Kapitel 3:
Am Schweideweg
Foremar blickte zu Ember während sie sämtliche Phasen der Trauer durchfuhr und sich verhielt wie ein Neanderthaler.
Man mochte es so und so sehen. Er jedoch sah eine Frau, die von allem übermannt wurde, was sie in den letzten Stunden miterlebt hatte. Und was nur ein Bruchteil war, was er in den letzten 80 Jahren erfahren musste. Die Reaktion auf seine Geschichte ließ ihn ein wenig zweifeln, als sie dort auf der Treppe aufkam, die Augen hinter ihren Augen versteckt. Kein Wort der Reaktion auf die Antworten, die sie hatte haben wollen. Stattdessen mehr ein Vorwurf, der ihn traf. Doch ehe er bereits reagieren konnte, schien ihr Fass überzulaufen. Schweigsam und Luft holend musste er zusehen, wie sie nach ihrer Schreitirade stapfend durch alles hindurch marschierte und ihn bei dem Kragen packte.
Gut, es hob ihn nicht vom Boden ab und in ihren Worten war Schmerz das vorherrschende Gefühl, wenn er sich auf seine Gefühle verlassen konnte. Aber dennoch überschritt sie eine Grenze, die ihm auch die Wut ins Gesicht feuerte wie ein Schrotschuss. Nachdem sie sich ausgebrüllt hatte und ihn so herausfordernd ansah, riss er ihre Hände von seinem Revers und stieß diese nach hinten. Nicht mit voller Kraft, damit sie sich nichts tat, aber deutlich genug, dass es klar wurde, dass hier die Grenze war.
"ES REICHT JETZT!", donnerte er und mit gleichem Schreien flackerten die schmalen Lichter im Raum. "Mir ist völlig gleich, welches Spiel zu spielen oder nicht spielen willst, Ember Sallow! Nur um das klar zu stellen, damit es auch in deinen überforderten Sturschädel geht: Ich sehne mich nicht nach dem Ende! Ich habe keine Sehnsucht nach dem Tod, den du mir beibringen sollst! Wenn du mir vielleicht eine Sekunde lang zugehört und dich nicht in deinen Ermittlungen und Geheimniskrämereien versteckt hättest, würdest du vielleicht wissen, dass ich einen Weg suche, das Leben meiner Freunde wieder herzustellen! Also weshalb sollte ich mich nach dem Tod sehnen? Weil ich insgeheim ein stereotypischer Antiheld einer beschissenen Story bin?!?"
Er trat einen Schritt auf sie zu und sah sie noch kälter an als er es eigentlich schon tat.
"Ich habe mich deshalb nicht gewehrt, weil ich dachte, meine Partnerin scheuert mir eine!", zischte er. "Ich habe dieses Artefakt weder erahnt noch dessen Wirkung gekannt, als du es in den Pflock getrieben hast! Ich habe gedacht, ich wäre zu weit gegangen, aber dass du dem Wahn erliegen würdest, mich töten zu wollen, habe ich leider nicht absehen können."
Er wandte sich ab und verschwand wieder hinter dem Tisch. Mit einem Wink verschwanden die Menschenhologramme und hinterließen Kälte im Raum.
"Ich scheiße auf diese Prophezeiung!", rief er. "Ich habe immer darauf geschissen, weil es keinen Sinn macht, Gespenstern hinterher zu jagen. Und ja, erstaunlicherweise wollte ich in deiner Nähe bleiben! SO EIN BESCHISSENES WUNDER NICHT WAHR?! DASS DER VERTEUFELTE MÖRDER SICH AUSGERECHNET IN DER NÄHE EINER POLIZISTIN MIT DICKSCHÄDEL UND MEHR KOMPLEXEN ALS KATE WINSLET IN TITANIC WOHL FÜHLT!"
Es ließ sich nicht mehr halten. Dafür war es zu spät.
Er spürte die Wut emporsteigen und wollte sie nicht an ihr auslassen. Es war nicht recht, das zu tun. Er hatte das einmal getan und würde es nie wieder.
"Und jetzt verschwinde...", murmelte er kraftlos und sah auf den Tisch. "Verschwinde nach oben und erwarte deinen Bruder. Er müsste gleich da sein. Ihr habt zwei Zimmer nebeneinander."
Es war genug für einen Tag.
Am Schweideweg
Foremar blickte zu Ember während sie sämtliche Phasen der Trauer durchfuhr und sich verhielt wie ein Neanderthaler.
Man mochte es so und so sehen. Er jedoch sah eine Frau, die von allem übermannt wurde, was sie in den letzten Stunden miterlebt hatte. Und was nur ein Bruchteil war, was er in den letzten 80 Jahren erfahren musste. Die Reaktion auf seine Geschichte ließ ihn ein wenig zweifeln, als sie dort auf der Treppe aufkam, die Augen hinter ihren Augen versteckt. Kein Wort der Reaktion auf die Antworten, die sie hatte haben wollen. Stattdessen mehr ein Vorwurf, der ihn traf. Doch ehe er bereits reagieren konnte, schien ihr Fass überzulaufen. Schweigsam und Luft holend musste er zusehen, wie sie nach ihrer Schreitirade stapfend durch alles hindurch marschierte und ihn bei dem Kragen packte.
Gut, es hob ihn nicht vom Boden ab und in ihren Worten war Schmerz das vorherrschende Gefühl, wenn er sich auf seine Gefühle verlassen konnte. Aber dennoch überschritt sie eine Grenze, die ihm auch die Wut ins Gesicht feuerte wie ein Schrotschuss. Nachdem sie sich ausgebrüllt hatte und ihn so herausfordernd ansah, riss er ihre Hände von seinem Revers und stieß diese nach hinten. Nicht mit voller Kraft, damit sie sich nichts tat, aber deutlich genug, dass es klar wurde, dass hier die Grenze war.
"ES REICHT JETZT!", donnerte er und mit gleichem Schreien flackerten die schmalen Lichter im Raum. "Mir ist völlig gleich, welches Spiel zu spielen oder nicht spielen willst, Ember Sallow! Nur um das klar zu stellen, damit es auch in deinen überforderten Sturschädel geht: Ich sehne mich nicht nach dem Ende! Ich habe keine Sehnsucht nach dem Tod, den du mir beibringen sollst! Wenn du mir vielleicht eine Sekunde lang zugehört und dich nicht in deinen Ermittlungen und Geheimniskrämereien versteckt hättest, würdest du vielleicht wissen, dass ich einen Weg suche, das Leben meiner Freunde wieder herzustellen! Also weshalb sollte ich mich nach dem Tod sehnen? Weil ich insgeheim ein stereotypischer Antiheld einer beschissenen Story bin?!?"
Er trat einen Schritt auf sie zu und sah sie noch kälter an als er es eigentlich schon tat.
"Ich habe mich deshalb nicht gewehrt, weil ich dachte, meine Partnerin scheuert mir eine!", zischte er. "Ich habe dieses Artefakt weder erahnt noch dessen Wirkung gekannt, als du es in den Pflock getrieben hast! Ich habe gedacht, ich wäre zu weit gegangen, aber dass du dem Wahn erliegen würdest, mich töten zu wollen, habe ich leider nicht absehen können."
Er wandte sich ab und verschwand wieder hinter dem Tisch. Mit einem Wink verschwanden die Menschenhologramme und hinterließen Kälte im Raum.
"Ich scheiße auf diese Prophezeiung!", rief er. "Ich habe immer darauf geschissen, weil es keinen Sinn macht, Gespenstern hinterher zu jagen. Und ja, erstaunlicherweise wollte ich in deiner Nähe bleiben! SO EIN BESCHISSENES WUNDER NICHT WAHR?! DASS DER VERTEUFELTE MÖRDER SICH AUSGERECHNET IN DER NÄHE EINER POLIZISTIN MIT DICKSCHÄDEL UND MEHR KOMPLEXEN ALS KATE WINSLET IN TITANIC WOHL FÜHLT!"
Es ließ sich nicht mehr halten. Dafür war es zu spät.
Er spürte die Wut emporsteigen und wollte sie nicht an ihr auslassen. Es war nicht recht, das zu tun. Er hatte das einmal getan und würde es nie wieder.
"Und jetzt verschwinde...", murmelte er kraftlos und sah auf den Tisch. "Verschwinde nach oben und erwarte deinen Bruder. Er müsste gleich da sein. Ihr habt zwei Zimmer nebeneinander."
Es war genug für einen Tag.
The more that I reach out for heaven
The more you drag me to hell
