworten seitens der fremden Drakin. Ro äußerte sich klar und nachdem Dane die Fragen, die sie hatten klargestellt hatte, erwartete er eigentlich mehr.
      "Ich habe Ro mit dem genannten Warlock bekannt gemacht. Alle Antworten, die Ro bisher erhalten hat, habe ich auch erhalten. Was ein Armutszeugnis für Sie ist. Man sollte meinen, eine Kontrollinstanz, wie die Ihre es zu sein versucht, hat einen besseren Überblick über die Erziehung und kulturelle Ausbildung der Kinder ihrer Spezies. Die Tatsache, dass es einen Dämon bedurfte, um einem Drakin Informationen über seine eigene Art zu verschaffen, ist traurig. Und kommen Sie mir nicht mit Einzelgänger-Lebensweisen. Ich betreue eine ganze Menge an Magischen, mit allerhand Lebensstilen, und mir ist noch nie jemand untergekommen, der so ungebildet gegenüber seiner eigenen Fähigkeiten war. Sie wollen wissen, ob ich Besonderheiten an Ro feststellen konnte? Da haben Sie Ihre Antwort. Mal ganz davon abgesehen, dass er seit dem letzten Treffen mit seinem Vater - falls man diesen Mann überhaupt so nennen kann - jedes Mal blau anläuft, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Ein weiteres Problem, dass Ro mit meiner Hilfe lösen musste, weil ihm niemand von seiner eigenen Spezies zur Hilfe kam."
      Dane hob kein einziges Mal seine Stimme. Sein ganzer Vortrag war kalt, emotionslos, faktentreu.
      "Wir sind übrigens nicht hier, um Ihre Fragen zu beantworten. Nicht, bevor wir ein paar klärende Informationen erhalten haben. Es spielt keine Rolle, warum Aimeric getan hat, was er getan hat. Alles, was aktuell wichtig ist, ist die Lösung der Probleme, die er verursacht hat. Solange das nicht geklärt ist, brauchen wir uns nicht mit dem Warum zu beschäftigen. Ebenso wenig mit den Konsequenzen, die seine Taten definitiv nach sich ziehen werden."
      Dane vermerkte sich gedanklich, was Melidae gesagt hatte. Viel war die Information nicht wert, da er sie hauptsächlich gegen Aimeric verwenden konnte - und das seine Bestrafung nur vorverlegen würde. Aber eventuell konnte er daraus etwas spinnen, was auch diesem Rat ans Bein pinkeln würde. Es war alles eine Frage der öffentlichen Wirksamkeit. Und damit kannte sich Dane aus.
      "Ich wiederhole mich nicht gern. Also bitte ich Sie ein letztes Mal höflich: Kommen Sie zum Punkt."


    • Es kostete den jungen Drakin einiges, seinen Partner nicht mit aufgerissenen Augen anzustarren. Nicht, dass er sich nicht über dessen Einsatz freute, aber einen solchen Nachdruck hatte er ehrlicherweise nicht von ihm erwartet.
      Abermals kratzte sich Jona am Kinn, abermals tat er es aus Unbehagen. Für einen Moment hatte er angedacht, auf Dane's Worte zu antworten, ließ diese Intention dann jedoch fallen. So als wäre ihm aufgefallen, dass es ihm nicht zustünde nun die Stimme zu erheben.
      "Sie verstehen unseren Zusammenschluss falsch, Mr. Blackwell." Melidaes Stimme war mindestens so ruhig wie die des Dämons, wenn nicht gleichsam unterkühlt. Für den ungeübten Hörer mochte es so klingen, als wäre sie ganz leicht belustigt über den Wortaustausch, doch ihre Augen waren dafür viel zu scharf.
      "Wir sind keine reine Kontrolleinheit. Sie können uns eher bezeichnen als eine Art... Anlaufstelle für Unsereins. Sicher, wir achten darauf, dass die Mitglieder unserer Art nicht die Normen sprengen, aber wir überwachen nicht die einzelnen Clans. Diese beteiligen sich in der Regel eigenmächtig, so wie beispielsweise die Geburt eines neuen Drakin bei uns gemeldet wird. Dass es in Mireaux' Fall einen Dämon bedurfte, um an die Informationen zu gelangen, liegt einzig und allein im Fehlverhalten seines Vaters begründet. Vielleicht auch dem Rest des Clans wenn man bedenkt, dass wirklich niemand dem jungen Mann von dem Rat berichtet hat."
      Ro's Augenbrauen waren fast zu einer durchgängigen Linie verschmolzen. Es stimmte, dass niemand ihm vom Rat erzählt hatte. Wäre es so gewesen, dann hätte er sich an ihn gewandt, um nach Antworten zu verlangen. Dieser ganze Umweg wäre hinfällig gewesen, ebenso wie der ganze Stress bis hierher. Dass nicht einmal sein hochgeschätzter Onkel ihm geholfen hatte, bestürzte Ro mehr als er zugeben wollte.
      "Ich kann sehen, dass sein Aurenfluss erheblich manipuliert worden ist, Mr. Blackwell. Aber hat Mireaux denn aktiv in seinem Clan um Hilfe bei dem Problem mit der Verfärbung gefragt?", erkundigte sich Melidae wobei ihr Tonfall eine widerlich süße Note bekam, ehe sie den Blick auf Ro richtete, der die Lippen hart aufeinanderpresste.
      Hatte er natürlich nicht.
      "Er lebt diesen Einzelgänger-Stil höchstens selbst. Wir sind nicht darauf erpicht, in engen Zusammenschlüssen zu leben noch allein durch die Welt zu ziehen. Aber jetzt hat der junge Drakin ja die Möglichkeit, seine Fragen zu stellen. Ich bin ganz Ohr."
      Ro rutschte auf seinem Stuhl ein wenig umher. "Können Sie meinen Aurenfluss wiederherstellen?"
      "Ja, das kann ich."
      "Können Sie mir auch dabei helfen, meinen Namen wiederzufinden?"
      Der amüsierte Ausdruck in Melidaes Gesicht verschwand vollständig. "Bedingt. Beim letzten Mal war die Spur frisch, leicht zu verfolgen. Ihr Fall ist Jahre her, da werden Spuren kaum noch vorhanden sein. Aber was abhanden gekommen ist, kann in der Regel wiedergefunden werden."
      "Dann seien Sie doch so gut und lösen das auf, was auch immer Aimeric angestellt hat,ja?"
      Wie automatisch legte Ro seine Hände auf den Tisch. Sowohl bei Dane als auch bei Baxter war Körperkontakt von Nöten gewesen, damit sie Einblicke in den jungen Drakin erhielten. Doch Melidae lächelte nur sanft und schüttelte den Kopf. An ihrer Seite rückte Jona ein Stückchen von ihr ab, seine Mimik war alles andere als begeistert.
      "Mr. Blackwell, ich möchte Ihnen nun wirklich nichts vorschreiben, aber versuchen Sie bitte nicht auf Melidae's Magie zu antworten. In der Regel provoziert alte Magie gleichartige und ich glaube, Sie sind... ziemlich alt", sagte Jona vorsichtig bevor er seinen Blick wieder auf seine Begleitung richtete und seine entspannte Haltung aufgab.
      Ro indes wirkte bei diesem Kommentar mehr als beunruhigt. "Wieso klingt das so schlecht??"
      "Entschuldigen Sie Jona, er ist noch jung", erwiderte die Blondine, die sich noch ein wenig mehr aufgerichtet hatte, als plötzlich das Gefüge im Raum absackte.
      Eine Sekunde später reagierte Ro darauf. Er bekam schlagartig keine Luft mehr und hatte das Gefühl, regelrecht geblendet worden zu sein. Seine Zunge schmeckte von jetzt auf gleich nur noch schwere, alte Magie, die ihn regelrecht zu erdrücken schien. Melidae brauchte keinen Körperkontakt, sie erstreckte einfach ihre Aura durch den gesamten Raum und erstickte den jungen Mann regelrecht mit ihrer Magie. Vor seinen Augen wurde es grellweiß, als ein Ruck durch seinen Körper ging, der sich als Schlag gegen seine Stirn herausstellte, die auf den Tisch geprallt war. Seine Kiefermuskeln waren zum Bersten gespannt während er sich keinen Zentimeter bewegen konnte und er das Gefühl hatte, er würde von Innen heraus zerrissen werden.
      "Aimeric hat Linien blockiert und fehlgeleitet, die clanspezifisch sind. Als Führer dieses Clans kennt er sie besser als jeder andere und hat vermutlich nur eine kurze Berührung gebraucht, um diesen Schaden anzurichten", schloss Melidae, deren Augen intensiver zu glühen begonnen hatten. Ihre Haut funkelte ganz leicht, als wären Glasscherben in ihrer Haut eingebettet worden. Bei genauerer Betrachtung ergab sich aus diesem Reflexionsmuster ein Schuppenmuster, wie man es bei Ro auch schon gesehen hatte.
      "Er hat darüber hinaus versucht, die Verbindung seines Sohnes zu seiner anderen Hälfte zu unterbrechen. Er war mäßig erfolgreich damit."
      Ro stöhnte gedehnt, als er fühlte, wie Melidae gekappte Verbindungen gewaltsam öffnete. Mit einer Urgewalt fegte sie über ihn hinweg und stellte damit sogar das in den Schatten, was er bei Dane erlebt hatte. Sie steckte seine Nervenenden in Brand, sorgte dafür dass er dachte, es schälte sich seine Haut von seinem Körper. Aber mit jeder gelösten Ader bekam Ro sein altes Gefühl zurück. Noch immer war ihm weiß vor Augen, aber jetzt spürte er schon wieder die Auren der Anwesenden und wurde von jender der Frau regelrecht geblendet. Das war das grelle Licht vor seinen Augen, das ihm die Sicht fast vollkommen raubte.
      "Allerdings erklärt dies, warum Mireaux sich nicht gewandelt hat. Seine Annahme war richtig, dass er seinen wahren Namen braucht. Wenn er ihm seit Kindstagen entrissen worden ist, wird er nie ein vollständiger Drakin sein. Also sollte man nun herausfinden, wer seinen Namen hat und was er damit bezweckt", schloss Melidae und stellte ihre Magie abrupt wieder ein.
      Mit einem tiefen und ersehnten Atemzug tauchte Ro von der Tischplatte wieder auf. Er schwitzte und sah mehr als gequält aus, aber sein verwirrter Gesichtsausdruck war verschwunden. Stattdessen starrte er die Frau ihm gegenüber einfach nur wortlos an, als er einer Aura aus purem Gold gegenübersaß. So etwas hatte er noch nie gesehen.
      "Das war es schon?", fragte er atemlos und wischte sich über die Stirn. Jona tat es ihm übrigens gleich.
      "Das war es schon, ja. Damit sollte der Zustand vor Aimerics Eingriff wiederhergestellt sein. Allerdings wird ihn das eine Verwarnung kosten. Solche Linien zu blockieren gilt als Verstoß. Vielleicht erfahren wir ja noch mehr, wenn wir ihm eh schon einen Besuch abstatten müssen", lächelte sie wieder wobei man eine Spur Eckzahn entdecken konnte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dane war drauf und dran, alle Höflichkeit fahren zu lassen, als diese Melidae anfing, Ro zu beschuldigen. Es war nicht sein Fehler, dass ihm all das widerfahren war. Seine gesamte Familie hatte ihn im Stich gelassen - ein Gefühl, dass Dane als Zwilling nicht nachvollziehen konnte.
      Als Jona ihn dann davor warnte, dass alte Magie im Spiel sein würde, hob er lediglich eine Augenbraue. Es war selten, dass er jemandem begegnete, der so alt war wie er. Er war gelinde gesagt gespannt auf das, was er gleich sehen würde.
      Melidae war mächtig, so viel konnte Dane sagen. Er wusste nicht, ob sie in einem direkten Kräftemessen gegen ihn bestehen würde. Aber er konnte mit absoluter Sicherheit sagen, dass er Grenzen würde überschreiten müssen, um auf diesem Level agieren zu können.
      Er stand auf und wandte sich dem Sideboard zu, wo er ein Glas mit Wasser füllte. Besagtes Glas Wasser stellte er mitsamt einem Schokoriegel vor Ro ab, bevor er sich wieder setzte. Unter dem Tisch legte er eine Hand auf Ros Knie, eine stille Einladung, sich auf seine Aura zu konzentrieren, die Dane wie immer zu großen Teilen aktiv unterdrückte.
      "Eine Verwarnung? Dafür, dass er das Leben seines Sohnes ruiniert hat? Wir sind uns doch wohl hoffentlich im Klaren darüber, dass Ro keinerlei Optionen zur Verfügung gestanden haben, außer mir. Was, wenn er nicht im Monat davor aus Versehen meine Bekanntschaft gemacht hätte? Er wäre vollkommen mittellos gewesen. Obdachlos. Und fangen Sie jetzt bitte nicht wieder davon an, dass es seine Schuld ist. Sein Vater hat ihm nie von Ihrem Rat erzählt. Sein Onkel," Dane warf dem anderen Mann einen Blick zu, der vielen das Blut in den Adern gefrieren ließ, "hat ihm nicht von Ihrem Rat erzählt. Ro lebt allein, weil er keine andere Wahl hatte. Seit ich ihn kenne hat er alle Regeln, die er kannte, eisern befolgt. Er hat mir Informationen willentlich vorenthalten, um die Geheimnisse einer Spezies zu schützen, die sich seit seiner Geburt nicht für ihn interessiert. Sie sind hier her gekommen, weil Sie etwas von ihm wollen. Sicher, Ro braucht einige Informationen von Ihnen, aber das sind Informationen, die ihm als Mitglied seiner eigenen Spezies zustehen. Sie haben gerade ein Problem für ihn behoben, für dass er selbst nichts kann. Sie wollten dieses Treffen. Ro war nett genug, es Ihnen zu gestatten. Er hat mich eingeladen, um dafür zu sorgen, dass er fair behandelt wird. Wenn Sie es bei einer einfachen Verwarnung für Aimerics Fehltritte belassen, dann sollten Sie besser keine Zeit verschwenden, ihn wegen dem Stehlen von Ros Namen zu verurteilen."
      Dane verkniff sich alle Drohungen, die ihm auf der Zunge lagen. Er hatte genug von dieser Farce. Diese Melidae mochte vielleicht alt sein, sie mochte vielleicht Geheimnisse hüten, die nicht für andere bestimmt waren, sie mochte vielleicht eine Machtposition innerhalb ihrer eigenen Spezies halten, aber das hieß noch lange nicht, dass Dane nach ihrer Fuchtel tanzen würde. Genau deswegen hatte Ro ihn hier haben wollen.
      "Geben Sie uns einen Überblick. Welche Schritte werden Sie unternehmen, um diese Situation zu bereinigen? Ich bin bereit, meine Ressourcen zur Verfügung zu stellen und zu helfen, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber ich will klare Antworten: wie werden Sie Ros Namen finden? Wie werden sie Aimeric verfahren? Der Mann ist offensichtlich eine Gefahr für Ro. Und Ro kann sich nicht selbst verteidigen, sollte Aimeric sich dazu entscheiden, erneut gegen ihn zu handeln. Also: Wie sieht Ihr Plan aus?"


    • Jona sah schweigend dabei zu, wie Ro den Schokoriegel regelrecht aus seiner Verpackung fetzte, kaum hatte Dane ihn vor ihm abgelegt. Die Hand des Dämons auf seinem Knie hatte sich schon eine Ewigkeit nicht mehr so gut angefühlt, als er nur über diese kleine Schnittstelle ein wenig von dessen Aura erspüren konnte. Unter anderen Gegebenheiten hätte Ro vielleicht sogar das eine oder andere Tränchen vergießen könne, jetzt wo er wieder so fühlen konnte wie er es kannte. Doch das war hier nun nicht angebracht.
      "Aimeric hat seinem Sohn das Leben nicht versaut, sondern umgestaltet. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Unterlassen seiner Anktionen dazu geführt hätte, dass Sie beide sich begegnen, ist extrem hoch. Ich glaube nicht, dass Mireaux behaupten würde, dass sein Leben versaut worden ist", erwiderte Melidae und faltete die Hände in ihrem Schoß.
      "Was jetzt auch nicht unbedingt der Knackpunkt ist, Melidae", beendete Jona weitere Ausführungen seiner Begleitung ehe er fürchten musste, dass Dane wirklich noch die Beherrschung verlor. "Einen Eingriff in die Aurenfunktionalität wird eigentlich nicht nur verwarnt sondern geahndet. Damit haben wir einen Grund, bei den D'Apchiers Zutritt zu verlangen und Aimeric zu konfrontieren. Wir sind uns sicher, dass er wissen muss, wann und wie ausgerechnet sein Sohn seinen Namen verloren hat. Ich wage zu bezweifeln, dass ihm das entgangen ist."
      Ro's Miene wurde hart. Er hatte befürchtet, dass sein Vater ganz genau wusste, wo das Problem lag und sich wissentlich dagegen entschieden, ihn aufzuklären. Aber wieso? Hasste man seinen eigenen Sohn wirklich so sehr für Nichts?
      "Das heißt, wenn mir mein Name nicht gestohlen worden wäre, hätte ich ein ganz normales Mitglied sein können, ja?"
      Melidae nickte. "Das wäre der Fall gewesen, schätzen wir. Ohne Ihren Namen zu kennen könne Sie Ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen. Was wiederum bedeutet, dass wir Ihnen Ihre Rolle in Ihrem Clan nicht zuordnen können." Ihr Blick driftete kurz zu Dane ab in einer stillen Bekundung von Zweifel.
      "Ich habe ihn als meinen Partner auserkoren. Er darf und soll in alles eingeweiht werden", bekräftigte Ro diesen Standpunkt während er Melidae entschlossen ansah.
      Sie erwiderte seinen Blick, doch wohl schien ihr nicht wirklich dabei zu sein. "Ihnen ist klar, dass Mr. Blackwell ein alter Dämon ist. Er hat seinen Ruf nicht ohne Grund aufgebaut und seine Methoden sind seiner Art entsprechend einwandfrei. Brechen Sie Ihr Wort ihm gegenüber, ist diese Partnerschaft nur eine locker getroffene-"
      "Ich hätte ihm meinen Namen offenbahrt wenn ich ihn wüsste." Ro hatte Melidae direkt das Wort mit einem giftigen Tonfall abgeschnitten, der selbst Jona die Augenbrauen heben ließ. "Hören Sie auf zu unterstellen, ich wüsste nicht, was ich täte. Wie ich mich meiner Art gegenüber zu verhalten hätte, die mir gelinde gesagt am Arsch vorbeigeht."
      Eisblaue Augen richteten sich sorgfältig auf die einzige Frau im Raum, während sich ein kühler Zug im Raum breitmachte. Die Temperatur fiel leicht ab als Jona seinen Einfluss ausdehnte und nur Augen für Melidae hatte. Sie hingegen war in Schweigen verfallen, musterte den jungen Drakin vor sich mit einer undeutbaren Miene. Schließlich winkte sie Jona ab, der sich augenblicklich wieder entspannte.
      "Um auf Ihre Forderungen zurückzukommen, Mr. Blackwell", fand sie ihre Worte wieder, "üblicherweise würden wir bei den D'Apchiers nun um ein Statement bitten. Er würde für das erste Vergehen geahndet werden, was Sie widerum nichts angeht, und anschließend soll Aimeric uns berichten was er von dem Diebstahl weiß. Wir halten uns gewissermaßen an Spielregeln, aber..."
      Nun lächelte sie Dane milde an.
      "Sie müssen es nicht. Ob wir nun bei Aimeric eintreffen und um Antwort bitten oder Sie beiden ist uns einerlei. Wir wollen lediglich die Aufklärung hinter den Geschehnissen. Ich werde Ihnen den folgenden Begriff nicht erklären, das kann gerne Mireaux's Vater übernehmen. Aber ich vermute, dass Aimeric die Existenz des Regra in seinem Clan verheimlichen wollte."
      Eine Bezeichnung, die Ro weder gehört noch irgendwo gelesen hatte. Er wusste nicht einmal, welche Sprache es sein sollte oder ob es ein festgeschriebener Begriff sein sollte. Allerdings wusste er etwas völlig anderes. Er selbst mochte vielleicht gegen seinen Vater nicht bestehen. Der Mann an seiner Seite allerdings schon. Ro schaute zu Dane herüber.
      "Wenn es für dich okay ist, möchte ich, dass wir beide gehen. Ich hab ehrlich gesagt keinen Bock darauf, dass ich wieder nur darauf warte, was andere Leute für mich erreichen. Ich will selbst von ihm hören, was er dazu zu sagen hat. Ist das okay für dich?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Weil es ja so einfach ist, ein Leben unter den Menschen als Schlumpf zu führen," konterte Dane, kurz bevor sich Jona einschalten konnte.
      Er bremste sich, so wie der Drakin seine Begleitung zu bremsen schien, und hörte weiter ruhig zu. Immerhin kamen sie endlich zu einem Ergebnis. Womit Dane nicht gerechnet hätte, war die Erlaubnis, handgreiflich zu werden. Denn genau das war es, was Melidae da gerade sagte. Dane war trotzdem nicht ihr größter Fan.
      Und dann fiel das Wort, das Dane seit mehreren Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte. Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
      "Natürlich," sagte er kopfschüttelnd. "Natürlich geht es hier nur um Egos."
      Dane ergriff Ros Hand und führte sie an seine Lippen, jetzt wo er nicht mehr so tun musste, als ob er ein Außenstehender war.
      "Dein Leben, deine Entscheidung," sagte er. "Aber ich bin mehr als bereit, deinem Vater zu zeigen, dass ich meine Drohungen durchaus in die Tat umsetze, wenn mir danach ist."
      Er wandte seinen Blick wieder Melidae zu.
      "Wenn Sie schon bei Aimeric aufschlagen und ihre hübschen Fragen stellen, dann fragen Sie ihn doch auch gleich, wie viel ihm das Leben seines Sohnes denn eingebracht hätte, wenn die Entführung funktioniert hätte."
      Er drückte Ros Hand sanft. Von den neusten Entwicklungen in seinen Untersuchungen hatte Dane dem Drakin noch nichts erzählt. Er hatte vorhin erst den Anruf bekommen, auf den er schon seit ein paar Tagen gewartet hatte.
      "Es wird Sie interessieren, dass ich Ro vor einigen Wochen kennengelernt habe, als ich ihm dabei half, nicht entführt und an einen Privateigentümer verkauft zu werden. Ro war bereit, einen Handel mit mir einzugehen im Tausch für den Namen der Person, die dafür verantwortlich war. Ich erfülle hiermit meinen Teil dieses Handels."
      Er wandte sich Ro zu und sah in diese unendlich schönen Augen, die ein bisschen kräftiger zu funkeln schienen als noch heute Morgen.
      "Sofia Carvallo hat Ben Johnson, David Barker, und Aiden Lloyd damit beauftragt, dich zu entführen und auf ihr Anwesen zu schaffen. Sie wussten, wo du sein würdest, weil ihnen jemand aus deinem Haushalt deinen Tagesplan geschickt hat. Sofia Carvallo war ebenfalls auf der Gala, die du bei deinem Fluchtversuch durchquert hast. Sie ist ein Mensch, hat aber begrenztes Wissen über Magische. Ich nehme an, sie wollte einen Teil der Legende über die glückbringenden Fähigkeiten der Drakin ihr Eigen nennen."
      Ein Kribbeln fuhr durch Danes Wirbelsäule als sich die Magie seines Handels mit Ro auflöste. Wenn das schließen eines Handels einem High nahekam, dann war das vollenden eines Handels gleichbedeutend mit gutem Sex. Allerdings hielt sich Dane mehr als bedeckt mit diesem Gefühl. Ein kleines, zu erwartendes Aufleuchten seiner Aura ließ er zu, mehr aber nicht.
      "In Anbetracht der Tatsache, dass Sie keine Optionen für Ros Schutz genannt haben, nehme ich mir als sein Partner das Recht, selbst dafür zu sorgen."
      Dane fischte eine seiner Visitenkarten aus der Innentasche seiner Anzugjacke und schob sie über den Tisch.
      "Ich nehme nicht an, dass sich diese Sache schnell bereinigen lässt," kommentierte er diese Tat. "Unter dieser Nummer können Sie mich erreichen, sollten weitere Fragen aufkommen oder Sie über den Zugang zu meinen Ressourcen verhandeln wollen."
      Dann lehnte er sich zurück und überschlug die Beine entspannt. Er hatte keine weiteren Kommentare zu machen; er hatte, was er wollte: Die Erlaubnis, Aimeric die Meinung zu geigen, einen Plan von den Leuten am langen Hebel, und einen Plan für seine eigenen nächsten Schritte. Er würde Ros Namen finden und zu ihm zurückbringen, egal was es dafür brauchte. Wer auch immer für dieses ganze Chaos verantwortlich war, wer auch immer darin verwickelt war, würde sehr bald lernen, wie unnachgiebig ein Dämon sein konnte.


    • Auf das kurze Lachen Dane's hin reagierte Melidae gar nicht und Jona seufzte nur. Man sah ihm deutlich an, dass ihm dieses Wort auch mehr als peinlich war, aber wenn es schon Ewigkeiten in ihrem Wortschatz verankert lag konnte er sich auch nicht dagegen erwehren. Ein in der Tat lächerliches Wort, allerdings wurde selbst Ro das Gefühl nicht los, dass es gar nicht so lachhaft war wie es klang. Die Lippen an seinen Knöcheln lenkten ihn aber weit genug von diesem Gedanken ab.
      Die folgenden Worte des Dämons erzeugten bei jedem der anwesenden Drakin eine andere Reaktion. Ro's Augen weiteten sich unter Spannung, Jona blinzelte perplex als hörte er das erste Mal davon und Melidaes Gesichtsmuskeln zuckten ganz kurz. Doch niemand wagte es auch nur ein Wort zu sagen sondern ließen den Dämon sein Urwesen ausleben. Die reinste Form des Respekts, wenn man so wollte.
      Wie erwartet kannte Ro den Namen dieser Frau. Sofia Carvallo war keine Unbekannte in Aimerics Kreisen und er meinte sich erinnern zu können, dass sie angeblich in einem Ring Mitglied war, die Personen quer durch das Land bugsierten. Unter verschiedensten Motiven und Methoden. Es war nicht von der Hand zu weisen, dass Dane mit seiner Vermutung recht haben konnte. Aber so eindeutig es auch aussehen mochte, Ro brauchte mehr Bestätigung als das. Bestenfalls aus dem Munde seines eigenen Vaters.
      "Sie haben anscheinend wirklich ohne groß zu erwägen einen Handel mit ihm abgeschlossen gehabt. Was hat er dafür verlangt, was war ihm dieser Handel wert, Mireaux?", fragte Melidae ohne eine Spur von Hohn oder Spott in der Stimme. Vielmehr klang es interessiert, wenn auch mit einer Prise Tadel versehen.
      Ro ignorierte sie geflissentlich.
      "Dann würde ich sagen, dass wir demnächst mal einen Abstecher bei ihm machen", beschloss der junge Drakin und fühlte sich augenblicklich dreißigmal besser als zuvor.
      Eines seiner Probleme wurde gelöst, für weitere hatte er Ansätze und sein Gefühl war endlich wieder zurück. Endlich schien alles wieder in eine Richtung zu laufen, die ihm gefiel, die er kontrollieren konnte. Nicht nur, dass er Dane hinter sich stehen hatte. Scheinbar hatte er nun auch Ratsmitglieder, die ein gewisses Problem mit seinem Vater hatten.
      Jona schlug die Hände auf die Oberschenkel als er schwungvoll aufstand und Melidae nach der Visitenkarte angelte, um sie in ihre Hosentasche zu stecken. "Dann haben wir das soweit geklärt. Wir statten Aimeric in den nächsten Tagen einen Besuch ab. Bis dahin bitte nicht am Anwesen erscheinen, das könnte gewisse Dinge verkomplizieren. Wir melden uns wenn wir fertig sind, dann können Sie sich gerne selbst ein Bild vom Zustand Aimerics machen. Nicht, dass es Sie sonderlich interessieren wird, wie ich schätze."
      Wie die gesamte Zeit über zeigte sich in dem Gesicht der Frau keine besondere Regung. Jona hingegen lächelte Ro und Dane aufmunternd an, als fiele ihm selbst eine Last von den Schultern ab. Er näherte sich dem Tisch noch einmal, reichte Dane als Verabschiedung die Hand und winkte Ro. Dann legte er eine Hand auf die schmale Schulter seiner Begleitung, um sie doch sehr bestimmt Richtung Tür zu schieben.
      Melidae sperrte sich allerdings kurz und wandte sich noch einmal Ro zu. "Aimeric war mir eigentlich als sehr besonnener und seiner Familie zugewandter Drakin bewusst. Es muss etwas Großes sein, dass er seinen einzigen Sohn, auf den er Jahre gewartet hat, einfach so misshandelt."
      "Jetzt ist gut, Meli. Geh einfach, du fängst sonst wieder mit deinen Sinnbildern an", grummelte Jona, der sie beide schließlich aus der Tür und außer Sichtweite beförderte.
      Kaum fiel die Tür ins Schloss atmete Ro hörbar auf. Seitdem seine Blockaden gelöst worden waren hatte er ständig das Gefühl gehabt, zu erblinden. Selbst wenn er seine Sicht minderte, glänzte und strahlte es nonstop um die zierliche Frau herum. Das ständige Kribbeln wich langsam aus seinen Fingerspitzen, das sich in Anwesenheit von mächtigen Auren manifestierte.
      "Warum muss meine ganze Spezies so verdammt verkappt sein?", stöhnte er laut auf und warf sich nach hinten in die Lehne seines Stuhles. Doch dann kam ein Grinsen, ein diabolisches Grinsen, ans Tageslicht. "Oh, ich glaube, wir haben das erste Mal wirklich alles auf unserer Seite. Ich war mir noch nie so sicher wie jetzt, dass sich der ganze Scheiß hier auflösen wird, Dane."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"