[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Es war erstaunlich, den unsteten Blick mal bei jemand Anderem zu sehen, wenn er ehrlich war. Auch wenn ihre Pupillen suchten, sie würde keinen Anker im Raum finden. Als ihre Hände an seine schnellten, hätte er sie beinahe losgelassen, so überraschend war die Reaktion. Schweigsam kam er lächelnd ihrer Bitte nach und nahm seine Finger von ihrem Kopf fort.
      Ihre Hände blieben auf seinen Armen und er ließ sie für einen Moment dort, als er seinen Raum und die Magie darum auflöste. Ruairi kratzte sich an der Nase, als er sie ansah und mit den Schultern zuckte.
      "Sie sehen...", begann er. "Es ist mir ein Anliegen, einen Anker im Raum zu suchen. Das Problem ist eher, einen zu finden. Nur wenige Menschen haben die Fähigkeit einer zu sein. Daher das Vermissen und das ewige Suchen. Entschuldigen Sie, dass ich Sie so überfallen habe."
      Ruairi lehnte sich ein wenig zurück und seitlich gegen die Rückenlehne, ehe der bohrende Kopfschmerz begann.
      "Ja, es wäre klug, derartige Magie nicht allzu oft zu nutzen. Heute weiß ich das, den jugendlichen Leichtsinn hinter mir gelassen. Aber damals, als ich jung und ungestüm war...Stellen Sie sich vor, Sie sind 14 und halten eine derartige Macht. Ich war ein dummer, pubertierender Dödel, der zu viel Kraft hatte. Ich habe mich mit allen gemessen, die sich etwas bieten lassen wollten und leide unter diesen Folgen seitdem ich 30 bin. Also Sie sehen: Klug war ich nie wirklich..."
      Erst jetzt sah er wieder auf ihre Hände und genoß noch ein wenig die Nähe solange sie andauern sollte.
      "Sie sind der erste nichtmagische Mensch, dem ich dies zeige", murmelte er schließlich ohne Zusammenhang.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Gott, das ist schlimmer als jeglicher Drogentrip...", murmelte Ember.
      Selbst nachdem Ruairi seine Magie gelöst hatte, wurde sie das Gefühl nicht los, zu fallen. Immer wieder blitzten noch doppelte Bilder vor ihren Augen hin und her und sie war sich sicher, dass die Farben sich immer noch nicht wieder eingespielt hatten. Diese wenigen Sekunden in einer anderen Realität hatten ausgereicht, dass sie solange noch Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Wahrnehmung hatte.
      "Ach, mit klug hat das wenig zu tun. Man war leichtsinnig in seiner Jugend, das ist alles."
      Obzwar sich ihre Stimme wieder gefangen hatte und die Atmung langsam wieder normal wurde, ging ihr Blick noch immer leicht hektisch umher. Sie hatte Ruairi endich loslassen können, aber ihre Finger kribbelten unangenehm und sie bereute, dass sie ihn so schnell schon wieder losgelassen hatte. Das Gefühl, wieder zu fallen, kam stärker zurück als sie es vermutet hatte.
      "Ist das normal, dass man denkt, man fällt?", fragte sie möglichst ruhig und merkte nicht, dass sie ein wenig von links nach rechts und wieder zurück wankte. Ganz leicht, als gäbe es schwachen Seegang. "Oh Gott, ich versteh' schon, warum Sie das keinem anderen zeigen..."
      So sehr sie es versuchte, sich wieder vollends zu fangen - so einfach wie vorhin mit dem Boden war es nun nicht mehr. Ihre Miene war ein undurchsichtiger Haufen als sie hilfesuchend ihre Hand wieder nach ihm ausstreckte.
      "Okay, okay, geben Sie mir doch nochmal bitte Ihre Hand", bat sie ihren Gegenüber und war mehr als dankbar darüber, dass sie mit ihren beiden Händen seine Hand zu fassen bekam und das Schwindelgefühl weniger wurde.
      Das nahm ihr ebenfalls die leicht aufgetretene Übelkeit.
      "So, und Sie sagen, ich kann so ein Anker für Sie sein? Würde ja schon fast behaupten, nichts leichter als das. Da kann ich wenigstens einmal nicht wirklich was verkacken", grinste Ember breit und erleichtert, als Ruairi eindlich keine Doppelkontur mehr hatte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Lächelnd hielt Ruairi ihr seine Hand hin und genoß die Tatsache, dass Wärme seine Hand erfüllte. Vielleicht war da doch etwas mehr als ein Anker, wenn er es sich recht überlegte. Vielleicht genoß er auch einfach den Hautkontakt zu Menschen. Er hatte sowas schon immer geliebt. Umarmungen, Herzungen jeder Art. DIes war seine Welt.
      Sachte wog er ihre Hände in seiner und nickte.
      "Ja, es ist normal. Ihre Sinne werden gleich zurück kommen und Sie müssen es nicht mehr durchmachen", verkündete er kichernd und lehnte sie sachte gegen das Sofa. "Leichtsinnig war das falsche Wort dafür. Ich war ein Monstrum in meiner Jugend. Verhasst bei Mitschülern und anderen. Sie hatten Angst vor dem Jungen, der die Wände verflüssigen konnte. Und vor seiner Schwester, die einfach alles zu Staub zerfallen ließ. Sie nannten uns liebevoll die Abrissbirnen."
      Das war nur einer der freundlichen Spitznamen gewesen. Schweigsam erinnerte er sich an andere, weniger feine Versionen der Selbstbeschreibung und lehnte sich gleichsam zurück. Die Hand noch immer haltend.
      "Sie stellen sich besser als ich bei meiner ersten Erfahrung mit den Nebenwirkungen", grinste er sie an. "Ich habe damals gekotzt, bin ständig hingefallen und habe eine Woche lang alles umgeworfen was ich finden konnte. Ich habe nächtelang geweint weil ich dachte, ich muss sterben."
      Das freundlose Lachen am SChluss war nur die Krönung einer traurigen Episode seines Lebens, wie er befand. Anschließend sah er an die Wand gegenüber, die von einem recht großen Fernseher eingenommen wurde und seufzte.
      "Das klingt so, als würden Sie ständig etwas verkacken", murmelte er und sah sie forschend an. "Warum sagen Sie das?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Das ist doch völlig normal, dass man ausgestoßen wird, wenn man sich sehr von den anderen unterscheidet. Menschen fürchten, was sie nicht kontrollieren können und das sie bei Weitem überflügelt. Deswegen ist die Gesellschaft ja erst so verkorkst geworden, wie sie ist", murrte Ember bevor sie kurz grinste, wenn auch ein wenig gepresst. "Keine Ahnung, ob das Armband etwas dazu beiträgt, aber schlecht ist mir schon, keine Frage. Nur weil ich so schlau bin und sitze statt laufe muss es nicht heißen, dass ich mich besser anstelle."
      Obwohl sie gestehen musste, dass die Übelkeit und der Schwindel schon nachließen und sie auch nur noch eine Kopie ihrer Umwelt sah anstelle von dreien. Ember konnte sich gut vorstellen, wie man den Geschwistern deutlich schlimmere Namen gegeben haben mochte, denn immerhin waren Kinder in dieser Hinsicht die reinsten Monster. Gerade, wenn man in das Antlitz von zwei Zauberern blickte, die einem buchstäblich den Boden unter den Füßen wegrissen.
      "Ja gut, wie alt waren Sie damals?", fragte Ember, die endlich nicht mehr sekündlich blinzeln musste und langsam wieder merkte, dass das harte unter ihrem Gesäß ihr eigenes Bein war.
      Trotzdem brauchte sie ein paar Anläufe bis sie den Ausdruck in Ruairis Gesicht als forschend beschreiben konnte. Sie seufzte ein wenig als sie nickte und ihre Hände wieder von seiner nahm. Kurz schwankte alles noch einmal, dann regulierte es sich.
      "Vielleicht nicht ständig, aber vieles, doch. Ich bin mitverantwortlich für die ganzen Toten während des Angriff. Dass es vielleicht sogar überhaupt zu dem Angriff gekommen ist. Dass August wieder auf freiem Fuß ist und Gott weiß was plant. In der breiten Masse fällt es nicht so auf, wenn man speziell nur solche Sonderfälle listet, aber es fühlt sich trotzdem so an, als würde ich immer noch meine Zeit verschwenden."
      Vorsichtig streckte sich Ember nach ihrem Glas, das noch immer auf dem Tisch zu ihrer Seite stand, um ein wenig Cola zu trinken. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie trocken ihr Hals gewesen war. Die Kohlensäure zwang sie dazu, ein wenig zu hüsteln und die Tränchen in ihren Augen wegzublinzeln.
      "Dann verraten Sie mir mal. Was muss ich tun, um Ihr Anker zu sein? Einfach nur anfassen, wenn Sie wieder an Nebenwirkungen leiden? Sagen Sie mir, was und wie es Ihnen hilft. Ich helfe gerne, wirklich." Aufmunternd lächelte sie ihm direkt zu.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi lachte über ihr gepresstes Grinsen und sah mit zumindest leichten Unmut ihrer Hand nahm, die sie von seiner nahm. Wenn die Welt nicht aus gesellschaftlichen Normen bestehen würde, hätte er weiterhin auf den Kontakt bestandne, aber was wollte er machen? Er konnte nicht das sein, was sie fürchtete.
      Er durfte es nicht.
      "Das ist leider wahr", nickte er. "Wie haben in der Vergangenheit versäumt, die Menschen über uns Zauberer vernünftig aufzuklären. DAss auch uns Grenzen zuteil werden, die sicherlich schwer erreichbar, aber da sind. Es ist nicht so, als wären wir allmächtig. Und doch haben wir sie es glauben lassen. Eine ganze Zeit lang. Und dann kommen zwei Kinder, die derartige Manipulationen vornehmen können. Halb Schottland war damals in Aufruhr. Meine Eltern wurden regelrecht von Rogues gejagt, als sie uns zu den Castern gaben."
      Er zuckte mit den Achseln und seufzte. Menschen waren grausame Biester, wenn man es so betrachtete.
      "Wir waren damals etwa 12 Jahre alt, als man das Ausmaß unserer Kräfte begriff. Davor waren es mehr kleine Geschehnisse. Eine Tasse, die plötzlich Kaffee verlor, weil der Boden wegschmolz und so etwas..."
      Schweigsam lauschte er ihren Worten zu Veranwortung und Schuld. Und auch wenn sie sicherlich Recht hatte, so war es dennoch eine Miskonzeption, die sie ereilte.
      Sachte nutzte Ruairi die Gunst der Stunde und nahm seinen Mut zusammen. Mit einer schwungvollen Bewegung legte er eine Hand auf ihre Schulter und schüttelte den Kopf.
      "Sie sind nicht Schuld", sagte er bestimmt. "Der Sharokh ist schuld. Er hat getötet und SIe haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und entschieden. Es bringt nichts, besser sein zu wollen als wir waren, denn wir können nicht ändern was geschah. Fakt ist, dass August Foremar sie ausgenutzt und manipuliert hat. Wenn Jemandem die Schuld zu geben ist, dann ihm. Also seien Sie nicht so hart zu sich, Ember."
      Das Lächeln war sanfter als gewollt und nur schwerfällig löste er seine Hand von ihrer Schulter. Auf ihre Frage hin musste er lachen.
      "Ich fürchte ich habe keine Ahnung", gab er kichernd zu. "Es gibt da kein Geheimrezept. Aber sollte mir etwas einfallen, werde ich es Sie wissen lassen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Ich meine, was hätten Ihre Eltern anders machen sollen? Sie wollten nicht, dass Ihnen und Ihrer Schwester etwas passiert, also wendet man sich an die Institution, die nicht verschrien ist... Aber ein Glück, dass Ihre Eltern es scheinbar überstanden haben. Ich nehme an, sie sind auch magisch begabt?"
      Ember musterte Ruairi ruhig, kaum hatte dieser seine Hand auf ihre Schulter gelegt wie schon ein paar Mal zuvor. Als traute er sich nicht, über diese eine Grenze hinaus zu gehen. Weil er Angst hatte, dass man ihn missverstehen würde? War er deswegen so rot geworden, als sie einfach so seine Hand genommen hatte, als sei es nichts?
      "Ich werde vorerst niemanden zum Schuldigen erklären. Das trübt nur die Wahrnehmung übermäßig und das hilft nicht wirklich", erwiderte sie leise während sich das angenehme Gefühl der Schwere von ihrer Schulter in Luft auflöste.
      Mit neu gewonnenem Elan leerte Ember ihr Glas und schwang sich plötzlich auf die Füße. Ein wenig zu schwungvoll, denn sie schwankte einmal kurz und musste ihre Füße neu sortieren nachdem sie Ruairi direkt abgewunken hatte. Gemächlich ging sie zur Küche hinüber, um ihr Glas nebst der Spüle abzustellen, um dann zu dem Caster zurückzukehren.
      "Ich würde mal nach oben gehen und schon mal duschen. Wenn Sie so gütig wären und mir irgendwas geben, worin ich schlafen kann? Ein Jogginganzug reicht vollkommen, aber ich friere mir sonst nur einen Ast ab", verkündete Ember mit einem leichten Lächeln auf den Lippen als sie sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatte. "Und falls Sie dann noch nicht so erschlagen sind, könnten wir unsere Unterhaltung fortsetzen. Ich bin so der Haare-an-der-Luft-trocknen-lassen-Typus. Legen Sie's einfach vor die Tür oder so."
      Damit begab sie sich auf den Weg die Treppe hinauf, um sich ins Badezimmer zu begeben, die Tür zu schließen und leise zu seufzen. Einen Moment lang betrachtete sie sich stumm im Spiegel, wie die Reflexion eine Frau zeigte, die wahrlich einen gewissen Grad an Sympathie für den Mann ein Stockwerk tiefer hegte. Der zu einer Art gehörte, die sie eigentlich versuchte zu vermeiden und scheinbar nie wirklich um sie herum kam.
      Nachdenklich zog Ember ihr Handy hervor und warf einen Blick auf die Uhr, die schon nach Eins zeigte. Keine Nachricht von Noland, keine andere Benachrichtigung. Als sei sie für zwei bestimmte Menschen nurmehr Luft. Nach ein paar weiteren Sekunden öffnete sie ihren Verlauf mit August und begann etwas zu tippen und schließlich abzusenden.
      Wir sollten uns trotzdem einmal aussprechen.
      Dann legte sie das Handy zur Seite und begann sich die Bluse aufzuknöpfen, um kurz danach unter dem prasselnden Wasserstrahl zu verschwinden.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi schüttelte den Kopf.
      "Nur meine Mutter", murmelte er. "Mein Vater wäre das, was die moderne Fiktion einen Muggle nennen würde. Und ja, vielleicht war es die rechte Entscheidung. Jedoch frage ich mich manchmal, ob ich als Rogue mehr gelernt hätte."
      Zumal er unter großer Wahrscheinlichkeit unter die Arkana geraten wäre. Dies wäre der Zugang zu allerlei Geheimnissen gewesen, die er sich nicht mal erträumen konnte.
      "Vielleicht haben Sie da Recht...", sagte er und lächelte.
      Ehe ein Reflex durchkam. Als Ember sich regelrecht auf die Füße katapultierte und ins Straucheln kam, schoss eine Hand in ihren Rücken, um diesen zu stabilisieren. Zielsicherer als ein Scharfschütze drückte sie sie zart in Form und wurde wieder gesenkt, ehe sie sich umdrehte.
      "Tun Sie das. Ich werde etwas rauslegen", lächelte Ruairi und erhob sich ebenfalls, als Ember bereits auf dem Weg nach oben war.
      Er widerstand dem Drang, ihr wie ein Teenager hinterher zu gaffen, als wäre sie der heilige Gral der Weiblichkeit. Schweigsam griff er nach seinem Glas und leerte es ebenso, ehe er sich auf den Weg zum Spülbecken machte. Achtlos stellte er das Glas hinein und lehnte sich auf den Tresen seiner Küche, um zu seufzen.
      "Was tu ich nur hier...", wisperte er und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht und schüttelte den Kopf. "Reiß dich zusammen, du dämlicher Tölpel."
      Anschließend machte er sich auf den Weg nach oben, wo er zuerst nochmals einen Blick auf das Bett warf. Alles in bestem Zustand. Gut. Sachte öffnete er einen in der Wand versenkten Schrank und zog einen alten Pyjama hervor, der noch einigermaßen passabel aussah. Blau mit silbernen Streifen. Nun, es gab schlimmeres, dachte er und zuckte die Achseln. Es war der einzige, der ihr einigermaßen passen würde.
      Ordentlich gefaltet legte er diesen vor die Tür und klopfte leicht an.
      "Ich habe einen Pyjama vorgelegt", sagte er und wandte sich ab, um sich selbst ein T-Shirt aus dem Schrank zu nehmen. Zumindest einigermaßen wollte er bekleidet sein. "Ich bin unten. Lassen Sie sich Zeit!"
      Er würde sich unten umziehen, wenn sie zu Bett gegangen war. Das ersparte peinliche Einblicke.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember zählte zu den Menschen, die gerne das Zeitgefühl verloren, kaum standen sie unter fließendem Wasser. So fiel ihr auch nicht auf, dass sie eiskalte dreißig Minuten Zeit unter dem Wasser verplemperte, wo sie für gewöhnlich nur maximal eine Viertelstunde benötigte. Ganz der vorbildliche Gast trocknete sie sogar noch die Dusche mit dem größeren Duschtuch nachdem sie sich abgetrocknet hatte. Ein kleineres Handtuch hatte sie im Schrank gefunden, mit dem sie ihre Haare etwas trocknete und es sich um die Schultern legte. Erst dann lugte sie vorsichtig durch die Tür, um eilig den besagten Pyjama ins Bad zu ziehen und ihn auszufalten.
      Sie konnte nicht anders als peinlich berührt lachen als sie sich das Oberteil anhielt und es direkt als Minikleid missbrauchen könnte. Die Hose war eigentlich viel zu weit, aber das ließ sich mit dem Zugband immerhin etwas ausbalancieren. Es änderte jedoch wenig daran, dass so ziemlich alle Konturen ihres Körpers in dem Oberteil zu verschwinden schienen. Seufzend legte sie sich das Handtuch wieder über die Schultern und zog es vorne zu, um den ganz ordentlichen Ausschnitt zu überdecken.
      "Ach scheiße, 'ne Bürste...", fluchte sie leise als ihr auffiel, dass sie doch was vergessen hatte.
      Mühsam kämmte sie mit ihren Fingern so gut es ging ihre Haare ein wenig glatter und strich sie sich über die Ohren nach hinten aus dem Gesicht. Es hätte ja schlimmer sein können...
      Als Ember aus dem Bad kam und eine Dampfwolke mit sich brachte, konnte sie nur lausbübisch grinsen. Sie warf so schnell es ging einen Blick ins untere Stockwerk und entdeckte Ruairi wieder auf dem Sofa, ein Shirt lag neben ihm.
      "Ich fühl mich gerade mindestens 15 Jahre jünger", lachte sie losgelöst als sie die Treppenstufen hinunter kam und an Ruairi vorbei in die Küche ging, um ihr Glas wieder an sich zu nehmen. "Für Pyjamaparties sind wir leider schon zu alt. Übrigens sieht's komisch aus, wenn ich schon in Ihrem geliehenen Schlafzeug hier rumlaufe und Sie haben immer noch Ihre feinen Ausgehsachen an."
      Sie hatte sich die Beine der Hose hochkrempeln müssen damit sie nicht über den Stoff stolperte. Als hätte man ein Kind in die Sachen seines Vaters gesteckt.
      Noch immer grinsend kam sie zur Sitzgruppe zurück und ließ sich wieder auf die Couch fallen. Wie vorhin saß sie seitlich zu dem Caster, ein Bein wieder unter sich gezogen. Es war ihr herzlichst egal, dass sie nun ohne Makeup, das ihre Augenringe kaschierte, oder mit wirrem Haar vor ihm saß.
      "So, Planung für morgen. Was frühstücken Sie? Muss einer von uns noch los was einkaufen oder Brötchen holen?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Es dauerte recht lange.
      Ruairi hatte die Zeit auf dem Sofa verbracht und kurzzeitig durch die Nachrichten gescrollt, aber als er das Abklingen des Wasserstrahls hörte, musste er grinsen. Sie würde mittlerweile den Pyjama gefunden haben. Als sie nach einer weiteren Zeit die Treppe hinab kam, riss er förmlich seinen Hals herum, um sie anzusehen und verkniff sich gerade so ein Schmunzeln.
      Nun vielleicht auch nicht.
      Der Hauch eines Schalks riss über sein Gesicht und er lächelte freundlich, als sie herunter kam.
      "Dann freut es mich, dass Sie das konnten. Ich werde mich sogleich auch kurz verjüngen gehen", sagte er und erhob sich in dem Moment wieder. "Wir sind vielleicht zu alt dafür, aber Sie sehen großartig darin aus. Sehr sexy, Ember Sallow!"
      Das letzte sagte er mit einem kichernden Unterton während sie an ihm vorbei in die Küche zog. Selbst ohne Makeup war sie wunderschön. Auch wenn es sicherlich Dinge gab, die sie gerne kaschiert hätte, aber wären sie anders zusammen gekommen wäre dies bereits kein Aufhaltegrund mehr. Ruairi schluckte diese Bemerkungen jedoch herunter und beließ es beim Lächeln während er seine Sachen nahm und sich auf den Weg nach oben machte.
      "Fühlen Sie sich wie daheim! Ich brauche nur zehn Minuten", rief er und wanderte hinauf.
      SObald er außer Sicht war, nahm er zwei Stufen gleichzeitig und zischte regelrecht in die Dusche. Eilig wusch er sich den Dreck des Tages ab und schüttelte den Kopf über seine kindische Aktion.
      "Wie alt bist du...", murmelte er unter dem Wasserstrahl und eilte sich, aus der Dusche zu gelangen.
      Es dauerte noch weitere fünf Minuten bis er abgetrocknet und in Schlafklamotten, die Treppe wieder hinunter kam. Er hatte sich das etwas zu eng anliegende Shirt angezogen und die kurze Hose reichte gerade so bis zu seinen Knien. Aber so war Sallow nicht allein in ihrem Pyjama.
      Er fuhr sich noch durch die Haare, als er sich neben ihr auf der Couch niederließ und grinste breit.
      "Also: jetzt sind wir beide Teil der Pyjamaparty", lachte er und sah sie fragend an. "Frühstücken... Machen Sie sich keine Gedanken. Ich habe alles für ein schottisches Frühstück hier und SIe brauchen sich um nichts zu kümmern. Schlafen Sie aus, machen Sie es sich bequem. Ich mache Frühstück morgen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Sexy in einem übergroßen Schlafanzug? Wohl kaum möglich, aber mehr als darüber den Kopf zu schütteln brachte Ember nun sowieso nicht mehr zustande. Die ganze Situation war ohnehin schon abstrus wenn man bedachte, dass sie für sich zumindest nicht wirklich wusste, was für ein Verhältnis das hier werden sollte. Es hätte eine bodenständige Freundschaft werden können, allerdings gab es da seitens Ruairi ein paar Zwischenfälle, die dem einen Beigeschmack verpassten.
      Ember beschäftigte sich ein paar Minuten der Einsamkeit mit ihrem Glas und den Gedanken, in denen sie versuchte, dieser Situation einen Namen zu geben. Es war sowieso schon Ewigkeiten her, dass sie bei jemand anderem privat übernachtet hatte und das am nächsten vergleichbare Event war die Nacht im Twisted Mind gewesen, die sich nun nur noch wie eine entfernte Erinnerung anfühlte. Sie war sich sicher, dass diese Nacht bei Ruairi ohne Zwischenfälle verlaufen würde, sie sich umsonst den Kopf zermaterte über Dinge, die gerade gar nicht so wichtig waren.
      Apropos wichtig. Sie wühlte das Handy, das sie sich in eine der eingenähten Taschen gesteckt hatte, hervor und überflog den Bildschirm. Noch immer keine Nachricht. Vielleicht sollte sie morgen noch einmal versuchen, mit Noland Kontakt aufzunehmen. Wenn er sich sicher genug fühlte, konnte sie möglicherweise sogar ein paar Worte mit ihm wechseln. Ihm versichern, dass sie niemanden auf ihn ansetzte. Aber sie würde zu gern seine Stimme hören und wissen, dass es ihm gut ging. Und er nicht in irgendwelchen zwielichtigen Machenschaften steckte.
      Das Knarzen der Treppenstufen verriet, dass Ruairi wieder zurückkam. Ember legte gerade noch ihr Hand auf den Tisch zur Seite, da war der Caster schon an ihr vorbeigeschlüpft und hatte sich neben ihr auf der Couch niedergelassen.
      Nun war es allerdings sie, die ein Problem mit dem Starren hatte.
      Wie ein verdammtes Unterwäschemodel fuhr er sich mit der Hand durch die noch feuchten Haare bevor er sie angrinste. Unweigerlich fiel ihr Blick auf seinen Oberkörper, der nun mehr von der Fantasie nahm, die ein etwas lockeres geschnitteneres Hemd üblicherweise erzeugte. Sie hatte vergessen, wie fatal es wirken konnte, wenn gut gekleidete Männer plötzlich sehr leger auf den Plan traten.
      Sichtlich zu mühsam riss sie ihren Blick von seinem Körper los, um lieber die eisblauen Augen zu fixieren, die einen leichten Verlauf in dunklere Nuancen zeigten. Warum zur Hölle fielen ihr jetzt plötzlich diese ganzen Nuancen auf?!
      "Ähm.... Frühstück. Ja. Schottisch? White Pudding mag ich auch lieber als Black Pudding... Aber klar, ich bin gespannt. Nur erwarten Sie nicht, dass ich einfach hier sitze und warte. Irgendwas müssen Sie mir auch in die Finger geben, sonst fühle ich mich nutzlos", lächelte sie und ertappte sich dabei wie sie hoffte, dass er wieder diese liebenswerten Lachfältchen bekam.
      Gott. Ember. Lass es.
      "Ich hätte Ihnen ja einen handaufgegossenen Kaffee angeboten, aber ich glaube, Sie haben keine Mühle. Wenn Sie irgendwann mal bei mir vorbeikommen, holen wir das nach."
      Ein wenig zu ambitioniert nahm sie einen weiteren Schluck ihrer Cola. Irgendwas hatte sich verändert und sie weigerte sich, es einzig auf den Umstand der wechselnden Kleidung zu schieben. Vorhin hatten sie noch über Grenzen gesprochen, aber langsam wurde sie das Gefühl nicht los, dass diese Grenzen auf beiden Seiten zu verschwimmen begannen oder so generell schon auf ihrer Breite tanzten.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi war es nicht gewohnt angestarrt zu werden. Zumindest nicht auf diese Art. Dennoch wäre es fatal lügend gewesen, die Blicke nicht als wohltuend zu betrachten, die sie ihm zuwarf. Zugegeben, er hätte eine bessere Kleidungswahl treffen können. Aber die Tatsache, dass er normalerweise nur in Unterwäsche schlief, war hier einfach ein No-Go. Er würde sich des Shirts noch entledigen wenn sie nach oben gegangen war, aber er wollte auch keine merkwürdige Szenerie anfachen.
      "Augen hier oben, Detective", feixte er und lachte anschließend glockenhell, sodass sein ganzes Gesicht sich aufhellte.
      "Schottisches Frühstück in meiner Familie bedeutet: Es gibt mehr als beim englischen Frühstück und seien Sie froh wenn Sie es überleben. Aber ich gebe mein Möglichstes für meinen Übernachtungsgast."
      Anschließend musste er schmunzeln, ehe er grinsen musste. Dies war ein Moment für Logan, der dies schamlos ausgenutzt und einen dermaßen anzüglichen Spruch auf das Parkett geschmissen hätte, dass Ruairi beschämt den Raum verlassen hätte.
      "Sie werden genug mit dem Aufwachen und dem Checken Ihrer Nachrichten zu tun haben. Ich bestehe darauf, dass SIe mal entspannen. Kollegiale Anweisung", sagte er lächelnd und zwinkerte ihr zu.
      "Und den handaufgegossenen Kaffee nehme ich beim nächsten Mal gern an. Dann dürfen Sie mich gerne auf Ihre Couch verbannen und mit Nichts zurücklassen. Ihnen steht alles offen. Ich habe einen funktionierenden Fernseher zum Beispiel."
      Ruairi lehnte sich auf dem Sofa zurück und starrte den stummen Fernseher an.
      "Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass der Abend so endet", gab er lachend zu. "Ich ging heute Abend zu einer Feier mit Kollegen und sitze mit einer Kollegin, die meinen ausrangierten Pyjama wieder erstrahlten lässt, auf meinem Sofa. Ich denke, es war eine gute Woche bis hierhin."


      Spoiler anzeigen
      Antwort auf Embers Handy:

      In Ordnung. Montag, 18:00 Uhr im Dusk & Dawn. Allein.

      A.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Die sind oben, Captain."
      Zumindest waren ihre Augen gerade noch auf die seinen gerichtet, drifteten allerdings kurzzeitig wieder etwas tiefer bis sie einfach konsequent gar nicht mehr in seine Richtung blickte. Das war ja nicht zum Aushalten. Allerdings bekam sie ganz kurz Ruairis Lachfältchen zu sehen, was sich unweigerlich in einem kleinen Freudenschub ihrerseits bemerkbar machte.
      "Übertreiben Sie es bloß nicht. Ich esse morgens gar nicht so viel, ich glaub mein Stoffwechsel ist da noch gar nicht wirklich wach", winkte sie sogleich etwas ab. "Und was heißt hier, ich habe genug mit dem Aufwachen zu tun? Woher wollen Sie denn wissen, wie gut ich aus dem Bett komme?"
      Amüsiert stellte sie sich vor, wie Ruairi sie aus sicherer Distanz dabei beobachtete, wie sie langsam wach wurde in seinem Bett und sich minutenlang durch die Gegend rollte, unwillig, sich aus dem weichen Bett zu erheben. Tatsächlich hielt es sie meistens jedoch nicht lange in der horizontalen, erst recht nicht, wenn sie bei wem anders zu Gast war.
      Ein wenige befreiter betrachtete Ember Ruairi, der sich wieder etwas zurückgelehnt hatte und den Fernseher anstarrte. Interessanterweise sprach er von einer guten Woche, dabei hatte er seinen Augenmerk gerade nur auf den heutigen Tag gelegt. Und, wenn sie das richtig herausgehört hatte, war sie selbst sogar das Highlight. Was sie unweigerlich einmal unauffällig schlucken ließ.
      "Ich glaube, niemand hätte gedacht, dass er so ändert. Sollten Sie Montag auf die Frage antworten, wo wir zwei zusammen hingegangen sind, sollten Sie sich lieber etwas Gutes überlegen wenn Sie nicht Teil meiner Gerüchte werden wollen. Nur so als kleiner Tipp meinerseits."
      Zu gern hätte sie zumindest einmal ihre Hand über seine Brust gleiten lassen. Nur ein einziges Mal um zu vergleichen und vielleicht zu spüren, wie sich sein Herzschlag unter ihrer Berührung beschleunigte. Sie würde mehr als eine Grenze sprengen, wenn sie es wirklich tat, also gab sie sich lediglich mit der Vorstellung zufrieden. Allerdings war ihr Blick leicht verstohlen, den sie kurzzeitig auf sein Gesicht warf und sich dann schweren Herzens wieder ihrem Colaglas widmete.
      "Wie lange ist Ihr letzter romantischer Ausflug her?", fragte Ember plötzlich wie aus dem Blauen heraus und musste etwas hinterher schieben, damit man es nicht falsch interpretierte. "Sie sind vorhin verdammt rot angelaufen als ich Ihre Hand gehalten habe. Bei der Umarmung war es nicht so stark ersichtlich aber es wirkt manchmal so, als wäre es schon sehr lange her bei Ihnen."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi lachte erneut.
      "Das war ein Scherz. Sie dürfen mich ansehen so lange Sie wollen. Ich weiß, dass das Hemd ein wenig zu eng ist, falls Sie das bemerken wollten", sagte er lächelnd und sah sie anschließend an.
      Die Stimmung im Raum hatte sich erneut verändert. Beinahe hin zu einer vertrauten, intimen Stimmung, die er mochte und schätzte. Es erschien so einfach, nach ihrer Hand zu greifen und sie zu halten. So natürlich beinahe, wenn dort nicht die Grenzen wären die sie beide trennten. Es war so einfach. Sie war nicht weit weg. Vielleicht dreißig Zentimeter? Waren es vierzig?
      "Wenn mich Montag einer fragen sollte, werde ich sagen, dass ich ausnahmsweise ganz Gentleman war und Sie zur U-Bahn-Station gebracht habe", grinste er und faltete seine Hände in seinem Schoß, während er den Blick wieder abwandte.
      Er musste den Blickkontakt unterbrechen, da er sie sonst nur wieder berühren wollte. WIe eine Droge, die man vor der Nase hatte, obgleich sie sich kaum kannten. Drei Tage Ruairi, dachte er. Drei verfluchte Tage. Zäum den Gaul langsam auf, sonst rennt sie weg.
      So oder so ähnlich stellte er sich Logans Ratschläge vor. Wobei dieser vermutlich eher dazu raten würde, aufs Ganze zu gehen. Aber Ruairi wollte mehr als das.
      Er wusste nicht, was ihn genau zu Ember Sallow zog, aber der Sog war einem Mahlstrome gleich stark.
      "Und selbst wenn", sagte er schließlich und zuckte die Achseln, ehe er sie wieder seitlich ansah und gerade noch den verstohlenen Blick bemerkte. "Ich habe nichts dagegen, Teil Ihrer Gerüchte zu sein. Sollen Sie reden. Ich kenne das mein ganzes Leben lang."
      Auf ihre letzte Frage hin zuckte er allerdings zusammen.
      zumal er nur er den ersten Teil zunächst wahrnahm. War das gerade...Wollte sie wirklich...Quatsch, du Idiot, hör auf den liebeskranken Tölpel zu mimen und höre der Lady zu!
      "Achso", lachte er verständig und nickte. "Ich dachte schon, Sie wollten einen Ausflug mit mir machen. Wie schade! Jedenfalls..:Wie lange mag es her sein? Ich glaube vielleicht Jahre. Mindestens vier? Vielleicht auch sieben? Ich weiß es nicht genau. Wie ist es mit Ihnen? Wann haben Sie den letzten Ausflug gemacht? Und wohin ging es?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Mhh....ausnahmsweise also? Wow, wie viele Frauen haben Sie denn in der Zeit abgeschleppt wo ich noch Zuhause mich in meinem Elend gesuhlt habe?"
      Ember witzelte über eine Tatsache, die für sie schon so unglaublich weit weg wirkte. Das Zeitgefühl war ihr in jeglicher Hinsicht völlig abhanden gekommen, sodass die Tage nur so vor ihr vorbei zu fliegen schienen. Selbst wenn sie mit aller Macht versuchte, auch nur für einen Augenblick lang stillzustehen, riss es sie gnadenlos weiter und warf ihr immer neue Hindernisse in den Weg.
      Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie Ruairi bei ihrer Frage zusammenzuckte. Das führte dazu, dass sie ihre Aufmerksamkeit wieder vollkommen auf ihn richtete und gerade noch mitbekam, wie er scheinbar einen gedanklichen Kampf mit sich selbst ausfocht. Einen, den sie erst im Nachgang verstand und realisierte, dass ihre Ausdrucksweise einfach missverständlich gewesen sein mochte. Bei seinem wie schade legte sie ihren Kopf jedoch leicht schief. Da klang mehr als nur Schalk mit, das hörte sie unter jeder erdenklichen Nuance heraus. Also erhoffte er sich mit ihr einmal etwas zu unternehmen? Einen ominösen romantischen Ausflug, an den sie selbst keine Erinnerungen mehr hatte?
      "Wow. Das klingt ganz schön traurig, wenn man sowas mit Jahren beantwortet", erwiderte Ember trocken und fummelte an einer Strähne herum, die sich eindeutig gegen ihr Ohr verschworen hatte. "Obwohl, wenn ich so recht überlege kann ich mich an mein letztes Event in solch einer Richtung gar nicht mehr erinnern. Mit Alex war ich nie weg, Arbeit war meistens wichtiger. Und davor?....Puh...schwierig..."
      Das nächste, was an einen solchen Ausflug gekommen wäre, würde der mit August ursprünglich ausgemachte Städtetrip nach Berwick-upon-Tweed sein. War das überhaupt noch ein Ding? Wollte sie das überhaupt noch?
      Embers Blick wanderte abermals über Ruairi hinweg, angefangen von seinen Knien hoch über seinen Torso bis sie schließlich wieder bei seinen Augen hängen blieb. Wann hatte sie das letzte Mal so helle Augen gesehen?
      "Ich glaub, bei mir muss das gar nichts so atemberaubendes sein. Ich fände vermutlich schon so ein Wochenende in einem schönen Hotel ziemlich toll. Aber moment mal - Sie lenken schon wieder ein bisschen ab", schoss Ember plötzlich hervor und griff überraschend schnell nach einer seiner Hände.
      Ihr Blick war völlig auf sein Gesicht fixiert, so als erwartete sie eine Reaktion in seinem Gesicht auf das, was sie gerade getan hatte. "Wieso wurden Sie rot wenn ich einfach nur Ihre Hand nehme?", fragte sie leise und wusste, dass sie den Mann vermutlich wieder etwas reizte. Aber sie wollte es hören, selbst wenn es nur eine Ausrede war.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi begann schallend zu lachen als sie die Tatsache der Ausnahme ansprach. Wenn sie nur wüsste, dass er gar niemanden abschleppte, selbst wenn er es darauf anlegte. Es war ihm einfach nicht in die Wiege gelegt. Und er wollte es auch nicht, wenn er ehrlich war. Ruairi sehnte sich nach Dingen von Bedeutung und nicht kurzfristigen Vergnügen.
      "Ich habe gar Niemanden abgeschleppt, sieht man von dem schwulen Barmann ab, der mir eindeutige Avancen machte", kicherte er und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. "Ich habe seit langem nicht mehr wirklich das kurzfristige Abenteuer gesucht, keine Sorge. Ich hätte sicherlich Chancen gehabt, wenn ich es drauf angelegt hätte, aber was bringt mir eine Nacht gegen ein Leben?"
      Ruairi lächelte sie schweigend an und sah in ihren Augen ungestellte Fragen. Als würde sie versuchen, sich gewisser Dinge klar zu werden, die er selbst nicht wirklich verstand.
      "Dann ist es bei Ihnen dann auch traurig?", fragte er schalkhaft und grinste breit. "Ich meine, wenn Sie sich nicht mal dran erinnern können. Und es ist schade, dass SIe es mit Alex nie geschafft haben, nach draußen zu gelangen. Es wäre sicherlich schön gewesen..."
      Als sie ihre Vorstellungen preisgab und vorher seinen ganzen Körper betrachtete, fühlte er sich nicht einmal unwohl. Viel eher hätte er sich vor ihr aufgebaut, damit sie sehen konnte, was auch immer sie zu sehen glaubte.
      Stattdessen lächelte er und nickte schweigend zu ihren AUsführungen.
      "Ja, das klingt wirklich schön", gab er zu. "Warum braucht es immer diese teuren Urlaube heutzutage? Wo sind die einfachen Vergnügungen hin, die uns früher so erfreut haben? Ich erinnere mich an einen Urlaub mit Melissa wo wir einfach nur im Auto umher gefahren sind. Hier und dort genächtigt...Es war wunderschön."
      Auf ihre Reaktion und die Nahme seiner Hand zuckte er wieder zusammen und hätte isch beinahe unweigerlich von ihr entfernt, wenn sein ganzer Verstand nicht dagegen rebelliert hätte. Es war gut, dass er berührt wurde. Er wollte es sogar. Ihre Hand fühlte sich warm und weich in seiner an und am liebsten hätte er sie zu sich herangezogen.
      Jedoch war die Frage eine überaus rhetorische.
      "Sie können es sich doch bestimmt denken, Ember"; sagte er und lächelte nachsichtig. "Sie sind eine wunderschöne Frau, Ember Sallow. Und ja, es ist so, schauen Sie nicht so drein. Ich habe lange keinen Kontakt zu einem weiblichen Wesen gehabt, das mich derart berührt und erdet. Es ist als hätte ich nicht nur einen Anker gefunden sondern vielmehr Jemanden, von dem ich berührt werden möchte. Ist das verwerflich?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Es entstand eine Stille zwischen den Beiden während Ember nicht direkt auf Ruairis Frage hin antwortete. Stattdessen musterte sie ihn schweigsam, überlegte was sie mit den gewonnen Erkenntnissen bewerkstelligen konnte und was nicht. Schlussendlich ließ sie einen angehaltenen Atemzug zwischen ihren Lippen entweichen als aus dem aufmerksamen Mustern ein entspanntes Kopfschütteln wurde.
      "Nein, ist es nicht."
      Sie drehte seine Hand in der ihren bis sie ihren Daumen auf seinem Handrücken hatte und leicht über seine Haut streicheln konnte. Nach der ganzen Sache mit August war es mehr als nur angenehm, dass es auch anders mit ihren Mitmenschen laufen konnte. Anders mit jemanden, der sogar aussprechen konnte, dass er Gefallen an ihr gefunden hatte.
      "Manchmal ist es schön, wenn man solche Wort hört anstatt sie unter zehn Schichten gesagter Worte herauszukitzeln", sagte sie leise, drückte seine Hand einmal etwas fester und entglitt schließlich seinem Griff. "Man vergisst gerne, wie schön nur diese einfachen Momente sein können."
      Ein weiteres Mal lehnte sie sich nach vorn, näher an Ruairi heran, sodass sie nur noch ihre Hand nach ihm ausstrecken musste und die Fingerspitzen ihrer rechten Hand gerade so den weißen Stoff seines Shirts auf seiner Brust erreichten. Dort verharrten sie still, als müsse sie sich erst noch davon überzeugen, eine Aktion auszuführen. Es folgte ein tiefer, ruhiger Atemzug, ein verstohlener Blick in sein Gesicht - und dann war sie aufgestanden.
      "Es gab... Grenzen, richtig?", fragte sie mit trockenem Mund und musste es laut aussprechen wie ein Mantra zu sich selbst. "Wenn Sie Ihre wahren möchten, sollten Sie mich besser nicht reizen... Also... ich bin mal kurz Zähne putzen und dann... können Sie gern."
      Schlau wie Ember war wartete sie keine Reaktion Ruairis ab sondern kehrte sich direkt ab und peilte die Treppe an. Dass dieses Mal sie diejenige mit dem erhöhten Puls war, musste sie ihm schließlich nicht noch auf die Nase binden. Die zuvor angesprochene Grenze schien gerade hart angegriffen worden zu sein und sie musste dringend die Reißleine ziehen bevor etwas passierte, dass die Sache nur unnötig verkomplizierte.
      Die Minuten oben im Bad waren für ihr erhitztes Gemüt das reinste Läuterungsbad. Sie hatte sich gefühlt eine volle Minute lang kaltes Wasser ins Gesicht geschaufelt bis sie das Gefühl hatte, ihr Gesicht wäre taub. Als sie mit ihrem Kurzprogramm fertig war kam sie aus dem Bett und gab direkt Bescheid.
      "Ist frei, Sie dürfen."
      Dann schlurfte sie regelrecht zu dem Bett herüber, seufzte ein weiteres Mal und krabbelte unter die Bettdecke. Die Matratze war eine Nummer weicher als die ihre, die Kissen allerdings ordentlich auf die Härte eingestellt. Sie setzte sich auf, die Decke nur bis zur Taille gezogen und die Beine angewinkelt, auf denen sie ihre Ellbogen abstellte und das Gesicht in die Hände stützte während sie darauf wartete, dass Ruairi die Treppe hinaufkam. Eine gute Nacht würde sie ihm so oder so noch wünschen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Noch während sie seine Hand in ihre nahm und langsam über den Handrücken streichelte, lächelte Ruairi etwas weniger breit, dafür wesentlich herzlicher. Es war als stünde sein Gesicht regelrecht in Flammen, als er die Polizistin ansah.
      "Gut, das freut mich", sagte er und nickte, während sein Daumen dasselbe tat wie ihrer.
      Durch den ineinander verschränkten Griff ihrer Hände glitt auch er mit seinem Finger über die weiche Haut ihres Handrückens und seufzte kurz wohlig auf, ehe sie die Verbindung bereits auflöste. Beinahe wäre Ruairi ein unmännliches, missbilligendes Geräusch entfahren, jedoch konnte er sich in letzter Sekunde daran hindern. Er wollte gerade eine Erwiderung aussprechen, als er ihre Finger an den äußersten Enden seines Shirts wahrnahm.
      Die Berührung war federleicht, geradezu hauchend, wenn man das vorher bedachte. Auch wenn es nur Sekunden und der Hauch einer Berührung waren. Es reichte aus, um ihn völlig zu versteinern. Was notwendig war, denn es überraschte Ruairi selbst, wie sehr er dies wollte. Beinahe hätte er ausgelangt und ihre Hand auf seine Brust gedrückt. Nur ihr Aufstehen verhinderte eine unkluge Reaktion seinerseits.
      "Grenzen...Ja, ich...Ja...", stotterte er und räusperte sich, um von seiner Röte und dem Pulsschlag bis unter die Decke abzulenken. "In Ordnung. Lassen Sie sich Zeit!"
      Er musste sich regelrecht zwingen, ihr nicht hinterher zu sehen. Ein Blick auf den Körper der jungen Frau hätte nun auch noch die letzten Dämme eingerissen. Während er oben den Wasserstrahl und das schubbernde Geräusch der Zahnbürste hörte, blickte er zu der Schwärze des TV und seufzte lächelnd.
      "Was zum Teufel tust du hier, MacAllister...", flüsterte er und stützte danach die Stirn in seine Hände. Nur um gleich darauf nach ihrem leeren Glas zu greifen und es sich an die Stirn zu halten. "Kühl dich ab, du Idiot...Sie ist Gast..."
      Ein bezaubernder Gast. Ein wunderschöner Gast. Und selbst ein Idiot konnte Zeichen lesen. Du musst nur hingehen und die Grenze einreißen.
      Klappe!
      Aber es ist doch wahr.
      Hab ich nicht gerade gesagt, dass du den Rand halten sollst?
      Sachte stellte er das Glas ab, als er sie rufen hörte und atmete dreimal tief durch während er sich erhob und die Treppe hinauf ging.
      Bitte lass sie nicht im Bett liegen, bitte lass sie nicht im Bett liegen, bitte lass sie -
      Verdammt!
      Ruairi versuchte, den durchbrechenden Puls hinter einem Lächeln zu verstecken und warf nur einen kurzen Blick zum Bett.
      "Ich beeile mich", sagte er und verschwand im Bad, wo er mit gehetztem Blick in den Spiegel saß.
      Das war schlecht! Unsagbar schlecht! Er fuhr sich stumm mit den Fingern durchs GEsicht und zog es lang wie sie es als Kinder getan hatten. Eilig schrubbte er die Zähne, sodass das Zahnfleisch blutete und stellte alles wieder ordentlich weg.
      Als er wieder herauskam, sah er zu Ember und lächelte für ein letztes Mal des Tages.
      "Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht. Schlafen Sie sich aus!"
      Seine Stimme war gut temperiert, klang nicht nervös. Sein Herzschlag war so schnell, dass er glaubte, man könnte ihn sehen, aber er schaffte es, ohne zu Stolpern die Treppe hinunter. Nun war er klug und wartete nicht allzu lang auf ein Gespräch. Wenn er sie länger so sehen würde, wäre das nicht gut für seine Contenance.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Was mochte wohl gerade in Embers Kopf vor sich gehen, als sie lauernd im Bett saß und angestrengt zur Treppe starrte, wo Ruairi gleich erscheinen würde. Sie hörte die Stufen knarzen, seinen Haarschopf auftauchen und dann trafen sich direkt ihre Blicke. Wo sie ihn unverholen ansah, hielt er den Kontakt nur eine Sekunde aufrecht und war dann schon im Bad verschwunden. Sein übliches Lächeln wirkte leicht gezwungen und irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie irgendetwas falsch gemacht hatte. Seufzend schloss sie einfach nur die Lider und lauschte den Geräuschen aus dem Badezimmer. Bis es still wurde und die Tür sich öffnete.
      Prompt war ihre volle Aufmerksamkeit wieder bei Ruairi, der nun ähnlich wie sie ein paar Minuten davor sichtlich ruhiger aus dem Raum trat. Sie blinzelte ihn ein paar Mal an in Anerkennung, dass er dieses Mal nicht sofort den Kontakt brach sondern ihr wieder eines seiner typischen Lächeln schenkte. Eines, das ihre eigenen Mundwinkel ebenfalls etwas nach oben hievte.
      "Wünsche Ihnen auch eine gute Nacht", schickte sie ihm noch hinterher, da war er bereits wieder auf der Treppe und aus ihrem Sichtfeld verschwunden.
      Trotzdem sah sie ihm gefühlt noch eine volle Minute hinterher, ehe sie sich stumpf nach hinten in die Kissen fallen ließ und die Decke anstarrte. Eigentlich sollte das hier doch einfach nur eine Übernachtung bei einem Kollegen werden weil die U-Bahn in mitten der Nacht allein für eine Frau nicht unbedingt die beste Wahl war. Wieso fühlte es sich dann überhaupt nicht danach an?
      Unschlüssig drehte Ember sich auf die Seite, igelte sich etwas ein und atmete tief durch. Ein Fehler, wie sich herausstellte, denn mit der Nase im Kissen eines anderen kam sie nicht mehr darum zu realisieren, wie gut es eigentlich roch. Prompt riss sie die Augen auf und schnellte hoch, gerade noch so unterdrückte sie einen frustrierten leisen Aufschrei. Wenn das so weiterging würde sie nicht ein Auge zu tun in der eh schon so kurzen Nacht... Wie viele Stunden hatte sie eigentlich noch?
      Emsig schaute sich die Detective nach ihrem Handy um, konnte es aber auch nach Wühlen in der Decke nicht finden. Bis ihr siedendheiß einfiel, dass es noch unten auf dem Tisch liegen musste. Sie grummelte leise, als sie sich aus der bereits angewärmten Decke schälte und mit leisen Füßen zu Treppe tappste.
      Als das leise Knarzen der Stufen ihre Ankunft vorhersagten, machte sie sich auch akustisch bemerkbar: "Liegt mein Handy da noch auf dem Tisch? Ja, oder?"
      Sie hob erst den Blick als sie den letzten Schritt von der Treppe getan hatte und konfrontierte direkt einen vielbeschäftigten Mann, der sich das Sofa gerade heimelig gemacht hatte und gerade dabei war, das gleiche mit sich zu tun. Natürlich sah sie von hier ihr Handy auf dem Tisch, allerdings rückte es in weiter Ferne als sich ihr Blick förmlich an dem entblößten Bauch Ruairis festsaugte, der sich gerade von seinem spack sitzenden Shirt befreien wollte.
      Wo sich der gute Mann vorhin noch ins Badezimmer retten konnte, wäre Ember nun nur die Flucht ins obere Stockwerk geblieben. Dies inkludierte jedoch die Treppe und sie bezweifelte stark, dass sie Stufen jetzt vernünftigt nehmen konnte. Zur Hölle, sie konnte selbst auf diese Entfernung jede einzelne Muskelwölbung ausmachen. Binnen Sekunden hatte sich ihr Mund in eine waschechte Minigobi verwandelt. Spätestens jetzt war sie sich hundertprozentig sicher, dass ihr eine einfache Hand nun nicht mehr reichen würde.
      Ihr Mund öffnete und schloss sich mehrmals, immer wortlos und stumm bis sie schließlich ein frustriertes Grummeln von sich gab und einmal versuchte ihren Blick auf irgendetwas anderes zu richten. Allerdings kam sie immer wieder bei ihm raus.
      "Ach, zum Teufel damit", murmelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart und brachte endlich ihre furchtbar steifen Beine in Bewegung. Deutlich lauter und in der Hoffnung unbekümmert zu klingen, fügte sie hinzu: "Tun Sie sich keinen Zwang an. Fühlen Sie sich von mir nicht gestört."
      Dass es sich dabei eher so anhörte, als bat sie darum, dass er möglichst schnell sein Shirt in die Verbannung schickte, fiel ihr in ihrem Tunnelblick nicht auf. Sie stand so oder so schon viel zu nah an ihm, als sie sich nach ihrem Handy streckte, allerdings nur Augen für den Mann neben sich hatte. Sie führten sich wie pubertierende Teenager auf, über das sie später vermutlich herzhaft lachen würden. Aber jetzt hatte Ember gerade massive Schwierigkeiten, ihre zuckenden Finger unter Kontrolle zu behalten.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairis Gang nach unten wirkte wie eine meditative Erfahrung. Die knarzenden Stufen unter seinen Füßen schrien mit jedem Schritt nach einer Aussicht auf Befreiung von dieser Sehnsucht. Doch mehr und mehr ertappte er sich dabei, wie er ständig wieder hinauf sah und sich kurz abhalten musste, wieder hinauf zu laufen.
      Schweigsam erreichte er schließlich das Sofa des Wohnzimmers und klaubte aus dem versteckten Bettkasten eine leichte Decke heraus. War es heiß hier?
      Nein, du Idiot. Dir ist heiß, weil du dich am liebsten auf eine andere Schlafstatt gebettet hättest.
      Kopfschüttelnd und immer wieder schlug er sich vor die Stirn, damit diese kleine Stimme in seinem Selbst aufgab und aufhörte, ihm Sachen zu unterstellen, die vollkommen stimmten! Ja, er wäre gerne bei ihr geblieben, aber nicht um sie schlicht zu begatten wie ein frühreifer Pubertierender!
      Noch während er sich selbst beschimpfte, zog er die Decke hervor und breitete sie auf der Couch aus. Die Nacht würde hart werden. Zum einen aufgrund des Untergrundes und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass die einzige Frau in vielen Jahren, deren Berührung er haben wollte, dort oben lag und den Schlaf der gerechten schlief.
      Es war einfach zu heiß! Viel zu heiß! Es musste tausend Grad haben. Demnach beschloss er, sein Shirt schon etwas früher auszuziehen. Er wollte zumindest warten bis sie eingeschlafen war, aber der eng anliegende Stoff raubte ihm den Verstand. Mit einigen kleinen Hindernissen riss er sich das Shirt ein wenig über den Kopf, sodass er zumindest seinen Bauch freibekam. Gott verfluche ihn für diese Eitelkeit die kleinere Größe zu nehmen. Hätte auf Logan hören sollen, dachte er. Ich habe einfach zugenommen.
      Sein Hemd war gerade bis zur Unterseite seiner BRust angelangt, da bemerkte er knarzende Schritte auf der Treppe. War sie...Eindeutig ja. Er wusste doch, dass er eine Stimme gehört hatte. Er hatte sie für seine eigene gehalten. Verfluchter Affendreck!
      Das Shirt spackte noch ein wenig weiter an seiner Brust und er ächzte, als würde er einen Elefanten niederringen. Überlaut redend trappste die Detective die Treppe hinab und Ruairi hielt in seiner Bewegung inne um sie anzusehen und ja keinen Winkelzug ihres Körpers zu verpassen.
      "In Ordnung", grinste er und zuckte behelfsmäßig mit den Achseln, ehe er sich das Shirt ganz von seinem Körper zog.
      Wenn sie dies so haben wollte, wollte er sie nicht enttäuschen.
      Blödsinn, Idiot. Du hast nur den Unterton gehört und warst zu eitel um es zu ignorieren.
      Man wird ja wohl ein wenig selbstsüchtig sein dürfen!, keifte er sich selbst innerlich an während sie sich nach einem Gegenstand auf dem Tisch beugte. Doch seine Hand war schneller.
      Sachte schnappte er das Handy vom Tisch und trat den letzten verheerenden Schritt auf sie zu und hielt es ihr grinsend hin.
      "Sorry, ich habe SIe nicht rufen hören", sagte er und wartete bis sie es entgegen nahm.
      Gott, sie roch so gut...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember hörte das In Ordnung viel zu laut, als wäre alles andere in diesem Raum, das auch nur irgendein Geräusch von sich geben konnte, von dieser Welt verschwunden. Sie zwang sich regelrecht dazu, keinen weiteren Blick zur Seite zu riskieren obwohl sie selbst aus dem Augenwinkel sehr genau mitbekam, wie sich Ruairi tatsächlich einfach des Shirts entledigte und allein damit fast dafür gesorgt hätte, dass sie aufschrie.
      Folglich war die Detective auch relativ langsam unterwegs, wie in Zeitlupe streckte sie sich nach ihrem Handy, damit sie bloß mehr Zeit schinden konnte um abzuwägen, wie sie reagieren sollte. Ihn nicht anzugucken war respektlos. Ihn anzugaffen ebenfalls. Dann war das Handy plötzlich weg vom Tisch. Es kostete sie einen wertvollen Blinzler ehe sie sich wieder aufrichtete und ihr Handy in Ruairis Hand lokalisierte. Der nun nicht mal mehr eine Armlänge von ihr entfernt stand.
      Üblicherweise hätte sie sich bedankt, das Gerät eingesteckt und wäre gegangen. Jetzt hingegen ihre Arme zu ihren Seiten hinab, die Finger zuckten noch immer unruhig hin und her. Diese Unruhe zeigte sich auch in ihrem Blick, der nicht ein einziges Mal zu dem Gerät in seiner Hand driftete. Stattdessen schien sie sich jede noch so kleinste Erhebung seines Torsos einzuprägen, jeden Schattenschlag, jede Imperfektion seiner Haut. Bis sie schließlich in seinem Gesicht ankam und drohte, in dem Eismeer seiner Iren zu ertrinken.
      Er hatte diesen Schritt absichtlich getan. Hatte sich absichtlich das Hemd vom Leibe gerissen und sich so vor ihr postiert. Absichtlich das Handy stibitzt, damit sie ihn ansehen musste. Jetzt tat Ember genau das mit einem Ausdruck in den Augen, der gefährlich zwischen der Balance von Anstand und Spontaneität tanzte.
      "Dann wäre jetzt wohl der Moment gekommen in dem Sie mir sagen, wo Ihre Grenzen liegen", sagte Ember leise mit einer zur späten Stunde passenden dunklen Note in der Stimme.
      Sie sprang über ihre eigene Grenze und hörte auf ihr Bauchgefühl, das sich nach der Sanftheit und Wärme sehnte, wie Ruairi sie ihr bereits gezeigt hatte. Sie wollte in seinem Gesicht sehen, wie er auf ihre Berührungen reagierte, egal in welcher Art und Weise. Was ein einfacher Fingerstreich von ihr bei ihm bewirken konnte.
      Ihre Hand wanderte zu seiner, das Handy noch immer in der Hand. Doch sie fasste nicht nach dem Gerät sondern legte ihre Fingerspitzen auf seinen Handrücken, um sie langsam auf eine Reise über seinen Unterarm aufwärts zu seiner Schulter zu schicken. Dafür musste sie noch einen Schritt näher an ihn herantreten, stets darauf bedacht zu sehen, wann sie seine Grenzen erreichen würde. Seine Haut brannte förmlich unter ihren Fingerspitzen während sie ihren Weg über sein Schlüsselbein fortsetzte, den Knochen nachzeichnete und schließlich abwärts wanderte. Bis sie über seinem Herz zum Stillstand kam und ihre Hand flach auf seine Brust legte. Darunter spürte sie einen Pulsschlag, der sich versuchte mit dem ihren zu messen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Benutzer online 24

      24 Besucher