[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Gab es einen Moment, in dem er nicht die Kontrolle verlor, wenn es mit dieser Frau zusammen hing?
      Vielleicht war das bereits zu viel gesagt, nachdem sie sich kaum mehr als ein paar Tage kannten. Vielmehr erschien es so, als sei jede Bewegung, jedes Atmen und jeder einzige ewig lange Sekundentakt in diesem Raum ausgelotet. Als würde die Zeit ausnahmsweise einmal still stehen.
      Das Handy in seiner Hand war ihm egal. Nicht, weil es ihres war oder das Mittel zum Zweck. Sondern vielmehr weil es nicht wichtig war in diesem einen Moment. Ruairi blickte in Embers Gesicht, das sich regelrecht an ihm verfing und grinste breit. Das Grinsen gefror ihm regelrecht als er merkte, wie schnell sein Herz schlug. Beinahe so heftig, dass er kaum mehr schlucken konnte. Als würde sein Hals vergessen, zu existieren und der Herzschlag einer Trommel gleichen, die alles von ihm auf Alarmbereitschaft rief. Obgleich es keine Gefahr gab.
      Gott, ob sie wusste, wie wunderschön sie in diesem übergroßen Schlafanzug war?
      Und ob er wusste, welche Grenze er hier gerade mit Füßen trat.
      "Ihr Handy", murmelte er geistesabwesend und betonte das Offensichtliche.
      Ihre Hände glitten über seine hinauf zu seiner Schulter. Und beinahe war es ihm, asl könnte er das Ziel ihrer Begierde sehen. Seine Haut fühlte sich an wie Feuerfinger, die nach ihr griffen. Als flehten sie um Kontakt. Bitte berühr mich, dachte er und ertappte sich dabei, wie er fast wohlig die Augen geschlossen hätte.
      Als Ember ihr Ziel erreichte, dachte er, dass sie den Herzschlag vermutlich gar nicht spüren musste. Sie müsste ihn hören, so laut schlug es ihm an die Kehle. Zu kaum einem Wort fähig, legte er das Handy wieder auf den Tisch und musterte die junge Frau von oben herab. Den letzten Schritt schloss dann er und stand beinahe direkt vor ihr, während ihre Hand, ihre wunderbare zarte Hand, auf seiner rauen, leicht behaarten Brust lag.
      "Grenzen", murmelte er mit rauer Stimme und seufzte. "Scheiß auf Grenzen...", flüsterte er und legte lächelnd seine Hand auf ihre, damit sie den Herzschlag deutlicher spüren konnte.
      "War es das, was du spüren wolltest?", fragte er und wechselte zu der unverfänglicheren Anrede. "Oder was war es, das du gesucht hast?"

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      The more you drag me to hell
    • Als Ruairi Ember auf ihr Handy in seiner Hand ansprach, zögerte sie einen winzigen Augenblick lang in ihrer Bewegung. War das ein subtiler Hinweis darauf, dass er nicht wollte, wie sie ihn berührte? Warum ging er dann nicht, wich einfach einen Schritt zurück und entfernte sich so effektiv von ihr?
      Sie hatte das Gefühl, sein Herz fast in ihre Faust schließen zu können, so stark hämmerte es in seinem fleischigen Käfig unter ihrer Hand. In seinem Gesicht waren es nur seine Augen, die ein wenig von dem verrieten, was wirklich in seinem Kopf gerade von statten ging. Wie sich seine Lider ein wenig senkten, nur damit er sie schnell wieder aufreißen konnte und sich dem Gefühl nicht einfach hingab.
      Selbst in der Bewegung, als er ihr Handy wieder auf den Tisch zurücklegte, ließ sie nicht von ihm ab. Hielt den Kontakt zu seinem Körper aufrecht, als wäre er die einzige Wärmequelle in einer bitteren Winternacht. Schließlich trat er einen weiteren Schritt an sie heran und egalisierte beinahe die restliche Distanz zwischen ihnen. Hätte Ember nichts getragen wäre sie sich sicher, seine ausstrahlende Körperwärme auf ihrer Haut spüren zu können.
      Unweigerlich spreizte sie ihre Finger ein wenig mehr als Ruairi seine Hand auf die ihre an seiner Brust legte und ihr ganz offen mitteilte, dass er spätestens jetzt keine Grenzen mehr hatte. Zumindest nicht solche, die auf puren Anstand unter zwei Kollegen fußte. Selbst Ember mit ihrem manchmal mangelnden Taktgefühl fühlte, dass das hier zwischen ihnen etwas anderes sein konnte, wenn sie ihm die nötige Luft zum Atmen gaben.
      Richtig hellhörig wurde sie allerdings, als er die Formalitäten endgültig fallen ließen. Und sie sich dabei erwischte, wie es sie sogar freute, dass es von seiner Seite aus kam. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen als sie zu ihm aufsah und sein Gesicht dieses Mal nicht nach den Lachfältchen absuchte.
      "Ich wollte wissen, ob dein Puls dich verrät", erwiderte sie obzwar sie genau wusste, dass sie dafür nicht direkt seine Brust hätte befühlen müssen. "Ich wollte sehen, wie sich deine Mimik verändert, wenn ich mehr als nur deine Hand anfasse. Und ja, ich befühle gerne definierte Oberkörper. Wieso zur Hölle ziehst du auch einfach so dein Oberteil aus..."
      Ember kicherte kurz und hätte sich am liebsten selbst für dieses dümmliche Geräusch geohrfeigt. Ihre Lache klang selbst in ihren eigenen Ohren manchmal fremd. So fremd, dass sie zwischenzeitlich dachte, sie gehöre nicht in diese helle, heile Welt hinein.
      Sie neigte ihren Kopf etwas zur Seite während sie aufmerksam seine Mimik beobachtete. Er hatte seine Grenzen bereits überschritten und sie war auch kurz davor, ihre übliche Abwehrhaltung abzulegen. Warum sie es ausgerechnet bei ihm tat nach dieser doch recht kurzen Zeit war etwas, dem sie noch auf die Schliche kommen musste. Jetzt allerdings wollte sie mehr von dem haben, was er ihr bereits kurz gezeigt hatte.
      "Ich bin nicht so der Süßholzraspler wie du, aber du strahlst für mich eine unglaubliche Wärme aus. Ich weiß nicht, es fühlt sich einfach anders an."
      Sie ließ ihre freie Hand über seine Taille nach hinten an seinen Rücken wandern. Dort fuhren ihre Finger über die kräftigen Rückenmuskeln ehe sich ihre Hand flach auf sein Kreuz legte und sie ihn zu sich führte. Sie hatte ihren Kopf seitlich gedreht, sodass sich ihr Gesicht halb an seine Brust schmiegen konnte. Der Arm um seine Taille legte sich locker auf seiner Hüfte ab und nur die Hand an seinem Herzen blieb dort wo sie war. Jetzt, wo sie wieder so nah an ihm stand, gewährte sie sich selbst, die Lider zu schließen und einfach zu zu fühlen, was sich in unmittelbarer Nähe befand.
      Ihr Körper schmiegte sich fast schon zu perfekt an Ruairis deutlich größeren Leib. Und dann fing sie endlich wieder dieses Gefühl ein, das sie niemals jemanden zugesprochen hätte, den sie so kurz erst kannte. Wärme, Zuneigung, Geborgenheit.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Momente, die die Ewigkeit in sich trugen, waren selten, nicht wahr?
      So wie sie hier voreinander standen und ihre gemeinsame Hitze genossen, erschien das Leben dort draußen, die Feierlichkeiten und die Sorgen, so unsagbar fern wie ein Märchen aus 1001 Nacht.
      Das Lächeln dieser Frau vor ihm war derart umwerfend, dass es nur der Vorbereitung zu schulden war, dass er nicht in die Knie sank. Herrgott, warum mussten Frauen selbst ungeschminkt wie Göttinnen aussehen?
      Weil sie nicht immer so aussehen, sondern du nur ein Auge auf eine geworfen hast.
      Klappe!
      "Und? Verrät er mich?", raunte er ihr lächelnd zu und drückte ihre Hand dichter an seine Brust. Genoss die gespreizten Finger auf seiner bloßen Haut, wie sie wie Eisbrecher durch die Brusthaare fuhren. "Tja...Wie soll es sich verändern. Ich spüre Hände auf meiner Haut und ich mag das Gefühl. Ich mag es sehr."
      Nicht zu weit, Django. Genug aus dem Fenster gelehnt. Aber dieses Kichern. Dieses zuckersüße, seltene Geräusch, das ihn so überraschte und gleichsam selbst zum Schmunzeln brachte.
      "Wenn du willst, zieh ich es wieder an und du hast deine ganze Ruhe."
      Nun war es an ihm. Sachte zog er seine Hand hinauf und streifte ihren Hals, während er seine Finger an ihre Gesichtsseite legte. Seine Hand war zu groß für ein derart zartes Gesicht, sodass er es etwas verschob und seine Finger an ihrem Kopf platzierte, während der Daumen in der Falte vor ihrem Ohr verschwand. Sollte sie ihn aufhalten.
      Sollte sie...
      "Wie anders?", fragte er sanft und wollte sie an sich ziehen, ehe er selbst bemerkte wie sie näher kam. Die zweite Hand an seinem Rücken irritierte ihn, kitzelte aber angenehm auf seinen Rückenmuskeln.
      Sachte und beinahe selbstverständlich drückte sie sich an ihn und fügte das getrennte Bild zu einem Ganzen zusammen. Da war nichts, was er nicht mochte und nichts, dass er misste in diesem Moment, wo die Zeit rückwärts zu laufen schien und die Grenzen von Empfinden und Wahren sich verschmolzen.
      War das ein Traum?
      Sachte legte er seinen zweiten Arm um ihren Rücken und drückte sie ganz leicht an sich. Seine rechte Hand ruhte auf der von ihm abgekehrten Gesichtsseite und für einen Moment senkte er das Haut auf ihren Scheitel. Nur eine Sekunde lang erlaubte er sich, einen tiefen Atemzug zu nehmen und ihren Geruch einzuatmen. Sicherlich, es roch nach Shampoo und dergleichen aber er bildete sich einen Hauch einer Nuance ein, die zu ihr gehörte.
      Ruairi wusste nicht, was sie hier taten. Und sein Verstand wollte nicht mehr funktionieren. Wie sollte er noch eine Grenze definieren, wenn sich das alles so wunderbar anfühlte? Dies alles hier. So real...
      Erst danach bemerkte er, wie sein eigener Körper nachgab und er sich leicht von ihr löste.
      "Komm", murmelte er und setzte sich auf das Sofa, ehe er sie zu sich und wieder in diese Umarmung zog. Es sollte nicht so steif sein, dies Ganze. Aber gleichsam wollte er nicht loslassen.

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    • Und wie Ruairis Puls ihn verriet. So gefasst sein Gesichtsausdruck auch sein mochte, der rasende Herzschlag unter Embers Finger sprach eine gänzlich andere Sprache. Es war nur natürlich, dass ihm gefiel, wenn sie ihn berührte. Die Gründe dafür hatte er ihr vorhin bereits geliefert und hegte er nicht auch nur einen Funken Sympathie für die Ermittlerin, dann hätte er sie unlängst von sich gewiesen.
      Die Art, wie seine Finger kurz ihren Hals striffen. Wie seine ganze Hand sich sanft an ihren Kopf schmiegte. Sie merkte nicht, dass er sie ebenfalls an sich ziehen wollte bevor sie es aus Eigeninitiative getan hatte. Trotzdem glimmte immer wieder ein kleiner, penetranter Funken Zweifel und Sorge auf. So als fürchtete sie jeden Augenblick damit, dass er sie doch von sich schob und ihr eine klar definierte Grenze aufzeigte.
      Er drückte sie leicht an sich. Hielt den Kontakt zu ihrem Gesicht aufrecht. Sein Atem, der einzelne Haare ihres Hauptes in Bewegung versetzte. So standen zwei erwachsene Menschen einfach im Raum und hielten sich gegenseitig als sei es das Einzige, das auf dieser Welt noch gerade zählte.
      Wie sollte sie seine Frage richtig beantworten, wenn sie selbst nicht einmal Worte dafür hatte? Sie würde den Teufel tun und ihm sagen, dass sie ihn unweigerlich mit ihrer letzten vergleichbaren Erfahrung maß, die nun einmal August war. Obwohl die Kluft zwischen diesen beiden Männern nicht größer hätte sein können.
      Gerade suchte Embers Geist noch nach Worten, die ansatzweise das beschrieben, was sie meinte, da ging Bewegung durch Ruairis Körper. Sein Halt an ihr löste sich, schaffte Lücken zwischen ihnen und zwang Ember dazu, aus ihrer Komfortzone zu kommen und ihn einen Augenblick lang etwas verunsichert anzusehen.
      "Komm."
      Er war schon dabei, sich auf der Couch niederzulassen, da hatte sie sich noch keinen weiteren Schritt bewegt. Seine Hände fassten nach ihren Unterarmen und zogen sie sanft mit sich. Etwas ungelenk folgte sie seinem Zug, bekam ihre Beine nicht ordentlich sortiert und ging dann mit der Position, die von selbst zu ihr kam. So saß sie rittlinks auf ihm, seine Arme locker um ihre Taille geschlungen während sie eng an ihn geschmiegt über seine Schulter hinweg zur anderen Seite des Raumes blickte.
      "Was machen wir gerade eigentlich?", fragte sie hörbar amüsiert und kaschierte nicht das warme Lächeln, das ungesehen blieb.
      Mit jedem ihrer Atemzüge rieb ihr Brustkorb an dem seinen, spätestens jetzt drang seine Körperwärme mit Leichtigkeit durch den viel zu großen Pyjama. Ember wusste nicht, ob ihr kalt oder warm sein sollte, es ging schlussendlich in einem einzigen Gefühl unter. Schließlich legte sie ihre Arme hinter seinem Kopf auf die Rückenlehne der Couch ab und hob ihren Kopf an. Dann neigte sie ihn, bis sie Stirn samt Augenpartie an seiner Halsbeuge vergraben konnte. Nichts sehen, nichts denken, nur spüren. Für einen Moment lang wirklich daran glauben, dass sie nicht stark aushalten musste und es jemanden gab, der sich an ihre Seite stellen mochte. Mit allem, was dazu gehörte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi musste ebenfalls grinsen als sie ihre Frage stellte.
      Was taten sie hier eigentlich? Zwei Erwachsene, die einander umschlungen hielten wie Kleinkinder, nach dem einzigen Halt greifend, den sie ermessen konnten. Dem Halt der Zuneigung.
      Ihre Körperwärme war wie eine Droge und jede Berührung, die er entgegen nahm und die sein Körper registrierte, war gerade zu süchtig machend. Ruairi drehte sein Gesicht ebenfalls in ihre Halsfalte ein und kam mit seinen Lippen auf ihrem Hals zu liegen. Er riss sich gerade so zusammen, um nicht einen Kuss auf die weiche, warme Haut zu hauchen und seufzte hörbar als er ausatmete.
      "Ich weiß es nicht", flüsterte er, nachdem er die Lippen etwas entfernt hatte. Sie war einfach zu klein, um sich besser zu positionieren. "Aber egal, was wir hier machen. Lass es uns noch etwas länger machen."
      Eine einfache Bitte. Vielleicht nur fünf Minuten ehe sie sich wieder besannen und Menschen waren, die sich mochten. Aber diese Nähe, diese Wärme war so viel mehr als ihnen körperliche Lust geben konnte. Es dauerte keine Sekunden, da begannen seine Hände den zarten, warmen Körper in seinen Armen zu liebkosen, indem zumindest die Rechte immer wieder auf und ab über ihren Rücken fuhr. Genoß die zarte Hautpartie, die sich erspüren ließ und versuchte, nicht aufdringlich nach Unterwäsche oder dergleichen zu tasten. Auch wenn die Versuchung viel zu groß war.
      "Nur fünf Minuten", murmelte er, diesmal näher an ihrem Hals und sah selbst zu der Schwärze des Fernsehers hinauf. Eine Spiegelung war nicht erkennbar, aber wenn er sich ganz darauf konzentrierte, wusste er, dass er eine wunderschöne Frau im Arm hielt. Gott, wie lange war es her?
      Die linke Hand wanderte an ihren Hinterkopf und fuhr erst über das weiche, frisch gewaschene Haar, ehe er die Gunst der Stunde nutzte und mit seinen Fingern hindurch fuhr. Einfach nur um die warme Haut ihres Kopfes zu massieren. Und ihr hoffentlich ein gutes Gefühl zu geben.

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    • Ember rührte sich nicht einen Millimeter als Ruairi seinen Kopf ungesehen bewegte und sie mit absoluter Sicherheit bestimmen konnte, dass er seine Lippen gerade an die weiche Haut ihres Halses gebracht hatte. Es war vollkommen egal, was er nun getan hätte, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Sofort spannten sich ihre Muskeln in ihrem Körper leicht an, als erwarteten sie etwas und sehnten sich danach, darauf zu reagieren. Sie verbot ihren Extremitäten sich zu regen, in stummer Erwartung dessen, was noch kommen mochte. Es war sein Seufzen, gepaart mit dem dadurch entstehenden Luftzug auf ihrer Haut, der ihr einen wahnsinnigen Schauer über den Rücken laufen ließ. Das dazugehörige Schütteln konnte sie gerade noch so unterdrücken.
      In seiner Halsbeuge verzog sich ihr Gesicht zu einem weiteren Lächeln. Er wusste also auch nicht, wie man das nennen sollte, was sie hier eigentlich betrieben. Aber fünf Minuten waren nichts im Vergleich zu dem, was sie spätestens Montag wieder während der Arbeit zu ertragen hatte. Da sei es nicht nur ihr, sondern auch ihm vergönnt, für einen Augenblick die Zukunft als solche erst dann in Angriff zu nehmen, wenn sie zur Gegenwart wurde.
      Gerade wollte Ember etwas darauf antworten, da setzten sich Ruairis Hände in Bewegung. Er fuhr mit seiner Hand in langsamen, gleichmäßigen Zügen über ihren Rücken und sorgte dafür, dass die enstandene Spannung sich buchstäblich im Nichts auflöste. Sie sackte sogar noch ein Stück weiter in seine Umarmung hinein. Nicht eine Sekunde lang kam ihr in den Sinn, dass er vielleicht unter dem geliehenen Pyjama nach etwas Anderem suchte. Zumal sie nicht damit gerechnet hatte, dass sie einander so nahe kamen und entsprechend nichts unter dem geliehenen Schlafzeug trug, wie sie es üblicherweise auch tat. So konnte er ohne Unterbrechung in langen Zügen über ihren Rücken hinweggleiten, nur hin und wieder gestoppt durch den Faltenwurf des Pyjamas.
      "Nur fünf Minuten klingt wie ein Schulkind, das nicht aufstehen möchte", sinnierte Ember und hoffte, dass der nächste Schauer für Ruairi nicht erfühlbar war. "Aber ich glaube, fünf Minuten kann ich gerade so entbehren."
      Eigentlich konnte sie mehr als das entbehren. Nie hätte sie gedacht, sich so einfach hinzugeben in eine eigentlich lächerliche Umarmung. Wie kaputt, wie geschunden musste ihre Psyche wirklich sein, dass sie Linderung in solch einer Aktion empfand? Sich die Berührung wie Balsam auf die Risse schmierte, die ihre Seele durchzogen.
      So gerne Ember es auch geleugnet hätte, sie konnte das leise, wohlige Summen nicht unterdrücken, als Ruairi mit seiner Linken durch ihr Haar fuhr. Wann hatte jemand sie überhaupt so berührt? Die Möglichkeit eines Nie rückte in greifbare Nähe, sodass sie ihr Summen kurzzeitig zwecks Verwunderung unterbrach, nur um es kurz darauf wieder anzustimmen.
      Sie zog ihre Arme etwas enger, damit sie mit ihren Fingerspitzen seine Schultern gerade so berühren konnte und wie ein Federstreich über seine Haut fahren konnte.
      "Mich beschleicht so das Gefühl, dass du gleich auf gar keinen Fall mehr den Schlaf findest, wenn ich wieder nach oben gehen", flüsterte sie leise, wohl wissend, dass sie vermutlich unter dem gleichen Phänomen leiden würde.
      Wie sollte man allein in den Schlaf finden, wenn man wusste, dass sich der Andere nur ein paar Meter entfernt befand? Nachdem sie diese wohlige Einheit gebildet hatten, die so weit ab von dem war, was Ember mit August erlebt hatte, dass es sich wie zwei verschiedene Universen anfühlte.
      "Schon komisch. Wenn ich so darüber nachdenke, hatte ich sowas mit keiner meiner bisherigen Beziehungen. Oder Freundschaften. Oder was auch immer. Ich weiß nicht, wie du es machst, aber es funktioniert. Hättest mir ruhig eher sagen können, dass Anker sein sich so schön anfühlt..."
      Selbstredend wusste Ember, dass es nicht am Dasein einer Ankerrolle lag, warum sie sich so fühlte. Es reichte tiefer, als sie es auf den ersten Blick sagen mochte. Vielleicht auch nur deswegen, weil sie das erste Mal wirklich ihre Schutzwälle vor den neugierigen Blicken eines Anderen niederriss.

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    • Ruairi lachte leise an ihrem Hals und genoß den Geruch ihrer Haut im Wechselspiel von Heiß und Kalt.
      Seine Hand rutschte in einem stetigen Zug immer weiter über ihren Leib und er dachte nicht einmal daran, diesen Zug aufzuhören. Die Rechte massierte ihre Kopfhaut weiter und er hätte es schwören können: Wenn sie den Kopf auch nur ein bisschen neigte, würde er sie küssen. Und vermutlich alles zunichte machen, aber es war wie ein Drang den er nur inne halten konnte, wenn er sie nicht ansah und ihre Kopfe nicht in nächster Nähe zueinander waren.
      "Es ist schön, dass du fünf Minuten hierfür hast", grinste er. "Und wenn es sich weiter so schön anfühlt und ich einer schönen Frau über den Rücken streicheln darf, bin ich dafür auch gerne ein Schulkind."
      Es war eigentlich so einfach , nicht wahr?
      Und er fühlte die Schauer, die über ihren Rücken gingen und grinste noch breiter, weil es ihm zeigte, dass sie es mochte. Auch wenn sie es vielleicht nicht aussprechen konnte. Er veränderte seine Zugrichtung und für nicht mehr mit der ganzen Hand, sondern nur noch mit den Fingerspitzen über den Pyjama, sodass mehr Widerstand an einzelnen Stellen entstand.
      "Oh, ich werde nicht eine Minute Schlaf finden", lachte er leise und das Kichern schüttelte seinen ganzen Körper leicht durch. "Ich werde wach liegen und mich vermutlich die halbe Nacht fragen, ob ich träume."
      Als sie von ihren bisherigen Erfahrungen sprach, drückte er sein Gesicht in ihre Halsbeuge, um auch hier das Grinsen zu verstecken, das er sich auf das Gesicht tätowieren lassen musste, wenn es so weiter ging.
      "Ich mache gar nichts besonders", sagte er und bewegte die Lippen an ihrem Hals nur langsam, damit es nicht unangenehm kitzelte. "Wir neigen manchmal dazu, uns einen Anker sehr schwer oder kompliziert vorzustellen. Als wäre es ein Ehrentitel oder dergleichen, der uns verfolgt. Doch das hier..."
      Er wies auf sie beide und ließ beide Hände von ihren Standorten herabfallen, wo sie auf ihren Hüften Platz fanden. Auch diese verschwanden unter seinen beinahe zu großen Händen, während er den Kopf und sie ansah. Das einzige an Beherrschung riskierend was er noch hatte.
      Ob sie wusste, wie schön ihre augen in diesem Licht waren?
      "Das ist mehr als ein Anker. Es erdet, es beruhigt, es gibt einem Menschen Frieden. Sollte es nicht immer so sein?", fragte er und legte den Kopf schief.

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    • Nun, da Ember so nah an Ruairis Körper geschmiegt saß, ging sein Lachen praktisch nahtlos in ihren eigenen Körper über. Seine Vibrationen wurden zu ihren, erschütterten ihren Körper und zwangen sie selbst zum Lächeln. Sie wusste nicht, warum er dachte, er würde träumen wenn sie beide auf verschiedenen Etagen schliefen. Vielleicht zog er einfach diesen Moment in Gedanken immer wieder durch seinen Kopf und hielt sich damit wach während Ember nicht das Gefühl abschütteln können würde, welch eine Einheit sie gerade bildeten.
      Unweigerlich zuckte ihre Schulter jedoch etwa nach oben als sich seine Lippen wieder an ihren Hals legten und er dort zu sprechen begann. Sie spürte wie er versuchte langsam zu reden aber die Berührung erzeugte trotzdem eine Gänsehaut, die sich gewaschen hatte. Ein kleines bisschen war sie darüber froh, als sein Gesicht aus ihrer Halsbeuge verschwand. Allerdings geschah das Gleiche auch mit seinen Händen, was sie jäh aus ihrem leichten Dämmerzustand riss. Kurz darauf fanden seine Hände wieder den Kontakt zu ihr, nun ruhend auf ihren Hüften.
      Mühsah drückte sich Ember mit ihren Händen von Ruairi weg bis sie aufrecht vor ihm saß und das erste Mal seit mindetens fünf Minuten wieder sein Gesicht sehen konnte. Sie musste ein paar Mal blinzeln bis sich ihre Augen wieder an das Licht gewöhnt hatten, ihre Hände waren wie von selbst über seine Oberarme bis zu seinen Ellbogen geglitten, wo sie nun ruhig verweilten.
      "Das hier ist mehr als ein Anker, ja? Was ist das denn dann? Ich glaube nicht, dass du diesen Zustand in einer einfachen Freundschaft erreichen würdest", merkte die Ermittlerin nachdenklich an.
      Ihre Augen musterten aufmerksam Ruairis Mimik. Sie war sich sicher, dass sein Blick ab und zu zu ihren Lippen huschte und fragte sich umgehend, wie lange er diesen Gedanken hegte. Ob sie ihn unterstützen oder dagegen handeln sollte. Sich selbst sabotieren oder es genießen sollte.
      Wie lange denkst du, fühlst du schon so mir gegenüber?", fragte Ember während ihren Hände ihren angestammten Platz verließen und sich auf seinen Bauch schlichen, um dort geistesabwesend über die Haut zu streichen. "Wieso solltest du denken, dass du träumst? Wäre ich einfach in die Bahn gestiegen, wäre das hier nie passiert. Ich wäre einfach gegangen wenn du mich nicht gefragt hättest..."
      Sie durfte nicht in kritische Gefilde abdriften. Sie durfte sich ihm nicht weiter nähern, ihm keine falschen Signale senden, die einer von ihnen später bereute. Aber wer bestimmte eigentlich, was es zu bereuen gab? Wenn sie sich nun etwas zu ihm beugte, vielleicht sogar noch sein Gesicht berührte, dann würde er sicherlich nicht noch einmal zu Stein erstarren. Aber war es wirklich das, was sie beide wollten?
      "Sag mir, was du dir wünschst", forderte sie ihn zwar sanft, aber bestimmt auf.
      Ähnlich wie er hatte Ember ihren Kopf etwas zur Seite geneigt und sah ein wenig auf ihn herab in ihrer fabulösen aufrechten Körperhaltung, die keinen Spielraum für Selbstzweifel ließ. Ein Ausblick auf die übliche Selbstsicherheit, die sie während ihrer Zweisamkeit gerne an den Tag legte. Wenn er schon keine Grenzen definierte, dann musste sie hören, was er sich hiervon wirklich erhoffte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis Hände blieben ruhend auf ihren Hüften liegen und er verbot sich die Tatsache, dass er gerne zugegriffen hätte. Nicht, um lüstern zu sein sondern um sich zu vergewissern dass dieser Mensch wirklich auf ihm saß. Er wunderte sich insgeheim, dass sein Unterkörper noch keine Reaktion zeigte.
      Nicht dran denken!
      Gott, alleine diese zarte Berührung an seinen Ellenbogen. Innerlich wühlte sich ein Biest durch seine Seele und geiferte regelrecht nach Embers Lippen, deren Angesicht er immer wieder in den Fokus nahm. Er konnte nicht einmal etwas dafür, obgleich er es selbst war. Aber es glich nunmal einem Verdurstenden, dem man das Wasser vor die Nase hielt.
      "Ich...Ich weiß es nicht", sagte er wahrheitsgemäß. "Und es ist mir auch ehrlich gesagt gleich, was andere oder die Gesellschaft von dem hier halten? Warum ist es wichtig, auf alles ein Label zu kleben? Oder was ist es deiner Meinung nach?"
      Was war das hier? Eine gute Frage, wenn man es genau betrachtete. Es ging tiefer als alles andere was er die letzte Zeit über empfunden hatte. Wann war er jemals so entspannt gewesen.
      "Wie lange...Ich weiß nicht. Nicht so lange, denke ich. Ich kann es nicht genau sagen, ehrlich gesagt", murmelte er ein wenig schuldbewusst.
      Als sie über seinen Bauch streichelte spürte er unbewusst, wie sein ganzer Körper sich gegen ihre Hand drückte und er nach ihr greifen wollte. Sie dort halten wollte. Was er auch tat. Schweigsam legte er eine Hand auf ihre und drückte sie an seinen Bauch. Einfach um die Wärme zu fühlen.
      "Warum träumen...Weil das schön ist. Wundersam schön", grinste er. "Und warum würdest du nicht in den Schlaf finden? Ich meine, sonst würdest du mich ja nur ausfragen..."
      Er sah kurz an ihr vorbei, um zu ihren Lippen zurück zu kehren. "Ich hätte mich vermutlich den ganzen Abend dafür gehasst, dass ich das hier verpasst habe. Ich hätte mich gefragt, wie ich es hätte besser machen können und mir anschließend Rat bei meinem Bruder geholt. Der mich fertig gemacht hätte. Zurecht."
      SChweigsam sah er sie für eine geschlagene Minute an und seufzte schließlich lächelnd, ehe sie wieder fixierte und fest in ihre Augen sah.
      "Wenn du mich fragst was ich wünsche...Wünsche ich mir herauszufinden, was passiert, wenn ich dich küsse. Ich weiß, es würde vermutlich alles sprengen was wir an Grenzen oder Scheingrenzen ausgemacht hätten, aber gerade brennt mein Geist darauf. Und du?"

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    • "Also ich denke, den Stand der kollegialen Bekanntschaft ist längst überschritten", antwortete Ember gespielt ernst und kämpfte ein aufkommendes Lächeln nieder. "Vielleicht hätte ich von Anfang an nicht so krampfhaft versuchen sollen, dich einfach nur als einen neuen Kollegen zu betrachten."
      In der Tat hatte sie willentlich alles von sich geschoben, das in Verbindung mit Ruairi über die Beziehung auf der Arbeit hinausging. Sie wollte nicht so wirken, als suche sie sich nur ein Ventil, um ihren Schmerz abzulassen. Einen Schmerz, den sie niemanden erzählt hatte und von dem niemand etwas hatte wissen können. Nicht schon wieder einen Zauberer, um die sie eigentlich einen gewaltigen Bogen schlagen wollte.
      Ihre Augen zuckten kurz nach unten auf ihre Hände, von denen eine nun von Ruairis größerer Hand an seinen Bauch gepresst wurde. Noch immer strahlte er diese unglaubliche Wärme ab während sie nun jeden seiner Atemzüge genau nachverfolgen.
      Ein wenig geschlagen zuckte sie mit den Schultern auf seine Nachfrage hin, warum ihr Schlaf gestört sei. "Weil ich mich ständig daran erinnern würde, dass ein Stockwerk tiefer du auf dem Sofa dein Dasein fristest. Und es eigentlich in deinem Bett viel gemütlicher wäre, besonders nachdem ich nun weiß, wie schön sich deine Wärme anfühlt."
      Natürlich hätte er sich gehasst, wenn er das hier verpasst hätte. Dafür hatte er viel zu oft gelacht, sich an ihren Berührungen ergötzt und nicht umsonst um wertvolle fünf Minuten ihrer Lebenszeit gebeten. Aber wäre sie gegangen, hätte er nie gewusst, ob es wirklich hierzu gekommen wäre. Denn hätte Ember ihr Handy unten nicht liegen gelassen, wäre auch diese Situation gar nicht eingetreten. Dass er sich darüber hinaus noch Rat bei seinem jüngeren Bruder hätte holen müssen, war einfach nur zuckersüß.
      Die folgende Minute war seltsam. Es entstand ein Blickduell zwischen ihnen, in denen keiner ein einziges Wort sprach. Als versuchten sie, nur anhand ihrer Blicke zu kommunizieren und schließlich scheiterten sie beide grandios. Bevor Ember allerdings die Stille brechen konnte, seufzte Ruairi lächelnd und sie versank wieder in seinen blauen Augen.
      Als er offenbarte was er sich wünschte, regte sich gar nichts im Gesicht der Frau auf seinem Schoß. Allerdings ereilte sie das dringliche Gefühl, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben und einfach zu fallen. Sie hatte geahnt, dass es ihm die ganze Zeit im Sinn herumgespukt hatte und es wäre gelogen wenn sie nun behauptete, sie hätte gar kein Interesse daran gehabt. Nachdem sich eine einfache Umarmung schon nach viel zu viel angefühlt hatte, war es doch nur natürlich wissen zu wollen, wie sich der Rest anfühlen mochte. Seine Lippen auf ihren, vermutlich schmeckten sie beide noch nach Zahnpasta.
      Er gab ihr das Ruder in die Hand, ließ sie entscheiden nachdem er ihr offenbart hatte, wonach ihm der Sinn stand. Er hatte es sich nicht einfach genommen, wahrte die Grenzen, die sie beide nie für einander aufgestellt hatten. Sie verstand mehr als gut, warum er gerade darauf brannte und damit erwägte, alles andere über Bord zu werfen. Diese Frage seinerseits hatte allerdings einen anderen, wirklich nützlichen Effekt. Denn Ember hatte gerade eine wirkliche und deutliche Grenze für sich aufziehen können. Eine, die sie heute definitiv nicht überschreiten würde.
      Nun war es Ember, die ein paar Augenblicke verstreichen ließ und einfach nur Ruairi betrachtete. Sie zog ihre freie Hand von seinem Bauch zurück und strich sich ein paar noch feuchte Strähnen zurück.
      "Wir hatten Grenzen ausgemacht?", harkte sie sicherheitshalber nochmal nach, "Ich erinnere mich nicht daran, dass einer von uns jemals eine Grenze hörbar definiert hat. So wie ich dir jetzt mitteile, dass wir heute ganz bestimmt nicht miteinander schlafen werden."
      Braves Mädchen. Zieh die Grenze, aber lass die Möglichkeit für die Zukunft offen. Nicht heute...
      Dann streckte sie ihre Hand nach ihm aus während sie sich mit der anderen noch immer an seinem Bauch abstützte. Ihre Finger streiften seinen Kieferknochen und kamen unterhalb seines Ohres zur Ruhe. Dieser Bewegung folgte ihr Oberkörper, brach erneut die unsichtbare Linie der Privatssphäre bis sie kurz vor seinem Gesicht zum Halten kam. Ihre Lippen schwebten nur Millimeter von seinen entfernt, so als müsse sie sich noch einmal Gedanken machen, ob sie das wirklich tun wollte. Ihre halbgeschlossenen Lider senkten sich komplett als sie ihre Lippen hauchzart auf die seinen legte und das Gefühl hatte, ihr Herz sprenge gleich ihren Brustkorb.
      Wann hatte sich das letzte Mal so bei einem einfachen Kuss gefühlt?
      Einem einfachen Kuss, der so sanft war, als existiere er gar nicht. Ein einfacher Kuss, der nur wenige Herzschläge lang andauerte und wie erwartet eine Note Zahnpasta mit sich trug. Nachdem sich ihre Lippen getrennt hatten, verweilte sie schwebend kurz vor ihm, unfähig sich einfach wieder zurückzuziehen.
      "Also ja, ich hab's mich auch gefragt... Und?... Was passiert jetzt?", hauchte sie ihm auf die Lippen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Wie nannte man den Moment, wenn Wunsch und Sehnsucht einander umarmten?
      Zumindest wenn es nach Ruairis Großmutter ging, nannte man es Schicksal. Noch gerade sprachen sie über Grenzen, die nicht dort waren und die schlanke Frau auf seinem Schoß schaffte es endlich, ihm eine körperliche Reaktion zu entlocken. Welcher Mann hätte sich nicht bei ihren Worten ihre gemeinsame Nacht vorgestellt? Eine Nacht voll ungezügelter Leidenschaft und Nähe. Er musste achten, dass er seine Gedanken im Zaum hielt, als sie sich so lange ansahen.
      "In Ordnung", stimmte er lächelnd zu. "Kein Sex. Nicht heute."
      Und er hörte sehr gut heraus, dass sie die Möglichkeit auf ein "Erneut" niemals ausschloss. Und auf eine perfide Art und Weise entlockte es ihm ein fröhliches Lachen, ehe sie plötzlich ihre Hand an sein Gesicht legte. Sie war so nah, die Wärme so real und alles andere im Raum so herrlich bedeutungslos wie ein Sack Reis in China.
      Er konnte nicht anders als sich der Berührung beinahe gänzlich zu ergeben und schloss die Augen im gleichen Moment wie sie. Zart und beinahe kaum fühlbar für seine gerade erst befeuchteten Lippen hüllte der Kuss sie einmal ein. Und wenn Sie glauben, geneigter Leser, die Zeit habe angehalten und die Welt aufgehört, sich zu drehen, so muss ich enttäuschen.
      Denn nichts dergleichen fühlte Ruairi.
      Der Zauberer erstaunte sich selbst über die Tatsache, dass er gar nichts spürte oder dachte. Nur sie. Als würde sie alles andere sträflich aus seinen Gedanken befördern und fortschließen bis zum Morgen. Als sich die zarten Lippen und der Geschmack nach Zahnpasta zurückzogen blickte er beinahe wie irr in die Gegend und wusste einen Moment nicht, was er sagen wollte.
      "Ich...äh....nun...äh...", stotterte er und kratzte sich die Nase, ehe er sie wieder ansah.
      Und noch einmal küsste. Sicherlich war er nicht so zart und feinfühlig wie Ember, drängte ihn doch sein eigener Körper zu einem erneuten Kuss. Als würde ihm etwas fehlen, drückte er seine Lippen auf ihre und bat mit seiner Zunge zart und zurückhaltend um Einlass.
      Erst nachdem er das erlangt hatte, was er wollte zog er sich wieder zurück und leckte sich über die Lippen.
      "Wow...", flüsterte er. "Sorry, deine Frage. Also...Ich würde vorschlagen: Da wir beide uns danach sehnen, diese Wärme zu behalten und du mich ohnehin schon oben ohne gesehen hast...Wie wäre es wenn ich oben übernachten würde. Neben dir."
      Ruairi lächelte und fuhr ihr mit den Fingern den Kieferknochen entlang um die vorwitzige Strähne diesmal selbst zurück zu streicheln.
      "Es ist natürlich kein Muss oder Zwang. Aber ich habe ehrlich gesagt vor, dich noch ein paar Mal zu küssen und da wäre der Weg doch wirklich weit, findest du nicht? Aber alles andere bleibt wie du es willst."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein stotternder Ruairi brachte Ember dann doch ein wenig aus dem Konzept. Sie hatte mittlerweile sehen können, dass sie ihn mit den richtigen Mitteln gut außer Fassung bringen konnte. Trotzdem zu hören, wie er seine Silben nicht mehr richtig aussprach, amüsierte sie schon etwas. Gerade war er noch dabei, sich verlegen die Nasenspitze zu kratzen, da war er schon wieder bei ihr. Natürlich war er nicht so vorsichtig, wie sie es vorhin bei ihrem ersten Kuss gewesen war. Allerdings war er es, der zart mit seiner Zunge über ihre Lippen fuhr und sie regelrecht dazu verführte, die Lippen zu teilen. Es war gefühlt nur ein Bruchteil einer Sekunde, in der sich ihre Zungenspitzen leicht berührten, als trauten sie dem Anderen noch nicht wirklich. Dann löste er sich von ihr und beantwortete tatsächlich ihre Frage.
      Embers Augenbrauen hoben sich leicht, ein gemischter Ausdruck trat auf ihr Gesicht. Eine Mischung aus gespielter Überraschung und Empörung lag in ihrer Mimik als sich sich kerzengerade aufrichtete, Ruairi jedoch gewähren ließ, diese vermaledeite Strähne hinter ihr Ohr zu streichen.
      "Beschränken sich deine Küsse dann nur auf meine Lippen?", fragte sie mit einem triezenden Unterton, biss sich allerdings sogleich auf die Lippen.
      Falsche Botschaft, meine Liebe.
      "Also meinst du, du kannst besser schlafen, wenn ich direkt neben dir liege, ja? Das muss ich sehen."
      Eilig rutschte Ember von seinem Schoß zurück und angelte dabei nach ihrem Handy, das sie in der Hosentasche verschwinden ließ. Dann reichte sie Ruairi die Hand, die er ergriff und sich endlich vom Sofa erhob. Anschließend ging sie voraus, führte ihn an ihrer Hand hinter sich her zu den Treppenstufen und hinauf.
      "Du bist ganz schön ausgefuchst würde ich sagen." Man hörte das Lächeln in Embers Stimme, als sie auch die letzte Stufe erklomm und zum Bett ging. "Sehr subtil erreicht, dass du dir den Rücken nicht auf der Couch versauen musst. Hätte ich nicht anders gemacht. Jetzt kommst du in dein eigenes Bett und liegst nicht allein."
      Vor dem Bett hielt sie plötzlich inne, wühlt das Handy heraus und legte es auf den nächstenbesten Platz ab. Da, wo sie hinging würde sie es gewiss nicht brauchen. Danach kehrte sie zu Ruairi zurück und musste ein leises Seufzen kaschieren, als sie ihn so wartend da stehen sah. Es war einfach unverschämt, dass sie ihn scheinbar wie auch immer in ihren Bann gezogen hatte und er nicht einmal wusste, wie.
      Ganz automatisch fanden ihre Hände zu seiner Brust, wanderten aufwärts über die Schlüsselbeine, den Hals bis zu seinem Gesicht hinauf. Sie musste sich ansonsten viel zu sehr strecken, damit sie an ihn heran kam, also führte sie ihn mit ihren Händen an seinen Wangen zu sich hinab. Ein weiterer Kuss wurde gestohlen, noch immer mit dieser Zärtlichkeit, die scheinbar jede Aktion erfüllte, die sie einander entgegenbrachten. Doch nun war sie es, die ihn mit ihrer Zunge lockte, nur um sich kurz darauf wieder zurückzuziehen. Es war wie eine Droge der allerschlimmsten Art und Weise. Jene Art, die man einmal probierte und nie mehr ohne sie leben wollte.
      "Schön dran denken: Kein Sex", erinnerte sie, wobei ihre Augen ganz kurz gen Süden wanderten bevor sie sich völlig von ihm trennte und als Erste unter der Decke verschwand. Das konnte ja heiter werden...

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Man hätte diese kerzengerade Haltung durchaus missverstehen können, dachte Ruairi und musste breit grinsen. Das Grinsen wurde zu einem schallenden Lachen, als sie ihre Frage stellte, kurz nachdem die glühenden Lippen der beiden sich getrennt hatten. Sie schmeckte noch immer nach diesem Feuer, dieser Gluthitze, die ihn verzehren konnte, wenn er nicht aufpasste.
      "Ich´küsse dich überall, wo du es willst", sagte er und zog eine Augenbraue hinauf. Das Glitzern in seinen Augen war eindeutig nicht jugendfrei. "So lange du willst", raunte er ihr zu.
      Willig ließ er sich von ihr in die Höhe ziehen und hinter sich her führen. Sein Herz jubilierte bei dem Ausblick auf die gemeinsame Nacht. Und sei es nur, indem sie nebeneinander lagen und sich hielten. Und er sie nochmals küssen konnte. und nochmals. Und vielleicht noch viele Male, wenn er ehrlich war.
      Er kam nicht umhin, ihr heimlich und mehr verstohlen auf den Hintern zu schauen, während sie die Treppe hinauf gingen. Und dennoch versuchte er hin und wieder fortzusehen, aber der Schwung ihrer Hüften war selbst unter dem viel zu großen Pyjama zu verführerisch um ignoriert zu werden.
      Lachend folgte er ihr hinauf und murmelte:
      "Was soll ich sagen? Manchmal habe ich auch gute Ideen! Das hier ist definitiv meine Beste. Und wenn ich dir sage, wie sehr mein Herz gerade hüpft vor Freude, würdest du mir eh nicht glauben."
      Der Schalk sprang in seiner Stimme mit, wobei der letzte Satz durchaus ernst gemeint war. Das Leben schien mehr oder minder an ihm vorbei zu ziehen, als sie den Aufgang erreichten und sie sich vor dem Bett bereits zu ihm umdrehte. Gott, sie war schöner als so mancher Teufel Ränke schmieden konnte und dennoch schluckte er den Großteil seiner Begierde hinab. Ruairi wollte Echtes. Wahrhaftiges. Widerstandslos ließ er sich einen Kuss stehlen und neigte sich leicht hinunter. Als er ihre Zunge spürte, versuchte er sie einzufangen aber sie entzog sich ihm wieder. Diese raffinierte Frau. Selbst der letzte Blick auf seine südlichen Regionen quittierte er mit einem lüsternen Lachen und nickte.
      "Kein Sex", stimmte er zu und schlug die Decke zurück um darunter zu verschwinden. "Aber das wird ja wohl erlaubt sein..."
      Leicht beugte er sich zu ihr hinüber, um sie halb unter sich zu begraben. Sachte stützte er sich mit den Ellenbogen ab, um sie nicht zu ersticken und beugte sich über ihr Gesicht. Die Decke auf seinen Hüften wirkte beinahe wie ein nutzloses Accessoire als er sich langsam auf ihre Lippen senkte und sich diesmal nicht nur einen Kuss stahl.
      Seine linke Hand suchte förmlich nach ihrem Kieferknochen und streichelte leicht darüber, während der rechte Arm sein ganzes Gesicht stützte. Dieses Mal teilte seine Zunge recht herrisch ihre Lippen auf und ließ keinen Rückzug zu. Auch wenn ihm immer wieder Zweifel durch den Kopf gingen, genoß er das Gefühl und seufzte, als er sich wieder von ihr löste und an ihre Seite legte.
      "Wow...", flüsterte er. "Hatte ich schon gesagt, ich weiß..:"

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    • In einer Sache lag Ruairi gewaltig daneben: Ember glaubte ihm auf's Wort, dass sein Herz vor Freude sprang. Man hörte es, sah eh, fühlte es mit jeder einzelnen Faser, wenn man mit ihm interagierte. So gerne sie auf ihr altbekanntes Misstrauen zurückgegriffen hätte und jedes einzelne Wort von ihm auf Fehler sezieren wollte, es fiel ihr einfach unfassbar schwer. Als drängte ihr Geist sie dazu, wenigenstens diese Nacht nicht daran zu glauben, dass jeder Zauberer ein manipulativer Mistkerl war, der sie nur ausnutzte.
      Immer wieder beteten sie sich beide ihre absolute Schmerzensgrenze vor. Vielleicht, damit sie beide nicht mit dieser Grenze zu spielen begannen, obwohl sie hin und wieder bereits um sie herum tanzten. Trotzdem ließ sich die gespannte Vorfreude auf das, was noch kommen mochte, nicht aus ihren Gliedern verbannen. Sie hatte sich indes auf den Rücken gelegt, ein wenig aufgestützt, als er sich unter der Decke zu ihr auf den Weg machte. Gott, sie wie er sie förmlich unter sich begrub war schon verheißungsvoll genug, sodass Ember sich zusammenreißen musste, ihre Hände nicht an grenzwertige Orte zu schicken. Dafür beugte sich ihr Körper ihm ein wenig entgegen als er sich zu ihr senkte und sie wieder küsste.
      Scheinbar hatte ihr Kuss vorhin Eindruck hinterlassen, denn dieser Kuss war nicht mehr so zurückhaltend wie vorhin. Endlich bekam sie ein wenig den Eindruck, dass sie doch eine gewisse Wirkung bei diesem Mann erzielte. Er nicht ständig so vorsichtig und schüchtern war, wie es manchmal den Anschein machte. Und das war etwas, das Ember wirklich mochte. Sie ließ ihn gewähren, akzeptierte den Fakt, dass es auswegslos war und erinnerte sich daran zu atmen, als er sich von ihr löste und auf die Seite rollte.
      Für einen Moment hatte sie das Gefühl, zu implodieren. Sie wollte nach ihm greifen, ihn wieder zu sich ziehen und vergessen, dass sie gerade eindeutige Grenzen gezogen hatten. Das jähe Fehlen des Gefühls von seinem Körper auf ihrem war ein Schmerz, den sie so nicht hatte kommen sehen. Ein missmutiges Brummen entkam ihr als einziges Zeichen der Missgunst.
      Schließlich drehte sie sich auf die Seite, um Ruairi zu betrachten und ein wenig näher an ihn heranrutschte. Eines ihrer Beine legte sie über seine während sie ihren Kopf auf einem aufgestellten Arm abstützte.
      "Wir können ja eine Klingelkasse einführen für jedes Wow, das du sagst", grinste Ember breit. "Aber zurück zum Thema. Doch, ich glaube dir wenn du sagst, dass du gerade unglaublich glücklich bist. Du bekommst dann diese Lachfalten um deine Augen herum, weißt du?"
      Sie lächelte noch immer warmherzig, als sie mit ihrem Zeigefinger den Außenwinkel seines Auges leicht berührte, um dann seinen Wangenknochen nachzuzeichnen, auf den Kieferknochen über zu springen und schließlich an seinem Hals zu verweilen, wo sie ganz leicht auf- und abwärts über die Haut glitt.
      "Fühlt sich das hier denn echt genug für dich an?"
      Ruhig blinzelte Ember, die bitter nötige Ruhe, die sie gerade brauchte. Wenn er so weitermachte, dann war für sie an Schlaf wirklich nicht mehr zu denken. Am Ende würde sie sich über ihre eigenen Grenzen ärgern und zeitgleich loben, dass sie dieser Beziehung Raum gab, um sich erst mal zu entfalten.
      Ihre Finger verließen seinen Hals, wanderten weiter abwärts bis sie leichte Bahnen und Kreise über seine Brust zog. Gott, sie konnte diesen Mann einfach nonstop berühren, ohne eine Pause zu brauchen.
      Während sie sich praktisch selbst in Trance streichelte, sprach sie ihre Gedanken einfach aus ohne abzuwägen, wie groß ihre Tragweite sein mochten. "Ich hab's so satt ständig allem und jedem misstrauisch gegenüber zu sein. Ich kann's nicht einfach abstellen, aber bei dir ist es anders. Ich suche die Fehler, die Widersprüche, und finde keine. Stattdessen sagst du schöne Worte, die jede hören will. Strahlst eine mir unbekannte Wärme aus..."
      Sie hörte selbst, wie ihre Stimme leicht beschlug und zog den Arm unter ihrem Kopf weg. Nun lag sie mit ihrem Ohr an Ruairis Brust, lauschte dem noch immer viel zu schnellen Herzschlag während sie sich einfach nur darauf besann, was sie hörte und unter ihren Fingern spüren konnte.

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    • Ruairi konnte nichts anderes, als diese Frau zu betrachten und zwischen ihren Küssen immer wieder kleine Pausen einzulegen. Denn wenn er ehrlich war und dies nicht immer wieder tat, würde er alsbald mit der Grenze, die Ember gesteckt hatte, zumindest versuchen Limbo zu tanzen.
      Alleine die Berührungen - und seien sie noch so trivial - forderten seine Selbstbeherrschung mehr denn je heraus. Er konnte nicht mal an etwas anderes denken oder betrachten, denn dafür fehlte ihm schlicht und ergreifend der Mut. Zu groß war die Angst, etwas von ihr zu verpassen. Dieser Göttin, die ihn einfach nur ansah und an der Brust berührte.
      Als Ember ihr Bein über seine legte, fühlte er sich wie ein Schuljunge in der frühen Pubertät und musste aufpassen, dass das Blut nicht allzu schnell in andere Gefilde schoss. Wie dumm, dachte er dennoch grinsend und fragte sich, wann eine Frau mit einer simplen Berührung seine Säfte zuletzt derart in Wallung gebracht hatte.
      "So, du möchtest also reich werden, ja?", fragte er neckisch und drehte den Kopf leicht zu ihr. Seinen rechten Arm schob er unter ihren Körper, weil ihm das Gewicht irgendwie gut tat und er nicht mal wusste, dass es ihm gefehlt hatte. "Alleine wenn ich dich ansehe, hisst der niedere Teil meines Gehirns eine große Flagge auf der "WOW!" steht. Müsste ich dafür dann auch zahlen?"
      Ruairi musste leicht lachen, wobei die angesprochenen Lachfalten wieder zum Tragen kamen.
      "Soso, ich habe also Falten, ja?", fragte er grinsend und zog eine Augenbraue hoch. "Und nein, das wusste ich nicht. Ich finde es schön, dass du derartige Kleinigkeiten erkennst und offenbar sehr magst."
      Er traute sich nicht einmal auf ihre Berührungen zu reagieren, da alles nur eine Art Wimmern gewesen wäre. Ein wenig Kontenance wollte er sich dann doch erhalten, wenn er ehrlich war.
      Anschließend nickte er nur. "Ja", flsüterte er. "Es ist real und ich bin mit dir hier."
      Bei den Kreisen auf der Brust konnte er nicht anders, als zumindest ein Seufzen zu entlassen und sich ein wenig unter ihr zu winden. Es war schwer, seine Grenzen zu wahren, wenn der ganze Körper nach einer Frau schrie. Nach dieser Frau schrie. Ihren Berührungen, ihren Lippen, so viel mehr. Ruairi nutzte die Gunst der Stunde nicht mal, um sie zu berühren, weil er seinen Fingern nicht traute.
      Gott, ob sie wusste, was sie mit ihm anstellte?
      "Misstrauen ist keine schlechte Eigenschaft, Ember", murmelte er schließlich und fühlte die Vibration seines eigenen Halses. Seine rechte Hand nutzte den Umstand, dass sie näher kam. und legte sich auf ihren Rücken. In sachten, gleichmäßigen Zügen streichelte er ihr auf und ab und fühlte erneut die Wärme ihrer Haut. Ja, vielleicht rutschte die Hand auch ein- zweimal tiefer, als es sittlich gewesen wäre. Dennoch achtete der Zauberer darauf, seine Hand jedes Mal rechtzeitig zu stoppen. Aber er wollte so viel mehr von ihr sehen, spüren, erfahren. Es war wie einem Kind, das man den Kuchen verwehrte.
      "Ich freue mich, dass du keine Widersprüche und Fehler bei mir zu finden glaubst", sagte er schließlich ruhig und lächelte, auch wenn sie es nicht sah. "Dann will ich dir mal helfen: Also einer meiner Fehler ist zum Beispiel, dass ich ein rechter Basketball-Nerd bin. Bei den Playoffs bin ich nur schwer vom Fernseher fort zu kriegen. Ich mag vegane Sachen nicht, ich kann mir einen Grill nicht ohne Fleisch vorstellen und ich singe zu unpassenden Zeiten. Meistens wenn ich einfach glücklich bin. Ich spreche Gälisch und beleidige Menschen in dieser Sprache durchaus im Auto, wenn ich weiß, dass sie mich nicht verstehen. Und ich habe eine schlechte Selbstbeherrschung, was alte Comics angeht. Ich muss sie kaufen. Was ich dir damit sagen will: Lass dich einfach drauf ein. Ich weiß, dass dein Misstrauen nicht von ungefähr kommt, aber manchmal ist es gut, derartige Grenzen des Verstandes einfach loszulassen. Ich bin hier. Und ich tu dir nicht weh. Im Gegenteil. Ich bin gerade so glücklich, dass mein Herz gerade springen will. Man könnte es mit einem Kuss eindämmen, damit es nicht weghüpft."
      Beinahe spielerisch überzogen spitzte er die Lippen und tippte ihr auf die Schulter.

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    • Nicht eine Sekunde lang unterbrach Ember ihre streichenden Bewegungen auf Ruairis Brust. Sollte er sich so sehr winden, wie er wollte, er entkam ihren Fingern nicht. So schnell schaltete sie gar nicht, dass er sich härter an der sagenumwobenen Grenze befand als sie dachte. Denn bisher wirkte es auf sie so, als schien er sich wunderbar Kilometer entfernt von dieser Grenze zu bewegen. Zugegeben, sie überprüfte es auch nicht, aber der Drang, es zu provozieren war nicht zu leugnen.
      "Natürlich ist Misstrauen nicht zwangsläufig schlecht aber du kennst mich nicht lang genau als dass du wüsstest, wie überzogen es bei mir ist. Es ist völlig egal, wer mir gegenübertritt. Ich höre hinter jedem Wort eine versteckte Aussage, die man schlecht interpretieren kann. Denke, dass man mit mir vor vorgehaltener Hand spricht. Das ist anstrengend", sagte sie leise nachdem sie sich das Rumpeln seiner Stimme in seinem Brustkorb angehört hatte.
      Gerade in ihrem Job war dieses Misstrauen oftmals von Erfolg gekrönt. Wie oft war es ihr Misstrauen gewesen, das dafür gesorgt hatte, dass sie an Fällen dranblieb, die andere Kollegen schon längst ad acta gelegt hatten. Die Fähigkeit, alles anzuzweifeln, egal aus welchem Munde die Worte stammen mochten, war ein Talent und Fluch zugleich.
      Erfolgreich lullte Ruairi Ember ein, indem er wieder mit seiner Hand ihren Rücken entlang fuhr. Es kümmerte sie wenig, wie weit er dabei abdriftete, nahm ihr diese Empfindung doch effektiv die Schwere, die sich kurz in ihrem Magen bemerkbar gemacht hatte. Es war, als umgäbe er sie vollumfänglich und tauchte ihren Körper in eine wohlige Wärme.
      Mit jedem Satz, den er von sich erzählte, wuchs ein Lächeln in dem Gesicht der Ermittlerin und wurde immer größer. Sonst war sie es immer, die Fakten im Schnelldurchgang runter ratterte und es erfreute sie, dass es auch andersherum möglich war. Ein paar dieser Eigenarten musste sie unbedingt mal live erleben.
      "Warte mal. Du beleidigst Menschen im Auto auf gälisch? Muss ich hören. Wieso war das nicht bei unserem Ausflug der Fall? Hast du dich etwa zurückgehalten??" Ein anklagender Ton, der ein wenig durch ihr Grinsen verzerrt wurde. "Und meine Güte, dann versauerst du halt kurzzeitig vorm Fernseher. Sei dir doch auch mal gegönnt. Immerhin hegst du da so eine Leidenschaft. Hm...und was den Grill betrifft... Man grillt doch nur Fleisch. All diese Halloumifreunde können sich getrost mal scheuchen."
      Allerdings zuckte Ember ein wenig als er ihre Schulter antippte. Wollte sie, dass sein Herz aufhörte zu springen, wenn es doch diese wunderschönen Rhythmen in seiner Brust anschlug?
      Ein leises Brummen begleitete sie als sie sich gegen seine Hand an ihrem Rücken aufkämpfte und nun halb über ihm hing. Ihre Haare fielen teilweise nach vorne, die Spitzen tanzten über der Haut seines Gesichtes. Nachdenklich betrachtete sie Ruairi mit seinen geschürzten Lippen, das Grinsen noch immer in ihrem Gesicht.
      "Du möchtest also, dass ich dafür sorge, dass du dich nicht mehr freust? Ganz schön masochistisch... Aber ich will mal nicht so sein."
      Ember schob ihr Bein, das sie über Ruairis gelegt hatte, noch ein Stückchen weiter über ihn hinweg bis sie halb auf ihm lag. Wie er zuvor stützte sie sich auf der anderen Seite seines Kopfes im Kissen mit einer Hand ab während sie eine etwaige Antwort seinerseits im Keim erstickte.
      Mit jeder verstreichenden Sekunde bahnte sich mehr seiner Körperwärme ihren Weg durch die einzige lächerliche Stoffschicht, die ihre Körper voneinander trennte. Es stellte sich als Fehler heraus, dass sie sich halb auf ihn gerollt hatte, denn das sorgte dafür, dass ihre Fantasie schon wieder mit ihr durchging und den eigentlich neckisch angedachten Kuss in etwas spürbar Wilderes verwandelte. Bis sie schließlich ihre Finger ins Kopfkissen krallte und sich mühsam von Ruairis Lippen löste, um ihn schwer atmend anzuschauen.
      "Okay. Moment... Kurz zur Klarstellung: Wo war genau nochmal deine Grenze? Nicht, dass ich dich aus Versehen irgendwo anfasse, wo du es gar nicht willst."
      Hatte er überhaupt eine solche Grenze? Irgendwie zweifelte sie direkt daran, was es jedoch umso spannender für sie machte herauszufinden, wie weit sie ihn triezen konnte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi lachte kurz vorher noch auf und seufzte.
      "Ich glaube gern, dass es anstrengend ist", bekräftigte er. "Aber wenn es dich sicherer macht: Such bei mir nach versteckten Aussagen oder Geheimnissen! Such danach und werde dir klar, dass da nichts ist, außer der Tatsache, dass ich Grenzenlimbo veranstalte, während ich neben einer schönen Frau liege und mich frage, wieso zum Geier ich darauf eingegangen bin, ehe mir klar wird, dass der Grund ritterlich ist."
      SChweigsam hielt er das Lächeln und sah sie an.
      "Ja, ich beleidige auf Gälisch. Und natürlich habe ich mich zurückgehalten, du Genie!", lachte er. "Ich wollte dich nicht vergraulen. Udn ehrlich gesagt, wusste ich bis vor drei Jahren nicht mal, was Halloumi ist."
      Der Kuss riss ihn aus der Wirklichkeit und wieder dahin zurück. Wie von einem unsichtbaren Vorschlaghammer geschlagen, schien er den Halt im Bett zu verlieren und genoß das sanfte Gefühl ihrer Lippen.
      Mit einem Lächeln hatte er das halbe Auf-Sich-Rollen zur Kenntnis genommen und seine rechte Hand gleich etwas enger um ihre Schultern und den verlängerten Rücken geschlungen. Er ließ sie locker auf ihrem Steiß ließen, während er sich fragte, ob er überhaupt nochmal zum Atmen kam? Selbst wenn nicht, es gab schlechtere Arten zu sterben, fand er.
      Erst als sie sich schwer atmend ansahen und er seinerseits, seine Hand in ihren Pyjama gekrallt hatte, wusste er nicht mehr wovon sie eigentlich gesprochen hatten.
      Hatte er eine Grenze dieser Art? Sicherlich, sie wollte keinen Sex. Das war aus seiner Sicht akzeptabel, auch wenn sein Geist, Herz und Körper dagegen ankämpften als hätte man ihn in Ketten gelegt. Er wollte diese Frau. Wollte sie so sehr, dass es schmerzhaft war, nicht daran zu denken.
      "Wow", flüsterte er erneut und musste lachen. "Ehrlich gesagt...Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung!"
      Eine körperliche Reaktion seinerseits war nicht mehr zu ignorieren, merkte er doch, dass seine kurze Schlafhose an gewissen Stellen durch etwas Großes angespannt war. Er schaffte es zwar, den größten Teil seiner Begierde hinter einer geschickten Drehung seiner Hüfte zu verstecken, aber er konnte nicht mehr retten, dass es für sie bereits spürbar wurde.
      "Gut, also zur Klarstellung, Ember Sallow: Ich respektiere deinen Wunsch, keinen Sex zu haben", begann er und räusperte sich kurz, ehe er sie wieder ansah. "Aber wenn du mich nach meinen Grenzen fragst, so darf ich sagen,...", er beugte sich näher an ihr Ohr heran, um hinein zu wispern. "Dass du mich überall berühren darfst wonach dir ist. Ich habe keine Grenze. Wenn ich eine hätte, wäre ich nicht hier."
      Zum Schluss küsste er die Haut unter ihrem Ohr und nahm ihr Ohrläppchen kurz in den Mund, ehe er sich zurück zog und sie angrinste. Es war nicht fair, dass er der einzige war, der hier Limbo tanzte. Sollte sie mittanzen.

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    • Ember hatte es befürchtet. Ruairi zu gestatten, zu ihr ins Bett zu kommen barg die zu erwartenden Gefahren und nun konnte und wollte sie ihn nicht mehr aus seinem eigenen Bett verbannen. Spätestens das Gefühl an der Innenseite ihres Oberschenkels machte ihr deutlich, dass auch er mit gewissen Gefahren zu kämpfen hatte, und dass respektieren nicht bedeutete, die gleiche Grenze zu teilen. On top bekam sie noch eine akustische Bestätigung, als er ihr ins Ohr flüsterte, dass er gar keine Grenzen habe. Bei seiner darauf folgenden Aktion wäre Ember beinahe an die Decke gegangen.
      "Hab ich mir schon faste gedacht, dass der feine Herr keine Grenzen hat", erwiderte sie gespielt pikiert und musste sich ständig darüber im Klaren sein, wo sich ihre Hände gerade befanden. Denn sonst würden sie sich nach dieser Freigabe verselbstständigen. "Mein Problem ist, dass ich Sorge habe, Sex beim ersten Treffen versaut den Ersteindruck."
      Sie rollte nun vollständig auf Ruairi und setzte sich auf, zwang ihn durch ihre Beine links und rechts seiner Hüfte dazu, seine gedrehte Haltung aufzugeben. Die Decke hatte sich nun bis auf seine Knie verabschiedet während Ember ihn von oben herab musterte wie ein wertvolles Gut, das man allein durch schmutzige Gedanken verunreinigen konnte.
      "Ich will nicht riskieren, dass wir aus Lust und Laune übereinander herfallen und der fantastische Sex unsere Wahrnehmung gegenüber des Anderen vernebelt, weißt du? Außerdem warst du es doch, der gesagt hatte, du schleppst keine Frauen ab", lächelte sie doch wieder ein wenig spitzbübisch.
      Dass sie sich von einander angezogen fühlten stand außer Frage. Sie konnte ihre Finger nicht von ihm lassen und sie saß buchstäblich auf seinem Beweis. Das spitzbübische Lächeln bekam einen süffisanten Beigeschmack als sie immer wieder ganz leicht ihr Becken bewegte und ein wenig Reibung provozierte. Ihre Händen hatten wie selbstverständlich ihren Weg zurück auf seine Brust gefunden, wo sie kurz über seine Brustwarzen weiter abwärts an seine Flanken wanderten. Auf ihrem Weg deutete sie ein wenig Fingernagel an - am liebsten hätte sie jedoch einmal hart zugepackt und sich dann wenigstens das Oberteil vom Leibe gerissen.
      Aber so... so würde Ruairi sich wohl noch eine geraume Zeit lang fragen müssen, wie sie unter seinem fabulösen Pyjama aussah. Der im übrigen einen recht tief geschnittenen Ausschnitt hatte.
      "Dir ist schon klar, dass deine grenzenlose Offenheit dazu führen könnte, dass ich dich bis aufs Blut reize? Und ich mir sehr, sehr sicher bin, dass ich den längeren Atem haben werde?"
      Etwas nicht haben zu können machte es in der Regel nur noch verlockender. Aber hier saß sie nun auf ihrem Kollegen inmitten einer sensiblen Entwicklungsphase einer möglichen Beziehung und konnte das süffisante Grinsen nicht aus ihrem Gesicht verbannen. Im Kern hatte sie wirklich Angst davor, dass überstürzte Aktionen dazu führten, dass er das Interesse an ihr verlor. Und das war etwas, dass sie sich nicht verzeihen könnte. Insbesondere nicht nach ihrer Feststellung, dass sie ihm wahrlich vertrauen wollte.

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    • Da hätten wir den Salat, dachte Ruairi und kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus. Anhand des Drucks auf seinem Unterleib konnte er ganz genau spüren, dass sie wusste, was er dort unten verbarg. Und es störte sie offenbar nicht mal im Geringsten. Auch wenn ihre Worte das Gegenteil bekräftigten, so schwang sie sich doch recht übereifrig auf ihn. Und hatte er sie vorher schon für eine Göttin gehalten, so war es jetzt vielmehr der Eindruck einer umnebelten Sagengestalt. Der zu große Pyjama tat sein übrigstes für die Vernebelung hinzu und die reibende Bewegung ihrer wunderbar rollenden Hüfte ließ ihm den Hals trocken werden. Zusätzlich zu der Tatsache, dass der Beweis seiner Libido nochmals anzuwachsen schien, sodass selbst Ruairi, der sein bestes Stück kannte, sich fragte, ob das jemals aufhörte.
      "Für die Tatsache, dass du derlei Bedenken hegst, gibst du dir wahrlich Mühe, mich an die Grenzen zu treiben", flüsterte er und lächelte.
      Seine Hände hatten erst reflexartig den Platz an ihren Hüften eingenommen. Jetzt jedoch reichte es auch dem Polizisten ein wenig und grinsend schob er sie nach vorne und unter ihr Oberteil. Zumindest die weiche Haut wollte er erfühlen. Warm und weich. Ein herrliches Gefühl unter seinen Fingern, während er das leichte Kratzen an seiner Flanke genoß und es mit einem kurzen Schaudern belohnte. SIe wusste wirklich wie man Gänsehäute verpasste.
      "Jedoch sehe ich es anders", sagte er spielerisch und fuhr mit seiner Hand auf ihrem Bauch stetig ein Stückchen höher. Jedoch legte er sie nicht auf ihre Brust, deren Schwung er an seinen FIngerspitzen fühlte. "Dies hier ist keine Lust und Laune", sagte er und fuhr wieder hinab bis zum Bund ihrer Hose, diesmal deutete er einen leichten Fingernagel an. "Das ist mehr. Ich weiß, was du denkst und warum du vorsichtig bist. Und sei dir gewiss, mir geht es genau so. Aber ehrlich: Dieser Abend, diese wenigen Stunden mit dir, die wir auf dem Sofa verbrachten, die wir hier verbringen, haben uns bereits näher aneinander gebracht als Sex es je könnte. Sicherlich, mein Körper will dich. Mit Haut und Haar. Und ich wäre ein Lügner wenn ich sagte, dass alleine deine Stimme mich wahnsinnig macht. Aber ich weiß genauso, dass das hier tiefer ist als alles was ich mir je erträumt hätte. Und ich schleppe keine Frauen ab. Ich habe eine Wahnsinnsfrau in meiner Wohnung und sollte mich dergleichen fühlen. Tatsächlich fühle ich mich gerade abgeschleppt."
      Seine linke Hand fuhr zu ihrem Hals und nach oben zum Ansatz ihres Ohres und der Kieferverbindung. Einfach um sie zu sich zu ziehen. Wie automatisch rutschte die Rechte unter ihrem Pyjama auf ihren bloßen, wunderbaren Rücken. Sachte und leicht drückte er seine Lippen auf ihre. Ohne Wildheit, Lust oder Gier. Beinahe streichelten seine Lippen die Ihren, wärhend er sich nach kurzer Zeit wieder von ihr löste.
      "Das ist mehr. Was will ich denn noch? Du bist hier. Bei mir. UNd das ist alles was ich brauche."

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    • "Natürlich gebe ich mir Mühe. Schließlich muss ich ja sehen, ob du es mit mir aushalten kannst."
      Ember stellte ihre leichten Bewegungen nicht ein, als Ruairis Hände sich zuerst an ihre Hüften legten, schlussendlich ihren Platz dort aber doch aufgaben. Man konnte ihr Lächeln beinahe als gewinnend beschreiben, kaum schoben sich seine Finger unter ihr Oberteil und berührten dort nahezu andächtig ihre Haut am Bauch.
      Sie verharrte, als Ruairi wieder zu sprechen begann und seine Finger aufwärts wandern ließ. Ihre Augenbrauen hoben sich Millimeter für Millimeter während sie versuchte zu bestimmen, wann sein Weg sein Ende finden würde. Tief und kontrolliert tat sie einen Atemzug, als seine Fingerspitzen den Ansatz ihrer Brust ertasteten und sie wartete eigentlich darauf, dass er sich nicht aufhalten ließ. Stattdessen begab er sich auf den Rückweg, dieses Mal zog er mit dem Hauch von Fingernagel seine Bahn und entlockte ihr damit ein kurzes Schütteln.
      Gedanklich stimmte Ember Ruairi vollkommen zu. Was hier innerhalb Stunden geschehen war, hatte sie teilweise über Wochen mit ihren vergangenen Partner hart erarbeiten müssen. Und rein gar nichts hiervon sollte erarbeitet werden. Diese Stunden hatten ihr mehr als deutlich gezeigt, dass es auch anders sein konnte. Sich anders anfühlen durfte und das auf einer Ebene, die selbst für sie noch neu war.
      "Wieso fühlst du dich denn abgeschleppt? Es ist deine Wohnung und du hast mich von der U-Bahn abgehalten", lachte Ember leise bis er sie wieder zu sich hinabzog.
      Der folgenden Kuss erinnerte sie an ihren allerersten mit ihm. Hauchzart mit so unglaublich viel Gefühl, dass man allein dadurch einen ganzen Roman zu schreiben vermochte. Als wäre es der Beweis für seine Worte, die sie ihm auch ohne diesen Kuss geglaubt hätte. Wie schnell konnte man eigentlich einer anderen Person verfallen?
      "Das klingt so, als würdest du mich schon Ewigkeiten kennen und lieben", murmelte Ember gedankenverloren und beantwortete seinen Kuss mit ebenso starker Zärtlichkeit. "Wenn das so weitergeht kommen wir nie mehr in den Schlaf."
      Wenn auch etwas widerwillig rollte sie wieder von seinem Leib herunter bis sie wieder neben ihm lag. Also reichte ihm das hier durchaus und es wäre nur unfair, wenn sie ihn weiter triezen würde. So sehr es sie auch in den Fingerspitzen juckte. Wie zuvor ließ sie allerdings ein Bein über seine geschlagen und legte sich nah an seine Seite. Ihr Kopf kam etwa auf Höhe seiner Achsel an seiner Brust zur Ruhe und verlor sich wieder in diesem wunderbaren Herzschlag eines anderen Menschen.
      "Also höre ich es richtig heraus, dass dieser Abend, diese Nacht keine Einzeltat war?", fragte sie leise während sie die Augen schloss und sich wieder dem Hier und Jetzt hingab.

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